Geschichte Englands

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Geschichte Englands
Stonehenge

Die Geschichte Englands ist die Geschichte des gr√∂√üten und bev√∂lkerungsreichsten Teils des Vereinigten K√∂nigreichs. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen, welche die Existenz des damaligen Britanniens belegen, sind Berichte von Caesar √ľber seine Landung im Jahr 55 v. Chr.[1] Die Bezeichnung ‚ÄěEngland‚Äú stammt aus der Zeit nach der Einwanderung der Angelsachsen. Nachdem zun√§chst Wales mit England vereinigt worden war, aber vor allem nach der Besteigung des englischen Throns durch Jakob VI. von Schottland im Jahr 1603, wurde es immer schwieriger, zwischen englischer und britischer Geschichte zu unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Vor-Römisches England

Die Geschichte Englands beginnt im Grunde mit der Entstehung der Insel. In der Mesolithischen Periode, etwa um 8500 v. Chr., stieg der Meeresspiegel w√§hrend der letzten Eisschmelze an und machte Britannien ca. 7000 v. Chr. zur Insel. In der Jungsteinzeit, die auf der Insel erst um 4000 v. Chr. begann, begannen Ackerbau und Viehzucht. Ob dies auf Einwanderung vom Kontinent oder die Akkulturation einheimischer J√§ger und Sammler zur√ľckgeht, ist in der Forschung umstritten. Etwa ab 3200 v. Chr. wurden auf den Britischen Inseln zahlreiche Henges (Woodhenge, Durrington Walls, Marden Henge, Avebury) und Steinkreise (Castlerigg, vor allem aber das bekannte Stonehenge) als Megalithstrukturen errichtet. Die Eisenzeit begann ab 800 v. Chr. Im S√ľden gibt es viele √úberreste von H√ľgelforts aus dieser Zeit, die als System von konzentrischen Erdh√ľgeln und -w√§llen √ľberdauert haben: vom gro√üen Maiden Castle in Dorset bis hinunter zu den viel kleineren wie Grimsbury Castle in Berkshire.

Römische Zeit

Hadrianswall

Die R√∂mer landeten unter der F√ľhrung Caesars erstmals 55 und 54 v. Chr. in England, zun√§chst jedoch nicht als Eroberer. Erst ein knappes Jahrhundert sp√§ter, 43 n. Chr., wurde England unter Kaiser Claudius von den R√∂mern besetzt und als Provinz Britannia unterworfen; der bedeutendste Aufstand der keltischen Bev√∂lkerung ereignete sich schlie√ülich 61 unter der F√ľhrung von Boudicca (Boudicca-Aufstand). Um sich vor den Pl√ľnderungen der Pikten, den Einwohnern Schottlands zu dieser Zeit, zu sch√ľtzen, wurde unter Kaiser Hadrian in der H√∂he des Solway Firth ein Schutzwall von Osten nach Westen errichtet, der Hadrianswall.

Im klassischen r√∂mischen Stil bauten die R√∂mer eine hocheffiziente Infrastruktur auf, um ihre milit√§rischen Eroberungen zu festigen, und erschlossen so Britannien, wobei der Grad der Romanisierung sehr unterschiedlich ausgepr√§gt war: Am st√§rksten war der r√∂mische Einfluss im S√ľden und Osten, wo auch die Urbanisierung st√§rker ausgepr√§gt war. Ab dem 2. Jahrhundert machte in diesen Regionen auch die christliche Missionierung erste Fortschritte.

Ab dem 4. Jahrhundert wurde Britannien mehrfach von Usurpationen heimgesucht. Flavius Theodosius stellte in den 360er Jahren noch einmal die Ordnung auf der Insel her. Doch nur wenige Jahrzehnte sp√§ter wurden die meisten Truppen abgezogen; sie wurden auf dem Festland dringender gebraucht, wo nach dem Vordringen germanischer St√§mme die Rheingrenze kollabiert war. Bald darauf erlosch auch die r√∂mische Pr√§senz auf der Insel; die Civitates mussten sich nun so gut wie eben m√∂glich selber sch√ľtzen, wozu auch germanische S√∂ldner eingesetzt wurden.

Die Sächsische Eroberung

‚Üí Hauptartikel: Angelsachsen
Angelsächsischer Goldhelm aus der Ausgrabungsstätte Sutton Hoo

In das entstehende Machtvakuum drangen immer wieder piktische Gruppen nach S√ľden vor. Da die romano-britische Bev√∂lkerung keine Hilfe vom r√∂mischen Imperium erwarten konnte, warben sie s√§chsische Truppen zu ihrer Verteidigung an. Diese S√∂ldner siedelten sich mit ihren Familien an. In der Folgezeit str√∂mten jedoch gr√∂√üere Gruppen von Angeln, J√ľten und Sachsen ins Land, um dem Bev√∂lkerungsdruck auf dem Festland auszuweichen.

Die Ank√∂mmlinge siedelten in Ostanglien, den Midlands, dem √∂stlichen Yorkshire und in Lincolnshire und vertrieben dabei teilweise die einheimische Bev√∂lkerung. S√ľdlich der Themse organisierten die St√§dte unter F√ľhrung einheimischer Magnaten eine entschlossene Verteidigung und nahmen dazu nach r√∂mischem Vorbild meist s√§chsische F√∂deraten in Dienst. Die Historia Brittonum berichtet, dass ab 430 so auch j√ľtische Gruppen ins Land kamen und sich in Kent niederlie√üen. Unter diesen F√∂deraten kam es 442/443 zu einer Revolte; nach langwierigen K√§mpfen wurde die britische Bev√∂lkerung nach Westen abgedr√§ngt und musste Sussex (S√ľdsachsen), Middlesex (Mittelsachsen) und Essex (Ostsachsen) ‚Äď die sp√§teren s√§chsischen Siedlungsgebiete ‚Äď aufgeben. Ende des 7. Jahrhunderts hatten die Angelsachsen die Insel von Cornwall bis zum Firth of Forth unterworfen. Ausnahmen bildeten die westlichsten Gebiete von Dumnonia und Wales sowie das n√∂rdliche Gebiet von Cumbria, au√üerdem konnte Schottland seine Unabh√§ngigkeit behaupten.

Die Kleinkönigreiche

Karte der Besiedlung Englands um 600

Die neuen Siedlungsgebiete waren zunächst gemäß der Stammes- und Gruppenstruktur der kontinentalen Gebiete organisiert. Mit dem Ende des 6. Jahrhunderts begann dann die Entwicklung der Königsherrschaft, und es sind sieben, miteinander konkurrierende angelsächsische Kleinkönigreiche nachweisbar:

  • Northumbria, (aus dem Zusammenschluss von Deira und Bernicia), Ostanglien und Mercien als Gr√ľndungen der Angeln
  • Sussex, Wessex und Essex als Gr√ľndungen der Sachsen
  • Kent als Gr√ľndung der J√ľten gilt als das erste konsolidierte Reich, da die Einwanderer die noch intakte r√∂mische Verwaltung und die st√§dtische Kultur nutzten. Fr√ľher als in anderen Regionen ging man zum Christentum √ľber. Bereits nach 650 findet eine intensive Schreib- und Gesetzgebungst√§tigkeit statt.

Die politische Vorrangstellung der einzelnen K√∂nigreiche dokumentierte sich in der Person eines Oberherrschers, der erst im 9. Jahrhundert als Bretwalda bezeichnet wurde. Er √ľbte jedoch keine Herrschaft √ľber ganz England aus, sondern eher eine besondere Machtposition im Kreis der √ľbrigen K√∂nige. Im 7. Jahrhundert dominierte Northumbria, im 8. Jahrhundert Mercia, und schlie√ülich errang Wessex eine politische Vormachtstellung. Ab etwa 750 bestanden nur noch diese drei K√∂nigreiche, denn die anderen waren in ihnen aufgegangen.

Die Besiedelung durch die Angelsachsen stellte einen deutlichen Bruch gegen√ľber der r√∂mischen Herrschaft dar. Die Kultur der Eroberer unterschied sich grundlegend von der st√§dtischen Lebensweise der R√∂mer. Die Angelsachsen lebten in l√§ndlichen Haufend√∂rfern und waren in Sippen sowie in Familiengemeinschaften mit Gesinde um einen Hausvater (Lord) organisiert. Das Anwachsen dieser Hausgemeinschaften f√ľhrte zur Bildung des angels√§chsischen Adelssystems mit Gefolgschaften als unmittelbaren Machtzentren eines Adligen. Dar√ľber hinaus bildete sich ein Heerk√∂nigtum, das auf der Wahl des Anf√ľhrers durch die m√§chtigsten Mitglieder des Heeres beruhte. Dem wirkte die Bestrebung der Heerk√∂nige entgegen, dieses Amt in der jeweiligen Familie erblich zu machen.

Christianisierung

Seite aus dem Book of Lindisfarne

Die angelsächsischen Völker brachten bei ihrer Eroberung ihre eigene germanische Religion (siehe auch Angelsächsische Religion) mit und drängten die romano-britische Bevölkerung mit dem christlichen Glauben in die walisischen Grenzgebiete.[2]

Vom Kloster auf Iona, das der irische M√∂nch Columban, irisch Columcille, von Iona 563 gegr√ľndet hatte, nahm die iro-schottische Missionierung der Angelsachsen von Norden her ihren Anfang. Dort trat Oswald von Northumbria zum Christentum √ľber und berief als K√∂nig von Northumbria den M√∂nch Aidan zum Bischof und Missionar.

Im S√ľden landete 597 der Benediktiner Augustinus auf der Insel und begann auf Bitten des K√∂nigs √Üthelberht von Kent, dessen Frau christlichen Glaubens war, mit der Missionierung der Angelsachsen.

Zwischen den beiden christlichen Str√∂mungen entstanden Differenzen, die vor allem auf den unterschiedlichen Organisationsstrukturen beruhten. W√§hrend die iro-schottischen Missionare sich auf Kl√∂ster st√ľtzten und nur flache Hierarchien kannten, beruhte die r√∂mische Mission auf der Bischofshierarchie mit ihren Machtzentren in den st√§dtischen Bischofssitzen. Dar√ľber hinaus f√ľhrte die unterschiedliche Berechnung des Osterfestes im Alltag der Menschen zu Verwirrung. Auf der Synode von Whitby setzten sich die Vertreter des r√∂mischen Ritus durch, und die Bindungen an die kontinentale r√∂mische Kirche wurden enger.[3]

Das Christentum wurde allgemein zuerst von den Herrscherfamilien angenommen und von dort auf die Untertanen √ľbertragen. Den Adeligen bot der neue Glauben die M√∂glichkeit, Eigenkirchen zu gr√ľnden und damit sakrale Macht auszu√ľben. Mit den gebildeten Klerikern und M√∂nchen standen ihnen au√üerdem f√§hige Helfer bei der Verwaltung ihrer Territorien zur Verf√ľgung. Den Heerk√∂nigen schlie√ülich bot die Salbung eine M√∂glichkeit, ihre Macht zus√§tzlich zur Wahl durch das Gefolge zu rechtfertigen, damit ihre Abh√§ngigkeit von dieser zu verringern und der Erblichkeit der Herrschaft einen Schritt n√§her zu kommen.

Das christliche Zeitalter brachte Meisterwerke der insularen Buchmalerei hervor wie das Book of Durrow, das Book of Lindisfarne und das Book of Kells. Es war geprägt von so bedeutenden Lehrern wie Beda Venerabilis. Etwa zu Beginn des 9. Jahrhunderts war die Christianisierung Englands abgeschlossen, wenn auch starke heidnische Elemente im Volksglauben weiterwirkten.

Die Wikingerzeit

Erste Angriffe und Entstehung des dänischen Siedlungsgebiets

Beginnend 789 und zum ersten Mal historisch bedeutsam mit dem Raubzug von 793 gegen das Kloster Lindisfarne landeten die d√§nischen Wikinger in England, was den Beginn der Wikingerzeit markiert. Zun√§chst f√ľhrten sie nur blitzartige Raubz√ľge aus, nach denen sie sich auf das Meer zur√ľckzogen. Dort waren sie sicher, da die englischen K√∂nige kaum √ľber Schiffe verf√ľgten, die in gr√∂√üerer Entfernung von der K√ľste operieren konnten. Kurz darauf √ľberwinterten jedoch einzelne Wikingergruppen auf der Insel und legten dazu zumindest periodische Siedlungen an. 865 landeten Wikinger in East Anglia mit der offenbaren Absicht, sich dort l√§nger einzurichten. Sie forderten Tributzahlungen von umliegenden angels√§chsischen Siedlungen und errichteten eigene D√∂rfer. Ein Jahr sp√§ter eroberte das Gro√üe Heer York und setzte im K√∂nigreich J√≥rv√≠k einen angels√§chsischen Vasallen als K√∂nig ein. Sofort begannen die √úberf√§lle auf Mercien auszugreifen, 869 erreichten erste d√§nische Truppen die Themse, den Grenzfluss zu Wessex, dem dominierenden angels√§chsischen Reich.

Entstehung des Königreiches England

Zeit- und Abstammungstafel der englischen Könige von Alfred dem Großen bis zu Wilhelm dem Eroberer.

Alfred der Gro√üe, K√∂nig von Wessex, trat der d√§nischen Bedrohung entgegen. Der st√§ndige Kampf gegen die Wikinger, in dem Alfred zun√§chst in der Schlacht bei Englefield und der Schlacht von Reading keinen durchschlagenden Erfolg erzielte, wirkte als Katalysator zur weitgehenden Einigung Englands unter dem K√∂nig von Wessex. Er zwang ihn au√üerdem zur Reorganisierung des Heeres, zum Bau einer schlagkr√§ftigen Flotte, zum Errichten zahlreicher Burgen und zum Anlegen des auf Grafschaften (Shires) beruhenden Systems, das England erstmals seit der r√∂mischen Zeit eine mehr oder minder einheitliche Verwaltung gab. 878 schlug Alfred ein gro√ües d√§nisches Heer bei Edington. Daraufhin lie√ü sich der d√§nische K√∂nig Guthrum, der bereits zuvor in Kontakt mit dem Christentum gekommen war, mit 30 seiner M√§nner taufen. Anschlie√üend zogen sie sich in ihr Kerngebiet in East Anglia (Danelag) zur√ľck. Dieser Erfolg f√ľhrte zur Anerkennung Alfreds als Herrscher auch in Mercien. 886 eroberte er schlie√ülich London und gab dem Reich damit ein Zentrum. In den folgenden Jahren erkannten ihn auch die √ľbrigen angels√§chsischen Territorien, auch solche unter d√§nischer Herrschaft, als ihren Herrscher an (vgl. Entstehung Englands).

Alfreds Nachfolger bauten das von ihm angelegte Verwaltungssystem aus, in dem als Kronbeamte Sheriffs an der Spitze eines Shires standen. Die Shires wurden vor allem f√ľr das Gerichtswesen und das Heeresaufgebot wichtig. Zudem entwickelte sich eine fr√ľhe Form eines englischen ‚ÄěNationalbewusstseins‚Äú. Alfreds Sohn Eduard f√ľgte den D√§nen 910 in der Schlacht von Tettenhall eine weitere schwere Niederlage zu und war danach vor allem in Auseinandersetzungen mit den s√ľdlichen d√§nischen Reichen erfolgreich. 918 erkannten die K√∂nige dieser Reiche ihn als Herren an, sp√§ter auch die Herrscher Schottlands.

Unterdessen ver√§nderten sich auch die d√§nischen Gebiete im Osten Englands, die als Danelag bezeichnet wurden. Die einstigen Wikinger gingen immer mehr zu einer b√§uerlichen Lebensweise √ľber, bauten Burgen und Ansiedlungen und nahmen das Christentum an.

K√∂nig √Üthelstan vertrieb 936 die Cornish aus Exeter und sicherte den Fluss Tamar als Grenze von Wessex. Er nannte sich Rex totius Britanniae, konnte Wales und Schottland aber nur unter eine lockere Oberhoheit bringen. Dagegen eroberte er Northumbria dauerhaft. Seine Urkunden nach 930 wurden von einer einzigen Kanzlei in Winchester hergestellt, was auf eine Art Hauptstadt seines K√∂nigreiches schlie√üen l√§sst. Auf √Üthelstan folgte bis ins sp√§te 10. Jahrhundert eine Phase mit vergleichsweise wenigen kriegerischen Auseinandersetzungen, daf√ľr aber mit politischer und kirchlicher Konsolidierung des Reiches vor allem unter K√∂nig Edgar.

Aethelred II. von England (The Chronicle of Abingdon)

Um 980 begann eine neue Welle Wikingerangriffe von See aus. Gr√∂√üere K√§mpfe blieben jedoch weitgehend aus, da die angels√§chsischen Herrscher Tribute zahlten und die Wikinger wieder abzogen. Um diese Tribute aufzubringen, f√ľhrte K√∂nig Aethelred auf Anraten des Erzbischofs Sigeric von Canterbury und seiner ‚ÄěGro√üen‚Äú als erster mittelalterlicher Herrscher eine allgemeine Grundsteuer ein, das Danegeld. Dennoch setzten die Wikinger Ihre Bestrebungen fort, die angels√§chsischen Gebiete zu erobern. Nach der verlorenen Schlacht von Maldon 991 zahlte Aethelred 10.000 Pfund (3.732 kg) Silber Tribut, um den Abzug der Wikinger zu erkaufen. Diese Summen steigerten sich mit der Zeit. 994 mussten 7250 kg Silber f√ľr den Abzug Olaf Tryggvasons aufgebracht werden, 1012 sogar 22 Tonnen Silber.

1002 heiratete Aethelred die normannische Herzogstochter Emma in Erwartung normannischer Unterst√ľtzung gegen die Wikinger. Damit legte er einen Grundstein f√ľr die sp√§tere normannische Eroberung Englands. Im gleichen Jahr lie√ü er s√§mtliche D√§nen in seinem Herrschaftsbereich ermorden, worauf die D√§nen mit verst√§rkten Angriffen reagierten. Aethelred floh 1013 vor Sven Gabelbart in die Normandie, kehrte aber nach dessen Tod im Jahr darauf nach England zur√ľck, wo er 1016 starb.

England unter Knut dem Großen

Es folgten einige Jahre der K√§mpfe zwischen Angelsachsen, eingesessenen und seefahrenden D√§nen. Neuer K√∂nig wurde 1016 Knut der Gro√üe, der ab 1018 England und D√§nemark in Personalunion regierte sowie weite Teile Norwegens und S√ľdschwedens beherrschte. England war damit Teil eines durch Seefahrt zusammengehaltenen Gro√üreiches. Knut heiratete Emma, die Witwe √Üthelreds, und konvertierte zum Christentum. Die Christianisierung in D√§nemark und im 1028 von Knut eroberten Norwegen begann mit angels√§chsischen Priestern. Neben der Einbeziehung der Kirche in seine Herrschaftsstrukturen bem√ľhte Knut sich um die Integration sowohl der Angelsachsen als auch der sesshaft gewordenen D√§nen in seinem Reich. Die Bev√∂lkerungsgruppen wurden vom K√∂nig weitgehend gleich behandelt, unterschieden sich aber durch die verschiedenen, jeweils f√ľr sie geltenden Rechtsordnungen, die sich aus germanischen Stammesverfassungen entwickelt hatten. Wichtigstes rechtliches Werkzeug des K√∂nigs war der K√∂nigsfriede, mit dem Ansiedlungen, Gutsh√∂fe, Einrichtungen (beispielsweise Kirchen, Stra√üen oder Br√ľcken) und Personengruppen (etwa die Juden) in den pers√∂nlichen Haushalt des K√∂nigs √ľbernommen und damit gesch√ľtzt wurden. Als zus√§tzliche Verwaltungsebene √ľber den Shires richtete der selten in England anwesende K√∂nig vier Earldoms (Wessex, Mercia, East Anglia und Northumbria) ein, die jeweils von einem Herzog verwaltet wurden. Bei politischen Entscheidungen holte er in der Regel den Rat der Gro√üen des Landes ein.

Die letzten angelsächsischen Könige

‚Üí Hauptartikel: Normannische Eroberung Englands

Nach dem Tode von Knuts Sohn Hardiknut zerbrach das englisch-d√§nische Gro√üreich, und der normannische Einfluss in England wuchs zusehends. 1042 √ľbernahm Hardiknuts Halbbruder Eduard der Bekenner, ein Sohn √Üthelreds und Emmas, den englischen Thron. Durch seinen 25-j√§hrigen Aufenthalt in der Normandie war Eduard den heimischen Verh√§ltnissen entfremdet. Unter ihm kam es zu zwei Entwicklungen, die schnell Konflikte hervorriefen: Einerseits wuchs der Einfluss sowohl des alten angels√§chsischen als auch des d√§nischen Hochadels, insbesondere der Earls der Herzogt√ľmer, andererseits bevorzugte Eduard normannische Adlige an seinem Hof. Dies f√ľhrte zu einem Konflikt zwischen dem eingesessenen Adel und den Normannen. Eduards Schwiegervater Godwin, Earl of Wessex stellte sich an die Spitze der Oppositionsbewegung gegen die Normannen. Zun√§chst besiegte Eduard Godwin und schickte ihn 1051 in die Verbannung. Ein Jahr sp√§ter kam Godwin jedoch zur√ľck und setzt sich schnell wieder als m√§chtigster Adliger des Landes durch. Eduard hatte bis zu diesem Zeitpunkt die neue Herrschaftsorganisation eingef√ľhrt, die die normannischen K√∂nige sp√§ter durchsetzen sollten, insbesondere mit der direkten k√∂niglichen Einsetzung von Klerikern auf Verwaltungsposten und Bischofsst√ľhle nach dem Vorbild des ottonischen Reichskirchensystems. Als Godwin nach England zur√ľckkehrte, begann Eduard sich zunehmend aus seinen Regierungsgesch√§ften zur√ľckzuziehen und sich nur noch um den Bau der Kathedrale von Westminster und seine pers√∂nlichen Glaubens√ľbungen zu k√ľmmern.

Wilhelm der Eroberer auf dem Teppich von Bayeux

Harold Godwinson, ein Sohn Godwins, erreichte, dass der kinderlose Eduard ihn zu seinem Nachfolger bestimmte. Damit war die Nachfolgefrage jedoch keineswegs gekl√§rt. Harold war zwar die m√§chtigste politische Figur Englands und besa√ü nach eigenen Angaben die Zusage Eduards, dass er dessen Nachfolger werden sollte, doch war umstritten, ob diese Zusage wirklich erfolgt und ob sie rechtlich bindend war. Dar√ľber hinaus war Harold nicht mit dem K√∂nigshaus verwandt. Auf verwandtschaftliche Legitimation konnten sich ein noch minderj√§hriger Urenkel Aethelreds, der in Ungarn lebte, und der Norwegerk√∂nig Harald III. als Enkel Knuts des Gro√üen berufen. Wilhelm, Herzog der Normandie war √ľber seine Gro√ütante Emma zumindest entfernt mit dem angels√§chsischen K√∂nigshaus verwandt. Zudem berief er sich auf einen umstrittenen Eid Harold Godwinsons, den dieser ihm geleistet habe, als er auf einer Reise in normannische Gefangenschaft geraten sei und der Wilhelm die Thronfolge in England zugesichert habe.

Zeit- und Abstammungstafel der englischen Könige seit Wilhelm dem Eroberer.

Nach dem Tod Eduards 1066 wurde zun√§chst Harold Godwinson von den Gro√üen des Reiches als neuer K√∂nig anerkannt. Harald von Norwegen und Wilhelm von der Normandie begannen sofort nach der Wahl mit Vorbereitungen f√ľr Feldz√ľge nach England. Harald erreichte als erster die Insel und landete mit 300 Langschiffen in Yorkshire. Bei der Schlacht von Stamford Bridge am 25. September 1066 schlug Harold diese Invasionsarmee zur√ľck. Am Morgen des 28. September landeten die Normannen im S√ľdwesten bei Pevensey. Harold musste sein von der Schlacht geschw√§chtes Heer in Eilm√§rschen dem neuen Angreifer entgegen f√ľhren. Am 14. Oktober 1066 unterlagen die englischen Truppen in der Schlacht von Hastings, bei der Harold und seine Br√ľder fielen. Danach stie√ü Wilhelm kaum noch auf Widerstand. Am Weihnachtstag 1066 wurde er in Westminster zum englischen K√∂nig gekr√∂nt.

England im Hochmittelalter

Aufbau der normannischen Herrschaft

Rochester Keep, eine typische normannische Zwingburg
Seite des Domesday Books

Der Sieg Wilhelms f√ľhrte zur Einf√ľhrung des effektiven Lehnssystems der Normannen. Eine kleine normannische Oberschicht ersetzte den eingesessenen Adel fast vollst√§ndig. Wilhelm befahl die Erstellung des Domesday-Buches, welches Steuern der gesamten Bev√∂lkerung, ihrer L√§ndereien und Besitzt√ľmer erfasste. Anders als in vielen anderen europ√§ischen L√§ndern setzte sich mit Wilhelm das englische K√∂nigtum als alleiniges Zentrum des Feudalsystems durch. Letztlich befand sich der gesamte Grundbesitz auf der Insel in der Hand des K√∂nigs, der ihn an seine Lehnsnehmer weitergab, die wiederum ihnen untergeordnete Lehnsnehmer hatten. Grundherrschaft aus eigener Macht der F√ľrsten wie etwa im Heiligen R√∂mischen Reich gab es nicht. Auch die Verwaltung Englands wurde von Wilhelm neu geregelt: Mit wenigen Ausnahmen wurden die Counties als neue, kleinere Gebiete eingef√ľhrt. An ihrer Spitze standen Earls oder Counts als k√∂nigliche Lehnsnehmer. Darunter entstand aber eine weitere Schicht von Sheriffs als direkt dem K√∂nig verantwortliche Beamte. Auch kirchliche √Ąmter wurden zunehmend von Normannen besetzt. Insgesamt f√ľhrte die normannische Dominanz in der englischen F√ľhrungsschicht dazu, dass Anglonormannisch und Latein zu den dominierenden Sprachen wurden. Angels√§chsisch wurde nur noch im einfachen Volk gesprochen. Im Rechtssystem machte sich der normannische Einfluss vor allem durch das neue Element der Geschworenengerichte bemerkbar sowie durch die klare Trennung der weltlichen und geistlichen Gerichtsbarkeit.

Unter Wilhelms I. S√∂hnen kam es zu Auseinandersetzungen um das Erbe, aus denen schlie√ülich Heinrich I. als Sieger und als Herrscher sowohl √ľber England als auch √ľber die Normandie hervorging. Im Jahre 1100 musste Heinrich zur Absicherung seiner Herrschaft dem Adel die Charter of Liberties, den Vorl√§ufer der Magna Carta, zugestehen. Unter ihm wurde au√üerdem der Investiturstreit zwischen der englischen Krone und der katholischen Kirche ausgefochten, der mit der Regelung endete, dass die Kirche die Bisch√∂fe mit geistlichen Vollmachten ausstatten durfte, sie aber zuvor zu Vasallen des K√∂nigs werden mussten. Bis zum Ende seiner Herrschaft richtete Heinrich mit dem Schatzamt (Lord High Treasurer), einem Verwaltungsgerichtshof und den Reiserichtern weitere Elemente einer zentralen K√∂nigsherrschaft ein. Der Verlust seines Sohnes William 1120 beim Untergang des ‚Äěwei√üen Schiffs‚Äú leitete Auseinandersetzungen √ľber die Nachfolge ein, die rund 20 Jahre andauern sollten.

B√ľrgerkrieg und Dynastie Plantagenet

Die Herrschaft von Stephan I. (1135‚Äď1154), einem Neffen Heinrichs, war von zunehmenden Unruhen und dem Verfall der K√∂nigsherrschaft zu Gunsten des Adels gepr√§gt. Heinrichs I. Tochter, Matilda, hatte zun√§chst den deutschen Kaiser Heinrich V. geheiratet und dann Gottfried von Anjou. Zusammen mit ihm und ihrem Halbbruder Robert von Gloucester sowie einem Invasionsheer kehrte sie im Herbst 1139 auf die Insel zur√ľck. Stephan wurde 1141 gefangengenommen. Matilda erkl√§rte sich zur K√∂nigin, stie√ü aber schnell auf Ablehnung in der Bev√∂lkerung und wurde aus London vertrieben. Aufst√§nde und B√ľrgerkrieg dauerten an, bis Matilda 1148 nach Frankreich zur√ľckkehrte. Stephan regierte bis zu seinem Tod 1154 weiter, nachdem er 1153 unter dem Druck einer drohenden Invasion eine √úbereinkunft mit Heinrich aus dem Haus Anjou-Plantagenet, dem Sohn Matildas und Gottfrieds und sp√§teren Heinrich II. von England, getroffen hatte, die diesem die Nachfolge zusicherte.

Heinrich II. begr√ľndete mit seinem Herrschaftsantritt und der Heirat mit Eleonore von Aquitanien das Angevinische Reich, das neben England auch Teile Frankreichs und der Iberischen Halbinsel umfasste. Zugleich stand Heinrich dadurch aber als m√§chtigster F√ľrst Frankreichs im direkten Konflikt mit der franz√∂sischen Krone, in den auch England hineingezogen wurde.

Die Ermordung Thomas Beckets

Unter seiner Herrschaft erstarkte das K√∂nigtum wieder, was sich vor allem im Ausbau der Rechtsordnung ausdr√ľckte. Alle Freien erhielten das Recht, sich bei juristischen Streitf√§llen direkt an den K√∂nig zu wenden, Selbsthilferechte des Adels wurden eingeschr√§nkt. Um diese Neuerungen durchzusetzen, wurden verst√§rkt Reiserichter (Justice in Eyre) und Geschworenengerichte eingesetzt. Durch Burgenbau und das Aufstellen eines S√∂ldnerheeres machte sich der K√∂nig von seinen Rittern weitgehend unabh√§ngig. Im Verh√§ltnis zur Kirche setzte Heinrich sich nur teilweise durch: Die Konstitutionen von Clarendon wurden 1164 von ihm erlassen. Sie sollten die k√∂nigliche Gerichtsbarkeit auch auf Kleriker ausdehnen, die Kirchengerichtsbarkeit einschr√§nken und die Appellation englischer Priester an den Papst verbieten. Dies f√ľhrten zum Widerstand des Kanzlers Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury. 1170 wurde Becket (vermutlich auf ‚ÄěAnraten‚Äú Heinrichs) ermordet. Die sofort einsetzende M√§rtyrer-Verehrung richtete sich auch gegen den K√∂nig, der sich darauf √∂ffentlich dem√ľtigen und das Appellationsverbot aufheben musste. 1169 rief ein irischer K√∂nig englische S√∂ldner zur Unterst√ľtzung bei internen K√§mpfen ins Land und nahm Kontakt zu Heinrich auf. Nachdem die englischen Ritter schnell weite Teile der Nachbarinsel erobert hatten, begab sich Heinrich II. 1171 selbst nach Irland, um zu vermeiden, dass die Ritter dort zu eigenst√§ndig wurden. Auf der Synode von Cashel lie√ü sich Heinrich huldigen, wodurch Irland aus englischer Sicht zu einer der Krone unterworfenen Lordschaft wurde. Seit 1155 genoss zudem Heinrich durch die p√§pstliche Bulle ‚ÄěLaudabiliter‚Äú des englischen Papstes Hadrian IV. das Recht, die Unterwerfung der irischen Kirche unter die r√∂mische Oberhoheit durchzusetzen.

Heinrich II. war es allerdings nicht gelungen, eine belastbare Erbregelung f√ľr sein Reich aufzustellen. Sein √§ltester Sohn Richard L√∂wenherz war bei Heinrichs Tod 1189 mit Feldz√ľgen in Frankreich und dem Dritten Kreuzzug besch√§ftigt. Bei seiner R√ľckkehr aus dem Heiligen Land geriet er in die Gefangenschaft Kaiser Heinrichs VI. Insgesamt verbrachte er in zehn Jahren Herrschaft nur wenige Monate in England. Nachdem f√ľr Richards Freilassung 1194 ein hohes L√∂segeld gezahlt worden und er in sein Reich zur√ľckgekehrt war, k√§mpfte er erfolgreich gegen Philipp II. August von Frankreich, doch gelang es ihm nicht, alle Gebiete zur√ľckzuerobern, die in der Zeit seiner Abwesenheit verloren gegangen waren. So begann ein Schrumpfungsprozess des Angevinischen Reiches. In den folgenden Jahren konzentrierte Richard sich auf die Auseinandersetzung mit dem aufst√§ndischen Adel in Aquitanien. Bei der Belagerung der Burg Ch√Ęlus wurde er von einem Armbrustbolzen getroffen. Er starb am 6. April 1199.

Die Herrschaft √ľbernahm sein Bruder Johann. Als dieser in der Schlacht von Bouvines (1214) einen noch weit gr√∂√üeren Teil seiner Festlandsbesitzungen verlor und sich auch in Auseinandersetzungen mit der Kirche nicht durchsetzen konnte, trotzte ihm der Adel eine Reihe von Zugest√§ndnissen ab, die in der Magna Carta von 1215 festgelegt sind. Auf die Regierungspraxis wirkte sich diese Carta freilich erst unter Heinrich III. st√§rker aus, weil dieser nach der Eroberung Londons durch die Franzosen entscheidende Unterst√ľtzung durch den Adel erhalten hatte und diesen daher st√§rker in seine Regierungsentscheidungen einbezog.

Entstehung des englischen Parlamentarismus

Unter den schwachen K√∂nigen nach Heinrich II. zeigte sich die Stabilit√§t des durch ihn geschaffenen Systems. Die Institutionen und der Adel hielten das K√∂nigreich England trotz der Abwesenheit des Herrschers und der h√§ufigen Opposition gegen ihn aufrecht. England begann sich schon fr√ľh vom Personenverbandsstaat zu einer vergleichsweise modernen parlamentarischen Monarchie zu entwickeln. Unter Heinrich III. wuchs die Macht des Adels weiter: Zun√§chst f√ľhrte ein Regentschaftsrat mit Vertretern der wichtigsten Adelsh√§user die Regierungsgesch√§fte f√ľr den unm√ľndigen K√∂nig. Nachdem Heinrich selbst die Herrschaft angetreten hatte, √ľberspannte er schnell seine Kr√§fte durch Engagements in Sizilien, im Reich und durch den ebenso erfolglosen Versuch, die franz√∂sischen Gebiete zur√ľckzuerobern. Zudem stie√ü der wachsende Einfluss franz√∂sischer Hofadliger auf den Widerwillen des englischen Adels. 1257 berief Heinrich III. eine Versammlung seines Gro√üen Rates, auch Parlament genannt, ein, um finanzielle Unterst√ľtzung von den Gro√üen (im englischen Zusammenhang meist Magnaten genannt) seines Reiches zu erhalten. Solche Versammlungen hatte es bereits zuvor gegeben. Neu war aber die Tatsache, dass die Magnaten beanspruchten, dass der K√∂nig in Zukunft die Zusammensetzung und Einberufung des Parlaments sowie den Aufbau seines st√§ndigen Beraterkreises nicht mehr selbst bestimmen sollte. In den Provisions of Oxford und in den Provisions of Westminster wurde 1258 und 1259 unter anderem festgelegt, dass ein Magnaten-Ausschuss mit 15 Mitgliedern in Zukunft alle Regierungsgesch√§fte √ľberwachen sollte und der K√∂nig verpflichtet war, dreimal im Jahr ein Parlament einzuberufen. 1264 lehnte sich Heinrich III. gegen diese Vereinbarung auf, wurde aber von einem Adelsheer unter seinem Schwager Simon V. de Montfort bei Lewes geschlagen, worauf er die Provisions endg√ľltig anerkennen musste. Simon wurde in den folgenden Jahren zum Anf√ľhrer der Parlamentsbewegung, in die er auch Vertreter der St√§dte und des niederen Adels aufnahm. Dies wiederum rief den Widerstand des Hochadels hervor, mit dessen Unterst√ľtzung Kronprinz Eduard Simon in der Schlacht von Evesham 1265 schlug.

Eduard wurde bereits vor seinem Herrschaftsantritt 1274 zum wichtigsten Tr√§ger der k√∂niglichen Herrschaft in England. Er st√§rkte das K√∂nigtum, belie√ü aber sowohl die Magna Carta als auch die Provisionen von Westminster in Kraft. In Zusammenarbeit mit Parlament und Magnaten setzte er dar√ľber hinaus eine umfassende Rechtsreform durch, die vor allem eine Abkehr vom germanischen Gewohnheitsrecht hin zu kodifizierten und verbindlichen Gesetzen bedeutete. Unter Eduard wurde au√üerdem Wales, dessen F√ľrsten sich bereits mehrheitlich in einem Lehnsverh√§ltnis zur englischen Krone befanden, endg√ľltig in das Reich eingegliedert.

Ausdehnung in die benachbarten Territorien

1277 unterwarf Eduard den letzten walisischen F√ľrsten Llewelyn II. Anschlie√üend leitete er durch Siedlungsgr√ľndungen und Burgenbau eine gezielte Anglisierung des Landes ein. Nachdem Llelewyn II. in der Schlacht von Orewin Bridge 1282 get√∂tet wurde, folgte eine weitere Eingliederungsphase, in der Wales in Grafschaften mit englischen Grafen aufgeteilt und komplett dem englischen Rechtssystem unterworfen wurde. Weitere Aufst√§nde bis zum Ende des 13. Jahrhunderts schlug die englische Krone schnell nieder. In Schottland wurde Eduard zun√§chst als Schiedsrichter in einem Thronfolgestreit aktiv und versuchte den dortigen Adel √ľber seinen Kandidaten in ein Vasallenverh√§ltnis zur englischen Krone zu dr√§ngen. 1296 griff er direkt milit√§risch im n√∂rdlichen Nachbarreich ein, setzte den K√∂nig ab und beanspruchte selbst die schottische Krone. Es kam zu schottischem Widerstand und bis 1314 folgten mehrere wechselseitige Feldz√ľge, in denen sich keine Seite durchsetzte. 1314 gelang den Schotten in der Schlacht von Bannockburn ein entscheidender Sieg, worauf Schottland bis 1603 unabh√§ngig blieb. In Irland hatte sich seit dem Ende des 12. Jahrhunderts eine d√ľnne englische Adelsschicht als Herrscher √ľber nahezu das gesamte Territorium ausgebreitet. Die herrschaftlichen Institutionen Englands sowie das fortschrittlichere Wirtschaftssystem waren weitgehend √ľbernommen worden. Allerdings setzte bereits im Hochmittelalter ein gegenl√§ufiger Prozess ein: Die englische Herrscherschicht nahm langsam die g√§lische Kultur an und vermischte sich mit der verbleibenden einheimischen Adelsschicht. Teilweise wurden niedere Adlige englischer Herkunft und englische Siedlungen sogar g√§lischen Herren gegen√ľber tributpflichtig. In den Strukturen des englischen Staatsrechts setzte sich das g√§lische Zivil- und Strafrecht zunehmend wieder durch. Bis zum Sp√§tmittelalter kann man von einer tats√§chlichen englischen Herrschaft nur noch in der Region unmittelbar um Dublin sprechen.

Wirtschaft und Gesellschaft im Hochmittelalter

In der Zeit von der Mitte des 10. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts kam es sch√§tzungsweise zu einer Verdreifachung der englischen Bev√∂lkerung, vermutlich auf bis zu sechs Millionen Menschen. Diese Entwicklung hatte eine Reihe wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Folgen: Der Ackerbau wurde mit der Einf√ľhrung der Dreifelderwirtschaft und der Urbarmachung weiter Fl√§chen intensiviert. Die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln gelang jedoch nur in klimatisch g√ľnstigen und politisch stabilen Zeiten. H√§ufig wurde Getreide importiert, ebenso in gr√∂√üeren Mengen Wein und Holz. Wichtigste Exportartikel waren Wolle, Eisen und Zinn. Der Fernhandel lag mehrheitlich in der Hand kontinentaleurop√§ischer und j√ľdischer Kaufleute. Es gab kaum englische Handelsschiffe.

Die normannische Eroberung zog eine Ver√§nderung der Dorfstrukturen nach sich, indem sich l√§ndliche Siedlungen zunehmend um die Herrenh√§user des Adels gruppierten und nicht mehr in genossenschaftlich aufgebauten D√∂rfern nach angels√§chsischer Tradition. Vor allem auf wikingische Impulse ging das Wachstum von St√§dten zur√ľck. Schnell bildeten sich jedoch auch au√üerhalb des Danelag gro√üe Siedlungen, die bald vom K√∂nig den Status von Boroughs mit Selbstverwaltung und eigener Gerichtsbarkeit erhielten. Mit Ausnahme von London, das im Hochmittelalter rund 50.000 Einwohner hatte, blieben die englischen meist deutlich kleiner als kontinentale St√§dte. Der Hochadel wird f√ľr das Hochmittelalter auf rund 170 Familien gesch√§tzt. Ihnen waren rund 5000 bis 6000 Ritter nachgeordnet, die wiederum die unfreien Bauern als Vasallen hatten. Freie Bauern waren direkte Untertanen des K√∂nigs und genossen den Unfreien gegen√ľber rechtliche Privilegien. Da die Ritter im Verlauf des Mittelalters ihre Vasallendienste zunehmend durch Geldzahlungen abl√∂sten, blieb ihnen zunehmend Zeit zur eigenen Bewirtschaftung eines Teils ihrer G√ľter, die dann nicht durch die Belehnung unfreier Bauern, sondern durch Landarbeiter auf den Ritterg√ľtern erfolgte. Eine Ver√§nderung erlebte die Sozialstruktur, als 1290 alle Juden aus England ausgewiesen wurden.

Geistesleben im Hochmittelalter

Nach der normannischen Eroberung orientierten sich Wissenschaft und Kunst in England an der Entwicklung in Frankreich mit ihren Zentren in Paris und an den nordfranz√∂sischen Kathedralenschulen. Auch in England wurden Schulen zun√§chst in den Bischofsst√§dten gegr√ľndet, um die Kirche mit Nachwuchs an gebildeten Klerikern zu versorgen. Universit√§ten begannen kurz vor 1200 in Oxford und ab 1209 in Cambridge zu entstehen, zun√§chst als lose Zusammenschl√ľsse von Gelehrten und Studenten, kurz darauf gezielt von K√∂nig und Kirche gef√∂rdert und kontrolliert und ab der Mitte des 13. Jahrhunderts auch mit festen Universit√§tsgeb√§uden. Die Universit√§ten waren um 1220 auch die ersten Zentren des Wirkens der neuen Bettelorden, der Dominikaner und Franziskaner, in England.

Sprachlich hatte die normannische Eroberung zu einer Zweiteilung gef√ľhrt: W√§hrend die Oberschicht Anglonormannisch sprach, blieb Englisch die Sprache der Mehrheit. Nachdem die franz√∂sischen Teile des Angevinischen Reiches verloren gegangen waren, setzten sich zun√§chst beim Landadel verschiedene mittelenglische Dialekte durch. Sp√§ter dominierte der Dialekt der Region um London und wurde zum Ursprung der modernen englischen Sprache.

England im Spätmittelalter

Der Hundertjährige Krieg

→ Hauptartikel: Hundertjähriger Krieg
Darstellung der Schlacht von Cr√©cy, rechts im Vordergrund englische Langbogensch√ľtzen

Das Erstarken des franz√∂sischen K√∂nigtums f√ľhrte dazu, dass Philipp VI. 1337 die Gascogne konfiszierte, weil der englische K√∂nig Eduard III. seine Vasallenpflicht ihm gegen√ľber verletzt hatte. Eduard wollte eine weitere Beschneidung der festl√§ndischen Gebiete nicht hinnehmen. Dar√ľber hinaus war die Gascogne f√ľr den englischen Wollhandel nach Flandern von gro√üer Bedeutung und h√§tte Frankreich den direkten Zugriff auf den √Ąrmelkanal erm√∂glicht. Eine Rolle spielte auch die Tatsache, dass sich der geflohene schottische K√∂nig David II. am franz√∂sischen Hof aufhielt. Im Gegenzug zur Konfiskation erhob Eduard III. Anspruch auf den franz√∂sischen Thron, was den Hundertj√§hrigen Krieg ausl√∂ste. Nach einem Sieg in der Seeschlacht von Sluis (1340) landete Eduard mit vier auf breiter Front operierenden Heeren auf dem franz√∂sischen Festland. Nach dem Sieg in der Schlacht von Cr√©cy-en-Ponthieu (1346) und der Eroberung von Calais durch die Engl√§nder musste der franz√∂sische K√∂nig einen Waffenstillstand eingehen. Der neue Beginn der K√§mpfe 1355 und ein weiterer englischer Sieg unter der F√ľhrung des ‚ÄěSchwarzen Prinzen‚Äú 1356 in der Schlacht bei Maupertuis zogen eine tiefe Krise Frankreichs nach sich. Im Frieden von Br√©tigny sicherte sich Eduard III. 1360 gro√üe Gebietsgewinne in Frankreich.

Danach setzte eine Phase milit√§rischer Misserfolge f√ľr die Engl√§nder ein. Zudem belastete die gesamte Kriegsf√ľhrung die Staatskasse immer mehr und auch die katastrophalen Folgen der ersten Pestwelle von 1348 ersch√ľtterten die englische Wirtschaft schwer. Die schwierige milit√§rische Lage bei gleichzeitiger Wirtschaftskrise und K√§mpfermangel st√ľrzte die Krone in erhebliche Finanzschwierigkeiten. Der Geldmangel konnte nur mit neuen Steuern beseitigt werden, die die Parlamente dem K√∂nig auch gew√§hrten. Als Gegenleistung erhielten sie ein Bewilligungsrecht f√ľr alle zuk√ľnftigen Steuererhebungen. Damit bekamen die Parlamente ihr √ľber Jahrhunderte hinweg entscheidendes Machtmittel dem K√∂nig gegen√ľber in die Hand. Dar√ľber hinaus setzten sie die Abschaffung der Reiserichter und damit einer Kontrollinstanz durch, die durch die station√§ren Friedensrichter ersetzt wurden. 1376 setzte das ‚ÄěGute Parlament‚Äú erstmals in Zusammenarbeit von Commons und Lords eine Umgestaltung des k√∂niglichen Beraterkreises durch. 1383 scheiterte ein Feldzug Richards II. nach Flandern. Darauf folgte bis 1415 eine Phase fortgesetzter Waffenstillst√§nde, in denen der Hundertj√§hrige Krieg weitgehend ruhte.

Richard II. hatte in der Sp√§tphase seiner Herrschaft mit Aufst√§nden zu k√§mpfen. Als er sich auf einem Feldzug gegen den aufst√§ndischen sp√§teren Heinrich IV. in Irland befand, formierte sich in Nordengland unter der F√ľhrung des Erzbischofs von Canterbury eine bewaffnete Opposition. Nach seiner R√ľckkehr wurde Richard 1399 in England von Heinrich gefangen gesetzt, im Londoner Tower eingekerkert und zur Abdankung gezwungen. Das Parlament sanktionierte dieses Vorgehen und sprach Heinrich die Krone zu. Damit hatte es eine bis dahin einmalige Machtf√ľlle erreicht.

Die Schlacht von Agincourt (franz. Azincourt) in einer zeitgenössischen Darstellung

1415 nutzte der Sohn Heinrichs IV., Heinrich V., Thronfolgeunruhen in Frankreich, um erneut milit√§risch auf dem Kontinent aktiv zu werden. In der Schlacht von Azincourt erzielte er einen √ľberragenden Sieg, eroberte bis 1419 die gesamte Normandie und schloss ein B√ľndnis mit Burgund. Nach dem Tod Heinrichs V. 1422 flammte der Krieg erst 1428 wieder auf. Johanna von Orleans entwickelte sich auf franz√∂sischer Seite zur charismatischen F√ľhrungsfigur, zudem zerbrach das englisch-burgundische B√ľndnis. Es folgte eine Reihe franz√∂sischer Erfolge, die 1453 in der Schlacht bei Castillon mit der Eroberung Bordeaux‚Äô gekr√∂nt wurden. Damit war der Hundertj√§hrige Krieg beendet, und England verlor bis auf Calais seine festl√§ndischen Besitzungen.

Frankreich 1429 bis 1453

In der Kirchenpolitik l√§sst sich in der Zeit des Krieges mit Frankreich eine zunehmende Distanzierung der englischen Kirche von dem durch das Schisma geschw√§chten Papsttum ausmachen. In mehreren Statuten aus der zweiten H√§lfte des 14. Jahrhunderts errang die Krone die Kontrolle √ľber das Pfr√ľndewesen und schr√§nkte die M√∂glichkeiten zur Appellation nach Rom ein. Schlie√ülich wurden die Kleriker dem K√∂nig steuerpflichtig. Dennoch verschwand der p√§pstliche Einfluss nicht ganz. Eine geistliche Herausforderung entstand mit der vorreformatorischen Lollarden-Bewegung des John Wycliff, die ein mystisches Christentum mit allgemeinem Priestertum propagierte. Ab 1380 gewann Wycliff Unterst√ľtzer in Parlaments- und Adelskreisen. Dar√ľber hinaus entwickelten sich im Umfeld der Lollarden 1381, 1414 und 1431 Bauernaufst√§nde.

Die Rosenkriege

Die Absetzung Richards II. durch den sp√§teren Heinrich IV. und die Misserfolge im Hundertj√§hrigen Krieg waren die Gr√ľnde f√ľr den Ausbruch der Rosenkriege. Bei ihnen handelte es sich um einen Machtkampf um die englische Krone, der zwischen dem Haus von Lancaster, dessen Wappen eine rote Rose enthielt, und dem Haus von York, welches eine wei√üe Rose im Wappen f√ľhrte, ausgetragen wurde. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Gr√ľnde waren das Vorhandensein gro√üer Armeen nach dem Hundertj√§hrigen Krieg, die keine Bet√§tigungsfelder au√üerhalb Englands mehr hatten, sowie die Folgen der Pest.

Die Usurpation Heinrichs IV. hatte betr√§chtliche Unsicherheit √ľber die Erbfolge des englischen Throns hinterlassen. Unter Heinrich VI. schw√§chten Regentschaftsperioden wegen Minderj√§hrigkeit und folgender geistiger Krankheiten die K√∂nigsherrschaft weiter. In dieser Lage beanspruchten York und Lancaster, beide mit den Plantagenets verwandt, die Herrschaft. Nach wechselvollen K√§mpfen lie√ü sich Eduard von York 1461 als Eduard IV. kr√∂nen. Bis 1471 hatte er sich auch milit√§risch durchgesetzt, worauf er Heinrich VI. ermorden lie√ü. Ein erfolgreicher Feldzug nach Frankreich sicherte 1475 Eduards Herrschaft auch finanziell. Die Rosenkriege flammten 1483 noch einmal auf, als Eduards Bruder Richard III. seine Neffen, die Thronerben, gefangensetzen und vermutlich auch ermorden lie√ü und sich selbst zum K√∂nig erkl√§rte. Darauf kam es zu Aufst√§nden in England, die sich der nach Frankreich geflohene letzte Lancaster-Erbe Heinrich Tudor zu Nutze machte. In der Schlacht von Bosworth Field 1485, wurde Richard III. erschlagen. Heinrich Tudor wurde als Heinrich VII. zum neuen K√∂nig, heiratete 1486 Elisabeth von York, die Tochter des toten Eduard des IV und vereinte dadurch die beiden verfeindeten H√§user. Damit leitete er eine Phase der Stabilit√§t der englischen Krone ein.

Die letzte Erhebung der Waliser

Zuvor wurde die endg√ľltige Niederlage der walisischen Aufst√§ndischen unter der F√ľhrung des Prinzen Owen Glendower 1412 von Prinz Henry (dem sp√§teren Heinrich V.) besiegelt. Dieser Versuch, die englische Herrschaft abzusch√ľtteln, war die letzte gr√∂√üere Erhebung der Waliser. 1497 f√ľhrte Michael An Gof Rebellen aus Cornwall in einem Marsch auf London. In einem Kampf am Fluss Ravensbourne in der Schlacht von Deptford Bridge, k√§mpften An Gof und seine M√§nner am 17. Juni 1497 f√ľr die Unabh√§ngigkeit von Cornwall, wurden aber besiegt. Dieser Kampf war die letzte gr√∂√üere Rebellion bis zum B√ľrgerkrieg.

Wirtschaft und Gesellschaft im Spätmittelalter

Wat Tylers Tod durch den B√ľrgermeister von London, William Walworth, unter den Augen von Richard II.

Nach der Wachstumsphase des Fr√ľh- und Hochmittelalters pr√§gte im Sp√§tmittelalter die Pest die Entwicklung in England. Nach zwei schweren Pestsch√ľben 1348 und 1361/62 kam es zu mehreren kleinen Ausbr√ľchen der Seuche, die die Bev√∂lkerung in etwa halbierten. Diese Entwicklung zog einen verbreiteten Arbeitskr√§ftemangel nach sich, von dem nach einer anf√§nglichen schweren Wirtschaftskrise vor allem die √ľberlebende Landbev√∂lkerung profitierte: Landarbeiter erhielten h√∂here L√∂hne, freie Bauern kauften das frei gewordene Land und stiegen teilweise zu Gro√übauern (Yeomen) auf. Die Konkurrenz durch selbst bewirtschaftete G√ľter der Adligen ging zur√ľck, da diese sich angesichts der steigenden L√∂hne aus der Landwirtschaft zur√ľckzogen und sich vom Ackerbau ab- und der Schafzucht zuwendeten. Zwar gerieten auch einige kleinere freie Bauern neu in die Abh√§ngigkeit, doch erhielt die Mehrheit der Unfreien von ihren Herren weitergehende Rechte, die zunehmend auch schriftlich fixiert und damit gerichtlich einklagbar wurden. Bis zum Ende des Mittelalters war die Leibeigenschaft dadurch weitgehend verschwunden. Insgesamt wuchs das Standesbewusstsein der Landbev√∂lkerung, was sich am deutlichsten im Bauernaufstand von 1381 um Wat Tyler ausdr√ľckte. Auf den Adel hatte insbesondere die erste, erfolgreiche Phase des Hundertj√§hrigen Krieges grundlegende Auswirkungen. Das klassische Vasallenverh√§ltnis wandelte sich zu Vertragsbeziehungen, bei denen die Krone oder Hochadlige sich mit lebenslangen Unterhaltszahlungen die milit√§rischen Dienste des Landadels erkaufte. Dies steigerte einerseits die F√§higkeit der Krone zu lang anhaltenden Kriegsz√ľgen, stellte aber andererseits den Magnaten schlagkr√§ftige Privatarmeen zur Verf√ľgung.

Nachdem die gro√üen Pestz√ľge vorbei waren, beschleunigte sich die Entwicklung der St√§dte, allen voran London. Erstmals entstand eine gr√∂√üere Schicht einheimischer Fernkaufleute. London profitierte vor allem von seiner ab dem 13. Jahrhundert feststehenden Funktion als K√∂nigssitz. Zur Versorgung des Hofes erhielten H√§ndler- und Handwerkergilden Privilegien. Der Geldbedarf des K√∂nigs legte den Grundstein f√ľr das Londoner Bankenwesen. Die Eroberungen in der Fr√ľhphase des Hundertj√§hrigen Krieges steigerten die in England im Umlauf befindliche Geldmenge, so dass sich die Geldwirtschaft in der zweiten H√§lfte des 14. Jahrhunderts endg√ľltig durchsetzte.

Parallel zum Ausbau der Schafzucht und des Fernhandels wurde die Rohwolle verst√§rkt im Land zu Tuch weiterverarbeitet, was eine gr√∂√üere Wertsch√∂pfung und gut bezahlte Arbeitspl√§tze f√ľr die Landbewohner nach sich zog.

Die Tudor-Epoche

Heinrich VIII. von England

Konsolidierung der Tudor-Herrschaft

Sp√§testens mit der Geburt seines Sohnes Arthur am 19. September 1486 war die Position Heinrichs VII. als K√∂nig weitgehend stabil. In den folgenden Jahren bem√ľhte er sich vor allem, das Aufstandpotenzial unter den verbliebenen Anh√§ngern des Hauses York zu bek√§mpfen und die k√∂niglichen Finanzen zu stabilisieren. Dazu schuf er eine Reihe von √Ąmtern, deren Inhaber Geb√ľhren abzutreten hatten. Besondere Steuern, die ein Parlament h√§tte bewilligen m√ľssen, nahm er nur selten in Anspruch, um die Abh√§ngigkeit von der Versammlung klein zu halten. Den Einfluss der gro√üen Adelsh√§user dr√§ngte Heinrich in der Endphase seiner Herrschaft durch die Einrichtung des Council of the North und des Council of Wales zur√ľck. Diese beiden Versammlungen bezogen jeweils unter dem Vorsitz eines Bischofs nicht nur die Magnaten, sondern auch den niederen Landadel in die politischen Entscheidungen √ľber die jeweilige Region ein. Dar√ľber hinaus richtete Heinrich VII. weitere Beratergremien ein, in denen nicht mehr die Magnaten dominierten, sondern zum Teil auch Mitglieder des B√ľrgertums einflussreich wurden.

Erste Regierungsjahre Heinrichs VIII.

Sein Sohn, K√∂nig Heinrich VIII., versuchte noch einmal, die Festlandsgebiete zur√ľckzuerobern. Die Feldz√ľge in Frankreich brachten jedoch keine dauerhaften Erfolge. Lediglich 1513 gelang mit einem √ľberproportionalen milit√§rischen Aufwand die Eroberung von Th√©rouanne und Tournai. Diesen Feldzug nutzte Jakob IV. von Schottland, um in Nordengland einzufallen. Sein zahlenm√§√üig √ľberlegenes Heer wurde von den englischen Verteidigern in der Schlacht von Flodden Field geschlagen, bei der auch der K√∂nig fiel. Sein Sohn Jakob V. war minderj√§hrig und so √ľbernahm seine Mutter Margaret Tudor, eine Schwester Heinrichs VIII., die Regentschaft, was dem englischen K√∂nig gro√üen Einfluss in Schottland sicherte. Abgesehen von seinen Feldz√ľgen k√ľmmerte sich Heinrich VIII. allerdings wenig um Politik. Dieses Feld √ľberlie√ü er weitgehend seinem Berater Thomas Wolsey. Der Mann von einfacher b√ľrgerlicher Herkunft wurde zu einem der m√§chtigsten M√§nner Englands, st√ľrzte aber 1529 √ľber seine gescheiterten Versuche, bei den Auseinandersetzungen zwischen dem Habsburgerreich und Frankreich als Schiedsrichter aufzutreten sowie eine Scheidung der k√∂niglichen Ehe zu erreichen.

Im Verlauf der ersten Herrschaftsjahre Heinrichs VIII. r√ľckte die Frage nach der Thronfolge und damit nach der Ehe des K√∂nigs in das Zentrum der Politik. Mit Katharina von Arag√≥n, die zuvor mit Heinrichs verstorbenem Bruder verheiratet gewesen war, hatte er nur die 1516 geborene Maria als Kind. Mehrere Fehlgeburten folgten. Ein fehlender Thronerbe h√§tte aber katastrophale Folgen f√ľr das Fortbestehen der Tudor-Dynastie gehabt. In dieser Lage lernte Heinrich Anne Boleyn kennen, die sich aber nicht mit der Position der M√§tresse bescheiden wollte, sondern verlangte, dass sie K√∂nigin w√ľrde. Verhandlungen mit dem Papst √ľber eine Scheidung Heinrichs von Katharina begannen. Sie blieben jedoch weitgehend erfolglos, vor allem auf Betreiben von Kaiser Karl V., einem Neffen Katharinas. √úber diesen Misserfolg st√ľrzte Wolsey endg√ľltig. Sein Nachfolger als Kanzler wurde Thomas More, der sich aber weigerte, die Scheidungsverhandlungen weiterzuf√ľhren.

Der Bruch mit Rom

Zugleich wurde in dieser Zeit in der Bev√∂lkerung die Unzufriedenheit mit der katholischen Kirche immer gr√∂√üer. Vor allem die Einnahmen der Kleriker aus Pfr√ľnden und die oft mangelhafte Seelsorge in den Gemeinden l√∂sten wachsende Emp√∂rung aus. Im Herbst 1529 formulierten in einem Parlament vor allem Londoner Kaufleute und Juristen die Kritik an der Kirche in einer bis dahin unbekannten Sch√§rfe. 1530 erhob der K√∂nig Anklage gegen den gesamten englischen Klerus wegen angeblicher Verst√∂√üe gegen das Kirchenrecht. Im Januar 1531 zwang Heinrich VIII. die englische Bischofsversammlung, die Hoheit des K√∂nigs √ľber das Kirchenrecht zu akzeptieren. Dar√ľber hinaus forderte der K√∂nig die Abschaffung des Rechts zur Appellation an den Papst, was ihm nicht nur freie Hand bei seiner Scheidung verschafft, sondern die englische Kirche weitgehend dem Zugriff Roms entzogen h√§tte. Au√üerdem sollte der Erzbischof von Canterbury als h√∂chster Kleriker in England anerkannt werden, eine Stellung, die er zuvor gemeinsam mit dem Erzbischof von York innehatte. Den theoretischen Unterbau f√ľr diese Anspr√ľche bildete der in der Forschung so genannte Caesaropapismus, der dem weltlichen Herrscher auch die Hoheit √ľber die Kirche in seinem Territorium zusprach. Diese Machtposition wollte Heinrich VIII. erreichen. Unterst√ľtzung bekam er vom Erzbischof von Canterbury, Thomas Cranmer. Im Januar 1533 erkl√§rte Anne Boleyn, dass sie von Heinrich VIII. schwanger sei. Cranmer traute die beiden daraufhin sofort. Im Mai erkl√§rte ein von ihm dominiertes Gericht die Ehe zwischen Heinrich und Katharina f√ľr ung√ľltig, was bedeutete, dass die Tochter Maria unehelich und damit nicht erbberechtigt sei. Der Papst annullierte das Urteil und exkommunizierte Cranmer und den K√∂nig. In dieser Lage kam am 7. September 1533 Elisabeth, die Tochter Heinrichs und Anne Boleyns, zur Welt.

Mit der Suprematsakte legten K√∂nig und Parlament 1534 endg√ľltig die Unabh√§ngigkeit der englischen Kirche von Rom und die Stellung des K√∂nigs als ihr Oberhaupt fest. Dar√ľber hinaus wurden zahlreiche, vor allem juristische, Sonderrechte des Klerus abgeschafft. Dies war die Geburtsstunde der Anglikanischen Kirche. In den folgenden Jahren wurden, vor allem auf Betreiben des Generalvikars Thomas Cromwell, zahlreiche Verordnungen erlassen, die auch in Liturgie und Kirchenlehre eingriffen. Das Vorgehen des K√∂nigs l√∂ste erheblichen Widerstand aus. So lehnten die M√∂nchsorden die L√∂sung von Rom und die Scheidung des K√∂nigs ab. Heinrich VIII. lie√ü darauf bis 1540 s√§mtliche Ordensniederlassungen aufl√∂sen. Die L√§ndereien der Orden sowie ein Gro√üteil des Landbesitzes der Weltkirche ging in den folgenden Jahren unentgeltlich an die Krone und nachfolgend zu Schleuderpreisen an verdiente Gefolgsleute aus dem Kleinadel (Gentry) und an verm√∂gende Gro√übauern (yeomanry).[4] Damit schuf sich Heinrich VIII. f√ľr die Zukunft eine bedingungslos ihn gegen√ľber der Kirche unterst√ľtzende F√ľhrungselite, welche selber ein starkes Interesse am Erhalt der erlangten Verm√∂gensvorteile und des damit verbundenen gesellschaftlichen Aufstiegs hatte.[5] Die Machtbasis der englischen Krone erfuhr damit deutliche wirtschaftliche sowie politische Verst√§rkung und Festigung.[6][7] Zahlreiche hochrangige Kleriker weigerten sich, die Suprematsakte per Eid anzuerkennen, unter ihnen auch Kanzler Thomas More, der daf√ľr 1535 hingerichtet wurde. 1536 formierte sich in Nordengland die Pilgrimage of Grace, ein bewaffneter Pilgerzug mit sch√§tzungsweise 35.000 Mitgliedern. Heinrich sagte zu, dass er √ľber die Forderungen der Pilger verhandeln werde, die weit √ľber den Protest gegen die k√∂nigliche Kirchenpolitik hinausgingen. Auf diese Versprechen hin l√∂ste sich der Zug auf, worauf der K√∂nig den Anf√ľhrern den Prozess machen lie√ü.

Mit dem kirchenpolitischen Machtgewinn war das dr√§ngendste Problem Heinrichs VIII. nicht gel√∂st: das Fehlen eines m√§nnlichen Erbes. Im Mai 1536 lie√ü er Anne Boleyn hinrichten, offiziell wegen mehrfachen Ehebruchs. Wenige Tage darauf heiratete der K√∂nig die Hofdame Jane Seymour. Sie brachte am 12. Oktober 1537 den Thronfolger Eduard zur Welt und starb im Kindbett. Bei der Suche nach einer neuen Frau f√ľr den K√∂nig spielte die gesamteurop√§ische Religionspolitik eine zentrale Rolle. Thomas Cromwell machte sich f√ľr ein B√ľndnis mit den protestantischen Kr√§ften im Reich stark und vermittelte eine Ehe Heinrichs mit Anna von Kleve. Als die Braut in England ankam, war der K√∂nig angesichts ihrer reizlosen Erscheinung entsetzt, ging aber aus B√ľndnisgr√ľnden die Ehe ein. Allerdings fiel Cromwell dadurch in Ungnade und wurde am 28. Juli 1540 wegen Verrats und Ketzerei hingerichtet. Eine Hofpartei hatte sich bereits zuvor gegen Cromwell f√ľr ein B√ľndnis mit Frankreich eingesetzt. Sie brachte nun entsprechende Verhandlungen auf den Weg und f√ľhrte Heinrich die attraktive Catherine Howard zu. Die Ehe mit Anna von Kleve wurde umgehend geschieden, und Heinrich heiratete am Tag der Hinrichtung Cromwells Catherine.

Gleichzeitig ging Heinrich VIII. milit√§risch gegen das mit Frankreich verb√ľndete Schottland vor. Bei Solway Moss schlug 1542 ein englisches Heer die schottischen Truppen vernichtend. Vermutlich aus Schrecken √ľber diese Nachricht starb der schottische K√∂nig Jakob V. 1543 startete Heinrich von Calais aus einen Feldzug gegen Frankreich, der mit einem gro√üen milit√§rischen Aufgebot lediglich die Eroberung Boulognes zur Folge hatte und damit eine strategische Niederlage war. Am 28. Januar 1547 starb Heinrich VIII.

Die Krise der Tudors

Die Regierungsgesch√§fte f√ľr den noch unm√ľndigen Eduard VI. √ľbernahm der 16-k√∂pfige Privy Council, in dem sich schnell der Protektor Edward Seymour, der Bruder von Eduards Mutter, eine dominierende Stellung einnahm. Seymour musste sich mit mehreren Problemen auseinandersetzen: Im Krieg gegen Frankreich und Schottland verlangte die √∂ffentliche Meinung von ihm Erfolge, gleichzeitig belasteten die Feldz√ľge die Staatskasse schwer. Au√üerdem war der kirchenpolitische Kurs unter den Mitgliedern des Councils und den Magnaten umstritten. W√§hrend einige einen Anschluss an die Reformation verlangten, gab es auch zahlreiche Stimmen f√ľr eine weitgehende Beibehaltung alter Glaubenspraktiken trotz der L√∂sung von Rom. Edward Seymour hob angesichts dieser Frage zahlreiche Zensur- und H√§resiegesetze auf, so dass sich eine breite Debatte entfaltete und ihn der Notwendigkeit zentraler Regelungen enthob. Mit mehreren Detailgesetzen vor allem zur Liturgie beg√ľnstigte der Lord Protector allerdings den Protestantismus. Das Wichtigste war das Uniformit√§tsgesetz von 1549, das das erste Book of Common Prayer als verbindliche Gottesdienstordnung festschrieb.

Gleichzeitig spitzte sich die soziale Lage zu. Grund daf√ľr waren die hohen Abgaben zur Finanzierung des Krieges, das Bev√∂lkerungswachstum sowie Missernten und die Inflation. Diese Spannungen entluden sich 1549 in Devon und Cornwall in der Western Rebellion. Anlass f√ľr die Erhebungen war allerdings die Kirchengesetzgebung. Kleriker, die sich gegen die Beschneidung der kirchlichen Macht und f√ľr eine Beibehaltung alter Gottesdienstformen einsetzten, wurden zu Anf√ľhrern der Rebellion. 1552 folgte ein zweites Book of Common Prayers, mit dem die Anglikanische Kirche sich endg√ľltig dem Protestantismus anschloss.

Ab 1551 verlor Edward Seymour seine Macht zunehmend an John Dudley, 1. Herzog von Northumberland, den Vorsitzenden des Privy Council. Dieser bem√ľhte sich, den Krieg zu beenden und die Massenarmut zu bek√§mpfen. In dieser Situation erkrankte der wenig robuste Eduard VI. 1553 an Tuberkulose. Da sein Tod absehbar war, r√ľckte eine alternative Thronfolge in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung. Offiziell war Maria I. weiterhin erbberechtigt. Als bekennende Katholikin h√§tte ihre Regierung erhebliche Umw√§lzungen und wohl auch die Absetzung und Bestrafung des Protestanten Dudley bedeutet. Dieser versuchte darauf entgegen der Thronfolgeregelung Jane Grey, eine Gro√ünichte Heinrichs VIII., zur neuen K√∂nigin aufzubauen. Als Eduard VI. im Juli 1553 starb, beanspruchte Dudley den K√∂nigstitel f√ľr Grey, w√§hrend Maria sich gleichzeitig selbst zur K√∂nigin ausrief. Ein Versuch Dudleys, Maria gefangen zu nehmen, scheiterte, da seine Truppen desertierten, weil sie, wie die Mehrheit der Bev√∂lkerung, Maria unabh√§ngig von ihrer Konfession als legitime K√∂nigin ansahen. Bald unterst√ľtzte auch der Council Maria. Dudley wurde hingerichtet.

Die Herrschaft Marias I.

Maria I. von England

Am Anfang ihrer Herrschaft setzte Maria auf eine integrative Politik. Sie lie√ü einen Gro√üteil des alten Privy Councils in seiner Machtposition und erg√§nzte das Gremium durch pers√∂nliche, meist katholische Vertraute. Zun√§chst machte sich ihre Rekatholisierungspolitik vor allem durch die Absetzung weniger, ausgesprochen protestantischer Bisch√∂fe und die Einsetzung entschiedener Katholiken bemerkbar. 1553 wurde die alte, katholische Liturgie weitgehend wiederhergestellt und die religi√∂se Zensur wieder versch√§rft. Jedoch f√ľhrte erst Marias Heiratspolitik zu einer Versch√§rfung der konfessionellen Auseinandersetzungen. Durch ihre Heirat mit Philipp II. von Spanien 1554 stellte sie eine Verbindung zur f√ľhrenden katholischen Macht dar, die von den Magnaten und gro√üen Teilen der englischen Bev√∂lkerung abgelehnt wurde. Zwar machte sie zahlreiche Zugest√§ndnisse, die eine spanische Einflussnahme auf die englische Politik verhindern sollte, dennoch wuchs die Unzufriedenheit mit ihrer Herrschaft. Ebenfalls 1554 wurde die anglikanische Kirche wieder Rom unterstellt. Vorerst erkl√§rten sich die Magnaten und der Hochadel damit einverstanden, weil sie ihre Erwerbungen aus Kirchengut behalten durften. Die im gleichen Jahr wiederhergestellten Ketzergesetze bildeten jedoch die Grundlage f√ľr die Verfolgung der Protestanten ab dem folgenden Jahr, in deren Verlauf knapp 300 Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Ein durchschlagender Erfolg der Rekatholisierung blieb jedoch aus, vor allem weil Maria bereits 1558 starb, ohne einen Thronerben geboren zu haben. Lediglich au√üenpolitisch kam es zu einer Ann√§herung an Spanien, indem England sich ihm 1557 im Krieg gegen Frankreich anschloss, ein Unternehmen, das sich jedoch zu einem Desaster entwickelte, als am 7. Januar 1558 Englands letzter Br√ľckenkopf auf dem Kontinent, die Hafenstadt Calais, von Frankreich erobert wurde. Abgesehen davon gelang es Maria jedoch, die Krone durch eine Reihe von Reformen auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen und ein Flottenbauprogramm in die Wege zu leiten, das f√ľr England in den folgenden Jahrhunderten eine bedeutsame Rolle spielen w√ľrde.

Geistesleben im Sp√§tmittelalter und in der Fr√ľhen Neuzeit

Die Sprache des Londoner Umlandes setzte sich zunehmend als gesamtenglische Hochsprache durch, wobei sie zahlreiche Lehnw√∂rter aus dem Franz√∂sischen √ľbernahm. Nachdem die Literatur im Hochmittelalter fast ausschlie√ülich einen kirchlichen Zusammenhang hatte, traten zum Ende des Mittelalters hin vermehrt Laien als Autoren auf. Das sich herausbildende englische Nationalbewusstsein schlug sich zunehmend auch in der in Landessprache verfassten Literatur nieder. Die F√§higkeit zum Lesen und Schreiben verbreitete sich zunehmend unter den st√§dtischen Handwerkern und H√§ndlern. 1525 erschien die erste englische Ausgabe des Neuen Testaments, die direkt aus der Vulgata √ľbersetzt worden war. Allerdings machte sich beginnend mit der Renaissance im 15. Jahrhundert eine R√ľckbesinnung auf die Antike im Zeichen des Humanismus bemerkbar. Ebenfalls in diesem Jahrhundert ist eine Welle von kirchenunabh√§ngigen Schulgr√ľndungen feststellbar. In den Lehrpl√§nen der Universit√§ten von Oxford und Cambridge wurden im Rahmen der Reformation unter Heinrich VIII. die religi√∂sen F√§cher aus ihren dominierenden Stellungen befreit. Ab 1500 stiegen die Zahlen der Studierenden deutlich an. Zunehmend nutzten adlige S√∂hne die Universit√§ten, da der Adel insgesamt h√∂heren Wert auf Bildung legte. Ebenfalls als Folge der Reformation l√∂ste Englisch Latein als Messsprache ab. Bildende Kunst und Architektur erlebten als Folge der religi√∂sen Umbr√ľche und der damit verbundenen Kirchenpl√ľnderungen im 16. Jahrhundert eine Phase, in der kaum neue Werke entstanden.

Das Elisabethanische Zeitalter

Das ‚ÄěArmadaportr√§t‚Äú Elisabeths I. wurde 1588 als Reaktion auf den Sieg √ľber die spanische Armada gemalt.

Der Thronfolgeregelung Heinrichs VIII. zufolge und auch nach den Zusicherungen, die Maria I. bei ihrer Heirat den Magnaten gemacht hatte, bestieg Elisabeth I. 1558 den Thron. Die neue, protestantische Königin wurde vom Volk begeistert aufgenommen. Vom Beginn ihrer Herrschaft an war eine mögliche Heirat der Königin das bestimmende Thema. Mehrfach forderten Parlamente sie dazu auf, mit dem Ziel, einen männlichen Thronfolger zu erhalten.

Durchsetzung der Reformation

Zun√§chst wurde Elisabeth aber religionspolitisch f√ľr den Protestantismus aktiv. Noch im Jahr ihrer Thronbesteigung hob sie die r√∂mische Hoheit √ľber die englische Kirche wieder auf. 1559 lie√ü sie s√§mtliche Beamte, darunter alle Geistlichen, einen Eid auf sich als Oberhaupt der Kirche schw√∂ren. 17 Bisch√∂fe, die von Maria eingesetzt worden waren, verweigerten diesen Eid und wurden ihrer √Ąmter enthoben. Die religi√∂se Konformit√§t der einfachen Bev√∂lkerung wurde im gleichen Jahr mit einer Pflicht zum Gottesdienstbesuch festgeschrieben. Theologisch wurde die Anglikanische Kirche 1563 mit den vom Klerus erstellten 39 Articles endg√ľltig auf den Protestantismus ausgerichtet, die 1571 Gesetzeskraft erhielten. Entschiedene Protestanten, denen dies nicht weit genug ging, sammelten sich in der Bewegung der Puritaner, von denen ein Teil sich ab 1570 unter der Bezeichnung Presbyterianer weiter radikalisierte. Elisabeth lie√ü gegen diese Str√∂mungen scharf vorgehen, so dass es in der Anglikanischen Kirche ab 1590 praktisch keinen Widerstand gegen die k√∂nigliche Kirchenpolitik mehr gab. Rom reagierte auf die Hinwendung zum Protestantismus 1570 mit der Exkommunikation Elisabeths und einer gezielten Gegenreformation. Ab 1574 sickerten katholische Geistliche, bald auch Jesuiten, nach England ein. Insgesamt sollen w√§hrend der Regierungszeit Elisabeths 650 katholische Priester in England gewirkt haben. Sie wurden vor allem verdeckt in den Haushalten von Adel und Gentry aktiv, im einfachen Volk fand der Katholizismus keine Anh√§nger mehr. Elisabeth reagierte mit scharfen antikatholischen Gesetzen. Ab 1585 wurde die Todesstrafe gegen entdeckte katholische Priester verh√§ngt. Insgesamt lie√ü Elisabeth 133 Priester und 63 katholische Laien hinrichten.

Wachsender Einfluss auf Schottland

Elisabeths erste au√üenpolitische Aktivit√§ten konzentrierten sich auf Schottland. Dort hatte Marie de Guise, die Witwe Jakobs V., sich den massiven Unmut des Adels zugezogen, weil sie mit Hilfe zahlreicher franz√∂sischer Berater und Soldaten regierte. Elisabeth unterst√ľtzte einen 1559 ausbrechenden Aufstand protestantischer schottischer Adliger. Nach dem Tod Marias 1560 wurde der Vertrag von Edinburgh geschlossen, der den englischen Einfluss auf Schottland steigern und den franz√∂sischen vermindern sollte. Kurz darauf kam jedoch Maria Stuart, die Witwe Franz‚Äô II. von Frankreich, nach Schottland und machte ihre Anspr√ľche auf den Thron geltend. Da sie erbrechtlich die legitime Thronfolgerin war, akzeptierten auch die protestantischen Adligen zun√§chst die katholische K√∂nigin. Nachdem Maria jedoch 1567 ihren schottischen Gatten t√∂ten lie√ü, brach ein allgemeiner Aufstand gegen sie los, der sie dazu zwang, zu Gunsten ihres einj√§hrigen Sohnes Jakob auf die Krone zu verzichten und einen protestantischen Regenten anzuerkennen. Im Mai 1568 floh Maria Stuart nach England und begab sich unter den Schutz Elisabeths. Diese befand sich damit in einer politischen Zwickm√ľhle: Maria war eindeutig die legitime, durch einen Aufstand vertriebene K√∂nigin Schottlands. H√§tte Elisabeth diesen Anspruch aber unterst√ľtzt, w√§re im Nachbarland wieder eine katholische Herrscherin auf den Thron gekommen. Obwohl die Parlamente wiederholt auf die Hinrichtung Maria Stuarts dr√§ngten, erfolgte diese erst am 8. Februar 1587.

Seeschlacht von Gravelines. Gemälde von Philippe-Jacques de Loutherbourg

Konflikt mit Spanien

Unterdessen hatte sich das Verh√§ltnis zwischen England und Spanien verschlechtert. W√§hrend Spanien den Katholizismus in England unterst√ľtzte, griffen englische Freibeuter mit Billigung Elisabeths spanische Schiffe im √Ąrmelkanal an und unterst√ľtzte England die protestantischen Niederlande bei ihrem Aufstand gegen die spanische Herrschaft. Darauf reagierte Spanien mit Angriffen auf die englisch-niederl√§ndischen Handelslinien. 1569 brach im Norden Englands ein von Spanien unterst√ľtzter Aufstand los, den Elisabeth nur mit massiver Gewaltanwendung und dank der Unterst√ľtzung durch die protestantischen Kr√§fte Schottlands niederschlagen konnte. Elisabeth intensivierte darauf ihre Unterst√ľtzung f√ľr die inzwischen organisierten Aufst√§ndischen in den Niederlanden um Wilhelm von Oranien. 1574 entspannte sich die Lage vor√ľbergehend, als Philipp II. und Elisabeth I. ein Abkommen schlossen, das ihnen gegenseitig die Unterst√ľtzung von Rebellen untersagte und den Handel zwischen beiden Reichen wieder anlaufen lie√ü. Dennoch wuchsen in England und Spanien jeweils die inneren Ressentiments gegen den anderen Staat. Schlie√ülich beschloss Philipp 1585 eine gro√ü angelegte Invasion Englands, bei der er vom Vatikan finanziell massiv unterst√ľtzt wurde.

Die Route der Spanischen Armada

1588 besiegte die technisch √ľberlegene englische Flotte die Armada in einer Reihe von Seeschlachten im Kanal. St√ľrme vernichteten die fliehende spanische Flotte endg√ľltig. Damit begann Englands Aufstieg zur See- und Kolonialmacht. Zwar hatte es bereits um 1500 erste englische Expeditionen nach Nordamerika gegeben, doch war zun√§chst keine gezielte Eroberungspolitik betrieben worden. √úberseehandel im gr√∂√üeren Umfang fand erst ab 1550 statt und beruhte vor allem auf den Initiativen einzelner englischer H√§ndler. Im Verlauf der Auseinandersetzung mit den Spaniern unterst√ľtzte die Krone zunehmend den Handel und die Freibeuterei im Einflussbereich Spaniens. Einen ersten H√∂hepunkt erreichte die Seefahrtnation England mit der Weltumseglung Francis Drakes 1577 bis 1580. In der englischen √Ėffentlichkeit propagierten mehrere Kampagnen die Kolonisierung und den √úberseehandel.

Ab 1600 kam es in Irland, das noch √ľber einen gro√üen katholischen Bev√∂lkerungsanteil verf√ľgte, zu einem von Spanien mit Truppen unterst√ľtzten Aufstand gegen die englische Herrschaft. Bis 1607 schlugen die englischen Truppen die Bewegung aber nieder. Nach dieser Entscheidung begann die englische Kolonisierung, die zuvor nur in kleinen Schritten vorangegangen war, die ganze Insel zu umfassen.

Letzte Herrschaftsjahre Elisabeths

Englisches Wappen ca. 1600 (Siebmacher 1605)

Ab 1590 begann der R√ľckhalt f√ľr Elisabeth I. zu schwinden. Wichtigster Grund daf√ľr war die wachsende Steuerlast. Bis zum Sieg gegen die Spanier hatte sie die Bev√∂lkerung nur gering finanziell belastet. So musste sie in den 45 Jahren ihrer Herrschaft die Parlamente, deren Hauptaufgabe die Bewilligung neuer Steuern waren, nur 13 Mal einberufen. Da aber auf die Vernichtung der Armada fortgesetzte K√§mpfe mit Spanien folgten, wuchs der Geldbedarf des Staates rasch. Zudem hatte Elisabeth ein System aus √Ąmtern am Hof, im Justizsystem und der Kirche sowie wirtschaftliche Privilegien geschaffen, mit der sie wichtige Magnaten belohnte. Dieses System verschlang in den Jahren vor ihrem Tod 1603 immer gr√∂√üere Summen und belastete den Haushalt zus√§tzlich.

Wirtschaft und Gesellschaft im 16. Jahrhundert

Um 1550 war die englische Bev√∂lkerung nach der Pest wieder auf rund drei Millionen angewachsen. Die Landbev√∂lkerung stellte bei weitem die Mehrheit. Allerdings verf√ľgte London um 1500 bereits √ľber 60.000 Einwohner und wuchs bis zum Ende des Jahrhunderts auf rund 215.000 Menschen an. Die um 1500 n√§chstgr√∂√üeren St√§dte waren deutlich kleiner: Norwich mit 12.000 und Bristol mit 10.000 Einwohnern. In London bildete sich auch eine einflussreiche Fernh√§ndlerschicht, die vor allem die Route London-Antwerpen bediente und sich mit der Gilde der Merchant Adventurers um 1500 erstmals einen institutionellen Rahmen gab. Nicht zuletzt diese von den K√∂nigen mit vielen Privilegien versehene Gilde f√ľhrte zum Aufstieg Londons und zugleich zum Verk√ľmmern des Fernhandels in den √ľbrigen Hafenst√§dten Englands.

Das starke Bev√∂lkerungswachstum und die endg√ľltige Durchsetzung der Geldwirtschaft in allen Lebensbereichen f√ľhrten zu einem erheblich wachsenden Bedarf an M√ľnzgeld, der wiederum eine deutliche Verschlechterung des M√ľnzmetalls und eine Inflation nach sich zog. Diese Entwicklung f√ľhrte zur Verelendung weiter Kreise der Arbeiterschaft, die auf die in Geld ausgezahlten L√∂hne angewiesen war. Gewinne machten dagegen sowohl adlige als auch b√§uerliche Grundbesitzer sowie Lebensmittelh√§ndler und teilweise auch P√§chter mit langfristigen Pachtvertr√§gen. Insgesamt stieg die Bedeutung der Lebensmittelproduktion f√ľr den Verkauf und nicht mehr nur f√ľr den eigenen Unterhalt stark an, insbesondere zur Versorgung der stark wachsenden Metropole London. Dies zog auch technische Neuerungen nach sich, so die Erg√§nzung der Dreifelderwirtschaft durch bodenverbessernde Futterpflanzen, gezielte D√ľngung und die zeitweise Beweidung von Ackerland, die die bisherige Brache weitgehend verdr√§ngten. Als weitere Erwerbsquelle in der Winterzeit bildete sich f√ľr die Landbev√∂lkerung das Verlagssystem, vor allem in der Textilherstellung, heraus.

Die englische Bauernschaft der fr√ľhen Neuzeit teilte sich in drei Gruppen. Am schlechtesten gestellt waren die Leaseholders (um 1500 rund ein Neuntel der Bauern). Sie verf√ľgten √ľber Pachtvertr√§ge mit begrenzter Laufzeit, die immer wieder neu ausgehandelt wurden. Sie wurden dadurch von der Inflation am h√§rtesten getroffen. Die Copyholders stellten mehr als die H√§lfte der Bauernschaft. Ihre Erbpachtvertr√§ge waren praktisch unk√ľndbar und sahen auf sehr lange Frist festgelegte Zahlungen vor. Die Freeholders (etwa ein F√ľnftel) waren zwar nominell dem Grundherren abgabepflichtig, traten im Prinzip aber als freie Bauern auf.

Durch das gesamte 16. Jahrhundert hindurch gab es immer wieder Auseinandersetzungen um die Privatisierung der Allmenden um die Bauerndörfer herum. Während die Grundbesitzer versuchten, dieses Land in Privatbesitz umzuwandeln (Enclosure), um die ertragreiche Lebensmittelproduktion zu steigern, waren die landlosen Arbeiter angesichts der Inflation zunehmend auf die Nutzung des Gemeinschaftseigentums angewiesen, um sich selbst versorgen zu können. Auch die Regierung erkannte diese Zusammenhänge und versuchte die Privatisierung der Allmende mit Gesetzen zu verhindern, setzte sich damit aber nur teilweise gegen die Interessen der Grundbesitzer durch.

Im 16. Jahrhundert begannen in England, weitaus fr√ľher als im √ľbrigen Europa, die gesellschaftlichen Schranken zwischen niederem Adel (Gentry) und B√ľrgertum zu verschwinden. Einflussreiche, verm√∂gende und gebildete B√ľrgerliche konnten im Ansehen auf eine Ebene mit dem Adel gelangen. Umgekehrt war es f√ľr nicht erbberechtigte j√ľngere S√∂hne aus adligen Familien sp√§testens am Ende des 16. Jahrhunderts nicht ehrenr√ľhrig, eine Karriere als H√§ndler zu machen, obwohl bei weitem die Mehrheit sich f√ľr eine klerikale oder milit√§rische Laufbahn entschied.

Geistesleben im 16. Jahrhundert

Eng mit der Reformation verbunden und eine Bedingung f√ľr den Wirtschaftsaufschwung in dieser Epoche war eine gewandelte Einstellung zu Erwerbsarbeit und Reichtum. In kaum einem anderen Land setzte sich die protestantische Arbeitsethik derma√üen konsequent durch wie in England. Erwerbsarbeit wurde als g√∂ttlich aufgegebene Pflicht des Menschen verstanden und der daraus erworbene Reichtum als Gradmesser f√ľr die g√∂ttliche Gnade. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung zog diese Mentalit√§tsver√§nderung eine restriktive Armengesetzgebung nach sich, die √∂ffentliche Unterst√ľtzung nur noch den Bed√ľrftigen zukommen lie√ü, die als nicht arbeitsf√§hig angesehen wurden. Zum Unterhalt dieser Armen in den jeweiligen kommunalen Gemeinschaften wurden die besitzenden B√ľrger ab 1563 gesetzlich unter der Androhung von Haftstrafen gezwungen. Auf der anderen Seite wurden arbeitsf√§hige Arme sp√§testens ab 1576 auch mit Zwangsma√ünahmen zur Arbeit verpflichtet. Daraus entwickelten sich die Arbeitsh√§user, bei denen es sich de facto meist um Zwangsarbeitslager handelte, in die Arme eingewiesen wurden, auch ohne eine Straftat begangen zu haben.

Das bekannte Droeshout-Porträt Shakespeares von der ersten Folio-Ausgabe

Im 16. Jahrhundert, insbesondere in seiner zweiten H√§lfte, kam es zu einer deutlichen Nationalisierung der englischen Kultur. Der Nationalcharakter und die √úberlegenheit des eigenen Landes wurden in der Literatur hervorgehoben, insbesondere in historischen und heimatgeografischen Werken. Als Projektionsfl√§che dieses Verst√§ndnisses diente h√§ufig auch Elisabeth, was sich insbesondere im Aufschwung der Festkultur in Verbindung mit politischen Ereignissen (Thronjubil√§en, Geburtstage, Sieg √ľber die Armada) zeigte.

Geradezu ein ‚Äěgoldenes Zeitalter‚Äú erlebte das Theater, insbesondere mit William Shakespeare an der Wende zum 17. Jahrhundert. Im Schauspiel schlug sich die Renaissance in England am deutlichsten nieder. In dieser Literaturform wird das mittelalterliche Theater durch die Orientierung an antiken Vorbildern ersetzt, wobei der selbstbestimmte und handelnde Einzelmensch in den Blickpunkt r√ľckt. Ab 1570 wurden gro√üe, √∂ffentliche Theaterh√§user wie das Globe Theatre errichtet, wodurch die neuen Dramen eine gro√üe Breitenwirkung entfalteten. Als weitere bedeutende Literaturform kam das Sonett auf.

Dar√ľber hinaus war das elisabethanische Zeitalter auch musikalisch √§u√üerst aktiv. Sowohl am K√∂nigshof als auch an den H√∂fen m√§chtiger Adliger und in den gro√üen St√§dten bildeten sich Instrumental- und Chorensembles, in b√ľrgerlichen Haushalten wurde ebenfalls musiziert. Besonders beliebt waren Lauten und fr√ľhe Tasteninstrumente. Bei den Kompositionen mischten sich italienische Einfl√ľsse mit volkst√ľmlicher englischer Musik, insbesondere in T√§nzen und Madrigalen.

Die Stuart-Epoche

Jakob I. ‚Äď Der erfolglose Reformer

Jakob I.

Elisabeths Nachfolge trat 1603 Jakob I. an, der Sohn Maria Stuarts. Der 37-J√§hrige hatte bereits Herrschaftserfahrung als K√∂nig von Schottland gesammelt und vertrat eine f√ľr seine Zeit ungew√∂hnlich liberale Haltung in religi√∂sen Fragen, aber ein bereits absolutistisches Herrschaftsverst√§ndnis auf der Grundlage des Gottesgnadentums des Herrschers. Beim Parlament, das sich ohnehin in seiner Zeit zunehmend von der Krone emanzipierte, stie√ü er damit auf Ablehnung. Ab 1621 setzte das Parlament ein neues Mittel im Machtkampf ein: das Impeachment. Dabei handelte es sich um ein gelegentlich schon im Mittelalter verwendetes Anklageinstrument, mit dem beide Parlamentskammern in Kooperation einen au√üergerichtlichen Prozess gegen k√∂nigliche Beamte f√ľhren konnten. Im gleichen Jahr versuchte das Parlament auch, ein grunds√§tzliches Recht zu Beratungen √ľber alle Staat und Kirche betreffenden Themen durchzusetzen, konnte sich damit jedoch nicht gegen den K√∂nig behaupten. Einstweilen blieb die Versammlung von der Vorgabe von Themen durch den K√∂nig abh√§ngig. Zus√§tzliche Macht wuchs dem Parlament zu, weil sich verschiedene Hofparteien je nach momentaner Interessenlage mit ihm verb√ľndeten.

In der Bev√∂lkerung war Jakob als ‚ÄěSchotte‚Äú ebenfalls wenig beliebt. Dass er im Gegensatz zu Elisabeth eine aufw√§ndige und teure Hofhaltung pflegte und sich mit Katholiken und Spaniern umgab, machte ihn noch unpopul√§rer. Verschiedene Projekte, wie die Vereinigung Englands und Schottlands, scheiterten am massiven Widerstand in beiden L√§ndern.

√Ąhnlich gering war sein Erfolg in der Religionspolitik. Auf der Hampton Court Conference 1604 kam es zu keiner grundlegenden Einigung mit der puritanischen Bewegung. Jakob trat aber erfolgreich Forderungen nach einer erneuten Katholikenverfolgung nach dem Gunpowder Plot von 1605 entgegen. Einzelne Vertreter des aufkommenden Arminianismus f√∂rderte Jakob, ebenso verfuhr er mit kooperationsbereiten Puritanern. Die Schulden, die Elisabeth hinterlassen hatte, wuchsen durch Jakobs prunkvolle Hofhaltung, die Inflation und zunehmende Steuerhinterziehung deutlich an. Bem√ľhungen Jakobs um eine Reform des Steuerwesens und damit eine Verstetigung der Einnahmen scheiterten am Parlament. Die Finanzkrise konnte er nur dadurch mildern, dass er verst√§rkt Adelstitel verkaufte.

Gestaltungsspielraum er√∂ffnete sich in Irland. 1607, nach dem Ende des von Spanien unterst√ľtzten Aufstands, waren mehrere g√§lische Adlige ins Exil geflohen, darunter auch mehrere Grafen. Im gleichen Jahr zog Jakob I. sechs der neun Grafschaften Ulsters ein und begann das Land an Auswanderer aus England und Schottland neu zu verteilen. Flankiert wurde diese Bev√∂lkerungsverschiebungen mit dem Ausbau von Wirtschaft, Kirchenstruktur und eines protestantischen Schulsystems. Dennoch kam es h√§ufig auch zur √úbernahme g√§lischer Lebensweise durch die Siedler. Auch das irische Parlament wurde neu gegliedert und erwies sich im Gegensatz zum englischen in den folgenden Jahrzehnten meist als Unterst√ľtzer der Stuart-K√∂nige. Allerdings begann unter Jakob bereits der Entfremdungsprozess zwischen der Stuart-Dynastie und ihrem Ursprungsland Schottland. Die Abwesenheit des in Westminster residierenden K√∂nigs f√ľhrte dazu, dass sich sowohl die Versammlung der Clanf√ľhrer als auch das gerade erst gebildete schottische Parlament verselbstst√§ndigten. Zudem konnte der K√∂nig √ľber die presbyterianische und damit ‚Äěvon unten‚Äú, also von der Gemeindeebene, organisierte schottische Kirche kaum Einfluss auf das Land aus√ľben.

Unmittelbar nach seinem Herrschaftsantritt beendete Jakob den Krieg gegen Spanien. Anschlie√üend versuchte er durch Heiratsverhandlungen √ľber seine Tochter Elisabeth auch auf dem europ√§ischen Kontinent m√§√üigend in die Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen einzugreifen. Nachdem Elisabeth aber mit Friedrich V. von der Pfalz verheiratet worden war, drohte Jakob nach der umstrittenen K√∂nigswahl seines Schwiegersohns selbst in den ausbrechenden Drei√üigj√§hrigen Krieg hineingezogen zu werden. Letztendlich beschr√§nkte er sich aber auf diplomatische Bem√ľhungen um eine Beilegung des Konflikts. Ebenfalls ab 1604 f√ľhrte Jakob Heiratsverhandlungen f√ľr den Thronfolger Karl. Nachdem Elisabeth mit einem Protestanten verheiratet war, konzentrierten sich die Heiratsverhandlungen f√ľr Karl schnell auf die katholische Hegemonialmacht Spanien, die auch wegen ihres Reichtums f√ľr England interessant war. Jedoch lehnte das Parlament eine Bindung an Spanien ab, weil es eine St√§rkung des Katholizismus in England f√ľrchtete. Die Verhandlungen zogen sich √ľber Jahre hin. Nach einer Reise Karls nach Spanien 1622 wurden die Verhandlungen offiziell beendet und der Thronfolger trat f√ľr einen erneuten Krieg gegen Spanien ein. Jakob willigte schlie√ülich in einen Feldzug gegen die von Spanien besetzte Pfalz ein. In dieser au√üenpolitisch schwierigen Lage, die durch einen Heiratsvertrag mit Frankreich weiter verkompliziert wurde, starb Jakob I. 1625.

Karl I. ‚Äď Ringen mit den Parlamenten

Karl I. von England

Karl I. ähnelte in mancher Hinsicht seinem Vater: Auch er war an Kunst und Wissenschaft interessiert und betrieb eine prunkvolle Hofhaltung. Unmittelbar nach seiner Thronbesteigung begann das von ihm zuvor propagierte Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg auf protestantischer Seite, die jedoch mit einer verheerenden Niederlage der Expedition in die Pfalz schnell scheiterte. Ebenfalls noch 1625 wurde die Ehe mit der französischen Prinzessin Henrietta Maria, der Tochter Heinrichs IV., geschlossen.

Der milit√§rische Misserfolg in der Pfalz hatte erhebliche Kosten verursacht, die Karl mit Steuern zu decken versuchte, die das Parlament, das ja ebenfalls den Kriegseintritt gefordert hatte, bewilligen sollte. Die Versammlung verweigerte dies jedoch und schr√§nkte sogar die k√∂nigliche Verf√ľgung √ľber die Zolleinnahmen weiter ein. Dar√ľber hinaus leitete es 1626 ein Impeachment gegen George Villiers ein. Der G√ľnstling des K√∂nigs war als Kommandeur einer Flotte bei einem Angriff auf C√°diz gescheitert. Karl l√∂ste darauf das Parlament auf, musste es aber 1628 wieder einberufen, weil alternative Versuche der Staatsfinanzierung durch Zwangsanleihen kaum Ertrag gebracht hatten. Das Parlament gew√§hrte dem K√∂nig zwar letztendlich die Steuern, lie√ü sich jedoch mit einem betr√§chtlichen Ausbau seiner Macht vergelten: Mit der Petition of Right setzte es erstmals ein Initiativrecht f√ľr Gesetze durch; zuvor hatte es lediglich k√∂niglichen Gesetzen zugestimmt oder sie abgelehnt. Die Petition selbst enthielt eine Reihe von Anschuldigungen gegen den K√∂nig, dass er seine Befugnisse gegen√ľber hergebrachtem englischen Gewohnheitsrecht und der Magna Carta √ľberschritten habe. Karl sagte mit seiner Zustimmung zur Petition zu, dass er ein solches Vorgehen in Zukunft unterlassen werde. Im folgenden Jahr gab es Auseinandersetzungen um die Interpretation des Gesetzes, in deren Verlauf der K√∂nig das Parlament f√ľr elf Jahre aufl√∂ste. Dies √§nderte jedoch nichts am Machtgewinn des Parlaments auf Kosten der Krone.

Ohne ein Parlament und damit ohne bewilligte Steuern war nicht nur der finanzielle Spielraum Karls I. beschr√§nkt, sondern auch seine M√∂glichkeiten zum au√üenpolitischen Agieren. Deshalb schloss Karl schnell Frieden mit Frankreich und Spanien. In den folgenden Jahren versch√§rften sich die innenpolitischen Spannungen weiter. Der K√∂nig erschien vielen Untertanen wie sein Vater als absolutistischer Herrscher. In den Augen der Bev√∂lkerung war die Legitimit√§t der k√∂niglichen Herrschaft ohne das Parlament fraglich. Vor allem die in vielen F√§llen tats√§chlich willk√ľrliche Erhebung von zus√§tzlichen Abgaben, die Karl zum Regieren ohne Steuern dringend ben√∂tigte, f√ľhrte zu wachsendem Widerstand, ebenso Verwaltungsreformen und die Beg√ľnstigung der Arminianer durch den K√∂nig. Dar√ľber hinaus entstand auf Grund des Ehevertrags mit Henrietta Maria erneut eine starke katholische Partei am Hof. Positiv aus Sicht des K√∂nigs entwickelte sich vor allem Irland. Unter der harten Regentschaft von Thomas Wentworth gedieh das Land wirtschaftlich. 1641 flammte allerdings der g√§lische Widerstand wieder auf und entglitt schnell der Kontrolle seiner Anf√ľhrer, rund 12.000 protestantische Siedler kamen in ihrem Verlauf um. In Schottland hatte Karl I. bereits bei seinem Regierungsantritt Unmut unter den Adligen ausgel√∂st, als er zahlreiche Privilegien aufzuheben versuchte. Versuche der Einflussnahme auf die schottische Kirche riefen ab 1637 eine breite Protestbewegung hervor, die den K√∂nig zur Einberufung einer gro√üen Kirchenversammlung zwang. Diese erkl√§rte s√§mtliche Bisch√∂fe f√ľr abgesetzt und stellte ein eigenes Heer auf, das 1640 sogar in Nordengland einfiel.

Mit dem Krieg gegen die Schotten begann eine schwere Krise der englischen Monarchie. Um den Kampf im Norden finanzieren zu k√∂nnen, musste Karl I. wieder ein Parlament einberufen. Dessen Mitglieder waren aber wegen ihrer vorangegangenen elfj√§hrigen Ausschaltung zu keinen Zugest√§ndnissen bereit. Nach nur einem Monat l√∂ste Karl das Parlament im Mai 1640 wieder auf. Im Sommer konnte der K√∂nig die schottische Invasion nur beenden, indem er einer Zahlung von 850 Pfund t√§glich bis zu einem endg√ľltigen Frieden zustimmte. Damit brachen die Staatsfinanzen endg√ľltig zusammen. Am 3. November 1640 trat das Long Parliament zusammen, das bis 1660 bestehen sollte. Unter dem Wortf√ľhrer John Pym setzte das Parlament die Absetzung und teilweise Hinrichtung k√∂niglicher Berater durch. Zahlreiche k√∂nigliche Privilegien wurden abgeschafft. Vor allem aber erk√§mpfte sich das Parlament das Recht, nicht mehr ohne die eigene Zustimmung aufgel√∂st werden zu d√ľrfen. Bald kam es aber √ľber allzu radikale Forderungen zur Spaltung des Parlaments. Eine royalistische Gruppe bildete sich heraus, die grunds√§tzlich Karl I. gegen√ľber verhandlungsbereit war. Zudem spielte die √∂ffentliche Meinung, vor allem die der Londoner Stadtbev√∂lkerung, eine immer gr√∂√üere Rolle in der Auseinandersetzung zwischen K√∂nig und Parlament. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, nach denen Karl im Januar 1642 London verlie√ü.

Der B√ľrgerkrieg

‚Üí Hauptartikel: Englischer B√ľrgerkrieg

In dieser B√ľrgerkriegsstimmung riss das Parlament die Aushebung von Milizen an sich, was Karl wiederum damit beantwortete, dass er √ľber ein altes k√∂nigliches Recht seinerseits Truppen aufstellen lie√ü. Ende August 1642 brach der B√ľrgerkrieg offen aus. Neben der Auseinandersetzung zwischen Monarchie und aufkeimendem Parlamentarismus lassen sich die Fronten auch anhand religi√∂ser, wirtschaftlicher und Generationsunterschiede ausmachen. Unter harten K√§mpfen stie√ü die k√∂nigliche Armee im Herbst 1642 bis auf London vor. Auf eine Belagerung oder einen Sturm verzichtete Karl, sondern strebte Verhandlungen an und unterbrach im Winter lediglich die Kohlezufuhr. Als die Verhandlungen keine Ergebnisse erbrachten, erlie√ü das Parlament unter Pym weitgehende Zwangsma√ünahmen zur Kriegsfinanzierung. Dennoch brachte das Jahr 1643 weitere Siege der k√∂niglichen Truppen. Auch in dieser Lage blieben Verhandlungen ergebnislos. 1644 wendete sich das Blatt: Schottische Truppen unterst√ľtzten das Parlament und vertrieben die k√∂niglichen Einheiten aus Nordengland. Gleichzeitig zerschlugen Parlamentstruppen unter Oliver Cromwell ein aus Irland √ľbergesetztes k√∂nigliches Heer. Dann folgten Auseinandersetzungen innerhalb des parlamentarischen Lagers, zun√§chst √ľber die zuk√ľnftige Struktur der Kirche Englands, dann √ľber die Heeresorganisation (New Model Army). Am 14. Juni 1645 wurde Karl I. bei Naseby vernichtend geschlagen und begab sich in die Gefangenschaft der Parlamentstruppen. In dieser Situation tat sich eine neue Spaltung auf: Die Parlamentsarmee begann √ľber gew√§hlte Sprecher als eigenst√§ndiges politisches Gebilde mit eigener, auf dem Puritanismus aufbauender Ideologie zu agieren und sich dem Parlament zu widersetzen. Schlie√ülich marschierte die New Model Army 1647 auf London. Es gab mehrere Verfassungsvorschl√§ge, in denen K√∂nig, Parlament und Armee jeweils verschiedene Rollen spielen sollte. Eine Einigung gab es nicht. Im November 1647 floh Karl I. auf die Isle of Wight. 1648 kam es zun√§chst zu einem royalistischen Aufstand gegen das Parlament und dann zu einem erneuten Einfall schottischer Truppen, diesmal allerdings mit dem Ziel, den K√∂nig wieder einzusetzen. Bis zum Jahresende gelang es den Parlamentstruppen unter Oliver Cromwell allerdings, den royalistischen Widerstand endg√ľltig zu brechen. Am 8. Dezember 1648 √ľbernahm die Armee endg√ľltig die Macht: Sie lie√ü nur einen Teil der Parlamentsmitglieder an Sitzungen teilnehmen. Dieses Rumpfparlament l√∂ste entsprechend puritanischer Vorstellungen die Kirchenorganisation oberhalb der Gemeindeebene auf und leitete einen Prozess gegen Karl I. wegen Tyrannei ein. Am 30. Januar 1649 wurde der K√∂nig in Whitehall hingerichtet.

Commonwealth of England

Oliver Cromwell, Miniatur von Samuel Cooper

Nach der Hinrichtung des K√∂nigs gab das Rumpfparlament England eine neue Staatsordnung. Das Commonwealth and Free State, wie das Land nun hie√ü, besa√ü das Parlament als Legislative und den Staatsrat mit seinem Vorsitzenden Oliver Cromwell als Exekutive. Die versprochenen Wahlen schob das Parlament immer weiter hinaus, um den Royalisten keine Gelegenheit zum Erstarken zu geben. Cromwell wurde nach Irland geschickt, um den dortigen Aufstand niederzuschlagen, was er bis 1650 in einem blutigen, religi√∂s begr√ľndeten Feldzug tat. Unterdessen hatten die Schotten Karl II., Sohn von Karl I., zum K√∂nig gew√§hlt, der mit dem Sammeln von Truppen zur R√ľckeroberung des englischen Throns begann. Nachdem Cromwell das Heer Karls bei Dunbar besiegt, Edinburgh besetzt und den nach Nordengland einfallenden K√∂nig bei Worcester endg√ľltig geschlagen hatte, brach der Widerstand in Schottland schnell zusammen. Karl II. floh nach Frankreich. Unterdessen waren einige der 1648 ausgeschlossenen Parlamentarier wieder in das Rumpfparlament zur√ľckgekehrt. Eine Regelung der religi√∂sen Fragen blieb aber aus. Zwar wurden einige puritanisch beeinflusste Verordnungen erlassen, doch setzten letztendlich die einzelnen Gemeinden ihre eigenen Regeln fest. Mit der Navigationsakte bekundete das Parlament 1651 den Seemachtsanspruch Englands und l√∂ste den Ersten Englisch-Niederl√§ndischen Seekrieg aus. 1653 brachen die Konflikte zwischen dem Rumpfparlament und der aus Irland zur√ľckgekehrten Armee wieder aus. Am 20. April l√∂ste Oliver Cromwell schlie√ülich das Parlament auf. Darauf bildete er das Parliament of Saints, das vor allem aus Kirchenvertretern mit puritanischer Ausrichtung und Vertretern der radikalen Levellers-Bewegung bestand. √úber Fragen des Kirchenzehnten spaltete sich das Parlament und es kam zu Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Cromwell im Dezember 1653 das Parlamentsgeb√§ude gewaltsam r√§umen lie√ü.

Nach diesem Misserfolg entwarf Oliver Cromwell eine Verfassung, die das unruhige Land stabilisieren sollte. Neben einem Parlament mit verbrieften Rechten und erstmals mit Abgeordneten aus England, Irland und Schottland war das neu geschaffene Amt des Lordprotektors, das Cromwell selbst √ľbernahm, das Machtzentrum dieser Verfassung. Die fortgesetzten religi√∂sen Auseinandersetzungen versuchte Cromwell durch das weitgehende Abschaffen einer weisungsbefugten staatlichen Kirche zu beenden, was de facto sogar eine Art Religionsfreiheit f√ľr Katholiken und Juden zur Folge hatte. Doch auch das neue Parlament geriet rasch in Konflikt mit der Armee und wurde bald wieder aufgel√∂st. Als 1655 ein erneuter Krieg mit Spanien ausbrach, musste Cromwell zur Steuerbewilligung wieder ein Parlament einberufen, das eine Einschr√§nkung der religi√∂sen Toleranz forderte, zugleich Cromwell aber die K√∂nigskrone anbot. Dieser lehnte zwar ab, in der folgenden Zeit entstanden durch die bessere Zusammenarbeit zwischen Oliver Cromwell und dem Parlament aber eine Reihe von Gesetzen, die dem Land wieder feste politische Strukturen gaben.

Als Oliver Cromwell am 3. September 1658 starb, wurde sein Sohn Richard Cromwell sein Nachfolger, den die Armee jedoch schnell wieder absetzte. Anschlie√üend beriefen die dominierenden Gener√§le das Rumpfparlament wieder ein, l√∂sten es dann aber nach erneuten Spannungen zwischen Parlament und Armee wieder auf. Nachdem diese Versuche gescheitert waren, gewann die Idee einer Monarchie Anh√§nger. Die Gener√§le George Monck und Thomas Fairfax √ľbernahmen mit ihren loyalen Truppen die milit√§rische Kontrolle √ľber das Land. Monck zog 1660 im Triumphzug in London ein. Dort trat das Rumpfparlament erneut zusammen und nahm alle 1640 ausgeschlossenen Mitglieder wieder auf. Dieses Parlament schrieb f√ľr M√§rz 1660 Wahlen zu einer √úbergangsversammlung aus, die dadurch neu legitimiert wurde. Parallel wurden Verhandlungen mit Karl II. gef√ľhrt. Nachdem dieser eine Straffreiheit f√ľr alle w√§hrend des Commonwealth begangenen Verbrechen sowie die Religionsfreiheit verk√ľndete, wurde er mit Jubel als neuer K√∂nig empfangen.

Wiederherstellung und neue Krise der Monarchie

Karl II. von England

Karl II. betrieb mit Hilfe des Parlaments und der Anglikanischen Kirche eine Restaurationspolitik. Mit mehreren Gesetzen wurden in Karls ersten Herrschaftsjahren die meisten presbyterianischen Geistlichen aus ihren √Ąmtern vertrieben. Nach der relativen religi√∂sen Liberalit√§t des Commonwealth setzte wieder eine Phase der rigiden Kirchenpolitik ein. Grunds√§tzlich wurden alle Gesetze widerrufen, denen Karl I. nicht mehr zugestimmt hatte. Insbesondere wurde das Parlamentswahlrecht wieder auf den Stand vor dem Commonwealth zur√ľckversetzt und an den Besitz gebunden. Die Macht des K√∂nigs wurde noch √ľber dieses Ma√ü hinaus gesteigert, indem er die Einnahmen aus verschiedenen Steuern fest zugesprochen erhielt, also ohne Notwendigkeit der wiederholten Bewilligung durch das Parlament. Irland und Schottland erhielten wieder eigene Parlamente, wobei das schottische kaum noch einberufen wurde und Irland insgesamt nahezu auf den Status einer Kolonie herabsank.

Ab 1665 verschlechterte sich die Stimmung in England zusehends. Die Gro√üe Pest (1665), der Gro√üe Brand von London (1666) und der erfolglose Krieg gegen die Niederlande (1665‚Äď1667) f√ľhrte zu steigender Unzufriedenheit mit dem K√∂nig. Auch dass Karl im Devolutionskrieg die Seiten wechselte und nach einer engen au√üenpolitischen Bindung an Frankreich die Haltung gegen√ľber den englischen Katholiken lockerte, l√∂ste Ablehnung im Parlament aus. Im Rahmen einer allgemeinen Katholikenfurcht erlie√ü das Parlament mehrere Gesetze gegen diese Glaubensgruppe, worauf Karl II. 1678 das Parlament aufl√∂ste. Die drei danach in kurzer Folge neu gew√§hlten Parlamente waren allerdings noch deutlich st√§rker oppositionell zum K√∂nig eingestellt. Schlie√ülich berief der K√∂nig √ľberhaupt kein Parlament mehr ein. In der Auseinandersetzung um einen geforderten Ausschluss von Karls katholischem Bruder Jakob II. von der Thronfolge bildeten sich in dieser Zeit die politischen Gruppen der Whigs und Tories, die sich massiv bek√§mpften und England bis 1680 an den Rand eines B√ľrgerkriegs brachten.

Unterdessen war Karl II. zunehmend senil geworden und Jakob II. spielte eine immer gr√∂√üere Rolle in der englischen Politik. Karl II. starb am 6. Februar 1685. Auf dem Sterbebett war er gem√§√ü einem Geheimvertrag mit Ludwig XIV. zum Katholizismus √ľbergetreten.

‚ÄěGlorreiche Revolution‚Äú

‚Üí Hauptartikel: Glorious Revolution

Die Glorreiche Revolution f√ľhrte zur Abschaffung des k√∂niglichen Absolutismus und der Gr√ľndung des modernen parlamentarischen Regierungssystems auf der Grundlage der Bill of Rights. Seit dieser Revolution ist das englische Parlament Tr√§ger der Staatssouver√§nit√§t. Nach dem Sturz des katholischen Monarchen Jakob II. bestiegen seine protestantische Tochter Maria II. und ihr Ehemann Wilhelm von Oranien gemeinsam den englischen Thron.

Die Vorgeschichte

Jakob II. berief wieder ein Parlament ein, geriet aber mit ihm und der Anglikanischen Kirche bald in scharfen Konflikt, weil er seine katholischen Glaubensbr√ľder in staatlichen und kirchlichen √Ąmtern f√∂rderte. Zudem erlie√ü er 1687 mit der Declaration of Indulgence eine fast unbegrenzte Religionsfreiheit und l√∂ste im Herbst des Jahres das protestierende Parlament auf. Es folgte eine S√§uberungswelle, die zahlreiche Katholiken und Dissenters in √∂ffentliche √Ąmter brachte. Unmut l√∂ste auch die Tatsache aus, dass England schon seit Karl II. praktisch keine eigene Au√üenpolitik mehr betrieb, sondern sich absolut an Frankreich anlehnte. Als 1688 ein Thronfolger geboren wurde, drohte der Beginn einer katholischen Dynastie auf dem englischen Thron.

Wilhelm von Oranien

In dieser Lage forderte eine Gruppe englischer Lords Wilhelm von Oranien, den Ehemann von Maria II., Jakobs Tochter aus erster (protestantischer) Ehe, zu einer Invasion Englands auf. Jakob untersch√§tzte die Bedrohung und z√∂gerte einen Kampf hinaus, nachdem sein Schwiegersohn am 5. November 1688 im S√ľdwesten Englands gelandet war. Wilhelm gewann schnell die Sympathie der Bev√∂lkerung, in Jakobs zun√§chst weit √ľberlegenen Heer kam es zu Desertionen, worauf Jakob panisch die Flucht nach Frankreich ergriff. Mitte Dezember zog Wilhelm kampflos und umjubelt in London ein.

Die Revolution

Wilhelm von Oranien wurde, nachdem er die Bill of Rights unterschrieben hatte, vom Parlament legitimiert, die Regierungsgesch√§fte zu f√ľhren. Der K√∂nig war also nicht mehr wie in anderen europ√§ischen Staaten von Gottes Gnaden legitimiert, sondern direkt vom ‚ÄěVolk‚Äú. Der Begriff ‚ÄěGlorreiche Revolution‚Äú r√ľhrt daher, dass der vorherige Systemwechsel durch Cromwell (Enthauptung Karls I. 1649) blutig gewesen war. In den folgenden Jahren wurden weitere Gesetze erlassen, die die Stellung des Parlaments st√§rkten, Neuwahlen sp√§testens alle drei Jahre vorschrieben und die Richter weitgehend unabh√§ngig vom K√∂nig werden lie√üen.

Die Bill of Rights

Wilhelm von Oranien konzentrierte sich in den ersten Herrschaftsjahren vor allem auf den Krieg gegen Frankreich, das den geflohenen katholischen K√∂nig unterst√ľtzte. 1690 besiegte er Jakob II., der in Irland einmarschiert und dort auf breite Unterst√ľtzung gesto√üen war, in der Schlacht am Boyne. Die mit dem Krieg verbundene Aufr√ľstung brachte den Staatshaushalt schnell in Bedr√§ngnis. Deshalb und weil Wilhelm immer mehr √Ąmter verlieh, an die ein Parlamentssitz gebunden war, kam es schon ab 1690 zu neuen Konflikten mit dem Parlament. Dessen eingesessene Mitglieder bef√ľrchteten, dass der K√∂nig √ľber die ihm loyalen Neumitglieder Einfluss auf die Versammlung nehmen wolle. Nach dem Frieden von Rijswijk dr√§ngte das Parlament massiv auf eine Reduzierung der Armee und gew√§hrte dem K√∂nig im Gegenzug einen festen Betrag zur Finanzierung seines Hofes, der nicht immer wieder bewilligt werden musste. Auf religionspolitischer Ebene kam es wieder zu einer Liberalisierung. 1689 wurde die Pflicht zum sonnt√§glichen Gottesdienstbesuch aufgehoben und den Dissenters gestattet, eigene Gottesdienste abzuhalten, was zu einem Aufbl√ľhen dieser protestantischen Str√∂mungen f√ľhrte. In der Anglikanischen Kirche folgte auf die neuen Rahmenbedingungen eine umfassende Reform vor allem der Gemeindegliederung, die bis dahin noch weitgehend mittelalterlich gewesen war. Zahlreiche neue Gemeinden, vor allem in den Gro√üst√§dten, wurden gegr√ľndet. Auf Katholiken und Unitarier erstreckte sich diese Toleranz allerdings nicht. 1695 wurde schlie√ülich die Pressezensur aufgehoben.

Wilhelm III. starb 1702 mitten in den Vorbereitungen eines neuen Krieges gegen Frankreich. Die Herrschaft √ľbernahm seine Schw√§gerin Anne. Sie erkl√§rte sofort den unter Wilhelm vorbereiteten Krieg gegen Frankreich und Spanien. Unter John Churchill, 1. Duke of Marlborough, gelangen den englischen Truppen entscheidende Siege, was unter anderem zur √úbernahme Gibraltars f√ľhrte. 1712 wurde Ludwig XIV. schlie√ülich gezwungen, von seiner Unterst√ľtzung der Nachkommen Jakobs II. abzur√ľcken und eine vom englischen Parlament vorgelegte Thronfolgeregelung f√ľr England und Schottland zu akzeptieren. Dar√ľber hinaus erhielt England einige koloniale Gebiete und Handelsprivilegien zugesprochen, was es endg√ľltig zu einer der st√§rksten Kolonialm√§chte machte. Die Religionspolitik blieb unterdessen das entscheidende innenpolitische Thema. In der Anglikanischen Kirche bildete sich die Unterscheidung zwischen der High Church, die den royalistischen Tories nahe stand, und der Low Church auf Seiten der dem Landadel nahestehenden Whigs heraus. Die Auseinandersetzungen zwischen den sich immer mehr in Richtung moderner politischer Parteien entwickelnden Whigs und Tories bestimmten ab 1700 die politische Landschaft in England.

Ab 1706 dr√§ngte das englische Parlament Schottland massiv zu einer vollst√§ndigen politischen Union mit England. Die Angst vor schlechteren, vor allem √∂konomischen, Bedingungen im Fall der Weigerung f√ľhrte zur Annahme des Angebots durch das schottische Parlament. England und Schottland wurden schlie√ülich gem√§√ü dem Act of Union 1707 zum K√∂nigreich Gro√übritannien vereinigt. Anne wurde erste ‚Äěbritische‚Äú K√∂nigin, das Haus Hannover als gemeinsame Herrscherdynastie festgeschrieben, das Parlament Englands wurde in das Parlament Gro√übritanniens umgewandelt. Das Unterhaus wurde um 45 schottische Abgeordnete erweitert, das Oberhaus um 16. An der Grenze zwischen den beiden Staaten wurden keine Z√∂lle mehr erhoben. Allerdings wurde das englische Recht nicht auf Schottland √ľbertragen und einige schottische Institutionen nicht mit ihrem englischen Gegenst√ľck fusioniert; dazu z√§hlen die Bank of Scotland und die Church of Scotland.

Wirtschaft und Gesellschaft im 17. Jahrhundert

Bis 1650 setzte sich das stetige Wachstum der englischen Bev√∂lkerung fort. Von 4,1 Millionen Menschen 1600 wuchs sie auf 5,2 im Jahr 1650, anschlie√üend ging sie vor allem durch Pest, Typhus und Pocken leicht zur√ľck und erreichte erst 1714 wieder die Marke von 5,2 Millionen. Dar√ľber hinaus gab es starke Wanderungsbewegungen, wobei sich die Auswanderung (vor allem nach Irland) und die Zuwanderung vom europ√§ischen Kontinent in der Summe ausglichen. Ein wichtiger Grund f√ľr das Bev√∂lkerungswachstum war die ungew√∂hnliche Tatsache, dass es zwischen 1597 und 1646 ungew√∂hnlich lange keine Missernte gab. Zusammen mit dem Anstieg der Bev√∂lkerung setzte sich auch die starke Teuerung bei Nahrungsmitteln aus dem 16. Jahrhundert fort. Durch das √úberangebot an Arbeitskr√§ften sanken zugleich die L√∂hne, was die Verelendung breiter Schichten zur Folge hatte. Erst ab etwa 1650 sanken die Preise f√ľr Getreide langsam. Gleichzeitig stiegen durch den Arbeitskr√§ftemangel wegen der sinkenden Bev√∂lkerung die L√∂hne deutlich. Betrachtet man einzelne St√§dte, so machte in der ersten H√§lfte des 17. Jahrhunderts nur London das rasante Wachstum mit und verdoppelte bis 1650 seine Einwohnerzahl auf rund 400.000, was eine st√§rkere Bebauung der zentralen Stadtviertel und das Entstehen gro√üer Elendssiedlungen im Osten der Stadt zur Folge hatte.

Die Landwirtschaft blieb weiterhin der wichtigste Wirtschaftszweig. Ihre Modernisierung wurde vor allem von Glaubensfl√ľchtlingen aus den Niederlanden vorangetrieben. Sie brachten Techniken wie den Anbau lukrativer √Ėlfr√ľchte, die Gr√ľnd√ľngung und das Trockenlegen von Anbaugebieten mit. In Nordengland begann ab 1600 der Aufstieg des Kohleabbaus. Die bereits im Mittelalter stark dezimierten W√§lder konnten den mit der Bev√∂lkerung stark steigenden Bedarf an Brennmaterial zum Heizen und f√ľr die Wirtschaft nicht mehr decken. In dieser Situation zeigte sich der Vorteil der englischen Verkehrsinfrastruktur: √úber die K√ľstengew√§sser und die Fl√ľsse konnten die St√§dte bequem mit Kohle und anderen Rohstoffen beliefert sowie Fertigprodukte abtransportiert werden.

Der Einbruch der Wollpreise ab 1650 versetzt der bis dahin den Export dominierenden Tuchindustrie einen schweren Schlag. Sie verschwand aus der Fl√§che des Landes und konzentrierte sich in einigen Regionen. An ihre Stelle trat der Getreideexport. England belieferte nicht nur das von Krisen gesch√ľttelte Kontinentaleuropa, sondern zunehmend auch die √ľberseeischen Kolonien. In der zweiten H√§lfte des 17. Jahrhunderts l√∂ste der √úberseehandel den Kanalhandel als wichtigsten Exportweg ab. Insgesamt verdoppelte sich das Handelsvolumen in der Zeit von 1660 bis 1714. In dieser Zeit entstand auch der Dreieckshandel mit englischen Fertigprodukten nach Afrika, Sklaven von dort nach Amerika und exotischen Rohstoffen zur√ľck nach England. Als Finanzgeber f√ľr dieses rapide ansteigende Handelsvolumen stieg die Londoner City sp√§testens mit der Gr√ľndung der Bank of England 1694 zum bedeutendsten Bankenstandort der Welt auf. Zudem entwickelten sich die ab 1620 von englischen Religionsfl√ľchtlingen gegr√ľndeten Siedlungskolonien in Nordamerika wirtschaftlich √§u√üerst erfolgreich und trugen ab etwa 1650 sp√ľrbar zum Handel mit der Neuen Welt bei. Die 1664 gegr√ľndete Kapkolonie war in Afrika √§hnlich erfolgreich. Oliver Cromwell erlie√ü 1651 den Navigation Act, ein Amerika-Handelsmonopol f√ľr englische Schiffe, das die Seefahrt und den Schiffbau betr√§chtlich f√∂rderte.

Die Entwicklung zur wissenschaftlichen Rationalität nach der Glorreichen Revolution wirkte sich auch auf das Wirtschaftsleben aus. Man begann Produktionsprozesse und Warenströme wissenschaftlich zu analysieren und zu verbessern.

Geistesleben im 17. Jahrhundert

Die Saint Paul’s Cathedral im Bauzustand von vor 1666.
Henry Purcell

Unter Jakob I. begann sich eine eigene h√∂fische Kultur zu entwickeln. Nachdem Elisabeth in ihrem Umfeld eine Kultur gef√∂rdert hatte, die weitgehend der der st√§dtischen Oberschichten Londons entsprach, schirmte Jakob den Hof entschieden ab. Die volkst√ľmlichen Belustigungen spielten eine immer geringere Rolle, eine verfeinerte h√∂fische Kultur, die sich vor allem in Maskenspielen ausdr√ľckte, eine immer gr√∂√üere. Auch hatten in seinem Umfeld Gebildete eine wichtigere Stellung als Kriegshelden oder erfolgreiche Seefahrer, mit denen Elisabeth sich umgeben hatte. Die Zunahme an h√∂fischem Prunk wurde bald sowohl von den Mitgliedern des h√∂heren als auch des niederen Adels kopiert. Besonders deutlich zeigte sich diese Entwicklung in der ver√§nderten Architektur der Herrenh√§user. Sie entwickelten sich von burgen√§hnlichen Wehrbauten zu repr√§sentativen Landsitzen. Pr√§gend war der k√∂nigliche Architekt Inigo Jones, der den Architekturstil des Palladianismus anstie√ü. Auch die Malerei, insbesondere die Portr√§tmalerei, erhielt nach der bilderfeindlichen Zeit des beginnenden Protestantismus einen Aufschwung, an dem zahlreiche ausl√§ndische Maler beteiligt waren. Die englische Literatur verdankt der Stuart-Epoche vor allem eine rege poetische Produktion, zun√§chst auf kirchlichem Feld, sp√§ter vor allem mit h√∂fischer Dichtung.

Im Commonwealth erfuhr die h√∂fische Kultur und mit ihr Musik sowie bildende K√ľnste einen j√§hen R√ľckschlag. Insgesamt f√ľhrte der um sich greifende Puritanismus zu einem R√ľckgang der k√ľnstlerischen Produktion. Daf√ľr kam es zu einem Anschub der Naturwissenschaften durch die neuen, b√ľrgerlichen und niederadligen Eliten unter der Herrschaft Cromwells. 1660 wurde in London die Royal Society gegr√ľndet. Insgesamt kam es in der B√ľrgerkriegszeit zu zahlreichen Schulgr√ľndungen mit teilweise experimentellen p√§dagogischen Ans√§tzen. In der englischen Literatur dieser Zeit fallen zahlreiche Tageb√ľcher und Autobiographien auf. Mit dem Abklingen der religi√∂sen Auseinandersetzungen nach der Glorreichen Revolution erfuhren Rationalit√§t und Wissenschaften einen Aufschwung. Man versuchte natur- und gesellschaftswissenschaftliche sowie wirtschaftliche Ph√§nomene nicht mehr durch das Wirken Gottes zu erkl√§ren, sondern suchte rational nach weltlichen Gr√ľnden.

Nach dem Ende des Commonwealth erlebten unterhaltende Kunstformen wie die Kom√∂die geradezu einen Boom. Die Wiederbelebung der Musik ging nur z√∂gernd voran und dr√ľckte sich vor allem in der Entdeckung der neuen Form der Oper aus, vorangetrieben insbesondere durch Henry Purcell. In der Architektur begann sich der neue Rationalismus durchzusetzen, indem pragmatische L√∂sungen f√ľr technische und gestalterische Probleme gesucht wurden. Bedeutendstes Bauwerk der Epoche ist die Saint Paul‚Äôs Cathedral. Die religi√∂sen Auseinandersetzungen, die Parteibildung um Whigs und Tories sowie der Licensing Act von 1695 lie√üen ein aktives Zeitungswesen entstehen.

Nach der Vereinigung der Königreiche von England, Wales und Schottland 1707 wird die historische Betrachtung unter der Geschichte des Königreiches Großbritannien fortgesetzt.

Fußnoten

  1. ‚ÜĎ England The Autobiography, edited by John Lewis-Stempel, Penguin Books London 2006, ISBN 978-0-14-101995-6, S. 1
  2. ‚ÜĎ Kluxen, Geschichte, S.13
  3. ‚ÜĎ Kluxen, England, S. 14 ‚Äď in den Kl√∂stern hielt sich die irische Tradition.
  4. ‚ÜĎ Brecht, Martin, Geschichte des Pietismus, Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen 1993, S. 13 f.
  5. ‚ÜĎ Rudolf Beck u. Konrad Schr√∂der, Handbuch der britischen Kulturgeschichte, Hrsg., Daten, Fakten, Hintergr√ľnde von der r√∂mischen Eroberung bis zur Gegenwart, UTB gro√üe Reihe, Nr.8333, UTB Geschichte, 419 S., 2006, ISBN 3-8252-8333-X, S. 99
  6. ‚ÜĎ Benz, Arthur, Der moderne Staat, Grundlagen der politologischen Analyse, Lehr- und Handb√ľcher der Politikwissenschaft, 2., √ľberarb. u. erw. Aufl. IX, 385 S., 2008, Oldenbourg, ISBN 3-486-58749-8, S. 39
  7. ‚ÜĎ Perry, Marvin, Chase, Myrna, Jacob, James R., Western Civilization: Ideas, Politics, and Society, Wadsworth Inc Fulfillment, 2008, ISBN 0-547-14701-5, Seite 330.

Siehe auch

Literatur (in Auswahl)

  • The Oxford History of England, hrsg. von George Clark, 15 B√§nde, Oxford 1934‚Äď1966.
  • The New History of England, hrsg. A. G. Dickens, Norman Gash, London 1977 ff.
  • The New Oxford History of England, hrsg. von J. N. Roberts, Oxford 1989 ff.
  • Bagehot, Walter, The English Constitution, 1867 pdf-Dokument [1]
  • Davies, Norman: The Isles, Oxford University Press 1999, ISBN 0-19-513442-7
  • Hoppit, Julian: A land of liberty? England 1689‚Äď1727, Oxford u. a.: Clarendon Press 2000, 580 S., (=The new Oxford history of England), ISBN 0-19-822842-2
  • Kluxen, Kurt: Geschichte Englands. Von den Anf√§ngen bis zur Gegenwart, Stuttgart 1976 ISBN 3-520-37402-1
  • Krieger, Karl Friedrich: Geschichte Englands, Bd. I und II.; M√ľnchen 1990.
  • Maurer, Michael: Kleine Geschichte Englands, Stuttgart, 2002, ISBN 3-15-009616-2.
  • Wende, Peter: Geschichte Englands, Stuttgart 1995, ISBN 3-17-013517-1.

Weblinks

 Commons: Geschichte Englands ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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