Generalsekretär

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Generalsekretär

Generalsekret√§r ist eine verbreitete Bezeichnung f√ľr eine F√ľhrungsposition in einer Organisation. Protokollarisch ist er unterhalb eines Pr√§sidenten oder Vorsitzenden angesiedelt, was allerdings nicht immer den realen Machtverh√§ltnissen entspricht.

In der Regel ist der Generalsekret√§r Leiter der Verwaltung der Organisation und der Dienstvorgesetzte der hauptamtlichen Mitarbeiter. W√§hrend der oft ehrenamtliche Vorstand der Organisation wichtige Grundsatzentscheidungen trifft, ist der Generalsekret√§r zust√§ndig f√ľr das Tagesgesch√§ft. Gebr√§uchlich ist die Bezeichnung Generalsekret√§r in Deutschland beispielsweise bei Parteien und Sportverb√§nden.

Vergleichbare Amtsbezeichnungen f√ľr diese Funktion sind Hauptgesch√§ftsf√ľhrer (vor allem bei Kammern) oder auch Generaldirektor (z. B. bei Stiftungen).

Inhaltsverzeichnis

Politische Parteien in parlamentarischen Systemen

In vielen Parteien unterst√ľtzt der Generalsekret√§r die Arbeit des Parteichefs, auch Vorsitzender oder Parteipr√§sident genannt. Seine Arbeit ist in Deutschland die eines Hauptgesch√§ftsf√ľhrers der jeweiligen Partei, gleichsam der ‚ÄěProkurist des Parteivorsitzenden‚Äú. In deutschen Parteien ist es allerdings √ľblich, dass der Generalsekret√§r eher die politische Seite der Parteiorganisation √ľbernimmt und die politischen Standpunkte der Partei besonders zugespitzt nach au√üen vertritt. Im Gegensatz dazu √ľbernimmt der Bundesgesch√§ftsf√ľhrer die interne Organisation der Partei.

Eine solche Struktur findet sich bei:

Bei B√ľndnis 90/Die Gr√ľnen werden politische Positionen traditionell eher von der Doppelspitze im Vorstand nach au√üen getragen. Die am ehesten vergleichbare Position bei den Gr√ľnen ist die eines ‚Äěpolitischen Bundesgesch√§ftsf√ľhrers‚Äú. Auch Die Linke hat keinen Generalsekret√§r, m√∂glicherweise auch wegen der negativen Pr√§gung des Begriffes durch die SED-Regierung in der DDR.

Generalsekret√§re Schweizerischer Parteien sind zumeist f√ľr die politische Hintergrundarbeit zust√§ndig. Dabei vermitteln sie in- und au√üerhalb der Partei und √ľbernehmen auch organisatorische Aufgaben. Traditionell sind sie nicht Mitglied eines Parlamentes oder sonstiger politischer Organe. Da alle anderen ParlamentarierInnen zumindest theoretisch Milizpolitiker sind, gelten Schweizer Generalsekret√§re als die einzigen Berufspolitiker neben den Bundesr√§ten.

Aufgaben

Der Generalsekret√§r organisiert die Wahlk√§mpfe und die Parteitage. Er k√ľmmert sich um die Mitgliederwerbung und koordiniert die Zusammenarbeit innerhalb der Partei auf den verschiedenen Hierarchieebenen, angefangen von der Ortsebene bis hin zur Bundesparteiebene. Er arbeitet auch ma√ügeblich an den Zukunftsstrategien und an der Fortentwicklung der Partei mit. Er ist meist Angestellter der Partei und bezieht von dort sein Gehalt.

In verschiedenen anderen L√§ndern, etwa Spanien und Italien, ist es √ľblich, dass der Vorsitzende einer Partei lediglich repr√§sentative Aufgaben erf√ľllt, w√§hrend die eigentliche Parteileitung beim Generalsekret√§r liegt. H√§ufig √ľbernimmt dann ein Vizegeneralsekret√§r die Funktionen, die in Deutschland der Generalsekret√§r erf√ľllt.

Kommunistische Parteien im Sowjetsystem

Der Generalsekret√§r der kommunistischen Parteien im Sowjetsystem war der Vorsitzende des Sekretariat des Zentralkomitees und hatte durch seine herausragende Stellung im Parteiapparat (u. a. im Politb√ľro) gro√üe Entscheidungsbefugnisse, die sich auf das ganze Land auswirkten.[1]

Das Amt eines Generalsekret√§rs wurde in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion 1922 neu geschaffen, erster Amtsinhaber wurde Josef Stalin. Dieser baute sein Amt im Laufe weniger Jahre zum wichtigsten in der Partei und im Staat aus und verlieh ihm diktatorische Vollmachten. Damit weit m√§chtiger als Staatsoberhaupt und Regierungschef zusammen, hatte er bis 1941 kein anderes Amt inne, insbesondere kein offizielles Staatsamt. Nach 1934 bedurfte Stalin keiner Best√§tigung im Amt des Generalsekret√§rs mehr, er wurde stattdessen als Vorsitzender des Rates der Volkskommissare (1941‚Äď1946), Marschall (ab 1943) oder Generalissimus (ab 1945) betitelt.[2]

Gleichzeitig vergab Stalin √Ąmter, wie den des Ministerpr√§sidenten oder des formalen Staatsoberhauptes, des Vorsitzenden des Pr√§sidiums des Obersten Sowjets, an Gefolgsleute. Damit wurde die Stelle des Generalsekret√§rs zur De-facto-Diktatur, wobei das ZK mal mehr, mal weniger Mitspracherecht hatte.[3]

Siehe auch: Stalin: Kampf um die Macht, Sowjetunion: Politik

Ab 1952 und nach Stalins Tod 1953 wurde nur noch der Titel Erster Sekret√§r, zun√§chst halboffiziell durch den rangh√∂chsten Sekret√§r des Zentralkomitees Malenkow, dann ab dem 7. September 1953 durch Chruschtschow und nach dessen Sturz 1964 durch Breschnew gef√ľhrt, ehe sich dieser ab 1966 wieder Generalsekret√§r betitelte.

DDR

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch in den anderen Ostblockstaaten ein √§hnliches Regierungssystem eingef√ľhrt. Als in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) 1946 die SED gegr√ľndet und aus der SBZ im Oktober 1949 die DDR entstanden war, hie√ü der m√§chtigste Mann im Staate nicht Wilhelm Pieck (der erste und einzige Staatspr√§sident des Landes) oder Otto Grotewohl (erster Ministerpr√§sident), sondern Walter Ulbricht als Generalsekret√§r bzw. Erster Sekret√§r der SED.

UN

Bei den Vereinten Nationen ist der Generalsekretär der UN der höchste Verwaltungsbeamte des UN-Sekretariats. Seit dem 1. Januar 2007 ist der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon.

Regierungen und Ministerien

In √Ėsterreich sieht das Bundesministeriengesetz vor, dass der jeweilige Ressortchef ‚Äěmit der zusammenfassenden Behandlung aller zum Wirkungsbereich des Bundesministeriums geh√∂renden Gesch√§fte‚Äú einen Generalsekret√§r betrauen kann. Dieser besitzt gegen√ľber den (anderen) Sektionsleitern, den regul√§r h√∂chsten Ministerialbeamten, Weisungsbefugnis.

√Ąhnliche Regelungen finden sich auch in anderen, vor allem romanischen Staaten. Generalsekret√§re bilden als h√∂chste Verwaltungsbeamte in der Regel die Schnittstelle zwischen der politischen Leitung (Minister und parlamentarische Staatssekret√§re) und den Abteilungen oder Generaldirektionen oberster Regierungsbeh√∂rden wie Ministerien oder Pr√§sidial√§mter sofern deren Abteilungen oder vergleichbare Organisationseinheiten nicht zu Hauptabteilungen zusammengefasst werden. Generalsekret√§re √ľbernehmen als h√∂chste Verwaltungsbeamte die Funktion eines Amtschefs und eines Beraters der politischen Leitung. Die Urspr√ľnge der ministerialen Generalsekret√§re liegen in Frankreich. Eine vergleichbare Aufgabe √ľbernehmen in deutschen Bundesministerien beamtete Staatssekret√§re, die je nach Ministerium f√ľr zwei oder mehr oder alle Abteilungen zust√§ndig sind. In Landesministerien ist in der Regel jeweils ein Ministerialdirektor Amtschef und damit oberster Verwaltungsbeamter.

Aktuelle kommunistischen Parteien an der Macht

Offizieller Titel Aktueller Inhaber seit
Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas Hu Jintao 15 November 2002
Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas Kim Jong-Il 8 Oktober 1997
Generalsekret√§r der Kommunistischen Partei Vietnams NguyŠĽÖn Ph√ļ TrŠĽćng 19 Januar 2011
Generalsekretär der laotischen Revolutionären Volkspartei Choummaly Sayasone 21 März 2006
Erster Sekret√§r der Kommunistischen Partei Kubas Ra√ļl Castro 19 April 2011

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Kommunistische Partei der Sowjetunion in: Microsoft Encarta ‚Äď ‚ÄěDank seiner beherrschenden Stellung im Parteiapparat verk√∂rperte der Generalsekret√§r, der sich durch geschickte Ausnutzung seines Monopols bei der Personalpolitik langfristig Politb√ľro und Sekretariat gef√ľgig machen konnte, die eigentliche F√ľhrungsspitze in der Partei und damit auch im Staat.‚Äú
  2. ‚ÜĎ Vladimir Shlapentokh: A Normal Totalitarian Society: The Soviet Union ‚Äď How It Functioned and How It Collapsed. M. E. Sharpe, Inc., New York 2001, ISBN 1-56324-471-3, The Political System The Supreme Leader As the Major Institution, S. 71 ff.
  3. ‚ÜĎ ebenda S. 73

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