Freienfels (Hollfeld)

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hollfeld
Hollfeld
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hollfeld hervorgehoben
49.93703333333311.290966666667403Koordinaten: 49° 56′ N, 11° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Bayreuth
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Hollfeld
Höhe: 403 m ü. NN
Fläche: 80,65 km²
Einwohner: 5235 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 65 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96142
Vorwahl: 09274
Kfz-Kennzeichen: BT
Gemeindeschlüssel: 09 4 72 154
Adresse der Stadtverwaltung: Marienplatz 18
96142 Hollfeld
Webpräsenz:
Bürgermeisterin: Karin Barwisch (Bürgerforum)
Lage der Stadt Hollfeld im Landkreis Bayreuth
Karte

Hollfeld ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Bayreuth, staatlich anerkannter Erholungsort und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hollfeld.

Panorama der Altstadt von Hollfeld

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage

Lage in der Mitte der Fränkischen Schweiz

Der staatlich anerkannte Erholungsort Hollfeld liegt 25 Kilometer westlich von Bayreuth und 35 Kilometer östlich von Bamberg im nördlichen Teil der Fränkischen Schweiz am Zusammenfluss der Flüsse Wiesent und Kainach.

Das Gebiet der Stadt liegt im Westen des Landkreises Bayreuth und grenzt an die Landkreise Bamberg und Kulmbach an.

Ortsteile

Die Großgemeinde Hollfeld bilden der Ort Hollfeld selbst und 20 weitere Orte:

Drosendorf Fernreuth Freienfels Gottelhof Hainbach Höfen Hollfeld
Kainach Krögelstein Loch Moggendorf Neidenstein Pilgerndorf Schönfeld
Stechendorf Tiefenlesau Treppendorf Weiher Welkendorf Wiesentfels Wohnsdorf

Geschichte

Erste Erwähnung

Hollfeld blickt auf eine fast tausendjährige Geschichte zurück. Es wurde im Jahr 1017 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als der Bischof von Würzburg die Kirchen-Zehnten der einst zu Hollfeld gehörenden Dörfer an den Bamberger Bischof abtrat.

Der Burg- und Siedlungskern ist bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit belegt. Hollfeld besitzt noch heute die Siedlungsstruktur einer Spornsiedlung, was auf eine Kernsiedlung nach Art der Markgrafen von Schweinfurt schließen lässt. Stellvertreter dieser Markgrafen war die Walpoten-Familie. Nachdem die Markgrafenfamilie 1057 ausstarb, verschenkte Reginolt Walpoto im Jahr 1059 seine Güter in Hollfeld und Umgebung zur Ausstattung des von ihm mitbegründeten Stifts St. Gangolf in Bamberg.

Stadterhebung

Anstoß zur Gründung einer Stadt mit Burgcharakter war vermutlich die Rivalität mit den Andechs-Meraniern, die im Umland Besitzungen innehatte. Eine genaue Quelle für die Erhebung Hollfelds zur Stadt ist nicht bekannt. Aber immerhin wurde Hollfeld bereits im Jahr 1285 in einer auswärtigen Urkunde als Stadt bezeichnet. Der erste Beleg dafür, dass sich Hollfeld Stadt nannte, stammt hingegen erst aus dem Jahr 1329. Es war das Siegelstempel mit der Umschrift „S. CIVITATIS IN HOLVVELT“.

Zerstörungen

Als Grenzfestung zwischen dem Hochstift Bamberg und der Markgrafschaft Kulmbach-Bayreuth spielte Hollfeld eine bedeutende Rolle, wurde aber auch in Mitleidenschaft gezogen und durch Kriege und Brände mehrfach zerstört. Dazu zählen die Verwüstungen durch die Hussiten im Jahr 1430, der Markgrafenkrieg 1552/53 und der Dreißigjährige Krieg. 1630/31 wurde die Stadt verwüstet und 1634 wütete die schwarze Pest so heftig, dass nur 14 Ehepaare übrig blieben. 1724 wurde die Stadt durch einen weiteren verheerenden Stadtbrand zerstört.

Zugehörigkeit zu Bayern

Bis zum Ende des Hochstifts Bamberg verwaltete ein Vogt von St. Gangolf die Hollfelder Propstei. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern.

Napoléon Bonaparte zog über Hollfeld zum Russlandfeldzug. Während der Befreiungskriege gegen Napoleon sollen in den Jahren 1812 bis 1815 rund 8.000 russische Soldaten in der Gegend um Hollfeld einquartiert gewesen sein.

Gemeinde Hollfeld

Die Gemeinde Hollfeld entstand im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern mit dem Gemeindeedikt von 1818. Von 1862 an war Hollfeld eine Distriktgemeinde mit 89 Orten, bevor es 1919 mit Ebermannstadt zu einem Bezirksamt vereinigt wurde. Im Rahmen der Gebietsreform von 1972 kam es durch die Angliederung von acht Gemeinden (Drosendorf, Freienfels, Kainach, Schönfeld, Stechendorf, Treppendorf, Weiher und Wiesentfels) zur Bildung einer Großgemeinde. Gleichzeitig wurde Hollfeld dem Landkreis Bayreuth zugewiesen. 1978 wurden zwei weitere Gemeinden (Krögelstein und Tiefenlesau) eingemeindet.

Alte Straßen- und Flurnamen

Hollfeld (Holfelt) auf der Karte „Francia Orientalis“ von Sebastian Rotenhan (obere Mitte)
Herkunft des Ortsnamens

Hollfeld hieß im Mittelalter Holevelt. Das Wort Feld bedeutete ursprünglich Gebiet oder Besitz und kommt auch in den Namen benachbarter Ortschaften häufig vor (z. B.: Königsfeld, Steinfeld, Waischenfeld und Schönfeld). Im Erbachtal gibt es die Wüstung Alten-Hollfeld.

Hinter Hole verbirgt sich vermutlich das slawische Wort gola (g = h), das unbebautes, waldfreies Gebiet bedeutete.

Flurnamen

Der Flurname Heide kommt überall in der Hollfelder Flur vor (nach Westen die Äußere Heide, nach Süden die Grüne Heide, außerhalb die Weiße Heide, nordöstlich die Bergheide). Außerdem gibt es im Bereich der Kleinen Heide noch den Oberen und den Unteren Goll. Heide bezeichnet häufig auch Grenzlagen und ein waldfreies Gebiet zwischen zwei Siedlungszonen.

Hollfelder Türkei
Straßennamen

Straßennamen in der Stadt Hollfeld wie Am Graben oder Am Wallberg verweisen auf alte Befestigungsanlagen.

Die Bahnhofstraße ist ein Hinweis darauf, dass Hollfeld bis zum Jahr 1974 einen Bahnanschluss besaß.

Eine Judengasse erinnert an die früher hier ansässigen Juden.

Der Straßenname Türkei in der Unterstadt weist ins 17. Jahrhundert zurück, als osmanische Kriegsgefangene bis nach Hollfeld verschleppt wurden. Sie wurden meist getauft und haben sich später assimiliert. Von diesen Bewohnern wird zum Beispiel erwähnt, dass ein „Prinz aus Arabien ein Almosen“ erhalten habe und noch in einem Protokollbuch des Jahres 1764 wird eine „dürkischen Music“ erwähnt.

Chronologie

1017 Erste unrkundliche Erwähnung
1329 Erwähnung des oppidum holuelt als Stadt
1348 Bezeichnung castrum als bischöfliche Landesburg
1419 Erwähnung als bedeutender Straßenknotenpunkt
1417–1432 Erwähnung von Liegenschaften um und in Hollfeld im Liber freudalis ecclesiae St. Gangolphi, dem Lehnsbuch des Stiftes St. Gangolf in Bamberg
1430 Brandschatzung im Hussitenkrieg
1553 und 1554: Brandschatzung im Markgräflerkrieg
1632 Brandschatzung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg
1634 Pest-Epidemie
1724 Großer Stadtbrand
1804 Landgericht Hollfeld
1812 Kaiser Napoleon I. zieht über Hollfeld zum Russlandfeldzug, Einquartierung von Soldaten bis 1823
1904 Einweihung der Eisenbahn Bayreuth-Hollfeld
1945 Stadtpfarrer Kurt Weirather rettet die Stadt vor der Zerstörung durch US-amerikanische Soldaten
1964 Auflösung des Amtsgerichts
1971 Errichtung der Gesamtschule
1972 Auflösung des Landkreises Ebermannstadt und Eingliederung von Hollfeld in den Landkreis Bayreuth

Politik

Erste Bürgermeisterin ist Karin Barwisch vom Bürgerforum.

Der Gemeinderat hat 20 Mitglieder und setzt sich folgendermaßen zusammen:

CSU 7 Sitze
Wählergemeinschaft Hollfeld-Land 5 Sitze
Bürgerforum 3 Sitze
Bürgergemeinschaft-Freie Wähler 2 Sitze
SPD 2 Sitze
Heimatliste 1 Sitz

Wappen

Stadtwappen am Rathaus

In Gold ein mit einem langen, roten Mantel bekleideter Kaiser, eine goldene Krone auf dem Haupt und ein goldenes Lilienszepter in der Rechten, reitet auf einem rot gezäumten silbernen Pferd auf grünem Boden.

Das Wappen wird seit dem 14. Jahrhundert geführt und ist bereits durch ein Siegel um das Jahr 1350 belegt. Dieses Stadtsiegel hatte die Umschrift „S. CIVITATIS IN HOLVVELT“. In einem Siegel von 1554 reitet der Kaiser nach links, es fehlt aber die Fahne. Anfang des 18. Jahrhunderts wird der Reiter zum ersten Mal in einem Schild dargestellt. In der Bürgermeistermedaille von 1819 ist der Reiter wieder nach rechts gerichtet.

Die Farben des Wappens sind bereits in der Bamberger Vasallentafel von 1603 überliefert. Der Reiter wird als Kaiser Heinrich II. gedeutet der das Bistum Bamberg stiftete, zu dem Hollfeld gehört.

Die Fahne der Stadt Hollfeld hat die Farben Gelb-Rot-Weiß.

Religion

Lutherische Kirche

Die Ursprünge der ersten Hollfelder Pfarrei reichen vermutlich bis in die Zeit vor der Gründung des Bistums Bamberg zurück. Urkundlich genannt wird eine Pfarrei aber erstmals im Jahr 1017. Nach der Abspaltung von der Urpfarrei Königsfeld im Jahr 1168 entwickelte sich Hollfeld zur Mutterpfarrei für zahlreiche Neugründungen. Als eines der vier Bamberger Archidiakonate war Hollfeld im Mittelalter von großer Bedeutung für das Bistum.

Katholiken

Die Bevölkerung Hollfelds ist überwiegend katholisch. Die Stadtkirche Mariä Himmelfahrt ist das Zentrum des Pfarrverbundes St. Salvator Hollfelder Land, der zum Dekanat Bayreuth gehört.

Protestanten

Die Friedenskirche ist die Stadtkirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde Hollfelds und gehört zum Dekanat Thurnau des Kirchenkreises Bayreuth. Sie betreibt seit 1997 das WIGWAM, Familienzentrum e. V.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Aus einer frühmittelalterlichen Burganlage entstanden, hat die Stadt ihre historische Altstadt fast vollständig erhalten. Sehenswert sind die Gangolfskirche, das renovierte Alte Rathaus, das Wittauerhaus, die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, die Fischmühle aus dem Jahr 1715, die Wallfahrtskirche St. Salvator, die Museumsscheune und das Kunst-Museum.

Bartholomäusspital

Bartholomäusspital

Die Kapelle des 1464 vom Regensburger Domherrn Werner von Aufseß gestifteten Spitals wurde 1709 errichtet. Im Innern befinden sich unter anderem eine barocke Kreuzgruppe, eine gotische Madonna und eine Skulptur des heiligen Otto.

Das Bartholomäusspital wurde von Werner von Aufseß für kranke und arme Leute gestiftet. Damals lag es noch außerhalb der Stadtmauer. Dem 1664 errichteten Bau wurde im Jahr 1709 die Kapelle angefügt. 1839 wählte der Hollfelder Bürgermeister Lorenz Schmötzer das Spital zu seinem Haupterben und verfügte, dass in das Spital Personen aufgenommen werden, die einen guten Leumund haben, arm, alt und nicht sesshaft sind.

Nach dem Ersten Weltkrieg waren in dem Gebäude Flüchtlinge einquartiert. Von 1935 bis 1978 wurde es als Kindergarten genutzt. Während der Renovierung des Altenheimes wurden dessen Bewohner im Spital untergebracht und nach einer Renovierung im Jahr 1978 diente der größte Raum als Sitzungssaal des Stadtrates. Zusätzlich war auch das Fremdenverkehrsamt vorübergehend dort untergebracht.

Das Bartholomäusspital wird nicht mehr genutzt und kann auch nicht besichtigt werden.

Blauer Turm

Blauer Turm

Der so genannte Blaue Turm bzw das Ideenhaus Hollfeld ist ein Wohnhaus mit Museum und Künstleratelier (Rückseite), das in den Jahren 2005/ 06 aus einem rohen Backsteinbau der Brauerei Weiße Taube vom Eckersdorfer Künstler Thomas Brix umgestaltet wurde. Während der Umgestaltung entstand die Idee, das Gebäude nachts zu beleuchten, wobei die Stuckverzierungen in Gold und Silber glänzen. Die Illumination übernahmen Lichtdesigner der FH Coburg.

Museumsscheune

Die Museumsscheune Fränkische Schweiz ist in einem 1993 sanierten Gebäude in der Judengasse (Oberstadt) untergebracht. Sie zeigt Exponate aus der Stadtgeschichte sowie Zeugnisse bäuerlicher Arbeitskultur und alter Handwerkstradition. Ausgestellt sind Pflüge, Eggen, Dreschflegel, Produkte von Wagnereien, Sattlereien, Töpfereien usw. Die Museumsscheune beherbergt auch einen Bienenschwarm, der durch eine Glasscheibe beobachtet werden kann. Einmal im Monat wird Bauernbrot gebacken.

Ideenhaus

Das Ideenhaus (Kunst & Museum) ist in dem weitläufigem Gebäude einer ehemaligen Brauerei (Rückseite des Blauen Turms) am Rand der Altstadt, Eiergasse 13 untergebracht. Neben einer Galerie und dem Künstleratelier von Axel Luther befinden sich in diesen Räumen auch eine Schneiderwerkstätte, ein Friseurladen und eine Zahnarztpraxis aus den 1920er Jahren sowie eine Sammlung alter Skier.

Kirchen

Mariä Himmelfahrt

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Die frühklassizistische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt hat ihre barocke Innenausstattung aus der säkularisierten Dominikanerkirche in Bamberg erhalten. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals zerstört. Nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1724 wurde sie renoviert, doch verschlechterte sich ihr Zustand immer mehr, sodass im Jahr 1777 ein Neubau beschlossen wurde, der 1781 abgeschlossen war.

Ursprünglich sollte Fritz Ignaz Michael Neumann, der Sohn Balthasar Neumanns den Neubau durchführen, doch der Hollfelder Gemeinderat verweigerte seine Zustimmung und übertrug den Bau dem Bamberger Baumeister Johann Josef Vogel. Obwohl die Kirche bereits 1781 ihrer Bestimmung übergeben werden konnte, fand die feierliche Weihe erst im Jahr 1826 statt.

Das Hauptportal wird flankiert von überlebensgroßen Statuen der Bamberger Bistumsheiligen Heinrich und Kunigunde. Im Inneren fallen besonders der üppig ausgestattete Hauptaltar und die vier Seitenaltäere auf.

Gangolfskirche

Gangolfsturm

Die Gangolfskirche steht am höchsten Punkt der Stadt Hollfeld. Sie geht auf die Bamberger Gangolfskirche zurück, deren Lehnsleute auf Stiftsgütern in der Unter- und Oberstadt von Hollfeld saßen.

Zu dieser Kirche erzählte man sich die Legende vom Irrglöcklein:

In einer Zeit, als die Gegend um Hollfeld noch von dichtem Wald umgeben war, machten die drei Töchter des Schlossherrn, einen Ausflug an der Kainach und drangen immer tiefer in den Wald ein. Sie wurden von einem Gewitter überrascht und kauerten sich ängstlich aneinander. Als sich das Gewitter verzogen hatte, stellten sie fest, dass sie sich verirrt hatten. Es wurde Nacht und als sie verzweifelt beteten hörten sie eine Glocke. Sie folgten dem Klang und trafen auf ihren Vater, der mit Knechten ausgezogen war, um sie zu suchen. Aus Dankbarkeit für die Errettung seiner Kinder stiftete er für den Turm der Gangolfskirche eine Glocke, die später vom Volk als ‚Irrglöckchen‘ bezeichnet wurde und verirrte Wanderer wieder auf den Weg führen sollte. Aus diesem Grund läutet das Glöcklein von Sankt Gangolf noch heute täglich abends um 21.45 Uhr.[1] In einem Zeitungsbericht aus dem Jahr 1937 wird von der Tätigkeit des Stadttürmers erzählt:

„Zu den Obliegenheiten des Turmwächters gehörten auch seine Mitwirkung bei allen musikalischen Gottesdiensten, die Besorgung der Kirchenmusik, das tägliche Richten der Turmuhr, das Signalgeben bei Feuersbrünsten, das dreimalige Gebetläuten im Tag. Außerdem mußte er alle Sonn- und Feiertag mit mehreren Personen auf dem Turm einige Stücke blasen. Entdeckte er außerhalb der Stadt im Amtsbezirk Hollfeld Feuerschein, dann mußte er mit dem im Turm angebrachten Doppelhaken zweimal schießen. Das abendliche Gebetläuten wird bekanntlich auf die Sage mit den drei verirrten Jungfrauen zurückgeführt; dafür erhält der Türmer jährlich 10,80 M, um 4,20 M weniger als der vorherige Türmer Rößner erhielt. Als Läutzeiten sind angesetzt: morgens 5 Uhr, vormittags ¾ 7 Uhr, mittags 12 Uhr, abends 8 Uhr und nachts 10 Uhr.“[2]

Der mittelalterliche Befestigungsturm ist das Wahrzeichen Hollfelds. Er ist 38 Meter hoch und hat 98 Treppenstufen. Der letzte Türmer verstarb am 30. Dezember 1971 im Alter von 61 Jahren in der Türmerwohnung, nachdem er über 20 Jahre dort seinen Dienst versehen hatte. Seitdem steht die Türmerwohnung leer. Bis zur Sanierung des Turmes im Jahr 1975 wurde auch die Glocke nicht mehr geläutet. Erst das Anbringen einer elektrischen Läuteanlage ermöglichte es, Läuten des Irrglöckchens wieder zu beleben.

In dem Gebäude ist heute das Kunst- und Kulturzentrum St. Gangolf untergebracht.

Salvatorkirche

Salvatorkirche

Die Geschichte der Hollfelder Salvatorkirche reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Damals gehörte der Ort noch zur Urpfarre Königsfeld und zum Bistum Würzburg. Eine eigene Hollfelder Pfarrei wurde im Jahr 1007 gegründet. Die heutige Wallfahrtskirche wurde im Jahr 1704 unter dem Architekten Leonhard Dientzenhofer erbaut.

Einer Legende zufolge hat sich ein wandernder Slawe hungrig und durstig unter einer Eiche ausgeruht, die an der Stelle der heutigen Kirche stand. Er hörte aus der Stadt fröhliche Musik, denn in Hollfeld wurde gerade Kirchweih gefeiert. Die Fröhlichkeit in der Stadt und seine eigene Armut gingen ihm so zu Herzen, dass er über sein Schicksal klagte. Da erschien ihm Christus mit Kreuz und Dornenkrone und sprach zu ihm:

Du beklagst dich über dein Kreuz und glaubst es sei schwer. Siehe! Ich trage deinetwegen nun schon lange mein Kreuz. Trage das deinige mit Geduld, denn ich nehme dich bald zu mir.

Nach diesen Worten verschwand die Erscheinung und der Mann stellte fest, dass es Christus selbst war. Er eilte in die Stadt und erzählte, was er erlebt hatte. Fromme Leute bauten auf dem Platz eine Kapelle und die Nachricht von vielen Gebetserhörungen verbreitete sich, sodass bald viele Wallfahrer zu dieser Kirche pilgerten. Die Wallfahrt zur Hollfelder Salvatorkirche (lateinisch: Salvator = Erlöser) ist heute die einzige Salvator-Wallfahrt im Erzbistum Bamberg.

Historische Altstadt

Marienplatz mit Ziehbrunnen und Marienstatue

Kern der historischen Altstadt ist der Marienplatz auf einer Anhöhe über der Stadt. Vor dem Oberen Tor steht die barocke Nepomuk-Kapelle aus dem Jahr 1734.

Auf dem Marktplatz, dem Marienplatz, wurden in vergangenen Jahrhunderten Viehmärkte und Jahrmärkte abgehalten. Heute finden hier ein Bauernmarkt, der Palmmarkt, der Herbstmarkt und der Weihnachtsmarkt statt.

In der Mitte des Marienplatzes befindet sich ein 38 Meter tiefer Ziehbrunnen, der bereits im Jahr 1435 erwähnt wurde. Der Sage nach wurde dieser Brunnen von Kriegsgefangenen gegraben. Im 17. Jahrhundert wurde der Brunnen zugeschüttet und erst im Jahr 1856 wieder geöffnet, doch bald darauf wieder zugemauert. In seiner jetzigen Form wurde er erst im Jahr 1936 wieder aufgebaut.

Terrassengärten

Terrassengärten

Die Terrassengärten sind eine Gartenanlage an den südlichen Steilhängen der Altstadt. seltenen Pflanzen, darunter mehrere heimische Orchideenarten. Hier werden im Sommer die Hollfelder Rosen- Kunst- & Gartentage abgehalten.

Kulturelle Einrichtungen

Kintopp

Kintopp

Das Kintopp Filmtheater Hollfeld ist das einzige Programmkino in der Fränkischen Schweiz. Es wird betrieben von der ehemaligen Filmjournalistin Ursula Scheicher.

Fränkischer Theatersommer

Der Theatersommer ist ein wanderndes Freilichttheater, das in ganz Oberfranken und angrenzenden Regionen gastiert und sich aus dem regional noch enger begrenzten Theatersommer Fränkische Schweiz entwickelt hat. Spielort in Hollfeld sind die Terrassengärten.

Vereine

  • Der größte Sportverein ist der ASV Hollfeld, dessen erste Fußballmannschaft den Durchmarsch von der Kreisklasse bis in die Landesliga schaffte.
  • Daneben gibt es den SC Gesamtschule, dessen 400 Mitglieder vorwiegend Basketball, Volleyball und Nordic Walking betreiben.

Weitere Sportvereine sind:

  • Schachclub 1960 Hollfeld
  • Tennisclub Hollfeld
  • Schützengesellschaft von 1891

Im kulturellen Bereich hat sich die Jugendblaskapelle Hollfeld hervorgetan, die mit Erfolg an überregionalen Wettbewerben teilnimmt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Gebäude des C. Bange Verlags

Zu den in Hollfeld ansässigen Unternehmen zählen: Aldi, BayWa, Edeka, NKD, Norma, Rewe, der Schlecker-Drogeriemarkt sowie etliche Gebrauchswaren-, Blumen-, Bekleidungs-, Schuh-, Geschenkartikel- und Bauwarengeschäfte.

Außerdem gibt es in Hollfeld mehrere Omnibusunternehmen, ein Kino und den C. Bange Verlag, der überregional (besonders in Schulen) durch die Herausgabe der „Kleinen Übersetzungsbibliothek römischer und griechischer Klassiker" bekannt.

Bildung

Gesamtschule Hollfeld

Gesamtschule Hollfeld

Die Staatliche Gesamtschule Hollfeld (GSH) ist eine von insgesamt vier Gesamtschulen im Bundesland Bayern. Die anderen bayerischen Gesamtschulen befinden sich in München und in Nürnberg. Die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Hollfeld kommen aus einem Einzugsbereich von etwas mehr als zehn Kilometern um die Stadt Hollfeld. Es gibt dort folgende Abschlussmöglichkeiten:

  • Hauptschulabschluss
  • qualifizierender Hauptschulabschluss
  • Realschulabschluss
  • Oberstufenreife des Gymnasiums (das Abitur kann ab dem ersten G8-Jahrgang auch in Hollfeld abgelegt werden).

Verkehr

Schienenverkehr

Von 1904 bis 1974 war Hollfeld Endbahnhof der Bahnstrecke Bayreuth–Hollfeld. Eine geplante Zugverbindung zwischen Scheßlitz und Hollfeld wurde im Jahr 1906 nach umfangreichen Vorarbeiten wieder eingestellt, da beide Orte aus politischen Gründen das Projekt scheitern ließen. Der Grund waren aber nicht die hohen Baukosten (zwei Millionen Mark), sondern dass beide Städte den lukrativen Status von Endstationen bevorzugten.

Vier der diskutierten Varianten, eine Bahnlinie auf den Fränkischen Jura zu führen waren:

  1. über Würgau und Königsfeld (Baukosten 1,89 Millionen Mark)
  2. durch das Burglesauer Tal über Steinfeld und Königsfeld (2,125 Millionen Mark)
  3. von Memmelsdorf über Litzendorf, Tiefenellern und Königsfeld (2,170 Mio. Mark)
  4. von Gundelsheim über Melkendorf, Herzogenreuth und Königsfeld (Baukosten 2,77 Millionen Mark)

Die von den Planern bevorzugte Linie wäre von Scheßlitz in Richtung Würgau verlaufen, hätte dann am Schlappenreuther Berg in den Jura hochgeführt. Durch das Burglesauer Tal wäre die Bahn dann über Gräfenhäusling nach Steinfeld gelangt, um schließlich durch die Täler von Wiesent und Aufseß über Königsfeld die Stadt Hollfeld zu erreichen.

Nach 1918 wurden die Bemühungen zum Bau der Jurabahn zwar wieder aufgenommen. Doch 1920 gab das Reichsverkehrsministerium bekannt, dass angesichts der schlechten Wirtschaftslage von der Ausführung neuer Bahnstrecken zunächst abgesehen werden müsse. Im Jahr 1930 wurde schließlich eine Postbus-Linie von Bamberg über Scheßlitz und Hollfeld nach Bayreuth eröffnet.

Straßenverkehr

B 22 in Hollfeld

Hollfeld liegt an der viel befahrenen Bundesstraße 22, die von Würzburg über Bamberg und Bayreuth nach Cham in der Oberpfalz führt.

Die Entfernung zur nächsten Autobahnausfahrt (A 70 Bayreuth-Schweinfurt) beträgt zehn Kilometer. Der nächste Flughafen Nürnberg ist 90 Kilometer entfernt. Zum Hafen Bamberg sind es 35 Kilometer. Von der Kreisstadt Bayreuth ist Hollfeld 25 Kilometer entfernt.

Wasserversorgung

Die Hollfelder Mulde hat eine Grundwassermächtigkeit von bis zu 150 Meter und wird entwässert über Aufseß und Wiesent. Sie hat ein Einzugsgebiet von etwa 200 Quadratkilometer und einen geschätzten Wasserinhalt von einer Milliarde Kubikmeter, von denen zur Zeit (2007) etwa eine Million im Jahr genutzt werden.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Dr. Elmar Maria Kredel (* 1922 Nürnberg; † 2008 in Erlangen), Erzbischof der Erzdiözese Bamberg von 1977 bis 1994

Bildergalerie

Einzelnachweise

  1. http://www.hollfeld.de/gangolf/sage.htm Das Irrglöcklein von St. Gangolf zu Hollfeld
  2. http://www.hollfeld.de/gangolf/tuermer.htm 1

Weblinks


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