Französischer Adel

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Französischer Adel

Der franz√∂sische Adel ist ‚Äď wie der deutsche ‚Äď aus dem Lehnswesen des Mittelalters entstanden und war bis zur Revolution von 1789 in einen hohen und einen niederen Adel eingeteilt. Der Hohe Adel (zu welchem auch Seitenlinien der herrschenden Kapetinger geh√∂rten), f√ľhrte jahrhundertelang einen blutigen Kampf gegen die K√∂nigsmacht, der mit konfessionellen Gegens√§tzen begann und aus dem das siegreiche K√∂nigtum gest√§rkt hervorging. Den letzten regierenden Kapetingern, den Bourbonen, und ihren Ministern Richelieu und Mazarin gelang es schlie√ülich durch Verbindung mit den protestantischen M√§chten und durch antihabsburgische Politik die Macht des Adels v√∂llig zu brechen und ihn in einen Hofadel am gl√§nzenden Hof von Versailles zu verwandeln. Dieses f√ľhrte letzten Endes zum moralischen und wirtschaftlichen Ruin der Mehrzahl der Landedelleute.

Inhaltsverzeichnis

√Ąlterer Adel

Der √§ltere Adel wurde in der Zeit der letzten Bourbonenk√∂nige auch durch zahlreiche Standeserh√∂hungen und Einf√ľhrung des Dienstadels (noblesse de robe) erheblich geschw√§cht. Dazu kamen zahlreiche Adelsanma√üungen (Frankreich besa√ü keine Adelsmatrikel), die dazu f√ľhrten, dass man einen umfangreichen Handel mit Best√§tigungsurkunden trieb. Das einzige Privileg, das diesem stark vermehrten Adel blieb, war die Steuerfreiheit, an der bis zur Revolution starr festgehalten wurde und die die Kluft zwischen dem Adel und dem B√ľrgertum erweiterte.

Titel des französischen Adels

Die Titel des franz√∂sischen Adels in der alten Monarchie entsprachen dem System im √ľbrigen Europa: Herzog (Duc), Markgraf (Marquis), Graf (Comte), Vizegraf (Vicomte), Baron, Ritter (Chevalier) und einfacher Monsieur de ‚Ķ und wurden s√§mtlich durch die Revolution ausgel√∂scht. Napol√©on Bonaparte schuf einen neuen Adel, Noblesse imp√©riale, aus Leuten, die ihm dienten (mit den Rangstufen Herzog, Graf, Baron und Ritter), nahm aber gleichzeitig einen Teil des alten Adels in sein System auf und verlieh ihm neue Titel und Wappen. Die Bourbonenrestauration von 1814 erkannte den kaiserlichen Adel formell an und setzte den alten wieder in seine Titel ein, duldete aber stillschweigend, dass Angeh√∂rige des alten niederen Adels die Titel von Baronen, Grafen und Marquis annahmen, ohne sie freilich jemals zu best√§tigen. Diese Selbstadelung ist ein Ph√§nomen, das noch heute in Frankreich vorhanden ist (etwa 10.000 Familien waren 2004 ‚Äěfalscher Adel‚Äú).

Das B√ľrgerk√∂nigtum des Louis Philippe nahm dem Adel erneut seine Rechte, und die kurzlebige 2. Republik schaffte den Adelsstand ab, er wurde aber von Napoleon III. wiederhergestellt, um von der 3. Republik endg√ľltig abgeschafft zu werden. Seitdem haben adlige Titel nur als Bestandteil des Namens Bedeutung, der (echte und falsche) Adel hat aber seine Position als vornehmster Teil der Gesellschaft behalten.

Es existieren mehrere Organisationen, die Adel als Aufnahmekriterium voraussetzen und die sich eine gegenseitige Unterst√ľtzung, die Wahrung der Interessen des Adels und die Vergr√∂√üerung ihres Einflussbereichs zum Ziel gesetzt haben. In Frankreich ist insbesondere die ANF (Association d'entraide de la noblesse fran√ßaise) zu nennen. Auf europ√§ischer Ebene ist der Adel beispielsweise durch die Association de la Noblesse Europ√©enne vertreten.[1].

√úberlebende Herzogsfamilien

Vom alten k√∂niglichen Adel haben bis heute folgende Herzogsfamilien √ľberlebt: Audiffret-Pasquier, Bauffremont, Blacas d'Aulps, Caylus (Haus Roug√©), Coss√©-Brissac, Broglie, des Cars, Choiseul-Praslin, Clermont-Tonnerre, Gramont, Harcourt, Caraman, Caumont La Force, La Rochefoucauld, Durfort Civrac de Lorge, Luynes, Maill√© de la Tour-Landry, Montesquiou-Fezensac, Mortemart, Noailles, Polignac, Pozzo di Borgo, Rar√©court de La Vall√©e de Pimodan, Sabran-Pontev√®s, Rohan-Chabot, Rohan-Montbazon und Crussol d'Uz√®s. Bei anderen Familien, die heute noch adlige Name wie den des Hauses von La Tour d'Auvergne-Lauraguais tragen, ist die historische Verbindung zu den alten k√∂niglichen Adelslinien ungekl√§rt.

Die napoleonischen Herz√∂ge (sechs Geschlechter bl√ľhen noch, meistens Nachkommen von Marsch√§llen: Albuf√®ra-Suchet, Auerst√§dt-Davout, Feltre-Goyon, Magenta-MacMahon, Montebello-Lannes, Otrante-Fouch√©, Rivoli-Mass√©na wurden von diesem alten Adel anfangs boykottiert, dann aber im Laufe des 19. Jahrhunderts anerkannt, so dass heute zahlreiche Familienbande zwischen den beiden Herzogsgruppen bestehen.

Literatur

  • Monique de Saint-Martin: Der Adel. Soziologie eines Standes. UVK, Konstanz 2003 (Edition discours).

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Association de la Noblesse Europ√©enne. Association loi 1901. Abgerufen am 25. Dezember 2009 (franz.).

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