Genitalangleichende Operation

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Genitalangleichende Operation

Unter geschlechtsangleichenden Operationen versteht man chirurgische geschlechtsangleichende Ma√ünahmen, bei denen prim√§re und/oder sekund√§re Geschlechtsmerkmale an das Aussehen und die Funktion eines anderen Geschlechts angeglichen werden. Diese Eingriffe werden entweder an intersexuellen oder transgender Menschen durchgef√ľhrt. Dabei streben √ľblicherweise alle transsexuellen, jedoch nicht alle transgender Menschen solche chirurgischen Eingriffe an. Die gleichen oder √§hnlichen Operationstechniken werden angewandt, wenn es um die Wiederherstellung von Geschlechtsmerkmalen nach Unfall oder Krankheit geht.

An intersexuellen Menschen werden diese Operationen vielfach auch mit Kastration mit dem Einverst√§ndnis der Eltern aber zumeist ohne Befragung und Zustimmung des betroffenen Kindes schon im Kleinkindalter durchgef√ľhrt. Ebenso findet bis heute in der Regel keine ausreichende Aufkl√§rung √ľber die massiven Stoffwechseleingriffe durch die anschlie√üende, meistens kontra-chromosomale Hormonbehandlung statt.

Man unterscheidet zwischen genitalangleichenden Eingriffen, also solchen, die an den primären Geschlechtsmerkmalen stattfinden und weiteren Eingriffen, die die sekundären Geschlechtsmerkmale betreffen.

Unten aufgef√ľhrt sind die operativen Eingriffe, die bei Transgendern durchgef√ľhrt werden, Menschen also, bei denen ein vollst√§ndiger und vollst√§ndig ausgebildeter Satz von weiblichen in m√§nnlich erscheinende Geschlechtsmerkmale oder umgekehrt verwandelt werden soll. Eingriffe bei Intersexuellen oder rekonstruktive Eingriffe m√ľssen weitaus mehr an die √§u√üerst unterschiedlichen Gegebenheiten im Einzelfall angepasst werden.

Zur Frage der Kosten√ľbernahme durch die Krankenversicherungen siehe: Transsexualit√§t ‚Äď Einstufung von Transsexualit√§t als Krankheit

Bei Transgendern geht den operativen Eingriffen nahezu immer eine Therapie mit Sexualhormonen voraus. Nach heutigen Standard ist √ľber die Operationen hinaus eine lebenslange Fortsetzung der Hormongaben notwendig, da nach der Entfernung der eigenen Keimdr√ľsen sonst Hormonmangelerscheinungen auftreten k√∂nnen. Durch diese Hormontherapie entwickeln sich zus√§tzlich die sekund√§ren Geschlechtsmerkmale des anderen Geschlechts. Die sekund√§ren Geschlechtsmerkmale des eigenen anatomischen Geschlechts bleiben jedoch gr√∂√ütenteils erhalten, ebenso ist die Wirkung auf die prim√§ren Geschlechtsmerkmale meistens nur gering. Es wird empfohlen, diese durch entsprechende Eingriffe anzugleichen.

Inhaltsverzeichnis

Die Eingriffe im Einzelnen

Transmänner (Frau-zu-Mann)

Mastektomie

Darunter versteht man die Entfernung der weiblichen Brust und Konstruktion einer m√§nnlichen Brust. Es gibt sehr unterschiedliche Techniken mit mehr oder weniger guten Ergebnissen, welche auch deutlich von der Gr√∂√üe und dem Zustand des Ausgangsmaterials abh√§ngig sind. Bei kompetenten √Ąrzten ergeben sich im Normalfall zufriedenstellende bis sehr gute Ergebnisse. Als Optimum wird angesehen, wenn f√ľr sp√§tere Betrachter nicht mehr sichtbar ist, dass eine Mastektomie √ľberhaupt durchgef√ľhrt wurde. Sie wird, insbesondere bei gro√üen Br√ľsten, h√§ufig in zwei Operationen durchgef√ľhrt, welche im Abstand von sechs Monaten bis einem Jahr erfolgen. Die Liegedauer betr√§gt je zwischen drei und zehn Tagen und h√§ufig sind kleine Korrekturen notwendig.
Diesen Eingriff lassen fast alle Transm√§nner durchf√ľhren.

Hysterektomie

Hierunter wird die Entfernung der inneren weiblichen Organe, also Geb√§rmutter, Eierst√∂cke und Eileiter verstanden, Ein derartiger Eingriff ist vor allem wegen eines stark erh√∂hten Krebsrisikos durch die Hormonbehandlung notwendig. Au√üerdem ist er nach derzeitiger Praxis Voraussetzung f√ľr die Personenstands√§nderung nach dem Transsexuellengesetz. Die Hysterektomie erfolgt entweder durch Bauchschnitt oder durch die Vagina, sehr selten endoskopisch. Sie ist heutzutage ein Standard-Eingriff und daher relativ risikoarm. Die Liegedauer betr√§gt zwischen drei und sieben Tagen.
Diesen Eingriff lassen die meisten Transm√§nner durchf√ľhren.

Genitalangleichende Operation

Der Aufbau von m√§nnlich erscheinenden Genitalien ist ein sehr komplizierter und risikoreicher Eingriff. Schon alleine aus diesem Grunde verzichten viele Transm√§nner auf diesen Eingriff. G√§ngig sind folgende Techniken; bei allen wird meistens aus den gro√üen Schamlippen ein Hodensack geformt und mit Hodenimplantaten aus Silikon gef√ľllt:

Metaidoioplastik: Die durch die Hormontherapie vergrößerte Klitoris wird teilweise aus ihrem Hautmantel freigeschnitten und eine Harnröhre aus den kleinen Schamlippen geformt.
Das Ergebnis ist in der Regel echt aussehend - aber sehr klein. Die Sensibilit√§t bleibt weitestgehend erhalten, die Gr√∂√üe meistens zwischen 2 und 3,5 cm, und mit der richtigen Technik ist zumeist ein Geschlechtsverkehr m√∂glich. Daf√ľr ist die Metaidoioplastik eine relativ komplikationslose Methode, und es wird kein Gewebe von anderen K√∂rperstellen transplantiert. Die Liegedauer im Krankenhaus betr√§gt ein bis zwei Wochen.

Unterarm-Plastik: Aus dem nicht-dominanten Unterarm (meistens links), seltener aus dem Oberarm oder dem Unterschenkel, werden ein Hautlappen mit darunter liegendem Gewebe, eine Blutbahn und Nervenstrang entnommen. Aus diesen wird anschlie√üend ein Penoid geformt. Gelegentlich wird diese Technik mit der Metaidoioplastik kombiniert, dann wird der Eingriff in zwei Schritten ausgef√ľhrt. Die Blutbahn und der Nervenstrang werden in der Leiste verbunden, so dass der Penoid eine eigene Blutversorgung und Gef√ľhlsf√§higkeit erlangt. Bei dieser Methode wird die Harnr√∂hre normalerweise bis zur Spitze des Penoids gef√ľhrt.
Das Ergebnis ist sehr stark vom K√∂nnen des Operateurs abh√§ngig und in manchen F√§llen nicht zufriedenstellend. An der Entnahmestelle entsteht in der Regel eine gro√üe und meistens sehr auff√§llige Narbe. Abh√§ngig von der Operationsmethode bleibt die Sensibilit√§t normalerweise weitestgehend erhalten. Die Gr√∂√üe des Penoids betr√§gt √ľblicherweise bis 10-12 cm, gelegentlich auch mehr. Abh√§ngig von der Armdicke ist der Umfang relativ klein. Bei einer zweiten Operation werden Silikonimplantate als Hoden und ein Versteifungsimplantat (die f√ľr M√§nner mit Erektionsproblemen entwickelt wurden, und daher wenig zum Umfang beitragen) eingebaut, damit Geschlechtsverkehr m√∂glich wird. Die Komplikationsrate h√§ngt vom K√∂nnen der Chirurgen und der jeweiligen postoperativen Nachsorge ab, Korrekturen sind je nach Arzt oft notwendig. Die Liegedauer betr√§gt zwei bis 6 Wochen.

Bauchmuskel-Plastik: Einer der beiden l√§ngs liegenden Bauchmuskeln wird vom Rippenbogen gel√∂st, aufgerollt, nach unten geklappt, und mit Leistenhautlappen zu einem penis√§hnlichen Gebilde geformt. Die Harnr√∂hre wird dabei nur selten bis an die Spitze des Penoids gef√ľhrt, meistens endet sie an der Basis desselben. Dieses ist eine √§u√üerst komplikationstr√§chtige Methode, oftmals kommt es zu einem teilweisen oder g√§nzlichen Absterben der Penisplastik.
Das Ergebnis ist optisch und funktional h√§ufig nicht oder nur nach mehreren Korrektureingriffen zufriedenstellend. Die Sensibilit√§t kann nach einigen Jahren teilweise wiederhergestellt sein. Die Gr√∂√üe betr√§gt √ľblicherweise bis 12 cm, gelegentlich auch mehr. Mit einem Versteifungsimplantat ist Geschlechtsverkehr m√∂glich. Die Liegedauer betr√§gt 6 bis 10 Wochen f√ľr den ersten Eingriff.

Latissimus-dorsi-Plastik:[1] Aufgrund der Tatsache, dass die Bauchmuskel-Plastik sich wegen ihrer Komplikationsrate nicht bew√§hrt hat und die Unterarm-Plastik wegen der Begrenztheit der M√∂glichkeiten hinsichtlich Gr√∂√üe zu erheblichen Unzufriedenheiten der Patienten f√ľhrt, wurden in den letzten Jahren verschiedene andere Techniken auf den Fachkongressen vorgestellt. Als sehr zielf√ľhrend und deshalb mittlerweile von mehreren Zentren weltweit durchgef√ľhrt, gilt die Latissimus-dorsi-Plastik aus dem ‚Äěbreitesten R√ľckenmuskel‚Äú, bei der mit √ľberschaubarem Risiko und geringem Funktionsausfall ein Penis konstruiert werden kann. Dieser hat in der Regel auch nach Abschluss der Heilung noch eine mit einem origin√§ren Penis vergleichbare Gr√∂√üe. Auf einem aktuellen Urologenkongress in Berlin wurde innerhalb einer internationalen Forumsdiskussion deshalb die Unterarmplastik als obsolet bezeichnet, also als veraltet und nicht mehr empfehlenswert.

Transfrauen (Mann-zu-Frau)

Genitalangleichende Operation

Vorl√§ufer dieser Operationen gab es bereits in den 1920er Jahren. Diese wurden in Kliniken in Berlin und Dresden durchgef√ľhrt. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurden diese Zentren geschlossen und ein Gro√üteil der medizinischen Unterlagen vernichtet. Die √ľberwiegend j√ľdischen √Ąrzte gingen ins Exil und f√ľhrten ihre Arbeiten und Forschungen in verschiedenen L√§ndern fort. Die Unterlagen zu der durch den Dresdner Gyn√§kologen Kurt Warnekros durchgef√ľhrten Operation des d√§nischen Malers Einar Wegener wurden vermutlich w√§hrend der Luftangriffe auf Dresden vernichtet.

Die Operation geschieht meistens dadurch, dass ein Teil der Eichel mitsamt den Blutgef√§√üen und Nerven aus dem Penis herausgel√∂st werden und an der entsprechenden Stelle wieder eingen√§ht werden. Dadurch entsteht dann die neue Klitoris, die durch die erhalten gebliebenen Nervenenden sp√§ter ein sexuelles Lustempfinden erm√∂glicht. Ebenfalls herausgel√∂st wird die Harnr√∂hre und entsprechend gek√ľrzt. Die Hoden werden genau wie die Schwellk√∂rper am Penisschaft restlos entfernt. Es gibt aber auch Techniken, bei denen letztere zum Teil als vaginale Schwellk√∂rper Verwendung finden. Die Penishaut wird zur Auskleidung eines geschaffenen K√∂rperhohlraums verwendet (invertiert) und bildet so die Vagina. Schlie√ülich werden aus dem Hodensack die Schamlippen geformt.
Normalerweise ist ein etwa 14-t√§giger Krankenhausaufenthalt daf√ľr notwendig, vorausgesetzt, es treten keine Komplikationen ein. In vielen F√§llen muss dann nach einigen Monaten noch eine zweite, kleinere Operation vorgenommen werden, um einige Korrekturen vorzunehmen.

Mittlerweile haben sich die Operationstechniken schon so weit verbessert, dass zumindest in einigen Zentren hier fast schon von Routineeingriffen gesprochen werden kann. Frauen√§rzte stellen angeblich immer h√§ufiger fest, dass die Operationsergebnisse kaum noch von nat√ľrlichen weiblichen Geschlechtsorganen zu unterscheiden sind. Lediglich das Fehlen der inneren Geschlechtsorgane lie√üe eine Unterscheidung noch zu.

Diesen Eingriff lassen fast alle Transfrauen durchf√ľhren, die sich als transsexuell bezeichnen. Transfrauen, die sich als Transgender o.¬†√§. bezeichnen, lassen ihn h√§ufig, aber nicht immer durchf√ľhren.

Bemerkenswert ist, dass die Formung einer empfindungsf√§higen Klitoris zwar technisch problemlos m√∂glich ist, jedoch viele √Ąrzte und Krankenversicherungen dieses als ein nicht medizinisch notwendiges Extra bezeichnen, das im Gegensatz zur Anlage einer Neovagina, von der Patientin daher selber zu bezahlen sei. Auch in der Rechtsprechung ist dieses Verst√§ndnis von Weiblichkeit und weiblicher Anatomie noch umstritten.

Brustvergrößerung

Diese wird dann als notwendig empfunden, wenn das Brustwachstum durch die Hormontherapie nur zu relativ kleinen Br√ľsten f√ľhrt. Gerade bei gro√üen und breitschultrigen Transfrauen ist genau dieses h√§ufig. Allerdings kommt es auch oft vor, dass Transfrauen die notwendige Zeitdauer bis zum Erreichen einer ad√§quaten Brustgr√∂√üe h√§ufig untersch√§tzen. Wie bei Cisfrauen auch kann dieses einige Jahre dauern.

Diesen Eingriff lassen viele Transfrauen durchf√ľhren.

F√ľr Einzelheiten siehe den eigenen Artikel Brustvergr√∂√üerung.

Operation im Bereich der Stimme

Verschiedene Techniken zur Erreichung einer weiblicher klingenden Stimme. Ein je nach Methode und Operateur oft riskanter Eingriff, der noch h√§ufig zu einem auff√§llig reduzierten Stimmumfang und im Extremfall zum v√∂lligen Verlust der Stimme f√ľhrt. Stimmband-Operationen waren aus diesem Grunde bisher eher selten, werden aber infolge zunehmend besserer Operationstechniken h√§ufiger.

Im wesentlichen gibt es die Straffungsmethode und die Verk√ľrzungsmethode (Glottoplastik). Das zweite Verfahren war in den letzten Jahren sehr umstritten, gewinnt aber immer mehr an Qualit√§t. In Berlin, Stuttgart und W√ľrzburg wurden bereits sehr gute Ergebnisse erzielt.

Logopädie ergänzt diese Eingriffe oder ist auch bei den meisten Mann zu Frau Transsexuellen zunächst das Mittel erster Wahl. Oft sind die Möglichkeiten aber hier aufgrund einer sehr weit vom weiblichen Normbereich entfernt befindlichen Stimmlage begrenzt.

Verkleinerung des Adamsapfels

Dieser Eingriff kann notwendig sein, wenn der Kehlkopf bzw. Adamsapfel auffällig groß ist. Es handelt sich um einen unproblematischen Eingriff.

Weitere Eingriffe

Neben den genannten Ma√ünahmen k√∂nnen in manchen F√§llen weiterer Eingriffe, vor allem plastisch-chirurgische, notwendig sein oder gew√ľnscht werden. Insbesondere bei diesen Eingriffen ist die medizinische Notwendigkeit, h√§ufig umstritten, welche Voraussetzung f√ľr eine Kosten√ľbernahme durch die Krankenversicherungen ist. Solche Operationen sind beispielsweise die Verkleinerung von Nase, Kinn und/oder Wangenknochen oder das Polstern der H√ľften mit entsprechenden Einlagen.

Geschichtliches

Fr√ľhgeschichte

Die Fr√ľhgeschichte operativer Ma√ünahmen zur Ver√§nderung der prim√§ren und sekund√§ren Geschlechtsmerkmale hinsichtlich der v√∂lligen Eliminierung des Geschlechtstriebes durch z.¬†B. Kastration reicht bis in das alte √Ągypten √ľber andere Fr√ľhkulturen zur√ľck hin zu Naturv√∂lkern wie den Indianern. Ein Fruchtbarkeitskult fand sich z.¬†B. bei den Sumerern in Kleinasien zu Ehren der G√∂ttin Kybele bei dem in ekstatischen Riten reinste Kastrations-Exzesse stattfanden. Der Kastrationskult wurde bis ins r√∂mische Reich u.¬†a. zu Ehren der G√∂ttin Diana beibehalten. Vorrangig betraf diese Ma√ünahme m√§nnliche Sklaven und Leibeigene, die zu sogenannten Eunuchen oder Kastraten entmannt wurden. Bei der radikalen Ma√ünahme, die oft ohne jegliche Bet√§ubung unter unhygienischen Bedingungen stattfand und oft t√∂dlich endete wurden zumeist das Skrotum, manchmal auch der Penis entfernt.

Mit der Entwicklung der Medizin sank auch das Risiko t√∂dlicher Komplikationen. Waren diese fr√ľhen ‚ÄěOperationen‚Äú noch von einem gesellschaftlich hierarchischen und religi√∂sen Denken gepr√§gt; sei es als Bewacher eines Harems oder als entehrende Bestrafung, so entwickelte sich im Zuge der Renaissance langsam ein anderes Geschlechterbild. Es folgte eine Feminisierung der m√§nnlichen Geschlechtsidentit√§t w√§hrend die Frauen durch zunehmende Erlangung von Machtpositionen eine zunehmende Maskulinisierung erfuhren. Der eigentliche Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugeh√∂ren kann historisch nicht eindeutig datiert werden. Barock und Rokoko wiesen sicherlich bereits viele Spielarten und Facetten geschlechtlicher Angleichung in Mode und Habitus auf und es ist davon auszugehen, dass sich auch einige √Ąrzte des 17. oder 18. Jahrhunderts bereits an geschlechtsangleichende Operationen wagten. Dies geschah allerdings mutma√ülich weniger zum Wohl des Patienten als vielmehr im eigenen Interesse zur experimentellen Erweiterung des wissenschaftlichen Spektrums. Bekannt sind viele sexuelle Mischformen im Bereich der Androgynit√§t die gern als ‚ÄěMonster‚Äú auf M√§rkten oder Zirkusveranstaltungen vorgef√ľhrt wurden; auch hier kann man davon ausgehen, dass oft mit primitiven operativen Mitteln nachgeholfen wurde (die Frau mit Bart, M√§nner, die mit ihrer Kastratenstimme Opernarien in den h√∂chsten T√∂nen sangen u.¬†√§.)

Anfang 20. Jahrhundert/Magnus Hirschfeld

Erste ernsthafte Erkenntnisse zur sowohl psychischen wie physischen Problematik der Trans- oder Intersexualit√§t lieferte der Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld Anfang des letzten Jahrhunderts. Hirschfeld war es auch der die Begriffe Homosexualit√§t, Transvestismus und Transsexualit√§t formulierte. Hirschfeld ging wissenschaftlich an den Wunsch der Menschen nach einer ‚ÄěGeschlechtsumwandlung‚Äú heran. Bereits in den 20er Jahren schaffte es Hirschfeld mit Hilfe und Initiative der Mitarbeiter seines Instituts f√ľr Sexualwissenschaft in Berlin, dass Identit√§tswechsel, Namens√§nderungen und sogenannte ‚ÄěTransvestitenscheine‚Äú ausgestellt wurden, √ľberdies wurden die ersten chirurgischen ‚ÄěGeschlechtsumwandlungen‚Äú durchgef√ľhrt. [2]

Die streng pathologisierende Definition lockerte sich. 1923 benutzte er erstmals das Wort ‚ÄěTranssexualismus‚Äú, in Verbindung mit Transvestismus, ohne es n√§her zu definieren. In seinen ca. 2000 Seiten umfassenden sexualwissenschaftlichen ‚ÄěRes√ľmee‚Äú der ‚ÄěGeschlechtskunde‚Äú; darin betrachtet er den Wunsch nach ‚ÄěGeschlechtsumwandlung‚Äú als eine Form extremsten Transvestismus. Hirschfeld schreibt:

‚ÄěDie st√§rksten Formen des totalen Transvestismus finden wir bei denen, die nicht nur ihr k√ľnstliches, sondern auch ihr nat√ľrliches Kleid, ihre K√∂rperoberfl√§che andersgeschlechtlich umgestalten m√∂chte. Den h√∂chsten Grad dieser k√∂rpertransvestitischen Zwangszust√§nde beobachten wir bei denen, die eine mehr oder weniger vollst√§ndige Umwandlung ihrer Genitalien anstreben, vor allem also ihre Geschlechtsteile nach ihrer Seele formen wollen. Voran steht bei transvestitischen Frauen die Beseitigung der Menstruation durch Entfernung der Eierst√∂cke, bei transvestitischen M√§nnern die Kastration. Diese F√§lle sind viel h√§ufiger als man fr√ľher auch nur im entferntesten ahnte.‚ÄĚ

Erste therapeutische und operative Versuche

Bereits um 1900 hatte man die Wirkung von Sexualhormonen entdeckt. Mit der chemischen Isolierung wurde ein neues Kapitel der Sexualmedizin aufgeschlagen: Man wagte sich alsbald an die Transplantation der Keimdr√ľsen; bereits 1918 wurde von Einspritzungen von Hoden- und Eierstockextrakten berichtet, was ersten Versuchen einer hormonellen Angleichung an das jeweils andere Geschlecht entspricht.

Anfang der 20er Jahre wurden erste operative ‚ÄěGeschlechtsumwandlungen‚Äú durchgef√ľhrt. Die Chirurgen waren durch die Behandlung von Verletzten des Ersten Weltkriegs bereits ge√ľbt in Genitaloperationen. Auch hatten die Mediziner durch die gescheiterten Experimente zur ‚ÄěNormalisierung‚Äú und Umpolung von Homo- in Heterosexuelle viele neue Erkenntnisse gewonnen. Das Institut f√ľr Sexualwissenschaft spielte eine wesentliche Rolle sowohl bei der psychologischen Begutachtung, der Vorbereitung, als auch bei der Ausf√ľhrung der Operationen. Die meisten Patienten verlangten ein Entfernen der st√∂renden Hoden oder der Eierst√∂cke.

√úber die erste vollst√§ndige geschlechtanpassende Operation berichtete der Abteilungsleiter am Institut f√ľr Sexualwissenschaft Felix Abraham 1931 in dem Beitrag ‚ÄěGeschlechtsumwandlung an zwei m√§nnlichen Transvestiten‚ÄĚ. Abraham war f√ľr die Beratung der Transvestiten verantwortlich. Im Laufe der 30er Jahre erfolgten schrittweise erste plastische Operationen, so beschrieb Abraham die Kastrationen oder die Ektomie von Eierst√∂cken durch Dr. Levi Lenz, w√§hrend er selbst Operationen zur Ausformung einer Vagina vornahm.[2]

Gegenwart

Im Laufe des 20. Jahrhunderts verfeinerten sich die Methoden zur genitalen Angleichung an das Wunschgeschlecht; sowohl in der konservativen Therapie, wie in den operativen Ma√ünahmen. In den 1950ern waren Thematik und medizinische Vorgehensweisen vor allem unter US-amerikanischen √Ąrzten gel√§ufig. Operative Geschlechtsangleichungen wurden bereits routinem√§√üig vorgenommen, oftmals bereits im Alter von ein bis zwei Jahren, wobei die sexuelle Orientierung des Kindes so fr√ľh noch gar nicht definiert werden konnte. F√ľr die √Ąrzte der Zeit stellte dies ein lohnendes Gesch√§ft dar, da den ersten Operationen meistens nachfolgende Sekund√§roperationen folgten und √ľberdies lebenslang Hormone verabreicht werden mussten. Es wurden zahlreiche neue ‚Äď oft fragliche ‚Äď Ma√ünahmen entwickelt wie die √ľberaus schmerzhafte Bougierung, bei der die k√ľnstlich geschaffene Vagina mit penisartigen Werkzeugen penetriert und geweitet wird, damit der neugeschaffene weibliche K√∂rper ‚Äěkopulationsf√§hig‚Äú wird. [3]

Bei der modernen konservativen Therapie besitzen die Hormondosierungen heute, im Gegensatz zu den 1950er und 60er Jahren, möglichst wenig Nebenwirkungen. Noch in den 1960er/70er Jahren wurden oft hormonbedingter Haar- und Zahnausfall sowie Pilzerkrankungen u. ä. beobachtet. Auch die operativen Maßnahmen haben sich dank Lasertechnik und neuen Methoden in der plastischen Chirurgie vereinfacht, bedeuten aber noch immer einen radikalen Eingriff in den Körper.

DDR und die 1970er

‚ÄěWir k√∂nnen aus Frauen M√§nner machen ‚Ķ‚Äú das behauptete ein Schwimmtrainer der DDR in den 1970ern und bezog sich damit auf das Doping mit Androgenen. Viele ehemalige Sportler erlitten durch die intensive Hormonbehandlungen bleibende physische und psychische Sch√§den. Nicht wenige entschieden sich nach ihrer aktiven Laufbahn bzw. nach der Wende f√ľr eine Genitaloperation.[4] Hinsichtlich der Gesetzgebung war die DDR 1981 mit Verabschiedung des Transsexuellengesetzes vom 10. September 1980 der BRD einen Schritt voraus und erm√∂glichte Transsexuellen einen leichteren Zugang zu medizinischen Ma√ünahmen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ ‚ÄěLatissimus-dorsi-Plastik‚Äú: Qualit√§tsbericht 2006 St.-Antonius-Hospital (PDF) S. 112, ‚Äě5-643 Plastische Rekonstruktion des Penis‚Äú
  2. ‚ÜĎ a b Artikel von Dr. Rainer Herrn, Leiter der Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft; pro familia magazin (1995) 2, 14‚Äď18
  3. ‚ÜĎ taz Hamburg Nr. 6604 vom 19. November 2001
  4. ‚ÜĎ DDR-Doping und die Folgen - Die endlosen Leiden der Opfer, Kontraste, Sendung vom 08. Juni 2000
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