Friendly Fire

Friendly Fire (engl. befreundeter Beschuss) bzw. Freundbeschuss ist ein euphemistischer Ausdruck aus dem US-amerikanischen Militärjargon, der den irrtümlichen Beschuss eigener oder verbündeter Streitkräfte in einer kriegerischen Auseinandersetzung bezeichnet.

Ursachen

Ursachen für Friendly Fire sind normalerweise eine unzureichende Identifizierung des Ziels aufgrund schlechter Sichtbedingungen (wie Dunkelheit oder Witterungseinflüsse), Kommunikationsprobleme oder technisches bzw. menschliches Versagen. Die Wirkung dieses fehlgeleiteten Beschusses wird auch als Begleitschaden bzw. Kollateralschaden bezeichnet. Absichtlicher Beschuss von Vorgesetzten durch Untergebene wird als Fragging bezeichnet, nicht als Friendly Fire.

Im Gefecht der verbundenen Waffen ist es manchmal nicht völlig vermeidbar, dass bei der Fernunterstützung von eigenen, in unmittelbarer Feindberührung stehenden Einheiten mittels Artillerie oder Kampfflugzeugen auch eigene Kräfte in Mitleidenschaft gezogen werden. Es ist dabei jedoch stets abzuwägen, ob die Verluste der eigenen Verbände nicht noch größer wären, wenn ihnen diese Luft- oder Artillerieunterstützung nicht gewährt würde.

Bekannte Vorfälle

Zu den prominenten Opfern von Friendly Fire gehören US-Bürgerkriegsgeneral „Stonewall“ Jackson (1863), Bandleader Glenn Miller, der 1944 auf dem Flug nach Frankreich vermutlich von überschüssigen Bomben britischer Bomber getroffen wurde, der faschistische italienische Luftwaffenminister Italo Balbo, der 1940 über Tobruk abgeschossen wurde, und US-Lieutenant General Lesley J. McNair, der am 25. Juli 1944 bei Saint-Lô durch Bomben eigener Flugzeuge getötet wurde und der ranghöchste US-General war, der während des Zweiten Weltkriegs in Europa fiel.

Am 5. Oktober 1964 wurde in der Nähe der Berliner Mauer der DDR-Grenzsoldat Egon Schultz bei einem Schusswechsel mit Fluchthelfern versehentlich durch einen anderen Grenzsoldaten erschossen.

Im Vietnamkrieg z. B. traten erhebliche Verluste auf US-amerikanischer Seite aufgrund des Abwurfes von Napalm durch die United States Air Force auf, während sich noch eigene Bodentruppen im Zielgebiet befanden, so dass die eigenen Ausfälle hierdurch manchmal zahlreicher waren als die des Vietcong. Seltener kam es vor, dass im unübersichtlichen Dschungel GIs aufeinander das Feuer eröffneten.

Auch im Zweiten Golfkrieg 1991 gegen den Irak war Friendly Fire für die alliierten Truppen zum Teil ein größeres Problem als Feindeinwirkung. Rund 25 Prozent aller Verluste der Koalitionsstreitkräfte war während der Operation Desert Storm auf Friendly Fire zurückzuführen. Neun britische Soldaten, die in einem Mannschaftstransportpanzer saßen, wurden von einem US-Erdkampfflugzeug vom Typ A-10 Thunderbolt II angegriffen und dabei getötet. Im Februar 1991 beschossen sich zwei US-Kampfpanzer vom Typ M1A1 Abrams der 2. US-Panzerdivision, als eine Granate einer irakischen Panzerabwehrkanone am Panzer ohne Wirkung abprallte und die Besatzung daraufhin in die Richtung zurückschoss und mit der Uranmunition den in der Nähe befindlichen M1A1-Panzer traf. Alle Besatzungsmitglieder wurden dabei getötet.

Im Irak-Krieg 2003 kam es bereits in den ersten Kriegstagen zu Zwischenfällen. Ein britisches Kampfflugzeug vom Typ Tornado GR.4 wurde kurz vor der Landung in Kuwait irrtümlich von einer Patriot-Flugabwehrrakete getroffen. Beide Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.

Im Raum Nadschaf wird ein F-16-Kampfflugzeug der USAF von einem mobilen Patriot-Radar aufgefasst und nur durch den Abschuss einer AGM-88 HARM-Luft-Boden-Rakete gegen die Patriot-Flugabwehrraketenstellung konnte der Pilot den eigenen Abschuss womöglich verhindern. Bei beiden Zwischenfällen versagte möglicherweise die automatische Freund-Feind-Erkennung.

Bei Kämpfen in Basra beschossen sich in der Nacht auf den 25. März 2003 zwei britische Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 des Gardekavallerieregiments Blues and Royals. Der Abschuss einer Urangranate durchschlug die Panzerung des befreundeten Panzers und tötete zwei Besatzungsmitglieder, zwei weitere Soldaten wurden schwer verletzt.

Am 27. März 2003 gerieten USMC-Soldaten das 2. Bataillon des 8. Marineregiments bei Nasiriya auf einem vorgeschobenen Gefechtsstand in schweres Artilleriefeuer aufgrund eines Funkausfalls und falscher Feuerleitung. 31 US-Marines wurden dabei verwundet.

Am 4. September 2006 griffen in der Operation Medusa in der Provinz Kandahar in Afghanistan zwei US-amerikanische Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10 Thunderbolt II versehentlich eigene Bodentruppen an und töteten dabei einen kanadischen Soldaten und verletzte 30 Soldaten.

Am 9. Juli 2008 griff ein AH-64D-Kampfhubschrauber in der Provinz Helmand in Afghanistan versehentlich britische Bodentruppen an. Drei Soldaten wurden dabei schwer verletzt.

Am 20. Juli 2008 wurden mindestens neun afghanische Polizisten in der Provinz Farah in Afghanistan durch einen Luftangriff getötet. Die Polizisten griffen irrtümlich afghanische und ISAF-Soldaten an. Die ISAF ordnete daraufhin einen Luftschlag an. Die Internationale Schutztruppe ISAF bestätigte außerdem, dass in der Provinz Paktika zwei abgefeuerte Mörsergranaten ihr Ziel verfehlten und dabei vier Zivilisten töteten und vier weitere Menschen verletzten.

Ausdruck im Computerspiel

Bei einigen Computerspielen (insbes. bei Ego-Shootern, die im Multiplayer-Modus gespielt werden) kann Friendly Fire vom Administrator ein- oder ausgeschaltet werden. Je nach gewählter Einstellung ist ein Teambeschuss (ein so genannter Team-Attack) möglich oder nicht.


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