Geschichte Haitis

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Geschichte Haitis

Die Geschichte Haitis bezieht sich auf die Geschichte des Karibikstaates Haiti, der heute die Westh√§lfte der Insel Hispaniola umfasst. Haiti war das erste Land Lateinamerikas, das sich aus dem Status einer Kolonie (in diesem Falle Frankreichs) befreite und 1804 die Unabh√§ngigkeit erlangte. Nach den USA war Haiti zudem der zweite Staat des amerikanischen Kontinents, dem dies aus eigener Kraft, durch die Haitianische Revolution, gelang. Zur Geschichte des Landes geh√∂ren weiterhin 200 Jahre spanischer Kolonialherrschaft (1492‚Äď1697), die das Land mit der Dominikanischen Republik auf der Osth√§lfte der Insel teilt sowie 300 Jahre Sklaverei f√ľr die Mehrheit der Bev√∂lkerung, die nach Ausrottung der indianischen Urbev√∂lkerung ganz √ľberwiegend zwangsweise aus Afrika verschleppten Menschen bzw. deren Nachkommen bestand. Erst im 17. Jahrhundert begann der Einfluss Frankreichs auf dem Gebiet des heutigen Haiti die spanische Herrschaft zu verdr√§ngen und schlie√ülich zu ersetzen. Ab diesem Zeitpunkt trennen sich auch die Entwicklungslinie des √∂stlichen, spanisch gepr√§gten und des westlichen (haitianischen) Teils der Insel Hispaniola, womit die Geschichte Haitis im engeren Sinn beginnt.

Inhaltsverzeichnis

Die indianische Urbevölkerung

Zur Geschichte der Taino siehe Abschnitt Die Geschichte der Taínos auf Hispaniola im Artikel Taino

H√∂lzerner Stuhl der Tainos von Hispaniola, ca. 1000‚Äď1500 n.Chr.

Die Größe der indianischen Urbevölkerung der Insel Hispaniola zum Zeitpunkt der Ankunft der ersten Europäer unter dem Kommando von Christoph Columbus 1492 wird auf 300.000 bis zu einer Million Menschen geschätzt. Die meisten dieser Indianer gehörten zum Volk der Taino, die zu den Arawak gerechnet werden. Im später haitianischen Teil lebte zudem eine kleine Gruppe der Ciboney, die bekannteren Kariben siedelten im später dominikanischen Teil.

Die Vorfahren der Taino waren um 250 nach Hispaniola eingewandert und beherrschten die Insel bei Ankunft der Europ√§er aufgeteilt in f√ľnf H√§uptlingst√ľmer, von denen Guacanagari und Behechio sich auf dem haitianischen Teil befanden. [1]

Die von den spanischen Eroberern eingeschleppten Seuchen, insbesondere die Pocken, f√ľhrten zu einem Massensterben der indianischen Urbev√∂lkerung, das 1503 eingef√ľhrte System der Zwangsarbeit ("Encomienda") beschleunigte die Ausrottung der Taino. 1519 bis 1533 erhoben sich die angeblich nur noch 4000 √úberlebenden unter ihrem von den Spaniern Enriquillo genannten Anf√ľhrer gegen die spanische Herrschaft. Sie konnten einen Vertrag mit den Spaniern durchsetzen, der die De-facto-Versklavung der Taino beendete. Mitte des 16. Jahrhunderts lebten dennoch nur noch wenige hundert Taino und seit Ende des 16. Jahrhunderts gelten sie als ausgerottet.[2]

Von der spanischen zur französischen Kolonialherrschaft

Zur Geschichte des Gebiets vor der Eigenstaatlichkeit Haitis siehe den Hauptartikel: Hispaniola.

Die milit√§rische Eroberung der Insel durch die Spanier war wenige Jahre nach der Ankunft von Columbus abgeschlossen und zu Beginn des 16. Jahrhunderts f√ľhrten sie den Zuckerrohranbau, durch Zwangsarbeit und Sklaverei betrieben, auf der Insel ein. Ab 1503 / 1505 wurden Afrikaner als Sklaven nach Hispaniola verschleppt, 1542 lebten daher neben 200 Indios und 5000 Spaniern 30-000 schwarze Sklaven auf der Insel.

Hatte Columbus die erste Siedlung in der Karibik, La Navidad, noch im sp√§ter haitianischen Teil Hispaniolas errichtet, fanden die n√§chsten Gr√ľndungen im Ostteil der Insel statt. Bald wurde die im Osten liegende Stadt Santo Domingo zur Hauptstadt der Insel und der Schwerpunkt spanischen kolonialen Interesses verlagerte sich dorthin. Das Auftauchen franz√∂sischer, niederl√§ndischer und britischer Freibeuter vor den K√ľsten Hispaniolas bewegte die Spanier dazu, sich in den gr√∂√üeren Siedlungen des Ostens und S√ľdens der Insel zu konzentrieren.

Karte des französischen Saint Domingue von 1789

Ab 1625 setzten sich daher franz√∂sische und englische Seer√§uber (Bukanier oder Filibustier genannt) auf der zum heutigen Haiti geh√∂renden Insel √éle de la Tortue (engl. Isle of Tortuga, ‚ÄěSchildkr√∂teninsel‚Äú) und den verlassenen K√ľsten des Westens fest. Sie lebten dort von √úberf√§llen auf spanische Schiffe und der Jagd auf die Tiere der Insel. Zwar zerst√∂rten die Spanier mehrere Male ihre Siedlungen dort, sie kehrten jedoch immer wieder zur√ľck. 1659 schlie√ülich erkannte der franz√∂sische K√∂nig Ludwig XIV. erstmals eine Siedlung auf Tortuga offiziell an. Etwa zeitgleich hatten franz√∂sische Hugenotten begonnen, auf dem Nordteil der Insel zu siedeln. 1670 wurde mit Cap Fran√ßois (sp√§ter Cap Fran√ßais, heute Cap-Ha√Įtien) auf der Hauptinsel die erste gr√∂√üere franz√∂sische Siedlung gegr√ľndet. [3] Die erste franz√∂sische Kolonie hier wurde zwar 1686 durch die Spanier zerst√∂rt, aber bereits 1691 neu gegr√ľndet. 1697 schlie√ülich erkannte Spanien im Frieden von Rijswijk die franz√∂sische Herrschaft √ľber den nun Saint Domingue genannten Westteil Hispaniolas an. 1776 wurde die Grenze zwischen dem spanischen und dem franz√∂sischen Hispaniola festgelegt, die im Wesentlichen der heutigen Grenze zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik entspricht. Im Frieden von Basel 1795 √ľberlie√ü Spanien auch den √∂stlichen Teil der Insel ("Santo Domingo") Frankreich, das hier jedoch seine Autorit√§t nie tats√§chlich aus√ľbte.

Herren, Sklaven, Maroons und Mulatten im französischen Saint Domingue

Der Code noir.

Saint Domingue / Haiti erlebte vom sp√§ten 17. Jahrhundert bis zum Beginn der Haitianischen Revolution 1790 eine au√üerordentliche wirtschaftliche Bl√ľtezeit, die auf Plantagenanbau von Zuckerrohr und Kaffee beruhte. In den 1780er Jahren kam etwa 40% des Zuckers und 60% des Kaffees, der in Europa konsumiert wurde, aus Haiti. Zur Aufrechterhaltung der Zuckerproduktion, die Saint Domingue zeitweise zur reichsten Kolonie Frankreichs machte, wurden in gro√üem Ma√üe Menschen aus Afrika in die Sklaverei nach Haiti verschleppt. Am Vorabend der Haitianischen Revolution waren etwa 90% der Bev√∂lkerung von Saint Domingue schwarze Sklaven. Zeitweise wurden j√§hrlich 40 000 Sklaven "importiert".[4] Die Mehrheit der Sklaven war in Afrika geboren, da die Lebensumst√§nde der Sklaven so schlecht waren, dass sich ihre Zahl nicht √ľber die nat√ľrliche Geburtenrate nennenswert erh√∂hen konnte.[5] Um die Sklavenhaltung gesetzlich zu regeln, hatte Ludwig XIV 1685 den Code Noir erlassen, durch den den Sklaven rudiment√§re Menschenrechte zugestanden wurden und die wei√üen "Herren" gewisse Verpflichtungen bez√ľglich der Versorgung der Sklaven ebenso erhielten, wie das Recht auf k√∂rperliche Bestrafung. Wobei die √ľblichen Bestrafungen von Sklaven h√§ufig von ungeheurer Grausamkeit waren.

Mackandal auf einer haitianischen M√ľnze

Tausende von Sklaven flohen im Lauf der Zeit in die schwer zug√§nglichen Berge und lebten dort in Gemeinschaften sogenannter Maroons oder Cimarr√≥n, die gelegentlich isolierte Plantagen √ľberfielen. Es kam h√§ufig zu Sklavenaufst√§nden. Der bekannteste Anf√ľhrer eines solchen Aufstandes war ein gewisser Fran√ßois Mackandal, der nach sechs Jahren, die Tausende von Toten forderten, gefasst und in Cap-Francais √∂ffentlich verbrannt wurde. Heute wird er in Haiti als Freiheitsk√§mpfer geehrt. Die afrikanischen Sklaven brachten ihre Religion und Kultur mit nach Haiti. Das bekanntestes Element der haitianischen Volkskultur, das dabei entstand, ist der Voodoo-Glaube, der sich aus dem westafrikanischen Vodun-Kult entwickelte.

1788 lebten in Haiti etwa 455.000 Menschen, von denen mehr als 400 000 Schwarze waren, 27 000 Wei√üe und knapp 22 000 Mulatten, also Menschen, die sowohl schwarze als auch wei√üe Vorfahren hatten. Mulatten der ersten Generation waren zumeist Kinder, die wei√üe Sklavenhalter mit schwarzen Sklavinnen gezeugt hatten. Sie wurden √ľblicherweise in die Freiheit entlassen und bildeten bald eine gesellschaftliche Schicht zwischen wei√üen Herren und schwarzen Sklaven. Obwohl diese "gens de coleur" gewissen Restriktionen unterlagen - u.a. durften sie keine Wei√üen heiraten, keine europ√§ische Kleidung oder Waffen tragen, bestimmte Berufe waren ihnen verboten - konnten sie Land erwerben und Sklaven halten. 1798 waren Mulatten und die kleine Gruppe freier Schwarzer Eigent√ľmer von einem Drittel aller Plantagen und einem Viertel aller Sklaven Saint Domingues.[6]

1789 kam fast die H√§lfte des weltweit produzierten Zuckers aus der franz√∂sischen Kolonie, die auch in der Produktion von Kaffee, Baumwolle und Indigo Weltmarktf√ľhrer war.[7]

Die Haitianische Revolution

Siehe Hauptartikel Haitianische Revolution

L'Ouverture auf einem 20 Gourdes Geldschein abgebildet
Zeitgenössische Darstellung der Erklärung der Menschenrechte 1789


Freiheit, Gleichheit, Br√ľderlichkeit: Die Ideale der 1789 ausbrechenden Franz√∂sischen Revolution mussten in einem Land, in dem fast 90 % der Bev√∂lkerung als Sklaven die rudiment√§ren Menschenrechte und weiteren 5% (den Mulatten) die Gleichberechtigung mit der wei√üen Oberschicht verweigert wurden, eine besondere Sprengkraft haben. Die Mulatten probten als erste den Aufstand im Namen der Menschenrechte, ohne allerdings f√ľr die Freiheit ihrer eigenen Sklaven einzutreten. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und die Anf√ľhrer hingerichtet.

Der Aufstand der Sklaven begann im August 1791 - unter der F√ľhrung des sp√§ter als Nationalheld gefeierten Fran√ßois-Dominique Toussaint L‚ÄôOuverture - und √ľberschwemmte bald die gesamte Kolonie und gilt als Beginn der Haitianischen Revolution. Im Verlauf dieser Revolution kam es zu Massakern an der wei√üen Bev√∂lkerung, zur Abschaffung, Wiedereinf√ľhrung und erneuten Abschaffung der Sklaverei, zur franz√∂sischen Invasion der Insel, zur Vertreibung der franz√∂sischen Truppen durch die schwarzen Gener√§le, zum B√ľrgerkrieg zwischen Schwarzen und Mulatten sowie zur Besetzung und sp√§teren R√§umung des spanischen Teiles der Insel. An ihrem Ende stand die Proklamation des unabh√§ngigen Staates Haiti ("bergiges Land" in der Sprache der Taino) 1804. [8]

Haiti bis zur Unabhängigkeit der Dominikanischen Republik

Jean-Jacques Dessalines

Am 1. Januar 1804 proklamierte Jean-Jacques Dessalines die Unabh√§ngigkeit von Saint Domingue (gefeiert wird heute in Haiti der Tag der Verfassungsgebung, der 9. Mai 1801, als Unabh√§ngigkeitstag). Am selben Tag besetzten franz√∂sische Truppen Santo Domingo, wo die Sklaverei wieder eingef√ľhrt wurde. Praktisch wurde damit nur der Westteil Hispaniolas unabh√§ngig.

Das Land erhielt den Namen ‚ÄěHaiti‚Äú, die Selbstbezeichnung lautete damals ‚ÄěErster Freier Negerstaat‚Äú. Aus dem vielleicht einzigen erfolgreichen Sklavenaufstand der Weltgeschichte ging damit die erste selbstst√§ndige (aber instabile) Nation Lateinamerikas hervor. Dessalines ist heute einer der Nationalhelden Haitis.

Dessalines entwarf eine Flagge, indem er einfach das Weiß der französischen Trikolore entfernte. Er ernannte sich selbst am 8. Oktober (oder Dezember) zum Kaiser Jakob I. (Empereur Jacques I) und erließ am 20. Mai 1805 eine neue Verfassung. Die meisten der im Lande verbliebenen Franzosen wurden ermordet. Die Plantagen wurden enteignet und aufgeteilt, besetzt oder verlassen. Die auf dem Export der Landwirtschaft beruhende wirtschaftliche Stärke Saint Domingues schwand. Das Ziel einer egalitären Gesellschaft, die Triebfeder der französischen Revolution und auch des haitianischen Freiheitskampfes war, wurde verfehlt. Die Mulatten wurden die neue Elite, die Schwarzen blieben weitgehend eine ungebildete und rechtlose Landbevölkerung.

1805 eroberte Haiti das seit einem Jahr unter französischer Herrschaft stehende Santo Domingo.

Dessalines Grausamkeit rief schon im folgenden Jahr eine Verschwörung zwischen dem Schwarzen Henri Christophe und dem Mulatten Alexandre Pétion hervor, durch welche er am 17. Oktober 1806 ermordet wurde. Mit seinem Tod endete auch das Kaisertum; Haiti wurde wieder Republik.

Als F√ľhrer des Freiheitskampfes (der Schwarzen) wurde auch Henri Christophe ein Nationalheld Haitis.

Alsbald brach auch die durch den gemeinsamen Hass gegen die Wei√üen in den Hintergrund gedr√§ngte Rivalit√§t zwischen Mulatten und Schwarzen offen aus und blieb fortan das Motiv aller inneren K√§mpfe des neuen Staats. P√©tion, als Anf√ľhrer der Mulatten, und Christophe, als Anf√ľhrer der Schwarzen, k√§mpften miteinander um die Oberherrschaft. Das Land spaltete sich in eine s√ľdliche Mulatten-Republik mit P√©tion als Pr√§sident an der Spitze und in einen n√∂rdlichen Staat (Nord-Haiti), dem Henri Christophe als ernannter Pr√§sident vorstand.

Beide Staaten trennte ein breiter Landstrich, den man absichtlich unbebaut lie√ü, und der bald, von Lianen und Dorngestr√§uch √ľberdeckt, eine nat√ľrliche Grenze bildete.

1808 verlor Haiti die Herrschaft √ľber Santo Domingo. Einer Ansicht nach eroberten die Spanier Santo Domingo zur√ľck; einer anderen Ansicht nach konnten die spanischen Kreolen (einheimische Nachfahren von Spaniern) von Santo Domingo mit britischer Unterst√ľtzung die Haitianer vertreiben, legten dann aber ihr Land wieder in spanische H√§nde.

Am 26. März 1811 verwandelte Christophe Nord-Haiti in eine erbliche Monarchie und ließ sich unter dem Namen Henri I zum König krönen. Er ahmte in lächerlicher Weise den französischen Hofstaat nach und vergab inflationär komisch anmutende Titel, Hof- und Staatsämter. Schließlich gab es vier Prinzen, acht Herzöge, 22 Grafen und eine große Anzahl von Angehörigen des niederen Adels.

Auf dem 945 Meter hohen Pic La Fernere lie√ü er von √ľber 200.000 Zwangsarbeitern die m√§chtigste Festung seiner Zeit au√üerhalb Europas errichten. Zugleich erschien ein neues Staatsgesetzbuch (Code Henri).

Die Sklaverei blieb im Grunde die alte, nur trat an die Stelle der Peitsche der S√§bel. Zwischen beiden Staaten (des Westteils) herrschte unvers√∂hnliche Feindschaft, und nur in der Zur√ľckweisung der nach dem Wiener Kongress erneuerten Anspr√ľche Frankreichs waren sie einig. P√©tion gab am 2. Juni 1816 seiner Republik eine Verfassung, welche Abschaffung aller Sklaverei, Pressefreiheit etc. festsetzte. Nach P√©tions Tod am 27. M√§rz 1818 versuchte Henri I. die Mulatten-Republik mit seinem K√∂nigreich zu vereinigen; allein der Mulatten-General Jean-Pierre Boyer, der als Pr√§sident Nachfolger P√©tions geworden war, wusste diesen Versuch zu vereiteln. Henri I. selbst, welchen ein Aufruhr republikanisch gesinnter Mulatten in seinem Reich zu Grausamkeiten gereizt hatte, wurde immer verhasster, und im September 1820 brach ein Aufstand gegen ihn aus, der bald das ganze Reich erfasste und den Abfall seiner Truppen zur Folge hatte, worauf sich K√∂nig Henri I. am 8. Oktober 1820 erschoss. Hierauf fand, da sich das Heer dem Pr√§sidenten Boyer unterwarf, am 26. November 1820 die Vereinigung beider Teile Haitis zu einer einzigen Republik statt.

Am 1. Dezember 1821 proklamierte Jos√© N√ļ√Īez de C√°ceres den ‚ÄěUnabh√§ngigen Staat Spanisch-Haiti‚Äú (Estado Independiente de Hait√≠ Espa√Īol).

1822 kam es zum erneuten Anschluss Santo Domingos an Saint Domingue. Zu dem Ablauf gibt es zwei Ansichten: (1) Der Plan von C√°ceres, das Land Gro√ükolumbien unter Sim√≥n Bol√≠var anzuschlie√üen, scheiterte, weil die Mehrzahl der Schwarzen und Mulatten eine Union mit Haiti vorzog, wo die Sklaverei bereits abgeschafft war. Der Anschluss an Haiti (und Abschaffung der Sklaverei) erfolgte 1822. (2) M√∂glich ist auch, dass Jean-Pierre Boyer, nachdem er Nord- und S√ľd-Haiti in seiner Macht hatte, mit den nun frei gewordenen milit√§rischen Kr√§ften 1822 Santo Domingo unterwarf und es am 8. Februar annektierte. Hauptmotiv war dabei die Verstaatlichung der spanischen Kircheng√ľter, die Sklavenbefreiung und die Einsetzung einer effizienteren nach franz√∂sischem Vorbild ausgerichteten Landesverwaltung.

Die Republik Haiti wurde in der Folge von den meisten Staaten anerkannt. Nach mehreren vergeblichen Wiedereroberungsversuchen erkannte selbst Frankreich sie 1825 an, allerdings gegen eine an die ehemaligen Plantagenbesitzer zu zahlende Entsch√§digung von 150 Mio. Franc, die 1838 bei Gelegenheit des Abschlusses eines Handelsvertrags zwischen Frankreich und Haiti auf 60 Mio., in 30 Raten bis 1867 zu zahlen, herabgesetzt wurde. Bis 1947 l√§hmte die Schuldenlast die haitianische Wirtschaft und legte den Grundstein f√ľr Armut und Korruption.[9]

Haiti musste zur Bezahlung der Schulden Steuern einf√ľhren, die langanhaltende Unzufriedenheit, besonders im spanisch gepr√§gten Ostteil, verursachte. Insbesondere finanzierte Boyer sie durch Anleihen bei franz√∂sischen Banken, und diese Auslandsverschuldung wurde chronisch.

Seit 1822 regierte Boyer nach der Verfassung vom 2. Juni 1816 als Pr√§sident auf Lebenszeit, jedoch unter best√§ndigem Zerw√ľrfnis mit dem Repr√§sentantenhaus.

Im Fr√ľhjahr 1842 wurde Haiti von einem furchtbaren Erdbeben heimgesucht, das einige St√§dte fast vernichtete; besonders hart wurde die Stadt Cap-Ha√Įtien betroffen. Boyer wurde 1843 durch eine von den Mulatten Dumesle und Herard Rivi√®re geleitete Verschw√∂rung gest√ľrzt, ging nach Europa ins Exil, wo er 1850 in Paris verstarb.

Die siegreichen Parteih√§upter teilten darauf die Stellen unter sich auf. Widerstand zeigte sich nur in dem spanisch gepr√§gten Ostteil (Santo Domingo), weshalb Rivi√®re eilig mit Truppen dahin zog, die vornehmsten Einwohner von Santo Domingo gefangennahm und eine Besatzung unter seinem Bruder, dem Obersten Leo Herard, zur√ľcklie√ü. Aber kaum wurde eine neue Verfassung eingef√ľhrt und hatte Rivi√®re als Pr√§sident die Macht √ľbernommen, als im August 1843 im Ostteil wieder ein offener Aufstand ausbrach.

Am 27. Februar 1844 erk√§mpfte sich und proklamierte Santo Domingo als Dominikanische Republik (Rep√ļblica Dominicana) seine Unabh√§ngigkeit vom westlichen Landesteil Haiti.

Instabilität (1844 bis 1915)

Haiti nach der Unabhängigkeit der Dominikanischen Republik

Nach dem Abfall der Dominikanischen Republik von Haiti am 27. Februar 1844 rief Herard Rivi√®re √ľber den Osten der Insel den Blockadezustand aus, rief die Nationalgarde zu den Waffen, und schon am 10. M√§rz 1844 brachen zwei Heere, 20.000 Mann stark, nach Osten auf. Die eine Kolonne, unter Pierrot, einem schwarzen General, wurde jedoch schon auf dem Marsch von Pimentel bei Seybo geschlagen, und auch die zweite, unter Rivi√®re selbst, erlitt am 9. April bei Santiago erneut eine Niederlage.

Nun emp√∂rten sich in Haiti die Schwarzen gegen die Mulatten. Um zu retten, was noch zu retten war, willigten diese ein, dass ein Schwarzer, Guerrier, zum Pr√§sidenten gew√§hlt werden sollte, zumal dieser bei seinem hohen Alter und seiner unm√§√üigen Neigung zum Trunk Hoffnung gab, dass die wirkliche Leitung der Gesch√§fte nach wie vor in den H√§nden der Farbigen bleiben w√ľrde. Wirklich wurde Guerrier schon Anfang 1845 ein Opfer seiner Trunksucht.

Unter seinem Nachfolger Pierrot machten die Mulatten einen Versuch, ihren alten Einfluss wiederzugewinnen, und erhoben sich am 25. September 1845, um die Zur√ľckberufung Rivi√®res zu erzwingen. Die Bewegung wurde jedoch sofort unterdr√ľckt, und die Mulatten sahen sich nun blutigen Verfolgungen ausgesetzt. Der Hass der Schwarzen √§u√üerte sich unter anderem in einem Gesetz, das jede Ehe zwischen Wei√üen und Schwarzen verbot. Als sich Anfang 1846 der Volksunwille gegen den Pr√§sidenten Pierrot wandte, gab dieser seine Sache sofort auf und trat in den Privatstand zur√ľck.

Faustin Soulouque, auch bekannt als Faustin I.

Der durch diese Revolution am 28. Februar 1846 auf den Stuhl gehobene Pr√§sident war General Jean-Baptiste Rich√©. Die Verfassung von 1843 wurde durch die vom 14. November 1846 ersetzt, welche im Wesentlichen die von 1816 war. Der Pr√§sident, ein fast 70-j√§hriger Mann, aber noch von hoher Tatkraft, stellte in kurzer Zeit den Frieden auf der Insel wieder her, vermehrte die Hilfsquellen des Landes und lie√ü sich die Zivilisierung des haitischen Volkes angelegen sein. Zu fr√ľh f√ľr Haiti starb er am 27. Februar 1847.

Der als sein Nachfolger proklamierte General Faustin Soulouque versprach zwar in einem Erlass vom 3. M√§rz, das fr√ľhere Ministerium beizubehalten und die Politik seines Vorg√§ngers fortzusetzen. Er begann jedoch seine Regierung mit einem Ministerwechsel, der die den Wei√üen feindlichsten Schwarzen an das Ruder brachte, und Vorbereitungen zu einem Krieg gegen die Nachbarrepublik traf. Im M√§rz 1849 kam es zu einem Einfall in San Domingo. In der Schlacht bei Savanna Numero am 22. April 1849 behaupteten die Dominicanos jedoch unter General Santana nach einem f√ľrchterlichen Gemetzel das Feld. Soulouques Heer l√∂ste sich auf, und Santana w√ľrde dem westlichen Staat ein v√∂lliges Ende gemacht haben, wenn ihn nicht ein Aufstand nach San Domingo zur√ľckgerufen h√§tte.

Kaiserreich (1849 bis 1859)

Nach seiner R√ľckkehr von dem erfolglosen Feldzug lie√ü Soulouque sich am 26. August 1849 in Port-au-Prince zum Kaiser ausrufen und setzte sich in der Kathedrale selbst die Krone auf. Als Kaiser Faustin I. ordnete er nun sein Reich ganz nach napoleonischem Vorbild und umgab sich mit einer gl√§nzenden Kaisergarde. Das Ausland reizte er durch Monopolisierung von Zucker und Kaffee, zeitweilige Sperrung der H√§fen gegen fremde Schiffe und hohe Steuern, die er den ausw√§rtigen Kaufleuten auferlegte. Nur den energischen Vorstellungen der Konsuln von England, Nordamerika und Frankreich gelang es endlich im Sommer 1850, die Aufhebung dieser Monopolisierung zu erwirken, doch trat an deren Stelle ein erh√∂hter Ausgangszoll auf Kaffee und andere Hauptausfuhrartikel.

Fabre Geffrard

Im Innern herrschte der Kaiser willk√ľrlich und grausam. Am 30. September 1850 begann er abermals Feindseligkeiten gegen San Domingo. Doch das Landheer des Kaisers erlitt am 9. Oktober in den Bergen von Banica wiederum eine bedeutende Niederlage. Anfang 1851 boten endlich England, Frankreich und die Vereinigten Staaten ihre Vermittlung bei den Feindseligkeiten an. Neue Eroberungspl√§ne Faustins auf San Domingo, trotz der Protestaktionen Frankreichs und Englands im Dezember 1855 ins Werk gesetzt, scheiterten ebenso kl√§glich wie die fr√ľheren. In der Savanne von San Tome wurde das 18.000 Mann starke, teils unter Faustins, teils unter General Fabre Geffrards Kommando stehende Heer am 22. Dezember geschlagen. Der Kaiser selbst floh und √ľberlie√ü die kaiserliche Kasse samt Bagage etc. dem Feind. Er lie√ü hierauf drei Gener√§le und mehrere Offiziere ‚Äď angeblich aufgrund des Einverst√§ndnisses mit den Dominicanos ‚Äď erschie√üen, sammelte die Reste seines Heeres, erlitt aber mit 10.000 ‚Äď 12.000 Mann in der "gro√üen Savanne" (Sabanalarga) am 24. Januar 1856 eine zweite entscheidende Niederlage. Zwar verk√ľndete er unmittelbar nach seiner R√ľckkehr durch eine Proklamation, dass der Krieg gegen San Domingo nur vorl√§ufig aufgeschoben sei, doch f√ľhrten die Vermittlungen Englands und Frankreichs sowie die k√ľhne Haltung der Dominicanos noch in demselben Jahr zum Abschluss eines dreij√§hrigen Waffenstillstandes.

Wiederherstellung der Republik (1859 bis 1915)

Inzwischen erfolgte Faustins Sturz. Eifers√ľchtig auf das Ansehen, das sein General Geffrard bei den Truppen genoss, hatte er bereits dessen Verhaftung und Hinrichtung angeordnet, als dieser, noch rechtzeitig gewarnt, am 21. Dezember 1858 nach Gona√Įves entkam und hier von den Truppen des Distrikts Artibonite zum Pr√§sidenten von Haiti ausgerufen wurde. Faustins Regierung war so verhasst, dass Geffrard schon am 15. Januar 1859 ohne Widerstand in Port au Prince einziehen und die Pr√§sidentschaft √ľbernehmen konnte. Er sch√ľtzte den nach Jamaika abziehenden Exkaiser vor der Volkswut und nahm auch sonst keine politischen Verfolgungen vor. Intelligent und aktiv, beg√ľnstigte er K√ľnste und Wissenschaften und gew√§hrte volle b√ľrgerliche und religi√∂se Duldung, rief aber eben hierdurch best√§ndige Opposition von Seiten der Schwarzen alten Schlags hervor. Die Armee wurde verringert, der fr√ľhere liberale Zolltarif wiederhergestellt und eine Flotte gegr√ľndet. Mehrere Revolten wurden niedergeworfen, namentlich 1865 mit Hilfe Englands auch die der Partei der sogen. Lizards (‚ÄěEidechsen‚Äú) unter dem Rittmeister Salnave.

Diesem gelang es jedoch zwei Jahre sp√§ter, Geffrard zu st√ľrzen und wurde daraufhin auf vier Jahre zum Pr√§sidenten gew√§hlt, worauf eine neue Verfassung der Republik verk√ľndet wurde.

Aber schon 1868 erhob sich die Partei der Cacos (‚ÄěPapageien‚Äú) unter General Nissage Saget gegen die Partei Salnaves; Saget siegte nach zweij√§hrigen K√§mpfen, eroberte 1869 Port au Prince und lie√ü 1870 Salnave erschie√üen. Saget wurde darauf f√ľr vier Jahre zum Pr√§sidenten der Republik gew√§hlt.

Ihm folgte 1874 General Michel Domingue. Da dieser und sein Neffe, der Vizepr√§sident Rameau, durch Habsucht und Erpressung allgemeine Unzufriedenheit erregten, kam es 1876 zu einem Aufstand, infolge dessen am 19. Juli 1876 das Haupt der Nationalen, General Pierre Th√©oma Boisrond-Canal, zum Pr√§sidenten gew√§hlt wurde. Doch schon im Juli 1879 wurde Boisrond-Canal, dessen Regierung keine gl√ľckliche war, durch die Gegenpartei der Liberalen nach einem blutigen Stra√üenkampf in Port au Prince, bei dem ein gro√üer Teil der Stadt in Flammen aufging, gest√ľrzt und General Salomon zum Pr√§sidenten erhoben. Ein Ausstand unter Salomons Rivalen Boyer Bazelais, welcher 1883 in Miragoane ausbrach, wurde nach hartn√§ckigen K√§mpfen Ende 1883 unterdr√ľckt.

Bis 1915 gab es elf weitere Pr√§sidenten. Florvil Hyppolite (1889‚Äď96) regierte sechseinhalb Jahre. In der turbulenten Zeit von 1912 bis 1915 amtierten allein sieben Pr√§sidenten.

Intervention der USA (1915 bis 1934)

Die Karibik am Ende des 19. Jahrhunderts

Am 28. Juli 1915, unmittelbar nachdem eine Menschenmenge Präsident Jean Vilbrun Guillaume Sam gelyncht hatte, wurde Haiti durch die USA besetzt. Offizielles Ziel der Intervention war es, die öffentliche Ordnung in dem von inneren Konflikten zerrissenen Land wieder herzustellen.

Nach Ansicht von Historikern richtete sie sich aber auch gegen den deutschen Einfluss in Haiti. Die kleine Gruppe deutscher Einwanderer (etwa 200 um 1910) dominierte damals die Wirtschaft des Landes und in Washington f√ľrchtete man, dass das Deutsche Reich Flottenst√ľtzpunkte in der Karibik-Republik einrichten k√∂nnte. Im Juli 1918, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, wurde Haiti gezwungen Deutschland den Krieg zu erkl√§ren, womit der Weg zur Enteignung der Deutschen frei war. Doch nach dem Krieg wurde den Deutschen ihr Besitz zur√ľckerstattet.[10]

Die amerikanische Besatzung dauerte 19 Jahre und war f√ľr Haiti in vieler Hinsicht traumatisch. Zwar bauten die Amerikaner Stra√üen, Krankenh√§user und Telefonanlagen. Doch mit ihrem rassistischen Hochmut gegen Schwarze und Mulatten dem√ľtigten sie die Haitianer zutiefst. Bezeichnend ist der Ausspruch des US-amerikanischen Au√üenministers William Jennings Bryan: "Ach Gottchen, denken Sie nur - Nigger, die Franz√∂sisch sprechen."[11] Die US-Besatzer verpflichteten f√ľr ihre Stra√üenprojekte Bauern zur Zwangsarbeit und ihr Kampf gegen die "Caco"-Rebellen forderte tausende Menschenleben. Der Voodoo wurde als "Satanskult" unterdr√ľckt.

Erneute Unabhängigkeit (1934 bis 1957)

Schließlich wurden die US-Streitkräfte 1934 im Rahmen der Good Neighbour Policy aus Haiti abgezogen. Während des Zweiten Weltkrieges erklärte Haiti dem Deutschen Reich am 12. Dezember 1941 den Krieg. Diese Beteiligung am Zweiten Weltkrieg war eher formal, es gab keinen relevanten Beitrag zu den Kampfhandlungen in Europa oder Asien. Die Kriegserklärung ermöglichte es allerdings, deutsches Eigentum in Haiti als Feindeigentum zu enteignen. Zudem kam es im Laufe des Zweiten Weltkrieges zu Angriffen deutscher U-Boote auf strategisch wichtige Ziele in der Karibischen See und dem Golf von Mexiko. Durch die Kriegserklärungen waren somit die britischen und US-amerikanischen Seestreitkräfte in der Lage, auch in den Hoheitsgewässern ihrer mittelamerikanischen Alliierten zu operieren und deren Flugplätze zu nutzen.

Duvalier-Diktatur (1957 bis 1986)

Siehe auch: François Duvalier

1957 wurde der Arzt Fran√ßois Duvalier, genannt Papa Doc mit Hilfe des Milit√§rs zum Pr√§sidenten gew√§hlt und brachte so sich und seinen Familienclan in die Schl√ľsselpositionen des Staates. Er entmachtete systematisch die mulattische Elite. Nach seinem Tod 1971 trat sein Sohn Jean-Claude Duvalier, genannt Baby Doc, seine Nachfolge an und lie√ü sich als Pr√§sident auf Lebenszeit best√§tigen. Im Jahr 1984 kam es zu ersten Unruhen. Zwei Jahre sp√§ter wurde das Kriegsrecht ausgerufen. Jean-Claude Duvalier wurde im weiteren Verlauf abgesetzt und ging ins franz√∂sische Exil.

Zeit des √úbergangs (1986 bis 1990)

Nach Baby Docs Absetzung und Flucht begann die Zeit des √úbergangs, mit weiteren Versuchen eine stabile Republik zu bilden. Das Einkammerparlament mit 59 Sitzen wurde aufgel√∂st. Am 21. M√§rz 1986 ernannte sich General Henri Namphy zum Pr√§sidenten. Am 19. Oktober 1986 wurde bei einer nur f√ľnfprozentigen Beteiligung eine verfassunggebende Versammlung gew√§hlt, die f√ľr 1987 eine Pr√§sidialrepublik mit einer entsprechenden Verfassung vorbereiten sollte. Am 29. M√§rz 1987 wurde die neue Verfassung mit gro√üer Mehrheit vom Volk angenommen.

Es wurde ein Abgeordnetenhaus mit 83 Mitgliedern, das alle vier Jahre gew√§hlt wird, und ein Senat mit 27 Mitgliedern, der alle sechs Jahre gew√§hlt wird, installiert. Alle f√ľnf Jahre sollte das Staatsoberhaupt direkt gew√§hlt werden.

Im November 1987 mussten die Wahlen zum Parlament abgebrochen werden, da die immer noch zahlreichen Anh√§nger von Duvalier wahlwillige B√ľrger bedrohten und sogar ermordeten.

Leslie Manigat wurde dann im Januar 1988 als Pr√§sident gew√§hlt, aber schon im Juni vom Milit√§r wieder entmachtet. Der heutige Ministerpr√§sident Gerard Latortue war √ľbrigens Au√üenminister im Kabinett. Nachdem General Namphy eine nur aus Milit√§rs bestehende Regierung ernannte, erfolgte drei Monate sp√§ter schon der n√§chste Putsch, diesmal durch Generalleutnant Avril.

Im Jahr 1990 st√ľrzte General H√©rard Abraham den Diktator Prosper Avril und √ľbergab die Macht an Zivilisten, um so den Weg f√ľr freie Wahlen zu ebnen.

1990 bis 2000

Jean-Bertrand Aristide (links) mit US-Präsident Bill Clinton, 1994

In diesen Wahlen gewann Jean Bertrand Aristide 1990 die Pr√§sidentenwahlen, wurde aber bereits 1991 durch einen Armeeputsch gest√ľrzt. General Raoul C√©dras √ľbernahm die Macht. Es folgten drei d√ľstere Jahre f√ľr das Land. Misswirtschaft, Terror und Korruption bestimmten den Alltag der B√ľrger, eine Fl√ľchtlingswelle zum US-Milit√§rst√ľtzpunkt Guantanamo in Kuba setzte ein. Trotz oftmaliger Wechsel der Position des Ministerpr√§sidenten verbesserte sich die Lage nicht, im Gegenteil. Nun wurden Wirtschaftssanktionen verh√§ngt und der internationale Druck stieg.

Am 19. September 1994 intervenierten die USA im Rahmen der Operation Uphold Democracy in Haiti nach 1915 ein zweites Mal und setzten Jean Bertrand Aristide wieder ins Pr√§sidentenamt ein. Er l√∂ste zu Beginn des Jahres 1995 das Milit√§r auf, st√§rkte aber im Gegenzug den Polizeiapparat (Chimeres). Der sp√§tere Rebellenf√ľhrer und Gegenspieler Guy Philippe kehrte aus Ecuador in seine Heimat zur√ľck und stieg im neu geschaffenen Polizeiapparat schnell auf. 1995 wurde er dann zum Polizeichef von Cap-Ha√Įtien.

Am 31. März 1995 wurde Haiti unter ein UNO-Mandat gestellt, das Ende 1997 wieder auslief. Während dieser Zeit verlief das öffentliche Leben in relativ geordnetem Rahmen.

Ein weiteres Ziehkind von Aristide, René Préval, wurde im Dezember 1995 zum Präsidenten ernannt, diese Periode dauerte vom 7. Februar 1996 bis 7. Februar 2001.

2000 bis 2004

Nachdem im Januar 2000 die Interventionstruppen der USA das Land verlie√üen, fanden vier Monate sp√§ter umstrittene Parlamentswahlen statt. Die Partei Aristides (Fanmi Lavalas (kreolisch f√ľr Lawine) -Familie) gewann die Mehrheit der Parlamentssitze.

Nach der Pr√§sidenten-Wahl am 26. November 2000, die Jean-Bertrand Aristide mit 91,8 % der Stimmen und damit √ľberragender Mehrheit gewann, wurden Manipulationsvorw√ľrfe laut; die Opposition hatte die Wahl boykottiert. Auf Dr√§ngen der USA wurde die internationale Hilfe f√ľr Haiti daraufhin eingestellt.[12]. Aristide trat sein Amt am 7. Februar 2001 an. Ohne internationale Hilfe und mit starkem internationalem Druck gegen Aristide wurde Position der Regierung immer schwieriger. Immer wieder kam es zu Zusammenst√∂√üen zwischen Aristide-Gegnern und regierungstreuen Demonstranten.

Revolution und √úbergang (2004)

Der Sturz von Jean Bertrand Aristide

Am 200. Unabh√§ngigkeitstag am 1. Januar 2004 kam es zu schweren Unruhen in Haiti, die mit Sch√ľssen gegen den Pr√§sidenten Jean Bertrand Aristide und seinen s√ľdafrikanischen Amtskollegen Thabo Mbeki in der Stadt Gona√Įves begannen. Haitianische Polizisten und s√ľdafrikanische Sicherheitsleute erwiderten das Feuer. Im ganzen Land kam es daraufhin zu Zusammenst√∂√üen zwischen Regierungsgegnern und den Sicherheitskr√§ften.

Gegen Aristide gerichtete, gut organisierte Aufst√§nde, vor allem der Front pour la Lib√©ration et la Reconstruction Nationales (zeitweise Revolution√§re Widerstandsfront des Artibonite genannt), brachten das Land Anfang Februar an den Rand eines B√ľrgerkrieges. Am 5. Februar 2004 hatten die Aufst√§ndischen unter ihrem Anf√ľhrer Butteur M√©tayer in der Stadt Gona√Įves (160 Kilometer nordwestlich von Port-au-Prince) die Macht √ľbernommen. Aristide hatte 1995 die Armee aufgel√∂st und die die Polizei war nicht imstande den Rebellen ernsten Widerstand entgegenzusetzen.

Nachdem am 14. Februar 2004 die fr√ľheren Putschisten Louis-Jodel Chamblain und Guy Philippe aus ihrem Exil in der Dominikanischen Republik zur√ľckgekehrt waren, schlossen diese sich dem Aufstand an. Die Rebellen eroberten daraufhin in den folgenden Tagen zahlreiche St√§dte und Orte im Norden der Karibikrepublik.

Schlie√ülich erreichten die Truppen Ende Februar Port-au-Prince und der amtierende Pr√§sident Jean-Bertrand Aristide gab dem Druck der Rebellen und der USA nach, und wurde von einem amerikanischen Mili√§rflugzeug am 29. Februar 2004 (kurioserweise der Geburtstag von Guy Philippe) in die Zentralafrikanische Republik geflogen. Aristide hat dies sp√§ter als ‚Äěeine moderne Entf√ľhrung‚Äú und einen ‚ÄěStaatsstreich‚Äú der USA genannt.[13] Nach Aristides Flucht √ľbernahm der Oberste Richter Boniface Alexandre die Amtsgesch√§fte des Staatsoberhaupts in der Hauptstadt. Bei den bewaffneten Auseinandersetzungen waren bis Anfang M√§rz 2004 mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen.

Am 4. M√§rz 2004 k√ľndigte der Anf√ľhrer der Rebellen Guy Philippe an, ihre Waffen niederzulegen, was er dann sp√§ter wieder relativierte. In der Hauptstadt Port-au-Prince demonstrierten am selben Tag Tausende f√ľr die R√ľckkehr von Aristide. Am 7. M√§rz 2004 schossen unbekannte T√§ter auf friedliche Demonstranten und t√∂teten mindestens sechs Menschen. Erstmals seit Beginn der Unruhen kam auch ein ausl√§ndischer Journalist ums Leben.

Aristide im Exil

Von seinem Exilort in Bangui, Zentralafrikanische Republik aus warf Aristide am 1. März 2004 den USA vor, ihn gegen seinen Willen aus dem Land gebracht zu haben. Die US-Regierung dementierte umgehend; man sei lediglich bei der Flucht ins Ausland behilflich gewesen, hieß es weiter.

Am 9. M√§rz 2004 teilte ein Rechtsanwalt von Aristide mit, dass man die USA und Frankreich wegen Entf√ľhrung verklagen will. Der konkrete Vorwurf lautete, die Regierung von US-Pr√§sident George W. Bush habe Aristide aus Haiti entfernen wollen und Frankreich habe durch den Versto√ü gegen internationales Recht dabei geholfen.

Unterst√ľtzung erhielt Aristide am 9. M√§rz 2004 jetzt auch von der Afrikanischen Union (AU) und der Gemeinschaft der Karibikstaaten. Die 53 Staaten umfassende AU erkl√§rte an ihrem Hauptsitz Addis Abeba, die Entfernung Aristides aus seinem Amt sei verfassungswidrig. Dabei gehe es nicht um Personen, sondern um die Grunds√§tze der Demokratie. Au√üerdem forderte die aus 15 Staaten bestehende Karibische Gemeinschaft eine internationale Untersuchung der Entf√ľhrungsvorw√ľrfe. Aristides Anwalt hatte vorher erkl√§rt, dass man auch Beschwerde bei den Vereinten Nationen einlegen wolle, wenn man die Unterst√ľtzung einiger afrikanischer Staaten bekomme.

Weiterhin rief Aristide zum Widerstand gegen die seiner Meinung nach inakzeptable Besatzung auf. So sagte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt: Ich bin der demokratisch gewählte Präsident und bleibe es auch.

Die Ank√ľndigung s√ľdafrikanischer Regierungsvertreter vom 5. M√§rz 2004, der Aufenthalt Aristides in der Zentralafrikanischen Republik sei nur vor√ľbergehender Natur best√§tigte sich acht Tage sp√§ter. Jamaika gew√§hrte am 13. M√§rz 2004 dem Ex-Pr√§sidenten ein vor√ľbergehendes Aufenthaltsrecht. Die neue Regierung zeigte sich dar√ľber besorgt, k√∂nne doch eine solche N√§he Aristides zu Haiti weitere Unruhen sch√ľren. Als weitere Reaktion auf diesen Vorgang berief die neue Regierung am 15. M√§rz 2004 ihren Botschafter von Jamaika ab und fror die Beziehungen zu dem Staat ein. Jamaikas Premierminister Percival J. Patterson versicherte jedoch, dass er Aristide ausschlie√ülich aus "humanit√§ren Gr√ľnden" einreisen lasse, bevor ein endg√ľltiges Exilland au√üerhalb der Region f√ľr ihn gefunden sei. Er m√ľsse sich jeglicher politischer Bet√§tigung enthalten.

Der 22. M√§rz 2004 brachte eine neue Wendung der Exilfrage. Nigeria wolle dem gest√ľrzten nun Asyl gew√§hren, hie√ü es von dort. Man sei dazu vor√ľbergehend bereit, teilte das Pr√§sidentenamt in der nigerianischen Hauptstadt Abuja mit.

Am 1. April 2004 k√ľndigte die haitianische √úbergangsregierung an, eine unabh√§ngige Kommission zur Untersuchung von Korruptionsvorw√ľrfen gegen den gest√ľrzten Pr√§sidenten Jean-Bertrand Aristide einrichten. Das Gremium solle alle Verst√∂√üe auflisten, um dann formell seine Auslieferung zu beantragen.

Nachdem die Gemeinschaft der karibischen Staaten S√ľdafrika am 10. Mai 2004 offiziell darum gebeten hatte, den entmachteten Staatschef einreisen zu lassen, gab die s√ľdafrikanische Regierung am 13. Mai 2004 bekannt, dass sie nach R√ľcksprache mit den Regierungen von Frankreich und den USA Aristide zeitweilig aufnehmen wird.

Am 30. Mai 2004 brach er von Kingston, der jamaikanischen Hauptstadt, zusammen mit seiner Frau und seinen zwei T√∂chtern ins Exil nach S√ľdafrika auf. Dort wurde er am 31. Mai von Pr√§sident Thabo Mbeki begr√ľ√üt. Nach eigenen Angaben will er sich nur vor√ľbergehend in S√ľdafrika aufhalten, bis sich die Lage in Haiti wieder beruhigt hat. Er sieht sich immer noch als rechtm√§√üiger Pr√§sident des Landes.

Ausländische Truppenpräsenz

Die USA, Frankreich und Chile entsandten am 29. Februar 2004, also noch am selben Tag, an dem Aristide das Land verlassen hat, erste Truppen nach Haiti. Insgesamt befanden sich im März 2004 1.600 US-Soldaten, 800 französische und 130 chilenische Soldaten im Land.

Der brasilianische Pr√§sident Lula da Silva vor brasilianischen Truppen f√ľr die UN-Mission in Haiti 2004

Brasilianische Regierungsvertreter teilten am 4. M√§rz 2004 mit, dass sie sich, wenn gew√ľnscht, mit 1.100 Soldaten an einer UN-Truppe f√ľr Haiti beteiligen k√∂nnten. Brasilien ist damit das erste Land, das ein solches Angebot unterbreitet. Und tats√§chlich, am 9. April 2004 teilte der brasilianische Verteidigungsminister Jos√© Viegas mit, dass Brasilien im Juli 2004 die F√ľhrung der neuen UN-Friedenstruppen in Haiti √ľbernehmen wird, die dort im Rahmen der Stabilisiserungsmission f√ľr Haiti stationiert wurden. Das s√ľdamerikanische Land werde dazu 1.470 Soldaten von Heer, Marine und Luftwaffe in die Karibik-Republik schicken. Viegas legte Wert auf die Klarstellung, dass der milit√§rische Einsatz der Brasilianer in Haiti ganz anderer Natur sei als jener der USA in Irak.

In Port-au-Prince traf am 17. März 2004 ein erstes 170 Mann starkes kanadisches Kontingent der offiziellen internationalen Friedenstruppe ein, welches die Eingreiftruppen ablösen soll. An der auf 90 Tage ausgelegten Mission beteiligen sich auch die USA, Frankreich und Chile, die bereits Truppen außerhalb des Mandates entsandt hatten.

Franz√∂sische Soldaten r√ľckten am 19. M√§rz 2004 von der Hauptstadt Port-au-Prince aus in den Norden des Landes aus, der bisher von den Rebellen gehalten wurde. Ein Konvoi von 150 Mitgliedern der franz√∂sischen Fremdenlegion erreichte die Stadt Gona√Įves, 250 Soldaten nahmen in der Hafenstadt Cap-Ha√Įtien ihre Positionen ein. In beiden St√§dten haben sich die Rebellen nur dann zur Niederlegung ihrer Waffen bereit erkl√§rt, wenn die Anh√§nger Aristides gleichziehen. Rebellenf√ľhrer Butteur Metayer sagte in Gona√Įves, man werde den einr√ľckenden Franzosen alle Gewehre aush√§ndigen, mit denen man in den letzten Wochen gek√§mpft habe.

Am 1. Mai 2004 erteilte der UN-Sicherheitsrat offiziell das Mandat f√ľr den Einsatz von 6.700 Blauhelmen und 1.200 Zivilpolizisten. Die UN-Soldaten l√∂sten die in Haiti stationierte multinationale Truppe unter US-F√ľhrung im Juni ab.

Bildung einer √úbergangsregierung

Die Bem√ľhungen um die Bildung einer neuen Regierung kamen am 5. M√§rz 2004 weiter voran. Es wurde eine Wahlkommission gebildet, die dem neuen, am 8. M√§rz 2004 vereidigten √úbergangspr√§sidenten Boniface Alexandre einen neuen Premierminister vorschlagen soll. Am 9. M√§rz 2004 schlug die Kommission den Juristen und Wirtschaftsexperten Gerard Latortue als neuen Ministerpr√§sident vor. Er nahm die Berufung an und kehrte einen Tag sp√§ter aus seinem Exil in Florida nach Haiti zur√ľck. Am 12. M√§rz 2004 wurde er vereidigt und trat damit offiziell sein Amt an. Hauptaufgabe seiner Regierung wird es sein, freie Wahlen zu organisieren.

Bei der Regierungsbildung solle nach Willen von Latortue auch der gemeinsam mit ihm nach Haiti zur√ľckgekehrte fr√ľhere General H√©rard Abraham eine f√ľhrende Rolle spielen, sagte Latortue. Abraham hatte 1990 nach dem Sturz des Diktators Prosper Avril die Macht an Zivilisten √ľbergeben und den Weg f√ľr die ersten freien Wahlen in der Geschichte des Landes geebnet.

US-Soldaten sichern einen Hilfskonvoi durch die Hauptstadt Port-Au Prince, 5. April 2004

Latortue l√∂st damit seinen Vorg√§nger Yvon Neptune ab, der noch die alte Regierung unter dem gest√ľrzten Pr√§sidenten Jean-Bertrand Aristide gef√ľhrt hatte. Pr√§sident Alexandre rief seine Landsleute in der Zwischenzeit zur Vers√∂hnung auf. Bei seiner Amtseinf√ľhrungszeremonie bedankte er sich ausdr√ľcklich bei der internationalen Gemeinschaft f√ľr deren Hilfe. Dieses Ziel verfolgt er der neue Ministerpr√§sident, der sich am 12. M√§rz 2004 bereits mit Vertretern der Aristide-Partei Lavalas traf, um seinem Ziel der nationalen Vers√∂hnung mit der Einbindung aller relevanten Kr√§fte des Landes n√§her zu kommen.

Am 16. M√§rz 2004 wurde das neue Kabinett vorgestellt, zu diesem Zweck traf sich im Vorfeld der Ministerpr√§sident mit Vertretern aller Seiten zu einem Gespr√§ch. Latortue ernannte 13 neue Minister, jedoch kein Mitglied der Lavalas-Partei des gest√ľrzten Pr√§sidenten Jean-Bertrand Aristide wurde ber√ľcksichtigt. Latortues Vorg√§nger Yvon Neptune warnte deshalb vor einer weiteren Polarisierung in Haiti.

√úbergangszeit zwischen Aristides Sturz und den Wahlen 2006

Kurz nach dem Sturz von Aristide kam es zu vereinzelten √úbergriffen auf US-Soldaten, bei denen bis zum 10. M√§rz 2004 vier Haitianer get√∂tet. In Port-au-Prince kam es wieder zu Schie√üereien zwischen Anh√§ngern des Ex-Pr√§sidenten und Sicherheitskr√§ften. Zuvor wurde eine Demonstration f√ľr Aristide mit Tr√§nengas aufgel√∂st. Die Organisation Human Rights Watch erkl√§rte, Anh√§nger des gest√ľrzten Pr√§sidenten Jean-Bertrand Aristide und Journalisten, die auf seiner Seite gestanden h√§tten, w√ľrden unerlaubt von K√§mpfern festgehalten.

Schwere Vorw√ľrfe artikulierte die Organisation auch an die Rebellen. Sie werden verd√§chtigt, nach ihrer Eroberung der Stadt Cap-Ha√Įtien im Februar Menschen au√üergerichtlich hingerichtet zu haben. Die Menschen seien get√∂tet und mit Zementbl√∂cken sowie Metall beschwert ins Wasser geworfen worden.

Die Lage im Norden Haitis verschlechterte sich zunehmend. Viele Orte dort konnten wegen der unsicheren Lage √ľber Wochen nicht mit Lebensmitteln versorgt werden. Babys sind nach Angaben von √Ąrzten wegen Unterern√§hrung und Fl√ľssigkeitsmangel gestorben.

Gérard Latortue

Nach der Nominierung des neuen Ministerpr√§sidenten Gerard Latortue durch den Rat der Weisen warf der ehemalige Oberst Himler Rebu der Kommission vor, man h√§tte einen taktischen Fehler begangen, sich nicht f√ľr H√©rard Abraham, den ehemaligen Oberbefehlshaber der haitianischen Armee zu entscheiden. Nachdem Latortue dieser Forderung Folge geleistet und H√©rard Abraham in das Amt berufen hatte, gab der neue Innenminister am 18. M√§rz 2004 sogleich bekannt, wieder eine Armee aufstellen zu wollen. Aristide hatte diese Anfang 1995 aufgel√∂st.

Die Streitkr√§fte des Nachbarlandes Dominikanische Republik k√ľndigten nach den Ereignissen eine Verst√§rkung ihres Einsatzes an der Grenze an. Dies habe Staatspr√§sident Hipolito Mej√≠a aufgrund von Berichten angeordnet, wonach die haitianischen Rebellen mehr als 3000 Gefangene befreit h√§tten. Am 12. M√§rz 2004 nahmen haitianische Rebellen 36 Gesch√§ftsleute aus der Dominikanischen Republik als Geiseln, um einen Kumpanen aus dem Gef√§ngnis freizupressen. Die Entf√ľhrer drohten damit, die Verschleppten zu t√∂ten, falls der Haitianer nicht freikomme.

Venezuelas Pr√§sident Hugo Chavez k√ľndigte am 18. M√§rz 2004 an, die neue Regierung Haitis nicht anzuerkennen, und bot Aristide ebenfalls Asyl an. Auch Jamaikas Premier P. J. Patterson betrachtet Aristide, der dort zu Gast ist, weiter als legitimen Pr√§sidenten.

Nach der Verurteilung des Sturzes von Aristide durch die Karibische Gemeinschaft CARICOM am 1. M√§rz 2004 setzte Latortue die Mitgliedschaft Haitis in dem Staatenb√ľndnis CARICOM aus. Der Vorsitzende der CARICOM Patterson hatte zuvor Aristide in Jamaika Asyl angeboten. Die Mitgliedstaaten des B√ľndnis erw√§gten aus Protest gegen den von USA unterst√ľtzten Regierungswechsel ihrerseits die Suspendierung der Mitgliedschaft des Landes in der Organisation. Am 26. M√§rz 2004 beschloss der Karibikgipfel in St. Kitts einstimmig, die neue Regierung nicht anzuerkennen. Die USA dagegen unterst√ľtzten die √úbergangsregierung z.B. mit einem Infrastrukturprogramm von rund 50 Millionen Dollar.

Wahlen und Präsidentschaft René Prévals

René Préval

Im Februar 2006 lie√ü die √úbergangsregierung nach mehrfachem Verschieben des Termins und unter chaotischen Umst√§nden Wahlen durchf√ľhren.[14]. Die Wahl war sehr umstritten und von Betrugsvorw√ľrfen gekennzeichnet. Es war bis zum 17. Februar nicht klar, ob Pr√©val die Mehrheit von 50 % der Stimmen erhalten w√ľrde oder ob eine Stichwahl angesetzt werden m√ľsste. Letztlich wurde er von der Wahlkommission mit 51,15 % der Stimmen - bei einer Wahlbeteiligung von ca. 63 % - zum Wahlsieger erkl√§rt [15] [16]. Pr√©val, ein ehemaliger Mitstreiter Aristides, der die amerikanische Intervention in Haiti unterst√ľtzte, √ľbernahm am 14. Mai 2006 zum zweiten Mal das Amt des Pr√§sidenten von Haiti.

Die angespannte humanit√§re Lage versch√§rfte sich im Fr√ľhjahr 2008, als Proteste gegen die stark angestiegenen Preise f√ľr Reis, Mais und andere Grundnahrungsmittel zu schweren Ausschreitungen mit mehreren Todesopfern f√ľhrten.[17]

Erdbeben von 2010

‚Üí Hauptartikel: Erdbeben in Haiti 2010

Am 12. Januar 2010 ereignete sich in Haiti ein katastrophales Erdbeben mit mindestens 250.000 Todesopfern. Mehr als 1,2 Millionen Menschen wurden obdachlos, alleine in der Hauptstadt Port-au-Prince wurden tausende Bauwerke zerst√∂rt. Die bereits vorher nur rudiment√§r vorhandenen staatlichen Institutionen brachen weitgehend zusammen. Die Wahrung der √∂ffentlichen Sicherheit wurde in weiten Teilen von den Vereinigten Staaten √ľbernommen.

Zur Bew√§ltigung der Folgen des Erdbeben und f√ľr den Wiederaufbau der Infrastruktur des Landes wurden Haiti Hilfsma√ünahmen in H√∂he von mehr als 9 Milliarden US-Dollar zugesagt. Durch Spendenaufrufe kamen mehrere 100 Millionen US-Dollar zusammen. Der Internationale W√§hrungsfonds erlie√ü Haiti s√§mtliche Schulden.

Neun Monate nach den Erdbeben brach in Haiti eine Cholera-Epidemie aus. Waren Ende Oktober 2010 die Erkrankungen noch auf die n√∂rdlich von Port-au-Prince gelegene Provinz Artibonite beschr√§nkt, wurden am 9. November 2010 die ersten Erkrankungen in den Fl√ľchtlingslagern der Hauptstadt registriert. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als 550 Menschen an der Krankheit gestorben, mehr als 8000 Haitianer waren infiziert.[18] Die Regierung rief den sanit√§ren Notstand f√ľr das ganze Land aus.

Wahlen 2010-2011

Regul√§re Wahlen waren f√ľr den Januar 2010 geplant, wurden aber auf Grund der Erdbebenkatastrophe verschoben. Am 28. November wurden dann Parlamentswahlen und die erste Runde der Pr√§sidentschaftswahlen abgehalten. Vorher wurde die popul√§re Linkspartei Aristides Fanmi Lavalas, wie von allen Wahlen seit ihrem Sturz 2004, ausgeschlossen. Mit einer niedrigen Wahlbeteiligung qualifizierten sich zwei rechte Kandidaten, die Frau des ehemaligen Pr√§sidenten Leslie Manigat, Mirlande Manigat und der politisch unerfahrene Pops√§nger Michel ‚ÄěSweet Micky‚Äú Martelly f√ľr die Stichwahl. Der amtierende Pr√©val durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren.

Am 16. Januar 2011 kehrte der ehemalige Diktator Jean-Claude Duvalier nach fast 25 Jahren im Exil nach Haiti zur√ľck, nach eigener Aussage, ‚Äěum zu helfen‚Äú.[19][20] Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen Duvalier wegen Korruption, Veruntreuung und Diebstahls zu Lasten der haitianischen Staatskasse ein.[21]

Zus√§tzlich kehrte auch Jean-Bertrand Aristide am 18. M√§rz, zwei Tage vor der Stichwahl, zur√ľck.[22] Am 4. April wurden vol√§ufige Ergebnisse bekanntgegeben bei denen Martelly mit 2/3 der Stimmen in F√ľhrung lag. Endergebnisse waren f√ľr den 16. April angek√ľndigt. Am 4. April gab die Wahlkommission bekannt, dass nach dem vorl√§ufigen amtlichen Wahlergebnis Michel Martelly mit 67,6 Prozent der Stimmen der 56. Pr√§sident Haitis ist. Mirlande Manigat erreichte vorl√§ufige 31,7 Prozent.

Siehe auch

Filme

  • √Čgalit√© for All: Toussaint Louverture and the Haitian Revolution. Koval Films LLC London 2009, (ca. 60 min) - deutsche Erstausstrahlung: ARTE 8. Januar 2011

Literatur

Weblinks

 Commons: Geschichte Haitis ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Saunders, Nicholas J. The Peoples of the Carribbean: An Encyclopedia of Archaeology and Traditional Culture. ABC-CLIO, 2005: xi, xv. ISBN 978-1-57607-701-6 s. hier
  2. ‚ÜĎ Kohn GC, editor. Encyclopedia of plague and pestilence. New York, NY: Facts On File, Inc.; 1995. nach [1]
  3. ‚ÜĎ Haggerty, Richard A. (1989). "Haiti, A Country Study: French Settlement and Sovereignty". US Library of Congress. http://countrystudies.us/haiti/7.htm. Abgerufen am 18. Januar 2009.
  4. ‚ÜĎ C.L.R. James The Black Jacobins (Vintage Books: New York, 1963) Pg. 55, Quellenangabe laut en: History of Haiti
  5. ‚ÜĎ africanaonline
  6. ‚ÜĎ chnm.gmu.edu
  7. ‚ÜĎ Andrian Kreye "Napoleons Schmach - Die Wurzeln des Elends: Haiti bezahlt immer noch f√ľr seine Befreiung" in S√ľddeutsche Zeitung vom 19. Januar 2010
  8. ‚ÜĎ Rediscovering Haiti's Declaration of Independence, Duke University, 1. April 2010
  9. ‚ÜĎ Andrian Kreye "Napoleons Schmach-Die Wurzeln des Elends: Haiti bezahlt immer noch f√ľr seine Befreiung" in S√ľddeutsche Zeitung vom 19.Januar 2010
  10. ‚ÜĎ globalsecurity.org: Haiti 1897-1918 - German Interests
  11. ‚ÜĎ Andrian Kreye "Napoleons Schmach-Die Wurzeln des Elends: Haiti bezahlt immer noch f√ľr seine Befreiung" in S√ľddeutsche Zeitung vom 19.Januar 2010
  12. ‚ÜĎ http://coat.ncf.ca/our_magazine/links/63/63_15.htm An Excuse to Destabilize Haiti‚Äôs Democracy By Regan Boychuk, activist, Canada Haiti Action Network, Calgary. Press for Conversion, Issue 63, november 2008.
  13. ‚ÜĎ http://www.sueddeutsche.de/politik/haiti-aristide-bezichtigt-usa-eines-staatsstreichs-1.847586 Haiti Aristide bezichtigt USA eines Staatsstreichs. S√ľddeutsche Zeitung, 2. M√§rz 2004.
  14. ‚ÜĎ Haiti: Wahlen am Abgrund, Prof. Arnold Antonin, 2006
  15. ‚ÜĎ Ren√© Pr√©val zum Gewinner der Wahl in Haiti erkl√§rt
  16. ‚ÜĎ Haiti: Wahlen am Abgrund, Prof. Arnold Antonin, 2006
  17. ‚ÜĎ Wiener Zeitung: Im W√ľrgegriff der Armut vom 10. April 2008.
  18. ‚ÜĎ Spiegel Online: Cholera-Epidemie erreicht Hauptstadt Port-au-Prince, 9. November 2010.
  19. ‚ÜĎ http://www.dradio.de/nachrichten/2011011701/1/
  20. ‚ÜĎ http://www.bbc.co.uk/news/world-11943820
  21. ‚ÜĎ Haitis Justiz leitet Korruptionsermittlung ein, Focus, 18. Januar 2011
  22. ‚ÜĎ http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article1580675/Aristides-Rueckkehr-verschaerft-Haitis-Lage-vor-der-Wahl.html Aristides R√ľckkehr versch√§rft Haitis Lage vor der Wahl Samstag. Berliner Morgenpost, 19. M√§rz 2011.

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