Fichtelgebirge

ÔĽŅ
Fichtelgebirge

p5

Fichtelgebirge
Das Fichtelgebirge im Nordosten Bayerns

Das Fichtelgebirge im Nordosten Bayerns

Schneeberg (links) und Ochsenkopf (rechts) von Heinersreuth aus gesehen

Schneeberg (links) und Ochsenkopf (rechts) von Heinersreuth aus gesehen

H√∂chster Gipfel Schneeberg (1.051 m √ľ. NN)
Lage Bayern, Tschechien
Teil des Th√ľringisch-Fr√§nkischen Mittelgebirges
Einteilung nach Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands
Koordinaten 50¬į 3‚Ä≤ N, 11¬į 51‚Ä≤ O50.0511.851051Koordinaten: 50¬į 3‚Ä≤ N, 11¬į 51‚Ä≤ O

dep1

Das Fichtelgebirge (tschechisch Smrńćiny) ist ein deutsches Mittelgebirge im Nordosten Bayerns. Kleinere Teile befinden sich im Nordwesten Tschechiens. Auf einer Fl√§che von 1020 km¬≤ wurde der Naturpark Fichtelgebirge geschaffen.

Zusammen mit Th√ľringer Wald, Th√ľringer Schiefergebirge und Frankenwald bildet das Fichtelgebirge die naturr√§umliche Haupteinheitengruppe Th√ľringisch-Fr√§nkisches Mittelgebirge (39). Dabei stellt das Hufeisen des Fichtelgebirges im engeren Sinne die Haupteinheit Hohes Fichtelgebirge (394) dar, das die Selb-Wunsiedler Hochfl√§che (395) im Inneren umgibt. [1][2]

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Teufelstisch am Großen Waldstein
Landschaft im Fichtelgebirge
Fichtelgebirge, vom Waldstein aus gesehen
Blick auf das Hohe Fichtelgebirge
Blick vom Schneeberg auf den Fichtelsee und Mehlmeisel

Das Fichtelgebirge liegt zwischen den St√§dten Hof und Weiden. Im Westen ist eine gute Verkehrsanbindung zum nahen Bayreuth gegeben. Der Zugang nach Osten ins Egerland (Hauptort Cheb) war durch den fr√ľheren Eisernen Vorhang bis 1989 weitgehend gesperrt, jetzt f√ľhren die gut ausgebaute B 303 bei Schirnding, die Staatsstra√üe Selb-Asch und viele Wander- und Radwege in das Nachbarland Tschechien. Die Autobahn Hof‚ÄďWeiden (A 93) erschlie√üt den Fichtelgebirgsraum nach Norden und S√ľden, ebenso die Autobahn N√ľrnberg-Hof (A9). Die Fichtelgebirgsstra√üe (B 303, E 48) f√ľhrt durch das Fichtelgebirge in West-Ost-Richtung, verbindet damit die A 9 mit der A 93 und f√ľhrt zum Grenz√ľbergang nach Tschechien.

Die Kreisstadt im Zentrum des Fichtelgebirges ist Wunsiedel mit der Luisenburg. Am Fu√üe der Luisenburg liegt das Mineral- und Moorheilbad Bad Alexandersbad. Weitere Orte sind Marktredwitz, Marktleuthen, Arzberg, R√∂slau, Wei√üenstadt, Waldershof, Kirchenlamitz und Tr√∂stau (alle am Oberlauf der Eger und der R√∂slau), ferner im S√ľdosten und S√ľden Bischofsgr√ľn, Fichtelberg, Mehlmeisel, Nagel, Neusorg, Speichersdorf, Kemnath, Erbendorf, Wiesau und Fuchsm√ľhl, im Westen Weidenberg, Creu√üen, Bayreuth, Goldkronach, Warmensteinach, Bindlach und Bad Berneck, im Nordwesten Gefrees, Zell im Fichtelgebirge, Wei√üdorf, M√ľnchberg (Obere Saale), sowie im Norden Selb, Rehau und Hof.

Quer durch das Fichtelgebirge von Nordost nach S√ľdwest verl√§uft die Dialektgrenze zwischen dem (Ost-)Fr√§nkischen Dialekt im Norden und Westen sowie dem (nord-)bairischen Dialekt bzw. Oberpf√§lzer Dialekt im Osten und S√ľden. Die Dialektgrenze stimmt hierbei nicht mit der Grenze der Regierungsbezirke (Oberfranken/Oberpfalz) √ľberein, sondern es wird auch z. B. im oberfr√§nkischen Kreis Wunsiedel bairisch gesprochen. Dar√ľber hinaus haben Nachkommen Vertriebener, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus B√∂hmen, M√§hren, Schlesien und Ostpreu√üen ins Fichtelgebirge kamen, einen bedeutenden Anteil an der Bev√∂lkerung.

Orte im Fichtelgebirge

Der Oberpfalzturm auf der Platte im Steinwald ‚äô49.9112.053056

Der h√∂chste Gipfel ist der Schneeberg mit 1.051 m, weitere markante Erhebungen sind der Ochsenkopf (1.024 m), die Platte (946 m) im Steinwald, die K√∂sseine (939 m), der Gro√üe Waldstein (877 m) und der Gro√üe Kornberg (827 m).

Geomorphologisch gliedert sich das Fichtelgebirge in einen aus mehreren Gebirgsz√ľgen zusammengesetzten, hufeisenf√∂rmig gelagerten Gebirgsstock. Man spricht daher auch vom Fichtelgebirgs-Hufeisen. Im Wesentlichen sind zu nennen:

Im Nordosten des Fichtelgebirges schlie√üen sich das Elstergebirge und das Erzgebirge, im S√ľdosten der Oberpf√§lzer Wald, der B√∂hmerwald und der Bayerische Wald an. Nordwestlich lassen sich der Frankenwald und der Th√ľringer Wald geologisch klar abgrenzen. Im S√ľdwesten schlie√üt sich das morphologisch v√∂llig andere Fr√§nkische Bruchschollenland an.

Hydrographie

‚ÄěNabel Deutschlands‚Äú oder ‚ÄěHerzbrunnen Europas‚Äú nannte man in fr√ľherer Zeit das Fichtelgebirge, denn hier entspringen vier bedeutende Fl√ľsse, die in vier Himmelsrichtungen abflie√üen:

Saalequelle
Egerquelle
Quelle der Fichtelnaab
Weißmainquelle

Viele Teiche und Weiher, die f√ľr die Fischzucht oder f√ľr die Wasserversorgung der ehemaligen Hammerwerke angelegt wurden, sind heute noch vorhanden. K√ľnstlich geschaffene Stauseen, teilweise f√ľr Erholungszwecke errichtet, sind der Wei√üenst√§dter See bei der Stadt Wei√üenstadt, der Fichtelsee bei Fichtelberg-Neubau, der F√∂rmitzspeicher bei Schwarzenbach/Saale und der Feisnitzspeicher bei Arzberg. Gr√∂√üere Weiheranlagen sind der Wunsiedler Weiher bei Selb, der Braunersgr√ľner Weiher bei H√∂chst√§dt, der Nagler See beim Ort Nagel und die Wasserspeicher bei Tr√∂stau-Leupoldsdorf.

Zahlreiche Moore und S√ľmpfe, die unter Naturschutz stehen, sind wertvolle Wassersammler. √úber das Mittelgebirge verl√§uft die Europ√§ische Hauptwasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer.

Ausreichende Quellen versorgen die Einwohner mit gutem Trinkwasser. Weiter entfernte Städte wie Hof/Saale, Bayreuth oder Eger (Cheb) holen sich Trinkwasser aus dem Fichtelgebirge.


An größeren Hochmooren sind noch vorhanden:

Die Moorgebiete wurden fr√ľher wirtschaftlich genutzt f√ľr die Gewinnung von Torf f√ľr Brennzwecke, sie sind heute Naturschutzgebiete.

Geologie

Granit

Geologisch besteht der Gebirgsstock im Wesentlichen aus Granit. Die Geschichte seiner Orogenese beginnt im Pr√§kambrium etwa vor 750‚Äď800 Millionen Jahren ‚Äď fast 20 % der Erdgeschichte, was nur auf wenige der heute noch bestehenden Rumpfgebirge zutrifft.

Damals war das Gebiet von Meer bedeckt, und Fl√ľsse transportierten die Sedimente vom heute nicht mehr vorhandenen Gebirge vor die K√ľsten, wo es sich in Ton- und Sandschichten, teilweise auch als Kalkstein ablagerte. Am Beginn des Kambriums (vor rund 570 Millionen Jahren) wurden die Schichten verfaltet und als neues Gebirge aus dem Meer herausgehoben. Hohe Temperaturen und Druckkr√§fte w√§hrend dieser bis ins Oberkarbon andauernden Gebirgsbildung machten aus den Gesteinen Metamorphite, d. h. sie wurden in Stoffbestand und Struktur ver√§ndert: aus Ton entstand Phyllit und Glimmerschiefer, aus Sanden Quarzite und aus den Kalken der Wunsiedler Marmor. Durch heftige Erosion (das ‚Äějunge‚Äú Gebirge mag einige Kilometer hoch gewesen sein) sank es bald wieder unter den Meeresspiegel ab.

Typische Granitfelsen im Fichtelgebirge (Rudolfstein bei Weißenstadt)

Variszik

Nun kam es unter dem (heutigen) Fichtelgebirge und dem Frankenwald vom Silur, Devon und Unterkarbon zur Ablagerung m√§chtiger Tiefsee-Sedimente; diese sind besonders gut im Frankenwald dokumentiert, dessen Gesteine nur sehr geringgradiger Metamorphose (maximal Anchimetamorphose) (allerdings mit Vulkanismus und Erzbildung) unterlagen und gut datierbare Fossilien beinhalten. Im Oberkarbon schlie√ülich (vor 285 Millionen Jahren) setzte die variskische Gebirgsbildung ein und hob Fichtelgebirge, Frankenwald und M√ľnchberger Gneisebene zu einem Hochgebirge ‚Äď wie vermutlich fast alle der im Variszikum entstandenen Faltengebirge. Diese Orogenese wurde nach Hofs lateinischem Namen (und dem Volk der Varisker?) Curia variscorum genannt. Gleichzeitig stiegen in mehreren Sch√ľben glutfl√ľssige Schmelzen in den Faltenbau ein, wo sie tief unter der damaligen Erdoberfl√§che zu den heutigen Graniten erstarrten. Durch die Platznahme der Granite wurde das Nebengestein meist nur gering kontaktmetamorph √ľberpr√§gt. Aus den Restschmelzen mit deren erzhaltigen Fluiden entstanden die Pegmatite, die f√ľr Sammler und Wissenschaftler reiche Mineralsammlungen bescherten, sowie Erz- und Mineralg√§nge ‚Äď die Basis f√ľr den mittelalterlichen Bergbau und die hier zeitig einsetzende Industrialisierung.

W√§hrend des Oberkarbons und des Unteren Perms (Rotliegend) lagerten sich gro√üe Mengen von Gesteinsschutt in intramontanen Becken und im Vorland des Gebirges ab. Diese Becken entstanden durch eine Dehnungstektonik, die von einem intermedi√§ren bis sauren Vulkanismus begleitet wurde. Die Sedimente des Rotliegenden sind nur an wenigen Stellen aufgeschlossen, k√∂nnen jedoch durch Bohrungen unter dem Deckgebirge s√ľdwestlich der Fr√§nkischen Linie weitr√§umig nachgewiesen werden. Die sp√§tvariskischen Vulkanite liegen im Fichtelgebirge als Quarzporphyrg√§nge vor.

Zusammenhänge zur Alpenbildung

Im Neogen (Jungterti√§r, Beginn vor 26 Millionen Jahren) nahm die Tektonik wieder zu ‚Äď gerade als die alpidische Gebirgsbildung (Alpen, Karpaten usw.) langsam zu Ende ging. In dieser Zeit gerieten Teile dieses und anderer alter Gebirge (siehe B√∂hmisch-M√§hrische H√∂he oder B√∂hmische Masse im Alpenvorland) teilweise unter j√ľngere Gesteine. Im oberen Mioz√§n (vor 10 Millionen Jahren) brachen im Zuge der Bildung des Egergrabens Basaltschmelzen in der n√∂rdlichen Oberpfalz durch. Durch Erosion freipr√§parierte √úberreste ehemaliger F√∂rderschlote lassen sich z. B. am Rauhen Kulm oder am Parkstein bei Weiden besichtigen. Basaltische Decken, also fl√§chenhafte Lavaerg√ľsse d√ľnnfl√ľssiger Lava, sind beispielsweise am Teichelberg bei Pechbrunn zu beobachten. Diese basaltischen Decken sind jedoch nicht mit tektonischen Deckenbildungen zu verwechseln.

Das Bild der heutigen Landschaft entstand schlie√ülich im j√ľngeren Plioz√§n vor etwa 5 Millionen Jahren: eine schon fr√ľh entstandene fr√§nkische Verwerfungslinie kam wieder unter Druck und ihr entlang hoben sich Fichtelgebirge, Frankenwald, die M√ľnchberger Gneismasse und der n√∂rdliche Oberpf√§lzer Wald. Diese letzte Hebung gab der Erosion erneut ‚Äězu tun‚Äú und die Fl√ľsse schnitten sich tief in das schon fr√ľher fast eingeebnete Gebirge ein. So wurde aus einer Hochfl√§che die heutige Struktur: ein von allen Seiten angenagtes Mittelgebirge mit langer, wechselhafter Geschichte. Es stellt ein ‚Äď allerdings oft schwierig deutbares ‚Äď Eldorado f√ľr Geowissenschafter der verschiedensten Disziplinen dar.

Wichtigste Gesteine im Fichtelgebirge

Der Granit (lat. granum f√ľr K√∂rnung) und seine Abk√∂mmlinge machen etwa 40 % der Gebirgsfl√§che aus ‚Äď was umso mehr auff√§llt, als dieses so feste, aber dennoch wasserhaltige Gestein die h√∂chsten Erhebungen aufbaut. Sein ernster Charakter und die hier fr√ľh entwickelte Industrie pr√§gen Landschaft und Leute.

Im Detail findet sich:

  • Porphyrgranit des Massivs Wei√üenstadt/Liebenstein mit Marktleuthen/R√∂slau und nach Tschechien bis Haslau. Der Porphyr enth√§lt Biotit (dunklen Glimmer) und bis 8 cm gro√üe Einsprenglinge von Kalifeldspat.
  • Der Reutgranit bei Gefrees ist hingegen feiner mit bl√§ulich-grauer F√§rbung. Auch der Selber Granit (nord√∂stlich des obigen Massivs bei Schwarzenhammer √ľber den Selber Wald und Tschechien nach Sachsen/ Elstergebirge) ist feink√∂rnig, aber wieder grau.
  • Holzm√ľhlgranit: Nur zwei kleine Vorkommen bei Holzm√ľhl, 3 km s√ľd√∂stlich Marktleuthen und bei L√§ngenau am Wartberg ost-nord-√∂stlich von Selb; mittleres Korn und h√∂here Biotitgehalte, ungleichk√∂rniges Gef√ľge.
  • Redwitzit: auch Syenitgranit genannt; im Dreieck Marktredwitz / Arzberg / Thiersheim; mittel-, auch feink√∂rnig, wegen wechselnder Mineralzusammensetzung Farbe von hellgrau, dunkelgrau, dunkelgr√ľngrau bis fast schwarz;
  • Randgranit (Dachgranit): Vorkommen in allen herausragenden Massiven des Fichtelgebirges (Ochsenkopf, S√ľdteil des Schneeberges mit Haberstein (Schneeberg), Platte bis Hohe Matze, K√∂sseine, Gro√üer Kornberg); Grundmasse kleink√∂rnig mit Feldspat, Quarz und Biotit, zum Teil auch Muskovit eingestreut;
  • K√∂sseine-Randgranit: K√∂sseine mit Burgstein, Haberstein, Schauerberg; S√ľdteil des Gro√üen Kornberg-Massivs; klein- bis mittelk√∂rnig, porphyrischer Habitus schw√§cher bis fehlend; einsprenglingsarm.
  • Kerngranit: Im Zentralstock Fichtelberg/Ochsenkopf/Nu√ühardt und am Schneeberg-Ostrand; Aufschlusslage durch viele Felsbildungen; mittel- bis grobk√∂rnig.
  • K√∂sseine- und Wolfsgarten-Kerngranit: Der K√∂sseinegranit hat zahlreiche Einschl√ľsse: Hornfelse, cm-gro√üe biotitreiche Nebengesteinsfetzen und -knollen, abgerundete bis rundliche quarzfeldspatreiche Einschl√ľsse; Vorkommen im K√∂sseinestock: schmales Band am Nord-, Ost- und S√ľdrand, kleines Labyrinth, Steinbruch Kleinwendern, Felsengruppen Hirschensprung, Wolfstein, Hohenstein, Ochsenkopf, Hundslohe, Gregnitztal; Vorkommen am Kornberg: Waldabteilung Wolfsgarten S√ľds√ľdwestrand des Gro√üen Kornbergs; relativ grob, durch die blauen Kalifeldspate, schwarzen Biotit und die reichlich eingestreuten dunklen Fremdeinschl√ľsse von besonderem Charakter; der Wolfsgartengranit ist etwas lichter blau.
  • Zinngranit: Er ist auf den Zentralstock beschr√§nkt und kommt vor am Rudolfstein, an den Drei Br√ľdern bis fast zum Gipfel des Schneebergs, Westhang des Seeh√ľgels, zwischen Seeh√ľgel und Platte, Fuchsbau, Zufurt westlich Leupoldsdorf; sehr gleichm√§√üiges, mittleres Korn; wenig Biotit, viel Muskovit; lichter, heller Ton.
  • Randgranit des Steinwald-Massivs: Im W-Teil des Steinwaldes, z. B. Dachsfelsen, Nordwestteil der Grandfelsen; kleink√∂rnig.
  • Steinwaldgranit: Nimmt den Zentralteil ein mit Wei√üenstein, Platte, Katzentr√∂gel, Reiseneggerfelsen, Hackelstein; grobk√∂rnig.
  • Friedenfelser Granit: er ist die √úbergangsfazies zwischen dem Steinwaldgranit und dem Falkenberger Porphyrgranit; bildet den Sockel des Pechbrunner Basaltgebietes und taucht dort an verschiedenen Stellen zwischen den Basaltdecken auf; porphyrische Struktur, besonders reich an Felspateinsprenglingen.

Bergbau

Bereits seit dem fr√ľhen Mittelalter betrieb man im Fichtelgebirge Erzbergbau. Abgebaut wurden vor allem Gold, Zinn, Eisen, Minerale, Erden und Steine (Basalt, Braunkohle, Diabas, Granit, Lehm, Marmor, Speckstein, Ton, Torf). In j√ľngerer Zeit entdeckte man Uranerzlagerst√§tten. In Hammerwerken (siehe Ortsnamensendungen mit -hammer) an den Fichtelgebirgsfl√ľssen, in Schmelz√∂fen und Schmiedebetrieben erfolgte die Weiterverarbeitung der Metalle. Die W√§lder des Fichtelgebirges lieferten das erforderliche Holz f√ľr die Herstellung von Holzkohle. Im Drei√üigj√§hrigen Krieg lag der Bergbau darnieder, die Erzlagerst√§tten waren weitgehend ausgebeutet. Alexander von Humboldt versuchte im 18. Jahrhundert, den Bergbau nochmals zu beleben. Viele St√§dte und Orte (z. B. Wunsiedel, Wei√üenstadt, Arzberg, Fichtelberg-Neubau, Goldkronach) verdanken ihre Entstehung dem Bergbau.

Einen Einblick in die Bergbaugeschichte des Fichtelgebirges vermitteln

  • das Besucherbergwerk Gleissinger Fels bei Fichtelberg-Neubau
  • der Besucherstollen Schmutzler bei Goldkronach
  • das Goldbergbaumuseum in Goldkronach
  • die Bergbauausstellung im Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel
  • die Bergbau-Infostelle in Arzberg
  • das Heimat- und Bergbaumuseum in Erbendorf

Traditionen

Osterbrunnen in Marktleuthen
Osterbrunnen in Weißenstadt

Von den Hugenotten wurde die Osterdekoration der Brunnen (Osterbrunnen) in Form einer Lilie (Emblem der Bourbonen-K√∂nige) eingef√ľhrt (so ein Artikel im April 2007 in der Fr√§nkischen Post).

Wirtschaft und Tourismus

W√§hrend der Bergbau heutzutage nur noch von historischem Interesse ist, werden an zahlreichen Orten im Fichtelgebirge noch Glaswaren erzeugt, die man hier auch g√ľnstig kaufen kann. International bekannt und deutschlandweit f√ľhrend ist die Porzellanindustrie, deren Zentrum heute die Stadt Selb darstellt. Firmen wie Rosenthal oder Hutschenreuther genie√üen Weltgeltung.

Der Tourismus stellt f√ľr viele Gemeinden im Fichtelgebirge heute die Haupteinnahmequelle dar. In einigen Orten wie beispielsweise Bischofsgr√ľn hat der Tourismus eine lange Tradition bis in die 1920er-Jahre, nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Zustrom der Urlaubsreisenden sowohl im Sommer zum Wandern als auch im Winter f√ľr den Wintersport stark zu. Das Fichtelgebirge entwickelte sich zum Hausgebirge der (West-)Berliner, die hier √ľber die Transitstrecke der A 9 zureisen konnten. Dies hat sich in diesem Umfang mit der Wiedervereinigung und einem ver√§nderten Angebot an Mittelgebirgs-Ferienlandschaften naturgem√§√ü ver√§ndert.

Gerade im Winter hat das Fichtelgebirge eine auch √ľberregionale Bedeutung als Wintersportgebiet. Mehrere Lifte, die l√§ngsten hierbei zwei Sessellifte am Ochsenkopf, aber insbesondere auch eine Vielzahl von gespurten Loipen bilden die Grundlage hierf√ľr.

Berge

Regierungsbezirke und Landkreise

Der Naturraum Fichtelgebirge liegt im

Es werden folgende Landkreise ber√ľhrt:

Ortschaften

Anreise ins Fichtelgebirge

  • Eisenbahnknotenpunkt Marktredwitz mit Anbindung an Eger, Regensburg, N√ľrnberg, M√ľnchen, Hof, Bayreuth, Dresden, Leipzig
  • Bundesstra√üen 303 und 15
  • Bundesautobahnen 93 und 9
  • Flughafen Hof-Plauen

Johann Wolfgang von Goethe im Fichtelgebirge

Johann Wolfgang von Goethe schrieb in einem Brief an Charlotte von Stein ‚ÄěDer Granit l√§sst mich nicht los!‚Äú Der Dichter und Naturwissenschaftler unternahm drei Reisen in das Fichtelgebirge, bei denen er sich ernsthaft mit naturwissenschaftlichen Problemen auseinandersetzte. Zwei seiner Reisen verband er mit Fahrten von Weimar nach Karlsbad, die letzte unternahm er eigens von Eger aus ins Fichtelgebirge.

Erste Reise 1785

Begleitet wurde er von Karl Ludwig von Knebel und Friedrich Gottlieb Dietrich. Am 30. Juni 1785 f√ľhrte die Reise von Hof √ľber Marktleuthen nach Wunsiedel, noch am gleichen Tag wurde der Katharinenberg und Alexandersbad besucht. Bei einer Fu√ütour ging es am 1. Juli von Wunsiedel √ľber Leupoldsdorf zum Seehaus (damals Zechenhaus genannt), nach Karches und zur Wei√ümainquelle (damals F√ľrstenbrunnen genannt), dann zum Gipfel des Ochsenkopfes, wo unterwegs die seltene Pflanze Sonnentau bewundert wurde. Der R√ľckweg ging zur√ľck zum Seeh√ľgel, hin√ľber zum Nu√ühardt und zum Wei√üen Fels, dann nach Vordorferm√ľhle und Vordorf (jetzt zur Gemeinde Tr√∂stau geh√∂rig) nach Wunsiedel zur√ľck. Goethe fertigte dabei einige Zeichnungen von Felsformationen an und trieb geologische Studien. Der 2. Juli war ein Regentag, weshalb nur einige Besichtigungen in Wunsiedel stattfanden. Am 3. Juli war der Luisenburg (damals noch Luxburg genannt) und dem Burgsteinfelsen ein Besuch gewidmet, wobei wieder einige Zeichnungen von der Granitverwitterung angefertigt wurden. Die Weiterreise folgte am 4. Juli √ľber Holenbrunn, G√∂pfersgr√ľn, Thiersheim, Schirnding und M√ľhlbach nach Eger. Goethe zeigte dabei lebhaftes Interesse an den ‚Äěgeologischen Merkw√ľrdigkeiten‚Äú Marmor, Speckstein und Basalt, die am Reiseweg vorkamen.

Zweite Reise 1820

Als 71-J√§hriger befand er sich wieder auf einer Fahrt in die westb√∂hmischen B√§der, ein Abstecher brachte ihn am 25. April nach (Bad) Alexandersbad, wo er im ‚ÄěAlten Schloss‚Äú logierte. Nach dem Mittagessen begab er sich auf die Luisenburg, die nun durch Wege weitgehend erschlossen war. Er erkl√§rte die Entstehung des Felsenlabyrinths durch einen ganz langsam ablaufenden Verwitterungsprozess. Am 26. April folgte die Weiterreise nach Karlsbad.

Dritte Reise 1822

Am 13. August kam Goethe √ľber Eger, Waldsassen und Mitterteich nach Marktredwitz, um die ber√ľhmte Chemische Fabrik von Wolfgang Kaspar Fikentscher zu besichtigen; begleitet wurde er von Joseph Sebastian Gr√ľner, Magistrat- und Polizeirat in Eger. Bis zum 18. August wurde die Quecksilberherstellung begutachtet und die Glash√ľtte bei Brand aufgesucht, wo 17 Arbeiter gro√üe Fenstertafeln herstellten; es folgten chemische und pyrotechnische Versuche. Es hat den Anschein, dass es dem 73-j√§hrigen Goethe wegen der Fikentscher-T√∂chter in Marktredwitz besonders gut gefallen hat.

Literatur

  • Franz X. Bogner: Das Fichtelgebirge im Luftbildportrait. Ellwanger Verlag, Bayreuth 2009 (zweite Auflage). ISBN 978-3-925361-68-5.
  • Dietmar Herrmann: Vom Bergbau im Fichtelgebirge. Heft 11 und 12 der Schriftenreihe ‚ÄěBeitr√§ge zur Geschichts- und Landeskunde des Fichtelgebirges‚Äú, Verlag Buchhandlung Kohler, Wunsiedel
  • Reinhard Feldrapp, Bernd H√§user: Fichtelgebirge. Streifz√ľge durch das granitene Hufeisen. Echter Verlag 2003, ISBN 3-429-02539-7
  • Dietmar Herrmann: Lexikon Fichtelgebirge. Ackermann-Verlag, Hof, ISBN 3-929364-18-2
  • Reinhard M√ľller, Horst Ruhl: Mit Kindern im Fichtelgebirge. Wo Wandern zum Erlebnis wird. Fleischhauer & Spohn Verlag, Bietigheim 1994, ISBN 3-87230-520-4
  • Gerhard Bayerl, Manfred Schultes, Bernhard Setzwein: Steinmeer und Siebenstern. Druckhaus Oberpfalz 2000, ISBN 3-924350-84-1
  • Karl-Heinz Mayer: Die Forstgeschichte des Fichtelgebirges. (Dissertationsschrift.) Forstliche Forschungsberichte M√ľnchen, Nr. 167. Frank, M√ľnchen 1998, 297 (VII/XI) S.
  • Fichtelgebirge, Frankenwald, Coburger Land. Vom Oberen Maintal bis zum Vogtland. HB-Verlags- und Vertriebsgesellschaft 1998 (HB Bildatlas: H.190), ISBN 3-616-06290-X
  • Gernot Messarius: Fichtelgebirge. Steinwald. Bayreuth, Kulmbach, Hof. Goldstadtverlag, Pforzheim 2002 (Goldstadt Reisef√ľhrer Bd. 318), ISBN 3-89550-318-5
  • Godehard Schramm, Bernd-Heinz H√§user: Fichtelgebirge-Frankenwald-Steinwald. Die sch√∂nsten Ausflugsziele. Rosenheimer Verlagshaus 1992, ISBN 3-475-52732-4
  • Reinhard Feldrapp, G√ľnter Hertel: Das Fichtelgebirge. H. St√ľrtz, W√ľrzburg 1984, ISBN 3-8003-0220-9
  • Friedrich Wilhelm Singer, Georg P√∂hlein: Fichtelgebirge. Das granitene Hufeisen. Oberfr√§nkische Verlagsanstalt, Hof 1983, ISBN 3-921615-54-2
  • Dietmar Herrmann: Der Ochsenkopf im Fichtelgebirge, Heft 17/2009 der FGV-Schriftenreihe Das Fichtelgebirge
  • Dietmar Herrmann: Gew√§sserkunde Fichtelgebirge, in: Der Siebenstern 2003, S. 4-40

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ E. Meynen und J. Schmith√ľsen: Handbuch der naturr√§umlichen Gliederung Deutschlands ‚Äď Bundesanstalt f√ľr Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953-1962 (9 Lieferungen in 8 B√ľchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960)
  2. ‚ÜĎ Kartendienste des Bundesamtes f√ľr Naturschutz

Wanderkarten

  • Naturpark Fichtelgebirge und Naturpark Steinwald. Wanderkarte. Mit tourist. Hinweisen, farb. Wegemarkierung u. Wanderparkpl√§tzen. Offizielle Wanderkte. d. Fichtelgebirgsvereins u. d. Naturparkes Fichtelgebirge 1:50.000 17. Aufl. Fritsch Landkarten-Verlag Hof (Fritsch Karten: Nr. 52) o. J., ISBN 3-86116-052-8

Weblinks

 Commons: Fichtelgebirge ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ Fichtelgebirge, Gebirge im bairischen Kreise Oberfranken, welches seiner Lage u. Gestaltung nach den Mittelpunkt Deutschlandsbildet, da es eine Hauptwasserscheide zwischen Rhein, Donau u. Elbe ist; der n√∂rdlichste Punkt desselben ist das Dorf… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ (lat. Mons pinń≠fer, im Volksmund Fichtelberg), Gebirge in Mitteldeutschland, nach seiner einst dichten Fichtenbewaldung benannt, war schon den √§ltern Geographen merkw√ľrdig als Hauptwasserscheide Deutschlands. Nach vier Weltgegenden, drei gro√üen… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ Fichtelgebirge, Waldgebirge im bayr. Reg. Bez. Oberfranken, mit den Quellen des Wei√üen Mains, der Th√ľringer Saale, Eger und Naab, kristallinischer Formation mit einzelnen Basaltkegeln, besteht aus einer Zentralgruppe (Schneeberg 1051 m,… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ Fichtelgebirge, der Hauptscheidepunkt der Gew√§sser in Deutschland, wo sich Elb , Donau und Rheingebiet ber√ľhren, ein Theil des gro√üen mitteldeutschen Gebirgszuges, im baierschen Obermainkreise, umfa√üt 42 Quadrat Meilen und ist mit zahllosen… ‚Ķ   Damen Conversations Lexikon

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ Fichtelgebirge, deutsches Centralgebirge zwischen Spessart, Rh√∂n, Th√ľringerwald, Erzgebirg u. B√∂hmerwald, gibt der Saale, Eger, Naab und dem Main den Ursprung, steigt im Schneeberg 3327 , im Ochsenkopf 3135 hoch, bildet mehre Hochfl√§chen und… ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ Fichtelgebirge, macizo de ‚Ķ   Enciclopedia Universal

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ 50¬į 03‚Ä≤ N 11¬į 51‚Ä≤ E / 50.05, 11.85 ‚Ķ   Wikip√©dia en Fran√ßais

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ The Fichtelgebirge is a mountain range in northeastern Bavaria, Germany. It extends from the valley of the Red Main River to the Czech border, and is continued by the Ore Mountains in northeastern direction, and by the Bohemian Forest in… ‚Ķ   Wikipedia

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ FiŐ£chtelgebirge, ¬† Mittelgebirge in Oberfranken, Bayern, grenzt im Nordosten an die Tschechische Republik, wird im Nordwesten vom Frankenwald, im Norden von den Hochfl√§chen des Vogtlandes und dem Elstergebirge begrenzt, f√§llt nach S√ľdwesten und… ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Fichtelgebirge ‚ÄĒ Auf dem Fichtelgebirge wirft der Bauer einen Stein nach der Kuh und der Stein ist mehr werth als die Kuh. Nach dem Volksglauben soll jeder, auch der gemeinste Feldstein auf dem Fichtelgebirge edle Metalle enthalten. Leider findet sich das Gold… ‚Ķ   Deutsches Sprichw√∂rter-Lexikon


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.