Generalstab

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Generalstab

Als Generalstab wird in der deutschen Milit√§rgeschichte h√§ufig die Summe aller speziell ausgebildeten Generalstaboffiziere bezeichnet, die der obersten milit√§rischen F√ľhrung zuarbeiten. Andererseits wird damit auch eine bestimmte Institution bezeichnet, die h√∂chste milit√§rische Kommandobeh√∂rde vieler Streitkr√§fte. Ihr Leiter ist der Generalstabschef. Der Generalstab ist heute in den meisten L√§ndern dem Verteidigungsministerium nachgeordnet. Die entsprechende Kommandobeh√∂rde von Seestreitkr√§ften ist in vielen Staaten der Admiralstab bzw. die Admiralit√§t.

Der große Generalstab der preußischen Armee 1870/71

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben

Der Generalstab setzt die Auftr√§ge der politischen F√ľhrung in milit√§rische Ma√ünahmen um. Zu den Aufgaben eines Generalstabs k√∂nnen geh√∂ren:

  • Streitkr√§fteplanung
  • Mobilmachungs- und Aufmarschplanung
  • Einsatzplanung
  • Einsatzf√ľhrung
  • Logistik
  • Ausbildung
  • Personalplanung

Begriffsherkunft

Der Begriff leitet sich etymologisch vom Konstabler (auch Konstabel) ab und stammt vom Mittellateinischen comes stabuli oder constabularius, Stallgenosse, Kamerad.

Der comes stabuli war im Fr√§nkischen Reich eine privilegierte Person am Hof, der anfangs die Aufsicht √ľber das Gest√ľt oblag (Marschalldienst); sp√§ter wurde er auch zu milit√§rischen und diplomatischen Aufgaben herangezogen.

Aus dem comes stabuli wurde im 11. Jahrhundert in Frankreich der Conn√©table, der in der Hierarchie einer der f√ľnf wichtigsten Hofbeamten (grands officiers) war. Der Conn√©table de France (Conn√©table von Frankreich) war dann ab dem 14. Jahrhundert der Oberbefehlshaber der Armee (oberster Kronfeldherr), dem ab 1190 die Marsch√§lle von Frankreich als Stellvertreter dienten.

Die Mitglieder des Generalstabs stehen funktional der historischen Gruppe der Liktoren nahe, die in der römischen Diktatur eine herausgehobene Rolle spielten.

Entstehung und Bedeutung des Generalstabs in Deutschland

Preußen

Der moderne preu√üische Generalstab war kein Ergebnis der Reformphase von 1807 bis 1814. Im Kern entwickelten sich Vorl√§ufer des Generalstabs bereits im 18 Jahrhundert, aber konkret schon 1803 durch Christian von Massenbach und Levin von Geusau. Vor allem der nach der Niederlage gegen Napoleon 1806 viel geschm√§hte Massenbach hatte sich f√ľr die Begr√ľndung eines milit√§rischen Organs eingesetzt, das nicht mehr nur Hilfsaufgaben l√∂ste wie der alte preu√üische Quartiermeisterstab. Mit Erfolg: Aus der lockeren Schar von Adjutanten und Ingenieuroffizieren, die seit 1787 als Generalquartiermeisterstab firmierte, war wenigstens auf dem Papier eine b√ľrokratische Organisation geworden, zust√§ndig f√ľr Landesaufnahme, Milit√§rwissenschaften und Operationsplanung.

Unter Gerhard von Scharnhorst wurde der Generalstab dann ab 1808 als Zentralorgan im neu gegr√ľndeten Kriegsministerium mit den Generalstabsoffizieren bei den ebenfalls neu formierten Truppenbrigaden institutionell verschr√§nkt. Damit wurde er zu einer Art Nervensystem in die Truppe hinein.

Der preu√üische Generalstab hat sich in den Befreiungskriegen gegen Frankreich und in den Einigungskriegen hervorragend bew√§hrt. Seine milit√§rischen Planungen standen auf einer milit√§rwissenschaftlichen Grundlage. Der Ausdruck generalstabsm√§√üig ist bis heute ein in der Umgangssprache verbreiteter Begriff f√ľr eine gr√ľndliche Planung, die nichts dem Zufall √ľberl√§sst.

Er galt zu jener Zeit bei allen Armeen als vorbildlich. Viele Staaten sandten Offiziere nach Berlin, damit sie die Arbeit des Großen Generalstabes studierten, oder baten um Entsendung deutscher Generalstäbler als Instrukteure.

Die Entwicklungsgeschichte dieses Generalstabes stammt allerdings nicht aus Preu√üen. Jedenfalls organisierte der Gro√üe Kurf√ľrst seinen Generalquartiermeisterstab Ende des 17. Jahrhunderts nach dem Muster der damals hochangesehenen schwedischen Armee. Die Aufgabe des Stabes war es, den Ingenieursdienst der Armee zu betreuen, die Marschrouten zu √ľberwachen und Lager und befestigte Stellungen auszuw√§hlen.

Zur selben Zeit entstanden √§hnliche Einrichtungen in England unter Cromwell, in √Ėsterreich und anderen s√ľddeutschen Staaten.

Die Heere waren im Laufe der Zeit so stark geworden, die Kriegsschaupl√§tze so ausgedehnt, dass es f√ľr den Souver√§n schwierig wurde, im Kriege allein zu befehligen. Das Bild wandelte sich endg√ľltig, als mit der Franz√∂sischen Revolution der Krieg der F√ľrsten und K√∂nige zum Volkskrieg wurde und Massenheere an verschiedenen, oft weit auseinander gelegenen Schaupl√§tzen k√§mpften. Jetzt war es unm√∂glich geworden, dass ein Feldherr allein befehligte und jetzt war ein Feldzug, bei dem Millionen Soldaten zu mobilisieren waren, nicht mehr aus dem Augenblick heraus zu organisieren.

In Preußen blieb mit Blick auf die Erfolge Friedrichs des Großen die Wandlung der Situation und die damit einhergehende Notwendigkeit einer Anpassung unbeachtet, wohingegen Frankreich als erste Nation einen Stab von Fachleuten zusammenrief, den man einen Generalstab im Sinne der Neuzeit nennen konnte. Nicht zuletzt ihm verdankte Napoleon seinen Siegeszug durch Europa.

Erst durch die napoleonischen Erfolge wurde das schlafende Preu√üen geweckt. Die jungen revolution√§ren Kr√§fte, die sich vorher gegen die konservativen Kr√§fte nicht durchzusetzen vermocht hatten, f√ľhlten ihre Ansichten durch den Lauf der Ereignisse best√§tigt, und endlich konnten sie auch den K√∂nig √ľberzeugen. Weit reichten Scharnhorsts Pl√§ne, mit denen er das in Jahrzehnten Vers√§umte innerhalb kurzer Zeit aufzuholen gedachte:

  • Abschaffung des S√∂ldnerheeres
  • Einf√ľhrung der allgemeinen Wehrpflicht (wie in Frankreich)
  • Abschaffung entehrender Strafen in der Armee, um dem Soldaten wieder sein Selbstwertgef√ľhl zu geben
  • Abschaffung der Adelsprivilegien, auch der einfache Mann aus dem Volke sollte Offizier werden k√∂nnen, wenn er die Bef√§higung besa√ü.

Es gelang Scharnhorst nicht, alle Forderungen durchzusetzen, und er musste manche Umwege gehen, um doch zum Ziel zu gelangen. Einen Plan aber setzte er durch: Der alte Quartiermeisterstab wurde aufgel√∂st, ein Kriegsministerium gebildet und in ihm der Generalstab. Und als Eingangsschule dazu gr√ľndete Scharnhorst auch die Kriegsakademie. Auf dieser Akademie sollten die Offiziere nicht zu sturen Befehlsempf√§ngern, sondern zu gebildeten, selbst√§ndig denkenden und handelnden F√ľhrern erzogen werden.

Bereits wenige Jahre nach seiner Neubelebung, in den Befreiungskriegen 1813-15, trat der neue preu√üische Generalstab erstmalig in Aktion. Scharnhorst, der Chef dieses Generalstabes, hatte den Operationsplan f√ľr die preu√üische Armee entworfen, nach seinem Tod f√ľhrte Gneisenau sein Werk fort.

Paris wurde 1814 nach Gneisenaus Plan genommen und auch der Schlacht bei Waterloo lag ein Entwurf des preu√üischen Generalstabes zugrunde. Diesmal verfiel man in Berlin nicht wie nach dem Tode Friedrichs des Gro√üen in selbstzufriedenen D√§mmerschlaf: Nach den Befreiungskriegen wurden die als richtig erkannten Grunds√§tze des Generalstabes weiter entwickelt. Die Kriegsgeschichte wurde erforscht, damit die jungen Offiziere aus ihr die Lehren ziehen konnten, Pl√§ne f√ľr m√∂gliche Kriege, entsprechend der politischen Lage, wurden erarbeitet, das Landkartenwerk vervollkommnet, Verwaltungs- und Nachschubfragen studiert, der Ausbau des Stra√üennetzes auch nach milit√§rischen Gesichtspunkten √ľberwacht. Der Generalstab erhielt die Aufgabe, alle Personalfragen des Heeres zu bearbeiten und die vielleicht eines Tages notwendige Mobilmachung vorzubereiten. Jeder Infanterie-Division wurde ein Generalst√§bler als Verbindungsoffizier zugeteilt. Stets folgte man der Lehre, dass jeder Offizier eine Pers√∂nlichkeit sein m√ľsse, der zwar das Ziel befohlen wird, die aber √ľber den Weg, der zu dem Ziel f√ľhrt, selbst entscheidet.

In der Schlacht bei K√∂niggr√§tz 1866 verstand es der damalige Generalstabschef Helmuth von Moltke, seine Generalstabsarbeit voll zur Wirkung zu bringen: Drei preu√üische Armeen r√ľckten getrennt in B√∂hmen ein und trafen mit h√∂chster Pr√§zision erst auf dem Schlachtfeld zusammen, um das gegnerische Heer zu schlagen.

Generalstabschefs

seit der Einf√ľhrung der dienstlichen Bezeichnung:

Deutsches Reich

Deutsches Kaiserreich

Der preu√üische ‚ÄěGeneralstab der Armee‚Äú f√ľhrte mit zukommandierten Generalstabsoffizieren aus Sachsen, W√ľrttemberg und Bayern im ‚ÄěGro√üen Generalstab‚Äú die milit√§rische Planung im Reich durch. Der Generalstab wurde unterteilt in den zentralen, den ‚ÄěGro√üen Generalstab‚Äú in Berlin und in die Truppengeneralst√§be bei den Korps-Kommandos bzw. Generalkommandos und die Generalstabsoffiziere bei den Divisionen. Der Chef des Gro√üen Generalstabes nannte sich ‚ÄěChef des Generalstabes‚Äú und war gleichzeitig Fachvorgesetzter aller Generalstabsoffiziere. Schon in Preu√üen hatte der Generalstab seit Moltke eine besondere, auch politische Bedeutung. Er war √§u√üerst einflussreich, da er seit 1883 zusammen mit den Kommandierenden Generalen und den Oberbefehlshabern Immediatrecht beim Kaiser als ‚ÄěOberster Kriegsherr‚Äú (Deutsches Reich) und ‚ÄěChef der Armee‚Äú (Preu√üen) und damit faktisch die M√∂glichkeit hatte, milit√§rische Entscheidungen vorbei an Kanzler und Reichstag zu treffen. Das gilt als eine der Keimzellen der Katastrophe des Ersten Weltkrieges, da die milit√§rische Planung damit nicht zwangsl√§ufig einer politischen Kontrolle unterworfen war (siehe hierzu auch: Primat der Politik). So konnte sich der Schlieffenplan zum einzigen Kriegsplan und geradezu zum Dogma entwickeln, ohne dass ma√ügebliche Politiker des Reiches auch nur eingeweiht waren. Auch die F√ľhrung der Kaiserlichen Marine kannte diese Heeresplanung nicht.

Innere Gliederung

Der ‚ÄěGro√üe Generalstab‚Äú untergliederte sich in mehrere Abteilungen.

  • Die 1. Abteilung befasste sich mit Russland
  • Die 2. Abteilung war die ‚Äědeutsche‚Äú Abteilung, auch Aufmarschabteilung genannt. Sie bestand aus zwei Sektionen.
    • Die 1. Sektion hatte alle, das deutsche Heer betreffende, Fragen zu bearbeiten, soweit sie seine kriegsm√§√üige Entwicklung in Friedenszeiten betrafen. Dazu geh√∂rt seine Ausbildung, Bewaffnung, Ausr√ľstung und Organisation. Ebenso erstreckte sich ihr Arbeitsgebiet auf den Grenzschutz und den Aufmarsch des Heeres im Mobilmachungsfall.
    • Die 2. Sektion bearbeitete alle Fragen, die sich auf die Verteidigungsf√§higkeit und Armierung deutscher Festungen bezogen. Sp√§ter, ab ca. 1908 kam noch die technische Sektion dazu. Sie hatte sich mit der immer wichtiger werdenden Milit√§rtechnik zu befassen.
  • Die Eisenbahnabteilung
  • Die 3. Abteilung befasste sich mit Frankreich und England
  • Die 4. mit den Festungen dieser Staaten
  • Die 5. mit Italien und √Ėsterreich-Ungarn
  • Die 6. war die Man√∂verabteilung zur Planung der Kaiserman√∂ver

Weitere Abteilungen hatten die Politik und das Militär der anderen Staaten der Erde aus der Presse, Diplomatie sowie Militär- und Agentenberichten zu beobachten und auszuwerten und ihr Wissen stets auf dem aktuellen Stand zu halten.

Daneben gab es

Diese hatte das Land trigonometrisch und topographisch zu vermessen, Karten anzufertigen und auf dem neuesten Stand zu halten. Ebenso hatte sie Karten vom Ausland zu sammeln und zu vervielfältigen.

Die Verantwortung lag im Großen Generalstab außer beim Chef des Generalstabes selbst, bei dem alle Arbeiten zusammenliefen, beim Oberquartiermeister (OQ I). Dieser war Vorgesetzter aller Abteilungsleiter.

Der Stab der 8. Armee unter Hindenburg

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde aus den preu√üischen, s√§chsischen, w√ľrttembergischen und bayerischen Generalst√§ben die Oberste Heeresleitung (OHL) gebildet, also ein vergr√∂√üerter und erweiterter Gro√üer Generalstab. Die Leitung lag beim preu√üischen ‚ÄěChef des Generalstabes der Armee‚Äú. Helmuth von Moltke d. J. und Erich von Falkenhayn waren die Chefs der Ersten bzw. Zweiten OHL. Nach der Abl√∂sung Falkenhayns wurde die Dritte OHL gebildet. Dies waren Paul von Hindenburg, dem als nahezu gleichberechtigtem Partner Erich Ludendorff zur Seite stand. Daher wurde f√ľr Ludendorff die Bezeichnung Erster Generalquartiermeister eingef√ľhrt. Nach der Entlassung Ludendorffs folgte ihm Groener in diese Stellung.

Generalstabschefs

Weimarer Republik

Die Reichswehr durfte nach den Bestimmungen des Vertrags von Versailles keinen Generalstab besitzen. Artikel 160 des Vertrags bestimmte: ‚ÄěDer deutsche Generalstab und alle √§hnlichen Formationen werden aufgel√∂st und d√ľrfen unter keiner Gestalt neu gebildet werden.‚Äú Die Rolle des Generalstabs √ľbernahm das Truppenamt (eine Tarnbezeichnung) im Reichswehrministerium.

Au√üer im Truppenamt gab es in den beiden Gruppen-Kommandos und in den zehn Divisionsst√§ben einen Generalstab. Die Generalstabs-Offiziere wurde jedoch nicht mehr als solche bezeichnet, sondern hie√üen ‚ÄěF√ľhrerstabsoffiziere‚Äú, die Generalstabsausbildung firmierte fortan unter der Bezeichnung ‚ÄěF√ľhrergehilfenausbildung‚Äú.

Insgesamt gab es in der Zeit der Weimarer Republik etwa 250-300 Stellen f√ľr Generalstabsofffiziere, was sich bei der beschleunigten Vergr√∂√üerung der Wehrmacht in der Zeit ab 1933 als st√∂rend bemerkbar machte.[1]

Innere Gliederung

Das Truppenamt setzte sich aus folgenden vier Abteilungen zusammen:[2]

  • Die Abteilung T 1, auch ‚ÄěAbteilung Landesverteidigung‚Äú genannt, √ľbernahm die Aufgaben der einstigen Aufmarsch- und Operationsabteilung.
  • T 2 Organisation
  • T 3, auch ‚ÄěHeeresstatistische Abteilung‚Äú, besch√§ftigte sich mit dem Studium fremder Heere
  • T 4 Ausbildung

Teile der kriegsgeschichtlichen Abteilung des Generalstabs setzten ihre Arbeit im neu gegr√ľndeten Reichsarchiv fort.

Chefs des Truppenamts

Zeit des Nationalsozialismus

Handbuch f√ľr den Generalstabsdienst im Kriege - 1939

Mit Wirkung vom 1. Juni 1935 wurde das Truppenamt in ‚ÄěGeneralstab des Heeres‚Äú umbenannt.[3]

Chef des Generalstabes des Heeres wurde am 1. Juli 1935 Generalleutnant Ludwig Beck, der schon seit dem 1. Oktober 1933 das Truppenamt im Reichswehrministerium leitete.

Chef des Generalstabes der Luftwaffe wurde am 1. März 1935 Generalmajor Walther Wever, der ebenfalls schon vorher, seit dem 1. September 1933, Chef des Luftwaffen-Kommando-Amts im Reichsluftfahrtministerium und damit Chef des getarnten Generalstabs der Luftwaffe war.

Zur gleichen Zeit wurde die Marineleitung in Oberkommando der Marine umbenannt, der bisherige Chef der Marineleitung, Admiral Erich Raeder, wurde Oberbefehlshaber der Marine (Ob.d.M.), die fortan als Kriegsmarine bezeichnet wurde. Die Marine kannte keinen Admiralstab, sondern nur die Seekriegsleitung, die 1938 eingef√ľhrt wurde. Der Inhaber dieser Kommandostelle hie√ü zun√§chst ‚ÄěChef des Stabes der Seekriegsleitung‚Äú, ab Mai 1944 ‚ÄěChef der Seekriegsleitung‚Äú.

Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Krise im Februar 1938 erlangte Hitler den unmittelbaren Oberbefehl √ľber die Wehrmacht, und schuf sich zugleich einen eigenen milit√§rischen Stab - das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) mit General Wilhelm Keitel als Chef des Oberkommandos der Wehrmacht an der Spitze. Seitdem fungierten besondere St√§be im OKW sowie in den Oberkommandos der Wehrmachtteile (Generalstab der Luftwaffe und Admiralstab) als Generalstab.

Die eigentliche Stabsarbeit wurde dabei vom Wehrmachtf√ľhrungsamt (WFA) im Oberkommando der Wehrmacht mit seinen verschiedenen Abteilungen geleistet. Das WFA (1940 umbenannt in Wehrmachtf√ľhrungsstab (WFSt)) wurde, mit kurzer Unterbrechung 1939, bis zum Kriegsende von Alfred Jodl als Chef des Wehrmachtf√ľhrungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht gef√ľhrt.

Die Struktur und die Aufgabenverteilung des Generalstabs im Kriegsfall wurden in der geheimen Vorschrift ‚ÄěH.Dv.g 92 ‚Äď Handbuch f√ľr den Generalstabsdienst im Kriege ‚Äď 1.8.1939‚Äú geplant und festgelegt.

Das OKW bzw. der Wehrmachtf√ľhrungsstab war aber entgegen dem, was der Name suggerierte, nicht der oberste milit√§rische Stab f√ľr die gesamte Wehrmacht. Der jeweilige Hauptkriegsschauplatz, also ab 1941 die F√ľhrung des Krieges gegen die Sowjetunion, lag in den H√§nden des Oberkommandos des Heeres, lediglich die √ľbrigen Kriegsschaupl√§tze lagen in der Zust√§ndigkeit des Wehrmachtf√ľhrungsstabes.

Generalstabschefs des Heeres
  • General der Artillerie Ludwig Beck --- 1. Oktober 1933 bis 31. Oktober 1938
  • Generaloberst Franz Halder --- 31. Oktober 1938 bis 24. September 1942
  • Generaloberst Kurt Zeitzler --- 24. September 1942 bis 10. Juli 1944
  • Generalleutnant Adolf Heusinger --- 10. bis 20. Juli 1944 (mit der stellvertretenden Wahrnehmung der Gesch√§fte beauftragt)
  • Generaloberst Heinz Guderian --- 21. Juli 1944 bis 28. M√§rz 1945 (mit der Wahrnehmung der Gesch√§fte beauftragt)
  • General der Infanterie Hans Krebs --- 29. M√§rz bis 1. Mai 1945 (mit der Wahrnehmung der Gesch√§fte beauftragt)
  • Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel --- 1. bis 13. Mai 1945 (mit der Wahrnehmung der Gesch√§fte beauftragt)
  • Generaloberst Alfred Jodl --- 13. bis 23. Mai 1945 (mit der Wahrnehmung der Gesch√§fte beauftragt)
Generalstabschefs der Luftwaffe
  • Generalleutnant Walther Wever --- 1. M√§rz 1935 bis 3. Juni 1936
  • Generalleutnant Albert Kesselring --- 3. Juni 1936 bis 31. Mai 1937
  • General der Flieger Hans-J√ľrgen Stumpff --- 1. Juni 1937 bis 31. Januar 1939
  • Generaloberst Hans Jeschonnek --- 1. Februar 1939 bis 19. August 1943
  • General der Flieger G√ľnther Korten --- 4. September 1943 bis 22. Juli 1944
  • General der Flieger Werner Kreipe --- 2. August bis 28. Oktober 1944 (mit der Wahrnehmung der Gesch√§fte beauftragt)
  • General der Flieger Karl Koller --- 1. November 1944 bis 8. Mai 1945
  • Generaloberst Hans-J√ľrgen Stumpff --- 8. bis 23. Mai 1945 (mit der Wahrnehmung der Gesch√§fte beauftragt)
Chefs des Stabes (ab 1944 Chef) der Seekriegsleitung

Bundesrepublik Deutschland

siehe: F√ľhrungsstab der Streitkr√§fte

Nach 1945 war durch das Potsdamer Abkommen eine eigenst√§ndige deutsche Armee und der Generalstab verboten. Bei der Wiederbewaffnung am 5. Mai 1955 wurde der Begriff Generalstab in der Bundeswehr nicht mehr verwendet. Gleichwohl existieren die oben genannten Aufgaben eines Generalstabs auch in der Bundeswehr. Ihre oberste F√ľhrungsbeh√∂rde ist der F√ľhrungsstab der Streitkr√§fte (F√ľS) im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg). An der Spitze des F√ľS steht der Generalinspekteur der Bundeswehr als h√∂chster Soldat der Bundeswehr.

In der Zeit bis 1990 hatte Deutschland die operative F√ľhrung seiner Kr√§fte im Kriegsfall komplett der NATO √ľbertragen, wobei dieser zum Teil rein deutsche Hauptquartiere unterstanden wie z. B. das Flottenkommando oder die deutschen Heereskorps (I., II., III.). Heutige Auslandseins√§tze, die nicht unter der F√ľhrung der NATO oder einer anderen internationalen Organisation stehen, werden durch das BMVg und das Einsatzf√ľhrungskommando oder in Ausnahmef√§llen das F√ľhrungskommando einer Teilstreitkraft gef√ľhrt. Auch in diesen Dienststellen waren und sind Generalstabsaufgaben zu erledigen. Die √ľbrigen, nicht operativen Aufgaben eines Generalstabs wurden und werden im F√ľS und in den F√ľhrungsst√§ben der Teilstreitkr√§fte im BMVg wahrgenommen.

Die Bezeichnung G1, G2, usw. ist aber auch heutzutage noch in den Divisionsst√§ben des Heeres zu finden (in der Luftwaffe als A1, A2 usw., in der Marine als M1, M2 usw. und im Einsatzf√ľhrungskommando der Bundeswehr als J1, J2 usw. bezeichnet). Sie identifiziert den zust√§ndigen Generalstab und dessen Verantwortungsbereich. G1 steht z. B. f√ľr die Generalstabsabteilung, die f√ľr die Personalf√ľhrung verantwortlich ist. Leiter dieser Abteilung ist meistens ein Offizier im Range eines Oberst i.G.(‚Äěim Generalstabsdienst‚Äú (bis 1945 bedeutete i. G. ‚Äěim Generalstab‚Äú)) oder Oberstleutnant i.G. Alle untergeordneten Dienstgrade in einer G Abteilung sind demzufolge S (Stabs-) Offiziere, S Feldwebel, S Unteroffiziere oder S Soldaten. Der S1 DVVerbOffz w√§re demnach der S1 DV-Verbindungsoffizier in der G1 Abteilung, verantwortlich f√ľr die elektronische Verwaltung der Personaldaten innerhalb der Division. In untergeordneten Regimentern und Bataillonen ist der Posten des Personalleiters durch einen S1 Offizier (Stabsoffizier f√ľr Personalf√ľhrung) vertreten. Ein S1-Offizier bekleidet meist den Rang eines Oberleutnants oder Hauptmanns bzw. Stabshauptmanns.

Generalstabsoffiziere (i.G.)

F√ľr den Dienst im Generalstab wurden von Beginn an besonders qualifizierte Offiziere ben√∂tigt. Diese Generalstabsoffiziere bedurften einer √ľber den Bereich ihrer Truppengattung (anfangs Infanterie, Kavallerie, Artillerie) hinausgehenden Ausbildung, um die Streitkr√§fte in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Zur Generalstabsausbildung wurden deshalb stets die besten Offiziere eines Jahrgangs ausgew√§hlt und sie ist in der Regel die Voraussetzung zur Bef√∂rderung zum General. Es gibt nur wenige Ausnahmen davon, wie z. B. die Inspizienten der jeweiligen Waffengattungen.

Die Generalstabsausbildung in Deutschland war immer langwierig und aufwendig. In der Vergangenheit bestand sie zum Teil aus mehreren Phasen an der Generalstabsakademie, wissenschaftlichen Studien und zwischenzeitlichem Dienst in der Truppe. In der Bundeswehr werden die Generalstabsoffiziere des Heeres und der Luftwaffe und die Admiralstabsoffiziere der Marine seit 1957 in einem zweij√§hrigen Lehrgang (Nationaler Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst, LGAN) an der F√ľhrungsakademie der Bundeswehr (F√ľAkBw) in Hamburg ausgebildet. Es hat sich gezeigt, dass die neuen Aufgaben der Bundeswehr im Rahmen ihrer Auslandseins√§tze in immer gr√∂√üerem Umfang gemeinsame Eins√§tze aller Teilstreitkr√§fte (Joint) mit sich bringen. Deshalb gen√ľgt die traditionelle Ausbildung mit teilstreitkraftbezogenen Lehrg√§ngen und gemeinsamen (joint) Ausbildungsanteilen nicht mehr den Erfordernissen. Seit 1. Oktober 2004 werden deshalb die Offiziere von Heer, Luftwaffe und Marine in einem gemeinsamen Lehrgang ausgebildet.

Bestimmte Dienstposten werden als Generalstabsdienstposten bezeichnet. In h√∂heren milit√§rischen St√§ben ‚Äď im Heer von der Brigadeebene an aufw√§rts ‚Äď unterst√ľtzen Generalstabsoffiziere den Truppenf√ľhrer als so genannte F√ľhrergehilfen. Sie dienen au√üerdem in vielen anderen leitenden Positionen des BMVg, an Akademien und Schulen oder als Milit√§rattach√©s. Offiziere des Heeres und der Luftwaffe, die auf Generalstabsdienstposten dienen, f√ľhren bei ihrem Dienstgrad den Zusatz ‚Äěi. G.‚Äú mit der Bedeutung ‚Äěim Generalstabsdienst‚Äú (bis 1945 bedeutete i. G. ‚Äěim Generalstab‚Äú) und sind durch √§u√üerliche Zeichen an der Uniform (karmesinrote Kragenspiegel, karmesinrote Unterlegung der Schulterklappe) kenntlich. Die meisten von ihnen ‚Äď aber nicht alle ‚Äď haben an der Generalstabsausbildung teilgenommen. Die Marine kennt weder Dienstgradzus√§tze noch Kennzeichnungen von Admiralstabsoffizieren.

DDR

Nach der Gr√ľndung der NVA am 1. M√§rz 1956 wurden die Funktionen des Generalstabes vom Hauptstab ausgef√ľhrt. Die Bezeichnung Generalstab wurde auf Druck der Sowjetunion nicht verwendet. Die Generalstabsausbildung erhielten die Offiziere an der Milit√§rakademie Friedrich Engels und der Generalstabsakademie der UdSSR. Der Chef des Hauptstabes war, ebenso wie die Chefs der Teilstreitkr√§fte, bis 1989 Stellvertreter des Ministers f√ľr Nationale Verteidigung.

Chefs des Hauptstabes

  • Generalleutnant Vincenz M√ľller --- 1. M√§rz 1956 bis 1. M√§rz 1958
  • Generaloberst Heinz Hoffmann --- 1. M√§rz 1958 bis 1. Oktober 1960
  • Generalleutnant Sigfrid Riedel --- 1. Oktober 1960 bis 15. M√§rz 1967
  • Generaloberst Heinz Ke√üler --- 15. M√§rz 1967 bis 10. Januar 1979
  • Generaloberst Fritz Streletz --- 10. Januar 1979 bis 21. Dezember 1989
  • Generalleutnant Manfred Gr√§tz --- 1. Januar bis 15. September 1990
  • Generalmajor Michael Schlothauer --- 15. September bis 2. Oktober 1990

√Ėsterreich

Der Chef des Generalstabes in √Ėsterreich ist der oberste Berater des Bundesministers f√ľr Landesverteidigung in allen milit√§rischen Angelegenheiten und repr√§sentiert die milit√§rische F√ľhrung des Bundesheeres im In- und Ausland. Er ist beratendes Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates und Vorsitzender des Arbeitsausschusses ‚ÄěM‚Äú im Rahmen der Umfassenden Landesverteidigung und milit√§rischer Berater der Bundesheer-Beschwerdekommission sowie Repr√§sentant des Bundesheeres im EU-Milit√§rausschuss, im Koordinierungsausschuss der Euro-Atlantischen Partnerschaft sowie in einschl√§gigen multinationalen Gremien. Ihm obliegt die Dienst- und Fachaufsicht √ľber die Streitkr√§fte und die Nachrichtendienste sowie die Akademien, die Waffen- und Fachschulen, die Milit√§rmission, die Milit√§rberatungen und die B√ľros der Verteidigungsattach√©s. Der Chef des Generalstabes bedient sich dabei seines Generalstabes, der derzeit aus der Einsatz-, der Planungs- und der Bereitstellungssektion besteht. Im √∂sterreichischen Bundesheer f√ľhren die Offiziere mit Generalstabsausbildung den Zusatz ‚ÄědG‚Äú (des Generalstabsdienstes, z. B. MjrdG). Alle Truppenoffiziere werden fr√ľhestens f√ľnf Jahre nach der Ausmusterung zum Leutnant einem mehrstufigen Auswahlverfahren unterzogen. Der Generalstabslehrgang dauert sechs Semester. Eine Generalstabsausbildung f√ľr Milizoffiziere ist nicht vorgesehen.

Schweiz

‚Üí Hauptartikel: Generalstab (Schweiz)

Der Generalstab war unter verschiedenen Namen bis zur Armeereform XXI die f√ľr die Planung und oberste Leitung verantwortliche Organisationseinheit der Schweizer Armee und stand unter der F√ľhrung des Generalstabschefs im Range eines Korpskommandanten. Auch nach der Armeereform besteht das Korps der Generalstabsoffiziere, die in der Generalstabsschule zu F√ľhrungsgehilfen der h√∂heren F√ľhrung ausgebildet werden.

Weitere Länder

USA

Die USA haben einen Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs, den Chairman of the Joint Chiefs of Staff (CJCS). Zurzeit ist dies der Admiral Michael G. Mullen, United States Navy. Dar√ľber hinaus hat jede der vier Teilstreitkr√§fte einen Generalstab, siehe Commandant of the Marine Corps, Chief of Naval Operations, Chief of Staff of the Army und Chief of Staff of the Air Force.

Israel

Die israelischen Streitkr√§fte (Tzahal) haben einen Generalstab, der vom dienstgradh√∂chsten Offizier gef√ľhrt wird, zurzeit ist dies Rav Aluf Benny Gantz.

Japan

Japan hatte von 1878 bis 1945 einen unabhängigen Generalstab nach preußischem Vorbild, siehe Generalstab (Japan).

Großbritannien

Das Vereinigte K√∂nigreich hat einen Vereinigten Generalstab (Chiefs of Staff Committee), der sich vor allem aus den Stabschefs der Teilstreitkr√§fte zusammensetzt und von einem gemeinsamen Vorsitzenden (dem Chief of the Defence Staff) geleitet wird. Erster Inhaber dieser erst 1965 geschaffenen Position war Gro√üadmiral Louis Mountbatten, 1. Earl Mountbatten of Burma, derzeit ist es Air Chief Marshal Sir Jock Stirrup. Dar√ľber hinaus hat jede der Teilstreitkr√§fte einen eigenen Generalstab. Der Stabschef der Royal Navy wird als Erster Seelord bezeichnet, der Stabschef der British Army als Chief of the General Staff und der Stabschef der Royal Air Force als Chief of the Air Staff. Vor 1965 wurden die Aufgaben des Generalstabschefs der gesamten britischen Streitkr√§fte vom jeweiligen Stabschef der British Army wahrgenommen, der 1904-1909 als Chief of the General Staff und danach bis 1964 als Chief of the Imperial General Staff bezeichnet wurde. Seit der Schaffung des Vereinigten Generalstabs im Jahr 1965 lautet der Titel des Stabschefs des Heeres wieder Chief of the General Staff.

Russland / Sowjetunion

In der Sowjetunion bestand seit 1918 ein Gesamtrussischer Hauptstab (seit 1921 als Stab und seit 1935 als Generalstab der Roten Arbeiter- und Bauernarmee bezeichnet). Nach einigen weiteren Namens√§nderungen hie√ü er ab 1955 bis zum Ende der Sowjetunion Generalstab der Streitkr√§fte der UdSSR. Die Russischen Streitkr√§fte f√ľhrten ihn nach 1991 weiter.

Das Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers, kurz STAWKA (Russisch: –°—ā–į–≤–ļ–į –í–Ķ—Ä—Ö–ĺ–≤–Ĺ–ĺ–≥–ĺ –ď–Ľ–į–≤–Ĺ–ĺ–ļ–ĺ–ľ–į–Ĺ–ī—É—é—Č–Ķ–≥–ĺ Transliteration Stawka Werchownogo Glawnokomandujuschtschego) war bereits im russischen Kaiserreich eine Einrichtung, die einem Generalstab √§hnlich ist. Sie unterstand direkt dem Zar und wurde 1914 eingerichtet. In der Sowjetunion wurde die STAWKA 1918 aufgel√∂st und nach dem deutschen √úberfall auf die Sowjetunion 1941 parallel zum Generalstab gef√ľhrt.

Literatur

  • Trevor N. Dupuy: Der Genius des Krieges. Das deutsche Heer und der Generalstab 1807‚Äď1945. Ares Verlag, Graz 2009, ISBN 9783902475510.
  • Othmar Hackl: Generalstab, Generalstabsdienst und Generalstabsausbildung in der Reichswehr und Wehrmacht 1919‚Äď1945. Studien deutscher Generale und Generalstabsoffiziere in der Historical Division der US Army in Europa 1946‚Äď1961, Biblio-Verlag 1999, ISBN 3-7648-2551-0.
  • Walter G√∂rlitz: Kleine Geschichte des deutschen Generalstabs, Haude & Spener, Berlin 1977.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Vgl. G√∂rlitz, S. 244 f.
  2. ‚ÜĎ Vgl. G√∂rlitz, S. 244 f.
  3. ‚ÜĎ Vgl. G√∂rlitz, S. 302.

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