Friedrich Wilhelm I. (Preußen)

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Friedrich Wilhelm I. (Preußen)
Friedrich Wilhelm I. von Preußen (Gemälde von Antoine Pesne, um 1733)

Friedrich Wilhelm I., K√∂nig in Preu√üen und Markgraf von Brandenburg, Erzk√§mmerer und Kurf√ľrst des Heiligen R√∂mischen Reiches (* 14. August 1688 in Berlin; ‚Ć 31. Mai 1740 in Potsdam), aus dem Haus Hohenzollern, bekannt als Soldatenk√∂nig, regierte Preu√üen von 1713 bis 1740.

Friedrich Wilhelm richtete sein Augenmerk auf den Aufbau Preu√üens als unabh√§ngige Milit√§rmacht und Merkantilstaat, schuf ein umfassendes Staatsfinanzwesen und f√ľhrte straffe Sparma√ünahmen am preu√üischen Hofe ein. Aufgrund seiner umfangreichen Reformen wurde er als Preu√üens gr√∂√üter innerer K√∂nig bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Kronprinz Friedrich Wilhelm (1688‚Äď1713)

Am Hannoverschen Hof

Friedrich Wilhelm wurde als Sohn des kurbrandenburgischen Kronprinzen Friedrich und der hannoverschen Herzogin von Braunschweig-L√ľneburg Sophie Charlotte geboren. Das Kind besa√ü, ganz im Gegensatz zu seinem Vater, eine kr√§ftige Konstitution. In seinen ersten Lebensjahren von 1689 bis 1692 wurde Friedrich Wilhelm am hannoverschen Hof seiner Gro√ümutter, der sp√§teren Kurf√ľrstin Sophie von Braunschweig-L√ľneburg, erzogen. Schon als Kind fiel er durch seine eigenwillige impulsive Natur auf. So vertrug er sich nur schlecht mit seinem f√ľnf Jahre √§lteren Cousin und Spielgef√§hrten, Georg August, dem sp√§teren Georg II., K√∂nig von Gro√übritannien, den er des √∂fteren verpr√ľgelte. Die beiden entwickelten aufgrund dessen eine lebenslange pers√∂nliche Feindschaft.

Schule und Ausbildung

Friedrich Wilhelm um 1701 (Portrait von Samuel Theodor Gericke)
Prinz Friedrich Wilhelm

Nach seiner R√ľckkehr aus Hannover wurde Friedrich Wilhelm von der Hugenottin Marthe de Montbail, der sp√§teren Madame de Roucoulle als Gouvernante betreut, die sp√§ter auch dessen Sohn Friedrich erzog und Zeit ihres Lebens kein Deutsch lernte. Wie die meisten seiner Standesgenossen sprach Friedrich Wilhelm daher ein eher schlechtes, einfaches Deutsch, durchsetzt mit vielen franz√∂sischen W√∂rtern[1].

Die Mutter verw√∂hnte ihr Kind.[2] Es entwickelte sich im v√∂lligen Gegensatz zu den h√∂fisch-repr√§sentativen Auffassungen seines Vaters wie auch der k√ľnstlerisch-philosophischen Lebensweise seiner Mutter. Beide Lebensweisen seiner Eltern lehnte er fr√ľhzeitig ab. 1694 erhielt er das Kommando √ľber ein Kavallerie- und ein Infanterieregiment, was ihn von Kind an mit der milit√§rischen Welt vertraut werden lie√ü.

Anfang 1695 wurde die Erziehung dem Generalleutnant Alexander Graf von Dohna anvertraut, der damit als Gouverneur die Verantwortung √ľber seine Erziehung √ľbernahm. Weil der Kronprinz aber mit neun Jahren weder lesen noch schreiben konnte, setzte seine Mutter 1697 durch, dass der bisherige, von Danckelmann bestellte Lehrer Cremer durch den Hugenotten Jean Philippe Rebeur ersetzt wurde. Beide sorgten f√ľr eine strenge calvinistische Erziehung des Kurprinzen. Im Unterricht wurden Latein, Franz√∂sisch, Geschichte, Geographie, Genealogie, Mathematik, Kriegswissenschaften und Rhetorik behandelt. Der Kronprinz entwickelte allerdings eine gro√üe Abneigung gegen weite Teile der Wissenschaften, die er unter anderen in T√§tlichkeiten gegen√ľber dem Lehrer √§u√üerte.[3] Der Kronprinz entwickelte sehr fr√ľh ein Verst√§ndnis f√ľr Staatsangelegenheiten. Angesichts der nahezu unkontrollierten Verschwendung am Hof legte er sich mit zehn Jahren ein eigenes Ausgabenbuch √ľber seine Ausgaben an. Neben dem Sinn f√ľr Sparsamkeit entwickelte sich immer mehr der Sinn f√ľrs Milit√§rische. Statt im Schlosspark zu spielen, kontrollierte er Bekleidung und Bewaffnung der Schildwachen.[4]

Weihnachten 1698 schenkte der Vater ihm zum zehnten Geburtstag das Gut Wusterhausen zur selbstst√§ndigen Bewirtschaftung als Gutsherr. Hier lernte er die √∂konomischen Grundz√ľge einer erfolgreichen Bewirtschaftung kennen, die er sp√§ter erfolgreich auf den preu√üischen Staat √ľbertrug. Das Jagdschloss bildete fortan den Lebensmittelpunkt des Kronprinzen und sp√§teren K√∂nigs, das ihm als R√ľckzugsort vom prunkvollen Berliner Hof diente. In Wusterhausen hielt der Kronprinz eine kleine Privatgarde bestehend aus den gepressten S√∂hnen der Gutsuntertanen. Diese Einheit bildete die Keimzelle f√ľr die sp√§teren (1710) Langen Kerls. Das Wusterhausener Grenadierbataillon z√§hlte bald mehr als 600 Mann.

Friedrich Wilhelm, der das Streben seines Vaters als Geldverschwendung konsequent ablehnte, erhielt 1701 bei der K√∂nigskr√∂nung Friedrichs III. den Titel Prinz von Oranien und ein von 26.000 Taler auf 36.000 Taler aufgestocktes pers√∂nliches Budget. Ende 1702 √ľbernahm die Erziehung Friedrich Wilhelms der Oberhofmeister Albert Konrad Graf von Finckenstein.

1702 wurde der vierzehnj√§hrige Kronprinz Mitglied des Geheimen Staatsrats, ein Jahr darauf Mitglied des Kriegsrates. Bis zu seinem Regierungsantritt nahm der Kronprinz an vielen Sitzungen teil, womit er sich ein gro√ües Detailwissen in inneren Regierungsfragen und dem Heerwesen erwarb. So blieb ihm nicht die Misswirtschaft des Drei-Grafen-Kabinetts unter F√ľhrung von Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg verborgen. Auch wenn sich bei Friedrich Wilhelm eine zunehmend kritische Beurteilung der Regierung seines Vaters einstellte, blieb ein Vater-Sohn Konflikt dennoch aus, da sich vom Selbstanspruch des Kronprinzen her ein offener Widerstand gegen den Monarchen verbot.[5]

Volljährigkeit

Friedrich Wilhelm auf einem Schlobittener Pferd, 1706
Friedrich Wilhelm als Kronprinz, 1705

1704 wurde der sechzehnj√§hrige Kronprinz f√ľr vollj√§hrig erkl√§rt. Im selben Jahr lie√ü er f√ľr 23.000 Taler sein Schloss Wusterhausen ausbauen und bezog es j√§hrlich von Ende August bis Anfang November als Hofresidenz. Das verwahrloste Gut Wusterhausen machte er innerhalb von zehn Jahren zu einem sich selbst tragenden Musterbetrieb. Das St√§dtchen Wusterhausen galt ihm als Staat en miniature. Hier probierte er im Kleinen, was er sp√§ter im Gro√üen tat. Seine Art zu regieren, zu verwalten, zu kommandieren wurde hier gepr√§gt.[6]

Ein Jahr sp√§ter wurde Friedrich Wilhelm 1705 zum B√ľrgermeister von Charlottenburg ernannt. Zwei Bildungsreisen nach Holland im Herbst 1700 und im Winter 1704/1705 erweiterten seinen Horizont. So verst√§rkten die Reisen seine puritanisch-b√ľrgerlich gepr√§gte Sichtweise und pr√§gte seinen architektonischen Geschmack nachhaltig. Sp√§tere Bauten des K√∂nigs, wie das Holl√§ndische Viertel in Potsdam, sind von seiner Zeit in Holland gepr√§gt. Auf der zweiten Reise √ľberraschte ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter. Am 14. Juni 1706 erfolgte die Verlobung mit Sophie Dorothea, die er am 14. November 1706 in C√∂lln an der Spree heiratete. Der Kronprinz, der vielfach seinen Vater um Fronturlaub, um Beurlaubung zur Front bat, durfte im Juli 1706 erstmals bei dem Feldzug in Flandern im Spanischen Erbfolgekrieg teilnehmen. Hier erprobte er in der Praxis, was er daheim auf seinem Gut mit seinem Privatregiment geprobt hatte. W√§hrend seiner Feldbesuche verbrachte Friedrich Wilhelm nach seinen eigenen Worten die gl√ľcklichsten Tage seiner Kronprinzenzeit.[7] Vom Mai bis Juli 1708, als sein Vater, K√∂nig Friedrich I., zur Kur in Karlsbad weilte, √ľbernahm Friedrich Wilhelm die erste Statthalterschaft. Die Vollmachten beschr√§nkten sich nur auf laufende Justiz- und Landesangelegenheiten.

Ende April 1709 brach der Kronprinz zu einem neuerlichen Feldzug auf, diesmal f√ľr mehrere Monate. In dieser Zeit sorgte er f√ľr intensive Exerzier√ľbungen der preu√üischen Regimenter, die die anwesenden alliierten Truppenf√ľhrer mit verst√§ndnisloser Verwunderung und Spott zur Kenntnis nahmen. Friedrich Wilhelms Teilnahme an der Schlacht bei Malplaquet, der blutigsten Schlacht des Spanischen Erbfolgekrieges am 11. September 1709, stellte f√ľr ihn die gl√ľcklichste F√ľgung seines Lebens dar, die er fortan jedes Jahr zum Gedenken feierte.[8] Die Feldz√ľge begr√ľndeten die lebenslange Freundschaft mit Leopold I. von Anhalt, dem Alten Dessauer, der seitdem zu Friedrich Wilhelms Beraterkreis geh√∂rte.

Als 1710 die Not des preu√üischen Staates durch die Pest in Ostpreu√üen und die √ľberbeanspruchten Finanzen, bedingt durch die Misswirtschaft des Drei-Grafen-Kabinetts, untragbar wurde, bewegte der 22-j√§hrige Friedrich Wilhelm seinen Vater dazu, eine Untersuchungskommission einzusetzen, die schlie√ülich die ganze Korruption aufdeckte. Dies war das erste Mal, dass Friedrich Wilhelm aktiv in die hohe Politik eingriff.

Ein Jahr sp√§ter, im Sommer 1711 reiste der K√∂nig zu diplomatischen Verhandlungen nach Holland. Friedrich Wilhelm trat seine zweite Statthalterschaft an. Hier erlebte er die milit√§rische Hilflosigkeit Preu√üens, als russische Truppen im Kampf gegen Schweden im Gro√üen Nordischen Krieg ungefragt durch preu√üisches Territorium zogen. Die Neutralit√§t Preu√üens wurde dadurch verletzt, ohne dass Preu√üen sich dessen h√§tte erwehren k√∂nnen, da seine Truppen im Spanischen Erbfolgekrieg, weitab der Heimat, gebunden waren. Dieser Vorfall best√§rkte die √úberzeugung des Kronprinzen, er m√ľsse nach von fremden Subsidien unabh√§ngiger eigener St√§rke streben.

Ebenfalls 1711 kam es zum ersten Kontakt Friedrich Wilhelms zum Hallischen Pietismus von August Hermann Francke, vermittelt √ľber den General von Natzmer. Der Pietismus wurde f√ľr den sp√§teren K√∂nig eine feste religi√∂se Basis f√ľr sein politisches Handeln. Ein offizieller Besuch Friedrich Wilhelms in Halle erfolgte bereits am 12. April 1713 nach dem Regierungswechsel. Die dort vorgefundenen christlichen Zucht- und Wohlfahrtsbestrebungen mit der b√ľrgerlichen Arbeits- und Wirtschaftsauffassung √ľbertrug Friedrich Wilhelm auf seine Politik.

Bedingt durch seine sehr praxisorientierte Ausbildung hatte der Kronprinz zum Zeitpunkt kurz vor der Regierungs√ľbernahme bereits feste Vorstellungen seines sp√§teren Staats-, Wirtschafts- und Milit√§rverst√§ndnisses.

Friedrich Wilhelm I. als K√∂nig (1713‚Äď1740)

Friedrich Wilhelm I. (Portrait von Samuel Theodor Gericke 1713)

Absoluter Herrscher

Gem√§√ü seinem Staatslenkerverst√§ndnis √ľbernahm Friedrich Wilhelm die Staatsgesch√§fte selbst. So war er ein zeitgem√§√üer, absolutistisch regierender Herrscher. Sein Wort war Gesetz, Widerspruch duldete er nicht; so beschied er schon bei seinem Regierungsantritt einige Minister, er verlange ‚Äěweder Rat noch R√§sonnement, sondern Gehorsam‚Äú[9]. Er bezeichnete es als Grundsatz f√ľr jeden Herrscher, dass er ‚Äěseine Aff√§ren alle selber tun m√ľsse‚Äú[10] und mahnte seinen Nachfolger: ‚ÄěDer liebe Gott hat euch auf den trohn gesetzet nicht zu faullentzen sondern zu arbeitten‚Äú[11]. Dass er trotz der despotischen Merkmale seiner Herrschaft sich nicht zu einem Tyrannen entwickelte, lag vor allem an seinem tiefen Glauben an Gott.

Der K√∂nig f√ľhrte die Regierung von seinem Kabinett aus, genaugenommen von seinen Privatgem√§chern. Friedrich Wilhelm geh√∂rt zu den flei√üigsten Monarchen der Weltgeschichte; in t√§glicher stunden-, oft n√§chtelanger Schreibtischarbeit pr√ľfte er die von den Ministern einlaufenden Berichte und traf meist alleine die Entscheidungen. Diese bestanden entweder aus den sogenannten von ihm eingef√ľhrten Marginalien oder aus Kabinettsordern, die seine Sekret√§re nach seinen Angaben formulierten und dem Generaldirektorium √ľberbrachten.

Friedrich Wilhelm I. war ein Mann der Arbeit. W√§hrend sein Gro√üvater m√ľhevoll Hinterpommern erwarb und die magdeburgischen und clevischen Lande in das brandenburg-preu√üische Staatsgebilde eingliederte, sah er seine Hauptaufgabe in der Kleinarbeit, in der Festigung dieses Staates durch Erg√§nzung und Ausbau der Armee sowie durch die Schaffung eines t√ľchtigen und zuverl√§ssigen Berufsbeamtentums. Friedrich Wilhelm I. war ein Arbeiter von unglaublichem Flei√üe und er verlangte auch von seinen Beamten das Menschenm√∂gliche mit den Worten: ‚ÄěArbeiten m√ľ√üt Ihr, so wie ich dies best√§ndig getan habe. Ein Regent, der in der Welt mit Ehren regieren will, muss seine Sachen alle selber machen, denn die Regenten sind zum Arbeiten geboren, nicht zum faulen Leben.‚Äú[12] Dadurch wurden Sparsamkeit und unerm√ľdliche Arbeit die unab√§nderlichen Grunds√§tze dieses K√∂nigs; das Pflichtgef√ľhl war sein h√∂chstes Gebot. An seinen Berater und engen Vertrauten F√ľrst Leopold von Anhalt-Dessau schrieb er: ‚ÄěParole auf dieser Welt, ist nichts als Unruhe und Arbeit und wo man selbst nicht die Nase in jeden Dreck steckt, so geht die Sache nicht, wie sie gehen soll‚Äú[13]. Und so, wie dieser K√∂nig f√ľr sich keine Schonung kannte, gab es auch f√ľr seine Untergebenen keine. Allseits gef√ľrchtet war sein eigenh√§ndiger Aktenvermerk ‚Äěcito citissimo‚Äú, ‚Äěschnell, schnellstens‚Äú.

Die St√ľtzen seines Staates waren ein schlagfertiges Heer und geordnete Finanzen, ersteres um so bedeutender, da das damalige Preu√üen sich vom Rhein bis zum Kurischen Haff mit unsicheren Grenzen erstreckte.

Wirtschafts- und Finanzpolitik

Preu√üen war um 1700 ein vorwiegend landwirtschaftlich gepr√§gter und geografisch weit auseinander liegender zersplitterter Staat, dessen einzelne Landesteile kaum miteinander in wirtschaftlichen Beziehungen standen. Handwerk, Manufakturwesen und Handel waren nur in Ans√§tzen entwickelt. Teure Fertigprodukte kamen ins Land zum Nachteil der heimischen Produzenten, Geld floss wiederum aus dem Land. Um den Abfluss finanzieller Mittel ins Ausland zu stoppen, die Entwicklung der einheimischen Wirtschaft zu f√∂rdern und sie zu sch√ľtzen, f√ľhrte der K√∂nig den Merkantilismus in Preu√üen ein. Die Grenzen wurden f√ľr den √§u√üeren Handelsverkehr weitgehend geschlossen, soweit dies im zersplitterten Territorium durchzuhalten war.

Der Merkantilismus in Preu√üen diente dem Aufbau eines leistungsf√§higeren Gewerbes. ‚ÄěHolle der Deuffel lieber meine zeitliche wohlfardt als da√ü so viell leutte Betler werden und ich reich.‚Äú Er begriff das K√∂nigtum aus protestantischer Amtsauffassung. Der Beruf des K√∂nigs ist, seinen Untertanen ein f√ľrsorglicher Landesvater zu sein. Der K√∂nig in Preu√üen galt nicht prim√§r als Monarch von Gottes Gnaden, sondern gewisserma√üen Inhaber eines ‚ÄěAmtes‚Äú, einer von Gott gegebenen ‚ÄěFunktion‚Äú.

Ein weiterer Schl√ľssel zur Wirtschaftsf√∂rderung lag f√ľr ihn in der St√§rkung der Landwirtschaft. Daher lie√ü er die Anbaufl√§che durch Urbarmachung und Meliorationsma√ünahmen erweitern und straffte die Verwaltung der staatlichen Dom√§nen. Dem Adel gestattete er die Vergr√∂√üerung seiner G√ľter auf 40-60 Prozent der Landesfl√§che und dehnte seine rechtlichen Vollmachten aus. Der preu√üische Junker beherrschte paternalistisch in ‚ÄěOstelbien‚Äú seine Bauern als Gutsherr, Richter, Kirchenherr und Offizier. Doch musste er Grundsteuern zahlen, wurde durch kein h√∂fisches Leben entsch√§digt und hatte im absolutistischen Staat keinen Einfluss in einer St√§ndevertretung mehr.

Bei Friedrich Wilhelm I. wird eine calvinistisch-kapitalistische Idee sichtbar.[14] Er verordnete allen, den Adel einbegriffen, Arbeitseifer, Sparsamkeit, Fleiß und Pflichttreue. Zum Ausbau von Berlin und der Förderung der Wirtschaft befahl er den Reichen, Häuser zu bauen. Das erst 1709 zusammengeschlossene Berlin wurde wesentlich vergrößert durch neue Vorstädte wie Berlin-Friedrichstadt, und die Luisenstadt und wuchs bis 1740 von 55.000 auf 79.000 Einwohner an.

Bei seinem Tode 1740 hinterlie√ü Friedrich Wilhelm I. einen schuldenfreien Haushalt und einen Staatsschatz von 8 Mio. Talern, die in F√§ssern im Keller des Berliner Schlosses lagerten. Seine Staatsausgaben, die 1740 7 Millionen Taler betrugen, wurden zu 85 % f√ľr das Milit√§r verwendet, w√§hrend die Ausgaben des Hofes nur ein Prozent des Staatsbudgets betrugen.

Etatk√ľrzungen

Anfang 1713 verschlechterte sich der Gesundheitszustand Friedrichs I. zusehends. Der Berliner Hof geriet in Sorge, weil sich absch√§tzen lie√ü, dass der Thronwechsel den Hof radikal umgestalten w√ľrde und mit ihm viele adlige Nutznie√üer ihr Auskommen verlieren w√ľrden. Am 25. Februar 1713 starb K√∂nig Friedrich I. Friedrich Wilhelm, der bis zuletzt bei seinem sterbenden Vater gewesen war, lie√ü sich, nachdem er das Totenzimmer verlassen hatte, als erste Amtshandlung den Etat bringen, um ihn kurzerhand durchzustreichen und f√ľr nichtig zu erkl√§ren.

Dem Vater erwies er noch ein pomp√∂ses Begr√§bnis, wie es sich der Verstorbene gew√ľnscht hatte. Dabei zeigte er sich mit der Krone, womit jedem die neuen Machtverh√§ltnisse deutlich gemacht wurden. Auf eine kostspielige Kr√∂nungszeremonie, wie die seines Vaters, verzichtete er.

Kurz nach der Beendigung der Trauerzeremonien f√ľr seinen verstorbenen Vater √§nderte er die pomp√∂se Regierungsweise seines Vaters radikal. Zuerst konzentrierte er sich auf die Beseitigung der Auswirkungen der Herrschaft seines Vaters, namentlich die Neuordnung der Finanzen und den Abbau der Verschuldung. Grundmotiv der Regierungspolitik Friedrich Wilhelms war es, nicht wie sein Vorg√§nger von den Subsidien fremder M√§chte abh√§ngig zu sein, um ein gro√ües stehendes Heer halten zu k√∂nnen. Daher bedurfte es neuer finanzieller Quellen f√ľr die Staatskasse.

Der neue K√∂nig war sich seiner Unterschiedlichkeit dem Vater gegen√ľber bewusst.

‚ÄěMein Vater fand Freude an pr√§chtigen Geb√§uden, gro√üen Mengen Juwelen, Silber, Gold und √§u√üerlicher Magnifizienz ‚Äď erlauben Sie, dass ich auch mein Vergn√ľgen habe, das haupts√§chlich in einer Menge guter Truppen besteht‚Äú

‚Äď Friedrich Wilhelm I. bei der Ansprache an seine Minister; berichtet vom holl√§ndischen Gesandten Lintelo[10]

Am 27. Februar fuhr der designierte K√∂nig nach Wusterhausen und begann mit der Ausarbeitung des Regierungsprogramms. Daf√ľr gen√ľgten ihm nur vier Tage. Um von den 20 Millionen Talern Staatsschulden seines Vaters herunterzukommen, waren Massenentlassungen und radikale Gehaltsk√ľrzungen im eigenen Hause die Folge. So gelang es ihm, die Hofkosten von 276.000 auf 55.000 Taler zu reduzieren, die R√§nge bei Hofe von 142 auf 46 zu k√ľrzen.[15]

Von den 24 Schl√∂ssern seines Vaters behielt Friedrich Wilhelm I. nur sechs, die anderen wurden verpachtet oder ver√§u√üert. Der Lustgarten wurde in einen Exerzierplatz umgewandelt, steinerne S√§ulen dienten als Baumaterial, bronzene Statuen wurden zu Kanonen gegossen. Die Hofkapelle wurde aufgel√∂st, die kostbaren Weine, der Kr√∂nungsmantel, Karossen, Pferde, S√§nften, Tafelsilber und M√∂bel wurden verkauft oder versteigert. Der Wegfall von lukrativen Auftr√§gen f√ľr den Hof trieb viele Handwerker der Residenz in den Ruin.

Akademien erhielten keine F√∂rderung mehr, die Oper wurde geschlossen. Mit dem kulturellen Kahlschlag setzte ein pl√∂tzlicher Exodus der K√ľnstler aus Berlin ein. Friedrich Wilhelm verbot die √ľppigen Allongeper√ľcken, stattdessen wurde der Soldatenzopf verordnet. Statt prunkvoller Gew√§nder herrschte nun der schlichte Soldatenrock vor. Mit diesem Radikalprogramm beendete der K√∂nig in k√ľrzester Zeit den bis dato vorherrschenden Prunk und Luxus. Offen gegen den Sparkurs zu demonstrieren, wagte aus Angst vor dem K√∂nig niemand. Die Sparma√ünahmen waren nur bei denen unpopul√§r, die davon betroffen waren.[16] Bei den Sparma√ünahmen machte er auch vor sich nicht halt. Von den 700 Zimmern des Berliner Schlosses bewohnte er nur f√ľnf. Zwei Pagen gen√ľgten ihm zu seiner pers√∂nlichen Bedienung.[17]

Anfangs stagnierte durch die drastischen Sparma√ünahmen die Wirtschaft. Der Handel ging zur√ľck, Konkurse waren an der Tagesordnung. Die Verbrauchssteuer (Akzise) sank rapide. Der K√∂nig behielt trotzdem seinen Kurs bei und bem√ľhte sich, an die Stelle des Arbeitgebers Hof die Armee zu setzen.

Zentralisierung der Finanzverwaltung

Um ein gro√ües stehendes Heer unterhalten zu k√∂nnen, ben√∂tigte man mehr Finanzmittel. Eine Neuordnung des bis dato zersplitterten und uneffektiven Finanzwesens war dabei eine Voraussetzung. Bei Regierungsantritt war der Finanzhaushalt in einen zivilen und milit√§rischen Teil getrennt. Der zivile Teil des Haushalts erstreckte sich auf zwei gro√üe Bereiche, die General-Dom√§nenkasse ‚Äď f√ľr die allgemeine Verwaltung ‚Äď und die Schatulle, die der Hofhaltung diente.[18] Die Schatulle setzte sich aus den Einnahmen der dem K√∂nig pers√∂nlich geh√∂renden G√ľter zusammen, der Ertr√§ge des M√ľnzregals, sowie den Eink√ľnften des Postwesens. Die Dom√§nenkasse bezog ihre Eink√ľnfte aus den Dom√§nen und Forsten, die nicht der Schatulle angeh√∂rten. Die General-Kriegskasse bezog ihre Einnahmen aus dem allgemeinen Steueraufkommen (vorwiegend Akzise und Kontribution). Die Mittel dienten zu einem gro√üen Teil der Armee und zu einem kleinen Teil der Staatsverwaltung.

Eine erste Vereinheitlichung der Finanzverwaltung folgte am 13. August 1713 als die bis dato privaten k√∂niglichen Schatullg√ľter zu Dom√§neng√ľtern gemacht und der gesamte k√∂nigliche L√§nderbesitz f√ľr unteilbar und unver√§u√üerlich erkl√§rt wurde. Um feste planbare Einnahmen des Staates zu garantieren, verpachtete Friedrich Wilhelm diese an B√ľrger zur Bewirtschaftung. Im August 1713 schuf der K√∂nig ein zentrales Generalfinanzdirektorium f√ľr alle Dom√§neneinahmen. Dieses geriet aufgrund der Verpflichtung zu steigenden Einnahmen in Konkurrenz zur Generalkriegskasse.

Zur √úberwindung der Rivalit√§t der Fiskal- und Milit√§rbeh√∂rde vereinigte Friedrich Wilhelm Ende 1722 diese unter dem ‚ÄěGeneral-Ober-Finanz-Kriegs- und Dom√§nen-Directorium‚Äú (kurz: Generaldirektorium). Mit der Beh√∂rdenzusammenlegung erreichte der K√∂nig eine √§u√üerst schlanke Verwaltung. Kollegialprinzip und Ressortkompetenz blieben erhalten und feste Dienstzeiten wurden eingef√ľhrt. Damit begr√ľndete der K√∂nig das preu√üische Beamtenwesen, dessen Funktionsmerkmale sich aus den Tugenden pietistischer Fr√∂mmigkeit ableiteten und einen Bruch mit dem traditionellen feudalistischen Standesd√ľnkel bedeuteten.

Peuplierung und Wiederaufbau Preußens

Empfang der Salzburger Protestanten in Berlin am 30. April 1732

Gro√üe Anstrengungen unternahm K√∂nig Friedrich Wilhelm beim Wiederaufbau des durch die Pest von 1709 entv√∂lkerten und w√ľsten Ostpreu√üens. Als um 1731 die Verfolgung der Protestanten in Europa durch Erzbischof Leopold Anton von Firmian im Salzburger Land wieder aufflammte, nutzte Friedrich Wilhelm dies f√ľr die ‚ÄěRe-Peuplierung‚Äú. Der Erzbischof lie√ü am Sonntag dem 11. November 1731 das Emigrationspatent vom 31. Oktober 1731 von den Kanzeln verlesen. Mitten im Winter 1731 mussten die Lutheraner daraufhin das Land verlassen. Daraufhin erlie√ü Friedrich Wilhelm I. am 2. Februar 1732 sein Einladungspatent, ein Edikt, in dem er den Exulanten versprach, sie ‚Äěaus christ=k√∂niglichem Erbarmen und herzlichem Mitleid‚Äú in Preu√üen aufzunehmen. Zuerst wollte er nur 10.000 Fl√ľchtlinge aufnehmen. Dann schlie√ülich lie√ü er sie zahlenm√§√üig unbeschr√§nkt ins Land. Unter gro√üer Aufmerksamkeit und Anteilnahme der deutschen √Ėffentlichkeit bewegte sich ein endloser Zug Vertriebener quer durch Deutschland √ľber Berlin nach Ostpreu√üen. Friedrich Wilhelm I. siedelte die Salzburger Exulanten im Rahmen seines gro√üen Peuplierungsvorhabens an. ‚ÄěMenschen achte ich vor dem gr√∂√üten Reichtum‚Äú, √§u√üerte er. Preu√üen galt nun als Schutzmacht aller Protestanten.

Gedenktafel in Böhmisch Rixdorf, Berlin

Eine weitere Ma√ünahme zum Wiederaufbau Ostpreu√üens stellte die Gr√ľndung des Gest√ľts Trakehnen 1732 dar.

Weitere Peuplierungsma√ünahmen gab es 1732, als viele Protestanten, Nachfahren der Br√ľder-Unit√§t, ihre b√∂hmische Heimat verlassen mussten. Friedrich Wilhelm I. gew√§hrte ihnen Asyl und siedelte sie in B√∂hmisch Rixdorf bei Berlin, au√üerhalb der Stadtmauern Berlins, an. In Rixdorf errichteten sie Friedrich Wilhelm I. aus Dankbarkeit die Statue, die auf dieser Seite den K√∂nig zeigt. Am Sockel brachten sie eine Gedenktafel an, auf der zu lesen ist: ‚ÄěDie dankbaren Nachkommen der hier aufgenommenen B√∂hmen.‚Äú

Förderung der Textil- und Wollwirtschaft

Um die f√ľr die heimische Wirtschaft wichtige Wollproduktion zu f√∂rdern, errichtete der neue K√∂nig 1713 mit dem Berliner Lagerhaus einen Textilverlag und -manufaktur mit Hilfe des Unternehmers Johann Andreas Kraut.

Die Ausfuhr von Wolle wurde 1718/19 (bei Todesstrafe 1723) verboten. Die Begr√ľndung: es w√ľrde ‚Äěgewi√ü die h√∂chste Unbilligkeit sein, l√§nger zuzusehen, wie von der in Unseren Landen gefallenen Wolle vielen Ausw√§rtigen Gelegenheit gegeben werde, ihr Brot reichlich zu verdienen, Unsere eigenen Untertanen und Wollarbeiter aber aus Mangel der Wolle und Arbeit m√ľ√üig gehen und dem ganzen Lande mit Betteln zur Last fallen m√ľssen, da doch die Wolle fast das einzige Mittel ist, so die g√ľtige Natur Unserer Churmark selbst gegeben, die M√ľ√üigg√§nger und armen Leute in die Arbeit und Nahrung zu stellen, zugleich auch das Geld nicht nur im Lande zu behalten, sondern auch fremdes hereinzuziehen.‚Äú

Militärpolitik

Friedrich Wilhelm I. gab Preu√üen mit seinen 1,6 Mio. Einwohnern eine starke milit√§rische Pr√§gung. Von 1713 bis 1740 baute der K√∂nig das stehende Heer seines Vaters von 40.000 auf √ľber 80.000 Mann aus. Hinter Frankreich, den Niederlanden und Russland wurde Preu√üen viertst√§rkste Milit√§rmacht in Europa. Damit erreichte er sein Ziel, aus der sekund√§ren Subsidiarmacht Preu√üen seines Vaters eine autarke, selbst√§ndige milit√§rische Macht in Europa zu machen. Die negativen Folgen waren eine weitgehende Militarisierung des allt√§glichen Lebens und die vollst√§ndige Ausrichtung der Bed√ľrfnisse des Staates auf die Armee.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Milit√§rpolitik Friedrich Wilhelms war die Formung eines geschlossenen adeligen Offizierskorps zur F√ľhrung des Heeres. Das Monopol des Adels auf Offiziersstellen wirkte sich bis ins 20. Jahrhundert hinein auf die preu√üischen und deutschen Truppen aus.

Ausbau der Armee

Der K√∂nig hatte noch zu seiner Kronprinzenzeit mehrfach erlebt, was es f√ľr einen Staat bedeutet, wenn er √ľber kein starkes milit√§risches Drohpotenzial verf√ľgt. So marschierten ausl√§ndische Heere mehrfach ohne Erlaubnis √ľber preu√üisches Territorium. Zudem wurde Preu√üen regelm√§√üig bei anstehenden Friedensverhandlungen von den anderen M√§chten bei der Aushandlung der Friedensbedingungen √ľbergangen. So zuletzt w√§hrend der Friedensverhandlungen in Utrecht, bei denen Preu√üen nur geringe Gebietsgewinne zugestanden wurden, die in keinem Verh√§ltnis zum Aufwand standen. Auch die seit Jahren ausstehenden Subsidienzahlungen seiner Verb√ľndeten wurden nicht beglichen.

Noch 1713 begann Friedrich Wilhelm daher die Armee auszubauen. Er verstärkte die Infanterie um 8073, die Kavallerie um 1067 Mann, womit die preußische Armee eine Stärke von nunmehr 50.000 Mann erreichte. Die zur Repräsentation dienenden Garden wurden zum großen Teil in Feldregimenter umgewandelt, die Schweizer Garde wurde aufgelöst. Mitte März setzen die ersten Werbungen ein, die häufig von Exzessen der Werber begleitet wurden. Gleichzeitig hob der König die Begrenzung der Dienstzeit auf, so dass theoretisch ein lebenslanges Dienstverhältnis drohte. Die Folge dieser Maßnahmen waren ein kurzzeitiges massives Ansteigen der Zahl der Desertionen und Landesfluchten junger Männer, um dem Militärdienst zu entgehen.

Lange Kerls

Grenadier Schwerid Rediwanoff aus Moskau. Rediwanoff soll (laut Bildbeschreibung DHM) zu den Männern gehört haben, die Peter der Große im Geschenkaustausch gegen das Bernsteinzimmer nach Berlin schickte

Ein ganz besonderes Augenmerk des K√∂nigs galt der Werbung von lang gewachsenen jungen M√§nnern f√ľr sein K√∂nigsregiment in Potsdam. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies auch seine gro√üe pers√∂nliche Leidenschaft war. Allerdings gab es einen praktischen Grund: Das Vorderladergewehr, das F√ľsil, erzielte die beste Wirkung, wenn es m√∂glichst lang war. Entsprechend war es nur f√ľr hochgewachsene M√§nner leicht handhabbar. Das an Ressourcen und Menschen arme Land musste zwangsl√§ufig die Effizienz der Feuerwaffen erh√∂hen, um gegen Gegner bestehen zu k√∂nnen.[19] Bereits 1712, als der K√∂nig noch Kronprinz war, hatte die Jagd nach M√§nnern, die √ľber 1,88 Meter gro√ü waren, europaweit begonnen. Dazu schickte er Werber bis nach Ungarn, Kroatien, Kurland und in die Ukraine aus. Der K√∂nig, sonst auf allen Gebieten sparsam, war hier ohne Z√∂gern bereit, gro√üe Mengen an Geld zu bezahlen. Ein so genannter inl√§ndischer Sechsf√ľ√üler kostete ihn 600 Taler. F√ľr 1,92 Meter gro√üe M√§nner aus dem Ausland wurden 3000 Taler bezahlt.[20] Zwischen 1713 und 1735 gingen insgesamt 12 Millionen Taler Werbegelder ins Ausland.

Diese "Sammelleidenschaft" des K√∂nigs sprach sich europaweit herum. Neben diplomatischen Drohungen des Auslands, die illegal t√§tigen preu√üischen Werber hinzurichten, brachten andererseits ausl√§ndische Diplomaten dem K√∂nig lang gewachsenen Kerle als Geschenk, um seine Gunst zu erlangen. So trafen Sendungen von ein paar Dutzend langen Kerlen aus Paris, London, Kopenhagen und Petersburg in Potsdam ein. Der K√∂nig k√ľmmerte sich pers√∂nlich um jeden seiner Langen Kerls. Von jedem kannte er den pers√∂nlichen Lebenslauf, sie erhielten h√∂heren Sold und bekamen Geschenke in Form von H√§usern und Grundst√ľcken. Die j√§hrlichen Kosten des K√∂nigsregiments betrugen 291.000 Taler, im Vergleich zu 72.000 Taler f√ľr ein normales Infanterieregiment.[21]

Adeliges Offizierskorps

Um dem im absolutistischen Staat nun weitgehend entmachteten Adelsstand eine Ersatzfunktion zu geben, versuchte der K√∂nig diesen an die Krone zu binden. Dazu richtete er im September 1717 in Berlin das K√∂niglich Preu√üisches Corps de Cadets ein, eine zentrale Kadettenanstalt, f√ľr deren Beschickung er pers√∂nlich die jungen Adligen ausw√§hlte, welche alle im Alter zwischen 12 und 18 Jahren in einem Verzeichnis erfasst waren. Damit bot er den Spr√∂sslingen der meist verarmten Adelsfamilien eine Perspektive in beruflicher und sozialer Hinsicht. Neben der Karriere im Heer bot sich auch die M√∂glichkeit des Staatsdienstes f√ľr die Kadetten an. Damit sicherte der K√∂nig dem teilweise verarmten Adel eine Teilhabe in seinem Staat, statt sie in politischer Opposition zu belassen. Trotz heftigen Widerstandes des alteingesessenen Adels setzte sich der K√∂nig in dieser Frage durch. Der Zwang des Adels zur Milit√§rpflicht in der preu√üischen Armee war von einem Verbot des Dienstes in anderen Armeen begleitet.

Schaffung des Kantonsystems

Um den Ungerechtigkeiten der bis dahin wahllos durchgef√ľhrten Werbungen entgegenzutreten, schuf Friedrich Wilhelm 1733 das Kantonsystem. Jedem Kanton wurde ein Regiment zugeordnet. Dies stellte eine Vorstufe zur allgemeinen Wehrpflicht dar. Damit wurde der Milit√§rdienst f√ľr die einfache Bev√∂lkerung deutlich berechenbarer und die Landesflucht vornehmlich junger M√§nner nahm in der Folgezeit wieder ab. Dem Adel wurde der Milit√§rdienst au√üerhalb Preu√üens und damit eine Erwerbsquelle verboten, gleichzeitig zwang der K√∂nig den Adel zum Dienst in der Armee.

Außenpolitik

Friedrich Wilhelm zu Besuch am sächsischen Hof
König Friedrich Wilhelm I. als Feldherr vor dem belagerten Stralsund (1715). Gemälde von Pesne 1729, allerdings in der neuen Uniform des Königsregiments

Friedrich Wilhelm I. hielt am Neutralit√§tskurs seines Vorg√§ngers zun√§chst fest. Als ihn Zar Peter I. im M√§rz 1713 bei einem Besuch in Berlin zum Beitritt in die nordische Allianz gegen den schwedischen K√∂nig Karl XII. w√§hrend des Gro√üen Nordischen Krieges bewegen wollte, lehnte er das ab mit der Begr√ľndung, dass er ein Jahr brauche, um Armee und Finanzen in Ordnung zu bringen. Nach Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges gab er aber den Neutralit√§tskurs auf und wandte sich der Allianz zu. Sein Ziel war es, die schwedischen Gebiete in Norddeutschland (Schwedisch-Pommern) und den Zugang zur wichtigen Oderm√ľndung f√ľr Preu√üen zu gewinnen. Die Preu√üen besetzten in der Folge als neutrale Besatzungsmacht Stettin.

Als Karl XII. nach seiner R√ľckkehr aus dem Osmanischen Reich im November 1714 den Oberbefehl in Pommern √ľbernahm und den Krieg fortsetzte, trat Preu√üen am 1. Mai 1715 aktiv in den Krieg ein und belagerte Stralsund zusammen mit den D√§nen und Sachsen. An der Belagerung nahm Friedrich Wilhelm I. die gesamte Zeit als Oberbefehlshaber teil.

Im Frieden von Stockholm vom 21. Januar 1720 schloss Preu√üen Frieden mit Schweden. Preu√üen gewann die Stadt Stettin mit dem Gebiet zwischen Oder und Peene, die Inseln Wollin und Usedom, sowie das Oderhaff und die M√ľndungen der Swine und Dievenow. Der kurze Feldzug von 1715 blieb der einzige kriegerische Einsatz der preu√üischen Armee in der Regierungszeit des Soldatenk√∂nigs.

1718 lagerte unter dem Vorwand einer Reichsexekution gegen Mecklenburg-Schwerin ein Reichsheer (√Ėsterreich und Hannover-Gro√übritannien) von 50.000 Mann in Preu√üen. Friedrich Wilhelm I. lie√ü sich nicht herausfordern und hielt still. Anderseits nutzte Friedrich Wilhelm die Reichsexekution um seinerseits Mittel aus Mecklenburg zu pressen, indem er einige G√ľter in Mecklenburg besetzte und jahrzehntelang verwaltete.

Die bereits unter seinem Vorg√§nger abgewirtschafteten brandenburgischen Kolonien (Gro√ü Friedrichsburg) verkaufte er f√ľr 7.200 Dukaten 1720 an die Niederlande, auch um die Ressourcen f√ľr den Aufbau der preu√üischen Armee zu b√ľndeln.

Au√üenpolitisch galt der Monarch als wenig ambitioniert und talentiert. Bekannt war der ‚ÄěSoldatenk√∂nig‚Äú ebenso f√ľr seine unkriegerische Haltung, wof√ľr er an den europ√§ischen H√∂fen verspottet wurde. Seinen einzigen Waffengang im Gro√üen Nordischen Krieg hatte er noch von seinem Vorg√§nger geerbt, und die dort sowie in der Jugend in der Schlacht von Malplaquet gemachten Erfahrungen lie√üen ihm den Krieg nicht als Option der Politik erscheinen. Kriege kosteten viel Geld und ramponierten die vorher m√ľhsam aufgebaute Armee.

W√§hrend seiner weiteren Regentschaft war er an den Erbfolgerechten in J√ľlich und Berg interessiert, deren Umsetzung traditionell der Kaiser garantierte. In nahezu treuherziger Manier warb er mehrfach um die Gunst Karls VI. und wurde immer wieder von ihm get√§uscht.

Bildungspolitik

Weil Friedrich Wilhelm praxisorientiert und pragmatisch dachte, konnte er wenig mit Gelehrten und Geisteswissenschaften anfangen. Er förderte daher außer der Theologie nur praxisorientierte Wissenschaften.

Flankierend zum Wirtschaftsaufbau installierte Friedrich Wilhelm I. an den Universit√§ten Halle und Frankfurt (Oder) die ersten Lehrst√ľhle f√ľr Kameralwissenschaften. Es war der Anfang einer universit√§ren Wirtschaftslehre. Dagegen wurden Fakult√§ten, die nicht praktisch dem Land dienten, von ihm mehr und mehr bedr√§ngt. Der Philosoph Christian Wolff in Halle, dem der K√∂nig vorwarf, er unterminiere die Religion und daher die Armee, und der Staatsrechtlerl Johann Jakob Moser, den er nach Frankfurt (Oder) berufen hatte, verlie√üen Preu√üen unter Lebensgefahr.

Preu√üen wurde im Rahmen der Armeeversorgung zum Standort fortschrittlicher Medizin. Eine gro√üe Anzahl bedeutender √Ąrzte diente Friedrich Wilhelm. Zum Zentrum wurde die Charit√© in Berlin.

Schulpflicht

K√∂nigliche Verordnung zur Einf√ľhrung der Allgemeinen Schulpflicht in Preu√üen, 1717

Am 28. Oktober 1717 f√ľhrte der K√∂nig durch k√∂nigliche Verordnung im Prinzip die allgemeine Volksschulpflicht auf den k√∂niglichen Dom√§neng√ľtern ein. So sollte jedes Kind zwischen f√ľnf und zw√∂lf Jahren zur Schule gehen.

‚ÄěWir vernehmen missf√§llig und wird verschiedentlich von denen Inspectoren und Predigern bey Uns geklaget, dass die Eltern, absonderlich auf dem Lande, in Schickung ihrer Kinder zur Schule sich sehr s√§umig erzeigen, und dadurch die arme Jugend in grosse Unwissenheit, so wohl was das lesen, schreiben und rechnen betrifft, als auch in denen zu ihrem Heyl und Seligkeit dienenden h√∂chstn√∂tigen St√ľcken auffwachsen la√üen.‚Äú

‚Äď Friedrich Wilhelm I.[22]

Während seiner Regentschaft stieg das allgemeine Bildungsniveau in Preußen deutlich. Die 1717 erlassene Schulpflicht trug dazu wesentlich bei, auch wenn sie sich durch den schwachen und finanzarmen Staat nicht gleich flächendeckend durchsetzen konnte. So gab es statt der 320 Dorfschulen vom Jahre 1717 bei seinem Todesjahr schon 1480 Schulen.

Sozial- und Religionspolitik

Friedrich Wilhelm √ľbertrug den von ihm gesch√§tzten lutherischen Pietismus auf den preu√üischen Staat und die Gesellschaft. Unter ihm wurde dieser nahezu zur ‚Äěpreu√üischen Staatsreligion‚Äú, obwohl er selbst Calvinist blieb. So f√∂rderte er Pietisten als Universit√§tstheologen und stellte pietistische Feldprediger in der Armee an, denen er den Feldpropst Lambert Gedicke voranstellte. Die Lutherische Kirche √ľbernahm den neuen Geist und lie√ü ihn durch Predigt und die betriebenen Schulen zum Allgemeingut f√ľr die Bev√∂lkerung werden. Aus diesen Einrichtungen sowie der pietistischen Universit√§t Halle bezog der Staat Preu√üen einen gro√üen Teil seiner sp√§teren Elite. Auch interessierte Friedrich Wilhelm sich sehr f√ľr die Erneuerung der Kirche der B√∂hmischen Br√ľder in Herrnhut. So stand er viele Jahre in Briefkontakt mit dem Grafen von Zinzendorf und ermunterte ihn zur Bischofsweihe.

Friedrich Wilhelm I. vertrat keine durchweg tolerante Religionspolitik. Die Beschr√§nkungen f√ľr Juden bestanden unter Friedrich Wilhelm fort; zur christlichen Missionierung der Juden unterst√ľtzte er das Institutum Judaicum et Muhammedicum unter dem Theologen Johann Heinrich Callenberg ab 1728 in Halle. Die erste katholische Kirche in der Mark Brandenburg gestattete der Soldatenk√∂nig 1722 auf dem Gel√§nde einer Gewehrfabrik (sogen. Plan) f√ľr eingewanderte Waffenschmiede aus dem belgischen L√ľttich, da die umworbenen Gewehrspezialisten die freie Religionsaus√ľbung zur Bedingung gemacht hatten.[23][24] Der des Atheismus beschuldigte Hallesche Philosophieprofessor Christian Wolff hingegen musste 1723 sein Amt aufgeben, Preu√üen innerhalb von 48 Stunden verlassen und seine Schriften waren bis 1736 verboten.[25]

Die Errichtung von sozialen Einrichtungen wie des Potsdamer Milit√§rwaisenhauses 1724 oder das k√∂nigliche Warenlagerhauses lassen sich unter anderen auch auf die religi√∂se Einstellung des K√∂nigs zur√ľckf√ľhren. Aus der Zeit zwischen 1717 und 1723 liegen zahlreiche Anweisungen zur Abschaffung der Leibeigenschaft auf den k√∂niglichen Dom√§nen durch Friedrich Wilhelm vor, doch sind sie faktisch kaum umgesetzt worden.

Am 9. Januar 1727 verf√ľgte Friedrich Wilhelm I. in einer weiteren Kabinettsorder die Umwandlung eines Lazaretts in ein B√ľrgerhospital und ordnete in einer Randbemerkung an: ‚ÄěEs soll das Haus die Charit√© hei√üen.‚Äú Erster Direktor wurde der Leibarzt des K√∂nigs, Johann Theodor Eller (1689‚Äď1760).

Konflikt mit dem Thronfolger

1730 kommt es wegen Friedrich Wilhelms Heiratspl√§nen zum Zerw√ľrfnis zwischen ihm und seinem Sohn und Thronfolger, Friedrich, der daraufhin zusammen mit dem befreundeten Leutnant Hans Hermann von Katte vom Garderegiment Gendarmes seine bereits seit 1729 geplante Flucht aus Preu√üen in die Tat umsetzen wollte.

Der halbherzige Fluchtversuch Friedrichs scheiterte. In dessen Folge wurde er in der Festung K√ľstrin eingesperrt. Sein Freund und Fluchthelfer Hans Hermann von Katte wurde hingerichtet. Der K√∂nig hatte das Urteil gegen Katte in die Todesstrafe umwandeln lassen, um ein Exempel zu statuieren. Seine Berater konnten ihn nur mit M√ľhe davon abbringen, dem Thronfolger Gleiches anzutun.

Die Ursachen f√ľr diesen schweren famili√§ren Konflikt lagen in den Sorgen Friedrich Wilhelm I., dass der Sohn sein Lebenswerk wieder verkommen lie√üe. Er lie√ü seine Kinder und insbesondere Friedrich streng erziehen. Friedrich sollte die Ideale des Vaters, Strenge, Unbestechlichkeit, St√§rke und Sparsamkeit von Anfang an befolgen. Der feinsinnige Sohn suchte aber immer wieder Zuflucht in Musik und Literatur, was zahlreiche Konflikte zwischen Vater und Sohn heraufbeschwor. Insbesondere akzeptierte der malende Vater die Musik nicht als Kunst, so dass diese als Verst√§ndigungsbasis zwischen den beiden nicht in Frage kam.

Noch w√§hrend der Haftzeit Friedrichs kam es zur Vers√∂hnung zwischen Vater und Sohn, und auch wenn das Verh√§ltnis weiterhin schwierig war, konnten sich beide damit arrangieren. Der K√∂nig erlaubte sp√§ter seinem Sohn, sich samt dessen Gemahlin auf Schloss Rheinsberg zur√ľckzuziehen und dort eigene Studien zu betreiben, wodurch sich Friedrich aus der Umklammerung seines Vaters befreite.

Lebensende

Mit zunehmenden Alter litt Friedrich Wilhelm zunehmend an Gicht- und Podagraanf√§llen, die seinem ungesunden Lebensstil und einer erblichen Vorbelastung geschuldet waren. Er konnte kaum noch reiten. Am 31. Mai 1740 verstarb er im Potsdamer Stadtschloss an Wassersucht. Die Beisetzung erfolgte am 4. Juni in der Garnisonkirche zu Potsdam. Sein Sohn Friedrich II., bekannt als Friedrich der Gro√üe, folgte ihm als K√∂nig in Preu√üen (seit 1772 K√∂nig von Preu√üen) nach.

Sein Sarkophag steht seit 1991 im Kaiser-Friedrich-Mausoleum nahe der Friedenskirche in Sanssouci. Urspr√ľnglich wie sein Sohn Friedrich der Gro√üe in der zerst√∂rten Potsdamer Garnisonkirche beigesetzt, wurden die Sarkophage kurz vor Kriegsende 1945 fortgeschafft. Sie standen bis 1953 in der Elisabethkirche in Marburg (Hessen) und bis 1991 in der evangelischen Christuskapelle auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen (Baden-W√ľrttemberg).[26]

Persönlichkeit

Insgesamt gesehen war er ein Mensch mit Widerspr√ľchen. Einerseits ein friedliebender Monarch, andererseits ein heilloser Militarist, er war schreckenverbreitend, misstrauisch, brutal, geizig und liebevoll, entgegenkommend, ehrlich und gro√üz√ľgig. Er war ein Despot √† la russe und ein tief religi√∂ser, gottesf√ľrchtiger Mensch. Er selbst schien die Widerspr√ľche zu erkennen. Jedenfalls erkl√§rte bzw. entschuldigte er sie:

‚ÄěMein ganzes Leben hindurch fand ich mich gen√∂tigt, zwei Leidenschaften anzuh√§ngen, die ich nicht [sic!] hatte: eine war ungereimter Geiz und die andere eine ausschweifende Neigung f√ľr gro√üe Soldaten. Nur wegen dieser so sehr in die Augen fallenden Schwachheiten verg√∂nnte man mir das Einsammeln eines gro√üen Schatzes und die Errichtung einer starken Armee. Beide sind da, nun bedarf mein Nachfolger weiter keiner Maske.[27]‚Äú

V√∂llig untypisch f√ľr diese Zeit legte er gr√∂√üten Wert auf Sauberkeit und Hygiene, um ansteckenden Krankheiten zu entgehen. Er hegte eine tiefe Abneigung gegen diplomatische Konventionen und h√∂fische Etikette, was sich auf seinem Regierungsstil auswirkte. Sein Bildungsstand stand auf tiefem Niveau, so beherrschte er, obwohl zweisprachig aufgewachsen, weder das Deutsche noch das Franz√∂sische korrekt und schrieb phonetisch.

Bewunderung zeigte der K√∂nig f√ľr das musikalische Werk Georg Friedrich H√§ndels. In seinen letzten Lebensjahren widmete sich der kranke Monarch der Malerei. Seine Werke, von den Hofmalern vorskizziert, entstanden haupts√§chlich auf Schloss Kossenblatt bei F√ľrstenwalde und in (K√∂nigs) Wusterhausen, als Selbstbesch√§ftigung.

Er bevorzugte einfache Hausmannskost wie Wei√ükohl mit Schweinebauch, gr√ľne Erbsen mit Hammelkarbonade, Rindsmaul mit Rindsf√ľ√üen. Diese Ern√§hrung war seiner Gesundheit allerdings nicht zutr√§glich.[28]

Das Tabakskollegium im Schloss Königs Wusterhausen

Zu seinem privaten Vergn√ľgen suchte der K√∂nig regelm√§√üig ein Tabakskollegium auf, das aus acht bis zw√∂lf abendlichen Mitzechern bestand, die einen rauen Ton pflegten. Mit dabei war Professor Jacob Paul von Gundling (1673‚Äď1731), ein Hausgelehrter und Berater des K√∂nigs. Gundling zeigte eine Veranlagung zur √ľberheblichen Eitelkeit des Gelehrten und einen starken Hang zum Alkoholismus, verbunden mit Unreinlichkeit. Das machte ihn zur willkommenen Zielscheibe der ausgepr√§gten Spottlust Friedrich Wilhelms I. und der Teilnehmer des Tabakskollegiums. Gundling lie√ü es durch sein Verhalten zu, zum Hanswurst gemacht zu werden. Schon die Zeitgenossen und sp√§tere Gelehrtengenerationen sahen darin eine generelle Verachtung der Wissenschaften durch Friedrich Wilhelm I., so lie√ü ihn der K√∂nig in einem Weinfass auf dem Bornstedter Friedhof begraben.

Abweichend von den Sitten seiner Zeit unterhielt der K√∂nig keine M√§tressen. In seiner Instruktion an den Nachfolger von 1722 benannte er seine Pr√§missen f√ľr einen Herrscher:

‚Äěkeine Metressen, es be√üer zu Nennen Huhren, haben und ein Gottsehliches lehben f√ľhren; di√üe Regenten wierdt Gott mit allen weldt- und geistsehgen besch√ľtten (‚Ķ) nicht Sauffen und fre√üen davon ein unz√ľgtiges leben herr kommet, (‚Ķ) und auch nicht zugehben das in seine Lender und Prowincen keine Komedien, Operas, Ballettes, Masckeradhen, Redutten gehalten werden.‚Äú

‚Äď Friedrich Wilhelm [29]

Schlösser des Königs

Friedrich Wilhelm I. blieb der einzige preu√üische Monarch, der nie ein Schloss gebaut hat. Alle Bauma√ünahmen bzw. -vorhaben des Vorg√§ngers lie√ü er einstellen, siehe Unfriedtbau in K√∂nigsberg. Repr√§sentative Bauten, wie etwa das Schloss Charlottenburg, benutzte er kaum, lie√ü sie aber im Winter beheizen, um Bausch√§den vorzubeugen. Andere Schl√∂sser lie√ü er verkaufen bzw. verkaufte das Inventar, siehe Stadtschloss von Potsdam oder auch Bernsteinzimmer. Schloss K√∂nigs Wusterhausen hatte er vom Vater geerbt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass er dennoch auch Schl√∂sser erwarb: Schloss Rheinsberg, welches er seinem Sohn Friedrich f√ľr seine Loyalit√§t schenkte, und Schloss Kossenblatt, welches er selbst bewohnte und nach seinem Geschmack einrichtete.

Denkmal in der Siegesallee

F√ľr die ehemalige und oft als ‚ÄěPuppenallee‚Äú bel√§chelte Berliner Siegesallee gestaltete der Bildhauer Rudolf Siemering 1900 die Denkmalgruppe 27 mit einem Standbild Friedrichs Wilhelms als Hauptfigur. Siemering legte drei Skizzen f√ľr die Figur an. Mit zwei Skizzen, die den K√∂nig im Mantel zeigten, versuchte Siemering, vom Etikett Soldatenk√∂nig abzur√ľcken. Die dritte zeigte ihn dem Etikett entsprechend im Soldatenrock. Diesen Entwurf bestimmte Kaiser Wilhelm II., Auftraggeber der Monumentalallee, zur Ausf√ľhrung. Die realisierte Figur zeichnet Friedrich Wilhelm I. zum einen als derbe Gestalt von schlichtem und energischen Wesen, die fest und breitbeinig in Kn√∂pfgamaschen dasteht. Die Leibesf√ľlle des Soldatenk√∂nigs wurde bei der Figur nicht kaschiert, sondern ‚Äědurch die √ľber dem Bauch auseinanderklaffende Jacke und die tiefsietzende Leibbinde in geradezu grotesker Weise betont.‚Äú[30] Zum anderen bringt die Figur die widerspr√ľchliche Pers√∂nlichkeit des K√∂nigs zum Ausdruck, indem im breiten Gesicht ein landesv√§terlicher Zug hervortritt. Accessoires wie ein Stock, ein Aktenb√ľndel auf dem Boden und Folianten im B√ľcherregal, das als St√ľtze hinter der Figur angebracht ist, unterstreichen diese Kennzeichnung eines umsichtigen und sparsamen Regenten.

Als Nebenfiguren waren dem Standbild die B√ľsten des Ministers Heinrich R√ľdiger von Ilgen und Des Alten Dessauers Leopold von Anhalt-Dessau zugeordnet. Die Enth√ľllung der Gruppe fand am 22. Dezember 1900 statt. Das Denkmal ist mit Sch√§den wie abgebrochenen Teilen erhalten und wird gemeinsam mit weiteren Siegesallee-Statuen seit Mai 2009 in der Zitadelle Spandau aufbewahrt.[31]

Ehe und Nachkommen

Friedrich Wilhelm war verheiratet mit seiner Cousine Sophie Dorothea von Hannover (1687‚Äď1757), Tochter des K√∂nigs Georg I. von Gro√übritannien und dessen Gattin Prinzessin Sophie Dorothea von Braunschweig-L√ľneburg. Friedrich Wilhelm und seine Frau waren beide Enkelkinder der Sophie von der Pfalz, protestantische Stammmutter des britischen K√∂nigshauses nach dem Act of Settlement. Aus der Ehe gingen 14 Kinder hervor:

Die Söhne von Friedrich Wilhelm I. und Sophie Dorothea um 1737: Friedrich, August Ferdinand, August Wilhelm, Heinrich (vlnr.)
  • Friedrich Ludwig (1707‚Äď1708), Prinz von Oranien
  • Wilhelmine (1709‚Äď1758)
‚ąě 1731 Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth (1711‚ąí1763)
  • Friedrich Wilhelm (1710‚Äď1711), Prinz von Oranien
  • Friedrich, (1712‚Äď1786), als Friedrich II. K√∂nig von Preu√üen
‚ąě 1733 Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenb√ľttel-Bevern (1715‚Äď1797)
‚ąě 1729 Markgraf Karl von Brandenburg-Ansbach (1712‚Äď1757)
‚ąě 1733 Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenb√ľttel (1713‚Äď1780)
‚ąě 1734 Markgraf Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt (1700‚Äď1771)
‚ąě 1744 K√∂nig Adolf Friedrich von Schweden (1710‚Äď1777)
‚ąě 1742 Prinzessin Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenb√ľttel (1722‚Äď1780)
‚ąě 1752 Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel (1726‚Äď1808)
‚ąě 1755 Prinzessin Anna Elisabeth Luise von Brandenburg-Schwedt (1738‚Äď1820)

Literatur

Weblinks

 Commons: Friedrich Wilhelm I. ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Heinz Kathe, S.2
  2. ‚ÜĎ S.Fischer-Fabian, Preu√üens Gloria: Der Aufstieg eines Staates, S. ?
  3. ‚ÜĎ Heinz Kathe, S. 3
  4. ‚ÜĎ Heinz Kathe, S.4
  5. ‚ÜĎ Heinz Kathe, S. 18
  6. ‚ÜĎ S.Fischer -Fabian, S. 85
  7. ‚ÜĎ S.Fischer-Fabian, S.99
  8. ‚ÜĎ Heinz Kathe, S.23
  9. ‚ÜĎ Zitiert nach: Ilja Mieck, Europ√§ische Geschichte der Fr√ľhen Neuzeit, Stuttgart 1981, S. 184.
  10. ‚ÜĎ a b Heinz Kathe, S. 29
  11. ‚ÜĎ Zitiert nach: Mieck, S. 184.
  12. ‚ÜĎ zitiert aus: K√∂nig Friedrich der Gro√üe, Ein Gedenkbuch zu seinem 200j√§hrigen Geburstage am 24. Januar 1912, von Theodor Rethwisch, Verlag Georg Wigand
  13. ‚ÜĎ ebenda
  14. ‚ÜĎ Otto Hintze: Kalvinismus und Staatsraison in Brandenburg zu Beginn des 17. Jahrhunderts, in: Gesammelte Abhandlungen 3, 1967, S. 255-312
  15. ‚ÜĎ S. Fischer-Fabian, S. 85
  16. ‚ÜĎ S.Fischer-Fabian, S. 86
  17. ‚ÜĎ S.Fischer-Fabian, S. 88
  18. ‚ÜĎ Werner Schmidt, S. 208
  19. ‚ÜĎ ‚Äě‚Ķ denn ein kleiner Mann nicht leicht das lange Gewehr halten [‚Ķ] k√∂nne‚Äú aus einer Vorschrift betr. Aushebung von Rekruten vom 27. Februar 1760, zit. nach Hans Bleckwenn: Einleitung S. XX, Fn. 13; in: Bibliotheka Rerum Militarum; Band 4: Preu√üisches Reglement von 1726. Neudruck der Ausgabe Potsdam 1726. Biblio Verlag, Osnabr√ľck 1970. ISBN 3-7648-0156-5. Dieser praktische Umstand ist kaum bekannt, wurde u.U. auch bewusst geheim gehalten.
  20. ‚ÜĎ S. Fischer-Fabian, S. 113
  21. ‚ÜĎ S.Fischer-Fabian, S.115
  22. ‚ÜĎ http://www.preussen-chronik.de/_/episode_jsp/key=chronologie_002390.html
  23. ‚ÜĎ Nicht aus uneigenn√ľtziger N√§chstenliebe - In der Ausstellung ‚ÄěK√∂nigliche Visionen‚Äú: Die Rosenkranzspende PNN 9. Januar 2004
  24. ‚ÜĎ Kreuzberg und seine Gottesh√§user: Kirchen-moscheen-synagogen-tempel Marina Wesner, Berlin Story Verlag 2007 ISBN 3929829754 (Seite 93)
  25. ‚ÜĎ Geschichte des deutschen Buchhandels Von Reinhard Wittman, 1999 (Seite 151)
  26. ‚ÜĎ Sein Sohn Friedrich II. ist gem√§√ü dessen testamentarischem Wunsch, der zun√§chst durch das Begr√§bnis neben seinem Vater in der Garnisonskirche missachtet wurde, seit 1991 auf der Terrasse neben dem Schloss Sanssouci begraben.
  27. ‚ÜĎ Bericht des Geheimen Rates von Schliest√§dt, Kommissar des braunschweig-wolfenb√ľttelschen Hofes, zit. nach Georg Malkowsky, Die Kunst im Dienste der Staats-Idee; Berlin 1912; S. 110.
  28. ‚ÜĎ S.Fabian-Fischer, S. 89
  29. ‚ÜĎ Heinz Schilling: H√∂fe und Allianzen. Deutsche Geschichte von 1648 bis 1763, Berlin (Siedler) 1989, S. 399
  30. ‚ÜĎ Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee. R√©clame Royale, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-496-01189-0, S. 199.
  31. ‚ÜĎ Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee. R√©clame Royale, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-496-01189-0, S. 198f.


Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich I. K√∂nig in Preu√üen und Kurf√ľrst von Brandenburg
1713‚Äď1740
Friedrich II.

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