Farbzwang

Paul Cézanne: Die Kartenspieler

Ein Kartenspiel ist ein Spiel, bei dem Spielkarten der wesentliche Bestandteil des Spielmaterials sind. Die große Vielzahl unterschiedlicher Kartenspiele ergibt sich aus unterschiedlichen Kombinationen oft grundsätzlich ähnlicher Kartenspielregeln, aus unterschiedlichen Spielzielen und der Verwendung unterschiedlicher Spielkarten. Übersichten zu diesen Kartenspielen sind oft an einem dieser Kriterien ausgerichtet oder aber an der Herkunft (Region) des Spieles.

In strengen christlichen Kreisen wurde das Kartenspiel noch bis in das 20. Jahrhundert hinein als „Gebetbuch des Teufels“ bezeichnet, um die Gefahren des Glücksspiels, aber auch des Müßiggangs zu verdeutlichen.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Spieleigenschaften

Adriaen Brouwer: Kartenspieler mit Kiebitzen (Gemälde um 1630)
Adriaen Brouwer: Rauferei beim Kartenspiel (Gemälde um 1630)

Unabhängig von den individuellen Regeln der einzelnen Spiele gibt es eine Reihe Eigenschaften, die alle Kartenspiele gemeinsam haben. So gibt es ein – zumindest bei sehr formalem Spiel – angewendetes Verfahren zum Auslosen der Sitzplätze bzw. Partnerschaften, dieses wird auch angewendet, um festzustellen, wer als erster gibt.

Vor jedem einzelnen Spiel müssen die Karten gemischt und sodann abgehoben werden. Gegeben wird – falls nichts anderes verlangt ist, vgl. etwa Skat oder Doppelkopf – grundsätzlich einzeln, wobei sich der Geber (Teiler) jeweils als letzter bedient.

Die Spieler dürfen erst dann ihre Karten aufnehmen, wenn das Geben abgeschlossen ist. Die Karten werden in der Regel verdeckt gahalten, so dass jeder Mitspieler nur seine eigenen Karten kennt.

Die Reihenfolge der Spieler wird bei den einzelnen Spielen sehr unterschiedlich gehandhabt. Heute wird mehrheitlich im Uhrzeigersinn gespielt; vor allem ältere Spiele und Spiele italienisch-spanischen Ursprungs werden jedoch gegen den Uhrzeiger gespielt, etwa Tarock oder Baccara. Canasta wird in Lateinamerika, Spanien und Portugal im Gegenuhrzeigersinn, in Angloamerika, Großbritannien und den meisten kontinentaleuropäischen Ländern jedoch im Uhrzeigersinn gespielt.

Wenn die individuellen Regeln nichts anderes sagen, so beginnt bei einem im Uhrzeigersinn gespielten Spiel der Spieler zur Linken des Gebers (sogenannte Vorhand) – das gilt aber z. B. nicht für Bridge, wo der Geber das Gebot eröffnet.

Spielarten

Ablegespiele

Ziel dieser Spiele ist in der Regel das schnellstmöglichte Ablegen aller Handkarten. Die bekanntesten sind sicher Mau-Mau, Rommé und Schwarzer Peter. Die Werte der Karten können zwar Einfluss auch des Spielverlauf haben, sind jedoch für die Ermittlung des Siegers in der Regel ohne Bedeutung.

Weitere Beispiele:

Stichspiele

Bei Stichspielen ist das Ziel, möglichst viele Stiche zu sammeln. Das weltweit verbreitetste Stichspiel ist sicher Bridge und seine Variationen. Die Kartenwerte ermitteln zwar den Gewinner eines Stichs. Doch wird der Sieger einer Runde nur über die von ihm erzielte Stichanzahl ermittelt. Häufig werden viele Runden gespielt.

Weitere Beispiele:

Teilweise entscheidet auch eine genaue Vorhersage des Spielgeschehens über den Sieg. So ist die Ansage der gesammelten Stiche bei folgenden Spielen wichtig:

Augenspiele

Bei Augenspielen ist das Ziel, möglichst viele Kartenpunkte zu sammeln. Dies geschieht häufig auch durch Stiche, deren erreichte Anzahl hier aber unerheblich ist. Als wichtige Vertreter sind im deutschsprachigen Raum sicher Doppelkopf, Schafkopf und Skat (beim Farbspiel oder Grand) zu nennen. Auch Tarock, welches in vielen regionalen Varianten gespielt wird, gehört zu den Augenspielen.

Weitere Beispiele:

Eine andere Art von Spiel-Varianten verlangt, möglichst wenig Stiche oder Kartenpunkte zu sammeln:

Sammelspiele

Hier ist das Sammeln möglichst vieler Karten oder Kartenkombinationen ein entscheidendes Spielkriterium, wie zum Beispiel in Canasta (auch Samba-Canasta), Leben und Tod und dem Quartett-Spiel.

Raubspiele

Bei Raubspielen werden offene Karten mit Handkarten „erbeutet“. Beispiele sind Casino und Hurrikan.

Wettspiele

Anlegespiele

Ziel ist es hier möglichst viele Karten nach einem festen Schema anzulegen:

Sonstige

Eine Einteilung kann sobald unterschiedlichste Zusatzregeln zum Einsatz kommen nicht immer eindeutig sein. Folgende Spiele lassen sich nicht eindeutig einem Typ zuordnen:

Kartenglücksspiel

Michelangelo Merisi da Caravaggio: Die Falschspieler (Gemälde um 1594)

Der Gebrauch von Spielkarten für reines Hazardspiel (Risikospiel/Glücksspiel), der bis ins 18. Jahrhundert verbreitet war, ist heute vor allem in Spielkasinos anzutreffen, allerdings dann mit den heute modernen Kartenglücksspielen, wie Black Jack, Baccara und Red Dog. In der Vergangenheit war das Kartenspiel Pharo oder auch Faro (von Pharao) in Spielsalons, Clubs und Spielgesellschaften in Europa und später in den Spielsalons der amerikanischen Goldgräber sehr verbreitet und beliebt. Varianten sind Tempeln und Meine Tante, deine Tante, historische Vorläufer sind Landsknecht und Bassette. Heute spielt es praktisch keine Rolle mehr. Auch die alten Kasinospiele Rouge et noir und Trente et quarante sind nahezu ausgestorben.

Als Kuriosum sei hier auch die Tontine erwähnt, ein der gleichnamigen frühen Form der Lebensversicherung nachempfundenes Kartenglücksspiel.

Das ebenfalls weitgehend als Glücksspiel geltende Stichspiel Écarté war in den Spielsalons des 19. Jahrhunderts weit verbreitet und als Spiel um sehr hohe Einsätze bekannt, seine Nachfolger, wie Ramso, wurden bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts in Clubs gespielt.

Daneben gibt es eine ganze Reihe mehr oder weniger bekannter Kartenglücksspiele, wie z.B. Blüchern, Kameruner Skat, Schlesische Lotterie oder Bullermännchen, Gottes Segen bei Cohn, und zahlreiche Varianten hiervon mit unterschiedlichen Namen Häufeln, Polnische Bank, Russisches Roulette (letzteres als Kartenspiel, nicht zu verwechseln mit dem bekannten "Revolverspiel"). Eine Reihe weitgehend glücksabhängiger Stichspiele mit einem gemeinsamen Grundprinzip, wie Mauscheln und Tippen (Dreiblatt) sowie verwandte Spiele wie Mistigri und Loo haben auch zeitweise Berühmtheit erreicht. Auch das alte englische Kneipenspiel Nap kann hier mit erwähnt werden. Weiterhin Hoggenheimer, die Black-Jack-Vorläufer Vingt et un, engl. Pontoon oder dt. Siebzehn und vier, sowie auch Trente et un, Macao und das englische Newmarket.

Die Poker-Vorläufer, wie das alte deutsche Poch oder das französische Poque und das dem Poker ähnliche, jedoch ältere englische Brag kommen als Spiele mit Wettcharakter und weitgehender Glücksabhängigkeit des Spielausgangs hinzu.

Kartenspiele als Lernspiele

Viele herkömmliche Kartenspiele fordern und trainieren Eigenschaften wie Konzentration, Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis und strategisches Denken. Logische Spiele wie Set! oder mathematische Spiele wie Elfer Raus können Kindern Logik bzw. Zahlenverständnis nahe bringen. In der wissensdurstigen Barockzeit entstanden viele Lehrkartenspiele. Unter ihren Autoren waren Dichter wie Erasmus Finx und Georg Philipp Harsdörffer.

Eine weitere Variante sind Quartettspiele und Schwarzer Peter, die in der Regel ebenfalls Wissen vermitteln. In ironischem Sinne kann man 32 heb auf auch als Lernspiel bezeichnen.

Spiele mit eigenem Blatt

Neben den Spielen mit klassischen Blättern gibt es heute auch viele Spiele mit speziellen Karten. Dabei handelt es sich häufig um Autorenspiele mit vielfältigen Spielmechanismen. Gelegentlich überschreiten sie die Grenze zum Brettspiel, wenn die Spielkarten als eine Art Spielbrett benutzt werden. Der à la carte Kartenspielpreis zeichnet das jeweils beste Spiel eines Jahres aus.

Im Gegensatz zu den traditionellen Spielen sind die Karten und Spielregeln von einem Hersteller als Gebrauchsmuster geschützt.

Beispiele:

Eine völlig eigene Kategorie bilden die Sammelkartenspiele wie etwa Magic: The Gathering.

Auch bei Brettspielen oder Würfelspielen können Spielkarten beteiligt sein. In den meisten Fällen dienen sie hier jedoch zur Beeinflussung des Spielverlaufs – zum Beispiel als Würfelersatz in Form von Ereigniskarten – oder sie repräsentieren Objekte, die im Spielverlauf eingesetzt werden können, etwa Rohstoffe oder Spielgeld.

Siehe auch

Literatur

  • Spielkarten. In: Meyers Konversations-Lexikon. Bd. 15, 4. Aufl. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1885–1892, S. 143
  • Helmut Waibler: Ein Autor von Lehrkartenspielen, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums (1975), 90-114

Weblinks


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