Geschichte Australiens

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Geschichte Australiens

Die Geschichte Australiens beschreibt die Geschichte des Gebiets des heutigen australischen Bundes von der Zeit der ersten menschlichen Besiedlung an.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Bevölkerung

Wann die Besiedlung Australiens durch Menschen begann, ist bis heute umstritten. Gew√∂hnlich wird sie zwischen 60.000 und 32.000 v. Chr. angesetzt, einige wenige Forscher m√∂chten auch das Aussterben der Megafauna um 130.000 v. Chr. auf menschliche Einwirkung zur√ľckf√ľhren. Australien ist seit der sp√§ten Kreidezeit (ca. 70 Millionen Jahre) vom asiatischen Festland isoliert, auch im Pleniglazial (ca. 18.000 v. Chr.), als der Meeresspiegel 130 m niedriger war als heute, war Australien zwar mit Neuguinea und einigen anderen Inseln zum Sahul-Kontinent verbunden, es bestand aber keine Landbr√ľcke nach Sunda[1].

Die ältesten menschlichen Überreste in Australien sind die von Mungo Man und Mungo Lady, die beide auf etwa 40.000 Jahre datiert werden und im Mungo-Nationalpark im Bundesstaat New South Wales gefunden wurden. Aus anderen Fundorten sind etwa gleichalte Artefakte bekannt [2]

Im Jahre 2005 wurden 457 menschliche Fu√üabdr√ľcke aus der letzten Eiszeit im Mungo-Nationalpark entdeckt. Die Spuren entstanden vor 19.000 bis 23.000 Jahren im feuchten Lehmboden am Willandra-See.

Am Lake Condah, s√ľdwestlich des Mount-Eccles-Nationalpark, wurden in den 1990er Jahren √úberreste alter Steinbauten gefunden.

Trotz der isolierten Lage des Kontinents standen die Aborigines in Kontakt zu anderen Kulturen. Bis zur √úberflutung der Landbr√ľcke zu Neuguinea vor ungef√§hr 6000 Jahren bestand ein fast ungehinderter kultureller Austausch zwischen Neuguinea und dem Norden Australiens. Nachdem die neu entstandenen Inseln der Torres Strait vor etwa 1000 Jahren durch melanesische Seefahrer besiedelt wurden, kam es erneut zu Interaktionen mit Bewohnern des n√∂rdlichen Australien. Auch chinesische und indische H√§ndler sowie indonesische Fischer besuchten vermutlich die australischen K√ľsten seit mehreren Jahrhunderten. Der kulturelle Einfluss dieser Besucher wird in vielen Fels- und Rindenmalereien der Aborigines deutlich. Ein weiteres Zeugnis dieser Handelsbeziehungen ist der Dingo, der wahrscheinlich vor etwa 6000 Jahren durch s√ľdostasiatische Seefahrer eingef√ľhrt wurde.

Terra Australis

Einen Kontinent im S√ľden vermutete man bereits in der Antike. Den sp√§ter ins Latein √ľbersetzten Begriff Terra australis incognita pr√§gte Claudius Ptolem√§us f√ľr das unbekannte S√ľdland. Durch die gro√üen Entdeckungsfahrten der Neuzeit begann ein Ansturm auf diese sagenumwobene, unentdeckte Landmasse im Stillen Ozean. Er war jedoch wesentlich kleiner als vermutet.

Marco Polos Berichte von Australien

1292 segelte Marco Polo angeblich von China wieder zur√ľck nach Venedig und berichtete √ľber ein Land, das voll mit Gold und Muscheln war und s√ľdlich von Java gelegen sei. Er nannte es ‚ÄěGro√ü-Java‚Äú. Auch gab es Berichte, dass den Chinesen dieses s√ľdliche Land bereits bekannt war. Ein chinesischer Kaiser soll im Besitz eines Tieres gewesen sein, das nur zwei Beine und den Kopf eines Rehs hatte. Am Bauch allerdings habe es einen zweiten Kopf besessen. Diese Beschreibung erinnert stark an ein K√§nguru mit Jungtier im Beutel.

Die ersten Landungen

Erkundungen europäischer Entdecker bis 1812

Spanische Seefahrer erreichten im 16. und 17. Jahrhundert die K√ľsten und gingen an Land. Die Weltkarte, die Jean Rotz aus dem franz√∂sischen Dieppe im Jahr 1542 in englischem Auftrag anfertigte, zeigt das Gro√ü-Java (The Lande of Java) Marco Polos. Diese hat √Ąhnlichkeit mit der heutigen Karte von Australien und zeigt zum Beispiel die Kap-York-Halbinsel im Nordosten.

Entdeckungen und Expeditionen der Niederländer

Im Jahre 1606 strandete Willem Jansz an der Nordspitze des heutigen Queensland. Weitere Holl√§nder (allen voran Dirk Hartog) erreichten zwischen 1616 und 1640 Australien. Beispielsweise strandete im Juli 1629 das Handelsschiff Batavia der Niederl√§ndischen Ostindien-Kompanie an der Westk√ľste, aber dessen Kapit√§n Fran√ßois Pelsaert ma√ü der Entdeckung keine entscheidende Bedeutung zu.

Erst im Jahre 1642 entschloss sich die Niederl√§ndische Ostindien-Kompanie, den Kontinent durch eine geplante Expedition zu erforschen. Diese f√ľhrte zur Entdeckung Tasmaniens durch Abel Tasman. Eine weitere Expedition, die im Jahre 1696 unter Willem de Vlamingh begann, kartografierte Teile der Westk√ľste Australiens. Die Holl√§nder hatten aber kein Interesse an der Kolonisierung Australiens.

Siehe auch: Liste der europäischen Entdecker Australiens

Die Kolonialisierung

Am 28. April des Jahres 1770 erreichte schlie√ülich Kapit√§n James Cook die Ostk√ľste Australiens und nahm das Land formell als New South Wales f√ľr die britische Krone in Besitz. Der Zweck seiner Reise war das Auffinden der sogenannte Terra Australis, die nach einer in dieser Zeit g√§ngigen Theorie als Gegengewicht zu den Landmassen im Norden der Erdkugel vorhanden sein m√ľsse.

Nachdem die USA von Gro√übritannien unabh√§ngig geworden waren, suchte die britische Regierung nach neuen M√∂glichkeiten, Kolonien f√ľr ihre Str√§flinge einzurichten. Am 26. Januar 1788 trafen daher die ersten elf Schiffe der First Fleet (‚ÄěErsten Flotte‚Äú) mit rund 1000 Frauen und M√§nnern, darunter gut drei Viertel Str√§flinge, unter der F√ľhrung von Arthur Phillip im Port Jackson ein. Die neue Ansiedlung erhielt den Namen Sydney, zu Ehren des damaligen britischen Innenministers Lord Sydney. Zun√§chst fiel es der Kolonie schwer sich selber zu versorgen, weswegen Handel mit den ans√§ssigen Aborigines, wie Darug und Eora betrieben wurde. Ein gefangengenommener Aborigine, Bennelong, diente dabei als Vermittler. Mit den Strafgefangenen wurden auch Krankheiten eingeschleppt; 1789 starben mehr als 50 % der Darug an einer Pockenepidemie. Durch die Ausbreitung der Siedler auf dem Kontinent kam es zunehmend zu Konflikten mit den Aborigines um den Zugang zu Land und Nahrungsquellen.

Insgesamt wurden etwa 160.000 Sträflinge nach Australien gebracht. Erst im Jahre 1868 gab man die Deportation von Sträflingen ganz auf.

Entstehung von neuen Kolonien in Australien

Bundesstaaten und Territorien im Laufe der Zeit

1792 landete eine französische Expedition auf Tasmanien, um das Land zu erkunden. Daraufhin entschieden sich die Briten, auch hier möglichst schnell eine Kolonie einzurichten. 1803 errichteten sie Risdon Cove am Derwent River, ein Jahr später Hobart Town, ebenfalls am Derwent, und George Town am Tamar River. 1825 wurde das damalige Van-Diemens-Land zu einer eigenständigen Kolonie erklärt.

1788 wurde die erste Str√§flingskolonie in New South Wales angelegt. 1824 entstand eine neue Strafkolonie in der M√ľndung des Brisbane River. Die Abgeschiedenheit dieser Lage sollte die Sicherheit der Kolonie erh√∂hen. Nachdem jedoch auch freie Siedler verst√§rkt zu den fruchtbaren Weidegr√ľnden des Nordens dr√§ngten, gab die Kolonie das Land 1842 auch zur Besiedlung frei. 1859 wurde Queensland als von New South Wales unabh√§ngige Kolonie ausgerufen.

1835 handelten tasmanische Gesch√§ftsleute dem Aborigine Billibellary mit Batman's Treaty 2.400 km¬≤ in der Gegend des heutigen Melbourne ab und gr√ľndeten Port Phillip. Obwohl dieser Handel als illegal galt, weil es dem Konzept von Terra Nullius widersprach, also dem Konzept dass das Land niemanden geh√∂re, gab die Kolonief√ľhrung dem Druck der wachsenden Bev√∂lkerung nach und musste auch hier das Land offiziell zur Besiedlung freigeben. 1851 separierte sich die neue Kolonie Victoria offiziell von New South Wales.

Die Kolonie New South Wales nahm zun√§chst den gesamten √∂stlichen Teil des Kontinents ein, nur das westliche Drittel blieb weiterhin als Neuholland von den Briten unbeansprucht. Um die Gefahr einer Kolonisierung Westaustraliens durch Frankreich zu verhindern, gr√ľndeten die Briten 1826 auch hier eine Siedlung, Albany. Die Kolonie Western Australia wurde 1829 mit Gr√ľndung von Perth ausgerufen. Obwohl urspr√ľnglich keine Str√§flinge hierher verschickt werden sollten, forderten die freien Siedler 1850 die Aufhebung dieser Praxis, um die neue Kolonie mit billigen Arbeitskr√§ften auszustatten.

Auch South Australia sollte als str√§flingsfreie Kolonie entstehen. Im Zuge der ‚Äěsystematischen Kolonisierung‚Äú nach Pl√§nen von Edward Gibbon Wakefield wurde Land verkauft und die Erl√∂se darauf verwandt, freie Siedler in die Kolonie zu bringen. 1836 wurde Adelaide gegr√ľndet und im selben Jahr South Australia als Provinz Gro√übritanniens ernannt.

Zur selben Zeit nahm die Zahl der Konflikte zwischen Siedlern und Aborigines zu; und es kam zu einer Welle von Massakern. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden den Aborigines deswegen Protektorate zugewiesen, in denen sie in festen Siedlungen Ackerbau und Viehwirtschaft betreiben sollten. Die Protektorate wurden von Chief Protectors verwaltet, die umfangreiche Rechte hatten, zum Beispiel konnten sie √ľber den Verbleib der Kinder entscheiden. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts und bis in die 1970er Jahre wurden insbesondere Kinder mit wei√üen Elternteilen zwangsweise entfernt, um sie in Missionen und Heimen zu assimilieren. Der National Sorry Day erinnert heute an diese Gestohlenen Generationen.

Verlauf der Erkundung von Australien

Burke und Wills erreichen Cooper Creek. Gemälde von John Longstaff

Die Kartierung der K√ľste setzte sich bis ins neunzehnte Jahrhundert fort. 1801‚Äď1803 umsegelte Matthew Flinders als erster den gesamten Kontinent.

W√§hrend der Kolonialzeit wurde durch zahlreiche Expeditionen das Hinterland zug√§nglich gemacht und f√ľr die weitere Besiedlung erkundet. Viele Jahre lang wurde eine Expansion der Kolonie nach Westen durch die als unpassierbar geltende Great Dividing Range verhindert. Ungeachtet dessen f√ľhrte Gregory Blaxland 1813 eine Expedition √ľber die Blue Mountains, die den Weg f√ľr weitere kleine Expeditionen ins Landesinnere ebnete.

Im Jahre 1824 fanden Hamilton Hume und William Hovell auf ihrer Expedition, die auf Vorschlag von Gouverneur Thomas Brisbane stattfand, erstmals einen Weg von New South Wales bis Victoria nach Port Phillip. Damit wurde die Besiedlung des Hinterlands erm√∂glicht und im Verlauf dieser Expedition entdeckten sie die Fl√ľsse Murray und Murrumbidgee.

Charles Sturts Expedition zur M√ľndung des Murray von 1829 bis 1830 √∂ffnete den S√ľden Australiens f√ľr die weitere Besiedlung. Au√üerdem zeigte sie, dass entgegen fr√ľheren Annahmen die gro√üen Fl√ľsse des australischen S√ľdostens nicht in einen gro√üen Inlandsee m√ľnden. Diese falsche Annahme hatte zuvor zahlreiche Expeditionen zur Suche nach diesem Wasserreservoir inspiriert, die h√§ufig unter extremen Umst√§nden durchgef√ľhrt wurden.

Thomas Mitchell machte 1836 eine bedeutende Entdeckung, f√ľr die er 1837 zum Ritter geschlagen wurde. Er f√ľhrte eine Expedition entlang des Lachlan River zum Murray und anschlie√üend zur s√ľdlichen K√ľste, wo er das bis dahin fruchtbarste Weideland Australiens entdeckte.

Ludwig Leichhardt erkundete in mehreren Expeditionen ab 1842 das australische Landesinnere. Seit 1848 gilt er als verschollen. Auch Robert O'Hara Burke und William John Wills starben, als sie 1860‚Äď1861 eine Expedition von Melbourne an den Golf von Carpentaria leiteten. John McDouall Stuart gelang es nach mehreren Anl√§ufen Australien von Adelaide nach Darwin und wieder zur√ľck zu durchqueren.

Weitere bedeutende Entdeckungsexpeditionen durch Australien wurden von den Geschwistern John und Alexander Forrest durchgef√ľhrt. Sie erkundeten 1870 eine Landroute von Perth nach Adelaide und 1874 von Geraldton die zentralen W√ľstengebiete einschlie√ülich der Gro√üen Victoria-W√ľste.

Die Entstehung der australischen Nation

Die Eureka Stockade Flagge

Nord√∂stlich von Melbourne wurde am 22. August 1851 in Victoria Gold gefunden. Der Goldrausch pr√§gte die weitere Geschichte Australiens. Die Wirkung des Goldes auf Australien war so gro√ü, dass eine v√∂llig neue √Ąra anbrach. Edward Hargraves, der gerade von den kalifornischen Goldfeldern zur√ľckgekehrt war, l√∂ste den gro√üen Goldrausch aus. Sein geschulter Blick erkannte sofort, wo Gold zu finden war, sobald Nachrichten von neuen Funden bekannt wurden, setzten sich Z√ľge von Goldsuchern (Diggers) in Bewegung. Gold wurde vor allem in Ballarat, Castlemaine und Bendigo und sp√§ter auch in Queensland und West-Australien gesch√ľrft. T√§glich kamen neue Schiffe mit neuen Goldgierigen aus Gro√übritannien, USA und China. Sie alle lebten erst in Zeltst√§dten um die Fundstellen und gr√ľndeten zahlreiche kleine neue Ortschaften. Durch den Goldrausch stellte die britische Regierung die Gefangenentransporte ein, denn seit alle Welt von Australien und Reichtum tr√§umte, war es keine Strafe mehr, dorthin verbannt zu werden.

Minenarbeiter in Ballarat initiieren im November 1854 den Eureka-Stockade-Aufstand, den einzigen bewaffneten Aufstand der australischen Geschichte. Die Aufst√§ndischen forderten demokratische Reformen, der Aufstand wurde allerdings am 3. Dezember 1854 endg√ľltig von britischen Milit√§rs und lokalen Polizeikr√§ften niedergeschlagen.

Traditionell haben Goldfunde auch immer Chinesen angelockt. Im Jahre 1857 arbeiteten 24.000 Chinesen auf den Goldfeldern in Victoria. Seit Beginn ihrer Ankunft wurden sie von den Weißen mit Distanz und Skepsis betrachtet. Viele von ihnen wurden Opfer von gewalttätigen Attacken und Brandstiftungen. Im Jahre 1901 wurde die Einwanderung von Nicht-Europäern gesetzlich verboten (White Australia Policy). Erst 1973 wurde dieses Gesetz durch ein nicht-diskriminierendes ersetzt.

Zwischen 1855 und 1890 erhielten die einzelnen Kolonien das Privileg des Responsible Government und damit eine gr√∂√üere Unabh√§ngigkeit vom britischen Empire. London behielt allerdings vorerst die Kontrolle √ľber Au√üenpolitik, Verteidigung und Au√üenhandel.

Nach einem gro√üen Schafschererstreik entstand 1898 Waltzing Matilda, die heimliche Nationalhymne Australiens. In den Kolonien begannen die Planungen f√ľr einen Zusammenschluss der Einzelstaaten.

Gr√ľndung des Australischen Bundes

Eröffnung des ersten Parlaments in Australien 1901

Am 1. Januar 1901 formierten sich die einst voneinander unabh√§ngigen Kolonien zum Commonwealth of Australia. Erste Hauptstadt Australiens wurde Melbourne. Hier er√∂ffnete am 9. Mai 1901 das erste Parlament des Landes. Am 26. September 1907 erhielt der Australische Bund mit dem Dominionstatus die nahezu vollst√§ndige Unabh√§ngigkeit vom Mutterland Gro√übritannien.

1911 wurde das Australian Capital Territory geschaffen, um die neue Hauptstadt Canberra aufzunehmen. Melbourne blieb aufgrund der langandauernden Bauarbeiten in Canberra aber noch bis 1927 Regierungssitz. Auch das 1863 gegr√ľndete Northern Territory wurde aus der Kontrolle der Provinz South Australia in das Commonwealth √ľberf√ľhrt.

Australien als Kolonialmacht

Deutsche Kapitulation vor australischen Streitkräften auf Neuguinea, 1914

1906 √ľbergab Gro√übritannien die Kontrolle √ľber seine Kolonie auf Neuguinea an Australien. 1914 wurde der zu Deutsch-Neuguinea geh√∂rende Teil der Insel von Australien besetzt. Schlie√ülich erhielt Australien 1919 das V√∂lkerbundmandat √ľber die vormals deutsche Kolonie. Die westliche H√§lfte Neuguineas blieb vorerst niederl√§ndisch. W√§hrend des Zweiten Weltkriegs wurde der Norden Neuguineas von 1942 bis 1945 von Japan besetzt. Auch das australische Festland war in dieser Zeit von japanischer Invasion bedroht und es erfolgten japanische Luftangriffe auf die nordwestaustralischen St√§dte Darwin und Broome.

1957 begannen die Niederlande und Australien Pl√§ne f√ľr die Unabh√§ngigkeit eines vereinigten Neuguineas in den 1970er Jahren zu entwickeln. 1961 wurde eine Versammlung in West-Papua abgehalten und ein Parlament, der Nieuw Guinea Raad, eingef√ľhrt. Indonesien, seit 1949 unabh√§ngig, marschierte daraufhin ein und begann etwas sp√§ter, die Papua aus Gebieten zu vertreiben, in denen Siedler aus Indonesien angesiedelt werden sollten. 1963 wurde West-Papua offiziell indonesische Provinz. Der √∂stliche Teil der Insel erhielt 1975 die vollst√§ndige Unabh√§ngigkeit von Australien.

Weitere Entwicklungen im 20. Jahrhundert

Landung australischer Truppen auf der Halbinsel Gallipoli 1915

Aus Loyalit√§t zu Gro√übritannien entsandte Australien Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts Truppen nach S√ľdafrika (Zweiter Burenkrieg), sowie sowohl im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg Truppen nach Europa, den Nahen Osten und nach Nordafrika. Australien hatte im Ersten Weltkrieg von allen Alliierten relativ zur Bev√∂lkerung die h√∂chste Zahl an Gefallenen zu beklagen. Die Niederlage des Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC) im ersten Milit√§reinsatz des Landes in der Schlacht von Gallipoli 1915 gilt vielen Australiern als Geburt der Nation. Nach dem Kriegseintritt Japans in den Zweiten Weltkrieg verlagerte sich der Schwerpunkt des Einsatzes australischer Truppen nach S√ľdostasien sowie zur Verteidigung der eigenen Nordk√ľste.

Mit dem Statut von Westminster von 1931 wurde den Dominions des Empire formal die Unabhängigkeit verliehen. Das australische Parlament stimmte dem aber erst 1942 zu.

Nach der britischen Niederlage in Asien 1942 und der drohenden japanischen Invasion verlagerten sich die militärischen Aktivitäten ab 1942 von Europa auf den australischen Kontinent. Australien wandte sich verstärkt den USA als neuen starken Alliierten zu. Dies wurde 1951 mit dem ANZUS-Abkommen formalisiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine progressive Einwanderungspolitik betrieben, die zur Massenimmigration aus Europa f√ľhrte, nach Aufgabe der rassistischen Einwanderungspolitik (White Australia policy) auch aus Asien und anderen Erdteilen. Dies f√ľhrte in kurzer Zeit zu starken demografischen Ver√§nderungen, aber auch zu wirtschaftlichem Aufschwung.

Australien nahm aktiv am Vietnamkrieg teil und entsandte rund 47.000 Soldaten.

Seit den 1960er Jahren erstarkte die B√ľrgerrechtsbewegung der Aborigines, die 1965 erreichte, dass Queensland als letzter Bundesstaat ihnen das Wahlrecht einr√§umte. Au√üerdem erstarkte die Landrechtsbewegung, die versuchte, das Land an ihre traditionellen Eigent√ľmer zur√ľckzuf√ľhren. Als Meilensteine gelten hierbei der Aboriginal Land Rights (Northern Territory) Act 1976 und insbesondere das Urteil zu Mabo v. Queensland (No. 2), das das Konzept von Terra Nullius zur√ľckwies.

In der Verfassungskrise von 1975 versuchte eine Mehrheit aus Liberal Party of Australia und National Party of Australia im australischen Senat den Premierminister Gough Whitlam zu einer Neuwahl des Australian House of Representatives zu dr√§ngen. Sie verschoben die Abstimmung f√ľr die Bereitstellung von Geldern f√ľr finanzielle Aufwendungen der Regierung. Premierminister Whitlam erteilte diesen Forderungen immer wieder eine Absage. Als sich die Lage zuspitzte, entlie√ü der Generalgouverneur von Australien John Kerr die Regierung am 11. November 1975 und ernannte Malcolm Fraser zum neuen Premierminister.

1986 gab Gro√übritannien mit dem Australia Act die letzten Kompetenzen bez√ľglich der australischen Verfassung ab. Am 6. November 1999 stimmte die Bev√∂lkerung in einem Referendum mit einer Mehrheit von 55 Prozent jedoch gegen die Schaffung einer Republik und blieb somit formal eine konstitutionelle Monarchie unter Elisabeth II..

Entwicklungen im 21. Jahrhundert

2001 wurde eine zehnprozentige Konsumsteuer auf alle G√ľter und Dienstleistungen eingef√ľhrt, die Goods and Services Tax (GST). Sie sollte viele Bagatellsteuern ersetzen.

2004 gewann die national-liberale Koalitionsregierung von Premierminister John Howard, der als Bef√ľrworter des Irakkrieges, als Gegner von Klimaschutzma√ünahmen wie dem Kyoto-Protokoll, durch eine restriktive Einwanderungspolitik (u. a. Errichtung von Sammellagern auf Nauru) und durch forcierten Sozialabbau die Gesellschaft stark polarisierte, erneut die Parlamentswahlen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren vergleichsweise gut.

Im Dezember 2005 kam es bei den Cronulla Riots in einem Vorort Sydneys zu rassistisch motivierten Krawallen zwischen weißen und libanesischstämmigen Australiern.

Im Herbst 2007 verlor die Regierung von John Howard die Parlamentswahlen und Kevin Rudd wurde Premierminister einer Labour-Regierung. Die neue Regierung verk√ľndete eine neue Richtung in der Sozial- und Umweltpolitik, setzt auf eine verst√§rkte Zusammenarbeit mit den pazifischen Nachbarn und entschuldigte sich erstmals offiziell bei den Aborigines f√ľr das ihnen durch wei√üe Australier zugef√ľgte Unrecht, was Howard stets abgelehnt hatte.

Herkunft der Australier

Ethnische Gruppe 1787 1846 1861 1890 1947 1988
Ureinwohner 100 % 41,5 % 13,3 % 3,4 % 0,8 % 1,0 %
Briten und Iren - 57,2 % 78,1 % 86,8 % 89,7 % 74,6 %
Andere Europ√§er - 1,1 % 5,4 % 7,2 % 8,6 % 19,3 %
Asiaten - 0,3 % 3,1 % 2,3 % 0,8 % 4,6 %
Andere - - 0,1 % 0,3 % 0,1 % 0,5 %

Literatur

  • Geoffrey Blainey: Triumph of the Nomads. A History of Ancient Australia, Macmillan, London 1976 ISBN 0-333-17583-2
  • Stuart Macintyre: A Concise History of Australia. Cambridge University Press, 2004.
  • J. Allen, J. Golson, R. Jones (Hrsg.): Sunda and Sahul: prehistoric studies in Southeast Asia, Melanesia and Australia. Academic Press, London 1977.
  • Johannes H. Voigt: Geschichte Australiens. Kr√∂ner, Stuttgart 1988.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Jim Allen, Jack Golson, Rhys Jones (Hrsg.), ,Sunda and Sahul. London: Academic Press
  2. ‚ÜĎ J. Balme, Excavations revealing 40, 000 years of occupation at Mimbi Caves in south central Kimberley of Western Australia. Australian Archaeology 51, 2000, 1‚Äď5.

Weblinks

 Commons: History of Australia ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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