Georg Meistermann

Georg Meistermann (* 16. Juni 1911 in Solingen; † 12. Juni 1990 in Köln) war ein deutscher Maler, Zeichner und Graphiker. und schuf über eintausend Glasfenster an rund 250 Orten in Europa.

Meistermann lehrte als Professor an der Frankfurter Städelschule, an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Kunstakademie Düsseldorf und war Präsident des Deutschen Künstlerbundes 1965 bis 1972.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

In der Unterprima verließ Meistermann die Schule, um 1930 bis 1933 drei Wintersemester an der Düsseldorfer Kunstakademie bei W. Heuser, Heinrich Nauen und Ewald Mataré zu studieren. In der Nazizeit musste er sein Studium abbrechen und erhielt Ausstellungsverbot. Er bildete sich dann autodidaktisch weiter und arbeitete als freier Zeichenlehrer. Ausgehend vom Spätkubismus und beeinflusst von Alfred Manessier, entwickelte er einen zunehmend abstrakten Stil. Neben Gemälden, Portraits und Wandbildern gestaltete Meistermann seit 1937 vor allem kirchliche und profane Glasfenster. Seine ersten Glasfenster entstanden 1938 in St. Engelbert, Solingen. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, ebenso wie viele seiner frühen Bilder.

Nach dem Krieg fand 1946 seine erste Einzelausstellung im „Studio“ des Städtischen Museums Wuppertal statt. 1947 heiratete er die Psychoanalytikerin Edeltrud Meistermann-Seeger (1906-1999). Meistermann siedelte 1949 nach Köln über. Im gleichen Jahr entwarf er fünf Fenster für St. Markus in Wittlich, sein erster größerer Kirchenauftrag. Er trat dem neu gegründeten Deutschen Künstlerbund bei. 1952 entwarf er die WDR-Glaswand in Köln.

Die 240 m² große Glaswand für St. Kilian, Schweinfurt, entstand 1953. Es folgte die Berufung an die Frankfurter Städelschule. Im Jahr 1954 schuf Meistermann zwei wegweisende Werke: Das Fresko-Altarwandbild für St. Alfons, Würzburg und vier Treppenhausfenster mit dem Motiv „Die Apokalyptischen Reiter“ für das Alte Rathaus zu Wittlich, dem späteren Georg-Meistermann-Museum. Der Teilnahme an der documenta I 1955 folgte die Berufung an die Düsseldorfer Kunstakademie.

Die erste abstrakte Gestaltung im sakralen Raum in Deutschland entstand 1957 mit der fast 300 m² großen Glaswand der Bottroper Heilig-Kreuz-Kirche. Er nahm an der documenta II in Kassel teil. 1959/1960 entwarf der Künstler die Fensterwand „Der gute Hirte – Das ewige Licht“ für die Wittlicher Friedhofskapelle Burgstraße. Ab 1960 lehrte er an der Kunstakademie Karlsruhe.

Das Altarfresko für die Gedächtniskirche der deutschen Katholiken zu Ehren der Blutzeugen für Glaubens- und Gewissensfreiheit aus den Jahren 1933-1945 Maria Regina Martyrum in Berlin, entstand 1963. Im Jahr darauf nahm er einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in München an. In Wittlich entstand sein Fenster mit dem „Auferstandenen Christus“ in der Friedhofskapelle Trierer Landstraße. In den Jahren von 1967 bis 1972 fungierte Meistermann als Präsident des Deutschen Künstlerbundes. Sieben weitere Fenster entstanden in Wittlich für das Hospital St. Wendelini. Inzwischen werden diese zum Teil im Georg-Meistermann-Museum Wittlich präsentiert.

Das umstrittene Ölbild „Farbige Notizen zur Biographie des Bundeskanzlers Brandt“ malte Meistermann zwischen 1969 und 1973. Im Jahre 1974 malte er das Freskowandbild für das ZDF-Sendezentrum Mainz. Mit dem Staatspreis des Landes Rheinland-Pfalz für „Kunst am Bau“ wurde er 1975 ausgezeichnet. In Rom gestaltete er 1976 vier Fenster für den Camposanto Teutonico. Auf Wunsch von Alt-Bundeskanzler Willy Brandt porträtierte er ihn 1977 für die Galerie der Bundeskanzler im Bundeskanzleramt. Das Portrait wurde von Bundeskanzler Kohl abgelehnt. Als sein religiöses Testament und Krönung seiner Lebensarbeit bezeichnet Meistermann die Neugestaltung von St. Gereon zu Köln in den Jahren 1979 bis 1986. Eine Übersichtsausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg fand 1981 statt. Die letzten druckgraphischen Arbeiten entstanden in der Zusammenarbeit mit dem Drucker Manfred Klement, Bonn. In den Jahren 1989 bis 1991 entstanden ca. 120 graphische Blätter.

Ehrungen

  • 1950 Blevin-Davis-Preis (für das Ölbild „Der neue Adam“)
  • 1951 Eduard von der Heydt-Kulturpreis der Stadt Wuppertal
  • 1952 Stefan-Lochner-Medaille der Stadt Köln
  • 1955 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
  • 1958 Erster Preis für Glasmalerei der Biennale in Salzburg
  • 1959 Großes Bundesverdienstkreuz
  • 1974 Kulturpreis der Stadt Solingen
  • 1982 Slevogt-Medaille
  • 1984 Romano-Guardini-Preis 1984.
  • 1986 Ehrenmitglied der Kunstakademie Düsseldorf
  • 1986 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
  • 1989 Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen
  • 1990 Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

Posthume Ehrungen:

  • 1994 wurde in Wittlich das Georg-Meistermann-Museum eröffnet. 2007 entzündete sich ein Streit zwischen dem Museumsleiter Justinus Maria Calleen (einem Enkel Meistermanns) und dem Stadtrat, der im Rahmen einer Fünfjahresplanung eine Ausstellung mit Werken des lokalen Bildhauers Hanns Scherl vorgab. Die geplante Ausstellung gefährdete nach Calleen das Andenken an Georg Meistermann, da Scherls volkstümliche Werke nicht den künstlerischen Ansprüchen eines Museum für moderne Kunst entsprächen und der schon in der Zeit des Nationalsozialismus lokal erfolgreiche Künstler Scherl der nationalsozialistischen Kunstdoktrin verpflichtet gewesen sei und sich auch später nicht distanziert habe, womit er sich vom zur NS-Zeit verfemten Namenspatron des Museums eklatant unterscheide.[2] Die Politik setzte sich jedoch durch, und die Erbengemeinschaft forderte daraufhin die Rückgabe der Namensrechte. Museumsleiter Calleen wurde 2009 gekündigt, die Scherl-Ausstellung fand 2010 statt. Nach dreijährigem Streit verzichtete die Stadt Wittlich im April 2010 auf die Namensrechte, um einem Rechtsstreit mit der Erbengemeinschaft aus dem Weg zu gehen.[3] Im Zuge der Umbenennung in Städtische Galerie für moderne Kunst löste sich auch der dem Museum angebundene Georg-Meistermann-Verein Der schwebende Punkt auf[4]
  • 2005 gab sich eine Wittlicher Schule den Namen Georg-Meistermann-Grundschule.
  • Der Georg-Meistermann-Preis der Stiftung Stadt Wittlich wird in der Regel alle zwei Jahre vergeben. Er soll dazu dienen, das Andenken an Georg Meistermann und sein unerschütterliches, kritisch-konstruktives Eintreten für Demokratie und Meinungsfreiheit wach zu halten und nachfolgende Generationen anregen, diesem Beispiel zu folgen. Der Preis ist mit einer an den Stiftungszweck gebundenen Summe von 10.000 Euro dotiert. Der Preis wurde erstmals aus Anlass des 95. Geburtstages des Künstlers am 16. Juni 2006 an Johannes Rau verliehen. Preisträgerin 2008 war die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch, Preisträger 2010 Karl Kardinal Lehmann.
  • Das Cusanuswerk vergibt jährlich das Georg-Meistermann-Stipendium.
  • 2011 zeigt das Solinger Kunstmuseum Museum Baden anläßlich des 100 Geburtstages eine Retrospektive mit dem Titel "Das Leben des Menschen ist eingehüllt in Farbe".

Nachlass

Einen großen Teil des künstlerischen Nachlasses beherbergt die Städtische Galerie für moderne Kunst in Wittlich. Weiter sind in Wittlich in elf Gebäuden 40 Glasmalereien von Georg Meistermann zu sehen, unter anderem in der Pfarrkirche St. Markus. Diese sind dokumentiert in der Schrift Wittlicher Juwelen - Glasmalereien von Georg Meistermann in Wittlich.

Teile des schriftlichen Nachlasses gingen bereits 1978 an das Archiv für Bildende Kunst (heute Deutsches Kunstarchiv) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

Meistermanns Nachlass wird von seinem Enkel, dem Kunsthistoriker und Historiker Justinus Maria Calleen, betreut. 2010 wurde Dr. Calleen von der Stiftung Bibel und Kultur (bibelundkultur.de), für die Leitung des Wittlicher Georg-Meistermann-Museums und für sein „Lebenswerk“ zusammen mit dem Maler Neo Rauch im Naumburger Dom geehrt.

Die Urheberrechte von Georg Meistermanns Werk für Veröffentlichungen werden von der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst (Bonn) verwaltet.

Siehe auch

Literatur

  • Ralf van Bühren: Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils (Konziliengeschichte, Reihe B: Untersuchungen), Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 2008 (ISBN 978-3-506-76388-4), S. 169-175, 374f., 601f., 615-617
  • Albert Klein (Hrsg, mit Beitrag von Justinus Maria Calleen): Wittlicher Juwelen, Glasmalereien von Georg Meistermann in Wittlich; Wittlich 2002
  • Claus Pese: Georg Meistermann - Werke und Dokumente. Das Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum. Ostfildern-Ruit 1998, S.95-99
  • Klaus-Henning Rosen: Georg Meistermann malt Willy Brandt. Eine Dokumentation, Bad Honnef 1993
  • Justinus Maria Calleen: Georg Meistermann in St. Gereon zu Köln, Dissertation an der Universität Köln, 1993, Dissertationsdruck
  • Justinus Maria Calleen (Hrsg): Georg Meistermann, Druckgrafiken - Zeichnungen - Glasfenster - Kartons - Glasbilder - Gemälde; Katalog. Wittlich: Kulturamt, 1992
  • Schäfke/Ruhrberg (Hg.): Georg Meistermann: Malerei; Ausstellungskatalog, Köln Wienand-Verlag, 1991
  • Inge Herold: Werkmonographie und Werkverzeichnis zur Malerei von Georg Meistermann, in: Schäfke/Ruhrberg (Hg.): "Georg Meistermann: Malerei", Wiennand-Verlag, Köln 1991
  • Justinus Maria Calleen: … Ich mache Propaganda für den Glauben, nicht für die Kirche, Interview mit Georg Meistermann, in: „Braunsfeld – Ein Puzzle in 23 Teilen“, hg. v. Harald Peikert, Köln 1989: 112-117.
  • Justinus Maria Calleen: Biografische Erfahrungen in der Kunst von Georg Meistermann, in: Ausstellungskatalog „Georg Meistermann: Die 50er Jahre“, Saarbrücken 2007: 68-75
  • Justinus Maria Calleen: Der ‚Prophet des Zürnens’. Georg Meistermann engagierte Kunst als Zeugnis seines kritischen Glaubens, in: „Eigensinn und Bildung. Katholische deutsche Intellektuelle im 20. Jahrhundert“, hg. v. Hans-Rüdiger Schwab, Kevelaer 2009: 429-445.
  • Liane Wilhelmus: Ein Wunder moderner Kunst im sakralen Raum. Der Glasfensterzyklus in der Saarbrücker Schlosskirche mit Blick auf das Gesamtwerk Georg Meistermanns, in: Ausstellungskatalog „Georg Meistermann: Die 50er Jahre“, Saarbrücken 2007: 9-17.
  • Justinus Maria Calleen: Das Leben des Menschen ist eingehüllt in Farbe. Georg Meistermann zum hundertsten Geburtstag, Ausstellungskatalog, hg. v. Justinus Maria Calleen und Rolf Jessewitsch, Kunstmuseum Solingen - Zentrum für Verfolgte Künste, Kunstmuseum Bayreuth und Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich, Berlin und Solingen 2011.

Weblinks

 Commons: Georg Meistermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Vita bei Der Schwebende Punkt
  2. Trierischer Volksfreund, 17./18. April 2010, "So oder so - Familie will kein Meistermann-Museum"
  3. Trierische Volksfreund, 28. April 2010, "Stadt vermeidet Namensstreit"
  4. Trierische Volksfreund, 5. Mai 2010, "Ziel ist eine Meistermann-Gesellschaft

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