Ferdinand Schörner

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Ferdinand Schörner
Schörner auf der Akropolis, April 1941

Ferdinand Sch√∂rner (* 12. Juni 1892 in M√ľnchen; ‚Ć 2. Juli 1973 ebenda) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1945 Generalfeldmarschall), Nationalsozialist, w√§hrend des Zweiten Weltkrieges Oberbefehlshaber von Armeen und Heeresgruppen und 1945 kurzzeitig der letzte Oberbefehlshaber des Heeres.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kaiserreich und Erster Weltkrieg

Leutnant der Reserve Ferdinand Schörner anlässlich der Verleihung des Ordens Pour le Mérite; Meldung in der Zeitschrift Die Woche, Nummer 9/1918

Sch√∂rners milit√§rische Laufbahn begann nach dem Abitur mit einer Dienstzeit als Einj√§hrig-Freiwilliger beim bayerischen Infanterie-Leib-Regiment. Anschlie√üend verblieb er nicht in der Armee, sondern studierte stattdessen in M√ľnchen sowie in Lausanne und Grenoble Philosophie und neue Sprachen.

Mit dem Kriegsausbruch 1914 kehrte Sch√∂rner zum Milit√§r zur√ľck und wurde Vizefeldwebel und Reserveoffiziersanw√§rter beim bayerischen Infanterie-Leib-Regiment. Dort wurde er bereits im November 1914 zum Leutnant der Reserve und Kompaniechef ernannt.

Sch√∂rner wurde mit seiner Einheit in Frankreich, Tirol, Serbien, Rum√§nien und an der italienischen Front eingesetzt und bekam f√ľr die Erst√ľrmung des Monte Matajur im November 1917 als einziger bayerischer Infanterieleutnant den Pour le M√©rite verliehen. (F√ľr die Erst√ľrmung erhielt neben Sch√∂rner auch der damalige Oberleutnant Erwin Rommel diese Auszeichnung). Im Jahr 1918 wechselte Sch√∂rner von der Reserve-Laufbahn in den aktiven Dienst und wurde zum Oberleutnant bef√∂rdert. Er wurde insgesamt dreimal schwer verwundet.

Weimarer Republik

Nach dem Waffenstillstand war Sch√∂rner zun√§chst beim Freikorps Epp aktiv und im Jahr 1920 trat er in die Reichswehr ein. Er wurde als Kompaniechef eingesetzt und absolvierte den F√ľhrergehilfenlehrgang. Im Jahr 1923 war Sch√∂rner Adjutant des Wehrkreisbefehlshabers von M√ľnchen, General von Lossow, und an der Niederschlagung des Hitlerputsches beteiligt.

Nachdem er seine Generalstabsausbildung beendet hatte, wurde Sch√∂rner am 1. Juli 1926 zum Hauptmann ernannt, verbunden mit der √úbernahme einer Kompanie in Landshut und wenig sp√§ter in Kempten im Allg√§u. Sch√∂rner, der gute Italienischkenntnisse besa√ü, wurde anschlie√üend f√ľr einige Zeit als Dolmetscher zu den Alpini, der italienischen Gebirgsj√§gertruppe, versetzt. Ab dem Jahr 1931 war Sch√∂rner als Taktiklehrer an der Kriegsschule in Dresden eingesetzt.

Zeit des Nationalsozialismus

Vorkriegszeit

Im Jahr 1934 wurde Sch√∂rner zum Major ernannt und zum Leiter der 4. Gruppe in der 3. Abteilung (Fremde Heere) des Truppenamtes ernannt. In dieser Stellung war er f√ľr den S√ľden bzw. S√ľdosten Europas zust√§ndig. Am 1. M√§rz 1937 bekam Sch√∂rner die Bef√∂rderung zum Oberstleutnant.

Am 1. Oktober 1937 wurde Sch√∂rner Kommandeur des Gebirgsj√§ger-Regiments 98. In dieser Stellung war er auch am Einmarsch in √Ėsterreich im Jahr 1938 beteiligt. Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Sch√∂rner am 27. August 1939 zum Oberst bef√∂rdert.

Zweiter Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg begann f√ľr Sch√∂rner mit dem Angriff auf Polen, dem so genannten Polenfeldzug, weiterhin eingesetzt als Kommandeur des Gebirgsj√§ger-Regiments 98. Im Mai 1940 wurde Sch√∂rner dann Kommandeur der neu aufgestellten 6. Gebirgsdivision und nahm am Frankreichfeldzug teil. Am 1. August 1940 wurde er zum Generalmajor bef√∂rdert.

Schörner (Mitte) 1941 in Bulgarien

Im Fr√ľhjahr 1941 war Sch√∂rner mit der 6. Gebirgsdivision im Balkanfeldzug eingesetzt. Am 20. April 1941 wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes f√ľr das Durchsto√üen der Metaxas-Linie bei Belaaica-Planina, einem erfolgreichen Angriff bei Krusa-Planina und einen weiteren Vorsto√ü in Richtung Thessaloniki verliehen.[1] Am 27. April hisste seine Vorausabteilung auf der Akropolis die Reichskriegsflagge. Nach Abschluss des Feldzuges blieb Sch√∂rner mit seiner Division in Griechenland als Besatzungstruppe.

Im Herbst 1941 wurden Schörner und die 6. Gebirgsdivision an die Eismeerfront verlegt (siehe: Verteidigung des Hohen Nordens). Ab Januar 1942 war Schörner Kommandierender General des XIX. Gebirgskorps und er wurde zum Generalleutnant ernannt.

Bereits im Juni 1942 erfolgte die Beförderung zum General der Gebirgstruppe. Ab dem 1. Oktober 1943 war Schörner dann Kommandierender General des XXXX. Panzerkorps in der Ukraine. Auf dieser Position verblieb er bis Ende Januar 1944.

Sch√∂rner, der stets eine demonstrativ nationalsozialistische Gesinnung zur Schau stellte, wurde trotzdem erst 1943 Mitglied der NSDAP.[2] Er f√ľhrte die ihm unterstellten Truppen mit gro√üer H√§rte (‚ÄěMehr Angst im R√ľcken, als von vorne!‚Äú) und wurde am 1. Februar 1944 zum Chef des neu geschaffenen Nationalsozialistischen F√ľhrungsstabes des Heeres ernannt. In dieser Funktion war er f√ľr die Schulung der Truppe im nationalsozialistischen Sinn verantwortlich. Am 17. Februar 1944 erhielt Sch√∂rner das Eichenlaub zum Ritterkreuz f√ľr die erfolgreiche R√§umung des Br√ľckenkopfes bei Nikipol (siehe: Nikopol-Krywyj Riher Operation).[1] Bereits zwei Wochen sp√§ter legte er aufgrund eines schweren Konfliktes mit Hitlers Sekret√§r Martin Bormann das Amt nieder.

Am 31. M√§rz 1944 wurde Sch√∂rner zum Generaloberst bef√∂rdert und gleichzeitig zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe S√ľdukraine ernannt. Im Juli 1944 √ľbernahm Sch√∂rner dann das Kommando √ľber die Heeresgruppe Nord. Am 28. August 1944 wurde er mit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub f√ľr schwere Verteidigungsk√§mpfe im Kurland ausgezeichnet und am 1. Januar 1945 erhielt er die Brillanten f√ľr drei schwere, zweimonatige Abwehrk√§mpfe im Raum Kurland.[1] Mit dem 20. Januar 1945 wurde Sch√∂rner Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A[3] (siehe: Weichsel-Oder-Operation) und am 5. April 1945 in dieser Stellung zum Generalfeldmarschall ernannt.

Unter Sch√∂rners F√ľhrung konnten 1,6 Millionen Fl√ľchtlinge aus Schlesien und dem Sudetenland dem Zugriff der anr√ľckenden sowjetischen Verb√§nde entzogen werden. Gleichzeitig schickte er zahlreiche Soldaten und Volkssturmm√§nner auf sogenannte Himmelfahrtskommandos. Regelm√§√üig riss er zur√ľckweichenden Offizieren Orden und Rangabzeichen herunter und verurteilte versprengte Soldaten zum Tode. Im M√§rz 1945 wollte Sch√∂rner General Hanns von Rohr hinrichten lassen, weil dieser sich weigerte, Soldaten, die vor sowjetischen Panzern gefl√ľchtet waren, zu erschie√üen. Das OKH milderte das Todesurteil zu Degradierung und Bew√§hrungseinsatz.

Im Tagebucheintrag von Joseph Goebbels zum 12. März 1945 heißt es:

‚ÄěIch berichte dem F√ľhrer dann ausf√ľhrlich von meinem Besuch in Lauban. Der F√ľhrer ist auch der Meinung, dass Sch√∂rner einer unserer hervorragendsten Heerf√ľhrer ist. ... Es sei Sch√∂rner gelungen, die Front in seinem Kampfraum im wesentlichen zu stabilisieren. Auf ihn sei es zur√ľckzuf√ľhren, dass die Moral der Truppe dort so hervorragend gehoben worden sei. Ich berichte dem F√ľhrer von den radikalen Methoden, die Sch√∂rner zur Erreichung dieses Zieles anwendet. Deserteure finden bei ihm keine Gnade. Sie werden am n√§chsten Baum aufgekn√ľpft, und ihnen wird ein Schild um den Hals geh√§ngt mit der Aufschrift: 'Ich bin ein Deserteur. Ich habe mich geweigert, deutsche Frauen und Kinder zu besch√ľtzen und bin deshalb aufgeh√§ngt worden'. Solche Methoden wirken nat√ľrlich. Jedenfalls weiss der Soldat im Kampfraum Sch√∂rners, dass er vorne sterben kann und hinten sterben muss.[4]‚Äú

Hitler bestimmte Sch√∂rner am 30. April 1945 in seinem politischen Testament zum Oberbefehlshaber des Heeres. Am 8. Mai 1945 √ľberbrachten amerikanische Truppen unter Oberstleutnant Robert Pratt Sch√∂rner in dessen Hauptquartier in Bad Welchow die deutsche Kapitulationsurkunde. Am n√§chsten Tag versuchte Sch√∂rner in Zivilkleidung unterzutauchen - er wurde jedoch bald darauf in √Ėsterreich von amerikanischen Truppen gefangen genommen und gelangte zun√§chst am 15. Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft.[1] Ende des Monats Mai 1945 wurde er an die Sowjetunion ausgeliefert.

Nachkriegszeit

Sch√∂rner wurde in der Sowjetunion zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und war bis Ende 1954 in verschiedenen Lagern inhaftiert.[1] Am 15. Januar 1955 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Seine R√ľckkehr nach Deutschland (zun√§chst nach Dresden, dann nach Bayern) fiel in die Zeit der Wiederbewaffnung; die Gr√ľndung der Bundeswehr stand bevor. Am 31. M√§rz 1955 wurde durch den Bundesdisziplinaranwalt das Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Aberkennung seiner Versorgungsbez√ľge er√∂ffnet. Dass ehemalige dem NS-Regime ergebene Wehrmachtsoffiziere in der Bundesrepublik Pensionen nach der 131er-Regelung erhielten und teilweise sogar mit nationalsozialistischen √Ąu√üerungen hervortraten, wurde von den Wiederbewaffnungsgegnern scharf kritisiert. Auch konservative Politiker sprachen sich nun im Fall Sch√∂rners gegen die Gew√§hrung einer Pension aus. Der sp√§tere Verteidigungsminister Franz Josef Strau√ü distanzierte sich von ihm (‚ÄěUngeheuer in Uniform‚Äú) und der Bundestag beschloss am 13. Juli 1955 eine r√ľckwirkende √Ąnderung der Bundesdisziplinarordnung, die als Lex Sch√∂rner galt. Die zust√§ndige Bundesdisziplinarkammer sah das R√ľckwirkungsverbot besch√§digt und legte den Fall dem Bundesverfassungsgericht vor, das aber im Sinne des Bundesdisziplinaranwalts entschied.[5]

Im Jahr 1957 wurde gegen Sch√∂rner Anklage erhoben. Ihm wurde u. a. vorgeworfen, dass er seine Truppe am Tage nach der Kapitulation unter Umst√§nden verlie√ü, die einer Fahnenflucht glichen. Er habe eine ‚ÄěKrachlederne‚Äú angezogen, einen Trachtenhut aufgesetzt und sich mit einem Fieseler Storch nach Tirol bringen lassen. Das Verfahren f√ľhrte wegen der von ihm ausgesprochenen Todesurteile bei Kriegsende und wegen erfolgten und versuchten Totschlags zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe und der Aberkennung der Pensionsberechtigung. Bereits im Jahr 1960 wurde Sch√∂rner aus Gesundheitsgr√ľnden vorzeitig aus der Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg entlassen.[1] 1963 wurde ihm vom Bundespr√§sidenten Heinrich L√ľbke ein Teil seiner Pension gew√§hrt.

Der ‚Äěblutige Ferdinand‚Äú galt als ‚Äěder brutalste von Hitlers Feldmarsch√§llen‚Äú[6] und fand seine letzte Ruhest√§tte in Mittenwald.

Auszeichnungen

Literatur

  • Klaus Sch√∂nherr: Ferdinand Sch√∂rner - Der idealtypische Nazigeneral. In: Roland Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die Milit√§relite des Dritten Reiches - 27 biographische Skizzen. Ullstein, Berlin, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-550-07080-2, S. 497‚Äď509.
  • Peter Steinkamp: Generalfeldmarschall Ferdinand Sch√∂rner. In: Gerd R. Uebersch√§r (Hrsg.): Hitlers milit√§rische Elite. Vom Kriegsbeginn bis zum Weltkriegsende. Band 2. Primus, Darmstadt 1998, ISBN 3-89678-089-1, S. 236‚Äď244.

Weblinks

 Commons: Ferdinand Sch√∂rner ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ a b c d e f Franz Thomas und G√ľnter Wegmann (Hrsg.): Die Ritterkreuztr√§ger der Deutschen Wehrmacht 1939‚Äď1945. Teil IV: Die Gebirgstruppe. Band 2: L-Z. Biblio, 1994, ISBN 3-7648-2430-1
  2. ‚ÜĎ Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 556.
  3. ‚ÜĎ Am 25. Januar umbenannt in Heeresgruppe Mitte; vgl. Manfred Rauh: Geschichte des Zweiten Weltkriegs. band 3. Berlin 1998, S. 357.
  4. ‚ÜĎ Joseph Goebbels: Tageb√ľcher 1945. Die letzten Aufzeichnungen. Berlin 1977, S. 164.
  5. ‚ÜĎ Vgl. BVerfGE 7, 129.
  6. ‚ÜĎ Mark Mazower: Milit√§rische Gewalt und nationalsozialistische Werte ‚Äď Die Wehrmacht in Griechenland 1941 bis 1944. In: Hannes Heer, Klaus Naumann (Hrsg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Hamburg 1995, S. 172.
  7. ‚ÜĎ a b c d e Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Mittler & Sohn, Berlin 1930, S. 144.
  8. ‚ÜĎ Veit Scherzer: Die Ritterkreuztr√§ger 1939‚Äď1945. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 681.
  9. ‚ÜĎ Klaus D. Patzwall: Das Goldene Parteiabzeichen und seine Verleihungen ehrenhalber 1934-1944, Studien der Geschichte der Auszeichnungen Band 4, Verlag Klaus D. Patzwall, Norderstedt 2004, ISBN 3-931533-50-6, S. 31.

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