Future Combat Systems

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Future Combat Systems (dt. Waffensysteme der Zukunft) war ein Programm des amerikanischen Heeres und wichtigster Teil der Transformation der United States Army. Ziel war es, neue bemannte und unbemannte Fahrzeuge und Fluggeräte sowie Ausrüstungsgegenstände zu entwickeln und in ein Netzwerk, genannt Global Information Grid einzubinden, um die Effektivität der einzelnen Einheiten zu steigern. An 44 Einzelbestandteilen wurde geforscht. Jede Einheit des Netzwerks sollte Datenströme von allen anderen Elementen des Systems empfangen und an diese versenden können (Netzwerkzentrierte Kriegsführung). Die Systeme sollten einen großen Teil der derzeit gebräuchlichen Waffensysteme des US-Heeres ersetzen. Das Programm wurde am 23. Juni 2009 von Verteidigungsminister Robert Gates gestrichen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am Ende des 20. Jahrhunderts begannen Bemühungen, die US-Landstreitkräfte in kleineren und dafür schnell weltweit verlegbaren Verbänden zu organisieren. Damit versuchte die US-Regierung auf die veränderte militärische Lage nach dem Ende des Kalten Krieges zu reagieren. Die Bezeichnungen „Future Combat System“ für das Rüstungsprogramm im Rahmen dieser Veränderung wurde erstmals 1999 verwendet. Die überlegene Ausrüstung sollte dazu beitragen, dass die kleineren Verbände zahlenmäßig überlegene Gegner überlisten und ausmanövrieren („outsmart and outmaneuver“) könnten. Federführend für das Entwickeln von Anforderungsprofilen und für die Ausschreibung der Entwicklungsaufträge war die Rüstungsforschungsbehörde Darpa. Im Mai 2000 vergab die Behörde vier Entwicklungsaufträge für Vorstudien zum FCS-Programm, im März 2002 erhielten die Unternehmen Boeing und Science Applications International Corporation den Auftrag, das Programm als Haupt-Entwickler zu betreuen. Im August 2004 vergaben die beiden Firmen ihrerseits 21 FCS-Entwicklungsaufträge an andere Unternehmen.

Anfang 2007 wurden Teile des Programms wegen Geldmangels gestrichen. Die vorgesehenen Drohnen der Klassen II und III sowie der bodengebundene Kampfroboter wurden gestrichen und die Entwicklung des bewaffneten Aufklärungsroboters vorerst eingestellt. Darüber hinaus soll die erste Brigade nun nicht mehr 2014 sondern 2015 mit den neuen Waffen ausgerüstet sein. Danach soll eine Brigade pro Jahr auf FCS umgerüstet werden und nicht drei in zwei Jahren, wie zunächst geplant. Auch die Anzahl verschiedener Waffen pro Brigade wurde im Rahmen dieser Sparvorschläge geändert. Allerdings sollen ab 2011 sechs und nicht nur drei Brigaden bereits vorab einzelne Systeme aus dem Programm erhalten. Diese Veränderungen sollen bis 2014 rund 3,4 Milliarden Dollar einsparen. Die Kosten für die Ausrüstung einer FCS-Brigade sollen von 6,2 auf 5,9 Milliarden Dollar sinken.

2008 wurde die Entwicklung des Intelligent Munitions Systems gestrichen. Die beteiligten Firmen betreiben das Projekt aber auf eigene Kosten weiter. Das Maschinengewehr-Projekt XM-307 wurde ebenfalls eingestellt. Ende 2008 begann die Produktion von XM501 Non Line of Sight Launch System in kleiner Stückzahl zu Erprobungszwecken.

Das Programm wurde am 23. Juni 2009 von Verteidigungsminister Robert Gates gestrichen, da seiner Meinung nach die Erfahrungen im Irak und Afghanistan im Programm nur unzureichend berücksichtigt wurden. Das Nachfolgeprogramm Brigade Combat Team Modernization wird einige unbemannte Komponenten wie das XM501 Non Line of Sight Launch System übernehmen, die Details sind noch in der Diskussion.

Komponenten

Netzwerk

Das Netzwerk sorgt für eine ständige Verbindung aller Einheiten auf dem Schlachtfeld und darüber hinaus. Es ist möglich Daten (unter anderem Bilder, taktische Karten, Videos) und Befehle zu senden und empfangen.

  • Global Information Grid (System of Systems)
  • Transformation Communications Satellite, Kommunikationssatellitenprogramm der Air Force, kein Bestandteil des FCS, sollte aber die Fähigkeiten erhöhen und die Kommunikationsgeräte verkleinern helfen, 2009 eingestellt.
  • Joint Tactical Radio System (JTRS), zentrales Funknetz zur Übertragung von Sprache und (bewegten) Bildern, erste Tests 2009 geplant.

Bemannte Fahrzeuge

Die NLOS-C ist das erste Fahrzeug der Manned Ground Vehicle Plattform

Alle bemannten Fahrzeuge sollten auf der Manned Ground Vehicle Plattform basieren. Diese wog rund 20 Tonnen und beinhaltete:

  • Das „Crew Compartment“, einen besonders geschützten Raum im Fahrzeug, von dem aus die Besatzung, die aus zwei Personen besteht, das Fahrzeug steuern kann. Dies erfolgt über Drive-by-Wire und Flachbildschirme, die herkömmliche Winkelspiegel durch außen montierte Videokameras ersetzen. Auf den Bildschirmen können auch andere Informationen dargestellt werden.
  • Ein dieselelektrisches System als Antrieb, das heißt der Verbrennungsmotor treibt einen Generator an, der Strom produziert und in Akkumulatoren speichert, von wo aus er wieder durch Elektromotoren die Gummiketten antreibt. Am 16. August 2005 wählte General Dynamics Land Systems den Motor 5L890, hergestellt von der Detroit Diesel Corporation und MTU aus, um die Manned Ground Vehicle Plattformen anzutreiben. Er basiert auf der MTU-Serie 890, hat 552 kW (750 PS), ein maximales Drehmoment von 1235 Nm bei 4250 U/min bei einem Gewicht von 470 Kilogramm[2].
  • Abstandsaktive Schutzmaßnahmen, die Schutz vor Panzerabwehrlenkwaffen, Granaten und Wuchtgeschossen bieten, möglicherweise das Quick Kill APS von Raytheon.[3]

Es werden folgende Versionen der Manned Ground Vehicle Plattform entwickelt:

Soldat

Bei der persönlichen Ausrüstung bestand das Ziel hauptsächlich darin, den Soldaten „netzwerktauglich“ zu machen. Zu diesem Zweck wurden eine Reihe von Sensoren sowie Funkgeräten zur Datenübertragung für Fahr- und Flugzeuge sowie einzelne Soldaten entwickelt. Außerdem sollten die Waffen und Erkenntnisse aus den Programmen Objective Individual Combat Weapon und Lightweight Small Arms Technologies mit einfließen. Dazu wurden ein unbemannter Roboter (SUGV) und ein unbemanntes Fluggerät (Class I UAV) für die Infanterie entwickelt.

Bestandteile:

Unbemannte Fahrzeuge

Die unbemannten Fahrzeuge sollten so genannte „dangerous, dirty & dull“-Aufgaben übernehmen, also solche, die für Menschen zu gefährlich, zu dreckig oder zu monoton sind. Mit dem MULE wurde versucht, den Nachschub für die kämpfende Truppe zu automatisieren.

Unbemannte Bodensysteme

Unbemannte Fluggeräte

Die FCS-Brigade

Mit der neuen Ausrüstung sollte auch eine neue Struktur der damit ausgestatteten Verbände einhergehen. Wenn sämtliche FCS-Systeme zur Verfügung stünden, sollte eine Brigade aus drei Waffenbataillonen (Combined Arms bataillons - CABs), einem Artilleriebataillon (Non-Line-of-Sight-Cannon battalion - NLOS), einer Aufklärungs-, Überwachungs- und Zielerfassungsschwadron (Reconnaissance, Surveillance, and Target Acquisition squadron - RSTA), einem Unterstützungsbataillon (Forward Support battalion - FSB), einer Nachrichten- und Fernmeldekompanie (Brigade Intelligence and Communications company - BICC) und dem Brigadehauptquartier bestehen.

Die so gegliederte und ausgerüstete Einheit sollten in der Lage sein, 72 Stunden auf sich gestellt ein schweres Gefecht zu führen oder sieben Tage lang in einer Umgebung mit geringer bis mittlerer militärischer Herausforderung zu operieren. Gegenüber heutigen, gleichgroßen Einheiten, sollten sie 30 bis 70 Prozent weniger Treibstoff, Wasser, Munition und Ersatzteile benötigen, erheblich schneller über eine strategische Entfernung zu verlegen sein und mit einer geringeren Anzahl Soldaten ein größeres Gebiet beherrschen können.

Kritik

Hauptkritikpunkt waren die Kosten. Nachdem ursprünglich Kosten von bis zu 100 Milliarden US-Dollar für das komplette System veranschlagt waren, stiegen diese in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich an. Die Entwicklung von vier der ursprünglich 18 geplanten Systeme wurde deshalb eingestellt. Eine Schätzung des US-Rechnungshofs vom März 2006 geht davon aus, dass bisher bereits 161 Milliarden Dollar in FCS investiert wurden. Das Verteidigungsministerium ging Mitte 2006 von 300 Milliarden Dollar Kosten bis zur Einsatzfähigkeit aller im FCS-Programm veranschlagten Waffen aus, die Heeresführung von 230 Milliarden. Verbunden mit dem Kostenanstieg ist das Verfehlen des vorgesehenen Zeitplans.

Ein weiterer Kritikpunkt war die Kontrolle über die große Menge unbemannter Systeme. Da diese nie vollständig autonom arbeiten, sondern immer mehr oder weniger menschliche Kontrolle benötigen, ergibt sich ein Personalbedarf, der eigentlich durch diese Systeme eingespart werden sollte.

Bemängelt wurde auch, dass FCS wegen seines vernetzten Charakters anders als andere Waffensysteme erst sehr spät als „Prototyp“ getestet werden kann. Manöver mit größeren Einheiten und der vollständigen Ausrüstung unter realistischen Bedingungen wurden für 2013 erwartet, wenn die Serienproduktion bereits angelaufen sein sollte.

Darüber hinaus gab es Zweifel an der Leistungsfähigkeit einzelner Bestandteile, etwa der aktiven Abwehrsysteme für Fahrzeuge, sowie Befürchtungen, dass die zur Verfügung stehenden Funk-Bandbreiten für FCS und verschiedene ähnliche Projekte nicht ausreichen. Insbesondere einige der größeren Bodenfahrzeuge haben die ursprüngliche Begrenzung auf 20 Tonnen Gewicht überschritten, ebenso Abmessungen, die sie in ein Transportflugzeug des Typs Lockheed C-130 verladbar machen.

Verweise

Interne Verweise

Literatur

  • Andrew Feickert: The Army’s Future Combat System (FCS): Background and Issues for Congress, Congressional Research Service, 18. Mai 2008. pdf-Dokument
  • Hans Ulrich Kaeser: The Future Combat System - What Future can The Army Affort? CSIS-Report, 5. Februar 2009 pdf-Dokument

Weblinks

 Commons: Future Combat Systems – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://assets.opencrs.com/rpts/RL32888_20091130.pdf
  2. http://www.mtu-online.com/mtu/produ/proddies/proddiesspec/proddies890/
  3. http://www.defense-update.com/products/a/aps.htm

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