Fridericianum Schwerin

Fridericianum Schwerin
Schulform Gymnasium
Gründung 1553
Ort Schwerin
Land Mecklenburg-Vorpommern
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 37′ 35,6″ N, 11° 24′ 34,3″ O53.6265511.409538888889Koordinaten: 53° 37′ 35,6″ N, 11° 24′ 34,3″ O
Schüler 691
Lehrer 62
Leitung Frank-Peter Budde
Website http://www.fridericianum.de/cms/

Fridericianum Schwerin ist ein altsprachliches Gymnasium in der Altstadt von Schwerin. Es blickt auf eine mehr als 450-jährige humanistische Tradition zurück. Am Gymnasium können die Schülerinnen und Schüler Englisch, Latein, Französisch, Russisch und als dritte Fremdsprache Griechisch oder Spanisch wählen. Das Graecum wird in Mecklenburg-Vorpommern nur hier durch Schulunterricht erworben. Es gibt ferner Hochbegabtenklassen.

Am 6. Dezember 2007 erhielt das Fridericianum für seinen langjährigen Einsatz für UNICEF das Siegel „Schule aktiv für Unicef“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

ehemaliges Fridericianum am Pfaffenteich, Baujahr 1868-70
heutiges Schulgebäude (früher: Lyzeum)

Am 10. August 1553 wurde die Fürstenschule von Herzog Johann Albrecht I. eingeweiht. Ihr geistiger Vater war Andreas Mylius (1527–1594), der das Modell der sächsischen Fürstenschule in Meißen kopierte. Hervorgegangen ist sie aus einer Lateinschule, die es seit dem Mittelalter am Schweriner Dom gab. Der Anfang der neuen Schule gestaltete sich recht schwierig, zwar förderte Johann Albrecht das Schulwesen und zog durch Stipendien auswärtige Schüler nach Schwerin, aber die Schule war klein – vier Lehrer unterrichteten ca. 70 Schüler – und es gab Widerstände, so dass die Schule schon wenige Monate nach dem Tod ihres Förderers einige Zeit geschlossen wurde. Außerdem ließ um 1600 das Interesse an geistigen Werten nach – der Schwung der Reformation war vorüber –, was rückläufige Schülerzahlen verursachte. Aus der Domschule mit hoher Ausstrahlung wurde nun eine relativ unbedeutende Stadtschule. Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte die Schule nur noch wenige Schüler. Da aber die Domschule auf lange Zeit die einzige höhere Schule in Schwerin war, wurde sie nicht aufgegeben. Durch verbesserte Ausbildung entwickelte sich neues Interesse, so dass die Schule 1753 ihr 200-jähriges Bestehen feiern konnte.

1818 wurde die Domschule in das Gymnasium Fridericianum umbenannt. Der Name sollte auf die landesväterliche Fürsorge des Großherzogs Friedrich Franz I. hinweisen. Johann August Görenz (1767–1836) leitete die Schule von 1817 bis 1833. Er wandelte die Schule in ein „modernes humanistisches Gymnasium“. Zwar behielt die Kirche ihr Mitbestimmungsrecht, doch veränderte sich das Selbstverständnis und die Schule wurde immer mehr als eine staatliche Einrichtung verstanden. 1827 unterrichteten zwölf Lehrkräfte etwa 300 Schüler; die Schulzeit dauerte sieben Jahre. Neuer Schulleiter wurde der Altphilologe Karl Friedrich Wex, 1835 wurde Sport in den Lehrplan aufgenommen.

Während des Nationalsozialismus hatte die Schule großen Zulauf, da Schüler, deren Eltern der NSDAP angehörten, bevorzugt aufgenommen wurden.

In der DDR gab es 1953 Konflikte zwischen der Jungen Gemeinde und der FDJ, als vier Schüler relegiert wurden.

Neugründung

Nach der Friedlichen Revolution 1989 erfolgte eine Neuordnung des Schulwesens. 1991 wurden in Schwerin sieben Gymnasien neu gegründet. Das Fridericianum hatte im ersten Jahr etwa 600 Schüler. 1996 zog die Schule in das ehemalige Lyzeum am Totendamm, das durch den Abzug sowjetischer Truppen wieder zur Verfügung stand. Im Jahr 1998 wurde noch ein Anbau fertig gestellt, so dass die naturwissenschaftlichen Räume der Schule nun den neueren Standards entsprechen.

Herder-Gymnasium

Seit dem 21. August 2006 ist das ehemalige Herder-Gymnasium Schwerin in das Fridericianum übernommen worden.

Schulgebäude

ehemaliges Fridericianum am Pfaffenteich

Fridericianum am Pfaffenteich

Einstiger Sitz der Schule war der zweigeschossige gestreckte Klinkerbau in der heutigen August-Bebel-Straße am Ostufer des Pfaffenteichs. Er wurde von 1868 bis 1870 nach Plänen des Architekten Hermann Willebrand erbaut, enthält Mittel- und Eckrisaliten sowie farblich abgesetzten Terrakotta- und Klinkerschmuck.[1] In DDR-Zeiten war die August-Bebel-Schule hier untergebracht, nach der Wende wurde das Gebäude zwischenzeitlich als Berufsschule des Bereichs Wirtschaft und Verwaltung genutzt. Heute steht es leer, es bestehen jedoch seit Jahren Pläne eines Ausbaus als Hochschulstandort. Das bereits in Schwerin tätige Baltic College hat Interesse an einer Nutzung bekundet.[2]

Lyzeum

Heutiger Standort des Fridericianums ist der als Mädchengymnasium (Lyzeum) von 1911 bis 1914 nach Plänen des Architekten Dr. Ing. H. Dewitz auf dem 1860 geschlossenen Domfriedhof errichtete Bau in der Goethestraße. Das Gebäude hat eine winkelige Form mit Vor- und Rücksprüngen sowie rhythmisiert angeordnete Fenstergruppen, reliefartig ausgeformte Baudetails und steil aufragende Walmdächer.

Bis Juni 1993 wurde das ehemalige Lyzeum ununterbrochen als Schule genutzt, zuletzt als russisches Gymnasium. Nach etwa dreijährigem Leerstand kam 1996 das Gymnasium Fridericianum hier unter. In den Jahren 1995 bis 2000 wurde das Schulgebäude für 21 Millionen DM renoviert und um einen viergeschossigen Anbau erweitert.[3]

Hochbegabtenklassen

Es gibt an dieser Schule auch Hochbegabtenklassen. Im Schuljahr 2008/2009 kamen drei dazu, im Schuljahr 2009/2010 zwei und im Schuljahr 2010/2011 wird es voraussichtlich nur eine Klasse geben. Die Hochbegabtenklassen kommen ab der fünften auf das Fridericianum.

Besondere Projekte

UNICEF

Ein wichtiges Projekt an dieser Schule ist die Zusammenarbeit mit UNICEF. Jedes Jahr findet der Unicef-Lauf, Anlass ist der Weltkindertag, an einem Wochenende nach dem Altstadtfest in Schwerin am Pfaffenteich statt. Das Gymnasium Fridericianum ist seit Anfang des Schweriner Unicef-Laufes dabei.

Europäisches Jugendparlament

Ein weiteres wichtiges Projekt am Fridericianum ist das Europäische Jugendparlament (EJP). Schüler der Schule nahmen bereits im Mai und Oktober 2009 an zwei Sitzungen des EJP in Stuttgart und Lillehammer (Norwegen) teil. Im Januar 2010 wird es eine Sitzung des EJP an der Schule geben, dessen Organisation ehrenamtlich von Schülern der 12. Klasse durchgeführt wird. Die Schüler wollen ihre positiven Erfahrungen weiterreichen und den Anfang einer regelmäßigen Teilnahme des Fridericianums am EJP darstellen. Bei diesem Projekt diskutieren die Schüler der 10. Klassen zusammen mit Schülern anderer Schulen über aktuelle europapolitische Themen. Insgesamt werden etwa 100 Schüler teilnehmen. Die Schirmherrschaft wurde von Henry Tesch, dem Kultusminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern übernommen.

Schülerzeitung

Mehrere Jahre hatte das Fridericianum keine Schülerzeitung, da die Redakteure der No Name nach und nach ihre Schulzeit beendeten. Anfang des Schuljahres 2006/2007 wurde mit der Arbeit an einer neuen Schülerzeitung begonnen, deren erste Ausgabe zu den Weihnachtsferien unter dem Namen Mc Fritz erschien. Die Redaktion besteht aus etwa zehn Mitgliedern, die selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten.

Partnerschulen

  • FrankreichFrankreich Frankreich: Le Ponts de cé „Jean Bodin“
  • PolenPolen Polen: Bielsko-Biała „Armia Krajowa“
  • ItalienItalien Italien: Guastallo „Liceo Scientifico G. Passerini“

Bekannte Rektoren und Lehrer

Bekannte Schüler

Einzelnachweise

  1. Architekturführer DDR, Bezirk Schwerin, 1984, S. 30
  2. Artikel in der Schweriner Volkszeitung: „In repräsentative Gebäude soll Leben einziehen“, 1. März 2008, S. 22
  3. Schülerprojekt Architektur des Lyzeum Schwerin (2003)

Weblinks


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