Flandern

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Flandern
Flandern

Flandre (französisch)
Vlaanderen (niederländisch)

Flag of Flanders.svg
Belgischer Gliedstaat
Institution Region
Informationen
Amtssprache Niederländisch
Verwaltungssitz Br√ľssel
Ministerpräsident Kris Peeters
Fläche 13.522 km²
Einwohnerzahl 6.251.983 (1. Januar 2010[1])
Bevölkerungsdichte 456 Einwohner pro km²
Feiertag 11. Juli
ISO 3166-2 BE-VLG
Website www.vlaanderen.be
Lage
Flemish Region in Belgium.svg
Lage Belgiens
Karte von Flandern aus dem Jahre 1609

Flandern (niederl√§ndisch  Vlaanderen?/i, franz√∂sisch la Flandre bzw. les Flandres) oder die Fl√§mische Region (niederl√§ndisch Vlaams Gewest, franz√∂sisch R√©gion flamande) ist eine der drei Regionen des K√∂nigreichs Belgien. Sie liegt im n√∂rdlichen Teil dieses K√∂nigreichs und beheimatet die allermeisten niederl√§ndischsprachigen Belgier; die √ľbrigen wohnen in der zweisprachigen Region Br√ľssel-Hauptstadt, die ganz vom Gebiet Flanderns umgeben ist. Die dritte Region Belgiens ist das franz√∂sischsprachige Wallonien, s√ľdlich von Flandern.

Flandern hat eine Fl√§che von etwa 13.522 km¬≤ und z√§hlt etwa 6 Mio. Einwohner. Die Institutionen der Region Flandern wurden mit denen der Fl√§mischen Gemeinschaft zusammengelegt und haben ihren Sitz in Br√ľssel. In Flandern liegen, von West nach Ost, die Provinzen Westflandern, Ostflandern, Fl√§misch-Brabant, Antwerpen und Limburg.

Inhaltsverzeichnis

Bevölkerung

Amtssprache in Flandern und allgemein gebräuchliche Schriftsprache ist die niederländische Standardsprache. Als belgisches Niederländisch unterscheidet sie sich leicht vom Sprachgebrauch in den Niederlanden. Gesprochen werden in Flandern zum großen Teil Dialekte, die sich in Ostflämisch, Westflämisch, Brabantisch und Limburgisch unterteilen lassen.

In den fl√§mischen Gemeinden in der Umgebung von Br√ľssel, aber auch sonst entlang der Sprachgrenze zwischen niederl√§ndischsprachigem Flandern und franz√∂sischsprachigem Wallonien, leben auch viele Belgier mit Franz√∂sisch als Muttersprache. In einem Teil dieser Gemeinden haben die Franz√∂sischsprachigen gesetzlich Anspruch auf die Verwendung ihrer Sprache im Umgang mit den Beh√∂rden bzw. in der Schule. In einigen Gemeinden Walloniens gibt es diesen Anspruch auch f√ľr die Niederl√§ndischsprachigen. Man nennt die Einrichtungen f√ľr die Anderssprachigen faciliteiten und eine entsprechende Gemeinde faciliteitengemeente.

Städte

Wichtige fl√§mische St√§dte sind Antwerpen, Br√ľgge, Br√ľssel, Gent, L√∂wen, Mecheln, Kortrijk, Hasselt und Ostende.

Geschichte

Zur Geschichte der Grafschaft Flandern im Mittelalter ‚Üí Hauptartikel Grafschaft Flandern

Die heutige belgische Region Flandern umfasst Teile der historischen Territorien Grafschaft Flandern, Herzogtum Brabant und Herzogtum Limburg.

Die Grafschaft Flandern reichte im Mittelalter bis weit in das heutige Frankreich hinein (Duinkerke / Dunkerque / D√ľnkirchen; Rijsel / Lille). Die Region um D√ľnkirchen geh√∂rt zwar zum traditionellen niederl√§ndischen Sprachgebiet, jedoch wurde seit der Franz√∂sischen Revolution Franz√∂sisch als einzige Amts- und Schulsprache den Bewohnern verordnet, so dass die niederl√§ndische Muttersprache in einem andauernden Sprachprozess zunehmend verdr√§ngt wurde. Andere Gebiete des heutigen Franz√∂sisch-Flanderns sind hingegen von alters her von einer franz√∂sischsprachigen Bev√∂lkerung (Waals-Vlaanderen) bewohnt.

Nach dem Tod des letzten burgundischen Herrschers Karl der K√ľhne in der Schlacht bei Nancy 1477 wurden seine Besitzungen zwischen dem habsburgischen Erzherzog Maximilian von √Ėsterreich, dem sp√§teren Kaiser Maximilian I. und K√∂nig Ludwig XI. von Frankreich aufgeteilt. Flandern kam dabei unter die Herrschaft der Habsburger und wurde Teil des Heiligen R√∂mischen Reichs. Nach dem Tod Karls V. wurden die gesamten ehemaligen burgundischen Besitzungen einschlie√ülich Flandern den spanischen Habsburgern zugesprochen. Diese versuchten mit Gewalt, den sich ausbreitenden Protestantismus zu unterdr√ľcken. Deswegen, und auch wegen der Einschr√§nkung der alten Freiheiten kam es zum Aufstand der niederl√§ndischen Provinzen gegen Spanien. Die Provinzen der Utrechter Union sagten sich 1579 von Spanien los und konnten ihre Unabh√§ngigkeit im sogenannten Achtzigj√§hrigen Krieg erk√§mpfen. Im Westf√§lischen Frieden 1648 wurde die Unabh√§ngigkeit der (n√∂rdlichen) Niederlande international best√§tigt, w√§hrend Flandern mit den s√ľdlichen Provinzen unter spanischer Herrschaft verblieb. In den Kriegen mit Ludwig XIV. von Frankreich musste Spanien s√ľdliche Teile seiner Besitzungen an Frankreich abtreten (u. a. das Artois) und es bildete sich in etwa der heutige Grenzverlauf zwischen Belgien und Frankreich heraus. Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger und dem Spanischen Erbfolgekrieg kam Flandern mit den anderen ehemals spanischen Provinzen im Frieden von Utrecht 1713 unter √∂sterreichisch-habsburgische Herrschaft und verblieb dort, bis es im Rahmen der Franz√∂sischen Revolutionskriege 1794 von Frankreich erobert wurde. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde das Vereinigte K√∂nigreich der Niederlande geschaffen, das das heutige Belgien, Luxemburg und die Niederlande umfasste. In der Belgischen Revolution von 1830 spaltete sich der S√ľdteil jedoch ab und das K√∂nigreich Belgien wurde gegr√ľndet. Seitdem teilt Flandern die Geschichte Belgiens.

Im Ersten Weltkrieg verlief die deutsch-französisch/britische Front vier Jahre lang quer durch Flandern. Es war Schauplatz großer Schlachten (Erste, Zweite und Dritte Flandernschlacht). Der Stellungskrieg der Armeen im eigentlich neutralen Belgien zerstörte viele Dörfer und Städte dieser Region. Die Namen einiger kleiner flandrischer Ortschaften rufen noch Erinnerungen an das große Sterben hervor: Ypern, Passendale, Langemark. In zahlreichen Orten erinnern Denkmale und Soldatenfriedhöfe an den Schrecken.

Seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Flandern eine zunehmende Wirtschaftskraft und auch ein Selbstbewusstsein gegen√ľber dem fr√ľher dominierenden wallonischen Landesteil. Teilweise √§u√üert sich dies in Sezessionsbestrebungen, die politisch durch die Partei Vlaams Belang artikuliert werden.

Religion

W√§hrend Flandern von 1482 bis zum ersten Koalitionskrieg 1794 praktisch unter dauerhafter habsburgischer und damit katholischer Vorherrschaft stand, sagten sich die n√∂rdlicher gelegenen und sich zum Protestantismus bekennenden niederl√§ndischen Provinzen von Habsburg los und gr√ľndeten 1581 die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, einen Vorl√§ufer des heutigen niederl√§ndischen Staates. Bis heute sind Flamen √ľberwiegend katholisch.

Politik

Ministerpräsidenten von Flandern

Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Partei
Gaston Geens 22. Dezember 1981 21. Januar 1992 CVP
Luc Van den Brande 21. Februar 1992 13. Juli 1999 CVP
Patrick Dewael 13. Juli 1999 5. Juni 2003 VLD
Renaat Landuyt (kommissarisch) 5. Juni 2003 11. Juni 2003 SP.A
Bart Somers 11. Juni 2003 20. Juli 2004 VLD
Yves Leterme 20. Juli 2004 28. Juni 2007 CD&V
Kris Peeters 28. Juni 2007 amtierend CD&V

Zusammensetzung des Fl√§mischen Parlaments (2009‚Äď2014)

Partei Sitze
‚ÄĘ Christen-Democratisch en Vlaams (CD&V) 31
Vlaams Belang (VB) 21
Open Vlaamse Liberalen en Democraten (Open VLD) 21
‚ÄĘ Socialistische Partij Anders (sp.a) 19
‚ÄĘ Nieuw-Vlaamse Alliantie (N-VA) 16
Lijst Dedecker (LDD) 8
Groen! 7
Union des Francophones (UF) 1
 Total
124

Regierungsparteien sind mit einem Punkt gekennzeichnet (‚ÄĘ)

Politische Gliederung

Karte mit der Lage der f√ľnf Provinzen in der Region Flandern

Die Fl√§mische Region ist in f√ľnf Provinzen gegliedert:

Provinz Hauptstadt Einwohner
1. Antwerpen Antwerpen 1.744.862
2. Limburg Hasselt 838.505
3. Ostflandern (Oost-Vlaanderen) Gent 1.432.326
4. Flämisch-Brabant (Vlaams-Brabant) Löwen 1.076.924
5. Westflandern (West-Vlaanderen) Br√ľgge 1.159.366

Stand: 1. Januar 2010[2]

Wirtschaft

Im 19. Jahrhundert erfasste die industrielle Revolution, beg√ľnstigt durch erhebliche Kohlevorkommen, vor allem die s√ľdliche Nachbarregion Wallonie, w√§hrend sich in Flandern nur Gent zu einem Industriezentrum entwickeln konnte. Anders als im von Kohle- und Stahlindustrie gepr√§gten S√ľden Belgiens konzentrierten sich in Gent jedoch in erster Linie textilverarbeitende Unternehmen. Insgesamt profitierte Flandern traditionell stark von Handel und Seefahrt, jedoch sehr viel weniger von der beginnenden Industrialisierung als die Wallonie und wurde wirtschaftlich zunehmend abgeh√§ngt.

Mit dem Niedergang der wallonischen Schwerindustrie entwickelte sich Flandern in der zweiten H√§lfte des 20. Jahrhunderts zum wirtschaftlich f√ľhrenden Teil Belgiens. W√§hrend die Wallonie sich heute mit den zahlreichen Problemen eines wirtschaftlichen Strukturwandels konfrontiert sieht, profitiert Flandern von einem starken Dienstleistungssektor und insbesondere von der Bedeutung des Antwerpener Hafens.

Im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt der EU, ausgedr√ľckt in Kaufkraftstandards, erreicht Ostflandern 105,3 % und Westflandern 110,7 % des Durchschnitts der EU-27 (2006).[3]

Siehe auch

Weblinks

 Wikiquote: Flandern ‚Äď Zitate
 Commons: Flanders ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. ‚ÜĎ Bev√∂lkerung nach Gemeinden am 1. Januar 2010 (XLS; 221 KB)
  2. ‚ÜĎ Bev√∂lkerung nach Gemeinden am 1. Januar 2010 (XLS; 221 KB)
  3. ‚ÜĎ Eurostat Jahrbuch der Regionen 2009: Kapitel 4: Bruttoinlandsprodukt (PDF; 5,4 MB) und (XLS; 134 KB); ISSN 1830-9690 (Registrierung bei Eurostat ist erforderlich).

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