Geschichte Europas

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Geschichte Europas
Europa als Reichskönigin (Heinrich BĂŒnting: Itinerarium Sacrae Scripturae, 1588)

Die Geschichte Europas ist die Geschichte der Menschen auf dem europÀischen Kontinent, von dessen erster Besiedlung, die zwischen 45.000 und 25.000 v. Chr. stattfand, bis zur Gegenwart.

Die klassische Antike begann im antiken Griechenland, das im Allgemeinen als der Beginn der westlichen Zivilisation angesehen wird und einen immensen Einfluss auf Sprache, Politik, Erziehungssysteme, Philosophie, Naturwissenschaften und KĂŒnste ausĂŒbte. Die griechische Kultur wurde vom Römischen Reich ĂŒbernommen, das sich nach der Eroberung Italiens seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. von Italien aus nach und nach ĂŒber den gesamten Mittelmeerraum ausbreitete und im frĂŒhen 2. Jahrhundert n. Chr. seine grĂ¶ĂŸte Ausdehnung erreichte.

Der römische Kaiser Konstantin der Große förderte mit der Konstantinischen Wende den Aufstieg des Christentums zur spĂ€teren Staatsreligion und verlegte seine Residenz 325 in den Osten des Reiches nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches blieben große Teile SĂŒdosteuropas im Machtbereich des Oströmischen Reiches, wĂ€hrend das Gebiet des frĂŒheren Weströmischen Reiches im Laufe der Völkerwanderung eine instabile Zeit durchlebte. Karl der Große, 800 vom Papst zum Kaiser gekrönt, eroberte große Teile Westeuropas, das jedoch bald darauf von Wikingern, Muslimen und Magyaren (UngarneinfĂ€lle) angegriffen wurde. Das Paderborner Epos, ein Werk der das Abendland erfassenden Karolingischen Renaissance, erklĂ€rte ihn zum „Vater Europas“ (pater EuropĂŠ).[1] Die KreuzzĂŒge von 1095/99 bis zum 13. Jahrhundert zur Eroberung des Heiligen Landes richteten sich gegen die islamische Expansion. Der Mongolensturm in der Mitte des 13. und die Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts versetzten dem europĂ€ischen Feudalsystem schwere SchlĂ€ge.

Die Renaissance, das kulturelle Aufleben der griechischen und römischen Antike, begann im 14. Jahrhundert in Florenz. Die Ausbreitung des Buchdrucks, ausgehend von der Erfindung der Druckerpresse durch Johannes Gutenberg in Mainz, förderte die Bewegungen des Humanismus und der Reformation. Das Zeitalter der Reformation und Gegenreformation war von zahlreichen Religionskriegen gekennzeichnet, die ihren Abschluss im DreißigjĂ€hrigen Krieg und dem WestfĂ€lischen Frieden 1648 fanden. Die christliche Reconquista Spaniens und Portugals fĂŒhrte zum Zeitalter der Entdeckungen in Nord- und SĂŒdamerika, Afrika und Asien, zum Aufbau europĂ€ischer Kolonialreiche sowie zum „Columbian Exchange“, dem Austausch von Pflanzen und Tieren zwischen der östlichen und westlichen HemisphĂ€re.

Die Industrielle Revolution, ausgehend von Großbritannien, förderte die Mechanisierung der Arbeitsprozesse und den internationalen Handel. Die AufklĂ€rung forderte die Gewaltenteilung. Sie war der Vorbote der Französischen Revolution von 1789, aus welcher als neuer Herrscher Frankreichs Napoleon hervorging, der bis 1815 mehrere Kriege fĂŒhrte.

Die erste HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts war von weiteren Revolutionen gekennzeichnet, aus denen das BĂŒrgertum und die Arbeiterklasse in Frankreich und England gestĂ€rkt hervorgingen. 1861 entstand das Königreich Italien und 1871 das Deutsche Reich als Nationalstaaten, wie die meisten damaligen Staaten Europas in Form von konstitutionellen Monarchien. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstĂ€rkte sich im Zuge des Imperialismus der Konkurrenzkampf der europĂ€ischen GroßmĂ€chte, bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die russische Oktoberrevolution von 1917 fĂŒhrte zur Bildung der kommunistischen Sowjetunion. Die Unzufriedenheit mit den Ergebnissen des Ersten Weltkrieges sowie die Weltwirtschaftskrise von 1929 begĂŒnstigten den Aufstieg des Faschismus in Italien, des Franquismus in Spanien, des Nationalsozialismus in Deutschland und fĂŒhrten letztlich zum Zweiten Weltkrieg.

Nach Kriegsende war Europa in der Periode des Kalten Krieges durch den „Eisernen Vorhang“ zwischen dem von den USA dominierten Westen und dem von der Sowjetunion beherrschten Ostblock getrennt. Gegen Ende der 1980er Jahre wurden die meisten sowjetischen Gliedstaaten unabhĂ€ngig, und die Sowjetunion selbst löste sich auf. Mit der EU-Erweiterung sind bis 2007 die meisten Staaten und Gebiete des ehemaligen Ostblocks der EU beigetreten.

Topografie von Europa
Satellitenfoto Europas
Politische Karte Europas

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Begriffes „Europa“

Name

Der Name „Europa“ lĂ€sst sich in Europa selbst am weitesten in Form der griechischen Εᜐρώπη zurĂŒckverfolgen: Hier wurde Euráč“pē meist als Kompositum aus altgriechisch Δᜐρύς, eurĂœs, „weit“ und ᜄψ, Ăłps, „Sicht“, „Gesicht“ aufgefasst, daher Euráč“pē, „die [Frau] mit der weiten Sicht“.

Eine andere ErklĂ€rung fĂŒr das Wort „Europa“ stammt vom semitischen Wort „ereb“ fĂŒr „Dunkel“. Man findet auf assyrischen oder auf den iberischen DenkmĂ€lern inhaltliche Unterschiede niedergeschrieben:

  • „dem Land der aufgehenden Sonne“ je nach Sichtweise,
  • „dem Land der Dunkelheit“ oder „der untergehenden Sonne“.[2]

Mythos

Tizian: Raub der Europa, 1559-1562, Tafelmalerei, 185 x 205 cm, Isabella Stewart Gardner Museum in Boston

Der griechische Mythos erzĂ€hlt, dass Europa, die Tochter des phönizischen Königs Agenor, sich mit ihren GefĂ€hrtinnen am Strand des Mittelmeeres vergnĂŒgt habe. Zeus verliebte sich in das schöne MĂ€dchen und beschloss, es zu entfĂŒhren. Er nahm die Gestalt eines weißen Stiers an, der dem Meer entstieg und sich Europa nĂ€herte. Das MĂ€dchen streichelte das ĂŒberaus schöne, zutrauliche Tier und fand sich schließlich bereit, auf dessen RĂŒcken zu klettern. Darauf erhob sich der Stier und stĂŒrmte ins Meer, das er mit Europa auf dem RĂŒcken durchquerte. Aber wie durch ein Wunder wurden sie und der Stier nicht einmal nass. Zeus entfĂŒhrte Europa nach Kreta, wo er sich ihr in seiner göttlichen Gestalt zu erkennen gab und mit ihr drei Söhne zeugte: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Aufgrund einer Verheißung der Aphrodite wurde der heimatliche Erdteil nach ihr benannt.

Vor- und FrĂŒhgeschichte

Vorgeschichte

Älteste Nachweise von Vertretern der Gattung Homo stammen derzeit aus der Sierra de Atapuerca in Spanien und sind bis zu 1,2 Mio. Jahre alt.[3] Noch Ă€ltere Fossilfunde aus Georgien (außerhalb der heute gĂŒltigen Grenzen Europas) sind 1,8 Mio. Jahre alt und werden als „Homo georgicus“ bezeichnet. Im nordalpinen Europa beginnt der Ă€lteste Besiedlungshorizont mit Homo heidelbergensis vor ca. 600.000 Jahren. Die Zuordnung der Funde zu einer eigenstĂ€ndigen Art ist allerdings umstritten; viele PalĂ€oanthropologen bezeichnen die Angehörigen der ersten Auswanderungswelle aus Afrika (Out-of-Africa-Theorie) einheitlich als Homo erectus, die vor ca. 1,8 Mio. Jahren bereits Java besiedelt hatten.

WĂ€hrend die Entwicklung des Homo sapiens vor ca. 160.000 Jahren in Afrika ihren Ausgang von den dort verbliebenen Populationen des Homo erectus nahm, wurde Europa zur DomĂ€ne des hier aus Homo erectus bereits entstandenen Homo heidelbergensis und des aus diesem hervorgegangenen Neandertalers. Erst vor ca. 35.000 Jahren gelangte Homo sapiens in einer zweiten Auswanderungswelle der Gattung Homo nach Europa (vgl. Ausbreitung des Menschen) und ersetzte nach und nach den Neandertaler (vgl. Cro-Magnon-Mensch). Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunĂ€chst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten.

Urgeschichte

FĂŒr Nordeuropa waren mehrere Eiszeiten fĂŒr die weitere Entwicklung vor allem der geologischen Formationen bestimmend. Diese Vereisungen betrafen das heutige Skandinavien, Island, Irland, den Norden Deutschlands, Polens und Russlands. Die letzte Hauptvereisungszeit dauerte etwa von 23.000 bis 8000 v. Chr.

Im Wesentlichen werden unterschieden

Hinweise auf dauerhafte Siedlungen des Menschen (Homo sapiens) gibt es von 7000 v. Chr. an.

JĂŒngste umfangreiche Ausgrabungen lĂ€ngs der Lahn in Wetzlar-Dalheim haben grĂ¶ĂŸere, 7000 Jahre alte Siedlungsreste einer Bandkeramiker-Kultur, hervorgebracht. Die FachwerkhĂ€user haben einen je 30 Meter langen Grundriss. Sie werden von einem rund zwei Meter tiefen Graben sowie einem vorgelagerten Wall geschĂŒtzt. Zur Sicherstellung der Wasserversorgung bestanden zwei voneinander unabhĂ€ngige Brunnen innerhalb der Befestigung.

Mittelsteinzeit

In der Zeit vor 5000 v. Chr. lebten die Menschen meist nomadisch in kleinen Sippen von etwa 20 Personen als JĂ€ger und Sammler.

Jungsteinzeit

Um 5000 v. Chr. kamen aus dem Orient ackerbautreibende Völker (Bandkeramiker, Megalithkultur, etc.) und besiedelten die fruchtbaren Landschaften Europas. Um 2500 v. Chr. tauchten aus dem Osten die indogermanischen Reitervölker auf und vermischten sich mit den sesshaften, Ackerbau betreibenden Völkern. Im Laufe der Zeit entstanden so die Vorfahren der verschiedenen europÀischen Völker, wie wir sie heute kennen (Kelten, Germanen, Slawen, Griechen usw.).

Bronzezeit

Um 1800 v. Chr. setzt sich die Bearbeitung von Bronze durch. Gleichzeitig streben in immer neuen Wellen Völker aus den Tiefen der sibirischen Steppe nach Europa (Kimmerier, Skythen).

Eisenzeit

Etwa um 800 v. Chr. beginnen die Menschen in Mitteleuropa mit der VerhĂŒttung von Eisen. TrĂ€ger sind die den Illyrern und Kelten zugeschriebenen Kulturen der Hallstattzeit und der LatĂšnezeit.

Siehe auch: Dreiperiodensystem, Urgeschichte

Hochkulturen

Die erste Hochkultur in Europa war die der Minoer und AchĂ€er auf der Insel Kreta sowie dem nahe gelegenen Griechenland, die um 2000 v. Chr. begann. Etwa zur gleichen Zeit breiteten sich die Kelten ĂŒber Mitteleuropa bis nach Spanien und die heutige TĂŒrkei aus. Da sie keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterließen, ist das Wissen ĂŒber sie nur bruchstĂŒckhaft. Die Römer begegneten ihnen und schrieben etliches ĂŒber sie nieder. Diese Aufzeichnungen und archĂ€ologische Grabungen bilden den Kern unserer Informationen ĂŒber diese sehr einflussreiche Kultur. Die Kelten stellten einen gigantischen, wenn auch wenig organisierten Gegner fĂŒr die Römer dar. SpĂ€ter eroberten und kolonialisierten die Römer große Teile SĂŒdeuropas.

Antike

Griechen

→ Hauptartikel: Antike und Antikes Griechenland
Die Athener Akropolis

Am Ende der Bronzezeit brachen die Ă€lteren griechischen Königreiche zusammen und eine neue Zivilisation erwuchs an ihrer Stelle. Die griechische Zivilisation war eine Ansammlung von Stadtstaaten (Poleis), die bedeutendsten davon waren Athen und Sparta. Unter den Stadtstaaten gab es viele verschiedene Regierungsformen und Kulturen, welche neue Formen der Regierung hervorbrachten und Philosophie, Wissenschaft, Politik, Sport, Theater und Musik weiterentwickelten. Die hellenischen Stadtstaaten grĂŒndeten viele Kolonien an den KĂŒsten des Mittelmeeres, vor allem im Gebiet der heutigen TĂŒrkei, auf Sizilien und in SĂŒditalien. Im 4. Jahrhundert v. Chr. jedoch wurden diese Kolonien zu einer leichten Beute fĂŒr König Philipp II. von Makedonien, da die Stadtstaaten durch Kriege untereinander geschwĂ€cht waren. Die FeldzĂŒge von Philipps Sohn, Alexander dem Großen, verbreiteten die griechische Kultur nach Persien, Ägypten und Indien, brachten die Griechen aber auch in Kontakt mit dem Wissen dieser LĂ€nder, wodurch eine neue Entwicklung, der Hellenismus, entstand.

Rom

Die Expansion des Römischen Reiches

Nach der Königszeit wandelte sich Rom (der Sage nach um 509 v. Chr., wahrscheinlich jedoch erst im frĂŒhen 5. Jahrhundert v. Chr.) zu einer Republik. Rom ĂŒbernahm viel vom Wissen der Griechen, als es sich von Italien her ausbreitete. Die Römer nutzten es zu ihrem Vorteil, dass ihre Gegner nicht in der Lage waren, sich gegen Rom zu vereinigen. Die einzige wirkliche Gefahr fĂŒr Roms Aufstieg kam von der phönizischen Kolonie Karthago. Mit der entscheidenden Niederlage Karthagos am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. (siehe Punische Kriege) stieg Rom endgĂŒltig zur unbestrittenen Vormacht im westlichen Mittelmeerraum auf. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. weitete Rom seine EinflusssphĂ€re auf die hellenistischen MĂ€chte im Osten aus. Die Republik wurde nach fast hundert Jahren BĂŒrgerkriegen gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. unter Augustus zum römischen Kaiserreich (Prinzipat) umgestaltet.

Das Imperium hatte sein Zentrum am Mittelmeer und kontrollierte alle LĂ€nder, die ans Mittelmeer grenzten. Unter Kaiser Trajan im 2. Jahrhundert erreichte das Römische Reich seine grĂ¶ĂŸte Ausdehnung; England, RumĂ€nien und Teile Mesopotamiens waren Teil des Reichs. Der Augusteische Frieden, der auch als Pax Romana bezeichnet wurde, wurde in der Reichskrise des 3. Jahrhunderts durch BĂŒrgerkriege geschwĂ€cht. Darauf gelang es Kaiser Diokletian, das Imperium durch Verwaltungsreformen entscheidend zu stabilisieren, und es begann die SpĂ€tantike. Sein Nachfolger Konstantin förderte das Christentum, das unter Theodosius I. Ende des 4. Jahrhunderts zur Staatsreligion im Imperium erhoben wurde. Es kam zur Ausbildung der Reichskirche, wenngleich immer wieder theologische Konflikte ausgetragen werden mussten (siehe Arianismus, Monophysitismus).

Völkerwanderung

→ Hauptartikel: Völkerwanderung

Im Jahre 476, nach wiederholten Invasionen germanischer StammesverbÀnde in der Endphase der Völkerwanderung, kam es zum Untergang des Weströmischen Reiches. Nach dem Ende der Antike bestimmten mehr oder weniger langlebige Neubildungen verschiedener Reiche die historische Landschaft in Westeuropa. Das hellenistisch geprÀgte Oströmische Reich, nach seiner Hauptstadt Byzanz auch Byzantinisches Reich genannt, konnte sich hingegen noch ein weiteres Jahrtausend bis zur Eroberung seiner Hauptstadt 1453 halten.

Im 7. Jahrhundert brachte die Ausbreitung der Araber die islamische Kultur an die MittelmeerkĂŒsten, von Kleinasien ĂŒber Sizilien bis nach Spanien. Dies bedeutete das endgĂŒltige Ende der Antike, wobei die Epochengrenze zwischen SpĂ€tantike und FrĂŒhmittelalter fließend ist. Eine Invasion nördlich der PyrenĂ€en wurde durch Karl Martell in der Schlacht von Tours und Poitiers zurĂŒckgeschlagen.

Mittelalter

→ Hauptartikel: Mittelalter
Karte: die Eroberungen Karls des Großen
Europa, 814

In der Epoche des Übergangs von der SpĂ€tantike zum FrĂŒhmittelalter, der Merowingerzeit, verkĂŒmmerte die stĂ€dtische Kultur, der Handel ließ stark nach und die Menschen kehrten zu lĂ€ndlichen Gemeinschaften zurĂŒck. Der Feudalismus ersetzte die römische Zentralverwaltung. Die einzige Institution, die den Zusammenbruch des westlichen Reiches ĂŒberlebte, war die Kirche, die einen Teil des römischen kulturellen Erbes bewahrte und bis zum 14. Jahrhundert außerhalb von Byzanz einen Schwerpunkt der Bildung und Wissenschaft darstellte.

Nach der Krönung Karls des Großen durch Papst Leo III. zum römischen Kaiser im Jahre 800 wurde die neue Hauptresidenz des Kaisers Aachen zu einem Zentrum der Kunst und der Wissenschaften und gab damit den Anstoß zur karolingischen Renaissance, der Neubelebung der Kultur unter RĂŒckbesinnung auf die Antike. Karl eroberte große Teile von Italien und anderen umliegenden LĂ€ndern und vergrĂ¶ĂŸerte damit sein Reich. Er bekam dabei Hilfe durch den Papst, der nicht lĂ€nger auf den Schutz des Byzantinischen Reiches vertrauen konnte. Auf diese Art wurde der Papst zunĂ€chst ein Lehnsmann des Kaisers, der Rom vor der Gefahr von Langobarden und Sarazenen schĂŒtzte, spĂ€ter aber wurden die GĂŒter des Papstes zum unabhĂ€ngigen Kirchenstaat in Mittelitalien. Die Aufteilungen des Reiches (siehe Karte) unter seinen Nachkommen fĂŒhrte nach langwierigen Erbfolgekonflikten 962 zur GrĂŒndung des Heiligen Römischen Reiches durch Otto I., und zur GrĂŒndung des WestfrĂ€nkischen Reiches. WĂ€hrend und auch nach den Erbfolgekriegen gewann das feudalistische System an Bedeutung.

Die normannische Eroberung Englands und SĂŒditaliens waren Meilensteine in der europĂ€ischen Geschichte.

Im 11. Jahrhundert war in den unabhĂ€ngigen Stadtstaaten Italiens wie Venedig und Florenz eine wirtschaftliche und kulturelle BlĂŒte zu verzeichnen, gleichzeitig wurden in Italien die ersten UniversitĂ€ten Europas gegrĂŒndet. Neben dem Heiligen Römischen Reich, Frankreich und dem Kirchenstaat formten sich Königreiche wie England, Spanien (siehe Reconquista), Königreich Ungarn, Königreich Polen und die Kiewer Rus. Im Gegensatz dazu blieben Deutschland und Italien noch in eine Vielzahl kleiner Feudalstaaten und unabhĂ€ngiger StĂ€dte zersplittert, die dem Kaiser nur formell unterstanden.

Eine der grĂ¶ĂŸten Katastrophen, die Europa heimgesucht haben, war die Pest. Es gab eine Reihe von Epidemien, aber die schwerste von allen war der „Schwarze Tod“ von 1346 bis 1352, die vermutlich ein Drittel der Bevölkerung Europas dahinraffte.

Das Ende des Mittelalters wird normalerweise mit dem Fall von Konstantinopel 1453 und der endgĂŒltigen Eroberung des Byzantinischen Reichs durch die Osmanen verbunden. Die Osmanen machten Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reichs, das bis 1919 Bestand hatte und in seiner grĂ¶ĂŸten Ausdehnung den Nahen Osten, Nordafrika, die Krim, den Kaukasus und den Balkan umfasste.

Renaissance und Reformation

→ Hauptartikel: Renaissance und Reformation
Die Schule von Athen, Raphael Santi, 1510/11, Stanzen des Vatikans, Rom.

Im 15. Jahrhundert, am Ende des Mittelalters, waren mĂ€chtige Nationalstaaten, wie Frankreich, England und Polen-Litauen, entstanden. Die Kirche dagegen hatte viel von ihrer Macht durch Korruption, innere Meinungsverschiedenheiten und die Ausbreitung der Kultur verloren, die zur Weiterentwicklung von Kunst, Philosophie, Wissenschaft und Technologie im Renaissance-Zeitalter fĂŒhrte.

Die neuen Nationalstaaten waren im Kampf um die Vormachtstellung in Europa andauernd in einem Zustand politischer VerĂ€nderung und in Kriege verstrickt. Besonders mit dem Losbrechen der Reformation (nach gesamteuropĂ€ischer Betrachtung ab 1520), die Martin Luther mit seiner Verbreitung der Thesen zum Ablass 1517 mitbedingte, verwĂŒsteten politische Kriege und Religionskriege den Kontinent. Das „Zeitalter der Glaubensspaltung“ fĂŒhrte zum Bruch zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus. In England brach König Heinrich VIII. mit Rom und erklĂ€rte sich selbst zum Oberhaupt der Kirche. In Deutschland einte die Reformation die verschiedenen protestantischen FĂŒrsten gegen die katholischen Kaiser aus dem Hause Habsburg. In Frankreich konnte nach acht Hugenottenkriegen, mit dem Massaker der BartholomĂ€usnacht 1572 als Höhepunkt, mit dem Edikt von Nantes 1598 eine zeitweilige Beruhigung der Lage erreicht werden.

Koloniale Expansion

→ Hauptartikel: Kolonisation und EuropĂ€ische Expansion

Die zahlreichen Kriege hielten die neuen Staaten nicht von der Erforschung und Eroberung großer Teile der Welt ab, besonders im neu entdeckten Amerika. Im frĂŒhen 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal, die bei der Erforschung fĂŒhrend waren, die ersten Staaten, die Kolonien in SĂŒdamerika sowie Handelsposten an den KĂŒsten Afrikas und Asiens grĂŒndeten, aber Frankreich, England und die Niederlande taten es ihnen bald nach.

Spanien hatte die Kontrolle ĂŒber große Teile SĂŒdamerikas und die Philippinen, Großbritannien hatte ganz Australien, Neuseeland, Indien und große Teile von Afrika und Nordamerika, Frankreich hatte Kanada und Teile von Indien (beide verlor es 1763 an Großbritannien), Teile SĂŒdostasiens (Französisch-Indochina) und große Teile Afrikas unter Kontrolle. Die Niederlande bekamen Indonesien und einige Inseln in der Karibik, Portugal gehörten Brasilien und mehrere Gebiete in Afrika und Asien. SpĂ€ter erwarben auch andere MĂ€chte wie Russland, Deutschland, Belgien, Italien, außerhalb Europas die USA und Japan einige Kolonien.

Der amerikanische UnabhĂ€ngigkeitskrieg, der 1776 zur UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der Vereinigten Staaten fĂŒhrte, sowie die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rungen der sĂŒdamerikanischen Staaten setzten der europĂ€ischen Kolonialisierung Grenzen.

17. und 18. Jahrhundert

Versailles im Jahr 1715

In diesen zwei Jahrhunderten erreichten die religiösen und dynastischen Spannungen ihren Höhepunkt im DreißigjĂ€hrigen Krieg von 1618 bis 1648, der lĂ€ngsten Kriegsperiode, an dem nahezu der gesamte Kontinent beteiligt war. Dieser Krieg begann mit dem sogenannten Prager Fenstersturz und endete mit dem „WestfĂ€lischen Frieden“, der den Territorialherren im Heiligen Römischen Reich weitgehende SouverĂ€nitĂ€t verschaffte. Durch diesen langanhaltenden Krieg wurden ganze Landstriche verwĂŒstet und entvölkert, und es bedurfte mehr als einer Generation, bis sich die Bevölkerung wieder erholt hatte. Die mittelalterliche Feudalordnung löste sich im 17. Jahrhundert weitgehend auf. Die Grafen und FĂŒrsten verloren mit der stetigen UnabhĂ€ngigkeit der Bevölkerung viel Vermögen und dem Kaiser blieb am Ende nur die Ohnmacht des Reiches, wobei die Kleinstaaterei ihren Anfang nahm und die Nationalstaaten weiter gestĂ€rkt wurden bzw. der Absolutismus sich zur vorherrschenden Regierungsform entwickelte.

Das verĂ€nderte MachtgefĂŒge hinterließ bleibenden Eindruck in der Kultur und im kollektiven GedĂ€chtnis der Menschen, das hervorgegangen war aus dieser Unzufriedenheit und den daraus resultierenden Kriegsfolgen und nun ganz langsam zum Aufstieg des BĂŒrgertums fĂŒhrte. Durch den resultierenden Aufschwung des Handels kam der Merkantilismus als Wirtschaftsform auf.

Eine ErschĂŒtterung wiederholte sich 1683 in Europa, mit der zweiten Belagerung Wiens nach 1529 durch die TĂŒrken. Durch Einwirkung des Papstes kam es zu einer umfassenden Koalition zur Verteidigung gegen die TĂŒrken. Die damals stĂ€rkste MilitĂ€rmacht Europas, Frankreich unter dem "Sonnenkönig" Ludwig XIV., beteiligte sich freilich nicht an der Koalition, sondern nutzte die Tatsache, dass der deutsche Kaiser mit der TĂŒrkenabwehr beschĂ€ftigt war, mit der Fortsetzung seiner Reunionskriege.

Geistesgeschichtlich wurde die Renaissance durch die Philosophie der AufklĂ€rung fortgesetzt, die die Stellung der Religion schwĂ€chte und die Grundlage fĂŒr erste Demokratiebewegungen legte. Die Naturwissenschaften erzielten große Fortschritte; mit Erfindungen wie der Dampfmaschine begann im spĂ€ten 18. Jahrhundert die Industrielle Revolution, die Wirtschaft entwickelte sich zum frĂŒhen Kapitalismus. Ab 1756 wurde der SiebenjĂ€hrige Krieg von Preußen und Großbritannien auf der einen Seite gegen Österreich, Frankreich und Russland auf der anderen Seite gefĂŒhrt. Die HauptverĂ€nderung auf dem Kontinent war der Aufstieg Preußens zur Großmacht, das weltpolitische Ergebnis war, dass Frankreich einen großen Teil seiner Kolonien an Großbritannien verlor, das dadurch den Grundstein zu seinem Weltreich legte.

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts fĂŒhrte die Weigerung von König Ludwig XVI. von Frankreich, unterstĂŒtzt vom Adel und der Kirche, dem so genannten dritten Stand mehr Einfluss zu geben, zur Französischen Revolution von 1789. Es war ein maßgeblicher Versuch, einen neuen Staat nach den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit, BrĂŒderlichkeit (LibertĂ©, EgalitĂ©, FraternitĂ©) zu schaffen. Der König wurde hingerichtet, in Frankreich wurde die Republik ausgerufen und eine Art demokratischer Regierung wurde errichtet. In den darauf folgenden Wirren, die unter anderem durch die KriegserklĂ€rungen der meisten europĂ€ischen Monarchien ausgelöst wurden, ĂŒbernahm General NapolĂ©on Bonaparte nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII die Macht. Die Trennung von Exekutive und Legislative, also die Gewaltenteilung, als Trennung zwischen Gesetzgebung und Kontrolle wurde nun in Frankreich vollzogen und war der Anfang vom Ende des Feudalismus in ganz Europa. Um ein Übergreifen von Revolutionen, sowie verĂ€nderter MachtgefĂŒge in Europa zu verhindern, nahmen am Ende des 18. Jahrhunderts die Koalitionskriege ihren Anfang.

19. Jahrhundert

Europa im Jahr 1849

In den zahlreichen Kriegen des napoleonischen Zeitalters besiegte Napoleon mehrmals das Kaisertum Österreich, dessen Kaiser den Titel Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ablegen musste, sowie Russland, Großbritannien, Preußen und andere MĂ€chte. Napoleon errichtete zeitweilig erneut das Königreich Polen, das im ausgehenden 18. Jahrhundert von Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt worden war. 1804 ließ er sich zum französischen Kaiser ernennen. 1815 wurde er endgĂŒltig bei Waterloo geschlagen.

Nach der Niederlage Frankreichs versuchten die anderen europĂ€ischen MĂ€chte nach dem Wiener Kongress von 1814/1815 unter FederfĂŒhrung des österreichischen Staatskanzlers FĂŒrst von Metternich, in der Zeit des VormĂ€rz zwischen 1815 und 1848 mit Hilfe von Restaurationsmaßnahmen die Situation vor 1789 wiederherzustellen. Sie waren jedoch lĂ€ngerfristig nicht in der Lage, die Ausbreitung der revolutionĂ€ren Bewegung aufzuhalten. Die Mittelschicht war stark von den demokratischen Idealen der Französischen Revolution beeinflusst. Außerdem brachte die Industrielle Revolution im Lauf des 19. Jahrhunderts tief greifende wirtschaftliche und soziale VerĂ€nderungen mit sich und die Arbeiterklasse wurde zunehmend von sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Ideen beeinflusst, besonders von den Theorien, die von Karl Marx im Kommunistischen Manifest 1848 zusammengefasst worden waren. Weitere Destabilisierung kam durch die GrĂŒndung nationalistischer Bewegungen unter anderem in Deutschland, Italien und Polen, die die nationale Einheit und/oder die Befreiung von Fremdherrschaft forderten. Als Folge all dessen gab es in der Zeit zwischen 1815 und 1871 eine große Anzahl von Umsturzversuchen und UnabhĂ€ngigkeitskriegen (siehe auch Julirevolution 1830, Revolutionen von 1848/49). Auch wenn die RevolutionĂ€re oft besiegt wurden, waren 1871 die meisten Staaten nicht mehr absolutistisch, sondern hatten eine Verfassung erhalten. Deutschland wurde 1871 nach den drei Einigungskriegen (1864 Deutsch-DĂ€nischer Krieg, 1866 Deutscher Krieg gegen Österreich und 1870/1871 Deutsch-Französischer Krieg) im Schloss Versailles zum Deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. ausgerufen. Dessen Politik wurde bis 1890 wesentlich von Reichskanzler Otto von Bismarck bestimmt, siehe dazu auch BĂŒndnispolitik Otto von Bismarcks.

Europa im Jahr 1890

Ähnlich wie in Deutschland wurde nach dem Scheitern der demokratisch und liberal gesinnten Revolutionen und UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen in den italienischen FĂŒrstentĂŒmern der italienische Nationalstaat von oben als Königreich Italien unter sardinischer FĂŒhrung nach mehreren Kriegen vor allem gegen Österreich durchgesetzt (siehe auch Risorgimento). 1861 wurde der sardinische König Viktor Emanuel II. zum italienischen König proklamiert. Sein MinisterprĂ€sident Camillo Benso Graf von Cavour spielte fĂŒr Sardinien und Italien eine Ă€hnliche Rolle wie Bismarck fĂŒr Preußen und das Deutsche Reich. In Frankreich kam es nach dem Sturz von Kaiser NapolĂ©on III. in Folge der französischen Niederlage im Krieg gegen Preußen und den Norddeutschen Bund zur Ausrufung der Dritten Französischen Republik. Im Verlauf der UmwĂ€lzungen in Frankreich hatten sich 1871 die Pariser BĂŒrger und Arbeiter gegen die preußenfreundliche Politik der jungen Republik erhoben und die Pariser Kommune gegrĂŒndet. Sie gilt als der erste sozialistisch-kommunistische Revolutionsversuch, wurde aber schon nach wenigen Wochen blutig niedergeschlagen. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurden durch eine zunehmende wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz der GroßmĂ€chte Zentraleuropas, insbesondere des Deutschen Reiches, Frankreichs und Englands bestimmt. Diese Konkurrenz fĂŒhrte unter anderem zu einer verstĂ€rkten Militarisierung der jeweiligen Gesellschaften, einem RĂŒstungswettlauf, dem „Wettlauf um Afrika“ und Asien („Great Game“) und zu einer Überhöhung des Imperialismus und Nationalismus. Diese Entwicklungen fĂŒhrten langfristig, insbesondere nach der Auflösung des bismarckschen BĂŒndnissystems unter Kaiser Wilhelm II., das bis 1890 fĂŒr eine gewisse zwischenstaatliche StabilitĂ€t gesorgt hatte, zum Ersten Weltkrieg.

FrĂŒhes 20. Jahrhundert: Weltkriege

Das 20. Jahrhundert brachte dramatische VerĂ€nderungen des MachtgefĂŒges innerhalb Europas und den Verlust seiner kulturellen und wirtschaftlichen Dominanz ĂŒber die anderen Kontinente mit sich.

Schon wĂ€hrend der Belle Époque eskalierten die RivalitĂ€ten der europĂ€ischen MĂ€chte, bis 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Den MittelmĂ€chten Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Bulgarien stand die Entente gegenĂŒber, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Russland, die 1915 durch Italien und 1917 durch die USA verstĂ€rkt wurden. Trotz der Niederlage Russlands 1917 siegte Ende 1918 die Entente. Der Krieg war eine der Hauptursachen fĂŒr die Oktoberrevolution, die zur GrĂŒndung der Sowjetunion fĂŒhrte.

Im Friedensvertrag von Versailles erlegten die Sieger Deutschland harte Bedingungen auf, worauf in den weiteren Pariser VorortvertrĂ€gen auf dem Gebiet des vormaligen österreichisch-ungarischen Reiches statt des Vielvölkerstaates eine Reihe neuer Staaten wie Österreich, Ungarn, Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien, mit dem Ziel die Selbstbestimmung der Völker zu fördern, geschaffen wurden. In den folgenden Jahrzehnten fĂŒhrten die Angst vor dem Kommunismus und die Weltwirtschaftskrise zur MachtĂŒbernahme autoritĂ€rer und totalitĂ€rer Regierungen: Faschisten in Italien (1922), Nationalsozialisten in Deutschland (1933), Franquisten in Spanien (nach Ende des BĂŒrgerkriegs 1939) und auch in anderen LĂ€ndern wie etwa in Ungarn.

Nachdem 1936 Deutschland und Japan ĂŒber den Antikominternpakt zusammengefunden hatten, dem 1937 Italien beitrat und der 1940 im DreimĂ€chtepakt durch militĂ€rische Kooperation ergĂ€nzt wurde, löste Deutschland, ermutigt durch das MĂŒnchner Abkommen von 1938 und gestĂŒtzt auf einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, am 1. September 1939 mit dem Polenfeldzug den Zweiten Weltkrieg aus. Nach anfĂ€nglichen Erfolgen, unter anderem der Besetzung Polens, Frankreichs und des Balkans bis 1940, ĂŒbernahm sich Deutschland durch den Kriege gegen die Sowjetunion und die KriegserklĂ€rung an die USA zur UnterstĂŒtzung Japans. Nach anfĂ€nglichen Erfolgen wurde die Wehrmacht im Dezember 1941 in der Schlacht um Moskau gestoppt und erlitt ein Jahr spĂ€ter eine entscheidende Niederlage in der Schlacht von Stalingrad. Die alliierten StreitkrĂ€fte siegten in Nordafrika in den zwei Schlachten von El Alamein, besetzten ab 1943 Italien und eroberten 1944 mit der Operation Overlord Frankreich zurĂŒck. Im FrĂŒhjahr 1945 wurde Deutschland von Osten von den sowjetischen Truppen und von Westen her von den US-amerikanischen und britischen Truppen besetzt. Den einrĂŒckenden alliierten Soldaten bot sich vielerorts ein Bild des Grauens. In Tausenden von Konzentrations- und Außenlagern innerhalb Deutschlands und in den besetzten Gebieten waren Millionen Juden, Sinti und Roma, Sozialdemokraten, Kommunisten, Geistliche, ArbeitsunfĂ€hige, sowjetische Kriegsgefangene und polnische Zivilisten erschossen oder vergast worden, viele verhungerten oder starben an Krankheiten. Eine Woche nach dem Suizid Hitlers kam es zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945. Japan ergab sich im August 1945, nachdem zwei Atombomben die StĂ€dte Hiroshima und Nagasaki zerstört hatten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

MilitĂ€rbĂŒndnisse zu Zeiten des Kalten Kriegs

Die beiden Weltkriege, besonders der zweite, beendeten die herausragende Rolle Westeuropas. Die Landkarte Europas musste neu gezeichnet werden, als Europa das Hauptspannungsfeld im Kalten Krieg zwischen den neu entstandenen SupermĂ€chten, den kapitalistischen USA und der kommunistischen Sowjetunion wurde. Der „Eiserne Vorhang“ bildete die Trennlinie zwischen der InteressensphĂ€re der USA in Westeuropa und dem sowjetisch beherrschten Ostblock mit Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, RumĂ€nien, Bulgarien und der DDR. MilitĂ€risch standen sich die von der USA gegrĂŒndete NATO und der sowjetisch kontrollierte Warschauer Pakt gegenĂŒber.

Mitgliedsstaaten und Beitrittskandidaten der EU

Von West- und Mitteleuropa ausgehend begann innerhalb des Westblocks ein Prozess wirtschaftlicher und politischer Integration[4]. Von einer Montanunion aus entwickelte sich die EuropÀische Wirtschaftsgemeinschaft (1957), die nach dem Maastrichter Vertrag 1992 von der EuropÀischen Union abgelöst wurde.

Im Ostblock entwickelte sich in den Satellitenstaaten ein starkes FreiheitsbedĂŒrfnis, das trotz mancher RĂŒckschlĂ€ge (1956 in Ungarn, 1968 in der CSSR) nach einer SchwĂ€chung der Sowjetunion aufgrund von wirtschaftspolitischen Fehlern und einer Überlastung durch den RĂŒstungswettlauf schließlich zum Ende der Teilung Europas fĂŒhrte. Die sowjetischen Satellitenstaaten konnten ihre kommunistischen Regierungen abschĂŒtteln, und die deutsche Wiedervereinigung wurde am 3. Oktober 1990 abgeschlossen. Infolge der Auflösung der Sowjetunion 1991 entstand eine Reihe neuer Staaten in Osteuropa und Asien.

Nach Auflösung der Blöcke

ZunĂ€chst erschien es so, als könne die Beendigung des Kalten Krieges und die Auflösung der Blöcke aufgrund allgemeiner AbrĂŒstung zu einer Friedensdividende und zu weitreichender Demokratisierung fĂŒhren. Und es herrschte in der Mehrzahl der europĂ€ischen Staaten weitgehende Einigkeit darĂŒber, dass die wirtschaftliche Entwicklung von Deregulierung und Globalisierung geprĂ€gt sein sollte.[5] Jedoch das Auseinanderbrechen Jugoslawiens und mehr noch die TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001 in den USA durch al-Qaida beendigten diese Friedenshoffnung. Es kam zu TerroranschlĂ€gen auch in Europa[6]

Russland kehrte unter Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin zu einer nationalistischeren Politik zurĂŒck, doch bereicherten sich WirtschaftsfĂŒhrer unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig, wĂ€hrend ein großer Teil der Bevölkerung verarmte. Ab 2000 setzte Wladimir Putin mit diktatorischen Methoden die staatliche AutoritĂ€t wieder durch, doch bei dem inneren Konflikt mit Tschetschenien ließ er schwere Menschenrechtsverletzungen zu. Beim Kaukasuskrieg 2008 trat Russland deutlich als Hegemonialmacht auf. Auch nachdem Putin aus verfassungsrechtlichen GrĂŒnden als StaatsprĂ€sident von Dmitri Medwedew abgelöst wurde, blieb er als MinisterprĂ€sident weiterhin der starke Mann.

Die europĂ€ische Integration machte weiterhin deutliche Fortschritte durch die EinfĂŒhrung einer gemeinsamen WĂ€hrung, des Euro, in 16 LĂ€ndern der EuropĂ€ischen Union und durch die Erweiterung der EuropĂ€ischen Union um Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta sowie die Republik Zypern am 1. Mai 2004 und um Bulgarien und RumĂ€nien am 1. Januar 2007. Mit dem Vertrag von Lissabon von 2009[7] wurde die Struktur an die neue Situation angepasst, nachdem ein Verfassungsvertrag 2005 an Negativvoten bei Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheitert war.

2009 allerdings geriet Griechenland im Zuge der Weltfinanzkrise seinerseits in eine schwere Finanzkrise, die sich 2010 zur Euro-Krise entwickelte, gegen die ein EuropÀischer Stabilisierungsmechanismus entwickelt wurde.

Siehe auch

Ehemalige Staaten und andere Gebiete:

Einzelnachweise

  1. ↑ Dieter HĂ€germann: Karl der Große, Herrscher des Abendlandes, S. 10, Berlin u.a., 2000, ISBN 3 549 05826 8
  2. ↑ Wissen.de - Wissen Media Verlag, GĂŒtersloh; und Bernd Lutz (Hrsg.), Karl Löwith: Der Mensch inmitten der Geschichte. Philosophische Bilanz des 20. Jahrhunderts. Metzler, Stuttgart 1990, ISBN 3-476-00713-8, S. 49.
  3. ↑ Carbonell, E. et. al. (2008): The first hominin of Europe. Nature 452, 465–469
  4. ↑ sieh: Geschichte der EuropĂ€ischen Union
  5. ↑ vgl. Washington Consensus von 1990 und Umbau des GATT in die WTO mit stĂ€rkeren Kompetenzen, Zollabbau zu erzwingen, andererseits die Kritik an dieser Politik durch attac (1998 gegrĂŒndet) und u.a. den WirtschaftsnobelpreistrĂ€ger Joseph E. Stiglitz in Die Schatten der Globalisierung (2002).
  6. ↑ In Madrid (2004), in London (2005)
  7. ↑ unterzeichnet 2007, endgĂŒltig ratifiziert 1. Dezember 2009

Literatur

Sammelwerke

  • Handbuch der europĂ€ischen Geschichte. Hrsg. von Theodor Schieder. 7 BĂ€nde. Stuttgart 1968–1987.
  • Handbuch der Geschichte Europas. Hrsg. von Peter Blickle. 10 BĂ€nde, Stuttgart 2000ff.
  • Penguin History of Europe. Hrsg. von David Cannadine. London 2001ff. (angelegt auf 8 Bde., noch nicht abgeschlossen).
  • PropylĂ€en Geschichte Europas. 6 BĂ€nde, Berlin 1975ff., ISBN 3-549-05529-3.
  • Studienbuch Geschichte. Eine europĂ€ische Weltgeschichte. Hrsg. von Reinhard Elze und Konrad Repgen, 2 BĂ€nde, Stuttgart 1999/2000.

Einzelwerke

  • Norman Davies: Europe. A History. Oxford 1996.
  • Almut-Barbara Renger / Roland Alexander Ißler (Hrsg.): Europa – Stier und Sternenkranz. Von der Union mit Zeus zum Staatenverbund, Göttingen: V&R unipress, 2009 (GrĂŒndungsmythen Europas in Literatur, Musik und Kunst, 1), ISBN 978-3-89971-566-8, 656 S., [1].
  • Michael Salewski: Geschichte Europas. Staaten und Nationen von der Antike bis zur Gegenwart. Beck, MĂŒnchen 2000 (Beck's Historische Bibliothek), ISBN 3-406-46168-9.
  • Ferdinand Seibt: Die BegrĂŒndung Europas. Ein Zwischenbericht ĂŒber die letzten tausend Jahre. S. Fischer, Frankfurt am Main ÂČ2002, ISBN 3-10-074421-7.
  • W. Schmale: Geschichte Europas. Wien 2001.
  • Bernd SchneidmĂŒller: Grenzerfahrung und monarchische Ordnung: Europa 1200-1500. Beck, MĂŒnchen 2011. 978-3406613579.
  • Gerhard Schulz: Europa und der Globus. Staaten und Imperien seit dem Altertum. DVA, Stuttgart/MĂŒnchen 2001, ISBN 3-421-05349-9.

Weblinks

 Wikisource: Europa â€“ Quellen und Volltexte
 Commons: Geschichte Europas â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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