Franzosen- und Indianerkrieg

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Franzosen- und Indianerkrieg

Als Franzosen- und Indianerkrieg (French and Indian War) (1754‚Äď1763) werden die Auseinandersetzungen in Nordamerika vor und vor allem w√§hrend des Siebenj√§hrigen Kriegs (1756‚Äď1763) in Europa zwischen Briten und Franzosen sowie den mit der jeweiligen Seite verb√ľndeten Indianern bezeichnet. Er gilt als Teil des Siebenj√§hrigen Krieges, da insbesondere der Kriegsschauplatz in Westdeutschland Auswirkungen auf die Handlungsf√§higkeit Frankreichs in den Kolonien hatte. Er ist von gro√üer Bedeutung f√ľr die Geschichte der USA und Kanadas, da er die franz√∂sische Herrschaft in Nordamerika endg√ľltig beendete. Dieser Konflikt ist der letzte und namensgebende Teil von vier aufeinander folgenden Franzosen- und Indianerkriegen. Voraus gegangen war der King George‚Äôs War (1744‚Äď1748) in den heutigen USA als milit√§rischen Operationen in Nordamerika, die Teil des √Ėsterreichischen Erbfolgekrieges (1740‚Äď1748) waren.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Nordamerika w√§hrend des Franzosen- und Indianerkriegs 1754‚Äď1763

Der Konflikt um das Ohiotal

Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts war die Region jenseits der Appalachen in Nordamerika von europ√§ischen Siedlern weitgehend unber√ľhrt geblieben. Dies √§nderte sich nun, denn die wachsende Bev√∂lkerung der britischen Kolonien begann, Interesse an den fruchtbaren Gebieten jenseits des Gebirgszugs zu entwickeln. Damit kollidierten die Interessen der britischen Kolonisten mit denen Frankreichs, das die gesamte Region der Gro√üen Seen sowie die vom Mississippi und vom Sankt-Lorenz-Strom durchflossenen Gebiete f√ľr sich beanspruchte. Hierzu geh√∂rte auch das Tal des Ohio River, der als Verbindung zwischen dem im Norden gelegenen Kanada (Neufrankreich) und den s√ľdlichen Besitzungen in Louisiana von gro√üer strategischer Bedeutung war. Die Franzosen legten deshalb eine Kette von Forts vom Lake Champlain entlang des Wabash River, Ohio River, Mississippi und Missouri an, w√§hrend die Briten ihrerseits Befestigungen in Halifax und Fort Oswego am Ontariosee bauten und Land im Ohiotal an die Ohio Company und abenteuerlustige H√§ndler vergaben, die dort Niederlassungen errichteten.

Der Konflikt um Akadien

Ein weiterer Konfliktherd war die kanadische Provinz Akadien, die ganz oder teilweise die heutigen Provinzen Neuschottland, Neubraunschweig und Qu√©bec umfasste. Dieses Gebiet war 1710 w√§hrend des Spanischen Erbfolgekriegs von britischen Truppen erobert und im Frieden von Utrecht 1713 an Gro√übritannien √ľbertragen worden. Die franz√∂sischst√§mmige, katholische Bev√∂lkerung genoss weitgehende Autonomie und Religionsfreiheit; britische Garnisonen lagen lediglich in Annapolis Royal und im 1749 gegr√ľndeten Halifax, um das herum ein britischer Siedlungskern entstand.

Frankreich hatte sich mit diesem Verlust jedoch nicht abgefunden. Franz√∂sische Priester, Missionare und Offiziere versuchten offen oder verdeckt, die Akadier zur Revolte gegen die Briten anzustacheln, sie f√ľr das franz√∂sische Milit√§r zu rekrutieren oder zur Auswanderung in franz√∂sisch beherrschte Gebiete zu veranlassen. Eine Schl√ľsselrolle hierbei spielte Abb√© Louis Joseph Le Loutre, katholischer Generalvikar von Akadien und Missionar der Micmacs, eines dort lebenden Indianerstamms. Er √ľbte massiven Druck auf die Akadier aus, den Treueid auf den britischen K√∂nig zu verweigern und auszuwandern. Seinen Einfluss auf die Indianer nutzte er, um mit deren Hilfe Druck auf die Akadier auszu√ľben und einen Kleinkrieg gegen die Briten zu beginnen.

Auf seine Veranlassung hin kam es zu Angriffen auf britische H√§ndler, Soldaten und Siedlungen; franz√∂sische Dokumente belegen, dass der Geistliche den Indianern 100 Livres f√ľr jeden Skalp eines Briten bezahlte. Schon ab 1750 kam es immer wieder zu gewaltt√§tigen √úbergriffen, an denen neben Indianern auch Akadier beteiligt waren. Nachdem die Franzosen 1751 das Fort Beaus√©jour auf von Gro√übritannien beanspruchtem Gebiet errichteten und die Akadier aufforderten, einen Treueid auf den K√∂nig von Frankreich abzulegen, Dienst in der franz√∂sischen Miliz zu tun oder als Rebellen behandelt zu werden, war auch hier der offene Ausbruch von Feindseligkeiten nur noch eine Frage der Zeit. 1754 antwortete der britische Gouverneur von Akadien mit einer Proklamation, der zufolge alle Akadier, die den Treueid abgelegt hatten, aber Waffen gegen die Briten ergriffen, als Kriminelle behandelt w√ľrden. Die Akadier wurden so zu den Leidtragenden eines auf ihrem R√ľcken ausgetragenen Machtkampfs.

Der Weg zum Krieg

1750 versuchten britische und franz√∂sische Gesandte bei einem Treffen in Paris vergeblich, die Probleme im Ohiotal und in Akadien zu l√∂sen. 1752 wurde Ange de Menneville, Marquis de Duquesne, zum Generalgouverneur von Neufrankreich (Kanada) gemacht und erhielt die ausdr√ľckliche Aufgabe, das Tal des Ohio f√ľr Frankreich zu sichern und die Briten aus diesem Gebiet zu vertreiben. Im folgenden Jahr schickte er Truppen, die Befestigungen auf Presque Island (bei Erie, Pennsylvania) und bei Rivi√®re aux Boeufs (bei Waterford) anlegten. Franz√∂sische Offiziere und Missionare begannen systematische Bem√ľhungen, den Einfluss britischer H√§ndler auf die Indianer zur√ľckzudr√§ngen und diese auf ihre Seite zu bringen. Nicht zuletzt aufgrund der Unt√§tigkeit der Briten konnten die Franzosen die meisten St√§mme f√ľr sich gewinnen. Gleichzeitig drangen britische Siedler und H√§ndler aus Virginia, ermuntert von ihrem Gouverneur Robert Dinwiddie, verst√§rkt in das Ohiotal vor, das Dinwiddie als Teil seiner Kolonie beanspruchte.

Die Franzosen waren durch die zahlenm√§√üig geringere Bev√∂lkerung ihrer Kolonie (etwa 60.000 gegen mehr als 2 Millionen in Britisch Nordamerika) eindeutig im Nachteil. Insofern standen ihre Chancen auf einen erfolgreichen Ausgang des Krieges von Beginn an sehr schlecht. Zwar wurde die Kriegf√ľhrung der Briten von dem Fehlen einer koordinierenden Instanz oberhalb der einzelnen Kolonien behindert, hierbei vor allem von den inneren Konflikten zwischen den Gouverneuren und den Parlamenten der Kolonien, die dazu f√ľhrten, dass die dringend notwendigen Gelder f√ľr den Bau von Forts, f√ľr Geschenke an die Indianer und f√ľr die Besoldung von Truppen nicht bewilligt wurden. In gleicher Weise wurde allerdings die Verteidigung von Neufrankreich durch den Konflikt zwischen Gouverneur Vaudreuil und General Montcalm sowie die endemische Korruption in den Kolonien belastet.

Der Ausbruch des Kriegs

Nachdem Dinwiddie von neuen Forts der Franzosen am oberen Allegheny River erfahren hatte, schickte er einen jungen Offizier aus Virginia, George Washington, mit der schriftlichen Aufforderung an die Franzosen, die Region zu verlassen, was keinen Erfolg hatte. Auf dem R√ľckweg stellte Washington fest, dass die Stelle, an der der Allegheny und der Monongahela River zusammenflie√üen und den Ohio bilden, eine hervorragende Stelle f√ľr ein Fort sei. Anfang 1754 begannen die Briten deshalb mit dem Bau des Fort Prince George. Die Franzosen erfuhren jedoch davon, schickten Milit√§r, zwangen die Briten am 17. April zum kampflosen Abzug, zerst√∂rten die Befestigung und errichteten an ihrer Stelle eine gr√∂√üere, die sie nach ihrem Gouverneur Fort Duquesne nannten.

Washington war mittlerweile mit einigen Soldaten nach Westen geschickt worden, um die britischen Positionen dort abzusichern, und hielt sich im nahe dem Fort Duquesne gelegenen Great Meadows (nahe dem heutigen Uniontown, Pennsylvania) auf. Als er erfuhr, dass sich in der Nähe seines Lagers französische Soldaten befanden, griff er diese am 29. Mai an, da er einem Überfall zuvorkommen wollte.

Mit diesem f√ľr die Briten erfolgreichen Scharm√ľtzel, dem sogenannten Jumonville-Zwischenfall (nach einem hierbei get√∂teten franz√∂sischen Offizier), brach der Krieg offen aus. Auf die Nachricht von dem √úberfall hin schickte der Kommandeur von Fort Duquesne zahlenm√§√üig weit √ľberlegene Verst√§rkungen, die Washington und seine M√§nner in dem hastig errichteten Fort Necessity einschlossen und nach einem kurzen Gefecht am 3. Juli zur Kapitulation gegen freien Abzug zwangen. Mit diesem Zwischenfall war ein Krieg unvermeidlich geworden.

Im folgenden Jahr wurde Generalmajor Edward Braddock nach Amerika geschickt und zum britischen Oberkommandierenden ernannt. Daraufhin segelte eine französische Flotte mit Truppen unter dem deutschstämmigen General Ludwig August von Dieskau nach Kanada. Ein britisches Geschwader unter Vizeadmiral Edward Boscawen versuchte vergeblich, die Franzosen abzufangen, konnte aber am 6. Juni drei französische Linienschiffe stellen und nach einem kurzen Gefecht zwei davon, die Alcide und die als Truppentransporter dienende Lys zur Kapitulation zwingen.

Mittlerweile hatten die Briten die Ausf√ľhrung von vier simultanen Angriffen auf die Franzosen beschlossen. Eine √ľberwiegend aus regul√§ren Truppen gebildete Expedition unter Braddock sollte Fort Duquesne angreifen, eine zweite aus Miliztruppen unter Sir William Johnson richtete sich gegen das Fort bei Crown Point, und eine dritte Armee, ebenfalls aus Miliztruppen gebildet, sollte die Franzosen aus Akadien vertreiben. In einem vierten Vorhaben sollten Truppen unter William Shirley, dem Gouverneur von Massachusetts, Fort Niagara angreifen.

Im April 1755 begann Braddock mit etwa 2.200 Mann seinen Marsch auf Fort Duquesne, wurde aber von den Franzosen und ihren indianischen Verb√ľndeten am 9. Juli in der Schlacht am Monongahela vernichtend geschlagen und t√∂dlich verwundet. Der britische Angriff auf das Ohiotal war damit abgewehrt, doch im Norden waren sie erfolgreicher. Die Milizion√§re unter Johnson konnte die strategisch wichtige Befestigung Fort Edward (Fort Lyman) am Hudson River anlegen und die von Dieskau gef√ľhrten Franzosen am 8. September 1755 in der Schlacht am Lake George besiegen. Johnson legte zwar das ebenfalls strategisch wichtige Fort William Henry am Lake George an, lie√ü aber die Gelegenheit zum Angriff auf Crown Point verstreichen.

Erfolglos blieb auch der Vorsto√ü Shirleys auf Fort Niagara. Die Briten marschierten bis zum Ontariosee, beschr√§nkten sich aber darauf, Fort Oswego zu verst√§rken. Grund hierf√ľr waren Nachschubschwierigkeiten und franz√∂sische Truppen in Fort Frontenac, die bei einem Angriff auf Fort Niagara die Verbindungslinien abgeschnitten h√§tten.

Akadien (1754)

Erfolgreich war hingegen eine Expedition aus neuenglischen Milizen und regul√§ren Soldaten der Garnison von Halifax unter Brigadegeneral Robert Monckton. Dieser Truppenverband landete Anfang Juni bei dem britischen Fort Lawrence und begannen kurz danach mit der Belagerung des nahe gelegenen franz√∂sischen Forts Beaus√©jour. Nach einer zweiw√∂chigen Belagerung kapitulierten die franz√∂sischen Verteidiger am 16. Juni. Damit war den britischen Truppen ein entscheidender Einbruch in das franz√∂sische Verteidigungssystem gelungen und die strategisch so √ľberaus wichtige franz√∂sische Seefestung Louisbourg war seit dieser Niederlage von jedwedem Hinterland isoliert. Zugleich waren damit auch die franz√∂sischst√§mmigen Siedler Akadiens von jeglicher Unterst√ľtzung aus dem kanadischen Kerngebiet abgeschnitten worden.

Nachdem die Akadier weitere Aufforderungen zur Ablegung des Treueids auf die britische Krone verweigert hatten, begannen die Briten am 5. September mit der Festnahme und Deportation der kompletten franz√∂sischst√§mmigen Bev√∂lkerung Akadiens, soweit sie sich dem nicht durch Flucht entzog. Ab dem 8. Oktober wurden √ľber 6.000 M√§nner, Frauen und Kinder in die britischen Kolonien in Neuengland verschifft. Mit dieser harten ‚Äď und selbst f√ľr die damalige Zeit au√üergew√∂hnlich grausamen ‚Äď Ma√ünahme war die britische Position in Akadien abgesichert. Ein kleiner Verband franz√∂sischer Truppen leistete den Briten danach zwar noch einen mehrj√§hrigen Kleinkrieg in den W√§ldern, doch einen ernsthaften Versuch zur R√ľckeroberung vermochten die Franzosen nicht mehr zu unternehmen.

Neben diesen gr√∂√üeren milit√§rischen Operationen begann 1755 auch ein grausamer Kleinkrieg an den Grenzen der britischen Kolonien, dessen Hauptleidtragende die weitgehend schutzlosen Siedler waren. Von franz√∂sischen Soldaten unterst√ľtzte Indianer unternahmen ‚Äď nicht zuletzt auf der von Braddocks Soldaten gebauten Stra√üe ‚Äď zahlreiche Vorst√∂√üe insbesondere nach Pennsylvania, Maryland und Virginia, zerst√∂rten Siedlungen und H√∂fe und t√∂teten oder verschleppten deren Bewohner. Erleichtert wurden diese Angriffe dadurch, dass sich das von pazifistischen Qu√§kern dominierte Parlament von Pennsylvania aufgrund von Verfassungsstreitigkeiten mit dem Gouverneur √ľber l√§ngere Zeit weigerte, Verteidigungsma√ünahmen zu billigen und Gelder bereit zu stellen. So sollen allein die Abenaki aus der heutigen kanadischen Provinz Queb√©c mehr als 600 Briten get√∂tet haben. Diese r√§chten sich ihrerseits mit brutalen Rachefeldz√ľgen gegen Indianer und ‚Äď soweit greifbar ‚Äď franz√∂sische Ansiedlungen. So √ľberfielen Soldaten unter dem Kommando von Major Robert Rogers im September 1759 die Hauptsiedlung der Abenakis und ver√ľbten dort ein Massaker, dem angeblich etwa 200 Indianer zum Opfer fielen. Diese Zahlen halten einer genauen √úberpr√ľfung allerdings nicht stand, in Wirklichkeit lag die Zahl der Opfer wohl weitaus niedriger. In internen franz√∂sischen Mitteilungen ist z.¬†B. von 30 Toten die Rede. Aus propagandistischen Gr√ľnden ‚Äď und um Rogers hohe eigene Verluste zu rechtfertigen ‚Äď wurde jedoch eine h√∂here Zahl kolportiert.

Kriegsverlauf ab 1756

Trotz dieser massiven Auseinandersetzungen erfolgte eine Kriegserklärung Großbritanniens an Frankreich erst am 18. Mai 1756, nachdem der französische Angriff auf das damals britische Menorca bekannt wurde. John Campbell, 4. Earl of Loudoun, wurde 1756 zum Nachfolger Braddocks ernannt, war aber seinem im selben Jahr berufenen französischen Gegenspieler Louis-Joseph de Montcalm nicht gewachsen.

Die Franzosen eroberten am 15. August 1756 Fort Oswego am Ontariosee, w√§hrend die Briten unter Loudon zwar 12.000 Mann in Halifax f√ľr einen Angriff auf Fort Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel konzentrierten, diesen jedoch aufgrund von Verz√∂gerungen im Aufmarsch und der St√§rke der Verteidiger nicht durchf√ľhrten. Stattdessen griffen die Franzosen wieder an und eroberten am 9. August 1757 Fort William Henry am Lake George. Der √úberfall der mit Montcalm verb√ľndeten Indianer auf die britische Garnison, die gegen freien Abzug kapituliert hatte, ist unter weit √ľbertriebenen Opferzahlen als Fort William Henry-Massaker in die Geschichte und die Literatur (James Fenimore Coopers Der letzte Mohikaner) eingegangen.

Trotz ihrer Erfolge litten die Franzosen jedoch massiv unter der Blockade ihrer Häfen durch die britische Royal Navy, die Nachschub aus Frankreich und auch die Kommunikation weitgehend unterband, während die Seeherrschaft den Briten gestattete, Verstärkungen zu verlegen und an beliebigen Punkten zu landen.

Im Sommer 1758 spielten die Briten ihre zahlenm√§√üige √úberlegenheit und die Unterst√ľtzung durch ihre Marine aus und griffen gleichzeitig Louisbourg, Fort Ticonderoga am Lake Champlain und Fort Frontenac am Ostende des Ontariosees an. Zwar erlitten die Angreifer bei Ticonderoga am 8. Juli aufgrund eines inkompetenten Kommandeurs eine schwere Niederlage, das mit Unterst√ľtzung der britischen Flotte belagerte Louisbourg musste hingegen am 26. Juli vor General Jeffrey Amherst und Admiral Edward Boscawen kapitulieren, womit die Briten die Kontrolle √ľber die Sankt-Lorenz-Bucht und den Zugang in den Sankt-Lorenz-Strom gewannen.

Eine Expedition unter Oberstleutnant John Bradstreet eroberte im August Fort Frontenac und gewann damit die Kontrolle √ľber den Ontariosee. Im Juli begann Brigadegeneral John Forbes einen Vorsto√ü gegen Fort Duquesne. Zwar rieben die Franzosen eine zur Aufkl√§rung vorausgeschickte Vorhut auf, trotzdem gelang Forbes ein entscheidender Erfolg, als er mit den Indianerst√§mmen der Region in Fort Bedford einen Friedensvertrag abschloss. Da die schwache Garnison von Fort Duquesne nun ihre Verb√ľndeten verloren hatte und durch den Fall von Fort Frontenac von ihrer Verbindung nach Montreal abgeschnitten war, r√§umten sie das Fort am 24. November und zerst√∂rten es. Die Briten begannen sofort mit dem Wiederaufbau und nannten ihren neuen St√ľtzpunkt Fort Pitt (heute Pittsburgh). Damit hatten sie sich erstmals die Kontrolle √ľber das Tal des Ohio gesichert.

Schlacht auf der Abraham-Ebene: Tod von General James Wolfe

1759 griffen die Briten erneut von zwei Seiten an. Amherst, der dem wegen des Debakels bei Ticonderoga abgel√∂sten James Abercrombie als Oberbefehlshaber in Nordamerika nachfolgte, stie√ü entlang des Lake George und des Lake Champlain nach Norden vor und nahm die Forts Ticonderoga (25. Juni 1759) und Fort Crown Point ein. Eine Abteilung seiner Armee unter Brigadier John Prideaux belagerte das strategisch wichtige Fort Niagara an der M√ľndung des Niagara in den Ontariosee, f√ľgte einer franz√∂sische Entsatzarmee am 24. Juli in der Schlacht bei La Belle Famille eine vernichtende Niederlage zu und zwang die Besatzung des Forts am folgenden Tag zur Kapitulation.

Währenddessen drang eine britische Invasionsstreitmacht aus etwa 9.000 Soldaten, 13.500 Matrosen und 49 Schiffen unter General James Wolfe und Admiral Charles Saunders im Juni in den Sankt-Lorenz-Strom ein, belagerte Quebec und besiegte die Verteidiger unter Montcalm am 13. September in der Schlacht auf der Abraham-Ebene, in der sowohl Montcalm als auch Wolfe fielen.

Am 18. September folgte die Kapitulation Quebecs und damit eine kriegsentscheidende Niederlage der Franzosen. Zwar gelang es Montcalms Nachfolger Fran√ßois-Gaston de L√©vis, die britische Garnison von Quebec unter General James Murray am 28. April 1760 in der Schlacht bei Sainte-Foy zu schlagen, die folgende Belagerung Quebecs musste aber nach dem Eintreffen von Verst√§rkungen f√ľr die Briten abgebrochen werden. Nachdem ein letzter franz√∂sischer Versuch, Verst√§rkungen nach Montr√©al zu bringen, mit der Vernichtung der hierf√ľr vorgesehenen Schiffe im Gefecht auf dem Restigouche-Fluss am 8. Juli 1760 endete, konnten die Briten in diesem Jahr die Eroberung der franz√∂sischen Besitzungen in Nordamerika abschlie√üen. Am 8. September kapitulierten die Verteidiger von Montr√©al vor General Amherst, am 29. September √ľbernahm Major Robert Rogers Fort Detroit.

Einen letzten vergeblichen Versuch, in Kanada wieder Fu√ü zu fassen, unternahmen die Franzosen 1762, als starke britische Truppenkontingente aus Kanada in die Karibik verlegt worden waren. Ein franz√∂sisches Flottengeschwader unter Kommodore du Ternay mit 1.500 Soldaten unter dem Comte d'Haussonville brach aus Brest aus, entkam der britischen Blockadeflotte und landete am 24. Juni in St. John‚Äôs auf Neufundland. Zwar kapitulierte die schwache britische Garnison, die Nachricht von der Landung der Franzosen erreichte jedoch Halifax, von wo aus Truppen und Kriegsschiffe zum Gegenangriff geschickt wurden. Du Ternay entkam der britischen Flotte und kehrte nach Frankreich zur√ľck, doch den in einer hoffnungslosen Lage zur√ľckgelassenen franz√∂sischen Truppen blieb nichts anderes als die Kapitulation am 18. September.

Kriegsende, Pontiac-Aufstand und Folgen

Die solcherart geschaffenen Tatsachen erkannten die Franzosen im Frieden von Paris vom 10. Februar 1763 an, und gaben s√§mtliche Besitzungen in Nordamerika bis auf das historische Louisiana ‚Äď nicht zu verwechseln mit dem heutigen US-Bundesstaat Louisiana ‚Äď auf. Zu einem dauerhaften Ende der Feindseligkeiten kam es jedoch nicht, da sich die Indianerst√§mme im Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Ohio im Mai 1763 im Pontiac-Aufstand (nach dem Ottawa-H√§uptling Pontiac) gegen die britische Herrschaft erhoben. Sie hofften dabei auf Unterst√ľtzung durch die Franzosen. Die Indianer eroberten zahlreiche Forts und Siedlungen im Ohiotal und im westlichen Pennsylvania und scheiterten lediglich an Fort Pitt und Fort Detroit, die teilweise l√§ngere Zeit belagert wurden. Mit ihrer geschickt angewendeten Guerillataktik waren Pontiacs Indianer auch regul√§ren britischen Armeeeinheiten gewachsen. Erst im Herbst 1764 gelang es den Briten mit Hilfe zweier Expeditionen unter den Obersten John Bradstreet und Henry Bouquet, die Indianer wieder zu unterwerfen. Eine wesentliche Rolle spielte dabei, dass den Indianern die Munition ausging und eine Unterst√ľtzung durch Frankreich ausblieb. Pontiac selbst kapitulierte erst im Juli 1766.

Eine Folge des Pontiac-Aufstands war die k√∂nigliche Proklamation von 1763, der zufolge britische Siedler √∂stlich der Appalachen bleiben, das Gebiet westlich davon den Indianern vorbehalten bleiben sollte. Dieses Verbot wurde von den Siedlern ignoriert und trug zur Entfremdung zwischen den Kolonisten und der britischen Regierung bei. Eine weitere Folge der Kriege war eine hohe Schuldenlast, die die Regierung durch versch√§rfte Besteuerung aufzubringen versuchte. Diese Bem√ľhungen wiederum waren ein wesentlicher Ausl√∂ser der Amerikanischen Revolution.

Siehe auch

Literatur

  • Carolyn Gard: The French and Indian War ‚Äď A Primary Source History of the Fight for Territory in North America, Rosen Publishing Group, 2004. ISBN 0823945111
  • William R. Nester: The First Global War ‚Äď Britain, France, and the Fate of North America 1756‚Äď1775, Praeger/Greenwood, Westport (Conn.) 2000. ISBN 0275967719
  • Francis Parkman: Montcalm and Wolfe ‚Äď The French & Indian War, Da Capo Press, New York 1995. ISBN 0-306-80621-5
  • Ruth Sheppard: Empires Collide ‚Äď The French and Indian War 1754‚Äď63, Osprey Publishing, 2006. ISBN 1846030897
  • Gerriet Stenvers: Die Truppen im englisch-franz√∂sischen Kolonialkrieg in Nordamerika 1754‚Äď1760, Verlag f√ľr Amerikanistik, Wyk auf Foehr 2000. ISBN 3-89510-067-6

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