Geschichte Bulgariens

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Geschichte Bulgariens

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Geschichte Bulgariens von der ersten Besiedlung Bulgariens und dessen unmittelbarer Umgebung bis zur Gegenwart.

Inhaltsverzeichnis

Vor der Staatsgr√ľndung

Thrakische Kunst. Rhyton aus dem Goldschatz von Panagjurischte
Das Großbulgarische Reich und seine Spaltung

Vorgeschichte und Antike

Das Gebiet des heutigen Bulgarien ist bereits seit der Steinzeit besiedelt. Ein 1972 im Gr√§berfeld von Warna gefundener Goldschatz wird auf die Zeit zwischen 4600 v. Chr. und 4200 v. Chr. datiert und gilt damit als √§lteste derartige Ausgrabung weltweit. Die in der Bronzezeit hier lebenden Thraker wurden bereits von Homer erw√§hnt. Au√üerdem besiedelten Makedonier das Gebiet. Vom 11. bis 6. Jahrhundert v. Chr. bestand ein erstes thrakisches Staatsgebilde, welches im 7. Jahrhundert v. Chr. seine Bl√ľte erlebte.

29 v. Chr. wurde die Region von Rom erobert, wobei sich die Provinzen Macedonia, Thracia, Moesia und Dacia auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien erstreckten. Die Thraker wurden romanisiert und nach der Teilung des R√∂mischen Reichs verblieben sie im 5. Jahrhundert bei Byzanz. Nach der slawischen Besiedlung der Balkanhalbinsel ab dem 7. Jahrhundert (Landnahme der Slawen auf dem Balkan) verschmolz die verbliebene romanische und griechische Bev√∂lkerung (siehe dazu auch den Artikel Jireńćek-Linie) allm√§hlich mit den Neuank√∂mmlingen. √úbrig blieben vereinzelte Gruppen von romanischsprachigen Walachen (Rum√§nen im Nord-Westen und Aromunen im S√ľden) und Griechen (entlang der Schwarzmeerk√ľste).

Nach dem Tode des Hunnenf√ľhrers Attila (453) spalteten sich die bulgarischen St√§mme auf, um 480 vom byzantinischen Kaiser Zenon gegen die Ostgoten zu Hilfe gerufen zu werden. In der folgenden Zeit beteiligten sich die Bulgaren an Streif- und Pl√ľnderungsz√ľgen auf byzantinisches Territorium und erreichten 619 mit den Awaren Thessaloniki und 626 Konstantinopel.

Großbulgarisches Reich

→ Hauptartikel: Großbulgarisches Reich

Das alte Gro√übulgarische Reich, wie es von byzantinischen Gelehrten genannt wurde (griech. őó ŌÄőĪőĽőĪőĻőĪ őľőĶő≥őĪőĽő∑ őíőŅŌÖőĽő≥őĪŌĀőĻőĪ; megale Boulgaria - ‚ÄěGro√übulgarien‚Äú), entstand, nach der Befreiung bulgarischen St√§mme von der Herrschaft der G√∂kt√ľrken um 632, als milit√§risches V√∂lkerb√ľndnis unter Khan Kubrat zwischen dem Fluss Kuban und dem Asowschem Meer. Im Jahr 635 schloss Kubrat einen Friedensvertrag mit dem byzantinischem Kaiser Herakleios. Um 654 teilte sich Gro√übulgarien in drei Teile, die Reiche der sogenannten Schwarzen, Wei√üen und Blauen Bulgaren, auf.

Erstes Bulgarisches Reich

‚Üí Hauptartikel: Protobulgaren

In der 2. H√§lfte des 7. Jahrhunderts kam es zum Zerfall des Gro√übulgarischen Reiches der Protobulgaren im Nordosten des Schwarzen Meers. Der √§lteste Sohn Kubrats, Khan Batbajan musste sich den Chasaren unterwerfen. Im Zuge des Krieges gegen die Chasaren zog Khan Asparuch, der dritte Sohn des Khan Kubrats, mit seinem Volk Richtung S√ľdwesten zur Donau. Dort verb√ľndeten sich die Bulgaren 679 mit den Slawen gegen Byzanz und bildeten unter Khan Asparuch ein weiteres bulgarisches Reich - das Erste Bulgarische Reich, das auch Donaubulgarische Reich oder Reich der Blauen Bulgaren genannt wird. Als Hauptstadt wurde sp√§ter die slawische Festung Pliska gew√§hlt.

Im Sommer des Jahres 680 unternahm der byzantinische Kaiser Konstantin IV Pogonatos einen Feldzug gegen die Bulgaren. Der Krieg endete 681 mit einem Friedensvertrag, der faktisch den neuen Staat Bulgarien anerkannte. Dar√ľber hinaus regelte der geschlossene Vertrag die neuen Staatsgrenzen, ein Flottenmoratorium und eine Tributpflichtigkeit Konstantinopels. Somit wurde Bulgarien zum dritten anerkannten Staat in Europa und einer der wenigen dem das Ostr√∂mische Reich tributpflichtig war.

Territoriale Ausdehnung Bulgariens unter Khan Krum
Das Bulgarische Reich unter Simeon
Donaubulgarien, Wolgabulgarien und Europa um das Jahr 1000
Die byzantinische Themenverwaltung auf dem Balkan um 1045

Das Territorium des Reiches wurde unter Asparuchs Nachfolger Khan Terwel (700‚Äď721) betr√§chtlich erweitert. In dieser Zeit entwickelte sich Bulgarien zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft. Unter Khan Krum (803‚Äď814) erstreckte sich der Staat vom Reich Karls des Gro√üen im Westen bis an die Mauern Konstantinopels im Osten. Zu seiner Zeit vernichteten die Franken aus dem Nordwesten und die Bulgaren aus dem Osten das Awarische Khanat. Bulgarien wurde damit zu einem der drei m√§chtigsten Staaten Europas und erweiterte sein Gebiet im Norden bis zur Thei√ü und im Osten bis zum Fluss Dnister (in der heutigen Ukraine). Reformen nach byzantinischem Muster st√§rkten die Stellung des Herrschers und beseitigten den Einfluss des konkurrierenden bulgarischen Adels (dadurch Slawisierung des Staates).

Nachdem Knjas Boris I. Michail (852‚Äď889) im Jahr 864 das Christentum zur offiziellen Religion erkl√§rte, verschwanden nach und nach die ethnischen Unterschiede zwischen Slawen und Protobulgaren und es bildete sich eine bulgarische Nationalit√§t heraus. Seit der Christianisierung bis 1018 entwickelte sich in Bulgarien eine Hochkultur. Am Ende des 9. Jahrhunderts entwarfen die aus Thessaloniki stammenden Br√ľder Kyrill und Method das erste slawische Alphabet (Glagolica) und √ľbersetzten als erste das Neue Testament in eine heute Altbulgarische genannte Sprache. 893 wurde in einem Konzil der Bulgarischen Kirche Altbulgarisch als Liturgiesprache eingef√ľhrt. Am Hof der bulgarischen Zaren reformierte einer ihrer Sch√ľler, Kliment von Ohrid, das glagolitische Alphabet und gr√ľndete eine Universit√§t in Ohrid. Er war aber vor allem Missionar und Schriftsteller und leistete einen entscheidenden Beitrag zur Entstehung der slawischen Literatur. Auch die typisch bulgarische Kirchenmusik begann sich in dieser Zeit zu entwickeln.

Zar Simeon I., der den Beinamen der Gro√üe trug, (893‚Äď927) machte Weliki Preslaw zur Hauptstadt um mit den alten heidnischen Traditionen komplett zu brechen. Ohrid, Pliska und die neue Hauptstadt wurden zu Zentren des Goldenen Jahrhunderts der slawischen Kultur. W√§hrend seiner Regierungszeit, wahrscheinlich in der Schule von Preslaw, wo der Heilige Naum t√§tig war, wurde das kyrillische Alphabet entwickelt und eingef√ľhrt. Zar Simeon I. gr√ľndete die Bulgarische Patriarchalkirche. Unter ihm wurde Bulgarien zu einem der m√§chtigsten Staaten Europas, dessen Gebiet fast die gesamte Balkanhalbinsel umfasste und im Norden an dem Fluss Thei√ü grenzte.

Unter Zar Peter I. und Zar Boris II. verringerte sich die Macht durch innere Streitigkeiten, 963/69 spaltete sich ein Westbulgarisches Reich ab. Im Jahr 971 eroberte Byzanz das ostbulgarische Restreich, und die Hauptstadt wurde nacheinander nach Sredez, Skopje, Prespa, Bitola und Ohrid verlegt. Unter Zar Samuil (976‚Äď1014) wurde Ohrid Hauptstadt des bulgarischen Reiches. Nach der Niederlage des Heeres unter Samuil in der Schlacht von Kleidion 1014 und unter Iwan Wladislaw im Jahr 1018 wurde unter Knjaz Presian II. ganz Bulgarien durch Basileios II. von Byzanz unterworfen. Nach der Eroberung wurde Bulgarien in f√ľnf byzantinische Themen (Provinzen) gegliedert: Makedonien, Bulgarien, Paristrion, Thrakien und Strimon.

Zweites Bulgarisches Reich

1040 kam es unter Peter Deljan zu einem Aufstand unter Beteiligung der War√§gergarde (in der der sp√§tere norwegische K√∂nig Harald Hardr√•de Mitglied war), der von Byzanz niedergeschlagen wurde. Peter Deljan behauptete, Nachkomme des gro√üen bulgarischen Zaren Samuil zu sein, der von Basileios II. 1014 besiegt worden war. Ein weiterer Restaurationsversuch fand unter Konstantin Bodin statt, der 1072 mit seinem Vater an der Spitze eines Aufstandes gegen Byzanz im heutigen Mazedonien teilnahm und sich in Prizren zum bulgarischen Zaren kr√∂nen lie√ü. Er stammte m√ľtterlicherseits aus der Dynastie der Komitopuli.

Im Gebiet zwischen Balkan und Donau waren die von den Br√ľdern Asen und Peter gef√ľhrten Aufst√§nde 1185-1187 erfolgreich und gipfelten 1186 in der Errichtung des Zweiten Bulgarischen Reiches. Dem zweiten Bulgarischen Reich gelang es, wieder neue H√∂hepunkte zu erreichen. Da die ersten Herrscher aus dem Haus Asen stammten wurde das Reich anfangs auch ‚ÄěReich der Asenen‚Äú oder ‚ÄěAsenidenreich‚Äú genannt. Das Zentrum der Bewegung war die Stadt Tarnowo, die daher die vierte Hauptstadt wurde. In den folgenden Jahrzehnten konnte Bulgarien die Schw√§che des Byzantinischen Reiches ausnutzen, das nach der Eroberung Konstantinopels durch die Lateiner 1204 schlie√ülich in mehrere Teilstaaten zerfiel.

Zwischen 1197 und 1207 war Kalojan, der j√ľngere Bruder Peters und Asens, Zar Bulgariens. Dessen milit√§rische Erfolge festigten den Staat. Gegen byzantinische Beeinflussungsversuche schloss der Zar einen Bund mit Papst Innozenz III. Bulgarien sollte zur r√∂misch-katholischen Kirche √ľbertreten, im Gegenzug wurde Kalojan der Titel ‚ÄěRex‚Äú verliehen. Der Bund war jedoch nur von kurzer Dauer. Kalojans Truppen zogen erfolgreich gegen die Ritter des Vierten Kreuzzuges. Sie schlugen am 14. April 1205 einen Teil des Kreuzritterheeres in der Schlacht von Adrianopel und konnten den Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches Balduin von Flandern gefangennehmen.

Bulgarien unter Iwan Asen

Zar Iwan Asen II. regierte von 1218 bis 1241. Seine Herrschaft war durch eine Reihe milit√§rischer Erfolge und seine diplomatischen F√§higkeiten gepr√§gt. Nach der siegreichen Schlacht von Klokotniza am 9. M√§rz 1230 erstreckte sich der bulgarische Staat wieder √ľber ein gro√ües Territorium zwischen dem Schwarzen Meer im Osten, der Adria im Westen, dem √Ąg√§ischen Meer im S√ľden, den Karpaten und dem Fluss Dnestr im Norden und Nordosten. Somit stieg Bulgarien wieder zur st√§rksten Macht auf der Balkanhalbinsel auf. Als Zeichen seines Sieges lie√ü Iwan Asen die Kirche ‚ÄěHeilige 40 M√§rtyrer‚Äú in seiner Hauptstadt Weliko Tarnowo erbauen. In einer in ihr eingebauten S√§ule lie√ü er folgende Inschrift mei√üeln:

‚ÄěIm Jahre 1230 lie√ü ich, Iwan Assen, der in Christus dem Herrn fromme Zar und Selbstherrscher der Bulgaren, Sohn des Alten Assen, diese allerheiligste Kirche von den Grundmauern aus aufbauen und mit Malereien ausschm√ľcken zu Ehren der Heiligen Vierzig M√§rtyrer, mit deren Hilfe ich im zw√∂lften Jahr meiner Regierung in den Kampf in Thrakien zog, das griechische Heer vernichtete und selbst den griechischen Zaren Theodoros Komnenos mit allen seinen Bojaren gefangen nahm. Ich eroberte alle L√§nder von Adrianopel bis Durazzo - das griechische, albanische und serbische Land. Die Franken behielten nur die St√§dte um Konstantinopel und diese Stadt selbst, f√ľgten sich der Obrigkeit meiner Macht, da sie selbst keinen anderen Zaren au√üer mir hatten, und dank mir ihre Tage verbrachten, denn so befahl es Gott, weil ohne Ihn weder ein Wort noch eine Tat vollbracht wird. Ihn sei Ehre in alle Ewigkeit! Amen.‚Äú[1][2]

Die bulgarischen Staaten Mitte des 14. Jahrhunderts

Seit der R√ľckeroberung Konstantinopels durch die Byzantiner (1261) kam es wieder zu verst√§rkten Auseinandersetzungen mit Byzanz, aber auch mit Ungarn, und seit Ende des 13. Jahrhunderts erwuchs dem Bulgarischen Reich im aufstrebenden Serbien ein ernsthafter Konkurrent an der Westgrenze. Im 14. Jahrhundert spaltete sich das Bulgarische Reich in mehrere voneinander unabh√§ngige Staaten und F√ľrstent√ľmer - am gr√∂√üten war das Tarnower K√∂nigreich, etwas kleiner das K√∂nigreich von Widin und das F√ľrstentum Dobrudscha und weitere kleinere F√ľrstent√ľmer in den Rhodopen und in Makedonien. Mit dem Niedergang von Byzanz w√§hrend der t√ľrkischen Eroberungen wurde auch Bulgarien einen Teil des erstarkenden t√ľrkischen Reichs der Osmanen.

Die Schule von Tarnowo steht stellvertretend f√ľr die bulgarische Kunst w√§hrend der Zeit des zweiten Bulgarenreichs, als Architektur, Kunst und Literatur, Musik und geistliches Leben eine rege Entwicklung erlebten. Nach dem Fall Bulgariens wanderten bulgarische Schriftgelehrte, Architekten, Maler und Bauhandwerker aus den Gebieten von Tarnowo, Widin, Dobrudscha in die umliegenden L√§nder aus und beeinflussten dort die kulturelle Entwicklung erheblich, so in Serbien, der Walachei, der Moldau, Transsilvanien und Russland.

Osmanische Herrschaft

Am Ende des 14. Jahrhunderts musste sich Bulgarien dem Osmanischen Reich unterwerfen. Nach der Schlacht an der Mariza am 26. September 1371 wurde eine vom Bulgarischen Heer unterst√ľtzte antiosmanische Koalition unter dem serbischen K√∂nig VukaŇ°in Mrnjavńćevińá von den Osmanen geschlagen. Der bulgarische Zar Iwan Schischman war gezwungen, die osmanische Souver√§nit√§t √ľber sein Reich anzuerkennen. Da Bulgarien in den n√§chsten Jahrzehnten nicht vor osmanischen Angriffen verschont blieb, k√ľndigte Iwan Schischman den Vasallenstatus 1373. Dies f√ľhrte dazu, dass Bulgarien zu einem Hauptaufmarschgebiet der osmanischen Eroberer auf der Balkanhalbinsel wurde. 1378 fiel Ichtiman, dem Serdica (das heutige Sofia) 1383 folgte, 1393 wurde die Hauptstadt Tarnowo erobert, was auch das Ende des Zweiten Bulgarischen Reiches bedeutete. Zar Iwan Schischman √ľberlebte zwar in der Festung Nikopol, wurde aber 1395 auf Befehl Sultan Bayezids I. hingerichtet. Nach der Schlacht von Nikopolis 1396 fiel schlie√ülich auch das letzte bulgarische Teilreich um Widin.

Mit dem Niedergang des Hauses Schischman begann die mehr als 500 Jahre w√§hrende Herrschaft der Osmanen. Nicht-Muslime mussten nicht in der Armee des Sultans dienen, mit Ausnahme derjenigen, die in der Elitetruppe als Janitscharen ausgebildet wurden, wobei bis zum 17. Jahrhundert die Knabenlese (bulgarisch: –ö—Ä—ä–≤–Ķ–Ĺ –ī–į–Ĺ—ä–ļ kraven danak, ‚ÄěBlutzoll‚Äú) als Mittel zur Zwangsrekrutierung angewendet wurde. Die osmanische Herrschaft sicherte au√üerdem zumindest in den ersten drei Jahrhunderten ihres Bestehens politische Stabilit√§t, religi√∂se Toleranz und im Vergleich zur vorangegangenen Zeit moderate Steuerlasten. Bulgarien verlor aber seinen Adel, der bei der Eroberung get√∂tet, geflohen oder zum Islam konvertiert und schnell in die osmanische Oberschicht assimiliert worden war. Im Rahmen des osmanischen Millet-Systems wurden die nichtislamischen Untertanen zudem nicht durch territoriale Vertreter, sondern durch das Oberhaupt ihrer jeweiligen Religionsgemeinschaft vertreten. Die Millets genossen erhebliche Autonomie bei Familienrecht, Religion und Erziehung. Die Bulgaren wurden aber dem orthodoxen Millet zugerechnet, das vom griechischen Patriarchat dominiert wurde. Das bulgarische Patriarchat in Tarnovo wurde aufgel√∂st. Dies sollte sp√§ter die nationale Wiedergeburt erschweren, denn damit ging ein erheblicher Verlust an kultureller Identit√§t einher, die vor allem in abgelegenen Kl√∂stern in den D√∂rfern √ľberlebte. Eine mit den fr√ľhneuzeitlichen europ√§ischen F√ľrstent√ľmern und K√∂nigreichen vergleichbare Administrative Durchdringung der Gesellschaft fand im Osmanischen Reich dagegen nicht statt. Von den Steuerzahlungen abgesehen regulierten sich die D√∂rfer weitgehend selbst. Wirtschaftlich wurde Bulgarien mit seinem fruchtbaren Land in der N√§he der Hauptstadt Istanbul Ziel vieler Zuwanderer, vor allem Griechen, T√ľrken und Juden, die die St√§dte und das wirtschaftliche Leben dominierten.[3]

1404/1408-1413 f√ľhrte Konstantin II. Asen, Sohn des letzten bulgarischen Zaren Iwan Strazimir, mit Unterst√ľtzung der serbischen und walachischen Herrscherh√§user den ersten erfolglosen Aufstand gegen die osmanischen Herrscher an. 1444 scheiterte eine erneute Befreiung Bulgariens durch ein polnisch-ungarisches Heer unter Wladyslaw I., K√∂nig von Polen und Ungarn, das in der Schlacht bei Warna vernichtet wurde. Der Niedergang des Osmanisches Reiches und die erfolglosen Kriege gegen die Habsburger l√∂sten unter anderem in Tarnowo (1598, 1686 und 1856), in Gabrowo (1686), in Tschiprowzi (1688 und 1737/1738), in Widin (1850), in Belogradtschik (1856) weitere Aufst√§nde aus, die jedoch ebenfalls blutig niedergeschlagen wurden.

Seit dem 16. Jahrhundert bilden die Pomaken unter den bulgarischen bzw. slawischen Muslimen eine eigene Gruppe.

Nationale Wiedergeburt

Bulgarische kulturelle und geistliche Einrichtungen im Osmanischen Reich im 18./19. Jahrhundert

Eingangs des 18. Jahrhunderts begann sich unter dem Einfluss der entstehenden bulgarischen Aufkl√§rung sehr langsam ein eigenes Nationalgef√ľhl zu entwickeln, welches in der Forderung nach staatlicher Unabh√§ngigkeit gipfelte. Die 1762 von dem M√∂nch Paisij Hilendarski erarbeitete Slawisch-bulgarische Geschichte gab dazu einen wichtigen Ansto√ü. Sie verbreitete sich bis zum ersten Druck 1844 ausschlie√ülich handschriftlich. Dennoch f√ľhrte sie dazu, dass die schmale gr√§zisierte bulgarische Oberschicht ihr eigenes Volkstum und ihre Vergangenheit wiederentdeckten. [4]

Die Ver√§nderungen im kulturellen und geistigen Leben wurden angetrieben durch die Gr√ľndung der Neubulgarischen Aufkl√§rungsbewegung (bulg. –Ĺ–ĺ–≤–ĺ–Ī—ä–Ľ–≥–į—Ä—Ā–ļ–ĺ—ā–ĺ –Ņ—Ä–ĺ—Ā–≤–Ķ—ā–Ĺ–ĺ –ī–≤–ł–∂–Ķ–Ĺ–ł–Ķ) und das Streben nach einer eigenen bulgarischen Kirche. Ziel war die Losl√∂sung der Bildung und Kultur von griechischen Einfl√ľssen sowie die Begr√ľndung einer eigenen materiellen und geistigen Kultur. Eine wesentliche Seite dieser Entwicklung zur nationalen Unabh√§ngigkeit war der Kampf gegen die griechische Kirchenmacht und die Errichtung bulgarischer Klosterschulen.

Die Auseinandersetzung mit dem orthodoxen Patriarchat von Konstantinopel f√ľhrte zur sogenannten Unionsbewegung (bulg. –£–Ĺ–ł–į—ā—Ā–ļ–ĺ –ī–≤–ł–∂–Ķ–Ĺ–ł–Ķ), die sich f√ľr eine mit der r√∂misch-katholischen Kirche unierte Kirchenorganisation einsetzte. Gef√ľhrt wurde diese Bewegung von Dragan Zankow und Georgi Mirkowitsch. So entstand im Osmanischen Reich 1860 die bulgarisch-katholische Kirche, welche auf die Union von Kilkis von 1859 zur√ľckging. Franz√∂sische Lazaristen hatten sich die Unzufriedenheit der √∂rtlichen Bev√∂lkerung mit den orthodoxen phanariotischen Bisch√∂fen zunutze gemacht und der Bev√∂lkerung eine nationale Kirchenhierarchie versprochen. 1861 war mit Josif Sokolski der erste katholische Erzbischof eingesetzt worden, der auch vom Sultan als Repr√§sentant der Bulgarischen Christen anerkannt wurde. Die so entstandene Kirche verstand sich als Teil der bulgarischen Nationalbewegung und hatte bis zu 60.000 Gl√§ubige.[5]

Dieser Entwicklung stellte sich das orthodoxe Russland entgegen, das die orthodoxe Kirche noch massiver, auch gegen√ľber dem osmanischen Sultan unterst√ľtze. So f√ľhrte die Bulgarische Nationale Wiedergeburt (bulg. –í—ä–∑—Ä–į–∂–ī–į–Ĺ–Ķ) mit dem Siltansferman von 1870 auch zur Errichtung der selbst√§ndigen Bulgarisch-Orthodoxen Kirche und zum Erstarken bulgarischer Bildung und Kultur. Mit der Errichtung der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche wurde die katholische Kirche wieder verdr√§ngt. Der √∂kumenische Patriarch von Konstantinopel, der den Ferman nicht anerkannte, erkl√§rte bereits 1872 das bulgarische ‚ÄěExarchat‚Äú f√ľr schismatisch.[6]

Die erste weltliche Schule wurde 1835 durch die Kaufleute Wasil Aprilow (1798‚Äď1847) und Nikola Palausow (1776‚Äď1853) in ihrer Heimatstadt Gabrowo gegr√ľndet und finanziert. Diese Reformierung der Klosterschulen wurde durch den Leiter der Schule Neofit Rilski begonnen. So wurde die Gabrower-Schule schnell zum Vorbild f√ľr den Aufbau des bulgarischen Schulwesens im 19. Jahrhundert.

1864 wurde aus dem Zusammenschluss der osmanischen Gro√üprovinzen Silistra, NiŇü und Widin das Vilayet Tuna gebildet, welches bis 1878 existierte. Es umfasste Gebiete in denen die Bulgaren die Bev√∂lkerungsmehrheit stellten: das heutige S√ľdostserbien und Nord-Bulgarien (n√∂rdlich des Balkangebirges und s√ľdlich der Donau), sowie die ab 1878 rum√§nische Norddobrudscha,[7] weswegen es auch Vilayet Bulgarien genannt wurde. Das Vilayet wurde nach franz√∂sischem Vorbild aufgebaut und sollte nach der Vorstellung der Hohen Pforte als Musterprovinz f√ľr eine Provinzial-Neuordnung fungieren und somit der bulgarischen Unabh√§ngigkeitsbewegung den Boden entziehen.[8]

Das Vilayet war, dem Verwaltungsaufgaben eines D√©partements entsprechend in mehrere Sandschaks aufgeteilt, die ihrerseits die Aufgabe der franz√∂sischen Arrondissements √ľbernahmen. An der Spitze des Vilayets stand der Wali anstelle des fr√ľheren Beglerbegs. Die Sandschaks wurden von einem mutasarrif, anstelle des bisherigen Sandschakbegs geleitet. Der beratende Diwan wurde abgeschafft und an seiner Stelle sowohl auf Vilayets-, als auch auf Sandschakebene ein Verwaltungsrat eingesetzt, dem neben muslimischen W√ľrdentr√§gern auch drei nichtmuslimische Religionsgemeinschaften (Armenier, Griechisch-Orthodoxe und Juden) angeh√∂rten. Damit sollte die nichtmuslimische Bev√∂lkerung mit einbezogen werden. Verwaltungszentrum des Vilayets war Russe (osmanisch Rus√ßuk), die wichtigste osmanische Festung an der Donau und damals bl√ľhende Stadt im Nordosten Bulgariens.[8]

Die Bildung des Vilayet Tuna konnte die unzufriedene bulgarische Bevölkerung, welche die Mehrheit stellte nicht besänftigen, da sie auch im neuen Verwaltungssystem nicht repräsentiert war. Denn mit dem griechisch geprägten ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel welches sie vertreten sollte, kämpfte sie um eine unabhängige bulgarische Kirche (Bulgarisch-griechischer Kirchenkampf).[8]

Einen herben R√ľckschlag musste die Befreiungsbewegung im Januar/Februar 1873 mit der Festnahme und Hinrichtung ihres Ideologen Wassil Lewski hinnehmen. Lewski, der heute in Bulgarien als Nationalheld gefeiert wird, baute innerhalb des Osmanischen Reich die Strukturen der Befreiungsbewegung auf. Weitere bedeutende Pers√∂nlichkeiten der Befreiungsbewegung waren beispielsweise Georgi Rakowski, Ljuben Karawelow, Todor Kableschkow, Sophronius von Wraza und Christo Botew.

Mit den Aufstand von Stara Sagora (1875) und der Aprilaufstand von 1876 kam es zum blutigen H√∂hepunkt der Befreiungsbewegung. Es ist umstritten, ob es sich, wie von bulgarischen Historikern behauptet, um eine nationale Erhebung der ‚Äěbulgarischen‚Äú Bev√∂lkerung gegen eine Fremdherrschaft gehandelt habe.[6] Die Zahl der nationalbulgarischen Revolution√§re war immer zu gering und √∂rtlich zu isoliert um Einfluss auf die l√§ndliche analphabetische Bev√∂lkerung zu erlangen. Letztlich konnten die Anf√ľhrer des Aprilaufstandes lediglich einige hundert Aufst√§ndische organisieren und waren schnell besiegt.[6] Von einem ‚Äěnationalen Befreiungskampf‚Äú kann letztlich nicht gesprochen werden.[6]

F√ľrstentum und K√∂nigreich Bulgarien

Entwicklung bis zu den Balkankriegen

Die aufständischen Gebiete während des Aprilaufstands von 1876 und die Grenzen Bulgariens nach der Konferenz von Konstantinopel
Grenzen Bulgariens nach dem Frieden von San Stefano (3. März 1878) und dem Berliner Kongress (Juni 1878).
Appell der mazedonischen Bulgaren an die Großmächte gegen die Entscheidungen vom Berliner Kongress
Bulgarien um 1888

Der Aprilaufstand von 1876 war ein Versuch, Bulgarien von der osmanischen Herrschaft zu befreien. Nach seiner Niederschlagung wurde von dem damaligen britischen Premierminister Benjamin Disraeli zwischen 23. Dezember 1876 und 20. Januar 1877 die internationale Konferenz von Konstantinopel einberufen. Gro√übritannien entsandte daf√ľr Lord Salisbury als au√üerordentlichen Botschafter, wo er gemeinsam mit dem russischen Botschafter Graf Ignatiew derartige Forderungen an die T√ľrkei stellte, dass die Konferenz ohne Resultat blieb.[9] F√ľr Bulgarien wurde die Grenzziehung einer oder mehrerer k√ľnftiger autonomer bulgarischer Provinzen innerhalb des Osmanischen Reiches vorgeschlagen. Sultan Abd√ľlhamid II. weigerte sich jedoch diese durchzuf√ľhren und l√∂ste die Konferenz schlie√ülich auf.[10]

Die blutige Niederschlagung des Aprilaufstandes durch die T√ľrken 1876 und das Scheitern der Konferenz von Konstantinopel nahm das Russische Reich im Rahmen der panslawistischen Ideologie als Legitimation zur Kriegserkl√§rung. Der Russisch-Osmanische Krieg wurde mit H√§rte und gro√üen Verlusten auf beiden Seiten gef√ľhrt. Nach einer √úberquerung der Donau und des Balkangebirges mitten im Winter siegten die russischen Truppen und r√ľckten bis kurz vor Konstantinopel vor. Hier wurde der Frieden von San Stefano geschlossen, in welchem gro√üe Gebiete vom Osmanischen Reich abgetrennt und dem neuen Staat Bulgarien zugeschlagen wurden. Dieser sollte zun√§chst von Russland durch den Generalgouverneur Alexander Michailowitsch Dondukow-Korsakow verwaltet werden.

Durch den Berliner Kongress 1878 wurde dies teilweise revidiert. Bulgarien wurde ein autonomes F√ľrstentum, das aber dem Osmanischen Reiches weiterhin tributpflichtig blieb. Ostrumelien blieb zun√§chst osmanische Provinz, das Osmanische Reich verzichtete jedoch auf eine milit√§rische Pr√§senz.

Die Reaktionen auf die Entscheidungen des Berliner Kongresses waren im ‚ÄěSan-Stefano-Land‚Äú unterschiedlich. Das im Tarnowo in dieser Zeit tagende Parlament wollte sich aufl√∂sen und den von den Gro√üm√§chten vorgeschlagenen F√ľrsten nicht w√§hlen; Petitionen wurden geschrieben, Appelle und Abgesandte wurden zu den Botschaften in den Hauptst√§dten der Gro√üm√§chte entsandt. Im Land selbst wurden Komitees unter der Bezeichnung ‚ÄěEdinstwo‚Äú (–ē–ī–ł–Ĺ—Ā—ā–≤–ĺ/Einheit) gegr√ľndet. Das Erste Komitee wurde in Weliko Tarnowo unter anderem von Stefan Stambolow ins Leben gerufen. Die Komitees hatten sich das Ziel gesetzt, diese Entscheidungen zu revidieren und ‚ÄěBulgarien in seine nationalen Grenzen vom Frieden von San Stefano wiederherzustellen‚Äú. Eine ihrer ersten Handlungen war die Vorbereitung und die Durchf√ľhrung des Kresna-Raslog-Aufstandes (1878) in Makedonien. Die Verweigerung dieser nationalen Anspr√ľche und ‚Äěeiner Vereinigung aller Bulgaren‚Äú seitens der Gro√üm√§chte, ist bis heute im kollektiven Nationalbewusstsein der Bulgaren verankert[11].

Die erste demokratische Verfassung wurde 1879 in der mittelalterlichen Hauptstadt Bulgariens Tarnowo erlassen. Als Vorbild der nach der Stadt benannten Verfassung von Tarnowo diente die Verfassung des K√∂nigreichs Belgien. Bulgarien wurde konstitutionelle Monarchie und f√ľhrte als erstes Land der Region das allgemeine M√§nnerwahlrecht ein. Prinz Alexander von Battenberg wurde zum F√ľrsten gew√§hlt. Am 25. Junijul./ 7. Juli 1879greg. legte er in Tarnowo seinen Eid vor der Gro√üen Nationalversammlung ab und best√§tigte dann die erste Regierung Bulgariens. Erster Ministerpr√§sident wurde der konservative Politiker Todor Burmow. Bis zum Ersten Weltkrieg teilte sich die bulgarische Politik in eine prorussische (bulg. —Ä—É—Ā–ĺ—Ą–ł–Ľ–ł/russophile) konservative Partei und eine prowestliche (bulg. —Ä—É—Ā–ĺ—Ą–ĺ–Ī–ł/russophobe) Liberale Partei. Makedonische Emigranten stellten dauerhaft ein erhebliches Unruhepotenzial dar.[12]

Die erste Wahl von 1879 ergab einen √ľberw√§ltigenden Sieg der Liberalen, die zuvor die Verfassung ma√ügeblich gepr√§gt haben, sie erhielten 140 der 170 Mandate. F√ľrst Alexander I. (1879‚Äď86) versuchte innere Reformen durchzuf√ľhren. Er widersetzte sich jedoch der Politik der Liberalen und versuchte mit dem russlandfreundlichen konservativen Lager zu regieren. Mit Hilfe und Billigung Russlands setzte Alexander von Battenberg 1881 die liberale Verfassung aus und herrschte zwei Jahre √ľber das Land durch das Regime der Vollmachten, musste aber schlie√ülich das Parlament anerkennen. Ihm gelang gegen Willen der Gro√üm√§chte die Vereinigung Ostrumeliens mit dem F√ľrstentum Bulgarien und unter seiner F√ľhrung besiegte Bulgarien die Serben im Serbisch-Bulgarischen Krieg 1885.

Nach dem Frieden von Bukarest am 3. M√§rz 1886 weigerte sich Zar Alexander III., Alexander I. als Herrscher des vergr√∂√üerten Bulgarien anzuerkennen. Auf russisches Betreiben putschte nun eine Gruppe prorussischer Offiziere gegen den bulgarischen F√ľrsten Alexander I. und zwang ihn am 9. August 1886 zur Abdankung. Daraufhin wurde er au√üer Lande nach Russland verschleppt. Mit Unterst√ľtzung des bulgarischen Parlamentspr√§sidenten Stefan Stambolow, der mit Hilfe des Milit√§rs einen Gegenputsch durchf√ľhrte, konnte jedoch Alexander nach Bulgarien und nochmals kurz auf den Thron zur√ľckkehren. Am 7. September 1886 verzichtete er dann jedoch endg√ľltig auf die Herrschaft, da er das Vertrauen des russischen Zaren nicht mehr genoss. Zu seinem Nachfolger wurde nach langen innenpolitischen Wirren Ferdinand von Sachsen-Coburg und Gotha 1887 gew√§hlt[13].

Ferdinand erkl√§rte am 5. Oktober 1908 die formelle Unabh√§ngigkeit des K√∂nigreichs Bulgarien vom Osmanischen Reich und kr√∂nte sich mit dem Titel Zar. Dieser Zeitpunkt war gut gew√§hlt, da sich das Interesse der Gro√üm√§chte wegen der fast zeitgleich erfolgten Annexion Bosniens und der Herzegowina durch √Ėsterreich-Ungarn vor allem auf diese beiden L√§nder richtete. Einiges spricht daf√ľr, dass sich Ferdinand mit Kaiser Franz Joseph I. bei einem Treffen kurz davor in Budapest abgesprochen hatte.

Makedonische Frage

Die ungel√∂ste Makedonische Frage zog einen starken Fl√ľchtlingsstrom aus Makedonien (makedonische Bulgaren, bulg. –ľ–į–ļ–Ķ–ī–ĺ–Ĺ—Ā–ļ–ł –Ī—ä–Ľ–≥–į—Ä–ł[14]) mit sich. Die makedonischen Fl√ľchtlinge organisierten sich mit den thrakischen Bulgaren. Vor allem etablierten sich jedoch die Emigranten aus Makedonien, wie Andrei Ljaptschew und Ilija Georgow, bald als eine bedeutende politische Kraft, die in den 1920er-Jahren auch √ľber eine eigene parlamentarische Gruppe verf√ľgte und zeitweise als ‚ÄěStaat im Staate‚Äú angesehen wurde,[15] wodurch ein st√§ndiger Druck auf die politischen Kreise des Landes ausge√ľbt wurde, sich mit der makedonischen Thematik zu besch√§ftigen.

Die zun√§chst nur politisch agierenden Fl√ľchtlingsorganisationen bekamen einen militanten Fl√ľgel, die Komitadschi, der in den nicht im bulgarischen Staat eingeschlossenen Gebieten milit√§rische Aktionen unternahm, Aufst√§nde, unter anderem 1878 den Kresna-Raslog-Aufstand, 1902 den Gorna-Dschumaja-Aufstand sowie 1903 den Ilinden-Preobraschenie-Aufstand organisierten und durchf√ľhrten. Dies trug zur zus√§tzlichen Radikalisierung der Politik, dem Streben nach der Verwirklichung der Idee des bulgarischen Staates in den Grenzen von San Stefano bei. Der bulgarische Staat versuchte je nach au√üenpolitischer Lage, diese zu unterst√ľtzen oder zu verbieten. Der Versuch, durch eine staatlich kontrollierte Organisation die Aktionen zumindest zu beeinflussen, misslang. Die radikalisierten Fl√ľchtlingsorganisationen (wie die Innere Mazedonische Revolution√§re Organisation und das Oberste Makedonien-Adrianopel Komitee) versuchten ihrerseits die bulgarische Politik zu beeinflussen, in dem sie Schl√§gergruppen aufstellten, Morddrohungen verschickten und Todesurteile vollstreckten, wie etwa an Stefan Stambolow, um bestimmte politische Entscheidungen im Bezug auf Makedonien durchzusetzen.[16]

In dem neuen Staat formte sich erst langsam ein kollektives Nationalgef√ľhl aus. Er war von Anfang an mit schweren Hypotheken belastet: Die makedonische Emigration im Land bildete dauerhaft ein Unruhepotenzial. Die im San Stefano vorgesehenen Grenzen wurden von den bulgarischen Eliten als legitimer Rahmen eines bulgarischen Nationalstaates gesehen und der Bev√∂lkerung als fester Bestandteil der nationalen Identit√§t vermittelt.[12]

Auch in der Au√üenpolitik Sofias blieb ein zentraler Punkt das Streben nach einem Bulgarien in den Grenzen von San Stefano, was die Angliederung von Makedonien, Thrakiens und Ostrumeliens, die 1885 erfolgte, miteinschloss. Hinzu kam, dass sich die slawische, nicht serbische Bev√∂lkerung in Makedonien selbst zum Teil bis ins 19. Jahrhundert als Bulgaren verstand[17] und dies wurde von bulgarischer Seite auch so betrachtet: Schon vor 1878 war unter den ma√ügeblichen Eliten Makedonien unverr√ľckbarer Teil des ‚ÄěBulgarentums‚Äú. Begr√ľndet wurde das mit linguistischen Argumenten, mit ‚Äěhistorischen Rechten‚Äú unter Hinweis auf die mittelalterlichen bulgarischen Reiche, oder der Zugeh√∂rigkeit zur bulgarischen Kirche. Das in San Stefano 1878 projektierte Gro√übulgarien wurde zum festen Begriff der Nationalbewegung.[18] Bis heute ist Makedonien als Teil der bulgarischen Nation fest im kollektiven Nationalbewusstsein der Bulgaren verankert, und die Infragestellung dieses Ideals ist in breiten gesellschaftlichen Schichten ein Tabuthema geblieben.[18]

Balkankriege und Erster Weltkrieg

Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro schlossen sich 1912 zum Balkanbund zusammen und griffen im Ersten Balkankrieg das Osmanische Reich an, um das t√ľrkische Makedonien f√ľr sich zu gewinnen. Unter der Leitung von General Iwan Fitschew eroberte die bulgarische Armee Adrianopel, L√ľleburgaz (Schlacht von L√ľleburgaz) und KńĪrklareli. Das Osmanische Reich musste als Verlierer den Gro√üteil seines europ√§ischen Gebietes abtreten. Wegen eines Streits um die Aufteilung Makedoniens begann Bulgarien, das die Hauptlast des ersten Krieges getragen hatte, 1913 den Zweiten Balkankrieg gegen Serbien und Griechenland. W√§hrend die bulgarische Streitmacht an der griechischen und serbischen Front gebunden war, drangen die in den Krieg eingetretenen Rum√§nen bis nach Sofia vor. Die Osmanen hatten am Ende des Zweiten Balkankriegs mit Hilfe der Freisch√§rler von ‚ÄěTeŇükil√Ęt-ńĪ Mahsusa‚Äú Ostthrakien mit Edirne (Adrianopel) zur√ľckerobert und wie sp√§ter beim V√∂lkermord an den Armeniern die komplette bulgarische Bev√∂lkerung dort vertrieben oder ermordet. Im Frieden von Bukarest vom 10. August 1913 verlor Bulgarien die zuvor gewonnenen Gebiete, mit Ausnahme von Westthrakien und musste die s√ľdliche Dobrudscha an Rum√§nien abtreten. Makedonien kam gr√∂√ütenteils an Serbien und Griechenland, Adrianopel zur√ľck an das Osmanische Reich.

Bulgarische Fl√ľchtlingskolonne aus Makedonien (1914)

Die n√§chsten Jahre waren gekennzeichnet von der Suche einer Revanche f√ľr diese nationale Katastrophe. Auch die Fl√ľchtlinge die das Land hereinstr√∂mten, trugen zur Missstimmung gegen√ľber den Nachbarn bei. Im Jahre 1914 lebten rund 100.000‚Äď150.000 Fl√ľchtlinge und neue Einwanderer im Land.[19] Bulgarien, dessen Bev√∂lkerung durch die Fl√ľchtlinge auf √ľber vier Millionen wuchs, stand vor einem wirtschaftlichen Kollaps. Dieser konnte nur durch ausl√§ndische Kredite abgewehrt werden. Als Pariser Banken im Sommer 1914 der bulgarischen Regierung keine Kredite mehr einr√§umen wollten, gew√§hrte ihn die Deutsche Diskonto-Gesellschaft. Das Geld wurde in die milit√§rische Aufr√ľstung gesteckt.[20]

Nach der Abkehr von Russland n√§herte sich Bulgarien dem Deutschen Kaiserreich an und nahm an der Seite der Mittelm√§chte am Ersten Weltkrieg teil. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges hatten in Bulgarien bei allen wichtigen Parteien makedonische Bulgaren zentrale Posten inne. Sie bildeten keine geordnete politische Gruppe, weder im Volk, noch im Heer, aber sie hatten gro√üen Einfluss und machten deutlich, dass sie mit allen Mitteln gegen eine Politik und ihre Tr√§ger vorgehen w√ľrden, die Makedoniens Vereinigung mit Bulgarien nicht als Hauptprogrammpunkt betrachteten. Zu Beginn des Krieges stammten allein 60 % des Offizierkops der Armee aus Makedonien.[21] Auch 40 % der Beamten und 37 % der Priester stammten aus Makedonien.[22] Auch die Presse, die teilweise von aus Makedonien stammenden Emigranten wie Danail Kraptschew oder Andrei Ljaptschew dominiert wurde, sch√ľrte die aufgereizte innenpolitische Stimmung mit h√§ufigen Berichten √ľber die Zust√§nde in Makedonien an. Die ‚Äěmakedonischen Kreise‚Äú nutzten auch die sozialen Schwierigkeiten f√ľr ihre Vereinigungs-Propaganda.[23] So wurde damals Makedonien f√ľr fast alle bulgarischen Parteien die zentrale Frage ihrer Politik, die nationale Lebensfrage schlechthin, ebenso wie f√ľr K√∂nig, Kirche und Armee.[24]

Die Kriegsziele Bulgariens wurden im B√ľndnisvertrag des Deutschen Reiches mit Bulgarien vom 6. September 1915 festgehalten. Ein Geheimabkommen, das man zus√§tzlich zum B√ľndnisvertrag schloss, enthielt territoriale Bestimmungen zur Vergr√∂√üerung Bulgariens. In diesem garantierte das Deutsche Reich Bulgarien den Erwerb und die Annexion des ‚Äěserbischen Mazedonien‚Äú und Altserbiens von der M√ľndung in die Donau bis zum Zusammenfluss der ‚Äěserbischen‚Äú und ‚Äěbulgarischen Morawa‚Äú, √ľber die K√§mme von Crna Gora und ҆ar Planina bis zur bulgarischen Grenze von San Stefano. Im Falle eines rum√§nischen oder griechischen Kriegseintritts auf Seiten der Alliierten werden dem neuen Verb√ľndeten auch gleich Teile der Dobrudscha und ‚Äědie durch den Bukarester Vertrag an Griechenland gefallen‚Äú neuen Teile Griechenlands in Aussicht gestellt.[25] Damit wollte sich Bulgarien f√ľr die Gebietsverluste vom Sommer 1913 revanchieren und zumindest einen Teil der Gebiete zur√ľckholen, die man im Zweiten Balkankrieg 1913 verloren hatte.[26] Mit der R√ľckgewinnung verlorener Territorien und Einflusszonen verfolgten Staat und Kirche bei Kriegseintritt dasselbe Ziel.[27]

Bulgarien besetzte 1916 zusammen mit den Verb√ľndeten die Dobrudscha. Der Friede von Bukarest (1918) gab Bulgarien die S√ľddobrudscha sowie Teile der Norddobrudscha zur√ľck. Die Besatzungsgebiete im Westen, Makedonien und die Morava-Region, wurden von der BMARK verwaltet.

Ab dem 15. September 1918 brach der Widerstand der bulgarischen Armee nach einem Durchbruch der Alliierten an der Salonikifront komplett zusammen. Die ‚ÄěMa√ülosigkeit‚Äú Ferdinands, die die Entscheidung zugunsten der Mittelm√§chte entscheidend beg√ľnstigt hatte, hatten Bulgarien auch in eine zweite verheerende Katastrophe getrieben.[28]

Nach dem Ersten Weltkrieg

Bulgarien nach den Vertrag von Neuilly-sur-Seine

Im Frieden von Neuilly 1919 musste Bulgarien seinen Zugang zum √Ąg√§ischen Meer, den Landbereich Thrakien, zwischen den Fl√ľssen Mesta und Mariza mit dem Hafen Dedeagac (heute: Alexandroupolis) an die Alliierten, die es an der Konferenz von Sanremo im April 1920 an Griechenland gaben, abgeben. Rum√§nien erhielt nun den s√ľdlichen Teil der Dobrudscha, die Gebiete um Caribrod, Bosilegrad und Strumiza gingen an das neu gegr√ľndete ‚ÄěK√∂nigreich der Serben, Kroaten und Slowenen‚Äú.

Mit Neuilly war Bulgarien von der Realisierung seines nationalen Ideals wieder weit entfernt. Die traditionelle nationale Politik war in eine Sackgasse geraten und hatte mit der Feindschaft der Nachbarstaaten einen Tr√ľmmerhaufen hinterlassen.[28] Die Folgen des Ersten Weltkriegs waren verheerend: Insgesamt verlor Bulgarien 8 % seiner Vorkriegsfl√§che oder rund 10.750 km¬≤. Au√üerdem sollte Bulgarien Reparationen in H√∂he von 2,25 Milliarden Goldfranken zahlen. Der Betrag wurde 1923 auf 550 Millionen gesenkt und 1932 der Rest gestrichen.[29] Die Verwaltung und Verteilung der Finanzen wurden von einer alliierten Kontrollkommission √ľberwacht. Dazu kamen noch der massenhafte Zustrom von mindestens 200.000 Fl√ľchtlingen,[30] wobei die Zahlenangaben dazu schwanken. Bis 1926 kamen sogar √ľber 800.000 Fl√ľchtlinge ins Land, vor allem aus Ostthrakien und der Dobrudscha,[31] etwas √ľber 100.000 kamen aus Vardar-Makedonien.[32] Zur gleichen Zeit wurden 50.000 Griechen,[33] meist von der Schwarzmeerk√ľste und 1923‚Äď45 rund 230.000 T√ľrken aus Bulgarien vertrieben.[34] Dieses √§nderte die ethnische Zusammensetzung Bulgariens und f√ľhrte zu erheblichen sozialen Problemen. Das Land das schon von den Balkankriegen mit Fl√ľchtlingen √ľberf√ľllt war, stand vor dem Kollaps. Ein Teil der Fl√ľchtlinge konnte in den Gebieten der vertriebenen Griechen und T√ľrken angesiedelt werden. In kl√∂sterlichem Besitz befindliche L√§ndereien wurden teilweise aufgel√∂st, um mit kleineren Landg√ľtern Lebensgrundlage f√ľr viele zu schaffen. Viele Fl√ľchtlinge lebten jedoch elend in Quartieren am Rande der gro√üen St√§dte und √ľberschwemmten den Arbeitsmarkt. Einige wanderten daraufhin in √úbersee aus. Dies alles f√ľhrte zu einer Reihe ausgedehnter Streiks ‚Äď allein f√ľr das Jahr 1919 sind 150 bekannt.

Handel, Industrie und Landwirtschaft waren schwer beeintr√§chtigt. Die Landwirtschaft verf√ľgte nicht einmal mehr √ľber Saatgut. In der Industrie herrschte Mangel an Rohstoffen und Energie. Dem Handel fehlten die Transportmittel, die im Krieg eingesetzt und vernichtet worden waren. Die Preise stiegen enorm. Der ungl√ľckliche Ausgang des Krieges veranlasste den Zaren, am 3. Oktober 1918 zugunsten seines Sohnes Boris III. zur√ľckzutreten. Dieser spielte in dem von Unruhen zerrissenen Land zun√§chst eine politisch untergeordnete Rolle, bis er 1935, ein Jahr nach dem Staatsstreich der Gruppe ‚ÄěSweno‚Äú, die Macht als absolutistischer Monarch ergriff. Der ehemalige Ministerpr√§sident Wassil Radoslawow wanderte unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg nach Deutschland aus.

Die Regierung des Bauernbundes (1919-1923)

Die soziale Not und politische Unzufriedenheit entlud sich in den Parlamentswahlen im August 1919, die zu einer Abrechnung mit dem gesamten bisherigen politischen Establishment wurden. Der Weltkrieg hatte die (Bauern)massen politisiert und f√ľhrte damit zu einer Ersch√ľtterung des bisherigen politischen Systems, dass die teilweise noch analphabete Bev√∂lkerung manipulierte, ohne deren Interessen angemessen zu vertreten. Trotz der √ľblichen halblegalen Wahlmanipulationen durch die Verwaltung, die durch Klientelismus ("partizanstvo") mit regierungsnahen Personen besetzt war, erreichten die alten Parteien zusammen weniger als 40% der Stimmen, Sieger waren der Bulgarische Nationale Bauernbund unter Aleksandar Stambolijski (31%), die Kommunisten (18%), die in den st√§dtischen Unterschichten Erfolge erzielten, und die Sozialdemokraten (13%). Bei einer erneuten Wahl im M√§rz 1920 erhielt der Bauernbund sogar eine knappe die Mehrheit der Sitze.[35]

Die seit Oktober 1919 im Amt befindliche Regierung Stambolijski wollte Bulgarien au√üenpolitisch aus seiner internationalen Isolation herausf√ľhren, aber der einzige Erfolg in diese Richtung war die Aufnahme Bulgariens in den V√∂lkerbund (1920). Mit seiner Absage an Revisionismus ver√§rgerte er aber die alten Eliten des Landes, die am Bulgarien in den Grenzen von San Stefano festhielten, und das Milit√§r. Die f√ľr den Anschluss Mazedoniens an Bulgarien k√§mpfende IMRO, eine rechtsextreme terroristische Vereinigung, erkl√§rte ihn zu ihrem Hauptfeind.

Innenpolitisch st√ľtzte sich Stambolijski auf die Bauern, die 80 % der bulgarischen Bev√∂lkerung bildeten. Er versuchte sie und ihre politische Organisation zum entscheidenden Tr√§ger der politisch-demokratischen, wirtschaftlich-sozialen und geistig-kulturellen Entwicklung des Landes zu machen. Damit vertrat er die Interessen der b√§uerlichen Mehrheit der Bev√∂lkerung, was eine Demokratisierung der Politik Bulgariens darstellte, vernachl√§ssigte jedoch die St√§dte und brach mit der noch immer m√§chtigen alten Elite der st√§dtischen Oberschichten. Er setzte progressive Einkommenssteuer und gew√§hlte Richter durch, entideologisierte die Lehrpl√§ne und reinigte die Lehrerschaft sowohl von extrem nationalistischen wie kommunistischen Vertretern. Er f√∂rderte auch Kooperativen der vielen kleinen Landwirte, um ihre Produktion effizienter zu machen. Sein Ziel war ein korporationistischer dritter Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus.

Mit dem Gesetz √ľber die Arbeitspflicht vom 14. Juni 1920 wurde erstmals eine Art Arbeitsdienst eingerichtet. M√§nner √ľber 20 und Frauen √ľber 16 sollten zu Arbeiten in allen Zweigen der Volkswirtschaft f√ľr 12 bzw. 6 Monate herangezogen werden. Ausgenommen waren verheiratete und muslimische Frauen sowie jene M√§nner, die den freiwilligen 12-j√§hrigen Wehrdienst ableisteten. Bei Naturkatastrophen und nationalem Notstand konnten M√§nner im Alter von 20 bis 50 Jahren bis zu vier Wochen dienstverpflichtet werden.

Das zentrale Projekt des Bauernbundes war jedoch die Bodenreform, die auf den Widerstand der Grundbesitzer stie√ü. In der Bodenreform wurde aller Grundbesitz √ľber 30 Hektar aufgeteilt, eine Einzelperson sollte 1 Hektar, eine Familie 10 Hektar bewirtschaften nach dem Grundsatz, dass das Land dem geh√∂ren sollte, der es bearbeitet. Tats√§chlich wurden etwa 6% des bulgarischen Bodens enteignet und umverteilt. nirgends in S√ľdosteuropa war der Boden damit so egalit√§r unter die Besitzer verteilt wie hier.

Allerdings war Stambolijskis Innenpolitik radikaler als alles, was Bulgarien bis dahin gekannt hatte. Es gab eine Pressezensur und ein Verbot f√ľr Staatsbedienstete, an Demonstrationen teilzunehmen. Seine ‚ÄěOrange Garde‚Äú, eine aus Bauern geschaffene Miliz seiner Partei (Parteimilizen waren in Europa damals nicht un√ľblich) wurde zunehmend als Zeichen seiner ‚ÄěSchreckensherrschaft‚Äú angesehen. Der Ton Stambolijskis gegen die angeblich moralisch verdorbenen St√§dte radikalisierte sich zunehmend, aus seiner Skepsis gegen√ľber dem Parlamentarismus machte er, der sich als Vertreter von zwei Dritteln des Volkes sah, keinen Hehl. Aus Misstrauen gegen die alte Elite benutzte er zudem selten den Verwaltungsapparat, sondern baute stattdessen seine Partei zu einer Art Parallelorganisation aus, was die Beamtenschaft gegen ihn aufbrachte. Auch die Korruption, die er an den alten Parteien heftig kritisiert hatte, setzte sich unter seiner Regierung unvermindert fort. Dennoch wurden viele seiner Reformen auch nach den Ende der Regierung des Bauernbundes beibehalten.[36]

Putsch und Regierung der ‚ÄěDemokratischen Eintracht‚Äú (1923‚Äď1926)

Die Politik des Bauernbundes hatte viele Gegner. In den Parlamentswahlen im Fr√ľhjahr 1923 gewann dennoch ohne Manipulationen der Bauernbund eine √ľberw√§ltigende Mehrheit, auch wenn die Einf√ľhrung der Mehrheitswahl dazu beigetragen hatte. Daraufhin schlossen sich politische Kr√§fte aus Armee, Verwaltungsapparat, der IMRO und den alten Parteien zusammen zum Demokratischen Eintracht (bulg. –Ē–Ķ–ľ–ĺ–ļ—Ä–į—ā–ł—á–Ķ—Ā–ļ–ł —Ā–≥–ĺ–≤–ĺ—Ä/Demokratitscheski Sgowor). In der Nacht vom 8. auf den 9. Juni 1923 fand unter dem Kommando des Hauptmanns Iwan Walkow und des rechtsorientierten Politikers Professor Aleksandar Zankow ein Putsch gegen Stambolijski statt. K√∂nig Boris III. wusste vermutlich davon, griff aber nicht ein, ebenso wenig die Kommunistische Partei. Die ‚ÄěOrange Garde‚Äú wurde zerschlagen, Alexandar Stambolijski geriet am 14. Juni in Gefangenschaft und wurde schlie√ülich grausam von Mitgliedern der IMRO ermordet. Mit ihm wurden viele Anh√§nger des Bauernbundes mit Unterst√ľtzung der IMRO ohne Urteil beseitigt. In Pirin-Makedonien, der Operationsbasis der IMRO f√ľr ihren Guerillakrieg im serbischen Vardar-Makedonien, wurde die IMRO zum ‚ÄěStaat im Staate‚Äú und im Laufe der 1920er-Jahre zum ‚ÄěStaat √ľber dem Staate‚Äú in ganz Bulgarien.[15]

Gefangene nach dem Septemberaufstand 1923

Die neue rechtsgerichtete Regierung unter Aleksandar Zankow verfolgte auch die Kommunisten und lie√ü 2500 von ihnen am 12. September 1923 ins Gef√§ngnis werfen. Obwohl Stambolijski auch gegen die Kommunisten vorgegangen war, und diese den Bauernbund lange als "b√§uerliche Kleinbourgeoisie" geschm√§ht hatte, verb√ľndete sich die kommunistische Partei unter dem Druck Moskaus (genauer der Kommunistischen Internationale) mit Stambolijskis Anh√§ngern und startete am 23. September einen Aufstand, um die ‚ÄěFehler‚Äú vom 9. Juni wieder gut zu machen. F√ľhrer dieses Aufstands waren Wassil Kolarow und Georgi Dimitrow. Diese versp√§tete Auflehnung wurde in nur wenigen Tagen mit mehr als 20.000 Opfern und einem Sieg der Armee blutig beendet. Die Kommunistische Partei wurde verboten.

Die Regierung formierte einen Block ‚ÄěDemokratische Eintracht‚Äú (Demokraticeski sgovor), indem sie versuchte, aus allen Parteien Politiker an sich zu binden. Es sollte eine ‚ÄěVereinigung verwandter Parteien‚Äú entstehen. Kaum war das passiert, begann eine Differenzierung in die sogenannten Fl√ľgel (‚ÄěSt√§mme‚Äú). Der eine gruppierte sich um Zankow, die anderen folgten den gem√§√üigten Andrei Ljaptschew von den Demokraten und Atanas Burow von der Vereinigten Nationalprogressiven Partei, die ohne Abstriche den Parlamentarismus der Zeit vor 1918 erneuern wollte. Zankovs Regierung muss insgesamt als rechte autorit√§re Herrschaft angesehen werden. Ihre Ziele waren die Bek√§mpfung von Neuerungen, die Steigung der Effektivit√§t des Staates, wirtschaftliche Erholung und au√üenpolitische friedliche Revision des Vertrages von Neuilly.

Eine Wiederherstellung der √∂ffentlichen Ordnung gelang der Regierung aber nicht, denn die Kommunisten verlegten nach in ihrem Kampf gegen das Regime nun auf Terror. Am Aufsehen erregendsten war ein Bombenanschlag auf die Kathedrale Sweta Nedelja im April 1925, bei dem mehr als 150 Menschen ums Leben kamen. Zar Boris III., dem dieser Anschlag gegolten hatte, war zuf√§lligerweise nicht anwesend. Daraufhin galt von April bis Oktober 1925 der Ausnahmezustand. Die bisherigen Sympathien f√ľr den Kommunismus wurden dadurch erheblich vermindert. Auch der seit 1923 oppositionelle Bauernbund erkl√§rte seine Ablehnung des Terrors und der Komintern. neben den Kommunisten terrorisierte auch die IMRO weiter das Land.

Au√üenpolitisch konnte die Regierung Zankow, genau wie vorher Stambolijski, keinen entscheidenden Durchbruch bei der Revision des Vertrages von Neuilly erreichen. Mit Griechenland wurde 1924 eine Minderheitenvereinbarung unterschrieben und mit der T√ľrkei 1925 ein Friedens- und Freundschaftsvertrag geschlossen. Die Beziehungen Mit Jugoslawien wurden die Beziehungen durch verst√§rkte Bandent√§tigkeit der IMRO belastet. Die Hoffnungen auf eine Grenzrevision in Thrakien wurden auf der Konferenz von Lausanne entt√§uscht.

Die wirtschaftliche Erholung blieb weit hinter den Erwartungen (und dem Bev√∂lkerungswachstum) zur√ľck. Man n√§herte sich nur allm√§hlich wieder dem Vorkriegsniveau. Neue Felder und Weiden wurden erschlossen, S√ľmpfe trockengelegt, ertragreichere Pflanzen und neue Terrassen eingef√ľhrt. Tabak, Baumwolle, Zuckerr√ľben und Sonnenblumen blieben die wichtigsten Ausfuhrg√ľter. In der Industrie taten sich neue Produktionszweige auf: Kautschuk, Glas und Porzellan. Ein weiteres Problem, das die innere Unruhen verst√§rkte, war die Fl√ľchtlingswelle aus der Dobrudscha, Mazedonien und Trakien mit √ľber 250.000 Fl√ľchtlingen in den Jahren 1919 bis 1925. Den f√ľr den Handel sehr wichtigen Zugang zur √Ąg√§is, den Bulgarien nach Art. 48 von Neuilly bekommen sollte, hatte es nie erhalten. Als schlie√ülich die Gew√§hrung der zur wirtschaftlichen Gesundung des Landes dringend ben√∂tigten Anleihen in London und Paris von einer innenpolitischen Stabilisierung Bulgariens abh√§ngig gemacht wurde, musste Zankov zur√ľcktreten. Das n√§chste Kapitel in der bulgarischen Geschichte wurde als ‚ÄěDie Zeit der wirklichen Demokratie‚Äú bezeichnet.

Regierung Ljaptschew, "Volksblock" und Weltwirtschaftskrise (1926-1934)

Bulgarische Fl√ľchtlinge aus Westthrakien am Bahnhof Swilengrad

Am 4. Januar 1926 wurde der radikale Zankow durch die gem√§√üigten Andrei Ljaptschew und Atanas Burow abgel√∂st (bis 1931). Sie versuchten zu demokratischen Prinzipien zur√ľckzufinden, indem sie die Bedeutung des Parlaments unterstrichen, Pressefreiheit und politische Diskussion forderten. Es fand im Februar 1926 eine umfassende Amnestie politischer H√§ftlinge statt. Die Kommunistische Partei und deren Organisationen, Arbeiterjugendbund und Gewerkschaften wurden ein Jahr sp√§ter zugelassen. Mit der Durchf√ľhrung von Kommunal-, Distrikts- und Parlamentswahlen 1926/27 hatte die Regierung die wesentlichen Liberalisierungserwartungen des In- und Auslands erf√ľllt. Dieser gem√§√üigte Kurs Ljaptschews wurde mit einer Fl√ľchtlingsanleihe britischer und amerikanischer Banken in H√∂he von 2,4 Millionen Pfund Sterling sowie 4,5 Mio. Dollar honoriert.

Am 31. Mai 1927 verlie√ü die Interalliierte Kontrollkommission Bulgarien. Es folgte am 9. Dezember 1927 das Mollow-Kaphantaris-Abkommen mit Griechenland √ľber die Aussiedlung von Bulgaren aus Westtrakien. Dies brachte eine neue Fl√ľchtlingswelle nach Bulgarien und f√ľhrte zu neuerlichen Versorgungsproblemen. In seiner Au√üenpolitik dokumentierte Ljaptschew die friedlichen Absichten Bulgariens am 14. November 1928 durch den Beitritt zum Briand-Kellogg-Pakt. Am 20. Januar 1930 wurde im Rahmen der Haager Schlussakte die Reparationssumme von 2,25 Milliarden Goldfranken auf den immer noch nicht zu leistenden Betrag von 171,6 Millionen Goldfranken reduziert.

Das Katholische Krankenhaus in Plowdiw nach dem Tschirpan-Erbeben (1928)

Am 14. April 1928, Ostersamstag wurde Bulgarien von einen schweren Erdbeben heimgesucht. Das Zentrum befand 8 km n√∂rdlich von Tschirpan in der thrakischen Ebene.

Die Weltwirtschaftskrise √§u√üerte sich in Bulgarien zun√§chst als Agrarkrise, die zu einer Preissenkung landwirtschaftlicher Produkte f√ľhrte, die tief unter dem Rentabilit√§tswert f√ľr die Landwirte lag. Eine gewisse Rolle spielte auch die Agrarreform von 1921 unter Stambolijski sowie die Vers√§umnisse bei den agrartechnischen Innovationen. Die Industrieproduktion ging um die H√§lfte zur√ľck. Die Zahl der Arbeitslosen stieg auf 200.000. Die Krise verursachte allgemeine Unzufriedenheit, die sich gegen die konservative Regierung richtete. So gelangte durch die relativ freien Wahlen vom 21. Juni 1931 der oppositionelle ‚ÄěVolksblock‚Äú an die Macht. Er war eine Koalitionsregierung aus Demokraten, Liberalen und gem√§√üigten Agrariern, zun√§chst unter der F√ľhrung von Aleksandar Malinow, und ab 12. Oktober 1931 von Nikola Muschanow. Die Regierung entt√§uschte die in sie gesetzten Hoffnungen durch innere Zerstrittenheit, fortgesetzte Korruption und Erfolglosigkeit bei der Bek√§mpfung der Wirtschaftskrise. Sie musste sogar nach Ablauf des Hoover-Moratoriums (Juli 1931 bis Juli 1932) den Zinsendienst f√ľr Auslandsschulden einstellen. In der √Ėffentlichkeit wurde ihr Scheitern auch als Scheitern der Demokratie gesehen.[37]

Au√üenpolitisch gelang auch diesen Regierungen kein Fortschritt. Das zeigte sich 1934 im Abschluss des Balkanpaktes zwischen der T√ľrkei, Griechenland, Jugoslawien und Rum√§nien. Er richtete sich in Artikel 8 ausdr√ľcklich gegen die bulgarischen Revisionsbestrebungen und bekr√§ftigte dadurch die Isolierung Bulgariens.

Putsch und Königdiktatur (1934-1944)

Am 19. Mai 1934 putschten Mitglieder der Milit√§rliga und der kleinen Gruppe ‚ÄěSweno‚Äú (Kettenglied) gegen die sichtbar an der Umsetzung ihrer Ziele gescheiterte Regierung. Die Demokratie wurde beseitigt, eine Diktatur eingef√ľhrt. Am 30. Mai 1934, also nach dem Putsch, l√∂ste sich das ‚ÄěSweno‚Äú selbst auf, um dadurch das Vorgehen der Regierung Kimon Georgiew gegen die anderen Parteien zu erleichtern, die s√§mtlich verboten wurden.

Die Regierung Georgiew sorgte in kurzer Zeit f√ľr tiefgreifende √Ąnderungen und setzte Teile der seit 1879 g√ľltigen Verfassung von Tarnowo au√üer Kraft. Vor allem wurden gro√üe Sparma√ünahmen in der Verwaltung durchgef√ľhrt. Die Zahl der Gemeinden wurde von 2.500 auf 800 verringert und der Beamtenapparat verkleinert. Am 12. Juni 1934 wurden das Parlament und die Parteien aufgel√∂st und eine Pressezensur eingef√ľhrt. Die lokale Selbstverwaltung wurde durch eine zentrale Administration ersetzt. Die autonomen, parteilich orientierten Gewerkschaften gerieten unter staatliche Kontrolle.

Die neue F√ľhrung fand Zustimmung in Deutschland und Italien und wurde von England, Frankreich und der bulgarischen Bev√∂lkerung kritisiert. Die ersten au√üenpolitischen Schritte gingen in Richtung Jugoslawien. Noch in den ersten Tagen nach dem Putsch l√∂ste die Regierung die IMRO gewaltsam auf. Die positive Wirkung auf Belgrad zeigte sich am 24. Mai 1934 durch einen Handelsvertrag (seit 30 Jahren war kein Vertrag mit Jugoslawien mehr geschlossen worden). Ein anderer Punkt war die Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Bulgarien. Es wurden eine gemeinsame Handelskammer und eine bulgarisch-sowjetische Gesellschaft gegr√ľndet.

Trotz vielversprechender Ans√§tze in der Au√üen-, Innen- und Wirtschaftspolitik gelang es den Putschisten nicht, die bisher bestimmenden politischen Kr√§fte zu integrieren. Sie blieben isoliert. Am 22. Januar 1935 musste Kimon Georgiew sein Amt aufgeben. In den folgenden Monaten wurde der Milit√§rbund schrittweise entmachtet und am 3. M√§rz 1936 aufgel√∂st. Gest√ľtzt auf royalistische Offiziere erlangte nun Zar Boris III. die volle Macht.

Die folgenden Jahre standen im Zeichen der Stabilisierung der Königsdiktatur, der Bekräftigung einer unabhängigen Außenpolitik und einer verstärkten wirtschaftlichen Kooperation mit Deutschland. Im Unterschied zu anderen, im Europa der 1930er Jahre entstandenen diktatorischen Regime behielt dieses noch vergleichsweise viele demokratische Elemente. König Boris III. setzte die 1934 weitgehend aufgehobene Verfassung wieder in Kraft. Rechtsradikale Organisationen wurden aufgelöst, 1938 sogar wieder ein Parlament gewählt, auch wenn die Wahlen durch rigide Vorgaben verzerrt wurden. Das Militär wurde systematisch entpolitisiert und damit als politischer Faktor eliminiert. [38]

An der Spitze der Regierung war bis November 1935 Andrei Toschew und danach bis zum 15. Februar 1940 Georgi Kjoseiwanow, der ein Vertrauter des Zaren war. In seiner Amtszeit bildete Kjoseivanow die Regierung acht Mal um, ein Zeichen f√ľr das Fehlen einer leitenden Idee und einer die Regierung tragenden politischen Kraft. Der Staat st√ľtzte sich nicht auf bestimmte Parteien, sondern vereinigte einige Elemente der parlamentarischen Demokratie mit der K√∂nigsdiktatur. Im M√§rz 1937 lie√ü Kjoseiwanow Kommunalwahlen, ein Jahr sp√§ter Parlamentswahlen durchf√ľhren, bei denen die Kandidaten bei fortbestehendem Parteienverbot nicht als Repr√§sentanten von Parteien, sondern lediglich als Einzelpersonen auftreten durften. Auch die Regierung organisierte ihre Anh√§nger nicht in einer festen Partei. Bei der Parlamentser√∂ffnung im Mai 1938 erkl√§rten sich von 170 Abgeordneten 106 f√ľr die Regierung und 64 gegen sie.

In ihrer Au√üenpolitik versuchte die Regierung eine Aufhebung der Neuillyer Milit√§rklauseln. Sie erreichte am 31. Juli 1938 ein Abkommen mit Griechenland √ľber die Aufhebung der R√ľstungsbeschr√§nkungen und die Erlaubnis zur Wiederbesetzung der entmilitarisieren Zone an der thrakischen Grenze. Ein Jahr zuvor, am 24. Januar 1937, war der bulgarisch-jugoslawische Freundschafts- und Nichtangriffspakt ratifiziert worden.

Auf handelspolitischem Gebiet war Bulgarien sehr von Deutschland abh√§ngig. Der bulgarische Export nach Deutschland betrug im Jahr 1937 47,1 % und stieg auf 58,9 % im Jahr 1938 und 1939 auf 67,8% der bulgarischen Gesamtausfuhr. Der Import stieg von 58,2 % im Jahr 1937 und 52,0 % im Jahr 1938 auf 65,5 % der bulgarischen Gesamteinfuhr. Das Gesamtvolumen des bulgarischen Handels mit Deutschland war 1930 rund 2,5 Milliarden Lewa und stieg 1939 bis auf Dreifache, n√§mlich rd. 7,5 Milliarden Lewa, mit einer positiven Handelsbilanz f√ľr Bulgarien. In den Kriegsjahren 1941‚Äď1944 erreichte Deutschland sogar einen Anteil von 79 % des Imports und 73 % des Exports Bulgariens.[39] Obwohl Bulgarien so sehr wirtschaftlich von Deutschland abh√§ngig war, wurde eine engere politische Bindung an Deutschland von Boris III. vermieden.

Die politische und staatliche, wirtschaftliche und soziale, rechtliche und kulturelle Entwicklung Bulgariens zwischen dem Ende des Ersten und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges bewegte sich zwischen gescheiterten Versuchen, eine demokratisch-parlamentarische Ordnung herzustellen, und mehrfachen Katastrophen, Umbr√ľchen und Staatsstreichen, als deren Folge verschiedene Formen von Diktatur und schlie√ülich die des K√∂nigs Boris III. entstanden.

Au√üenpolitisch befand sich Bulgarien 1919‚Äď1934 in weitgehender Isolierung, weil es Revisionsforderungen gegen√ľber allen Nachbarl√§ndern mit Ausnahme der T√ľrkei hatte. Allerdings betrieben die bulgarischen Regierungen in diesem Zeitraum keine einheitliche revisionistische Au√üenpolitik. Die Regierung von Stambolijski wollte eine gro√üs√ľdslawische F√∂deration von Staaten schaffen. Die bulgarische Politik der 1930er Jahre sah sich vor drei Aufgaben gestellt. Es galt, die au√üenpolitische Isolation zu √ľberwinden, durch Verst√§ndigung mit den Nachbarn sowie mit Billigung der Gro√üm√§chte den Vertrag von Neuilly zu revidieren und die verlorenen Gebiete wiederzugewinnen.

Aber die Gebietsverluste hatten Spannungen und Probleme mit Griechenland, Jugoslawien und Rum√§nien gebracht, die sich nur sehr schwer mindern lie√üen. Die mazedonische Frage bildete, durch die st√§ndigen Attentate, ein kaum l√∂sbares Dauerproblem. Von geringerem Gewicht war die Bulgarien von Rum√§nien trennende Dobrudschafrage. Innenpolitisch und wirtschaftlich hat sich die Lage in diesen Jahren nicht sehr ver√§ndert. Da es in Bulgarien keine gro√üe soziale Differenzierung gab, weder einen Grund besitzenden Adel noch ein Besitzb√ľrgertum gr√∂√üeren Umfangs, spielten wie in den Jahren der Staatsbildung Offizierskorps und Beamtenschaft eine entscheidende Rolle.

Das v√∂llige √úberwiegen der Landbev√∂lkerung √§nderte sich bis Ende des Zweiten Weltkriegs nur gering. So betrug im Jahre 1900 der Anteil der Landbev√∂lkerung 80,2 % und im Jahre 1934 78,5 %.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg versuchte Bulgarien so lange wie m√∂glich Neutralit√§t zu wahren und gab deshalb am 15. September 1939, zwei Wochen nach Kriegsausbruch, eine Neutralit√§tserkl√§rung ab. Mit der Sowjetunion wurden zwei Schifffahrtsvertr√§ge (11. Dezember 1939 und 5. Januar 1940) unterzeichnet. Einen von Moskau angebotenen Pakt √ľber wechselseitige Unterst√ľtzung lehnte die rechtsgerichtete Regierung Bogdan Filow (Februar 1940 bis September 1943) jedoch ab, da sie eine allzu gro√üe Einflussnahme auf die inneren Verh√§ltnisse und eine ‚ÄěSowjetisierung‚Äú bef√ľrchtete.

Nach einem Milit√§rputsch 1934 und der Aufl√∂sung der politischen Parteien entstand eine autorit√§re Regierung unter Zar Boris III. Bulgarien sah sich aber 1940 sowohl durch Russland als auch durch die T√ľrkei bedroht. Griechenland selbst hatte Pl√§ne, falls Bulgarien nicht auf Seiten der Griechen st√ľnde, den S√ľdteil zu besetzen. Der griechische Generalstabschef General Papagos forderte am 13. M√§rz 1940 schriftlich ein B√ľndnis zwischen Bulgarien und Griechenland, andernfalls sei Bulgarien zu neutralisieren und hierf√ľr zu besetzen. F√ľr den Fall der Neutralit√§t oder Gegnerschaft drohte er aus verkehrstechnischen, operativen Gr√ľnden und der Einsparung von Streitkr√§ften (Grenzsicherung) die Besetzung an.[40]

Derart auf dem Balkan isoliert, n√§herte sich Bulgarien den Achsenm√§chten an. Durch den Vertrag von Craiova vom 7. September 1940 erhielt Bulgarien auf italienischen und deutschen Druck den s√ľdlichen Teil der Dobrudscha von Rum√§nien zur√ľck. Der neue Grenzverlauf wurde nach Ende des Kriegs nicht ver√§ndert.

Am 18. November 1940 kam Zar Boris III. nach Berlin. In seinem Staat √ľberschnitten sich, schon wegen seiner geographischen Lage, deutsche und sowjetische Interessen. Einen Beitritt zum Dreim√§chtepakt hatte der K√∂nig einen knappen Monat vorher abgelehnt, doch gab er sp√§ter eine verklausulierte Zusage (23. November 1940). Eine offene Teilnahme an milit√§rischen Ma√ünahmen gegen Griechenland wurde nicht rundweg verweigert, doch von Bedingungen abh√§ngig gemacht: Modernisierung der bulgarischen Armee und Verschleierung beziehungsweise Unterlassung eines Aufmarsches auf bulgarischem Boden ‚Äěbis zum letzten Moment‚Äú. Die Zur√ľckhaltung Bulgariens war f√ľr Hitler auch deshalb unangenehm, weil sie unmittelbar auf Jugoslawien wirken konnte, da nur noch Jugoslawien nicht dem Dreim√§chtepakt beigetreten war.

Im Januar 1941 verabschiedete Bulgarien, auf Druck Deutschlands das erste antij√ľdische Gesetz, das als ‚ÄěGesetz zum Schutze der Nation im Parlament‚Äú verabschiedet wurde. Am 22./23. Januar 1941 kam es zu einer Besprechung von Generalfeldmarschall Wilhelm List mit seinem Chef des Generalstabes, General von Greiffenberg, und der bulgarischen Generalstabsdelegation unter General Boydeff in Predeal, s√ľdwestlich von Kronstadt. Bulgarien sah sich nicht in der Lage, das Land vor Angriffen der Sowjetunion, der T√ľrkei und Griechenlands zu sch√ľtzen und war auf die milit√§rische Hilfe Deutschlands angewiesen, weswegen deutsche Truppen im Lande stehen und auch Luftverteidigungsaufgaben √ľbernehmen mussten. Erst wenn dies gew√§hrleistet sei, erkl√§rte sich Bulgarien bereit, dem Dreim√§chtepakt beizutreten. Den gleichen Eindruck gewann der Diplomat Herbert von Richthofen am 23. Januar 1941 bei den Besprechungen mit der F√ľhrung der bulgarischen Luftwaffe. Am 17. Februar 1941 wurde auch ein bulgarisch-t√ľrkischer Freundschafts- und Nichtangriffspakt unterschrieben.

Angesichts des bevorstehenden Beitritts Bulgariens an der Seite der Achsenmächte und den Aufforderungen der Alliierten sich den Deutschen entgegenzustellen, beschrieb Danail Kraptschew die damalige allgemeine Volksstimmung in der Zeitung Zora:

‚ÄěWieso stoppt ihr sie nicht? Wieso habt ihr sie nicht gestoppt, als sie in √Ėsterreich einmarschierten? Wieso gabt ihr ihnen in M√ľnchen mit dem Einmarsch in der Tschechoslowakei recht? Wieso habt ihr sie nicht gestoppt, als sie Polen √ľberfallen haben? Wieso habt ihr sie nicht gestoppt, als sie Paris eingenommen haben? ‚Ķ 1919 habt ihr uns die Waffen genommen - womit sollen wir jetzt k√§mpfen? ‚Ķ Im Vertrag von Neuilly-sur-Seine habt ihr unsere Zerrissenheit nur bekr√§ftigt und erweitert ‚Ķ Sollen wir f√ľr die von euch festgelegten Grenzen von Neuilly-sur-Seine k√§mpfen?‚Äú

Gebietserwerbungen Bulgariens während des Zweiten Weltkriegs
Administrative Gliederung Bulgariens während des Zweiten Weltkriegs

Am 28. Februar 1941 marschierte die Deutsche Armee von Rum√§nien bei Giurgiu s√ľdlich von Bukarest √ľber die Donau ein. Zur gleichen Zeit √ľberschritten bei Dobrudscha bereitgestellte deutsche Truppen die bulgarische Grenze und marschierten nach Warna. Die Sowjetunion reagierte naturgem√§√ü heftig auf die Mitteilung, Bulgarien sei dem ‚ÄěDreim√§chtepakt‚Äú beigetreten, und nannte die Besetzung Bulgariens eine Bedrohung der eigenen Sicherheit. Als Bulgarien schlie√ülich an der Seite der Achsenm√§chte gegen Jugoslawien und Griechenland in den Zweiten Weltkrieg eintrat, wurden Thrakien und Mazedonien besetzt. Im Dezember 1941 erkl√§rte es Gro√übritannien und den USA den Krieg ‚Äď jedoch nicht der UdSSR.

Der SS-F√ľhrer Theodor Dannecker war von Januar bis September 1943 als ‚ÄěJudenberater‚Äú der deutschen Botschaft in Sofia f√ľr die Deportation bulgarischer Juden verantwortlich. Zusammen mit dem im August 1942 ernannten ‚ÄěKommissar f√ľr Judenfragen‚Äú Alexander Belew erarbeitete er Abkommen mit einem Plan, nach dem zun√§chst 20.000 Juden deportiert werden sollten. Man organisierte zun√§chst die Deportation derjenigen Juden, die in den von Bulgarien besetzten Gebieten in Mazedonien und Griechenland lebten. Etwa 4000 wurden aus Westthrakien, weitere 7100 Personen, darunter 2000 Kinder, aus Mazedonien und 158 aus Pirot[41] ins Vernichtungslager Treblinka deportiert. Nur 196 von ihnen √ľberlebten.[42]

Insgesamt wurden 11.343 Juden deportiert. Als jedoch auch die bulgarischen Juden wie im Abkommen vorgesehen deportiert werden sollten, widersetzten sich nach Aufdeckung des Plans durch Dimitar Peschew das Königshaus, die bulgarische Regierung, die Heilige Synode der bulgarisch-orthodoxen Kirche und die Bevölkerung zum größten Teil erfolgreich der Verfolgung und der Deportation. Dadurch wurden die 48.000 Juden des alt-bulgarischen Territoriums vor dem Untergang bewahrt.[43] Die antisemitischen Gesetze wurde am 30. August 1944 aufgehoben.

Bulgarien weigerte sich auch, Truppen an die Ostfront zu entsenden. Die einheimischen Faschisten (Ratnizi) verloren nach dem Sturz von Ministerpr√§sident Petar Dimitrow Gabrowski rasch an Bedeutung. Nach dem Tod von Zar Boris III. bestieg der minderj√§hrige Simeon II. 1943 den Thron. Er wurde von einem Regentschaftsrat unter Prinz Kyril gegen√ľber der Regierung unter Ministerpr√§sident Dobri Boschilow vertreten. Dieser trat im Mai 1944 zur√ľck. Sein Nachfolger wurde Iwan Iwanow Bagrjanow, der versuchte, in Verhandlungen mit den Westalliierten einzutreten.

1944 wurde das Frauenwahlrecht eingef√ľhrt.[44]

Am 2. September 1944 wurde Konstantin Murawiew vom Regentschaftsrat auf Bitte der westlichen Alliierten zum Ministerpr√§sident ernannt, nachdem die Alliierten Bagrjanows Ann√§herungsversuche zur√ľckgewiesen hatten. Am 5. September 1944 ratifizierte er ein Gesetz, durch das die vorherigen Rechtsverluste der Juden wieder aufgehoben werden sollten. Die Sowjetunion erkl√§rte am selben Tag einseitig Bulgarien den Krieg (das Land hatte trotz des B√ľndnisses mit Deutschland nicht am Feldzug gegen die Sowjetunion teilgenommen und befand sich nicht im Kriegszustand mit der Sowjetunion).

Am 7. September wurden alle Juden, welche unter die antisemitischen Gesetze vom Januar 1941 fielen, amnestiert. Ein Tag sp√§ter erkl√§rte die Regierung Murawiews dem zuvor verb√ľndeten Deutschen Reich den Krieg. Damit befand sich Bulgarien mit allen Kriegsparteien des Zweiten Weltkrieges im Krieg.[45][46] Am selben und den darauf folgenden 9. September wurde Bulgarien von der Roten Armee und der sowjetische Schwarzmeerflotte besetzt.

Volksrepublik Bulgarien

‚Üí Hauptartikel: Volksrepublik Bulgarien

Machtergreifung der Kommunisten

Bereits am 9. September 1944 wurde die Regierung von Murawiew durch einen Putsch der Vaterl√§ndischen Front, die nach dem Einmarsch der Roten Armee agierte, gest√ľrzt. Seine pro-anglo-amerikanische Regierung geriet nicht nur von der kommunistischen Bewegung in Kritik, sondern auch von der neuerlich gebildeten, sich in den von Deutschland kontrollierten Gebieten aufhaltenden Regierung im Exil, die sich f√ľr die Treue gegen√ľber dem Deutschen Reich und dem mit ihm geschlossenen B√ľndnis aussprach und vom ehemaligen Premierminister Alexander Zankow gef√ľhrt wurde. Zwischen 9. und 12. September 1944 wurden mehrere hundert f√ľhrende Pers√∂nlichkeiten von den Kommunisten gefangen genommen, ermordet oder verschwanden f√ľr immer. Diese Tage gingen in die bulgarische Geschichte als die Tage des roten Terrors ein. Am 15. September hielt die Roten Armee in Sofia eine Milit√§rparade ab. In dieser Zeit wurde das bulgarische Staatsarchiv f√ľr die Jahre 1918‚Äď1944 in die Sowjetunion transportiert. Ein kleiner Teil davon wurde in den 1950er Jahren zur√ľckgegeben, der gr√∂√üere Teil befindet sich jedoch bis heute in russischem Besitz.[47]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Bulgarien unter sowjetischen Einfluss und wurde Teil des Ostblocks. Die durch die Kommunisten bestimmte Vaterl√§ndische Front, in der sich die Kommunisten (die Bulgarische Kommunistische Partei, BKP), die Sozialdemokraten und zwei weitere Gruppierungen zusammengeschlossen hatten, √ľbernahm im Zuge der sowjetischen Besatzung die Macht. Wobei die tats√§chliche Macht zumindest bis zum Abschluss des Friedensvertrages 1947 bei der Alliierten Kontrollkommission (AKK) unter deren Vorsitzender, dem sowjetische General Sergej Semjonovińć Birjuzov lag.

Am 1. Februar 1945 wurden durch kommunistische Volksgerichte gro√üe Teile der politischen, milit√§rischen und intellektuellen Elite des Landes, welche die Tage des roten Terrors im 1944 √ľberlebt haben zum Tode verurteilt. Darunter waren 67 Parlamentsabgeordnete, alle Mitglieder der Regierungen zwischen 1941 und 3. September 1944 samt Ministerpr√§sidenten, die Regenten des Zaren (Kyril, Bogdan Filow und Nikola Michow), neun Staats- und Regierungssekret√§re, die Verleger der gro√üen Zeitungen und Zeitschriften, Intellektuelle, 47 Gener√§le und Offiziere. Bereits im Dezember 1944 und Januar 1945 ordnete der stellvertretende Abteilungsleiter der Abteilung Internationale Information beim ZK der KPdSU Georgi Dimitrow aus Moskau eine Null-Toleranz-Politik an und verlangte, das es keine Freispr√ľche geben d√ľrfe. Die Todesurteile wurden in der Nacht zum 2. Februar vollstreckt. Das Volksgericht verurteilte insgesamt 2730 Menschen zum Tode und 1305 zu lebensl√§nglicher Haft.[48]

Der Vorsitzende der Bulgarische Agrarische Volksunion (BZNS, bulgarisch: –Ď—ä–Ľ–≥–į—Ä—Ā–ļ–ł—Ź—ā –∑–Ķ–ľ–Ķ–ī–Ķ–Ľ—Ā–ļ–ł –Ĺ–į—Ä–ĺ–ī–Ķ–Ĺ —Ā—ä—é–∑ (–Ď–ó–Ě–°), Balgarski Zemedelski Naroden Sajuz), Georgi M. Dimitrov, war Anfang 1945 zur Emigration gezwungen und in Abwesenheit ebenfalls zum Tode verurteilt worden. Dessen Nachfolger Nikola Petkow wurde 1947 in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und anschlie√üend ermordet[49]. Anders als viele Zeitgenossen entging Konstantin Murawiew jedoch einer Verurteilung zum Tode. Er wurde zu lebensl√§nglicher Haft verurteilt und blieb bis 1955 im Gef√§ngnis.

Im November 1945 kehrte der Vorsitzende der bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitrow aus dem sowjetischen Exil nach Bulgarien zur√ľck. Am 18. November 1945 wurde die Macht√ľbernahme durch den Kommunisten formell durch die ‚ÄěWahl‚Äú des Parlamentes (der ‚ÄěVolksversammlung‚Äú) legitimiert. Zur Wahl stand lediglich die Vaterl√§ndische Front, die dementsprechend 88,2 % der Stimmen erhielt. Demokratische Parteien waren nicht zugelassen. Bei einer Wahlbeteiligung von 85,6 % stimmten 11,8 % der Wahlberechtigten gegen die Einheitsliste. Die Oppositionsparteien waren zur Wahl nicht zugelassen.

Am 8. September 1946 fand eine Volksabstimmung zur Abschaffung der Monarchie, unter dem Boykott der oppositionellen Parteien statt. Nach den offiziellen Ergebnissen sprachen sich 95,6 % gegen die Monarchie aus (Wahlbeteiligung: 91,6 %)[50]. Unter Leitung Georgi Dimitrows wurde das Land am 15. September 1946 zu einer Kommunistischen Volksrepublik erkl√§rt.

Ausrufung der Volksrepublik

Am 4. Dezember 1947 wurde die Verfassung der Volksrepublik Bulgarien[51] erlassen, die die Verfassung von Tarnowo ersetzte. Darin wurde in Artikel 12 die Planwirtschaft (Der Staat lenkt die staatliche, genossenschaftliche und private Wirtschaftstätigkeit durch den staatlichen Volkswirtschaftsplan.) als Wirtschaftsprinzip oktroyiert. Wie in den anderen Ostblockländern erfolgte auch in Bulgarien eine Landreform. Beginnend im Jahr 1944 wurden alle landwirtschaftlichen Betriebe mit einer Fläche von mehr als 20 Hektar enteignet. 1947 wurde die Bulgarische Wertpapierbörse geschlossen.

Die Bulgarische Kommunistische Partei war die f√ľhrende Partei des Landes. Diese Rolle wurde in der Verfassung der Volksrepublik Bulgarien vom 18. Mai 1971 deutlich betont. Alle staatlichen Aktivit√§ten standen unter der Kontrolle der Partei. Bulgarien war jedoch (wie die DDR) keine Ein-Parteien-Diktatur. Neben der BKP bestand eine Blockpartei, die BZNS. Im Parlament hatte die BZNS 100 von 400 Sitzen, stand aber ebenfalls unter der Kontrolle der BKP[52].

Die √Ąra Schiwkow

1955 wurde Bulgarien Mitglied der Uno. Im gleichen Jahr trat Bulgarien als Gr√ľndungsmitglied dem Warschauer Pakt bei. Staatschef von 1954 bis 1989 war Todor Schiwkow. Er sprach sich 1968 f√ľr eine milit√§rische Niederschlagung des Prager Fr√ľhlings aus. In der Nacht zum 21. August 1968 besetzten bulgarische Truppen gemeinsam mit Truppen der Sowjetunion, Polens und Ungarns die ńĆSSR und schlugen die Demokratiebewegung nieder.

Gegen die kommunistische Diktatur richtet sich der Protest einer kleinen Zahl von Dissidenten. Eine relevante politische Wirkung konnten sie jedoch nicht erzielen. Die Kontrolle des bulgarischen Geheimdienstes Darschawna Sigurnost war wirkungsvoll. Eine Reihe von Dissidenten war zur Flucht in den Westen gezwungen. Weltweit bekannt wurde die Ermordung von Georgi Markow mit einem vergifteten Regenschirm in London im Jahre 1978, f√ľr die der bulgarische Geheimdienst verantwortlich gemacht wurde. Eine Einhaltung der Menschenrechte war zu keinem Zeitpunkt gew√§hrleistet. Auch nachdem Bulgarien 1975 der KSZE beitrat, √§nderte sich die Menschenrechtssituation nicht[53].

Ab Anfang der 1980er Jahre verst√§rkten sich die Repressionen gegen die moslemischen und t√ľrkischen Minderheiten Bulgariens. 1986 zwangen die bulgarischen Beh√∂rden die t√ľrkische Minderheit zur Annahme slawischer Namen und verboten den Schulunterricht in t√ľrkischer Sprache. Rund 380.000 ethnische T√ľrken wurden mit drastischen Ma√ünahmen zur Auswanderung in die T√ľrkei gezwungen, oder gerieten in Arbeitslager wie Belene. Dies dauerte bis zum Anfang der 1990er Jahre. Dabei sind nach offiziellen Angaben etwa 400 Menschen durch Folter und Massaker umgekommen. Bis heute ist dieses Kapitel in der bulgarischen Gesellschaft nicht aufgearbeitet, denn die Archive der ehemaligen Staatssicherheit sind noch immer geschlossen, obwohl deren √Ėffnung im Assoziierungsvertrag mit der EU gefordert wurde. Der √Ėffnung der Archive widersetzen sich vor allem Kreise in der Nachfolgepartei der Kommunisten, der Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP).

Demokratisierung

In den Jahren nach dem Sturz des kommunistischen Staatschefs Todor Schiwkow am 10. November 1989 l√∂sten sich verschiedene Regierungen relativ schnell ab. Das Ende der sozialistischen √Ąra wurde 1990 durch freie Wahlen eingeleitet. Bulgarien berief eine verfassungsgebende Volksversammlung als erstes Parlament ein und gab sich eine reformierte demokratische Verfassung. Seitdem wurden politische und wirtschaftliche Reformen vorangetrieben.

Die Ende 1994 gew√§hlte BSP-Regierung (Nachfolgerpartei der kommunistischen Partei) von Schan Widenow reichte den Beitrittsantrag zur Europ√§ischen Union (EU) am 14. Dezember 1995 ein. Sie konnte sich jedoch bis Anfang 1997 halten und f√ľhrte wirtschaftlich den Staat in den Ruin. Als die BSP als Ausweg aus der schweren wirtschaftlichen Krise Ende 1996 mit dem IWF eine Fixierung der bulgarischen W√§hrung verhandelte, mobilisierte die konservative demokratische SDS die Massen mit dem Argument, die BSP k√∂nne diese W√§hrungsreform nicht bew√§ltigen. Damit erreichte sie Anfang 1997 die Aufl√∂sung des Parlaments und den Verzicht der Sozialisten auf eine Interimsregierung.

Drei Monate lang regierte die SDS durch den damaligen Oberb√ľrgermeister von Sofia, Stefan Sofijanski, zun√§chst interimsm√§√üig mit Hilfe von Dekreten und handelte in dieser Zeit die Modalit√§ten f√ľr eine neue Finanzpolitik aus, die die Situation im Land bis heute wesentlich bestimmt. W√§hrend sich die Stellung Bulgariens in der Weltwirtschaft unter der konservativen Regierung verbesserte, verschlechterte sich die soziale Lage der Bev√∂lkerung.

Von 2001 bis 2005 war Simeon Sakskoburggotski bulgarischer Ministerpräsident, der 1946 als König Simeon II. abgesetzt worden war. Damit ist er der einzige König der Welt, der abgesetzt und später demokratisch gewählt wurde.

Auf dem NATO-Gipfel in Prag wurden am 22. November 2002 sieben osteuropäische Staaten, darunter auch Bulgarien, zu Aufnahmegesprächen eingeladen. Am 26. März 2003 wurden die Beitrittsprotokolle unterzeichnet, und am 29. März 2004 wurden Bulgarien und die anderen sechs Länder in die NATO aufgenommen.

Ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union (EU) wurde ebenfalls unterzeichnet und weitgehend implementiert. Die Beitrittsverhandlungen wurden 2004 erfolgreich abgeschlossen. Als weiterer Schritt billigte am 13. April 2005 das EU-Parlament den Beitritt zur Europäischen Union mit 522 von 660 Stimmen, und am 25. April 2005 wurde der Beitrittsvertrag in Luxemburg unterzeichnet. Seit dem 1. Januar 2007 ist Bulgarien somit Mitglied der EU.

Im Oktober 2006 ‚Äď kurz vor dem Beitritt zur Europ√§ischen Union ‚Äď wurden Pr√§sidentschaftswahlen abgehalten. Damit verkn√ľpfte Staatspr√§sident Georgi Parwanow die Wahl mit der Regierungspolitik, obwohl dem Pr√§sidenten nur eine repr√§sentative Rolle zukommt. Zwar stellte keiner der Kandidaten den EU-Beitritt in Frage, aber es zeichnete sich der Vorsitzende und Kandidat der ‚ÄěAtaka‚Äú, Wolen Siderow, durch die Ablehnung der NATO und die Forderung nach mehr B√ľrgerentscheiden aus und belegte den zweiten Platz. Parwanow erreichte fast 2/3 der abgegebenen Stimmen, musste jedoch wegen des strengen Wahlrechts zur Stichwahl antreten. Erforderlich ist bei der Wahl des Staatsoberhaupts eine Mindestbeteiligung von 50 % der Wahlberechtigten, die nicht erreicht wurde. In der Stichwahl stellten sich alle Regierungs- und Oppositionsparteien mit Ausnahme von Ataka hinter Parwanow und trugen so zur Niederlage Siderows bei. Unter den zwei st√§rksten Kandidaten wurde Parwanow ohne Beteiligungs-Quorum mit 73,4 % der Stimmen best√§tigt.

Literatur

  • Stefan Appelius: Bulgarien. Europas ferner Osten. Bouvier, Bonn 2006, ISBN 978-3-416-03154-7.
  • Sigrun Comati: Bulgarische Landeskunde. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-87548-327-8.
  • Richard J. Crampton: A short history of modern Bulgaria. Cambridge University Press, New York 1987, ISBN 0-521-27323-4, Digitalisat bei Google Books
  • Richard J. Crampton: A concise history of Bulgaria. Cambridge concise histories. Cambridge University Press, New York 1997, ISBN 0-521-56719-X, Digitalisat bei Google Books.
  • Richard J. Crampton: Bulgaria. Oxford University Press, New York 2007, ISBN 978-0-19-820514-2.
  • Raymond Detrez: Historical dictionary of Bulgaria, Scarecrow Pr., Lanham 1997, ISBN 0-8108-3177-5.
  • Vasil T. Gjuzelev: Forschungen zur Geschichte Bulgariens im Mittelalter. Verein Freunde des Hauses Wittgenstein, Wien 1986.
  • Hans-Joachim H√§rtel, Roland Sch√∂nfeld: Bulgarien. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1998, ISBN 3-7917-1540-2.
  • Harald Heppner (Hrsg.): √Ėffentlichkeit ohne Tradition. Bulgariens Aufbruch in die Moderne. Lang, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-50737-2.
  • Edgar H√∂sch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte S√ľdosteuropas. B√∂hlau, Wien/K√∂ln/Weimar 2004, ISBN 3-205-77193-1.
  • Mark Mazower: The Balkans. A short history. Modern Library, New York 2002, ISBN 0-8129-6621-X.
  • Nikolaj Ovńćarov: Geschichte Bulgariens. Kurzer Abriss. Lettera, Plovdiv 2006, ISBN 954-516-584-7.
  • Nikolaj Poppetrov: Flucht aus der Demokratie: Autoritarismus und autorit√§re Regime in Bulgarien 1919-1944, in: Erwin Oberl√§nder (Hrsg.): Autorit√§re Regime in Ostmittel- und S√ľdosteuropa 1919-1944, Paderborn u.a. 2001, ISBN 3-506-76186-2, S. 379-401.
  • Daniel Ziemann: Vom Wandervolk zur Grossmacht: die Entstehung Bulgariens im fr√ľhen Mittelalter (7.-9. Jahrhundert), B√∂hlau Verlag K√∂ln Weimar, 2007

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Geschichte Bulgariens ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Constantin Jireńćek, Kapitel XVI. Car Joannes Asen II, S. 251‚Äď252
  2. ‚ÜĎ Gerhard Ecker, Bulgarien. Kunstdenkm√§ler aus vier Jahrtausenden von den Thrakern bis zur Gegenwart, DuMont Buchverlag, K√∂ln 1984, S. 67
  3. ‚ÜĎ Crampton, R.J., Bulgaria, S. 18-21
  4. ‚ÜĎ Edgar H√∂sch, Geschichte der Balkanl√§nder. Von der Fr√ľhzeit bis zur Gegenwart, 4. Auflage 2002, S. 152.
  5. ‚ÜĎ Vgl.: The Bulgarian Catholic Church; Eastern Catholics in Bulgaria, Online Ausgabe der Catholic Encyclopedia
  6. ‚ÜĎ a b c d Bj√∂rn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdr√ľckung? Eine komparative Untersuchung √ľber die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915-1918 und 1941-1944. Verlag Lit, M√ľnster 2005, ISBN 3-8258-7997-6, S. 21.
  7. ‚ÜĎ Mathias Bernath, Felix von Schroeder, Gerda Bartl: Biographisches Lexikon zur Geschichte S√ľdosteuropas. Band 3, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, M√ľnchen 1979, ISBN 3-48648-991-7, S. 193.
  8. ‚ÜĎ a b c Josef Matuz: Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte. Darmstadt, 1990, S. 234-235
  9. ‚ÜĎ Meyers Konversations-Lexikon
  10. ‚ÜĎ Amtspresse Preu√üen von 26. April 1877
  11. ‚ÜĎ Ulrich B√ľchsensch√ľtz: Nationalismus und Demokratie in Bulgarien seit 1989 in Egbert Jahn (Hrsg.): Nationalismus im sp√§t- und postkommunistischen Europa. Band 2: Nationalismus in den Nationalstaaten, Verlag Nomos, 2009, ISBN 978-3-8329-3921-2, S. 570-598
  12. ‚ÜĎ a b Bj√∂rn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdr√ľckung? Eine komparative Untersuchung √ľber die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915-1918 und 1941-1944. Verlag Lit, M√ľnster 2005, ISBN 3-8258-7997-6, S. 23.
  13. ‚ÜĎ Simeon Radew, Trajan Radew: Die Erbauer des modernen Bulgariens Band 1, Band 2 (1910-1911) und Band 3 (2008) (bulg. –°—ā—Ä–ĺ–ł—ā–Ķ–Ľ–ł—ā–Ķ –Ĺ–į —Ā—ä–≤—Ä–Ķ–ľ–Ķ–Ĺ–Ĺ–į –Ď—ä–Ľ–≥–į—Ä–ł—Ź. –Ę–ĺ–ľ 1)
  14. ‚ÜĎ Seite des Mazedonischen Wissenschaftlichen Instituts (bulg.)
  15. ‚ÜĎ a b Stefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert. Von den Anf√§ngen der nationalrevolution√§ren Bewegung zum Abkommen von Ochrid 1893‚Äď2001. Ausgew√§hlte Aufs√§tze. Verlag Oldenbourg, M√ľnchen 1996, ISBN 978-3-486-58050-1, S. 30.
  16. ‚ÜĎ vlg. Duncan M. Perry: The politics of terror: the Macedonian liberation movements, 1893-1903. Duke University Press, Durham 1988, ISBN 0-8223-0813-4, S. 34; und Simeon Radew: Die Erbauer/Sch√∂pfer des modernen Bulgariens. Band 1 (1910), Band 2 (1911) und Band 3 (2008) (bulg. –°—ā—Ä–ĺ–ł—ā–Ķ–Ľ–ł—ā–Ķ –Ĺ–į —Ā—ä–≤—Ä–Ķ–ľ–Ķ–Ĺ–Ĺ–į –Ď—ä–Ľ–≥–į—Ä–ł—Ź.); und Krum Blagov: Die 50 gr√∂√üten Attentate in der bulgarischen Geschichte (bulg. 50-—ā–Ķ –Ĺ–į–Ļ-–≥–ĺ–Ľ–Ķ–ľ–ł –į—ā–Ķ–Ĺ—ā–į—ā–į –≤ –Ī—ä–Ľ–≥–į—Ä—Ā–ļ–į—ā–į –ł—Ā—ā–ĺ—Ä–ł—Ź.) Ausz√ľge aus dem Buch (bulg.)
  17. ‚ÜĎ Brockhaus Enzyklop√§die, 21. Auflage, Band 17, Leipzig usw. 2006, ISBN 3-7653-4117-7, S. 488
  18. ‚ÜĎ a b Bj√∂rn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdr√ľckung? Eine komparative Untersuchung √ľber die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915-1918 und 1941-1944. Verlag Lit, M√ľnster 2005, ISBN 3-8258-7997-6, S. 8.
  19. ‚ÜĎ Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg. Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung am Balkan. Verlag Oldenbourg, M√ľnchen 1996, ISBN 3-486-56173-1, S. 195 und 267.
  20. ‚ÜĎ Hans-Joachim H√§rtel, Roland Sch√∂nfeld: Bulgarien. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag Pustet, Regensburg 1998, ISBN 3-7917-1540-2, S. 175.
  21. ‚ÜĎ Bj√∂rn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdr√ľckung? Eine komparative Untersuchung √ľber die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915‚Äď1918 und 1941‚Äď1944. Verlag Lit, M√ľnster 2005, ISBN 3-8258-7997-6, S. 46.
  22. ‚ÜĎ Gunnar Hering: Die politischen Parteien in Griechenland, 1821‚Äď1936. Verlag Oldenbourg, M√ľnchen 1992, ISBN 3-486-55871-4, Band 2, S. 612.
  23. ‚ÜĎ Bj√∂rn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdr√ľckung? Eine komparative Untersuchung √ľber die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915‚Äď1918 und 1941‚Äď1944. Verlag Lit, M√ľnster 2005, ISBN 3-8258-7997-6, S. 51.
  24. ‚ÜĎ Wolfgang-Uwe Friedrich: Bulgarien und die M√§chte 1913‚Äď1915. Ein Beitrag zur Weltkriegs- und Imperialismusgeschichte. Verlag Steiner, Stuttgart 1985, ISBN 3-515-04050-1, S. 288 und 323.
  25. ‚ÜĎ Geheimes Abkommen zwischen Bulgarien und Deutschland 6. September 1915 und Wolfdieter Bihl (Hrsg.): Deutsche Quellen zur Geschichte des Ersten Weltkrieges. Darmstadt 1991, ISBN 3-534-08570-1, S. 145f. (Dok.-Nr.68) (Wortlaut).
  26. ‚ÜĎ Stefan Appelius: Bulgarien, ISBN 978-3-416-03154-7, S. 33
  27. ‚ÜĎ Claudia Weber: Auf der Suche nach der Nation. Erinnerungskultur in Bulgarien von 1878‚Äď1944. (=Studien zur Geschichte, Kultur und Gesellschaft S√ľdosteuropas 2.) Lit-Verlag, M√ľnster 2006, ISBN 3-8258-7736-1, S. 176.
  28. ‚ÜĎ a b Magarditsch A. Hatschikjan: Tradition und Neuorientierung in der bulgarischen Au√üenpolitik 1944 - 1948. Die ‚Äěnationale Au√üenpolitik‚Äú der Bulgarischen Arbeiterpartei (Kommunisten). Verlag Oldenbourg, M√ľnchen 1988, ISBN 3-486-55001-2, S. 23ff.
  29. ‚ÜĎ Edgar H√∂sch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte S√ľdosteuropas. B√∂hlau, Wien/K√∂ln/Weimar 2004, ISBN 3-205-77193-1, S. 479.
  30. ‚ÜĎ Christian Geiselmann: Politisches Leben in der bulgarischen Dorfgesellschaft 1919-1944, Am Beispiel der Memoiren des Stefan Rajkov Canev aus VńÉglevci, S. 33.
  31. ‚ÜĎ Markus Wien: Markt und Modernisierung. Deutsch-bulgarische Wirtschaftsbeziehungen 1918‚Äď1944 in ihren konzeptionellen Grundlagen. Verlag Oldenbourg, M√ľnchen 2007, ISBN 3-48658-044-2, S. 32.
  32. ‚ÜĎ Edgar H√∂sch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte S√ľdosteuropas. B√∂hlau, Wien/K√∂ln/Weimar 2004, ISBN 3-205-77193-1, S. 297.
  33. ‚ÜĎ Edgar H√∂sch: Geschichte der Balkanl√§nder. Beck, M√ľnchen 1968, ISBN 3-40657-299-5, S. 197.
  34. ‚ÜĎ Anton Sterbling: Die Aussiedlung der Deutschen aus Rum√§nien in die Bundesrepublik Deutschland und andere Migrationsprozesse in und aus S√ľdosteuropa. In: Edda Currle, Friedrich Heckmann, Tanja Wunderlich (Hrsg.): Deutschland - ein Einwanderungsland? R√ľckblick, Bilanz und neue Fragen Europ√§isches Forum f√ľr Migrationsstudien. Lucius & Lucius, Stuttgart 2001, ISBN 3-8282-0196-2, S. 197‚Äď222, hier: S. 200.
  35. ‚ÜĎ R. J. Crampton, Bulgaria, S. 220, 221 und 224.
  36. ‚ÜĎ Nikolaj Poppetrov: Fllucht aus der Demokratie. Autoritarismus und autorit√§res Regime in Bulgarien 1919-1944, in: Erwin Oberl√§nder u.a. (Hrsg.): Autorit√§re Regime in Ostmittel- und S√ľdosteuropa 1919-1944, S. 379-401, hier S. 383-385.
  37. ‚ÜĎ Nikolaj Poppetrov: Flucht aus der Demokratie: Autoriatrismus und autorit√§res Regime in Bulgarien 1919-1944, in: Erwin Oberl√§nder u.a. (Hrsg.): Autorit√§re Regime iin Ostmittel- und S√ľdosteuropa 1919-1944, Paderborn u.a. 2001, S. 379-401, hier S. 392.
  38. ‚ÜĎ R. J. Crampton, Bulgaria, S. 248-251.
  39. ‚ÜĎ Andrey Piperow (Hrsg.): Deutsch-Bulgarische Handelskammer. Handbuch der bulgarischen Wirtschaft unter besonderer Ber√ľcksichtigung der deutsch-bulgarischen Handelsbeziehungen. Verlag S√ľd-Ost, Berlin 1942, S. 243.
  40. ‚ÜĎ Dokument, Generalstab, A.P. Geheim 115078, Athen, 13. Januar 1940, an den Ministerpr√§sidenten und Kriegsminister
  41. ‚ÜĎ Sigrun Comati,Radka Vlahova: Bulgarische Landeskunde: ein Lehr- und Textbuch, S. 102
  42. ‚ÜĎ Bj√∂rn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdr√ľckung? Eine komparative Untersuchung √ľber die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915‚Äď1918 und 1941‚ąí1944. Verlag Lit, M√ľnster 2005, ISBN 3-8258-7997-6, S. 279f.
  43. ‚ÜĎ Raul Hilberg: T√§ter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933‚Äď1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-13216-9, S.99
  44. ‚ÜĎ √úbersicht Einf√ľhrung Frauenwahlrecht weltweit (Englisch)
  45. ‚ÜĎ Outlook Bad, Artikel im TIME-Magazine vom 11. September 1944
  46. ‚ÜĎ Model Armistace, Artikel im TIME-Magazine vom 25. September 1944
  47. ‚ÜĎ Interview (bulg.) mit Martin Iwanow, Direktor des bulgarischen Staatsarchiv im Ekipnews, 14. Juni 2011
  48. ‚ÜĎ Tag des Tributs an die Opfer des Kommunismus (Bulgarisch)
  49. ‚ÜĎ Ulrich B√ľchsensch√ľtz: Minderheitenpolitik in Bulgarien, 1997, Seite 17
  50. ‚ÜĎ Karl-Heinz Hajna: Die Landtagswahlen 1946 in der SBZ, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-631-35950-0, Seite 226 (Kapitel Einsch√§tzung der Wahl 1946 in der SBZ im Vergleich mit den Abstimmungen in den Mitteleurop√§ischen L√§ndern)
  51. ‚ÜĎ Verfassung der Volksrepublik Bulgarien
  52. ‚ÜĎ Lothar Schulz: Die Verfassung der Volksrepublik Bulgarien vom 18. Mai 1971; in: Mohr Siebeck: Jahrbuch des √∂ffentlichen Rechts der Gegenwart, ISBN 3-16-635552-9, Seite 203 ff.
  53. ‚ÜĎ Wolfgang T√ľcks: Die Situation der Menschenrechte in der Volksrepublik Bulgarien. 1988, ISBN 3-89248-019-2

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