Flagge

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Flagge
Flaggen (vor dem Europaparlament in Straßburg)

Eine Flagge ist eine abstrakte zweidimensionale Anordnung von Farben, Fl√§chen und Zeichen in meist rechteckiger Form. Sie besteht in der Regel aus einem Tuch, aber auch andere Materialien, wie Papier, Plastik oder Metall, finden Verwendung. Deren gemaltes Bild erf√ľllt oft dieselben Zwecke wie die eigentliche Flagge.

Flaggen dienen zur visuellen √úbertragung von Informationen, urspr√ľnglich √ľber eine gr√∂√üere Distanz, wie von Schiff zu Schiff. Oft ist dies die Markierung der Zugeh√∂rigkeit beziehungsweise der Vertretung von Gemeinschaften und K√∂rperschaften. Die Lehre vom Fahnen- und Flaggenwesen hei√üt Vexillologie (Flaggenkunde).

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das Wort Flagge hat einen nordischen, vermutlich im 17. Jahrhundert in England aufgekommenen Ursprung, der vom altnordischen Wort flogra stammt, was flattern bedeutet.[1] Um 1600, im Zuge der Entstehung von Nationalflaggen, hielt es in abgewandelter Form schlie√ülich Einzug in den niederl√§ndischen und niederdeutschen bzw. neuniederl√§ndischen[2] Sprachgebrauch und wurde so zur vlag (niederl√§ndisch: ‚ÄěSchiffsfahne‚Äú). Sp√§ter wurde daraus im deutschen Sprachgebrauch dann "Flagge". Eine weitere Herkunftvariante ist im alten s√§chsischen oder germanischen Wort Flaken oder Ffleogan zu suchen, was so viel wie ‚Äěim Winde wehen‚Äú bedeutet.

Unterscheidung der Begriffe

Die Wörter Flagge und Fahne werden umgangssprachlich oft gleichbedeutend gebraucht.

Flagge:
Im engeren (rechtlichen) Sinne ist eine Flagge ein St√ľck Tuch, das nach Verschlei√ü entsorgt und ersetzt werden kann. Flaggen sind ersetzbar, sie werden in verschiedenen Gr√∂√üen und in hoher St√ľckzahl hergestellt. Eine Flagge wird oft an einem Mast oder Flaggenstock mit Leinen gehisst.

Fahne:
Eine Fahne ist immer ein Unikat. Eine Fahne ist ein nicht vertretbares Einzelst√ľck (Truppenfahne, Vereinsfahne, Zunftfahne, Regimentsfahne). Die Fahne ist fest am Stock befestigt. In der Schweiz wird umgangssprachlich auch bei Flaggen von ‚ÄěFahnen‚Äú gesprochen.

Banner:
Während Flaggen von einem senkrechten Mast wehen, hängen Banner an einem waagerechten Schaft.

Stander:
Stander sind Kraftfahrzeugzeichen, die die Anwesenheit eines hohen Amtstr√§gers ausdr√ľcken sollen ‚Äď sie sind nicht zwangsl√§ufig Flaggen aus Tuch, sie k√∂nnen auch feste Schilder sein.

Geschichte

Vorg√§nger von Fahnen und Flaggen sind die so genannten Vexilloloide, eine Standartenform, die heute in manchen Teilen der Erde noch √ľblich ist. Erste Zeugnisse finden sich auf 5500 Jahre alten alt√§gyptischen Tonwaren, auf denen Vexilloloide abgebildet sind. Vexilloloide waren weit verbreitet und nahmen in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedliche Formen an. Beispiele sind das von den R√∂mern gef√ľhrte Signum, aus dem sich die Stofffahne, das Vexillum, entwickelte, oder symboltr√§chtige F√§cher und Sonnenschirme in S√ľdostasien. Die √§lteste erhaltene ‚ÄöFahne‚Äė ist eine aus dem Iran stammende 5000 Jahre alte Standarte mit ‚ÄöTuch‚Äė aus Metall. Stoffe spielten noch eine untergeordnete Rolle, viel h√§ufiger wurden Leder, Holz, Metall und andere Werkstoffe eingesetzt. Sehr wahrscheinlich wurde erstmals in China Seide als Fahnenstoff eingesetzt, dessen Tradition in der Seidenherstellung vermutlich bis 3000 v. Chr. zur√ľckreicht. Dies brachte zwei √Ąnderungen mit sich, die man noch heute in Fahnen findet: Die seitliche Befestigung des Tuches und die Zunahme der Bedeutung des Tuches gegen√ľber der Fahnenstange. Sehr wahrscheinlich verbreitete sich die Seidenfahne noch in vorislamischer Zeit (fr√ľhes 7. Jahrhundert) bis in den Nahen Osten. Eine Neuerfindung der Fahne aufgrund des Seidenhandels gilt als unwahrscheinlich. Die Beachtung des Bilderverbots im Islam f√∂rderte die Entwicklung hin zur abstrakten Symbolik. Mit den Kreuzz√ľgen hielten die Fahnen Einzug in die westliche Welt. Andere Quellen sehen den Beginn des Gebrauchs von Flaggen als Erkennungszeichen bei den Wikingern. Beowulf erw√§hnte in Aufzeichnungen das Verwenden von Kriegsbannern.[3]

Die mittelalterliche Heraldik in Europa begr√ľndete ihren Ursprung in dem praktischen Nutzen, Krieger auf dem Schlachtfeld zu erkennen. Die dabei angewandten heraldischen Regeln, Farbe auf Farbe und Metall auf Metall zu vermeiden, hatten f√ľr Fahnen nur begrenzte G√ľltigkeit und spielen heute keine Rolle mehr (zum Beispiel die deutsche Bundesflagge). Die in Wappen verp√∂nte Farbe Gr√ľn wurde beispielsweise auf Fahnen im Hochmittelalter gerne eingesetzt.[4]

Die Symbolik war anfangs, bis auf wenige Ausnahmen, reichlich dekorativ und erschien willk√ľrlich gew√§hlt. Keine Fahne wies durch ihren Gebrauch auf den F√ľhrer einer Schlacht hin. Dies √§nderte sich grundlegend durch die Kreuzz√ľge. Als sichtbares, zuordenbares Zeichen wurden Fahnen, Schilde, Helme, Kleidung mit der heraldischen Symbolik ausgestattet und unterstrichen die Rechte und Privilegien des Fahnenf√ľhrenden.

Die Entwicklung der Symbole zu Land ging mit fundamentalen √Ąnderungen auf See einher. Im sp√§ten 12. Jahrhundert erschienen zun√§chst im Mittelmeer, Mitte 13. Jahrhundert in der Nordsee die ersten Flaggen auf Schiffen. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits Regeln f√ľr Flaggen aufgestellt, die heute noch gelten. Ein 1270 geschlossener Vertrag zwischen England und den Grafen von Flandern forderte beispielsweise das F√ľhren korrekter Kennzeichnungsflaggen ‚Äď das Fahren unter falscher Flagge war verp√∂nt.

Seit etwa dem sp√§ten 15. Jahrhundert wurde es allgemein √ľblich ‚Äď etwas sp√§ter sogar gesetzlich geregelt ‚Äď auf See Flaggen zur Anzeige der Nationalit√§t zu benutzen, die sich schlie√ülich zu den heutigen Nationalflaggen entwickelten.

Ab dem 18. Jahrhundert wurden Flaggen als Signalcodes zur See entworfen und verwendet. Zudem kam es zu zahlreichen Normierungen im Flaggenwesen. Die bedeutendste Entwicklung stellte aber die Etablierung der Nationalflagge dar, die die B√ľrger eines Volkes vertritt. Der erste Vertreter dieses neuen Typus war sicherlich die Flagge der USA. Die Entwicklung zur Nationalflagge wurde durch die Entstehung des modernen b√ľrgerlichen Nationalstaates eingeleitet, dessen Kinderstuben die amerikanische und die franz√∂sische Revolution waren.

Hissen und Streichen der Flagge

Hissen der Nationalflagge des Irak

Flaggen werden gehisst, beziehungsweise gesetzt (in Seemannssprache ‚Äěhei√üen‚Äú); Banner dagegen aufgestellt. Die feierliche Zeremonie nennt man Flaggenparade. In der Art ihrer Nutzung k√∂nnen Flaggen weitere Informationen √ľbertragen. So zum Beispiel bei der Trauerbeflaggung. Doch nur Flaggen d√ľrfen auf Halbmast gesetzt werden, Banner und Hausfahnen werden hingegen mit einem oder zwei Trauerfloren versehen. Es zeugt von Unkenntnis der Beflaggungsregeln wenn auch Banner und Hausfahnen auf Halbmast gesetzt werden.

Besucht ein Staatschef ein anderes Land, so wird ihm zu Ehren die Nationalflagge seines Landes (Gastflagge) gezeigt. Ebenso werden bei internationalen Wettk√§mpfen die Sieger durch das Setzen ihrer Nationalflaggen geehrt. Auf Schiffen ist der Platz der eigenen Nationalflagge meist am Heck. Insbesondere auf Kriegsschiffen wird die Nationalflagge auf See in der Gaffel des Signalmastes gesetzt, im Hafen weht die Nationalflagge am Heck, am Bug die G√∂sch, die oft ein eigenes Design hat. Bei einigen Staaten weicht die Nationalflagge zu See vom Aussehen der sonst √ľblichen Flagge ab. Bei zivilen Schiffen nennt man die Nationalflagge dann Handelsflagge, bei Kriegsschiffen Seekriegsflagge. Zus√§tzlich f√ľhren Flaggoffiziere eigene Flaggen als Kommandoflagge.

Die Flagge streichen bedeutet hier, im seem√§nnischen Sprachgebrauch, das Niederholen der Nationalflagge auf Kriegsschiffen bzw. anderer in Kampfhandlungen verwickelter Schiffe, um dem Angreifer die Kapitulation anzuzeigen. Entwickelt hat sich dieser Brauch aus dem Streichen der Segel, das nat√ľrlich nur mit erheblich gr√∂√üerem Aufwand an Zeit und Mannst√§rke vollzogen werden konnte, w√§hrend der entsprechende Gegner das Ziel weiter unter Feuer nahm. Nationalflaggen, die √ľbereinander gesetzt werden, k√∂nnen die Dominanz des oberen Staates symbolisieren, so bei erbeuteten Schiffen.

Gebrauchsformen

Flaggen symbolisieren oft Gruppen und Gemeinschaften, so wie es zum Beispiel Parteiflaggen, Nationalflaggen oder Stadtflaggen tun. Davon abgeleitet k√∂nnen Nationalflaggen auch f√ľr andere Eigenschaften des Landes stehen, wie etwa f√ľr die Landessprache. Daneben gibt es Flaggen, die Nachrichten √ľbermitteln, wie zum Beispiel Signalflaggen oder √ľber Situationen informieren, wie etwa am Strand √ľber m√∂gliche Gefahren beim Baden. Weit verbreitet ist heute die Flagge als Werbemittel oder sie wird zum schm√ľcken von R√§umen und Geb√§uden verwendet.

Nationalflaggen

‚Üí Hauptartikel: Nationalflagge
Dienstflagge der Republik √Ėsterreich
Dienstflagge der deutschen Seestreitkräfte

Praktisch alle Staaten haben eine Staatsflagge als nationales Symbol. Oft ist das Aussehen solcher Flaggen im jeweiligen Staat verfassungsm√§√üig festgeschrieben. F√ľr das Staatsoberhaupt existiert h√§ufig eine eigene Flagge, die bei √∂rtlicher Anwesenheit gehisst wird. F√ľr den deutschen Bundespr√§sidenten ist dies ein schwarzer Bundesadler auf goldenem Grund mit rotem Rand. Je nach Gebrauch werden Flaggen wie folgt eingeteilt:

  • Die B√ľrgerliche Flagge B√ľrgerliche Flagge? ging aus den Flaggen der Schiffe hervor, mit der einst die Nationalit√§t erkannt werden konnte. Heute ist damit diejenige Form der Staatsflagge gemeint, die von jedem B√ľrger gef√ľhrt werden darf. Sie ist meist die bekannteste Version der Nationalflagge.
  • Die Handelsflagge Handelsflagge? ist die Flagge, die bei einem Handelsschiff am Heck gef√ľhrt wird. In vielen Nationen ist die Handelsflagge mit der Nationalflagge identisch.
  • Die Dienstflagge Dienstflagge an Land und zur See? ist die Sonderform einer Nationalflagge, die den Beh√∂rden eines Landes vorbehalten ist. Meist unterscheidet sie sich durch ein zugef√ľgtes Staatswappen von der Nationalflagge.
  • Die Kriegsflagge Kriegsflagge an Land und zur See?, auch Dienstflagge der Streitkr√§fte genannt, geht historisch auf die Heckflagge von Kriegsschiffen zur√ľck. Manche Nationen unterscheiden zwischen einer Kriegsflagge an Land (Heeresflagge) und einer Seekriegsflagge Kriegsflagge zur See?. Eine Kriegsflagge bedeutet keinesfalls, dass Kriegszustand herrschen muss; sie wird beispielsweise auch bei Man√∂vern gezeigt.

In der modernen Flaggenkunde wird die Art des Flaggengebrauchs durch standardisierte Gittersymbole (FIAV-Symbole Nationalflagge an Land und zur See?) angezeigt.

Flaggen im Signalwesen

Alpha

Da Flaggen auch auf große Entfernung sichtbar sind, gibt es Signalflaggen zur Übermittlung von Nachrichten. Hierzu wird das Flaggenalphabet oder das Winkeralphabet verwendet. Diese Anwendung erfolgt bis zum heutigen Tag zumeist auf See. Weiterhin werden Signalflaggen in vielen anderen Bereichen genutzt:

  • Eisenbahnwesen, wo Signalflaggen beispielsweise beim Rangieren genutzt werden
  • an bewachten Badestr√§nden, wo eine Flagge am Rettungsschwimmerturm anzeigt, dass dieser besetzt ist. Au√üerdem gibt es Signale, die beispielsweise den Badebetrieb wegen schlechter Bedingungen verbieten.

Flaggen im Sport

Formel 1 (Ende des Rennens oder der Trainingssitzung)

Im sportlichen Bereich haben Flaggen zwei Anwendungsm√∂glichkeiten. Zum einen werden sie von den Zuschauern und Fans genutzt, um die Sympathie f√ľr die eigene Mannschaft oder den Sportler zu bekunden ‚Äď so gab es trotz unklarer Gesetzeslage in √Ėsterreich im Umfeld der Fu√üball-Europameisterschaft 2008 den Trend Autofahnen an privaten Kraftfahrzeugen anzubringen.

Zum anderen definiert das Regelwerk vieler Sportarten die Benutzung von Signalflaggen:

  • Beim Fu√üball nutzen die Schiedsrichterassistenten Flaggen.
  • Im Segelsport wird ein umfangreiches adaptiertes Flaggenalphabet benutzt. Beim Regattasegeln setzten die teilnehmenden Yachten entweder eine eigene, selbst gestalteten Rennflagge (beispielsweise Germania: roter Greif auf wei√üem Grund, Motto: Cave Grypem [H√ľte dich vor dem Greif!])[5] oder sie ziehen die Nationalflagge ein, zum Zeichen ihrer Regattateilnahme. Beim Ende einer erfolgreichen Saison werden unter der Steuerbord-Saling so viele Rennflaggen gesetzt, wie Regattasiege errungen wurden.
  • In der Leichtathletik zeigen Obleute beispielsweise die G√ľltigkeit eines Versuches mit roten (ung√ľltig) und wei√üen (g√ľltig) Flaggen an. Au√üerdem zeigen die Bahnrichter bzw. Wechselrichter durch Heben einer gelben Fahne einen Regelversto√ü an.
  • Beim Automobilsport werden den Fahrern mit Flaggen bestimmte Informationen, wie beispielsweise Letzte Runde oder Disqualifikation angezeigt.
  • Es ist √ľblich bei internationalen Wettbewerben, beispielsweise Olympische Spiele, das Siegerteam mit dem Hissen der Staatsflagge des Siegers oder des Siegerteams zu ehren.
  • Andere Flaggen werden als Begrenzung des Spielfeldes genutzt, allerdings gemein als Fahnen bezeichnet, beispielsweise Eckfahne.

Parteiflaggen

Viele politische Bewegungen wie beispielsweise Politische Parteien haben Parteiflaggen, die bei √∂ffentlichen und internen Gelegenheiten als Zeichen der Zugeh√∂rigkeit zu einer politischen Gruppe oder Idee gezeigt werden. Sie besitzen genauso wie Nationale Flaggen Farben und Symbole mit bestimmten Aussagen. Zum Beispiel steht traditionell das Rot einer Parteiflagge meist f√ľr eine Arbeiterpartei. H√§ufig werden anstelle eines Symbols einfach die Buchstabenk√ľrzel der politischen Bewegung genutzt.

Flaggen internationaler Organisationen

Olympische Ringe

Viele zivile und milit√§rische internationale Organisationen oder Nichtregierungsorganisationen f√ľhren eigene Flaggen. Zu den bedeutsamen internationalen Flaggen geh√∂ren die Flaggen der Vereinten Nationen, der NATO, der Organisation der Islamischen Konferenz, die Europaflagge und die Olympischen Ringe. Die wichtigsten und wahrscheinlich ersten internationalen Flaggen sind die Flaggen der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, da sie im modernen Kriegsv√∂lkerrecht seit langer Zeit anerkannt sind und mit diesen Flaggen gekennzeichnete Orte nicht angegriffen werden d√ľrfen.

Gestaltung von Flaggen

Flaggen als Körperschmuck

Flaggen werden in der Regel an Gegenst√§nden, traditionell an Flaggenmasten befestigt. Sie k√∂nnen aber auch als Tuch √ľber Gegenst√§nde ausgebreitet werden oder mit Flaggen diese einwickeln. Kleine Flaggen werden als Aufn√§her auf Kleidung und Taschen getragen. Abbildungen von Flaggen finden sich auf Fahrzeugen, auf Dokumenten, auf Webseiten oder auch als K√∂rperschmuck.

Format

Flaggen, vor allem Nationalflaggen, sind √ľblicherweise rechteckig. Die Seitenverh√§ltnisse k√∂nnen dabei sehr unterschiedlich sein. Quadratische Flaggen, wie die Schweizer Fahne und die Flagge der Vatikanstadt, sind seltener.

Weitere Formen sind:

Proportionen

Ein wichtiges Merkmal sind die Proportionen der Flaggen, da unterschiedliche Flaggenarten sich in manchen Ländern nur durch ihre Seitenverhältnis unterscheiden. Als Wimpel wird die Umsetzung in dreieckiger Form bezeichnet, wie sie sehr häufig in der Schifffahrt anzutreffen ist. Häufig ist auch die Verwendung von Flaggen als gemaltes oder aufgenähtes Emblem. Zudem werden vor allem Trikoloren auch als Dekorationsbänder, Borten oder Verzierungen offizieller Schreiben verwendet.

Bestandteile einer Flagge

Um eine Flagge eindeutig zu beschreiben, sind die einzelnen Teile des Tuches eindeutig definiert. Diese Begriffe sind h√§ufig nautischen Ursprungs; es finden sich jedoch auch Entlehnungen aus anderen Fachgebieten, beispielsweise der M√ľnzkunde. Flaggen besitzen eine Vorder- und eine R√ľckseite. (Averse und Reverse; vgl. die numismatischen Fachbegriffe Avers und Revers) Bei den meisten Flaggen sind Vorder- und R√ľckseite Spiegelbilder voneinander. (Ausnahmebeispiele: Flagge der Sowjetunion, Flagge Paraguays, Flagge der Demokratischen Arabischen Republik Sahara). Es ist, au√üer bei einigen arabischen Flaggen, gebr√§uchlich, dass der Flaggenmast links ist, wenn der Betrachter die Vorderseite sieht.

Aufteilung einer Flagge.png
A Gösch (Wappenfeld im linken Obereck)
B Oberes Liek
C Oberes Flugteil
D Unteres Liek (bildet zusammen mit B das Liek)
E Unteres Flugteil (bildet zusammen mit C den Flugteil)
F Flaggenleine
G Flaggenmast mit Kopfverzierung (auch: Flaggenstock oder Schaft)

Symbolik

Entwicklung der Symbole

Ab dem sp√§ten 13. Jahrhundert waren Kreuzflaggen das beherrschende Motiv, welches die bis dahin √ľberwiegende Darstellung von Heiligen abl√∂ste. Diese fr√ľhen Flaggen waren keine Nationalflaggen im heutigen Sinne, sie wurden nicht an Land gebraucht und vertraten eher den Landesherren oder den Staat als dessen B√ľrger. Die in St√§nde gegliederte mittelalterliche Gesellschaft verwendete mehr Zunft- oder Kirchenfahnen, wobei es sich oftmals um kunstvoll, zum Teil mit applizierten Stickereien verzierte Einzelst√ľcke handelte. In dieser Zeit entstand der Dannebrog, der als eine der √§ltesten kontinuierlich genutzten Flagge gilt.

W√§hrend im 14. Jahrhundert einfache Motive die heraldischen Fahnen beherrschten, verbreiteten sich im 15. und 16. Jahrhundert vor allem bei Milit√§rfahnen parallel Abbildungen mit komplizierten, zum Teil allegorischen Szenen. Beliebt waren auch Wappendarstellungen auf wei√üem Tuch. Da dieses f√ľr die praktische Erkennung ungeeignet ist, ergab sich im 17. Jahrhundert eine klare Trennung in zwei Flaggentypen: eine einfache Flagge und eine mit komplizierter Wappendarstellung. Diese Aufspaltung hat heute noch G√ľltigkeit und kann in diversen National- und Dienstflaggen beobachtet werden.

Häufige Symbole und Farben

Da Nationalflaggen geographische, historische, kulturelle, religi√∂se, ethnische oder ideologische Aussagen darstellen, die teilweise landes√ľbergreifend sind, gibt es auch Symbole und Farben, die in vielen Flaggen gleichzeitig auftauchen und damit Gemeinsamkeiten der betroffenen L√§nder illustrieren.

Trikoloren

W√§hrend die Flagge der Niederlande Vorbild der Farbeinteilung der Flagge Russlands war und damit der meisten slawischen Nationalflaggen, ist die Flagge Frankreichs der Ursprung fast aller anderer Trikoloren (‚Äödreifarbigen‚Äė), wie zum Beispiel jene von Italien, Ghana und Deutschland. Hier diente die Flagge zumeist als Symbol des B√ľrgertums und der Republik als Staatsform im Gegensatz zur absolutistischen Monarchie.

Kreuze

Das Christliche Kreuz repräsentiert die Religion des Christentums. Viele der heutigen europäischen Nationen entstanden im ausgehenden Mittelalter. In dieser Zeit war das Christentum eine staatsbildende Grundlage. Aus diesem Grund bildet das Kreuz in seinen Varianten die Basis vieler Flaggen und Wappen in Europa. So verwenden die meisten nordeuropäischen Staaten das Skandinavische Kreuz, ein seitlich gelegtes Lateinisches Kreuz.

Das diagonal verlaufende Andreaskreuz verweist auf den Apostel Andreas und kommt unter anderem in den Flaggen Schottlands, Jamaikas und des Baskenlandes vor. Auch die Russische Seekriegsflagge benutzt ein Andreaskreuz. Die Sonderform des Burgundischen Andreaskreuzes war spanische Kriegsflagge bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts und danach noch Symbol der carlistischen Bewegung

Das byzantinische oder orthodoxe Doppelkreuz ist das Symbol der orthodoxen Kirche. In traditionell orthodoxen Ländern Osteuropas und auf der Balkanhalbinsel wird das Doppelkreuz häufig verwendet. Auch die Slowakei benutzt in ihrer Nationalflagge ein solches Kreuz.

Das Tatzenkreuz war das Wappen des Templerordens. Auch der Deutsche Orden benutzte ein ähnliches Symbol. Das schwarze Tatzenkreuz (Eisernes Kreuz) war seit den Befreiungskriegen ein Symbol der deutschen Armee und ist auch heutzutage das Hoheitszeichen der Bundeswehr. Vier Tatzenkreuze finden sich in den Ecken der Nationalflagge Georgiens. Eine verwandte Form ist das Kruckenkreuz.

Das rote Georgskreuz des heiligen Georg ist Bestandteil verschiedener Flaggen, beispielsweise in der Flagge Englands. Außerdem ist das Georgskreuz unter anderem in der Flagge Georgiens und der Flagge der Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG).

Das Georgskreuz findet sich neben anderen Kreuzen auch im Union Jack, das durch die Vereinigung Schottlands und Englands entstand. Später kam die Flagge Irlands hinzu. Er ist eine Überlagerung aus dem englischen Georgskreuz, dem schottischen Andreaskreuz und dem schräggestellten Irischen Patrickskreuz. Viele National- und Dienstflaggen ehemaliger britischer Kolonien basieren auf dem Union Jack bzw. seinen Abwandlungen, der Blue-, Red- und White Ensign.

Die Swastika (Hakenkreuz) hat keinen christlichen Ursprung. Sie ist das Sonnenrad und wesentlich √§lter. Sie war das zentrale Symbol der Parteifahne der NSDAP und zwischen 1933 und 1945 Grundlage der Flagge Deutschlands. Auch das finnische und polnische Milit√§r benutzten sie. Heutzutage ist sie nur noch im Gebiet Kuna Yala, sowie im S√ľd- und Ostasiatischen Bereich als buddhistisches Symbol anzutreffen und keine Grundlage einer aktuellen Nationalflagge. Jedoch f√ľhrt der finnische Staatspr√§sident in der Oberecke seiner pers√∂nlichen Standarte das blau-gelbe Freiheitskreuz, das ein Hakenkreuz enth√§lt. Es leitet sich vom altfinnischen Symbol Tursaansyd√§n ab.

Himmelskörper

Die Mondsichel (Halbmond) repr√§sentiert in den meisten F√§llen die Religion des Islams. √úber Jahrhunderte war der Halbmond das Symbol des Osmanischen Reiches. Heute wird das Symbol unter anderem in der T√ľrkischen Flagge, der Flagge Pakistans und der Flagge Tunesiens benutzt. In einigen Flaggen werden Mondsicheln ohne einen islamischen Bezug verwendet. In der Flagge Singapurs symbolisiert der Halbmond eine junge, aufstrebende Nation. Im Sojombo-Symbol der Flagge der Mongolei symbolisiert er zusammen mit der Sonne das ewige Leben der Nation. In der Flagge Nepals steht er zusammen mit dem Stern f√ľr die K√∂nigsfamilie.

Neben dem vor allem in islamischen L√§ndern h√§ufig verwendeten Halbmond wird auch der Vollmond in Nationalflaggen verwendet. In der Flagge von Laos scheint er als wei√üe Scheibe dargestellt √ľber dem Mekong. In der Flagge Palaus symbolisiert er das Aufstreben der Nation, zudem spielt er in der Tradition des Landes eine wichtige Rolle.

Ein häufig vorkommendes Symbol in Nationalflaggen ist die Sonne. Ihre Bedeutung ist allerdings so vielfältig wie ihr häufiges Vorkommen auf Nationalflaggen. In den meisten Fällen wird sie als Sonnensymbol, wie in der Flagge Argentiniens, gezeigt. In manchen Fällen wird sie auch nur durch eine gelbe Farbfläche, wie in der Flagge Guineas, dargestellt.

In vielen F√§llen symbolisiert sie, wie in der Flagge Namibias, die Hitze oder W√§rme, die von ihr ausgeht. Manchmal soll sie, wie in der Flagge von Antigua und Barbuda, als aufgehende Sonne auch den Anbruch einer neuen √Ąra oder Epoche darstellen. Die Sonne in der Flagge Ruandas wiederum steht f√ľr die erhoffte Erleuchtung des Volkes. Eine gro√üe historische Bedeutung hat das Gestirn in Japan, dem Land der aufgehenden Sonne, dies spiegelt sich auch in der japanischen Nationalflagge wider.

In einigen Nationalflaggen werden Sternbilder dargestellt um damit ihre geographische Lage zu zeigen. Zum Beispiel wird in der der Flagge des US-Bundesstaates Alaska der Polarstern und das Sternbild des Großen Wagens, einem Teilbild des Großen Bären, dargestellt.

Das Sternbild des s√ľdlichen Kreuzes wird in den National- und Provinzflaggen mehrerer Staaten der S√ľdhalbkugel als Symbol der geografischen Lage genutzt. Zu diesen Staaten und Gebieten geh√∂ren unter anderem Papua-Neuguinea und Neuseeland oder der australische Bundesstaat Victoria und die Flagge der argentinischen Provinz Tierra del Fuego (Feuerland). Ebenso tr√§gt die Flagge des Integrationsraums Mercosur das Kreuz des S√ľdens.

Symboltr√§chtig ist das Sternbild in der Flagge Brasiliens. Hier wird der Himmel √ľber Rio de Janeiro zum Zeitpunkt der Proklamation der Republik gezeigt. Die Abbildung ist so, als bef√§nde sich der Betrachter im All und schaue durch die Sterne auf Brasilien.

Farben als Symbol der Verbundenheit

Die drei s√ľdamerikanischen L√§nder Ecuador, Kolumbien und Venezuela benutzen die Gro√ükolumbischen Farben Gelb, Blau und Rot. Diese gehen zur√ľck auf die 1806 von Francisco de Miranda erstmals gehisste Flagge der Unabh√§ngigkeitsbewegung gegen Spanien. Gelb stand f√ľr die Neue Welt, Blau f√ľr den Atlantischen Ozean, der diese vom spanischen Terror trennt, f√ľr den das Rot steht. Sie war von 1813 bis 1830 die Flagge Gro√ükolumbiens. Deshalb werden ihre Farben auch als bolivarische Farben (Sim√≥n Bol√≠var) bezeichnet. Die urspr√ľngliche Flagge wird auch als Miranda-Flagge bezeichnet.

1823 entstand im Widerstand gegen Spanien die Zentralamerikanische Konf√∂deration, deren Flagge aus drei waagerechten Streifen bestand und die Farbfolge Blau-Wei√ü-Blau hatte, die auch als Zentralamerikanische Farben bezeichnet werden. Diese wurde in Anlehnung an die argentinische Flagge entworfen. Nach dem Zusammenbruch der Konf√∂deration 1838 nutzten die f√ľnf jetzt unabh√§ngigen Staaten Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua die Farben und teilweise auch Teile des Wappens in ihren Nationalflaggen weiter.

Die weiteren zentralamerikanischen Staaten haben einen abweichenden historischen Hintergrund und wählten andere Flaggenmuster.

Viele islamische Staaten benutzen die Farbe Gr√ľn in ihren Flaggen. Gr√ľn war die Farbe der Fatimiden und gilt als Lieblingsfarbe von Mohammed. Die Farbe Gr√ľn ist ein Basissymbol des Islams. Beispiele sind die Flaggen Saudi Arabiens, Mauretaniens und Pakistans. Auch die Flagge der Organisation der Islamischen Konferenz f√ľhrt Gr√ľn als Grundfarbe. Gr√ľn als Farbe des Propheten ist auch eine der vier panarabischen Farben. In modernen Flaggen tauchten die Panarabischen Farben Schwarz, Wei√ü, Gr√ľn und Rot erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts im Unabh√§ngigkeitskampf der Araber gegen das Osmanische Reich auf. Schwarz und Wei√ü sind die Farben des Propheten, Gr√ľn ist die Farbe des Islams und auch die Farbe seiner fatimidischen Nachkommen. Die Farbe der haschemitischen Nachkommen ist Rot. Au√üerdem gelten Schwarz und Wei√ü als die Farben der Abbasiden und Umayyaden.

Nach der Revolution in √Ągypten im Jahre 1952 und der Absetzung des K√∂nigs wurde unter Weglassung des Gr√ľns die Farbkombination Rot-Wei√ü-Schwarz als Grundlage der Flagge √Ągyptens gew√§hlt. Einige arabische L√§nder mit republikanischer Regierungsform wie beispielsweise Jemen, Syrien und Irak haben, als Zeichen des Panarabismus diese Farben √ľbernommen. Monarchien wie beispielsweise Jordanien und Kuwait behielten meist die alten Farben einschlie√ülich des Gr√ľns bei.

Die Panafrikanischen Farben gehen auf den schwarzen Begr√ľnder der Back-To-Africa-Bewegung Marcus Garvey zur√ľck. Seine Farben waren Rot, Schwarz und Gr√ľn. Sp√§ter wurde Schwarz durch Gelb ersetzt, da das einzige traditionell unabh√§ngige schwarzafrikanische Land vor der Dekolonialisierung Afrikas √Ąthiopien war und die Flagge √Ąthiopiens eine waagerechte gr√ľn-gelb-rote Trikolore ist. Die panafrikanischen Farben wurden zuerst 1957 von Ghana benutzt. In der Regel haben die Farben zus√§tzlich eine weitere Symbolik. In der Flagge des Tschad und in der Flagge der Zentralafrikanischen Republik sind die Farben mit denen der franz√∂sischen Trikolore gemischt.

Die Panslawischen Farbe Wei√ü, Blau und Rot gehen auf die von Peter dem Gro√üen geschaffene Flagge Russlands zur√ľck, die in ihrem Aufbau zwar auf der Flagge der Niederlande beruht, in den Farben aber auf dem Wappen des F√ľrstentums Moskau basiert. Viele slawische L√§nder verwenden ebenfalls diese Farben als Zeichen ihrer Verbundenheit zum Panslawismus. Die Farbkombination ist unter Nationalflaggen sehr h√§ufig zu finden, kann aber auf unterschiedliche Vorbilder zur√ľckzuf√ľhren sein. Andere L√§nder nahmen sich den Union Jack, die Flagge der Vereinigten Staaten oder die franz√∂sische Trikolore als Vorbild.

Pflanzen und Tiere

Pflanzen und Tiere gehören zu den gemeinen Figuren der Heraldik.

H√§ufige Wappentiere sind L√∂wen, B√§ren, Leoparden, Adler, Kraniche, Delfine, Widder oder Stiere, aber auch Fabelwesen wie der Greif, das Einhorn, der Drache, der Doppeladler und der Lindwurm. In s√ľdamerikanischen Flaggen und Wappen taucht der Kondor auf, w√§hrend fr√ľhe Revolutionsflaggen der USA h√§ufig die Klapperschlange zeigen. Die Tiere versinnbildlichen zumeist ihnen zugesprochene Werte wie Tapferkeit, Ausdauer oder St√§rke, wobei nicht unbedingt Tiere gezeigt werden, die im jeweiligen Land vorkommen, wie zum Beispiel der englische L√∂we. Andere gehen auf real vorkommende Tiere zur√ľck, die f√ľr die Familie eines Herrscherhauses oder einen einzelnen Herrscher standen, wie zum Beispiel der Berliner B√§r.

Teilweise werden aber auch Tiere dargestellt, die gerade im Land der Flagge vorkommen und deshalb die Natur des Landes oder der Region beschreiben, wie beispielsweise in der Flagge Papua-Neuguineas der Paradiesvogel. Es gibt auch Darstellungen von Haustieren, die gezeigt werden, um ihre Bedeutung f√ľr die lokale Wirtschaft zu unterstreichen, wie das Schaf in der Flagge der Falklandinseln.

Auch Pflanzen sind h√§ufige nationale Symbole. Beispiele sind die libanesische Zeder, die Tanne der Norfolkinsel, die Eiche, die Palme, der Maibaum, die Rose, die Lilien der franz√∂sischen K√∂nige (Fleur-de-Lis), das kanadische Ahornblatt oder die Bauhinien-Bl√ľte in der Flagge von Hongkong.

Waffen und Schilde

Schilde und Waffen sind h√§ufige Symbole in Wappen und Flaggen. Die europ√§ischen Wappen f√ľhren bzw. f√ľhrten √ľberwiegend Schilde als Bezug auf die feudalen Machtverh√§ltnisse des sp√§ten Mittelalters und stellen einen Bezug zum Rittertum dar. Ein traditionelles europ√§isches Wappen zeigt fast immer einen bzw. mehrere Schilde, welche die Heraldik als Wappenschild bezeichnet. Der Schild stand urspr√ľnglich f√ľr den Schutz, den der Landesherr mit seinem Schild dem Land gibt.

Die Darstellung von Waffen wie Speer, Bajonett, Pike, Schwert, Gewehr oder Gesch√ľtz versinnbildlicht den wehrhaften Charakter eines Staates oder auch den kriegerischen Hintergrund, der zur Staatsgr√ľndung f√ľhrte. Der lediglich verteidigende Schild deutet nicht unbedingt auf eine kriegerische Aussage hin, sondern ist eher ein zumindest in Europa traditionelles Wappensymbol, das mittlerweile keine inhaltliche Aussage mehr hat, au√üer der, dass es ein traditionelles europ√§isch christliches Symbol ist.

In den Nationalflaggen der afrikanischen Staaten Kenia und Swasiland sowie ehemals Lesotho sind Schilde mit Waffen dargestellt. Bei den Schilden und Waffen (meist Speere) handelt es sich um traditionelle Gegenstände der jeweiligen Bevölkerung. Sie symbolisieren alle die Wehrhaftigkeit und den Verteidigungswillen des Volkes.

Das Schwert war die erste bewusst erfundene Waffe, die nicht zum Zwecke der Jagd, sondern einzig und allein dem des Krieges, also des T√∂tens von Menschen erdacht wurde. Die Darstellung des Schwertes deutet oft auf einen kriegerischen Hintergrund der Staatsgr√ľndung hin.

In islamischen Ländern deutet das Schwert auf das Schwert Alis (Schwiegersohn des Propheten Mohammed), ein Sinnbild der Rechtschaffenheit, aber auch Wehrhaftigkeit und harter Gerechtigkeit des Islams bzw. der Scharia. Das Wappen Omans, welches auch in der Nationalflagge dargestellt wird, stellt einen Dolch und zwei gekreuzte Schwerter dar. Sie sind allerdings das Symbol der seit 1746 herrschenden Said-Dynastie.

In neueren Flaggen tauchen auch modernere Waffen auf. Zum Beispiel werden in der Flagge Haitis Kanonen und Gewehre aus der Zeit des Unabhängigkeitskampfes des Inselstaates dargestellt. In Flaggen des 20. Jahrhunderts tauchen auch konkretere Darstellungen von Waffen, wie beispielsweise der Kalaschnikow auf. Die Kalaschnikow wird in Flaggen ehemaliger Kolonien in Afrika wie zum Beispiel Mosambik genutzt und versinnbildlicht den Kampf der meist marxistischen Befreiungsbewegungen.

Geographische Darstellungen

In vielen Flaggen werden geographische Besonderheiten oder Formen eines Landes symbolisiert. In der Regel sind es topographisch richtige oder stilisierte Darstellungen der Lage oder Form eines Landes.

Zum Beispiel stellen der Gabun und Nauru ihre geographische Lage am √Ąquator in ihren Nationalflaggen dar. Die Flagge Naurus ist im Prinzip auch eine stilisierte Landkarte, indem die Lage der Insel (Stern) im Pazifischen Ozean (blauer Grund), s√ľdlich des √Ąquators (gelber Streifen) dargestellt wird.

In der Flagge der Republik Zypern ist die Form der Insel topographisch genau dargestellt. Die Umrisse des Kosovo finden sich auf dessen Flagge und die Flagge Bangladeschs zeigte bis 1972 die Umrisse des Landes in gleicher Weise in der roten Scheibe. Die Karte wurde hier allerdings wieder entfernt, vermutlich, um eine vereinfachtere Darstellung der Nationalflagge zu erhalten.

Andere Staaten verwenden eine vereinfachte bzw. stilisierte Form der Darstellung einer Landkarte auf ihrer Nationalflagge. Die Sterne in der Flagge Tuvalus stellen die geographisch korrekte Lage der Hauptinseln dar, allerdings ist diese Darstellung erst genordet, wenn die Flagge hochkant gehisst wird. In der Flagge Vanuatus soll das gelbe Y die Form der Inselgruppe wiedergeben, auch hier ist die Darstellung erst bei einer hochkant gehissten Flagge genordet.

Stars and Stripes ‚Äď Flaggen nach dem Vorbild der USA

Die Stars and Stripes (Sterne und Streifen) der US-Flagge gingen aus der Amerikanischen Unabh√§ngigkeitsbewegung hervor. Die Sterne symbolisieren die 50 Bundesstaaten, die Streifen die 13 Gr√ľndungsstaaten. Die US-Flagge diente als Vorlage f√ľr Nationalflaggen anderer Staaten. √Ąhnlich in der Symbolik ist die Flagge Malaysias (hier stehen die Streifen f√ľr die malaysischen Bundesstaaten) und die Uruguays (hier stehen die Streifen f√ľr die neun Departementos zur Zeit der Unabh√§ngigkeit). Aufgrund historischer tiefer Bindungen zur USA diente die US-Flagge auch den Flaggen Kubas, Liberias und Puerto Ricos als Vorbild, Sterne und Streifen haben hier aber andere Bedeutungen.

Kommunistische Symbole

Hammer und Sichel und Roter Stern stehen zusammen mit der Farbe Rot f√ľr den Kommunismus. Sie symbolisieren die Arbeiter und Bauern, sowie eine klassenlose Gesellschaft. Die bekannteste und √§lteste Flagge mit dieser Symbolik war die Flagge der Sowjetunion, deren erste Version auf das Jahr 1923 zur√ľckgeht.

Nach der Errichtung von sozialistischen Regierungssystemen in anderen Staaten wurde in manchen Fällen die sowjetische Flagge als Vorbild genommen, und es entstanden Abwandlungen in verschiedenen Versionen. In anderen Fällen wurden die bisherigen Nationalflaggen nur mit sozialistischen Symbolen verändert, zum Beispiel Ersetzen des Staatswappens wie in Ungarn oder Ergänzung des mongolischen Sojombo-Symbols mit einem roten Stern. Auch kommunistische Parteiflaggen benutzen häufig diese Symbole.

Traditionelle Muster

In drei Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion werden traditionelle Muster des Landes liekseitig in den Nationalflaggen gef√ľhrt. In der turkmenischen Flagge werden f√ľnf traditionelle Teppichmuster, so genannte Guls gezeigt. In der Flagge Kasachstans ist ein Webmuster dargestellt, welches auf die Volkskunst verweisen soll und auch die Flagge Wei√ürusslands zeigt ein traditionelles Ornament.

Siehe auch

 Portal:Flaggenkunde ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Flaggenkunde

Literatur

  • Jan de Vries: Altnordisches etymologisches W√∂rterbuch, Band 1, Leiden, 1958.
  • Friedrich Kluge: Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen Sprache. Band 425, S. 297, 2002.
  • W. Smith, O. Neubecker: Wappen und Flaggen aller Nationen, Battenberg Verlag, M√ľnchen 1980, ISBN 3-87045-183-1
  • Brian Leigh Davis: Flags & standards of the Third Reich, Macdonald & Jane‚Äôs, London 1975. ISBN 0-356-04879-9
  • Ottfried Neubecker: Heraldik. Wolfgang Kr√ľger Verlag, Frankfurt am Main 1977. ISBN 3-8105-1306-7
  • Derkwillem Visser: Flaggen ‚Äď Wappen ‚Äď Hymnen. Battenberg, M√ľnchen 1990. ISBN 3-87045-230-7
  • K.L. Jott: Flaggen dieser Welt, Verlag EDITION XXL, Fr√§nkisch-Crumbach 2006. ISBN 978-3-89736-710-4

Weblinks

 Commons: Flagge ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Flagge ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ vgl. de Vries
  2. ‚ÜĎ nach Kluge
  3. ‚ÜĎ Brian Leigh Davis: Flags & standards of the Third Reich, Macdonald & Jane‚Äôs, London 1975. ISBN 0-356-04879-9
  4. ‚ÜĎ Ottfried Neubecker: Heraldik. Wolfgang Kr√ľger Verlag, Frankfurt am Main 1977. ISBN 3-8105-1306-7
  5. ‚ÜĎ Svante Domizlaff, Alexander Rost: Germania - Die Yachten des Hauses Krupp, Seite 68

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