Freideutsche Jugend

ï»ż
Freideutsche Jugend

Als Jugendbewegung wird eine besonders im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts einflussreiche Strömung bezeichnet, die dem von der Industrialisierung geprĂ€gten stĂ€dtischen Leben eine vor allem in Kreisen der bĂŒrgerlichen Jugend sich ausbreitende Hinwendung zum Naturerleben entgegensetzte. Ein weiteres Merkmal war der romantische RĂŒckgriff auf hergebrachte Kulturelemente, wobei die Wiederaneignung von Volksliedern eine herausragende Rolle spielte.

Die aus dem Wandervogel hervorgegangene Bewegung bestand aus einer Vielzahl von Kleingruppen, die selbstorganisiert unter FĂŒhrung meist junger Erwachsener hauptsĂ€chlich Wanderungen und Fahrten an Wochenenden oder in den Ferien durchfĂŒhrten. ReformpĂ€dagogik, Freikörperkultur und Lebensreformbewegung standen in enger Wechselwirkung mit der im Stadium starker Verbreitung auch als Jugendkultur bezeichneten Bewegung. Auf sie geht außerdem die Entstehung der Jugendherbergen zurĂŒck.

Dem SelbstverstĂ€ndnis nach zunĂ€chst unpolitisch, waren die verschiedenen Gruppierungen den zeitgenössischen ideologischen Strömungen dennoch ausgesetzt und daran orientiert. Tiefe Einschnitte fĂŒr die Jugendbewegung stellte zum einen der Erste Weltkrieg dar, auf den die politisch stĂ€rker polarisierte Phase der bĂŒndischen Jugendbewegung folgte, und zum anderen die nationalsozialistische Machtergreifung 1933, die zur Zwangseingliederung aller anderen JugendverbĂ€nde in die Hitlerjugend oder zu deren Auflösung fĂŒhrte. Die nach dem Zweiten Weltkrieg gegrĂŒndeten Nachfolgeorganisationen haben die frĂŒhere Bedeutung nicht wiedererlangt.

Inhaltsverzeichnis

Die Wandervogel-Ära (1896–1913)

Der „Greif“, das Symbol der Wandervogelbewegung

Spezialartikel: Wandervogel

Ausgangsort der Jugendbewegung war Ende des 19. Jahrhunderts das seinerzeit noch nicht zu Berlin gehörende Dorf Steglitz. Hauptinitiatoren waren Hermann Hoffmann, der mit SchĂŒlern erste ausgedehnte Wanderungen und Fahrten organisierte, und sein Nachfolger Karl Fischer, der 1901 mit der GrĂŒndung des Wandervogels einen dauerhaften organisatorischen Rahmen fĂŒr solche AktivitĂ€ten schuf.

Motive und AktivitÀten

Die AnfĂ€nge der Steglitzer Wandervogelbewegung waren nicht gesellschaftspolitisch motiviert, sondern entsprangen einem spontanen Impuls, dessen zĂŒndende Wirkung bei den Beteiligten sich aber aus bestimmten Voraussetzungen ergab. Sie wurden in der RĂŒckschau von Zeitzeugen und Chronisten des Geschehens festgehalten. So schrieb Werner Helwig:

„Den GrĂŒnderjahren, die den mĂ€chtigen Aufschwung des Industrialismus und der verwirklichten technischen Erfindungen gebracht hatten, ging ein merkwĂŒrdiges Absterben der Lebenswerte parallel. Die Jugend fĂŒhlte sich aus ihrem Reich verdrĂ€ngt. Die GrĂŒnflĂ€chen verschwanden, natĂŒrliche SpielplĂ€tze, Forste, Gehölze um die wachsenden StĂ€dte herum verringerten sich sprunghaft. In den Schulen waltete ein Geist der Erstickung alles jugendhaften Wesens. Das nackte Dasein als solches war langweilig, steril geworden. Die Freude an den allenthalben aufsprießenden Fabrikmauern und Schloten war nicht jedermanns Sache. Die EinĂŒbung auf ein bĂŒrgerliches Unternehmertum, auf fieberhaften Gelderwerb, verbunden mit Großmannssucht und BörsenspielerdĂŒnkel, wurde von vielen – teils bewußt, teils unbewußt – als fauler Zauber empfunden.[1]“

Zwar sahen viele Wandervogel-Mitglieder sich eher unpolitisch oder gar antipolitisch eingestellt; sie hielten sich fern vom Parteienstreit und vom Hurrapariotismus der Bierkneipen. Angesichts der Werteordnung der wilhelminischen Gesellschaft, die nicht auf individuelle Freiheit und das Streben nach GlĂŒck ausgerichtet war, sondern auf preußisch-aristokratische Vorstellungen von Treue und Gehorsam gegenĂŒber Kaiser und Reich, brachten sie aber immerhin eigene BedĂŒrfnisse zur Geltung, die sich gegen die Bevormundung durch Eltern und Lehrer richteten.[2] Dass sich aus dem Wandern um des Wanderns willen mit der Zeit auch ein berauschendes Selbst- und Sendungsbewusstsein entwickelte, zeigt sich bei Hans BlĂŒher, der als ein frĂŒhes Wandervogel-Mitglied bereits 1912 die erste Geschichte der Wandervogelbewegung veröffentlichte:

„Dieser Zustand zwischen Jugend und Alter hat sich in Deutschland tausendfach wiederholt, er ist zum typischen geworden, aber nur hier in diesem MĂ€rkerneste Steglitz waren die GegensĂ€tze charakteristisch genug, waren so scharf und eigenartig, daß es der Jugend wirklich gelang, aus sich selbst heraus, ohne einen Lehrer zu fragen, eine große Bewegung zu schaffen, die nichts anderes war, als ein Kampf. [
] Steglitz wurde der Mutterboden einer Jugendbewegung, die sich fast zehn Jahre lang ganz im Kleinen und Privaten hielt, die sich das Ideal der fahrenden SchĂŒler aus dem Mittelalter holte, um daran in der neuen Zeit gesund und selbstherrlich zu werden, die sich dann auf einmal ziemlich plötzlich erhob, als die Sterne gĂŒnstig standen, und in romantischer Begeisterung in wenigen Jahren sich ĂŒber ganz Deutschland ergoß, sodaß zu Tausenden und Abertausenden die vom Alter gekrĂ€nkte Jugend durch die WĂ€lder brauste.[3]“

Waren fĂŒr Halbtags- und WochenendausflĂŒge anfĂ€nglich nur leicht erreichbare Ziele wie z.B. der Grunewald oder das nahe Nuthetal in Frage gekommen, so folgten noch unter Hoffmanns FĂŒhrung auch Ferienfahrten in den Harz und in den Böhmerwald. Angesichts der geringen Mittel, die die jungen Leute zur VerfĂŒgung hatten, und mit dem Leitbild eines möglichst einfachen Lebens vor Augen, bereiteten sie sich ihre Mahlzeiten unterwegs auf mitgenommenen Spirituskochern selbst oder kochten sie auf offenem Feuer ab. Übernachtet wurde auf mehrtĂ€gigen Wanderungen in Scheunen, spĂ€ter auch in Zelten und manchmal in billigen DorfgasthĂ€usern. Regenwetter und strapaziöse Wegstrecken wurden mit dem Singen von Volksliedern und wechselseitiger Aufmunterung durchgestanden und gehörten danach als bestandene Herausforderungen zum gemeinsamen Erfahrungsschatz.

„Das echte und tiefste Erleben der Jugendbewegung ist schwer zu beschreiben und vielleicht unmöglich zu analysieren: das Erlebnis der Wanderung bei Nacht und Sonnenaufgang, die AtmosphĂ€re des Lagerfeuers, der Freundschaften, die sie sich knĂŒpften. Viel romantische Begeisterung war dabei, und es ist leichter, die Überspanntheiten dieses GemĂŒtszustandes ins LĂ€cherliche zu ziehen als ihnen Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Sehr tiefe GefĂŒhlsakkorde wurden angeschlagen; die Echtheit dieses Erlebnisses kann nicht bezweifelt werden. Vielen der Besten in der jungen Generation Deutschlands war es ein kostbares Erleben, an das sie ihr Leben lang zurĂŒckdachten.[4]“

Teilung und Ausbreitung der Bewegung

Ein einheitliches Ganzes blieb die Jugendbewegung schon in ihrer Entstehungsphase nicht. Bereits 1904 widersetzten sich drei Bachanten[5] mit eigenen FĂŒhrungsambitionen ihrem Oberbachanten Karl Fischer und grĂŒndeten anstelle des nun aufgelösten Ausschusses fĂŒr SchĂŒlerfahrten den „Steglitzer Wandervogel e. V.“ Bald darauf organisierten die Getreuen Karl Fischers sich ebenfalls unter neuem Namen: „Alt-Wandervogel“. In Hamburg entstand 1905 ein zweiter wichtiger Ausgangspunkt der Jugendbewegung, der „Hamburger Wandervein“, der zum „Bund Deutscher Wanderer“ wurde und sich hauptsĂ€chlich in Westdeutschland ausbreitete. Der Berliner Wandervogel löste spontane NeugrĂŒndungen vor allem in Ost- und Mitteldeutschland aus.[6]

Viele der ersten NeugrĂŒndungen entstanden in UniversitĂ€tsstĂ€dten, in Heidelberg, Jena und Göttingen z.B. auf Initiative von Steglitzer Abiturienten. Ein Kerngebiet des Wandervogels war der Raum Kassel – Göttingen – Eisenach.[7] In Deutschland waren es vor allem protestantische Regionen, in denen die Jugendbewegung Fuß fasste, kaum dagegen im Rheinland oder in Oberschlesien. Auch bei der Ausbreitung der Jugendbewegung im katholisch geprĂ€gten Österreich war die Mitgliederzahl von Protestanten im VerhĂ€ltnis zur Gesamtbevölkerung ĂŒberproportional. Hier war die Bewegung von vornherein stĂ€rker politisch orientiert und propagierte den Vorrang des Deutschtums im Vielvölkerstaat der k. u. k. Monarchie.[8]

Die an den höheren Schulen konzentrierte bĂŒrgerliche Jugend prĂ€gte das Erscheinungsbild der Wanderlustigen schon deshalb, weil Jugendliche aus Arbeiterfamilien, wenn sie mit 14 Jahren die Volksschule verließen, um in Lehre oder ErwerbstĂ€tigkeit zu wechseln, die Zeit fĂŒr ausgedehnte Wanderungen gar nicht mehr hatten. Ferienfahrten schieden fĂŒr sie völlig aus, was die Möglichkeit intensiver Begegnungen von Jugendlichen aus unterschiedlichen Sozialmilieus zusĂ€tzlich erschwerte:

„Die SchĂŒler hatten ihre eigenen Interessen, völlig andere als junge Arbeiter und Lehrlinge, die noch auf den Achtstundentag warteten. Es war ganz natĂŒrlich, daß SchĂŒler und Studenten unter sich blieben. Aber auf lange Sicht war der enge Klassencharakter der Jugendbewegung wahrscheinlich ihre grĂ¶ĂŸte SchwĂ€che. All die schönen Parolen von der Vertiefung der Volksgemeinschaft und vom »Durchbruch zur Nation« waren unter diesen UmstĂ€nden dazu verurteilt, wirkungslos zu bleiben.[9]“

VielfĂ€ltige Abspaltungen und NeugrĂŒndungen innerhalb der Wandergruppen und -vereine dienten der Konfliktregulierung und trugen zur Ausbreitung der Bewegung bei. Als 1907 Forderungen aufkamen, auch MĂ€dchen den Eintritt in die Organisationen zu ermöglichen und Alkoholabstinenz auf Fahrten zum Grundsatz zu machen, stieß das bei den Altmitgliedern auf Widerstand. Auf Initiative Hans Breuers, eines Wandervogels noch aus der FrĂŒhzeit, formierte sich nun aber mit dem „Wandervogel Deutscher Bund fĂŒr Jugendwandern“ eine weitere Organisation, die diese Neuerungen umsetzte.

Auf etwa 25 000 Mitglieder war die Wandervogelbewegung 1912 angewachsen. Ihr Schwung setzte zudem Schulreformen in Gang und regte die GrĂŒndung von Landerziehungsheimen und freien Schulgemeinden an.[10]

Weltanschauliche und kulturelle Orientierung

Die Jugendbewegung war nach Laqueur vor dem Ersten Weltkrieg politisch weitgehend neutral, ihren sozialen Wurzeln gemĂ€ĂŸ aber Teil der allgemeinen rechts-nationalistischen Strömung.[11] „WĂ€re mangelndes Interesse fĂŒr Politik vor der Geschichte ein Alibi, dann ginge der Wandervogel mit makellos weißer Weste aus dem Prozeß hervor.“ Andererseits bewahre der Mangel an politischem Denken aber nicht vor der Verstrickung in politisches Unheil. Das Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten und eine Vorbereitung auf die Rolle des aktiven StaatsbĂŒrgers seien im Wandervogel nicht gefördert worden; an einem WertgefĂŒge, wie es die sozialistische Jugend und die Katholiken kannten, habe es gefehlt, „ein gefĂ€hrliches Vakuum, das sich nur allzu leicht mit moralischem Relativismus und Nihilismus fĂŒllen ließ.“[12]

Das Rollenbild der Geschlechter trug selbst bei Hans Breuer, einem wichtigen Förderer der Mitgliedschaft von MĂ€dchen im Wandervogel, die zeittypisch markant konservativen ZĂŒge:

„
 den Ausbau des MĂ€dchenwanderns denke ich mir etwa so: Verzicht auf große DistanzmĂ€rsche, dagegen starke Bevorzugung der Landheime; die fĂŒr MĂ€dchen recht schwierige Frage des allabendlichen Quartiermachens fĂ€llt dadurch auch ganz fort. Dort in den Landheimen, da lernen die MĂ€dchen all die Tugenden, die gerade sie im spĂ€teren Leben brauchen, sie lernen HĂ€uslichkeit, VertrĂ€glichkeit, Wirtschaftlichkeit und haben auch auf tĂ€glichen StreifzĂŒgen, auf denen kein schwerer Rucksack ihre Bewegung hemmt, die Vorteile des Wanderns nach ihrer Art. – An Stelle rauer GewaltmĂ€rsche wird man Spiel und Reigen und Tanz, kurz alles, was die Grazie der Bewegungen fördert, zu beleben suchen.[13]“

Viele der nun zum Wandern zugelassenen MÀdchen waren trotz solcher programmatischen Vorgaben von ihren neuen Möglichkeiten begeistert:

„MĂ€dchen aus höheren Schulen sonntags allein in den WĂ€ldern herumstreichen lassen, war bisher nie da gewesen; als MĂ€dchen durfte man doch nie auffallen, das war doch oberstes Gesetz! Jede Fahrt war unvergesslich schön. Wenn es regnete, fanden wir irgendwo einen Unterschlupf, wenn wir durchnĂ€sst waren, wurden wir durch die Bewegung wieder trocken; darum gab es auch keine ErkĂ€ltung. Tief in den WĂ€ldern versteckt hatten wir unsere LieblingsplĂ€tze, eine verlassene Burg oder ein JĂ€gerhĂ€uschen mit einem wackeligen schrĂ€gen Dach, von dessen First wir stundenlang auf alten SĂ€cken ins weiche Gras rutschten. Wir setzten in großen SprĂŒngen durch das Unterholz und ĂŒber den Waldbach, es gab stecken gebliebene Schuhe voll Schlamm und Wasser und erfindungsreiche Trockenlegungen. Stauwerke wurden gebaut und Burgverliese entdeckt. Wir haben gezeichnet, fotografiert, KrĂ€nze gewunden, gesungen und getanzt. Unvergleichlich schön steht diese Zeit in unserer Erinnerung. Was fĂŒr ungewohnte Erlebnisse, GesprĂ€che, Gefahren, aufeinander prallende Meinungen![14]“

Zumindest bei Teilen der eingesessenen Wandervogel-Mitglieder dĂŒrften auch homoerotische Neigungen die anhaltenden Vorbehalte gegenĂŒber weiblichen Mitgliedern gefördert und der Forderung Nachdruck verliehen haben, in Organisationen mit MĂ€dchenbeteiligung Wanderungen nur nach Geschlechtern getrennt durchzufĂŒhren. Ein besonders einflussreicher Verfechter dieser Ausrichtung war Hans BlĂŒher, der im Zuge seiner Auseinandersetzung mit der Geschichte des Wandervogels die eigenen Erlebnisse und Beobachtungen zu einer Ideologie der MĂ€nnerbĂŒnde fortentwickelte. FĂŒr BlĂŒher waren die homoerotischen Elemente des Wandervogel-Lebens der wertvollste Antrieb der Bewegung, ohne die sie ihre durchschlagende Wirkung in der tabubesetzten wilhelminischen Gesellschaft nicht hĂ€tte entfalten können.

„Man hatte von der GrĂŒndung des Wandervogels an unter der Jugend selbst FreunschaftsverhĂ€ltnisse bemerkt, deren erotische Nuance nicht zu verkennen war. Wie weit diese Erotik ging und ob sie sich bis zu dem physischen Rauschereignis durchsetzte, das zwischen Mann und Weib immer erwĂŒnscht ist, bleibe hier unerörtert. Die WĂŒrde und der Ernst, durch die sich die vielen beobachteten FĂ€lle hervortaten, lassen jedenfalls darauf schließen, dass es sich hier um ein ganz ausgezeichnetes GefĂŒhl handelte, das sich seiner Existenz nicht zu schĂ€men braucht und das auch genĂŒgend Analogien in den besten Teilen der deutschen und der fremden Kultur hat.[15]“

In der zeitgenössischen Öffentlichkeit herrschte eine völlig andere Sicht, die der Wandervogel auch zu spĂŒren bekam, als er im Umfeld einer AffĂ€re mit homosexuellem Hintergrund angegangen wurde, in deren Mittelpunkt FĂŒrst Philipp zu Eulenburg stand, ein Freund Kaiser Wilhelms II. Die Wandervogel-Verantwortlichen waren nun SchmĂ€hreden ausgesetzt, gar als „PĂ€derastenklub“ bezeichnet. BlĂŒher schildert die Reaktion innerhalb der Bewegung:

„Der ganze Wandervogel teilte sich von nun an in zwei Gesinnungsgruppen; die erste behauptete, der Wandervogel hĂ€tte nicht das Geringste mit irgendeiner Erotik zum eigenen Geschlechte zu tun, die Ă€lteren FĂŒhrer betĂ€tigten sich lediglich aus idealen Gesinnungen. Alle TrĂ€ger gleichgeschlechtlicher Neigungen seien daher samt diesen selbst ohne Weiteres auszumerzen. Das war die ĂŒberwiegende MajoritĂ€t, die so urteilte. Eine ganz verschwindende Minderheit stellte ihre Gegensicht auf: die physiologische Freundschaft gehöre zur Natur der Wandervogelbewegung; gerade die idealsten Gesinnungen der Jugend gegenĂŒber basierten auf ihr, und sie sei daher zu kultivieren. Ihre Ausrottung wĂŒrde notwendig die innere Verödung des Wandervogels zur Folge haben.[16]“

Ein weiteres Einstellungs- bzw. Abgrenzungsproblem vor dem Hintergrund gesellschaftlicher MentalitĂ€ten ergab sich im VerhĂ€ltnis zu jĂŒdischen Wandervogel-Mitgliedern, die von 1905 an beitraten oder beitreten wollten. Der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung im Deutschen Kaiserreich betrug nicht einmal ein Prozent; in den Oberstufen mancher Gymnasien, auf die sich die Jugendbewegung wesentlich stĂŒtzte, stieg er jedoch mitunter auf 25% und mehr an.[17] Nachdem der Fall eines in Zittau trotz bestandener AufnahmeprĂŒfung als Mitglied abgewiesenen jĂŒdischen MĂ€dchens 1912 im „Berliner Tagblatt“ berichtet worden war, kam es zu einer vielstimmigen Kontroverse unter WandervogelfĂŒhrern, die noch durch radikal antisemitische Stichwortgeber von außen angeheizt wurde. Der österreichische Wandervogel fĂŒhrte auf seiner Bundestagung 1913 in Krems tatsĂ€chlich einen Arierparagraphen ein, der Slawen, Juden und Welsche in seinen Reihen fĂŒr unerwĂŒnscht erklĂ€rte.[18] In Deutschland, wo viele Gruppen einschließlich der Bundesleitung sich unter Berufung auf ihre politische NeutralitĂ€t in eine solche Diskussion gar nicht verwickeln lassen wollten, wurde auf einer Bundestagung Ostern 1914 in Frankfurt (Oder) beschlossen, dass die Ortsgruppen jeweils selbst ĂŒber Aufnahme oder Abweisung jĂŒdischer AnwĂ€rter entscheiden sollten.[19]

FĂŒr die Entwicklung des Gemeinschaftslebens innerhalb der jeweiligen Ortsgruppen wurde andererseits mehr getan als nur die Planung und DurchfĂŒhrung von Wanderungen. Üblicherweise trugen die Gruppenmitglieder als Ausdruck ihrer Zusammengehörigkeit kleine Abzeichen und Nadeln. Sie suchten sich RĂ€ume oder Schuppen, in denen sie nach der Schule auch unter der Woche ein- oder zweimal zusammenkommen konnten. Diese wurden mit den Emblemen der Bewegung geschmĂŒckt, teils auch mit BĂŒchern und SportgerĂ€ten ausgestattet. Das gemeinsame Singen zu GitarrenklĂ€ngen war schon bei Karl Fischer angelegt; zusĂ€tzliche Gestaltungselemente solcher ZusammenkĂŒnfte waren Lesungen aus dem Werk eines Lieblingsschriftstellers der Jugendbewegung oder vom Gruppenleiter vorgetragene Geschichten.[20] Vielfach entwickelten sich AnsĂ€tze eines eigenen Wandervogel-Kulturlebens:

„Da gab es Laienspiele (mit Hans Sachs als beliebtestem Autor) wie auch Puppentheater. Die Mitglieder wurden ermuntert, ihre EindrĂŒcke und Erfahrungen zu Papier zu bringen. Einige schrieben Gedichte, und von jedem, der nur die geringste Begabung dafĂŒr zeigte, erwartete man Zeichnungen und vor allem Schattenrisse; die ersten Wandervogel-Fotografen traten auf den Plan.[21]“

Das Motiv ZurĂŒck zur Natur korrespondierte mit einem bewussten, mit AnklĂ€ngen an die Romantik verbrĂ€mten RĂŒckgriff auf Traditionen, was in (einfacher) Kleidung, Heimat- und Liederabenden, Lagerfeuer-Feiern und Tanz seinen Ausdruck fand. Die Jugendmusikbewegung war Teil der Jugendbewegung. Sie widmete sich der Förderung des Musizierens und dem Volksliedgut.

An der Entstehung des bedeutendsten Liederbuchs der Jugendbewegung, das unter dem Titel „Zupfgeigenhansl“ nach der Ersterscheinung 1909 immer wieder aufgelegt wurde und insgesamt in ĂŒber einer Million Exemplare verkauft wurde, hatte Hans Breuer wesentlichen Anteil, der nach seiner Steglitzer Wandervogel-FrĂŒhzeit in die UniversitĂ€tsstadt Heidelberg gegangen und dort mit Hans Lißner eine weithin bekannte „Pachanthey“ (Wandervogelgruppe) gegrĂŒndet hatte.[22] Über die Initiatoren der Liedersammlung Ă€ußerte Lißner in Werner Helwigs Erinnerungssammlung „Die Blaue Blume des Wandervogels“:

„Da sie auf ihren Kreuzfahrten die Hauptstraßen geflissentlich gemieden, so hatte sie ihr Weg zu Bauern, Förstern, Fischern und Handwerksleuten gefĂŒhrt, und von solchen Menschen waren alle Lebensalter in den verschiedensten Gauen Deutschlands ihnen nahegetreten. Jedes Lied, das sie sangen, mußte an bestimmte, wirklich erlebte Menschen und Landschaften anklingen. [
] Unsere Studenten sangen und lockten die Lieder anderer hervor. Holte nicht die wackere Studentenwirtin oben im Waldhaus alle Lieder wieder aus ihrem alten Schwabenkopf und begannen nicht unten am Neckarstaden die FlĂ¶ĂŸer wieder ihre Stimmen zu versuchen? So ward der Schatz erlebter Lieder immer reicher. Sommertage im Odenwald, MondnĂ€chte am Neckar, OfenwĂ€rme im schwĂ€bischen und frĂ€nkischen WinkelstĂ€dtchen vermehrten ihn noch.[23]“

Die Außenwirkung und das Treffen 1913 auf dem Hohen Meißner

Moderne Informationstafel mit idealisierter Darstellung des Freideutschen Jugendtags 1913

Spezialartikel: Erster Freideutscher Jugendtag

Um 1910 hatten der Wandervogel und die ParallelgrĂŒndungen der Jugendbewegung so starke Wirkung entfaltet, dass Institutionen wie Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und landsmannschaftliche Vereine ihre eigene Jugend neu zu formieren versuchten, indem sie sich einerseits am Ă€ußeren Stil des Wandervogels orientierten, andererseits aber am traditionellen AutoritĂ€tsprinzip festhielten. Doch wurde diese Anpassung und AnnĂ€herung von einem Teil der jeweils Verantwortlichen innerhalb dieser Institutionen und ErwachsenenverbĂ€nde sehr kritisch gesehen. Insofern viele dieser neu formierten oder neu gegrĂŒndeten JugendverbĂ€nde in unmittelbarer AbhĂ€ngigkeit von Erwachsenenvereinigungen blieben, kann man sie nicht als jugendbewegte Gruppen bezeichnen. Andererseits wurde aber deren Eigendynamik von den jeweiligen AutoritĂ€ten teilweise unterschĂ€tzt, so dass mitunter auch sehr eigenstĂ€ndige Gruppen entstanden. Dabei half zum Beispiel der katholischen wie der evangelischen Jugendbewegung, dass sich aus unterschiedlichen Motiven (z. B. Abstinenz, VerhĂ€ltnis zur Natur und Kultur) bereits zahlreiche Jugendliche in neuen Gruppen um geistliche Mentoren gesammelt hatten (z. B. Quickborn-Arbeitskreis).

Innerhalb der Wandervogelbewegung kam es nach Jahren der Abspaltungen und SeparatgrĂŒndungen von 1910 an zu Einigungsbestrebungen auf Festen mit Teilnehmern ganz verschiedener Gruppenzugehörigkeit, 1911 zur GrĂŒndung der Dachorganisation „Verband deutscher Wandervögel“, im Januar 1913 schließlich zur Vereinigung im „Wandervogel e.V. – Bund fĂŒr deutsches Jugendwandern“, dem sich allerdings einzelne etablierte Gruppen bzw. Teilgruppen nicht anschlossen.[24]

Als dann fĂŒr Oktober 1913 aus Anlass des 100. Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig, die das Ende der napoleonischen Vorherrschaft in Deutschland zur Folge hatte – aber in Absetzung von den sonstigen patriotischen Jubelveranstaltungen im Reich – zu einem großen Treffen der „Freideutschen Jugend“ auf dem Hohen Meißner geladen wurde, zeigte sich die Bewegung weiterhin uneins: Zwar reiste eine Reihe von Wandervogel-Gruppen an, doch gab es auch Vorbehalte und Beschwerden darĂŒber, dass mittlerweile zu viele Gruppen von Lehrern geleitet wĂŒrden, die im Auftrag ihrer vorgesetzten Behörden handelten. Die Sammelbezeichnung „Freideutsche Jugend“ schloss auch die unterdessen in Studentengruppen organisierten Ă€lteren Wandervögel ein; außerdem waren auf dem Fest auch Vertreter der Abstinenzler und der Lebensreformbewegung sowie eine streng völkisch ausgerichtete Gruppe namens „Volkserzieher“ und Verfechter der Freien Schulgemeinden vertreten.[25]

Gustav Wyneken, der 1906 die Freie Schulgemeinde Wickersdorf gegrĂŒndet und dort manche Wandervogelgruppen zu Besuch empfangen hatte, die dieses Modell einer sich selbst erziehenden Lebens- und Arbeitsgemeinschaft faszinierte, war Autor des Einladungstextes fĂŒr das mehrtĂ€gige Meißner-Treffen. Darin hieß es u.a.:

„Die deutsche Jugend steht an einem geschichtlichen Wendepunkt. Die Jugend, bisher aus dem öffentlichen Leben der Nation ausgeschaltet und angewiesen auf eine passive Rolle des Lernens, auf eine spielerisch-nichtige Geselligkeit und nur ein AnhĂ€ngsel der Ă€lteren Generation, beginnt sich auf sich selbst zu besinnen. Sie versucht, unabhĂ€ngig von den trĂ€gen Gewohnheiten der Alten und von den Geboten einer hĂ€ĂŸlichen Konvention sich selbst ihr Leben zu gestalten. Sie strebt nach einer LebensfĂŒhrung, die jugendlichem Wesen entspricht, die es ihr aber zugleich auch ermöglicht, sich selbst und ihr Tun ernst zu nehmen und sich als einen besonderen Faktor in die allgemeine Kulturarbeit einzugliedern. [
] Sie, die im Notfall jederzeit bereit ist, fĂŒr die Rechte ihres Volkes mit dem Leben einzutreten, möchte auch in Kampf und Frieden des Werktags ihr frisches reines Blut dem Vaterlande weihen. [
] So laden wir denn die Jugend ein, mit uns am 11. und 12. Oktober auf dem Hohen Meißner bei Kassel den

Ersten Freideutscher Jugendtag
zu feiern. Möge von ihm eine neue Zeit deutschen Jugendlebens anheben, mit neuem Glauben an die eigene Kraft, mit neuem Willen zur eigenen Tat.[26]“

Der Tag der Anreise war vom Wetter nicht begĂŒnstigt: Regen und Nebel behinderten den Aufstieg und drĂŒckten auf die Stimmung. Dennoch wurde es das erhoffte Großereignis mit etwa 9000 Teilnehmern aus 13 JugendverbĂ€nden.[27] Bei zwischenzeitlicher Wetterbesserung standen Koch- und TanzaktivitĂ€ten im Mittelpunkt des Festgeschehens, wie Gustav Wyneken als Augenzeuge berichtete, dem bei der DurchfĂŒhrung der Veranstaltung als mitreißendem Redner eine SchlĂŒsselrolle zufiel. Von ihm geprĂ€gt wurden die Begriffe Jugendkultur und Jugendbewegung.[28] Die „Meißner-Formel“ dagegen war ein Kompromissprodukt, das sich aus den Beratungen der verschiedenen Verbandsvertreter vor Ort ergab. Darin hieß es:

„Die Freideutsche Jugend will aus eigener Bestimmung vor eigener Verantwortung mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. FĂŒr diese innere Freiheit tritt sie unter allen UmstĂ€nden geschlossen ein.[29]“

Am neuerlich verregneten Abreisetag fand die als abschließendes Glanzlicht vorgesehene AuffĂŒhrung von Goethes Iphigenie in einem von NĂ€sse triefenden Zelt statt.[30] Den Gesamtertrag des Meißner-Festes bilanziert Laqueur skeptisch:

„Wenig hat am Ende jene historische Tagung auf dem Hohen Meißner ergeben – nur ein Versprechen, das nie gehalten wurde, und eine Formel, die jedem etwas anderes bedeutete und die auf jeden Fall keine spezielle Jugendformel war. FĂŒr die Jungen und MĂ€dchen im Wandervogel mag das nicht sehr von Belang gewesen sein: Lachend hatten sie auf dem Hohen Meißner zugesehen, wie Links und Rechts sich mĂŒhten, sie fĂŒr ihre Zwecke zu mobilisieren. Noch kein Jahr spĂ€ter brach der Erste Weltkrieg aus.[31]“

Einschneidende Weltkriegserfahrungen

Wandervogelgruppe (um 1930)

So wenig Politisches im SelbstverstĂ€ndnis der frĂŒhen Wandervögel eine Rolle gespielt haben mag, unberĂŒhrt davon blieben sie auch in ihren wesentlichen Interessenbereichen nicht. Das zeigte sich z.B. in Hans Breuers Vorworten zu diversen Ausgaben des „Zupfgeigenhansl“. Dominierte 1909 noch die Aufforderung, an der Erweiterung der Liedersammlung mitzuwirken, so ging es 1913 bereits um die Vollendung des Deutschtums und im Kriegsjahr 1915 darum, als Wandervögel den eigenen Platz auf der Erde zu behaupten und im Fortwirken das VermĂ€chtnis der bereits gefallenen Kameraden zu erfĂŒllen. Hans Breuer selbst sollte das Kriegsende nicht erleben.[32]

Die Begeisterungswelle der ersten Kriegstage im August 1914 erfasste auch die Jugendlichen mit voller Wucht. Als stimulierendes Abenteuer stellte sich der Krieg anfangs den jungen Leuten dar, die sich teils lachend und mit Blumen in den GewehrlĂ€ufen auf den Weg an die Front machten. „Ihr werdet zu Hause sein, noch ehe das Laub von den BĂ€umen fĂ€llt“, hatte Kaiser Wilhelm II. in Aussicht gestellt. „Zu Hunderttausenden hatten die Jugendlichen die WerbebĂŒros gestĂŒrmt, um sich freiwillig zu den Fahnen zu melden – so wie es auch ihre Altersgenossen in Frankreich oder England taten.“[33]

Die ErnĂŒchterung ließ in den zermĂŒrbenden Materialschlachten und Stellungskriegen in Belgien und Frankreich nicht lange auf sich warten. In einem Studentenbrief von der Flandern-Front heißt es im Herbst 1914:

„So ganz anders haben wir uns den Krieg vorgestellt. Ich wollte den Gegner sehen, und dann wollten wir aufeinander schießen oder mit dem Bajonett aufeinander losstĂŒrmen. Aber hier gleich zu Anfang, ohne ĂŒberhaupt einen lebendigen Feind gesehen zu haben sich zusammenschießen zu lassen
[34]“

Von offizieller Seite dagegen wurde recht erfolgreich eine dem tatsĂ€chlichen Kriegsgeschehen zum Teil völlig entgegengesetzte Darstellung und Deutung der Ereignisse verbreitet. Langzeitwirkung entfaltete diesbezĂŒglich insbesondere der Sturmangriff im November 1914 auf Langemark, der mit vielen Kriegsfreiwilligen, Abiturienten und Studenten unter den Truppen bestritten wurde:

„Die britischen Verteidiger von Langemarck waren altgediente, bestens ausgebildete Gardesoldaten. Die jungen Deutschen dagegen hatten eine völlig unzureichende Kurzausbildung hinter sich. Mit ihren Waffen konnten sie kaum umgehen, als Kampfverband waren sie noch gar nicht zu gebrauchen. Aber willig ließen sie sich von ihren FĂŒhrern ĂŒber das deckungslose GelĂ€nde vorantreiben, hinein in das Artillerie- und Maschinengewehrfeuer eines Gegners, der gut verschanzt und kaum sichtbar in seinen Stellungen saß. Tausende fielen.[35]“

Im Nachgang wurde dieses Fiasko zum Mythos von Langemarck, zum heroischen Opfergang der Jugend fĂŒr das Vaterland stilisiert und gefeiert, auch von den Überlebenden selbst, die sich 1919 zur ersten Langemarck-Feier in der Berliner Kaiser-Wilhelm-GedĂ€chtniskirche trafen. Dem folgten ab 1921 jĂ€hrliche Gedenkveranstaltungen von JugendverbĂ€nden und Berliner Studentenschaft, die EnthĂŒllung eines Langemarck-Denkmals 1924 in der Rhön sowie eine „Langemarck-Spende“ der Deutschen Studentenschaft. Die Nationalsozialisten bedienten sich des Langemarck-Mythos in der Folge auf ihre Weise.[36]

In der Zeit nach Kriegsbeginn kamen auch fĂŒr die nicht im Felde dienenden Wandervögel die gewohnten AktivitĂ€ten zum Erliegen. Nach einigen Monaten wurde der Betrieb aber in vermindertem Umfang wieder aufgenommen. Die GruppenfĂŒhrung ĂŒbernahmen nun öfters MĂ€dchen, gelegentlich unterstĂŒtzt von entlassenen Soldaten, die als Verwundete oder KampfunfĂ€hige dem Heer nicht mehr dienen konnten.[37]

FĂŒr die Feldwandervögel entstand in einzelnen Heereseinheiten ein Organisationsnetz; mitunter kursierten eigene Schriften und Rundschreiben. Ein Kriegsteilnehmer beschrieb die mit der Zeit sich wandelnde Stimmungslage an der Front:

„Als der Krieg kein Ende nehmen wollte, verlor er fĂŒr den einzelnen das Überzeugende. Überhaupt wurde die innere und Ă€ußere Verlorenheit zum Kennzeichen seiner letzten Jahre. Immer mehr gute Kameraden fielen neben einem. Immer einsamer kam sich der Wandervogelsoldat vor. SehnsĂŒchtig sah man sich nach Freunden von der alten Zunft um. [
] Es wurden regelrechte Soldatenortsgruppen gebildet. Hinter der Front entstanden sogar Soldatenwandervogel-Nester. Da konnte man sich, wenn einige Stunden oder Tage zu erĂŒbrigen waren, endlich einmal unter seinesgleichen bewegen und aussprechen. Die hier geĂ€ußerten Hoffnungen galten natĂŒrlich dem kĂŒnftigen Wandervogel, der nach Kriegsende mit einer endgĂŒltigen Einigung hervortreten sollte.[38]“

Die Zeit der BĂŒndischen Jugend (1919–1933)

Nicht nur die Weltkriegstoten – etwa jeder Vierte von ca. 15000 Kriegsteilnehmern der Jugendbewegung kam im Krieg um –, auch die Kriegsheimkehrer trugen zu einer grundlegend verĂ€nderten Lage bei: Nur etwa die HĂ€lfte von ihnen schloss sich der Jugendbewegung ĂŒberhaupt wieder an. Davon waren die meisten durch ihre Kriegserfahrungen nachhaltig beeinflusst, eine Minderheit im Sinne des Pazifismus, viele andere dagegen – in Erinnerung an Fronterlebnisse und an die ĂŒberstandenen „Stahlgewitter“ – eher militaristisch.[39]

Der Kriegsausgang und die Novemberrevolution 1918 stellten die Jugendbewegung auch gesellschaftspolitisch vor eine völlig neue Ausgangssituation. Die dadurch angestoßenen Ausrichtungen bewirkten bis 1923 eine schleichende Auflösung der Freideutschen Jugend, in deren Zeichen das große Treffen auf dem Hohen Meißner 1913 gestanden hatte. Bei der ersten Nachkriegszusammenkunft zu Ostern 1919 in Jena zerfielen die Teilnehmer einerseits in AnhĂ€nger des Sozialismus und eines unorthodoxen Kommunismus; ihnen standen andererseits rechtskonservative Vertreter gegenĂŒber, die gegen den „Imperialismus“ der in Versailles tagenden SiegermĂ€chte Front machten.[40] Oft waren die Positionen in dieser Umbruchzeit bestimmten politischen Lagern nicht eindeutig zuzuordnen:

„Daß man rechts stand und links empfand, daß man links stand und «völkische» Ideale haben konnte, trug viel zur Vermischung aller Tendenzen bei. Aus ihr zogen die Kommunisten ebenso wie die ersten Nationalbolschewisten und Nazis erheblichen Gewinn.[41]“

Eine neue Vielfalt von Teilbewegungen und NeugrĂŒndungen war charakteristisch fĂŒr die frĂŒhen Jahre der Weimarer Republik, die aber im weiteren Verlauf auch die organisatorische Einbindung von PfadfinderbĂŒnden in die Jugendbewegung brachte. DemgegenĂŒber bildete die Arbeiterjugendbewegung stets einen eigenstĂ€ndigen Zweig unter den organisierten Jugendlichen.

Die Idee des Bundes

Als wesentliche Tendenz in der zweiten Phase der Jugendbewegung erwies sich die Abkehr von der weitgehend zweckfreien, individualisierten Romantik des Wandervogels hin zu einer allumfassenden Verpflichtung jedes einzelnen Mitglieds auf die Gruppe, der man sich diszipliniert unterwarf und mit der gemeinsam man sich dem Dienst an einer „großen Sache“ verschrieb. [42]

Wichtigstes geistiges Vorbild dieser Entwicklung war der Kreis um den Dichter Stefan George, der in seinem 1913/14 erschienenen Gedichtzyklus „Der Stern des Bundes“ auch den kĂŒnftigen SchlĂŒsselbegriff der Jugendbewegung verwendet hatte.[43] Bei dem George-Kreis handelte es sich um einen reinen MĂ€nnerbund – Stefan George verbarg die eigene homosexuelle Orientierung nicht –, der auch in seiner Ausgrenzung alles Weiblichen auf die BĂŒnde der Jugendbewegung in Ă€hnlicher Weise einwirkte wie die Schriften Hans BlĂŒhers und wie die Erlebnisse und Erinnerungsbilder soldatischer Kameradschaft aus dem Ersten Weltkrieg.[44]

„Man warf dem Alt-Wandervogel vor, er sei zum Poussierverein herabgesunken. Spaltungen, Trennungen, ZerwĂŒrfnisse ohne Zahl setzten ein. [
] Die Separation von den MĂ€dchen fĂŒhrte meines Erachtens zu einer ÜberschĂ€tzung und Mystifikation des Staates. Man wollte die Idee des ritterlichen Ordens neu beleben. Vom OrdensgefĂŒge aus sollte das StaatsgefĂŒge «erfaßt» werden.[45]“

Die zum BĂŒndischen treibende Kraft auf Pfadfinderseite waren die Neupfadfinder unter FĂŒhrung des Berliner Theologen Martin Voelkel. Gerade bei ihnen wurden Ritter, Burg, Grals-Idee, Kampf und Gefolgschaft wichtige Leitbegriffe:

„Edle Leiber und todgetreue Seelen, den schmutzigsten Winkel mit Schönheit erleuchtend und gebildet genug, um jeden Platz auszufĂŒllen; in Kameradschaft verwachsen mit dem Volk, und zugleich hinreißende FĂŒhrergestalten; stolz im Schmucke des Sturmhelms, und demĂŒtig mit Helm ab zum Gebet. Hier hebt sich das neue Bild empor. [
] Und aus den Tiefen der WĂ€lder hebt ein junges Geschlecht glĂ€ubige Augen zu diesem Gestirn, denn der Kompaß in seiner Brust weist ihm den Weg zu solchem vollen und heldischen Menschentum. Das ist der weiße Ritter, der nun wieder aufbricht, die Welt zu erlösen durch sein Reich.[46]“

Voelkel propagierte die Verzichtbarkeit von GelĂŒbden und Programmen: „Im Herzen tragen wir das Bundeszeichen, das uns untrĂŒglich unsere Richtung weist; und von den Lippen tönt der glĂ€ubige Schlachtruf: «Es lebe das neue Reich!»“[47] Weniger heldisch und sendungsbewusst, stattdessen nĂŒchtern-selbstbewusst prĂ€sentierte Ernst Buske, Altwandervogel und nachmaliger BundesfĂŒhrer der Deutschen Freischar, sein Leitbild:

„Nur das, was die Menschen in eigentĂŒmlicher Weise geistig miteinander verbindet, d. h. die im Erkennen und Wissen, in der Weltanschauung, im religiösen, im kĂŒnstlerischen und im moralischen FĂŒhlen und Denken sich abspielenden geistigen Wechselwirkungen, kurz die gesamten Kulturbeziehungen machen das Wesen der Volksgemeinschaft aus. Volk heißt somit Kulturgemeinschaft, und Rasse, Raum, Sprache, Staat sind lediglich als Bedingungen des kulturellen Vergemeinschaftungsprozesses von Bedeutung. [
] Als notwendige ErgĂ€nzung dieser völkisch-kulturellen Bindung muß die Menschheitsidee erscheinen. Denn die Nation ist uns nicht das Maß aller Dinge. Über alle nationalen Schranken hinweg gilt das Sittengesetz, gelten die Moralgebote in gleicher Weise fĂŒr alle Menschen als sittliche Wesen. Daraus folgt, daß von sich aus kein Volk dem anderen ĂŒbergeordnet ist, daß die Idee des Rechts ĂŒber und zwischen den Völkern gelten soll. [
] So ist uns das Volk nur ein besonderer Ausdruck der Menschheit.[48]“

Ein breites Spektrum von NeuanfÀngen

BauhĂŒtte des Nerother Wandervogels auf Burg Waldeck (1966)

Die nachlassende Bindekraft der Freideutschen Jugend fĂŒhrte zu NeugrĂŒndungen verschiedenster Art. Als Abspaltung vom Alt-Wandervogel wurde von Robert Oelbermann und seinem Zwillingsbruder Karl zum Jahreswechsel 1919/20 in einer Basalthöhle bei Neroth in der Eifel der „Geheimbund der Nerommen“ mit anfĂ€nglich acht Mitgliedern gegrĂŒndet. Ihnen schien die frĂŒhere Wandervogel-Kultur durch wilde Wandergruppen aus GroßstĂ€dten verdorben: „Mit Gitarren, Mandolinen und grölenden Liedern strolchten die wilden Haufen mit ihren MĂ€dchen durch die WĂ€lder. Der Name Wandervogel war unter das Fußvolk geraten und wurde erbarmungslos von den so genannten «wilden Horden» zertreten.“[49]

Dem wurde nun ein reiner Jungen- und MĂ€nnerbund entgegengesetzt, der spĂ€ter unter dem Namen Nerother Wandervogel, Deutscher Ritterbund bekannt wurde und auf die Jugendbewegung so stilbildend einwirkte, dass noch 1933 maßgebliche NS-FĂŒhrer wie Göring und Goebbels meinten, mit der Überwindung des Nerother Wandervogels ein wesentliches Element der Jugendbewegung aushebeln zu können.[50] Ihren Sitz errichteten die Nerommen auf der fĂŒr die eigenen Zwecke hergerichteten Ruine von Burg Waldeck im Baybachtal im HunsrĂŒck. Finanziert wurden die Instandsetzungsmaßnahmen und die Unterhaltskosten fĂŒr die Bug zum Teil mit DiavortrĂ€gen, die die Ordensmitglieder als Erlebnisberichte von ihren Großfahrten gestalteten.[51] Von diesen Fahrten berichtet Werner Helwig, seinerzeit unter dem Namen „Hussa“ Waldecker Burgpoet:

„Da Singen eine unserer stehenden Eigenschaften war, und nicht einmal unsere schlechteste, machten wir die Tugend zur Not, das heißt, wir verdienten uns Geld mit dem, was uns am Herzen lag. In den Radiostudios vieler StĂ€dte und LĂ€nder bewegten wir uns bald als gewohnte GĂ€ste, und die KonzertsĂ€le widerhallten vom Applaus, wenn wir die Schlußkurve von «Berge, Ströme, WĂ€lder» mit bewußter Akribie zum Stoppen gebracht hatten. So kamen wir nach Indien, so kamen wir nach Amerika. Wir verachteten den Fußmarsch nicht und die menschenlose Landschaft, aber wir verachteten auch die Autostraße nicht und die modernen Verkehrsmittel. In der WĂŒste oder zur See, trampend oder mit bezahltem Fahrschein: uns blieb nichts fremd. Wir kennen die Kontinente, wir kennen die Inseln, wir kennen die Himmel ĂŒber allen Gebieten.[52]“

Eine andere markante Erscheinung in der FrĂŒhzeit der BĂŒndischen Jugendbewegung, die im Gegensatz zum noch heute existierenden Nerother Wandervogel jedoch nur eine kurze, wenn auch höchst intensive Wirkung entfaltete, war die „Neue Schar“ unter FĂŒhrung von Friedrich Muck-Lamberty. Direkt vom großen Wiedersehenstreffen der aus dem Krieg heimgekehrten Wandervögel zu Pfingsten 1920 in Kronach machte sich der Drechsler Muck-Lamberty mit ca. 30 AnhĂ€ngern beiderlei Geschlechts auf einen Zug durch ThĂŒringen, der ĂŒber Coburg, Jena und Weimar nach Eisenach fĂŒhrte. Die Mitglieder der Gruppe teilten ihren gesamten Besitz, ernĂ€hrten sich vegetarisch und mieden Alkohol. Auf MarktplĂ€tzen und in Kirchen predigte Lamberty innere Einkehr und das Erwachen zum Leben und erzeugte mit seiner Schar eine von Singen, Tanzen und Schwingen erfĂŒllte AtmosphĂ€re, die magnetische Wirkung entfaltete.[53]

„Zu den angekĂŒndigten TĂ€nzen kamen Neugierige, Kritische, zumeist aber jugendliche Begeisterte. Das sichere Auftreten der Schar zog immer mehr Menschen in den Kreis. Jeder wurde mit «Du» angeredet. Diese TĂ€nze hatten eine unglaubliche Wirkung. Auch die zunĂ€chst Widerstrebenden wurden mit in den Strudel gerissen, es war, als sei die Zeit der Flagellanten und der kultischen TĂ€nze wiedergekehrt. Alles, ob katholische Waisenkinder, ob evangelische Jungfrauenvereine, ob Erwachsene, ob Halbstarke, ob Proletarier oder Adlige – alles wurde von der Tanzwut ergriffen, sogar leibhaftige Prinzessinnen sollen mitgemacht haben. Und zog die Schar weiter, wurde sie von vielen Begeisterten noch kilometerweit begleitet.[54]“

Der Triumphzug erstreckte sich bis in den Herbst 1920 und hĂ€tte im FrĂŒhjahr 1921 fortgesetzt werden sollen. FĂŒr die kalte Jahreszeit zog sich die Neue Schar auf die Leuchtenburg zurĂŒck, wo eine Drechslerei eingerichtet wurde. Als aber nach draußen drang, dass Muck-Lamberty mehrere weibliche Mitglieder seiner Gruppe geschwĂ€ngert hatte, war der Ruf der neuen Schar in der Öffentlichkeit ruiniert. Sie musste die Leuchtenburg verlassen, blieb aber beieinander und grĂŒndete unter Mucks FĂŒhrung in Naumburg eine eintrĂ€gliche neue Drechslerwerkstatt.

Von herrenlosen Burgen zu Jugendherbergen

Burg Ludwigstein, GedenkstĂ€tte fĂŒr die im Ersten Weltkrieg gefallenen Wandevögel. Heute Jugendherberge und Archiv der deutschen Jugendbewegung

Wie Burg Waldeck fĂŒr den Nerother Wandervogel zum wichtigsten ĂŒberdauernden Gemeinschaftsanliegen wurde und die Leuchtenburg zum auserwĂ€hlten Winterquartier der Neuen Schar, so gab es auch andernorts zahlreiche Ă€hnliche AktivitĂ€ten, die darauf zielten, den Jugendlichen in Landheimen, speziellen UnterkĂŒnften oder eben auf ungenutzten Ritterburgen (Jugendburg) einen Ort fĂŒr ihre ZusammenkĂŒnfte und Übernachtungsquartiere fĂŒr ihre Fahrten zu verschaffen. Wesentlich daran beteiligt war das Jugendherbergswerk, dem es nach Helwig gelang, „eine stattliche Reihe von hochtönenden Burgnamen“ dem Vergessen zu entreißen. „Vielleicht lebte in den BĂŒndischen mit ihren Ordensgliederungen, ihren Kreuzritter- und BurgentrĂ€umen etwas wieder auf vom Geist des 12. Jahrhunderts, nĂ€mlich, ins Romantische transportiert, das Bestreben, Vorposten zu bilden im gesellschaftlichen Ödland der Gegenwart, um es im Sinne ihrer Weltsicht schließlich zu erobern und zu durchsetzen
“[55]

Von besonderer Bedeutung auf lange Sicht wurde fĂŒr die gesamte Jugendbewegung Burg Ludwigstein. Bereits vor dem Freideutschen Jugendtag auf dem Hohen Meißner 1913 waren die in der NĂ€he beiderseits der Werra gelegenen Burgen Hanstein und Ludwigstein beliebte Wandervogel-Ziele. 1908 bereits war der Wandervogel Enno Narten auf einer geologischen Exkursion zum Hanstein von seinem Hochschullehrer auf Burg Ludwigstein als ein speziell fĂŒr ihn interessantes Objekt hingewiesen worden. Von dem Gedanken einer Nutzung fĂŒr den Wandervogel ließ Narten in den Folgejahren nicht mehr ab. Mit Kameraden beschloss er an der Kriegsfront 1914, die Burg spĂ€ter zum Gedenkort fĂŒr die gefallenen Wandervögel auszubauen. Nach Kriegsende machte Narten sich an die Umsetzung des Plans und verhandelte mit der zustĂ€ndigen Kasseler Regierung, die aber den Nachweis hinreichender Mittel fĂŒr Erwerb und Instandsetzung der Burg verlangte:

„Mir wurde schwarz vor Augen – Geldmittel? Ich war Stipendien empfangender Student, verlobt mit einer Lehramtskandidatin mit neunzig Mark Monatsgehalt. Aber mir kam eine Erleuchtung: Ich verfasste einen «Aufruf zum Erwerb des Ludwigstein», richtete mit Hilfe des «Vermögens» meiner Braut ein Postscheckkonto ein, ließ den Aufruf drucken, und wir beide schrieben tage- und nĂ€chtelang BriefumschlĂ€ge zum Verschicken des Aufrufs.[56]“

Der Spendenaufruf war sehr erfolgreich, sodass der Kauf getĂ€tigt werden konnte und der UnterstĂŒtzerverein nach Nartens Angaben bald auf ĂŒber 1000 Mitglieder anwuchs. Wer die Burg besuchte, musste zunĂ€chst mindestens zwei Stunden Aufbaudienst leisten. Das spĂ€ter auf der Burg eingerichtete Archiv der Jugendbewegung verfiel schließlich wie die Burg selbst der nationalsozialistischen Beschlagnahme. Nach dem Zweiten Weltkrieg, bis 1990 unmittelbar an der deutsch-deutschen Zonen- und Staatsgrenze gelegen, wurde Burg Ludwigstein Jugendherberge und JugendbildungsstĂ€tte. Heute befindet sich dort auch wieder – als Bestandteil des hessischen Staatsarchivs – das zentrale Archiv der deutschen Jugendbewegung.[57]

Mit Pfadfindern im Bunde: die Deutsche Freischar

Waren die verschiedenen Organisationszweige de Jugendbewegung bis zum Ende des Ersten Weltkriegs noch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gut zu ĂŒberblicken, so gilt das fĂŒr das gute Dutzend grĂ¶ĂŸerer und die zahllosen kleineren BĂŒnde in den zwanziger und frĂŒhen dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Sie alle hatten eigene Zeitschriften oder Informationsbriefe, eigene Lager und Fahnen sowie besondere Kleidungsmerkmale. „Selbst Experten war es schwierig, etwa zwischen dem Deutschwandervogel und dem Wandervogel deutscher Bund oder zwischen der Ringgemeinschaft und der Reichsschaft der Pfadfinder zu unterscheiden.“[58]

Als grĂ¶ĂŸter und meistbeachteter dieser BĂŒnde entstand im Zusammenschluss vor allem von Altwandervögeln und Neupfadfindern 1926 der „Bund der Wandervögel und Pfadfinder“, die nachmalige Deutsche Freischar mit zehn- bis zwölftausend Mitgliedern, davon 15% MĂ€dchen.[59]

Robert Baden-Powell, der im Zweiten Burenkrieg auf britischer Seite „KnabenspĂ€her“ eingesetzt hatte und daraus ein Ausbildungskonzept fĂŒr jugendliche Boy Scouts entwickelt hatte, war der BegrĂŒnder der Pfadfinderbewegung. Mit seiner Schrift Scouting for Boys schuf er 1907 die Basis fĂŒr eine weltweite Verbreitung seiner Ideen. GegenĂŒber der Wandervogelbewegung dominierte hier zunĂ€chst eine militĂ€rische Ausrichtung, die sich in AktivitĂ€ten, Übungen und GelĂ€ndespielen zeigte und zudem in einer differenzierten RangstufenĂŒber- und Unterordnung. Der Erste Weltkrieg fĂŒhrte Feldwandervögel und Pfadfindersoldaten an der Front zusammen, was die nachfolgende organisatorische AnnĂ€herung begĂŒnstigte.[60]

1920 spalteten sich die Neupfadfinder vom Deutschen Pfadfinderbund ab, 1922 die Ringpfadfinder. Auch die deutsche Pfadfinderbewegung nahm fortan eine bĂŒndische Vielgestaltigkeit an. Im Gegensatz zu den beiden genannten Abspaltungen wahrte der Deutsche Pfadfinderbund die EigenstĂ€ndigkeit gegenĂŒber der Deutschen Freischar, zu der man die Unterhaltung „eines Freundschafts- und VertrauensverhĂ€ltnisses“ fĂŒr ausreichend ansah.[61]

Zur unumstrittenen FĂŒhrungsautoritĂ€t der Freischar wurde der allseits geschĂ€tzte Altwandervogel Ernst Buske. Trotz seiner Einarmigkeit strahlte er Selbstbewusstsein, Ruhe und Humor in seinem Wirken aus. Unter seiner Ägide prĂ€sentierte sich die Deutsche Freischar als einer der wenigen vergleichsweise liberal und prodemokratisch eingestellten BĂŒnde der 20er Jahre, der sich darum von anderer Seite dem Vorwurf „nationaler WĂŒrdelosigkeit“ ausgesetzt sah. FĂŒr Toleranz und Offenheit stand z.B. das von Freischar-Mitgliedern in Schlesien gegrĂŒndete „Boberhaus“, das als „Volksschulheim“ schwerpunktmĂ€ĂŸig Kurse zu sozialen und kulturellen Anforderungen des Grenzlandes anbot und um politische, konfessionelle und berufsstĂ€ndische NeutralitĂ€t bemĂŒht war. Zur Programmatik gehörte auch die Förderung von Begegnungen und des Zusammenfindens verschiedener Generationen.[62]

Ein Zweig fĂŒr sich: die Arbeiterjugend

Die grĂ¶ĂŸten, mitgliederstĂ€rksten BĂŒnde der Weimarer Republik waren nach Laqueur nicht die der Jugendbewegung, sondern großteils rechtsgerichtete paramilitĂ€rische Organisationen mit soldatischer Ausrichtung.[63] Daneben und als deren Gegenspieler existierte außerdem die organisierte Arbeiterjugend. Ihre von polizeilichem Misstrauen begleiteten AnfĂ€nge – weder Frauen noch SchĂŒler oder Lehrlinge durften seinerzeit politischen Vereinigungen angehören – gingen mit den frĂŒhen Wandervogeljahren parallel.

Auslösendes Ereignis war 1904 der Fall eines im Berliner Grunewald erhĂ€ngt aufgefundenen Schlosserlehrlings, der gemĂ€ĂŸ damals noch gĂŒltiger preußischer Gewerbeordnung der „vĂ€terlichen Erziehungsgewalt“ seines Meisters unterstand und Merkmale fortgesetzter körperlicher Misshandlung aufwies. Gegen solche Lehrlingsschinderei wurde 1904 der „Verein Lehrlinge und jugendliche Arbeiter Berlins“ zur Wahrung der „wirtschaftlichen, rechtlichen und geistigen Interesssen“ der arbeitenden Jugend gegrĂŒndet.[64] Außerhalb Preußens herrschte zum Teil ein liberaleres politisches Klima, sodass der 1906 als Dachorganisation gegrĂŒndete „Verband junger Arbeiter Deutschlands“ das Ziel propagieren konnte, die Jugendlichen in die Gedankenwelt des Sozialismus einzufĂŒhren und sie fĂŒr den „Befreiungskampf der Arbeiter“ vorzubereiten.

„Wenn sich die jungen Arbeiter (und Arbeiterinnen) zu Gruppen zusammenschlossen, hatte das nicht den introvertierten Charakter der Wandervogelgruppen. Nicht nach innen gerichtete WĂ€rme und Hochstimmung war das Ziel – dem Proletarier ging es um die Wirkung nach außen. Die Gruppe trat solidarisch auf, sie erreichte durch ihre Geschlossenheit mehr, als der Einzelne jemals fĂŒr sich allein erstreiten konnte.[65]“

Auch zu den JugendbĂŒnden der Weimarer Zeit, die je gemeinsame Leitbilder verfolgten, blieb dieser Unterschied im Wesentlichen bestehen: FĂŒr die 1922 gegrĂŒndete Sozialistische Arbeiterjugend Deutschlands dominierten weiterhin die sie unmittelbar interessierenden praktischen Fragen von Freizeitregelungen, Urlaub und Reformen der Berufsbildung. Zwar wurden in Auseinandersetzung mit dem sozialdemokratischen Parteiapparat von jungen Sozialisten auch Impulse der bĂŒndischen Jugendbewegung aufgenommen; dagegen betrieben die etablierten Parteigenossen aber eine erfolgreiche Blockadepolitik. Gar keinen eigenen Spielraum besaßen seit 1921 die Mitglieder des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands, die auf dem damaligen zweiten Weltkongress der Jugend-Internationale in Moskau den kommunistischen Parteien direkt unterstellt wurden.[66]

Tusks Aufbruch und Abschied – dem Ende der BĂŒnde entgegen

Tusk (Eberhard Koebel) in der von ihm entworfenen Jungenschaftsjacke (um 1930)

Seit ihren AnfĂ€ngen und auch in der bĂŒndischen Zeit war die Jugendbewegung in ihren zahlreichen Verzweigungen wesentlich geprĂ€gt von den FĂŒhrungspersönlichkeiten, die die jeweiligen Gruppierungen grĂŒndeten und ihre Ausrichtung bestimmten oder als Nachfolger anderer an deren Spitze gelangten. Der frĂŒhe Tod Ernst Buskes, der 1930 mit 35 Jahren an einer Infektion plötzlich verstarb, wurde darum von Tausenden Mitgliedern der Deutschen Freischar als einschneidender Verlust empfunden. Er traf nach Helwig gerade jenen bedeutenden Teil der bĂŒndischen Jugendbewegung, der sich unter Buske als Widerlager „gegen ideologische und massengesellschaftliche Infiltration“ stabil gezeigt hatte.[67]

Ein kritischer Bewunderer Buskes, der innerhalb der Deutschen Freischar mit seiner schwĂ€bischen Gruppierung bereits zu Buskes Zeiten Aufsehen erregt hatte, war der Stuttgarter Eberhard Koebel, der unter seinem skandinavischen Leihnamen „tusk“ (Deutscher) firmierte. Tusk trat mit dem Anspruch auf, der Jugendbewegung neuen Schwung zu verleihen, und entwickelte auf verschiedenen Feldern beachtliche KreativitĂ€t, die ĂŒber seinen eigenen Wirkungsbereich hinaus ausstrahlte. Ein von ihm ausgehender Impuls war beispielsweise der Entwurf der Jungenschaftsjacke. Sein „Fahrtbericht 29“ von der Lapplandfahrt mit seiner Stuttgarter Jungengruppe, der 1930 im Voggenreiter Verlag erschien, wies ihn als vorzĂŒglichen Kenner von Brauchtum und Sprache der Lappen aus. Werner Helwig zollte tusks Leistungen und Rolle in jener Phase der Jugendbewegung großen Respekt.[68]

„Das Schönste, was du der Jugendbewegung schenktest, war die neuartige UnabhĂ€ngigkeit von Haus und Bleibe. Du hattest in Lappland das Prinzip des heizbaren Zeltes kennengelernt und ĂŒbertrugst es nun mit deutscher GrĂŒndlichkeit auf den Zuschnitt der Zeltbahnen. Mit dem von dir erfundenen GehĂ€use, auf lappisch Kohte genannt, ist jede noch so menschenverlassene Landschaft erschließbar, jede Hochgebirgseinsamkeit erlebbar. Schneegrenze gilt nicht mehr. Man kann sogar auf Eis ĂŒbernachten, wenn nur genĂŒgend Holz aufzutreiben ist, um das Lagerfeuer im Zentrum der Kohte nicht ausgehen zu lassen.[69]“

Neuerer war tusk aber z.B. auch bei der Verwendung der Kleinschreibung an besonders markanter Stelle. So sorgte er dafĂŒr nicht nur bei seinem eigenen Wahlnamen, sondern auch bei denen seiner GruppengefĂ€hrten. Am 1. November 1929 grĂŒndete er als einen verschworenen Sonderverband die „dj.1.11“ (dj fĂŒr Deutsche Jungenschaft, dazu das GrĂŒndungsdatum). Die Gestaltung bĂŒndischer Zeitschriften nahm unter tusks Einfluss, der ein begabter Zeichner war und sich fĂŒr das Layout der Zeitschrift „Lagerfeuer“ an der Bauhaus-Schule orientierte, modernere Formen an.[70] GegenĂŒber Buske beanspruchte tusk die Schriftleitung der Freischar-FĂŒhrerzeitschrift, die der ihm aber ebenso versagte wie die erhoffte Leitung aller sĂŒdlichen Gaue der Deutschen Freischar.[71]

Nach Buskes Tod setzte tusk gegenĂŒber der neuen BundesfĂŒhrung seinen Kampf um mehr eigenen Einfluss so energisch fort, dass er schließlich ausgeschlossen wurde und mit seiner Jungenschaft die Freischar verließ. Die dj.1.11 blieb aber auch danach ein tonangebender Teil der bĂŒndischen Jugend, wie aus HJ-internen Äußerungen noch nach der NS-MachtĂŒbernahme 1933 hervorgeht, wonach „die BĂŒnde alle direkt oder indirekt von Eberhard Koebel, dem FĂŒhrer der ‚D.J.1.11’ beeinflusst“ seien. [72]

Tusk selbst gab die Leitung seines Bundes jedoch 1932 ab, als er demonstrativ am 20. April (“FĂŒhrers“ Geburtstag) der Kommunistischen Partei beitrat und den politischen Kampf nunmehr zu seinem Hauptanliegen erklĂ€rte.[73] Nach der NS-Machtergreifung verfolgten tusk und Helwig vorĂŒbergehend beide das Ziel, ganze jugendbĂŒndische Gruppen in die Hitlerjugend zu ĂŒberfĂŒhren, um bei passender Gelegenheit zum Gegenstoß im Sinne der eigenen Vorstellungen auszuholen.[74] Das kommentiert Laqueur skeptisch:

„Tusks Haltung im Jahre 1933 war widersprĂŒchlich, selbst wenn man alle ZweifelsfĂ€lle zu seinen Gunsten auslegt. Er schrieb weiterhin fĂŒr die Jugendzeitschrift, die er gegrĂŒndet hatte, den «Eisbrecher», und er gab ein neues kulturpolitisches Organ heraus, «Die Kiefer», die sich stark mit fernöstlicher Kultur und Religion beschĂ€ftigte, insbesondere mit dem Zenbuddhismus. Alles in allem eine sehr sonderbare Fortsetzung seiner kurz zuvor verkĂŒndeten Konversion zur marxistisch-leninistischen Weltanschauung.[75]“

Nach seiner Verhaftung durch die Gestapo im Januar 1934 unternahm tusk zwei Selbstmordversuche und wurde erst entlassen, nachdem er eine Verpflichtung unterschrieben hatte, sich kĂŒnftig weder politisch noch in der Jugendarbeit zu betĂ€tigen. Mit seiner Frau emigrierte er im Juni 1934 ĂŒber Schweden nach England.[76]

Aufgehen in der Hitlerjugend und Schattendasein im Untergrund (1933–1945)

Die eigenstĂ€ndigen BĂŒnde als Bestandteil des NS-Feindbilds

FĂŒr die politische Haltung der bĂŒndischen Jugendbewegung zum Machtstreben der Nationalsozialisten in der Endphase der Weimarer Republik zeichnete Werner Kindt 1932 ein vielschichtiges zeitgenössisches Bild aus der Perspektive des in der Jugendbewegung Verwurzelten.[77] Nach der Reichstagswahl 1930, die der NSDAP einen enormen Stimmenzuwachs und 107 Abgeordnetensitze eingetragen hatte, kam es unter den Mitgliedern der BĂŒnde zu einem auffĂ€lligen Politisierungsschub, „und im Jahre 1931 konnte ohne Übertreibung behauptet werden, daß die Jungmannschaft fast der gesamten bĂŒndischen und evangelischen Jugend aller Richtungen zu großen Teilen entweder der NSDAP und ihren Jugend- und Kampfgruppen angehörte oder doch mindestens auch ohne direkte Erwerbung des Parteibuches «sehr nahe stand».“[78]

Innerhalb der BĂŒnde fĂŒhrte dies jedoch zu Konflikten, sodass die jeweiligen BundesfĂŒhrungen Parteimitgliedern mit Ausschlussverfahren drohten und die örtlichen Verantwortlichen auf diese Linie einschworen. In den BlĂ€ttern der bĂŒndischen und evangelischen Jugend wurde nun ein deutlicher Abgrenzungskurs gegenĂŒber parteipolitischen Kampf- und Werbemethoden speziell der NSDAP verfolgt. In einem Sonderheft des Deutschen Pfadfinderbundes wurde 1932 Stellung bezogen gegen die Forderung der Hitlerjugend auf Eingliederung:

„Bei der Arbeit mit den heranwachsenden Jugendlichen scheint uns nichts verkehrter als eine einseitige, womöglich parteibetonte Beeinflussung – >Erziehung< – der Jugend. Im Gegenteil, wir glauben, dass man gerade in dem Alter viel mehr an den GegensĂ€tzen lernt (ich glaube, jeder von uns wollte mal in den Roten FrontkĂ€mpferbund!), und nur, wenn man das Ganze sieht, kann man sich fĂŒr eine Seite entscheiden. Nicht das, was man gelehrt bekommt, ist maßgebend fĂŒr die Haltung des bĂŒndischen Menschen, sondern nur die aus eigener Erfahrung, aus eigenem Denken stammende Überzeugung.[79]“

Als Gegenbeispiel diente Kindt eine FĂŒhrerin des evangelischen Neulandbunds, die in der Bundeszeitschrift „Neuland“ eine Hymne auf die nationalsozialistische Bewegung anstimmte:

„Wie haben wir Frauen immer dagestanden und um uns geschaut, ob sich denn die MĂ€nner diese Schlammflut von Ehrlosigkeit, Niedrigkeit, Gier, Selbstsucht und Klassenhaß gefallen ließen. [
] Und dann haben wir es mit Erschaudern gefĂŒhlt, daß das Gotteswunder geschah, und daß wirklich ein Retter aufstand, der es vermochte, die Seele des Volkes zu wecken. Da haben wir uns jubelnd dem großen «Deutschland erwache» angeschlossen und haben gewusst: hier schreitet Gott durch die Weltgeschichte, hier erweckt er selbst sich das Werkzeug![80]“

Das Bild der JugendbĂŒnde, die mit den in Extremismus und StraßenkĂ€mpfe ausartenden parteipolitischen GegensĂ€tzen konfrontiert waren, wird in Kindts Darstellung abgerundet durch etwa ein Dutzend kleinerer bĂŒndischer Gruppen mit nationalbolschewistischer Tendenz, bei denen teilweise organisatorische Verbindungen zur KPD bestanden. Auch sie hatten je ihre eigene Zeitschrift, worin BeitrĂ€ge wie der folgende zu finden waren:

„Aus der Tatsache, daß die NSDAP immer mehr Schutztruppe des deutschen BesitzbĂŒrgertums geworden ist, und der Westorientierung ihrer Außenpolitik aber ergibt sich die Unmöglichkeit fĂŒr die nationalsozialistische Partei, die nationale und soziale Befreiung der deutschen Nation wirklich durchzufĂŒhren. [
] Sie kann nur durchgefĂŒhrt werden in Anlehnung an die einzige Weltmacht, die außerhalb des Versailler Systems steht, nĂ€mlich die Sowjet-Union.[81]“

Von den ĂŒber 100 BĂŒnden mit rund 100.000 Mitgliedern in der Endphase der Weimarer Republik stellten die Artamanen mit ihrer deutlichen Hinwendung zum Nationalsozialismus eher die Ausnahme dar. Allen gegenĂŒber aber galt, was im Mai 1933 im HJ-FĂŒhrerblatt stand:

„Wir haben an den GrĂ€bern unserer ermordeten Kameraden gelobt, dass wir mit dem brutalsten Einsatz die Reinheit des Nationalsozialismus gewĂ€hrleisten wollen! Wir proklamieren rĂŒcksichtslosen Kampf gegen die BĂŒnde. [
]. Das Menschenmaterial der BĂŒnde soll damit nicht getroffen werden. Aber das Sondertum der BĂŒnde. Der gespreizte DĂŒnkel ihrer FĂŒhrerklĂŒngel. Die ekelerregende Frechheit, ĂŒber Hintertreppen zur Einflussnahme in der Jugendgestaltung kommen zu wollen. Seid [
] ĂŒberzeugt: die BĂŒnde werden ausgerottet! Sie haben keine Daseinsberechtigung! Allein die Hitlerjugend ist «die neue Idee in der neuen Gestalt».[82]“

Als unbelehrbar sentimental und einer Mondscheinromantik verfallen, völlig ungeeignet fĂŒr anstehende KĂ€mpfe, wurden die JugendbĂŒnde in den Kreisen der Hitlerjugend verĂ€chtlich gemacht. Der nachmalige „ReichsjugendfĂŒhrer“ Baldur von Schirach hatte bereits 1931 geĂ€ußert, dass in der Jugendbewegung „feige und egoistische Menschen“ erzogen wĂŒrden, die „Hirngespinste“ jagten.[83] Zu den Aufgaben der Hitlerjugend gehörte es in jener Zeit, durch Paraden in den Straßen der GroßstĂ€dte Eindruck zu machen und in bewaffneten StraßenkĂ€mpfen Gegner zu attackieren. WĂ€hrend bei den BĂŒndischen die Mehrzahl der Mitglieder die höhere Schule besuchte, waren es unter den HJ-Angehörigen nur 12 Prozent. Unmut gegenĂŒber einer gönnerhaften Arroganz der Gebildeteren, die sich angeblich die Finger nicht schmutzig machen wollten, wurde in der HJ stĂ€ndig geschĂŒrt.[84]

Auflösung und Zwangseingliederung in die HJ

Lager des Großdeutschen Bunds im Grunewald bei Berlin (1933)

Unter dem Eindruck der auch bereits mit Terrormaßnahmen gegen politisch-weltanschauliche Gegner verbundenen ersten Schritte der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde im MĂ€rz 1933 durch Zusammenschluss der Deutschen Freischar mit verschiedenen anderen BĂŒnden der mehr als 70.000 Mitglieder umfassende „Großdeutsche Jungenbund“ gegrĂŒndet. Zum BundesfĂŒhrer auf Lebenszeit machte man den 70-jĂ€hrigen Admiral Adolf von Trotha, einen Freund des ReichsprĂ€sidenten Paul von Hindenburg, bei dem man UnterstĂŒtzung fĂŒr die Selbstbehauptung gegenĂŒber der Hitlerjugend (HJ) suchte.

Alle unterschiedlichen AnsĂ€tze und BemĂŒhungen seitens der JugendbĂŒnde, die eigene Fortexistenz nach der NS-MachtĂŒbernahme zu sichern, waren zum Scheitern verurteilt. Mit einer doppelgleisigen Strategie gelang es den neuen Machthabern im Zuge der von ihnen inszenierten „nationalen Erhebung“, den BĂŒnden einerseits mit Schikanen, PrĂŒgeleien und Beschlagnahmung ihrer Materialien zuzusetzen und andererseits durch gezielte Abwerbung und Eingliederung bĂŒndischer FĂŒhrer große Teile der Jugendbewegung in die eigenen Reihen zu ĂŒberfĂŒhren.[85]

So war auch dem Großdeutschen Jungenbund unter der FĂŒhrung des Admirals von Trotha nur mehr eine kurze, unwĂŒrdige Existenz beschieden. Am 15. April 1933 bekannte sich dessen FĂŒhrung (das „Bundeskapitel“) zu Adolf Hitler und „zu seinem Kampf fĂŒr den Aufbau Deutschlands“ und bekundete den Willen, „die bĂŒndischen KrĂ€fte der deutschen Jugend der nationalsozialistischen Bewegung einzuordnen.“[86] Entsprechende Zeichen wurden umgehend gesetzt: „Noch ehe der Mai vergangen war, marschierte der Großdeutsche Jungenbund bereits unter der Hakenkreuzfahne zu seinem Gautreffen im Berliner Grunewald.“[87] Die unverhohlene Anbiederung war vergebens und verfehlte das Ziel, einen eigenen bĂŒndischen Gestaltungsspielraum zu bewahren. Mit seiner Ernennung zum „ReichsjugendfĂŒhrer des deutschen Volkes“ am 17. Juni 1933 erließ von Schirach das Verbot des Großdeutschen Jungenbundes samt allen ihm angeschlossenen BĂŒnden. Von Trotha protestierte erfolglos beim ReichsprĂ€sidenten Hindenburg und befahl daraufhin am 28. Juni allen Jungen und MĂ€dchen des Bundes, in die Hitlerjugend einzutreten. Die meisten gehorchten. [88]

Andere Teile der bĂŒndischen Jugendbewegung kamen dem Verbot der „ReichsjugendfĂŒhrung“ durch Selbstauflösung zuvor. Als Folge davon gingen die Mitglieder dann ihre je eigenen Wege, oder man suchte das Gemeinschaftsleben in der IllegalitĂ€t aufrechtzuerhalten. Mitunter traten ganze Gruppen geschlossen in die HJ ein, und in einer Übergangsphase wurde dies auch von örtlichen HJ-Gauleitern begĂŒnstigt. Doch auch die zunĂ€chst von der HJ noch teils umworbenen bĂŒndischen FĂŒhrer, deren OrganisationsfĂ€higkeiten bei Lagern und Fahrten nĂŒtzlich waren, hatten ausgedient, als ab 1935 genĂŒgend HJ-FĂŒhrernachwuchs zur VerfĂŒgung stand.[89]

Laqueur lastet der Jugendbewegung im Ganzen eher UnterlassungssĂŒnden als aktives Handeln bei der Entstehung des NS-Regimes an:

„Ihr politischer Einfluß war allzu gering, als dass er auf den Lauf der Geschichte entscheidend hĂ€tte einwirken können. Aber sie tat weniger, als sie hĂ€tte tun können, um ein Ethos der persönlichen politischen Verantwortung zu schaffen. WĂ€hrend einige ihrer FĂŒhrer geistige Schrittmacher des Nationalsozialismus waren und eine kleine Schar ihm aktiv Widerstand leistete, unternahm die Mehrheit in dieser wie in jener Hinsicht wenig.[90]“

Reste von Selbstbehauptung und Widerstand

Konfessionelle BĂŒnde konnten sich teils noch bis 1937/38 halten. Obwohl der Eingliederungsvorgang in die Hitlerjugend sich ansonsten oft mit Euphorie und großer Zustimmung vollzog, tauchen immer wieder Legenden von verbreiteten WiderstĂ€nden gegen diese Entwicklung auf. Lediglich einige wenige Gruppen insbesondere der Jungenschaftsbewegung und des Nerother Wandervogels bestanden sogar in der IllegalitĂ€t fort, von denen wiederum einige sich zu Widerstandsgruppen entwickelten, wie beispielsweise die Gruppe um Michael Jovy.

Zwar war bereits im Juni 1933 der Beschluss zur Selbstauflösung des Nerother Wandervogels gefallen; trotzdem kam es 1934 zu einem letzten Treffen verschiedener Untergruppierungen aus Darmstadt, Köln und Hamburg auf Burg Waldeck, wo Robert Oelbermann ohne RĂŒcksicht auf das NS-Spitzelwesen scharfe Angriffe gegen die „braunen Affenhorden“ richtete, die er mit baldiger Verhaftung und frĂŒhem Tod bezahlen musste.[91] Werner Helwig dagegen, der Waldecker Burgpoet, ließ sich in Frankfurt von der HJ zum Kulturberater ernennen, veranstaltete in dieser Funktion Kulturabende und war außerdem an der Organisation von Gruppentreffen getarnter Nerother-VerbĂ€nde aus Wiesbaden und Koblenz auf Burg Liebenstein beteiligt.[92]

Die Gestapo richtete unterdessen eine spezielle Unterabteilung zur gezielten Überwachung ehemaliger Jugendbewegter ein, konnte aber nicht verhindern, dass bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs illegale bĂŒndische Fahrten weiterhin stattfanden: „Auf allen Straßen Europas konnte man kleine GrĂŒppchen der BĂŒndischen finden, von Lappland bis Sizilien, obwohl es keine Devisen gab und strenge Grenzkontrollen bestanden und was der Hindernisse mehr waren.“[93]

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstanden neue Gruppen mit bĂŒndischem Anspruch, insbesondere im Rheinland, die aber meist keine Verbindung zur Jugendbewegung der Weimarer Zeit mehr hatten. Bekannteste Vertreter dieser Gruppen sind die Edelweißpiraten, die wiederum in sehr unterschiedlichen Formationen auftraten. Manche entwickelten mit Wanderungen und GesĂ€ngen Ă€hnliche AktivitĂ€ten wie die vormalige Jugendbewegung, andere gingen aus Straßenbanden hervor, schwĂ€nzten die Schule, prĂŒgelten sich mit Hitlerjungen. Ähnliche Gruppen existierten aber unter unterschiedlichen Namen in vielen GroßstĂ€dten des Deutschen Reiches. Auch diese Gruppen wurden unter dem Vorwurf der „bĂŒndischen Umtriebe“ von der Gestapo verfolgt.

Die Kleidung von Edelweißpiraten bestand oft aus karierten Hemden, Lederhosen und weißen Socken. Als Erkennungszeichen steckten sich manche ein Edelweiß an. Widerstand gegen das NS-Regime artikulierten sie hĂ€ufiger in FlugblĂ€ttern, vereinzelt in Sabotageakten. Diese Gruppen bestanden vorwiegend aus Arbeiterjugendlichen und hatten einen relativ hohen MĂ€dchenanteil.[94]

Kontakte zur Jugendbewegung gab es auch in der bekanntesten Widerstandsgruppe junger Leute gegen den NS-Staat im Zweiten Weltkrieg, in der Weißen Rose. Sowohl Willi Graf als auch Hans Scholl waren bereits 1937/38 einmal wegen „bĂŒndischer Umtriebe“ verhaftet worden, bevor sie spĂ€ter mit den FlugblĂ€ttern der Weißen Rose zu WiderstandskĂ€mpfern wurden.[95]

1945 bis heute

Umstritten ist, ob und inwiefern die Jugendbewegung und die bĂŒndische Jugend heute noch fortleben. WĂ€hrend Angehörige der Vorkriegsjugendbewegung und Historiker bis in die 1990er Jahre einen Schlusspunkt der Jugendbewegung in der Eingliederung der freien BĂŒnde in die Hitlerjugend in den Jahren 1933/34 sahen – oder spĂ€testens mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs –, betrachten sich die meisten Angehörigen der heutigen Gruppen als zeitgemĂ€ĂŸe Fortsetzung der historischen Jugendbewegung und bezeichnen sich als bĂŒndisch und/oder jugendbewegt. Der Nerother Wandervogel Werner Helwig gab in dem bilanzierenden Kapitel „Der Weg woher und der Weg wohin“ unter anderem folgende Standortbestimmung fĂŒr die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg:

„Himmel und Hölle auf der Landstraße gehören allein noch dem Auto an. Wege und Pfade, die in die Einsamkeit fĂŒhren, dem Moped. In fast jeder europĂ€ischen und nun allmĂ€hlich auch schon außereuropĂ€ischen «Natur» besteht Campingzwang. Zeltleben in den WĂ€ldern verboten. Lagerfeuer in den SĂŒmpfen: verboten. Burgen: siehe Restaurants. [
] Die Zeiten, da man von einem Heidebahnhof aus stundenlang durch Einsamkeit tippeln konnte, kommen nicht wieder. Alles ist allen gemeinsam. Wer mehr will, muß sich wie die KörperkulturbĂŒnde, hinter Palisaden zurĂŒckziehen. Dort wĂ€ren dann die Blauen Blumen und BlĂŒmchen tatsĂ€chlich im Treibhaus. Nehmen wir aber an, daß die Blaue Blume vielleicht auch Selbstbegegnung bedeuten will, dann ist sie im dichtesten Gewimmel der Großstadt ebenso sicher auffindbar wie in den KorkeichenwĂ€ldern von Korsika. Die Blaue Blume wĂ€re damit der Frage «frei» oder «organisiert» entzogen. Somit wĂ€re sie keine Treibhausangelegenheit, sondern Privatsache.[96]“

Neuere ForschungsansĂ€tze gehen von einem Fortbestehen der Jugendbewegung als subkulturellem Milieu aus, so will beispielsweise das Archiv der deutschen Jugendbewegung bis 2013 ein „Handbuch der Jugendbewegung“ erarbeiten, das den Zeitraum zwischen 1890 und 1990 umfassen, „die Linien der Jugendbewegungen des 20. Jahrhunderts (
) nachzeichne(n) (und) ein Kompendium der Personen, Gruppen und Organisationen enthalten“ soll.[97]

Die Ära der Teilung Deutschlands und Europas

Vom 10. bis zum 14. Oktober 1963 trafen sich 37 BĂŒnde mit ĂŒber 3000 Teilnehmern auf dem Hohen Meißner, um das 50. JubilĂ€um des Ersten Freideutschen Jugendtages von 1913 zu feiern. In Folge des Meißnertages kam es 1966 zur GrĂŒndung des Ringes junger BĂŒnde (RjB).

Auch das 75-jĂ€hrige JubilĂ€um der Meißnerformel wurde auf dem Hohen Meißner gefeiert; vom 12. bis zum 16. Oktober 1988 kamen bis zu 5000 Teilnehmer aus 70 BĂŒnden zu einem gemeinsamen Lager zusammen.

Westdeuschland

Nach 1945 kam es in Westdeutschland zu zahlreichen NeugrĂŒndungen, die durch die Jugendbewegung beeinflusst waren. Darunter waren Jugendgruppen (in Klammern die zugehörigen ErwachsenenverbĂ€nde) wie

Einen Sonderfall bilden politische Jugendorganisationen, wie die SJD – Die Falken (der SPD nahe stehend).

Ostdeutschland

In der DDR wurde die FDJ (Freie Deutsche Jugend) unter dem Einfluss der Staatspartei SED die einzige legitime Jugendorganisation. Jugendbewegung konnte sich hier erneut nur in AnsÀtzen innerhalb der FDJ oder im gesellschaftlichen Grenzbereich bzw. im antikommunistischen Untergrund bilden.

Tendenzen der Gegenwart

Im Zuge des Einigungsprozesses der beiden deutschen Nachkriegsstaaten fand auch in den BundeslĂ€ndern der vormaligen DDR eine Wiederbelebung von Pfadfinderbewegung und bĂŒndischer Tradition statt. Meist handelte es sich auch dabei um die Ausweitung westdeutscher Organisationen und eine Übertragung ihrer Strukturen auf die neuen BundeslĂ€nder. So gibt es auch heute noch zahlreiche, zumeist kleine Wandervogel- und JungenschaftsbĂŒnde. Die deutsche Pfadfinderbewegung (und teilweise die österreichische) ist noch immer von EinflĂŒssen der bĂŒndischen Jugend geprĂ€gt, was sie von den PfadfinderverbĂ€nden anderer LĂ€nder deutlich unterscheidet.

Allerdings gibt es auch im deutschsprachigen Raum große Unterschiede zwischen den verschiedenen heutigen PfadfinderbĂŒnden und -gruppen. Die unterdessen meist akzeptierte Vielfalt der gegenwĂ€rtigen Lebensstile lĂ€sst aber bĂŒndische Formen und ein Pfadfinder-Outfit oft nicht mehr sonderlich auffĂ€llig erscheinen. Dies nimmt heutigen Jugendbewegten nach Malzacher/Daenschel zwar den Druck, sich stĂ€ndig positionieren und rechtfertigen zu mĂŒssen, schwĂ€cht aber auch die Möglichkeit zu polarisierendem Anderssein, einem wichtigen Antrieb der frĂŒheren BĂŒnde. In ihrer historischen Bilanz betonen diese aus der zeitgenössischen Pfadfinderbewegung stammenden Autoren, die Bedeutung des Wandervogels und der nachfolgenden BĂŒnde habe nie in ihrer gesamtgesellschaftlichen Wirkung gelegen, sondern in dem, was beim Einzelnen ausgelöst wurde:[98]

„Ihr Einsatz fĂŒr das Selbstbestimmungsrecht der Jugend, das Vermitteln von Gruppen- und Gemeinschaftserfahrungen, von Naturerlebnissen, von Harmonie und Ästhetik sind die wesentlichen Errungenschaften der Jugendbewegung – weit mehr noch als ihre «messbaren» Verdienste um Volkslied, ReformpĂ€dagogik und Jugendherbergswesen.“

In einer Mittlerrolle zwischen der historischen und der gegenwĂ€rtigen Jugendbewegung sieht sich in ihren LeitsĂ€tzen aus dem Jahr 2006 die Stiftung Jugendburg Ludwigstein, die als dauerhaftes Gemeinschaftswerk der deutschen Jugendbewegung gilt und zu deren Einrichtungen das Archiv der deutschen Jugendbewegung gehört. Wichtige BeitrĂ€ge zur Erforschung des PhĂ€nomens Jugendbewegung wurden bereits in den spĂ€ten 1950er Jahren geleistet, als aus Kreisen frĂŒherer Mitglieder der Jugendbewegung das „Gemeinschaftswerk Dokumentation der Jugendbewegung“ geschaffen und zudem die „Wissenschaftliche Kommission fĂŒr die Geschichte der Jugendbewegung“ gegrĂŒndet wurde. In dem aus diesen Dokumentations- und ForschungsansĂ€tzen hervorgegangenen Band „Grundschriften der deutschen Jugendbewegung“ umriss Theodor Wilhelm deren pĂ€dagogischen Ertrag:

„Erstens hat die deutsche Jugendbewegung in einer letzten Aufgipfelung die seit der AufklĂ€rung herangedĂ€mmerte Erkenntnis dargelegt, daß die junge Generation eines Schonraums bedarf, um zur vollen Entfaltung der HumanitĂ€t auszureifen. Eine Schonzeit ist wĂŒnschenswert, nicht um der Jugend das Leben leicht zu machen, sondern um die geistige und sittliche ProduktivitĂ€t des jugendlichen Lebensalters in die Erwachsenheit zu integrieren. Diese anthropologische Wahrheit ist zwischen 1910 und 1930 durch die Jugendbewegung augenfĂ€llig geworden.[99]“

In dieser Erkenntnis treffe sich die Jugendbewegung zwar mit der ReformpĂ€dagogik, doch beziehe die Jugendbewegung darĂŒber hinaus den außerschulischen Lebensbereich in die Jugendschonung mit ein. In politischer Hinsicht war die Jugendbewegung nach Theodor Wilhelm von dem tragischen Irrglauben bestimmt, dass es genĂŒge, „dem Kontinuum der Geschichte allein mit VitalitĂ€t und Innerlichkeit zu Leibe zu rĂŒcken. [
] Die VernachlĂ€ssigung der rationalen Verarbeitung der Zeit ist ihr eigentliches Schicksalsthema.“[100]

Literatur

  • Sabine Andresen: MĂ€dchen und Frauen in der bĂŒrgerlichen Jugendbewegung: soziale Konstruktion von MĂ€dchenjugend. Luchterhand, Neuwied 1997. ISBN 3-472-03108-5
  • Reinhard Barth: Jugend in Bewegung. Die Revolte von Jung gegen Alt in Deutschland im 20. Jahrhundert. Berlin 2006. ISBN 3-86602-052-X
  • Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Überarbeitete Neuausgabe. Deutscher Spurbuchverlag, Baunach 1998. ISBN 3-88778-208-9
  • Matthias von Hellfeld: BĂŒndische Jugend und Hitlerjugend – Zur Geschichte von Anpassung und Widerstand 1930–1939. Verlag Wissenschaft und Politik, 1987, ISBN 3-8046-8683-4
  • Joachim H. Knoll: Typisch deutsch: die Jugendbewegung: BeitrĂ€ge zu einer PhĂ€nomengeschichte. Leske und Budrich, Opladen 1988. ISBN 3-8100-0674-2
  • Hermann Giesecke: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. Juventa-Verlag 1981, als pdf unter http://www.hermann-giesecke.de/wvtot.pdf
  • Ulfried Geuter: HomosexualitĂ€t in der deutschen Jugendbewegung. Jungenfreundschaft und SexualitĂ€t im Diskurs von Jugendbewegung, Psychoanalyse und Jugendpsychologie am Beginn des 20. Jahrhunderts. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1994. ISBN 3-518-28713-3
  • Werner Kindt: Dokumentation der Jugendbewegung. 3 BĂ€nde:
  • Band I: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Diederichs, DĂŒsseldorf 1963
  • Band II: Die Wandervogelzeit. Quellenschriften zur deutschen Jugendbewegung 1896 bis 1919. Diederichs, DĂŒsseldorf 1968
  • Band III: Die deutsche Jugendbewegung 1920 bis 1933. Die BĂŒndische Zeit. Diederichs, DĂŒsseldorf 1974. ISBN 3-424-00527-4
  • Elisabeth Korn, Otto Suppert und Karl Vogt (Hrsg.): Die Jugendbewegung: Welt und Wirkung. Zur 50. Wiederkehr des freideutschen Jugendtages auf dem Hohen Meißner. DĂŒsseldorf/Köln: 1963
  • Walter Laqueur: Die deutsche Jugendbewegung. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1978. ISBN 380468548X
  • Florian Malzacher, Matthias Daenschel: Jugendbewegung fĂŒr AnfĂ€nger. 2. Auflage. Verlag der Jugendbewegung, Stuttgart 2004. ISBN 3-88258-131-X
  • Gerhard Ziemer, Hans Wolf: Wandervogel und freideutsche Jugend. Voggenreiter Verlag, Bad Godesberg 1961

Siehe auch

Weblinks

Anmerkungen

  1. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 7
  2. ↑ Laqueur, S. 14ff. Dort heißt es auch (S. 22): „Die Gemeinschaft war ganz und gar auf den Erwachsenen bezogen und die Erziehung darauf abgestellt, eine neue Generation von Lehrern, Staatsbeamten und Reserveleutnants auszubilden, die ein mehr oder weniger getreues Abbild der Ă€lteren Generation war.“
  3. ↑ Hans BlĂŒher: Wandervogel. Geschichte einer Jugendbewegung. Erster Teil: Heimat und Aufgang. Dritte Auflage, Berlin-Tempelhof 1913, S. 50
  4. ↑ Laqueur, S. 31
  5. ↑ „Die Bezeichnung »Bachanten« hatte Fischer eingefĂŒhrt, der die Neulinge immer wieder darauf hinwies, daß das nichts mit »Bacchus« zu tun habe, sondern vom lateinischen »vagantes« stamme, wie sich die Fahrenden SchĂŒler des Mittelalters genannt hatten. In SĂŒddeutschland sagte man zumeist »Pachanten«.“ (Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 32f.)
  6. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 35
  7. ↑ Laqueur, S. 22f.
  8. ↑ Laqueur, S. 22
  9. ↑ Laqueur, S. 24
  10. ↑ Barth, S. 35
  11. ↑ Laqueur, S. 90
  12. ↑ Laqueur, S. 61
  13. ↑ Zit. n. Malzacher/Daenschel, S. 35
  14. ↑ Zit. n. Barth, S. 40
  15. ↑ Hans BlĂŒher: Wandervogel. Geschichte einer Jugendbewegung. Zweiter Teil: BlĂŒte und Niedergang. Zweite Auflage, Berlin-Tempelhof 1912, S. 110
  16. ↑ Hans BlĂŒher: Wandervogel. Geschichte einer Jugendbewegung. Zweiter Teil: BlĂŒte und Niedergang. Zweite Auflage, Berlin-Tempelhof 1912, S. 112
  17. ↑ Laqueur, S. 90
  18. ↑ Laqueur, S. 91
  19. ↑ Laqueur, S. 94
  20. ↑ Laqueur, S. 41
  21. ↑ Laqueur, S. 30
  22. ↑ Zit. n. Malzacher/Daenschel, S. 30f.
  23. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 42. Den Wandervögeln und ihrer Volksliedersammlung vorgearbeitet hatte Ludwig Erk mit seinem 1893/94 erschienenen und bis heute kanonischen Werk „Deutscher Liederhort“.
  24. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 43f.
  25. ↑ Laqueur, S. 45
  26. ↑ Zit. n. Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 70
  27. ↑ Barth, S. 38
  28. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 75
  29. ↑ Zit. n. Barth, S. 38f.
  30. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 77
  31. ↑ Laqueur, S. 51
  32. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 32; ebenda das lĂ€ngere Zitat aus dem Vorwort von 1915: „Der Krieg hat dem Wandervogel recht gegeben, hat seine tiefe nationale Grundidee los von allem Beiwerk stark und licht in unsere Mitte gestellt. Wir mĂŒssen immer deutscher werden. Wandern ist der deutscheste aller Triebe, ist unser Grundwesen, ist der Spiegel unseres Nationalchararkters ĂŒberhaupt. Und nun lasst Euch nicht irre machen! Jetzt erst recht gewandert! Erwandert Euch, was deutsch ist. Wachst und werdet stark an Eurem Wandervogel! Werdet MĂ€nner, festzustehen und Euren Platz auf der Erde zu behaupten! Das ist heilige Pflicht vor Euren BrĂŒdern, die gefallen sind; ihr Leben floss dahin, damit ihr weiter bauet. Eure Arbeit sei ihr Denkmal!“
  33. ↑ Zit. n. Barth, S. 53
  34. ↑ Zit. n. Barth, S. 56
  35. ↑ Barth, S. 54
  36. ↑ Barth, S. 55
  37. ↑ Laqueur, S. 102
  38. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 127
  39. ↑ Barth, S. 59f.; Laqueur, S. 113
  40. ↑ Laqueur, S. 129
  41. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 170
  42. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 68f.
  43. ↑ Laqueur, S. 151f.
  44. ↑ Laqueur, S. 150
  45. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 148
  46. ↑ Martin Voelkel: Hie Ritter und Reich! Aus: Der Weiße Ritter, Sonderheft Sendung, Heft 6/1921. Zit. n. Werner Kindt (Hrsg.): Dokumentation der Jugendbewegung. Band I: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Diederichs, DĂŒsseldorf 1963, S. 372
  47. ↑ Zit. n. Malzacher/Daenschel, S. 75
  48. ↑ Ernst Buske: Jugend und Volk Aus der Schrift Ursprung und Aufgaben der freideutschen Jugend von Adolf Grabowsky und Walther Koch, Gotha 1920. Zit. n. Werner Kindt (Hrsg.): Dokumentation der Jugendbewegung. Band I: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Diederichs, DĂŒsseldorf 1963, S. 200
  49. ↑ Zit. n. Malzacher/Daenschel, S. 89
  50. ↑ Joachim H. Knoll: Jugendbewegung: PhĂ€nomene, EindrĂŒcke, PrĂ€gungen; ein Essay. Opladen 1988, S. 149
  51. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 91
  52. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 185f.
  53. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 86f.; Laqueur, S. 133
  54. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 139
  55. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 153
  56. ↑ Enno Narten, zit. n. Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 156
  57. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 154–157; Malzacher/Daenschel, S. 81–83
  58. ↑ Laqueur, S. 171
  59. ↑ Laqueur, S. 160
  60. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 227
  61. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 94
  62. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 95
  63. ↑ Laqueur, S. 181
  64. ↑ Barth, S. 43
  65. ↑ Barth, S. 45
  66. ↑ Barth, S. 70–72
  67. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 259
  68. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 266f.; tusks spĂ€tere Hinwendung zum DDR-Sozialismus kritisierte Helwig dagegen scharf: „Du mit den Asketenaugen, mit der Mönchs-Sicht, mit den ĂŒbermenschlichen Forderungen, du mit der Ordenskutte, mit den gesparten Farben (und wie gut war dieses Grau und Rot deiner Banner, wie schön und schnittig standen Deine Zeichen darauf: Falke und Windwoge), du gingest vor lauter SelbstĂŒbertriebenheit zuletzt einem Götzen ins Netz, der aus deinen großen Eigenschaften Kleinholz machte, mit denen er seine Kellertreppen ausbesserte.“ (ebenda, S. 264)
  69. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 267
  70. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 105–107
  71. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 273–276
  72. ↑ Zit. n. Laqueur, S. 193
  73. ↑ Der Termin war ein Signal in mehrfacher Hinsicht, da Koebel als SiebzehnjĂ€hriger 1925 Hitler aufgesucht und danach im Völkischen Beobachter einen Aufruf verfasst hatte: „So trefft Euch denn deutsche Jungen unter den Fahnen jenes Mannes, der uns Ziel und Weg wies, unter dem reinen klaren Banner Adolf Hitlers.“ (Zit. n. Die Zeit Nr. 9, 21. Februar 1997) Am 10. April 1932 fand der 2. Wahlgang der ReichsprĂ€sidentenwahl 1932 statt, die Hitler als Zweitplatziertem 36,7% Stimmanteil brachte hinter dem Amtsinhaber Paul von Hindenburg mit 53,1% und vor dem kommunistischen Kandidaten Ernst ThĂ€lmann mit 10,1%.
  74. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 308f.
  75. ↑ Laqueur, S. 193. Auch Heidrun Holzbach-Linsenmaier hĂ€lt tusks Vorgehen fĂŒr schwer nachvollziehbar: „TatsĂ€chlich hĂ€tte Koebel mit seiner fĂŒr viele BĂŒndische typischen Mischung aus Irrationalismus, Rousseauscher Zivilisationskritik, homoerotischem Jugendkult, Abenteurertum, Militarismus und spintisierender Weltfremdheit weitaus besser zu jenen ‚linken Leuten von rechts’ um Otto Straßer und seine ‚Schwarze Front’ gepaßt als zu den Kommunisten. Ob er mit seinem Bekenntnis zur KPD wirklich etwas gegen die Nazis unternehmen wollte, ist angesichts seines Verhaltens nach dem 30. Januar 1933 eher zweifelhaft.“ (Die Zeit Nr. 9, 21. Februar 1997)
  76. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 108f.
  77. ↑ Seit November 1909 war der 1898 geborene Werner Kindt Mitglied im Altwandervogel, seit 1912 im Wandervogel e.V., ab 1920 dort Gauleiter fĂŒr den Gau Niederelbe, 1920–22 Mitglied der Wandervogel-BundesfĂŒhrerschaft; Herausgeber mehrerer einschlĂ€giger Publikationsorgane und Außenvertreter der Deutschen Freischar in Berlin sowie Mitarbeiter des Reichsausschusses der deutschen JugendverbĂ€nde; 1930 an der GrĂŒndung der Deutschen Staatspartei beteiligt. (Quelle: Werner Kindt (Hrsg.): Dokumentation der Jugendbewegung. Band I: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Diederichs, DĂŒsseldorf 1963, S. 568f.)
  78. ↑ Werner Kindt:«Bund oder Partei» in der Jugendbewegung. In: Werner Kindt (Hrsg.): Dokumentation der Jugendbewegung. Band I: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Diederichs, DĂŒsseldorf 1963, S. 517.
  79. ↑ Zit. n. Werner Kindt: «Bund oder Partei» in der Jugendbewegung. In: Werner Kindt (Hrsg.): Dokumentation der Jugendbewegung. Band I: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Diederichs, DĂŒsseldorf 1963, S. 518f.
  80. ↑ Zit. n. Werner Kindt: «Bund oder Partei» in der Jugendbewegung. In: Werner Kindt (Hrsg.): Dokumentation der Jugendbewegung. Band I: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Diederichs, DĂŒsseldorf 1963, S. 522
  81. ↑ Zit. n. Werner Kindt: «Bund oder Partei» in der Jugendbewegung. In: Werner Kindt (Hrsg.): Dokumentation der Jugendbewegung. Band I: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Diederichs, DĂŒsseldorf 1963, S. 523
  82. ↑ Zit. n. Malzacher/Daenschel, S. 117
  83. ↑ Zit. n. Laqueur, S. 211
  84. ↑ Laqueur, S. 212f.
  85. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 116/122
  86. ↑ Zit. n. Malzacher/Daenschel, S. 125
  87. ↑ Laqueur, S. 218
  88. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 128
  89. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 117/122/130
  90. ↑ Laqueur, S. 216
  91. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 131
  92. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 309
  93. ↑ Laqueur, S. 226f.
  94. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 135f.
  95. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 137
  96. ↑ Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Heidenheim an der Brenz 1980, S. 313f.
  97. ↑ Susanne Rappe-Weber, Archivbericht fĂŒr das Jahr 2007. In: Historische Jugendforschung NF 4/200/. Schwalbach 2008, S. 230.
  98. ↑ Malzacher/Daenschel, S. 188f.
  99. ↑ Zit. n. Kindt, Band I, S. 25
  100. ↑ Zit. n. Kindt, Band I, S. 28

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen WörterbĂŒchern nach:

  • Freideutsche Jugend — Freideutsche Jugend,   im FrĂŒhjahr 1913 im Rahmen der Jugendbewegung gegrĂŒndeter Zusammenschluss von Studierenden und Älterengruppen in Marburg und Jena, die im Oktober 1913 auf dem Hohen Meißner mit anderen Gruppen (Deutsche Akademische… 
   Universal-Lexikon

  • Erster Freideutscher Jugendtag — Eine Informationstafel mit einer kolorierten, nachgemalten Fotografie und ein Gedenkstein erinnern auf dem Hohen Meißner an den Ersten Freideutschen Jugendtag am 11. und 12. Oktober 1913. Der Erste Freideutsche Jugendtag fand am Wochenende des 11 
   Deutsch Wikipedia

  • Freideutscher Jugendtag — Eine Informationstafel und Gedenkstein erinnern auf dem Hohen Meißner an den Ersten Freideutschen Jugendtag am 11. und 12. Oktober 1913. Der Erste Freideutsche Jugendtag fand am Wochenende des 11. und 12. Oktobers 1913 auf dem Hohen Meißner im… 
   Deutsch Wikipedia

  • Meißner-Formel — Eine Informationstafel und Gedenkstein erinnern auf dem Hohen Meißner an den Ersten Freideutschen Jugendtag am 11. und 12. Oktober 1913. Der Erste Freideutsche Jugendtag fand am Wochenende des 11. und 12. Oktobers 1913 auf dem Hohen Meißner im… 
   Deutsch Wikipedia

  • Meißnerformel — Eine Informationstafel und Gedenkstein erinnern auf dem Hohen Meißner an den Ersten Freideutschen Jugendtag am 11. und 12. Oktober 1913. Der Erste Freideutsche Jugendtag fand am Wochenende des 11. und 12. Oktobers 1913 auf dem Hohen Meißner im… 
   Deutsch Wikipedia

  • Wandervogel — Greif Als Wandervogel wird eine 1896 in Steglitz bei Berlin entstandene Bewegung hauptsĂ€chlich von SchĂŒlern und Studenten bĂŒrgerlicher Herkunft bezeichnet, die in einer Phase fortschreitender Industrialisierung der StĂ€dte und angeregt durch… 
   Deutsch Wikipedia

  • Wandervogelbewegung — Wandervogel Greif Als Wandervogel wird eine 1896 in Berlin Steglitz entstandene Bewegung hauptsĂ€chlich von SchĂŒlern und Studenten bĂŒrgerlicher Herkunft bezeichnet, die in einer Phase fortschreitender Industrialisierung der StĂ€dte und angeregt… 
   Deutsch Wikipedia

  • Wandervögel — Wandervogel Greif Als Wandervogel wird eine 1896 in Berlin Steglitz entstandene Bewegung hauptsĂ€chlich von SchĂŒlern und Studenten bĂŒrgerlicher Herkunft bezeichnet, die in einer Phase fortschreitender Industrialisierung der StĂ€dte und angeregt… 
   Deutsch Wikipedia

  • Jugendbewegung — Als Jugendbewegung wird eine besonders im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts einflussreiche Strömung bezeichnet, die dem von der Industrialisierung geprĂ€gten stĂ€dtischen Leben eine vor allem in Kreisen der bĂŒrgerlichen Jugend sich ausbreitende… 
   Deutsch Wikipedia

  • Wolfgang Kroug — (* 30. MĂ€rz 1890 in Hungerburg bei Narwa im alten Zarenreich; † 13. Oktober 1973 in Göttingen) war Philosoph, PĂ€dagoge und Psychotherapeut. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werke 3 
   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link

 Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.