Geschichte Islands

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Geschichte Islands
Isländische Flagge
Lage Islands in Europa
Karte Islands von Abraham Ortelius aus dem Jahr 1585

Die Geschichte Islands beginnt sp√§testens im 3. Jahrhundert n. Chr. Aus dieser Zeit stammen r√∂mische M√ľnzen ungekl√§rter Herkunft, die auf Island gefunden wurden. Damit ist auch nicht sicher zu sagen, wann die ersten Menschen Island erreichten. Die gefundenen M√ľnzen k√∂nnten jahrhundertelang als Zahlungsmittel kursiert und erst mit den Wikingern auf die Insel gelangt sein.

Inhaltsverzeichnis

Erste Berichte: Der Mythos um Thule

Die Insel ‚ÄěTile‚Äú (d.h. Thule) in der Carta Marina aus dem Jahre 1539. Erstellt von Olaus Magnus (1490-1557). "Islandia" befindet sich auf derselben Karte weiter n√∂rdlich.

In der √§lteren Forschung wurde lange angenommen, Pytheas von Marseille, ein Astronom, Mathematiker und Geograph, sei der erste gewesen, der die Insel in seinen Reiseberichten erw√§hnt habe. Er dehnte seine Forschungsreisen wahrscheinlich schon im vierten vorchristlichen Jahrhundert bis nach Nordwest-Europa aus. Seine Berichte sind zwar verloren, finden sich aber als Zitate teilweise, wenn auch kontextlos, bei Strabon wieder. Pytheas fand ein Land, das er Thule nannte, und das sechs Tagesreisen n√∂rdlich von Britannien, in der N√§he des Polarmeeres, liegen sollte. In diesem Land, so berichtet er, stand die Sonne w√§hrend der Sommersonnenwende die ganze Nacht √ľber dem Horizont.

Dieser Teil der Beschreibung passt zwar auf Island, doch scheint Pytheas angedeutet zu haben, dass Thule besiedelt sei. Das w√ľrde Island ausschlie√üen, da es dort bis heute keine arch√§ologischen Zeugnisse aus dieser fr√ľhen Zeit gibt. Au√üerdem schlie√üt man aus seiner Beschreibung inzwischen, dass er Festland und keine Insel gefunden hat, und folgert daher, dass er sich in Wirklichkeit auf Teile des heutigen Norwegen beziehe. Man nimmt zudem an, dass es in Nordeuropa zur Zeit des Pytheas k√§lter gewesen sein muss als heute, und glaubt deshalb, dass er s√ľdlicher in Skandinavien gelandet ist.

Der Name Thule wurde nach Pytheas lange als Synonym f√ľr das n√∂rdliche Europa gebraucht.

Die erste Besiedlung

Archäologische Nachweise

Erste arch√§ologische Belege f√ľr die Ankunft von Menschen in Island sind drei r√∂mische Kupferm√ľnzen aus der Zeit um 270‚Äď305 n. Chr. Zwei M√ľnzen wurden in den Ruinen eines Bauernhofs aus der Landnahmezeit, d.h. der Zeit der Besiedelung durch die Wikinger und ihre Angeh√∂rigen (870-930), in der N√§he von Brag√įavellir in Hamarsfj√∂r√įur, die dritte am Strand von Hvalnes in L√≥n gefunden. Sie stammen wahrscheinlich aus demselben Hort und sind die einzigen Hinterlassenschaften der Landnahmezeit. Die Fundorte liegen im s√ľd√∂stlichen Island, dort, wo die Seefahrer aus Europa meist anlandeten.

Arch√§ologisch schl√§gt sich die Besiedlung in einer Ver√§nderung der Vegetation nieder, die durch Pollenanalyse und Ver√§nderungen des Bodenprofils nachgewiesen werden kann. Die Zeugnisse dieser Besiedlung liegen knapp unter einer Tephraschicht (vulkanische Asche), die man daher auch die ‚ÄěBesiedlungsschicht‚Äú nennt. Sie wurde zuerst in Ausgrabungen in √ěj√≥rs√°rdalur in S√ľdisland in den 1940ern nachgewiesen. Die Asche stammt vermutlich von einem Ausbruch des Vatna√∂ldur in S√ľdostisland gegen Ende des 9. Jahrhunderts. Die Asche wurde bis nach Irland getragen, wo sie sich in Torfmooren ablagerte und auf 860 ¬Ī 20 n. Chr. cal datiert wird.[1]

Ausgrabungen in Reykjav√≠k lieferten zahlreiche C14-Daten, die deutlich √§lter als das aus den schriftlichen √úberlieferungen bekannte Datum der Besiedlung sind (um 780 n. Chr.). Alle Proben stammten von Holz (Birke und L√§rche), nur eine von Getreide (U-2674), das ein wesentlich j√ľngeres Datum lieferte. Im Herjolfsdalur in den Vestmannaeyjar ergab sich eine Datierung auf 690 n. Chr. (cal.), ebenfalls mit Birken- und L√§rchenholzkohlen. Diese fr√ľhen Daten gehen jedoch vermutlich auf die Nutzung alten Holzes zur√ľck.

Ausgrabungen haben inzwischen fr√ľhe Ansiedlungen aus dem 7. und 8. Jahrhundert auf den Westm√§nnerinseln nachgewiesen. Bei der √ľberlieferten Erstbesiedelung durch entlaufene irische Sklaven handelt sich aber offenbar um einen Gr√ľndungsmythos. Denn arch√§ologisch ist eine fr√ľhere Besiedlung nachweisbar. Auf den Westm√§nnerinseln wurden die Grundmauern eines typisch norwegischen Langhauses unterhalb einer Lavaschicht aus dem 7. Jahrhundert entdeckt.[2]

Irische Mönche?

Die Landnámabók bezieht sich auf Berichte des irischen Mönches Beda:

‚Äě√ć aldarfarsb√≥k √ĺeiri, er Beda prestr heilagr ger√įi, er getit eylands √ĺess, er T√Ĺli heitir ok √° b√≥kum er sagt, at liggi sex d√¶gra sigling √≠ nor√įr fr√° Bretlandi. √ěar sag√įi hann eigi koma dag √° vetr ok eigi n√≥tt √° sumar, √ĺ√° er dagr er sem lengstr. Til √ĺess √¶tla vitrir menn √ĺat haft, at √ćsland s√© T√Ĺli kallat, ...‚Äú

‚ÄěIn dem Buch √ľber den Geist der Zeiten (De temporum ratione), das der Priester Beda der Heilige verfasst hat, wird jenes Eiland erw√§hnt, das Tyle hei√üt und von dem in B√ľchern berichtet wird, es liege sechs d√¶gr[3] von Britannien nach Norden. Deswegen meinen kluge Leute, dass es Island sei, das Tyle genannt werde ...‚Äú

‚Äď Landn√°mab√≥k, Einleitung

Dieser Bericht Bedas geht wahrscheinlich auf Pytheas zur√ľck. Wo Pytheas selbst sein Thule dachte,[4] ist umstritten.[5] Nach Pytheas waren die Iren die n√§chsten, die den Nordatlantik erforschten. St. Patrick, der 432 n. Chr. nach Irland kam, hatte einige zum Christentum bekehrt. Als Missionare bereisten sie auch die n√∂rdlichen Inseln und den Kontinent. Vermutlich kannten die irischen M√∂nche den Bericht des Pytheas √ľber Thule und suchten Island. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts erreichten Iren die F√§r√∂er und kurz darauf wahrscheinlich auch Island.

Ari √ěorgilsson hinn fr√≥√įi, Islands erster Historiker, der in der Landessprache schrieb, erw√§hnt in seinem √ćslendingab√≥k (Das Buch der Isl√§nder) von 1125 den Aufenthalt irischer M√∂nche in Island.

Zu der Zeit, im 9. Jahrhundert, als die Norweger nach Island kamen, lebten dort m√∂glicherweise Priester, die die Norweger papar (Priester) nannten. Das Wort papar ist ein Lehnwort aus dem Irischen: pob(b)a oder pab(b)a, Einsiedler oder M√∂nch. Die Iren wiederum entlehnten den Begriff aus dem Lateinischen: papa, Vater. Da sie nicht unter den neu angekommenen "Heiden" leben wollten, verlie√üen sie laut Ari die Insel. Andere vermuten, dass Vulkanausbr√ľche sie vertrieben, oder dass sie vor den einwandernden Nordm√§nnern flohen oder mit ihnen verschmolzen. Auch die Landn√°mab√≥k (Das Buch von der Besiedlung Islands) stimmt darin √ľberein, dass papar im Si√įar-Distrikt siedelten, als der Norweger Ketill hinn fiflski in Island ankam.

Die Anwesenheit irischer M√∂nche ist aber nach wie vor nicht durch arch√§ologische Funde nachgewiesen, obwohl man vor allem auf der angeblich nach ihnen benannten Insel Papey im S√ľdosten von Island sehr gr√ľndlich nach solchen gefahndet hat.

Erste Wikinger auf Island

Entdeckung Islands durch die Wikinger

Ein norwegisches Wikingerschiff mit dem Norweger/F√§ringer Naddoddur an Bord verirrte sich auf dem Weg zu den F√§r√∂ern um circa 860 im Unwetter in den heutigen Rey√įarfj√∂r√įur in Ostisland. Er taufte die Insel zun√§chst aus naheliegenden Gr√ľnden Sn√¶land (deutsch: "Schneeland").

Einige Jahre sp√§ter √ľberwinterte der Schwede Gar√įar Svavarsson in H√ļsav√≠k in Nordisland und benannte die Insel kurzerhand nach sich selbst, n√§mlich Gar√įarsholmur. Ihm entliefen ein Mitglied seiner Schiffsbesatzung namens N√°ttfari und zwei Sklaven, eine Frau und ein Mann. Sie siedelten in einem Tal in der N√§he von H√ļsav√≠k. Doch weil diese Ansiedlung zuf√§llig entstand oder weil N√°ttfari nicht vornehm genug war, wird er nirgends als erster Siedler angesehen. Die Historizit√§t der Fahrten Naddodds und Gar√įars sind allerdings umstritten, da angenommen wird, dass die Route nach Island auf den Inseln n√∂rdlich von Schottland seit langem bekannt war.[6]

Der dritte Besucher soll dann Fl√≥ki Vilger√įarson gewesen sein, der planm√§√üig eine Siedlungsst√§tte suchte. Nach einem katastrophalen Winter, in dem seine Schafe aus Heumangel verhungerten, und einem weiteren Jahr fuhr Fl√≥ki nach Norwegen zur√ľck. Viel sp√§ter kehrte er nach Island zur√ľck, wo er bis zu seinem Lebensende lebte. Er gab Island seinen endg√ľltigen Namen ‚ÄěEisland‚Äú. Er soll durch den Anblick von Treibeis aus Gr√∂nland, das er von einem Berg im Nordwesten aus sah, auf die Idee gekommen sein.

Ingólfur Arnarson

Statue des Ingólfur Arnarson in Reykjavík

Als offizieller Erstsiedler wird Ing√≥lfur Arnarson genannt. Er fuhr mit seinem Ziehbruder Hj√∂rleifur Hr√≥√įmarsson und ihrer beider transportf√§higen Habe und den Familien 870 nach Island, weil er auf Grund von Totschlagsklagen und der daf√ľr zu leistenden Mannbu√üe sein gesamtes Land in Norwegen verloren hatte. Er erreichte Island und lie√ü sich an der S√ľdk√ľste bei Ing√≥lfsh√∂f√įi in der N√§he des heutigen Skaftafell-Nationalparks nieder. Hj√∂rleifur segelte weiter und lie√ü sich in der N√§he des heutigen Ortes V√≠k nieder. Er wurde von seinen irischen Sklaven erschlagen, die dann auf eine Inselgruppe vor der K√ľste segelten. Ing√≥lfur erschlug sp√§ter die Sklaven, und weil die Iren von den Wikingern "Westm√§nner" genannt wurden, nannte er die Inselgruppe "Westm√§nner-Inseln". Sp√§ter verlegte er seine Siedlung nach Reykjav√≠k. Es hat sich eingeb√ľrgert, davon auszugehen, dass die erste Besiedlung Islands durch Ing√≥lfur 874 stattgefunden habe, w√§hrend sie in Wirklichkeit etwas fr√ľher anzusetzen ist.

Landnahmezeit (874 bis 930)

Im Jahr 874 lie√ü sich der erste Dauersiedler, Ing√≥lfur Arnarson, im Gebiet der heutigen Hauptstadt Reykjav√≠k nieder. Wie bei den Wikingern √ľblich wollte er sich da niederlassen, wo die ins Meer geworfenen St√ľtzen seines Hochsitzes angeschwemmt worden waren. Diese fanden aber seine Sklaven erst einige Jahre sp√§ter. Ihm folgten etwa 400 H√§uptlingsfamilien aus Norwegen, die alle im Landn√°mab√≥k Erw√§hnung finden. Arch√§ologische Ausgrabungen haben inzwischen bewiesen, dass sich im 9. Jahrhundert tats√§chlich Wikinger aus Norwegen und keltische Immigranten in dieser Gegend ansiedelten.

Als Epoche der Landnahme gilt die Zeit zwischen 870 und 930. Der größte Teil des bewohnbaren Landes soll damals schon verteilt worden sein.

Allerdings hat man inzwischen bei Ausgrabungen festgestellt, dass schon fr√ľher, das hei√üt im 7. und 8. Jahrhundert, Einwanderer aus S√ľdwestnorwegen Siedlungen auf den Westm√§nnerinseln angelegt hatten. Sie werden im Landn√°mab√≥k nicht erw√§hnt.

Die Zeit des Freistaats (930 bis 1262)

Sagazeit (930 bis 1030)

Almannagj√° in √ěingvellir
Der Gesetzessprecher, Gemälde von W.G.Collingwood, 19. Jahrhundert

Das Althing

Bald nach der Landnahme entwickelten sich lokale Versammlungen. Im S√ľdwesten ging die Entwicklung offenbar vom Sohn Ing√≥lfs √ěorsteinn Ing√≥lfsson aus. Mit der Zeit fand der Trend immer mehr Anh√§nger und lief auf eine Vereinigung aller Godent√ľmer in einer einzigen Republik mit einer einzigen Generalversammlung hinaus. Dazu bedurfte es eines gesetzlichen Rahmens. Die Goden sandten daher den weisen √ölflj√≥tur nach Norwegen, um dort Anregungen f√ľr eine entsprechende Regelung zu sammeln. Nach drei Jahren kehrte er erfolgreich zur√ľck. Er war der erste Gesetzessprecher Islands.

Kein Gode wollte aber Land f√ľr diesen Zweck hergeben. Nur ein Bauer in der N√§he von Reykjav√≠k wurde des Mordes an einem Sklaven und einem Freien f√ľr schuldig befunden, weshalb er verbannt und enteignet wurde. Sein Land grenzte an den √ěingvallavatn. Das Land fiel der Allgemeinheit zu und wurde neuer Versammlungsort. Im Jahre 930 fand die erste Versammlung des Althing in √ěingvellir statt. Die √úbersetzung des Ortsnamens hei√üt bezeichnenderweise: Versammlungsebene. Das Althing war eine j√§hrlich tagende Versammlung der Goden, der Oligarchie des Landes, die f√ľr Gesetzgebung und Rechtsprechung zust√§ndig war. Man kann vom ersten heute noch bestehenden Parlament Nordeuropas sprechen. Es hat, wenn auch zwischenzeitlich bis fast zur Bedeutungslosigkeit verkommen, immer bestanden. √Ąhnliche demokratische Strukturen hatte es zuvor nur bei der Sachsenversammlung in Marklo und fr√ľher noch im Griechenland der Antike gegeben.

Das Land wurde au√üerdem 965 in vier Gebiete (landsfj√≥r√įungar) unterteilt, um die Verwaltung und Rechtsprechung zu vereinfachen. In jedem Landesteil gab es lokale Richter f√ľr weniger wichtige F√§lle. Als problematisch erwies sich das Fehlen einer Exekutivmacht, da sich aus ungel√∂sten Rechtsf√§llen oft jahrelange Fehden zwischen m√§chtigen Geschlechtern entwickelten. Diese verh√§ngnisvolle Mechanik wird auch in den Sagas geschildert wie etwa in der LaxdŇďla saga.

Entdeckungsfahrten

Darstellung Eriks des Roten in Arngrímur Jónsson's Gronlandia

In diese Zeit fallen auch die wichtigen Entdeckungsfahrten nach Gr√∂nland und Nordamerika, die man sich aber wohl eher als Zufallstreffer vorzustellen hat. So hatte Erik der Rote wegen einiger Differenzen mit anderen H√§uptlingen Island 982 verlassen m√ľssen und segelte vom Brei√įafj√∂r√įur nach Westen, wo einige Jahre zuvor schon andere Wikinger Land gesichtet hatten und sogar schon einen ‚Äď allerdings misslungenen ‚Äď Ansiedlungsversuch gemacht hatten. Erik dem Roten gelang es aufgrund der im Mittelalter viel g√ľnstigeren klimatischen Bedingungen tats√§chlich mit 800 Anh√§ngern zwei Siedlungen zu gr√ľnden. Der Kontakt mit dem Mutterland hielt sich √ľber Jahrhunderte und erlosch, soweit nachgewiesen, erst im 15. Jahrhundert.

Von Gr√∂nland aus landete vermutlich im Jahr 1000 Leif Eriksson, sein Sohn, an der K√ľste Nordamerikas, das er Vinland nannte. Die dort gegr√ľndeten Ansiedlungen (Beispiel: L'Anse aux Meadows in Neufundland) konnten sich aber nur kurze Zeit gegen die √úbermacht der indigenen Bev√∂lkerung halten.

Christianisierung

Auch in anderer Hinsicht sollte das Jahr 1000 f√ľr die in Island lebende Bev√∂lkerung von einschneidender Bedeutung sein.

√úber Einzelheiten des Glaubens der Isl√§nder vor der Christianisierung gibt es wenig verl√§ssliche Angaben. Man geht davon aus, dass die auch auf dem Festland bekannten germanischen G√∂tter verehrt wurden. Allerdings hatten sich in den letzten Jahren Spannungen in den sehr wichtigen Handelsbeziehungen zu Norwegen ergeben. Dies lag unter anderem daran, dass der norwegische Herrscher √ďlafr Tryggvason schon zum Christentum bekehrt war. Und dieser bestand ‚Äď unter anderem aus machtpolitischen Gr√ľnden ‚Äď auch auf einer Christianisierung Islands. Nach langem Hin und Her wurde das Christentum, das in Ans√§tzen schon durch die irischen Sklaven bekannt war, im Lande heimisch.

Im Jahr 1000 schlie√ülich wurde auf dem Althing in √ěingvellir der Beschluss gefasst, der das Christentum zur Staatsreligion erkl√§rte, neben der die heidnischen G√∂tter aber zun√§chst weiter verehrt werden durften. √úberliefert ist die Szene am Go√įafoss, in der in gro√üer Geste die letzten G√∂tterbilder dem Fluss √ľbergeben werden. Sie findet sich auch in einem Kirchenfenster der Kathedrale von Akureyri abgebildet.

Friedenszeit (1030 bis 1180)

Als erster isl√§ndischer Bischof wurde im Jahre 1056 √ćsleifur Gissurarson in Bremen geweiht. Zum Bischofssitz w√§hlte man Sk√°lholt im S√ľden der Insel. Zun√§chst waren allerdings weiterhin kirchliche und weltliche Macht meist in denselben H√§nden vereint, die H√§uptlinge waren auch gleichzeitig christliche Priester geworden. Damit wurde auch die Kirche in Island lange zu keiner eigenst√§ndigen Macht im Lande, sondern unterstand immer den Landesgesetzen. 1096/97 wurde ein Kirchenzehnt eingef√ľhrt, 1106 das zweite Bistum in H√≥lar gegr√ľndet. In den folgenden Jahren gew√∂hnten sich die Isl√§nder sehr schnell an das Christentum und man baute zahlreiche Kirchen. Im 12. Jahrhundert gr√ľndete man au√üerdem eine ganze Anzahl von Kl√∂stern, die sich mit den angeschlossenen Schulen sehr positiv auf die Volksbildung auswirkten.

Negativ hingegen wirkte sich aus, dass der Kirchenzehnt auch den Goden in ihrer Doppelfunktion als Priester und reiche Grundherren zufloss, so dass einzelne Personen und Geschlechter sehr viel Macht ansammeln konnten. Dies sollte ab dem 13. Jahrhundert f√ľr zahlreiche Auseinandersetzungen sorgen

Unterdessen versuchte die norwegische Krone weiterhin, das unabhängige Land unter ihre Herrschaft zu zwingen. Allerdings scheiterte dies zunächst. 1022 schloss man einen Pakt, worin Rechte und Pflichten beider Länder dargelegt wurden. Bis etwa 1180 blieb es ruhig im Lande, weshalb man auch von einer Friedenszeit spricht.

Sturlungen-Zeit (1180 bis 1262)

Druckausgabe der Snorra-Edda von 1666

Die folgenden etwa 100 Jahre setzten diesem ruhigen Zeitalter ein Ende. Blutige Geschlechterfehden und b√ľrgerkriegsartige Zust√§nde l√∂sten die friedliche Epoche ab.

Die Macht der norwegischen K√∂nige hatte sich zunehmend verst√§rkt. Und au√üerdem erhielten sie in der Kirche einen m√§chtigen Verb√ľndeten. Der Bischof von H√≥lar hatte alle kirchlichen Entscheidungen in Island dem Erzbistum von Nidaros in Norwegen unterstellt und die Kirche hatte ein Interesse daran, in Island endlich weltliche von kirchlicher Macht zu trennen und damit auch selbst dort mehr Einfluss zu erlangen. Im Jahre 1237 wurden beide isl√§ndischen Bischofssitze gleichzeitig vakant und man besetzte sie kurzerhand mit zwei Norwegern.

Der norwegische K√∂nig H√•kon H√•konarson spielte nun geschickt einzelne M√§chtige gegeneinander aus. Wie auch im restlichen Europa zu der Zeit war es f√ľr vornehme junge Leute √ľblich, an einen K√∂nigshof zu gehen und dort f√ľr einige Zeit im Gefolge von K√∂nigen oder Adeligen zu leben, um eine standesgem√§√üe Ausbildung zu erlangen. Von diesen jungen Isl√§ndern an seinem Hof lie√ü sich nun H√•kon einen besonderen Treueeid schw√∂ren und hatte somit eigene Anh√§nger im Lande. Der erste dieser Jugendlichen war Snorri Sturluson. Allerdings scheint er sein Gel√ľbde nicht allzu ernst genommen zu haben und verfolgte lieber eigene Ziele, so dass er schlie√ülich mit seinen S√∂hnen 1241 im Auftrag des norwegischen K√∂nigs in Reykholt ermordet wurde. Schon 1238 hatte eine Art Schlacht zwischen den Anh√§ngern des Sturlungen-Geschlechts und anderen Goden stattgefunden, in der die Sturlungen gr√∂√ütenteils aufgerieben worden waren.

Schlie√ülich setzte Norwegen die Isl√§nder auch noch mit einem Handelsboykott unter Druck und so kam es, dass 1262 der Alte Vertrag (isl√§ndisch: gamli s√°ttm√°li)[7] aufgesetzt wurde und der von Norwegen eingesetzte Herzog Gissur die Macht im Lande √ľbernahm.

Norwegische Herrschaft (1262 bis 1380)

Obwohl dies eigentlich im Vertrag anders festgelegt war, griff die norwegische Krone sehr schnell in das isl√§ndische Leben, die Rechtsprechung und Verwaltung ein. Zun√§chst wurde 1271 mit dem J√≥nsb√≥k, einem Gesetzbuch, die isl√§ndische Rechtsprechung durch die norwegische abgel√∂st. Au√üerdem achtete man darauf, schnellstens das Althing zu entmachten. Die Godent√ľmer wurden durch territorial geschlossene Verwaltungsbezirke ersetzt, das Land von einem oder zeitweilig auch mehreren norwegischen Gouverneuren regiert.

Ab 1354 wurde das Land gar vom König an seine Anhänger verpachtet, die es nach Belieben ausbeuten konnten.

Parallel dazu wuchs die Macht der Kirche an. Im Jahre 1275 hatte der Bischof von Sk√°lholt, √Ārni √ě√≥rlaksson, ein eigenes kanonisches Recht eingef√ľhrt. Der Kirchenzehnte floss von nun an der Kirche selbst zu, ab 1297 gingen alle G√ľter, auf denen Kirchen errichtet wurden, in den Besitz der Mutterkirche √ľber, so dass diese √ľber die Jahrhunderte betr√§chtlichen Reichtum und Grundbesitz anh√§ufen konnte. Im 16. Jahrhundert geh√∂rte ihr sogar beinahe die H√§lfte des isl√§ndischen Grundbesitzes. Als Bisch√∂fe wurden von Rom beziehungsweise Norwegen aus h√§ufig Ausl√§nder eingesetzt, die eher zu ihrem eigenen als zum Wohle der Isl√§nder handelten.

Das 14. Jahrhundert kann auch in Island als ein Jahrhundert der Katastrophen bezeichnet werden. Im Jahre 1341 brach die Hekla so gewaltig aus, dass zahlreiche H√∂fe verlassen werden mussten (zum Beispiel St√∂ng) und die Landwirtschaft keinen Ertrag mehr erbrachte. Die Folge waren Hungersn√∂te. Wie im √ľbrigen Europa verbreitete sich auch hier eine gro√üe Seuche. Und w√§hrend Boccaccio auf der Flucht vor dieser Krankheit im Exil sein Decamerone schrieb, starben zwei Drittel der isl√§ndischen Bev√∂lkerung an der ‚ÄěPest‚Äú und aufgrund von Hungersn√∂ten.

Dänische Herrschaft (1380 bis 1944)

Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert

Politik

Island war von 1397 bis 1448 Teil der Kalmarer Union, einer Vereinigung der skandinavischen K√∂nigreiche Norwegen, Schweden und D√§nemark unter d√§nischer Vorherrschaft. Im Jahre 1662 f√ľhrte fast gleichzeitig mit Ludwig XIV. von Frankreich der D√§nenk√∂nig Friedrich III. den Absolutismus ein. Die Isl√§nder mussten ihre Anerkennung der absoluten Monarchie unterschreiben und verloren damit ihre letzten eigenst√§ndigen Rechte.

Der Schutz der D√§nen reichte andererseits nicht allzu weit. So wurden im Jahre 1627 die Westm√§nnerinseln und einige K√ľstenorte von algerischen Piraten gepl√ľndert, insges. ca. 300 Frauen und junge Leute verschleppt und in die Sklaverei verkauft, aus der nur etwa ein Drittel wieder zur√ľckgekauft werden konnten. Da Algerien damals zum Osmanischen Reich geh√∂rte, wird der √úberfall in der isl√§ndischen Geschichtsschreibung als Tyrkjarauni√į bezeichnet.

Handel

Karte des Nordatlantiks von der Ostsee bis Labrador (mit einigen Phantasieinseln wie Frisland) von Abraham Ortelius, 1573

Nachdem bis ins 14. Jahrhundert die Norweger ein Handelsmonopol bez√ľglich Islands innegehabt hatten, stiegen ab dem 15. Jahrhundert auch die Engl√§nder und D√§nen ein. Selbst die deutsche Hanse spielte mit. Dies erkl√§rt sich auch daraus, dass die Isl√§nder ein interessantes neues Exportgut entdeckt hatten: Fisch. Da im sp√§ten Mittelalter eine Klimaver√§nderung den Ackerbau weniger rentabel gemacht hatte, hatten sie nach neuen Ern√§hrungsm√∂glichkeiten gesucht und entdeckt, dass die K√ľsten rund um die Insel sehr reich an diversen Fischarten waren.

Hatten in fr√ľheren Jahrhunderten haupts√§chlich Engl√§nder und die Hanse die Handelsszene mit Island beherrscht, so sicherten sich die D√§nen zu Anfang des 17. Jahrhunderts selbst das Monopol √ľber diesen Handel zu. Das bekam den Isl√§ndern schlecht. Selbst Waren des t√§glichen Bedarfs wurden knapp und f√ľr viele unerschwinglich teuer. Im 17. Jahrhundert wurden als isl√§ndische Ausfuhrg√ľter neben Fischprodukten auch Wolle, Schaffleisch, Federn und Daunen, Fuchsfelle, Strickwaren (Handschuhe und Str√ľmpfe) sowie Schwefel genannt. Gro√ües Interesse hatte das d√§nische K√∂nigshaus an Jagdfalken.[8]

Notlage und Verbesserungsansätze, Auswanderung

Schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts hatte nochmals eine Pestepidemie circa 25.000 Menschen getötet.

Und die Not der Bevölkerung stieg weiterhin derart an, dass bei einer Volkszählung zu Anfang des 18. Jahrhunderts auf etwa 4000 bewirtschaftete Höfe 3000 verlassene kamen. Eine Pockenepidemie raffte 1707 auch noch weitere 18.000 der entkräfteten Menschen dahin, so dass die Bevölkerung auf circa 30.000 Menschen geschrumpft war.

Schlie√ülich erkannte auch der d√§nische K√∂nig, dass dem abgeholfen werden musste ‚Äď nicht zuletzt, weil er selbst Geld verlor. Das Handelsmonopol wurde in der Folge etwas gelockert, zu einer richtigen √Ėffnung kam es aber erst nach der Laki-Katastrophe in den 80er Jahren. Nach dem Ausbruch der Laki-Krater 1783 und 1784 wurde auf Island diskutiert, die Insel komplett zu evakuieren und ihre Einwohner ins d√§nische Westj√ľtland umzusiedeln. Der Ascheregen nach dem Vulkanausbruch hatte die Sonne verdunkelt und die Vegetation vergiftet. Gro√üe Teile des Viehbestandes gingen ein. Es kam zu einer Hungersnot und die Naturkatastrophe (unter dem isl√§ndischen Namen M√≥√įuhar√įindin bekannt) kostete etwa 10.000 Isl√§nder (ca. 1/5 der damaligen Bev√∂lkerung) das Leben.

Um die Mitte des Jahrhunderts versuchte der Isl√§nder Sk√ļli Magn√ļsson mit der Gr√ľndung von Manufakturen eine heimische Industrie aufzubauen. Aber wieder wurde er von den d√§nischen Kaufleuten derart boykottiert, dass er 15 Jahre sp√§ter aufgeben musste und seine isl√§ndische Teilhabergesellschaft von D√§nen √ľbernommen wurde.

Ab den 1870er Jahren wanderten zahlreiche Isl√§nder nach Nordamerika aus. 1874 brachte ein einziges Schiff √ľber 350 Isl√§nder nach Nova Scotia[9] in Kanada. Die meisten siedelten sich in Markland an, wo 1876 eine Volksz√§hlung durchgef√ľhrt wurde.[10] Viele von ihnen siedelten sich aber auch in Manitoba an, etwa im Gebiet des heutigen Hecla-Grindstone Provincial Park im Winnipegsee.[11] Dort entstand New Iceland.

Religion

Schon 1536 hatte Christian III. von D√§nemark die evangelisch-lutherische Konfession f√ľr sein Land, Norwegen und die F√§r√∂er durchgesetzt. Er profitierte davon, war er doch jetzt auch selbst das Kirchenoberhaupt und konnte so √ľber den Reichtum und die G√ľter der Kirche verf√ľgen.

Durchsetzung der Reformation auf Island Als der Bischofssitz von Sk√°lholt vakant wurde, setzte der K√∂nig einen Protestanten ein, der f√ľr schnelle Verbreitung der evangelischen Konfession sorgte. Allerdings widersetzte sich dem der katholische Bischof J√≥n Arason auf H√≥lar. Er initiierte sogar eine Gegenreformation. Er konnte sich jedoch nicht lange halten und wurde 1550 mit zweien seiner S√∂hne in Sk√°lholt hingerichtet. Seitdem spielt der Katholizismus auf Island keine Rolle mehr. Die evangelisch-lutherische Isl√§ndische Staatskirche wird vom Staat unterst√ľtzt und gesch√ľtzt (Art. 62 der Verfassung). 79,18 % der Einwohner geh√∂ren der Staatskirche an; es bestehen unter anderem folgende Minderheiten: verschiedene evangelische Freikirchen insgesamt mehr als 5 %; Katholiken 3,05 %, Pfingstkirche 0,66 %, √Āsatr√ļgemeinde (seit 1972 anerkannte Religion) 0,44 %, Buddhisten 0,3 %, Siebenten-Tags-Adventisten 0,24 %, Zeugen Jehovas 0,22 %, Muslime 0,19 %, Orthodoxe Kirchen 0,17 % und Bahai 0,13 %. Keiner Religionsgemeinschaft zugeh√∂rig sind 3,25 % der Bev√∂lkerung.[12]

Vom 19. Jahrhundert bis zur Unabhängigkeit

Erste Unabhängigkeitsbestrebungen

Karte von Island um 1888

Die erste H√§lfte des 19. Jahrhunderts erwies sich als schwierige Zeit f√ľr die Isl√§nder.

1800 schafften die D√§nen das machtlose Althing (Al√ĺingi) ganz ab. Der Bischofssitz in H√≥lar wurde aufgel√∂st, der von Sk√°lholt nach Reykjav√≠k verlegt. Au√üerdem hatten die napoleonischen Kriege bewirkt, dass der Schiffsverkehr reduziert wurde. Dies l√∂ste eine erneute Mangelsituation im Lande aus.

Im Frieden von Kiel fiel Norwegen an Schweden, Island blieb bei Dänemark.

Wohnung J√≥n Sigur√įssons in Kopenhagen, Stokhusgade 1.

Isl√§nder, die in Kopenhagen studiert hatten, brachten in der ersten H√§lfte des Jahrhunderts die in Festlandseuropa zu dieser Zeit sehr verbreiteten Ideen des Nationalismus nach Island, die dort schnell Fu√ü fassten. Reykjav√≠k wurde zum intellektuellen Zentrum des Landes und so verband sich der Aufstieg Islands als unabh√§ngiger Nation mit dem Aufstieg der Stadt. Das intellektuelle Zentrum der politischen Unabh√§ngigkeitsbewegung blieb aber in Kopenhagen. J√≥nas Hallgr√≠msson, einer der Gr√ľnder der Zeitschrift ‚ÄěFj√∂lnir‚Äú setzte sich mit anderen Intellektuellen in seinen Beitr√§gen f√ľr die Renaissance des Althings in Thingvellir ein, unterlag aber dem Pragmatiker J√≥n Sigur√įsson (1811-1879), dem die Modernisierung mehr am Herzen lag und sich f√ľr Reykjav√≠k einsetzte.[13]

K√∂nig Christian VIII. schlug 1840 vor, eine besondere ratgebende Versammlung auf Island zu gr√ľnden[14] und 1845 konstituierte sich das neu gegr√ľndete Parlament, das Althing, in Reykjav√≠k. Allerdings hatte es keinerlei politische Macht, sondern nur beratende Funktion gegen√ľber dem d√§nischen Thron. Trotzdem galt von nun an Reykjav√≠k als Hauptstadt des Landes.

Anf√ľhrer im Kampf um die Unabh√§ngigkeit Islands wurde J√≥n Sigur√įsson. Er musste sich 1848 damit abfinden, dass in D√§nemark zwar die konstitutionelle Monarchie eingef√ľhrt wurde, Island aber trotz massiver Forderungen nicht unabh√§ngig wurde. 1854 wurde das d√§nische Handelsmonopol aufgehoben. 1873 feierte Island den tausendsten Jahrestag der Landnahme. 1874 erhielt das Althing begrenzte legislative Rechte. Das Land hatte nun eine eigene Verfassung, aber nach wie vor keine eigene Exekutive.

Das Land um die Jahrhundertwende

Island nahm einen rapiden Aufschwung: Industriebetriebe wurden begr√ľndet, der Fischfang weiter ausgebaut, Schulen, Krankenh√§user und Stra√üen gebaut. Mit abnehmendem Arbeitskr√§ftebedarf in der Agrarwirtschaft setzte die Landflucht ein. Andererseits hatte sich die Bev√∂lkerungszahl innerhalb von 100 Jahren fast verdoppelt (von 47.000 im Jahre 1801 auf 79.000 im Jahre 1901).

1904 befand ein Volksentscheid, dass ein Isl√§nder den Ministerposten f√ľr Island in D√§nemark besetzen und sein Land nach au√üen vertreten sollte. Der erste solche Minister war Hannes Hafstein. Er f√ľhrte den Telegrafen in Island ein, wodurch dieses Anschluss an die Moderne erhielt. Am 26. Juni 1905 um 22.38 Uhr traf das erste Telegramm per Funk von Cornwall aus ein. Im Jahr darauf wurde ein Seekabel verlegt.

1915, also relativ fr√ľh, erhielten die Frauen das aktive und das passive Wahlrecht. Im gleichen Jahr trat die Prohibition in Island in Kraft.

Am 1. Dezember 1918 wurde der Unionsvertrag mit D√§nemark unterzeichnet. Dieser leitete die Unabh√§ngigkeit Islands von D√§nemark ein, das seitdem nur noch lose durch Personalunion mit D√§nemark unter Christian X. verbunden war. Der Vertrag war auf 25 Jahre angelegt, danach sollte in einem Volksentscheid √ľber eine vollst√§ndige Unabh√§ngigkeit abgestimmt werden.

Bildungsbestrebungen

Schon im 19. Jahrhundert waren die isl√§ndische Tradition und damit auch die Literatur wieder aufgebl√ľht. Im Zuge der Romantik und ihrer Vorliebe f√ľr vergangene Epochen besch√§ftigte man sich wieder mit den Sagas. Zahlreiche Schriftsteller machten sich einen Namen, darunter Magn√ļs Stephensen und J√≥nas Hallgr√≠msson.

1907 wurde die allgemeine Schulpflicht eingef√ľhrt, 1911 die Universit√§t von Island (H√°sk√≥li √ćslands) in Reykjav√≠k gegr√ľndet.

Der Zweite Weltkrieg

Britische Invasion Islands

Nachdem Island sowohl am Boom der 20er Jahre als auch an der Depression der 30er Jahre seinen Anteil gehabt hatte, erlebte es den Zweiten Weltkrieg auf recht besondere Weise. Schon im Ersten Weltkrieg hatte man durch Lieferungen von Wolle und Fisch eher profitiert. Nun aber waren es die Besatzung 1940 durch die Briten und dann die US-Amerikaner, die das Land in seiner Entwicklung voranbrachten, nicht zuletzt durch die Schaffung zahlreicher Arbeitspl√§tze. Die Briten hatten Island am 10. Mai 1940 unter Verletzung seiner Neutralit√§t besetzt und 25.000 Mann stationiert. Die USA √ľbernahmen im Juli 1941 die Besetzung Islands, um die britische Armee zu entlasten ‚Äď ein halbes Jahr vor ihrem offiziellen Kriegseintritt.

Nachdem sich die Isl√§nder gem√§√ü dem Unionsvertrag in einer Volksabstimmung im Mai 1944 f√ľr die Unabh√§ngigkeit ausgesprochen hatten, verk√ľndete der Parlamentssprecher am 17. Juni 1944 in √ěingvellir vor Tausenden von Menschen die Republik, wie sie im 1. Artikel der neuen Verfassung festgeschrieben wurde, auf die anschlie√üend Sveinn Bj√∂rnsson als erster Staatspr√§sident vereidigt wurde.

√úber die unklare Haltung der isl√§ndischen Autorit√§ten zum Holocaust berichtete erstmals der deutsche Journalist Alfred Joachim Fischer 1957; inzwischen gibt es ausf√ľhrliche Untersuchungen dazu in Englisch und anderen Sprachen.

Unabhängige Republik Island (seit 1944)

Politische Entwicklungen

Island und die Welt

Das H√∂f√įi-Haus

Island machte sich schnell in der Weltpolitik einen Namen: Das Land trat noch 1946 der UNO bei, 1948 der OECD und war 1949 eines der Gr√ľndungsmitglieder der NATO und des Europarates. Au√üerdem schloss sich das Land 1952 dem nordischen Rat an. Es hatte zwar nie eine eigene Armee, genehmigte jedoch nach langem Hin und Her 1951 eine US-amerikanische Milit√§rbasis in Island.

Im Jahre 1986 fand im H√∂f√įi-Haus in Reykjav√≠k ein Gipfeltreffen zwischen US-Pr√§sident Ronald Reagan und dem sowjetischen Regierungschef Michail Gorbatschow statt.

1991 erkannte Island als erster Staat die Souveränität von Estland, Lettland und Litauen an.

Von 1980 bis 1996 hatte Island mit Vigdís Finnbogadóttir die erste demokratisch gewählte Staatspräsidentin der Welt.

Die ‚ÄěKabeljaukriege‚Äú

‚Üí Hauptartikel: Kabeljaukrieg

Um die reichen Fischgr√ľnde um Island entbrannte immer wieder Streit, vor allem mit Gro√übritannien. Dieser versch√§rfte sich in den Jahren 1952 und 1958 zum so genannten Kabeljaukrieg, da die Isl√§nder wegen √úberfischung durch internationale Konkurrenz die Fischereizone um die Insel erst von drei auf vier Seemeilen (1952) und schlie√ülich 1958 auf zw√∂lf Seemeilen ausdehnten. Letzteres wurde von allen L√§ndern bis auf England akzeptiert. Drei Jahre und einige fast blutige Auseinandersetzungen sp√§ter mussten sich allerdings auch die Engl√§nder damit zufriedengeben. 1972 brach der Streit von neuem aus, wobei diesmal auch Deutschland die Ausweitung der Zone auf 50 Seemeilen erst nicht annehmen wollte. 1976 bei der Ausweitung auf 200 Seemeilen brach Island sogar die diplomatischen Beziehungen mit Gro√übritannien nach gewaltt√§tigen Auseinandersetzungen vor√ľbergehend ab. Schlie√ülich dehnte aber die Europ√§ische Union ihre eigenen Fischereizonen ebensoweit aus. Seither hat Island unumstritten das alleinige Nutzungsrecht der Fischgr√ľnde innerhalb seiner 200-Meilen-Zone.

Auswirkungen der Finanzkrise (ab 2008)

Im Jahr 2008 erfuhr die Isl√§ndische Krone infolge der internationalen Finanzkrise eine starke Entwertung. Die isl√§ndische Regierung brachte gro√üe Teile des Finanzsektors unter anderem alle drei Gro√übanken, d.h. Glitnir, Landsbankinn und Kaup√ĺing unter staatliche Kontrolle.[15] Seitdem wurde auch wieder offen √ľber einen Beitritt Islands zur Europ√§ischen Union und der anschlie√üenden Einf√ľhrung des Euro als W√§hrung nachgedacht.[16]

Die sozialdemokratische Partei Allianz (Samfylkingin) k√ľndigte am 26. Januar 2009 die Regierungskoalition mit der liberalen Unabh√§ngigkeitspartei (Sj√°lfsst√¶√įisflokkur). Ab dem 2. Februar 2009 √ľbernahm eine Minderheitsregierung bestehend aus der Links-Gr√ľnen Bewegung und der Allianz unter dem Vorsitz von J√≥hanna Sigur√įard√≥ttir als Ministerpr√§sidentin die Regierungsgesch√§fte. Es handelte sich hierbei um eine von der Fortschrittspartei gest√ľtzte Minderheitsregierung. In bedeutendem Ma√üe an diesem Regierungswechsel beteiligt war die isl√§ndische √Ėffentlichkeit, die mit regelm√§√üigen Demonstrationen ihre Unzufriedenheit mit der Situation und Regierung bekundete.[17]

Am 25. April 2009 fanden vorgezogene Parlamentswahlen statt, bei denen die Koalition aus sozialdemokratischer Allianz und Links-Gr√ľner Bewegung die absolute Mehrheit errang. Ministerpr√§sidentin J√≥hanna Sigur√įard√≥ttir erkl√§rte, den EU-Beitritt Islands voranzutreiben. Nachdem sich das isl√§ndische Parlament f√ľr ein Beitrittsgesuch ausgesprochen hat, wurde am 23. Juli 2009 der Antrag zum Beitritt in die EU gestellt.[18] Die konkreten Beitrittsverhandlungen Islands mit der Europ√§ischen Union wurden am 27. Juli 2010 aufgenommen.[19]

Andere wichtige Ereignisse

Im Jahre 1955 erhielt der Schriftsteller Halld√≥r Laxness den Nobelpreis f√ľr Literatur und machte damit die moderne isl√§ndische Literatur in der Welt bekannt. 1972 fand in Reykjav√≠k der legend√§re Wettkampf um die Schachweltmeisterschaft zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer statt, der schlie√ülich mit einem deutlichen Sieg des Amerikaners endete.

Einige st√§rkere Vulkanausbr√ľche ereigneten sich seit dem Zweiten Weltkrieg: 1963 entstand die zu den Westm√§nnerinseln geh√∂rende Insel Surtsey durch einen unterseeischen Vulkanausbruch. 1973 verheerte der Ausbruch des Eldfell die Insel Heimaey, ebenfalls eine der Westm√§nnerinseln. 1996 fand ein nach einem Ausbruch unter den Gr√≠msv√∂tn im Vatnaj√∂kull au√üergew√∂hnlich starker Gletscherlauf auf dem Skei√įar√°sander statt und zerst√∂rte Teile der Ringstra√üe.

Andererseits hat sich das Land seit dem Zweiten Weltkrieg rasant zu einer modernen Industrienation entwickelt, die vor allem im High-Tech-Bereich einen guten Ruf hat. Die Landflucht hielt allerdings auch weiter an, so dass inzwischen 2/3 aller Isländer in der Hauptstadtregion um Reykjavík leben.[20]

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Hall et al. 1993.
  2. ‚ÜĎ Rudolf Simek: Neues Land im gr√ľnen Norden. Damals 2008, Heft 12, S. 16-22, hier: S. 17.
  3. ‚ÜĎ Zum Begriff d√¶gr siehe Navigationshilfen
  4. ‚ÜĎ Seine Schrift ő†őĶŌĀŠĹ∂ ŠĹÄőļőĶőĪőĹőŅŠŅ¶ (Per√¨ okeanoŇ©) ist verloren und nur in fremden Zitaten √ľberliefert.
  5. ‚ÜĎ Die √úberlieferungslage ist schlecht. Die sp√§ten Zitate stammen meist von Gegnern. Schon die antiken Geographen waren √ľber die angebliche Lage Thules unsicher. Der erste, der Thule mit Island identifizierte, war der irische M√∂nch Dicuil 825. Danach war im Mittelalter die Gleichsetzung Thule = Island g√§ngig. Adam von Bremen √ľbernahm sie in seine Kirchengeschichte Kap. 4, 36.
  6. ‚ÜĎ Uwe Schnall: Navigation der Vikinger. Hamburg 1975. S. 140.
  7. ‚ÜĎ Neuere Untersuchungen sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Alte Vertrag in seiner √ľberlieferten Fassung eine F√§lschung aus dem 15. Jahrhundert ist. Patricia Pires Boulhosa: Gamli s√°tm√°li. Tilur√į og tilgangur. Reykjav√≠k 2006.
  8. ‚ÜĎ N.N.: Besondere Geschichte von Island. In: John Green, Thomas Astley (Hrsg.): Allgemeine Historie der Reisen zu Wasser und zu Lande oder Sammlung aller Reisebeschreibungen. 19. Bd, Verlag Arkstee und Merkus, Leipzig 1769, S. 50. Digitalisat
  9. ‚ÜĎ Dort besteht bis heute die Icelandic Memorial Society of Nova Scotia (Website der Gesellschaft)
  10. ‚ÜĎ J√≥n R√∂gnvaldsson's Survey of Icelandic Farms and Population in Mooseland (Markland) February 1878
  11. ‚ÜĎ The Emigration from Iceland to North America, Passenger List of the S.S. St. Patrick, 1874
  12. ‚ÜĎ Stastistics Iceland; Stichtag: 18. Mai 2010
  13. ‚ÜĎ Gunnar Karlsson S. 34.
  14. ‚ÜĎ Lovsammling vor Island XI (1863) S. 628.
  15. ‚ÜĎ Spiegel Online: Notgesetz gegen Finanzkrise. Island √ľbernimmt totale Banken-Kontrolle, 7. Oktober 2008
  16. ‚ÜĎ EU stellt bankrottem Island Beitritt in Aussicht
  17. ‚ÜĎ Morgunbla√įi√į, 2. Februar 2009
  18. ‚ÜĎ FAZ.net: Islands Parlament stellt Antrag f√ľr EU-Beitritt' vom 23. Juli 2009.
  19. ‚ÜĎ http://derstandard.at/1277338926070/EU-Erweiterung-Beitrittsverhandlungen-mit-Island-beschlossen derStandard.at:Beitrittsverhandlungen mit Island beschlossen
  20. ‚ÜĎ vgl. z.B. Jens Willhart/Christine Sadler: Island. Erlangen (Michael M√ľller Verlag) 2003, S. 86

Literatur

  • V. A. Hall et al., Tephra dated lowland landscape history of the north of Ireland, AD 750‚Äď1150. In: New Phytologist, 125, 1993, 193‚Äď202.
  • J√≥n R. Hj√°lmarsson: Die Geschichte Islands von der Besiedlung bis zur Gegenwart. Reykjavik 1994
  • Vilborg Au√įur √ćsleifsd√≥ttir: Die Einf√ľhrung der Reformation in Island 1537-1565. Frankfurt am Main 1996.
  • J√≥n J√≥hannesson: A History of the Old Icelandic Commonwealth. University of Manitoba Press. 1974.
  • Gunnar Karlsson: Den islandske ren√¶ssance. In: Anette Lassen (Red.): Det norr√łne og det nationale. Tagung 17./18. M√§rz 2006 in Reykjavik. Reykjavik 2008. S. 29-39.
  • Klaus Schroeter: Entstehung einer Gesellschaft. Fehde und B√ľndnis bei den Wikingern. Berlin: 2002, ISBN 3-496-02543-3.
  • Jens Willardt, Christine Sadler: Geschichte und Politik, in: Dies.: Island. Erlangen: 2003, 53-84, ISBN 3-89953-115-9.
  • Arny E. Sveinbj√∂rnsd√≥ttir/Jan Heinemeier/Gardar Gudmundsson, 14C-dating of the settlement of Iceland. In: Radiocarbon, 46/1, 2004, S. 387‚Äď394.
  • Bernard Hennequin, L'Islande, le Groenland, Les F√©ro√© Aujourd'hui. les √©ditions j.a. 1990, ISBN 2-86950-163-3.

Siehe auch

Weblinks


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