Geosynchrone Umlaufbahn


Geosynchrone Umlaufbahn
geostationäre Umlaufbahn (maßstabsgetreu)

Eine geosynchrone Umlaufbahn ist ein Satellitenorbit mit einer Umlaufzeit um die Erde, die der Rotationsdauer der Erde um ihre eigene Achse (23 Stunden, 56 Minuten, 4,09 Sekunden = 1 siderischer Tag) entspricht. Seine Bodenspur auf der Erde ist eine geschlossene Kurve (Analemma), bei einem ideal geostationären Satelliten ein Punkt. Die große Halbachse der Umlaufbahn beträgt immer 42.157 km.

Inhaltsverzeichnis

Orbitklassen

Geneigte Umlaufbahn

IGSO-Bahnen mit 30° und 63,4° Bahnneigung.

Geosynchrone Umlaufbahnen besitzen Inklinationswinkel zwischen 0° (geostationär) über 90° (Polarbahn) bis 180° (Gegenläufigkeit zur Erddrehung) und heißen geneigter geosynchroner Orbit, Englisch inclined geosynchronous orbit (IGSO).

Geneigte Umlaufbahnen mit geringer Bahnneigung werden unter dem Namen Inclined-Orbit von vormaligen geostationären Nachrichtensatelliten benutzt, um ihre Lebensdauer bei fast erschöpften Treibstoffreserven zu verlängern. Weil dann jedoch ihre Position am Himmel schwankt, sind solche Satelliten nur noch mit professionellen Antennen mit Antennennachführung empfangbar.

Hochelliptische Orbits großer Inklination heißen auch Tundra-Orbits.

QZSS-Satellitenspur über Japan und Australien.

Das Quasi-Zenith-Satellite-System (QZSS) bezeichnet ein System aus drei Satelliten, das für die Verbesserung des GPS-Empfangs in Japan geplant war. Satelliten auf einer 45° geneigten Bahn, einer Exzentrizität von 0,09 und einem Perigäumswinkel (Argument des Perigäums) von 270° stehen acht Stunden lang fast senkrecht über der Insel.

Geostationäre Umlaufbahn

Ausleuchtungszone eines geostationären Satelliten

Der Sonderfall einer kreisförmigen Umlaufbahn, deren Bahnneigung Null ist, und die in Richtung nach Osten orientiert ist, heißt geostationär. Die Bahngeschwindigkeit beträgt dabei stets 3.075 Meter pro Sekunde (11.070 km/h), der Bahnradius 42.157 km, was einem Abstand von etwa 35.786 km über der Erdoberfläche entspricht.

Von der Erde aus betrachtet scheint ein geostationärer Satellit am Himmel still zu stehen, da sich der Beobachter auf der Erde mit der gleichen Winkelgeschwindigkeit bewegt wie der Satellit. Deswegen wird diese Umlaufbahn häufig für Fernseh- und Kommunikationssatelliten verwendet. Die Antennen auf dem Boden sind fest auf einen bestimmten Punkt ausgerichtet, und jeder Satellit deckt stets das gleiche Gebiet der Erde ab.

Formeln

Um einen Körper der Masse m mit der Winkelgeschwindigkeit ω auf einer Kreisbahn mit dem Radius r zu halten, ist eine Zentripetalkraft der Stärke

\!\ F_1 = m \omega^2 r

erforderlich. Auf einer Kreisbahn um einen Planeten ist die Schwerkraft (näherungsweise) die einzig wirkende Kraft. Im Abstand r – vom Mittelpunkt des Planeten ausgehend – kann sie mit der Formel

F_2 = \frac{G M m}{r^2}

berechnet werden. Dabei bezeichnet G die Gravitationskonstante und M die Masse des Planeten.

Da die Schwerkraft also die einzige Kraft ist, die den Körper auf der Kreisbahn hält, muss ihr Wert der Zentripetalkraft entsprechen. Es gilt also:

\!\ F_1 = F_2

Es ergibt sich durch Einsetzen:

m \omega^2 r = \frac{G M m}{r^2}

Auflösen nach r ergibt:

r = \sqrt[3]{G \frac{M}{\omega^2}}

Die Kreisfrequenz ω ergibt sich aus der Umlaufdauer t als:

\omega = \frac {2 \pi}{t}

Einsetzen in die Formel für r ergibt:

r = \sqrt[3]{\frac{G}{4 \pi^2} M t^2}

Diese Formel bestimmt nun den Radius der geostationären Umlaufbahn eines Massenschwerpunktes vom Mittelpunkt des betrachteten Planeten ausgehend. Um die Entfernung der Bahn von der Oberfläche des Planeten – also beispielsweise die Höhe eines geostationären Satelliten über der Erdoberfläche – zu erhalten, muss dessen Radius vom Ergebnis subtrahiert werden. Somit haben wir einfach:

h = \sqrt[3]{\frac{G}{4 \pi^2} M t^2} - R_P

wobei RP den Radius des Planeten bezeichnet.

Geschichte

Umlaufgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Bahnhöhe

Im 1928 erschienenen Buch Das Problem der Befahrung des Weltraums – der Raketenmotor von Herman Potočnik findet sich die erste Veröffentlichung der Idee eines geostationären Satelliten.

Im Jahr 1945 schlug der Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke vor, Satelliten auf einer geostationären Umlaufbahn zu positionieren. Mit drei Satelliten, jeweils um 120° versetzt, wäre eine Radiokommunikation weltweit möglich. Er nahm an, dass innerhalb der nächsten 25 Jahre Satelliten dort positioniert werden könnten. Mit Syncom 2 in der Geosynchronen- und Syncom 3 in der geostationären Umlaufbahn wurde seine Idee im Jahr 1963 und 1964 nach nur ca. 19 Jahren verwirklicht.

Das Bild rechts zeigt das Diagramm, in dem Clarke seine Überlegungen in der Zeitschrift Wireless World zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellte [1].

Siehe auch

Quellen

  1. The 1945 Proposal by Arthur C. Clarke for Geostationary Satellite Communications

Weblinks


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