Fischer-Kontroverse

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Fischer-Kontroverse

Als Fischer-Kontroverse bezeichnet man einen von 1959 bis etwa 1985 anhaltenden Streit in der bundesdeutschen und auslĂ€ndischen Geschichtswissenschaft zur politischen Strategie des Deutschen Kaiserreichs vor dem und im Ersten Weltkrieg und der deutschen Verantwortung fĂŒr den Kriegsausbruch 1914.

Dieses Thema wurde als Kriegsschuldfrage schon in der Zeit der Weimarer Republik unter apologetischen und propagandistischen Vorzeichen debattiert, trat aber nach 1945 zunĂ€chst zurĂŒck. Es wurde durch Forschungen des Hamburger Historikers Fritz Fischer, vor allem sein 1961 erschienenes Buch Der Griff nach der Weltmacht, erneut aufgeworfen. Die Kontroverse verĂ€nderte nachhaltig die historische Beurteilung der Kriegsursachen von 1914 und die Forschungsschwerpunkte und -methoden zum Ersten Weltkrieg. Sie gilt daher neben dem 1986 entbrannten bundesdeutschen „Historikerstreit“ als wichtigste historische Debatte in der Bundesrepublik Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Fischers Hauptthesen

Fischers Arbeiten beruhten auf akribischen Recherchen und grĂŒndlicher Auswertung neuer Quellen, wobei er die traditionelle Methodik einer Analyse von Regierungsentscheidungen im FĂŒhrungskreis der beteiligten GroßmĂ€chte beibehielt. Im Ergebnis kam er zu pointierten Positionen, die deutlich von dem in Deutschland bis dahin gĂŒltigen Forschungskonsens abwichen und diesen in Frage stellten. Damit löste er eine heftige und anhaltende, auch international beachtete Kontroverse aus.

Deutsche Kriegsziele

Schon 1959 hatte Fischer begonnen, systematisch die AktenbestÀnde der nationalen Archive nach den Kriegszielen der MittelmÀchte zu durchforsten. Er konnte als einer der ersten deutschen Historiker die bis dahin unter Verschluss der Alliierten gehaltenen Akten des AuswÀrtigen Amtes und der Reichskanzlei auswerten und mit Erlaubnis der DDR-Regierung auch das Potsdamer Zentralarchiv einsehen. Erstes Ergebnis seiner Recherchen war sein Aufsatz Deutsche Kriegsziele. Revolutionierung und Separatfrieden im Osten 1914-1918, den er 1959 in der Historischen Zeitschrift (HZ) veröffentlichte. Darin beschrieb er die Kriegsziele der Reichsregierung unter Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg als weitgehend deckungsgleich mit denen der Annexionisten und als Fortsetzung der wilhelminischen Weltpolitik vor dem Krieg.[1]

1961 folgte das Buch Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Darin betonte Fischer die Bedeutung des „Septemberprogramms“ von Bethmann-Hollweg aus dem Jahr 1914, auf das er im Potsdamer Archiv gestoßen war. Hollweg rechnete mit einem raschen deutschen Sieg und plante daraufhin weitreichende Annexionen in Frankreich und den Beneluxstaaten sowie koloniale Inbesitznahmen in Zentralafrika. Fischer ordnete dieses Dokument wie folgt ein:[2]

„Einmal stellte das Programm keine isolierten Forderungen des Kanzlers dar, sondern reprĂ€sentierte Ideen fĂŒhrender Köpfe der Wirtschaft, Politik und des MilitĂ€rs. Zum anderen waren [
] die in dem Programm niedergelegten Richtlinien im Prinzip Grundlage der gesamten deutschen Kriegszielpolitik bis zum Ende des Krieges, wenn sich auch je aus der Gesamtlage einzelne Modifikationen ergaben.“

Diese Kriegsziele deutete Fischer sodann als logische Folge der deutschen imperialistischen „Weltpolitik“ vor 1914: Das Kaiserreich habe demnach schon vor dem Krieg eine deutsche Hegemonie in Europa angestrebt. Es habe versucht, als NachzĂŒgler der europĂ€ischen KolonialmĂ€chte nach der „Weltmacht“ zu greifen.

Die Julikrise

Nicht nur im Blick auf die imperialistische Außenpolitik, sondern auch im Blick auf ihr konkretes Verhalten in der Julikrise 1914 machte Fischer die Reichsregierung fĂŒr den Weltkrieg verantwortlich. Er interpretierte Bethmann-Hollwegs vorbehaltlose RĂŒckendeckung fĂŒr die Regierung Österreich-Ungarns am 5. Juli 1914 als „Blankovollmacht“ fĂŒr deren Vorgehen gegen Serbien und zeigte anhand von Dokumenten und Zitaten: Das Attentat von Sarajevo vom 28. Juni 1914 sei fĂŒr die deutsche Reichsleitung der willkommene Anlass zur Verwirklichung ihrer weitreichenden Ziele gewesen. Berlin habe Wien zur schnellen KriegserklĂ€rung gegen Serbien geradezu gedrĂ€ngt und – entgegen den offiziellen ErklĂ€rungen – eine friedliche Beilegung oder wenigstens EindĂ€mmung des Konflikts systematisch verhindert. Dabei sei das Reich von allen europĂ€ischen GroßmĂ€chten noch am ehesten in der Position gewesen, eine effektive Deeskalation zu erreichen.

Fischer beschrieb die Herkunft seiner Darstellung in Griff nach der Weltmacht spÀter wie folgt:[3]

„Die knappe Skizze der Julikrise in diesem Buch lehnte sich weitgehend an die Darstellung des Italieners Luigi Albertini an, dessen dreibĂ€ndiges Werk bereits 1942/43 erschien und 1953 zwar ins Englische, bis heute aber nicht ins Deutsche ĂŒbersetzt worden ist.[4] Vor allem durch die Betonung der Ereignisse in Berlin, Anfang Juli bei der sogenannten Hoyos-Mission, wurde im ‚Griff nach der Weltmacht‘ die Verantwortlichkeit der deutschen Regierung am Kriegsausbruch stark unterstrichen, ganz anders als es die ĂŒblich gewordene Sprachregelung von 1951[5] will.“

Fischer verzichtete in seiner detailliert dargelegten Analyse der EntscheidungsablĂ€ufe im Juli/August 1914 noch darauf, auf weitere zurĂŒckliegende deutsche Außenpolitik, etwa das Verhalten bei den Haager Friedenskonferenzen (1899 und 1907), hinzuweisen: Eine dortige Einigung hĂ€tte den Krieg eventuell verhindert, doch das deutsche Beharren auf der FlottenrĂŒstung ließ die Konferenzen scheitern. Er zog das Fazit:[6]

„Bei der angespannten Weltlage des Jahres 1914, nicht zuletzt als Folge der deutschen Weltpolitik;– die 1905/06, 1908/09 und 1911/12 bereits drei gefĂ€hrliche Krisen ausgelöst hatte –, musste jeder begrenzte (lokale) Krieg in Europa, an dem eine Großmacht unmittelbar beteiligt war, die Gefahr eines allgemeinen Krieges unvermeidbar nahe heranrĂŒcken. Da Deutschland den österreichisch-serbischen Krieg gewollt, gewĂŒnscht und gedeckt hat und, im Vertrauen auf die deutsche militĂ€rische Überlegenheit, es im Jahre 1914 bewusst auf einen Konflikt mit Russland und Frankreich ankommen ließ, trĂ€gt die deutsche ReichsfĂŒhrung einen erheblichen Teil der historischen Verantwortung fĂŒr den Ausbruch eines allgemeinen Krieges. Diese verringert sich auch nicht dadurch, daß Deutschland im letzten Augenblick versuchte, das VerhĂ€ngnis aufzuhalten: denn die Einwirkung auf Wien geschah ausschließlich wegen der drohenden Intervention Englands, und auch dann wurde sie nur mit halben, verspĂ€teten und sofort widerrufenen Schritten unternommen.“

Dies widersprach explizit der bis dahin unter westdeutschen Historikern vorherrschenden Meinung, das Reich sei im Juli 1914 zunÀchst defensiv orientiert gewesen und habe den Krieg zu vermeiden versucht.

Kriegsentscheidung ab 1911

Unter dem Eindruck der inzwischen erfolgten fachlichen Kritiken – teilweise auch persönlicher Angriffe – bekrĂ€ftigte Fischer seine beiden Zentralthesen vom lĂ€ngerfristigen Hegemonialstreben und bewusster Inkaufnahme des Krieges und spitzte sie noch zu. In dem 800 Seiten starken Buch Krieg der Illusionen. Die deutsche Politik von 1911 bis 1914 (1969) prĂ€sentierte er weitere Archivfunde, die die aggressive deutsche Außenpolitik vor 1914 belegten. Mit ihnen begrĂŒndete er die These, Wilhelm II. und seine MilitĂ€rberater hĂ€tten spĂ€testens im Dezember 1912 bei einem geheimen Kriegsrat vom 8. Dezember 1912 beschlossen, einen grĂ¶ĂŸeren Krieg bis zum Sommer 1914 bewusst vom Zaun zu brechen, um die von ihnen angenommene eigene militĂ€rische Überlegenheit rechtzeitig auszunutzen. Die Zwischenzeit habe dazu genutzt werden sollen, die Bevölkerung propagandistisch auf diese „Lösung“ vorzubereiten. Es ist wahrscheinlich, dass damit auch das Zustandekommen der fĂŒr 1915 geplanten dritten Haager Friedenskonferenz verhindert werden sollte, die sich in der Vorbereitungsphase befand, und auf der die verbindliche internationale Schiedsgerichtsbarkeit durch Mehrheitsentscheid festgeschrieben sowie ĂŒber eine internationale Exekutive verhandelt worden wĂ€re.

Ab 1970 publizierte Fischer nur noch kĂŒrzere AufsĂ€tze, um seine Thesen vom Kriegskurs, GrĂ¶ĂŸenwahn und politischen Versagen der Reichsregierung im Detail zu untermauern. Er beteiligte sich dabei auch an der Diskussion um die Echtheit der TagebĂŒcher, die der PrivatsekretĂ€r Bethmann-Hollwegs Kurt Riezler wĂ€hrend der Julikrise gefĂŒhrt hatte. Vor allem aber vertrat er die These vom „Deutschen Sonderweg“ in das 20. Jahrhundert. Zunehmend betonte Fischer im Anschluss an Hans-Ulrich Wehlers Theorie des Sozialimperialismus auch innenpolitische Motive: Die Regierung habe mit dem Krieg Spannungen kanalisieren und OppositionskrĂ€fte einbinden wollen. Der Aufsatz Juli 1914 (1983) fasste seine Argumentation letztmals zusammen.

Die Kontroverse

Historische Debatte

Fischers Rechercheleistung wurde von den meisten Rezensenten seiner ersten beiden Veröffentlichungen gewĂŒrdigt. Die moderate Antwort Hans Herzfelds auf Fischers Aufsatz von 1959 in der Historischen Zeitschrift (HZ) eröffnete die Fischer-Kontroverse.[7] Herzfeld rĂŒckte zunĂ€chst die Haltung des Reichskanzlers in den Blickpunkt: Bethmann-Hollweg habe die Kriegsziele der Annexionisten keineswegs vorbehaltlos unterstĂŒtzt, sondern nach außen einen gewissen Konsens der vielen unkoordinierten EntscheidungstrĂ€ger herzustellen versucht, ohne deren Position ganz zu teilen. Fischers Quellen hĂ€tten tatsĂ€chlich keine Fortsetzung der Weltpolitik mit anderen Mitteln belegt, sondern nur eine Dauerkrise des politischen Systems.

In das Zentrum der Kontroverse rĂŒckte damit vor allem Fischers Deutung der Julikrise. Diese wurde in der Bundesrepublik zunĂ€chst mehrheitlich vehement abgelehnt. Darin spiegelte sich auch ein gewisser Schock ĂŒber den Tabubruch eines einzelnen Historikers, der sich mit herkömmlichen Quellenfunden gegen den Nachkriegskonsens stellte, fĂŒr die Entwicklung zum Weltkrieg seien alle europĂ€ischen GroßmĂ€chte mehr oder weniger gleich verantwortlich gewesen, aber niemand habe den Krieg gewollt. Im Ausland dagegen wurde die Position Fischers eher unterstĂŒtzt.

Als schĂ€rfster Kritiker Fischers profilierte sich Gerhard Ritter, Vertreter der nationalkonservativen Historiografie der Zwischenkriegszeit und WortfĂŒhrer des westdeutschen Historikerverbandes. Er schĂ€tzte die deutsche Politik im Juli/August 1914 weiterhin wie vor 1933 grundsĂ€tzlich defensiv ein:[8]

„Außenpolitisch geriet sie [die Reichsregierung] in eine ganze Kette gefĂ€hrlicher ‚Krisen‘ und in eine immer bedrohlicher werdende Isolierung hinein: in jene ‚Einkreisung‘ durch Ententen und MilitĂ€rbĂŒndnisse, die jeder politisch Denkende seit spĂ€testens 1911 als schwere BedrĂŒckung empfand. Nur eine Regierung von Abenteurern hĂ€tte in solche einer Lage daran denken können, einen Krieg zu provozieren, um ‚nach der Weltmacht zu greifen‘, um Hegemonie zu erringen.“

Rechtskonservative Autoren wie Giselher Wirsing bezichtigten Fischer sogar der GeschichtsfĂ€lschung.[9] Erwin Hölzle versuchte, gegen Fischer die OHL-These der russischen Kriegsschuld aufrechtzuerhalten.[10] 1976 bestritt er weiterhin eine deutsche Hauptverantwortung fĂŒr Kriegsausbruch und Kriegsverlauf und sah Großbritannien und Russland als Hauptverantwortliche:[11]

„Der Ursprung des Krieges ist durch die Freund-FeindverhĂ€rtung der europĂ€ischen Allianzen wesentlich bedingt und gesteigert durch deren Verwicklung in die weltpolitischen GegensĂ€tze und Wandlungen, wie durch den umwĂ€lzenden Antrieb des NationalitĂ€tsprinzips. Als die andere und machtpolitisch schwerer wiegende Ursache hat sich die durch Verrat Deutschland bekanntgewordene vertragliche Schließung des Rings durch die beiden wirklichen WeltmĂ€chte England und Rußland erwiesen.“

Andere wichtige Kontrahenten Fischers waren Egmont Zechlin,[12] Karl Dietrich Erdmann und Andreas Hillgruber. Sie modifizierten ihre Haltung im Lauf der Kontroverse zum Teil. Auf dem Historikertag 1964 setzte sich Fischer in einer mehrstĂŒndigen Redeschlacht vor vielen Zuhörern erstmals in seiner Grundthese gegen seine Diskussionspartner durch. Nun deutete auch Hillgruber das Verhalten der Reichsregierung im Juli 1914 als „Konzeption eines kalkulierten Risikos zur Durchsetzung begrenzter machtpolitischer VerĂ€nderungen unter Ausnutzung von internationalen Krisensituationen.“[13] Er nahm also entgegen Fischer nicht an, dass die im September 1914 dokumentierten Kriegsziele schon vorher verfolgt wurden, rĂ€umte aber eine bewusste Risikobereitschaft des Reichskanzlers und damit Mitverantwortung des Kaiserreichs fĂŒr den Kriegsausbruch ein:[14]

„In der Bethmann-Hollwegschen Konzeption des kalkulierten Risikos in der Julikrise 1914 liegt das FragwĂŒrdige auf der Hand. Auch wenn man [
] bei der politischen FĂŒhrung des Reiches 1914 keinen Willen zur ausgreifenden Machterweiterung zu erkennen vermag, [
] tritt die Mitverantwortung der deutschen Reichsleitung fĂŒr den Ausbruch des großen Krieges deutlich hervor.“

Hillgruber ging also weiter davon aus, dass die Reichsleitung den Krieg nicht direkt angestrebt habe, sondern aus dem GefĂŒhl einer fĂŒr Deutschland unhaltbar gewordenen Defensive heraus die politische – und nur notfalls militĂ€rische – Offensive suchte.

Ferner betonten Fischers Gegner stĂ€rker die politischen Entscheidungen und Ziele der anderen GroßmĂ€chte in der Julikrise. So wurde etwa die Mobilmachung der russischen Armee als genauso wichtiger eskalierender Faktor wie die deutsche „Blankovollmacht“ fĂŒr Österreich-Ungarn vom 5. Juli 1914 angesehen. Fischers Arbeiten wurden auch wegen ihrer Methodik kritisiert. Fischer habe sich zwar intensiv mit einem vermeintlichen deutschen Weltmachtstreben beschĂ€ftigt, jedoch ohne die deutsche Politik in den Gesamtzusammenhang der Politik der anderen europĂ€ischen GroßmĂ€chte zu stellen. Ohne eine solche Analyse könnten Fischers weitreichende SchlĂŒsse zur Gesamtkriegsschuld nicht gezogen werden.

Trotz mehrheitlicher Ablehnung stimmten einige Historiker Fischer im weiteren Verlauf der Kontroverse im Kern zu: so sein SchĂŒler Imanuel Geiss in der Bundesrepublik, in Großbritannien John Röhl.

Mediendebatte

Schon das Erscheinen von Griff nach der Weltmacht löste eine lange Reihe von Rezensionen in den ĂŒberregionalen Tageszeitungen aus. Der ĂŒberwiegende Teil wĂŒrdigte dabei Fischers akribische Quellenarbeit und viele sahen Fischers Neuinterpretation der Kriegsschuld als bewiesen an. Besondere Brisanz lag zudem in der von Fischer – wenn auch nur in einem einzigen Satz – beschriebenen Kontexteinordnung zum KontinuitĂ€tsproblem vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. Die Detailuntersuchung wurde so in eine grĂ¶ĂŸere historische Perspektive gerĂŒckt, die auf die Entstehungsbedingungen des Dritten Reiches abzielte. Diese Dimension von Fischers Arbeit löste in der Folge eine emotional gefĂŒhrte Debatte in der Öffentlichkeit aus, an der sich Historiker, Journalisten und Politiker beteiligten.

Nach einer Phase von Rezensionen von 1961 bis 1963, in der die Autoren die Brisanz von Fischers Arbeit fĂŒr die Frage nach der KontinuitĂ€t schon vielfach erkannten, folgte die Hochphase aber erst 1964. In diesem Jahr jĂ€hrten sich sowohl der Ausbruch des Ersten (50 Jahre) als auch des Zweiten Weltkrieges (25 Jahre). Dies ermöglichte den Medien eine verstĂ€rkte Aufnahme der Debatte. Zudem hatte sich die politische Kultur in der Bundesrepublik seit 1959 verĂ€ndert. Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit wurde in den Massenmedien zunehmend thematisiert. Dies schuf einen positiven Rezeptionsrahmen fĂŒr Fischers Thesen.

Die öffentliche Auseinandersetzung wurde vor allem in den ĂŒberregionalen Tageszeitungen Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, SĂŒddeutsche Zeitung, in der Wochenzeitung Die Zeit[15] und im Nachrichtenmagazin Der Spiegel[16][17] ausgetragen. Dessen Herausgeber Rudolf Augstein schaltete sich aktiv in die Diskussion ein und ließ durch einen Vorabdruck der zweiten Auflage von Griff nach der Weltmacht[18] keinen Zweifel darĂŒber aufkommen, dass er auf Fischers Seite stand.

Auch Politiker mischten sich in die historische Debatte ein. Sowohl Bundeskanzler Ludwig Erhard als auch BundestagsprĂ€sident Eugen Gerstenmaier bezogen in Reden zu den Jahrestagen dezidiert Position gegen Fischer. Eine 1964 geplante Vortragsreise Fischers durch die USA auf Einladung des Goethe-Instituts wurde durch Streichung der anfangs bewilligten Fördergelder verhindert. In dem folgenden öffentlichen Proteststurm auch seitens US-amerikanischer Historiker stellte sich heraus, dass Gerhard Ritter die Absage mit Eingaben an den damaligen Bundesaußenminister Gerhard Schröder (CDU) erreicht hatte.

Konrad H. Jarausch erklÀrte die damalige Aufregung aus der besonderen zeitgeschichtlichen Situation:[19]

„Fischers Thesen waren ein Schock. In Jerusalem stand Adolf Eichmann vor Gericht, in Frankfurt begannen die Auschwitzprozesse. Allen Deutschen wurde vor Augen gefĂŒhrt, welche schrecklichen Dinge im Dritten Reich passiert waren. Und nun sollten sie auch noch schuld am Ersten Weltkrieg sein. [...] VerstĂ€rkt wurde die Konfrontation noch durch den Kalten Krieg. Die harten Urteile, mit denen ostdeutsche Wissenschaftler die Politik des Kaiserreichs verdammten, tabuisierten die Kriegsschuldfrage unter deutschen Historikern zusĂ€tzlich.“

Folgen in der Geschichtswissenschaft

Fischers Arbeiten regten seit etwa 1970 verstĂ€rkt Forschungen zu sozialökonomischen Kriegsursachen an, etwa die Orientierung auf eine Kriegsökonomie, die innenpolitische ReformunfĂ€higkeit der kaiserlichen Monarchie, innenpolitische VerteilungskĂ€mpfe. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 werden auch Archive aus der frĂŒheren DDR und Sowjetunion wissenschaftlich ausgewertet. Angestoßen durch Fischers Thesen widmeten sich Forscher wie Horst Lademacher, Lilli Lewerenz, Winfried Baumgart, Peter Borowsky, Horst GĂŒnther Linke auch vermehrt der deutschen Politik in den vom Kaiserreich besetzten Staaten.

Wolfgang J. Mommsen stellte konkrete PlĂ€ne zur zwangsweisen Aus- oder Umsiedlung von Polen und Juden fest.[20] Dies gilt als Indiz fĂŒr die Umsetzung expansiver, auf Annexionen und Errichtung von Satellitenstaaten gerichteter Kriegsziele. Ähnliche Ziele verfolgte fĂŒr Polen und Teile Preußens auch das russische Zarenreich.[21]

Mommsen machte 1981 den Nationalismus wichtiger Interessengruppen fĂŒr das Regierungshandeln verantwortlich: Die „verantwortlichen StaatsmĂ€nner“ hĂ€tten im Reichstag zu wenig RĂŒckhalt fĂŒr eine VerstĂ€ndigungspolitik gehabt, da ihnen die Kontrolle ĂŒber das Offizierskorps, die Hofgesellschaft und die preußische BĂŒrokratie entglitten sei. Sie hĂ€tten deshalb nicht gewagt, „der steigenden Flut nationalistischer Erwartungen wirksam entgegenzutreten.“ Daher habe die deutsche Regierung sich im Juli 1914 „eigentlich gegen die eigene Überzeugung fĂŒr einen politischen Kurs“ entschieden, „der nach Bethmann-Hollwegs EingestĂ€ndnis ‚einem Sprung ins Dunkle‘ gleichkam und den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unvermeidlich machte.“[22] An anderer Stelle betonte er:[23]

„Bei einiger Bereitschaft zur Konzilianz hĂ€tten die anderen MĂ€chte gleichwohl den Ersten Weltkrieg noch abwenden können. TatsĂ€chlich setzten diplomatische GegensĂ€tze von relativ geringer GrĂ¶ĂŸenordnung, die unter anderen UmstĂ€nden leichthin ohne großen Krieg hĂ€tten geschlichtet werden können, eine Welt in Flammen [
].“

Wolfgang Steglich hat demgegenĂŒber anhand von auslĂ€ndischem Archivmaterial die deutschen und österreichischen BemĂŒhungen um einen VerstĂ€ndigungs- oder Separatfrieden seit 1915 betont.[24]

Thomas Nipperdey widersprach sozialhistorischen ErklĂ€rungsansĂ€tzen 1991 mit seiner Ansicht, der „Krieg, die deutsche Kriegsbereitschaft und die Krisenpolitik“ seien keine Folge des deutschen Gesellschaftssystems gewesen. Er modifizierte David Lloyd Georges These vom „Hineinschlittern“ leicht und verwies dazu auf verhĂ€ngnisvolle MilitĂ€rplĂ€ne und Kriegsentscheidungen der Exekutive auch in parlamentarischen Staaten:[25]

„Alle glaubten sich in der Defensive, und alle waren kriegsbereit. Alle ĂŒberschĂ€tzten die eigene existenzielle Bedrohung, alle unterschĂ€tzten den kommenden Krieg. [
] Der Krieg kam, weil alle oder einige am Frieden verzweifelten, nicht weil alle oder einige zum Krieg unter allen UmstĂ€nden entschlossen waren. Und wenn man die SpielrĂ€ume, die Entscheidungsfreiheit der Handelnden bedenkt, so haben alle Anteil an der Zuspitzung der Krise, wenn auch unterschiedlich an dem Scheitern der KrisenbewĂ€ltigung, an dem Ende des Friedens. Darum sprechen wir vom Ausbruch, nicht von der Entfesselung des Ersten Weltkrieges.“

Mit der Verlagerung der Forschungsschwerpunkte erlangte die Fischer-Kontroverse auch als Auseinandersetzung ĂŒber die theoretischen Grundlagen der deutschen Geschichtswissenschaft Bedeutung. WĂ€hrend die traditionelle Politikgeschichte die Bedeutung von Handlungen und Entscheidungen „großer MĂ€nner“ betonte, hob eine neue Generation von Historikern die Relevanz von gesellschaftlichen Strukturen fĂŒr die Geschichtsschreibung hervor. Dabei trat die zuvor vorherrschende apologetische Auffassung, die an den Entscheidungen einzelner FĂŒhrungspersönlichkeiten orientiert war, hinter eine nĂŒchterne Ereignisanalyse zurĂŒck. Damit wurden Fischers Fragestellungen aufgegriffen und hinsichtlich der Sozialgeschichte im Kaiserreich, den gesellschaftlichen Verwerfungen im Kriegsverlauf und der KontinuitĂ€t von FĂŒhrungseliten und Kriegszielen in beiden Weltkriegen erweitert. Dies trug dazu bei, dass auch nichtdeutsche Historiker die Eigenverantwortung ihrer Staaten fĂŒr den Ersten Weltkrieg differenzierter herausstellten.

Bilanz

Der Zeithistoriker Klaus Große Kracht zog als Bilanz:[26]

„Trotz der abwehrenden Haltung nahezu aller fĂŒhrenden Zeithistoriker der Bundesrepublik, ja selbst der Einschaltung politischer Instanzen, setzten sich Fischers Thesen aus Griff nach der Weltmacht im Laufe der sechziger Jahre vor allem in der jĂŒngeren Generation, die selbst keinerlei Erfahrung mit dem Ersten Weltkrieg mehr verband, zunehmend durch. Die zentrale Bedeutung der Fischer-Kontroverse, die zu Recht als eine „SchlĂŒsseldebatte“ der westdeutschen Zeitgeschichtsforschung gelten kann, liegt jedoch nicht in der Erneuerung der ,Kriegsschuldfrage‘, sondern darin, dass sie die Frage der KontinuitĂ€t wieder auf die Tagesordnung gesetzt und damit die „Zeitgeschichte“ ĂŒber das Jahr 1917 hinaus in die Geschichte des Kaiserreichs zurĂŒckgefĂŒhrt hat. Diesen Impuls haben dann vor allem jĂŒngere Historiker wie Wolfgang J. Mommsen und Hans-Ulrich Wehler Ende der sechziger Jahre aufgegriffen, die Fischers engen politikgeschichtlichen Ansatz u.a. im RĂŒckgriff auf die frĂŒhen Arbeiten Eckhart Kehrs um sozialgeschichtliche ZugĂ€nge erweitert und so die Diskussion um den deutschen ,Sonderweg‘ vom Kaiserreich bis in das ,Dritte Reich‘ neu eröffnet haben.“

In einem RĂŒckblick auf große historische Debatten bezeichnete Konrad H. Jarausch die Kontroverse als „Stellvertreterdebatte“ fĂŒr die immer mitgedachten ZusammenhĂ€nge mit dem Zweiten Weltkrieg. Es sei dabei um „die KontinuitĂ€t des historischen SelbstverstĂ€ndnisses und die daraus abgeleitete LegitimitĂ€t nationaler Politik in Deutschland gegangen“ (S. 34). Das Verdienst dieser „SchlĂŒsseldebatte“ fĂŒr eine kritische Geschichtswissenschaft und ein kritisches Geschichtsbewusstseins in der Bundesrepublik habe „weniger in der Aufdeckung der deutschen Kriegsschuld als in der Universalisierung nationaler Selbstkritik als zentraler Aufgabe der Zeitgeschichte ĂŒberhaupt“ bestanden (S. 36).[27]

Im Gefolge der Fischer-Kontroverse wurde der entscheidende Beitrag Deutschlands zum Kriegsausbruch 1914 historisch weitgehend anerkannt,[28] jedoch differenzierter als bei Fischer erklĂ€rt. So resĂŒmierte JĂŒrgen Kocka die Forschungsgeschichte in einem Vortrag zur Vorstellung der EnzyklopĂ€die Erster Weltkrieg am 27. November 2003 in Stuttgart wie folgt:[29]

„Die Forschung hat Fischers Thesen modifiziert, relativiert, ergĂ€nzt, aber auch bestĂ€tigt. Einiges davon gehört heute zum unumstrittenen Schulbuchwissen. Der entscheidende Beitrag Deutschlands zum Kriegsausbruch ist heute weitgehend anerkannt, wird allerdings umfassender und distanzierter erklĂ€rt als bei Fischer, nĂ€mlich einerseits aus dem NachzĂŒglerstatus Deutschlands als einer imperialistischen Macht und aus den Mechanismen der internationalen Konkurrenz jener Zeit, andererseits und vor allem aber aus den ökonomischen, sozialen, verfassungsmĂ€ĂŸigen und mentalen Krisen des wilhelminischen Reichs, nicht nur aus seinen ökonomischen Interessen. Das europĂ€ische Umfeld Deutschlands ist heute viel besser ausgeleuchtet als 1961. Das hat Fischers These gewissermaßen eingebettet. Im Übrigen debattieren Historiker heute kaum noch ĂŒber Kriegsschuld und Kriegsziele. Die Fischer-Kontroverse ist Teil der Geschichte. [
] Die Frage nach der Schuld am Krieg von 1914 ruft kaum noch leidenschaftliche Antworten hervor. [
] Der Bann ist gebrochen, in dem die Erinnerung an den Großen Krieg jahrzehntelang stand. Der Zweite Weltkrieg und seine Verarbeitung haben stark dazu beigetragen.“

Heinrich August Winkler gab Fischers Hauptthese im Blick auf den heutigen Forschungsstand nochmals Recht:[30]

„Das Ziel, mit dem die deutschen Eliten in den Ersten Weltkrieg gezogen waren, hieß Hegemonie in Europa und Aufstieg zur Weltmacht. Am Ende stand ein Friedensvertrag, den die Deutschen als schreiendes Unrecht empfanden, obwohl er das Reich bestehen ließ und ihm die Möglichkeit einrĂ€umte, wieder zur Großmacht zu werden. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kriegsschuld fand nicht statt, obschon bereits im April 1919 eine interne Aktensammlung vorlag, die keinen Zweifel daran ließ, dass die Reichsleitung im Juli 1914 alles getan hatte, die internationale Krise zu verschĂ€rfen. In Abwehr der alliierten These, Deutschland und seine VerbĂŒndeten trĂŒgen die alleinige Verantwortung fĂŒr den Kriegsausbruch, entstand eine Kriegsunschuldlegende, die ebenso viel Unheil stiftete wie ihre Zwillingsschwester die Dolchstoßlegende[.]“

Literatur

Fritz Fischer:

  • Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Droste, DĂŒsseldorf 2000 (Nachdruck der Sonderausgabe 1967, erstmals erschienen 1961), ISBN 3-7700-0902-9.
  • Weltmacht oder Niedergang. Deutschland im Ersten Weltkrieg. EuropĂ€ische Verlagsanstalt, Frankfurt a. M. 1968 (zuerst 1965).
  • Krieg der Illusionen: Die deutsche Politik von 1911 bis 1914. Droste, DĂŒsseldorf 1998 (zuerst 1969), ISBN 3-7700-0913-4.
  • Der Erste Weltkrieg und das deutsche Geschichtsbild. Beck, MĂŒnchen 1998 (zuerst 1977), ISBN 3-7700-0478-7.
  • BĂŒndnis der Eliten: Zur KontinuitĂ€t der Machtstrukturen in Deutschland, 1871–1945. Droste, DĂŒsseldorf 2000 (zuerst 1979), ISBN 3-7700-0911-8.
  • Hitler war kein Betriebsunfall: AufsĂ€tze. Droste, DĂŒsseldorf 1998 (zuerst 1992), ISBN 3-406-34051-2.
  • Juli 1914: Wir sind nicht hineingeschlittert. Rowohlt, 1983, ISBN 3-499-15126-X.
  • Twenty-Five Years Later: Looking Back at the „Fischer Controversy“ and Its Consequences. In: Central European History. 21, 1988, S. 207–223.

Reaktionen:

  • Egmont Zechlin: Krieg und Kriegsrisiko. Zur deutschen Politik im Ersten Weltkrieg. AufsĂ€tze. ISBN 3-7700-0534-1.
  • Karl D. Erdmann, Egmont Zechlin u. a.: Krieg und Frieden. Politik und Geschichte – Europa 1914. Schmidt & Klaunig, 1985, ISBN 3-88312-021-9.
  • Karl Dietrich Erdmann (Hrsg.): Kurt Riezler: TagebĂŒcher, AufsĂ€tze, Dokumente. Vandenhoeck + Ruprecht, Göttingen 1997, ISBN 3-525-35817-2.
  • Andreas Hillgruber: Deutschlands Rolle in der Vorgeschichte der beiden Weltkriege. Vandenhoeck + Ruprecht, Göttingen 1967.
  • Ernst Graf Lynar (Hrsg.): Deutsche Kriegsziele 1914–1918. Frankfurt a. M. 1964 (Sammelband wichtiger BeitrĂ€ge von Historikern und Journalisten).
  • Imanuel Geiss und Bernd JĂŒrgen Wendt (Hrsg.): Deutschland in der Weltpolitik des 19. und 20. Jahrhunderts: Fritz Fischer zum 65. Geburtstag. Bertelsmann UniversitĂ€tsverlag, DĂŒsseldorf 1973.

Zur Kontroverse:

  • Volker Berghahn: Die Fischer-Kontroverse – 15 Jahre danach. In: Geschichte und Gesellschaft. 6, 1980, S. 403–419.
  • Imanuel Geiss: Die Fischer-Kontroverse. Ein kritischer Beitrag zum VerhĂ€ltnis zwischen Historiographie und Politik in der Bundesrepublik. In: Imanuel Geiss: Studien ĂŒber Geschichte und Geschichtswissenschaft. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1972, S. 108–198.
  • Klaus Große Kracht: Die zankende Zunft. Historische Kontroversen in Deutschland nach 1945. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-36280-3
  • ders.: „An das gute Gewissen der Deutschen ist eine Mine gelegt“. Fritz Fischer und die KontinuitĂ€ten deutscher Geschichte. In: JĂŒrgen Danyel, Jan-Holger Kirsch & Martin Sabrow (Hrsg.): 50 Klassiker der Zeitgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 66–70 (Wiederveröffentlichung, Version: 1.0 in Docupedia-Zeitgeschichte. 30. Mai 2011)
  • Wolfgang JĂ€ger: Historische Forschung und politische Kultur in Deutschland. Die Debatte 1914–1980 ĂŒber den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1984, ISBN 3-525-35720-6.
  • Konrad H. Jarausch: Der nationale Tabubruch. Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik in der Fischer-Kontroverse. In: Martin Sabrow, Ralph Jessen, Klaus Große Kracht (Hrsg.): Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Große Kontroversen seit 1945. Beck, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-406-49473-0, S. 20–40.
  • John Anthony Moses: The Politics of Illusion. The Fischer Controversy in German Historiography. London 1975 (Nachdruck 1985), ISBN 0-7022-1040-4.
  • Gregor Schöllgen: Griff nach der Weltmacht? 25 Jahre Fischer-Kontroverse. In: Historisches Jahrbuch. 106, 1986, S. 386–406.
  • Matthew Stibbe: The Fischer Controversy over German War Aims in the First World War and its Reception by East German Historians, 1961–1989. In: The Historical Journal. 46/2003, S. 649–668.

Zur Geschichtsschreibung:

  • Helmut Böhme: „Primat“ und „Paradigma“. Zur Entwicklung einer bundesdeutschen Zeitgeschichtsschreibung am Beispiel des Ersten Weltkrieges. In: Hartmut Lehmann (Hrsg.): Historikerkontroversen. Wallstein, Göttingen 2001, ISBN 3-89244-413-7, S. 89–139.
  • Gerhard Hirschfeld: Der Erste Weltkrieg in der deutschen und internationalen Geschichtsschreibung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. B29-30/2004, S. 3–12 (PDF).
  • Gregor Schöllgen (Hrsg.): Flucht in den Krieg? Die Außenpolitik des kaiserlichen Deutschland. Darmstadt 1991 (Sammelband mit kontroversen BeitrĂ€gen).

Weblinks

Fußnoten

  1. ↑ Ewald Frie: Das Deutsche Kaiserreich. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1. Auflage 2004, ISBN 3-534-14725-1, S. 86f.
  2. ↑ Fritz Fischer, Griff, Sonderausgabe 1967, S. 95.
  3. ↑ Fritz Fischer: Krieg der Illusionen: Die deutsche Politik von 1911 bis 1914 . DĂŒsseldorf 1970, 2. Aufl., S. 672.
  4. ↑ Luigi Albertini: Le origin della guerra del 1914. 3 Bde. Mailand 1942/43; engl. Ausg.: The Origin of the War of 1914 . 3 Bde. London u.a. 1952/57.
  5. ↑ Anm.: 1951 fand eine deutsch-französische Historikerkonferenz statt, die zum Ergebnis kam, dass 1914 keinem Volk und keiner Regierung der „bewusste Wille“ zum Krieg zugeschrieben werden könne; vgl. hierzu Fritz Fischer: Krieg der Illusionen: Die deutsche Politik von 1911 bis 1914. DĂŒsseldorf 1970, 2. Aufl., S. 664.
  6. ↑ Fritz Fischer, Griff nach der Weltmacht, DĂŒsseldorf 1961, erweitert 1964, S. 97.
  7. ↑ Fritz Fischer: Deutsche Kriegsziele, Revolutionierung und Separatfrieden im Osten 1914–1918. In: HZ 188, 1959, S. 249–310.
  8. ↑ Gerhard Ritter: Staatskunst und Kriegshandwerk. Die Tragödie der Staatskunst, Band 3, MĂŒnchen, 1964, S. 15.
  9. ↑ Giselher Wirsing: 
auch am Ersten Weltkrieg schuld? In: Christ und Welt, 8. Mai 1964.
  10. ↑ Erwin Hölzle: Griff nach der Weltmacht? In: HPB 1962, zitiert nach GĂŒnther Schödl auf fkoester.de (Freimut Köster, Unterrichtsmaterial).
  11. ↑ Erwin Hölzle: Die Selbstentmachtung Europas, Band 2, Musterschmitt, Göttingen 1976, ISBN 3-7881-1694-3, S. 11.
  12. ↑ Zum Beispiel publizierte Egmont Zechlin als Antwort auf Fritz Fischer (Weltpolitik, Weltmachtstreben und deutsche Kriegsziele. In: HZ 199, 1964, S. 265–346) seinen Aufsatz Deutschland zwischen Kabinettskrieg und Wirtschaftskrieg. Politik und KriegsfĂŒhrung in den ersten Monaten des Weltkrieges 1914. In: HZ 199, 1964, S. 347–458.
  13. ↑ Andreas Hillgruber: Deutsche Großmacht- und Weltpolitik im 19. und 20. Jahrhundert, DĂŒsseldorf 1977, S. 92.
  14. ↑ Andreas Hillgruber: Deutschlands Rolle in der Vorgeschichte der beiden Weltkriege. Vandenhoeck & Ruprecht, 3. Auflage, 1986, ISBN 3-525-33440-0, S. 56f.
  15. ↑ Paul Sethe: Als Deutschland nach der Weltmacht griff. In: Die Zeit. Nr. 47, 17. November 1961
  16. ↑ Erster Weltkrieg: Wilhelm der Eroberer. In: Der Spiegel. Nr. 49, 1961, S. 54–58 (online).
  17. ↑ Kriegsschuld: RĂ€tsel am 9. 9.. In: Der Spiegel. Nr. 34, 1963, S. 40–47 (online).
  18. ↑ Fritz Fischer: Jetzt oder nie – Die Julikrise 1914. In: Der Spiegel. 1964 (Teil 1: Der deutsche Blankoscheck, Nr. 21; Teil 2: Das Nein zur englischen Vermittlung, Nr. 22; Teil 3: Die Kriegsschuldfrage, Nr. 23
  19. ↑ „Ein Buch wie ein Sprengsatz“ – Der Historiker Konrad H. Jarausch ĂŒber den Streit um Fritz Fischers Forschungen im GesprĂ€ch mit Karen Andresen (Der Spiegel). In: Stephan Burgdorff und Klaus Wiegrefe (Hg.): Der 1. Weltkrieg. Die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Deutsche Verlagsanstalt, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-421-05778-8, S. 256 und 259.
  20. ↑ Wolfgang J. Mommsen: Der Erste Weltkrieg. Anfang vom Ende des bĂŒrgerlichen Zeitalters. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-15773-0, S. 118.
  21. ↑ Bruno Thoß: Der Erste Weltkrieg als Ereignis und Erlebnis. Paradigmenwechsel in der westdeutschen Weltkriegsforschung seit der Fischer-Kontroverse. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Wirkung, Wahrnehmung, Analyse. Seehamer Verlag, Weyarn 1997, ISBN 3-932131-37-1, S. 1012–1044, hier: S. 1017ff.
  22. ↑ Wolfgang J. Mommsen: Der autoritĂ€re Nationalstaat. Fischer, Frankfurt am Main 1990, S. 211.
  23. ↑ Wolfgang J. Mommsen: Fischer Weltgeschichte, Band 28, Das Zeitalter des Imperialismus, Fischer Taschenbuch, 22. Auflage, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-596-60028-6, S. 284–287.
  24. ↑ Bruno Thoß: Der Erste Weltkrieg als Ereignis und Erlebnis. Paradigmenwechsel in der westdeutschen Weltkriegsforschung seit der Fischer-Kontroverse. In: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Wirkung, Wahrnehmung, Analyse. Seehamer Verlag, Weyarn 1997, ISBN 3-932131-37-1, S. 1012–1044, hier: S. 1021. Vgl. Wolfgang Steglich: Die Friedenspolitik der MittelmĂ€chte 1917/18. Verlag Steiner, Wiesbaden 1964, passim.
  25. ↑ Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Band II, Beck, MĂŒnchen 1992, S. 696f.
  26. ↑ Klaus Große Kracht: Kriegsschuldfrage und zeithistorische Forschung in Deutschland. Historiographische Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs (auch als PDF, dort S. 17f.).
  27. ↑ Sabine Moller: Rezension von Zeitgeschichte als Streitgeschichte (Hrsg.: Martin Sabrow, Ralph Jessen, Klaus Große Kracht; C.H. Beck, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-406-49473-0) auf HSozKult, 20. MĂ€rz 2004.
  28. ↑ Gerhard Hirschfeld: Der Erste Weltkrieg in der deutschen und internationalen Geschichtsschreibung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B29-30/2004, S. 3–12 (PDF).
  29. ↑ JĂŒrgen Kocka: Entfernung und Einsicht. Weltkriegsforschung im Wandel. S. 8 und 11 (PDF).
  30. ↑ Heinrich August Winkler: Deutschland, eine Jahrhundertfrage. In: Der Spiegel. Nr. 8, 2007, S. 52–59, hier S. 56. (17. Februar 2007, online).

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