Friedrich Engels

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Friedrich Engels
Friedrich Engels, Fotograf George Lester ca. 1868[1]
Unterschrift Friedrich Engels

Friedrich Engels (* 28. November 1820 in Barmen in Preußen (heute zu Wuppertal); † 5. August 1895 in London) war ein deutscher Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, Journalist und kommunistischer RevolutionĂ€r. Er entwickelte gemeinsam mit Karl Marx die heute als Marxismus bezeichnete soziale Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie.

Engels beschĂ€ftigte sich schon vor Marx mit der Kritik der politischen Ökonomie. Die 1844 erschienenen Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie (1844) wurden fĂŒr Marx zum Ausgangspunkt seiner eigenen Arbeiten.[2] Bereits 1845 erschien die gemeinsame Schrift Die heilige Familie, mit der Engels und Marx begannen, ihr TheorieverstĂ€ndnis zu formulieren. Im Jahr 1848 verfassten sie im Auftrag des Bundes der Kommunisten das Kommunistische Manifest.

Mit seiner einflussreichen Untersuchung Die Lage der arbeitenden Klassen in England (1845) gehörte Engels zu den Pionieren der empirischen Soziologie.[3] Seine publizistische TĂ€tigkeit trug wesentlich zur Verbreitung des Marxismus bei. Neben dem Anti-DĂŒhring (1877) erfuhr vor allem die Kurzfassung Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft (1880) starke Resonanz. Nach Marx' Tod 1883 gab Engels den zweiten und den dritten Band von dessen Hauptwerk, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, heraus. DarĂŒber hinaus setzte er die Arbeit an der theoretischen Ausformung ihrer gemeinsamen Weltanschauung fort, unter anderem in Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats (1884) und Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie (1888).

Neben seinen ökonomischen und philosophischen Studien befasste sich Engels auch intensiv mit der Entwicklung der Naturwissenschaften und der Mathematik und schuf damit den Grundstein fĂŒr den spĂ€teren dialektischen Materialismus.

Die Gefahr eines Weltkriegs in Europa sah er deutlich voraus und versuchte noch 1893 mit einer Artikelserie im VorwĂ€rts einen Anstoß zur Reduzierung der stehenden Heere zu geben.[4]

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Kindheit und Jugend (1820-41)

Engels war das Ă€lteste von neun Kindern des erfolgreichen Baumwollfabrikanten Friedrich Engels und dessen Frau Elisabeth Franziska Mauritia Engels (geb. van Haar). Engels Vater entstammte einer angesehenen, seit dem 16. Jahrhundert im Bergischen Land ansĂ€ssigen Familie und stand dem Pietismus nahe. Seine Mutter stammte aus einer Philologenfamilie. In seiner Geburtsstadt Barmen (heute Wuppertal) besuchte er die StĂ€dtische Schule. Im Herbst 1834 schickte ihn sein Vater auf das liberale Gymnasium zu Elberfeld. Der Ă€ußerst sprachbegabte SchĂŒler begeisterte sich fĂŒr humanistische Ideen und geriet in zunehmende Opposition zu seinem Vater. Auf dessen DrĂ€ngen musste Engels zum 25. September 1837 das Gymnasium, ein Jahr vor dem Abitur, verlassen, um als Handlungsgehilfe im HandelsgeschĂ€ft seines Vaters in Barmen zu arbeiten. Im Juli 1838 reiste er nach Bremen, um dort im Hause des Großhandelskaufmanns und sĂ€chsischen Konsuls Heinrich Leupold seine Ausbildung bis April 1841 fortzusetzen. Er wohnte im Haushalt von Georg Gottfried Treviranus, Pastor an der Martini-Kirche.

Im weltoffenen Bremen hatte Engels Gelegenheit, neben seiner kaufmĂ€nnischen Ausbildung die durch Presse und Buchhandel verbreiteten liberalen Ideen zu verfolgen. Er fĂŒhlte sich vor allem von den liberalen Dichtern und Publizisten des „Jungen Deutschland“ angesprochen und unternahm selbst literarische Versuche.

Noch im FrĂŒhjahr 1839 begann Engels, mit dem radikalen Pietismus seiner Geburtsstadt abzurechnen. In seinem Artikel Briefe aus dem Wuppertal, der 1839 im Hamburger Telegraph erschien, schilderte er, wie der religiöse Mystizismus im Wuppertal alle Bereiche des Lebens durchdrang und machte auf den Zusammenhang zwischen der pietistischen Lebenseinstellung und dem sozialen Elend aufmerksam.

Engels betĂ€tigte sich als Bremer Korrespondent des Stuttgarter Morgenblatts fĂŒr gebildete Leser, ab 1840 bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Er schrieb zahlreiche Literaturkritiken, Gedichte, Dramen und verschiedene Prosaarbeiten. DarĂŒber hinaus verfasste er Berichte zur Auswanderungsfrage und ĂŒber die „Schraubendampfschifffahrt“. Wichtige Förderer seiner literarisch-politischen Interessen waren zu dieser Zeit Ludwig Börne, Ferdinand Freiligrath und insbesondere Karl Gutzkow. In dessen Telegraph fĂŒr Deutschland erschienen von 1839 bis 1841 unter dem Pseudonym „Friedrich Oswald“ zahlreiche BeitrĂ€ge von Engels.

Ab September 1841 leistete Engels seinen MilitĂ€rdienst als EinjĂ€hrig-Freiwilliger bei der Garde-Artillerie-Brigade in Berlin ab und besuchte dort Vorlesungen zur Philosophie an der UniversitĂ€t. Er nĂ€herte sich dem Kreis der Junghegelianer und schloss sich der Gruppe um Bruno und Edgar Bauer, den sog. „Freien“, an. Zur Jahreswende 1841/42 veröffentlichte Engels – unter dem Eindruck von Schellings Berliner Hegel-Vorlesungen - einen Artikel und zwei BroschĂŒren, die sich gegen die Philosophie Schellings richteten.[5]

Seit seinen Streitschriften gegen Schelling widmete Engels der Philosophie immer grĂ¶ĂŸere Aufmerksamkeit. Er studierte die Werke Hegels, beschĂ€ftigte sich ausfĂŒhrlich mit dem Stand der religionskritischen Forschungen und wandte sich zum ersten Mal der Philosophie der französischen Materialisten zu. Ab Mitte 1842 begann er, sich mit Ludwig Feuerbach (Das Wesen des Christentums) auseinanderzusetzen, der in seinen Werken die Religion sowie den Hegelschen Idealismus verwarf. Unter dem Eindruck dieser Studien entfernte sich Engels zunehmend vom Junghegelianismus und fing an, Positionen des Materialismus einzunehmen. Damit verbunden bekamen fĂŒr ihn politische Tagesfragen ein immer stĂ€rkeres Gewicht. Seit April 1842 veröffentlichte er gegen den reaktionĂ€ren Kurs des preußischen Staates gerichtete Artikel in der Rheinischen Zeitung , dem damals fĂŒhrenden Organ der oppositionellen bĂŒrgerlichen Bewegung in Deutschland.

„Briefe aus dem Wuppertal“ und BeschĂ€ftigung mit den Junghegelianern

Engels interessierte sich schon sehr frĂŒh fĂŒr die prekĂ€re Lage der Arbeiterschaft. Im bereits 1839 im Telegraph fĂŒr Deutschland veröffentlichten Aufsatz Briefe aus dem Wuppertal,[6] beschreibt er unter anderem die Degenerationserscheinungen deutscher Industriearbeiter - wie die Verbreitung des Mystizismus und der Trunkenheit - und die Kinderarbeit in den Fabriken.

Daneben beschĂ€ftigte sich Engels in der Folgezeit stark mit den Junghegelianern, insbesondere mit David Friedrich Strauß. In den Jahren 1842/43 erschienen – unter dem Eindruck von Schellings Hegel-Vorlesungen in Berlin – Artikel und BroschĂŒren zu Schelling und dessen Hegel-Kritik.[7] Engels kritisiert darin den Versuch Schellings, die christliche Religion zu rechtfertigen und verteidigt die Hegelsche Dialektik. Schellings Philosophie stelle einen RĂŒckfall in die Scholastik und Mystik dar und sei der Versuch, die Philosophie wieder zur „Magd der Theologie“[8] zu erniedrigen.

Erste revolutionÀre Schritte (1842-44)

Rheinische Zeitung
Junger Friedrich Engels

Im November 1842 reiste Engels ĂŒber Köln - wo er bei einem Redaktionsbesuch der Rheinischen Zeitung erstmals Karl Marx persönlich begegnete - nach Manchester, wo er im Stadtteil Chorlton-on-Medlock wohnte, um seine kaufmĂ€nnische Ausbildung in der seinem Vater und dessen Partner Ermen gehörenden Baumwollspinnerei zu vollenden.

Im industriell viel weiter entwickelten England lernte Engels die RealitĂ€t der dortigen Arbeiterklasse kennen, was seine politische Haltung verĂ€nderte und auf Lebenszeit prĂ€gte. Der Feudalismus war dort bereits ĂŒberwunden und die WidersprĂŒche zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse traten fĂŒr Engels offen zutage. Er suchte den Kontakt mit der sich formierenden englischen Arbeiterbewegung und lernte deren Kampfformen wie Streiks, Meetings und Gesetzesinitiativen kennen.[9] Die Irin Mary Burns, Engels LebensgefĂ€hrtin, spielte dabei eine wichtige Rolle.[10]

1843 nahm Engels in London Kontakt mit der ersten revolutionĂ€ren deutschen Arbeiterorganisation, dem „Bund der Gerechten“, auf und begegnete dort fĂŒhrenden Mitgliedern wie Heinrich Bauer, Joseph Moll und Karl Schapper. Gleichzeitig trat er mit den englischen Chartisten in Leeds in Verbindung und schrieb erste Artikel, die in den Zeitungen der Owenisten (The New Moral World) und Chartisten (The Northern Star) erschienen. In den Herbst 1843 geht seine Freundschaft mit dem ChartistenfĂŒhrer Julian Harney und dem Handelsgehilfen und Dichter Georg Weerth zurĂŒck, der spĂ€ter das Feuilleton der Neuen Rheinischen Zeitung in den Revolutionsjahren 1848/49 leiten sollte.

Bewegt von den zĂ€hen KĂ€mpfen des englischen Proletariats, vertiefte sich Engels in das Studium der bestehenden Theorien der kapitalistischen Gesellschaft. Er griff zu den Werken der englischen und französischen Utopisten (Robert Owen, Charles Fourier, Claude-Henri de Saint-Simon) und der klassischen bĂŒrgerlichen politischen Ökonomie (Adam Smith, David Ricardo). Die Resultate seiner Studien veröffentlichte er in der Rheinischen Zeitung, in englischen ArbeitsblĂ€ttern und in einer Schweizer Zeitschrift. Im Februar 1844 entstanden dann die Schriften Die Lage Englands und Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie in den Deutsch-Französischen JahrbĂŒchern, die von Karl Marx und Arnold Ruge in Paris herausgegeben wurden. Er versuchte darin eine erste Antwort auf die Frage zu geben, welche Rolle die ökonomischen Bedingungen und Interessen fĂŒr die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft spielen.

Kurz nach seiner Ankunft in Manchester hatte Engels die irischen Arbeiterinnen Mary und Lizzie Burns kennengelernt, mit denen er zeitlebens in Liebe verbunden war; einen Tag vor Lizzies Tod (11. September 1878) ging er noch offiziell die Ehe mit ihr ein.

Mit Marx stand Engels seit seiner Mitarbeit an den Deutsch-Französischen JahrbĂŒchern im regelmĂ€ĂŸigen Briefwechsel. Bei seiner RĂŒckreise nach Deutschland, Ende August 1844, besuchte er ihn in Paris fĂŒr zehn Tage. Beide stellten fest, dass ihre Ansichten ĂŒbereinstimmten und entschieden, weiterhin eng zusammenzuarbeiten.

Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie

Mit seiner Ankunft in England (1842) und der Konfrontation mit dem Chartismus und den ersten historischen Auseinandersetzungen der Arbeiterbewegung, verlagerte sich Engels Interesse auf die Analyse der sozialen und politischen Situation der Arbeiterschaft. Er kam zu der Überzeugung, dass der Kampf der materiellen Interessen der Hauptantrieb der gesellschaftlichen Entwicklung ist, welcher seinen politischen Ausdruck im Klassenkampf findet. Seine theoretischen Ansichten zu dieser Zeit kommen am besten in der Schrift Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie[11] zum Ausdruck. Engels formuliert darin seine Kritik an der idealistischen und materialistischen Philosophie. Als zentrale Kategorie des Kapitalismus stellt er das Privateigentum heraus, das den Grund fĂŒr die Entfremdung der Arbeit, die Bildung von Monopolen und die wiederkehrenden Krisen darstelle. Die Lösung der Probleme des Kapitalismus sieht Engels in einer rationellen Organisation der Produktion.[12]

Erste Zusammenarbeit mit Karl Marx (1844-47)

Die Lage der arbeitenden Klasse in England
Das Kommunistische Manifest

Nach seiner RĂŒckkehr nach Barmen fand Engels verĂ€nderte VerhĂ€ltnisse vor. Der Aufstand der schlesischen Weber im Juni 1844 hatte auch in anderen Teilen Deutschland Arbeiterstreiks ausgelöst. Diese beeinflussten auch die bĂŒrgerlichen KrĂ€fte in Rheinpreußen zur Opposition gegen die preußische Regierung. Um die oppositionellen KrĂ€fte zu unterstĂŒtzen, bemĂŒhte sich Engels, Verbindung zu den im Rheinland wirkenden Sozialisten aufzunehmen, deren fĂŒhrender Theoretiker Moses Heß war. Mit ihm und dem Maler und Dichter Adolph Köttgen entfaltete er ab dem Herbst 1844 in Elberfeld eine rege agitatorische TĂ€tigkeit. In den Elberfelder Reden[13] vom Februar 1845 propagierte Engels eine kommunistische Gesellschaft, worauf ihm von der Provinzialregierung alle öffentlichen Versammlungen verboten wurden. Er konzentrierte sich nun darauf, die Verbindungen zwischen den illegal arbeitenden sozialistischen Gruppen zu festigen und pflegte seine internationalen Beziehungen – vor allem zu den englischen Sozialisten und Chartisten. FĂŒr die sozialistische Zeitschrift The New Moral World, an der er bereits in England mitgearbeitet hatte, schrieb er mehrere Artikel, in denen er ĂŒber die Entwicklung sozialistischer Strömungen in Deutschland berichtete. DarĂŒber hinaus bemĂŒhte er sich, die verschiedenen Gruppen fĂŒr die von Marx und ihm vertretenen Ideen zu gewinnen und die vorhandenen idealistischen und utopisch-sozialistischen Vorstellungen zu ĂŒberwinden. Ein wichtiges Ereignis war dabei das Erscheinen der Heiligen Familie im Februar 1845. Die wissenschaftliche Öffentlichkeit in Deutschland reagierte auf das Gemeinschaftswerk von Marx und Engels mit zumeist heftigen Angriffen auf das darin enthaltene materialistisch-sozialistische Ideengut. Um den ideologischen Klassenkampf weiter voranzutreiben, arbeitete Engels seit seiner Ankunft in Barmen intensiv an seinem Werk Die Lage der arbeitenden Klasse in England, das im MĂ€rz 1845 im Verlag von Otto Wigand erschien. Es wurde von den wichtigsten deutschen Zeitungen und Zeitschriften besprochen und fand bei den demokratischen KrĂ€ften des BĂŒrgertums großes Interesse.

Im April 1845 ĂŒbersiedelte Engels nach BrĂŒssel, um Marx zu unterstĂŒtzen, der unter dem Druck der preußischen Reaktion von der französischen Regierung aus Frankreich ausgewiesen worden und in das junge Königreich Belgien gezogen war. Noch im gleichen Jahr folgte ihm Mary Burns aus England. Marx und Engels bauten in BrĂŒssel einen gemeinsamen Freundes- und Bekanntenkreis auf, zu dem unter anderem Moses Heß, Ferdinand Freiligrath, Joseph Weydemeyer und Joachim Lelewel gehörten. Marx und Engels stellten fest, dass sich in der kommunistischen Bewegung Ideen ausbreiteten, die die Aufnahme ihrer neuen Erkenntnisse hemmten. Sie begannen daher mit der Arbeit an der Schrift Die deutsche Ideologie, die eine Kritik an Feuerbach und den „seitherigen deutschen Sozialismus“ umfasste.[14] Nach sechs Monaten beendeten sie im Mai 1846 ihr Werk. Engels bemĂŒhte sich bis 1847 vergeblich um einen Verleger und verfasste als ErgĂ€nzung Anfang 1847 noch die Arbeit Die wahren Sozialisten.[15] Nachdem sie aus ihrer Sicht die theoretischen Grundlagen fĂŒr die kĂŒnftige Umgestaltung der Gesellschaft gelegt hatten, sahen Marx und Engels ihre wichtigste Aufgabe darin, „das europĂ€ische und zunĂ€chst das deutsche Proletariat“ fĂŒr ihre Überzeugungen zu gewinnen.[16] Sie widmeten sich nach 1846 immer stĂ€rker der praktischen TĂ€tigkeit fĂŒr die Bildung einer proletarischen Partei. Im Februar 1846 grĂŒndeten sie zusammen mit Philippe Gigot in BrĂŒssel das Kommunistische Korrespondenz-Komitee, das die Verbindung zwischen den Kommunisten in den verschiedenen LĂ€ndern herstellen sollte. Im Laufe des Jahres 1846 kam es zur GrĂŒndung weiterer Komitees in zahlreichen europĂ€ischen StĂ€dten. Marx und Engels hielten diese zumeist kleinen Gruppen fĂŒr die Basis, um ihre Ideen in die Arbeiterbewegung hineinzutragen und sich mit jenen weltanschaulichen Konzepten auseinanderzusetzen, die bis dahin die Vorstellungswelt der Arbeiter bestimmten. Dazu gehörten vor allem der utopische Kommunismus Wilhelm Weitlings, die Lehren des französischen Sozialisten Proudhon und die Auffassungen des „wahren“ Sozialismus (Karl GrĂŒn).

Ende Januar 1847 traten Marx und Engels dem „Bund der Gerechten“ bei, der sich ihren Ideen inzwischen angenĂ€hert hatte. Sie arbeiteten nun energisch daraufhin darauf hin, den „Bund“ in eine Partei der Arbeiterklasse umzuwandeln. WĂ€hrenddessen schrieb Marx in BrĂŒssel an seiner theoretischen Streitschrift MisĂšre de la philosophie (Das Elend der Philosophie), die im Juli 1847 in Frankreich herauskam und eine Kritik an den ReformplĂ€nen Proudhons enthielt. Engels propagierte in Paris die in dem Buch behandelten theoretischen Fragen unter den deutschen Kommunisten und den FĂŒhrern der französischen Sozialisten. Im Juni 1847 fand der erste der beiden Bundeskongresse des „Bundes der Gerechten“ statt, der sich nun in den „Bund der Kommunisten“ umbenannte, da fĂŒr deren Mitglieder nicht mehr die „Gerechtigkeit“, sondern der Angriff auf „die bestehende Gesellschaftsordnung und das Privateigentum“[17] im Vordergrund stand. An die Stelle der alten Bundesdevise „Alle Menschen sind BrĂŒder“ trat nun die revolutionĂ€re Klassenlosung „Proletarier aller LĂ€nder, vereinigt euch!“. In Form von 22 Fragen und Antworten beschloss der Kongress den „Entwurf eines Kommunistischen Glaubensbekenntnis“.

Im August 1847 grĂŒndete Engels gemeinsam mit Marx den BrĂŒsseler Deutschen Arbeiterverein, im September - nach dem Muster der Londoner Fraternel Democrats[18] – die Association dĂ©mocratique (Demokratische Gesellschaft). Anfang November 1847 verfasste Engels – beauftragt von den Pariser Mitgliedern des „Bundes der Kommunisten“ - die GrundsĂ€tze des Kommunismus. Noch im selben Monat nahmen Marx und Engels am zweiten Kongress des „Bundes der Kommunisten“ in London teil, wo sie beauftragt wurden, das Programm des Bundes weiter auszuarbeiten, woraus Das Kommunistische Manifest entstand, das im Februar 1848 in London erschien. Im Hintergrund ihrer Arbeit stand die Erwartung, dass die bĂŒrgerliche Revolution von 1848 den proletarischen Umsturz der bestehenden gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse in Deutschland nach sich ziehen werde.

Die Lage der arbeitenden Klasse in England

Nach seiner RĂŒckkehr von England nach Deutschland verfasste Engels in der Zeit von November 1844 bis MĂ€rz 1845 Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Das 1845 erschienene Werk stellt Engels erste grĂ¶ĂŸere eigenstĂ€ndige Veröffentlichung dar. Es fiel in eine Zeit besonderer sozialer Spannungen in Deutschland (Weberaufstand). Engels wendet sich hier der sozialen Frage zu – ausgehend von den VerhĂ€ltnissen in England, die er aus eigener Anschauung kannte. Er beschreibt die elenden Wohnquartiere der Arbeiter in den englischen IndustriestĂ€dten und schildert die Arbeitssituation des Proletariats, weist auf Kinderarbeit, Berufskrankheiten und Sterblichkeitsraten hin. Schließlich informiert er ĂŒber die zusĂ€tzliche Knebelung der Arbeiterfamilien durch den Zwang, bei den Unternehmern Lebensmittel einzukaufen und in den von ihnen bereitgestellten Wohnungen zu wohnen (Truck- und Cottagesystem).

Gemeinsame Aufarbeitung der philosophischen Vergangenheit

Die im September 1844 geschlossene Freundschaft mit Marx fĂŒhrte zunĂ€chst zu einer gemeinsamen Aufarbeitung ihrer philosophischen Vergangenheit. Ihre erste gemeinsame Schrift Die heilige Familie, oder Kritik der kritischen Kritik (1845) markiert ihren Übergang vom Idealismus zum Materialismus. Marx und Engels rechnen darin mit ihren frĂŒheren junghegelianischen Gesinnungsgenossen, insbesondere mit Bruno Bauer, ab. Bauers „kritischer Kritik“ werfen sie vor, dass in ihrem Zentrum nicht Menschen, sondern „Kategorien“ – Geist und Selbstbewusstsein – stehen und sie hinter das von Feuerbach erreichte Niveau zurĂŒckfalle, die den spekulativen Idealismus der Hegelschen Philosophie lĂ€ngst ĂŒberwunden habe.

Als Antwort auf polemische BeitrĂ€ge Bruno Bauers und Max Stirners in Wiegands Vierteljahresschrift entstand bis Mai 1846 die wohl wichtigste Schrift dieser Periode, Die deutsche Ideologie. Kritik der neuesten deutschen Philosophie in ihren ReprĂ€sentanten, Feuerbach, B. Bauer u. Stirner, u. des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten. In der Schrift fassen Marx und Engels ihre Kritik an der junghegelianischen Philosophie zusammen, deren Forderung nach BewusstseinsverĂ€nderung darauf hinauslaufe, das Bestehende nur anders zu interpretieren, es aber ansonsten anzuerkennen. Feuerbachs Materialismus, Bauers Philosophie des Selbstbewusstseins und Stirners individualistischer Anarchismus ließen trotz aller theoretischen RadikalitĂ€t die praktischen VerhĂ€ltnisse unangetastet bestehen. Daneben kritisieren sie den deutschen Sozialismus, der sich zwar kosmopolitisch gebe, aber „nationale Borniertheit“[19] zeige. Er sei von einer sozialen zu einer nur noch literarischen Bewegung verkommen und befriedige so einzig die BedĂŒrfnisse des deutschen KleinbĂŒrgertums.[20]

Mit der Trennung von den Junghegelianern und Sozialisten radikalisierten sich die Positionen von Marx und Engels. 1847 wurden sie vom zweiten Kongress des Bundes der Kommunisten mit der Ausarbeitung des Manifests der Kommunistischen Partei beauftragt. Das Werk formuliert den Klassenkampf als Prinzip der bisherigen Geschichte und begreift den Aufstieg der modernen Bourgeoisie als Sieg einer revolutionĂ€ren Klasse. Mit ihrem Sieg verliere aber die Bourgeoisie ihre revolutionĂ€re Rolle und hemme die weitere Entwicklung der ProduktivkrĂ€fte. Die Bourgeoisie habe in ihrem Kampf gegen den Feudalismus sĂ€mtliche ĂŒberkommenden VerhĂ€ltnisse der Menschen untereinander zerstört und an deren Stelle das „reine GeldverhĂ€ltnis“[21] gesetzt. Bedingung der von ihr geschaffenen kapitalistischen Gesellschaft sei die Lohnarbeit, ihre Konsequenz das Proletariat, das durch seine Arbeit das Kapital vermehre, ohne sich selbst Eigentum beschaffen zu können. Die Bourgeoisie produziere so „vor allem ihre eignen TotengrĂ€ber“.[22] Das Manifest schließt mit dem Kampfaufruf „Proletarier aller LĂ€nder, vereinigt euch!“[23] Es erlangte zwar keine unmittelbare politische Wirksamkeit, wurde jedoch spĂ€ter zur Grundlage sozialistischer und kommunistischer Parteiprogramme.

Von der MĂ€rzrevolution bis zur Übersiedelung nach London (1848-70)

Neue Rheinische Zeitung
Engels, Fotograf Egidius Franz Carl Billotte (geb.1828)[24]

Nach dem Ausbruch der MĂ€rzrevolution in Wien und BarrikadenkĂ€mpfen in Berlin (MĂ€rz 1848) trafen sich Marx und Engels in Paris und arbeiteten dort die Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland[25] aus, die als Flugblatt gedruckt wurden. Danach verließen beide Paris und trafen im April in Köln ein, um mit den Vorbereitungen zur GrĂŒndung der Neuen Rheinische Zeitung zu beginnen; unter den Bedingungen der eben erkĂ€mpften Pressefreiheit erschien eine große Tageszeitung als das wirksamste Mittel, die politischen Ziele in aller Öffentlichkeit zu vertreten. Marx wurde Chefredakteur der neuen Zeitung, Engels sein Stellvertreter. Wegen drohender Verhaftung musste Engels im September 1848 Köln verlassen und fuhr in die Schweiz, um dort an der Organisation der Arbeitervereine mitzuwirken. Im Januar 1849 kehrte er nach Köln zurĂŒck, wo er in dem Presseprozess gegen die Neue Rheinische Zeitung vom Kölner Geschworenengericht freigesprochen wurde.

Im Mai 1849 unterstĂŒtzte Engels zeitweise aktiv den Elberfelder Aufstand. Einen Monat spĂ€ter trat er in die badisch-pfĂ€lzische Armee ein und nahm als Adjutant Willichs an den revolutionĂ€ren KĂ€mpfen gegen Preußen in Baden und der Pfalz teil. Hier begegnete er erstmals Johann Philipp Becker, dem Kommandeur der badischen Volkswehr, mit dem ihn spĂ€ter eine enge Freundschaft verband. Seine Kritik an der halbherzigen Politik der badischen Revolutionsregierung und dem letztlich unglĂŒcklichen Feldzug legte er spĂ€ter in seinem Werk Die deutsche Reichsverfassungskampagne[26] nieder. Nach der Niederlage der MĂ€rzrevolution flĂŒchtete Engels wie viele revolutionĂ€re Emigranten ĂŒber die Schweiz nach England. Im September 1850 spaltete sich der Bund der Kommunisten. Zwei Monate spĂ€ter arbeitete Engels wieder bei Ermen & Engels in Manchester und ĂŒbernahm spĂ€ter den Anteil seines Vaters, den er schließlich (1870) an Ermen verkaufte. Engels begann, MilitĂ€rwesen zu studieren; aufgrund seiner praktischen militĂ€rischen Erfahrungen im Wehrdienst sowie den KĂ€mpfen in Baden entwickelte er sich zum MilitĂ€rexperten, was ihm den Spitznamen „General“ einbrachte. Ende 1850 begann er zudem, die russische und andere slawische Sprachen zu erlernen und beschĂ€ftigte sich mit der Geschichte und Literatur der slawischen Völker. Seine Sprachstudien setzte er im Jahre 1853 mit dem Erlernen des Persischen fort. Engels beherrschte zwölf Sprachen aktiv und zwanzig passiv, darunter Altgriechisch, Altnordisch, Arabisch, Bulgarisch, DĂ€nisch, Englisch, Französisch, Friesisch, Gotisch, Irisch, Italienisch, Latein, NiederlĂ€ndisch, Norwegisch, Persisch, Portugiesisch, RumĂ€nisch, Russisch, Schottisch, Schwedisch, Serbokroatisch, Spanisch, Tschechisch.[27][28]

Auf das Jahr 1850 geht auch der Beginn des stĂ€ndigen brieflichen Gedankenaustauschs mit Marx zurĂŒck. Unter dem Namen seines Freundes schrieb er ab 1851 bis 1862 regelmĂ€ĂŸig fĂŒr die Zeitschrift New York Tribune. Von 1853-1856 veröffentlichte er diverse Artikel ĂŒber den Krimkrieg und andere internationale Ereignisse in der New-York Daily Tribune und in der Neuen Oder-Zeitung.

Von 1857 bis 1860 arbeitete Engels an der von Charles Dana in New York herausgegebenen New American Cyclopaedia mit und erstellte eine Reihe von MilitÀr- sowie biographische und geographische Artikel. Zudem verfasste er zahlreiche Zeitungsartikel, unter anderem zu dem Krieg in Italien von 1859.

Ende der 1850er und Anfang der 1860er Jahre befasste sich Engels in zwei Schriften mit dem aufkommenden europĂ€ischen Nationalismus. Im April 1859 erschien in Berlin als anonyme BroschĂŒre die Arbeit Po und Rhein, in der er sich gegen die österreichische Vorherrschaft in Italien wandte und die Überzeugung vertrat, dass nur ein unabhĂ€ngiges Italien im Interesse Deutschlands liege. FĂŒr die Deutschen forderte er die „Einheit, die [
] allein uns nach innen und außen stark machen kann“.[29] Anfang 1860 veröffentlichte er ebenfalls anonym die Schrift Savoyen, Nizza und der Rhein, in der er sich gegen die Annexion Savoyens und Nizzas durch Napoleon III. aussprach und vor einer „russisch-französischen Allianz“[30] warnte.

WĂ€hrend Engels zu Beginn der 1860er Jahre von einer Reihe von privaten Vorkommnissen erschĂŒttert wurde - dem Tod seines Vaters (1860), dem seiner engen Freundin Mary Burns (1863) und seines langjĂ€hrigen Kampfgenossen Wilhelm Wolff (1864) - zogen zwei politische Ereignisse die Aufmerksamkeit von Engels und Marx auf sich. Den Amerikanischen BĂŒrgerkrieg (1861-65) betrachteten beide als ein „Schauspiel ohne Parallele in den Annalen der Kriegsgeschichte“.[31] Engels forderte von den Nordstaaten, den Krieg auf revolutionĂ€re Weise zu fĂŒhren und die Volksmassen stĂ€rker einzubeziehen. Er betonte, dass der Kampf fĂŒr die Befreiung der Schwarzen die ureigenste Sache der Arbeiterklasse sei, und auch die weißen Arbeiter solange nicht frei sein könnten wie die Sklaverei existiere. Im polnischen Aufstand gegen das zaristische Russland (1863) sah Engels eine wichtige Voraussetzung, den reaktionĂ€ren Einfluss des Zarismus in Europa zu schwĂ€chen und die demokratische Bewegung in Preußen, Österreich und Russland selbst zu entfalten.[32]

Nach dem Tod Ferdinand Lassalles (September 1864) arbeitete Engels nach Vorschlag Marx’ an der Zeitung des ADAVs, Social-Demokrat, mit, um deren Mitglieder fĂŒr eine revolutionĂ€re Politik zu gewinnen. Im Februar 1865 stellten beide ihre Mitarbeit ein, da das Blatt immer deutlicher Bismarcks NĂ€he suchte.[33] 1865 erschien in Hamburg die BroschĂŒre Die preußische MilitĂ€rfrage und die deutsche Arbeiterpartei, in der es Engels primĂ€r darum ging, gegen die Lassalleaner und den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein eine revolutionĂ€re Position in Erinnerung zu rufen.

Nachdem Marx seit den 1850er Jahren an der Erstellung des Kapital gearbeitet hatte, erschien der erste Band im September 1867. Engels hatte die langjĂ€hrigen ökonomischen Studien von Marx ĂŒberhaupt erst ermöglicht, indem er den „„hĂŒndischen Commerce“[34] auf sich nahm und den Lebensunterhalt der Familie Marx zu einem großen Teil bestritt. Engels vermochte Marx auf allen Gebieten der ökonomischen Theorie zu beraten. Von grĂ¶ĂŸtem Wert war auch sein Rat in praktischen Fragen.[35] Da fĂŒr die Verbreitung der im „Kapital“ enthaltenen Ideen zunĂ€chst noch keine Arbeiterzeitungen zur VerfĂŒgung standen, veröffentlichte Engels unter dem Deckmantel der Kritik in der bĂŒrgerlichen Presse mehrere Rezensionen zu Marx' Werk. Im Jahr 1868 konnte er dann im von Wilhelm Liebknecht neu herausgegebenen Demokratischen Wochenblatt ohne die vorherigen BeschrĂ€nkungen das Werk als das wichtigste Buch fĂŒr die Arbeiterschaft wĂŒrdigen.[36]

In London bis zum Tode von Marx (1870-83)

Engels Wohnhaus in Primrose Hill, London
Engels 1877

Im Oktober 1870 zog Engels mit Lizzie Burns nach London in die NĂ€he der Marxschen Wohnung. Unterdessen war in Mitteleuropa der deutsch-französische Krieg ausgebrochen. Marx und Engels fiel es schwer, „sich mit dem Gedanken zu versöhnen, dass, anstatt fĂŒr die Zerstörung des Kaiserreichs zu kĂ€mpfen, das französische Volk sich fĂŒr seine VergrĂ¶ĂŸerung opfert“.[37] Sie vertraten die Ansicht, dass der Krieg von Seiten Frankreichs ein dynastischer Krieg war, der die persönliche Macht Bonapartes sichern sollte. Die deutschen Arbeiter mĂŒssten daher den Krieg unterstĂŒtzen, solange er ein Verteidigungskrieg gegen Napoleon III., den Hauptfeind der nationalstaatlichen Einigung Deutschlands, bliebe.[38] Von Ende Juli 1870 bis Februar 1871 verfasste Engels ĂŒber den Verlauf des Krieges anonym 59 Artikel fĂŒr die Londoner Tageszeitung Pall Mall Gazette,[39] die aufgrund ihres militĂ€rischen Sachverstands in London großes Aufsehen erregten. Hatte Engels bis zur Niederlage Napoleons III. (2.9.1870) in seinen Artikeln noch die Ansicht vertreten, dass Deutschland sich gegen den französischen Chauvinismus verteidigte, so verwandelte sich danach der Krieg fĂŒr ihn „langsam aber sicher in einen Krieg fĂŒr die Interessen eines neuen deutschen Chauvinismus“.[40]

Im Oktober 1870 wurde Engels auf Vorschlag von Marx zum Mitglied des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation gewĂ€hlt. In der Folgezeit war er als korrespondierender SekretĂ€r fĂŒr Belgien, Spanien, Portugal, Italien und DĂ€nemark tĂ€tig. Nach der Niederlage der Kommunarden der Pariser Kommune bildete der Generalrat ein FlĂŒchtlingskomitee fĂŒr die Pariser FlĂŒchtlinge, die meist nach London strömten. Auf Engels Anstoß verfasste Marx die Schrift Der BĂŒrgerkrieg in Frankreich, die fĂŒr alle Mitglieder der „Internationale“ die Bedeutung des Pariser Kampfes herausstellen sollte; Engels ĂŒbersetzte diese Schrift Mitte 1871 aus dem Englischen ins Deutsche.

Seit 1873 beschĂ€ftigte sich Engels intensiv mit philosophischen Problemen der Naturwissenschaften. Seine Absicht war, nach grĂŒndlichen Vorarbeiten ein Buch zu schreiben, in dem er eine dialektisch-materialistische Verallgemeinerung der theoretischen Erkenntnisse der Naturwissenschaften geben wollte. Inmitten dieser Studien erging von Liebknecht und Marx an ihn die Bitte, der „DĂŒhringsseuche“[41]in Deutschland entgegenzuwirken. Dieser Aufgabe kam er 1876 bis 1878 mit der Schrift Herrn Eugen DĂŒhrings UmwĂ€lzung der Wissenschaft (Anti-DĂŒhring) nach. Sie erschien zuerst im VorwĂ€rts, dem Zentralorgan der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, 1878 in Buchform.

Dialektik der Natur und Anti-DĂŒhring

Nach dem RĂŒckzug aus der Firma (1869) zielten Engels Veröffentlichungen auf die „begriffliche PrĂ€zisierung, historische Vertiefung und methodische Abgrenzung des wissenschaftlichen Sozialismus“.[42] Von 1873-1882 entstand das Fragment Dialektik der Natur. Engels wurde zu dem Werk motiviert durch die Kritik der aufkommenden Naturwissenschaften an der Philosophie Hegels und die Übertragung naturwissenschaftlicher Theorien auf die Gesellschaft. Engels will nachweisen, dass sich in der Natur dieselben Bewegungsgesetze entdecken lassen, die auch in der Geschichte gelten. Neben den Thesen von der Ewigkeit der Materie und der Bewegung formuliert er die drei Grundgesetze der Dialektik. Der Dialektik stellt Engels das „metaphysische“ Denken gegenĂŒber, das sich an starren Kategorien, statt an widersprĂŒchlichen Prozessen orientiere. Anhand vieler Beispiele will Engels zeigen, dass die Natur nicht „metaphysisch“, sondern dialektisch strukturiert ist. In großer Detailtreue verarbeitet er dabei fast alle naturwissenschaftlichen Einsichten und Entdeckungen seiner Zeit.[43]

In dem 1877/78 als Artikelserie im VorwĂ€rts unter Mitarbeit von Karl Marx erschienenen Werk Herrn Eugen DĂŒhrings UmwĂ€lzung der Wissenschaft („Anti-DĂŒhring“) setzt sich Engels kritisch mit einigen Werken von Eugen DĂŒhring auseinander.[44] Seine Kritik richtet sich dabei gegen den dogmatisch-metaphysischen Charakter von DĂŒhrings „Wirklichkeitsphilosophie“ und dessen UnfĂ€higkeit, den „dialektischen“ Entwicklungsprozess der Welt zu verstehen. Gleichzeitig stellt das Werk einen ersten Versuch dar, eine enzyklopĂ€dische Zusammenfassung sowohl der Geschichte des Sozialismus als auch der Lehrmeinungen des Marxschen Kommunismus liefern.

Der auf den „Anti-DĂŒhring“ aufbauende und 1880 zuerst erschienene Aufsatz Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft entwickelt die GrundsĂ€tze des Historischen Materialismus. FĂŒr Engels war der FrĂŒhsozialismus (Saint-Simon, Fourier, Owen) „utopisch“, weil er undialektisch an zeitlose Vernunftwahrheiten appellierte. Diesen Mangel habe Hegel behoben, indem er die gesamte Wirklichkeit als einen dialektischen Entwicklungsprozess ansah – allerdings in verkehrter Weise als die Entfaltung der „Idee“. Erst Marx machte durch seine Auffassung der Geschichte als Geschichte von KlassenkĂ€mpfen und der Entdeckung des „Mehrwerts“ als des „Geheimnisses der kapitalistischen Produktion“[45] den Sozialismus zur Wissenschaft. Er wies nach, dass die bĂŒrgerliche Gesellschaft an der Logik ihres Grundwiderspruchs von gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung notwendig scheitern mĂŒsse. WĂ€hrend es die historische Aufgabe der Bourgeoisie gewesen sei, die ProduktivkrĂ€fte zu entwickeln, sei es jetzt die Aufgabe des Proletariats, deren gesellschaftliche Aneignung durchzusetzen.

Nach Marx' Tod (1883-95)

Friedrich Engels im Jahr 1891, Fotograf William Elliott Debenham (1839-1924)
Engels (Vierter von links) im Gasthof zum Löwen in Bendlikon bei ZĂŒrich 1893 zusammen mit der Familie Bebel und einigen anderen prominenten Vertretern der sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland (von links nach rechts: Dr. Simon – Schwiegersohn August Bebels –, Frieda Simon-Bebel, Clara Zetkin, Friedrich Engels, Julie Bebel, August Bebel, Ernst Schattner[46], Regine Bernstein, Eduard Bernstein (teilweise abgeschnitten))

Nach dem Tode von Marx (1883) wurde Engels zum Hauptberater des „marxistisch“ beeinflussten Teils der internationalen, besonders der deutschen Arbeiterbewegung. Er nahm Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie und deren Erfurter Programm (1891).

Außerdem ĂŒbernahm er die Bearbeitung und Herausgabe von Marx' Werken sowie die Aufsicht neuer Übersetzungen. Unter den Bedingungen des Sozialistengesetzes in Deutschland (1878–1890) brachte Engels noch im Jahre 1883 eine neue Auflage des ersten Bandes des Kapital heraus. Bei deren Vorbereitung berĂŒcksichtigte er einige der wichtigsten Änderungen aus der französischen Ausgabe.

1884 veröffentlichte er die unter anderem auf Marxschen Manuskripten basierende Schrift Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, in der er die Gesellschaftsformation der Urgesellschaft und den Übergang zur Klassengesellschaft analysierte.

Dann begann Engels, die Marxschen Manuskripte zu ordnen und zu entziffern. 1885 veröffentlichte er Marx' Das Elend der Philosophie und den zweiten Band des Kapital.[47] Es folgte die englische Übersetzung des ersten Bandes (1887), die er gemeinsam mit seinem Freund Samuel Moore und Marx’ Schwiegersohn Edward Aveling vorbereitete.[48] 1890 erschien die vierte, von Engels nochmals redigierte Fassung des ersten Bandes des Kapital, worin er einige Fußnoten ergĂ€nzte, die den verĂ€nderten „geschichtlichen UmstĂ€nden”[49] Rechnung tragen sollten. Sehr schwierig gestaltete sich die Edition des dritten Bandes, fĂŒr die Engels neun Jahre benötigte (1895). Er nahm das Marxsche Manuskript von 1864/65 zur Grundlage, das er stark redigierte.

Neben der Edition des Kapital, publizierte Engels 1886 die Schrift Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, 1891 die 1875 von Marx verfasste Kritik des Gothaer Programms. Daneben fĂŒhrte er regen Schriftverkehr mit Sozialisten und Kommunisten in ganz Europa.

Engels starb am 5. August 1895 in London im Alter von 74 Jahren an Kehlkopfkrebs. Da seine Vorliebe fĂŒr das Seebad Eastbourne bekannt war, wurde die Urne mit seiner Asche am 27. September 1895[50] fĂŒnf Seemeilen vor der dortigen KĂŒste bei Beachy Head ins Meer versenkt.

SpÀtwerk

Nach dem Tod von Marx (1883) verfolgte Engels vor allem das Ziel, das gemeinsam mit Marx geschaffene wissenschaftliche und politische Werk zu verbreiten, zu verteidigen und fortzusetzen.[51] DafĂŒr stellte er eigene Arbeiten zurĂŒck wie die an der Dialektik der Natur.

Engels primĂ€res Anliegen war zunĂ€chst die Arbeit am Kapital und die Herausgabe der von Marx hinterlassenen Manuskripte. In seinen eigenen Schriften versuchte er, der sich entfaltenden Arbeiterbewegung die revolutionĂ€ren Traditionen zu vermitteln. Entsprechend nahm die Aufarbeitung der Geschichte der frĂŒhen sozialistischen Bewegung und der Revolution von 1848/49 breiten Raum ein. Es entstanden Arbeiten wie Marx und die Neue Rheinische Zeitung, Zur Geschichte des Bundes der Kommunisten und das Vorwort zu Karl Marx vor den Kölner Geschworenen. Als Mittel der Darstellung wĂ€hlte Engels immer wieder die Biographie – z.B. ĂŒber die ArbeiterfĂŒhrer Georg Weerth,[52] Johann Philipp Becker und Sigismund Borkheim.[53]

Engels geschichtliches Interesse bezog sich auch auf das Thema „Urgeschichte“. So analysierte er in Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates die Gesellschaftsformation der Urgesellschaft und den Übergang zur Klassengesellschaft.

Daneben beschĂ€ftigte er sich eingehend mit der deutschen Geschichte. Im Rahmen seiner geplanten Überarbeitung des Deutschen Bauernkriegs setzte er sich mit der Geschichte des deutschen Bauernkriegs auseinander, den er als den „Angelpunkt der ganzen deutschen Geschichte“[54] ansah. Die Entstehung des deutschen Nationalstaats und die Politik Bismarcks waren Gegenstand des Ende 1887 bis April 1888 entstandenen Manuskripts Die Rolle der Gewalt in der Geschichte, das unvollendet blieb.[55] Um die amerikanische Ausgabe der Lage der arbeitenden Klasse in England entstanden seit Anfang 1885 eine Reihe von AufsĂ€tzen zur Geschichte der englischen Arbeiterbewegung (England in 1845 and in 1885[56]).

Weiterhin arbeitete Engels ĂŒber die Geschichte Russlands und Frankreichs. 1889/90 erschien Die auswĂ€rtige Politik des russischen Zarentums,[57] 1891 die franz. Übersetzung von Karl Marx' Achtzehntem Brumaire im Feuilleton des Socialiste. Es folgte die Neuausgabe von Karl Marx' BĂŒrgerkrieg in Frankreich, zu der Engels eine Einleitung schrieb.

Die Geschichte des Urchristentums interessierte ihn wegen seiner „merkwĂŒrdigen BerĂŒhrungspunkte mit der modernen Arbeiterbewegung".[58] Wie diese sei auch das Urchristentum „im Ursprung eine Bewegung UnterdrĂŒckter: es trat zuerst auf als eine Religion der Sklaven und Freigelassenen, der Armen und Rechtlosen [...]. Beide werden verfolgt und gehetzt, ihre AnhĂ€nger geĂ€chtet, unter Ausnahmegesetze gestellt".[59] Sein Vorgehen war dabei durchaus auf der Höhe der historisch-kritischen Bibelforschung seiner Zeit.[60] In dem 1883 erschienenen Aufsatz The book of revelation untersuchte Engels die Offenbarung des Johannes, die ihm als wichtigste neutestamentliche Quelle fĂŒr die Erforschung der Geschichte des Urchristentums galt. Im Sommer 1894 behandelte er das Thema „Urchristentum“ noch einmal eingehend in dem in der Neuen Zeit erschienenen Werk Zur Geschichte des Urchristentums, wobei Gedanken aus dem Aufsatz von 1883 einflossen.

Ein weiteres wichtiges Thema fĂŒr den spĂ€ten Engels war die wiederholte Auseinandersetzung mit den philosophischen Quellen des Marxismus. Im Jahre 1886 legte er in der Arbeit Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie das VerhĂ€ltnis des Marxismus zur Philosophie Hegels und Feuerbachs dar. Engels verstand diese Schrift selbst als „die ausfĂŒhrlichste Darlegung des historischen Materialismus“, die seines Wissens nach existiere.[61]

Theoretische Grundkonzeptionen

Obwohl Engels den Großteil seiner theoretischen und praktischen TĂ€tigkeit in den Dienst von Marx stellte, erschloss er der marxistischen Theorie Bereiche, denen Marx nur geringe Aufmerksamkeit schenkte. Insbesondere in den klassischen Disziplinen der Philosophie wie der Erkenntnistheorie, Ontologie und Anthropologie und der Geschichtstheorie gilt Engels als ein eigenstĂ€ndiger Denker.[62]

Philosophie

Ausgangspunkt

Im Unterschied zu Marx genoss Engels keine umfassende philosophische Ausbildung. Er entwickelte seine im engeren Sinne philosophischen Auffassungen vor allem seit den 1870er Jahren, als er begann, sich intensiv mit den Naturwissenschaften zu beschĂ€ftigen – vor allem in Hinblick auf das Problem der Dialektik. Engels sah sich zu diesem Zeitpunkt vor die Aufgabe gestellt, die Dialektik gegen die Angriffe DĂŒhrings zu verteidigen und zugleich die Prinzipien einer neuen Philosophie darzulegen, die sich sowohl von dem bisherigen Idealismus als auch vom in dieser Zeit bestimmenden VulgĂ€r-Materialismus unterschied. Bei allen grundlegenden Erörterungen war Hegel die prĂ€gende Gestalt, an der er seine Überlegungen orientierte.

Die Philosophie als eine „Wissenschaft vom Gesamtzusammenhang“ ist fĂŒr Engels ĂŒberflĂŒssig.[63] Als sinnvolle Aufgaben bleibe fĂŒr sie nur „die Lehre vom Denken und seinen Gesetzen - die formelle Logik und die Dialektik“. Alles andere gehe auf „in die positive Wissenschaft von Natur und Geschichte“.[64]

Die Dialektik

Engels versteht die Dialektik nicht nur als ein historisches, sondern vor allem als ein ontologisches und erkenntnistheoretisches Prinzip. Sie ist die Weise der Bewegung und Entwicklung alles Seienden und zugleich die Methode des Denkens. Engels entwickelt drei dialektische Gesetze:

  1. „das Gesetz von der Durchdringung der GegensĂ€tze“
  2. „das Gesetz des Umschlagens von QuantitĂ€t in QualitĂ€t und umgekehrt“
  3. „das Gesetz von der Negation der Negation“[65]

Die Materie ist fĂŒr Engels wesentlich bewegt. Bewegung ist widerspruchsvoll, was sich schon daraus ergibt, dass ein bewegter Körper „in ein und demselben Zeitmoment an einem Ort und zugleich an einem anderen Ort, an einem und demselben Ort und nicht an ihm ist".[66] Auf Grund von Engels Voraussetzung, dass alles Wirkliche materiell und alles Materielle wesentlich bewegt ist, lĂ€sst sich dann sagen, dass in allem Wirklichen WidersprĂŒche enthalten sind bzw. dass sich in der Wirklichkeit notwendig GegensĂ€tze durchdringen.

Das Gesetz vom Umschlagen von QuantitĂ€t in QualitĂ€t besagt, „daß in der Natur [
] qualitative Änderungen nur stattfinden können durch quantitativen Zusatz oder quantitative Entziehung von Materie oder Bewegung".[67]

Das Gesetz der Negation der Negation ist nach Engels ein allgemeines „Entwicklungsgesetz der Natur, der Geschichte und des Denkens", das von ihm nur anhand von Beispielen dargestellt wird. So ist die Pflanze, die aus einem Gerstenkorn entsteht, dessen Negation, die zahlreichen Körner, die die Pflanze hervorbringt, das Ergebnis der Negation der Negation.[68]

Engels stellt der dialektischen die metaphysische Denkweise gegenĂŒber. Diese arbeitet mit „fixen“, die dialektische dagegen – zu deren Vertretern er Aristoteles und vor allem Hegel zĂ€hlt - mit „flĂŒssigen“ Kategorien. Nach Ansicht Engels sind die „fixen GegensĂ€tze von Grund und Folge, Ursache und Wirkung, IdentitĂ€t und Unterschied, Schein und Wesen“ der metaphysischen Denkweise unhaltbar, da der jeweils eine Pol im anderen schon „in nuce vorhanden“ sei und „an einem bestimmten Punkt der eine Pol in den andern umschlĂ€gt“.[69] Die metaphysische Denkweise ist die „gewöhnliche“, deren sowohl das Alltagsdenken als auch die Wissenschaft bedarf, um sich in der Welt zu orientieren, und sie „hatte ihrerzeit eine große geschichtliche Berechtigung“.[70] Sie ist eine notwendige Stufe alltĂ€glicher und wissenschaftlicher Erkenntnis, die nicht einfach zugunsten der Dialektik ĂŒbersprungen werden darf, sondern in ihr als Moment aufgehoben ist.[71]

Erkenntnis und Logik

Im Anti-DĂŒhring entwickelt Engels in GrundsĂ€tzen seine Abbildtheorie. Bewusstsein und Denken sind fĂŒr ihn die „Produkte des menschlichen Hirn“; der Mensch ist „selbst ein Naturprodukt“. Die „logischen Schemata“ beziehen sich auf „Denkformen“, die ihrerseits „Formen des Seins, der Außenwelt“ sind.[72] Engels bestreitet wie Hegel die These vom „Ding an sich“; denn dieses fĂŒge „unser wissenschaftlichen Kenntnis kein Wort hinzu, denn wenn wir uns nicht mit den Dingen beschĂ€ftigen können, so existieren sie fĂŒr uns nicht“.[73] Die Erkenntnis ist ein „historisches Produkt, das zu verschiednen Zeiten sehr verschiedne Form und damit sehr verschiednen Inhalt annimmt. Die Wissenschaft vom Denken ist also, wie jede andre, eine historische Wissenschaft, die Wissenschaft von der geschichtlichen Entwicklung des menschlichen Denkens“.[74]

Engels schließt sich der Hegelschen Kritik an dem formal-logischen Prinzip der IdentitĂ€t an. Die Naturwissenschaft habe nachgewiesen, dass die IdentitĂ€t auch die Verschiedenheit einschließe.[75] Ebenfalls im Sinne Hegels interpretiert Engels das Urteil als die Einheit des Allgemeinen und des Besonderen.

Ideologie, Moral und Religion

Ideologie ist fĂŒr Engels „ein Prozess, der zwar mit Bewusstsein vom sogenannten Denker vollzogen wird, aber mit einem falschen Bewusstsein. Die eigentlichen TriebkrĂ€fte, die ihn bewegen, bleiben ihm unbekannt“. Dem Ideologen erscheinen seine Vorstellungen, „weil durchs Denken vermittelt, auch in letzter Instanz im Denken begrĂŒndet“. Zu diesen TriebkrĂ€ften zĂ€hlen sowohl undurchschaute subjektive Interessen als auch die objektive ökonomische Konstellation. Engels betont andererseits auch die „historische Wirksamkeit“ der Ideologie. Ihr „selbstĂ€ndige historische Entwicklung absprechen“ bedeutet nicht, dass sie nicht „einmal durch andre, schließlich ökonomische Ursachen, in die Welt gesetzt, nun auch reagiert“ und auf ihre Umgebung, ja ihre eigene Ursache zurĂŒckwirken kann.[76]

Die Entwicklung einer Ideologie folgt einer bestimmten Eigenlogik, sie entwickelt sich „im Anschluss an den gegebenen Vorstellungsstoff“[77] So hat „die Philosophie jeder Epoche ein bestimmtes Gedankenmaterial zur Voraussetzung, das ihr von ihren VorgĂ€ngern ĂŒberliefert worden und wovon sie ausgeht“. Trotzdem bestimmen maßgeblich die ökonomischen EinflĂŒsse „die Art der AbĂ€ndrung und Fortbildung des vorgefundnen Gedankenstoffs“. Sie wirken meist nicht direkt, sondern vermittelt, da „es die politischen, juristischen, moralischen Reflexe sind, die die grĂ¶ĂŸte Wirkung auf die Philosophie ĂŒben“.[78]

Typische Beispiele fĂŒr Ideologien sind fĂŒr Engels Moral und Religion. Die Moral war „stets eine Klassenmoral; entweder rechtfertigte sie die Herrschaft und die Interessen der herrschenden Klasse, oder aber sie vertrat, sobald die unterdrĂŒckte Klasse mĂ€chtig genug wurde, die Empörung gegen diese Herrschaft und die Zukunftsinteressen der UnterdrĂŒckten“[79] Der Ursprung der ideologischen Form der Religion ist die Ohnmacht des Menschen gegenĂŒber der Natur. Die niedrige Stufe der Naturbeherrschung und die AbhĂ€ngigkeit von unbekannten Naturereignissen bedingten religiös-magische Praktiken zur Kompensation der ökonomisch-technischen und wissenschaftlichen Unterentwicklung: „Diesen verschiedenen falschen Vorstellungen von der Natur, von der Beschaffenheit des Menschen selbst, von Geistern, ZauberkrĂ€ften u.s.w. liegt meist nur negativ Ökonomisches zu Grunde; die niedrige ökonomische Entwicklung der vorgeschichtlichen Periode hat zur ErgĂ€nzung, aber stellenweise auch zur Bedingung und selbst Ursache, die falschen Vorstellungen von der Natur“.[80]

Geschichte

Engels teilte mit Marx die Grundannahmen, die Geschichte der Menschheit sei eine „Geschichte von KlassenkĂ€mpfen“[81] und in ihrem Verlauf wesentlich bestimmt von den ökonomischen VerhĂ€ltnissen. Im Anti-DĂŒhring und in seinen spĂ€ten Schriften arbeitete Engels die geschichtsphilosophischen Konzeptionen weiter aus.

Engels Geschichtsauffassung ist von einem grundsĂ€tzlichen Optimismus geprĂ€gt. Wie Hegel begreift er die Menschheits-Geschichte nicht als ein „wĂŒstes Gewirr sinnloser GewalttĂ€tigkeiten“,[82] sondern als einen Entwicklungsprozess, dessen innere GesetzmĂ€ĂŸigkeit sich durch alle scheinbaren ZufĂ€lligkeiten hindurch wahrnehmen lĂ€sst.

Zwar ist fĂŒr ihn die Geschichte primĂ€r ein Werk der Menschen - „wir machen unsere Geschichte selbst“ -, doch sind „die wirklich tĂ€tigen BeweggrĂŒnde der geschichtlich handelnden Menschen keineswegs die letzten Ursachen der geschichtlichen Ereignisse“. Vielmehr stecken „hinter diesen BeweggrĂŒnden andre bewegende MĂ€chte [..], die es zu erforschen gilt“.[83] Der Zusammenhang zwischen der Freiheit des Einzelnen und der GesetzmĂ€ĂŸigkeit des geschichtlichen Ablaufs kann fĂŒr Engels nur dialektisch begriffen werden. Die „Zwecke der Handlungen“ sind zwar gewollt, nicht aber „die Resultate, die wirklich aus den Handlungen folgen“. Die geschichtlichen Ereignisse erscheinen so „als von der ZufĂ€lligkeit beherrscht“, werden aber „durch innre verborgne Gesetze beherrscht“.[84] Damit diese wirksam werden können, muss allerdings erst ein gewisser Grad der Reife in der historischen Entwicklung erreicht worden sein: „die Geschichte hat ihren eignen Gang, und so dialektisch dieser schließlich auch verlaufen mag, so muß die Dialektik doch oft lange genug auf die Geschichte warten“.[85]

Die entscheidende Bedingung fĂŒr die geschichtliche Entwicklung stellen die ökonomischen VerhĂ€ltnisse dar - die Art und Weise, wie die Menschen ihren Lebensunterhalt produzieren und ihre Produkte austauschen. Sie und die aus ihnen folgende gesellschaftliche Gliederung bilden die Grundlage „fĂŒr die politische und intellektuelle Geschichte“ jeder Geschichtsepoche.[86]

Die ökonomischen Faktoren

Besonders in seinem SpĂ€twerk entwickelte Engels einen umfassenden Begriff von den bestimmenden „ökonomischen Faktoren“. In seinem Brief an Borgius zĂ€hlt er dazu „die gesamte Technik der Produktion und des Transports“, die Geographie, „Tradition“ und auch die „Rasse“.[87] Sie bilden die Basis des geschichtlichen Verlaufs, sind aber nicht das einzig Bestimmende. Die „verschiedenen Momente des Überbaus – politische Formen des Klassenkampfs und seine Resultate – Verfassungen, nach gewonnener Schlacht durch die siegende Klasse festgestellt usw. – Rechtsformen, und nun gar die Reflexe aller dieser wirklichen KĂ€mpfe im Gehirn der Beteiligten, politische, juristische, philosophische Theorien, religiöse Anschauungen und deren Weiterentwicklung zu Dogmensystemen, ĂŒben auch ihre Einwirkung auf den Verlauf der geschichtlichen KĂ€mpfe aus und bestimmten in vielen FĂ€llen vorwiegend deren Form“.[88]

Die ökonomischen Gesetze sind fĂŒr Engels keine ewigen Naturgesetze der Geschichte, sondern historische Gesetze, die entstehen und vergehen. Soweit sie „rein bĂŒrgerliche VerhĂ€ltnisse“ ausdrĂŒcken, sind sie nicht Ă€lter als die moderne bĂŒrgerliche Gesellschaft. Sie behalten nur so lange GĂŒltigkeit, wie diese auf Klassenherrschaft und Klassenausbeutung sich stĂŒtzende Gesellschaft am Leben bleibt. Engels nimmt in diesem Zusammenhang auch zum Malthusschen Bevölkerungsgesetz Stellung. Es sei nur ein Gesetz fĂŒr die bĂŒrgerliche Gesellschaft und beweise, dass diese zu einer Schranke der Entwicklung geworden sei und deshalb fallen mĂŒsse.[89]

Urkommunismus und Zivilisation

Ein wesentliches Element des SpĂ€twerks Engels bildete die Auseinandersetzung mit der PrĂ€historie, deren Bedeutung ihm erst durch die LektĂŒre der Arbeiten von Harxthausen, Maurer und Morgan deutlich wurde.[90]

FĂŒr Engels geht alle Geschichte von der ursprĂŒnglichen Gemeinschaft des Grundbesitzes der Stamm- und Dorfgemeinden aus. Er schwĂ€rmt von der Gentilgesellschaft und ihrer „wunderbaren Verfassung in all ihrer Kindlichkeit und Einfachheit“.[91] Ähnlich wie Rousseau kontrastiert er die Gegenwart mit zwei goldenen Zeitaltern – am Anfang und am Ende der Geschichte.

Das aller Arbeitsteilung und StaatengrĂŒndung vorausgehende Zeitalter beschreibt Engels eindringlich in romantischer Sprache:

„Ohne Soldaten, Gendarmen und Polizisten, ohne Adel, Könige, Statthalter, PrĂ€fekten oder Richter, ohne GefĂ€ngnisse, ohne Prozesse geht alles seinen geregelten Gang. Allen Zank und Streit entscheidet die Gesamtheit derer, die es angeht, die Gens oder der Stamm, oder die einzelnen Gentes unter sich - nur als Ă€ußerstes, selten angewandtes Mittel droht die Blutrache, von der unsre Todesstrafe auch nur die zivilisierte Form ist, behaftet mit allen Vorteilen und Nachteilen der Zivilisation. Obwohl viel mehr gemeinsame Angelegenheiten vorhanden sind als jetzt – die Haushaltung ist einer Reihe von Familien gemein und kommunistisch, der Boden ist Stammesbesitz, nur die GĂ€rtchen sind den Haushaltungen vorlĂ€ufig zugewiesen -, so braucht man doch nicht eine Spur unsres weitlĂ€ufigen und verwickelten Verwaltungsapparats. Die Beteiligten entscheiden, und in den meisten FĂ€llen hat jahrhundertelanger Gebrauch bereits alles geregelt. Arme und BedĂŒrftige kann es nicht geben - die kommunistische Haushaltung und die Gens kennen ihre Verpflichtungen gegen Alte, Kranke und im Kriege GelĂ€hmte. Alle sind gleich und frei - auch die Weiber. FĂŒr Sklaven ist noch kein Raum, fĂŒr Unterjochung fremder StĂ€mme in der Regel auch noch nicht. “

– Der Ursprung der Familie, MEW 21, S. 95-96

Die ursprĂŒnglichen Gentilgemeinschaften waren aber dem Untergang geweiht, weil sie ĂŒber den Stamm nicht hinaus gingen; „was außerhalb des Stammes war, war außerhalb des Rechts“.[92] Sie konnten nur solange bestehen, wie die Produktion gĂ€nzlich unentwickelt blieb. Trotz dieser Einsicht ĂŒbt Engels vernichtende Kritik an der danach einsetzenden zivilisatorischen Entwicklung:

„Es sind die niedrigsten Interessen - gemeine Habgier, brutale Genußsucht, schmutziger Geiz, eigensĂŒchtiger Raub am Gemeinbesitz -, die die neue, zivilisierte, die Klassengesellschaft einweihen; es sind die schmĂ€hlichsten Mittel - Diebstahl, Vergewaltigung, Hinterlist, Verrat, die die alte klassenlose Gentilgesellschaft unterhöhlen und zu Fall bringen. Und die neue Gesellschaft selbst, wĂ€hrend der ganzen dritthalbtausend Jahre ihres Bestehns, ist nie etwas andres gewesen als die Entwicklung der kleinen Minderzahl auf Kosten der ausgebeuteten und unterdrĂŒckten großen Mehrzahl, und sie ist dies jetzt mehr als je zuvor. “

– Der Ursprung der Familie, MEW 21, S. 97

Staat

Der Staat ist fĂŒr Engels ein historisches Produkt. Engels erklĂ€rt dies am Beispiel der Entstehung des athenischen Staates. Dieser habe sich aus der ursprĂŒnglich kommunistischen Gentilgesellschaft heraus entwickelt. Mit der Vererbung des Vermögens an die Kinder wurde die ReichtumsanhĂ€ufung in bestimmten Familie begĂŒnstigt, die damit eine starke Machtposition gegenĂŒber der Gens erhielten. Zum Schutz der familiĂ€ren Privilegien wurde schließlich der Staat „erfunden“. Er sollte das neu entstandene Privateigentum der Einzelnen „gegen die kommunistischen Traditionen der Gentilordnung sicherstellen“, es zum „höchsten Zweck aller menschlichen Gemeinschaft“ erheben und „mit dem Stempel allgemein gesellschaftlicher Anerkennung“ versehen. Damit verewigte er die „Spaltung der Gesellschaft in Klassen“ und „das Recht der besitzenden Klasse auf Ausbeutung der nichtbesitzenden und die Herrschaft jener ĂŒber diese“.[93]

Die Form der Staatsgewalt wird bedingt durch die Form der Gemeinden zu dem Zeitpunkt, an dem die Staatsgewalt notwendig wird. Wo etwa - wie bei den „arischen Völkern Asiens und bei den Russen“ - „noch kein Privateigentum am Boden sich gebildet hat, tritt die Staatsgewalt als Despotismus auf“. Dagegen wurden in den von den Deutschen eroberten römischen LĂ€ndern die einzelnen Bodenanteile bereits zum „Allod“ umgewandelt – zum „freien, nur den gemeinen Markverpflichtungen unterworfenen Eigentum der Besitzer“.[94]

Der Staat ist entstanden „aus dem BedĂŒrfnis, KlassengegensĂ€tze im Zaum zu halten“. Da er aber gleichzeitig „mitten im Konflikt dieser Klassen entstanden ist, ist er in der Regel der Staat der mĂ€chtigsten ökonomischen Klasse“. Diese wird durch seine Hilfe auch zur politisch herrschenden Klasse, die „so neue Mittel erwirbt zur Niederhaltung und Ausbeutung der unterdrĂŒckten Klasse“. Ausnahmsweise kann es auch zu Situationen kommen, wo „die kĂ€mpfenden Klassen einander so nahe das Gleichgewicht halten, daß die Staatsgewalt als scheinbare Vermittlerin momentan eine gewisse SelbstĂ€ndigkeit gegenĂŒber beiden erhĂ€lt“. Engels erwĂ€hnt als Beispiel „die absolute Monarchie des 17. und 18. Jahrhunderts“ - die zwischen Adel und BĂŒrgertum vermittelte – und den „Bonapartismus des ersten und namentlich des zweiten französischen Kaiserreichs, der das Proletariat gegen die Bourgeoisie und die Bourgeoisie gegen das Proletariat ausspielte“.[95]

Engels ist allerdings der Ansicht, dass die Arbeiterklasse den Staat vorerst noch benötigt, um die Macht des BĂŒrgertums zu ĂŒberwinden und die Organisation der neuen Gesellschaft beginnen zu können.[96] Mit dem Verschwinden der in Klassen geteilten Gesellschaft verliert der Staat dann seine eigentliche Daseinsberechtigung. Er macht sich selbst ĂŒberflĂŒssig, wenn er nicht mehr der Vertreter einer privilegierten Klasse, sondern der ganzen Gesellschaft ist. „An die Stelle der Regierung ĂŒber Personen tritt die Verwaltung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozessen. Der Staat wird nicht ‚abgeschafft‘, er stirbt ab“.[97]

Natur

WĂ€hrend Hegel die Natur als bloße „EntĂ€ußerung“ der Idee angesehen habe, die zu keiner Entwicklung in der Zeit fĂ€hig sei,[98] ist fĂŒr Engels die Natur nicht bloße logische Vorstufe des Geistes. Vielmehr ist die Menschheitsgeschichte fĂŒr ihn „nur als Entwicklungsprozeß selbstbewußter Organismen von der Geschichte der Natur verschieden“.[99] Inspiriert durch die Darwinsche Abstammungslehre fasst Engels die Natur als ein historisches PhĂ€nomen auf.[100]

Wissenschafts- und Philosophiegeschichte

Engels betrachtet die Geschichte der Wissenschaften vor allem hinsichtlich der Entwicklung des NaturverstÀndnisses und des dialektischen Denkens.

FĂŒr den „naturwĂŒchsigen Materialismus“[101] der ionischen Naturphilosophen war die Einheit und ObjektivitĂ€t der Natur eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Weil man noch nicht zur Analyse der Natur fortgeschritten war, wurde sie noch als ein Ganzes betrachtet. Der „Gesamtzusammenhang der Naturerscheinungen“ war fĂŒr sie „Resultat der unmittelbaren Anschauung“, was die „UnzulĂ€nglichkeit der griechischen Philosophie“ offenbare.[102]

Mit dem Sieg des Christentums ging die kosmologisch-dialektische Traditionen der Griechen verloren. Die daran anschließende Zeit des Mittelalters bewertet Engels weitgehend negativ - als „finstere Nacht“,[103] in der sich die Wissenschaften nicht weiter entwickelt hĂ€tten. Trotzdem betont er die „großen Fortschritte des Mittelalters“ - vor allem hinsichtlich der „Erweiterung des europĂ€ischen Kulturgebiets“ und der Entstehung der „lebensfĂ€higen großen Nationen“.[104]

Die Renaissance sei die erste große Epoche, die sich ganz auf den Boden der Erfahrung stellte. Die Erde wurde „eigentlich jetzt erst entdeckt und der Grund gelegt zum spĂ€teren Welthandel und zum Übergang des Handwerks in die Manufaktur, die wieder den Ausgangspunkt bildete fĂŒr die moderne große Industrie. Die geistige Diktatur der Kirche wurde gebrochen“.[105] Allerdings beschĂ€ftigte sich die Renaissance vornehmlich mit der Mechanik der „ irdischen und himmlischen Körper“ und der „Vervollkommnung der mathematischen Methoden“. Diese Entwicklung wurde mit Newton und LinnĂ© „zu einem gewissen Abschluß gebracht“. Das besondere Charakteristikum dieser Epoche war es, dass sie – entgegen dem Entwicklungsansatz der Griechen - die „absolute UnverĂ€nderlichkeit der Natur“ zum Ausgangspunkt nahm.[106]

Die Auflösung dieses statischen NaturverstĂ€ndnisses sieht Engels erst mit Kants Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels (1755) beginnen. Kant hatte die „Frage nach dem ersten Anstoß“ beseitigt und die Erde und das ganze Sonnensystem „als etwas im Verlauf der Zeit Gewordenes“ dargestellt.[107] Diese Arbeit Kants wurde aber bis zum Auftreten von Laplace und Herschel von der Naturwissenschaft ignoriert und es war den neu entstehenden geologischen Wissenschaften vorbehalten, nachzuweisen, dass „die Natur nicht ist, sondern wird und vergeht“.[108]

Das starre System einer „unverĂ€nderlich fixierten organischen Natur“[109] wurde endgĂŒltig aufgelöst durch Darwin, der den Artbegriff verflĂŒssigte. Eine neue Naturanschauung war damit in ihren GrundzĂŒgen fertig: „Alles Starre war aufgelöst, alles Fixierte verflĂŒchtigt, alles fĂŒr ewig gehaltene Besondere vergĂ€nglich geworden, die ganze Natur als in ewigem Fluß und Kreislauf sich bewegend nachgewiesen“.[110]

Mit Hegel folgte der Auflösung der Starrheit des Naturbildes auch die der Begriffe. Die Bedeutung der Epoche von Kant bis Hegel sieht Engels in der Wiedergeburt der Dialektik. Kant erscheint ihm durch Hegel ĂŒberholt. Insbesondere wendet sich Engels gegen die undialektische Kant-Interpretation des Neukantianismus und eine Philosophie, die das Wesentliche in der Erkenntnistheorie sieht. Den Agnostizismus bezeichnet er als einen „verschĂ€mten Materialismus“.[111]

Hegels System gilt Engels als „die letzte, vollendetste Form der Philosophie“; mit ihm „scheiterte die ganze Philosophie“. Was aber blieb, war „die dialektische Denkweise und die Auffassung der natĂŒrlichen, geschichtlichen und intellektuellen Welt als einer sich ohne Ende bewegenden, umbildenden, in stetem Prozeß von Werden und Vergehen begriffenen. Nicht nur an die Philosophie, an alle Wissenschaften war jetzt die Forderung gestellt, die Bewegungsgesetze dieses steten Umbildungsprozesses auf ihrem besondern Gebiet aufzuweisen“.[112]

Ökonomie

Engels kritisiert die klassische Nationalökonomie – so wie sie unter anderem von Adam Smith, David Ricardo und John Stuart Mill vertreten wurde - als „Bereicherungswissenschaft",[113] da sie auf der Grundlage des Privateigentums basiere. Deren Vertreter seien nicht bereit gewesen, die „WidersprĂŒche"[114] der bestehenden ökonomischen VerhĂ€ltnisse zu untersuchen. Das liberale ökonomische System sei vor allem wegen des ihm zugrunde liegenden Konkurrenzprinzips abzulehnen, das auf das „Recht des StĂ€rkeren“ hinauslaufe.[115] Das Konkurrenzprinzip entzweie die Menschen, indem es einen stĂ€ndigen Konflikt zwischen KĂ€ufern und VerkĂ€ufern erzeuge, und bewirke, dass der Handel zu einem „legalen Betrug“[116] wird. Es fĂŒhre zur Monopolbildung und veranlasse zur Spekulation. Diese kritisiert Engels – in Anlehnung an den kategorischen Imperativ Kants – als den „Kulminationspunkt der Unsittlichkeit“, weil durch sie „die Geschichte und in ihr die Menschheit zum Mittel herabgesetzt wird".[117] In letzter Konsequenz hat nach Engels die Konkurrenz zum Verlust der menschlichen Freiheit gefĂŒhrt: „Die Konkurrenz hat alle unsre LebensverhĂ€ltnisse durchdrungen und die gegenseitige Knechtschaft, in der die Menschen sich jetzt halten, vollendet."[118]

FĂŒr Engels stehen in der kapitalistischen Ökonomie „alle natĂŒrlichen und vernĂŒnftigen VerhĂ€ltnisse auf den Kopf". Erst mit der Abschaffung des Privateigentums werden die natĂŒrlichen VerhĂ€ltnisse wiederhergestellt und ein „der Menschheit wĂŒrdiger Zustand" geschaffen. Engels schwebt eine Planwirtschaft vor, in der es Aufgabe der Gemeinde ist, zu berechnen, „was sie mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln erzeugen kann und nach dem VerhĂ€ltnis dieser Produktionskraft zur Masse der Produzenten bestimmen, inwieweit sie die Produktion zu steigern oder nachzulassen, inwieweit sie dem Luxus nachzugeben oder ihn zu beschrĂ€nken hat".[119]

Rezeption

Engels hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Marxismus. FĂŒr die ArbeiterfĂŒhrer und sozialistischen Theoretiker war er in den ersten Jahren der II. Internationale die unbestrittene AutoritĂ€t. Die wichtigsten FĂŒhrer der deutschen, französischen, italienischen und spanischen Arbeiterbewegung (Wilhelm Liebknecht, Karl Kautsky, Eduard Bernstein, Victor Adler, Paul Lafargue, Filippo Turati, JosĂ© Mesa) wurden zu seinen SchĂŒlern und Vertrauten. Engels’ Popularisierungen erschlossen die Marxsche Theorie erst breiten Kreisen der Arbeiterbewegung. Seine Schriften – insbesondere die Rezension von Marx’ Zur Kritik der politischen Ökonomie (1859), die SpĂ€tschrift Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie (1886) oder der Nachtrag zum dritten Band des Kapital (1894/95) - beeinflussten wesentlich die Rezeption der Theorien von Marx und Engels. Allen voran aber wurde der Anti-DĂŒhring zum Lehrbuch der Darstellung einer „marxistischen Weltanschauung“. So gab es fĂŒr Kautsky „kein Buch, das fĂŒr das VerstĂ€ndnis des Marxismus so viel geleistet hĂ€tte“[120] und fĂŒr Lenin war es mit Engels' Ludwig Feuerbach und dem Kommunistischen Manifest eines der „HandbĂŒcher jedes klassenbewussten Arbeiters“.[121]

Das VerhĂ€ltnis zwischen der Marxschen und Engelsschen Theorie – in der Literatur oft als das „Marx-Engels-Problem“ bezeichnet[122] – ist innermarxistisch umstritten. Die orthodoxe, marxistisch-leninistische Tradition betrachtet Marx und Engels als „geistige Zwillinge“,[123] die aus praktischen GrĂŒnden verschiedene Arbeitsaufgaben auf sich nahmen. WĂ€hrend Marx dabei der Part der Ökonomie zugefallen sei, habe Engels Aufgabe darin bestanden, die ĂŒbrigen Gebiete abzudecken – von der Philosophie (Anti-DĂŒhring), Anthropologie und Staatstheorie bis zur Physik und Wissenschaftstheorie (Dialektik der Natur).[124] Der These von den beiden „geistigen Zwillingen“ wurde in der Literatur immer wieder die These des „tragischen Irrtums“ („tragic deception“[125]) entgegengestellt. Nach dieser Version habe Engels alle grundlegenden Konzepte von Marx missverstanden und sei verantwortlich fĂŒr die daraus folgenden realsozialistischen Entwicklungen. Diese Auffassung wird seit den 1970er Jahren insbesondere von der „Neuen Marx-LektĂŒre“ vertreten.

Andenken

Die Deutsche Bundespost wĂŒrdigte Engels 1970 zum 150. Geburtstag mit einer Gedenkbriefmarke als Publizisten und Sozialisten.

In zahlreichen StĂ€dten auf der ganzen Welt (z. B. Berlin, Wuppertal, Wien, Moskau) gibt es nach Engels benannte Straßen, PlĂ€tze, GebĂ€ude, Statuen und Ähnliches. Besonders an Orten an denen sich Engels lĂ€ngere Zeit aufhielt, finden sich Hinweise auf ihn. In Wuppertal-Unterbarmen befindet sich das historische Zentrum, welches das Anwesen der Industriellen-Familie Engels, unter anderem das Engels-Haus und den Engelsgarten umfasst. In London-Primrose Hill befindet sich eine Tafel an einem Haus, die an den Aufenthalt von Friedrich Engels und seiner Familie erinnert.

Besonders im Realsozialismus wurden in vielfacher Weise Andenken an Engels gesetzt. In Berlin befindet sich auf dem Marx-Engels-Forum, das 1986 von der damaligen DDR-FĂŒhrung Im Zuge des 750-jĂ€hrigen StadtjubilĂ€ums Berlins errichtet wurde, eine Statue von Friedrich Engels. Ebenso war er in der DDR auf dem 50-Mark-Schein abgebildet. Die Stadt Engels in Russland wurde nach ihm benannt. Auch in Dresden befindet sich eine Statue von Engels, die dort nach der Wende vor einem StĂŒck der Berliner Mauer aufgestellt wurde. Die Nationale Volksarmee der DDR benannte ihr zu reprĂ€sentativen Zwecken eingesetztes Wachregiment 1970 nach Friedrich Engels. Von 1959 bis 1969 gehört das KĂŒstenschutzschiff Friedrich Engels, eine Fregatte der sowjetischen Riga-Klasse, zur Volksmarine der DDR. Die MilitĂ€rakademie der NVA war ebenfalls nach Friedrich Engels benannt.

Schriften

Werkausgaben

  • Karl Marx, Friedrich Engels: Werke (MEW = Marx-Engels-Werke; bekannt auch als Blaue BĂ€nde). 43 BĂ€nde, Dietz Verlag, Berlin Ost (ab 1989: Berlin) 1956-1990
  • Karl Marx, Friedrich Engels: Gesamtausgabe (MEGA = Marx-Engels-Gesamtausgabe). Dietz Verlag, Berlin Ost (ab 1989: Berlin) 1975 ff. / Akademie-Verlag, Berlin 1990 ff.
  • Karl Marx, Friedrich Engels: AusgewĂ€hlte Werke in zwei BĂ€nden.
  • Karl Marx, Friedrich Engels: AusgewĂ€hlte Werke. Digitale Bibliothek Band 11 (CD-ROM), Directmedia, Berlin 1998 ISBN 3-932544-15-3

Literatur (chronologisch)

  • Karl Kautsky: Friedrich Engels. Sein Leben, sein Wirken, seine Schriften. 2. Ausgabe VorwĂ€rts, Berlin 1895
  • Gustav Mayer: Friedrich Engels. Eine Biographie. 1. Bd. Friedrich Engels in seiner FrĂŒhzeit 1820-1851. Springer, Berlin 1920
  • Ernst Drahn: Friedrich Engels. Ein Lebensbild zu seinem 100. Geburtstag. Wien - Berlin 1920
  • J. B. Mayer: Friedrich Engels. Ein Abriß. Trier 1931
  • Gustav Mayer: Friedrich Engels. Eine Biographie. Bd. 1: Friedrich Engels in seiner FrĂŒhzeit. Bd. 2: Engels und der Aufstieg der Arbeiterbewegung in Europa. Haag: Martinus Nijhoff ÂČ1934/1934. (Die bis heute umfassendste Engels-Biographie.) Nachdruck: Ullstein, Frankfurt/M. Berlin / Wien 1975 ISBN 3-548-03114-5
  • Reinhart Seeger: Friedrich Engels als "junger Deutscher". Inaugural-Dissertation. Eduard Klinz Buchdruck-WerkstĂ€tten, Halle (Saale) 1935
  • E. A. Stepanowa: Friedrich Engels. Sein Leben und Werk. Dietz Verlag, Berlin 1958
  • Věra MacháčkovĂĄ: Der junge Engels und die Literatur (1838-1844). Dietz Verlag, Berlin 1961
  • Horst Ullrich: Der junge Engels. 2 Teile, Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1966
  • Helmut Hirsch: Friedrich Engels in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 11968, 11. Auflage 2002, ISBN 3-499-50142-2 (Rowohlts Monographien Bd. 142)
  • Heinrich Gemkow (u.a.): Friedrich Engels. Eine Biographie. Dietz, Berlin 1970 (6. Aufl. 1988), ISBN 3-320-00308-9
  • Friedrich Engels. 1820 – 1895. Leben und Werk. Eine Ausstellung der Stadt Wuppertal bearb. v. Dieter Dowe. Forschungsinstitut der Friedrich Ebert-Stiftung mit einem bisher unveröffentlichten Brief von Friedrich Engels. Bonn – Bad Godesberg 1970
  • Harald Wessel: Hausbesuch bei Friedrich Engels. eine Reise auf seinem Lebensweg. Dietz Verlag, Berlin 1971
  • L. F. Iljitschow: Friedrich Engels. Sein Leben und Wirken. Progress, Moskau 1973
  • Hartmut Mehringer, Gottfried Mergner: Debatte um Engels, 2 Bde. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1973
  • Michael Knieriem, Hans Pelger (Hrsg.): Friedrich Engels als Bremer Korrespondent des Stuttgarter „Morgenblatts fĂŒr gebildete Leser“ und der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“. Trier 1975 (= Schriften aus dem Karl-Marx-Haus Trier Heft 15)
  • William Otto Henderson: The life of Friedrich Engels, 2 Bde., London 1976, ISBN 0-7146-4002-6
  • Manfred Kliem: Friedrich Engels. Dokumente seines Lebens. Reclam, Leipzig 1977
  • Terrel Carver: Engels. Oxford University Press, Oxford / Toronto / Melbourne 1981 (Past Masters)
  • Hans Peter Bleuel: Friedrich Engels - BĂŒrger und RevolutionĂ€r. Die zeitgerechte Biographie eines großen Deutschen. Scherz Verlag. Bern / MĂŒnchen 1981
  • Ihre Namen leben durch die Jahrhunderte fort. Kondolenzen und Nekrologe zum Tode von Karl Marx und Friedrich Engels. Redaktion Heinrich Gemkow und Alexander Malysch, Anny KrĂŒger, Boris Rudjak, Olga Senekina, GĂŒnter Uebel, Holger Franke, Gisela Hoppe, Angelika Miller, Alexander Tschepurenko und Lujudmilla Welitschanskaja. Dietz Verlag 1983
  • Predrag Vranicki: Geschichte des Marxismus. Suhrkamp, Frankfurt 1985 ISBN 3-518-57746-8, Bd. 1
  • Frederick Engels. His Life and Works. Documents and Photographs. Translated by Vic Schneiderson. Designed by Victor Christyakov. N. N. Ivanov, T. D. Belyakova, Y. P. Krasavina. Introduction N. N. Ivanov. Edited by V. E. Kunina. Progress Publishers, Moscow 1987
  • Roy: Whitfield: Frederick Engels in Manchester. The Search for a Shadow. Working Class Movement Library, Manchester 1988 (Die bis heute beste englischesprachige Biografie mit vielen neuen, unbekannten Fakten aus Manchester
  • Manfred Kliem: Der junge Engels und die Berliner UniversitĂ€t 1837-1842. Berlin 1990 (BeitrĂ€ge zur Geschichte der Humoldt-UniversitĂ€t zu Berlin Nr. 26)
  • Michael Knieriem (Hrsg.): Die Herkunft des Friedrich Engels. Briefe aus der Verwandtschaft, 1791 - 1847. Texte bearb. von Margret Dietzen. Trier 1991 (= Schriften aus dem Karl-Marx-Haus Trier Band 42; Nachrichten aus dem Engels-Haus, 6/8)
  • Walter Euchner: Friedrich Engels (1820-1895). In: Walter Euchner (Hg.) Klassiker des Sozialismus; MĂŒnchen: C. H. Beck, 1991; ISBN 3-406-35089-5, S. 157–170
  • Terrell Carver: Engels - A very short introduction. Oxford University Press. Oxford 2003.
  • Johann-GĂŒnther König: Friedrich Engels. die Bremer Jahre 1838 bis 1841. Kellner Verlag, Bremen 2008 ISBN 978-3-927155-91-6
  • Tristram Hunt: The Frock-Coated Communist: The Revolutionary Life of Friedrich Engels. Allen Lane, London 2009

Anhang

Eintragung in das Poesiealbum von Jenny Marx

Eintrag von Friedrich Engels in Jenny Longuets Poesiealbum

Friedrich Engels war als Freund der Familie von Karl Marx dort oft zu Gast und trug sich im Jahr 1868 auch in das Poesiealbum von Karls Tochter Jenny Caroline Marx ein.[126][127] Die Übersetzung aus dem Englischen lautet:

Frage Antwort
Ihre Lieblingstugend (Your favourite virtue) Fröhlichkeit (jollitiy)
– Eigenschaft beim Mann (– quality in man) sich um seine eignen Angelegenheiten zu kĂŒmmern (to mind his own business)
– – bei der Frau (– – in woman) keine Sachen zu verlegen (not to mislay things)
– Haupteigenschaft (– chief chracteristic) alles halb zu wissen (knowing everything to halves)
Auffassung vom GlĂŒck (Idea of happiness) ChĂąteau Margaux 1848.
– – UnglĂŒck (– – misery) zum Zahnarzt zu mĂŒssen (to go to a dentist)
Das Laster, das Sie entschuldigen (The vice you excuse) UnmĂ€ĂŸigkeit aller Art (excess of any sort)
– – verabscheuen (– – detest) Heuchelei (Cant)
Ihre Abneigung (Your aversion) affektierte, hochnÀsige Frauen (affected stuck up women)
Die Person, die Sie am wenigsten mögen (The character you most dislike) Charles Haddon Spurgeon (Spurgeon)
LieblingsbeschÀftigung (Favourite occupation) necken und geneckt werden (chaffing & being chaffed)
– Held (– Hero) keiner (none)
– Heldin (– Heroine) zu viele, um eine zu nennen (to many to name one)
– Dichter (– Poet) Reineke Fuchs, William Shakespeare, Ludovico Ariosto etc. (Reineke de Vos, Shakespeare, Ariost etc.)
– Schriftsteller (– Prose writer) Johann Wolfgang von Goethe, Gotthold Ephraim Lessing, Dr.Samelson[128] (Goethe, Lessing, Dr. Samelson)
– Blume (– Flower) Blaue Glockenblumen (Blue Bell)
– Farbe (– Colour) alle, bis auf Anilinfarbe (any one not Aniline)
– Gericht (– Dish) kalt: Salat, heiß: Irish Stew (cold: Salad, hot: Irish Stew)
– Maxime (– Maxime) keine zu haben (not to have any)
– Motto (– Motto) immer mit der Ruhe (take it easy)

Engels Elternhaus

Großeltern Johann Caspar Engels (* 28. Februar 1753 in Barmen, † 20. Juli 1821 in Barmen), Fabrikbesitzer
∞ 1791
Ida Luise Friedrike Noot (* 7. Oktober 1762 in Ruhrort, † 26. Juli 1822 in Barmen)
Gerhard Bernhard van Haar (* 6. April 1760 in Wesel, † 20. Februar 1837 in Hamm), Rektor am Gymnasium Hamm
∞ 1788
Franziska Christine Snethlage (* 23. August 1758 in Tecklenburg, † 30. August 1846 in Barmen)
Eltern Friedrich Engels (* 12. Mai 1796 in Barmen, † 20. MĂ€rz 1860 in Barmen), Fabrikbesitzer in Manchester und Engelskirchen
∞ 1819
Elisabeth Franziska Mauritia van Haar (* 22. April 1797 in Hamm, † 29. Oktober 1873 in Barmen)[129]
Geschwister
  • Hermann Engels (* 29. Oktober 1822 in Barmen † ebenda 18. MĂ€rz 1905, Fabrikbesitzer zu Barmen, Teilhaber von Ermen und Engels zu Engelskirchen, Kirchmeister und Stadtverordneter zu Barmen, verh. Mönchengladbach 3. Mai 1855 Emma Croon, geb.: Mönchengladbach 23. November 1834; † 1916, Fabrikbesitzertochter)
  • Marie Engels (* 13. Juli 1824 in Barmen; † ebenda 5. April 1901, verh. Barmen 3. Juni 1845 Karl Emil Blank, * in Barmen 17. Mai 1817; † ebenda 5. Juni 1893, Kaufmann in Barmen)
  • Anna Engels (* 5. Dezember 1825 in Barmen, gest. Engelskirchen 9. Juli 1853, verh. Barmen 16. Mai 1848 Adolf Friedrich Leonhard Ludwig Wilhelm von Griesheim, geb. in Hamm i. W. 21. Dezember 1820, † Bonn 16. Oktober 1894, Fabrikbesitzer, Teilhaber von Ermen und Engels)
  • Emil Engels (* 9. MĂ€rz 1828 in Barmen; † in Engelskirchen 30. November 1884, Kgl. Preuß. Kommerzienrat, Fabrikbesitzer, Teilhaber von Ermen und Engels, verheiratet Barmen 10. Mai 1853 Charlotte Bredt, * in Barmen 8. Oktober 1833, gest. in DĂŒsseldorf 3. Juni 1912, Fabrikbesitzertochter.)
  • Hedwig Engels (* 3. Januar 1830 in Barmen, † 10. September 1904 in Godesberg, verheiratet in Barmen 20. August 1850 mit Friedrich Boelling, geb. in Barmen 18. Juni 1816; † in Barmen 3. MĂ€rz 1884, Kaufmann zu Barmen.)
  • Rudolf Engels (* 8. MĂ€rz 1831 in Barmen; † ebenda 15. Februar 1903, Fabrikbesitzer, Teilhaber von Ermen und Engels, verheiratet in Barmen 20. Mai 1856 Mathilde Remkes, geb. in Krefeld 21. November 1831; † in Barmen 18. Februar 1905, BĂŒrgermeistertochter.)
  • Wilhelm Engels (* 21. Oktober 1832 in Barmen; gest. ebenda 11. August 1833)
  • Elise Engels (* 6. August 1834 in Barmen; gest. ebenda 9. MĂ€rz 1912, verheiratet in Barmen 3. Oktober 1854 mit Adolf von Griesheim, ihrem Schwager)

Siehe auch

 Portal:Marxismus – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Marxismus

Weblinks

 Commons: Friedrich Engels â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Friedrich Engels â€“ Quellen und Volltexte

Schriften

Weiteres

Einzelnachweise

  1. ↑ Bisher auf 1856 datiert. In dem Buch: Manchester Photographers by Gillian Read. Ed. Royal Photographic Society's Historical Group, 1982, findet sich aber folgender Sachverhalt dazu: „George Lester, 51, King Street , Manchester (1863-1868)“
  2. ↑ Vgl. Liedman: Engelsismus. In: HKWM, Bd. 3, Sp. 385.
  3. ↑ Vgl. Liedman: Engelsismus. In: HKWM, Bd. 3, Sp. 385.
  4. ↑ Kann Europa abrĂŒsten?, MEW 22
  5. ↑ 1841: Schelling ĂŒber Hegel (MEW 41, S. 163 ff.); MĂ€rz 1842: Schelling und die Offenbarung (MEW 41, S. 173 ff.); Mai 1842: Schelling, der Philosoph in Christo, oder die VerklĂ€rung der Weltweisheit zur Gottesweisheit (MEW 41, S. 225 ff.)
  6. ↑ MEW 1, S. 413 ff.
  7. ↑ 1841: Schelling ĂŒber Hegel (MEW 41, S. 163 ff.); MĂ€rz 1842: Schelling und die Offenbarung (MEW 41, S. 173 ff.); Mai 1842: Schelling, der Philosoph in Christo, oder die VerklĂ€rung der Weltweisheit zur Gottesweisheit (MEW 41, S. 225 ff.)
  8. ↑ Schelling, der Philosoph in Christo (MEW 41, S. 231)
  9. ↑ Fritz Wahrenburg: Engels, Friedrich. In: Killy Literaturlexikon, Bd. 3, S. 254
  10. ↑ Salford Star, 2007 winteredition, read on: http://www.salfordstar.com/article.asp?id=461
  11. ↑ MEW 1, S. 499 ff.
  12. ↑ Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW 1, S. 515
  13. ↑ Vgl. MEW 2, S. 536-557
  14. ↑ Marx an Carl Friedrich Julius Leske, 1. August 1846, MEW 27, S. 448 f.
  15. ↑ Erst 1932 konnte eine vollstĂ€ndige Ausgabe des Werks in der Sowjetunion erscheinen.
  16. ↑ Zur Geschichte des Bundes der Kommunisten, MEW 21, S. 212
  17. ↑ Rundschreiben des ersten Kongresses des Bundes der Kommunisten an den Bund, 9. Juni 1847. In: Der Bund der Kommunisten. Dokumente und Materialien, Bd. 1, Berlin 1970, S. 481
  18. ↑ Siehe en:Fraternal Democrats
  19. ↑ MEW 3, S. 458
  20. ↑ Vgl. MEW 3, S. 458
  21. ↑ MEW 4, S. 465
  22. ↑ MEW 4, S. 474
  23. ↑ MEW 4, S. 493
  24. ↑ Nicht 1862, weil der Fotograf erst ab 1871 in BrĂŒssel registriert war. Auskunft Asbl CIDEP Centre d’Information, de Documentation et d’Etude du Patrimoine, BrĂŒssel
  25. ↑ MEW 5, S. 3-5
  26. ↑ MEW 7, S. 109-197
  27. ↑ Hans Peter Bleuel: Friedrich Engels - BĂŒrger und RevolutionĂ€r, S. 298
  28. ↑ Heinrich Gemkow (u.a.): Friedrich Engels, S. 274
  29. ↑ Po und Rhein, MEW 13, S. 268
  30. ↑ Savoyen, Nizza und der Rhein, MEW 13, S. 605
  31. ↑ Marx/Engels: Der Amerikanische BĂŒrgerkrieg, MEW Bd. 15, S. 486
  32. ↑ Vgl. Heinrich Gemkow (u.a.): Friedrich Engels. Eine Biographie, S. 304 f.
  33. ↑ Lars Hennings: Marx, Engels und die Teilung der Arbeit. Ein einfĂŒhrendes Lesebuch in Gesellschaftstheorie und Geschichte. 4. Aufl. Berlin 2010, ISBN 978-1-4452-1249-4, S. 541.
  34. ↑ Engels an Marx - 27. April 1867. In: MEW 31, S. 208
  35. ↑ Vgl. Gemkow, Friedrich Engels, S. 334f.
  36. ↑ Rezension des Ersten Bandes "Das Kapital" fĂŒr das "Demokratische Wochenblatt". In: MEW 16, S. 235
  37. ↑ Jenny Marx (Tochter) an Ludwig Kugelmann, 17. Juli 1870. In: MEW 32, S. 717
  38. ↑ Vgl. Engels an Marx, 15. August 1870. In; MEW, Bd. 33, S. 40/41
  39. ↑ Pall Mall Gazette
  40. ↑ Wie die Preußen zu schlagen sind. In: MEW 17, S. 105
  41. ↑ Wilhelm Liebknecht an Engels, 16. Mai 1876, nach Gemkow: Friedrich Engels, S. 431
  42. ↑ Vgl. Fritz Wahrenburg: Friedrich Engels. In: Killy Literaturlexikon, Bd. 3, S. 255
  43. ↑ Vgl. Herbert Scheit: Dialektik der Natur. In: Lexikon der philosophischen Werke, S. 169
  44. ↑ Cursus der Philosophie, Cursus der National- und Socialökonomie und Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus.
  45. ↑ MEW 19, S. 209
  46. ↑ Ernst Schattner (1879-1944) ist der Stiefsohn von Eduard Bernstein. Siehe Marx-Engels-Jahrbuch 2004, S. 194
  47. ↑ MEW 24
  48. ↑ MEGAÂČ II/9
  49. ↑ MEW Bd. 23, S. 41
  50. ↑ "VorwĂ€rts" 29. November 1895; Heinrich Gemkow: Notwendige Korrektur eines Datums. In: BeitrĂ€ge zur Marx-Engels-Forschung 13, Berlin 1982, S. 41-44
  51. ↑ Zum folgenden vgl. Renate Merkel-Melis: Zur Edition des SpĂ€twerks von Engels in der MEGA. In: Das SpĂ€twerk von Friedrich Engels. Argument 2008, S. 18-35
  52. ↑ MEGA I/30
  53. ↑ MEGA I/31
  54. ↑ Engels an Friedrich Adolph Sorgen, 31. Dezember 1884. In: MEW 36, S. 264
  55. ↑ MEGA I/31
  56. ↑ MEGA I/30
  57. ↑ MEGA I/31
  58. ↑ Zur Geschichte des Urchristentums, MEW 22, S. 449
  59. ↑ Zur Geschichte des Urchristentums, MEW 22, S. 449
  60. ↑ Vgl. Renate Merkel-Melis: Zur Edition des SpĂ€twerks von Engels in der MEGA, S. 26
  61. ↑ Engels an Joseph Bloch, 21./22. September 1890. In: MEW 37, S. 464.
  62. ↑ Vgl. Wolfgang Röd: Geschichte der Philosophie, Band X, S. 238f.
  63. ↑ Herrn Eugen DĂŒhrings UmwĂ€lzung der Wissenschaft. MEW Bd. 20, S. 24.
  64. ↑ Herrn Eugen DĂŒhrings UmwĂ€lzung der Wissenschaft. MEW 20, S. 2.
  65. ↑ Dialektik der Natur. MEW 20, S. 348
  66. ↑ Dialektik der Natur. MEW 20, S. 112
  67. ↑ Dialektik der Natur. MEW 20, S. 349
  68. ↑ Dialektik der Natur. MEW 20, S. 131
  69. ↑ Dialektik der Natur. MEW 20, S. 472
  70. ↑ Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, 294
  71. ↑ Vgl. Herrn Eugen DĂŒhrings UmwĂ€lzung der Wissenschaft. MEW 20, S. 21
  72. ↑ Herrn Eugen DĂŒhrings UmwĂ€lzung der Wissenschaft. MEW 20, S. 33
  73. ↑ Dialektik der Natur. MEW 20, S. 507
  74. ↑ Dialektik der Natur. MEW 20, S. 330
  75. ↑ Vgl. Dialektik der Natur, MEW 20, S. 484
  76. ↑ Brief an F. Mehring, MEW 39, S. 97f. (online)
  77. ↑ Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, S. 303.
  78. ↑ Brief an Conrad Schmidt, 27. Okt. 1890, MEW 37, S. 493 (online)
  79. ↑ Herrn Eugen DĂŒhrings UmwĂ€lzung der Wissenschaft, MEW 20, S. 88.
  80. ↑ Brief an Conrad Schmidt vom 27. 10. 1890, MEW 37, S. 492
  81. ↑ Marx/Engels: Manifest der kommunistischen Partei, MEW 21, S. 3
  82. ↑ Herrn Eugen DĂŒhrings UmwĂ€lzung der Wissenschaft, MEW 20, S. 23
  83. ↑ Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, S. 298
  84. ↑ Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, S. 297
  85. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 392
  86. ↑ Marx/Engels: Manifest der kommunistischen Partei, MEW 21, S. 3
  87. ↑ Brief an W. Borgius vom 25. Januar 1894, MEW 39, S. 205f. (online)
  88. ↑ Friedrich Engels: Brief an Joseph Bloch. vom 21.–22. September 1890. MEW 37, S. 462. (online)
  89. ↑ Brief an Friedrich Albert Lange vom 29. MĂ€rz 1865, MEW 31, S. 466 (online)
  90. ↑ Vgl. Mayer: Friedrich Engels, Bd 2, S. 437ff.
  91. ↑ Der Ursprung der Familie, MEW 21, S. 95
  92. ↑ Der Ursprung der Familie, MEW 21, S. 97
  93. ↑ Der Ursprung der Familie, MEW 21, S. 105f.
  94. ↑ FrĂ€nkische Zeit, MEW 19, S. 475f.
  95. ↑ Der Ursprung der Familie, MEW 21, S. 166-167
  96. ↑ Zum Tode von Karl Marx. MEW 19, S. 344.
  97. ↑ Herrn Eugen DĂŒhrings UmwĂ€lzung der Wissenschaft, MEW 20, S. 262
  98. ↑ Vgl. Dialektik der Natur, MEW 20, S. 477
  99. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 504
  100. ↑ Vgl. Dialektik der Natur, MEW 20, S. 319
  101. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 458
  102. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 333
  103. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 456
  104. ↑ Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, S. 279
  105. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 312
  106. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 313f.
  107. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 316
  108. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 317
  109. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 319
  110. ↑ Dialektik der Natur, MEW 20, S. 319-320
  111. ↑ Vgl. Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, S. 276.
  112. ↑ Erster Entwurf der „Einleitung“ zum Anti-DĂŒhring, MEW 20
  113. ↑ Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie. MEW 1, S. 499
  114. ↑ Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie. MEW 1, S. 500
  115. ↑ Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie. MEW 1, S. 512
  116. ↑ Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie. MEW 1, S. 503
  117. ↑ Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie. MEW 1, S. 515
  118. ↑ Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie. MEW Bd. 1, S. 523
  119. ↑ Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie. MEW 1, S. 516.
  120. ↑ Karl Kautsky, zit. nach Stedman Jones: Engels und die Geschichte des Marxismus. In: Stedman Jones: Klassen, Politik, Sprache. FĂŒr eine theorieorientierte Sozialgeschichte, MĂŒnster, S. 231-275 1988, S. 234f.
  121. ↑ Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus. In: Lenin: Werke, Bd. 19, Berlin, S. 3-9 1965, S. 4
  122. ↑ Vgl. z.B. Sven-Eric Liedman: Engelsismus, in: HKWM, Bd. 3, Sp. 384-392 u. die Kontroverse zwischen Ingo Elbe ([1]) und Michael R. KrĂ€tke ([2])
  123. ↑ Liedman: Engelsismus, Sp. 386
  124. ↑ Vgl. z.B. Georges Labica: Engelsismus. In: KWM Bd. 2, S. 291
  125. ↑ Norman Levine: The Tragic Deception. Marx contra Engels, Santa Barbara 1975
  126. ↑ Familie Marx privat, Akademie Verlag, Berlin 2005 Abb. 40, S. 312-313. ISBN 3-05-004118-8
  127. ↑ Zeit Geschichte 3 2009, Karl Marx, Seite 91
  128. ↑ Dr. Adolph Samelson war ein Mitglied der Schiller-Anstalt. siehe Familie Marx privat, S. 452
  129. ↑ Michael Knieriem: Die Herkunft des Friedrich Engels, S. 710

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