Geschichte Italiens

ÔĽŅ
Geschichte Italiens

Die Geschichte Italiens beginnt in der Antike mit der Besiedlung durch italische V√∂lker: Unter ihnen erlebte die Zivilisation der Etrusker um 600 v. Chr. ihre Bl√ľtezeit. Bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. hatte die griechische Kolonisation des s√ľditalienischen Festlandes und Siziliens begonnen. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. setzte die Expansion Roms ein: Italien wurde das Zentrum des R√∂mischen Reiches und blieb es bis zum Untergang Westroms im Jahr 476 n. Chr. Im Mittelalter fiel Italien unter die Herrschaft germanischer St√§mme und wurde, zumindest in Teilen, dem Heiligen R√∂mischen Reich angegliedert. Die italienischen St√§dte vermochten sich im 12. und 13. Jahrhundert vom Einfluss des Kaisers zu l√∂sen. Vom 14. bis 16. Jahrhundert erlebte die italienische Halbinsel die wirtschaftliche und kulturelle Bl√ľte der Renaissance. Mit Anbruch der Neuzeit begann der Niedergang Italiens, das nun mehr zum Spielball der europ√§ischen Gro√üm√§chte - Frankreich, Spanien und √Ėsterreich - wurde. Nach beinahe vier Jahrhunderten der Fremdherrschaft konnte sich die Halbinsel in Folge dreier Unabh√§ngigkeitskriege politisch vereinigen: Der moderne italienische Staat besteht seit 1861. 1946 wurde die Monarchie der Savoyen durch die Republik abgel√∂st.

Inhaltsverzeichnis

Vorrömische Zeit

Völker auf der italienischen Halbinsel zu Beginn der Eisenzeit

Ausgrabungen belegen, dass sich der Mensch vor mindestens 850.000 Jahren auf der italienischen Halbinsel niederließ.[1]

In Oberitalien waren Kelten (auch Gallier genannt), Lepontier und Ligurer angesiedelt, im Nordosten Veneter. Mittelitalien war von Umbrern (im heutigen Umbrien); Latinern, Sabinern, Faliskern, Volskern und Aequern (im heutigen Latium); Picenern (heutige Marken und n√∂rdliche Abruzzen) bewohnt. Im S√ľden ans√§ssig waren Samniten (s√ľdliche Abruzzen, Molise und Kampanien); Japyger und Messapier (heutiges Apulien); Lukanier und Bruttii. Die Sikeler bewohnten den Ostteil Siziliens. All diese V√∂lker waren indogermanischen Ursprungs.

Die Etrusker in Mittelitalien waren hingegen keine Indogermanen. Genauso wenig die Elymer und Sikaner auf Sizilien (Westteil). Auf Sardinien wohnten Sarden und Scherden.

Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. begann die griechische Kolonisation des s√ľditalienischen Festlandes. Dabei wurden verschiedene St√§dte gegr√ľndet: Taras, Kyme, Metapontion, Sybaris, Kroton, Rhegion, Paestum und Neapel. Auch in Sizilien wurden verschiedene griechische Kolonien (Naxos, Zankle und Syraka) gegr√ľndet. Die griechisch besiedelten Gebiete werden als Magna Graecia (Gro√ügriechenland) bezeichnet.

Die Karthager, die sich zu einer bedeutenden See- und Handelsmacht entwickelt hatten, gr√ľndeten Kolonien auf Sizilien und Sardinien und gerieten w√§hrend des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. in dauernde Konflikte mit den griechischen Kolonien, vor allem Syrakus.

Römisches Reich

Das Römische Reich und seine Provinzen zur Zeit seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan im Jahre 117
→ Hauptartikel: Römisches Reich

Das alte Rom war urspr√ľnglich eine kleine landwirtschaftliche Gemeinde, gegr√ľndet im 8. Jahrhundert v. Chr., die im Laufe der Jahrhunderte zu einem gro√üen Imperium √ľber den gesamten Mittelmeerraum und dar√ľber hinaus wuchs. Handel, K√ľnste und Kultur erreichten vor allem in der Kaiserzeit eine Hochbl√ľte, die damalige Lebensqualit√§t und der entsprechende Bev√∂lkerungsstand sollten in Europa und Nordafrika erst Jahrhunderte sp√§ter wieder erreicht werden. Die Errungenschaften Roms im Bereich Recht, Verwaltung und Kunst haben die westliche Zivilisation gepr√§gt.

Die Reichskrise des 3. Jahrhunderts konnte Rom noch erfolgreich √ľberwinden. Seit dem sp√§ten 4. Jahrhundert n. Chr. setzte aber ein unaufhaltbarer Niedergang ein, der zur Teilung in Westr√∂misches und Ostr√∂misches Reich im Jahr 395 n. Chr. f√ľhrte. Das Westreich wurde unter dem Druck der Franken, Vandalen, Hunnen, Goten und anderer V√∂lker aufgel√∂st. Das Ostr√∂mische Reich endete erst mit der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen im Jahre 1453.

Spätantike und Mittelalter

Italien unter der Herrschaft der Langobarden (blau) und der Byzantiner (orange) um 572 n. Chr.

Nach dem Untergang des Westr√∂mischen Kaisertums 476 wurde Italien zuerst durch Odoaker regiert und war dann ab 489 bzw. 493 Bestandteil des Reichs der Ostgoten, die unter Theoderich im Auftrag des ostr√∂mischen Kaisers in Italien eingefallen waren. Unter Theoderich erlebte Italien auch eine letzte Bl√ľte; bald darauf ging die Sp√§tantike in Italien zu Ende: Ab 535 wurde Italien von den ostr√∂mischen Truppen unter Belisar und Narses erobert. Kaiser Justinian I. wollte damit seinen Traum von einem erneuerten r√∂mischen Reich verwirklichen, doch f√ľhrten die K√§mpfe zu einer Verelendung weiter Landstriche. Italien wurde schlie√ülich 554 formal Teil des Ostr√∂mischen Reiches, doch fielen bereits 568 die Langobarden in Italien ein und eroberten gro√üe Teile des Landes, wobei der langobardische Herrschaftsraum bald in viele kleinere Herzogt√ľmer (Dukate) zerfiel. Der ostr√∂misch bzw. byzantinisch kontrollierte Rest wurde unter Kaiser Maurikios in das Exarchat von Ravenna zusammengefasst. Damit war die Einheit Italiens nach √ľber 600 Jahren zerbrochen. Zwischen dem Langobardenreich und S√ľditalien entstand schlie√ülich allm√§hlich der Kirchenstaat (siehe Pippinische Schenkung, 754/756), also der weltliche Herrschaftsraum des Papstes (Patrimonium Petri), da auch Byzanz aufgrund der Bedrohung durch die Araber seit etwa 650 kaum mehr effektiv im Westen eingreifen konnte, von einigen Versuchen abgesehen.

Ottos Sieg √ľber Berengar II. (Illustration einer Handschrift, um 1200)

Ab dem Jahr 774 eroberte der Frankenk√∂nig Karl der Gro√üe das in Norditalien gelegene Langobardenreich und machte sich zum ‚ÄěK√∂nig der Franken und Langobarden‚Äú. Im Zuge der karolingischen Reichsteilungen wurde (Nord-)Italien wieder ein selbst√§ndiges K√∂nigreich, zun√§chst unter karolingischen K√∂nigen, ab 888 unter einheimischen K√∂nigen fr√§nkischer Herkunft wie Hugo von Vienne und Berengar von Ivrea (Nationalk√∂nige). 951 gewann Otto der Gro√üe die Herrschaft √ľber Nord- und Teile Mittelitaliens (so genanntes Reichsitalien) und begr√ľndete die Verbindung Reichsitaliens mit dem Deutschen Reich (Heiliges R√∂misches Reich). Nicht Bestandteil des Langobardenreichs und auch des sp√§teren Heiligen R√∂mischen Reichs war Venedig, das zun√§chst nur aus der Lagune von Venedig bestand, sich aber ab dem 12. Jahrhundert √ľber ganz Ost-Oberitalien ausbreitete.

Im hohen und späten Mittelalter waren Teile Nord- und Mittelitaliens stark von der römisch-katholischen Kirche dominiert und unmittelbar von den Machtkämpfen um das Papsttum sowie von den Kämpfen zwischen den einzelnen Kommunen betroffen.

S√ľditalien blieb noch bis ins 11. Jahrhundert byzantinisch (K√ľstenstreifen) bzw. langobardisch (F√ľrstent√ľmer Benevent, Capua, Salerno). Zur Verteidigung gegen die Araber, die 250 Jahre lang Sizilien beherrschten, warben diese langobardischen F√ľrsten gegen Ende des 11. Jahrhunderts normannische S√∂ldner an, die danach ganz S√ľditalien einschlie√ülich der F√ľrstent√ľmer ihrer Auftraggeber eroberten und 1130 auf ehemals langobardischem, arabischem und byzantinischem Gebiet das sizilianische K√∂nigreich (K√∂nigreich Sizilien) begr√ľndeten, einen der m√§chtigsten Staaten des Hochmittelalters. Dieser musste sich anfangs gegen kaiserlichen und p√§pstlichen Widerstand wehren, konnte aber durch einen p√§pstlichen Parteiwechsel ab 1155 in die Rolle dessen neuen Besch√ľtzers gegen die Machtanspr√ľche der r√∂misch-deutschen Kaiser hineinwachsen, bis es 1190 per Erbfolge an die Staufer fiel, die als r√∂misch-deutsche Kaiser bereits Norditalien kontrollierten, und von diesen 1194 auch erobert wurde. Palermo war Hauptstadt und Residenz des Kaisers Friedrich II., der im S√ľden aufgewachsen war. Mit dem Ende der Staufer 1268, die vom Papst (auch aufgrund deren eigenen Territorialpolitik und der p√§pstlichen Bef√ľrchtung, die Staufer w√ľrden den Kirchenstaat ‚Äěumklammern‚Äú) nach Kr√§ften bek√§mpft worden waren, fiel das s√ľditalienische ‚ÄěK√∂nigreich Sizilien‚Äú an die Anjous, und 1282 bzw. 1442 an Aragonien (sp√§ter Krone Spaniens). S√ľditalien war trotz der dynastischen Verbindung in der Stauferzeit nie formal Teil des Heiligen R√∂mischen Reichs.

In Norditalien emanzipierten sich die St√§dte ab dem Ende des 11. Jahrhunderts von der kaiserlichen Oberherrschaft und dehnten allm√§hlich ihre Herrschaft √ľber das Umland aus, indem sie die kleinen Valvassoren ihrer eigenen st√§dtischen Lehensherrschaft unterwarfen. Typisch war bald die ‚Äěrepublikanisch‚Äú orientierte Konsularverfassung. Der sich ab 1164 formierende Lombardenbund besiegte den r√∂misch-deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa, der die St√§dte st√§rker der kaiserlichen Kontrolle unterwerfen wollte, 1176 in der Schlacht bei Legnano. Mit dem Ende der Staufer wurden die St√§dte faktisch unabh√§ngig (wenn sie auch, sofern sie sich in Reichsitalien befanden, weiterhin formal die kaiserliche Oberherrschaft akzeptierten) und usurpierten kaiserliche Rechte (Regalien); nach den Staufern fehlte es den meisten nachfolgenden Kaisern jedoch an den Mitteln zu einer kraftvollen Italienpolitik.

In den Kommunen Ober- und Mittelitaliens setzte sich zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert die Signoria (Signorie) durch, eine Form monokratischer Herrschaftsaus√ľbung, bei der ein ‚Äěstarker Mann‚Äú (signore) an der Spitze stand.

Gösch der italienischen Marine, mit den Wappen der vier großen Seerepubliken, von links oben im Uhrzeigersinn: Venedig, Genua, Pisa, Amalfi

Zahlreiche Stadtstaaten, allen voran Genua, Florenz, Pisa, Mailand und Venedig gelangten zu gro√üer wirtschaftlicher (und kultureller) Bl√ľte, besonders w√§hrend der Renaissance. Vor allem die Hafenst√§dte hatten viele Vorteile f√ľr den Handel zwischen den Mittelmeerl√§ndern Europas, Asiens und Afrikas. Genua expandierte nach Korsika, in die n√∂rdliche √Ąg√§is und ins Schwarzmeergebiet (vor allem Kaffa), Venedig nach Dalmatien, Albanien, den Peloponnes und in die s√ľdliche √Ąg√§is einschlie√ülich Kretas. Dazu kam 1489‚Äď1571 Zypern.

Nach der Entdeckung Amerikas 1492 (durch den Genuesen Columbus), aber auch Nordamerikas durch den aus Venedig nach England gegangenen Giovanni Caboto, sowie der zunehmenden Nutzung des Seeweges nach Indien verlor Italien nach und nach seine herausragende wirtschaftliche Bedeutung durch Verlagerung der Haupthandelsrouten vom Mittelmeer zum Atlantik. Andere Staaten, unter anderem Spanien und Portugal, nahmen an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung zu, da sie auf Grund der Kolonialisierung S√ľdamerikas neue Rohstoffressourcen und Absatzm√§rkte erschlossen. Zugleich verlor der Handel mit dem in den Nahen Osten und nach Nordafrika expandierenden Osmanenreich an Bedeutung, w√§hrend zugleich die Konkurrenz von Holl√§ndern und Engl√§ndern zunahm. Besonders in S√ľditalien dominierte die Agrarwirtschaft und der Gro√ügrundbesitz, Manufaktur und sp√§ter Fabrik waren die Ausnahme.

Renaissance

‚Üí Hauptartikel: Renaissance
Leonardo da Vinci - Das Abendmahl (1495-98)

Im Italien des späten 14. Jahrhunderts liegen die Anfänge der Renaissanceepoche; als Kernzeitraum gilt das 15. und 16. Jahrhundert.

Das wesentliche Charakteristikum ist die Wiedergeburt antiken Geistes. Der Humanismus war die pr√§gende Geistesbewegung jener Zeit. Vorreiter der Entwicklung waren italienische Dichter des 14. Jahrhunderts wie Francesco Petrarca, der durch seine ausgiebige Besch√§ftigung mit antiken Schriftstellern und durch seinen Individualismus den Glauben an den Wert humanistischer Bildung f√∂rderte und das Studium der Sprachen, der Literatur, der Geschichte und Philosophie au√üerhalb eines religi√∂sen Zusammenhangs als Selbstzweck bef√ľrwortete. Das theozentrische Weltbild des Mittelalters wurde abgel√∂st durch eine st√§rker anthropozentrische Sicht der Dinge.

In der Literatur leiten im 14. Jahrhundert Dante Alighieris ‚ÄěG√∂ttliche Kom√∂die‚Äú (La Divina Commedia, 1307‚Äď1321), Francesco Petrarcas Briefe, Traktate und Gedichte und Giovanni Boccaccios Il Decamerone (1353) das Zeitalter der Renaissance ein. Graf Baldassare Castiglione beschreibt in Il Cortegiano (1528) den Idealtypus eines Renaissancemenschen.

Die italienische Renaissance wird in drei Perioden eingeteilt:

  1. Fr√ľhrenaissance
  2. Hochrenaissance
  3. Spätrenaissance oder Manierismus

Der Begriff (ital. rinascita oder Rinascimento [riňĆna Éňźiňąmento] = Wiedergeburt) wurde erstmals 1550 von dem italienischen K√ľnstler und K√ľnstlerbiographen Giorgio Vasari verwendet, um die √úberwindung der mittelalterlichen Kunst zu bezeichnen. Um 1820/30 wurde er in der heute gel√§ufigen Schreibweise aus dem Italienischen ins Franz√∂sische √ľbernommen, bis etwa 1840 im deutschsprachigen Schrifttum eine Entlehnung aus dem Franz√∂sischen erfolgte, um eine kulturgeschichtliche Epoche Europas w√§hrend des √úbergangs vom Mittelalter zur Neuzeit zu benennen. Der Begriff wurde ma√ügebend vom Basler Historiker Jacob Burckhardt mit seinem Werk ‚ÄěDie Kultur der Renaissance in Italien‚Äú gepr√§gt.

Es gibt verschiedene Faktoren, warum sich die Renaissance im Italien des ausgehenden Mittelalters entwickelt hat. Dazu geh√∂rte die M√∂glichkeit, griechisches und arabisches Wissen aufzunehmen. Auch die sozialen und politischen Zust√§nde im Italien des ausgehenden Mittelalters trugen zu den Umbr√ľchen bei. In Italien war die Erinnerung an die Antike noch am lebendigsten.[2] Es war durch die Verbindungswege des Mittelmeerraums nach allen Seiten erschlossen. Der Wohlstand, der durch den Handel entstand, machte es m√∂glich, gro√üe √∂ffentliche und private Kunstprojekte in Auftrag zu geben. Au√üerdem konnte mehr Zeit f√ľr Bildung aufgewendet werden.[3]

√Ėkonomisch kam es in der Renaissance zur Durchbrechung des mittelalterlichen Zinsverbots und zur Abschaffung der mittelalterlichen Brakteatenw√§hrung. Dies erm√∂glichte einerseits den Aufstieg der fr√ľhneuzeitlichen Bankh√§user wie die der der Medici (oder der Fugger in S√ľddeutschland), andererseits bedeutete das f√ľr die einfachen Menschen, insbesondere f√ľr die Landbev√∂lkerung, einen gro√üen sozialen Abstieg.

Im 15. Jahrhundert geh√∂rte Italien zu den am st√§rksten urbanisierten Gegenden Europas. Die St√§dte boten relativ gro√üe politische Freiheit, die sich in wissenschaftlichen und k√ľnstlerischen Fortschritten widerspiegelte. In dieser Zeit existierte Italien nicht als politische Einheit, sondern war in Regionalstaaten aufgeteilt. Der Frieden von Lodi im Jahre 1454 stellte ein Gleichgewicht zwischen der f√ľnf Gro√üm√§chten auf der Halbinsel her: das Herzogtum Mailand, die Republik Venedig, Florenz, das K√∂nigreich Neapel und der Kirchenstaat. Gleichzeitig sicherte der Frieden Italien gegen den Einfluss fremder Staaten ab, insbesondere Frankreich und Spanien. Dieser Zustand war ma√ügeblich dem diplomatischen Geschick von Lorenzo dem Pr√§chtigen, dem Stadtherrn von Florenz aus dem Hause der Medici, zu verdanken.

Die Kirche war zu Beginn des 15. Jahrhunderts innerlich zerstritten und b√ľ√üte in ihrer Autorit√§t als spirituelle Unterst√ľtzung im Alltag ein. Die P√§pste des Renaissancezeitalters verhielten sich nicht anders als die weltlichen F√ľrsten: Man f√ľhrte Kriege und versuchte durch Intrigen Macht und Reichtum der eigenen Familie zu vergr√∂√üern (Nepotismus am Heiligen Stuhl). Charakteristisch f√ľr die Skrupellosigkeit waren die P√§pste aus dem Geschlecht Borgia, insbesondere Alexander VI.. In politischer Hinsicht verk√∂rperte sein Sohn Cesare Borgia, S√∂ldnerf√ľhrer und Machtpolitiker, diese Zeit wie kein anderer. Bei dem Versuch, Italien zu einigen und K√∂nig zu werden, scheiterte er nur knapp. Niccol√≤ Machiavelli nahm ihn zum Vorbild f√ľr sein staatsphilosophisches Werk Der F√ľrst.

Fr√ľhe Neuzeit bis zum Wiener Kongress

Italien um 1494

Nach dem Tod K√∂nig Ferrantes von Neapel 1494 intervenierte K√∂nig Karl VIII. von Frankreich in Italien. Er zwang Florenz, den Kirchenstaat und Neapel zur Kapitulation (1495). Ferdinand von Arag√≥n, Maximilian und Heinrich VII., sowie die italienischen Staaten Venedig, Mailand und der Kirchenstaat bildeten eine Heilige Liga (31. M√§rz 1495) und zwangen den franz√∂sischen K√∂nig zum R√ľckzug √ľber die Alpen. Ludwig XII. nahm die expansive Politik Karls VIII. wieder auf und annektierte das Herzogtum Mailand. Ludwig XII. und Ferdinand von Arag√≥n teilten im Vertrag von Barcelona 1500 das K√∂nigreich Neapel unter sich auf (Norden: Frankreich, S√ľden: Spanien). Im Vertrag von Lyon 1504 wurde nach einem erneuten Krieg Unteritalien wieder in das K√∂nigreich Arag√≥ns eingegliedert, da die Franzosen Neapel verlassen mussten. 1507 gelang es den Franzosen, sich der Republik Genua zu bem√§chtigen. Die Liga von Cambrai (√Ėsterreich unter Maximilian I., der Papst, Spanien, England, Ungarn, Savoyen und einige italienische Staaten) versuchte im Oktober 1508 die Seerepublik Venedig aufzuteilen, scheiterte aber. Papst Julius II. (1503‚Äď1513) schwenkte auf ein neues politische Ziel um: Die Befreiung Italiens von den ‚ÄěBarbaren‚Äú. Die Eidgenossenschaft, Spanien, Venedig und der Papst vereinigten sich zur Heiligen Liga, um die Franzosen aus Mailand zu vertreiben, was ihnen 1512 gelang. Die Schweizer restituierten die Dynastie der Sforza und annektierten den gr√∂√üten Teil des Tessins (Domodossola, Locarno, Lugano). In der Schlacht von Marignano (Herbst 1515) unterlagen die Schweizer jedoch wieder den Franzosen und sie mussten Mailand r√§umen. Franz I. (von Frankreich) und Karl I. von Spanien einigten sich im Vertrag von Noyon 1516 √ľber den Status Quo.

1525 gelang es Karl V. in der Schlacht von Pavia Mailand an sein Haus zu bringen und die italienische Oberherrschaft in Italien zu st√ľrzen. Die Truppen des Kaisers pl√ľnderten 1527 Rom (Sacco di Roma), was einen bleibenden Eindruck auf das Papsttum hatte (Trienter Konzil). 1529 schloss Karl V. mit Frankreich und dem Papst im Vertrag von Cambrai Frieden, da die Osmanen auf Wien marschierten. Im Frieden von Cr√©py 1544 verzichtete Franz I. auch auf seinen Anspruch auf Neapel und erhielt von Karl V. im Gegenzug Burgund zur√ľck. 1559 konnte Philipp II. im Frieden von Cateau-Cambr√©sis Neapel gewinnen.

Im Frieden von Utrecht 1713 nach dem Spanischen Erbfolgekrieg, der zum Teil in Italien stattfand, erhielt √Ėsterreich u. a. Mailand, Neapel (ohne Sizilien) und Sardinien von Spanien und wurde damit zur vorherrschenden Macht in Italien. Der Herzog von Savoyen erhielt hingegen Sizilien sowie Montferrat. 1720 tauschte das Haus Savoyen Sardinien gegen Sizilien von √Ėsterreich aus und erhielt somit die K√∂nigsw√ľrde: Erster Herrscher des neugegr√ľndeten K√∂nigreichs Sardinien-Piemont wurde Viktor Amadeus I. Spanien erwarb 1735/38 Neapel und Sizilien, 1748 Parma und gr√ľndete dort eine Sekundogenitur. Nach dem Aussterben der Medici in Florenz 1737 stiftete der Herzog von Lothringen dort eine Sekundogenitur f√ľr das Haus Habsburg-Lothringen. 1768 verkaufte die Republik Genua die Insel Korsika an Frankreich. Nachdem Italien von 1701 bis 1748 Kriegsschauplatz der Gro√üm√§chte war (Europ√§ische Erbfolgekriege), erlebte es von 1748 bis 1796 eine Friedenszeit.

40 Lirest√ľck mit Napoleon als K√∂nig von Italien
R√ľckseite desjenigen

1796/97 unterwarf Napoleon Bonaparte im Italienfeldzug gro√üe Teile Ober- und Mittelitaliens und zwang im Frieden von Campo Formio √Ėsterreich und das r√∂misch-deutsche Kaisertum zur Anerkennung seiner Eroberungen und zum Verzicht der kaiserlichen Lehensrechte in Italien. √Ėsterreich erhielt aber das venezianische Erbe (au√üer den Ionischen Inseln). Frankreich gr√ľndete im unterworfenen Italien Vasallenstaaten: Teile Norditaliens wurden zur ‚ÄěTransalpinischen Republik‚Äú zusammengefasst, die dann in Cisalpinische bzw. Cisalpine Republik umbenannt wurde. Genua wurde zur Ligurischen Republik, das 1799 eroberte K√∂nigreich Neapel zur Parthenop√§ischen Republik. 1798 nahmen die Franzosen Papst Pius VI. gefangen und lie√üen den Kirchenstaat zur R√∂mischen Republik ausrufen. Im 2. Koalitionskrieg erlitt Frankreich 1799 in Italien eine Niederlage gegen √Ėsterreich und Russland. Die franz√∂sische Herrschaft in Italien brach zusammen, die alte Ordnung (so der Kirchenstaat) wurde zum Teil wiederhergestellt. 1800 kam es zur franz√∂sischen Wiedereroberung Italiens, Napoleon lie√ü Italien wieder neu ordnen. Das Gro√üherzogtum Toskana wurde zum K√∂nigreich Etrurien, die Cisalpine Republik zur Republik Italien mit Napoleon als erstem Konsul. Piemont blieb unter franz√∂sischer Milit√§rverwaltung. Nach der Kaiserkr√∂nung Napoleons I. 1804 wurde die Republik Italien zum K√∂nigreich Italien umgewandelt (Napoleon kr√∂nte sich 1805 in Mailand mit der Eisernen Krone zum K√∂nig von Italien). Im Frieden von Pre√üburg 1805 nach dem 3. Koalitionskrieg verlor √Ėsterreich das venezianische Erbe wieder an Frankreich, das den Westteil Venetiens dem K√∂nigreich Italien zuschlug und aus dem √∂stlichen Teil (den Gebieten an der √∂stlichen Adria) einen neuen Vasallenstaat formte, die Illyrische Provinzen. 1806 wurden die Bourbonen erneut aus dem K√∂nigreich Neapel verjagt und Napoleons Bruder Joseph dort als Herrscher eingesetzt, 1808 sein Schwager Murat. Auf Sizilien und Sardinien konnten sich die (s√ľditalienischen) Bourbonen und die Savoyer unter britischem Flottenschutz halten. 1808 besetzte Napoleon erneut den Kirchenstaat und schlug ihn zum K√∂nigreich Italien. Teile des Kirchenstaats wurden von Frankreich annektiert, ebenso das K√∂nigreich Etrurien, Ligurien und Parma. Bis auf Sizilien und Sardinien stand Italien also unter direkter oder indirekter franz√∂sischer Herrschaft ehe 1814/15 die napoleonische Herrschaft auch in Italien zusammenbrach.

Italien nach dem Wiener Kongress

Durch den Wiener Kongress kam es zur Neuordnung Italiens: √Ėsterreich bekam zur Lombardei nun Venetien dazu, das damit seine Unabh√§ngigkeit endg√ľltig verlor; der Kirchenstaat wurde wiederhergestellt, verlor aber Avignon an Frankreich; Das K√∂nigreich Sardinien-Piemont bekam die Republik Genua zugesprochen; in Parma-Piacenza und Guastalla wurde Napoleons Frau, die Habsburgerin Marie-Louise, als Herrscherin eingesetzt; Modena-Reggio wurde fortan vom Haus Habsburg-Este regiert; das von einer Habsburger-Nebenlinie regierte Gro√üherzogtum Toskana wurde wiederhergestellt; die zuvor formal getrennten K√∂nigreiche Neapel (umfasste S√ľditalien) und Sizilien wurden offiziell vereinigt (K√∂nigreich beider Sizilien).

Einigung Italiens

‚Üí Hauptartikel: Risorgimento

Nach dem Wiener Kongress war das K√∂nigreich von Sardinien-Piemont der letzte bedeutende Staat in Italien unter einer einheimischen Dynastie. Italien blieb Spielball fremder M√§chte, obwohl durch den Untergang des Heiligen R√∂mischen Reichs Deutscher Nation 1806 ‚ÄěReichsitalien‚Äú (italienische Gebiete, √ľber die der Kaiser Oberhoheit bzw. Lehensrechte beanspruchte) endg√ľltig Geschichte wurde. Je mehr die (in der Regel ausl√§ndischen) F√ľrsten der Staaten Italiens nun bestrebt waren, die Uhren auf die Zeit vor den napoleonischen Invasionen zur√ľckzudrehen, desto mehr wurde Napoleon nicht mehr als despotischer Eroberer, sondern als fortschrittlicher, antiabsolutistischer Herrscher empfunden. Der Wunsch, Italien von Fremdherrschaft, Zerst√ľckelung und Absolutismus zu befreien, erfasste immer mehr Menschen. Geheimb√ľnde (u. a. die ‚ÄěCarbonari‚Äú) wurden gegr√ľndet, die Aufst√§nde organisierten (v. a. 1848). Eine bedeutende Rolle spielten der Publizist Giuseppe Mazzini und die von ihm gegr√ľndete Bewegung ‚ÄěGiovine Italia‚Äú (Junges Italien). Das vergleichsweise liberal regierte K√∂nigreich Sardinien-Piemont machte sich die Forderung nach einer Einigung Italiens zu Eigen, es kam zu den Italienischen Unabh√§ngigkeitskriegen. Ein Angriff unter der F√ľhrung der Savoyer, K√∂nige von Sardinien, auf das √∂sterreichische Lombardo-Venetien unter der Teilnahme von Freiwilligen aus ganz Italien fand 1848/49 statt. Es kam zur Bildung provisorischer Regierungen in Mailand und Venedig (vgl. Repubblica di San Marco). In der Folge kam es auch zur Erhebung gegen die weltliche Herrschaft des Papstes und zur Ausrufung einer R√∂mischen Republik. Die Aufst√§nde wurden schlie√ülich niedergeschlagen, u. a. weil sich der Herrscher von Sardinien-Piemont (Carl Albert) nicht zu einer wirklichen Unterst√ľtzung durchringen konnte. In der Folge kam zur Restauration der Herrschaft √Ėsterreichs und Papst Pius‚Äô IX. Carl Albert dankte 1849 zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel II ab. 1859 griffen die Savoyer erneut √Ėsterreich in Oberitalien an, diesmal mit Unterst√ľtzung Frankreichs (Sardinischer Krieg, Schlachten von Magenta und Solferino). Parallel dazu fanden Aufst√§nde in der Toskana, Modena und anderen Gebieten statt. Als Folge schlossen sich Parma-Piacenza, Toskana, Modena und Teile des Kirchenstaats zun√§chst formal Sardinien-Piemont an (1860). Eine besondere Rolle in dieser ‚ÄěRisorgimento‚Äú genannten Epoche des 19. Jahrhunderts spielten die Freiwilligenverb√§nde unter Giuseppe Garibaldi, die 1860 das K√∂nigreich beider Sizilien unter ihre Kontrolle brachten (‚ÄěZug der Tausend‚Äú). Auch hier musste der Monarch fl√ľchten, Garibaldi rief sich zum Diktator von Sizilien aus. Der Ministerpr√§sident von Sardinien-Piemont, Cavour, sandte ein Heer in den S√ľden, einerseits um Garibaldi zu Hilfe zu kommen, andererseits aber auch, um zu verhindern, dass das Risorgimento eine republikanische Sto√ürichtung bekam. Die Truppen von Sardinien besetzten auch weitere Teile des Kirchenstaats (Umbrien und Marken). Plebiszite in Umbrien, Marken und beiden Sizilien besiegelten den Anschluss an Sardinien-Piemont. Am 17. M√§rz 1861 wurde dann der K√∂nig von Sardinien, Viktor Emanuel II., zum K√∂nig von Italien proklamiert.

Königreich Italien

Italien bis zum Ersten Weltkrieg

Die Flagge des Königreichs

Das junge K√∂nigreich Italien war mit wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten, dem Nord-S√ľd-Gegensatz und dem Brigantenwesen im S√ľden konfrontiert. Es wurde vers√§umt, die Verh√§ltnisse insbesondere im S√ľden (dem ehemaligen K√∂nigreich beider Sizilien) durch eine Landreform und eine gerechte Besteuerung zu verbessern. √úber 75% der Bev√∂lkerung waren zum Zeitpunkt der Einigung Analphabeten, lokale Dialekte bestimmen zumeist den allt√§glichen Sprachgebrauch. Nur 2% beherrschten zu diesem Zeitpunkt die Schriftsprache auch als gesprochene Sprache.[4] Zudem standen Venetien und ein Rest des Kirchenstaats mit Rom noch unter Fremdherrschaft.

Im Jahre 1866 fielen nach einem weiteren Krieg gegen √Ėsterreich auch Venetien und der Gro√üteil des Friauls an Italien, im Jahre 1870 schlie√ülich auch der dem Papst 1860 verbliebene latinische Teil des Kirchenstaates. Daraufhin wurde Rom die neue Hauptstadt Italiens (R√∂mische Frage). Papst Pius IX., der seine weltliche Herrschaft damit verloren hatte, sah sich bis zu seinem Tod 1878 als ‚ÄěGefangener im Vatikan‚Äú und verbot Katholiken die Teilnahme am politischen Leben Italiens.

Der Irredentismus beinhaltete die Forderung nach dem Anschluss des Trentino und Istriens, teilweise auch anderer Gebiete (Korsika, Nizza, Savoyen, Monaco, Tessin, Dalmatien, Malta, San Marino). 1882 wurde mit √Ėsterreich-Ungarn und dem Deutschen Reich der Dreibund geschlossen.

1881‚Äď1885 eroberte Italien √§thiopische Gebiete am Roten Meer, die 1890 zur Kolonie Eritrea zusammengefasst wurden. 1889 wurde zudem der s√ľdliche Teil Somalias in Besitz genommen. Der Versuch, weitere √§thiopische Gebiete zu erobern, scheiterte 1894‚Äď1896 (Niederlage von Adua). Im Krieg mit dem Osmanischen Reich 1911/12 eroberte Italien Libyen und den Dodekanes. Der italienische Expansionsdrang im Zeitalter des Imperialismus wurde vom emporgekommenen Grossb√ľrgertum entscheidend mitgetragen, im Fall Libyen spielte Giolitti (s. unten) eine wichtige Rolle.

1900 wurde der Nachfolger Viktor Emanuels II., K√∂nig Umberto I. (seit 1878), in Monza von einem Anarchisten ermordet. Sein Nachfolger wurde Viktor Emanuel III.. Politisch dominierend war aber Giovanni Giolitti, der von 1901‚Äď1914 mit Unterbrechungen Ministerpr√§sident war. Er beherrschte die italienische Politik derma√üen, dass man von der √Ąra Giolitti spricht.

Der Erste Weltkrieg

Karte der Italienfront 1915‚Äď1917
Schlacht von Karfreit (Oktober 1917)
Schlacht von Vittorio Veneto (Oktober/November 1918)

Obwohl Italien formell durch den Dreibund an Deutschland und √Ėsterreich gebunden war, erkl√§rte die Regierung Salandra bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Neutralit√§t des Landes, da der Dreibund nach Ansicht der italienischen Regierung ein Verteidigungsb√ľndnis war (und √Ėsterreich-Ungarn offensiv in den Krieg eingetreten war). In der Folge entbrannte ein innenpolitischer Streit um eine italienische Kriegsteilnahme. Die Interventionisten, zu deren Lager auch der damals noch der Sozialistischen Partei zugeh√∂rige Mussolini geh√∂rte, sahen in einem Kriegseintritt die Chance, die irredentistischen Pl√§ne zu verwirklichen und gewannen schlie√ülich die Oberhand. Die unter √∂sterreichischer Herrschaft stehenden Gebiete Trentino (damals ein Teil Tirols) und K√ľstenland (umfasste Istrien, Triest und einen Teil Friauls) waren die vorrangigen italienischen Ziele. Im M√§rz 1915 verhandelte Italien mit √Ėsterreich-Ungarn, das aber allenfalls bereit war, s√ľdliche Teile des Trentino abzutreten. Die Entente-M√§chte versprachen Italien im Falle eines Kriegseintritts auf ihrer Seite mehr: Das s√ľdliche Tirol bis zum Brenner (inklusive S√ľdtirol), die Gebiete, die das √∂sterreichische K√ľstenland ausmachten, die Ostadriak√ľste (v. a. Dalmatien, das bis Ende des 18. Jahrhunderts zur Republik Venedig geh√∂rt hatte), und eine Erweiterung des Kolonialbesitzes. Nachdem im Londoner Vertrag am 26. April 1915 diese Gebietserweiterungen bewilligt wurden, k√ľndigte Italien am 4. Mai den Dreibund. Am 23. Mai erkl√§rte Italien √Ėsterreich-Ungarn den Krieg (1916 auch dessen Verb√ľndeten, dem Deutschen Reich) und trat auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg ein.

Italien und √Ėsterreich-Ungarn standen sich an zwei Fronten gegen√ľber: im gebirgigen Isonzo-Gebiet, das im √∂sterreichischen K√ľstenland lag, und in den Alpen im Trentino bzw. s√ľdlich davon. Italien war also im Ersten Weltkrieg weitgehend in einen Gebirgskrieg verwickelt, der die Verteidiger wesentlich beg√ľnstigte. Daneben gab es noch kleinere Seegefechte in der Adria. An der Isonzofront fanden von 1915 bis 1917 elf Schlachten statt, die Italien geringf√ľgige Gebietsgewinne einbrachten. Im Trentino versuchte √Ėsterreich-Ungarn 1916, die italienische Isonzofront durch einen Gro√üangriff in Richtung Venedig zum Einsturz zu bringen. Der Angriff scheiterte nach anf√§nglichen Gewinnen und musste dann wegen einer russischen Offensive an der Ostfront ganz eingestellt werden.

Als Italien 1917 in der elften Isonzoschlacht das Bainsizza-Hochplateau eroberte, geriet der S√ľdabschnitt der angeschlagenen √∂sterreich-ungarischen Isonzofront in Gefahr. F√ľr einen Entlastungsangriff am oberen Isonzo wurden mehrere deutsche Divisionen zur Verf√ľgung gestellt. Im Oktober 1917 gelang deutschen und √∂sterreich-ungarischen Truppen bei Karfreit/Caporetto in der zw√∂lften Isonzoschlacht ein Durchbruch, der das italienische Heer bis an den Piave zur√ľck warf. Gleichzeitig brach die italienische Gebirgsfront nord√∂stlich von Asiago zusammen. Ein weiterer Vormarsch der Mittelm√§chte scheiterte jedoch am Monte Grappa und am Hochwasser f√ľhrenden Piave. Kurz danach entsandten die Alliierten zur Stabilisierung der Front Verst√§rkungen. Der italienische Generalstabschef Cadorna wurde wegen dieser schweren (aber letztendlich nicht kriegsentscheidenden) Niederlage abgel√∂st.

Italien nach dem Vertrag von St. Germain

Im Juni 1918 gelang es Italien in der zweiten Piaveschlacht, einen weiteren √∂sterreichischen Durchbruchsversuch erfolgreich abzuwehren und die Donaumonarchie dabei entscheidend zu schw√§chen. Im Oktober 1918 begann Italien mit einer Gro√üoffensive, bei der √Ėsterreich-Ungarn am 29. Oktober in der Schlacht von Vittorio Veneto milit√§risch unterlag. Danach l√∂sten sich Teile der √∂sterreichischen Armee bedingt durch das Streben der verschiedenen Nationalit√§ten nach Selbstst√§ndigkeit nach und nach auf. Im Waffenstillstand von Villa Giusti wurde √Ėsterreich-Ungarn gezwungen, allen alliierten und italienischen Forderungen nachzukommen, was einer bedingungslosen Kapitulation gleichkam. Italienische Truppen besetzten danach die ihnen zugesprochenen Gebiete (unter anderem S√ľdtirol). Einer geplanten italienischen Offensive durch das Inntal gegen das Deutsche Reich kam der Waffenstillstand an der Westfront zuvor. Au√üer dem Krieg mit √Ėsterreich-Ungarn war Italien im Ersten Weltkrieg noch an der Besetzung Albaniens beteiligt.

Italien hatte f√ľr den Krieg 5.615.000 M√§nner mobilisiert, davon kamen 650.000 um, 947.000 wurden (zum Teil schwerst) verletzt. Auch 589.000 italienische Zivilisten fanden im Ersten Weltkrieg den Tod.

Im Vertrag von St. Germain 1919 wurden dem K√∂nigreich Italien die bislang √∂sterreichischen Gebiete Trentino, S√ľdtirol, das Kanaltal, das gesamte ehemalige √∂sterreichische K√ľstenland und ein Teil der Krain, die Stadt Zara und einige norddalmatinische Inseln zugesprochen. Italien bekam damit dennoch weniger als es erwartet hatte, die Herrschaft √ľber den ganzen Ostadriaraum sowie eine Vergr√∂√üerung seines Kolonialbesitzes. Aus Protest verlie√ü der italienische Ministerpr√§sident Vittorio Emanuele Orlando die Friedensverhandlungen.

Die mehrheitlich italienische Stadt Fiume, die dem K√∂nigreich nicht zugesprochen worden war, wurde 1919 von paramilit√§rischen Verb√§nden unter Leitung Gabriele D'Annunzios besetzt: Dieser rief die Italienische Regentschaft am Quarnero aus, die aber ohne internationale Anerkennung, auch von Seiten Italiens, blieb. Nachdem D'Annunzio zur Aufgabe gezwungen worden war, vereinbarten die K√∂nigreiche Italien und Jugoslawien im Grenzvertrag von Rapallo, einen freien und unabh√§ngigen Freistaat Fiume anzuerkennen. Infolge eines Staatsstreiches 1922 √ľbernahmen italienische Nationalisten die Macht im Stadt-Staat, die eine Angliederung an Italien anstrebten. Diese wurde mit dem Vertrag von Rom 1924 besiegelt.

Faschistische Diktatur unter Benito Mussolini

‚Üí Hauptartikel: Italienischer Faschismus
Italiens Diktator Benito Mussolini

Die tiefe wirtschaftliche, soziale und politische Krise nach dem Ersten Weltkrieg, den Italien mitgewonnen hatte, dessen Sieg aber nach Ansicht der Nationalisten von italienischen Verzichtspolitikern und den Alliierten ‚Äěverst√ľmmelt‚Äú worden war (Gabriele D'Annunzio pr√§gte das enorm einflussreiche Schlagwort der Vittoria mutilata), f√ľhrten das Land an den Rand eines B√ľrgerkrieges. Die zwei roten Jahre (Biennio rosso) 1919 und 1920 wurden von der politischen Agitation der Linken gepr√§gt: Demonstrationen und Streiks, die vielfach mit gewaltsamen Fabrik- und Landbesetzungen endeten, legten die Wirtschaft Italiens lahm. Den italienischen Regierungen gelang es nicht, der schwierigen Lage Herr zu werden. Die Angst vor einer bolschewistischen Revolution nutzte Benito Mussolini aus, um sich als Garant von Recht und Ordnung zu etablieren. Unterst√ľtzung fand er dabei nicht nur bei den betroffenen Industriellen und Grundbesitzern, sondern auch in weiten Teilen des B√ľrgertums. Es folgten 1921 und 1922 die zwei schwarzen Jahre (Biennio nero). Faschistische Squadristen, die paramilit√§risch organisierten Schwarzhemden, gingen mit Gewalt gegen sozialistische und katholische Gewerkschaftsbewegung sowie gegen linke, als subversiv bezeichnete politische Gegner vor. Insgesamt kamen zwischen 1919 und 1922 wohl etwa 1.000 Faschisten und Antifaschisten in den b√ľrgerkriegs√§hnlichen K√§mpfen ums Leben.

Nachdem er Ende 1921 aus der lose zusammenh√§ngenden faschistischen Bewegung eine Partei, den Partito Nazionale Fascista (‚ÄěNationale Faschistische Partei‚Äú, PNF) geschaffen hatte, organisierte Mussolini im Oktober 1922 mit etwa 26.000 faschistischen Anh√§ngern einen Sternmarsch, der unter den Namen Marsch auf Rom (Marcia su Roma) in die Geschichte einging. Am 28. Oktober trafen diese Gruppen im str√∂menden Regen vor den Toren Roms ein. Der Anf√ľhrer des Marsches reiste sp√§ter mit einem Schlafwagen aus Mailand an, als in Folge angeblicher Putschdrohungen K√∂nig Viktor Emanuel III. Ministerpr√§sident Luigi Facta bereits entlassen hatte. Der K√∂nig ernannte daraufhin Mussolini zum Ministerpr√§sidenten; die Faschisten zogen zu einem Siegesmarsch in Rom ein.

Im Juli 1923 wurde durch ein neues Wahlgesetz, die Legge Acerbo, der Einfluss von Oppositionsparteien erheblich eingeschr√§nkt. 1924 wurde der sozialistische Oppositionspolitiker Giacomo Matteotti entf√ľhrt und ermordet. Indizien deuten darauf hin, dass Mussolini wahrscheinlich selbst den Auftrag f√ľr diesen Mord gegeben hatte ‚Äď in einer ber√ľhmt-ber√ľchtigten Rede vor der Abgeordnetenkammer am 3. Januar 1925 gab der ‚ÄěDuce‚Äú das selbst zu. Zugleich nutzte er die Gelegenheit, den Aufbau der faschistischen Diktatur anzuk√ľndigen und voranzutreiben, nachdem er im Gefolge der Krise zeitweise unter starken Druck der Kirche, von Gewerkschaften und Opposition, aber auch von ‚Äěintransigenten‚Äú, revolution√§r-squadristischen Kreisen des Faschismus geraten war. 1926 wurden endg√ľltig alle Oppositionsparteien verboten. Zu den Wahlen 1928 traten nur noch Kandidaten an, die vom PNF zugelassen wurden; mit der Schaffung des ‚ÄěFaschistischen Gro√ürats‚Äú (Gran Consiglio del Fascismo) existierte nun auch ein Gremium, das Partei- und Staatsfunktionen vereinte. Der institutionelle Umbau des italienischen Staates zur faschistischen Diktatur war somit abgeschlossen.

Getreu der nationalistischen Ideologie, unternahm das Regime eine strikte Italianisierungspolitik. Die gr√∂√üten Leidtragenden waren die ethnischen Minderheiten im Lande, insbesondere Frankoprovenzalen, Slawen und S√ľdtiroler.

Am 11. Februar 1929 wurden die Lateranvertr√§ge zwischen dem Vatikan und dem K√∂nigreich Italien abgeschlossen. In dem von dem Kardinalstaatssekret√§r Pietro Gasparri und Benito Mussolini unterzeichneten Vertragswerk werden die Souver√§nit√§t eines Kirchenstaates anerkannt, die Beziehungen zwischen der Kirche und dem italienischen Staat geregelt und dem Vatikan Entsch√§digungen zugesprochen. Das faschistische Regime l√∂ste damit die seit 1870 mit der Einnahme Roms durch italienische Truppen schwelende Frage des Verh√§ltnisses von katholischer Kirche und italienischem Staat. Dieser Erfolg brachte dem Faschismus die Zustimmung auch vieler b√ľrgerlich-konservativer Kreise, die von der faschistischen Gewaltpolitik noch abgeschreckt worden waren.

Wirtschaftspolitisch hatte das Regime mit den Folgen der Gro√üen Depression zu k√§mpfen. Bankrotte Unternehmen wurden von der √∂ffentlichen Hand √ľbernommen und unter den Schutzschirm des neugegr√ľndeten Staatskonzerns Istituto per la Ricostruzione Industriale gestellt. Es wurde massiv in die √∂ffentlichen Infrastrukturen investiert. Mehr und mehr unterst√ľtze das Regime einen protektionistischen Kurs: Die Weizenschlacht (battaglia del grano) sollte die Autarkie im Bereich der Nahrungsmittelversorgung erreichen. Die Trockenlegung des Gebiets der Pontinischen Ebene diente als umfangreiches Arbeitsbeschaffungsprogramm f√ľr arme Familien aus dem Norden Italiens, besonders Venetien und Emilia.

Die Grundlagen f√ľr Italiens Sozialgesetzgebung wurden ebenfalls in dieser Zeit gelegt.

International verfolgte Italien in den folgenden Jahren zun√§chst eine Politik, die das Land als St√ľtze der internationalen Ordnung und als Friedensgaranten im Mittelmeerraum erscheinen lassen sollte. Das brachte beispielsweise zun√§chst gute Beziehungen zu Gro√übritannien mit sich. Zunehmend jedoch radikalisierten sich die faschistische Kultur und Politik ‚Äď eine R√ľckkehr zur rohen Gewalt, jetzt auf internationaler Ebene, war die logische Konsequenz eines Weltbildes, das auf dem Gedanken eines ewigen Kampfes und der imperialistischen Expansion Italiens fu√üte. Der Italienisch-√Ąthiopischen Krieg (1935-1936) markierte eine neue, aggressiv-expansionistische Phase in der faschistischen Au√üenpolitik: Abessinien konnte trotz internationaler Proteste erfolgreich erobert werden und wurde mit den bestehenden Kolonien Eritrea und Somalia zu Italienisch-Ostafrika zusammengeschlossen. Der milit√§rische Erfolg festigte die Herrschaft der Faschisten und deren Popularit√§t im Inland, f√ľhrte aber zu einer zunehmenden Isolierung im Ausland: Der V√∂lkerbund verh√§ngte Sanktionen gegen das Land, an denen sich Deutschland unter Hitler nicht beteiligte. Dies und die Intervention beider Staaten im Spanischen B√ľrgerkrieg zugunsten der aufst√§ndischen nationalistischen Milit√§rs um Francisco Franco f√ľhrte 1936 zu einem B√ľndnisvertrag, der sogenannten ‚ÄěAchse Rom-Berlin‚Äú. 1937 trat Italien aus dem V√∂lkerbund aus und dem Antikomintern-Pakt zwischen Deutschland und Japan bei; 1939 folgten die Okkupation Albaniens und das als ‚ÄěStahlpakt‚Äú bezeichnete offizielle Kriegsb√ľndnis mit dem Deutschen Reich. Schon 1938 hatte Italien rassistische Gesetze erlassen, die vor allem die Juden diskriminierten.

Der Zweite Weltkrieg

In den Zweiten Weltkrieg griff Italien zun√§chst nicht ein, da das Land f√ľr einen umfassenden milit√§rischen Konflikt noch l√§ngst nicht ger√ľstet war und seine Streitkr√§fte sich nach der Intervention im Spanischen B√ľrgerkrieg sowie dem Italienisch-√Ąthiopischen Krieg in einer Phase der Modernisierung (die jedoch sehr langsam vorankam) befanden. Mussolini proklamierte 1939 die ‚ÄěNichtkriegf√ľhrung‚Äú (non belligeranza) Italiens, k√ľndigte aber auch an, zum passenden Zeitpunkt das ‚Äěentscheidende Gewicht‚Äú (peso determinante) seines Landes in die Waagschale zu werfen.

Dieser Moment war am 10. Juni 1940 gekommen. Angesichts des erfolgreichen deutschen Feldzugs gegen Frankreich f√ľrchtete Mussolini, auf einer Friedenskonferenz ohne eigene milit√§rische Erfolge ins Hintertreffen zu geraten. Der ‚ÄěDuce‚Äú erkl√§rte Gro√übritannien und Frankreich trotz anders lautendem Rat seiner Gener√§le den Krieg und begr√ľndete diesen Schritt mit der Ambition Italiens, das Imperium Romanum wieder aufleben zu lassen. Italien w√ľrde sein Territorium auf Nizza, Korsika, Malta, die gesamte K√ľste Dalmatiens mitsamt Albanien, Kreta und weitere griechische Inseln ausweiten. Zu den bisherigen Kolonien w√ľrden Tunesien, √Ągypten (mit Sinai-Halbinsel), Sudan und Teile Kenias hinzukommen, um eine Landverbindung von Libyen nach Italienisch-Ostafrika sicherzustellen. Auch die Territorien von Britisch- und Franz√∂sisch-Somaliland sowie Teile Franz√∂sisch-√Ąquatorialafrikas sollten somit in Besitz genommen werden, mit der T√ľrkei und arabischen Staaten Vereinbarungen √ľber Einflusszonen getroffen werden. Zudem sollten Aden und Perim unter italienische Kontrolle geraten.

Die italienischen Kriegsanstrengungen waren jedoch nicht mehr von Erfolg gekr√∂nt: Der Angriff gegen das bereits geschlagene Frankreich blieb nach geringen Gel√§ndegewinnen in den Alpen (vgl. Vichy-Regime) stecken; die Offensive gegen die Briten in Nordafrika Ende 1940 und der Feldzug gegen Griechenland (ab dem 28. Oktober 1940) gerieten zu regelrechten Katastrophen, die nur durch das Eingreifen der deutschen Wehrmacht √ľberdeckt werden konnten. Die neuere Forschung schreibt die desastr√∂sen Ergebnisse mangelnder Ausbildung, zum Teil schlechter Ausr√ľstung, vor allem aber dilettantischer strategischer Planung und ma√üloser Selbst√ľbersch√§tzung insbesondere des ‚ÄěDuce‚Äú selbst zu. Trotz auf dem Papier gegebener √úberlegenheit gelang es der italienischen Marine nicht, die britische Marine aus dem Mittelmeer zu vertreiben. Sp√§ter verhinderte Treibstoffmangel entsprechende Ambitionen.

1941 nahm ein italienisches Expeditionskorps am deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion teil. Auch auf dem Balkan verfolgten die Italiener teilweise ein zutiefst nationalistisches Regiment, vor allem gegen√ľber den Slowenen und in der Zusammenarbeit mit der faschistischen Bewegung der Ustascha in Kroatien. 1942 scheiterte die letzte deutsch-italienische Offensive in Nordafrika; seitdem riss die Kette der milit√§rischen Katastrophen f√ľr das faschistische Regime nicht mehr ab. Nach der Kapitulation der Achsentruppen in Tunesien im Mai 1943 eroberten Amerikaner und Briten im Sommer desselben Jahres die Inseln Lampedusa und Pantelleria und landeten im Juli 1943 auf Sizilien (Operation Husky).

Unter dem Eindruck dieser verheerenden Niederlagen setzte der Faschistische Gro√ürat am 25. Juli 1943 Mussolini mit einfacher Mehrheit ab. Mussolini wurde gefangen genommen. K√∂nig Viktor Emanuel III., dessen Tochter Mafalda im KZ Buchenwald ums Leben kam, √ľbernahm den Oberbefehl √ľber die Streitkr√§fte und beauftragte Marschall Pietro Badoglio, eine Milit√§rregierung zu bilden. Badoglio erkl√§rte die faschistische Partei und ihre Gliederungen per Gesetz f√ľr aufgel√∂st. Am 8. September wurde ein Waffenstillstand zwischen der Badoglio-Regierung und den Alliierten abgeschlossen, der Waffenstillstand von Cassibile.

Italienische Sozialrepublik

Das Deutsche Reich versuchte, die Schwarzhemden wieder an die Macht zu bringen und lie√ü dazu Mussolini im Unternehmen Eiche befreien. Norditalien wurde bis nach Rom durch deutsche Truppen besetzt und in diesem Gebiet eine Marionettenregierung unter Mussolini installiert, die Italienische Sozialrepublik. Diese Parallel-Regierung blieb mit Deutschland aufs engste verb√ľndet, erkl√§rte seinerseits dem von den Alliierten besetzten Teil Italiens den Krieg und f√ľhrte in Norditalien Krieg gegen echte oder vermeintliche Partisanen.

Zum 1. Oktober 1943 wurden im Norden Italiens die folgenden deutschen Operationszonen gegr√ľndet:

Entlang der Schweizer und franz√∂sischen Grenze entstand aus einem etwa 50 km tiefen Streifen die Operationszone Nordwest-Alpen, die direkt dem Armeekommando 14 unterstand.

In den folgenden knapp zwei Jahren wurde vor allem Mittelitalien von den schweren K√§mpfen entlang der langsam vorr√ľckenden Front (Befreiung Roms am 4. Juni 1944) teilweise v√∂llig verw√ľstet. Die Zivilbev√∂lkerung wurde auch zum Ziel deutscher Repressalien (siehe Deutsche Kriegsverbrechen in Italien). Beim Massaker in den Ardeatinischen H√∂hlen wurden 335 italienische Zivilisten erschossen, unter ihnen 57 Juden.

Kommunistische, sozialistische, katholische und liberale Partisanen der Resistenza k√§mpften gegen die deutschen Besatzungstruppen. Der Beitrag der Partisanen zur Befreiung Italiens ist aber nicht unumstritten. Vor allem von Seiten der Kommunisten wurde deren Kampf als ‚Äěnationaler Befreiungskrieg‚Äú empfunden. Die j√ľngere Geschichtsschreibung hat den Begriff des ‚ÄěB√ľrgerkriegs‚Äú aufgegriffen, der kontrovers diskutiert wird.[5]

Mussolini versuchte indes in die Schweiz zu fl√ľchten. Er wurde jedoch in Dongo am Comer See am 27. April 1945 von kommunistischen Partisanen erkannt, gefangen genommen und zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci am 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra erschossen.

Am 29. April 1945 kapitulierten die deutschen Streitkr√§fte bedingungslos. F√ľr Italien endete der Krieg mit 291.376 milit√§rischen und 153.147 zivilen Opfern.[6]

Judenverfolgung

Mit dem ‚ÄěGesetz zum Schutz der italienischen Rasse‚Äú vom 17. September 1938 erlie√ü Italien Rassengesetze nach nationalsozialistischem Muster, die sich gegen die Afrikaner in den faschistischen Kolonien richteten und die Juden marginalisieren sollten. Letztere mussten den √Ėffentlichen Dienst verlassen, durften nur mehr geringen Grundbesitz haben und kleine Firmen leiten. Im Innenministerium wurde die ‚ÄěGeneraldirektion f√ľr Demographie und Rasse‚Äú eingerichtet, die eine Judenz√§hlung betrieb, die die bis dahin in Italien unauff√§llige j√ľdische Bev√∂lkerung ausgrenzte. Nach dem Kriegseintritt im Juni 1940 folgte Zwangsarbeit f√ľr italienische und Internierung in Konzentrationslagern f√ľr ausl√§ndische Juden. Der Katalog diskriminierender Gesetze und Verordnungen wurde st√§ndig erweitert; als Mussolini im Juli 1943 gest√ľrzt wurde, gab es kaum einen Beruf mehr, den Juden legal aus√ľben durften. Ab September 1943 wurden in der Italienischen Sozialrepublik die Juden enteignet, in Konzentrationslager eingewiesen und schlie√ülich √ľber Durchgangslager wie die Risiera di San Sabba bei Triest in die Vernichtungslager im Osten deportiert. Dabei arbeiteten nationalsozialistische und faschistische Beh√∂rden eng zusammen. Etwa ein Viertel der j√ľdischen Bev√∂lkerung Italiens kam auf diese Weise um.[7]

Republik Italien

Von der Nachkriegszeit zum Ende des Kalten Krieges

Italien in seinen bestehenden Grenzen

K√∂nig Viktor Emanuel III. trat, diskreditiert durch den Faschismus (Ernennung Mussolinis zum Premier, Unterzeichnung der Rassengesetze), 1946 zugunsten seines Sohnes Umberto (II.) zur√ľck. Wenig sp√§ter fand, gleichzeitig mit der Wahl zu einer verfassunggebenden Versammlung, eine Volksabstimmung √ľber die k√ľnftige Staatsform statt. Das Ergebnis fiel knapp zugunsten der Republik aus, Angeh√∂rige des Hauses Savoyen mussten danach Italien verlassen. Die republikanische Verfassung trat 1948 in Kraft. Auf Grund der Erfahrungen mit der faschistischen Diktatur legte man den Schwerpunkt der politischen Macht auf ein kompliziertes parlamentarisches System mit zwei gleichberechtigten Kammern. Die von beiden Kammern abh√§ngige Regierung hat eine relativ schwache Stellung. Die erstmals vorgesehene umfassende Dezentralisierung wurde in den Jahren danach nur z√∂gerlich durchgesetzt.

Im Pariser Vertrag von 1947 verlor Italien seine Kolonien Libyen, √Ąthiopien und Eritrea. Italienisch-Somaliland wurde zuerst von den Briten besetzt und anschlie√üend von den Vereinten Nationen als Treuhandgebiet wieder unter italienische Verwaltung (1949-1960) gestellt.

Auch das italienische Mutterland war von Gebietsabtretungen betroffen. Die Gemeinden Briga und Tenda (frz. La Brigue und Tende) mussten an Frankreich abgetreten werden, das italienische Dodekanes (mit Rhodos) fiel an Griechenland. Italien musste auch den Gro√üteil Julisch Venetiens (Istrien, die St√§dte Fiume und Zara sowie die norddalmatinischen Inseln) an Jugoslawien abtreten. Triest und sein Umland wurden zun√§chst internationalisiert und in zwei Zonen geteilt (Schaffung eines Freies Territoriums Triest), ehe 1954 eine definitive Regelung getroffen wurde: Die Stadt Triest blieb bei Italien, das s√ľdliche Umland wurde Jugoslawien zugeschlagen. Mit dem Pariser Vertrag von 1947 wurden damit, vorbehaltlich des Territoriums um Triest, die heutigen Grenzen Italiens festgelegt. Im Zuge dieser Grenz√§nderungen, sowie bereits zuvor zwischen 1943 (Waffenstillstand) und 1945 kam es seitens der kommunistischen Partisanen Jugoslawiens zu Massakern an der einheimischen italienischen Bev√∂lkerung sowie slawischen Antikommunisten (Foibe-Massaker). Zwischen 200.000 und 350.000 ethnische Italiener (Esuli) wurden in der Zeit von 1943‚Äď1954 von Jugoslawien vertrieben. Jene Gebiete, die das faschistische Italien w√§hrend des 2. Weltkriegs oder kurz davor erworben hatte, also ‚ÄěMittelslowenien‚Äú , Dalmatien und Albanien (das nach der Aufteilung Jugoslawiens die albanischsprachigen Teile des Kosovos und Mazedoniens umfasste), verlor Italien ebenso.

Unter Ministerpr√§sident Alcide de Gasperi, ‚ÄěItaliens Adenauer‚Äú, geh√∂rte das Land zu den Mitbegr√ľndern der NATO, des Europarats und der Europ√§ischen Wirtschaftsgemeinschaft. Seine Partei, die Democrazia Cristiana (ital. f√ľr Christliche Demokratie) war die wichtigste politische Partei Italiens zwischen 1945 und 1993 und stellte fast alle Ministerpr√§sidenten in diesem Zeitraum. Sie verstand sich als gem√§√üigte katholische Volkspartei.

Die Kommunistische Partei Italiens (KPI) mit ihren langj√§hrigen Vorsitzenden Palmiro Togliatti und Enrico Berlinguer war mit √ľber zwei Millionen Mitgliedern und zirka 30 Prozent der W√§hlerstimmen die st√§rkste und politisch einflussreichste KP der kapitalistischen Industriestaaten. Im Parlament belegte sie den zweiten Platz. 1976 konnte die Partei ihr bestes Ergebnis bei den italienischen Parlamentswahlen verzeichnen, 34,4%, blieb aber hinter den Christdemokraten stehen. 1984 gelang es der KPI zum ersten und einzigen Mal als st√§rkste Partei hervorzugehen: Sie erreichte bei der Europawahl 33,3% der Stimmen und landete knapp vor den Christdemokraten mit 32,97%.

Obwohl sich die KPI unter Berlinguer vom Kommunismus sowjetischer Pr√§gung nach und nach lossagte und versuchte, den moderaten Weg des Eurokommunismus zu beschreiten, hielt die Furcht vor einer kommunistischen Machtbeteiligung oder -√ľbernahme bis zuletzt an. Dies f√ľhrte in den 70er Jahren unter anderem zu einer massiven Kapitalflucht aus Italien. Auch von Seiten der USA gab es erhebliche Bedenken gegen eine eventuelle Regierungsbeteiligung der Kommunisten, da man einen Domino-Effekt in ganz Westeuropa bef√ľrchtete.[8]

Unter Beibehaltung eines reinen Verh√§ltniswahlrechts (ohne 4- oder 5-Prozent-H√ľrde) gelang es der Democrazia Cristiana durch die Einbeziehung von i. d. R. vier oder f√ľnf kleineren Parteien (Sozialisten, Sozialdemokraten, Republikaner und Liberale, sog. Pentapartito), die Kommunisten auf recht wirksame Weise von einer Regierungs√ľbernahme abzuhalten. Obwohl die kleineren Regierungsparteien zur Durchsetzung ihrer eigenen Interessen regelm√§√üig Regierungskrisen herbeif√ľhrten, blieben wegen des erzwungenen Ausschlusses der Kommunisten und des somit bedingten Mangels an Alternativen immer dieselben Parteien und Politiker an der Macht. Zur Sicherung ihrer W√§hlerstimmen und des Machterhalts machten diese Parteien immer wieder gro√üz√ľgige, z. T. sogar unmoralische Konzessionen und Kompromisse verschiedenster Art, die zu kolossaler Staatsverschuldung (sozialpolitische Geschenke) und zur faktischen Behinderung der Mafiabek√§mpfung (Vorteile gegen Beschaffung von W√§hlerstimmen) f√ľhrten.

Die 1970er Jahre gingen als anni di piombo (bleierne Jahre) in die Geschichte ein. Der linksextreme Terrorismus der Roten Brigaden und die blutigen Attentate neofaschistischer Extremisten, an denen auch die Geheimdienste beteiligt waren, versetzten das Land in Angst und Schrecken und f√ľhrten zu einer bedrohlichen Destabilisierung der politischen Situation, so dass ein Staatsstreich nach s√ľdamerikanischem Vorbild nicht unwahrscheinlich schien. Bekannt sind die Putschversuche von einigen Carabinieri-Offizieren im Jahr 1964 (Piano solo) und der Golpe Borghese von F√ľrst Junio Valerio Borghese.

Ministerpräsident Aldo Moro in Gefangenschaft der Roten Brigaden

Die schwierigen Umst√§nde f√ľhrten zu einer Ann√§herungen von Christdemokraten und Kommunisten. Ma√ügeblich beteiligt an der Ausarbeitung des sogenannten historischen Kompromisses (compromesso storico) waren der Christdemokrat Aldo Moro und der Kommunist Enrico Berlinguer. Nach den Wahlen von 1976, bei denen die Kommunisten stark zulegen konnten, wurde Giulio Andreotti Ministerpr√§sident einer Minderheitsregierung, die auch auf die Tolerierung der KPI angewiesen war. Am 11. M√§rz 1978 kam es, abermals unter F√ľhrung von Andreotti, zur Bildung einer Regierung der nationalen Solidarit√§t, an der erstmals auch die Kommunisten direkt beteiligt sein sollten. Zu einer Regierungsbeteiligung kam es aber doch nicht. Wenige Tage sp√§ter, am 16. M√§rz, wurde Aldo Moro entf√ľhrt. Am 9. Mai 1978 wurde er nach 55-t√§giger Geiselhaft tot im Kofferraum eines Autos aufgefunden. Die Roten Brigaden bekannten sich letztlich zu Moros Entf√ľhrung und seiner Ermordung. Die Hintergr√ľnde der Tat sind bis heute nicht vollst√§ndig aufgekl√§rt.

Der Anschlag von Bologna 1980 markierte den blutigen H√∂hepunkt der terroristischen Aktivit√§ten in Italien. 1990 stellte sich im Rahmen von gerichtlichen Ermittlungen heraus, dass eine geheime Parallelstruktur innerhalb des italienischen Staatsapparats mittels einer sogenannten Strategie der Spannung √ľber Jahrzehnte versucht hatte, eine Regierungsbeteiligung der Kommunisten zu verhindern. Die Ergebnisse der Untersuchungskommission ‚ÄěTerrorismus und Massaker‚Äú (1994‚Äď2000) des italienischen Senats best√§tigten, dass Rechtsextremisten im Rahmen dieser Strategie eine Reihe von Terroranschl√§gen gegen die Zivilbev√∂lkerung ver√ľbt hatten.[9] Die Aufdeckung dieser Zusammenh√§nge l√∂ste 1990 eine Staatskrise in Italien aus (Gladio-Aff√§re), die gerichtliche Aufkl√§rung der Vorg√§nge dauert bis heute an. Gesichert ist, dass die italienischen Milit√§rgeheimdienste, die von NATO und CIA betriebene Organisation Gladio sowie die Geheimloge Propaganda Due dabei eine zentrale Rolle spielten.[9][10][11]

Trotz des gro√üen Einflusses der Katholischen Kirche auf die italienische Gesellschaft, konnten in den 70er Jahren bedeutende Reformen verabschiedet werden. 1970 wurde die Ehescheidung per Gesetz erlaubt. Das Gesetz musste einer Volksabstimmung unterzogen werden, welche die Bef√ľrworter der Ehescheidung deutlich gewannen (59,3 % bei einer Wahlbeteiligung von 87,7 %). Im Jahr 1979 wurde die Abtreibung legalisiert. Im Jahr 1984 wurde ein neues Konkordat mit der Kirche unterzeichnet: Der Katholizismus verlor dadurch den Status als Italiens Staatsreligion.

Nach dem Krieg erlebte auch Italien sein Wirtschaftswunder (miracolo economico). In den Jahren 1959, 1960, 1961, 1962 wuchs das Bruttosozialprodukt um respektive 6,4, 5,8, 6,8 und 6,1 Prozent. Auch die 1980er wurden von einem au√üerordentlichen Wachstum gekennzeichnet. 1987 k√ľndigte die Regierung Craxi den sorpasso an: Italien hatte das Vereinigte K√∂nigreich an Wirtschaftsleistung √ľberholt und war nun zur f√ľnftgr√∂√üten Wirtschaftsnation der Welt aufgestiegen.[12] [13][14]

Der Boom blieb haupts√§chlich auf den Norden bzw. die Mitte Italiens beschr√§nkt. Viele S√ľditaliener mussten nach wie vor ihre Heimat verlassen, um Arbeit zu finden, und ins europ√§ische Ausland (besonders Deutschland, Schweiz, Belgien und Frankreich) oder in die norditalienischen Regionen auswandern.

Gleichzeitig verschlechterte sich die Lage der √∂ffentlichen Haushalte dramatisch. Die Staatsverschuldung etwa verdoppelte sich im Laufe der 1980er Jahre. Die Inflation blieb immer relativ hoch, verglichen mit der Bundesrepublik Deutschland, die W√§hrung wurde aus Wettbewerbsgr√ľnden abgewertet.

Nach dem Ende des Kalten Krieges

Die erste Hälfte der 90er Jahre ist von wichtigen Ereignissen gekennzeichnet.

Im Kampf gegen das organisierte Verbrechen gelang es dem Staat bedeutende Erfolge einzufahren. Nach den Attentaten gegen die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino wurden die Gesetze noch einmal verschärft.

Finanziell stand Italien vor dem Kollaps. Dies veranlasste die Regierung unter Giuliano Amato zu einem radikalen Sparkurs. Als äußerste Maßnahme wurden sämtliche Bankkonten einer einmaligen Sonderbesteuerung unterworfen. Die Regierung Ciampi setzte den Sparkurs fort. Im Zuge der Sanierung der Staatsfinanzen machte man sich an eine Privatisierung der zahlreichen, durch politische Patronage korrumpierten Staatsbetriebe.

Am bedeutendsten waren die Umw√§lzungen auf politischer Ebene. Ab 1992 erfolgte durch die Aufdeckung von Korruptions- und Parteifinanzierungsskandalen Tangentopoli und Mani pulite eine grundlegende Neuordnung der Parteienlandschaft. Die Christdemokraten, die Sozialisten, die Liberalen und die Republikaner, die das Land vierzig Jahre lang gef√ľhrt hatten, h√∂rten auf als eigenst√§ndige Parteien zu existieren. Gleichzeitig st√ľrzte der Zusammenbruch des Ostblocks die Kommunisten in eine tiefe ideologische Krise. Aus der KPI gingen die als sozialdemokratisch auftretende PDS (Partito Democratico della Sinistra) sowie zahlreiche kommunistische Neugr√ľndungen hervor. Im Norden des Landes wurde der Unmut der Bev√∂lkerungen √ľber die korrupte Politik von der damals sezessionistisch auftretenden Lega Nord angesprochen.

Der Ausgang der Parlamentswahlen 1994, bei denen erstmals ein gemischtes Mehrheits- und Proporzwahlrecht mit Sperrklausel Anwendung fand, war g√§nzlich ungewiss. √úberraschend deutlich konnte sich die Koalition des Baul√∂wen und Medienmoguls Silvio Berlusconi behaupten. Seine Partei, Forza Italia, nur ein paar Monate vor dem Wahltermin gegr√ľndet, wurde auf Anhieb st√§rkste Kraft. Sein B√ľndnis mit der Lega Nord und der Nationalen Allianz, die aus dem postfaschistischen Movimento Sociale Italiano hervorging, ging nach nur wenigen Monaten in die Br√ľche. Die einberufene Technikerregierung unter Lamberto Dini verabschiedete eine wichtige Rentenreform.

Die Wahlen von 1996 konnte eine Mitte-links-Koalition unter F√ľhrung des ehemaligen Christdemokraten Romano Prodi f√ľr sich entscheiden. In der Regierung Prodi I (1996‚Äď1998) gab es erstmals in der Geschichte Italiens (reform-) kommunistische Minister. Prodis strikter Sparkurs ebnete Italien den Weg zum Euro. Von seinen Verb√ľndeten verlassen musste er zur√ľcktreten und Massimo D'Alema bzw. Giuliano Amato den Vortritt lassen.

Die Wahlen 2001 konnte Berlusconis B√ľndnis Casa delle Libert√† f√ľr sich entscheiden. Nach f√ľnf Jahren Amtszeit wurde er abgew√§hlt und musste sich erneut Romano Prodi geschlagen geben. Mitte Mai 2006 wurde dann auch mit Giorgio Napolitano der Kandidat Romano Prodis zum Pr√§sidenten der Republik gew√§hlt, mit dem zum ersten Mal ein ehemaliges Mitglied der KPI dieses Amt einnimmt.

Auf der Ebene der Gemeinden, Provinzen und Regionen gab es etliche wegweisende Reformen, die die Regierungsarbeit auf diesen Ebenen nachhaltig verbesserten. Zu zahlreichen Neuerungen kam es auf der nationalen Ebene in der Verwaltung und in der Ministerialb√ľrokratie. Bemerkenswert sind auch die 1997 eingeleiteten Reformen der Streitkr√§fte, die im Juni 2005 durch die Aussetzung der Wehrpflicht professionalisiert wurden. Auf eine von allen Seiten als notwendig erachtete Verfassungsreform zur St√§rkung der Regierung, zur Verbesserung der parlamentarischen Arbeit und zur Einf√ľhrung einer Vertretung der Gebietsk√∂rperschaften konnte man sich trotz verschiedener Versuche bisher noch nicht einigen.

Die italienischen Staatsfinanzen leiden weiterhin an einer extrem hohen Steuerhinterziehung (je nach Schätzung 20-30% des BIP), an mehr und mehr demografisch bedingt zunehmenden Finanzlasten im Gesundheitswesen und in der Altersversorgung, sowie an einer zu zentralistisch gesteuerten Finanzierung der Regionen, Provinzen und Gemeinden. Diese Probleme und die Zinslast auf die hohen Staatsschulden bedingen eine allgemein als zu hoch empfundene Steuer- und Abgabenlast, die sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung und auf ausländische Investitionen auswirkt. Als problematisch wird hier auch die Schwerfälligkeit der italienischen Justiz und Verwaltung angesehen.

Die Wirtschaft ist nach wie vor regional sehr unterschiedlich entwickelt: In Norditalien herrscht fast Vollbesch√§ftigung und in Mittelitalien gingen die Arbeitslosenzahlen zur√ľck. Die strukturellen Probleme S√ľditaliens sind weitgehend ungel√∂st ‚Äď die Wirtschaftskraft erreicht nur 70% des EU-Durchschnitts. Als besonders negativ gilt dort noch immer der Einfluss der organisierten Kriminalit√§t auf das Wirtschaftsleben.

Seit dem Anfang der 1990er Jahre ist das urspr√ľngliche Auswanderungsland Italien mit einem wachsenden Zuzug von Ausl√§ndern konfrontiert. Im Jahr 1991 z√§hlte das nationale Statistikinstitut ISTAT noch 625.034 ausl√§ndische B√ľrger, Ende 2009 waren es rund 4.279.000.[15]

Ereignisse seit 2008

Im Januar 2008 zerfiel das von Romano Prodi gef√ľhrte Mitte-links-B√ľndnis, nachdem sich der Koalitionspartner UDEUR aus dem B√ľndnis zur√ľckgezogen hatte. Prodi erhielt bei der Vertrauensfrage vor dem italienischen Parlament nicht die n√∂tige Mehrheit und verk√ľndete nach nur 20 Monaten im Amt seinen R√ľcktritt. Staatspr√§sident Giorgio Napolitano beauftragte daraufhin den Senatspr√§sidenten Franco Marini mit der Bildung einer √úbergangsregierung. Ziel dieser Regierung sollte eine Reformierung des Wahlrechts sein.[16] Allerdings gelang es Marini nicht, die von Berlusconi gef√ľhrte Opposition zu einer Beteiligung an der Regierung zu bewegen, weshalb dieser das Mandat zur Regierungsbildung am 4. Februar 2008 wieder zur√ľckgab.[17] Daraufhin sah sich Staatspr√§sident Napolitano gezwungen, beide Kammern des Parlaments am 6. Februar aufzul√∂sen und Neuwahlen am 13. und 14. April 2008 auszuschreiben.[18]

Aus diesen ging mit 46,8 % der abgegebenen Stimmen zur Wahl der Abgeordnetenkammer und 47,3 % zur Wahl des Senats Silvio Berlusconis neues Wahlb√ľndnis Popolo della Libert√† - Lega Nord - Movimento per l‚ÄôAutonomia als klarer Sieger hervor und konnte in der 16. Legislaturperiode mit einer ausreichenden Mehrheit in beiden Parlamentskammern die Regierung bilden. Die vierte Regierung Silvio Berlusconis wurde am 8. Mai 2008 vereidigt; ihr geh√∂rten 13 Minister mit und zehn Minister ohne Gesch√§ftsbereich an. Unter den insgesamt 23 Ministern waren f√ľnf Frauen.[19]

Auch Italien wurde von der Finanzkrise getroffen. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte bereits im Jahr 2008 um 1%, im Jahr 2009 um weitere 5%. Dank seines Bankensystems und der niedrigen Verschuldung der italienische Privathaushalte konnte sich das Land vorerst[20] im Trubel der Krise abseits halten,[21] wurde aber im Laufe des Jahres 2011 ebenfalls von der Eurokrise erfasst.

Angef√ľhrt vom Pr√§sidenten des Abgeordnetenhauses Gianfranco Fini verlie√üen seit Mitte 2010 zahlreiche Parlamentarier Berlusconis Koalition, bis dieser im November 2011 √ľber keine eigene Mehrheit mehr im Abgeordnetenhaus verf√ľgte. Diese Tatsache und die Zuspitzung der Eurokrise bewogen Silvio Berlusconi am 12. November 2011 zum R√ľcktritt. Staatspr√§sident Napolitano beauftragte daraufhin den parteilosen und ehemaligen EU-Kommissar Mario Monti mit der Bildung einer neuen Regierung, die seit dem 16. November amtiert. Unter den 17 Ministern sind drei Frauen, die das Innen-, Justiz- und Arbeitsministerium f√ľhren.

Staats- und Regierungschefs Italiens

Siehe auch

Literatur

  • Girolamo Arnaldi: Italien und seine Invasoren. Vom Ende des R√∂mischen Reiches bis heute. Wagenbach, Berlin 2005, ISBN 3-8031-3617-2.
  • Wolfgang Altgeld: Kleine italienische Geschichte. Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-150-10558-7.
  • Giulia Brogini K√ľnzi: Italien und der Abessinienkrieg 1935/36. Kolonialkrieg oder Totaler Krieg? Sch√∂ningh, Paderborn 2006, ISBN 3-506-72923-3.
  • Stefan Breuer: Nationalismus und Faschismus. Frankreich, Italien und Deutschland im Vergleich. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-17994-3.
  • Anne Bruch: Italien auf dem Weg zum Nationalstaat. Giuseppe Ferraris Vorstellungen einer f√∂deral-demokratischen Ordnung. Kr√§mer, Hamburg 2005, ISBN 3-89622-077-2.
  • Martin Clark, Modern Italy, 1871 to the Present, 3. Auflage, Pearson Longman, Harlow u.a. 2008, ISBN 978-1-405-82352-4.
  • Furio Durando u. a.: Magna Graecia. Kunst und Kultur der Griechen in Italien, Hirmer, M√ľnchen 2004, ISBN 3-7774-2045-X.
  • Moses I. Finley: Das antike Sizilien. Von der Vorgeschichte bis zur arabischen Eroberung. Dtv, M√ľnchen 1993, ISBN 3-423-04592-2.
  • Daniel Glowotz: Byzantinische Gelehrte in Italien zur Zeit des Renaissance-Humanismus. Wagner, Schneverdingen 2006, ISBN 3-88979-110-7.
  • Elke Goez: Geschichte Italiens im Mittelalter. Primus Verlag, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-8967-8678-4. (Rezension)
  • Regine Igel: Terrorjahre. Die dunkle Seite der CIA in Italien. Herbig, M√ľnchen 2006, ISBN 3-7766-2465-5.
  • Bernd Rill: Sizilien im Mittelalter. Das Reich der Araber, Normannen und Staufer. Belser, Stuttgart 1995, ISBN 3-7630-2318-6.
  • Volker Reinhardt: Geschichte Italiens. Von der Sp√§tantike bis zur Gegenwart. Beck, M√ľnchen 2003, ISBN 3-406-50284-9.
  • Lutz Klinkhammer: Zwischen B√ľndnis und Besatzung. Das nationalsozialistische Deutschland und die Republik von Sal√≤ 1943‚Äď1945, Niemeyer, T√ľbingen 1993.
  • Dieter M√ľnch: Einf√ľhrung in die politische Geschichte Italiens. 1943‚Äď2009. Baltic Sea Press, Rostock 2009.
  • Regine Wagenknecht: Judenverfolgung in Italien. 1938‚Äď1945; ‚ÄěAuf Procida waren doch alle dunkel‚Äú. Edition Parthas, Berlin 2005, ISBN 3-936324-22-0.
  • Rudolf Lill: Geschichte Italiens in der Neuzeit. WBG, Darmstadt 1986(3), ISBN 3-534-06746-0.
  • Michael Seidlmayer: Geschichte Italiens. Vom Zusammenbruch des R√∂mischen Reiches bis zum ersten Weltkrieg. Mit Beitr√§gen von Theodor Schieder
  • Jens Petersen: Italien als Republik: 1946‚Äď1987. Alfred Kr√∂ner Verlag, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-34102-6.
  • Neil Christie: From Constantine to Charlemagne. An Archaeology of Italy, AD 300-800, Bodmina: Ashgate Publishing, Ltd. 2006.

Weblinks

  • Immagini di storia: Bildersammlung zur italienischen Geschichte von der Sp√§tantike bis zum 20. Jahrhundert. Die Bilder sind meist kommentiert, allerdings in italienischer Sprache.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Giovanni Muttoni, Giancarlo Scardia, Dennis V. Kent, Enrico Morsiani, Fabrizio Tremolada, Mauro Cremaschi, Carlo Peretto: First dated human occupation of Italy at ~0.85 Ma during the late Early Pleistocene climate transition, in: Earth and Planetary Science Letters 307 (2011) 241‚Äď252.
  2. ‚ÜĎ Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Bearb. v. Walter Goetz. 12. Auflage. Kr√∂ner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-05311-4. Burckhardt kennzeichnet die Italiener der beginnenden Renaissance als ein ‚Äěnoch halb antikes Volk.‚Äú
  3. ‚ÜĎ Burckhardt a.a.O. Darin: Die Republiken: Venedig und Florenz.
  4. ‚ÜĎ Variet√§tenlinguistik des Italienischen, S. 7, Prof. Dr. Maria Lieber, TU Dresden, WS 2009/2010
  5. ‚ÜĎ Karl-Heinz Frieser (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg Band 8, die Ostfront 1943/44. Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten, M√ľnchen 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 1161
  6. ‚ÜĎ Morti e dispersi per cause belliche negli anni 1940-45, Istituto Centrale di Statistica, Rom 1957
  7. ‚ÜĎ Carlo Moos: Ausgrenzung, Internierung, Deportationen, Antisemitismus und Gewalt im sp√§ten italienischen Faschismus (1938‚Äď1945), Chronos Verlag, Z√ľrich 2004, ISBN 3-0340-0641-1
  8. ‚ÜĎ Schlappheit und Schlendrian Die Zeit, 16. Januar 1976
  9. ‚ÜĎ a b Gunther Latsch: Die dunkle Seite des Westens. In: Der Spiegel. Nr. 15, 11. April 2005, S. 48‚Äď50.
  10. ‚ÜĎ Karl Hoffmann: Vor 25 Jahren: Bomben-Anschlag im Bahnhof von Bologna. In: Deutschlandfunk. 2. August 2005, abgerufen am 20. Juli 2008.
  11. ‚ÜĎ Daniele Ganser: Nato-Geheimarmeen und ihr Terror. In: Der Bund. Bern 20. Dezember 2004, S. 2 ff. (PDF, ethz.ch, abgerufen am 20. Juli 2008).
  12. ‚ÜĎ Craxi will nicht weichen Die Zeit, 27. Februar 1987
  13. ‚ÜĎ Italien: Das Wunder Die Zeit, 7. August 1987
  14. ‚ÜĎ Madonna, was ist passiert in bella Italia? Der Spiegel, 3. August 1987
  15. ‚ÜĎ Projekt Migranten, S. 7
  16. ‚ÜĎ Tagesschau: Franco Marini: Die letzte Hoffnung der Linken (nicht mehr online verf√ľgbar) vom 30. Januar 2008.
  17. ‚ÜĎ Tagesschau: Neuwahlen in Italien r√ľcken n√§her (nicht mehr online verf√ľgbar) vom 4. Februar 2008.
  18. ‚ÜĎ Sciolte le Camere, si vota il 13 e 14 aprile Corriere della Sera, 6. Februar 2008
  19. ‚ÜĎ Stol.it √ľber die Regierung Berlusconis
  20. ‚ÜĎ Model economy? Consider Italy The Globe and Mail, 18. Mai 2009
  21. ‚ÜĎ Italien h√§lt sich im Trubel abseits Handelsblatt, 11. Februar 2010

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Geschichte der Benelux-Staaten ‚ÄĒ Fr√§nkisches Reich ‚Čą800‚Äď843 Mittelreich (Lotharii Regnum) 843‚Äď855 Lotharingien 855‚Äď977 v ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte von Florenz ‚ÄĒ Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Stadt Florenz. Allgemeine Informationen zu dieser Stadt finden sich unter Florenz. Panoramabild von Florenz Inhaltsverzeichnis 1 Vorbemerkung ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Pisas ‚ÄĒ Hist. Karte von Pisa Inhaltsverzeichnis 1 Antike 2 Langobarden und Franken ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Bosnien-Herzegowinas ‚ÄĒ Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer √úberarbeitung. N√§heres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschlie√üend diese Markierung. Inhaltsverzeichnis 1 Antike 1.1 Die Illyr ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Bosniens und der Herzegowina ‚ÄĒ Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer √úberarbeitung. N√§heres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschlie√üend diese Markierung. Inhaltsverzeichnis 1 Antike 1.1 Die Illyr ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Tunesiens ‚ÄĒ Inhaltsverzeichnis 1 Vorgeschichte 2 Karthago und Rom 2.1 Gr√ľndung Karthagos 2.2 Die r√∂mische Besatzung 3 Vandalen und Byzantiner 3.1 ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der Menschheit ‚ÄĒ Die Menschheitsgeschichte umfasst die Entwicklung der gesamten Menschheit. In diesem Artikel geht es um die historische Entwicklung in den einzelnen Weltregionen, die zwar schon fr√ľh stark von Interdependenzen bestimmt, aber erst seit Ende des 19 ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte des Staates Albanien ‚ÄĒ Tempelruine in Apollonia, nahe der Stadt Fier in Mittelalbanien Inhaltsverzeichnis 1 Vorgeschichte 2 Antike 3 ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Russland ‚ÄĒ Tausend Jahre Russland (1862). Monument vor der Sophienkathedrale in Nowgorod Die Geschichte Russlands bietet einen √úberblick √ľber die Vorgeschichte, Entstehung und den zeitlichen Verlauf des russischen Staates. Ausgehend von der fr√ľhesten… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Ru√ülands ‚ÄĒ Tausend Jahre Russland (1862). Monument vor der Sophienkathedrale in Nowgorod Die Geschichte Russlands bietet einen √úberblick √ľber die Vorgeschichte, Entstehung und den zeitlichen Verlauf des russischen Staates. Ausgehend von der fr√ľhesten… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.