Fleischmann (Modellbahn)

Gebr. Fleischmann GmbH und Co. KG
Firmenlogo Fleischmann
Unternehmensform GmbH und Co. KG
Gründung 1887
Unternehmenssitz Nürnberg
Mitarbeiter 340 (2007)
Umsatz 21,0 Mio € (2007)[1]
Branche Spielwarenindustrie
Produkte

Spielzeug, Modelleisenbahn

Website

www.fleischmann.de

Die Gebr. Fleischmann GmbH und Co. KG ist ein Spielzeughersteller mit Sitz in Nürnberg. Sie produziert ausschließlich für den Modelleisenbahnmarkt und ist in Europa nach Märklin mit 126 Mio € Jahresumsatz, Hornby mit 69 Mio € Jahresumsatz und Roco mit 35 Mio € Jahresumsatz derzeit mit 21 Mio € Jahresumsatz (Umsatzzahlen Stand 2007) der viertgrößte Anbieter in der Modelleisenbahnbranche. Bedient wird nicht nur der heimische Markt, laut Angaben der Fa. Fleischmann gehen ca. 20 % der Produktion in den Export.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Unternehmen wurde 1887 von Jean Fleischmann gegründet. Die Firma stellte anfangs vor allem Blechspielzeug, wie beispielsweise Schiffe, Flugzeuge, magnetische Schwimmtiere her. 1938, nach der Übernahme der Firma Doll & Co Nürnberg, begann für die Firma Fleischmann ein neues Kapitel in ihrer Geschichte. Als neue Produktionsschwerpunkte kamen nun Modelleisenbahnen der Spur 0 und Dampfmaschinen hinzu. Noch im Winter 1938/39 begann man mit der Entwicklung eigener Eisenbahnmodelle, die weitgehend dem Vorbild entsprechen. Bis zur kriegsbedingten, gesetzlich verordneten Einstellung der Spielwarenproduktion wurde das Spur-0-Programm der Firma Doll & Co. weitergeführt. Nach dem Krieg wurden dann weitgehend Dampfmaschinen und Antriebsmodelle der Firma Doll & Co., zuerst unter dem Namen Doll, später unter eigenem Namen weiterproduziert. Im Jahre 1969 wurde die Produktion von Dampfmaschinen eingestellt.

Im Jahr 1949 stellte Fleischmann eine Modellbahn im Zweileiter-Gleichstrom-System in der Nenngröße 0 vor. Dabei handelte es sich um eine Neuheit, denn bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Modelleisenbahnen mit unterschiedlichen Dreileiter-Systemen betrieben. Die Produktion wurde aber bereits 1959 wieder eingestellt. Grund hierfür war der Erfolg der seit 1952 am Markt befindlichen Spurweite H0. In dieser verwendete Fleischmann anfangs einen Maßstab von 1:82, später dann 1:85. Inzwischen hat sich aber praktisch der gesamte H0-Markt auf 1:87 geeinigt. Nachdem der Modellbahnhersteller Arnold 1960 in Deutschland als erster Großserienhersteller die Spurweite N präsentiert hatte, zog Fleischmann im Jahr 1969 mit seinem Piccolo-Sortiment im gleichen Maßstab nach.

Ab Ende der 1960er Jahre befand sich im Produktangebot von Fleischmann auch das Autorennbahn-Sortiment „Auto Rallye“, später „Rallye Monte Carlo“ genannt. Entsprechend dem hohen Qualitätsanspruch des Hauses bot man ein System, das dem Marktführer „Carrera Universal“ ebenbürtig war. Das Schienensystem entsprach dem internationalen Zweileiter-Standard und war breiter als das von Carrera, bot jedoch weniger Radien und Sonderfahrbahnen. Die Schienenverbindungen waren besser und haltbarer. Das Schleifersystem bot deutlich besseren Kontakt, und die Modellqualität übertraf die Konkurrenz (bis auf die Rennbahn „Sprint“ von Märklin). Gegen die billigere Konkurrenz von Carrera konnte sich Fleischmann jedoch nicht durchsetzen. Das System wurde 1989 vom Markt genommen.

Anfang 2008 wurde das Unternehmen von der deutsch-österreichischen Modelleisenbahn Holding GmbH, der Eigentümerin des Mitbewerbers Roco, übernommen.[2]

Derzeitiges Produktsortiment

Die Firma Fleischmann bietet zur Zeit Vollsortimente von Modelleisenbahnen in folgenden Nenngrößen an:

  • Magic Train, 0e, Maßstab 1:45, eine robuste Spielbahn, die auf H0-Gleisen fährt
  • H0, Maßstab 1:87, vorrangig Zweileiter-Gleichstrom-System
  • Piccolo, N, Maßstab 1:160

Fleischmann bietet für alle Spurweiten ein vollständiges Sortiment von Fahrzeugen, Gleisen und sonstigem Zubehör wie Drehscheiben oder Lokschuppen an.

Im Gegensatz zu den meisten der großen Mitbewerber wird nur ein kleiner Teil der H0-Lokomotiven für das Mittelleiter-Wechselstrom-System von Märklin angeboten. Daneben gab es mit einer Drehscheibe einen bisher eher bescheidenen Versuch, in den TT-Markt einzusteigen.

Das Sortiment zeichnet sich vor allem durch eine selbst für die eher gemächliche Modellbahnbranche sehr lange Verfügbarkeit der Produkte aus. So werden heute noch einige Loks und Wagen (etwa die Baureihe 50) angeboten, die im Maßstab 1:82 gefertigt wurden. Auch das ältere der beiden Gleissysteme stammt noch aus den 1960er Jahren. Das neuere ist gegenüber diesem zwar optisch verbessert, hat aber dessen sehr konservatives Schienenprofil behalten − einige Mitbewerber haben in dieser Zeit schon 2 oder 3 neue Gleissysteme auf den Markt gebracht. Die Reisezugwagen werden inzwischen in einem Längenmaßstab von 1:93 angeboten, sind also im Regelfalle (26,4-m-Wagen) 282 mm lang. Bei längeren Vorbildern wird der Längenmaßstab beibehalten − bei 1:100-Modellen der Mitbewerber wird meist stattdessen die Länge auf 264 mm begrenzt.

Lange Zeit nutzte man den Werbespruch "Die Fleischmann-Bahn, das präg Dir ein, ist die Bundesbahn in klein", was sich bis heute im Sortiment wiederfindet. Fahrzeuge ausländischer Bahngesellschaften werden in Deutschland im Vergleich zu den meisten Mitbewerbern kaum angeboten; es gibt allerdings für viele Länder spezielle, nur dort verfügbare Serien. Hierbei spielt es keine erkennbare Rolle, ob die Vorbilder nach Deutschland gelangen oder nicht − einerseits gibt es Loks, die nur in Schweden liefen, im Standard-Sortiment, andererseits sind vor allem international laufende Güterwagen mit in ihren Heimatländern zu bekommen. Auch werden Loks von privaten Bahngesellschaften grundsätzlich nur als Einmalserie aufgelegt, wogegen selbst Bundesbahn-Einzelstücke, wie die blau/beige 194 langfristig verfügbar sind.

Digital

Im Jahr 1986 präsentierte Fleischmann die digitale Mehrzugsteuerung Fleischmann-FMZ. Dieses System war jedoch nicht mit anderen Digitalsystemen kompatibel; nicht einmal ein Einsatz von FMZ-Loks auf einer analogen Anlage ist möglich. Das System konnte sich am Markt nicht durchsetzen und wurde in Folge durch die Twin-Decoder und das Twin-Center ergänzt, die beide sowohl das FMZ- als auch das DCC-Protokoll verwenden. Dadurch können auch Produkte anderer Hersteller, die das DCC-Format verwenden, auf einer Anlage mit dem Twin-Center gleichzeitig gesteuert werden, und Fleischmann-Fahrzeuge mit Twin-Decoder können auch auf DCC-Anlagen betrieben werden. Mittlerweile bietet Fleischmann vermehrt reine DCC-Produkte an, die nicht mehr FMZ-kompatibel sind.

Sonstiges

Im Schwabacher Stadtmuseum befindet sich auf 800 m² die weltweit größte Fleischmann-Ausstellung.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. KI-ONLINE (Kunststoff Information), 19.02.2008
  2. http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=771480&kat=5

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