Geschichte Georgiens

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Geschichte Georgiens

Die Geschichte Georgiens kann sich seit dem Mittelalter auf Schriftquellen st√ľtzen, fr√ľhere Perioden sind vor allem durch arch√§ologische Funde bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Quellen

Antike Inschriften

Aus Georgien sind einige antike Inschriften bekannt, darunter eine des Kaisers Vespasian, die aus Iberien stammt, eine griechisch/aram√§ische Bilingue aus Mzechta-Armasischewi, eine griechische des Aurelius Acholis aus Mzcheta, eine j√ľdische aus Mzcheta, entstanden im 4. und 5. Jahrhundert, au√üerdem zwei weitere griechische Inschriften, eine aus Eschera, eine andere aus Vani.[1]

Forschungsgeschichte

In der Antike nahm man oft an, dass die Bewohner Georgiens aus Spanien (Iberien) eingewandert seien.[2] Flavius Josephus setzt die Iberer mit den Nachkommen des biblischen Tubal gleich.

Die Georgier leiten sich nach dem mittelalterlichen Kartlis Zchowreba aus dem späten 11. Jahrhundert von Kartlos, dem Sohn von Targamos (Togarma) ab. Nach der Chronik Mokzewai Kartlisai, die im 10. Jahrhundert niedergeschrieben wurde, wanderten sie zur Zeit Alexanders aus Arian Kartli ein.[2] Melikischwili will Arian Kartli mit Persien gleichsetzen[3].

Im 19. Jahrhundert wollte man die Georgier von den biblischen Meschech und Tubal ableiten.

Steinzeit

√Ąlteste menschliche Reste (Homo erectus) aus Georgien stammen aus Dmanisi.

Die √§ltesten Siedlungen in Georgien werden in die mittlere Altsteinzeit, das Acheul√©en, datiert. Die Fundstellen liegen meist nahe der K√ľste und an den Fl√ľssen. Eine der gr√∂√üten Fundstellen befindet sich in Jaschtchwa n√∂rdlich von Sochumi. Dieser Ort war bis ins Neolithikum besiedelt. Zum Ende des Acheul√©en begann die Besiedlung der Gebirgsregionen, so zum Beispiel in den H√∂hlen von Kudaro nahe dem Dorf Tschasawali in einer H√∂he von 1.600 m. Einige dieser Siedlungspl√§tze wurden bis in die Fr√ľhe Bronzezeit genutzt, jedoch gibt es f√ľr die Gebirgsregionen keine Funde f√ľr das Jungpal√§olithikum, weswegen eine Verschlechterung des Klimas in dieser Zeit vermutet wird. Die Menschen lebten als J√§ger und Sammler und verf√ľgten √ľber einfache Werkzeuge, meist aus Andesit, Jaspis, Chalzedon, Feuerstein und Basalt gefertigt.[4]

Auf das Acheul√©en folgte das Moust√©rien bis 40.000 v. Chr. Die Besiedlung (durch Neandertaler), war dichter und erstreckte sich √ľber fast alle Teile des Landes, Schwerpunkte lagen an der Schwarzmeerk√ľste, im Rioni-Qwirila-Becken und den T√§lern von Ksani, Liachwi und Prone. Die Menschen lebten weiterhin als J√§ger und Sammler, doch waren die Werkzeuge feiner bearbeitet, Obsidian kam als Material hinzu und die erste Nutzung von Feuer ist f√ľr diese Zeit belegt. Nach dem Moust√©rien nahm wegen des k√ľhleren Klimas die Bev√∂lkerungsdichte ab und nur die Schwarzmeerk√ľste und das Rioni-Qwirila-Becken blieben dicht besiedelt. In dieser Zeit entwickelten sich weitere Werkzeuge, darunter auch Pfeil und Bogen, wie Funde in der Sakaschia-H√∂hle bei Kutaissi belegen. Auch die Zahl der Schmuckfunde steigt an. Im Jungpal√§olithikum tritt der Cro-Magnon-Mensch in der Region das erste Mal auf.[4]

Ab 12.000 v. Chr., im Mesolithikum, wurden auch die höher gelegenen Teile Georgiens wieder besiedelt. Die Menschen werden sesshafter und der Fischfang verbreitet sich.

Im Neolithikum vom 8. bis 5. Jahrtausend v. Chr. entwickelte sich in Georgien wie in den s√ľdlich angrenzenden Gebieten Ackerbau und Viehzucht sowie die Keramikherstellung. Neben neuen Fertigungsmethoden fanden sich mit Dolomit, Diorit, Nephrit und Jadeit auch neue Materialien. Die ersten Siedlungen bestanden vermutlich aus Holzh√§usern, die Fundorte liegen vor allem in Westgeorgien.[4] Aruchlo stellt eine der bisher √§lteste bekannte neolithische Siedlung dar.[5]

Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit

Ab dem 5. Jahrtausend v. Chr. verbreitete sich in Georgien die Metallverarbeitung, zun√§chst in Westgeorgien. Es entwickelte sich die Kura-Araxes-Kultur. Die Landwirtschaft setzte sich gegen√ľber der Jagd endg√ľltig durch. In Niederkartlien begann die k√ľnstliche Bew√§sserung, angebaut wurde vor allem Hirse, Gerste und Weizen. Es wurden vor allem Rinder, seltener auch Schafe, gehalten. Reste von Siedlungen wurde unter anderem in Sagwardschile, Samele Klde, Samerzchle Klde und Tetramiza gefunden. Die H√§user bestanden aus Stampflehm. Die ostgeorgischen Siedlungen, darunter Imiris-Gora, Chisaantgora, Didube, Nazargora, Imiri und Schulaweri, liegen teilweise √ľber 1000 m hoch. Sie waren auf H√ľgeln errichtet, die H√§user hatten einen ovalen Grundriss. Keramikfunde weisen auf einen Handel mit den s√ľdlicheren Regionen bis zum Van-See.[4]

Zu Beginn des 2. Jahrtausends, in der Mittleren Bronzezeit entwickelte sich in Ostgeorgien die Trialeti-Kultur. Die Siedlungen verlagerten sich in das Bergland, viele Siedlungen der Kura-Araxes-Kultur wurden aufgegeben. Der Ackerbau wurde durch Viehzucht ersetzt, wom√∂glich wanderten auch nomadische St√§mme ein und vertrieben die sesshafte Bev√∂lkerung. Das Handwerk erreichte in dieser Zeit eine erste Bl√ľte. Es wurden vor allem Kurgane, die Grabh√ľgel gefunden, Siedlungen jedoch nicht. In Westgeorgien blieb die Kultur der fr√ľhen Bronzezeit mit Ackerbau und Siedlungen in den Niederungen erhalten, jedoch nahm auch hier die Viehzucht zu. Auch hier wurde das Bergland st√§rker besiedelt, Kontakte zur Trialeti-Kultur gab es jedoch kaum. Seit Mitte des 2. Jahrtausends war das Pferd in Georgien bekannt, zu Ende des Jahrtausends war es bereits weit verbreitet und wurde wirtschaftlich wie milit√§risch genutzt.[4]

Ab Ende des 2. Jahrtausends nahm die Bev√∂lkerung zu und Metallurgie und Ackerbau entwickelten sich weiter. Zinn wurde aus benachbarten Regionen im Iran oder Kleinasien importiert. Etwa ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. begann in Innerkartlien die Eisenverarbeitung. Bis 800 v. Chr. setzte sich dieses gegen die Bronze durch. Zugleich entwickelte sich die Verwendung von Schwertern. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung entstanden gr√∂√üerer Wohlstand und gr√∂√üere besitzm√§√üige Unterschiede. Auch f√ľr Ostgeorgien gibt es f√ľr diese Zeit Funde von D√∂rfern und befestigten Siedlungen. In diesen fanden sich h√§ufig Kultst√§tten. Im Westen Georgiens entwickelte sich die Kolchis-Kultur, die sich bis nach Ostanatolien, Teile Nordkaukasiens und Innerkartlien verbreitete. In dieser waren die Geb√§ude meist aus Holz, nur in den Bergen auch aus Stein, und der Ackerbau die √∂konomisch Grundlage. Im Handwerk entwickelten sich vor allem Textilherstellung und T√∂pferei. Metallurgische Zentren lagen bei Ghebi und im Tschorochi-Becken. Die Wirkung dieser Kultur auf die Griechen ist in die Argonautensage eingeflossen. Schlie√ülich entwickelte sich in Ostgeorgien eine eigene Kultur, welche die kolchische zur√ľckdr√§ngte.[4]

Antike

Kaukasus mit Iberien 250 v. Chr.
Nike-Statue aus Kolchis, gefunden in Vani, Georgien

Im 13. Jahrhundert v. Chr. entstand laut F√§hnrich das K√∂nigreich Diaochi aus einer Vereinigung verschiedener kartwelischer St√§mme. Es wurde eines der st√§rksten Schwarzmeerl√§nder und existierte bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. Danach wurde es von Urartu erobert, Teile gingen laut F√§hnrich im Land Kolcha auf, das sich ab dem 11. Jahrhundert in der Kolchis gebildet haben soll, jedoch ist dessen Lage umstritten[6]. Sp√§ter entstanden neue Staaten, darunter vielleicht das Reich Gamirru der Kimmerer und im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. das Reich Speri im S√ľdwesten.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. bildete sich im Westen des heutigen Georgien der Staat Kolchis. Im 4. Jahrhundert v. Chr. entstand im gebirgigen Osten das Land Iberien. Es wurde auch Kartlien genannt, weil sich die Iberier Kartweli nannten. Die L√§nder waren durch das Lichi-Gebirge getrennt. Beide Staaten pflegten enge wirtschaftliche Verbindungen zu Griechenland, Parthien und den Ach√§meniden. Im Kaukasusgebirge wurden Gold, Silber, Kupfer und Eisen gewonnen. Georgische Handwerker schmiedeten daraus die Schwerter. Nach der Argonautensage raubten Iason und die Argonauten das Goldene Vlies aus Kolchis.

Als Alexander der Große nach 333 v. Chr. Persien eroberte, wurden Kolchis und Iberien unabhängig. In der Zeit der Diadochenkriege wurden sie von dem pontischen Feldherrn Ason erobert, der eine Schreckensherrschaft errichtete. Iberien befreite sich mit Hilfe Parnawas von Ason und errichtete die Dynastie der Parnawasiden. Georgien war bis auf Kolchis, das mit Iberien freundschaftlich verbunden war, vereint und pflegte gute Beziehungen zu dem Diadochen Seleukos.

In den mithridatischen Kriegen standen Kolchis als Provinz und Iberien als Vasall auf Seiten von Pontos und somit gegen Rom. 66 v. Chr. eroberte der r√∂mische Feldherr Pompeius nach dem Sieg √ľber Pontos auch Iberien und Kolchis. Sie wurden zu r√∂mischen Vasallen. Im 1. Jahrhundert zerfiel Kolchis. Es bildete sich der Nachfolgestaat Lasika. Zwischen 189 bis 284 herrschten in Iberien eine Seitenlinie der parthischen Arsakiden namens ArŇ°akiani. Diese wurden dann von den Chosroiden abgel√∂st, die ebenfalls iranischst√§mmig waren.

Mirian III. auf einem Wandbild in der Swetizchoweli-Kathedrale

337 konvertierte Georgien als einer der ersten Staaten der Welt zum Christentum. K√∂nig Mirian III. von Iberien aus dem Geschlecht der Chosroiden f√ľhrte das Christentum als offizielle Staatsreligion ein. Am 17. Januar 395 wurde die s√ľdwestliche Kolchis Teil des Ostr√∂mischen Reiches. Ab 591 galt das ostr√∂mische Glaubensbekenntnis.

Iberien wurde im 3. Jahrhundert erstmals persischer Vasallenstaat. Danach wechselte es h√§ufig die Seiten, um seine Existenz zu erhalten. Im 6. Jahrhundert war es persische Provinz, erlangte jedoch 591 in der Regierungszeit von F√ľrst Stephan I. (590‚Äď607) seine volle politische Autonomie wieder, da der persische Gro√ük√∂nig Chosrau II. Armenien an das ostr√∂mische Reich abtreten musste und somit den Zugang zu Iberien verlor (siehe auch R√∂misch-Persische Kriege). Danach orientierte sich Iberien au√üenpolitisch an Byzanz.

642 kamen die Araber erstmals nach Georgien, konnten das Land aber nicht erobern. Es kam zu mehreren Kriegen, in denen Georgien nach und nach von den Arabern erobert wurde. Dabei zerfielen Lasika und Iberien in kleinere F√ľrstent√ľmer, darunter Kartli, Kachetien, Heretien, Tao-Klardsheti, Abchasien und Egrisi. 755 wurde in Tiflis ein Emir eingesetzt. Herrschaftszentren der Araber waren die s√ľdlichen St√§dte des Landes. Die l√§ndlichen Gebiete und der Norden befanden sich nur unter loser Kontrolle. Islamisierungsversuche blieben weitgehend erfolglos. Gewisserma√üen bewirkte diese Unterfangen sogar das genaue Gegenteil ihres Ziels: Als Reaktion auf die arabische Herrschaft breitete sich die georgische Kirchensprache auch im Volk aus und wurde damit f√ľr die folgenden Jahrhunderte das entscheidende gemeinsame Merkmal der Georgier.

Auch die territoriale Einigung des Landes kann als eine unbeabsichtigte Folge der arabischen Verwaltungsstruktur bezeichnet werden. Die von den fremden Herrschern als Statthalter √ľber Abchasien eingesetzten Bagratiden vereinigten die westlichen F√ľrstent√ľmer Georgiens unter ihrer Herrschaft und herrschten dort nahezu autonom. Die √∂stlichen Teile blieben weiterhin unter der Kontrolle des Emirs von Tiflis.

Mittelalter

Kaukasus mit georgischen Staaten um 900 n. Chr.

Am Anfang des 11. Jahrhunderts vereinte K√∂nig Bagrat III. Ost- und Westgeorgische K√∂nigreiche sowie die abchasische und die georgische Linie der Bagratiden in einem Georgischen K√∂nigreich. Weite Gebiete des Landes befanden sich jedoch unter der Herrschaft anderer Machthaber. Erst sein Enkel Bagrat IV. bestieg 1039 in Tiflis den Thron. Seine Nachkommen herrschten in Teilen Georgiens bis 1801. Jedoch l√∂ste sich Kachetien-Heretien mehrmals aus dem Herrschaftsgebiet. Erst 1104 wurde es endg√ľltig Teil Georgiens. Bis zum 13. Jahrhundert schloss sich trotz verschiedener √úberf√§lle und fremder Beherrschung eine Bl√ľtephase Georgiens an.

Ab 1065 griffen t√ľrkische Seldschuken das Land an. Nach der Schlacht von Manzikert (1071) geriet Kleinasien endg√ľltig unter ihre Oberhoheit. Auch Georgien wurde ab etwa 1080 tributpflichtig. Zudem wurden einige St√§dte im Osten des Landes mit seldschukischen Garnisonen versehen und einzelne Reiterverb√§nde zogen immer wieder pl√ľndernd durch das restliche Land. In dieser prek√§ren Lage bestieg 1089 K√∂nig Dawit IV. der Erbauer den Thron. Gleichzeitig setzten f√ľr Georgien positive Ver√§nderungen im Seldschukenreich ein. Die Zentralmacht wurde zusehends geschw√§cht und zerfiel nach dem Tod Sultan Muhammads I. (1118) endg√ľltig. Gleichzeitig wurde das Reich durch die beginnende Kreuzzugsbewegung (1096 Aufbruch zu ersten Kreuzzug) erneut von au√üen angegriffen.

Durch energische Reformen gelang es K√∂nig David IV., ein diszipliniertes stehendes K√∂nigsheer zu schaffen, mit dem er die Seldschuken bis 1122 aus dem Land vertrieb und Grenzprovinzen Armeniens und Aserbaidschans f√ľr Georgien eroberte. Mehrere benachbarte Gebiete gerieten zudem in Abh√§ngigkeit von Georgien. Die Reiche Shrivan am Kaspischen Meer, Trapezunt an der S√ľdk√ľste des Schwarzen Meers sowie das Volk der Osseten und viele kleinere Bergv√∂lker im hohen Kaukasus und den n√∂rdlich gelegenen Gebieten mussten Georgien als beherrschende Macht anerkennen. Zudem gelang es David, die m√§chtigen einheimischen Territorialf√ľrsten zur Kooperation zu zwingen. Zum Ende seiner Regierungszeit (1125) kann deshalb die Einigung Georgiens als vollendet betrachtet werden.

Davids Nachfolger waren lediglich dazu in der Lage, das von ihm aufgebaute Reich zu erhalten, nicht jedoch es weiter auszubauen. Zudem kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Nachbarvölkern und zu Problemen mit dem Adel, der die Macht der Könige einschränken wollte.

Davids Nachfolger Dimitri I. verf√ľgte, dass Muslime in Georgien ihre Religion unbeschr√§nkt aus√ľben k√∂nnen. Unter der Herrschaft K√∂nigin Tamaras wurden staatliche Proklamationen nur noch nach Absprache mit dem Adelsparlament Darbasi verk√ľndet. Auf lokaler Ebene schuf sie Gerichte, gegen deren Entscheidungen Widerspruch bei einem Obersten Gerichtshof eingelegt werden konnte. Die K√∂nigin schaffte die Todesstrafe und die Verst√ľmmelung von Straft√§tern ab.

Georgien unter der Herrschaft Königin Tamars

1220 fielen erstmals die Mongolen an der S√ľdgrenze und in Armenien ein. 1225 besetzten die vor den Mongolen fliehenden Chwarzemen Tiflis vor√ľbergehend und benutzten die Stadt als Basis f√ľr ihre Raubz√ľge.

Zun√§chst ignorierten die Mongolen selbst Georgien weitestgehend. Zu ihren ersten Raubz√ľgen nach Russland zogen sie nur am Rand des Kaukasus vorbei. Zwischen 1235 und 1240 erschien ihr Heerf√ľhrer Batu Khan wiederholt auch dort und unterwarf das gesamte georgische Reich. 1243 wurde K√∂nigin Rusudan gezwungen, offiziell die Oberhoheit der Mongolen anzuerkennen. Georgien musste Abgaben zahlen und Hilfstruppen f√ľr Feldz√ľge zur Verf√ľgung stellen.

Sp√§ter wurde Georgien immer mehr in die inneren Konflikte des mongolischen Reiches hineingezogen. Verschiedene Fraktionen setzten ihnen genehme K√∂nige auf den Thron in Tiflis. Aufstandsversuche wurden blutig unterdr√ľckt. Die Macht der K√∂nige schwand immer mehr, bis sie nur noch den Titel trugen, die wirkliche Macht aber von einflussreichen Familien im Hintergrund ausge√ľbt wurde.

Als das mongolische Reich zerfiel, gelang es Giorgi V. (1314‚Äď46) ein zusammenh√§ngendes Territorium unter seine Herrschaft zu bringen, f√ľr das er die Nachfolge Georgiens in Anspruch nehmen konnte. Doch wurde das Land durch die Pest (1348/49, 1366) und die Eroberungsz√ľge Timur Lengs (1385‚Äď1403) endg√ľltig zerst√∂rt. Zwar konnte Timur in Georgien keine dauerhafte Herrschaft aufbauen, das Land fand jedoch auch nach seinem Abzug nicht mehr zu seiner alten Macht zur√ľck. Es blieb ein Gebiet, in dem einzelne lokale F√ľrsten herrschten, die zwar ein vages Zusammengeh√∂rigkeitsgef√ľhl besa√üen, sich aber nicht zu einem wirklichen Zusammenschluss entschlossen. Die St√§dte wurden entv√∂lkert, fruchtbares Ackerland von Hirten √ľbernommen, freie Bauern und Handwerker zu Leibeigenen der F√ľrsten degradiert. Nach dem Tod Alexanders I. (1442), dem letzten K√∂nig eines geeinten Georgien, zerfiel das Haus der Bagratiden in drei Linien. Eine regierte von Tiflis aus √ľber Kartli, die zweite beherrschte das westliche Imeretien, die dritte sa√ü im ostgeorgischen Kachetien. Das √ľbrige Land geriet unter die Kontrolle von teilweise selbsternannten, teilweise alteingesessenen Prinzen oder F√ľrsten. Die gr√∂√üten F√ľrstent√ľmer waren Abchasien, Gurien, Mingrelien, Samzche und Swanetien. In den Bergregionen des Kaukasus setzten sich sogar alte patriarchalische Stammesstrukturen wieder durch. Nomadisierende St√§mme, die aus dem mongolischen Reich hervorgegangen waren, √ľberfielen immer wieder das Land.

Gesellschaftsstruktur im Mittelalter

Zwischen dem sp√§ten elften und dem fr√ľhen dreizehnten Jahrhundert erreichte das georgische Reich den H√∂hepunkt seine Macht. In dieser Lage wurde auch ein differenziertes Verwaltungssystem aufgebaut. In seiner vollen Ausformung existierte es nur in dieser Epoche, doch viele √Ąmter waren schon vorher bekannt und existierten noch einige Zeit weiter. An der Spitze stand das k√∂nigliche Kabinett, das aus den Vaziri, den Ministern, bestand. Jedes der Kabinettsmitglieder konnte sich auf einen umfangreichen Beamtenstab st√ľtzen.

Der Hohe Kanzler f√ľhrte das Kabinett zwar an, hatte jedoch zumindest offiziell keine Weisungsgewalt √ľber die √ľbrigen Minister. Dieser Posten wurde meist mit dem Erzbischof von Tchqondidi besetzt. Aufgrund dieser Doppelfunktion hielt er die Verbindung zwischen der weltlichen und geistlichen Macht aufrecht. Er verwaltete die Gesch√§ftsf√ľhrung der k√∂niglichen Kanzlei und hatte die Aufsicht √ľber die Hofbeamten. Zudem war er f√ľr die Mobilmachung der Truppen verantwortlich. Der Kriegsminister verwaltete die Armee und war dabei besonders f√ľr das stehende K√∂nigsheer und die Versorgung mit Waffen und Pferden verantwortlich. Ein ebenfalls milit√§risches Amt versah der Atabagi. Dabei ging es jedoch mehr um die Wahrnehmung von polizeilichen Aufgaben im Land.

Die √ľbrigen Kabinettsmitglieder besa√üen einen etwas niedrigeren Status. Dem Zeremonienmeister war die Verwaltung der Hofdienerschaft und die Organisation offizieller Ereignisse anvertraut. Der Schatzmeister war f√ľr die Finanzen zust√§ndig, die nicht in den anderen Ressorts verwaltet wurden. Zudem kontrollierte er die Finanzverwaltung der gr√∂√üeren St√§dte und die Steuereintreibung. Zudem gab es eine Vielzahl von Hofbeamten, unter anderem k√∂nigliche Mundschenke, J√§ger und F√∂rster.

Die einzelnen Provinzen wurden von Eristavni regiert. Dabei handelte es sich um Adlige, die eigentlich nur vom K√∂nig eingesetzt wurden. In der Praxis blieben die Provinzen jedoch fest in der Hand derjenigen Familien, die sie schon seit einigen Generationen beherrscht hatten. Zusammen mit Vertretern der hohen Geistlichkeit bildeten diese Territorialherrscher den k√∂niglichen Rat. Der Rang eines Eristavi bema√ü sich daran, wie gro√ü das von ihm verwaltete Gebiet war und ob es sich dabei vor dem Anschluss an Georgien um ein eigenst√§ndiges K√∂nigreich gehandelt hatte. Die Eristavi waren die Herrscher √ľber alle Nichtadeligen in ihrem Land und konnten auch Einfluss auf die Kirchen nehmen, soweit es ihre Verbindung zur weltlichen Macht betraf. Ihre haupts√§chliche und urspr√ľngliche Aufgabe war es jedoch, die in ihrem Gebiet ausgehobenen Truppen in die Schlacht zu f√ľhren. Sie konnten zwar nicht selbst Recht sprechen, hatten jedoch die Aufsicht √ľber Gerichtsverhandlungen gegen die niederen Bewohner ihrer Provinz inne. Zudem erhielten sie eine j√§hrliche und eine in unregelm√§√üigen Abst√§nden eingesammelte Steuer sowie einen Teil der an die Gerichte gezahlten Strafen. Bei der Ausf√ľhrung ihrer Aufgaben standen ihnen mehrere Beamte zur Seite.

Auch eine gro√üe Anzahl an niederen Landadeligen war vorhanden. Diese waren bis auf ihre milit√§rische Funktion im Ritterheer meist nur mit geringem politischen Einfluss ausgestattet. Versuche, eine Art Adelsparlament zu schaffen. scheiterten an der gro√üen Macht des K√∂nigs. Zudem existierte eine verwirrende Anzahl an W√ľrdentr√§gern, deren Titel teilweise ererbt, teilweise auf Lebenszeit verliehen waren und deren Autorit√§t und Befugnisse sich nicht mehr genau feststellen lassen. Meist wurden solche Titel jedoch vom K√∂nig in Verbindung mit einem Landbesitz an einen Untergebenen, meist einen verdienten Offizier, verliehen, der sich dadurch in ein direktes Patronatsverh√§ltnis zum Thron begab. Dazu kamen im hohen Kaukasus die Clanchefs der meist noch patriarchalisch strukturierten Bergbewohner, die einen gewichtigen Einfluss geltend machen konnten.

Auch die niederen Klassen der georgischen Gesellschaft waren vielf√§ltig organisiert. Aznauri wurden die Freien genannt. Ihr sozialer Status war von dem Alter ihrer Familie abh√§ngig. Auch die Bew√§hrung in einem √∂ffentlichen Amt oder als Soldat konnte das Ansehen des Einzelnen und des ganzen Clans steigern. Ihre Machtmittel konnten durchaus den Besitz eigener Festungen und umfangreiche Sch√§tze enthalten. √Ąhnlich verhielt es sich mit den Vadcharni, den H√§ndlern. Die m√§chtigeren unter ihnen konnten sogar einigen Einfluss am K√∂nigshof aus√ľben.

Die Schicht der Leibeigenen gliedert sich in zwei Gruppen. Dabei scheinen die Msakhurni einen etwas h√∂heren Status besessen zu haben, da sie schon in der antiken Gesellschaft existierten und oft in den Status der Aznauri gehoben wurden. Die Qma waren urspr√ľnglich Sklaven, unter denen es wiederum verschiedene Abstufungen gab. Die h√∂hergestellten Qma besa√üen Vertr√§ge, in denen genau festgelegt wurde, welche Arbeiten sie durchf√ľhren mussten. Ein Herr konnte seinen Qma besondere Rechte zugestehen. Diese Praxis wurde als Belohnung f√ľr gute Dienste, insbesondere im Krieg, oft angewendet. So konnte ein Qma Geschenke, Erleichterungen seiner Aufgaben und sogar Landbesitz erhalten. Im Lauf der Zeit wurden diese Belohnungen so oft gew√§hrt, dass in der Bl√ľtezeit Georgiens viele Qma nur noch in einem lockeren Patronatsverh√§ltnis zu ihren Herren standen und ihrerseits untergeordneten Qma gegen√ľber zu Patronen wurden.

Auch die Georgische Orthodoxe Apostelkirche war ein bestimmender Machtfaktor des mittelalterlichen Georgiens. Als Tr√§ger der Religion und damit des herausragenden Merkmals der Georgier gegen√ľber der meist andersgl√§ubigen Umgebung kam ihr eine besondere Bedeutung zu. Zudem war sie eine entscheidende Br√ľcke nach Europa, da sie sich an der griechisch-byzantinischen Kirche orientierte. Sie stellte die oberste Instanz in Fragen der zivilen Rechtsprechung dar und konnten es sich sogar erlauben, K√∂nige und F√ľrsten in ihrem Handeln zurechtzuweisen. Die Erziehung des Adels lag fest in ihrer Hand. Gleichzeitig waren die Bisch√∂fe und √Ąbte auch mit umfangreichen weltlichen Machtmitteln versehen. Ausgedehnter Landbesitz und das Patronat √ľber eine gro√üe Anzahl Qma bei gleichzeitiger Befreiung von fast allen Abgaben machten es ihnen sogar m√∂glich eigene Armeen aufzustellen, die diejenigen der K√∂nige bei ihren Feldz√ľgen unterst√ľtzten. Daraus wird ersichtlich, dass es in Georgien, anders als in Westeuropa zwischen Papst und Kaiser kaum zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Katholicos, dem obersten W√ľrdentr√§ger der georgischen Kirche, und dem K√∂nig kam. Sie und ihre Hierarchien existierten gleichberechtigt nebeneinander und verfolgten doch meist die gleichen Ziele.

Das mittelalterliche Rechtssystem in Georgien war gepr√§gt von der √úberwindung der archaischen Stammesrechtssprechung. An die Stelle des alten Blutracheprinzips trat, zumindest in den zentralen Territorien des Reiches, das Blutgeld. Die Ermordung eines Menschen konnte durch die Zahlung eines gewissen Betrags in Geld oder G√ľtern (auch Sklaven) an dessen Familie ges√ľhnt werden. Die H√∂he dieser Summe berechnete sich nach der gesellschaftlichen Stellung sowohl des Ermordeten als auch des M√∂rders. F√ľr Vergehen wie K√∂rperverletzung, Diebstahl oder Ehrverletzung mussten festgelegte Bruchteile des Blutgeldes entrichtet werden. Eine besondere Gnade, die ein Patron seinem Qma erweisen konnte, war die Erh√∂hung des Blutgeldes √ľber die √ľblichen Betr√§ge f√ľr seinen Stand, was einen besonderen Schutz bedeutete. Verbrechen wie Diebstahl oder Raub wurden, wenn der T√§ter auf frischer Tat gefasst wurde, zun√§chst mit der Zahlung von einem Mehrfachen des Wertes des Diebesguts bestraft. Bei Wiederholung der Straftat konnte zur Strafe der Blendung oder Verst√ľmmelung gegriffen werden.

Die niedere Rechtsprechung auf dem Land wurde von umherreisenden Richtern vorgenommen. Diese wurden in der Regel vom K√∂nig, gelegentlich auch von den m√§chtigeren Territorialf√ľrsten berufen. Die Richter bestritten ihren Lebensunterhalt aus dem Anteil an den verh√§ngten Strafen, den sie erhielten. Gleichzeitig mussten sie einen Teil der Strafsumme an den Herrscher abf√ľhren, der sie berufen hatte, und wurden dadurch zu einem wichtigen Element in der Finanzordnung des georgischen Reiches.

Unter Adeligen wurden schwerwiegende Streitigkeiten durch Zweik√§mpfe geregelt. Der Unterlegene wurde in der Regel hingerichtet und sein Besitz fiel an die Krone. In den niederen Schichten wurden Entscheidungen gelegentlich durch Gottesurteile herbeigef√ľhrt.

Fr√ľhe Neuzeit

Georgiens Hauptstadt Tiflis 1671

Als 1453 Konstantinopel fiel, brach der Kontakt zu den christlichen Staaten Europas ab. Gleichzeitig begann sich in Kleinasien eine neue Konfliktlinie aufzuwerfen. W√§hrend die T√ľrken das Osmanische Reich aufbauten, kam es zu einem Wiedererstarken Persiens. In diesem Konflikt wurden die s√ľdlichen Teile Georgiens schnell zu einem Schauplatz der Auseinandersetzungen. Immer wieder gelang es einem der beiden Kontrahenten, in dem einen oder anderen F√ľrstentum die Kontrolle zu erlangen.

1512 besetzten die Osmanen kampflos Samzche und unterwarfen von dort aus Imeretien. Die jeweiligen Herrscher blieben als Vasallen der T√ľrken im Amt. Die Perser unterst√ľtzten Bagrat III. von Imeretien, der 1535 Samzche eroberte. Die T√ľrken nahmen ihm jedoch schon 1545 das Territorium wieder ab und r√ľsteten seine Festungen mit starken Garnisonen aus. Von diesem Zeitpunkt an setzte sowohl vom Westen durch die Osmanen, als auch vom Osten durch die Perser ein schleichender Unterwerfungsprozess ein, in dessen Verlauf sich einzelne Kleinf√ľrsten unter den Schutz eines der beiden Gro√üreiche stellten.

Einmal flackerte noch eine georgische Zentralmacht auf. Zwischen 1577 und 1599 gelang es Simon von Kartli mit persischer Unterst√ľtzung, die T√ľrken aus seinem F√ľrstentum zu vertreiben und sie in anderen Landesteilen empfindlich zu schlagen. Als sein Vasall jedoch zu stark wurde, beschloss der Schah, ihn gefangen zu nehmen und seinen Sohn Giorgi X. auf den Thron zu setzen.

Die Bev√∂lkerung hatte in beiden Einflussgebieten gleicherma√üen unter schweren √úbergriffen zu leiden. Sowohl die Perser als auch die Osmanen betrieben Sklavenhandel, verschleppten Georgier in andere Teile ihres Reiches um und zwangen die F√ľrsten des Landes dazu, ihnen Truppen f√ľr ihre Feldz√ľge zur Verf√ľgung zu stellen. Als Reaktion kam es zu wiederholten Aufst√§nden der Landbev√∂lkerung, teilweise mit Unterst√ľtzung georgischer F√ľrsten, die jedoch immer erfolglos blieben. Auch zwischen den einzelnen F√ľrstent√ľmern herrschten erbitterte Fehden, die meist von den Besatzungsm√§chten unterst√ľtzt wurden.

Einen Verb√ľndeten gegen die fremden Herrscher suchten Georgiens F√ľrsten bei Russland, dem einzigen christlichen Gro√üreich in der N√§he. Schon seit dem Ende des 15. Jahrhunderts war es zu Kontakten zwischen georgischen und russischen F√ľrsten gekommen. Trotz erfolgreicher Feldz√ľge in Daghestan 1604 unter Boris Godunow war Russland √ľber lange Zeit zu schwach, das persische und das osmanische Reich dagegen zu stark, dass es im Kaukasus intervenieren konnte. Teimuras I. von Kachetien (1586-1663) versuchte erfolglos, sich gegen die persische Oberhoheit aufzulehnen. Daraufhin wurde die K√∂nigsw√ľrde in Kartlien unter Wachtang V. 1656 erstmals mit dem Titel eines persischen Vizek√∂nigs verbunden. Ostgeorgien wurde so ein integraler Bestandteil des persischen Reiches. Damit wurde der osmanisch-persische Vertrag von 1636 umgesetzt, der das Lichi-Gebirge als Grenze bilateraler Interessen festgelegt hatte.

18. Jahrhundert

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzten mit dem Zerfall des persischen Reiches und dem Aufstieg Russlands umfassende Ver√§nderungen in Transkaukasien ein. Als Peter I. 1722 einen Feldzug in den Nordkaukasus f√ľhrte, hoffte Wachtang VI. auf russische Unterst√ľtzung, um Georgien aus dem Persischen Reich zu l√∂sen. Er griff mit seiner Armee die Stadt Ganja an. Doch Russland griff nicht ein. Die Perser entsandten K√∂nig Konstantin von Kachetien, der Wachtangs Armee schlug und im folgenden Jahr Tiflis eroberte. Ein Jahr sp√§ter kehrte Wachtang mit einer t√ľrkischen Streitmacht zur√ľck und eroberte seine Hauptstadt zur√ľck. Doch bereits 1725 fiel er bei den Osmanen in Ungnade, musste nach Russland fliehen.

Auch in anderen Teilen Persiens f√ľhrten die T√ľrken erfolgreiche Offensiven. 1726 waren sie faktisch die beherrschende Macht in Transkaukasien und nahmen eine Neuaufteilung des Territoriums vor, um Georgien fest in den t√ľrkischen Staatsverband einzuf√ľgen. Das f√ľhrte zu zahlreichen Aufst√§nden und √úberf√§llen, bei denen die Georgier sich einer Guerillataktik bedienten, um unter der Anf√ľhrung einiger entmachteter F√ľrsten die T√ľrken zu vertreiben. Mehrere √úberf√§lle lesghrischer Reiter trafen die T√ľrken schmerzhaft. 1733 gelang es mit abchasischer Unterst√ľtzung, ein komplettes t√ľrkisches Landungsheer zu vernichten.

In dieser Lage kam es zu einem erneuten Auflodern der persischen Macht: Nadir Schah schlug die Osmanen auf breiter Front und brachte ihr gesamtes √∂stliches Reichsgebiet zum Zusammenbruch. 1735 erobert Nadir auch Georgiens s√ľdliche St√§dte, darunter auch Tiflis. Er verw√ľstete Kartlien und stellte Transkaukasien unter die Regentschaft seines Bruders Ibrahim. Georgische F√ľrsten mussten Nadir mit ihren Soldaten auf einen Feldzug nach Indien begleiten, die Bev√∂lkerung hatte hohe Steuern zu entrichten und Nahrungsmittel abzuliefern.

Als Nadir 1741 in Daghestan geschlagen wurde und sich nach Derbend zur√ľckzog, wurde die Lage f√ľr die Georgier noch h√§rter. Die persischen Truppen konfiszierten Nahrungsmittel, Tiflis und andere georgische St√§dte wurden mehrfach von indischen und afghanischen S√∂ldnern gepl√ľndert. Revolten fanden ein blutiges Ende. Viele Georgier, auch F√ľrsten, flohen in das Osmanische Reich. In einem 1743 ausgebrochenen Krieg k√§mpften Kartlien und Kachetien unter Teimuras II. auf der Seite der Perser gegen die lesghrischen Verb√ľndeten der T√ľrken. Danach begann Teimuras, die Unabh√§ngigkeit seines Landes anzustreben, bereitete sich auf die Abwehr einer erneuten persischen Invasion vor. Dazu kam es jedoch nicht, weil Nadir 1747 ermordet wurde und Persien endg√ľltig in internen Auseinandersetzungen versank.

Ab dem gleichen Jahr regierte Irakli II. zusammen mit seinem Vater Teimuras √ľber Kartlien und Kachetien. Durch Feldz√ľge mit gro√üen S√∂ldnerheeren aus den umliegenden V√∂lkern konnten beide ihre Herrschaft nach S√ľdosten und Abchasien ausdehnen. Gegen die √úberf√§lle der Lesghrier, der Kurden und den armenischen Schahs des zerfallenden Persien blieben sie jedoch meist erfolglos. Viele der alten F√ľrstent√ľmer des Landes blieben au√üerhalb des Einflussgebiets des georgischen K√∂nigs. Westgeorgien befand sich unter der unsicheren Herrschaft von Salomon I. und Samzche geh√∂rte zum Osmanischen Reich. Trotzdem gelang es Irakli ein stabiles Regime, auch gegen den eigenen Adel, zu erhalten. Er holte Gelehrte, H√§ndler und Offiziere aus Westeuropa in das Land, um die Entwicklung voranzutreiben.

In der zweiten H√§lfte des 18. Jahrhunderts kam es zur verst√§rkter Zusammenarbeit zwischen den √∂stlichen und westlichen Landesteilen, indem sie Russland im 5. Russischer T√ľrkenkrieg unterst√ľtzten. 1770 schickte Zarin Katharina eine Armee unter General Gottlob Heinrich von Tottleben in den Kaukasus. Zusammen mit den Truppen Iraklis und Salomons besiegten sie die T√ľrken. 1772 gelang es Irakli noch einmal, die T√ľrken zu schlagen. Beim Friedensvertrag von 1774 zwischen Russland und dem osmanischen Reich wurden die Georgier jedoch kaum ber√ľcksichtigt.

Ein Jahr nachdem 1782 Salomon nach einer vernichtenden Niederlage gegen die T√ľrken gestorben war, unterstellte Irakli Ostgeorgien (Kartlien-Kachetien) im Vertrag von Georgijewsk russischem Schutz. Darin wurde die Kontrolle √ľber die georgische Au√üenpolitik an Russland abgegeben. Die Stra√üen √ľber den Kaukasus wurden ausgebaut und russische Truppen in Tiflis stationiert.

1789 gelang es Irakli, seinen eigenen Enkel David II. auf den Thron Imeretiens zu setzen. 1795 marschierte unerwartet Aga Mohammed Khan in das Land ein, vernichtete die √ľberraschte Armee und verw√ľstete Tiflis. 1796 vertrieben russische Truppen die Invasoren aus Transkaukasien. Einen persischen Gegenschlag verhinderte der Tod des Schahs im Fr√ľhjahr 1797. Ein Jahr sp√§ter starb auch Irakli II., dem sein Sohn Giorgi XII. auf den Thron folgte.

Im Russischen Reich, 1801‚Äď1917

Georgien im Russischen Reich, 1882: Die Gouvernements Tiflis, Kutais und Kars sowie der Bezirk Sochumi

Die Perser √ľbten auf Giorgi einen subtilen Einfluss aus. Als er ein B√ľndnis mit dem Schah in Erw√§gung zu ziehen schien, intervenierte Zar Paul und schickte Truppen nach Tiflis. Die Perser versuchten eine Entscheidung zu erzwingen, indem sie 1800 eine Armee mit einem √ľbergelaufenen Bruder Iraklis in Marsch setzten. Die russischen Verb√§nde erwiesen sich jedoch als siegreich.

Giorgi f√ľrchtete eine erneute persische Invasion und schlug Russland die Eingliederung Georgiens in Russland vor. Er verlangte jedoch, dem georgischen K√∂nigshaus die Krone zu belassen. Am 19. November 1800 lag eine entsprechende diplomatische Note vor, die von georgischen Gesandten mit dem russischen Au√üenminister in Sankt Petersburg ausgehandelt worden war. Noch bevor die Note von beiden Seiten ratifiziert wurde, verf√ľgte Zar Paul I. am 18. Januar 1801 in einem einseitigen Dekret die Annexion Georgiens.[7][8][9] Ostgeorgiens Thronfolger David Batonischwili wurde vier Monate sp√§ter von der Macht entfernt, durch eine Regierung unter dem russischen General Iwan Petrowitsch Lasarew ersetzt und schlie√ülich au√üer Landes gebracht.[10] Im April 1802 wurde die Aristokratie mit Waffengewalt zum Eid auf die russische Kaiserkrone gezwungen.[11][12] 1802 bis 1804 sowie 1812 kam es zu antirussischen Aufst√§nden in k√∂nigstreuen Bergregionen sowie in Teilen Kartliens und Kachetiens.[13] Sie blieben jedoch erfolglos, da sich rund 10.000 russische Soldaten im Land befanden.

Die Regionen im Westen des Landes blieben noch ein Jahrzehnt lang staatlich unabh√§ngig. Erst 1810 eroberte Russland das georgische K√∂nigreich Imeretien. Russland brauchte weitere 54 Jahre, die vollst√§ndige Kontrolle √ľber Westgeorgien zu gewinnen. Die Region Gurien wurde 1828 abgeschafft, Mingrelien 1857. Die Region Swanetien wurde zwischen 1857 und 1859 annektiert, das F√ľrstentum Abchasien 1864.[14]

Woronzow-Denkmal in Tiflis, 1890

Georgien wurde einer intensiven Russifizierung unterworfen, um das soziale und kulturelle System dem Russlands anzupassen. Zugleich √∂ffnete die russische Herrschaft Georgien f√ľr Europa. Tiflis wurde zum Paris des Ostens. In Georgien bl√ľhten Aufkl√§rung, Liberalismus und modernes Nationalbewusstsein. Die Br√ľder Bagration √ľbersetzen Werke der europ√§ischen Literatur ins Georgische. Deutsche siedelten in S√ľdgeorgien. Unter der Egide des russischen Gouverneurs Alexei Jermolow fanden nach 1825 Verbannte des gescheiterten liberalen Dekabristenaufstandes in Georgien Unterschlupf. Ein aufst√§ndisches Regiment aus Sankt Petersburg, dem besonders viele Mitglieder der liberalen Intelligenz angeh√∂rten, wurde nach Georgien deportiert und verband sich mit der dortigen Oberschicht.

Georgien dr√§ngte auf Eigenst√§ndigkeit. 1832 scheiterte ein Versuch, die Bagratiden-Dynastie wieder an die Macht zu bringen. Der Zar entsandte F√ľrst Michail Woronzow, um als Vizek√∂nig des Kaukasus die russische Herrschaft zu sichern. Der in England erzogene Woronzow modernisierte Handel, Industrie, St√§dtebau und Verkehrswesen, gr√ľndete 1845 das erste Theater und 1846 die erste √∂ffentliche Bibliothek in Transkaukasien. 1866 wurde in Georgien die Leibeigenschaft abgeschafft.

In der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Unzufriedenheit der Georgier zu einer nationalen Befreiungsbewegung. 1905 brach ein gro√üangelegter Bauernaufstand aus, dem politische Reformen folgten und Spannungen zeitweise abbauten. F√ľhrende politische Kraft wurde die menschewistische Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Bei den Wahlen zur russischen Staatsduma 1905 errang sie in Georgien s√§mtliche Sitze.

Erste Republik, 1917‚Äď1921

Unabhängigkeitserklärung Georgiens, Mai 1918
‚Üí Hauptartikel: Demokratische Republik Georgien

1917 brachte die Februarrevolution in Russland auch in Georgien die zaristische Ordnung zum Fall. Georgien bildete zusammen mit Armenien und Aserbaidschan ein Besonderes Transkaukasisches Komitee (russisch Osobyi Zakavkazskii Komitet), das in der Umbruchphase f√ľr Ordnung sorgen sollte. Ihm folgte von April bis Mai 1918 die Transkaukasische F√∂deration. Ihre milit√§rischen Kr√§fte waren jedoch zu schwach, um die drei L√§nder gegen die T√ľrkei zu sch√ľtzen, deren Truppen den abziehenden russischen Streitkr√§ften unmittelbar nachr√ľckten.

Um Georgien vor einer t√ľrkischen Eroberung zu bewahren, nahm die georgische Nationalversammlung (georgisch Dampudsnebeli Kreba) Verhandlungen mit Deutschland auf, das bereit war, ein unabh√§ngiges Georgien vor dem Zugriff des Osmanischen Reiches zu sch√ľtzen. Als Gegenleistung verlangte Berlin Privilegien bei der Ausbeutung von Mangan und Kupfer sowie dem √Ėltransfer vom Kaspischen Meer. Die Reichsregierung hatte bereits 3.000 deutsche Soldaten in Georgien stationiert, um die Belieferung der deutschen Schwerindustrie mit Rohstoffen zu sichern.

Am 26. Mai 1918 erkl√§rte sich Georgien als Demokratische Republik Georgien f√ľr unabh√§ngig. Zwei Tage sp√§ter erkannte Deutschland die Republik als erster Staat an. Es folgten Rum√§nien, Argentinien, die T√ľrkei. In einem Zusatzabkommen zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk, das am 27. August 1918 in Berlin unterzeichnet wurde, verzichtete Sowjetrussland auf Georgien. Nach der Kapitulation Deutschlands im November des gleichen Jahres √ľbernahm Gro√übritannien den Schutz Georgiens. Sowjetrussland erkannte es am 7. Mai 1920 v√∂lkerrechtlich an. Das Land nahm an der Friedenskonferenz von Versailles teil und wurde am 27. Januar 1921 Mitglied des V√∂lkerbundes.

Erster Premierminister Georgiens wurde im Juni 1918 der Sozialdemokrat Noe Ramischwili. Er stand einem Koalitionskabinett aus menschewistischen Sozialdemokraten, National-Demokraten und Sozial-F√∂deralisten vor. Nach einem Erdrutschsieg der Sozialdemokraten bei Parlamentswahlen im Februar 1919 folgte ihm Premier Noe Schordania. Die Regierung setzte eine Agrarreform und eine umfassende Sozialgesetzgebung durch, f√ľhrte den Acht-Stunden-Tag ein und ging hart gegen bolschewistische und separatistische Bewegungen in Georgien vor. Am 21. Februar 1921 verabschiedete das Parlament Georgiens erste Verfassung nach dem Vorbild der Schweiz.

Am 11. Februar 1921 marschierte die 11. Armee der Roten Arbeiter- und Bauernarmee in Georgien ein. Tiflis wurde am 25. Februar von drei Seiten angegriffen und trotz heftigen Widerstands der demokratischen Volksgarde besetzt. Bei der Verteidigung der Hauptstadt fielen √ľber 300 Kadetten der Tiflisser Milit√§rschule. Am gleichen Tag wurde die Georgische Sozialistische Sowjetrepublik ausgerufen. Die demokratische Regierung floh zun√§chst nach Kutaissi, dann nach Batumi und ging am 17. M√§rz au√üer Landes. Das Parlament war einen Tag zuvor ein letztes Mal zusammengetreten.

Zweite Republik, 1921‚Äď1991

Die Rote Armee besetzt Tiflis, Februar 1921

Sowjetisierung

Am 6. April 1921 wurde s√§mtlicher Grundbesitz in Georgien enteignet und verstaatlicht. Der georgische Staat wurde systematisch zerschlagen. Er verlor ethnisch umstrittene Grenzgebiete an seine Nachbarn. Auf seinem Boden wurden ein Autonomer Oblast S√ľdossetien, eine Abchasische Sozialistische Sowjetrepublik und eine Adscharische Sozialistische Sowjetrepublik eingerichtet. Im Dezember 1922 ging Georgien in der Transkaukasischen F√∂derativen Sozialistischen Sowjetrepublik (TFSSR) auf, zu der auch Armenien und Aserbaidschan geh√∂rten. Erst 1936 entstand die formal eigenst√§ndige Georgische Sozialistische Sowjetrepublik.

Am 28. August 1924, dem georgischen Mari√§ Himmelfahrtstag (georgisch Mariamoba), kam es zum August-Aufstand gegen die sowjetische Besatzung. Die Aufst√§ndischen wurden von der Exilregierung in Paris unterst√ľtzt und bedienten sich einer Vielzahl versteckter Waffen. Der Befehlshaber der Roten Armee in Georgien wurde von einem einheimischen Piloten get√∂tet, der das Flugzeug im Stil der TokkŇćtai abst√ľrzen lie√ü. Stalin lie√ü den Aufstand niederschlagen und die Organisatoren hinrichten.

Flagge der Georgischen SSR

√úber 30.000 Georgier, vor allem Adlige, Gro√ügrundbesitzer, Monarchisten aus der politischen und sozialen Elite des Landes, wurden zwischen 1921 und 1924 erschossen oder verschwanden in sowjetischen Straflagern. Den Stalinschen S√§uberungen 1935‚Äď1938, 1942 und 1945‚Äď1950 fielen ca. 50.000 Georgier zum Opfer. Unter ihnen waren viele Intellektuelle. Fast die H√§lfte der Schriftstellergruppe Blaue H√∂rner (georgisch Tsisperi Kantsebi) kam dabei um. Ihr Schicksal wird in dem 2006 er√∂ffneten Museum der sowjetischen Besatzung in Tiflis dokumentiert.

Zweiter Weltkrieg

Obgleich es ein Kriegsziel Adolf Hitlers war, die kaukasischen √Ėlfelder zu erreichen, kamen die Achsenm√§chte kaum √ľber das georgische Grenzgebiet hinaus. Das Reichsministerium f√ľr die besetzten Ostgebiete legte im Januar 1942 einen Entwurf f√ľr den Generalbezirk Georgien vor. Er sollte einem neuzugr√ľndenden Reichskommissariat Kaukasien unterstellt werden. Die Organisation Todt plante eine Autobahn entlang der abchasischen Schwarzmeerk√ľste durch die Kolchische Tiefebene und die Transkaukasische Senke nach Baku. Die Pl√§ne blieben jedoch in der Schublade. Die deutsche Wehrmacht √ľberschritt 1942 die georgische Grenze in Abchasien, besetzte das Gebirgsdorf P√üchu, 20 km vor der K√ľste des Schwarzen Meeres bei Gudauta, musste sich dann jedoch zur√ľckziehen.

Georgier kämpften auf beiden Seiten der Front: Mindestens 30.000 in den Reihen der Ostlegionen der Wehrmacht, in der Georgischen Legion, der Nordkaukasischen Legion und anderen Legionen ethnischer Kaukasier. Sie wurden jedoch nicht an der Ostfront eingesetzt. Im April 1945 erhob sich ein georgisches Bataillon im Georgischen Aufstand auf der Nordseeinsel Texel gegen die Wehrmacht.

Die Mehrheit, √ľber 700.000 Georgier, k√§mpfte in den Reihen der Roten Armee. 2.500 georgische Rekruten verteidigten die Festung von Brest gegen den deutschen Angriff. Das Land wurde ein wichtiger Standort der Munitionsproduktion. Es produzierte Flugzeuge, automatische Gewehre, Granatwerfer und Kugeln. Der georgische Sergeant Meliton Kantaria hisste die sowjetische Fahne als Zeichen des Sieges auf dem Berliner Reichstagsgeb√§ude. Bei Tiflis entstanden 1942 mehrere Kriegsgefangenenlager f√ľr deutsche Soldaten von der Kaukasusfront, von Melitopol, Nikopol, der Krim und der Heeresgruppe Mitte. Sie wurden Anfang der 1950er-Jahre geschlossen.

Modernisierung und Korruption

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr Georgien einen Schub der Industrialisierung und Urbanisierung. Rustawi wurde zu einem schwerindustriellen Zentrum ausgebaut. Im Zuge der Entstalinisierung kam es 1956 zum Massaker von Tiflis als tausende Georgier, auf die Stra√üen gingen, um der Verletzung ihres Nationalstolzes Luft zu machen. Mindestens 80, m√∂glicherweise mehr als 150 Menschen wurden von der Armee get√∂tet als die friedlichen Demonstrationen in einen Aufstand gegen die sowjetische Herrschaft m√ľndeten.

Das Dezentralisierungsprogramm, das Chruschtschow Mitte der 1950er Jahre einf√ľhrte, wurde von der georgischen Kommunistischen Partei genutzt, um ihre regionale Machtbasis auszubauen. Neben der offiziellen staatlichen Wirtschaft entstand eine florierende private Schattenwirtschaft, die Georgien zu einer der erfolgreichsten Sowjetrepubliken machte, zugleich aber auch zu einer stark ansteigenden Korruption f√ľhrte.

Obgleich Korruption in der Sowjetunion nicht unbekannt war, verbreitete sie sich in Georgien derma√üen offensichtlich, dass sie die Leitung in Moskau in Verlegenheit brachte. Selbst h√∂chste √Ąmter galten als k√§uflich. Eduard Schewardnadse, zwischen 1964 und 1972 Innenminister in Tiflis, machte sich einen Namen als Streiter gegen die Korruption und organisierte die Abl√∂sung von Wassili Mschawanadse, den korrupten Ersten Parteisekret√§r der Georgischen Kommunistischen Partei. Schewardnadse stieg mit dem Segen Moskaus zum Ersten Parteisekret√§r auf. Von 1972 bis 1985 lenkte er Georgien effektiv, verbesserte die Staatswirtschaft und entlie√ü hunderte korrupter Funktion√§re.

Nationalismus

Georgien in der Sowjetunion, 1951‚Äď1991

Die 1970er Jahre brachten eine Wiederbelebung des georgischen Nationalismus. Um Swiad Gamsachurdia und Merab Kostawa bildete sich eine kleine, aber effektive nationalistische Opposition. Sie verlangte, die Russifizierung Georgiens zu stoppen und die kulturelle Identit√§t des Landes zu sch√ľtzen. 1978 kam es zu Protesten von Mitarbeitern und Studenten der Staatlichen Universit√§t Tiflis gegen die Verankerung des Russischen als Amtssprache in der georgischen Verfassung. 16 Studenten wurden zwangsexmatrikuliert. Die Verfassungs√§nderung musste r√ľckg√§ngig gemacht werden.

1978 drohte Abchasien von Georgien abzufallen. F√ľhrende abchasische Politiker beklagten eine unfaire Behandlung ihrer Volksgruppe in kulturellen, linguistischen, politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Schewardnadse l√∂ste die Krise, indem er den Abchasiern mehr Teilhaberechte einr√§umte.

Zu einer Wirtschaftskrise f√ľhrte Schewardnadses Versuch, Georgiens Bauern zu reglementieren. Sie sollten nicht l√§nger mehr als eine Kuh besitzen und ihre G√ľter nicht frei auf M√§rkten verkaufen d√ľrfen. S√§mtliche Agrarprodukte waren statt dessen beim Kolchos abzuliefern. Das f√ľhrte zu einer derartigen Verknappung an Lebensmitteln, dass von 1980 bis 1984 Lebensmittelkarten eingef√ľhrt werden mussten. Die legal verkaufte Butter wurde monatlich auf 600 Gramm, der legal verkaufte Zucker auf monatlich ein Kilogramm pro Person reduziert.

Gegen immer wieder aufflackernde Systemopposition ging Schewardnadse mit harter Hand vor. Die kritische Journalistin Nasi Schamanauri lie√ü er zu Beginn der 1980er-Jahre vor Gericht stellen und sp√§ter in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wo sie umkam. Im November 1983 scheiterte die Tiflisser Flugzeugentf√ľhrung, ein Fluchtversuch mehrerer junger Georgier. Sie hatten eine Linienmaschine der Aeroflot entf√ľhrt und vergeblich versucht, sie zur Landung in der T√ľrkei zu zwingen. Nach ihrer R√ľckkehr wurden sie im August 1984 mit Schewardnadses Billigung zum Tode verurteilt und hingerichtet. Vergeblich hatte eine unabh√§ngige Initiative Unterschriften f√ľr ihr Leben gesammelt. Der M√∂nch Theodor Tschichladse wurde als "R√§delsf√ľhrer" erschossen.

Perestroika

Schewardnadses Ernennung zum sowjetischen Außenminister 1985 brachte Jumber Patiaschwili an die Spitze der georgischen Kommunisten, einen konservativen und ineffektiven Funktionär, der mit den Herausforderungen der Perestroika-Periode nicht zurechtkam. Ende der 1980er-Jahre kam es zu zunehmend gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den kommunistischen Machthabern und der wiedererstehenden georgischen Nationalbewegung sowie den Nationalbewegungen in den von ethnischen Minderheiten bewohnten Gebieten.

Der oppositionelle Druck manifestierte sich in Demonstrationen und Streiks. Am 9. April 1989 l√∂sten sowjetische Fallschirmj√§ger unter F√ľhrung von General Igor Rodionov eine gewaltfreie Demonstration vor dem Regierungsgeb√§ude in Tiflis mit Spaten und Giftgas auf. 20 Georgier wurden get√∂tet; Hunderte verletzt. Der Vorfall radikalisierte die georgische Politik, veranlasste viele Menschen, auch Kommunisten, zu dem Schluss, dass die staatliche Unabh√§ngigkeit einer Fortsetzung der sowjetischen Herrschaft vorzuziehen sei.

Am 28. Oktober 1990 kam es zu Mehrparteien-Wahlen zum Obersten Sowjet. Wahlsieger wurde das nationalistische Wahlb√ľndnis Runder Tisch - Freies Georgien (georgisch Mrgvali Magida Tavisupali Sakartvelo). Es erhielt 62% der W√§hlerstimmen. Sein Vorsitzender Swiad Gamsachurdia wurde Vorsitzender des Obersten Sowjets Georgiens.

F√ľr den 31. M√§rz 1991 organisierte Gamsachurdia ein Referendum √ľber die staatliche Unabh√§ngigkeit, das mit 98,9 % der Stimmen best√§tigt wurde. Die Unabh√§ngigkeit Georgiens wurde am 9. April 1991 erkl√§rt. Gamsachurdia wandte sich gegen jede Dominanz der Sowjetunion in Georgien, forderte die Aufl√∂sung der sowjetischen Milit√§rbasen im Lande und weigerte sich, an der Gr√ľndung der Gemeinschaft Unabh√§ngiger Staaten (GUS) teilzunehmen.

Dritte Republik, ab 1991

√Ąra Gamsachurdia

Flagge Georgiens 1991‚Äď2004

Swiad Gamsachurdia wurde am 26. Mai 1991 mit 86% der Stimmen zum ersten Pr√§sidenten Georgiens gew√§hlt. Seine Politik wurde innenpolitisch zunehmend sprunghaft und autorit√§r, au√üenpolitisch ging er auf Konfrontationskurs mit Russland. Er lie√ü sich mit diktatorischen Vollmachten ausstatten, verhaftete Oppositionsf√ľhrer. Nationalisten und Reformisten vereinten ihre Kr√§fte in einer Anti-Gamsachurdia-Koalition. Die angespannte Situation wurde durch eine wachsende Macht verschiedener paramilit√§rischer Gruppen versch√§rft. Am 22. Dezember 1991 organisierten paramilit√§rische Gruppen und Teile der Nationalgarde unter Tengis Kitowani und Dschaba Iosseliani mit russischer Unterst√ľtzung einen Milit√§rputsch, belagerten Gamsachurdia und die Pr√§sidialgarde im Parlamentsgeb√§ude in der Innenstadt von Tiflis. Nach offiziellen Sch√§tzungen starben dabei zwischen 100 und 1.000 Menschen, nach inoffiziellen Sch√§tzungen rund 2.000. Gamsachurdia konnte seinen Gegnern entkommen, fl√ľchtete mit seiner Familie und rund 200 bewaffneten Anh√§ngern im Januar 1992 zun√§chst nach Armenien, dann nach Sochumi und schlie√ülich nach Grosny in Tschetschenien.

Die siegreichen Streitkräfte luden Eduard Schewardnadse im März 1992 ein, Vorsitzender eines neugebildeten Staatsrates zu werden. Er gab dem Staatsstreich ein moderates Antlitz und Georgien neues Ansehen. Im August 1992 eskalierte ein Konflikt mit separatistischen Kräften in Georgiens Autonomer Republik Abchasien. Tiflis entsandte die Nationalgarde und paramilitärische Verbände, um die separatistischen Aktivitäten zu unterbinden. Die Separatisten wehrten sich mit Hilfe der Gruppe der Russischen Streitkräfte in Transkaukasien und im September 1993 erlitten die Regierungsstreitkräfte eine katastrophale Niederlage. Die gesamte georgische Bevölkerung wurde aus der Autonomen Republik vertrieben. Rund 50.000 Menschen starben und etwa 200.000 mussten fliehen.

Ethnische Gewaltt√§tigkeiten flammten auch in S√ľdossetien auf, wurden dort schlie√ülich unterdr√ľckt. Das kostete mehrere hundert Menschen das Leben und viele Georgier und Osseten flohen aus dem Gebiet. Als Folge wurden 1992 UN-Friedenstruppen in die abtr√ľnnigen Gebiete entsandt, denen auch 2000 russische Soldaten angeh√∂ren. Im S√ľdwesten Georgiens kam die Autonome Republik Adscharien unter die Kontrolle von Aslan Abaschidse, der die Republik von 1991 bis zu seinem R√ľcktritt 2004 wie ein pers√∂nliches F√ľrstentum f√ľhrte, in dem Tiflis nur wenig Einfluss hatte.

Am 24. September 1993, am Ende des Abchasienkonflikts, kehrte Swiad Gamsachurdia aus dem Exil zur√ľck, um einen Aufstand gegen die Regierung zu organisieren. Seine Anh√§nger konnten Nutzen aus der Unordnung der Regierungsstreitkr√§fte ziehen und √ľberrannten einen gro√üen Teil Westgeorgiens. Russland war alarmiert. Einheiten der russischen Armee wurde nach Georgien entsandt, um der Regierung zu helfen. Gamsachurdias Rebellion brach schnell in sich zusammen. Er starb am 31. Dezember 1993 nachdem er von seinen Gegnern in die Enge getrieben worden war. Schewardnadses Regierung schloss sich als Preis f√ľr die erfahrene milit√§rische und politische Unterst√ľtzung gegen starke Str√∂mungen in Georgiens √∂ffentlicher Meinung im M√§rz 1994 der Gemeinschaft Unabh√§ngiger Staaten (GUS) an. 1995 sicherte er Russland die √úberlassung von drei Milit√§rbasen in Georgien auf die Dauer von 20 Jahren zu.

√Ąra Schewardnadse

Eduard Schewardnadse 1997

Im August 1995 entkam Schewardnadse einem Bombenattentat auf seine Regierungslimousine. Er gab die Schuld daf√ľr seinen bisherigen paramilit√§rischen Alliierten und lie√ü den Milit√§rf√ľhrer Dschaba Iosseliani verhaften. Die paramilit√§rische Miliz Sakartwelos Mchedrioni wurde als Mafiaverband aufgel√∂st. Im Oktober setzte die Mehrheit der Georgier in einer Volksabstimmung eine moderne westliche Verfassung in Kraft, die Grundfreiheiten und Demokratie garantierte. Im November des gleichen Jahres gewann Schewardnadse die Pr√§sidentschaftswahlen mit 70 % der Stimmen.

Die √Ąra Schewardnadse war durch enge Beziehungen zu den USA, regelm√§√üige Reibungen mit Russland, ein Ansteigen der Korruption und wirtschaftliche Stagnation gepr√§gt. Der Pr√§sident nutzte die geopolitische Lage Georgiens als Transitland f√ľr √Ėl vom Kaspischen Meer, um als Partner der USA und Westeuropas von Russland unabh√§ngiger zu werden und internationale Hilfsleistungen f√ľr Georgien zu gewinnen. Er unterschrieb eine strategische Partnerschaft mit der NATO, fand Aufnahme im Europarat und erkl√§rte den Wunsch, sowohl der NATO wie der Europ√§ischen Union beitreten zu wollen. 1996 nahm das Verfassungsgericht seine Arbeit auf, 1997 wurde die Todesstrafe abgeschafft. Bei den zweiten demokratischen Parlamentswahlen im Oktober 1999 errang Schewardnadses B√ľrgerunion die absolute Mehrheit.

Die USA wurden zum st√§rksten Geberland Georgiens f√ľr wirtschaftliche und milit√§rische Hilfen. Schewardnadse sicherte seinem Land das drei Milliarden Dollar schwere Investitionsprojekt einer √Ėlpipeline von Aserbaidschan in die T√ľrkei, die so genannten Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC). Im Mai 2002 entsandten die USA mehrere hundert Milit√§rausbilder, um die georgische Armee zu bef√§higen, gegen tschetschenische und islamische Partisanen im Grenzgebiet zu Russland zu k√§mpfen.

Das f√ľhrte zu Spannungen mit Russland, das Georgien nach wie vor als sein Einflussgebiet betrachtet. Es nutzte die ihm zugewandten Sezessionsgebiete Abchasien, S√ľdossetien und Adscharien, um Druck auf Georgien auszu√ľben. Von den vier aus sowjetischen Zeiten stammenden Milit√§rbasen wurden zwei, Wasiani und Gudauta, im Sommer 2002 aufgel√∂st. Zugleich verz√∂gerte Russland den 1999 in Istanbul vereinbarten Truppenabzug aus den Milit√§rbasen in Batumi und Achalkalaki.

Innenpolitisch verlie√ü sich Schewardnadse auf das zu Sowjetzeiten erlernte politische Instrumentarium. Unmittelbar nach seiner Wahl 1995 berief er Vertreter der fr√ľheren Nomenklatura in Schl√ľsselstellungen der Regierung. Reformer erhielten vergleichsweise einflusslose √Ąmter. Die Ex-Nomenklatura teilte das lukrative Staatseigentum unter sich auf, zahlte daf√ľr nur geringe Kaufsummen. Allm√§hlich bildete sich um den Pr√§sidenten eine mafiose Clanstruktur, gegen die keine anderen staatlichen Institutionen vorzugehen wagten.

Wirtschaftlich f√ľhrte dieser Weg in die Stagnation. Der erwartete Aufschwung blieb aus. Kleine und mittelst√§ndische Firmen wurden zugunsten von Unternehmen, die von Regierungsmitgliedern gef√ľhrt wurden, vom Markt gedr√§ngt. Ausl√§ndische Investoren wurden zugunsten von Clan-Firmen benachteiligt. Internationale Hilfen in Milliardenh√∂he, die bestimmt waren, die georgische Wirtschaft anzuschieben, versickerten in den Taschen einiger weniger. Transparency International z√§hlte Georgien zu den zehn korruptesten L√§ndern der Welt.

Parlamentspr√§sident Surab Schwania forderte Schewardnadse im August 2001 in einem offenen Brief auf, der Korruption ein Ende zu bereiten. "Lehrer verdienen 15 Euro im Monat, w√§hrend Minister sich im Zentrum von Tiflis Pal√§ste errichten", emp√∂rte sich Schwania: "Das √ľberschreitet alle Grenzen des Zynismus." 2003 stellte der Internationale W√§hrungsfonds wegen des unordentlichen Staatshaushalts seine Unterst√ľtzung f√ľr Georgien ein. Dar√ľber hinaus zerfiel zwischen Herbst 2001 und Sommer 2002 die Fraktion der Regierungspartei, die eine absolute Mehrheit im Parlament hatte, in mehrere Gruppen.

Hatte Schewardnadse noch zu den Pr√§sidentschaftswahlen im April 2000 eine gro√üe Mehrheit gewinnen k√∂nnen, kam es im Herbst 2001 in Tiflis zu einem handfesten Aufstand. Ausl√∂ser war eine Razzia bei der regierungskritischen Fernsehstation Rustawi-2. Rund 5.000 Menschen gingen unter F√ľhrung des fr√ľheren Justizministers Micheil Saakaschwili auf die Stra√üe und forderten eine Abl√∂sung des Pr√§sidenten. Schewardnadse musste nachgeben und entlie√ü seinen Innenminister und den Geheimdienstchef.

2002 formierte sich die politische Opposition in zwei neuen Parteien, der Nationalen Bewegung Micheil Saakaschwilis und den Vereinigten Demokraten Surab Schwanias. Zu den Parlamentswahlen am 2. November 2003 schloss sich Parlamentspräsidentin Nino Burdschanadse den Reformern an, um die Regierung abzulösen.

Rosenrevolution 2003

Demonstrationen in Tiflis während der georgischen Rosenrevolution 2003
‚Üí Hauptartikel: Rosenrevolution

Die Parlamentswahl vom 2. November 2003 wurde erst nach mehreren Wochen Streit von der Wahlkommission bestätigt. Präsident Schewardnadse wurde nach Bekanntgabe der Ergebnisse von der Opposition massiver Wahlbetrug vorgeworfen, auch die USA sowie weitere ausländische Wahlbeobachter kritisierten die Abstimmung. Am Tag vor dem 22. November gab der Sicherheitschef des Landes Wahlbetrug zu, was die Opposition enorm bestärkte. Am 22. November fand die erste Sitzung des neuen Parlaments statt, die von Abgeordneten der Opposition boykottiert wurde.

Schon in der Nacht zum 22. November 2003 hatten sich Demonstranten vor dem Parlamentsgeb√§ude in Tbilisi versammelt, deren Anzahl zum Nachmittag hin auf √ľber 100.000 anschwoll. Sie forderten den R√ľcktritt von Pr√§sident Schewardnadse, und noch w√§hrend der Er√∂ffnungsrede des Pr√§sidenten st√ľrmten sie unter F√ľhrung von Oppositionsf√ľhrer Micheil Saakaschwili in den Sitzungssaal. Die Sicherheitskr√§fte vor dem Geb√§ude lie√üen die Demonstranten ungehindert passieren. Schewardnadse fl√ľchtete aus dem Geb√§ude und die Opposition sprach von einer samtenen Revolution in Georgien.

Saakaschwili k√ľndigte an, im Falle einer Pr√§sidentschaft Georgien nach westlichem Vorbild in eine Demokratie zu wandeln und umfassende Wirtschaftsreformen durchzuf√ľhren. Die Oppositionspolitikerin und bisherige Parlamentspr√§sidentin Nino Burdschanadse √ľbernahm auf Grundlage der Verfassung kommissarisch die Amtsgesch√§fte des Pr√§sidenten. Beide forderten Neuwahlen.

Russland ließ seine in Georgien stationierten Truppen in den Kasernen und schickte noch am Abend des 22. November 2003 seinen Außenminister Igor Iwanow in das Kaukaususland. Die Staaten der GUS kritisierten zunächst offiziell das Vorgehen der Opposition.

Am Abend des 22. November 2003 rief Pr√§sident Schewardnadse den Ausnahmezustand aus und forderte das Parlament auf, diesen innerhalb von 48 Stunden zu best√§tigen, da er sonst dem Milit√§r die Leitung √ľbergeben werde. Er befand sich seit der Flucht aus dem Parlamentsgeb√§ude jedoch schon au√üerhalb von Tbilisi in einer Residenz.

Am Morgen des 23. November 2003 fand ein Vermittlungsgespr√§ch der Opposition mit Igor Iwanow statt, am Nachmittag traf sich Iwanow dann auch mit Schewardnadse. Am Nachmittag liefen zwei Minister, darunter der Sicherheitschef, sowie Teile der Nationalgarde zur Opposition √ľber. Am Abend erkl√§rte Schewardnadse seinen R√ľcktritt.

Parlamentspr√§sidentin Burschanadse setze Surab Schwania als amtierenden Staatsminister ein, der die Gesch√§fte des Regierungschefs bis zur Neuwahl des Parlaments f√ľhren sollte.

√Ąra Saakaschwili

Amtseinf√ľhrung Pr√§sident Saakaschwilis, 2004

Am 4. Januar 2004 gewann Micheil Saakaschwili die Pr√§sidentschaftswahlen mit einem Erdrutschsieg von 96% der Stimmen. F√ľr wichtige Reformfelder holte er erfolgreiche Auslandsgeorgier als Minister ins Land. Energisch ging er gegen die Korruption im Lande vor. Bestechliche Beamte wurden verhaftet, mussten ihr Eigentum dem Staat √ľbergeben. Die Privatisierung des staatlichen Sektors wurde vorangetrieben. Durch konsequente Reformen gingen die Staatsschulden 2004 erstmals zur√ľck. Es gelang Saakaschwili den adscharischen Machthaber Aslan Abaschidse zu vertreiben und Adscharien mit Georgien wiederzuvereinen.

Am 3. Februar 2005 starb Ministerpr√§sident Surab Schwania an einer Gasvergiftung durch Kohlenmonoxid. Obgleich Polizei, Staatsanwaltschaft und FBI von einem Unfalltod sprachen, bezweifelten Angeh√∂rige diese Version und behaupteten, daf√ľr Beweise zu haben.

Der Frieden in den sezessionistischen Gebieten Abchasien und S√ľdossetien, der von russischen und UN-Friedenstruppen kontrolliert wird, blieb zerbrechlich. Es kam mehrfach zu milit√§rischen Konfrontationen. Pr√§sident Saakaschwili legte am 22. September 2004 vor der UN-Generalversammlung einen Drei-Stufen-Plan zur Beilegung der Regionalkonflikte vor. Die Beziehungen zu Russland bleiben problematisch, weil starke Gruppierungen in Moskau Georgien unver√§ndert als Vasallenstaat betrachten. Russisches Druckmittel ist die Unterst√ľtzung der sezessionistischen Regierungen in Abchasien und S√ľdossetien.

Georgien bleibt ein nach europ√§ischen Ma√üst√§ben sehr armes Land. Investitionen sind nur schwer ins Land zu holen. Die georgische Regierung hat sich gegen√ľber dem Internationalen W√§hrungsfonds und der Weltbank zu wirtschaftlichen Reformen verpflichtet und setzt seine Zukunft auf die Er√∂ffnung der Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline und die Wiederbelebung der alten Seidenstra√üe als eurasischem Korridor. Georgien soll eine Br√ľcke f√ľr den Transit von G√ľtern zwischen Europa und Asien werden. Saakaschwili hat angek√ľndigt, die Staatsfinanzen zu sanieren, L√∂hne und Renten zu erh√∂hen. Au√üerdem f√ľhrte er eine neue Flagge (deren mittelalterlich-christliche Symbolik den orthodoxen Glauben als Grundlage der georgischen Identit√§t herausstreichen soll) und eine Hymne ein.

Am 6. August 2007 kam es laut der georgischen Seite zu einem angeblichen Luftzwischenfall durch ein russisches Kampfflugzeug vom Typ Su-34. Die Maschine soll in den georgischen Luftraum eingedrungen- und eine Luft-Boden-Rakete nahe dem Ort Zitelubani, 65 km n√∂rdlich der Hauptstadt Tiflis, abgefeuert haben. Der Flugk√∂rper schlug allerdings auf, ohne dass der Gefechtskopf explodierte. Nach georgischen Angaben war das Ziel der Rakete die Radarstation nahe der Stadt Gori. Laut Experten aus den USA, Schweden, Lettland und Litauen, welche die Raketentr√ľmmer untersuchten, handelte es sich um Bauteile der russischen Antiradarrakete Ch-58 (NATO-Codename AS-11 Kilter), welche die Luftwaffe Georgiens mit ihren Flugzeugen nicht h√§tte einsetzen k√∂nnen. Dies wird jedoch von russischen Experten bestritten. Georgien beantragte aufgrund des Zwischenfalls eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates, zu der es aber aufgrund mangelnder Beweise nie kam.

In der Nacht zum 8. November 2007 verh√§ngte Pr√§sident Saakaschwili nach mehrt√§gigen Massendemonstrationen der Opposition f√ľr 15 Tage den Ausnahmezustand √ľber das Land. Die Anordnung sei eine Reaktion auf einen Putschversuch, sagte Ministerpr√§sident Surab Noghaideli. Gleichzeitig warf die georgische Regierung russischen Agenten vor, die Unruhen zu sch√ľren. Die Proteste der Regierungsgegner richten sich gegen den ihrer Meinung nach autorit√§ren Regierungsstil des Pr√§sidenten. Sie werfen Saakaschwili, dem Anf√ľhrer der Reformbewegung von 2003, au√üerdem eine Instrumentalisierung der Justiz sowie eine Vergr√∂√üerung der Kluft zwischen Arm und Reich vor. Am Nachmittag desselben Tages verk√ľndete Pr√§sident Saakaschwili, dass er f√ľr den 5. Januar 2008 die geforderten Neuwahlen durchf√ľhren lassen m√∂chte. Es war unklar, wer die Wahl gewinnt, da die zw√∂lf Oppositionsparteien zwar zerstritten waren, zu der Zeit aber √ľber einen gemeinsamen Kandidaten verhandelten. Nach Bekanntgabe des vorgezogenen Wahltermins wurden die Protestkundgebungen eingestellt. Das Parlament best√§tigte unter Abwesenheit der Oppositionsparteien am 7. November den Ausnahmezustand, so dass dieser bis zum 22. November aufrechterhalten werden konnte.[15][16]

Am 16. November 2007 wurde der bisherige Ministerpr√§sident Noghaideli von seinen Pflichten entbunden. Neuer Premier wurde der Banker Lado Gurgenidse. Er wurde am 22. November vom Parlament in seinem Amt best√§tigt. Pr√§sident Saakaschwili trat am 25. November zur√ľck, um den Weg f√ľr Pr√§sidentschafts-Neuwahlen frei zu machen.

Am 9. Januar 2008 wurde der erneute Wahlsieg Micheil Saakaschwilis mit einer Mehrheit von 52,21 % best√§tigt, damit kehrte er in sein Amt zur√ľck. Erneut war in Georgien von Wahlbetrug die Rede. W√§hrend die offizielle Version den langwierigen, vier Tage andauernden Ausz√§hlungsprozess mit technischen Problemen und einem starken Wintereinbruch begr√ľndet, sprach Oppositionsf√ľhrer Lewan Gatschetschiladse von Betrug.[17] Auch die Parlamentswahlen am 21. Mai brachten einen Sieg der Vereinten Nationalen Bewegung von Pr√§sident Saakaschwili, die offiziell 59,2 % der Stimmen erhielt. Seine Gegner sprachen erneut von Wahlbetrug. Ein von der georgischen Bev√∂lkerung in einem Referendum am 5. Januar 2008 mit 72,5% bef√ľrworteter NATO-Beitritt des Landes wurde auf dem NATO-Gipfel in Bukarest im April 2008 von den Staat- und Regierungschefs der Allianz zwar langfristig in Aussicht gestellt, jedoch auf Initiative von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy von einem Ende der territorialen Spannungen um S√ľdossetien und Abchasien abh√§ngig gemacht.

Im August 2008 kam es im Kaukasus-Konflikt 2008 zu milit√§rischen Auseinandersetzungen mit Russland. Dabei versuchte die georgische Regierung mit milit√§rischer Gewalt, die Herrschaft √ľber S√ľdossetien wiederzugewinnen. Daraufhin drangen die russischen Streitkr√§fte tief in das georgische Staatsgebiet bis zu den St√§dten Gori und Poti vor, zerst√∂rten Luftwaffen- und Marinest√ľtzpunkte und unterbrachen die Hauptverkehrsadern. Zwar wurde auf Vermittlung der EU-Ratspr√§sidentschaft ein Abzug der russischen Truppen aus dem Kerngebiet von Georgien vereinbart, jedoch immer noch nicht g√§nzlich umgesetzt.

Persönlichkeiten

Pjotr Iwanowitsch Bagration

Georgier oder Menschen georgischer Abstammung, die in der Geschichte von herausragender Bedeutung waren:

Siehe auch

Literatur

  • Nicholas Awde (Hrsg.): Georgia: A short history. Benett & Bloom, London 2004, ISBN 1-898948-61-5.
  • David Braund: Georgia in antiquity. A history of Colchis and Transcaucasian Iberia 550 BC‚ÄďAD 562. Clarendon Press, Oxford 1994.
  • Heinz F√§hnrich: Geschichte Georgiens von den Anf√§ngen bis zur Mongolenherrschaft. Shaker, Aachen 1993, ISBN 3-86111-683-9.
  • J√ľrgen Gerber: Georgien: Nationale Opposition und kommunistische Herrschaft seit 1956. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1997, ISBN 3-7890-4763-5.
  • Nodar Lomouri: A History of Georgia. Sarangi Publishers, Tbilisi 1993.
  • Otar Lordkipanidse: Arch√§ologie in Georgien. Von der Altsteinzeit zum Mittelalter. Quellen und Forschungen zur pr√§historischen und provinzialr√∂mischen Arch√§ologie. VCH, Weinheim 1991, ISBN 3-527-17531-8
  • Andrei Miron, Winfried Orthmann (Hrsg.): Unterwegs zum goldenen Vlies. Arch√§ologische Funde aus Georgien. Theiss-Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1192-2.
  • Gertrud P√§tsch (Hrsg.): Das Leben Kartlis. Eine Chronik aus Georgien. 300‚Äď1200.'. Dietrich, Leipzig 1985.
  • Ronald Grigor Suny: The Making of the Georgian Nation. I. B. Tauris & Co Ltd Publishers, London 1989, ISBN 1-85043-120-5
  • Jonathan Wheatley: Georgia from national awakening to Rose Revolution. Delayed transition in the former Soviet Union. Ashgate, Burlington, VT 2005, ISBN 0-7546-4503-7.

Weblinks

 Commons: Geschichte Georgiens ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Otar Lordkipanidse, Arch√§ologie in Georgien, von der Altsteinzeit zum Mittelalter. Quellen und Forschungen zur pr√§historischen und provinzialr√∂mischen Arch√§ologie. Weinheim, VCH, 13
  2. ‚ÜĎ a b Otar Lordkipanidse, Arch√§ologie in Georgien, von der Altsteinzeit zum Mittelalter. Quellen und Forschungen zur pr√§historischen und provinzialr√∂mischen Arch√§ologie. Weinheim, VCH, 4
  3. ‚ÜĎ Georgi A. Melikischwili 1965
  4. ‚ÜĎ a b c d e f F√§hnrich, 1993, S. 14ff.
  5. ‚ÜĎ http://www.open-berlin.de/print.php?id=4364
  6. ‚ÜĎ Charles Burney, Die Bergv√∂lker Vorderasiens, Essen 1975, 274
  7. ‚ÜĎ Nikolas K. Gvosdev: Imperial policies and perspectives towards Georgia: 1760-1819. Macmillan [u.a.], Basingstoke [u.a.] 2000, ISBN 0-312-22990-9, S. 85
  8. ‚ÜĎ David M. Lang: The last years of the Georgian Monarchy: 1658‚Äď1832. Columbia University Press, New York 1957, S. 245
  9. ‚ÜĎ Zurab Avalov: Prisoedinenie Gruzii k Rossii. Montvid, S.-Peterburg 1906, S. 186
  10. ‚ÜĎ Lang, a.a.O., S. 247, S. 255
  11. ‚ÜĎ Lang, a.a.O., S. 252
  12. ‚ÜĎ Luigi Villari: Fire and Sword in the Caucasus, T. F. Unwin, London 1906, S. 32 (Online-Version)
  13. ‚ÜĎ Philipp Ammon: Die Wurzeln des georgisch-russischen Konflikts (1783‚Äď1832)
  14. ‚ÜĎ Englische Wikipedia: Georgia (country)
  15. ‚ÜĎ Die Welt: Ausnahmezustand √ľber ganz Georgien verh√§ngt 8. November 2007
  16. ‚ÜĎ tagesschau.de (nicht mehr online verf√ľgbar) √ľber die Lage in Georgien am 9. November 2007
  17. ‚ÜĎ Die Welt: Wahlkommission best√§tigt Saakaschwilis Sieg 9. Januar 2008

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