Geschichte Bulgarien

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Geschichte Bulgarien
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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Geschichte Bulgariens von den Ureinwohnern bis zur Gegenwart. Dabei wird auch auf historischen Ereignissen eingegangen, die sich aus historischen Entwicklungen heute in angrenzenden Gebieten befinden.

Inhaltsverzeichnis

Vor der Staatsgr√ľndung

Antike

Thrakische Kunst. Rhyton aus dem Goldschatz von Panagjurischte

Das Territorium des heutigen Bulgarien ist bereits seit der Steinzeit besiedelt. Ein 1972 im Gr√§berfeld von Warna gefundener Goldschatz wird auf die Zeit zwischen 4600 v. Chr. und 4200 v. Chr. datiert und gilt damit als √§lteste derartige Ausgrabung weltweit. Die in der Bronzezeit hier lebenden Thraker wurden bereits von Homer erw√§hnt. Au√üerdem besiedelten Makedonier das Gebiet. Vom 11. bis 6. Jahrhundert v. Chr. bestand ein erstes thrakisches Staatsgebilde, welches im 7. Jahrhundert v. Chr. seine Bl√ľte erlebte.

29 v. Chr. wurde die Region von Rom erobert, wobei sich die Provinzen Macedonia, Thracia, Moesia und Dacia auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien erstreckten. Die Thraker wurden romanisiert und nach der Teilung des R√∂mischen Reichs verblieben sie im 5. Jahrhundert bei Byzanz. Nach der slawischen Besiedlung der Balkanhalbinsel ab dem 7. Jahrhundert (Landnahme der Slawen auf dem Balkan) verschmolz die verbliebene romanische und griechische Bev√∂lkerung (siehe dazu auch den Artikel Jireńćek-Linie) allm√§hlich mit den Neuank√∂mmlingen. √úbrig blieben vereinzelte Gruppen von romanischsprachigen Walachen (Rum√§nen im Nord-Westen und Aromunen im S√ľden) und Griechen (entlang der Schwarzmeerk√ľste).

Großbulgarisches Reich

Das alte Gro√übulgarische Reich, wie es von byzantinischen Gelehrten genannt wurde (griech. őó ŌÄőĪőĽőĪőĻőĪ őľőĶő≥őĪőĽő∑ őíőŅŌÖőĽő≥őĪŌĀőĻőĪ; megale Boulgaria - ‚ÄěGro√übulgarien‚Äú), entstand, nach der Befreiung von der Herrschaft der G√∂kt√ľrken um 632, als milit√§risches V√∂lkerb√ľndnis unter Khan Kubrat zwischen Kuban und dem Asowschem Meer. Im Jahr 635 schloss Kubrat einen Friedensvertrag mit dem byzantinischem Kaiser Herakleios. Um 654 teilte sich Gro√übulgarien in drei Teile, die Reiche der sogenannten Schwarzen, Wei√üen und Blauen Bulgaren, auf.

Erstes Bulgarisches Reich

‚Üí Hauptartikel: Protobulgaren

Territoriale Ausdehnung Bulgariens unter Khan Krum
Das Bulgarische Reich unter Simeon
Donaubulgarien, Wolgabulgarien und Europa um das Jahr 1000

Wird auch das ‚ÄěDonaubulgarische Reich‚Äú oder ‚ÄěReich der Blauen Bulgaren‚Äú genannt. In der 2. H√§lfte des 7. Jahrhunderts kam es zum Zerfall des Gro√übulgarischen Reiches der Protobulgaren in den Nordosten des Schwarzen Meers. Der √§lteste Sohn Kubrats, Khan Batbajan musste sich den Chasaren unterwerfen. Im Zuge des Krieges gegen die Chasaren zog Khan Asparuch, der dritte Sohn des Khan Kubrats, mit seinem Volk Richtung S√ľdwesten zur Donau. Dort verb√ľndeten sich die Bulgaren 679 mit den Slawen gegen Byzanz und bildeten unter Khan Asparuch ein weiteres bulgarisches Reich. Als Hauptstadt wurde sp√§ter die slawische Festung Pliska gew√§hlt.

Im Sommer des Jahres 680 unternahm der byzantinische Kaiser Konstantin IV Pogonatos einen Feldzug gegen die Bulgaren. Der Krieg endete 681 mit einem Friedensvertrag, der faktisch den neuen Staat Bulgarien anerkannte. Dar√ľber hinaus regelte der geschlossene Vertrag die neuen Staatsgrenzen, ein Flottenmoratorium und eine Tributpflichtigkeit Konstantinopels. Somit wurde Bulgarien zum dritten anerkannten Staat in Europa und einer der wenigen dem das Ostr√∂mische Reich tributpflichtig war.

Das Territorium des Reiches wurde unter Asparuchs Nachfolger Khan Terwel (700‚Äď721) betr√§chtlich erweitert. In dieser Zeit entwickelte sich Bulgarien zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft. Unter Khan Krum (803‚Äď814) erstreckte sich der Staat vom Reich Karls des Gro√üen im Westen bis an die Mauern Konstantinopels im Osten. Zur seiner Zeit vernichteten die Franken aus dem Nordwesten und die Bulgaren aus dem Osten das Awarische Khanat. Bulgarien wurde damit zu einem der drei m√§chtigsten Staaten Europas und erweiterte sein Gebiet im Norden bis zur Thei√ü und im Osten bis zum Fluss Dnister (in der heutigen Ukraine). Reformen nach byzantinischem Muster st√§rkten die Stellung des Herrschers und beseitigten den Einfluss des konkurrierenden bulgarischen Adels (dadurch Slawisierung des Staates).

Nachdem F√ľrst Boris I. Michail (852‚Äď889) im Jahr 864 das Christentum zur offiziellen Religion erkl√§rte, verschwanden nach und nach die ethnischen Unterschiede zwischen Slawen und Protobulgaren und es bildete sich eine bulgarische Nationalit√§t heraus. Seit der Christianisierung bis 1018 entwickelte sich in Bulgarien eine Hochkultur. Am Ende des 9. Jahrhunderts entwarfen die aus Thessaloniki stammenden Br√ľder Hl.Kyrill und Hl.Methodius das erste slawische Alphabet (Glagolica) und √ľbersetzten als erste das Neue Testament in eine heute Altbulgarische genannte Sprache. 893 wurde in einem Konzil der Bulgarischen Kirche Altbulgarisch als Liturgiesprache eingef√ľhrt. Am Hof der bulgarischen Zaren reformierte einer ihrer Sch√ľler, Hl. Kliment von Ohrid das Altbulgarische Alphabet. Unter seiner Leitung wurde auch die erste bulgarische Universit√§t von Kliment von Ohrid in Ohrid gegr√ľndet. Er war aber vor allem Missionar und Schriftsteller und leistete einen entscheidenden Beitrag zur Entstehung der slawischen Literatur. Auch die typisch bulgarische Kirchenmusik begann sich in dieser Zeit zu entwickeln.

Zar Simeon I., der dem Beinamen der Gro√üe trug, (893‚Äď927) machte Weliki Preslaw zur Hauptstadt um mit den alten heidnischen Traditionen komplett zu brechen. Ohrid und Pliska sowie die neue Hauptstadt Weliki Preslaw wurden zu Zentren des Goldenen Jahrhunderts der slawischen Kultur. W√§hrend seiner Regierungszeit, Wahrscheinlich in der Schule von Preslaw wurde ein eigenes Alphabet das kyrillische Alphabet entwickelt und eingef√ľhrt. Zar Simeon I. der Gro√üe gr√ľndete die Bulgarische Patriarchalkirche. Unter ihm wurde Bulgarien zu einem der m√§chtigsten Staaten Europas, dessen Gebiet fast die gesamte Balkanhalbinsel umfasste und im Norden an dem Fluss Thei√ü grenzte.

Unter Zar Peter I. und Zar Boris II. verringerte sich die Macht durch innere Streitigkeiten, 963/69 spaltete sich ein Westbulgarisches Reich ab. Im Jahr 971 eroberte Byzanz das ostbulgarische Restreich, und die Hauptstadt wurde nacheinander nach Sredez, Skopje, Prespa, Bitola und Ohrid verlegt. Unter dem Zar Samuil (976‚Äď1014) wurde Ohrid Hauptstadt des bulgarischen Samuil-Reiches. Nach der Niederlage des Heeres von Samuil 1014 und Iwan Wladislaws im Jahr 1018, konnte Basileios II. ganz Bulgarien unter Knjaz Presian II. 1018 Byzanz unterwerfen.

Zweites Bulgarisches Reich

Bereits 1040 kam es unter Peter Deljan zu einem Aufstand, der unter Beteiligung der War√§gergarde, in welcher der sp√§tere norwegische K√∂nig Harald Hardr√•de Mitglied war, niedergeschlagen wurde. Peter Deljan behauptete, Nachkomme des gro√üen bulgarischen Zaren Samuil zu sein, der von Basileios II. 1014 besiegt worden war. Ein weiteren Restaurationsversuch fand unter Konstantin Bodin der sich 1072 mit seinem Vater an der Spitze eines Aufstandes gegen Byzanz im heutigen Mazedonien teilnahm und sich in Prizren zum bulgarischen Zaren kr√∂nen lie√ü. Er geh√∂rte m√ľtterlicherseits der Dynastie der Komitopuli.

Im Gebiet zwischen Balkan und Donau waren die von den Br√ľdern Asen und Peter gef√ľhrten Aufst√§nde 1185-1187 erfolgreich und gipfelten 1186 in der Errichtung des Zweiten Bulgarischen Reiches. Dem zweiten Bulgarischen Reich gelang es, wieder neue H√∂hepunkte zu erreichen. Da die ersten Herrscher aus dem Haus Asen stammten wurde das Reich anfangs auch als ‚ÄěReich der Asenen‚Äú oder ‚ÄěAsenidenreich‚Äú genannt. Das Zentrum der Bewegung war die Stadt Tarnowo, die daher die vierte Hauptstadt wurde. In den folgenden Jahrzehnten konnte Bulgarien die Schw√§che des Byzantinischen Reiches ausnutzen, das nach der Eroberung Konstantinopels durch die Lateiner 1204 schlie√ülich in mehrere Teilstaaten zerfiel.

Zwischen 1197 und 1207 war Kalojan, der j√ľngere Bruder Peters und Asens, Zar Bulgariens. Durch die milit√§rischen Erfolge des Zaren, festigt sich der Staat. Um sich byzantinischer Einfl√ľsse entgegenzusetzen, schloss er einen Bund mit Papst Innozenz III. Bulgarien sollte zur r√∂misch-katholischen Kirche √ľbertreten, im Gegenzug wurde Kalojan der Titel ‚ÄěRex‚Äú verliehen. Der Bund war jedoch nur von kurzer Dauer. Kalojan Truppen zogen erfolgreich gegen die Ritter des Vierten Kreuzzuges. Ihm gelang am 14. April 1205 einen Teil des Kreuzritterheeres in der Schlacht von Adrianopel zu schlagen und den Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches Balduin von Flandern gefangen zu nehmen.

Bulgarien unter Iwan Asen

Zar Iwan Asen II. regierte von 1218‚Äď1241. Seine Herrschaft war durch eine Reihe milit√§rischer Erfolge und seine diplomatischen F√§higkeiten gepr√§gt. In Folge dessen und nach der siegreiche Schlacht von Klokotnitsa am 9. M√§rz 1230 dehnte sich der bulgarische Staat wieder √ľber ein gro√ües Territorium zwischen das Schwarze Meer im Osten, an das Adriatische im Westen und das √Ąg√§ische Meer im S√ľden, an die Karpaten und den Fluss Dnestr im Norden und Nordosten. Somit stieg Bulgarien wieder zur st√§rksten Macht auf der Balkanhalbinsel auf.

Seit der R√ľckeroberung Konstantinopels durch die Byzantiner (1261) kam es wieder zu verst√§rkten Auseinandersetzungen mit Byzanz, aber auch mit Ungarn, und seit Ende des 13. Jahrhunderts erwuchs dem Bulgarischen Reich im aufstrebenden Serbien ein ernsthafter Konkurrent an der Westgrenze. Im 14. Jahrhundert spaltete sich das Bulgarische Reich in mehrere voneinander unabh√§ngige Staaten und F√ľrstent√ľmer - in das Tarnower K√∂nigreich, das kleinere K√∂nigreich von Widin und das F√ľrstentum Dobrudscha. Mit dem Niedergang von Byzanz w√§hrend der t√ľrkischen Eroberungen wurde auch Bulgarien ein Teil des erstarkenden t√ľrkischen Reichs der Osmanen.

Die Schule von Tarnowo steht stellvertretend f√ľr die bulgarische Kunst w√§hrend der Zeit des zweiten Bulgarenreichs, als Architektur, Kunst und Literatur, Musik und geistliches Leben eine rege Entwicklung erlebten. Nach dem Fall Bulgariens wanderten bulgarische Schriftgelehrte, Architekten, Maler und Bauhandwerker aus den Gebieten von Tarnowo, Widin, Dobrudscha in den umliegende L√§nder aus und beeinflussten dort die kulturelle Entwicklung erheblich, so in Serbien, der Walachei, der Moldau, Transsilvanien und Russland.

Osmanische Herrschaft und Unabhängigkeit

L√ľckenhaft In diesem Abschnitt¬†fehlen folgende wichtige Informationen: 500 Jahre mit nur wenigen S√§tzen abgehandelt. K√∂nnte erweitert werden.

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Am Ende des 14. Jahrhunderts musste sich Bulgarien dem Osmanischen Reich unterwerfen. Nach der Schlacht an der Maritza am 26. September 1371 wurde eine vom Bulgarischen Heer unterst√ľtzte antiosmanische Koalition unter dem serbischen K√∂nig VukaŇ°in Mrnjavńćevińá von den Osmanen geschlagen. Der bulgarische Zar Iwan Schischman war gezwungen, die osmanische Souver√§nit√§t √ľber sein Reich anzuerkennen. Da Bulgarien in den n√§chsten Jahrzehnten nicht vor osmanischen Angriffen verschont blieb, k√ľndigte Zar Iwan Schischman den Vasallenstatus 1373. Dies f√ľhrte dazu, dass Bulgarien zu einem Hauptaufmarschgebiet der osmanischen Eroberer auf der Balkanhalbinsel wurde. 1378 fiel Ihtiman, dem Serdica (das heutige Sofia) 1383 folgte, 1393 wurde die Hauptstadt Tarnowo erobert, was auch dem Ende des Zweiten Bulgarischen Reiches bedeutete. Zar Iwan Schischmann der sich in Nikopol verschanzte, √ľberlebte zwar, wurde aber 1395 auf Befehl Sultan Bayezids I. hingerichtet.

1396 fiel schlie√ülich auch das letzte Bulgarische Teilreich um Widin. Hiermit begann die mehr als 500 Jahre w√§hrende Herrschaft der Osmanen. Wegen der L√§nge und der Brutalit√§t im letzten Jahrhundert dieser Herrschaft sprach man in Bulgarien bis in die 1990er Jahre hinein von einem mehr als 500 Jahre andauernden Joch. Dieses wird von einer neuen Generation von Historikern differenzierter gesehen.[1] 1404/1408-1413 brach der Erste organisierte Aufstand gegen die Eroberer. Es wurde von dem Sohn des letzten bulgarischen Zaren Iwan Strazimir, Konstantin II. Asen, angef√ľhrt und hatte die Unterst√ľtzung der serbischen und walachischen Herrscherh√§user.

1444 scheiterte eine erneute Befreiung Bulgariens durch ein polnisch-ungarisches Heer unter Wladyslaw I., König von Polen und Ungarn, das in der Schlacht bei Warna vernichtet wurde.

Die fr√ľhen Jahrzehnte waren durch sporadische unorganisierte Versuche zur Wiedererlangung der Unabh√§ngigkeit gekennzeichnet. Sp√§ter konnte sich jedoch eine gut organisierte nationale Befreiungsbewegung entwickeln. Der Niedergang des Osmanisches Reiches und die erfolglosen Kriege gegen die Habsburger l√∂sten unter anderem in Tarnowo (1598, 1686 und 1856), in Gabrowo (1686), in Tschiprowzi (1688 und 1737/1738), in Widin (1850), in Belogradtschik (1856) Aufst√§nde aus, die jedoch blutig niedergeschlagen wurden.

Nationale Wiedergeburt

Eingangs des 18. Jahrhunderts begann sich unter dem Einfluss der entstehenden bulgarischen Aufkl√§rung ein eigenes Nationalgef√ľhl zu entwickeln, welches in der Forderung nach staatlicher Unabh√§ngigkeit gipfelte. Die 1762 von dem M√∂nch Paisij Hilendarski erarbeitete Slawisch-bulgarische Geschichte gab dazu einen wichtigen Ansto√ü.

Diese Bulgarische Nationale Wiedergeburt (bulg. –í—ä–∑—Ä–į–∂–ī–į–Ĺ–Ķ) f√ľhrte zur Errichtung der selbst√§ndigen Bulgarisch-Orthodoxe Kirche und zum Erstarken bulgarischer Bildung und Kultur. Die erste weltliche Schule wurde 1835 durch die Kaufleute Wasil Aprilow (1798-1847) und Nikola Palausow (1776-1853) in ihrer Heimatstadt Gabrowo gegr√ľndet und finanziert. Sie beruhte auf den Erfahrungen des russischen Schulwesens und wurde schnell zum Vorbild f√ľr den Aufbau des bulgarischen Schulwesens des 19. Jahrhunderts. Bedeutende K√∂pfe der Befreiungsbewegung waren beispielsweise Georgi Rakowski, Wassil Lewski, Ljuben Karawelow, Sophronius von Wraza und Christo Botew. Einer der blutigen H√∂hepunkte waren dagegen die Aufst√§nde von Stara Sagora (1875) und der Bulgarische Aprilaufstand von 1876.

F√ľrstentum und K√∂nigreich Bulgarien

Die aufständischen Gebiete während des Aprilaufstands von 1876 und die Grenzen Bulgariens nach der Konferenz von Konstantinopel
Shipka-Denkmal der Gefallenen im Russisch-T√ľrkischen Krieg
Grenzen Bulgariens nach dem Frieden von San Stefano (3. März 1878) und dem Berliner Kongress (Juni 1878).
Bulgarien um 1888

Der Aprilaufstand von 1876 war ein Versuch, Bulgarien von der osmanischen Herrschaft zu befreien. Als direkte Folge des Aprilaufstandes wurde von dem damaligen britischen Premierminister Benjamin Disraeli zwischen 23. Dezember 1876 und 20. Januar 1877 die internationale Konferenz von Konstantinopel einberufen.

‚ÄěAls die orientalischen Verwickelungen Ende 1876 das Zusammentreten einer Konferenz in Konstantinopel, die von England vorgeschlagen war....wurde Salisbury als au√üerordentlicher Botschafter Englands dahin entsandt, wo er sich vom russischen Botschafter Ignatiew zu solchen Forderungen an die T√ľrkei bewegen lie√ü, dass die Konferenz resultatlos blieb.[2]‚Äú

Dabei schlugen die europ√§ischen Politiker eine Reihe von Reformen im Osmanischen Reich vor. In Bezug auf Bulgarien wurde die M√∂glichkeit der Autonomie und die Grenzen einer oder mehrerer k√ľnftiger autonomer bulgarischer Provinzen innerhalb des Osmanischen Reiches diskutiert. Sultan Abd√ľlhamid II. weigerte sich jedoch diese durchzuf√ľhren und l√∂ste die Konferenz schlie√ülich auf.[3]

Die blutige Niederschlagung des Aprilaufstandes durch die T√ľrken 1876 und das Scheitern der Konferenz von Konstantinopel nahm das russische Reich im Rahmen der panslawistischen Ideologie als Legitimation zur Kriegserkl√§rung. Der Russisch-Osmanische Krieg wurde mit H√§rte und gro√üen Verlusten auf beiden Seiten gef√ľhrt. Nach einer √úberquerung der Donau und des Balkangebirges mitten im Winter siegten die russischen Truppen und r√ľckten bis kurz vor ńįstanbul vor, wo der Waffenstillstand von San Stefano geschlossen wurde. Im Frieden von San Stefano wurden gro√üe Gebiete vom Osmanischen Reich abgetrennt und dem neuen Staat Bulgarien zugeschlagen, der zun√§chst von Russland durch den Generalgouverneur Alexander Michailowitsch Dondukow-Korsakow verwaltet werden sollte.

Nach dem Berliner Kongress wurde dies teilweise revidiert. Bulgarien wurde ein autonomes F√ľrstentum, das aber dem Osmanischen Reiches weiterhin tributpflichtig blieb. Ostrumelien blieb zun√§chst osmanische Provinz. Die erste demokratische Verfassung wurde 1879 in der mittelalterliche Hauptstadt Bulgariens - Tarnowo erlassen. Als Vorbild der nach der Stadt benannte Verfassung von Tarnowo diente die Verfassung Belgiens. Prinz Alexander von Battenberg wurde zum F√ľrsten gew√§hlt. Am 25.¬†Junijul./ 7.¬†Juli¬†1879greg. legte er in Tarnowo seinen Eid vor der ‚ÄěGro√üen Nationalversammlung‚Äú ab und best√§tigte dann die erste Regierung Bulgariens. Erster Ministerpr√§sident wurde der konservative Politiker Todor Burmow.

Die erste Wahl von 1879 ergab einen √ľberw√§ltigenden Sieg der Liberalen, die zuvor die Verfassung ma√ügeblich gepr√§gt haben, sie erhielten 140 der 170 Mandate. F√ľrst Alexander I. (1879‚Äď86) versuchte innere Reformen durchzuf√ľhren. Er widersetzte sich jedoch der Politik der Liberalen und versuchte mit dem russlandfreundlichen konservativen Lager zu regieren. Mit der Hilfe und der Billigung Russlands setzte Alexander von Battenberg 1881 die liberale Verfassung aus und herrschte zwei Jahre das Land durch das Regime der Vollmachten. Ihm gelang die Vereinigung Ostrumeliens mit dem F√ľrstentum Bulgarien, und unter seiner F√ľhrung besiegte Bulgarien die Serben im Serbisch-Bulgarischen Krieg 1885. Er wurde jedoch durch eine von russischer Seite veranlasste Verschw√∂rung gest√ľrzt. 1887 wurde Ferdinand von Sachsen-Coburg und Gotha bulgarischer F√ľrst. Er erkl√§rte am 5. Oktober 1908 die formelle Unabh√§ngigkeit des K√∂nigreichs Bulgarien vom Osmanischen Reich und kr√∂nte sich mit den Titel Zar. Dieser Zeitpunkt war gut gew√§hlt, da sich das Interesse der Gro√üm√§chte wegen der fast zeitglich erfolgten Annexion Bosniens und der Herzegwina durch √Ėsterreich-Ungarn vor allem auf diese beiden L√§nder richtete. Einiges spricht daf√ľr, dass sich Ferdinand mit Kaiser Franz Joseph I. bei einem Teffen kurz davor in Budapest abgesprochen hatte.

Balkankriege und Erster Weltkrieg

Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro schlossen sich 1912 zum Balkanbund zusammen und griffen im Ersten Balkankrieg das Osmanische Reich an, um das t√ľrkische Makedonien f√ľr sich zu gewinnen. Die bulgarische Truppen erlangten gro√üe Erfolge wie die Eroberung von Adrianopel. Das Osmanische Reich musste als Verlierer den Gro√üteil seines europ√§ischen Gebietes abtreten. Wegen eines Streits um die Aufteilung Makedoniens begann Bulgarien, das die Hauptlast des ersten Krieges getragen hatte, 1913 den Zweiten Balkankrieg gegen Serbien und Griechenland. W√§hrend die bulgarische Streitmacht an der griechischen und serbischen Front gebunden war, drangen die Rum√§nen bis nach Sofia vor, die T√ľrken eroberten Adrianopel wieder zur√ľck. Im Frieden von Bukarest vom 10. August 1913 verlor Bulgarien die zuvor gewonnenen Gebiete und musste die s√ľdliche Dobrudscha an Rum√§nien abtreten. Makedonien kam an Serbien und Griechenland, Adrianopel zur√ľck an das Osmanische Reich.

Nach der Abkehr von Russland näherte sich Bulgarien dem Deutschen Kaiserreich an und nahm an der Seite der Mittelmächte am Ersten Weltkrieg teil.

Die Kriegsziele Bulgariens wurden im B√ľndnisvertrag des Deutschen Reiches mit Bulgarien vom 6. September 1915 festgehalten: Das Deutsche Reich garantiert Bulgarien darin den Erwerb und die Annexion Serbisch-Mazedoniens und Altserbiens bis zur Morava, √ľber die K√§mme von Crna Gora und ҆ar Planina bis zur bulgarischen Grenze von San Stefano. Im Falle eines rum√§nischen oder griechischen Kriegseintritts auf Seiten der Alliierten werden dem neuen Verb√ľndeten auch gleich Teile der Dobrudscha und Griechisch-Mazedoniens (in beiden F√§llen das im Frieden von Bukarest 1913 gerade abgetretene Gebiet) in Aussicht gestellt.[4]

Bulgarien besetzte 1916 zusammen mit Deutschland die Dobrudscha. Der Friede von Bukarest (1918) gab Bulgarien die S√ľddobrudscha sowie Teile der Norddobrudscha zur√ľck.

Nach dem Ersten Weltkrieg

Im Frieden von Neuilly 1919 musste Bulgarien seinen Zugang zum √Ąg√§ischen Meer, den Landbereich Thrakien, zwischen den Fl√ľssen Mesta und Mariza mit dem Hafen Dedeagac (heute: Alexandroupolis) an die Alliierten, die es in San Remo im April 1920 an Griechenland gaben, abgeben. Rum√§nien erhielt nun den s√ľdlichen Teil der Dobrudscha, die Gebiete um Caribrod und Strumiza an das neu gegr√ľndete ‚ÄěK√∂nigreich der Serben, Kroaten und Slowenen‚Äú.

F√ľr Bulgarien waren die Folgen des Ersten Weltkriegs verheerend. Insgesamt verlor Bulgarien 8¬†% seiner Vorkriegsfl√§che oder rund 10.750 km¬≤. Au√üerdem musste Bulgarien Reparationen in H√∂he von 2,25 Milliarden Goldfranken zahlen. Die Verwaltung und Verteilung der Finanzen wurden von einer alliierten Kontrollkommission √ľberwacht. Dazu kamen noch der massenhafte Zustrom von mindestens 200.000 Fl√ľchtlingen[5], wobei die Zahlenangaben dazu schwanken. Dieses √§nderte die ethnische Zusammensetzung Bulgariens und f√ľhrte zu erheblichen sozialen Problemen. Ein Teil der Fl√ľchtlinge konnte in den hinzuerworbenen Gebieten angesiedelt werden. In kl√∂sterlichem Besitz befindliche L√§ndereien wurden teilweise aufgel√∂st, um mit kleineren Landg√ľtern Lebensgrundlage f√ľr viele zu schaffen. Viele Fl√ľchtlinge lebten jedoch elend in Quartieren am Rande der gro√üen St√§dte und √ľberschwemmten den Arbeitsmarkt. Einige wanderten daraufhin in √úbersee aus. Dies alles f√ľhrte zu einer Reihe ausgedehnter Streiks ‚Äď allein f√ľr das Jahr 1919 sind 150 bekannt.

Handel, Industrie und Landwirtschaft waren schwer beeintr√§chtigt. Die Landwirtschaft verf√ľgte nicht einmal mehr √ľber Saatgut. In der Industrie herrschte Mangel an Rohstoffen und Energie. Dem Handel fehlten die Transportmittel, die im Krieg eingesetzt und vernichtet worden waren. Die Preise stiegen enorm. Der ungl√ľckliche Ausgang des Krieges veranlasste den Zaren, zugunsten seines Sohnes Boris III. zur√ľckzutreten. Dessen Person sicherte eine gewisse Stabilit√§t der Politik des von Unruhen, Verschw√∂rungen, Attentaten und Ministerwechseln beunruhigten Landes. 1933 trat er auch durch eine Ann√§herung an Jugoslawien an die kleine Balkanentente ein, der Jugoslawien, Griechenland, T√ľrkei und Rum√§nien angeh√∂rten. Damit schienen Beziehungen zu den Nachbarstaaten geregelt zu sein.

In der Zeit von 1918 bis Oktober 1919 gab es zwei Regierungen. Die erste hoffte durch Waffenstillstand am 29. September 1918 und Thronwechsel am 3. Oktober auf bessere Friedensbedingungen. Die zweite wollte Bulgarien durch eine gro√üe Koalition von November 1918 bis Oktober 1919 retten, die Regierung Stambolijski (1919-1923). Die seit Oktober 1919 im Amt befindliche Regierung des Bauernvolksbundes unter Alexandar Stambolijski wollte Bulgarien aus seiner Isolation herausf√ľhren, aber der einzige Erfolg in diese Richtung war die Aufnahme Bulgariens in den V√∂lkerbund (1920).

Stambolijski wollte eine F√∂deration von Staaten schaffen, die von Agrariern gef√ľhrt wird. Da 80¬†% der bulgarischen Bev√∂lkerung Bauern waren, versuchte er zwischen 1920 und 1923, die bulgarischen Bauern und ihre politische Organisation zum entscheidenden Tr√§ger der politisch-demokratischen, wirtschaftlich-sozialen und geistig-kulturellen Entwicklung des Landes zu machen. Allerdings war seine Innenpolitik zu radikal. Es gab eine Pressezensur und ein Verbot f√ľr Staatsbedienstete, an Demonstrationen teilzunehmen. Seine ‚ÄěOrange Garde‚Äú, eine Art Bauernmiliz wurde als Zeichen seiner ‚ÄěSchreckensherrschaft‚Äú angesehen.

Die begonnene Agrarreform stie√ü auf den Widerstand der Grundbesitzer, seine Pl√§ne zur ‚ÄěErziehung der bulgarischen b√§uerlichen Bev√∂lkerung und zur Umgestaltung des bulgarischen Dorfes‚Äú erzeugten Misstrauen und Ablehnung. In der Bodenreform wurde aller Grundbesitz √ľber 30 Hektar aufgeteilt, eine Einzelperson sollte 1 Hektar, eine Familie 10 Hektar bewirtschaften nach dem Grundsatz, dass das Land dem geh√∂ren sollte, der es bearbeitet.

Mit dem Gesetz √ľber die Arbeitspflicht vom 14. Juni 1920 wurde erstmals eine Art Arbeitsdienst eingerichtet. M√§nner √ľber 20 und Frauen √ľber 16 sollten zu Arbeiten in allen Zweigen der Volkswirtschaft f√ľr 12 bzw. 6 Monate herangezogen werden. Ausgenommen waren verheiratete und muslimische Frauen sowie jene M√§nner, die den freiwilligen 12-j√§hrigen Wehrdienst ableisteten. Bei Naturkatastrophen und nationalem Notstand konnten M√§nner im Alter von 20 bis 50 Jahren bis zu vier Wochen dienstverpflichtet werden.

Die Regierung der ‚ÄěDemokratischen Eintracht‚Äú (1923‚Äď1926)

In verschiedenen Kreisen wuchs der Unmut √ľber die Politik des ‚ÄěBauernbundes‚Äú. Politische Kr√§fte aller Seiten schlossen sich zusammen und in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni 1923 fand unter dem Kommando des Hauptmanns Iwan Walkow und des rechtsorientierten Politikers Professor Aleksandar Zankow ein Putsch gegen Stambolijski statt. Nur die Kommunistische Partei blieb neutral. Die ‚ÄěOrange Garde‚Äú wurde bek√§mpft. Alexandar Stambolijski geriet am 14. Juni in Gefangenschaft und wurde schlie√ülich von Mitgliedern der IMRO (Innere Mazedonische Revolution√§re Organisation) ermordet. Viele Anh√§nger des Bauernbundes wurden mit ihm ohne Urteil beseitigt.

Die neue Regierung unter Aleksandar Zankow verfolgte auch die Kommunisten und lie√ü 2500 von ihnen am 12. September 1923 ins Gef√§ngnis werfen. Obwohl Stambolijski auch gegen die Kommunisten vorgegangen war, wurde seine Regierung doch von diesen als Wegbereiter f√ľr den Kommunismus angesehen. Aus diesem Grund und weil die ‚ÄěBulgarische Kommunistische Partei‚Äú unter dem Druck Moskaus (genauer der Kommunistischen Internationale) geriet, wurde mit der Unterst√ľtzung Stambolijskis Anh√§nger versucht, mit einem Aufstand am 23. September die ‚ÄěFehler‚Äú vom 9. Juni wieder gut zu machen.

F√ľhrer dieses Aufstands waren Wassil Kolarow und Georgi Dimitrow. Diese versp√§tete Auflehnung wurde in nur wenigen Tagen mit mehr als 20.000 Opfern und einem Sieg der Armee blutig beendet. Die Regierung formierte einen Block ‚ÄěDemokratische Eintracht‚Äú (Demokraticeski sgovor), indem sie versuchte, aus allen Parteien Politiker an sich zu binden. Es sollte eine ‚ÄěVereinigung verwandter Parteien‚Äú entstehen. Kaum war das passiert, begann eine Differenzierung in die sogenannten Fl√ľgel (‚ÄěSt√§mme‚Äú). Der eine gruppierte sich um Zankow, die anderen folgten den gem√§√üigten Andrei Ljaptschew von den Demokraten und Atanas Burow von der Vereinigten Nationalprogressiven Partei.

Im M√§rz 1925 hatte die Regierung Zankow ein Gesetz zum Schutze des Staates herausgebracht, das sich eindeutig gegen die Kommunisten richtete. Darauf ver√ľbte die Kommunistischen Partei am 16. April 1925 einen Bombenanschlag auf die Kirche Heilige Nedelja, wobei mehr als 150 Menschen ums Leben kamen. Zar Boris III, dem dieser Anschlag gegolten hatte, war zuf√§lligerweise nicht anwesend. Scharfe Ma√ünahmen waren die Folge dieses Anschlags. Es galt von April bis Oktober 1925 der Ausnahmezustand. Die bisherigen Sympathien f√ľr den Kommunismus wurden dadurch erheblich vermindert. Auch der seit 1923 oppositionelle Bauernbund erkl√§rte seine Ablehnung des Terrors und der Komintern.

Die Außenpolitik der Regierung

Die Regierung Zankow konnte, genau wie vorher Stambolijski, keinen entscheidenden Durchbruch erreichen. Das Verh√§ltnis zu Rum√§nien war ertr√§glich, mit Griechenland wurde eine Minderheitenvereinbarung unterschrieben (30. Dezember 1924) und ein Friedens- und Freundschaftsvertrag wurde mit der T√ľrkei am 18. Oktober 1925 geschlossen. Die Reisen nach Rom, London und Paris hatten dagegen keine Ergebnisse gebracht. Mit Jugoslawien wurden die Beziehungen durch verst√§rkte mazedonische Bandent√§tigkeit belastet. Die Hoffnungen auf eine Grenzrevision in Thrakien wurden auf der Konferenz von Lausanne entt√§uscht. In der Frage der Milit√§rbeschr√§nkungen erreichte Zankow lediglich die Erlaubnis zur zeitwilligen Einberufung von 3.000 Reservisten und dann weiterer 10.000 Freiwilliger zur Bek√§mpfung kommunistischer Unruhen und der IMRO-Bandent√§tigkeit.

Die Gew√§hrung der zur wirtschaftlichen Gesundung des Landes dringend ben√∂tigten Anleihen machte man in London und Paris von einer innenpolitischen Stabilisierung Bulgariens abh√§ngig. Die Wirtschaft in diesen Jahren n√§herte sich allm√§hlich wieder dem Vorkriegsniveau. Neue Felder und Weiden wurden erschlossen, S√ľmpfe trockengelegt, ertragreichere Pflanzen und neue Terrassen eingef√ľhrt. Tabak, Baumwolle, Zuckerr√ľben und Sonnenblumen waren die wichtigsten Ausfuhrg√ľter. In der Industrie taten sich neue Produktionszweige auf: Kautschuk, Glas und Porzellan. Ein weiteres Problem, das die innere Unruhen verst√§rkte, war die Fl√ľchtlingswelle aus der Dobrudscha, Mazedonien und Trakien mit √ľber 250.000 Fl√ľchtlingen in den Jahren 1919 bis 1925. Den f√ľr den Handel sehr wichtigen Zugang zur √Ąg√§is, den Bulgarien nach Art. 48 von Neuilly bekommen sollte, hatte es nie erhalten. Das n√§chste Kapitel in der bulgarischen Geschichte wurde als ‚ÄěDie Zeit der wirklichen Demokratie‚Äú bezeichnet.

Die Regierung Ljaptschew

Am 4. Januar 1926 wurde der radikale Zankow durch die gem√§√üigten Andrei Ljaptschew und Atanas Burow abgel√∂st (bis 1931). Sie versuchten zu den demokratischen Prinzipien zur√ľckzufinden, indem sie die Bedeutung des Parlaments unterstrichen, Pressefreiheit und politische Diskussion forderten. Es fand eine gro√üe Amnestie politischer H√§ftlinge im Februar 1926 statt. Die Kommunistische Partei und deren Organisationen, Arbeiterjugendbund und Gewerkschaften wurden ein Jahr sp√§ter zugelassen. Mit der Durchf√ľhrung von Kommunal-, Distrikts- und Parlamentswahlen 1926/27 hatte die Regierung die wesentlichen Liberalisierungserwartungen des In- und Auslands erf√ľllt. Dieser gem√§√üigte Kurs Ljaptschews wurde mit einer Fl√ľchtlingsanleihe britischer und amerikanischer Banken in H√∂he von 2,4 Millionen Pfund Sterling sowie 4,5 Mio. Dollar honoriert.

Am 31. Mai 1927 verlie√ü die Interalliierte Kontrollkommission Bulgarien. Es folgte am 9. Dezember 1927 eine bulgarisch-griechische Konvention √ľber die Aussiedlung von Bulgaren aus Westtrakien. Dies brachte eine neue Fl√ľchtlingswelle nach Bulgarien und f√ľhrte zu neuen Versorgungsproblemen. In seiner Au√üenpolitik dokumentierte Ljaptschew die friedlichen Absichten Bulgariens am 14. November 1928 durch den Beitritt zum Briand-Kellogg-Pakt. Am 20. Januar 1930 wurde im Rahmen der Haager Schlussakte die Reparationssumme von 2,25 Milliarden Goldfranken auf den immer noch zu gro√üen Betrag von 171,6 Millionen Goldfranken reduziert.

Die Weltwirtschaftskrise √§u√üerte sich in Bulgarien zun√§chst als Agrarkrise, die zu einer Preissenkung landwirtschaftlicher Produkte f√ľhrte, die tief unter dem Rentabilit√§tswert f√ľr die Landwirte lag. Eine gewisse Rolle spielte auch die Agrarreform von 1921 unter Stambolijski sowie die Vers√§umnisse bei den agrartechnischen Innovationen. Die Industrieproduktion ging um die H√§lfte zur√ľck. Die Zahl der Arbeitslosen stieg auf 200.000. Die Krise verursachte allgemeine Unzufriedenheit, die sich gegen die konservative Regierung richtete. So gelangte durch die relativ freien Wahlen vom 21. Juni 1931 der oppositionelle ‚ÄěVolksblock‚Äú an die Macht. Dies war eine Koalitionsregierung bestehend aus Demokraten, Liberalen und gem√§√üigten Agrariern, zun√§chst unter der F√ľhrung von Aleksandar Malinow, und ab 12. Oktober 1931 von Nikola Muschanow. Die Regierung stellte nach Ablauf des Hoover-Moratoriums (Juli 1931 bis Juli 1932) den Zinsendienst f√ľr Auslandszahlungen ein, konnte aber die Krise nicht verringern.

Balkanpakt und 1930er Jahre

Am 9. Februar 1934 schlossen die T√ľrkei, Griechenland, Jugoslawien und Rum√§nien den Balkanpakt, der sich in Artikel 8 ausdr√ľcklich gegen die bulgarischen Revisionsbestrebungen richtete und dadurch die Isolierung Bulgariens bekr√§ftigte. Am 19. Mai 1934 putschten Mitglieder der Milit√§rliga und der Gruppe ‚ÄěSweno‚Äú (Kettenglied). Am 30. Mai 1934, also nach dem Putsch, l√∂ste sich das ‚ÄěSweno‚Äú selbst auf, um dadurch das Vorgehen der Regierung Kimon Georgiew gegen die anderen Parteien zu erleichtern.

Die Regierung Georgiew sorgte in kurzer Zeit f√ľr tiefgreifende √Ąnderungen und setzte Teile der seit 1879 g√ľltigen Verfassung von Tarnowo au√üer Kraft. Vor allem wurden gro√üe Sparma√ünahmen in der Verwaltung durchgef√ľhrt. Die Zahl der Gemeinden wurde von 2.500 auf 800 verringert und der Beamtenapparat verkleinert. Am 12. Juni 1934 wurde das Parlament und die Parteien aufgel√∂st und Pressezensur eingef√ľhrt. Die lokale Selbstverwaltung wurde durch eine zentrale Administration ersetzt. Die autonomen, parteilich orientierten Gewerkschaften gerieten unter staatliche Kontrolle.

Die neue F√ľhrung fand Zustimmung in Deutschland und Italien und wurde von England, Frankreich und der bulgarischen Bev√∂lkerung kritisiert. Die ersten au√üenpolitischen Schritte gingen in Richtung Jugoslawien. Noch in den ersten Tagen nach dem Putsch lie√ü die Regierung die Mazedonier-Organisation aufl√∂sen, deren Eigentum konfiszieren und deren Mitglieder internieren. Die positive Wirkung auf Belgrad zeigte sich am 24. Mai 1934 durch einen Handelsvertrag (seit 30 Jahren war kein Vertrag mit Jugoslawien mehr geschlossen worden).

Ein anderer Punkt war die Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Bulgarien. Es wurden eine gemeinsame Handelskammer und eine bulgarisch-sowjetische Gesellschaft gegr√ľndet. Trotz vielversprechender Ans√§tze in der Au√üen-, Innen- und Wirtschaftspolitik gelang es dem Staat nicht, die bisher bestimmenden politischen Kr√§fte zu integrieren. Am 22. Januar 1935 musste Kimon Georgiew sein Amt aufgeben. In den folgenden Monaten wurde der Milit√§rbund schrittweise entmachtet und am 3. M√§rz 1936 aufgel√∂st. Gest√ľtzt auf royalistische Offiziere erlangte Zar Boris III. die volle Macht.

Die folgenden Jahre standen im Zeichen der Stabilisierung der K√∂nigsdiktatur, der Bekr√§ftigung einer unabh√§ngigen Au√üenpolitik und einer verst√§rkten wirtschaftlichen Kooperation mit Deutschland. Im Unterschied zu anderen, im Europa der 1930er Jahre entstandenen diktatorischen Regimes trug dieses noch zeitweilig vergleichsweise demokratische Z√ľge. K√∂nig Boris III. setzte die 1934 weitgehend aufgehobene Verfassung wieder in Kraft. Rechtsradikale Organisationen und Parteien wurden aufgel√∂st.

An der Spitze der Regierung war bis November 1935 Andrei Toschew und danach bis zum 15. Februar 1940 Georgi Kjoseiwanow, der ein Vertrauter des Zaren war. In seiner Amtszeit bildete Kjoseivanow die Regierung acht Mal um, ein Zeichen f√ľr das Fehlen einer leitenden Idee und einer die Regierung tragenden politischen Kraft. Der Staat st√ľtzte sich nicht auf bestimmte Parteien, sondern einigte einige Elemente der parlamentarischen Demokratie mit der K√∂nigsdiktatur. Im M√§rz 1937 lie√ü Kjoseiwanow Kommunalwahlen, ein Jahr sp√§ter Parlamentswahlen durchf√ľhren, bei denen die Kandidaten bei fortbestehendem Parteienverbot nicht als Repr√§sentanten von Parteien, sondern lediglich als Einzelpersonen auftreten durften. Auch die Regierung organisierte ihre Anh√§nger nicht in einer festen Partei. Bei der Parlamentser√∂ffnung im Mai 1938 erkl√§rten sich von 170 Abgeordnete 106 f√ľr die Regierung und 64 gegen sie.

In ihrer Au√üenpolitik versuchte die Regierung eine Aufhebung der Neuillyer Milit√§rklauseln. Sie erreichte am 31. Juli 1938 ein Abkommen mit Griechenland √ľber die Aufhebung der R√ľstungsbeschr√§nkungen und die Erlaubnis zur Wiederbesetzung der entmilitarisieren Zone an der thrakischen Grenze. Ein Jahr zuvor, am 24. Januar 1937, war der bulgarisch-jugoslawische Freundschafts- und Nichtangriffspakt ratifiziert worden.

Auf handelspolitischem Gebiet war Bulgarien sehr von Deutschland abh√§ngig. Der bulgarische Export nach Deutschland betrug im Jahr 1937 47,1¬†% und stieg auf 58,9¬†% im Jahr 1938 und 1939 auf 67,8% der bulgarischen Gesamtausfuhr. Der Import stieg von 58,2¬†% im Jahr 1937 und 52,0¬†% im Jahr 1938 auf 65,5¬†% der bulgarischen Gesamteinfuhr. Das Gesamtvolumen des bulgarischen Handels mit Deutschland war 1930 rund 2,5 Milliarden Lewa und stieg 1939 bis auf Dreifache, n√§mlich rd. 7,5 Milliarden Lewa, mit einer positiven Handelsbilanz f√ľr Bulgarien. In den Kriegsjahren 1941‚Äď1944 erreichte Deutschland sogar einen Anteil von 79¬†% des Imports und 73¬†% des Exports Bulgariens.[6] Obwohl Bulgarien so sehr wirtschaftlich von Deutschland abh√§ngig war, wurde eine engere politische Bindung an Deutschland von Boris III. vermieden.

Die politische und staatliche, wirtschaftliche und soziale, rechtliche und kulturelle Entwicklung Bulgariens zwischen dem Ende des Ersten und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges bewegte sich zwischen gescheiterten Versuchen, eine demokratisch-parlamentarische Ordnung herzustellen, und mehrfachen Katastrophen, Umbr√ľchen und Staatsstreichen, als deren Folge verschiedene Formen von Diktatur und schlie√ülich die des K√∂nigs Boris III. entstanden.

Au√üenpolitisch befand sich Bulgarien 1919‚Äď1934 in weitgehender Isolierung, weil es Revisionsforderungen gegen√ľber allen Nachbarl√§nder mit Ausnahme der T√ľrkei hatte. Allerdings betrieben die bulgarischen Regierungen in diesem Zeitraum keine einheitliche revisionistische Au√üenpolitik. Die Regierung von Stambolijski wollte eine gro√üs√ľdslawische F√∂deration von Staaten schaffen. Die bulgarische Politik der 1930er Jahre sah sich vor drei Aufgaben gestellt. Es galt, die au√üenpolitische Isolation zu √ľberwinden, durch Verst√§ndigung mit den Nachbarn sowie mit Billigung der Gro√üm√§chte den Vertrag von Neuilly zu revidieren, und die verlorenen Gebiete wiederzugewinnen.

Aber die Gebietsverluste hatten Spannungen und Probleme mit Griechenland, Jugoslawien und Rum√§nien gebracht, die sich nur sehr schwer mindern lie√üen. Die mazedonische Frage bildete, durch die st√§ndigen Attentate, ein kaum l√∂sbares Dauerproblem. Von geringerem Gewicht war die Bulgarien von Rum√§nien trennende Dobrudschafrage. Innenpolitisch und wirtschaftlich hat sich die Lage in diesen Jahren nicht sehr ver√§ndert. Da es in Bulgarien keine gro√üe soziale Differenzierung gab, weder einen Grund besitzenden Adel noch ein Besitzb√ľrgertum gr√∂√üeren Umfangs, spielten wie in den Jahren der Staatsbildung Offizierskorps und Beamtenschaft eine entscheidende Rolle.

Das völlige Überwiegen der Landbevölkerung änderte sich bis Ende des Zweiten Weltkriegs nur gering. So betrug im Jahre 1900 der Anteil der Landbevölkerung 80,2 % und im Jahre 1934 78,5 %.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg versuchte Bulgarien so lange wie m√∂glich Neutralit√§t zu wahren. Deswegen gab Bulgarien zwei Wochen nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eine Neutralit√§tserkl√§rung (15. September 1939) ab. Mit der Sowjetunion wurden zwei Schifffahrtsvertr√§ge (11. Dezember 1939 und 5. Januar 1940) unterzeichnet. Einen von Moskau angebotenen Pakt √ľber wechselseitige Unterst√ľtzung lehnte die rechtsgerichtete Regierung Bogdan Filow (Februar 1940 bis September 1943) jedoch ab, da sie eine allzu gro√üe Einflussnahme auf die inneren Verh√§ltnisse und eine ‚ÄěSowjetisierung‚Äú bef√ľrchtete.

Nach einem Milit√§rputsch 1934 und der Aufl√∂sung der politischen Parteien entstand eine autorit√§re Regierung unter Zar Boris III. Bulgarien sah sich aber 1940 sowohl durch Russland als auch durch die T√ľrkei bedroht. Griechenland selbst hatte Pl√§ne, falls Bulgarien nicht auf Seiten der Griechen st√ľnde, den S√ľdteil zu besetzen. Der griechische Chef des Generalstabes der Armee, General A. Papagos, hatte am 13. M√§rz 1940 ein mit klaren Zielen Papier erstellt: Er forderte, Bulgarien zu neutralisieren und hierf√ľr zu besetzen, oder ein B√ľndnis zwischen Bulgarien und Griechenland. F√ľr den Fall der Neutralit√§t oder Gegnerschaft drohte er aus verkehrstechnischen, operativen Gr√ľnden und der Einsparung von Streitkr√§ften (Grenzsicherung) die Besetzung an.[7]

Derart auf dem Balkan isoliert, n√§herte sich Bulgarien den Achsenm√§chten an. Durch den Vertrag von Craiova vom 7. September 1940 erhielt Bulgarien auf italienischen und deutschen Druck den s√ľdlichen Teil der Dobrudscha von Rum√§nien zur√ľck. Der neue Grenzverlauf wurde nach Ende des Kriegs nicht ver√§ndert.

Am 18. November 1940 kam Zar Boris III. von Bulgarien nach Berlin. In seinem Staat √ľberschnitten sich deutsche und sowjetische Interessen schon wegen seiner geographischen Lage. Einen Beitritt zum Dreim√§chtepakt hatte der K√∂nig einen knappen Monat vorher abgelehnt, doch gab er sp√§ter eine verklausulierte Zusage (23. November 1940). Eine offene Teilnahme an milit√§rischen Ma√ünahmen gegen Griechenland wurde nicht rundweg verweigert, doch von Bedingungen abh√§ngig gemacht: Modernisierung der bulgarischen Armee und Verschleierung beziehungsweise Unterlassung eines Aufmarsches auf bulgarischem Boden ‚Äěbis zum letzten Moment‚Äú. Die Zur√ľckhaltung Bulgariens war f√ľr Hitler auch deshalb unangenehm, weil sie unmittelbar auf Jugoslawien wirken konnte, da nur noch Jugoslawien nicht dem Dreim√§chtepakt beigetreten war. Am 22./23. Januar 1941 kam es zu einer Besprechung von Generalfeldmarschall Wilhelm List mit seinem Chef des Generalstabes, General von Greiffenberg, und der bulgarischen Generalstabsdelegation unter General Boydeff in Predeal, s√ľdwestlich von Kronstadt. Bulgarien war auf die milit√§rische Hilfe Deutschlands angewiesen. Da man sich nicht in der Lage sah, das Land vor Angriffen von Russland, der T√ľrkei und Griechenland zu sch√ľtzen, mussten deutsche Truppen im Lande stehen und auch Luftverteidigungsaufgaben √ľbernehmen. Erst wenn dies gew√§hrleistet sei, sei Bulgarien bereit, dem Dreim√§chtepakt beizutreten. Den gleichen Eindruck gewann von Richthofen am 23. Januar 1941 bei den Besprechungen mit der F√ľhrung der bulgarischen Luftwaffe. Am 17. Februar 1941 wurde auch ein bulgarisch-t√ľrkischer Freundschafts- und Nichtangriffspakt unterschrieben.

Gebietserwerbungen Bulgariens während des Zweiten Weltkriegs
Administrative Teilung Bulgariens während des Zweiten Weltkriegs

Am 28. Februar 1941 marschierte die Deutsche Armee von Rum√§nien bei Giurgiu s√ľdlich von Bukarest √ľber die Donau ein. Zur gleichen Zeit √ľberschritten bei Dobrudscha bereitgestellte deutsche Truppen die bulgarische Grenze und marschierten nach Warna. Die Sowjetunion reagierte naturgem√§√ü heftig auf die Mitteilung, Bulgarien sei dem ‚ÄěDreim√§chtepakt‚Äú beigetreten, und nannte die Besetzung Bulgariens eine Bedrohung der eigenen Sicherheit.

Als Bulgarien schlie√ülich an der Seite der Achsenm√§chte gegen Jugoslawien und Griechenland in den Zweiten Weltkrieg eintrat, wurden Thrakien und Mazedonien besetzt. Die bulgarische Besatzung Mazedoniens verfolgte rein nationale Ziele und k√ľmmerte sich nicht um die Wirtschaftspolitik im ‚Äěbefreiten‚Äú Gebiet. Im Dezember 1941 erkl√§rte sie Gro√übritannien und den USA den Krieg ‚Äď jedoch nicht der UdSSR.

Der SS-F√ľhrer Theodor Dannecker war von Januar bis September 1943 als ‚ÄěJudenberater‚Äú der deutschen Botschaft in Sofia f√ľr die Deportation bulgarischer Juden verantwortlich. Zusammen mit dem im August 1942 ernannten ‚ÄěKommissar f√ľr Judenfragen‚Äú Alexander Belew plante er die Deportation der j√ľdischen Bev√∂lkerung Bulgariens.[8] Aber nach Aufdeckung des Plans durch Dimitar Peschew widersetzten sich schlie√ülich das K√∂nigshaus, die bulgarische Regierung und die Bev√∂lkerung zum gr√∂√üen Teil erfolgreich der Verfolgung und der Deportation der bulgarischen Juden. Dadurch wurden die 48.000 Juden des alt-bulgarischen Territoriums vor dem Untergang bewahrt. Juden aus den von Bulgarien besetzten Gebieten in Mazedonien und Griechenland wurden jedoch preisgegeben. Etwa 4000 wurden aus Westthrakien, weitere 7100 Personen, darunter 2000 Kinder, aus Mazedonien ins Vernichtungslager Treblinka deportiert. Nur 196 von ihnen √ľberlebten.[9][10]

Bulgarien weigerte sich auch, Truppen an die Ostfront zu entsenden. Die einheimischen Faschisten (Ratnizi) verloren nach dem Sturz von Ministerpr√§sident Petar Dimitrow Gabrowski rasch an Bedeutung. Nach dem Tod von Zar Boris III. bestieg der minderj√§hrige Simeon II. 1943 den Thron. Er wurde von einem Regentschaftsrats unter Prinz Kyril gegen√ľber der Regierung unter Ministerpr√§sident Dobri Boschilow vertreten. Dieser trat im Mai 1944 zur√ľck. Sein Nachfolger wurde Iwan Iwanow Bagrianow, der versuchte, in Verhandlungen mit den Westalliierten einzutreten. 1944 wurde das Frauenwahlrecht eingef√ľhrt.[11]

Die Sowjetunion erkl√§rte am 5. September 1944 einseitig Bulgarien den Krieg (das Land hatte trotz des B√ľndnisses mit Deutschland nicht am Feldzug gegen die Sowjetunion teilgenommen und befand sich nicht im Kriegszustand mit der Sowjetunion) und besetzte darauf das Land.

Volksrepublik Bulgarien

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Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Bulgarien unter sowjetischen Einfluss und wurde Teil des Ostblocks. Die durch die Kommunisten bestimmte Vaterl√§ndische Front, in der sich die Kommunisten (die Bulgarische Kommunistische Partei, BKP), die Sozialdemokraten und zwei weitere Gruppierungen zusammengeschlossen hatten, √ľbernahm im Zuge der sowjetischen Besatzung die Macht. Wobei die tats√§chliche Macht zumindest bis zum Abschluss des Friedensvertrages 1947 bei der "Alliierten Kontrollkommission" (AKK) unter deren Vorsitzender, dem sowjetische General Sergej Semjonovińć Birjuzov lag. Am 18. November 1945 wurde diese Macht√ľbernahme formell durch die "Wahl" des Parlamentes (der "Volksversammlung") legitimiert. Zur Wahl stand lediglich die Vaterl√§ndische Front, die dementsprechend 88,2¬†% der Stimmen erhielt. Demokratische Parteien waren nicht zugelassen. Bei einer Wahlbeteiligung von 85,6¬†% stimmten 11,8¬†% der Wahlberechtigten gegen die Einheitsliste. Die Oppositionsparteien waren zur Wahl nicht zugelassen. Der Vorsitzende der Bulgarischen Volksunion der Bauern (BZNS) (Bulgarisch: –Ď—ä–Ľ–≥–į—Ä—Ā–ļ–ł—Ź—ā –∑–Ķ–ľ–Ķ–ī–Ķ–Ľ—Ā–ļ–ł –Ĺ–į—Ä–ĺ–ī–Ķ–Ĺ —Ā—ä—é–∑ (–Ď–ó–Ě–°), Balgarski Zemedelski Naroden Sajuz), Dr. Georgi M. Dimitrov, war Anfang 1945 zur Emigration gezwungen und in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Dessen Nachfolger Nikola Petkow wurde 1947 in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und ermordet[12].

Am 8. September 1946 fand eine Volksabstimmung zur Abschaffung der Monarchie statt. Nach den offiziellen Ergebnissen sprachen sich 95,6 % gegen die Monarchie aus (Wahlbeteiligung: 91,6 %)[13]. Unter Leitung Georgi Dimitrows am 15. September 1946 wurde das Land zur Republik, jedoch im engeren Sinne einer Kommunistische Volksrepublik erklärt.

Am 4. Dezember 1947 wurde die Verfassung [14] erlassen. Darin wurde in Artikel 12 die Planwirtschaft ("der Staat lenkt die staatliche, genossenschaftliche und private Wirtschaftstätigkeit durch den staatlichen Volkswirtschaftsplan.") als Wirtschaftsprinzip oktroiert. Wie in den anderen von der Sowjetunion eroberten Ländern erfolgte auch in Bulgarien eine Landreform. Beginnend im Jahr 1944 wurden alle landwirtschaftlichen Betriebe mit einer Fläche von mehr als 20 Hektar enteignet. 1945 wurde die Bulgarische Wertpapierbörse geschlossen.

Die Bulgarische Kommunistische Partei war die f√ľhrende Partei des Landes. Diese Rolle wurde in der Verfassung der Volksrepublik Bulgarien vom 18. Mai 1971 deutlich betont. Alle staatlichen Aktivit√§ten standen unter der Kontrolle der Partei. Bulgarien war jedoch (wie die DDR) keine Ein-Parteien-Diktatur. Neben der BKP bestand eine Blockpartei, der Bulgarische Volksbund der Landwirte (Bulgarsija zemedelski naroden sojuz). Im Parlament hatte der BVdL 100 von 400 Sitzen, stand aber ebenfalls unter der Kontrolle der BKP[15].

1955 wurde Bulgarien Mitglied der Uno. Im gleichen Jahr trat Bulgarien als Gr√ľndungsmitglied dem Warschauer Pakt bei. Staatschef von 1954 bis 1989 war Todor Schiwkow.

Todor Schiwkow sprach sich 1968 f√ľr eine milit√§rische Niederschlagung des Prager Fr√ľhlings aus. In der Nacht zum 21. August 1968 besetzten bulgarische Truppen gemeinsam mit Truppen der Sowjetunion, Polens und Ungarns die ńĆSSR und schlugen die Demokratiebewegung nieder.

Gegen die kommunistische Diktatur richtet sich der Protest einer kleinen Zahl von Dissidenten. Eine relevante politische Wirkung konnten sie jedoch nicht erzielen. Die Kontrolle des bulgarischen Geheimdienstes Dhurjavna Sigurnost war wirkungsvoll. Eine Reihe von Dissidenten war zur Flucht in den Westen gezwungen. Weltweit bekannt wurde die Ermordung von Georgi Markow mit einem vergifteten Regenschirm in London im Jahre 1978, f√ľr die der bulgarische Geheimdienst verantwortlich gemacht wurde. Eine Einhaltung der Menschenrechte war zu keinem Zeitpunkt gew√§hrleistet. Auch nachdem Bulgarien 1975 der KSZE beitrat, √§nderte sich die Menschenrechtssituation nicht[16].

Seit Anfang der 1980-er verst√§rkten sich die Repressionen gegen die in Bulgarien lebenden moslemischen und t√ľrkischen Minderheit. 1986 zwangen die bulgarischen Beh√∂rden die t√ľrkische Minderheit zur Annahme slawischer Namen und verboten den Schulunterricht in t√ľrkischer Sprache. Rund 380.000 ethnische T√ľrken wurden mit drastischen Ma√ünahmen zur Auswanderung in die T√ľrkei gezwungen, oder gerieten ins Arbeitslagen wie Belene. Dies dauerte bis zum Anfang der 90er Jahre. Dabei sind nach offiziellen Angaben etwa 400 Menschen durch Folter und Massaker umgekommen. Bis heute ist dieses Kapitel in der bulgarische Gesellschaft nicht aufgearbeitet, denn die Archive der ehemalige Staatssicherheit sind noch immer geschlossen, obwohl deren √Ėffnung ein Punkt in dem Assoziierungsvertrag mit der EU war. Der √Ėffnung der Archive widersetzen sich vor allem Kreise in der Nachfolgepartei der Kommunisten, der Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP).

Demokratisierung

In den Jahren nach dem Sturz des kommunistischen Diktators Todor Schiwkow am 10. November 1989 l√∂sten sich verschiedene Regierungen relativ schnell ab. Das Ende der sozialistischen √Ąra wurde 1990 durch freie Wahlen eingeleitet. Bulgarien berief eine verfassungsgebende Volksversammlung als erstes Parlament ein und gab sich eine reformierte demokratische Verfassung. Seitdem wurden politische und wirtschaftliche Reformen vorangetrieben.

Eine Ende 1994 gewählte Regierung unter der BSP, der Nachfolgerpartei der kommunistischen Partei, konnte sich bis Anfang 1997 halten. Am 14. Dezember 1995 reichte die Regierung einen Beitrittsantrag zur Europäischen Union (EU) ein.

Als die BSP als Ausweg aus der schweren wirtschaftlichen Krise Ende 1996 mit dem IWF eine Fixierung der bulgarischen Währung verhandelte, mobilisierte die konservative demokratische SDS die Massen mit dem Argument, die BSP könne diese Währungsreform nicht bewältigen. Damit erreichte sie Anfang 1997 die Auflösung des Parlaments und den Verzicht der Sozialisten auf eine Interimsregierung.

Drei Monate lang regierte die SDS durch den damaligen Oberb√ľrgermeister von Sofia, Stefan Sofijanski, zun√§chst interimsm√§√üig mit Hilfe von Dekreten und handelte in dieser Zeit die Modalit√§ten f√ľr eine neue Finanzpolitik aus, die die Situation im Land bis heute wesentlich bestimmt. W√§hrend sich die Stellung Bulgariens in der Weltwirtschaft unter der konservativen Regierung verbesserte, verschlechterte sich die soziale Lage der Bev√∂lkerung.

Von 2001 bis 2005 war Simeon Sakskoburggotski bulgarischer Ministerpräsident, der 1946 als König Simeon II. abgesetzt worden war. Damit ist er der einzige König der Welt, der abgesetzt und später demokratisch gewählt wurde.

Auf dem NATO-Gipfel in Prag wurden am 22. November 2002 sieben osteuropäische Staaten, darunter auch Bulgarien, zu Aufnahmegesprächen eingeladen. Am 26. März 2003 wurden die Beitrittsprotokolle unterzeichnet, und am 29. März 2004 wurden Bulgarien und die anderen sechs Länder in die NATO aufgenommen.

Ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union (EU) wurde ebenfalls unterzeichnet und weitgehend implementiert. Die Beitrittsverhandlungen wurden 2004 erfolgreich abgeschlossen. Als weiterer Schritt billigte am 13. April 2005 das EU-Parlament den Beitritt zur Europäischen Union mit 522 von 660 Stimmen, und am 25. April 2005 wurde der Beitrittsvertrag in Luxemburg unterzeichnet. Seit dem 1. Januar 2007 ist Bulgarien somit Mitglied der EU.

Literatur

  • Hans-Joachim H√§rtel/Roland Sch√∂nfeld: Bulgarien. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1998. ISBN 3-7917-1540-2
  • Paissi Chilendarski:Slawobulgarische Geschichte (1762), Leipzig 1984.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ etwa von Maria Todorova, Antonina Zhelyazkova, Alexander Velinov
  2. ‚ÜĎ Meyers Konversations-Lexikon
  3. ‚ÜĎ Amtspresse Preu√üen von 26. April 1877
  4. ‚ÜĎ Vasil Radoslawoff: Bulgarien und die Weltkrise. Berlin 1923, S. 189f; und Wolfdieter Bihl (Hrsg.): Deutsche Quellen zur Geschichte des Ersten Weltkrieges. Darmstadt 1991, ISBN 3-534-08570-1, S. 145f. (Dok.-Nr.68) (Wortlaut).
  5. ‚ÜĎ Christian Geiselmann: Politisches Leben in der bulgarischen Dorfgesellschaft 1919-1944, Am Beispiel der Memoiren des Stefan Rajkov Canev aus VńÉglevci, S.33
  6. ‚ÜĎ Andrey Piperow (Hrsg.): Deutsch-Bulgarische Handelskammer. Handbuch der bulgarischen Wirtschaft unter besonderer Ber√ľcksichtigung der deutsch-bulgarischen Handelsbeziehungen. Verlag S√ľd-Ost, Berlin 1942, S. 243.
  7. ‚ÜĎ Dokument, Generalstab, A.P. Geheim 115078, Athen, 13. Januar 1940, an den Ministerpr√§sidenten und Kriegsminister
  8. ‚ÜĎ Raul Hilberg: T√§ter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933‚Äď1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-13216-9, S.99
  9. ‚ÜĎ Raul Hilberg: T√§ter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933‚Äď1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-13216-9, S.99
  10. ‚ÜĎ Bj√∂rn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdr√ľckung? Eine komparative Untersuchung √ľber die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915‚Äď1918 und 1941‚ąí1944. Verlag Lit, M√ľnster 2005, ISBN 3-8258-7997-6, S. 279f.
  11. ‚ÜĎ √úbersicht Einf√ľhrung Frauenwahlrecht weltweit (Englisch)
  12. ‚ÜĎ Ulrich B√ľchsensch√ľtz: Minderheitenpolitik in Bulgarien, 1997, Seite 17
  13. ‚ÜĎ Karl-Heinz Hajna: Die Landtagswahlen 1946 in der SBZ, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-631-35950-0, Seite 226 (Kapitel Einsch√§tzung der Wahl 1946 in der SBZ im Vergleich mit den Abstimmungen in den Mitteleurop√§ischen L√§ndern)
  14. ‚ÜĎ Verfassung der Volksrepublik Bulgarien
  15. ‚ÜĎ Lothar Schulz: Die Verfassung der Volksrepublik Bulgarien vom 18. Mai 1971; in: Mohr Siebeck: Jahrbuch des √∂ffentlichen Rechts der Gegenwart, ISBN 3166355529, Seite 203 ff.
  16. ‚ÜĎ Wolfgang T√ľcks: Die Situation der Menschenrechte in der Volksrepublik Bulgarien, 1988, ISBN 3892480192

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  • Bulgarien (Geschichte) ‚ÄĒ Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher m√∂glicherweise demn√§chst gel√∂scht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

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  • Bulgarien ‚ÄĒ Bulgarien, seit dem Berliner Vertrag 1878 selbst√§ndiges, aber tributpflichtiges konstitutionelles F√ľrstentum in der europ√§ischen T√ľrkei unter der Oberhoheit des Sultans, erblich im Hause des von der bulgarischen Nationalversammlung erw√§hlten und… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Bulgarien: M√ľhsamer Aufbruch in die Demokratie ‚ÄĒ ¬† In den vierzig Jahren kommunistischer Nachkriegsgeschichte verhielt sich Bulgarien stets loyal zum B√ľndnispartner in Moskau kein Aufbegehren gegen die allm√§chtige sowjetische Vormacht ist zu verzeichnen wie 1953 in der DDR oder 1956 in Polen… ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Geschichte der Benelux-Staaten ‚ÄĒ Fr√§nkisches Reich ‚Čą800‚Äď843 Mittelreich (Lotharii Regnum) 843‚Äď855 Lotharingien 855‚Äď977 v ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Bulgarien ‚ÄĒ Bulgarń≠en, F√ľrstentum s√ľdl. von der untern Donau [Karte: Balkanhalbinsel I], mit Ostrumelien 96.345 (das eigentliche B. 63.751) qkm, (1901) 3.744.283 (2.644.299) E., davon 2,888 Mill. Bulgaren, 0,531 Mill. T√ľrken, 89.549 Zigeuner, 71.063 Rum√§nen ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Geschichte Bulgariens ‚ÄĒ Dieser Artikel besch√§ftigt sich mit der Geschichte Bulgariens von der ersten Besiedlung Bulgariens und dessen unmittelbarer Umgebung bis zur Gegenwart. Inhaltsverzeichnis 1 Vor der Staatsgr√ľndung 1.1 Vorgeschichte und Antike 1.2 Gro√übulgarisches… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Serbiens im 19. Jahrhundert ‚ÄĒ Der Artikel Geschichte Serbiens besch√§ftigt sich mit den historischen Ereignissen auf dem Gebiet der heutigen Republik Serbien sowie, soweit sich dies aus historischen Entwicklungen ergibt, auch auf angrenzenden Gebieten. Dabei wird vor allem der ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Serbiens im 20. Jahrhundert ‚ÄĒ Der Artikel Geschichte Serbiens besch√§ftigt sich mit den historischen Ereignissen auf dem Gebiet der heutigen Republik Serbien sowie, soweit sich dies aus historischen Entwicklungen ergibt, auch auf angrenzenden Gebieten. Dabei wird vor allem der ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Bulgarien ‚ÄĒ –†–Ķ–Ņ—É–Ī–Ľ–ł–ļ–į –Ď—ä–Ľ–≥–į—Ä–ł—Ź Republika BńÉlgarija Republik Bulgarien ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


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