Februarrevolution 1848

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Februarrevolution 1848
Alphonse de Lamartine (Bildmitte, mit erhobenem Arm) verwehrt am 25. Februar 1848 Sozialrevolution√§ren mit der Roten Fahne das Eindringen ins H√ītel de Ville (Paris) (√Ėlgem√§lde von Henri Felix Emmanuel Philippoteaux)

Die b√ľrgerlich-demokratische Februarrevolution von 1848 in Frankreich beendete am 24. Februar 1848 die Herrschaft des urspr√ľnglich eher liberalen ‚ÄěB√ľrgerk√∂nigs‚Äú Louis-Philippe von Orl√©ans und f√ľhrte zur Ausrufung der Zweiten franz√∂sischen Republik. An deren Spitze wurde im weiteren Verlauf der Revolution, nach dem niedergeschlagenen sozialrevolution√§ren Juniaufstand, der Neffe des ehemaligen Kaisers Napol√©on Bonaparte, Louis Napol√©on Bonaparte, am 10. Dezember 1848 zum Staatspr√§sidenten gew√§hlt.

Inhaltsverzeichnis

Europäische Einordnung

Die Ereignisse der Februarrevolution bildeten den Funken f√ľr die sich anschlie√üende M√§rzrevolution in weiteren Regionen Mitteleuropas, insbesondere in den Staaten des Deutschen Bundes. Diese Revolutionen hatten, zumindest zun√§chst, eine gesamteurop√§ische Dimension mit der Gemeinsamkeit b√ľrgerlich-liberaler Zielsetzungen (vgl. B√ľrgerliche Revolution). Sie k√∂nnen so, im Zusammenhang betrachtet, einschlie√ülich der Februarrevolution, allgemeiner als ‚ÄěRevolution(en) von 1848/1849‚Äú bezeichnet werden, auch wenn sie in ihrem Verlauf in den einzelnen L√§ndern jeweils eigene nationale bis nationalistische Entwicklungen nahmen.

Vorgeschichte

Louis-Philippe war 1830 ebenfalls durch eine damals schon b√ľrgerlich-liberal motivierte Revolution (Julirevolution von 1830), bei der das reaktion√§re Regime der Bourbonen unter Karl X. gest√ľrzt worden war, an die Macht gekommen. Louis-Philippes Regierungszeit von 1830 bis 1848 ‚ąí die sogenannte Julimonarchie ‚ąí war gepr√§gt von einer sich verst√§rkenden Abkehr vom Liberalismus, zunehmenden Skandalen und Korruptionsf√§llen, bis er sich schlie√ülich der von √Ėsterreich dominierten "Heiligen Allianz" anschloss, die mitbestimmt war durch die extrem reaktion√§re Politik der Restauration des √∂sterreichischen Staatskanzlers F√ľrst von Metternich. Dessen Ziel war es seit dem Wiener Kongress 1815, in Europa die Verh√§ltnisse wieder herzustellen, wie sie vor der Franz√∂sischen Revolution von 1789 geherrscht hatten, das hei√üt Vorherrschaft des Adels und R√ľckeroberung seiner Privilegien.

Das franz√∂sische B√ľrgertum war schlie√ülich zusehends entt√§uscht von der Politik des K√∂nigs, der vom B√ľrgertum selbst an die Macht gebracht worden war. Vor allem das Zensuswahlrecht, das dem B√ľrgertum einen seiner St√§rke entsprechenden Einfluss bei der Gesetzgebung verwehrte, verst√§rkte die Wut auf den K√∂nig [1].

Auch in der Arbeiterschaft gärte die Unzufriedenheit und es entwickelte sich aus der problematischen sozialen Lage, die durch eine Agrar- und Handelskrise 1847 noch verschärft worden war, eine revolutionäre Stimmung.

Auslöser und Verlauf

zeitgen√∂ssische Karikatur auf den Sturz von Louis Philippe: Ein republikanischer Revolution√§r tritt den abgesetzten K√∂nig √ľber den √Ąrmelkanal nach England.

Nachdem der K√∂nig ein geplantes Bankett zur Reform des Wahlrechts verboten hatte, kam es ab dem 21. Februar 1848 zu √∂ffentlichen Protesten in Paris, die sich schnell zu Unruhen ausweiteten und eine revolution√§re Entwicklung annahmen[2]. Es kam, vor√ľbergehend, zur Vereinigung von Arbeitern und B√ľrgern. Am 23. und 24. Februar 1848 folgten heftige Stra√üen- und Barrikadenk√§mpfe zwischen den Aufst√§ndischen und den k√∂niglichen Truppen. Am 24. Februar 1848 sah sich der verhasste gro√üb√ľrgerliche Ministerpr√§sident Fran√ßois Guizot zum R√ľcktritt gezwungen. Kurz darauf dankte K√∂nig Louis Philippe selbst ab und floh ins Exil nach England. Daraufhin wurde eine provisorische Regierung unter dem liberalen Politiker Alphonse de Lamartine eingesetzt und die Republik ausgerufen.

Die junge zweite franz√∂sische Republik feiert am 21. Mai 1848 das ‚ÄěFest der Eintracht‚Äú (F√™te de la Concorde).

Die erste Revolutionsregierung war ein √§u√üerst heterogener 11-k√∂pfiger Ministerrat, in dem Vertreter der Linken wie der bekannte Journalist und reformorientierte Sozialist Louis Blanc, der Liberalen und Demokraten wie der Au√üenminister Lamartine, sowie der konservativen Rechten vertreten waren[3]. Sie versuchten, die teilweise gegens√§tzlichen Interessen der revolution√§ren Kr√§fte miteinander zu verbinden und auszugleichen. Au√üenpolitisch konservativ, innenpolitisch gem√§√üigt reformorientiert, waren etwa die Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien, die Einf√ľhrung der Pressefreiheit, des allgemeinen Wahlrechts und die Abschaffung der Todesstrafe f√ľr politische Delikte, sowie die Anerkennung des Rechts auf Arbeit einige wichtige Entscheidungen, die diese Regierung beschloss.

Wegen der angespannten Lage in der Bev√∂lkerung, in der die unterschiedlichen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Interessen das B√ľrgertum und die Arbeiterschaft bald wieder auseinanderdriften lie√üen, konnte sich diese erste Regierung der Revolution jedoch nur wenige Monate halten.

Juniaufstand und Konterrevolution

Barrikade in der Rue Soufflot am 24. Juni 1848

Am 4. Mai 1848 wurden die Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung durchgef√ľhrt, bei der die Linke unterlag, und aus der die Konservativen und die gem√§√üigten Liberalen siegreich hervorgingen.

Am 24. Juni 1848 kam es zu einem erneuten Aufstand der Arbeiterschaft anl√§sslich der Schlie√üung der franz√∂sischen Nationalwerkst√§tten, die den Arbeitslosen Besch√§ftigungsm√∂glichkeiten erschlossen hatten. Der Pariser Juniaufstand wurde jedoch bald nach heftigen K√§mpfen von der franz√∂sischen Armee und der Nationalgarde blutig niedergeschlagen. Am Ende waren 3.000 Arbeiter tot, etwa 15.000 wurden in die Straflager der √ľberseeischen Kolonien verbannt. Louis Blanc, der selbst nicht am Aufstand der Arbeiter teilgenommen hatte, sich jedoch f√ľr den Erhalt der Nationalwerkst√§tten eingesetzt hatte, konnte sich nach England ins Exil absetzen. Er kehrte erst 1870 wieder nach Frankreich zur√ľck.

Die Niederschlagung des Juniaufstands in Paris war der Ausl√∂ser der reaktion√§ren Konterrevolution; nicht nur in Frankreich, sondern auch in den anderen europ√§ischen L√§ndern, in denen die M√§rzrevolution um sich gegriffen hatte. Der Juniaufstand markiert historisch auch die Aufspaltung bzw. Abspaltung des revolution√§ren Proletariats vom B√ľrgertum. Diese Aufspaltung der b√ľrgerlich-revolution√§ren Kr√§fte war von Karl Marx und anderen Sozialisten vorausgesehen worden, und wurde von ihnen als historische Notwendigkeit f√ľr den revolution√§ren Klassenkampf betrachtet, der langfristig zum Kommunismus als klassenlose Gesellschaft f√ľhren solle.

Staatspräsident Louis-Napoléon Bonaparte

Louis-Napoleon Bonaparte als Staatspräsident

Am 4. November 1848 wurde von der Nationalversammlung eine Verfassung verabschiedet, in der auch die Wahl eines Staatspr√§sidenten vorgesehen war. Der aus dem Exil zur√ľckgekehrte Neffe von Napol√©on Bonaparte, Louis Napol√©on, der schon 1836 und 1840 vergebliche Putschversuche gegen Louis-Philippe unternommen hatte, wurde am 10. Dezember 1848 mit einer √ľberw√§ltigenden Mehrheit von 75% der Stimmen zum neuen franz√∂sischen Staatspr√§sidenten gew√§hlt[4].

Die Republik hielt jedoch nur 3 Jahre. Diese Zeit nutzte Louis Napol√©on, um von langer Hand den Staatsstreich vorzubereiten, der im Dezember 1851 durchgef√ľhrt wurde. Nach geschickter Ausspielung der Monarchisten und Republikaner begr√ľndete er schlie√ülich das zweite Kaiserreich Frankreichs, als er sich selbst ein Jahr nach erfolgreichem Staatsstreich, bei dem ihm diktatorische Vollmachten zuerkannt wurden, zum Kaiser Napol√©on III. erkl√§ren lie√ü.

Belegstellen

  1. ‚ÜĎ Agulhon, 1848 ou l'apprentissage de la R√©publique; Jardin et Tudesq, La France des Notables, Seuil, 1973.
  2. ‚ÜĎ Maurice Agulhon, 1848 ou l'apprentissage de la R√©publique. 1848-1852, Paris, Seuil, 2002, 328 p.
  3. ‚ÜĎ Georges Duveau, 1848, Gallimard, collection Id√©es.
  4. ‚ÜĎ Fran√ßois Luchaire, Naissance d'une constitution: 1848, Fayard, 1998, Arnaud Coutant, 1848, quand la R√©publique combattait la D√©mocratie, Paris, Mare et Martin, 2009, 555 p. ; http://www.arnaud-coutant.fr

Literatur

Sachb√ľcher
  • Gordon A. Craig: Geschichte Europas. 1815-1980; vom Wiener Kongre√ü bis zur Gegenwart (‚ÄěEurope since 1815‚Äú). Beck, M√ľnchen 1995, ISBN 3-406-39447-7, S. 100-115.
  • Arnaud Coutant, 1848, quand la Republique combattait la Democratie, Mare et Martin, 2008, 680 p.
  • Louis Hincker: Citoyen-combattants √† Paris, 1848 - 1851, Presses Universitaire du Septentrion, Villeneuve d'Asq 2008 ISBN 978-2-7574-0030-2
  • Alphonse de Lamartine: Geschichte der Februar-Revolution in Frankreich (‚ÄěHistoire de la r√©volution de 1848‚Äú). Lorck, Leipzig 1849.
  • Karl Marx: Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte. In: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Berlin 1960 (hier speziell Bd. 8).
  • Karl Marx: Die Klassenk√§mpfe in Frankreich 1848 bis 1850. Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Berlin (hier speziell Bd. 7).
  • Pierre Joseph Proudhon: Bekenntnisse eines Revolution√§rs. Um der Geschichtsschreibung der Februarrevolution beizutragen (‚ÄěLes confessions d'un r√©volutionnaire‚Äú). Edition AV88, Berlin 2000, ISBN 3-9806407-4-4.
  • Heinz Rieder: Die V√∂lker l√§uten Sturm. Die europ√§ische Revolution 1848/49. Verlag Katz, Gernsbach 1997, ISBN 3-925825-45-2.
  • Alexis de Tocqueville: Erinnerungen (‚ÄěSouvenirs‚Äú). Koehler, Stuttgart 1954.
Belletristik

Weblinks


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