Friedrich Rückert


Friedrich Rückert
Friedrich Rückert, Stahlstich von seinem »Lieben Freund und Kupferstecher« Carl Barth nach einer Vorzeichnung aus dem Jahre 1843

Friedrich Rückert (* 16. Mai 1788 in Schweinfurt; † 31. Januar 1866 in Neuses (heute Teil von Coburg); Pseudonym Freimund Raimar, Reimar oder Reimer) war ein deutscher Dichter, Übersetzer und einer der Begründer der deutschen Orientalistik. Er ist Namensgeber des Friedrich-Rückert-Preises.

Inhaltsverzeichnis

Leben

1788 bis 1819/1820

Rückert 1818 (Zeichnung von Franz Horny)
Geburtshaus Friedrich Rückerts in Schweinfurt
Tafel am Geburtshaus Friedrich Rückerts

Friedrich Rückert wurde am 16. Mai 1788 in Schweinfurt geboren. Sein Vater Johann Adam Rückert (* 3. Januar 1763 in Schwarzbach; † 30. Dezember 1835 in Schweinfurt), ein Rentbeamter, wurde 1792 nach Oberlauringen in Unterfranken versetzt. Die Eindrücke seiner dort verlebten Frühjugend hat Rückert in dem 1829 entstandenen Zyklus Erinnerungen aus den Kinderjahren eines Dorfamtmannssohns in poetisch-humoristischen Genrebildern dargestellt. Nachdem er auf der lateinischen Schule in Schweinfurt die akademische Vorbildung erhalten hatte, begann er 1805 zunächst ein Studium der Rechte an der Universität Würzburg, wandte sich jedoch bald bis 1809 ausschließlich dem Studium der Philologie und Ästhetik zu. Während dieser Zeit war er auch beim Corps Franconia Würzburg aktiv.[1] 1810 wurde er in Hildburghausen in die Freimaurerloge Karl zum Rautenkranz aufgenommen. Nach einer kurzen Anstellung 1811 als Dozent in Jena und einer darauffolgenden, ebenfalls kurzen Beschäftigung als Gymnasiallehrer, zog sich Rückert für eine Weile ganz von amtlicher Tätigkeit zurück und ließ sich als Privatgelehrter in Würzburg nieder. In den folgenden Jahren wechselte er seinen Wohnsitz häufig zwischen Würzburg, Hildburghausen und seinem Elternhaus in Schweinfurt.

Populär wurde Rückert zunächst mit seinen Geharnischten Sonetten, die er unter dem Pseudonym Freimund Raimar gegen die napoleonische Besatzung schrieb. Diese Sonette in vier Abteilungen wurden 1814 ohne Angabe von Verlag und Druckort veröffentlicht.

1815 ging Rückert auf Anregung des Ministers von Wangenheim nach Stuttgart, wo er die Redaktion des poetischen Teils des Cotta'schen Morgenblatts für gebildete Stände übernahm, den Kranz der Zeit (1817) und Napoleon, eine politische Komödie in zwei Stücken (1816–1818) erscheinen ließ. Er trug sich mit dem Plan einer Reihe von Hohenstaufenepopöen, den er später jedoch fallen ließ.

Im Herbst 1817 reiste Rückert nach Italien, wo er den größten Teil seiner Zeit Kontakt mit deutschen Künstlern pflegte, die sich in Rom aufhielten, und kehrte 1818/1819 über Wien, wo er bei Joseph von Hammer-Purgstall (1774–1856) Persisch gelernt hatte, in die Heimat zurück. Seit dem Italien-Aufenthalt war Rückert mit dem Zeichner und Kupferstecher Carl Barth befreundet. Die Redensart „Mein lieber Freund und Kupferstecher“ ist ein Rückert-Zitat.[2]

1819/1820 bis 1866

Wohnhaus von Rückerts Eltern in Ebern
Rückerts Wohn- und Sterbehaus in Coburger Stadtteil Neuses
Das Goldberghaus, Rückerts Wirkungsstätte bei Neuses
Grabstätte Friedrich Rückerts in Neuses
Rückertbrunnen von 1904 im Schlossgarten zu Erlangen
Rückert-Denkmal in Coburg-Neuses
Rückert-Denkmal in Schweinfurt

Von 1820 bis 1826 lebte Rückert als Privatgelehrter vornehmlich in Ebern und Coburg. In dieser Zeit beschäftigte er sich unter anderem mit Teilübersetzungen des Koran sowie der Übersetzung der Hamasa des Abu Tamman († 845).

1821 heiratete er Luise Wiethaus-Fischer, mit der er 10 Kinder hatte.

Rückert folgte 1826 einem Ruf als Professor der orientalischen Sprachen und Literaturen nach Erlangen.

Erschütternd sind seine Kindertodtenlieder, in denen er den frühen Tod (Winter 1833/1834) seiner beiden Lieblingskinder beklagt.

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen berief ihn 1841 nach Berlin. Dort wohnte er bis 1848 mit häufigen Unterbrechungen, da er sich dort wenig heimisch fühlte. Ab 1848 wählte er seinen Ruhesitz in Neuses bei Coburg, wo er ein Gut besaß. Dort schuf er sich ein Refugium auf dem nahegelegenen Goldberg.

In den Jahrzehnten vor und nach der Berufung nach Berlin blieb Rückert gleich produktiv, wovon seine Haus- und Jahreslieder zeugen. 1846 erschien nach langjährigen Vorarbeiten die Hamasa.

Friedrich Rückert starb am 31. Januar 1866 in Neuses. Sein Grab befindet sich neben der Dorfkirche von Neuses.

Auszeichnungen

  • 1838 bayerischer Michaelsorden I. Klasse
  • 1841 Regierungsrat
  • 1842 Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste (1842)
  • 1853 bayer. Maximiliansorden (1853)
  • 1859 Ehrenmitglied des Pegnesischen Blumenordens
  • 1863 Ehrenmitglied des Freien Deutschen Hochstifts, Frankfurt/M.
  • 1865 Ehrenbürger von Schweinfurt und im gleichen Jahr Kommandeur des Ordens Unserer Lieben Frau von Guadalupe

Rückert war außerdem ab 1832 korrespondierendes und ab 1859 auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Sprachen

Mit folgenden 44 Sprachen hat sich Friedrich Rückert übersetzend, lehrend oder sprachwissenschaftlich beschäftigt:[3]

Afghanisch, Albanisch, Altkirchenslawisch, Arabisch, Armenisch, Äthiopisch, Avestisch, Azeri, Berberisch, Biblisch-Aramäisch, Englisch, Estnisch, Finnisch, Französisch, Gotisch, Griechisch, Hawaiisch, Hebräisch, Hindustanisch, Italienisch, Kannada, Koptisch, Kurdisch, Latein, Lettisch, Litauisch, Malaiisch, Malayalam, Maltesisch, Neugriechisch, Neupersisch, Pali, Portugiesisch, Prakrit, Russisch, Samaritanisch, Sanskrit, Schwedisch, Spanisch, Syrisch, Tamil, Telugu, Tschagataisch, Türkisch.

Denkmäler

Berlin

Auf dem Berliner Kreuzberg ist eine Herme Rückerts zu finden, die der Berliner Bildhauer Ferdinand Lepcke gepickelt hat. Der Kopf des Dichters ist ein wenig nach rechts gewandt. In der linken Hand hält er ein offenes Schreibheft, in der rechten einen Federkiel. Am Fuße des Sockels steht ein Leier spielender Putto.

Neuses

Bereits im Jahre 1844 stellte der Bildhauer Carl Ernst Conrad aus Hildburghausen in der Berliner Akademieausstellung das Modell einer Friedrich-Rückert-Büste aus, die in den Besitz des bayerischen Königs gelangte.

Ein Bildhauer Müller aus Meiningen schuf nach diesem Modell eine überlebensgroße Büste aus carrarischem Marmor. Auf einen Syenitsockel gestellt, wurde dem Dichter im Garten seines Hauses zu Neuses, dem späteren Rückert-Park dergestalt ein Denkmal errichtet, das am 28. Oktober 1869 enthüllt wurde.

Schweinfurt

In dem Geburtsort des Dichters wurde auf dem Marktplatz am 18. Oktober 1890 ein Denkmal enthüllt, das Rückert in einem Lehnstuhl sitzend darstellt. Zu seinen Füßen ruhen die Idealgestalten „Lyrik“ und „Forschung“.
Die architektonischen Teile entwarf Prof. Friedrich Thiersch, die plastischen Teile sind von Bildhauer Prof. Wilhelm von Rümann gestaltet. Der Bronzeguss wurde von der Münchener Erzgießerei Wilhelm Rupp ausgeführt.

» Angaben zu den Denkmälern aus dem Denkmal-Zentralregister des Preußischen Denkmal-Institutes e.V.

Bildnisse

Bildnisse von Friedrich Rückert haben unter anderem Carl Barth, Bertha Froriep und Carl August Hohnbaum d.J. angefertigt.

Nachleben

Sehr bekannt ist die Vertonung der Kindertotenlieder und der Fünf Rückertlieder durch Gustav Mahler. Bereits 1859 vertonte Robert Radecke das bekannte Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit.

Aber auch Komponisten wie Franz Schubert, Robert Schumann, Clara Schumann, Johannes Brahms, Carl Loewe, Heinrich Kaspar Schmid, Richard Strauss und Felix Draeseke vertonten Texte von Rückert. Der Komponist Heinrich Kaspar Schmid vertonte in op. 8 So wandl' ich in Gedanken für Bariton und Klavier. Im Liederspiel zur Laute, oder auch Klavier op. 31 vertonte er sieben Lieder (Hüter, spät und früh; Im Frühling; Die nickende Mutter: Liebe im Kleinen; Lockvogel; All Liebe; Herbsthauch). 1993 vertonte Anne Clark mehrere Gedichte Rückerts (u. a. Ich bin der Welt abhanden gekommen) in ihrem Album The law is an Anagram of Wealth.

Es existieren mehrere öffentliche Denkmäler des Dichters an den Orten seiner Lebensstationen, z. B. in Coburg und Schweinfurt. Das Brunnen-Denkmal im Erlanger Schlossgarten wurde 1904 in gedrungenen Jugendstilformen errichtet. Viele Straßen wurden nach Rückert benannt, u.a. in Bremen.

Nachlass

Rückerts umfangreicher Nachlass ist auf mehrere Standorte verstreut (z. B. Münster, Schweinfurt, Erlangen, Berlin, Weimar).

Werke

Auswahl:

  • Geharnischte Sonette [unter dem Pseudonym Freimund Raimar], 1814 [Heidelberg, Engelmann].
  • Kranz der Zeit, Stuttgart 1817.
  • Napoleon, eine politische Komödie in zwei Stücken, Stuttgart 1816–1818.
  • Oestliche Rosen, Leipzig: Brockhaus, 1822.
  • Die Verwandlungen des Ebu Seid von Serûg oder die Makâmen des Hariri, in freier Nachbildung.
    • Teil 1. Stuttgart und Tübingen: Johann Friedrich Cotta 1826.
    • 2. vervollständigte Auflage, 2 Bde., Stuttgart und Tübingen: Johann Friedrich Cotta 1837.
  • Rostem und Suhrab. Eine Heldengeschichte in 12 Büchern, Erlangen: Theodor Bläsing 1838.
  • Hamâsa oder die ältesten arabischen Volkslieder, gesammelt von Abu Temmâm, übersetzt und erläutert von Friedrich Rückert, 2 Bde., 1846.
  • Firdosi's Königsbuch (Schahname) / übers. von Friedrich Rückert. Aus d. Nachl. hrsg. von E. A. Bayer
    • Sage I - XIII Berlin : Reimer, 1890 LII, 439 S.
    • Sage XV - XIX Berlin : Reimer, 1894 X, 590 S.
    • Sage XX - XXVI. Nebst einem Anhang: Rostem und Suhrab im Nibelungenmaß. Alexander und der Philosoph. Berlin : Reimer, 1895 XI, 367 S.
  • Der Koran, in der Übersetzung von Friedrich Rückert, herausgegeben von Hartmut Bobzin, mit erklärenden Anmerkungen von Wolfdietrich Fischer, Würzburg: Ergon 2000.
  • Im Evangelischen Gesangbuch (Nr. 14) ist das Adventslied Dein König kommt in niedern Hüllen abgedruckt. Das Lied wurde 1834 erstmals veröffentlicht. Die Melodie stammt von Johannes Zahn.

Ghasel

Ausgaben

Friedrich Rückert: Werke in 6 Bänden, Leipzig um 1890

Im 19. Jahrhundert sind mehrere Auswahlausgaben erschienen, die als Leseausgaben noch immer eine gewisse Bedeutung haben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind einige seiner Übersetzungen aus dem Nachlass herausgegeben worden.

Seit 1998 erscheint die Historisch-kritische Ausgabe in Einzelbänden.

Werkausgaben

  • Rudolf Kreutner, Claudia Wiener und Hartmut Bobzin (Hrsg.): Historisch-kritische Ausgabe in Einzelbänden Begründet von Hans Wollschläger † und Rudolf Kreutner, Schweinfurt 1998ff.; bislang 9 Bände in 12 Einzelbänden (Stand Dezember 2004, sortiert nach den Erscheinungsjahren):
    • Zeitgedichte, 2009 (= Werke 1813–1816 Bd. 1/2)
    • Gedichte von Rom, 2000 (= Werke 1817–1818)
    • Kindertodtenlieder und andere Texte des Jahres 1834, 2007 (= Werke 1834)
    • Die Weisheit des Brahmanen, 1998 (= Werke 1835–1836 Bd. 1/2)
    • Liedertagebuch I/II, 1846–1847, 2001 (= Werke 1846–1847 Bd. 1)
    • Hamâsa oder die ältesten arabischen Volkslieder, gesammelt von Abu Temmâm, übersetzt und erläutert von Friedrich Rückert, bearb. v. Wolfdietrich Fischer, 2004 (= Werke 1846–1847 Bd. 2/3)
    • Liedertagebuch III/IV, 1848–1849, 2002 (= Werke 1848–1849)
    • Liedertagebuch V/VI, 1850–1851, 2003 (= Werke 1850–1851 Bd. 1)
    • Liedertagebuch VII-IX, 1852–1854, 2007 (= Werke 1852–1854 Bd. 1)

Einzelausgaben

Friedrich Rückert, Bildnis von Bertha Froriep 1864

Literatur

  • Jahrbuch der Rückert-Gesellschaft, zuletzt ist Band 17 (2006/2007) 2008 erschienen (Stand 2008).
  • Rückert, 1) Friedrich. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 14, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, ‎ S. 6–7.
  • Al-Ali, Mahmoud: Rückerts patriotische Dichtungen. Eine Untersuchung der "Geharnischten Sonette". In: Kairoer Germanistische Studien 14. 2004. S. 45–63.
  • Robert Boxberger: Rückert, Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 29, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 445–453.
  • Dove, Richard: Rückert, (Johann Michael) Friedrich. In: Literatur-Lexikon. Hrsg. von Walther Killy. Bd. 10. Gütersloh, München: Bertelsmann 1991. S. 59–61.
  • Duncker, Albert: F. Rückert als Professor am Gymnasium zu Hanau. Eine Episode aus den Wanderjahren des Dichters, 2. Aufl., Wiesbaden 1880.
  • Erdmann, Jürgen (Hg.): 200 Jahre Friedrich Rückert. Katalog der Ausstellung, Coburg 1988.
  • Fischer, Wolfdietrich / Gömmel, Rainer (Hgg.): Friedrich Rückert. Dichter und Sprachgelehrter in Erlangen. Neustadt/Aisch: Degener 1990, ISBN 3-7686-9105-5
  • Kreutner, Rudolf: Friedrich Rückert Briefe. Neufunde und Nachträge 1996-2005, in: Jahrbuch der Rückert-Gesellschaft 16 (2004/2005), S. 65 ff.
  • Hermann Leupold: Friedrich Rückert. Ein Gedenkblatt zum 200. Geburtstag des Dichters und Gelehrten am 16. Mai 1988. Einst und Jetzt, Bd. 33 (1988), S. 105-132.
  • Ingo Müller: Dichtung und Musik im Spannungsfeld zwischen Vermittlung und Unmittelbarkeit. Gustav Mahlers „Fünf Lieder nach Texten von Friedrich Rückert“, in: Gustav Mahler: Lieder (= Musik-Konzepte Neue Folge, hrsg. von Ulrich Tadday, H. 136), München 2007, S. 51-76.
  • Reuter, F. Rückert in Erlangen, Hamburg 1888.
  • Friedrich Rückert. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 7, E. A. Seemann, Leipzig 1912, S. 309
  • Uhrig, Max-Rainer (Hg.): Gestörte Idylle. Vergleichende Interpretationen zur Lyrik Friedrich Rückerts. Würzburg: Ergon Verlag 1995.

Literatur zu den Bildnissen

  • Erich Schneider: »... wie eine Schleiereule«, in: Jahrbuch der Rückert-Gesellschaft, Band 14 (2002, 2003 erschienen), S. 7 ff.

Quellen

  1. Kösener Korps-Listen 1910, 202, 26
  2. Deutsche Welle: Scholli und seine Freunde – 6. März 2006
  3. Jürgen Erdmann (Hg.): 200 Jahre Friedrich Rückert. Katalog der Ausstellung, Coburg 1988. S. 22.

Weblinks

 Wikisource: Friedrich Rückert – Quellen und Volltexte
 Commons: Friedrich Rückert – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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