Geschichte Grönlands

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Geschichte Grönlands
Jagd und Walfang waren immer schon eine wichtige Lebensgrundlage in Grönland. Die Grönländer sind traditionell hervorragende Jäger mit ihren wendigen Kajaks. Diese Aufnahme stammt von 1904 und zeigt einen Inuk bei der Jagd auf Eisbären.

Die Geschichte Gr√∂nlands, der gr√∂√üten Insel der Erde, begann mit der Einwanderung der ersten Inuit vor ca. 5000 Jahren. Sp√§ter kamen die Nordm√§nner, die man ‚ÄěGr√¶nlendingar‚Äú nannte, und die um 1550 aus bisher ungekl√§rten Gr√ľnden wieder verschwanden.
Im 18. Jahrhundert folgte die ‚ÄěWiederentdeckung‚Äú und Kolonisierung durch D√§nemark. Seit dem 1. Mai 1979 genie√üt Gr√∂nland, ebenso wie die F√§r√∂er, eine weitgehende Autonomie innerhalb des d√§nischen K√∂nigreichs.

Inhaltsverzeichnis

Besiedlung

Besiedlung Grönlands von 900 bis 1500

Um 3000 v. Chr. wanderten die Vorfahren der ersten Inuit √ľber die Beringstra√üe aus Asien nach Alaska.

Um 2500 v. Chr. begannen die ersten Einwanderungen von Pr√§-Dorset-Eskimos nach Gr√∂nland (u. a. Menschen der Saqqaq-Kultur). Bereits aus dieser Zeit sind Jagdpl√§tze zum Beispiel in der Disko-Bucht und bei Qaja in der N√§he des Jakobshavn Isfjords nachgewiesen. Von 500 v. Chr. bis 1000 n. Chr. siedelten Angeh√∂rige der Dorset-Kultur in Gr√∂nland. Ihnen folgten Angeh√∂rige der Thule-Kultur (siehe unten).

Um 875 entdeckte der Norweger Gunnbj√łrn die Insel und nannte sie Gunnbj√łrnland. 982 musste Erik der Rote aus Island fliehen und landete schlie√ülich im S√ľdwesten Gr√∂nlands. Er gab der Insel ihren Namen Gr√¶nland (altnordisch f√ľr ‚ÄěGr√ľnland‚Äú), vermutlich um sie anderen isl√§ndischen Siedlern attraktiv zu machen. Allerdings war das Klima damals auch milder als heute. 986 erreichten 14 von 25 isl√§ndischen Auswandererschiffen mit 700 Menschen an Bord Gr√∂nland. Mit diesen Gefolgsleuten besiedelte Erik die Gegend um Brattahl√≠√į, es begann die Landnahme. Aus der Zeit um 1000 sind im S√ľden Wohn- und Kirchenruinen nordl√§ndischer Siedler erhalten. Heute leben in Gr√∂nland ca. 57.000 Menschen, 13.000 davon in der Hauptstadt Nuuk.

Christianisierung und Ende der Nordmännersiedlung

→ Hauptartikel: Grænlendingar

Um 986 ‚Äěentdeckte‚Äú Bjarni Herj√ļlfsson von Island kommend ‚Äěaus Versehen‚Äú Nordamerika, als er den Weg nach Gr√∂nland suchte. Allerdings ging er nicht an Land.

1000 kehrte Leif Eriksson, der Sohn Eriks des Roten, von Norwegen, wo er Christ wurde, mit einem Missionar nach Gr√∂nland zur√ľck. Die gr√∂nl√§ndischen Wikinger wurden Christen und errichteten die erste Kirche.

Um 1000 verfolgte Leif Eriksson von Gr√∂nland aus den Kurs den Bjarni Herj√ļlfsson zur√ľck und ging als (wahrscheinlich) erster Europ√§er in Nordamerika an Land (Vinland). Die Handelsbeziehungen mit Vinland dauerten bis ins 14. Jahrhundert.

Ab 1000 wanderten aus Alaska und Nordkanada Thule-Eskimos ein; in der Folgezeit wurde die Dorset-Kultur durch die bis etwa 1800 herrschende Thule-Kultur ersetzt.

1076 gab Adam von Bremen in seiner Chronik des Erzbistums Hamburg den ersten schriftlichen Nachweis √ľber die Besiedlung und Christianisierung Gr√∂nlands, das bei ihm Gronland hei√üt.

Um 1124 bis 1126 wurde Grönland eine eigene Diözese, der Bischofssitz war in Gardar, dem heutigen Igaliku. 1350 berichtete der isländische Kirchenmann Ivar Bardarsson, dass die westliche Siedlung aufgegeben sei. Inuit erschienen in der Nähe des Normannengebietes und rotteten die Vesterbygd-Grönländer aus. Von 1408 stammt die letzte schriftliche Aufzeichnung der Nordmänner, die von einer Hochzeit in der Kirche von Hvalsey berichtete. Die Kontakte mit Norwegen und Island rissen ab.

Spätestens um 1550 erlosch die letzte nordische Siedlung in Grönland. Neuere genetische Untersuchungen sowohl an heutigen Inuit als auch an archäologischen Überresten der Nordmänner scheinen eine Vermischung der beiden Gruppen auszuschließen, d. h., die Nordmänner sind wahrscheinlich ausgestorben.

Der Begriff ‚Äěausgestorben‚Äú muss allerdings hinterfragt werden, denn es ging den rund 3500 Gr√∂nl√§ndern, die nach der Zerst√∂rung der Vesterbygd √ľberlebt hatten, wirtschaftlich gut. Sie hatten sich dem Klima perfekt angepasst, hatten gro√üe H√∂fe, in denen sie sogar Rinder und Schweine in k√§lteisolierten St√§llen √ľberwintern lassen konnten, und die Reichsten konnten ihren Damen sogar teure Kleider spendieren, die nachweislich in der zweiten H√§lfte des 15. Jahrhunderts in Europa hergestellt wurden (Trachtenfunde aus den Gr√§bern von Herjolfsnes). Und sie leisteten sich 36 Kirchen, mit unvorstellbar teuren Glasfenstern.

F√ľr das pl√∂tzliche Verschwinden der normannischen Gr√∂nl√§nder gibt es f√ľnf Theorien:

  1. Die Klimatheorie (Zwischeneiszeit). Ausgrabungen zeigen, dass die Gr√∂nl√§nder die Architektur ihrer H√§user angepasst hatten, zudem war Ende des 15. Jahrhunderts eine eher mildere Periode, der eigentliche Peak war erst etwa hundert Jahre nach ihrem ‚ÄěVerschwinden‚Äú.
  2. Sie seien nach Nordamerika ausgewandert: Sehr unwahrscheinlich, da sie seit langem keine seegängigen Schiffe mehr hatten. Außerdem: Warum sollte eine konservative kleine Bauernpopulation, die 500 Jahre ein neues Land erfolgreich bewirtschaftet hatte, dieses so plötzlich verlassen? Und zwar, ohne irgendeine Spur zu hinterlassen, wo es doch vorher so viele gegeben hatte?
  3. Die Vermischungstheorie mit den Inuit (Skraelingen, wie sie damals genannt wurden), die heute falsifiziert werden kann. Der Norweger Fridjof Nansen vertrat sie leidenschaftlich.
  4. Die Kolonie wurde durch englische, deutsche, baskische oder portugiesische Piraten ausgel√∂scht. Nach einer von Niels Egede (Sohn des Hans Egede) aufgezeichneten Inuit-Erz√§hlung soll es zu K√§mpfen zwischen den ‚Äď von den Inuit als Norwegern bezeichneten ‚Äď Gr√¶nlendingarn und fremden Schiffsbesatzungen gekommen sein.[1] In sp√§teren Quellen, z.B. in Olaus Magnus‚Äô De gentibus septentrionalis, um 1555, wird behauptet, dass es um das Jahr 1494 einen Piraten-St√ľtzpunkt in Gr√∂nland gegeben habe, der in dem Konflikt um den Island-Handel zwischen englischen Kaufleuten, der d√§nischen Krone und der Hanse relevant gewesen sei.[2]
  5. Wahrscheinlich ist die Ausrottung der europ√§ischen Gr√∂nl√§nder durch die Inuit. Zahlreiche Funde von Beutest√ľcken in Inuitgr√§bern, z. B. Hausrat und zerschlagene Glockenteile, sprechen daf√ľr.

Portugiesen in Grönland

Vor 1473 sollen João Vaz Corte-Real sowie sein Sohn Gaspar Grönland betreten haben. Darum gibt es aus dieser Zeit Karten, die Grönland als portugiesisches Territorium zeigen.

Die Rolle der Norweger und Dänen

‚ÄěApostel der Gr√∂nl√§nder‚Äú: Hans Egede (1686‚Äď1758).

In S√ľd- und Mittelgr√∂nland gab es seit der Christianisierung der Wikinger je eine norwegisch-isl√§ndische Siedlung. Nachdem die Siedlungen der Nordm√§nner untergegangen waren, wurde Gr√∂nland 1721 ‚Äěwiederentdeckt‚Äú und von D√§nen besiedelt. √Ėkonomisch waren lediglich St√ľtzpunkte f√ľr Walfang und Fischerei f√ľr D√§nemark-Norwegen interessant.

Mit der Landung des d√§nisch-norwegischen Pfarrers Hans Egede 1721 beginnt die evangelische Missionierung der Inuit, an der auch deutsche Missionare gro√üen Anteil hatten. Gleichzeitig wurden Handelsstationen errichtet. 1776 bekam der Kongelige Gr√łnlandske Handel (KGH) das Handelsmonopol √ľber Gr√∂nland. Der KGH √ľbernahm auch die Verwaltung und weitere Missionst√§tigkeit.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Gr√∂nland immer wieder von niederl√§ndischen, d√§nisch-norwegischen, deutschen und anderen Walf√§ngern besucht. Die ‚ÄěGr√∂nlandfahrt‚Äú trug wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung Flensburgs bei, das damals zweitgr√∂√üter Hafen im d√§nischen Gesamtstaat war.

1814 wurde im Frieden von Kiel die dänisch-norwegische Personalunion aufgelöst, Grönland fiel an Dänemark.

Ab 1862 wurden die Einheimischen formal in die lokale Verwaltung sozialer Angelegenheiten miteinbezogen. Ab 1911 entstanden Gemeinder√§te und zwei Landsr√§te, und ab 1925 wurde das Land von der Gr√łnlands styrelse regiert, deren Direktor dem d√§nischen Staatsministerium unterstand. 1953 wurde Gr√∂nland gleichwertige Provinz im d√§nischen K√∂nigreich.

Systematische Erforschung der K√ľsten

Ab 1876 wurde die Westk√ľste bis auf 74¬į 30‚Äô n√∂rdliche Breite auf Initiative der D√§nischen Kommission zur geologischen und geografischen Untersuchung Gr√∂nlands detailliert erforscht. Finanziert wurden die Forschungen durch den d√§nischen Staat. Die Melville-Bucht n√∂rdlich dieser K√ľstenstrecke untersuchte Eivind Astrup 1894, sowie noch intensiver Ludvig Mylius-Erichsen und Harald Moltke 1903/04. Die Gegend n√∂rdlich von Kap York (76¬į n. Br.) wurde haupts√§chlich durch eine Reihe britischer und amerikanischer Expeditionen unter John Ross, Edward Inglefield, Isaac Israel Hayes, Charles Francis Hall, George Nares, Adolphus Greely und vor allem durch Robert Edwin Peary bekannt, der 1901 das n√∂rdliche Ende Gr√∂nlands erreichte.

Die Ostk√ľste bis auf 66¬į n√∂rdliche Breite erforschten 1883 Adolf Erik Nordenski√∂ld, 1883 bis 1885 die D√§nen Thomas William Garde und Gustav Frederik Holm sowie sp√§ter verschiedene andere Expeditionen. Die Strecke bis auf 70¬į n. Br. wurde 1898 bis 1900 durch den D√§nen G. Amdrup kartiert. Das von William Scoresby 1822 entdeckte Fjordsystem des nach ihm benannten Scoresbysund untersuchten der D√§ne C. Ryder 1891/1892, der Schwede Alfred Gabriel Nathorst 1899 (bis auf 72¬į n. Br.) sowie der D√§ne N. Hartz 1900.

Das gro√üe System der Buchten K√∂nig-Oskar-Fjord und Kaiser-Franz-Joseph-Fjord wurde 1899 untersucht und kartiert durch A. G. Nathorst. Die Strecke vom Kaiser-Franz-Joseph-Fjord zum Kap Bismarck (77¬į) erforschte haupts√§chlich die deutsche Expedition von 1869 bis 1870 unter Carl Koldewey, der den Kaiser-Franz-Joseph-Fjord entdeckt hatte. 1905 gelang es dem Belgier Adrian de Gerlache erstmals mit einem Schiff bis auf 78¬į n√∂rdliche Breite vorzudringen. Vollst√§ndig untersucht wurde dieser K√ľstenabschnitt bei einer d√§nischen Expedition von 1906 bis 1908 unter Ludvig Mylius-Erichsen. Die Forschungen erstreckten sich so weit, dass sie die Nordspitze Gr√∂nlands erreichten und in das Gebiet auf der Westseite vordrangen, die schon von Robert Edwin Peary besucht worden waren.[3]

20. Jahrhundert und Gegenwart

Im Ersten Weltkrieg blieb Dänemark (und damit auch Grönland) neutral.

Mit Knud Rasmussen hatte Grönland Anfang des 20. Jahrhunderts seinen eigenen Polarforscher, der von Thule ausgehend sieben Expeditionen unternahm.

Norwegisch-Dänischer Konflikt

1921 erkl√§rte D√§nemark seine Oberhoheit √ľber Gr√∂nland. Auf norwegischer Seite behauptete man, dass gem√§√ü dem Frieden von Kiel die d√§nische Hoheit nur f√ľr die wirtschaftlich ausgebeuteten Gebiete in Westgr√∂nland gelte. Dennoch erkannte Norwegen die d√§nischen Anspr√ľche zun√§chst an.
Als D√§nemark allerdings Ostgr√∂nland f√ľr Nicht-D√§nen schloss, erhob sich erneut norwegischer Protest. 1930 begannen norwegische Fischer mit Wohlwollen ihrer Regierung, Ostgr√∂nland zu besetzen. 1933 gab Norwegen nach einem Schiedsspruch des Permanenten Internationalen Gerichtshofes in Den Haag seine Anspr√ľche auf Gr√∂nland endg√ľltig zugunsten D√§nemarks auf.

Zweiter Weltkrieg und Kalter Krieg

→ Hauptartikel: Verteidigung Grönlands

Im Zweiten Weltkrieg wurde D√§nemark am 9. April 1940 im Rahmen der Operation Weser√ľbung von Deutschland besetzt. Gr√∂nland war von da an von D√§nemark abgeschnitten. Die d√§nischen Beamten vor Ort √ľbernahmen die Staatsgewalt. Einen Tag nach der deutschen Besetzung erkl√§rte der d√§nische Gesandte in den USA, Henrik Kauffmann, dass er keine Weisungen aus Kopenhagen mehr entgegennehmen werde. Washington betrachtete ihn dennoch weiterhin als den d√§nischen Botschafter und ging mit ihm am 9. April 1941 einen Vertrag ein, der die Errichtung von US-amerikanischen Basen in Gr√∂nland garantierte, nachdem deutsche Kriegsschiffe vor Gr√∂nland auftauchten.

Daraufhin diente Gr√∂nland vor allem als Basis f√ľr atlantik√ľberwachende Flugzeuge auf der Suche nach deutschen U-Booten und wurde als Basis und Auftankstation f√ľr eigene Seemissionen benutzt. Es gab dar√ľber hinaus auch deutsche Versuche, die Insel zur Errichtung von Wetterstationen zu nutzen, die allesamt scheiterten (Unternehmen Holzauge, Unternehmen Bassgeiger, Unternehmen Edelweiss und Unternehmen Zugvogel). Als Reaktion wurde ein Patrouillendienst mit Schlittenhunden in Nordost-Gr√∂nland eingerichtet (Sirius-Patrouille).

Luftbild mit Thule Air Base im Vordergrund

Mit dem Vertrag vom 27. April 1951 wurde Gr√∂nland in ein gemeinsames d√§nisch-amerikanisches Verteidigungsgebiet unter NATO-Regie umgewandelt. Die USA erbauten ab 1952 gr√∂√üere Luftst√ľtzpunkte wie die Thule Air Base, denn im Kalten Krieg spielte die N√§he zur UdSSR quer √ľber den Nordpol f√ľr Bomber und Aufkl√§rungsflugzeuge, die entlang eines Orthodromes in die UdSSR fliegen konnten, eine wichtige Rolle. 1953 wurden die Inuit aus Thule nach Qaanaaq umgesiedelt.

Entkolonialisierung

Bereits 1950 erlosch das d√§nische Handelsmonopol. Gr√∂nland wurde damit f√ľr den Freihandel ge√∂ffnet. Der KGH verlor auch seine administrative Gewalt. Verwaltungschef wurde ein von D√§nemark ernannter Landeshauptmann, und es gab einen demokratisch gew√§hlten Landrat (landsr√•d), der allerdings nur beratende Funktion hatte.

Der Aufbau der Infrastruktur wurde durch die Gr√łnlands Tekniske Forvaltning (GTO) √ľbernommen (bis 1987). Neue technische M√∂glichkeiten wie Flugzeuge, Hubschrauber, Eisbrecher, Trawler, usw. erm√∂glichten die Schaffung einer Versorgungslage auf europ√§ischem Niveau.

Mit Inkrafttreten des neuen dänischen Grundgesetzes am 5. Juni 1953 war Grönland keine Kolonie mehr. Das Land wurde nach dänischem Vorbild in drei Verwaltungsbezirke bzw. Provinzen (dänisch amter) mit insgesamt 18 Gemeinden (dänisch kommuner) eingeteilt. Seit 1953 entsendet Grönland auch zwei demokratisch gewählte Abgeordnete ins dänische Folketing (erstmals nach der Wahl am 22. September 1953).

Am 30. August 1955 wurde in Kopenhagen ein spezielles Gr√∂nlandsministerium eingerichtet, das bis 1987 existierte. Erster Gr√∂nlandsminister war Johannes Kj√¶rb√łl. Letzter Minister f√ľr Gr√∂nland war Tom H√łyem.

Auswirkungen der Industrialisierung

Die formale Entkolonialisierung und wirtschaftliche √Ėffnung blieb nicht ohne Folgen f√ľr die traditionelle J√§gergesellschaft der Inuit, sodass viele auch von einer ‚Äěkulturellen Kolonialisierung‚Äú sprachen, vor der die Inuit zu Zeiten der Isolation weitgehend gesch√ľtzt gewesen waren.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die J√§gergesellschaft schlagartig ins Industriezeitalter katapultiert. Die Umw√§lzungen schufen unmittelbar bessere Lebensbedingungen und Ausbildungsm√∂glichkeiten nach europ√§ischen (d√§nischen) Standards, f√ľhrten aber auch zu einer tiefgreifenden nationalen Identit√§tskrise. Alkoholmissbrauch und Kriminalit√§t wurden zu Problemen.

Seit Beginn der 1960er Jahre wurde die Nationalbewegung mit ihrer Forderung nach Selbstverwaltung immer st√§rker und entlud sich an einem Gesetz, in dem D√§nen bei gleicher Arbeit ein h√∂herer Lohn zustehen sollte als geborenen Gr√∂nl√§ndern. Nach dem Beitritt D√§nemarks (mit Gr√∂nland) zur Europ√§ischen Gemeinschaft 1973 versch√§rfte sich der Protest erneut, denn bei der entsprechenden d√§nischen Volksabstimmung am 2. Oktober 1972 hatten nur 3.905 Gr√∂nl√§nder f√ľr den Beitritt gestimmt, w√§hrend 9.386 dagegen gewesen waren.

In der Folge wurde 1975 eine paritätisch besetzte grönländisch-dänische Kommission gebildet, die ein Autonomiegesetz nach dem Vorbild der Färöer ausarbeiten sollte.

Autonomie

Als Ergebnis der Verhandlungen der d√§nisch-gr√∂nl√§ndischen Kommission wurde 1978 eine entsprechende Verordnung vom Folketing verabschiedet. Bei der darauf folgenden Volksabstimmung in Gr√∂nland am 17. Januar 1979 sprach sich die gro√üe Mehrzahl der Gr√∂nl√§nder f√ľr dieses Autonomiegesetz aus.

Am 1. Mai 1979 erlangte Grönland schließlich seine Selbstverwaltung und die innere Autonomie mit eigenem Parlament und eigener Regierung. Erster Ministerpräsident war Jonathan Motzfeldt.

Aufgrund der Zugeh√∂rigkeit zu D√§nemark war Gr√∂nland Mitglied der Europ√§ischen Gemeinschaft mit der Folge, dass europ√§ische Konzerne auf Gr√∂nland nach Bodensch√§tzen suchen und europ√§ische, vor allem westdeutsche Fangflotten in den Gew√§ssern Gr√∂nlands fischen konnten (√úberfischung). Dagegen entwickelte sich eine Volksbewegung mit dem Ziel, die Mitgliedschaft in der Europ√§ischen Gemeinschaft zu beenden. In Deutschland warb das Unterst√ľtzungskomitee f√ľr die Selbstbestimmung der Inuit in Gr√∂nland f√ľr das Anliegen der Gr√∂nl√§nder. Am 23. Februar 1982 gab es in Gr√∂nland eine Volksabstimmung √ľber den Austritt aus der Europ√§ischen Gemeinschaft, der am 1. Januar 1985 vollzogen wurde. Gr√∂nland genie√üt in der EU allerdings weiterhin den Status eines ‚Äěassoziierten √ľberseeischen Landes‚Äú mit den Vorteilen einer Zollunion.

Am 25. November 2008 fand eine Volksabstimmung √ľber eine Erweiterung der Autonomie statt. Bei einer Wahlbeteiligung von nahezu 72% stimmten 39.611 Wahlberechtigte ab. Eine gro√üe Mehrheit von 75,5% stimmte f√ľr die erweiterte Autonomie.[4]

Am 21. Juni 2009 trat ein Abkommen zur erweiterten Autonomie in Kraft, das Gr√∂nland ein weiteres St√ľck unabh√§ngiger von D√§nemark macht. Nur noch Au√üen- und Verteidigungspolitik verbleiben in d√§nischer Verantwortung.[5] Kalaallisut, die Sprache der einheimischen Inuit, wird Landessprache; die gr√∂nl√§ndische Regierung √ľbernimmt unter anderem die Zust√§ndigkeiten f√ľr Polizei, Justiz und K√ľstenwache; die d√§nische K√∂nigin Margrethe bleibt formell Staatsoberhaupt Gr√∂nlands.

Nach dem Ende des Kalten Krieges verblasste die milit√§rische Bedeutung Gr√∂nlands, allerdings gibt es Bem√ľhungen der USA, auf Gr√∂nland Bodenstationen f√ľr den geplanten US-Atomraketenabfangschild errichten zu d√ľrfen.

Weblinks

 Wikisource: Gr√∂nland ‚Äď Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ In englischer Sprache wiedergegeben im letzten Drittel http://www.archaeology.org/online/features/greenland/
  2. ‚ÜĎ Bestritten: Kirsten A. Seaver: The frozen echo: Greenland and the exploration of North America, ca. A.D. 1000‚Äď1500; S. 199f.
  3. ‚ÜĎ Nordisk familjebok, Band 10, S. 491, Stichwort ‚ÄěGr√∂nland‚Äú
  4. ‚ÜĎ http://uk.nanoq.gl/Emner/News/News_from_Parliament/2008/11/Yes_for_Self_Governance.aspx
  5. ‚ÜĎ Neuer Autonomie-Status: Gr√∂nland nabelt sich von D√§nemark ab. Artikel vom 21. Juni 2009 bei Spiegel Online, abgerufen am 21. Juni 2009

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