Geschichte Jugoslawiens

ÔĽŅ
Geschichte Jugoslawiens

Serbien und Montenegro Serbien und Montenegro Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien Königreich Jugoslawien Zweiter Weltkrieg Königreich Jugoslawien Königreich Jugoslawien Königreich Jugoslawien

Jugoslawisches Staatsgebiet 1945 - 1991
Karte des ehemaligen Jugoslawiens

Jugoslawien (serbokroatisch: Jugoslavija/–ą—É–≥–ĺ—Ā–Ľ–į–≤–ł—ė–į) war ein Staat in S√ľdosteuropa, der in unterschiedlicher Form zun√§chst als Monarchie von 1918 bis 1941, sp√§ter als sozialistischer und f√∂deraler Staat von 1945 bis 1991 bestand. Die Geschichte des Vielv√∂lkerstaats wurde wesentlich gepr√§gt durch die Konflikte der auf seinem Gebiet lebenden V√∂lker. Die nationalen Auseinandersetzungen f√ľhrten schlie√ülich auch zum Zerfall des jugoslawischen Staates.

Inhaltsverzeichnis

√úberblick (1918-1991)

Der jugoslawische Staat wurde 1918 als K√∂nigreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca, abgek√ľrzt auch SHS-Staat) gegr√ľndet. Der neue Staat vereinigte Serbien und Montenegro mit Gebieten der zerfallenen Habsburgermonarchie: Kroatien-Slawonien, Vojvodina, Dalmatien, Krain und S√ľdsteiermark sowie Bosnien-Herzegowina.

Schon bei der Staatsgr√ľndung gab es widerstreitende Auffassungen √ľber die k√ľnftige Staatskonstruktion. Die bis dahin zu √Ėsterreich-Ungarn geh√∂renden so genannten Monarchie-Slawen verfochten einen f√∂deralen Staatsaufbau, die serbische Regierung dagegen wollte einen zentralistischen Einheitsstaat bilden. Unter dem Druck der italienischen Expansionsbestrebungen in Istrien und Dalmatien kam es zu einer schnellen Staatsgr√ľndung, wobei die einflussreichen politischen Kr√§fte beider Seiten die Entscheidung √ľber die Verfassung Jugoslawiens vertagten, weil sie sich dar√ľber nicht einigen konnten.

Wappen des SHS-Staats

Die Gegens√§tze zwischen den verschiedenen Nationalit√§ten konnten in der etwa 70 Jahre w√§hrenden Geschichte des Vielv√∂lkerstaats Jugoslawien nie √ľberwunden werden. Schon die Zeit zwischen den Weltkriegen war eine Abfolge von existenzbedrohenden Staatskrisen, wobei die Fronten der Auseinandersetzung im Wesentlichen entlang der nationalen Grenzen verliefen. Eine zweite Hypothek, an der Jugoslawien schwer zu tragen hatte, war das unterschiedliche wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklungsniveau in den zusammengeschlossenen L√§ndern. Slowenien, Kroatien und die Vojvodina (also die ehemals zur Donaumonarchie geh√∂renden L√§nder) waren am weitesten entwickelt. Sie trugen mehr zum Bruttosozialprodukt Jugoslawiens bei als die √ľbrigen Teile des Staates. Das Entwicklungsgef√§lle von Nord nach S√ľd war auch in der Endphase Jugoslawiens in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts noch sehr stark.

Als das Deutsche Reich Jugoslawien im April 1941 den Krieg erkl√§rte, zerfiel der Staat aufgrund seiner inneren Widerspr√ľche innerhalb weniger Tage, ohne dass den Angreifern gro√üer Widerstand entgegensetzt worden war. Die Okkupanten nutzen die Uneinigkeit der Jugoslawen, um das eroberte Gebiet zu beherrschen. Einige Teile wurden annektiert, andere an Ungarn, Bulgarien und die italienische Kolonie Albanien angeschlossen, schlie√ülich in Kroatien ein faschistisches Marionettenregime installiert. Bald bildeten sich in Jugoslawien Partisaneneinheiten, die den Besatzern Widerstand leisteten: Zun√§chst waren dabei k√∂nigstreue Tschetnik-Verb√§nde am st√§rksten, bald aber dominierten die kommunistischen Partisanen unter Josip Broz Tito das Geschehen.

Der Zweite Weltkrieg war in Jugoslawien gleichzeitig ein B√ľrgerkrieg mit zahllosen un√ľbersichtlichen Fronten, die auch quer zu den ethnischen Grenzen verliefen. Partisanen und Kollaborateure bekriegten einander. Mit gro√üer H√§rte k√§mpften auch die Tschetniks und Tito-Partisanen gegeneinander. Die meisten Kriegsverbrechen wurden in Jugoslawien nicht von den Besatzern, sondern von den auf verschiedenen Seiten stehenden Jugoslawen selbst begangen. So ermordeten zum Beispiel kroatische Ustascha-Truppen zehntausende serbische Zivilisten in ihrem Machtbereich, serbische Tschetniks zehntausende Kroaten, bosnische Muslime lie√üen sich f√ľr die SS anwerben und kommunistische Partisanen ermordeten nach Kriegsende tausende Slowenen und Kroaten (Massaker von Bleiburg), die auf Seiten der Achsenm√§chte gek√§mpft hatten.

Am Ende setzten sich die Kommunisten durch und Tito √ľbernahm mit seiner Partei die Macht im wiedererstandenen Jugoslawien. Der kommunistische F√ľhrer versuchte nach der gewaltsamen Ausschaltung seiner innenpolitischen Gegner das Nationalit√§tenproblem in seinem Staat zu l√∂sen, indem er eine f√∂derale Verfassung durchsetzte. Zum Gr√ľndungsmythos des zweiten Jugoslawien wurde dabei der gemeinsame Kampf der ethnisch gemischten kommunistischen Partisaneneinheiten gegen die faschistischen Okkupanten. Diese Seite der Wahrheit wurde propagandistisch herausgestellt, w√§hrend der B√ľrgerkrieg, der innerhalb der Bev√∂lkerung gef√ľhrt worden war, und die dabei begangenen Verbrechen weitgehend totgeschwiegen wurden.

Jugoslawien wurde nach Kriegsende als sozialistischer und f√∂deraler Staat neu gegr√ľndet. Die jugoslawischen Kommunisten errichteten 1945 sechs Teilrepubliken: Slowenien, Kroatien und Serbien; Mazedonien und Montenegro wurden von Serbien abgetrennt und als eigenst√§ndige Republiken begr√ľndet, um die im ersten Jugoslawien dominierenden Serben zu schw√§chen. Dazu kam als sechste Republik das ethnisch stark gemischte Bosnien-Herzegowina, das Tito weder den Serben noch den Kroaten √ľberlassen wollte. Weil Serbien noch immer die mit Abstand st√§rkste Republik war, wurden auf seinem Gebiet sp√§ter noch die autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo eingerichtet.

Wie in allen kommunistischen Ländern, wurde das Wirtschaftssystem nach 1945 völlig umgestaltet. Industrie und Banken wurden verstaatlicht, der Großgrundbesitz aufgeteilt. Allerdings ist es in Jugoslawien nie zur Kollektivierung der Landwirtschaft gekommen.

Au√üenpolitisch war das kommunistische Jugoslawien in der Zeit des Kalten Krieges eine Erfolgsgeschichte. Tito gelang es, seinen Staat vom Einfluss der stalinistischen Sowjetunion zu l√∂sen, er erwarb sich in der internationalen Diplomatie Respekt als einer der F√ľhrer der Bewegung der blockfreien Staaten.

Weil sich Jugoslawien von der Sowjetunion losgesagt hatte, erhielt das Land auch massive Wirtschaftshilfe des Westens, wobei es gleichzeitig enge Handelsbeziehungen zum RGW unterhielt. So schien das sozialistische Wirtschaftssystem Jugoslawiens einige Zeit erfolgreich zu sein, und die Lebensverh√§ltnisse in Jugoslawien besserten sich tats√§chlich. Sp√§testens in den 70er Jahren zeigte sich aber, dass es nicht gelang, die s√ľdlichen Republiken wirtschaftlich zu entwickeln, dass die Verbesserung der Lebensverh√§ltnisse mit einer extrem hohen Staatsschuld erkauft war und dass, obwohl zehntausende Jugoslawen als Gastarbeiter nach Westeuropa gegangen waren, Arbeitslosigkeit bzw. Unterbesch√§ftigung nicht in den Griff zu bekommen waren.

Ende der 1960er Jahre versch√§rften sich die nationalen Auseinandersetzungen in Jugoslawien wieder. Aus einem Streit von Philologen √ľber die Gestaltung der serbokroatischen Standardsprache entwickelte sich die Bewegung Kroatischer Fr√ľhling, die mehr Rechte f√ľr die kroatische Volksgruppe forderte. Sie wurde 1971 von Tito mit Hilfe der Miliz niedergeschlagen.

1974 veranlasste Tito eine neue Verfassung f√ľr Jugoslawien, die die Rechte der Teilrepubliken und autonomen Provinzen st√§rkte. An der Spitze des Staates sollte nach dem Ableben Titos - er war laut Verfassung Pr√§sident auf Lebenszeit - ein kollektives Staatspr√§sidium stehen. Den Vorsitz sollte reihum einer der Republikspr√§sidenten √ľbernehmen. Als Tito 1980 starb, trat diese Regelung in Kraft.

Bald nach dem Tod Titos wurde aber offenbar, dass nur der charismatische und m√§chtige Partisanenf√ľhrer in der Lage gewesen war, die zentrifugalen Tendenzen und widerstreitenden Nationalismen Jugoslawiens zu kontrollieren, so dass sie den Bestand des Staates nicht gef√§hrden konnten. Zwar funktionierten die Organe des Bundes formal bis gegen Ende der 80er Jahre. Doch gaben die Nationalisten - sowohl innerhalb als auch au√üerhalb des BdKJ - in den Republiken zunehmend den Ton an und beherrschten den politischen Diskurs. Die 80er Jahre waren in Jugoslawien eine stete Abfolge von gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen den Nationalit√§ten, wer den offensichtlichen Verfall des Staates zu verantworten habe und welches Volk im System die gr√∂√üten Ungerechtigkeiten zu erdulden h√§tte. Hinzu kam die weit verbreitete Unzufriedenheit mit dem undemokratischen Sozialismus, ohne dass man sich aber um Reformen auf gesamtstaatlicher Ebene bem√ľhte.

1981 ersch√ľtterte eine albanische Protestbewegung im Kosovo das Land. Sie wurde von Kr√§ften der Republik Serbien niedergeschlagen und man verh√§ngte den Ausnahmezustand √ľber die Provinz. Weil zugleich die gesamte F√ľhrung des Kosovo ausgewechselt wurde, hatte dies auch negative R√ľckwirkungen auf den Gesamtstaat, denn die autonomen Provinzen waren auch im Staatspr√§sidium vertreten, wo nun die Stimme des Kosovo von Serbien abh√§ngig war.

Mit dem Bekanntwerden des Memorandums der Serbischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 1986 wuchs in Slowenien und Kroatien die Angst vor gro√üserbischen Tendenzen. Die Akademie hatte in ihrer Analyse das jugoslawische System als gegen die Serben gerichtetes Unterdr√ľckungsinstrument bezeichnet und unter anderem die Beseitigung der autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo gefordert. Die Verwirklichung dieser Forderung h√§tte das Ende der fragilen gesamtjugoslawischen Staatskonstruktion bedeutet. Zur selben Zeit erstarkten in Slowenien und Kroatien die Nationalbewegungen, die eine Aufl√∂sung des jugoslawischen Staatsverbands favorisierten, nicht zuletzt weil die Mehrheit in beiden L√§ndern die s√ľdlichen Republiken nicht mehr subventionieren wollte, aber auch weil sie f√ľrchteten, dass die Serben versuchen w√ľrden, die Macht im Gesamtstaat an sich zu rei√üen. Die ersten demokratischen Wahlen gewannen 1990 in Slowenien und Kroatien antikommunistische Parteien, die die Eigenstaatlichkeit dieser Republiken bef√ľrworteten, in Serbien gewannen die serbisch-national ausgerichteten Sozialisten unter F√ľhrung von Slobodan MiloŇ°evińá. Damit war das Ende Jugoslawiens besiegelt, denn zwischen den beiden Seiten war keine Verst√§ndigung m√∂glich. Am 25. Juni 1991 erkl√§rten Kroatien und Slowenien ihre staatliche Unabh√§ngigkeit und kurz darauf begannen die Jugoslawienkriege.

Die Staatsgr√ľndung 1918

Als sich 1917 der bevorstehende Zerfall des Habsburgerreiches schon deutlich abzeichnete, begannen slowenische, kroatische und serbische Politiker mit den Vorbereitungen f√ľr die Schaffung eines gemeinsamen Staates nach dem Krieg. Im Londoner Exil hatte sich 1915 ein Jugoslawisches Komitee gebildet. Es beanspruchte die Vertretung der in der Donaumonarchie lebenden S√ľdslawen gegen√ľber der Entente. Vorsitzende waren der kroatische Bildhauer Ivan MeŇ°trovińá und der aus Dalmatien stammende Ante Trumbińá. Sie verfolgten die Idee eines f√∂deralen Staatsaufbaus f√ľr den gemeinsamen Staat der S√ľdslawen.

Auf Korfu, dem Exilort der serbischen Regierung, formulierte Trumbińá zusammen mit dem serbischen Ministerpr√§sidenten Nikola PaŇ°ińá am 20. Juli 1917 die gemeinsame Deklaration von Korfu, die die Gr√ľndung eines K√∂nigreichs der Serben, Kroaten und Slowenen als konstitutionelle Monarchie unter der serbischen Dynastie KarańĎorńĎevińá in Aussicht stellte. In der Pr√§ambel des Dokuments ist vom dreinamigen Volk der Serben, Kroaten und Slowenen die Rede, das man sich somit als eine Nation vorstellte. Die Bezeichnung Jugoslawen und den Staatsnamen Jugoslawien hatte PaŇ°ińá abgelehnt. √úber den k√ľnftigen Staatsaufbau wurde in der Erkl√§rung von Korfu kaum etwas ausgesagt; insbesondere die grunds√§tzliche Frage, Zentralstaat oder F√∂deration, blieb ungekl√§rt. PaŇ°ińá, der vor dem Krieg stets eine zentralistische, gro√üserbische Politik vertreten hatte, konnte mit den f√∂deralen Ideen der Monarchie-Slawen wenig anfangen und er lie√ü sich darauf nicht festlegen.

Aufteilung der österreichischen und ungarischen Reichshälfte nach den Pariser Vorortverträgen

Am 6. Oktober 1918 trat in Zagreb ein aus ehemaligen Reichsrats- und Landtagsabgeordneten gebildeter Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben zusammen, der die Vertretung der in der Donaumonarchie lebenden Slowenen, Kroaten und Serben √ľbernahm. Den Vorsitz hatte der Slowene Anton KoroŇ°ec, ein F√∂deralist. Damit existierten im Herbst 1918 drei s√ľdslawische nationale Vertretungen: der Ausschuss in London, der Nationalrat in Zagreb und die eben nach Belgrad zur√ľckgekehrte serbische Regierung. Auf der Sitzung des Nationalrats am 29. Oktober 1918 brach der kroatische Landtag die Staatsbeziehungen zu √Ėsterreich-Ungarn ab und √ľbertrug gleichzeitig die Staatsgewalt dem Nationalrat. Dieser rief noch am gleichen Tag in Zagreb den Nationalstaat der Slowenen, Kroaten und Serben aus, der sich auf das Gebiet Sloweniens, Kroatiens und der Vojvodina beschr√§nkte. Bei einem Treffen der drei Repr√§sentanten PaŇ°ińá, Trumbińá und KoroŇ°ec in Genf im November 1918 (Genfer Deklaration) konnte man sich allerdings wiederum nicht √ľber den Staatsaufbau einigen, wobei insbesondere die Kroatisch-Serbische Koalition unter Svetozar Pribińáevińá f√ľr ein schnelles Zusammengehen mit dem K√∂nigreich Serbien war.

Parallel dazu spitzte sich die Lage an der Kriegsfront zu. Mit Unterst√ľtzung der Westalliierten hatten Ende Oktober italienische Truppen in der Schlacht von Vittorio Veneto die √∂sterreichische Frontlinie an der Piave durchbrochen. Im Waffenstillstand von Villa Giusti vom 4. November wurde die alliierte Besetzung Istriens mit Triest sowie der meisten dalmatinischen Inseln festgelegt, die auch Slowenen und Kroaten beanspruchten. Diese wiederum wurden von der italienischen Diplomatie bei den Pariser Verhandlungen als Parteig√§nger der zerfallenen Habsburgermonarchie hingestellt. Der Nationalrat geriet damit unter Zugzwang. Die Anspr√ľche auf Istrien und Dalmatien w√ľrde er in Paris nur mit Hilfe Serbiens durchsetzen k√∂nnen, das von Anfang an mit der Entente verb√ľndet gewesen war und im Gegensatz zum neuen Nationalstaat auch √ľber Streitkr√§fte verf√ľgte. Aus dieser Situation heraus forderte nun auch die provisorische Landesregierung von Dalmatien den Nationalrat zur Vereinigung mit Serbien auf. Daraufhin beschloss dieser, am 24. November 1918, eine Delegation nach Belgrad zu entsenden mit dem Ziel, eine Vereinigung herbeizuf√ľhren. Zus√§tzlich wurde in den darauffolgenden Tagen von so genannten Nationalversammlungen in der Vojvodina und in Montenegro der Anschluss an Serbien beschlossen.

Am 1. Dezember 1918 proklamierte Kronprinz Alexander mit Zustimmung des Zagreber Nationalrats das K√∂nigreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Die Serben sahen sich dabei als Befreier der Monarchie-Slawen und sie erwarteten von diesen daf√ľr Dankbarkeit. Neben der Eigenstaatlichkeit und der Gr√∂√üe des serbischen Volkes war die ‚ÄěBefreiung der s√ľdslawischen Br√ľder vom √∂sterreichisch-ungarischen Joch‚Äú ein gewichtiges Argument, mit dem die serbischen Politiker ihren Anspruch auf Vorherrschaft im neuen gemeinsamen Staat begr√ľndeten.

Von Anfang an verweigerten einflussreiche politische Gruppierungen dem neuen Staat ihre Anerkennung. Die Kroatische Bauernpartei unter Stjepan Radińá hatte im Dezember 1918 in Zagreb gegen die Vereinigung gestimmt. Radińás Ziel war die Errichtung einer unabh√§ngigen kroatischen Republik, was aber wegen der Haltung der Entente von vornherein chancenlos war. Vier Tage nach der Vereinigung gab es in Zagreb die erste gro√üe Demonstration gegen den SHS-Staat.

Auch bei den Pariser Friedensverhandlungen verfolgten die Angeh√∂rigen der jugoslawischen Delegation unterschiedliche Ziele. Die Slowenen k√ľmmerten sich nur um ihre Anspr√ľche auf die Untersteiermark und S√ľdk√§rnten, wo es ab Dezember 1918 zu Gefechten gekommen war, den Kroaten ging es vor allem um Dalmatien und Istrien, w√§hrend die Serben die Grenze des SHS-Staats m√∂glichst weit im Norden beim heute ungarischen P√©cs ziehen wollten. Im Vertrag von Saint-Germain (10. September 1919) und der sp√§teren Volksabstimmung in K√§rnten (10. Oktober 1920) konnte √Ėsterreich seine Ziele weitgehend durchsetzen, Italien erhielt Istrien sowie einige dalmatinische Inseln und die Stadt Zadar. Im Vertrag von Neuilly-sur-Seine (27. November 1919) erzielte Serbien Gebietsgewinne gegen√ľber Bulgarien und im Vertrag von Trianon (4. Juni 1920) wurden der gr√∂√üte Teil der fr√ľheren Woiwodschaft Serbien und Temescher Banat dem SHS-Staat zuerkannt. F√ľr Kroaten und Slowenen waren die in Paris festgelegten Grenzen also eine Entt√§uschung, w√§hrend die Serben mit dem Gewinn der Vojvodina und dem mazedonischen Strumica recht zufrieden waren. Mit der zwischen Italien und Jugoslawien umstrittenen Stadt Rijeka, entstand ein Krisenherd, der die Beziehungen zwischen beiden Staaten vergiftete (siehe auch Italienische Regentschaft am Quarnero). Hier kam es nach dem Grenzvertrag von Rapallo (12. November 1920) zur Bildung des Unabh√§ngigen Freistaats Fiume, der 1924 wieder an Italien fiel.

Nationalitäten im SHS-Staat.
Jugoslawen als Staatsnation 9,93 Mio. 82,9 %
davon: Serben
(mit Mazedoniern u. Montenegrinern)
5,35 Mio. 44,57 %
Kroaten 2,82 Mio. 23,5 %
Slowenen 1,02 Mio. 8,51 %
Slawische Muslime 755.000 6,29 %
Minderheiten
davon: Magyaren 468.000 3,9 %
Deutsche 506.000 4,22 %
Albaner 440.000 3,67 %
Andere 638.000 5,32 %

Der neu geschaffene Staat hatte eine Fl√§che von rund 220.000 km¬≤ und 12 Millionen Einwohner. Auf seinem Boden lebten 15 Nationalit√§ten und Volksgruppen. Unter ihnen geh√∂rten fast 83 Prozent den s√ľdslawischen V√∂lkern an, die nun als Jugoslawen bezeichnet wurden. Aufgrund dieses hohen Prozentsatzes von S√ľdslawen betrachtete die Regierung Jugoslawien als National- und nicht als Vielv√∂lkerstaat.

Am 28. November 1920 wurden die Wahlen f√ľr eine gesamtjugoslawische konstitutionelle Versammlung abgehalten. Die den Gesamtstaat st√ľtzenden Parteien gewannen deutlich, allen voran die Radikale Volkspartei PaŇ°ińás gefolgt von der Demokratischen Partei des Svetozar Pribińáevińá. √úberraschend stark war die neu gegr√ľndete kommunistische Partei, die den Nationalismus ablehnte. Sie wurde drittst√§rkste Kraft, w√§hrend die Kroatische Bauernpartei nur in Kroatien die knappe absolute Mehrheit der Stimmen gewinnen konnte und auf gesamtstaatlicher Ebene lediglich rund 10 Prozent der Mandate erhielt. Trotzdem deutete der kroatische Bauernf√ľhrer Stjepan Radińá das Ergebnis als kroatisches Plebiszit gegen den SHS-Staat. In der Belgrader SkupŇ°tina verweigerten die Abgeordneten der Bauernpartei die Mitarbeit.[1]

So trat auch der Ausschuss f√ľr die Ausarbeitung der neuen Verfassung ohne die kroatischen Vertreter zusammen und wurde daher von den unitarisch-zentralistischen serbischen Parteien dominiert. Dementsprechend sah dann auch der dem Parlament vorgelegte Verfassungsentwurf aus. Es sollte ein von Belgrad aus zentralistisch regierter Einheitsstaat geschaffen werden. Die historischen Landesteile fanden dabei keinerlei Ber√ľcksichtigung. Am 28. Juni 1921 wurde diese Verfassung mit knapper Mehrheit in der SkupŇ°tina angenommen; die Abgeordneten der Kroatischen Bauernpartei nahmen nicht an der Abstimmung teil.

Nach dem Tagesheiligen St. Veit ging das Grundgesetz des SHS-Staats als Vidovdan-Verfassung in die Geschichte ein. Viele Kroaten waren der Ansicht, dass die Verfassung f√ľr sie nicht verbindlich w√§re, weil ihre Abgeordneten nicht dar√ľber abgestimmt hatten. Es bedeutete eine schwere Hypothek f√ľr den SHS-Staat, dass noch nicht einmal √ľber die grundlegende staatliche Ordnung ein Konsens erzielt werden konnte, sondern bedeutende Minderheiten diesen Staat von vornherein ablehnten.

1921-1941

Chronologie 1917-1941.
20.7. 1917: Deklaration von Korfu
1.12. 1918: Ausrufung d. Königreichs d. Serben, Kroaten und
Slowenen
12.11. 1920: Grenzvertrag von Rapallo mit Italien
28.6. 1921: Verabschiedung der Vidovdan-Verfassung
Juni 1928: Stjepan Radińá wird Opfer eines Attentats in der
SkupŇ°tina
6.1. 1929: Errichtung der Königsdiktatur
3.10. 1929: Umbenennung des SHS-Staats in Jugoslawien
3.9. 1931: Neue vom König erlassene Verfassung, weiterhin zen-
tralistischer Staataufbau u. serbische Vorherrschaft
9.10. 1934: Ermordung König Alexanders
durch einen Terroristen der IMRO in Marseille
1939: Vereinbarung der Kroatischen Bauernpartei
mit der Regierung, Teilautonomie Kroatiens
25.3. 1941: Prinz Paul unterzeichnet den Beitritt zum Dreimächte-
pakt, dagegen putscht das Militär am 27.3. erfolgreich.
6.4. 1941: Deutschland √ľberf√§llt Jugoslawien
17.4. 1941: Kapitulation der jugoslawischen Armee

Außenpolitik

Die jugoslawische Au√üenpolitik der Zwischenkriegszeit war einerseits gepr√§gt durch das Bestreben, die Revisionsbestrebungen der ehemaligen Kriegsgegner Ungarn und Bulgarien zu neutralisieren, andererseits durch den latenten Konflikt mit Italien, das sich slowenisch und kroatisch besiedelte Gebiete im ehemaligen √∂sterreichischen K√ľstenland und in Dalmatien angeeignet hatte.

Als der traditionelle Hauptverb√ľndete Serbiens, Russland, durch die Oktoberrevolution ausgefallen war, trat Frankreich an dessen Stelle. Jugoslawien war in der Zwischenkriegszeit ein wichtiges Glied des von Frankreich unterst√ľtzten B√ľndnissystems im √∂stlichen Europa. Von 1920-1939 war das Land mit der Tschechoslowakei und Rum√§nien in der Kleinen Entente verbunden. Dieses B√ľndnis war vornehmlich gegen Ungarn gerichtet. Als Hitler-Deutschland seinen Einfluss nach Mittel- und S√ľdosteuropa ausdehnte, wurde dieser Zusammenschluss obsolet. Die Zerschlagung der Tschechoslowakei durch das M√ľnchener Abkommen, an dem auch Frankreich beteiligt war, entzog der Kleinen Entente die Existenzgrundlage.

Die Beziehungen zum Nachbarn Bulgarien waren wegen der Mazedonienfrage die gesamte Zwischenkriegszeit √ľber schlecht. Bulgarien erkannte die Herrschaft Jugoslawiens √ľber Vardar-Mazedonien nicht an. So wie Jugoslawien die slawischen Mazedonier als S√ľdserben f√ľr sich reklamierte, sah Sofia in ihnen unterdr√ľckte Bulgaren und unterst√ľtzte die Terrororganisation IMRO, die sich die Befreiung Mazedoniens auf die Fahnen geschrieben hatte. Die Jugoslawen bauten umfangreiche Grenzschutzanlagen an der bulgarischen Grenze auf. Trotzdem gelang es IMRO-Leuten immer wieder, aus ihren R√ľckzugsr√§umen in Bulgarien nach Jugoslawien einzudringen. 1934 schloss Jugoslawien mit Griechenland und der T√ľrkei den gegen Bulgarien gerichteten Balkanpakt. Auch dieses B√ľndnis erlangte wie die Kleine Entente keine praktische Wirksamkeit.

Freistaat Fiume 1920-1924, orange: altes Stadtgebiet, gelb: 1920 angeschlossene Orte

Mit Italien konnte Jugoslawien ebenfalls keine gutnachbarlichen Beziehungen erreichen. Am 12. November 1920 schlossen beide M√§chte zwar den Grenzvertrag von Rapallo, freilich ohne dass beide Seiten weitergehende territoriale Anspr√ľche aufgaben. Italien wurde im Besitz Istriens best√§tigt und erhielt dazu einige dalmatinische Inseln sowie Zadar (ital. Zara) auf dem Festland, verzichtete aber auf die Anspr√ľche auf Split (ital. Spalato) und dessen Umgebung. Rijeka (ital. Fiume) wurde zum Unabh√§ngigen Freistaat Fiume erkl√§rt. Diese Regelung hielt weniger als vier Jahre. Der italienische Faschist Gabriele d'Annunzio √ľbernahm 1924 die Macht in der Stadt und l√∂ste damit eine neuerliche Krise in den jugoslawisch-italienischen Beziehungen aus. Im Vertrag von Rom wurde das Gebiet der Freien Stadt Fiume unter beiden M√§chten aufgeteilt. Die in Rom eigentlich festgelegte engere Zusammenarbeit Jugoslawiens und Italiens kam nie zustande. Die weiteren Beziehungen der beiden Staaten waren durch Konfrontation gepr√§gt. So unterst√ľtzte Benito Mussolini 1929 bis 1934 die faschistische Ustascha, um auf diesem Wege den Gegner Jugoslawien zu destabilisieren. Die Unterdr√ľckung der slawischen Minderheiten in den an Italien gefallenen Gebieten f√ľhrte dazu, dass sich in jenen Regionen w√§hrend des Zweiten Weltkriegs viele Slowenen und Kroaten den Tito-Partisanen anschlossen.

Wegen der unsicheren Situation im Kosovo - dort brach nach dem Ersten Weltkrieg ein Aufstand gegen die erneuerte serbische Herrschaft aus - mischte sich Jugoslawien in Albanien ein, denn dort waren Exilkosovaren in der Regierung vertreten. Sie forderten in Tirana die milit√§rische und politische Unterst√ľtzung ihrer Landsleute, obgleich das schwache Albanien dazu nicht in der Lage war. Um sich an dieser Grenze Ruhe zu verschaffen, unterst√ľtzte die Regierung PaŇ°ińá 1924 Ahmet Zogu mit Truppen. Zogu putschte sich in Tirana an die Macht und stellte zum Dank jegliche Unterst√ľtzung Albaniens f√ľr die Kosovaren ein.

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs war Jugoslawien au√üenpolitisch isoliert. Nachdem die Westm√§chte NS-Deutschland schon die Tschechoslowakei √ľberlassen und auch Polen nicht wirksam unterst√ľtzt hatten, war Jugoslawien den Achsenm√§chten hilflos ausgeliefert.

Innenpolitik

Die innenpolitische Situation wurde im Wesentlichen durch die Nationalit√§tenkonflikte bestimmt. Dabei dominierte die Auseinandersetzung zwischen den √ľberwiegend autonomistischen Kroaten und den zentralistischen Kr√§ften auf Seiten der Serben. Dies war jedoch nicht der einzige Konfliktherd. Auch viele Slowenen, ein Teil der bosnischen Muslime ebenso wie die mazedonischen Slawen waren mit dem unitarischen Auffassung von der einen s√ľdslawischen Nation nicht zufrieden. Und schlie√ülich f√ľhlten sich die Angeh√∂rigen der deutschen und der ungarischen Minderheit als B√ľrger zweiter Klasse. Besonders schlecht wurden die Albaner im Kosovo von der Regierung behandelt.

Bei der Staatsgr√ľndung hatte man von einer Nation mit drei Namen (Serben, Kroaten und Slowenen) gesprochen. An diesem Konstrukt, das sich nicht mit dem Lebensgef√ľhl der meisten Kroaten und Slowenen deckte, hielten die stets serbisch dominierten Regierungen eisern fest, denn auf dieser Grundlage war der Staat mit der ‚ÄěVidovdan-Verfassung‚Äú vom 28. Juni 1921, dem Ged√§chtnistag der Schlacht auf dem Amselfeld, als Einheitsstaat konstruiert worden. Die slawischen Muslime und die Mazedonier wurden noch nicht einmal als relevante Teile der gemeinsamen Nation erw√§hnt, sondern als muslimische Serben bzw. S√ľdserben bezeichnet. Die Bosnier wurden gleichzeitig auch von den Kroaten als Teil ihrer Nation beansprucht.

Nikola PaŇ°ińá, Ministerpr√§sident des SHS-Staats 1921-1926

Gem√§√ü der Doktrin von der einen s√ľdslawischen Nation, hat die Regierung eine rigorose Sprachpolitik betrieben, durch die die anderen s√ľdslawischen Sprachvarianten an das Serbische angeglichen werden sollten. Die Slowenen konnten sich dieser Forderung am leichtesten entziehen, besa√üen sie doch seit langem eine Schriftsprache, die sich deutlich von der serbokroatischen Sprache unterschied. Die Kroaten hatten weniger gute Argumente, denn abgesehen von den unterschiedlichen Schriften, die beide zugelassen waren, unterschied sich die kroatische nur wenig von der serbischen Standardsprache. Umso h√§rter waren die Auseinandersetzungen in Detailfragen. In Mazedonien, wo dem Bulgarischen √§hnliche Dialekte gesprochen wurden, aber keine eigene Schriftsprache existierte, trieben die Beh√∂rden die 1913 begonnene Serbisierung weiter voran.

Einen gesetzlichen Minderheitenschutz gab es im ersten Jugoslawien nicht. Gem√§√ü den Pariser Vorortvertr√§gen h√§tten darauf zumindest die deutsche und die ungarische Minderheit Anspruch gehabt, die Kosovo-Albaner dagegen nicht, weil ihr Siedlungsgebiet schon vor dem Ersten Weltkrieg erobert worden war. Das gleiche galt f√ľr die Mazedonier, die nach Belgrader Lesart ohnehin Serben waren.

Die Serben waren in allen Teilen der Staatsverwaltung √ľberproportional stark vertreten, hatten sie doch ihre eigene B√ľrokratie in den neuen Staat eingebracht. In den halbkolonial verwalteten s√ľdserbischen Gebieten Kosovo und Mazedonien herrschte eine schmale serbische Beamtenschicht √ľber die anderssprachige Bev√∂lkerung, die nicht zuletzt deshalb dem Staatsapparat gegen√ľber feindlich eingestellt war. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie, verloren in den nun zum SHS-Staat gekommenen Gebieten alle nichtslawischen Staatsdiener ihre Posten und viele von ihnen verlie√üen das Land. (Diese ehemaligen k.u.k.-Beamten machten den gr√∂√üten Teil der nichtslawischen Auswanderer aus. Die deutsche und ungarische Bev√∂lkerung wurde nicht zur Emigration gezwungen.) Die vakanten Positionen wurden in Bosnien, der Vojvodina, im S√ľden Dalmatiens und Teilen Slawoniens vorwiegend mit Beamten aus Altserbien besetzt. Besonders dominant war die Position der Serben in der Armee, wo sie drei Viertel der Offiziersstellen innehatten.

Das Parteiensystem des ersten Jugoslawien war weitgehend entlang der ethnischen und kulturellen Grenzen gespalten. In Serbien dominierte die konservative und zentralistisch-serbisch orientierte Radikale Volkspartei (Narodna radikalna stranka) des langj√§hrigen serbischen Ministerpr√§sidenten Nikola PaŇ°ińá. Daneben war dort die sozial und jugoslawisch orientierte Demokratische Partei (Demokratska stranka) von Bedeutung. Sie war in der Vojvodina (ehemals Donaumonarchie) stark und wurde auch von Minderheiten der Nichtserben in anderen Landesteilen gew√§hlt. Die ebenfalls gesamtjugoslawisch auftretenden Kommunisten wurden 1921 verboten. In Kroatien dominierte f√∂deralistisch-republikanische Kroatische Bauernpartei Stjepan Radińás. Daneben war die Kroatische Partei des Rechts (Hrvatska stranka prava) von Bedeutung, aus der heraus sp√§ter die Ustascha-Bewegung entstand. Bei den Slowenen war die katholische Slowenische Volkspartei unter Anton KoroŇ°ec f√ľhrend. Anders als die kroatischen Parteien, verharrte die Volkspartei nicht in Fundamentalopposition, sondern versuchte die Interessen der Slowenen auf parlamentarischem Weg durchzusetzen. Schlie√ülich ist noch die Jugoslawische muslimische Organisation zu erw√§hnen, die die meisten Anh√§nger unter den slawischen Muslimen in Bosnien und im SandŇĺak hatte, aber auch von Albanern gew√§hlt wurde.

Nach Verabschiedung der Vidovdan-Verfassung 1921 blieben die Abgeordneten der kroatischen Bauernpartei dem Parlament noch jahrelang fern und PaŇ°ińá beherrschte an der Spitze wechselnder Koalitionen das Land. Zur Machterhaltung nutzte er auch das Mittel politischer Prozesse. Auch sein sch√§rfster politischer Gegner Radińá wurde wegen staatsgef√§hrdender Umtriebe kurzzeitig in Haft genommen. Trotzdem trat Radińá 1925 in PaŇ°ińás Regierung ein, nachdem eine Koalition mit den Slowenen und den Muslimen gescheitert war. 1926 musste PaŇ°ińá wegen einer Korruptionsaff√§re seines Sohnes zur√ľcktreten. Nach Neuwahlen bildeten Svetozar Pribińćevińá (Demokratische Partei) und Radińás Bauernpartei 1927 eine Koalition. Doch auch das f√ľhrte nicht zu mehr politischer Stabilit√§t. Im Juni 1928 schoss ein montenegrinischer Abgeordneter der Radikalen Partei in der Belgrader SkupŇ°tina wild um sich. Ihm fielen drei Abgeordnete darunter Stjepan Radińá zum Opfer, der am 8. August 1928 an seinen Verletzungen starb. Nach diesem Gewaltakt wurde die politische Lage vollends chaotisch. Die Bilanz von 10 Jahren SHS-Staat waren 30 Regierungen, drei vorgezogene Neuwahlen, Korruption in allen Lagern und die Unf√§higkeit der politischen Kr√§fte zum Kompromiss. Die Mehrheit der Kroaten, der Mazedonier und die Kosovo-Albaner lehnten den Staat √ľberhaupt ab.

Die Banschaften Jugoslawiens seit 1929

In dieser Situation beschloss K√∂nig Alexander KarańĎorńĎevińá am 6. Januar 1929 mit Hilfe der Armee die Macht zu √ľbernehmen. Der gescheiterte Parlamentarismus wurde beseitigt, die SkupŇ°tina aufgel√∂st, die Parteien wurden verboten. Der K√∂nig wurde alleiniger Tr√§ger der Staatsgewalt. Alexander und die von ihm eingesetzte Regierung unter General Petar ŇĹivkovińá, zuvor Kommandeur der k√∂niglichen Palastwache, versuchten nun mit anderen Mitteln, den Staat zu einen, der in ‚ÄěJugoslawien‚Äú umbenannt wurde. Die Verwaltung wurde reformiert: Es wurden neun Banschaften eingerichtet, deren Grenzen so gezogen wurden, dass in sechs Provinzen die Serben die Mehrheit bildeten, w√§hrend die kroatischen Gebiete auf vier Banschaften aufgeteilt wurden, von denen nur zwei mehrheitlich kroatisch waren. Dies macht deutlich, dass auch der K√∂nig auf eine Einigung des Landes unter serbischer F√ľhrung setzte. Aber auch die K√∂nigsdiktatur konnte die Probleme Jugoslawien, die sich durch die Weltwirtschaftskrise noch versch√§rften, nicht l√∂sen. 1931 kam es zum n√§chsten Aufsehen erregenden politischen Mord. Der kroatische Wissenschaftler und Parlamentarier Milan ҆ufflay wurde in Zagreb auf offener Stra√üe von einem serbischen Geheimpolizisten erschlagen.

Die alten gro√üen Parteien der Slowenen, Kroaten und Muslime forderten 1932/1933 in programmatischen Resolutionen (Punktuationen von Zagreb, Ljubljana und Sarajewo) die Demokratisierung und F√∂deralisierung des Staates. Daraufhin wurden die Parteif√ľhrungen interniert. Zur gleichen Zeit verst√§rkten die Ustascha und die IMRO ihre terroristischen Aktionen, die auf eine Zerschlagung des jugoslawischen Staates abzielten. Ein Aufstand der Ustascha konnte 1932 mangels Beteiligung von der Polizei leicht niedergeschlagen werden. Die gemeinsamen Terroranschl√§ge von IMRO und Ustascha erreichten am 9. Oktober 1934 mit der Ermordung K√∂nig Alexanders in Marseille ihren H√∂hepunkt. Aber anders als von Ante Pavelińá gedacht, konnte die Regierung diese Krise meistern. Prinz Paul, der Bruder des ermordeten K√∂nigs, √ľbernahm die Regentschaft f√ľr dessen noch minderj√§hrigen Sohn Peter II.. Mit Zustimmung des Regenten wurde nun eine neue regierungsfreundliche Einheitspartei, die Jugoslavenska radikalna zajednica gebildet, die 1935 auch die Wahlen gewann und mit Milan Stojadinovińá den Ministerpr√§sidenten stellte.

Die f√∂deralistische Opposition (UdruŇĺena oposicija) aus Slowenen, Kroaten und Muslimen boykottierte erneut das Parlament. Sie forderte die Gliederung Jugoslawiens in sieben L√§nder: Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Vojvodina, Montenegro und Mazedonien. Die Minderheit der serbischen F√∂deralisten wollte nur vier Teilstaaten schaffen, Montenegro, Mazedonien und die Vojvodina sollten serbisch bleiben.

Wirtschaft

Jugoslawische Banknote (1929)

Nachdem 1919/20 die Grenzen Jugoslawiens gezogen worden waren, musste das Land zu einem Wirtschafts- und W√§hrungsraum vereinigt werden. In den ehemals habsburgischen Gebieten galt die Krone, in Serbien der Dinar. Die Regierung musste die Geldmenge verringern, um die kriegsbedingte Inflation zu bek√§mpfen. Die Schaffung der neuen Einheitsw√§hrung, ebenfalls Dinar genannt, erfolgte 1920. Dabei wurde der serbische Dinar 1:1 umgetauscht, die Krone aber im Verh√§ltnis 4:1. Dies l√∂ste in Slowenien, Kroatien, Bosnien und in der Vojvodina gro√üe Erbitterung aus, verloren doch die fr√ľheren Monarchieslawen 75 Prozent ihres Verm√∂gens und bezahlten auf diese Weise f√ľr die Schaffung der neuen W√§hrung, w√§hrend die Bewohner des alten Serbien keinen Beitrag leisten mussten.

Der SHS-Staat der Zwischenkriegszeit war ein wenig entwickeltes Agrarland. 75 Prozent der arbeitenden Bev√∂lkerung betrieben kleinb√§uerliche Subsistenzwirtschaft. Produktive mittelgro√üe und gro√üe Betriebe gab es vor allem in der Vojvodina, in Slawonien und Syrmien sowie im Norden des alten Serbien. Vor allem in der Vojvodina waren viele dieser Bauernwirtschaften im Besitz von Angeh√∂rigen der deutschen und ungarischen Minderheit. Zu den gro√üen Grundbesitzern z√§hlte in den entwickelten Gebieten, die vormals zur Donaumonarchie geh√∂rt hatten, die katholische Kirche. Vergleichsweise gut entwickelt war auch die slowenische Landwirtschaft. Die Betriebe in den genannten n√∂rdlichen Regionen hatten ihre √úbersch√ľsse vor dem Krieg in die Industrieregionen der Habsburgermonarchie verkauft. Ein Teil wurde vorher in der √∂rtlichen Lebensmittelindustrie (M√ľhlen, Zuckerfabriken usw.) weiterverarbeitet. Durch die neuen Grenzen (Z√∂lle) und die zur√ľckgegangene Kaufkraft in √Ėsterreich, waren den jugoslawischen Bauern diese M√§rkte in der Zwischenkriegszeit weitgehend verschlossen. Seit Mitte der 30er Jahre importierte das nationalsozialistische Deutschland im Zuge der Kriegsvorbereitungen zunehmend Lebensmittel aus Jugoslawien.

In den s√ľdlichen Landesteilen (in Mazedonien, Kosovo, Montenegro, Bosnien und Dalmatien aber auch in weiten Teilen Serbiens) gab es fast ausschlie√ülich kleinb√§uerliche Subsistenzwirtschaften, die kaum Entwicklungsm√∂glichkeiten hatten. Den Gro√ügrundbesitzern in diesen Regionen, fehlte es an Kapital und Knowhow f√ľr die Modernisierung ihrer Betriebe und aufgrund der im √úberfluss vorhandenen billigen Artbeitskr√§fte sowie fehlenden Marktperspektiven hatten sie auch nur geringes Interesse an Ver√§nderungen.

Nennenswerte gewerbliche Produktion gab es in Slowenien, in der Region Belgrad und zunehmend in Zagreb. Industrieprodukte (z. B. Maschinen und Lokomotiven) mussten zum gr√∂√üten Teil eingef√ľhrt werden, allein es fehlte daf√ľr an Kapital. So konnte auch die Infrastruktur des Landes in der Zwischenkriegszeit kaum weiterentwickelt werden. Es wurden nur einige Dutzend Kilometer Eisenbahnstrecken neu gebaut und auch das Stra√üennetz blieb auf dem Stand von vor dem Ersten Weltkrieg.

Von Bedeutung war die Gewinnung von Rohstoffen. In Serbien, Bosnien und Slowenien wurden verschiedene Erze (Eisen, Kupfer u. a.) und Kohle abgebaut. Es fehlte aber an Fabriken zur Weiterverarbeitung. Daneben war die Holzindustrie wichtig. Letztere war vor allem in Bosnien recht gut entwickelt, denn hier war vor dem Ersten Weltkrieg relativ viel investiert worden. Das Problem die Rohstoffe mit konkurrenzf√§higen Transportkosten auf den Weltmarkt zu bringen, wurde teilweise gel√∂st, als man 1929 einen Vertrag mit Griechenland schloss, der Jugoslawien einen Freihafen in Thessaloniki einbrachte. Da die wichtigen Hafenst√§dte Triest und Rijeka nach dem Krieg an Italien gefallen waren, baute Jugoslawien in SuŇ°ak, etwas s√ľdlich von Rijeka, einen neuen Hafen- und Schifffahrtsstandort auf.

Bildung

Wie auch die √ľbrigen Entwicklungsindikatoren wies auch der Bildungsstand der Jugoslawen ein extremes Nord-S√ľd-Gef√§lle auf. Slowenien hatte 1918 bereits ein gut ausgebautes Schulsystem. √úber 90 Prozent der Kinder besuchten eine staatliche oder kirchliche Grundschule. Die Analphabetenrate lag unter 10 Prozent. Nach dem Krieg wurde vor allem die Mittelschulbildung (Realschulen und Gymnasien) f√ľr die Slowenen verbessert, zum einen indem vorher deutschsprachige Schulen in Krain und der Steiermark zur slowenischen Unterrichtssprache √ľbergingen, zum anderen gab es auch zahlreiche Neugr√ľndungen, die teils von der katholischen Kirche, teils vom Staat getragen wurden.

Mehr noch als in Slowenien war das Schulwesen in Kroatien Sache der Kirche. Zwar wurde auch hier das Schulnetz verdichtet, aber der Abstand zu Slowenien verringerte sich nicht. In Binnenkroatien lag die Analphabetenrate bei √ľber 15 Prozent, in Teilen Dalmatiens erreichte sie mehr als 25 Prozent. Die Vojvodina nahm bei der Entwicklung des Schulwesens einen mittleren Platz ein. Hier unterhielten neben dem Staat die Kirchen (au√üer der katholischen und der orthodoxen auch protestantische) viele Schulen. Die Minderheitensprachen Deutsch und Ungarisch wurden nur in den privaten Schulen unterrichtet. In Bosnien unterschied sich der Bildungsstand in extremer Weise nach der Religionszugeh√∂rigkeit. Am h√∂chsten war er bei den Kroaten, denen ein in √∂sterreichischer Zeit ausgebautes Schulsystem der katholischen Kirche zur Verf√ľgung stand, es folgten die Serben, w√§hrend die Muslime das Schlusslicht bildeten, vor allem weil die gro√üe Mehrheit der muslimischen M√§dchen √ľberhaupt nicht zur Schule geschickt wurde.

Im engeren Serbien gab es zwar ein fl√§chendeckendes Grundschulnetz, doch fehlte es an Mittelschulen. In den 1912 hinzugewonnenen Gebieten lie√ü das Schulwesen am meisten zu w√ľnschen √ľbrig. Es gab √ľberhaupt zu wenig Grundschulen und in den vorhandenen wurden die Minderheitensprachen nicht ber√ľcksichtigt. Da die muslimischen Albaner auch keine kirchlichen Schulen hatten, existierten fast keine albanischsprachigen Bildungsanstalten. Dementsprechend war die Analphabetenrate in den s√ľdlichen Gebieten am h√∂chsten. Hier konnten mehr zwei Drittel der Bev√∂lkerung nicht lesen und schreiben.

Dem jugoslawischen Staat fehlte es sowohl an finanziellen Mitteln wie auch am politischen Willen, den geringen Bildungsstand vor allem in den s√ľdlichen Regionen zu heben. An einer F√∂rderung der Albaner war man gar nicht interessiert. Diese wiederum hielten sich von den vorhandenen serbischen Schulen fern, weil man sie - nicht ganz zu Unrecht - als Instrument der Serbisierung ansah.

Hauptgeb√§ude der 1919 gegr√ľndeten Universit√§t von Ljubljana

Fortschritte gab es in der Zwischenkriegszeit vor allem in Kroatien und Serbien. In Kroatien gr√ľndete der jugoslawische Staat s√§kulare Schulen, um die Vorherrschaft der katholischen Kirche im Bildungswesen etwas zu mindern. Insgesamt blieb der Staat aber auf die Mitarbeit der Kirchen angewiesen. Der SHS-Staat hat sich auch nicht zur Einf√ľhrung der allgemeinen Schulpflicht entschlie√üen k√∂nnen. Dies bedeutete f√ľr die ehemals √∂sterreichischen Gebiete einen R√ľckschritt, denn dort hatte es vor 1918 die achtj√§hrige Schulpflicht gegeben.

1918 existierten auf dem Gebiet Jugoslawiens zwei Universit√§ten: in Belgrad und in Zagreb. Unmittelbar nach Kriegsende gr√ľndeten die Slowenen 1919 in Ljubljana die dritte Universit√§t das Landes. Damit ging ein lange gehegter Wunsch der slowenischen Intellektuellen in Erf√ľllung. Unter der √∂sterreichischen Herrschaft war ihnen die Einrichtung einer eigenen Universit√§t jahrzehntelang verweigert worden.

Staat und Religionen

So wie Jugoslawien ein Vielv√∂lkerstaat war, so waren in diesem Land auch Angheh√∂rige unterschiedlicher Religionen beheimatet. Die Slowenen und Kroaten geh√∂rten fast alle der katholischen Kirche an (zusammen mit den Minderheiten 41 %), die Serben und Montenegriner waren orthodox (45 %). Etwa 11 Prozent der Bev√∂lkerung (Bosniaken, Albaner und T√ľrken) waren Muslime. Unter der deutschen und der ungarischen Minderheit gab es einige Protestanten, schlie√ülich sei noch die kleine j√ľdische Minderheit erw√§hnt.

Orthodoxes Ljubostinja-Kloster bei Trstenik

Von politischer Bedeutung war vor allem das Verh√§ltnis der serbisch-orthodoxen und der katholischen Kirche zum Staat. Auch in dieser Hinsicht hat der SHS-Saat bei seiner Gr√ľndung ein √§u√üerst heterogenes Erbe angetreten:

Abgesehen von den weitgehend marginalisierten muslimischen Minderheiten waren Serbien und Montenegro rein orthodoxe L√§nder und die Orthodoxie war dort gleichsam Staatsreligion. 1920 konnte die Serbisch-Orthodoxe Kirche die montengrinischen Eparchien und die orthodoxen Bist√ľmer in Bosnien, Slawonien, Dalmatien und der Vojvodina hinzugewinnen. Gleichzeitig wurde das serbische Patriarchat erneuert. In dieser Hinsicht hatte die serbische Nationalkirche ihre Ziele erreicht. Durch den Zusammenschluss Serbiens mit gro√üen katholischen Gebieten verlor sie aber den Charakter einer Staatskirche. Die Einheit von Staat und Kirche, wie sie in den orthodoxen Nachbarl√§ndern Griechenland und Bulgarien praktiziert wurde, war in Jugoslawien nicht m√∂glich und seitens der Regierung auch nicht erw√ľnscht. Materiell war die Orthodoxie jedoch in hohem Ma√üe vom Staat abh√§ngig, verf√ľgte sie doch aufgrund ihrer Geschichte √ľber relativ wenige gewinntr√§chtige Besitzungen.

Katholische Kathedrale St. Marien u. St. Stefan in Zagreb

In der Habsburgermonarchie herrschte zwar religi√∂ser Pluralismus, fast √ľberall waren jedoch die Katholiken in der √ľbergro√üen Mehrheit, so auch in Kroatien und Slowenien, und die katholische Kirche war in der Gesellschaft eine sehr einflussreiche Kraft. Der Katholizismus hatte geradezu als eine der wichtigsten St√ľtzen des Habsburgerreiches gegolten, wenngleich das Verh√§ltnis zur Regierung nicht immer ungetr√ľbt gewesen war und auch Priester und Bisch√∂fe in den Nationalbewegungen mitgewirkt hatten. In Slowenien war die KatoliŇ°ka narodna stranka, in der sich auch katholische Priester engagierten, bis 1941 die mit Abstand st√§rkste Partei. Auch in Kroatien war die Kirche fest im katholischen Milieu verankert, sie hatte aber weniger direkten Einfluss auf die politischen Parteien. Jedenfalls musste sich auch die katholische Kirche auf eine neue Situation einstellen. Nach 1918 war sie nur mehr eine der beiden starken Religionsgemeinschaften. Aufgrund ihrer reichen Besitzt√ľmer sowie den aus √∂sterreichisch-ungarischer Zeit stammenden Schulen, sozialen Einrichtungen, Verlagen usw. war die gesellschaftliche Wirksamkeit der katholischen Kirche bei ihren Gl√§ubigen aber deutlich gr√∂√üer als jene der Orthodoxie bei den Serben. Zur national umstrittenen Tagespolitik nahmen die kroatischen Bisch√∂fe erst Stellung, als die Parteien der Kroaten verboten worden waren.

Zwischen den beiden gro√üen Kirchen gab es kaum Kontakte. Der Staat gab sich s√§kular und lie√ü die Regelungen zum Staat-Kirche-Verh√§ltnis weitgehend unangetastet. Dies galt auch f√ľr die Muslime in Bosnien. Die Muslime in S√ľdserbien (Kosovo und Mazedonien) hatten keine Vertr√§ge mit dem Staat. Ihre Stiftungen wurden zum Teil enteignet, um auf dem Land serbische Kolonisten anzusiedeln. Direkte Konflikte mit den christlichen Kirchen waren selten.

Im Einklang mit der Politik des Hl. Stuhls nach den Lateranvertr√§gen bem√ľhten sich die katholischen Bisch√∂fe in den 30er Jahren um den Abschluss eines Konkordats und auch die jugoslawische Regierung hatte aus zwei Gr√ľnden gro√ües Interesse daran: Zum einen hoffte man, dass die kroatischen Bisch√∂fe dann die Meinung ihrer Gl√§ubigen zur Regierung positiv beeinflussen w√ľrden, zum anderen w√§re der Vertrag mit dem Papst ein au√üenpolitischer Erfolg gegen√ľber Italien gewesen.

Als das Konkordat 1937 unterzeichnet war, brach unter den orthodoxen Serben ein Sturm der Entr√ľstung los. Unter F√ľhrung des Ohrider Bischofs Nikolaj Velimirovińá kam es zu Massenprotesten gegen den Vertrag mit Rom. Die Serben warfen der Regierung den Ausverkauf orthodoxer Interessen vor. Aus Angst vor dem Anwachsen des Widerstands hat die Regierung das Konkordat nicht im Parlament ratifizieren lassen. Das wiederum br√ľskierte die katholischen Kroaten und Slowenen. Durch den Konkordatsstreit wurde das zuvor sehr k√ľhle orthodox-katholische Verh√§ltnis in Jugoslawien nationalpolitisch aufgeladen.

Das Ende des Königreichs

Ministerpr√§sident Stojadinovińá erkannte Ende der 30er Jahre die schwierige au√üenpolitische Lage Jugoslawiens und versuchte die Isolation des Landes durch Ann√§herung an die Achsenm√§chte zu √ľberwinden. Sein Ziel war Neutralit√§t im zu erwartenden n√§chsten gro√üen Krieg. Auch innenpolitisch orientierte er sich an Deutschland und Italien. Er lie√ü sich als F√ľhrer bezeichnen und schuf eine uniformierte Jugendorganisation. Im Februar 1939 wurde Stojadinovińá aber von der Macht verdr√§ngt.

Unter seinem Nachfolger DragiŇ°a Cvetkovińá kam eine Einigung der Kroaten mit der Regierung zustande. Im sogenannten Sporazum (dt. √úbereinkunft) vom 26. August 1939, das Vladimir Mańćek f√ľr die Bauernpartei mit Cvetkovińá ausgehandelt hatte, war die Schaffung einer weitgehend autonomen Banschaft Kroatien vorgesehen. Die Zustimmung Belgrads zu diesem Vertrag war wesentlich durch die gef√§hrliche au√üenpolitische Situation bewirkt worden. Es war bekannt, dass einige kroatische Politiker Verbindung zu den Regierungen in Rom und Berlin suchten, um ihren Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen. Auch die Zerschlagung der Tschechoslowakei und die slowakische Selbstst√§ndigkeit von Hitlers Gnaden hatten die jugoslawische Regierung erschreckt.

Das Sporazum hatte aber f√ľr beide Vertragsparteien nicht die gew√ľnschte Wirkung. Vielen Kroaten ging die Autonomie nicht weit genug; insbesondere warfen sie Mańćek vor, dass er mit der Preisgabe Bosniens, das zum gr√∂√üten Teil nicht zur kroatischen Banschaft geh√∂rte, die nationale Sache Kroatiens verraten habe. Auch die zentralistischen Serben warfen der Regierung Verrat ihrer nationalen Interessen vor.

Nach dem Sieg Deutschlands √ľber Frankreich geriet Jugoslawien immer mehr unter diplomatischen Druck. Hitler verlangte den Beitritt des Landes zum Pakt der Achsenm√§chte. Am 25. M√§rz 1941 gab die jugoslawische Regierung nach und unterschrieb. Daraufhin putschten in Belgrad Offiziere erfolgreich, die Jugoslawien auf die Seite der Alliierten bringen wollten. Sie erkl√§rten den jungen Peter II. zum regierenden K√∂nig und stellten General DuŇ°an Simovińá an die Spitze der Regierung. Die kurzzeitig in Belgrad aufgeflammte Kriegsbegeisterung hielt noch nicht einmal bis zum tats√§chlichen Kriegsausbruch an: Schnell wurde sich die Bev√∂lkerung bewusst, dass die jugoslawische Armee keine Chance gegen die deutsche Wehrmacht hatte. Viele Kroaten, Slowenen und Bosniaken folgen dem Einberufungsbefehl nicht, weil sie ihr Leben nicht f√ľr den ungeliebten Staat lassen wollten.

Kriegsgefangene Offiziere im April 1941
Von der deutschen Luftwaffe zerst√∂rte Donaubr√ľcke in Belgrad

Am 6. April 1941 begann der deutsche Einmarsch, und am 17. April unterzeichnete Jugoslawien die bedingungslose Kapitulation. K√∂nig und Regierung begaben sich ins britische Exil, aus dem sie nicht mehr zur√ľckkehren sollten.

Der Zweite Weltkrieg

Die Aufteilung des Landes

Urspr√ľnglich wollte die deutsche Au√üenpolitik Jugoslawien wie andere s√ľdosteurop√§ische Staaten (Ungarn, Rum√§nien, Bulgarien) √ľber Vertr√§ge an das Dritte Reich binden, um dessen Ressourcen f√ľr den geplanten gro√üen Krieg gegen die Sowjetunion ausbeuten zu k√∂nnen. Au√üerdem sollte der gesamte Balkan unter deutsch-italienischer Kontrolle sein, damit Gro√übritannien keine Truppen landen und keine Front in S√ľdosteuropa aufbauen konnte, wie es die Entente im Ersten Weltkrieg getan hatte. Nach dem gescheiterten italienischen Angriff auf Griechenland, der die Landung englischer Truppen nach sich gezogen hatte, und nach dem Putsch in Jugoslawien entschloss sich die deutsche F√ľhrung, die beiden Balkanstaaten in einem kurzen Krieg zu unterwerfen.

Da diese Entscheidung sehr kurzfristig getroffen worden war, gab es keine Pl√§ne, wie mit dem eroberten Jugoslawien verfahren werden sollte. Mit der dann getroffenen Entscheidung zur Aufteilung des Landes verfolgte man zwei Ziele: 1. Die Ressourcen Jugoslawiens sollten f√ľr die deutsche Kriegswirtschaft zur Verf√ľgung stehen, ohne dass viele Truppen f√ľr die Besetzung n√∂tig w√§ren. 2. Die Expansionsziele der Verb√ľndeten sollten befriedigt werden, um sie fester an das Deutsche Reich zu binden.

Italien erhielt den westlichen Teil Sloweniens mit Ljubljana und gro√üe Teile Dalmatiens. Au√üerdem besetzten Mussolinis Truppen Montenegro. Ein gro√üer Teil des Kosovo, der Nordwesten Mazedoniens und die Stadt Ulcinj wurden an die italienische Kolonie Albanien angeschlossen. Damit war das albanisch besiedelte Gebiet in einem Staat vereinigt, wie es die Albaner seit Anfang des 20. Jahrhunderts angestrebt hatten, auch wenn dieses Gro√üalbanien nur ein Nebenland des faschistischen Italiens war. Entsprechend gro√ü war zun√§chst vor allem unter den Kosovo-Albanern die Unterst√ľtzung f√ľr die neue Ordnung.

Bulgarien bekam den gr√∂√üten Teil Mazedoniens. Die dortige Bev√∂lkerung fand sich mit diesem Wechsel in ihrer Mehrheit zun√§chst ab, erhofften sich viele mazedonischen Slawen doch eine bessere Behandlung durch die Bulgaren. F√ľr die Verwaltung wurden von diesen viele Angeh√∂rige der IMRO eingesetzt. Die IMRO-Leute ersetzten die Serbisierungspolitik der Zwischenkriegszeit durch eine Bulgarisierung der Mazedonier, was mit der Zeit zu Unmut und Widerstand unter der Bev√∂lkerung f√ľhrte.

Ungarn erhielt die Landschaften Batschka und Baranja in der Vojvodina und das Gebiet der Murinsel als Kriegsbeute.

In Kroatien wurde ein unabh√§ngiger Staat (Nezavisna drŇĺava Hrvatska, NDH) unter dem F√ľhrer der faschistischen Ustascha-Bewegung Ante Pavelińá errichtet, nachdem der Chef der kroatischen Bauernpartei Vladimir Mańćek es abgelehnt hatte, Ministerpr√§sident dieses Staatsgebildes zu werden. Zu diesem kroatischen Staat wurden auch Bosnien und Syrmien hinzugef√ľgt. Wie beim Anschluss √Ėsterreichs an das Deutsche Reich wurden die geschaffenen Fakten durch eine inszenierte Volksabstimmung abgesegnet. Neben dem kroatischen Staatsvolk lebten in diesem Staat mit rund 6 Millionen Einwohnern, gro√üe serbische Minderheiten (19 %); etwa 10 % der Bev√∂lkerung waren muslimische Slawen. W√§hrend das Ustascha-Regime letztere als muslimische Kroaten bezeichnete und f√ľr sich einzunehmen suchte, wurden die Serben wie auch die Minderheiten der Juden und Roma aufgrund ihrer ethnischen Zugeh√∂rigkeit brutal unterdr√ľckt und verfolgt. Der NDH-Staat stellte eine eigene kroatische Armee auf. Eine unvollst√§ndige deutsche Infanteriedivision und eine italienische Armee von 200.000 Mann blieben in dem in zwei Besatzungszonen geteilten Land pr√§sent.

Die vormals jugoslawische Untersteiermark wurde an das Gro√üdeutsche Reich angeschlossen. Das Gebiet sollte innerhalb kurzer Zeit germanisiert werden. Daf√ľr vertrieben die Besatzer 200.000 Slowenen nach Kroatien. Die deutsche Minderheit in der italienisch besetzten Gottschee wurde stattdessen ins Reich, darunter auch in die S√ľdsteiermark umgesiedelt.

Von den deutschen Besatzern internierte Juden, Belgrad 1941.

Das engere Serbien und Teile der Vojvodina kamen unter deutsche Milit√§rverwaltung. Dort wurde von den Eroberern eine serbische Regierung unter dem General Milan Nedińá installiert, die mit den Deutschen kollaborierte. In dieses serbische Gebiet wurden Hunderttausende Serben und einige Tausend Slowenen aus den anderen jugoslawischen Gebieten vertrieben. Vgl. dazu: Serbien im Zweiten Weltkrieg

Etwa 70.000 Menschen wurden w√§hrend des Krieges aus Serbien und Slowenien als Zwangsarbeiter ins Reich verschleppt. Unmittelbar nach der Besetzung Jugoslawiens begannen die deutschen Besatzungsbeh√∂rden mit der Internierung der j√ľdischen Bev√∂lkerung in Serbien. Im September 1941 veranlasste die dortige deutsche Milit√§rverwaltung Massenerschie√üungen j√ľdischer M√§nner. Ab Dezember 1941 wurden j√ľdische Frauen, Kinder und Greise aus Serbien im Lager Semlin interniert. Im Mai 1942 ermordete die Gestapo 6000 von ihnen mit einem Gaswagen. Auch im kroatischen NDH-Staat wurden ab August 1941 Tausende Juden in Lager verbracht und ein Jahr sp√§ter lieferten die kroatischen Beh√∂rden den Deutschen 5500 Menschen aus, die zur Vernichtung nach Auschwitz deportiert wurden.

Urspr√ľnglich hatte man 1941 auf Seiten der Achsenm√§chte gedacht, die Gebiete Jugoslawiens mit etwa 150.000 Soldaten in den n√§chsten Jahren kontrollieren zu k√∂nnen. Dazu kamen noch die Truppen NDH-Kroatiens (Hrvatsko domobranstvo und Ustascha-Garde) sowie die bewaffnete Macht der serbischen Kollaborateure des Generals Nedińá. Bald formierte sich aber der jugoslawische Widerstand und brachte Besatzern wie Kollaborateuren empfindliche Verluste bei. Schnell zeigte sich, dass die Deutschen und ihre Verb√ľndeten vor allem die gebirgigen Regionen ‚Äď also den gr√∂√üten Teil Jugoslawiens - nicht vollst√§ndig beherrschen konnten. Zwei Jahre sp√§ter, als die Italiener Anfang September 1943 als Besatzer ausfielen, hatte das Dritte Reich √ľber 250.000 Soldaten in Jugoslawien stationiert. Trotzdem wurden immer gr√∂√üere Gebiete von den Partisanen kontrolliert. Auch die Aufstellung von SS-Verb√§nden aus einheimischen Rekruten (Volksdeutsche, Bosnier und Albaner) brachte keine Entlastung f√ľr die geschw√§chten Besatzer.

Der Partisanenkrieg

Am Partisanenkrieg gegen die Besetzung Jugoslawiens beteiligten sich die verschiedenen Volksgruppen im unterschiedlichen Ausma√ü. Albaner, Ungarn und Volksdeutsche verweigerten sich dem Widerstand. Die aktive Beteiligung von Mazedoniern, Bosniern und Kroaten blieb bis 1944 deutlich hinter dem zur√ľck, was ihrem Bev√∂lkerungsanteil entsprochen h√§tte. Die Aufstandsbewegung begann im April 1941 in den serbischen, montenegrinischen und slowenischen Bev√∂lkerungsteilen.[2]

1941

Als am 22. Juni 1941 Deutschland die Sowjetunion angriff, rief die Kommunistische Internationale (Komintern) alle kommunistischen Parteien Europas zum Widerstand auf. In einer Proklamation rief am selben Tag das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Jugoslawiens (KPJ) als nationale Sektion der Komintern das Proletariat des Landes zur Verteidigung der Sowjetunion auf. Noch am selben Tag wurde im Wald Brezovica bei Sisak die erste Partisaneneinheit in S√ľdosteuropa gegr√ľndet (Tag des antifaschistischen Kampfes). Am 4. Juli 1941 fand in Belgrad eine Sitzung des Hauptstabs der Volksbefreierischen Partisanenverb√§nde Jugoslawiens unter dem Vorsitz von Josip Broz Tito statt, bei dem die KPJ den bewaffneten Kampf gegen die Besatzer beschloss. Am 7. Juli feuerte im serbischen Bela Crkva ŇĹikica Jovanovińá ҆panac den ersten Schuss auf einen serbischen Gendarmen ab. Nacheinander brachen auch in anderen Landesteilen Aufst√§nde aus ‚Äď am 13. Juli in Montenegro, am 22. Juli in Slowenien (dort als Antiimperialistische Front) und am 27. Juli in Kroatien sowie in Bosnien und Herzegowina. Zu den anf√§nglich kleinen Partisanen-Einheiten geh√∂rten Kommunisten, aber auch gew√∂hnliche arme B√ľrger, Arbeiter und Bauern. Am 22. Dezember 1941 wurde in der ostbosnischen Ortschaft Rudo mit der Ersten Proletarischen Brigade mit ca. 900 K√§mpfern die erste gr√∂√üere Kampfeinheit gebildet. Mit jedem Jahr stieg die Zahl der K√§mpfer kontinuierlich an, so dass zum Ende des Krieges innerhalb der nun so genannten Jugoslawischen Volksarmee 800.000 Soldaten unter Waffen standen. Die Deutschen reagierten auf den Widerstand mit √§u√üerster H√§rte. F√ľr jeden get√∂teten Besatzungssoldaten wurden 50 bis 100 Zivilisten in der entsprechenden Gegend hingerichtet. Diesen so genannten ‚ÄěS√ľhneaktionen‚Äú sind bis 1944 √ľber 80.000 Menschen zum Opfer gefallen. Die ma√ülosen Gewaltakte der Besatzungsm√§chte haben immer mehr Betroffene in den Widerstand getrieben. Eine √§hnliche Wirkung hatte die Herrschaft der Ustascha im von Deutschland und Italien gest√ľtzten Unabh√§ngigen Staat Kroatien, dem sich viele verfolgte Serben aber auch Muslime und Kroaten zu entziehen suchten, indem sie sich den Partisanen anschlossen. Neben Tito waren der Slowene Edvard Kardelj, der Serbe Aleksandar Rankovińá, die Montenegriner Ivan Milutinovińá, Milovan ńźilas und Svetozar Vukmanovińá-Tempo, der Kroate Vlado Popovińá und der serbische Jude MoŇ°a Pijade die bedeutendsten M√§nner in der F√ľhrung der kommunistischen Partisanen. Sie √ľbernahmen sp√§ter auch Schl√ľsselstellungen im AVNOJ.

Neben den kommunistischen Partisanen formierten sich auch die serbisch-nationalen Tschetniks als Widerstandsbewegung. F√ľhrer der Tschetniks war Oberst DraŇĺa Mihailovińá, der sich als Statthalter des exilierten jugoslawischen K√∂nigs Peter II. betrachtete. Mihailovińá gelang es aber nicht, die volle Kontrolle √ľber die verschiedenen Einheiten der Tschetniks zu erlangen, deren Kommandeure zum Teil auf eigene Faust Krieg f√ľhrten. Mihailovińá selbst wollte eigentlich abwarten, wie sich die Lage entwickelt, sah sich aber durch die eigenen Leute und die zunehmende Konkurrenz der Tito-Partisanen schon im Sommer 1941 gezwungen, die Initiative zu ergreifen. Bald beherrschten Tschetnikeinheiten Westserbien, fast ganz Montenegro, bedeutende Teile Bosniens und des dalmatinischen Hinterlands. Mihailovińá war Ende 1941 zum m√§chtigsten Mann in Serbien aufgestiegen, mit dem sich die Kollaborationsregierung Nedińá arrangieren musste. Der Tschetnikf√ľhrer wiederum suchte den Ausgleich mit Hitlers serbischen Kollaborateuren, weil er seine Hauptfeinde in den Kroaten und den bosnischen Muslimen sah. Gegen diese konzentrierte er seine Kr√§fte in Bosnien. Der Krieg wurde von der Ustascha und den Tschetniks √§u√üerst grausam gef√ľhrt. Die bosnischen Muslime, die von Pavelińá als Verb√ľndete umworben wurden, gerieten dabei zwischen die Fronten. Sie wurden von den Tschetniks als Helfer der Ustascha bek√§mpft. Zahlreiche muslimische D√∂rfer wurden niedergebrannt, die Muslime vertrieben und die Tschetniks veranstalteten Massenerschie√üungen. Fońća, ViŇ°egrad und GoraŇĺde waren 1941 die Zentren dieser Grausamkeiten. Mehr als 100.000 Muslime fielen diesem Terror im Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Mihailovińás milit√§rische Erfolge f√ľhrten dazu, dass ihn die jugoslawische Exilregierung zum Kriegsminister ernannte und ihn die verb√ľndeten M√§chte Gro√übritannien und Sowjetunion in dieser Position anerkannten. Mihailovińás politische Vorstellung f√ľr die s√ľdosteurop√§ische Nachkriegsordnung sahen die Schaffung eines gro√üserbischen Staates vor. Serbien sollte um Slawonien, Bosnien und Teile Dalmatiens erweitert werden. Dort sollten nur mehr Serben leben. Das restliche Kroatien und Slowenien waren als f√ľr die serbische Vorherrschaft ungef√§hrliche Nebenl√§nder Jugoslawiens vorgesehen. Wegen ihrer politischen Ziele, mehr noch aber wegen ihrer Kriegsf√ľhrung konnte die Tschetnikbewegung au√üer bei den Serben nur unter den Slowenen eine gr√∂√üere Zahl Anh√§nger gewinnen. Der kommunistischen Partisanenbewegung gelang es dagegen, bei allen V√∂lkern Jugoslawiens Fu√ü zu fassen.

W√§hrend des Sommers 1941 war zun√§chst Serbien das wichtigste Aktionsgebiet der Tito-Partisanen. Diese vermieden anfangs die direkte Konfrontation mit den gut bewaffneten Wehrmachtsverb√§nden. Ihre Angriffe richteten sich im Juli 1941 vorwiegend gegen serbische Gendarmen und Einrichtungen der Kollaborationsregierung. Da die deutsche Milit√§rverwaltung nur wenig Truppen hatte, da viele Einheiten schon an die Ostfront verlegt worden waren, konnten die Kommunisten den Sommer √ľber schnell Fu√ü fassen und eine flexible und schlagkr√§ftige Organisation aufbauen. Im August erfasste der Aufstand weite Teile Serbiens und schon Ende des Monats beherrschten die Kommunisten ein befreites Gebiet zwischen den St√§dten Krupanj, Loznica und Zvornik, √ľber das die Besatzer keinerlei Kontrolle mehr hatten. Am 21. September 1941 riefen die Partisanen in Westserbien die Republik von UŇĺice aus.

Die Erfolge der kommunistischen Partisanen bewogen den Tschetnik-F√ľhrer Mihajlovińá ein Geheimabkommen mit der serbischen Kollaborationsregierung und der Wehrmacht zu schlie√üen. Als Gegenleistung f√ľr die Unterst√ľtzung beim Kampf gegen die kommunistischen Jugoslawischen Partisanen sollten die Tschetniks von den Deutschen Waffen, Verpflegung, Logistik und Sold erhalten.

Anfang November 1941 f√ľhrten Verb√§nde von Mihailovińá einen Angriff gegen die Partisanenhochburg UŇĺice durch. Der Angriff wurde zur√ľckgeschlagen und Mihailovińá entging nur knapp einem milit√§rischen Desaster. Die deutschen Truppen konnten die geschw√§chten Partisanen in den folgenden Wochen in die Defensive dr√§ngen. Erst auf englischen Druck fand sich Mihailovińá am 20. November 1941 zu einem Waffenstillstand mit Tito bereit. Er war aber nicht bereit, auf Seiten der Partisanen in die K√§mpfe einzugreifen. Nach dieser Ablehnung war offenbar, dass sich die Tschetniks und die kommunistisch gef√ľhrten Partisanen im weiteren Kriegsverlauf als Feinde gegen√ľberstehen w√ľrden.

Das B√ľndnis der Tschetniks mit italienischen und deutschen Verb√§nden trug dazu bei, dass die Partisanen UŇĺice am 29. November 1941 aufgeben mussten. Sie verlagerten ihre Hauptaktivit√§ten nun nach Bosnien und Dalmatien, w√§hrend Serbien bis Anfang 1944 vornehmlich Einflussgebiet der Tschetniks war. Am Ende des ersten Kriegsjahres in Jugoslawien hatte Titos Partisanenarmee eine St√§rke von 80.000 Mann.

Aufgrund seiner geographischen Lage (die Hauptkr√§fte der Partisanen operierten in Bosnien, Montenegro und Dalmatien) und zum Teil auch aus politischen Gr√ľnden nahm der Partisanenkrieg in Mazedonien einen besonderen Verlauf. Zun√§chst war der Umgang der bulgarischen Besatzer mit der Bev√∂lkerung deutlich besser als in den anderen Teilen Jugoslawiens. Die Bulgaren sahen die Mazedonier als Teil ihrer Nation an und verliehen denen, die sich zum Bulgarentum bekannten, die Staatsb√ľrgerschaft. Die √ľbrigen wurden √ľber die Grenze in andere Besatzungsgebiete abgeschoben. So kam es, dass viele Mazedonier auch bei den bulgarischen Streitkr√§ften dienten.

Die gro√üserbischen Tschetniks waren in Mazedonien nicht aktiv, weil sie bei der Bev√∂lkerung, die jahrzehntelang dem Serbisierungsdruck der Belgrader Regierung ausgesetzt gewesen war, keinerlei R√ľckhalt hatten. Die ohnehin nur schwach in der Region vertretenen Kommunisten waren aus nationalen Gr√ľnden zerstritten und zu Beginn des Krieges nicht unter Kontrolle der jugoslawischen F√ľhrung um Tito. Nach der Besetzung √ľbernahm der bulgarische Kommunist Metodija ҆atorov-҆arlo die F√ľhrung der Partei in Skopje. ҆atorov und die bulgarische KP wollten 1941 keinen bewaffneten Aufstand riskieren. Gleichwohl gab es im Herbst 1941 einige kleine Partisanengruppen, die im Oktober mit √úberf√§llen auf bulgarische Posten begannen.

1942

Am 26. November 1942 wurde als Dachverband der verb√ľndeten Partisanengruppen der Antifaschistische Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens (serbokroatisch: AntifaŇ°istińćko vjeńáe narodnog oslobońĎenja Jugoslavije (AVNOJ)) gebildet. Die KPJ stellt ihre Parteidoktrin (proletarische Revolution) in den Hintergrund und bot der AVNOJ ein attrakives Programm f√ľr die Nachkriegsordnung, das bei vielen Menschen aller jugoslawischen V√∂lker Zustimmung fand. Man propagierte den Kampf gegen den Faschismus, die Gleichberechtigung aller jugoslawischen Nationen und die Errichtung eines f√∂deralen Staates.

Am 18. Dezember 1942 wurde die erste Partisanen-Marineeinheit mit 150 Mann in Podgora, Tucepi und Igrane aufgestellt. Sie benutzte Fischerboote und zwei erbeutete Motorschiffe f√ľr √úberf√§lle auf italienische Nachschubtransporte.

1943

Beschluss des AVNOJ zur Föderalisierung Jugoslawiens nach dem Krieg, Jaice 1943

Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien zeichnete sich der Zusammenbruch des faschistischen Regimes in Italien ab. Am 25. Juli wurde Benito Mussolini abgesetzt und die neue italienische Regierung begann bald darauf mit den Briten und Amerikanern zu verhandeln. Diese Situation wirkte sich auch auf das italienische Besatzungsgebiet in Jugoslawien aus. Von Ende Juli bis Anfang September verzeichneten die Partisanen gegen√ľber den kriegsm√ľden und durch den politischen Umsturz demotivierten italienischen Truppen bedeutende Gebietsgewinne in Montenegro, Dalmatien, Istrien und Slowenien. Als Italien am 8. September kapitulierte, fielen den Partisanen gro√üe Mengen an Waffen in die H√§nde und sie stie√üen kurzzeitig sogar bis Triest vor. Kurz darauf traten aber deutsche Einheiten an die Stelle der Italiener. Im Norden konnten sie zusammen mit Verb√§nden der Ustascha die Partisanen wieder zur√ľckdr√§ngen. Auch weite Teile Montenegros konnten die Deutschen bald kontrollieren.

Der AVNOJ trat von 21. bis 29. November 1943 in der bosnischen Stadt Jajce zu seiner zweiten Konferenz zusammen. An der Zusammenkunft nahmen 142 Delegierte aus fast allen Regionen Jugoslawiens teil. Nur den Abgesandten Mazedoniens, gelang es nicht, nach Bosnien zu kommen. Es wurde beschlossen, Jugoslawien nach Kriegsende als f√∂deralen Staat wiederzuerrichten. Als Staatsnationen wurden neben Serben, Kroaten und Slowenen nun auch Montenegriner und Mazedonier anerkannt. All diese V√∂lker sollten eine eigene Teilrepublik erhalten. Die politische Aufwertung der beiden kleinsten s√ľdslawischen V√∂lker trug einerseits den gewachsenen Identit√§ten beider Ethnien Rechnung; die F√ľhrung um Tito wollte damit auch ihre Massenbasis in den s√ľdlichen Landesteilen ausbauen. Andererseits sollte diese Ma√ünahme das √úbergewicht der Serben im neuen Jugoslawien verringern.

Ihre milit√§rischen Erfolge bewogen die Kommunisten nun auch, endg√ľltig mit der in London ans√§ssigen jugoslawischen Exilregierung zu brechen. K√∂nig Peter II. wurde die R√ľckkehr nach Jugoslawien verboten.

1944

Anfang 1944 trugen die Westm√§chte den Entwicklungen auf dem Balkan Rechnung: Der AVNOJ wurde als legitime Regierung und Vertreter Jugoslawiens in der Anti-Hitler-Koalition anerkannt, wenngleich der britische Premier auch dann noch versuchte, Politiker der Exilregierung zu unterst√ľtzen, damit diese an der Gestaltung der jugoslawischen Nachkriegsordnung beteiligt w√ľrden. Die Westalliierten lieferten nun verst√§rkt Waffen und Ausr√ľstung an die Tito-Partisanen.

Als Rum√§nien und Bulgarien im August bzw. September unter sowjetischem Druck Deutschland den Krieg erkl√§ren, wurde f√ľr die Rote Armee der Weg nach Jugoslawien frei. W√§hrend Titos Partisanen aus Bosnien nach Osten vorstie√üen, erreichte die Rote Armee am 1. Oktober 1944 serbisches Gebiet. Die deutschen Einheiten beschleunigten nun den R√ľckzug aus Griechenland, Albanien und dem S√ľden Jugoslawiens, um nicht vom Reich abgeschnitten zu werden. Am 20. Oktober r√ľckten jugoslawische und sowjetische Truppen fast gleichzeitig in Belgrad ein. Der AVNOJ verlegte als provisorische Regierung seinen Sitz in die Hauptstadt und √ľbernahm die Verwaltung der befreiten Gebiete. Ein sowjetisches Besatzungsregime gab es in Jugoslawien nicht. Im Herbst 1944 flohen die meisten Deutschen aus der Vojvodina und aus Slawonien ins Reich.

Ein Jahr nach Formulierung der Beschl√ľsse von Jajce wurden diese am 21. November 1944 in Belgrad in √ľberarbeiteter Form bekr√§ftigt. Einer der Beschl√ľsse war der Erlass √ľber den √úbergang feindlichen Verm√∂gens in Staatseigentum und die staatliche Verwaltung des Verm√∂gens abwesender Personen sowie die Beschlagnahme des von den Besatzungsm√§chten gewaltsam entfremdeten Verm√∂gens. Gem√§√ü diesem Beschluss wurde mit der Enteignung s√§mtlichen Verm√∂gens des Deutschen Reiches und seiner Staatsb√ľrger in Jugoslawien sowie des Besitzes der Angeh√∂rigen der deutschen Minderheit begonnen. Ausgenommen waren nur Deutsche, die in den Reihen der Nationalen Befreiungsarmee und der Partisaneneinheiten Jugoslawiens gek√§mpft hatten. Dies waren nur wenige hundert Leute. Auch das Verm√∂gen der Kriegsverbrecher sollte ohne R√ľcksicht auf deren Staatsb√ľrgerschaft zugunsten des Staates beschlagnahmt werden. Im Februar 1945 wurde dieser Erlass von 1944 im Gesetzblatt Jugoslawiens ver√∂ffentlicht und erlangte Rechtskraft. Die Regelungen fanden dann Eingang in das Konfiszierungsgesetz vom 9. Juni 1945 und in das Gesetz zur Agrarreform vom 23. August 1945.

Im Dezember 1944 war auch Montenegro von den feindlichen Truppen befreit.

1945

Die K√§mpfe um die Befreiung Jugoslawiens dauerten noch bis zur endg√ľltigen Kapitulation am 8. Mai 1945 an. Dabei trat wieder der Aspekt des innerjugoslawischen B√ľrgerkriegs in den Vordergrund. Es standen nur mehr wenige kampff√§hige deutsche Verb√§nde im Land, aber viele Angeh√∂rige der kroatischen Heimwehr, der Ustascha und slowenische Kollaborateure wehrten sich bis zuletzt gegen die unausweichliche Niederlage, weil sie - zu Recht - die grausame Rache der kommunistischen Truppen f√ľrchteten.

Tito und seine Parteigenossen setzten die jugoslawische Befreiungsarmee Anfang 1945 f√ľr zwei unterschiedliche Belange ein: Zum einen sollten die Truppen vor den Alliierten in jene Gebiete vordringen, die Jugoslawien bei den kommenden Friedensverhandlungen f√ľr sich beanspruchen wollte. So wurden noch in den ersten Maitagen Istrien, Triest und einige Orte in K√§rnten besetzt. Allerdings erzwangen die Briten umgehend den R√ľckzug aus K√§rnten und aus Triest.

Während der kurzen jugoslawischen Besatzungszeit kam es in der Gegend von Triest zu zahlreichen Morden an Italienern, die in den Jahren zuvor vermeintliche oder tatsächliche Mörder und Peiniger der slowenischen Minderheit in jener Region gewesen waren. Die italienische Minderheit in Istrien wurde von den Partisanen drangsaliert und teilweise wild enteignet. Viele Italiener flohen noch 1945 von der Halbinsel; der Auswanderungsstrom hielt noch mehr als ein Jahrzehnt an, so dass in der Gegenwart nur mehr sehr wenige Italiener in Istrien leben.

Den Schlusspunkt des Zweiten Weltkriegs bildete f√ľr Jugoslawien das Massaker von Bleiburg. Tausende nach K√§rnten geflohene Soldaten der Ustascha und der slowenischen Heimwehr wurden von den Briten vereinbarungsgem√§√ü an die Tito-Partisanen ausgeliefert und von diesen am 15. Mai 1945 ermordet. Etwa 200 000 Angeh√∂rige der deutschen Minderheit waren bei Kriegsende noch im Land. Die meisten Deutschen wurden vom Tito-Regime in Lagern interniert; mehr als ein Viertel der Internierten starb bis zur Aufl√∂sung der Lager im Jahr 1948. Ein Gro√üteil der √úberlebenden wurde danach zu mehrj√§hriger Zwangsarbeit verpflichtet.

Kriegsverluste

Bereits 1943 beschloss der AVNOJ die Gr√ľndung einer Staatskommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen der Besatzer und ihrer Helfer. Auf Republikebene wurden sp√§ter √§hnliche Kommissionen gegr√ľndet, die Zahlen und Beweismaterial √ľber Kriegsverbrechen sammelten, jedoch nur solche, die den Okkupationsm√§chten und deren Verb√ľndeten anzulasten waren, Opfer der Partisanen blieben unber√ľcksichtigt. Die gesammelten Daten wurden nie ver√∂ffentlicht. Die nach dem Krieg h√§ufig genannte Zahl von 1,7 Millionen Kriegstoten in Jugoslawien beruhte auf einer Sch√§tzung des sogenannten demographischen Verlusts und ist erheblich zu hoch; ein 1964 vom jugoslawischen statistischen Bundesamt erstelltes Verzeichnis von Ziviltoten und gefallenen Partisanen umfasste 1,1 Mio. Kriegsopfer, festgestellt werden konnten aber nur 597.323 Todesf√§lle, daraus schloss man, dass etwa 25-40 % der Opfer im Verzeichnis nicht erfasst worden waren, und sch√§tzte die Gesamtzahl auf 800.000. Die Ergebnisse der Untersuchung blieben bis 1993 unter Verschluss, von dem Verzeichnis existierten nur 10 Exemplare. Erst die Bev√∂lkerungswissenschaftler B. Końćovińá (1985) und V.ŇĹerjavińá (1989) legten genauere Zahlen vor. Danach gab es die verh√§ltnism√§√üig meisten Opfer unter der Roma-Bev√∂lkerung, gefolgt von den Juden. Unter den slawischen V√∂lkern hatten die Montenegriner die meisten Opfer zu beklagen, gefolgt von Serben und Muslimen[3].

Nation B.Końćovińá V.ŇĹerjavińá
Albaner 6 000 18 000
Bulgaren 1 000 -
Italiener 1 000 -
Juden 60 000 57 000
Kroaten 207 000 192 000
Mazedonier 7 000 6 000
Montenegriner 50 000 20 000
Muslime 86 000 103 000
Polen 2 000 1 000
Roma 27 000 18 000
Rumänen/Walachen 4 000 -
Russen/Ukrainer 5 000 5 000
Serben 487 000 530 000
Slowenen 32 000 42 000
Tschechen/Slowaken 4 000 1 000
T√ľrken 3 000 2 000
Ungarn 5 000 2 000
Volksdeutsche 26 000 28 000
Andere 1 000 2 000
Gesamt 1.014.000 1.027.000[4]

Die militärischen Verluste der Besatzer bis Ende September 1944 werden auf 31.000 bis 32.000 Gefallene und Vermißte geschätzt, je zur Hälfte deutsche und italienische Verluste[2]

Grund f√ľr die verh√§ltnism√§√üig hohen Verluste war die asymmetrische Kriegsf√ľhrung der Partisanenverb√§nde und der Truppen der Achsenm√§chte. Es gab keine festen Fronten und praktisch das ganze Land war permanent Kriegsgebiet. Die deutschen Truppen und die Ustascha r√§chten ihre Verluste oft, indem sie die Einwohner ganzer Ortschaften mit der Begr√ľndung ermordeten, diese h√§tten die Partisanen unterst√ľtzt. Auch die Vertreibung ganzer Volksgruppen aus bestimmten Landesteilen forderte viele Opfer. Dar√ľber hinaus wurden hunderttausende Serben sowie viele Zehntausend Juden und Zigeuner von den faschistischen, kroatischen Ustascha in Konzentrationslagern ermordet. Auch die K√§mpfe der verfeindeten innerjugoslawischen Gruppen (Tito-Partisanen, Tschetniks, Domobrani u. a.) trugen zur gro√üen Zahl der Kriegsopfer in Jugoslawien bei.

Flagge Jugoslawiens 1945-1991

Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien

Vom Kriegsende bis zum Bruch mit der Sowjetunion (1948)

Die Etablierung der neuen Ordnung

Hatten die jugoslawischen Kommunisten auf Druck der Westalliierten im M√§rz 1945 noch der Bildung einer √úbergangsregierung, in der auch Nichtkommunisten sa√üen, zustimmen m√ľssen, gingen sie nach Kriegsende unter F√ľhrung Titos z√ľgig daran, die Macht in ihren H√§nden zu monopolisieren. Ein erster Schritt dazu war die physische Ausschaltung politischer Gegner. Nicht nur in Bleiburg sondern in vielen Teilen Jugoslawiens wurden kurz vor und kurz nach Kriegsende viele Menschen ermordet, die im Krieg auf der Gegenseite gek√§mpft hatten.

Im Jahr 1945 begannen auch die Enteignungen und Verstaatlichungen der jugoslawischen Unternehmen. Die gesamte Industrie, die Banken und die Bergwerke wurden verstaatlicht. Wegen Kollaboration mit dem Feind wurden die Angeh√∂rigen der deutschen Minderheit komplett enteignet. Von der Enteignung betroffen waren auch die Kirchen und die muslimischen Vakufs. Auch der Besitz der ermordeten Juden wurde in Staatseigentum √ľberf√ľhrt. Im Rahmen einer Bodenreform wurde der eingezogene Landbesitz zu einem erheblichen Teil an neu gebildete landwirtschaftliche Kooperativen und Staatsg√ľter √ľbergeben.

Obwohl offiziell noch nicht √ľber die k√ľnftige Staatsorganisation entschieden war, wurden schon im Laufe des Jahres 1945 die Regierungen der neu zu bildenden Teilrepubliken etabliert. Es handelte sich dabei um die regionalen F√ľhrungsgremien des AVNOJ. So waren zum Beispiel die Mitglieder des ASNOM nach dem Krieg die erste Regierung Mazedoniens. Am 11. November 1945 wurde die verfassunggebende Nationalversammlung gew√§hlt. Schon diese ersten Wahlen waren weder frei noch geheim: In jedem Wahllokal standen zwei Wahlurnen bereit, eine f√ľr die Einheitsliste der kommunistisch beherrschten Volksfront und eine andere, f√ľr die Opposition, die jedoch keine Kandidaten hatte aufstellen d√ľrfen. Unter diesen Bedingungen erhielt die Volksfront 90 Prozent der Stimmen.

Noch am selben Tag wurde die Föderative Volksrepublik Jugoslawien ausgerufen. Am 29. November 1945 schaffte die verfassunggebende Versammlung die Monarchie offiziell ab und wählte Tito zum ersten Ministerpräsidenten der Republik. Erster Staatspräsident wurde Ivan Ribar. Am 15. Januar 1946 wurde die neue sozialistische Verfassung Jugoslawiens verabschiedet. Zur Föderation gehörten Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro als Teilrepubliken mit jeweils eigenen Verfassungen. In Serbien wurden die zwei autonomen Provinzen Vojvodina (Autonomna pokrajina Vojvodina) und Kosovo (Autonomna kosovsko-metohijska oblast) errichtet.

Klammer des nach wie vor sprachlich, kulturell und wirtschaftlich √§u√üerst heterogenen f√∂deralen jugoslawischen Staatsverbandes war die Macht der kommunistischen Partei unter ihrem charismatischen F√ľhrer Tito. Der zentralistische Parteiapparat bildete des Gegengewicht zur f√∂deralen Staatsstruktur. Ihren Herrschaftsanspruch begr√ľndeten die Partei und ihr F√ľhrer mit dem intensiv gepflegten Partisanenmythos: Unter F√ľhrung der Kommunisten hatten sich die V√∂lker Jugoslawiens selbst vom Faschismus befreit und die neue staatliche Ordnung errichtet. Erfolgreich war dieser Mythos nicht zuletzt deshalb lange Zeit, weil er in Teilen ja der Realit√§t entsprach, wenngleich entscheidende Teile der Geschichte dabei bewusst verschwiegen wurden.

Tito wusste, dass die alte Idee des Jugoslawismus durch die politische Realit√§t in der Zwischenkriegszeit v√∂llig diskreditiert war, denn das erste Jugoslawien war ein von den alten serbischen Eliten dominierter Staat gewesen. Dem partikularen Nationalismus der einzelnen V√∂lker setzten Tito und die Parteif√ľhrung die Parole bratstvo i jedinstvo (Br√ľderlichkeit und Einheit) aus der Zeit des Partisanenkampfes als zentrales Element der neuen Staatsideologie entgegen, ohne auf die Verschmelzung der V√∂lker zu einer unitarischen Nation zu dr√§ngen. Als internationalistischer Kommunist glaubte Tito, dass sich im Sozialismus gem√§√ü der Lehre Lenins nationale Probleme in relativ kurzer Zeit verfl√ľchtigen w√ľrden, zumal auf der Basis einer f√∂deralen Staatsordnung mit den Teilrepubliken als konstitutiven Elementen der staatlichen Ordnung und der KP als alleinigem Tr√§ger der Macht. [5] Bis zur endg√ľltigen L√∂sung der nationalen Frage im sozialistischen Sinne, sollte eine gut ausbalancierte Teilung der Macht zwischen den V√∂lkern der F√∂deration Stabilit√§t verleihen.

Freistaat Triest (1947-1954)

Neue Grenzen

Zu den Nachbarstaaten Ungarn, Rum√§nen, Bulgarien, Griechenland und Albanien wurden 1945 die alten Grenzen von vor dem Krieg wiederhergestellt. Kosovo wurde nach der Befreiung wieder mit Jugoslawien vereinigt, wie es die jugoslawischen und albanischen Kommunisten schon w√§hrend des Krieges vereinbart hatten. Im Januar 1945 schlossen beide Staaten dar√ľber einen Vertrag. Gebietsgewinne konnte Jugoslawien gegen√ľber Italien erlangen: Die 1918 an Italien gefallenen dalmatinischen Inseln und die Stadt Zadar wurden nun jugoslawisch, ebenso das schon in der Zwischenkriegszeit umstrittene Rijeka, der gr√∂√üte Teil der Halbinsel Istrien und kleinere Gebiete am Isonzo. Die neue Grenzziehung wurde im Friedensvertrag von Paris am 10. Februar 1947 festgeschrieben. Mit den territorialen Zugewinnen umfasste Jugoslawien nun rund 255.500 km¬≤. Weitergehenden Gebietsanspr√ľchen auf Teile K√§rntens und die Stadt Triest versagten die Alliierten ihre Zustimmung. Stattdessen wurden Triest und seine n√§here Umgebung zu einem Freistaat erkl√§rt, in dessen n√∂rdlicher H√§lfte britische und amerikanische Truppen standen, w√§hrend der S√ľden unter jugoslawischer Besatzung stand. Der Streit um dieses Gebiet pr√§gte noch f√ľr Jahrzehnte die schlechten jugoslawisch-italienischen Beziehungen.

Innerhalb Jugoslawiens mussten die Grenzen der neuen Teilrepubliken gezogen werden. Man richtete sich dabei weniger nach ethnischen Gegebenheiten als nach den historischen Grenzen aus der Zeit von vor 1918. An einigen Stellen ist man davon aber aus unterschiedlichen Gr√ľnden abgewichen.

Ziemlich genau dem alten Verlauf folgte die slowenisch-kroatische Grenze. An gleicher Stelle waren bis 1918 die L√§nder Krain und Steiermark an Kroatien gesto√üen. Diese Linie entsprach auch ungef√§hr der kroatisch-slowenischen Sprachgrenze. Nur im bisher italienischen Istrien wurde eine neue Grenze festgelegt. Slowenien erhielt die K√ľstenst√§de Koper, Izola und Piran. Die Republik Slowenien war so der ethnisch am wenigsten durchmischte Teilstaat der F√∂deration geworden. Fast 90 Prozent der Einwohner geh√∂rten der Titularnation an und es gab keine slowenischen Minderheiten in den anderen Teilrepubliken.

Administrative Gliederung Jugoslawiens
1945-1991

Die Teilrepublik Kroatien wurde aus dem alten Kroatien-Slawonien, Dalmatien und dem gr√∂√üten Teil Istriens gebildet. Syrmien wurde allerdings an die serbische Voivodina angeschlossen und das fr√ľher dalmatinische Gebiet an der Bucht von Kotor zu Montenegro geschlagen. Trotzdem umfasste das Territorium der Republik Gebiete mit bedeutenden serbischen Minderheiten, vor allem in Ostslawonien und in der Krajina.

Die Grenzen der Republik Bosnien-Herzegowina entsprachen genau dem alten Grenzverlauf in der √∂sterreichisch-ungarischen Zeit. Die Teilrepublik hatte keine Mehrheitsnation. Als sie 1945 errichtet wurde, kannte die kommunistische Nationalit√§tenpolitik auch noch keine bosnisch-muslimische Nation. Mit der Wiedererrichtung Bosniens wollte die Tito-Regierung weitere kroatisch-serbische Streitigkeiten um dieses Gebiet vermeiden. Ein Anschluss an Kroatien verbot sich von selbst, weil damit die Grenzen des Ustascha-Staats wiederaufgelebt w√§ren. Das w√§re sowohl f√ľr die kommunistischen Partisanen, die gerade dieses Regime erbittert bek√§mpft hatten, als auch f√ľr das serbische Volk eine Dem√ľtigung gewesen. Der Anschluss an Serbien wiederum h√§tte das serbische √úbergewicht in Jugoslawien erneuert, an dem der Staat 1939/41 zerbrochen war. Ohne die Existenz Bosniens w√§re das ohnehin recht fragile innere Gleichgewicht der jugoslawischen F√∂deration nie zustande gekommen.

Die neuen Grenzen Montenegros f√ľhrten zur Teilung des Sandschaks mit Serbien und verschafften der kleinsten Teilrepublik die Bucht von Kotor. V√∂llig ohne historisches Vorbild war die Nordgrenze der neu geschaffenen Teilrepublik Mazedonien. Sie folgte in etwa der serbisch-mazedonischen Sprachgrenze. W√§hrend sich die S√ľdgrenze der autonomen Provinz Vojvodina an der serbisch-ungarischen Grenze von vor 1918 orientierte, wurde die Provinzgrenze Kosovos v√∂llig neu gezogen. Zwar hatte es in osmanischer Zeit einmal ein Vilayet Kosovo gegeben; die neue Provinz trug aber nur denselben Namen.

Außenpolitik

Die jugoslawische Au√üenpolitik der unmittelbaren Nachkriegszeit war von zahlreichen Konflikten gekennzeichnet. Durch den Anspruch, Jugoslawien als starke und unabh√§ngige Regionalmacht in S√ľdosteuropa zu etablieren, geriet Tito bald mit den ehemaligen Verb√ľndeten der Anti-Hitlerkoalition aneinander. Anders als von Churchill und Stalin noch bei auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 geplant, gab sich der jugoslawische Regierungschef n√§mlich nicht zufrieden damit, dass sein Land als von den Gro√üm√§chten abh√§ngiger Pufferstaat fungieren sollte. Zun√§chst versuchte Tito die jugoslawischen Grenzen so weit als m√∂glich nach Nordwesten vorzuschieben; er konnte aber seine Ziele aufgrund des Widerstands von Briten und Amerikanern nur teilweise verwirklichen. Noch bis 1951 forderte Jugoslawien vergeblich, dass √Ėsterreich Gebiete in S√ľdk√§rnten abtreten solle.

In S√ľdosteuropa wollte Tito eine Balkanf√∂deration unter jugoslawischer F√ľhrung errichten. Dazu sollten auch Bulgarien, Albanien und eventuell ein Gro√ümazedonien geh√∂ren. Die Mazedonienfrage war wegen des griechischen B√ľrgerkriegs wieder offen. Jugoslawien unterst√ľtzte seit 1946 die griechischen Kommunisten, die gerade im Norden Griechenlands (√Ąg√§is-Mazedonien) stark waren und nicht zuletzt unter den Angeh√∂rigen der slawischen Minderheit viele Anh√§nger hatten. Zu Anfang hatte das jugoslawische Engagement in Griechenland das Wohlwollen Stalins; auch die Sowjetunion lieferte Waffen an die dortigen Kommunisten, w√§hrend die USA und Gro√übritannien in diesem Stellvertreterkrieg die Gegenseite unterst√ľtzten.

Mit dem bulgarischen Ministerpr√§sidenten Georgi Dimitrow verhandelte Tito Anfang 1947 √ľber die Bildung der Balkanf√∂deration. Das Bindeglied in dieser geplanten F√∂deration der in der Geschichte oft verfeindeten s√ľdslawischen V√∂lker sollte das vorerw√§hnte Gro√ümazedonien werden, zu dem Bulgarien seinen Anteil (das so genannte Pirin-Mazedonien) beisteuern sollte. Im Sommer unterzeichneten Tito und Dimotrow einen Freundschaftsvertrag ihrer beiden L√§nder und es schien als sollte die Balkanf√∂deration bald Wirklichkeit werden.

Am weitesten gediehen waren Titos Ambitionen in Albanien. Der kommunistische Kleinstaat trat 1945 in enge Beziehungen zu Jugoslawien, die schon w√§hrend des Krieges zwischen den Partisanenbewegungen beider kommunistischer Parteien gekn√ľpft worden waren. Durch den Freundschaftsvertrag vom Juli und die W√§hrungsunion im November 1946 wurde Albanien ganz an den jugoslawischen Wirtschaftsraum angeschlossen. (Details vgl. Geschichte Albaniens)

Ende 1947 √§nderte Stalin seine Balkanpolitik. Zum einen gab er die Sache der Kommunisten im griechischen B√ľrgerkrieg verloren, zum anderen wollte er den eigenst√§ndig und selbstbewusst auftretenden jugoslawischen Staatschef in seine Schranken verweisen. Am 10. Februar 1948 waren hochrangige Parteidelegationen aus Bulgarien und Jugoslawien nach Moskau zitiert worden und in scharfer Form von Stalin f√ľr ihre Politik ger√ľgt worden. Tito und Dimitrow h√§tten, ohne Moskau zu konsultieren, eine Reihe eigenm√§chtiger Aktionen innerhalb der sowjetischen Machtsph√§re unternommen (Vorbereitung der Balkanf√∂deration, jugoslawisch-bulgarischer Freundschaftsvertrag, Verlegung jugoslawischer Truppen nach Albanien und nicht zuletzt Unterst√ľtzung der griechischen Partisanen). W√§hrend Dimitrow sich Stalin beugte und "seine Fehler" eingestand, verlie√ü die jugoslawische Delegation Moskau ohne irgendwelche Zusagen. Der Konflikt zwischen Belgrad und Moskau versch√§rfte sich in den folgenden Wochen weiter, weil Tito und mit ihm das jugoslawische ZK nicht bereit waren, sich den sowjetischen Vorgaben unterzuordnen. Daraufhin wurde die jugoslawische Partei im Juni 1948 aus dem Kominform ausgeschlossen. Albanien und Bulgarien dagegen wurden wieder Satelliten der Sowjetunion und brachen ihrerseits mit Jugoslawien.

Tito und seine Partei hatten gegen√ľber der Sowjetunion ihre Eigenst√§ndigkeit zwar behaupten k√∂nnen, wodurch sie im Westen an Prestige gewannen, das au√üenpolitische Konzept Jugoslawiens, Vormacht auf dem Balkan zu werden, war aber gescheitert, denn Griechenland wurde in die NATO integriert, w√§hrend die √ľbrigen s√ľdosteurop√§ischen Staaten nun um so fester in den sowjetischen Machtbereich eingebunden waren.

Innenpolitik

Nach der kommunistischen Macht√ľbernahme lie√ü die jugoslawische Regierung √ľberall im Land Tribunale zur Aburteilung der Kriegsverbrecher und Kollaborateure abhalten. Die kaum rechtsstaatlich zu nennenden Verfahren nutzten die Kommunisten auch zur Beseitigung innenpolitischer Gegner, die unter dem Vorwurf der Kollaboration mit den Nazis zu Lagerhaft oder gar zum Tod verurteilt wurden. Durch diese S√§uberungen war die Macht der Kommunisten schon im Jahr 1946 v√∂llig unangefochten.

In den ersten Jahren nach dem Krieg √ľbernahm die jugoslawische Regierung zum gro√üen Teil die sowjetischen Vorstellungen und Methoden im Bereich der Wirtschaft. Bis zum Dezember waren fast alle Bergwerke, Produktionsst√§tten, Gesch√§fte und Banken in Staatsbesitz √ľberf√ľhrt. Nur gegen√ľber den Bauern, die den gr√∂√üten Teil der jugoslawischen Bev√∂lkerung bildeten, verhielt sich Tito vorsichtiger als Stalin bei der Kollektivierung der sowjetischen Landwirtschaft in den 30er Jahren. Die jugoslawischen Bauern durften ihr Land behalten. Gleichwohl wurden sie von Gemeindebeamten und Agitatoren der Partei bedr√§ngt, sich den sozialistischen Genossenschaften anzuschlie√üen. Bauern, die solche Genossenschaften gr√ľndeten, erhielten auch Investitutionszusch√ľsse vom Staat.

Nach dem stalinistischen Modell forcierten die jugoslawischen Kommunisten die schnelle Industrialisierung des Landes. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Schwerindustrie, die besonders in den unterentwickelten Regionen im S√ľden des Landes angesiedelt werden sollte. Die daf√ľr notwendigen Investitionsmittel stammten zu einem guten Teil aus den Reparationszahlungen, sowjetischen Krediten und Gewinnen aus dem Rohstoffexport. Der Au√üenhandel wurde ganz auf den sowjetischen Block ausgerichtet. Wie in der Planwirtschaft √ľblich wurden alle Erzeuger- und Verbraucherpreise vom Staat festgelegt. 1947 wurde ein erster F√ľnfjahresplan aufgelegt. Dieser wurde aber schon 1948 obsolet, als sich durch den Bruch mit der Sowjetunion nicht nur die politischen, sondern auch die au√üenwirtschaftlichen Bedingungen komplett √§nderten. Kurze Zeit sp√§ter (1951) wurde auch der Versuch aufgegeben, die gesamte jugoslawische Landwirtschaft zu kollektivieren. Mehr als die H√§lfte der √Ącker wurde bis zum Zerfall des Landes immer von privaten Kleinbauern bewirtschaftet.

Im Zuge des Konflikts mit der Sowjetunion kam es 1948 zu innerparteilichen Auseinandersetzungen in der kommunistischen Partei. Die Titoisten setzten sich gegen die prosowjetischen Kr√§fte durch. Nach dem Ausschluss der Jugoslawen aus dem Kominform lie√ü Tito seine innerparteilichen Gegner verfolgen. In Abst√§nden wiederholten sich derartige gro√ü angelegte S√§uberungswellen in der Partei bis in die 70er Jahre. 1949 wurde auf der Adria-Insel Goli Otok ein geheimes Lager f√ľr politische Gefangene eingerichtet.

Von 1949 bis zum Tod Titos 1980

In den drei Jahrzehnten bis zum Tod Titos machte Jugoslawien nach innen und au√üen den Eindruck, als sei es ein gefestigter Staat mit einer positiven Entwicklung. Weltweite Anerkennung fand die jugoslawische Au√üenpolitik, insbesondere das Engagement in der Bewegung der blockfreien Staaten. Von den USA und ihren Verb√ľndeten wurde Jugoslawien vor allem positiv gesehen und wirtschaftlich unterst√ľtzt, weil es - abgesehen von China - das einzige sozialistische Land war, das nicht unter der sowjetischen Vorherrschaft stand. Dar√ľber hinaus galt ihnen die kommunistische Herrschaft in Jugoslawien als vergleichsweise liberal. Und tats√§chlich hatten die Jugoslawen auch mehr pers√∂nliche Freiheiten als die B√ľrger der meisten Ostblockstaaten. Viele Linke in den westlichen Staaten sahen im jugoslawischen System mit seiner breit angelegten kollektiven Selbstverwaltung das positive Beispiel f√ľr den real existierenden Sozialismus.

Im Ausland wurde kaum wahrgenommen, dass auch Jugoslawien eine Ein-Parteien-Diktatur war, in der sich noch dazu die Macht in den H√§nden eines F√ľhrers konzentrierte, und viele ausl√§ndische Beobachter √ľbersahen auch eine Reihe von Krisenerscheinungen, die schlie√ülich in den 80er Jahren zum Zerfall des Staates entscheidend beigetragen haben. Zu nennen sind vor allem:

  • die schmale Legitimationsbasis der jugoslawischen Staatsidee, die sich haupts√§chlich auf die charismatische F√ľhrerfigur Tito und den Partisanenmythos gr√ľndete;
  • die verfehlte Wirtschafts- und Sozialpolitik, die zu einer immens hohen Staatsverschuldung f√ľhrte, ohne dass eine konkurrenzf√§hige Industrie aufgebaut und eine Angleichung der Lebensverh√§ltnisse in den verschiedenen Landesteilen erreicht wurde;
  • die ungel√∂sten nationalen Konflikte, die nach dem Zweiten Weltkrieg nur ideologisch √ľbert√ľncht bzw. aus dem √∂ffentlichen Diskurs verdr√§ngt, nie aber aufgearbeitet wurden.

Außenpolitik

Nach dem Bruch mit dem sowjetischen Block war Jugoslawien Anfang 1949 au√üenpolitisch v√∂llig isoliert. Die Sowjetunion versuchte mit subversiven Mitteln den jugoslawischen Staat zu destabilisieren. In Radiosendungen auf Serbokroatisch wurden Tito und seine Genossen als Verr√§ter am Sozialismus gebrandmarkt. Dar√ľber hinaus versuchte man Unzufriedenheit unter den Angeh√∂rigen der albanischen, ungarischen und ruthenischen Minderheiten zu sch√ľren. Sowjetische Truppen wurden an den √∂stlichen Grenzen Jugoslawiens stationiert. Die Gefahr eines sowjetischen √úberfalls und die Wirtschaftsblockade des sozialistischen Lagers bewogen Tito, eine radikale Wende in der Au√üenpolitik zu vollziehen und den Ausgleich mit dem Westen zu suchen.

Im Sommer 1949 beendete Jugoslawien die Unterst√ľtzung der kommunistischen Partisanen in Griechenland, woraufhin der B√ľrgerkrieg im s√ľdlichen Nachbarland bald zum Ende kam. In der Triest-Frage zeigte Belgrad sich kompromissbereit, und in den UNO-Versammlungen lie√ü Tito seinen Botschafter immer √∂fter gegen die Sowjetunion stimmen. Der Westen zeigte sich erfreut √ľber diese Wendung und sandte Lebensmittelhilfen nach Jugoslawien, wodurch eine drohende Hungersnot im Jahr 1950 abgewendet werden konnte. Die Amerikaner leisteten dann Wirtschaftshilfe und vermittelten Kredite der Weltbank. Gleichzeitig begann damit das jugoslawische Handelsbilanzdefizit mit den L√§ndern des kapitalistischen Lagers. Seit 1951 lieferten die USA Waffen an Jugoslawien. Die Volksbefreiungsarmee wurde in den folgenden Jahren zu einer der st√§rksten Armeen in Europa aufger√ľstet, deutlich √ľbertroffen nur von der Roten Armee. Im November 1951 schlossen die USA und Jugoslawien ein Abkommen √ľber die milit√§rische Zusammenarbeit.

Westliche Hilfszahlungen an Jugoslawien wurden ab 1949 f√ľr Jahrzehnte zur festen Institution ‚Äď ab 1960 √ľbernahm die EG die Rolle des Geldgebers von den USA ‚Äď und trugen wesentlich zur Scheinbl√ľte des jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus in den 60er und 70er Jahren bei.[6]

Jugoslawien n√§herte sich auch den beiden nicht kommunistischen L√§ndern in S√ľdosteuropa an. Am 28. Februar 1953 wurde der dreiseitige Balkanpakt mit der T√ľrkei und dem ehemaligen Gegner Griechenland geschlossen. Dieses B√ľndnis wurde 1954 auf 20 Jahre verl√§ngert, die milit√§rische und politische Zusammenarbeit flaute aber sp√§ter ab, als die direkte sowjetische Bedrohung im s√ľdosteurop√§ischen Raum in der √Ąra Chruschtschow Ende der 50er Jahre nachlie√ü. Im Oktober 1954 kam es mit Italien auch zu einem vorl√§ufigen Ausgleich √ľber Triest. Das Gebiet des Freisstaats wurde aufgeteilt. Jugoslawien behielt seine Besatzungszone in Istrien mit Koper und Piran. Die Stadt Triest dagegen kam wieder unter italienische Herrschaft.

Das Jahr 1954 bildete den H√∂hepunkt der jugoslawischen Ann√§herung an den Westen. Die angebotene NATO-Mitgliedschaft lehnte Tito aber ab. Um sich au√üenpolitische Spielr√§ume zwischen Ost und West zu er√∂ffnen, bem√ľhte sich die jugoslawische Diplomatie um gute Beziehungen zu den gro√üen Staaten der dritten Welt (Indien, Indonesien, √Ągypten u. a.). Erstes Resultat dieser Bem√ľhungen waren die Handelsabkommen mit Indien aus den Jahren 1953 und 1956.

Die Bedrohung Jugoslawiens durch die Sowjetunion war mit dem Einsetzen der so genannten Tauwetter-Periode viel geringer geworden. Im Fr√ľhjahr 1955 besuchte der neue sowjetische Machthaber Nikita Chruschtschow Belgrad, um die Vers√∂hnung der beiden Staaten zu demonstrieren. Tito hielt aber trotzdem weiterhin Distanz zur kommunistischen F√ľhrungsmacht und ebenso zu den Westm√§chten. 1955 lief die amerikanische Milit√§rhilfe aus. Nach dem ungarischen Aufstand 1956 versch√§rfte Moskau den Druck auf Jugoslawien wieder. Als au√üenpolitisches Zugest√§ndnis musste die jugoslawische Regierung 1957 gegen die eigenen wirtschaftlichen Interessen die DDR diplomatisch anerkennen, was zum Abbruch der Beziehungen seitens der Bundesrepublik Deutschland f√ľhrte (Wiederaufnahme 1968).

Rumänisch-jugoslawisches Kraftwerk: Staumauer am Eisernen Tor

Zusammen mit dem indischen Präsidenten Jawaharlal Nehru und dem ägyptischen Staatschef Gamal Abdel Nasser baute Tito in dieser Zeit die Bewegung der blockfreien Staaten auf. Am 19. Juli 1956 unterzeichneten die drei Präsidenten die Brioni-Deklaration, in der sie die Grundsätze ihrer Kooperation zusammengefasst hatten. 1961 fand in Belgrad eine große Zusammenkunft der Staatschefs aus der Blockfreien-Bewegung statt.

Die Niederschlagung des Prager Fr√ľhlings im August 1968 wurde von Jugoslawien scharf verurteilt, wodurch die Beziehungen zu Moskau neuerlich einen Tiefpunkt erreichten. Rum√§nien, das sich ebenfalls gegen die Intervention ausgesprochen hatte, wurde in den folgenden Jahren zum engsten Partner Jugoslawiens im sozialistischen Lager. Das Donaukraftwerk am Eisernen Tor (fertiggestellt 1971) war das wichtigste Gemeinschaftsprojekt beider Staaten. Zu Bulgarien, Moskaus treuesten Vasall in S√ľdosteuropa, blieben die Beziehungen seit dem Scheitern der Balkankonf√∂derationspl√§ne und dem Tod Dimitroffs immer gespannt. Jedes Mal wenn das jugoslawisch-sowjetische Verh√§ltnis eine neuerliche Krise erlebte, brachten die Bulgaren ihre mazedonischen Anspr√ľche vor.

Innenpolitik

W√§hrend des VII. Parteikongresses im Jahr 1952 vollzog die jugoslawische KP die f√∂rmliche Abkehr vom Stalinismus und wurde in Bund der Kommunisten (BdKJ) umbenannt. Der f√∂derale Staatsaufbau des sozialistischen Jugoslawien sollte so auch im Namen der herrschenden Partei zum Ausdruck kommen. Offiziell waren seit dem Parteitag innerhalb des BdKJ auch Meinungspluralismus und politische Diskussionen zugelassen. Wenn der Diskurs aber gewisse nicht klar definierte Grenzen √ľberschritt, wurden unbotm√§√üige Mitglieder jedoch nach wie vor abgestraft. Dies galt insbesondere f√ľr bald wieder zu Tage tretende Nationalit√§tenkonflikte, aber auch f√ľr Liberalisierungstendenzen in einigen Teilrepubliken. Schon gar nicht durften das Machtmonopol der Kommunisten im jugoslawischen Einparteienstaat in Frage gestellt und der Staatsf√ľhrer Tito kritisiert werden.

Die F√∂deralisierung des Parteiapparats f√ľhrte dazu, dass aus den F√ľhrungen des BdKJ konkurrierende Machtbl√∂cke entstanden und von da ab standen nationale Konflikte immer wieder im Zentrum der politischen Auseinandersetzungen.

Im Januar 1953 √ľbernahm Tito auch das Amt des Staatspr√§sidenten, das ihm die Bundesversammlung sp√§ter mittels einer Verfassungs√§nderung auf Lebenszeit verlieh. 1954 st√ľrzte die Partei auf Gehei√ü ihres Vorsitzenden den Pr√§sidenten des f√∂deralen Parlaments Milovan ńźilas, der im Krieg und den ersten Jahren danach ein enger Vertrauter Titos gewesen war. ńźilas hatte sich 1953 in verschiedenen Medien kritisch √ľber die neu entstandene kommunistische Funktion√§rskaste ge√§u√üert, mit deren Hilfe Tito das Land beherrschte.[7] Nach Verb√ľ√üung einer mehrj√§hrigen Haftstrafe war ńźilas seit Ende der 60er Jahre als Dissident wieder publizistisch t√§tig. Seine aus Sicht eines Insiders geschriebenen Analysen √ľber den kommunistischen Machtapparat in Jugoslawien wurden im Westen viel gelesen.[8]

Begleitet von kleineren √Ąnderungen an der Bundesverfassung wurde der jugoslawische Staat 1963 in Sozialistische F√∂derative Republik Jugoslawien (Socijalistińćka Federativna Republika Jugoslavija/SFRJ) umbenannt.

Militär

Die Armee hatte im sozialistischen Jugoslawien eine starke Stellung. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg genossen ihre Offiziere, die fast alle Partisanen gewesen waren, hohes Ansehen. Weil Jugoslawien nach dem Bruch mit der Sowjetunion b√ľndnispolitisch isoliert war, hielt die F√ľhrung es f√ľr notwendig, die Mannschaftsst√§rke der Jugoslawischen Volksarmee hoch zu halten, damit sich das Land gegen eventuelle Angriffe aus dem Osten oder Westen wirksam verteidigen k√∂nne.

Mit dem Gesetz √ľber die Volksverteidigung von 1969 wurde in Jugoslawien die Landesverteidigung zweigleisig organisiert. Neben der 1986 210.000 Mann umfassenden Jugoslawischen Volksarmee wurde die so genannte Territorialverteidigung (Teritorijalna odbrana, TO) gebildet. Es handelte sich um paramilit√§rische Einheiten, deren Aufstellung und Ausbildung den Republiken und Gemeinden oblag. Laut Verfassung unterstanden aber die TO-Kr√§fte ebenso wie die Volksarmee der Bundesregierung. Aufgabe der Armee war es die territoriale Integrit√§t des Bundes nach au√üen aber auch die verfassungsm√§√üige Ordnung im Inneren zu sch√ľtzen. Die Verh√§ngung des Ausnahmezustands als Voraussetzung f√ľr das Eingreifen der Armee im Inneren musste jedoch vom kollektiven Staatspr√§sidium beschlossen werden. Im Offizierskorps der Volksarmee waren die Serben √ľberproportional vertreten. Auf Stabsebene waren, bei einem Anteil der Serben an der Gesamtbev√∂lkerung von etwa 36 %, mehr als die H√§lfte der Offiziere serbischer Nationalit√§t.

Wirtschaft

In der Wirtschaftsorganisation wandten sich die Kommunisten zumindest teilweise vom Zentralismus ab, und sie f√ľhrten auf Betriebsebene die so genannte Arbeiter-Selbstverwaltung ein. Formal wurden die staatliche Unternehmen zum Besitz ihrer Angestellten. Diese sollten √ľber Arbeiterr√§te an allen unternehmerischen Entscheidungen beteiligt sein. Die Betriebsdirektoren wurden freilich weiterhin vom Staat bestimmt und sie hatten ein Vetorecht gegen die Beschl√ľsse der Arbeiterr√§te. 1950 und 1951 beschloss das f√∂derale Parlament eine Reihe von Gesetzen zur Implementierung der kollektiven Selbstverwaltung, das im Laufe der Zeit auf nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche und auf die Gemeindeverwaltungen ausgedehnt wurde. 1953 √§nderte das Bundesparlament die F√∂derationsverfassung, um sie an das neue System anzupassen. Dadurch reduzierten sich die ohnehin schon geringen Kompetenzen der Republiksregierungen, hatten doch deren Zust√§ndigkeiten zu einem erheblichen Teil auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet gelegen, diese mussten nun an die Arbeiterr√§te der einzelnen Betriebe und die lokalen R√§te abgetreten werden.

1951 wurde die Kollektivierung der Landwirtschaft abgebrochen und ab 1953 gab es f√ľr ehemalige Einzelbauern sogar die M√∂glichkeit, aus bestehenden Kooperativen auszutreten. Davon machten innerhalb von 9 Monaten zwei Drittel der Betroffenen Gebrauch. Da nicht gen√ľgend Boden f√ľr alle Interessenten zur Verf√ľgung stand, begrenzte die Regierung den landwirtschaftlichen Privatbesitz auf 10 ha (vorher 25 ha). Dadurch wurde die Bildung effizienter mittelst√§ndischer Agrarbetriebe verhindert und die Leistungsf√§higkeit der jugoslawischen Landwirtschaft blieb im europ√§ischen Vergleich gering. Die gleichzeitig erfolgte Aufhebung des staatlichen Preissystems bewirkte aber zun√§chst einen signifikanten Anstieg der Agrarproduktion, weil f√ľr die Bauern der Verkauf ihrer Erzeugnisse sich wieder lohnte.

Das Hauptaugenmerk der jugoslawischen Wirtschaftspolitik lag jedoch auf dem Ausbau der Industrieproduktion, und bis Ende der 50er Jahre konnten hohe Wachstumsraten erzielten werden. Der Export von Industriewaren verdoppelte sich zwischen 1954 und 1960. Einen gro√üen Teil der dadurch gewonnenen Finanzmittel wurde f√ľr die Verbesserung der Lebensbedingungen aufgewandt. Man investierte in das Gesundheits- und Bildungssystem und importierte Konsumg√ľter. In den 80er Jahren geriet die jugoslawische Wirtschaft in eine tiefe Krise. Der Staat war im Ausland hoch verschuldet und die j√§hrliche Inflation stieg auf √ľber 50 Prozent.

Demographie

Vom Kriegsende bis in die sechziger Jahre gab es in allen Teilen Jugoslawiens ein hohes Bev√∂lkerungswachstum und Geburtenraten von mehr als drei Kindern je Frau, so dass die Kriegsverluste zahlenm√§√üig rasch ausgeglichen waren. Seit etwa 1970 zeigten sich beim Bev√∂lkerungswachstum deutlich Unterschiede zwischen den n√∂rdlichen und s√ľdlichen Republiken. Die demographischen Kennziffern in Slowenien, Kroatien und Serbien glichen nun mehr den mitteleurop√§ischen, d. h., die Geburtenrate sank und die Lebenserwartung stieg, die Bev√∂lkerung wurde im Durchschnitt √§lter. Die Wachstumsrate lag 1981 nur mehr bei 0,39 Prozent pro Jahr.

In den s√ľdlichen Landesteilen Mazedonien, Montenegro, Bosnien und Kosovo dagegen setzte sich die Tendenz aus der Nachkriegszeit fort: hohe Geburtenraten sorgten f√ľr schnelles Bev√∂lkerungswachstum und einen geringen Altersdurchschnitt. Die s√ľdlichen Teilrepubliken hatten 1981 eine Wachstumsrate von fast 1,5 Prozent per annum. Am h√∂chsten war das Bev√∂lkerungswachstum bei den Albanern im Kosovo und in Mazedonien. Hatte ihr Anteil an der gesamtjugoslawischen Bev√∂lkerung 1921 weniger als 4 Prozent betragen, stieg dieser bis 1990 auf √ľber 8 Prozent an.

1968 schloss die Bundesrepublik Deutschland mit Jugoslawien ein Anwerbeabkommen f√ľr Gastarbeiter. Auch die Schweiz, √Ėsterreich und Schweden gingen √§hnliche Vertr√§ge ein. Bei der Volksz√§hlung von 1971 wurde festgestellt, dass bereits 700.000 jugoslawische Staatsb√ľrger im Ausland lebten. Unter den Auswanderern waren bis auf die Slowenen alle V√∂lker Jugoslawiens stark vertreten.

Etwa zur gleichen Zeit nahm auch die Binnenmigration zu. Aus den s√ľdlichen Teilrepubliken kommend siedelten sich zahlreiche Bosnier, Mazedonier, Montenegriner und Albaner in den slowenischen und kroatischen Industriezentren sowie in der Vojvodina und im Gro√üraum Belgrad an.

Ethnische Struktur des sozialistischen Jugoslawiens
(1971)[9]
Nationen ("Staatsvölker")
davon: Serben 8,14 Mio. 39,7 %
Kroaten 4,53 Mio. 22,1 %
Slowenen 1,68 Mio. 8,15 %
Slawische Muslime 1,73 Mio. 8,4 %
Mazedonier (slawische Ethnie) 1,19 Mio. 5,8 %
Montenegriner 509.000 2,5 %
Nationalitäten (nichtjugoslawische Minderheiten)
davon: Magyaren 479.000 2,3 %
Albaner 1,31 Mio. 6,5 %
Andere Nationalit√§ten[10] 270.000 1,35 %
Gesamt 20,52 Mio.[11]

Nationalitätenpolitik

Sowohl die aus der Zeit von vor 1945 ererbten Konflikte zwischen den einzelnen Ethnien als auch die f√∂derale Staatskonstruktion f√ľhrte dazu, dass Nationalit√§tenfragen st√§ndig auf der politischen Agenda standen. Die Zentralregierung konnte nicht verhindern, dass die Republiksf√ľhrungen ihre Partikularinteressen national aufluden und bis zur Obstruktion gegen√ľber anderen Republiken und dem Bund verfochten. Tito unternahm w√§hrend seiner langen Herrschaft mehrere gro√ü angelegte Versuche zur Befriedung der Nationalit√§tenkonflikte, ohne dass dieses Diktat von oben dauerhaften Erfolg zeitigte.

In den ersten 15 Jahren nach dem Krieg war der unitarische Jugoslawismus fester Bestandteil der Ideologie. Man ging davon aus, dass die verschiedenen Volksgruppen unter sozialistischen Bedingungen alsbald zu einer einheitlichen jugoslawischen Nation verschmelzen w√ľrden. Deshalb wurde der nach Kriegsende als Verfassungsorgan eingerichtete Nationalit√§tenrat schon 1953 als √ľberfl√ľssig wieder abgeschafft. Erst mit der neuen Bundesverfassung von 1963 und dem 1964 verabschiedeten Parteistatut wurden formal Voraussetzungen f√ľr mehr Eigenst√§ndigkeit der Republiken und der Parteiorganisationen in den Republiken geschaffen. Von da an versuchte Tito den nationalen Divergenzen durch St√§rkung der f√∂deralen Elemente im Staatsaufbau zu begegnen.

Die entscheidenden Charakteristika der Nationalitätenpolitik im sozialistischen Jugoslawien waren:

1. Die V√∂lker und Ethnien verf√ľgten zwar √ľber Gruppenrechte, was die Ber√ľcksichtigung ihrer kulturellen und sprachlichen Belange anging, jedoch waren diese Rechte nicht immer klar definiert und sie konnten auch nicht individuell eingeklagt werden.

2. In der Behandlung der einzelnen Volksgruppen gab es ein schwer durchschaubares Mischsystem aus Hierarchie und Heterarchie:

An der Spitze standen die schon von der Partisanenf√ľhrung im Zweiten Weltkrieg als gleichrangige Staatsnationen (serbokroat. narod) anerkannten V√∂lker: Serben, Kroaten, Slowenen, Mazedonier und Montenegriner. Diese geh√∂rten alle zur s√ľdslawischen Sprachgruppe hatten ihren Siedlungsmittelpunkt in Jugoslawien und ihnen wurde jeweils eine eigene Teilrepublik zugestanden. Die Gr√∂√üe der jeweiligen Nation und das Vorhandensein einer eigenst√§ndigen Sprache waren keine Kriterien, um zur Spitzengruppe der jugoslawischen V√∂lkerhierarchie zu z√§hlen. So hatten die 1945 kaum 500.000 K√∂pfe z√§hlenden Montenegriner eine eigene Teilrepublik, nicht aber die √ľber 1 Million Albaner. Nur die drei Sprachen der Staatsv√∂lker (Serbokroatisch, Slowenisch und Mazedonisch) waren zumindest auf Republiksebene als Amtssprachen anerkannt. Stellten Kroaten oder Serben in anderen Republiken als ihrer jeweils eigenen einen bedeutenden Anteil der Bev√∂lkerung (die Serben in Bosnien und in Kroatien, die Kroaten in Bosnien und in der serbischen Vojvodina), hatten sie dort als Angeh√∂rige eines Staatsvolks keinerlei Gruppenstatus.

Auf der zweiten Stufe standen eine Reihe von V√∂lkern, die irgendwo au√üerhalb Jugoslawiens einen eigenen Staat hatten. Sie wurden als Nationalit√§ten (serbokroat. narodnosti) bezeichnet. Ihre Sprachen wurden in den Schulen gelehrt und waren auf Gemeindeebene f√ľr den Beh√∂rdenverkehr zugelassen. Herausgehoben unter den Nationalit√§ten waren die Kosovo-Albaner durch den Status des Kosovo als autonomer Provinz, nicht aber die zahlreichen Albaner in Mazedonien, die von den dortigen Beh√∂rden vielerlei Repressionen zu erdulden hatten. Am wenigsten Gruppenrechte hatten die so genannten ethnischen Gruppen, welche kein Mutterland und keine ausgeformte Schriftsprache hatten. Dazu geh√∂rten zum Beispiel die Walachen und die vor allem in der S√ľdh√§lfte Jugoslawiens recht zahlreichen Roma. Als drittes Merkmal der gesamtjugoslawischen Nationalit√§tenpolitik ist schlie√ülich das autorit√§re Eingreifen durch Tito zu sehen. Bis kurz vor seinem Tod ergriff der Staatspr√§sident willk√ľrliche Ma√ünahmen, mit denen er manche Volksgruppen schw√§chte, andere wiederum st√§rkte, wie er es gerade f√ľr richtig hielt.

Die Gegens√§tze zwischen den einzelnen V√∂lkern waren zahlreich und un√ľbersichtlich: Nicht allein √ľber Kultur- und Sprachpolitik, sondern auch √ľber wirtschaftliche, finanzpolitische soziale Probleme wurde √ľberwiegend aus nationalistischer Sicht gestritten. Insbesondere der wirtschaftliche Verteilungskampf zwischen den armen und den reichen Teilrepubliken war von gro√üer Sprengkraft. Die Bewohner der unterentwickelten S√ľdregionen f√ľhlten sich national benachteiligt, die des entwickelten Nordens als ausgebeutete Nationen. Der Vorwurf von Slowenen und Kroaten, sie w√ľrden die armen Republiken mitfinanzieren, was ihre eigene √∂konomische Entwicklung behindere, enthielt per se eine separatistische Tendenz, weil damit die Solidarit√§t zwischen den Bundesgliedern √ľberhaupt in Frage gestellt wurde. Neben diesem Grundkonflikt gab es in verschiedenen Regionen nationale Gegens√§tze, die wichtigsten werden im Folgenden kurz benannt und erl√§utert:

In Kroatien umfasste die serbische Minderheit etwa zehn Prozent der Bev√∂lkerung; Serben waren jedoch √ľberproportional stark in Regierungs- und Partei√§mtern vertreten. Das r√ľhrte daher, dass sie in der kommunistischen Partisanenbewegung gegen die Nazis und die Ustascha verh√§ltnism√§√üig stark vertreten waren, hatte sich doch das rassistische Regime des NDH-Staates besonders gegen die Serben gerichtet. Nach dem Krieg wurden die Schl√ľsselpositionen im Staatsapparat vornehmlich mit ehemaligen Partisanen besetzt. In Kroatien f√ľhrte dies zur Zur√ľcksetzung der Titularnation zu Gunsten der Serben. Diese Situation √§nderte sich auch Jahrzehnte nach Kriegsende nicht und viele Kroaten nicht zuletzt der j√ľngeren Generation empfanden es als Ungerechtigkeit, dass sie durch diese perpetuierte Disproportion im Staatsapparat um berufliche Aufstiegschancen gebracht wurden.

Seit Mitte der 1960er Jahre gab es zwischen Kroaten und Serben Differenzen hinsichtlich der Sprachpolitik. Es ging dabei um die Weiterentwicklung der serbokroatischen Standardsprache. W√§hrend die F√∂derationsbeh√∂rden und die Serben eher f√ľr die Angleichung der beiden schriftsprachlichen Versionen waren und dabei oft serbische Formen bevorzugten, waren viele kroatische Literaten und Sprachwissenschaftler f√ľr eine eigenst√§ndigere Entwicklung des Kroatischen, und sie gingen daf√ľr 1967 mit einer Deklaration an die √Ėffentlichkeit. In der Folge lie√ü die kroatische Matica eigene W√∂rterb√ľcher und Grammatiken erarbeiten. Diese als nationalistisch bezeichneten Aktivit√§ten lie√ü Tito unterdr√ľcken. Die Revolte der Literaten bildete den Ausgangspunkt f√ľr die Kroatischer Fr√ľhling genannte nationale Bewegung.

Lange unklar war die Stellung der bosnischen Muslime im jugoslawischen Nationalit√§tengef√ľge. Weder Kroaten noch Serben wollten die ebenfalls serbokroatisch sprechenden Bosniaken als Nation anerkennen. Dieser Linie verfolgte bis zum Beginn der 1960er Jahre auch die jugoslawische F√ľhrung und so gab es in Bosnien und Herzegowina als einziger Republik keine Staatsnation. Ab 1961 wurde bei den Volksz√§hlungen die Kategorie Muslime im nationalen Sinne bzw. slawische Muslime (1971) eingef√ľhrt. Diese konfessionell abgegrenzte Nationalit√§t galt f√ľr alle Serbokroatisch sprechenden Anh√§nger des Islam in Jugoslawien, aber auch f√ľr alle Religionslosen, die sich der bosnisch-muslimischen Kulturtradition zugeh√∂rig f√ľhlten. Vermieden wurden dagegen die Bezeichnungen Bosnier und Bosniake, um die in Bosnien lebenden Serben und Kroaten nicht zu verstimmen. Zur Staatsnation wurden die bosnischen Muslime, vermutlich aus dem gleichen Grund, nicht erkl√§rt, (Vgl. dazu Geschichte von Bosnien und Herzegowina)

Im Kosovo, obwohl nach Kriegsende zur autonomen Provinz erkl√§rt, setzte sich die serbische Unterdr√ľckungspolitik aus den zwanziger, drei√üiger Jahren nahtlos fort. Tito lie√ü der serbischen Regierung dabei in den f√ľnfziger Jahren weitgehend freie Hand und unter Innenminister Aleksandar Rankovińá herrschte im Kosovo ein brutales Polizeiregime. Bis Mitte der 60er Jahre emigrierten 200.000 Albaner. Nach Auseinandersetzungen in der jugoslawischen Parteif√ľhrung wurde Rankovińá aus dem Politb√ľro ausgeschlossen. Seine gleichzeitig erfolgte Entlassung machte 1966 den Weg f√ľr eine gem√§√üigte Politik gegen√ľber den Albanern frei. Sie erhielten nun wirkliche Autonomierechte im Kosovo, die mit der neuen gesamtjugoslawischen Bundesverfassung von 1974 auch bundesrechtlich abgesichert wurden. (Vgl. dazu Geschichte des Kosovo)

Die Albaner in Mazedonien blieben dagegen der Willk√ľrherrschaft der dortigen Republiksf√ľhrung ausgesetzt. Bis in die 80er Jahre hinein wurden sie zum Beispiel in der Bildung und bei der Vergabe von Jobs deutlich benachteiligt.

Religionspolitik

Die jugoslawische Verfassung von 1946 schrieb die strikte Trennung von Kirche und Staat fest. Der kirchliche Grundbesitz und die Vakufs wurden enteignet und die kirchlichen Schulen geschlossen bzw. in staatliche Bildungsst√§tten umgewandelt. Freie Religionsaus√ľbung war jedoch verfassungsrechtlich garantiert. Bei der Volksz√§hlung von 1949 gaben noch 99 Prozent der Jugoslawen die Zugeh√∂rigkeit zu einer Religionsgemeinschaft an.
Gemäß der kommunistischen Doktrin verfolgte die jugoslawische Regierung eine in den ersten Nachkriegsjahren eine dezidiert antireligiöse Politik. In dieser Zeit gab es nach sowjetischen Vorbild Kampagnen gegen die Kirchen und gegen die Muslime, die zu Feinden des gesellschaftlichen Fortschritts erklärt wurden. Die katholische Kirche wurde pauschal als Handlanger der Faschisten bezeichnet. Eine große Zahl von Klerikern, darunter auch orthodoxe wurden in Schauprozessen abgeurteilt und ins Gefängnis geworfen. Große Aufmerksamkeit im In- und Ausland erregte der Prozess gegen den Erzbischof von Zagreb, Alojzije Stepinac. Mit dem neuen politischen Kurs Titos ließen die direkten Verfolgungen Anfang der 50er Jahre nach.

Durch die Gr√ľndung von staatlich gelenkten Priestervereinigungen (vergleichbar mit Gewerkschaften) versuchte das Regime Einfluss auf den Klerus der beiden gro√üen Kirchen zu bekommen. Dies gelang bei den Katholiken weniger als bei den Orthodoxen, denn letztere waren st√§rker auf die staatlichen Gehaltszahlungen angewiesen und wegen ihrer Familien auch erpressbarer durch das Regime.

In Slowenien, Kroatien und Serbien setzte eine starke S√§kularisierung ein. Ende der 60er Jahre waren in diesen Republiken nur mehr etwas √ľber 60 Prozent der Bewohner Kirchenmitglieder. Dass vor allem die wirtschaftlich und gesellschaftlich moderneren und am meisten urbanisierten Teilrepubliken von diesem Prozess der Entkirchlichung betroffen waren, l√§sst darauf schlie√üen, dass dies weniger durch die staatlichen Repressionen bewirkt wurde, sondern sich hier der gleiche gesellschaftliche Wandel wie in den meisten europ√§ischen Staaten vollzog. In Bosnien und im Kosovo geh√∂rten dagegen zur selben Zeit noch √ľber 90 Prozent einer Religionsgemeinschaft an.

Aus nationalpolitischen Gr√ľnden hat der BdKJ als einzige kommunistische Partei die Gr√ľndung einer neuen Kirche gef√∂rdert. Die Kommunisten unterst√ľtzen 1966/67 die Bildung der Mazedonischen orthodoxen Kirche (MOK) als Abspaltung von der serbischen Kirche, damit die Mazedonier eine autokephale Kirche h√§tten wie die anderen orthodoxe Nationen auch. Der serbische Episkopat hat diese Trennung bis heute nicht anerkannt und verhindert die volle Kirchengemeinschaft der MOK mit den √ľbrigen orthodoxen Kirchen.

1966 unterzeichneten Jugoslawien und der Hl. Stuhl ein Protokoll (kein formales Konkordat), in dem das p√§pstliche Jurisdiktionsrecht √ľber die katholischen Bist√ľmer anerkannt und freie Religionsaus√ľbung f√ľr die Katholiken zugestanden wurden. Im Gegenzug akzeptierte die Kurie das absolute Verbot f√ľr den Klerus, sich politisch zu bet√§tigen oder auch nur zu √§u√üern. Daraufhin nahmen Jugoslawien und der Vatikan 1970 diplomatische Beziehungen auf. Das Verh√§ltnis von katholischer Kirche und dem Staat blieb gleichwohl schwierig. Eine gro√üe Kontroverse l√∂ste 1981 der Zagreber Erzbischof Franjo Kuharińá aus, als er die gerichtliche Rehabilitierung von Alojzije Stepinac anregte, um dessen Seligsprechung vorzubereiten. Sowohl im Parteiapparat als auch von gro√üen Teilen der serbischen Bev√∂lkerung wurde dies scharf abgelehnt.

Bildung

Universität Sarajevo, Philosophische Fakultät

Das sozialistische Jugoslawien unternahm auf allen Ebenen erfolgreiche Anstrengungen zum Ausbau des Bildungswesens. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen Bosnien und Mazedonien 1949 ihre eigenen Staatsuniversit√§ten in Sarajevo bzw. Skopje. Zur selben Zeit wurde die achtj√§hrige Schulpflicht eingef√ľhrt. Die Analphabetenquote sank von √ľber 25 Prozent im Jahr 1953 auf 8,8 Prozent (1985). Allerdings blieb auch beim Bildungsstand das starke Nord-S√ľd-Gef√§lle bestehen. So gab es in den 80er Jahren in Slowenien praktisch keine Analphabeten mehr, w√§hrend in Mazedonien und im Kosovo noch immer deutlich mehr als ein Zehntel der Bev√∂lkerung nicht lesen und schreiben konnte. Kernst√ľck des Bildungswesens war die achtj√§hrige allgemeinbildende Grundschule, auf die je nach Bildungsgang das vierj√§hrige Gymnasium oder zwei bis drei Jahre Fachschule folgte. 1974 wurde die weiterf√ľhrende Ausbildung grundlegend reformiert. Die bestehenden mittleren Fachschulen und Gymnasien wurden zu Mittelschulzentren zusammengefasst. Der neue Schultyp war kein Erfolg. Das Ausbildungsniveau sank wegen zu starker F√§cheraufsplitterung und der ausufernden Selbstverwaltungsb√ľrokratie. Mit den gesellschaftlichen Umbr√ľchen kehrte man daher seit 1989 in den einzelnen Teilrepubliken wieder zu voneinander getrennten Gymnasien und Berufsschulen zur√ľck.[12]

Reformorientierte Opposition

Wegen unterschiedlichen wirtschaftlichen und nationalen Interessen kam es immer wieder zu Spannungen zwischen der Zentrale des BdKJ und den Republiks- bzw. Provinzverb√§nden der Partei. Anfang der 60er Jahre entwickelte sich √§hnlich wie in anderen kommunistischen L√§ndern auch ideologische Opposition, die f√ľr einen undogmatischeren und humaneren Sozialismus eintrat. Geistiges Zentrum war die aus liberalen Soziologen und Philosophen bestehende Praxis-Gruppe, die auch Kontakte mit westlichen Intellektuellen unterhielt. Zun√§chst von Tito toleriert wurde die Praxis-Gruppe 1974 zerschlagen.

Angelehnt an die Ideen der Praxis-Gruppe streikten Anfang Juni 1968 viele Studenten der Belgrader Universit√§t und binnen kurzem griff der Streik auf die meisten anderen Hochschulen des Landes √ľber. Im Zentrum der spontan entstandenen Bewegung standen soziale Forderungen, wie der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, die in Jugoslawien vorwiegend junge Leute betraf. Die Studenten forderten aber auch die Beschr√§nkung der Parteib√ľrokratie, mehr Pluralismus in den politischen Organisationen und nicht zuletzt Pressefreiheit. Die studentische Bewegung wurde von der Polizei schnell niedergeschlagen.

Die sich zeitgleich entwickelnde Bewegung des Kroatischen Fr√ľhlings war folgenschwerer f√ľr das innerjugoslawische Machtgef√ľge, denn sie erlangte gro√üe Popularit√§t bei der Bev√∂lkerung und wurde von Mitgliedern der kroatischen Parteif√ľhrung, zum Beispiel Savka Dabńćevińá-Kuńćar und Mika Tripalo angef√ľhrt. Die Bewegung verband Forderungen nach Reformen des kommunistischen Machtapparats und des jugoslawischen Wirtschaftssystems mit nationalen Anspr√ľchen im kulturellen Bereich. 1971 kam es in Zagreb zu Massendemonstrationen. Daraufhin lie√ü Tito den Parteiapparat von Anh√§ngern des Kroatischen Fr√ľhlings s√§ubern. Sie wurden als Nationalisten und Separatisten verunglimpft und abgesetzt. Von den Entlassungen waren auch viele Wissenschaftler der Kroatischen Matica betroffen.

Auch in Serbien, Mazedonien und Slowenien, wohin die liberalen antizentristischen Ideen ausgestrahlt hatten, mussten 1972 die Partei- und Regierungsspitzen zur√ľcktreten.

Die neue Bundesverfassung von 1974

Hatte Tito Anfang der 70er Jahre die autonomistischen Bestrebungen des Kroatischen Fr√ľhlings noch kompromisslos bek√§mpft, lie√ü er nur wenig sp√§ter eine neue Bundesverfassung ausarbeiten, durch die ein Gro√üteil der Bundeskompetenzen an die Republiken und autonomen Provinzen √ľbertragen wurde.

In Bereichen mit konkurrierenden Zust√§ndigkeiten von Republiks- und Bundesgesetzgebung galt fortan der Grundsatz, dass die einzelne Republik nicht √ľberstimmt werden konnte.

Aufbauend auf die zahllosen betrieblichen und lokalen Selbstverwaltungsgremien existierte ein bis an die Staatsspitze reichendes kompliziertes R√§tesystem. Bis 1989 konnten die B√ľrger weder auf Republiks- noch Bundesebene direkt Abgeordnete w√§hlen. Das Bundesparlament (Savezna skupŇ°tina) bestand seit 1974 aus zwei Kammern. Der Bundesrat (Savezno veńáe) bestand aus 220 Abgeordneten, 30 je Republik und 20 f√ľr jede autonome Provinz.[13] Er war f√ľr die Verfassung, die Bundesgesetzgebung, Au√üen- und Innenpolitik und den Bundeshaushalt zust√§ndig. Die Delegierten f√ľr den Bundesrat wurden von den aus verschiedenen Selbstverwaltungsr√§ten konstituierten Gemeindeversammlungen (SkupŇ°tina opŇ°tine) gew√§hlt.

Der f√ľr die Koordination zwischen den Bundesgliedern und die Wirtschaft zust√§ndige Rat der Republiken und Provinzen (Savet republika i pokrajina) bestand aus 88 von den Republiks- bzw. Provinzparlamenten entsandten Delegierten. Diese Abgesandten waren in ihrem Votum an die Vorgaben ihres heimischen Parlaments gebunden.

Der Verfassungsgebot der Harmonisierung zwischen beiden Kammern - das hei√üt, bei abweichenden Beschl√ľssen sollten sie sich vergleichen - wurde seit Anfang der 80er kaum mehr beachtet.

Die Mitglieder der Bundesexekutivrat (Savezno izvrŇ°no veńáe) genannten Regierung wurden einzeln von der Bundesversammlung gew√§hlt. Diese Regelung war dem Proporzdenken zwischen Republiken und Nationalit√§ten geschuldet. Auf diese Weise war es schwer, eine fachlich kompetente, einheitlich handelnde Regierung aufzustellen.

Die Verfassung f√ľhrte ein achtk√∂pfiges Staatspr√§sidium (PredsedniŇ°tvo) als kollektives Staatsoberhaupt ein. Es sollte nach dem Ableben Titos, des Pr√§sidenten auf Lebenszeit, zusammentreten. Das Pr√§sidium hatte acht Mitglieder, die jeweils von ihren Republiks- bzw. Provinzparlamenten dort hinein gew√§hlt wurden. Die Amtszeit w√§hrte 5 Jahre und j√§hrlich w√§hlte sich das Pr√§sidium aus seinen Reihen einen Vorsitzenden. Das Gremium hatte theoretisch viel Macht, da es die Bundesversammlung aufl√∂sen konnte und keinem anderen Staatsorgan verantwortlich war. Die Einf√ľhrung des kollektiven Staatspr√§sidiums war nicht zuletzt auch Ausdruck des Misstrauens Titos hinsichtlich der f√ľhrenden Leute im BdKJ. Er traute niemandem die Aus√ľbung des politisch bedeutenden Pr√§sidentenamts zu. Es bot sich kein Kandidat an, der als √ľbernationale Integrationsfigur h√§tte fungieren k√∂nnen. Durch die Streitigkeiten zwischen den einzelnen F√∂derationssubjekten war das Staatspr√§sidium in den letzten Jahren vor dem Zerfall des Bundesstaates praktisch lahmgelegt, weil die Loyalit√§t seiner Mitglieder in erster Linie ihrer Heimatrepublik galt.

Neu an der Bundesverfassung von 1974 war auch, dass die beiden autonomen Provinzen Serbiens, Vojvodina und Kosovo, auf Bundesebene den Republiken fast gleichgestellt und zu konstitutiven Einheiten des Gesamtstaats wurden, vor allem dadurch, dass sie fortan im Staatspr√§sidium Sitz und Stimme hatten. Das Verh√§ltnis der autonomen Provinzen zur Republik Serbien und ihren Staatsorganen war widerspr√ľchlich und unklar, weil das serbische Recht nicht an die Neuordnung des Bundes angepasst wurde. Vor allem zwischen Prishtina und Belgrad bot diese Situation immer wieder Anlass zu Konflikten, deren eigentliche Ursache freilich andere waren.

Krise und Zerfall des jugoslawischen Staates 1981-1991

Mit dem Tod des seit Ende des zweiten Weltkriegs herrschenden Staats- und Parteif√ľhrers Josip Broz Tito im Mai 1980 hatte Jugoslawien seine einzige Integrationsfigur verloren. In den vorangegangenen Jahren bereits vorhandene politische, wirtschaftliche und soziale Probleme nahmen zu, lie√üen sich von der Regierung weder vor den B√ľrgern des Landes noch vor der Welt√∂ffentlichtkeit mehr kaschieren und entwickelten sich zu einer lang anhaltenden Krise, an deren Ende B√ľrgerkrieg und Zerfall des Staates standen. Die ung√ľnstige wirtschaftliche Entwicklung und die Verarmung gro√üer Teile der Bev√∂lkerung haben dabei - wie auch in anderen kommunistischen Staaten - den Verfall des politischen Systems beg√ľnstigt.

Wirtschafts- und Finanzkrise

Bereits Mitte der 70er Jahre befand sich die jugoslawische Wirtschaft in einer tiefen Krise; das Bruttosozialprodukt verringerte sich seit 1975 jedes Jahr und die Inflationsrate betrug schon Ende dieses Jahrzehnts mehr als 50 Prozent. Die Probleme resultierten aus den strukturellen Unzul√§nglichkeiten des jugoslawischen Wirtschaftssystems sowie weit verbreitetem Missmanagement und Korruption. Jugoslawische Industrie- und Agrarprodukte waren auf den westlichen M√§rkten meist nicht konkurrenzf√§hig, und so konnten die mit Devisenkrediten aufgebauten Firmen wenig dazu beitragen, die im westlichen Ausland aufgenommenen Schulden abzutragen. Die √Ėlkrise von 1979 versch√§rfte die Situation zus√§tzlich.

Zu dieser Zeit entschied die Regierung, dass die fast ausschlie√ülich mit Auslandskrediten finanzierte Entwicklung der Industrie nicht mehr weitergef√ľhrt werden k√∂nne und grundlegende Reformen notwendig seien. 1982 ver√∂ffentlichte die so genannte Kraigher-Kommission ein langfristiges wirtschaftliches Reformprogramm, das marktwirtschaftliche Elemente im Wirtschaftssystem st√§rken sollte, grunds√§tzlich aber an der Arbeiterselbstverwaltung festhielt. Von den im BdKJ dominierenden Konservativen wurde das Sanierungsprogramm abgelehnt und so stimmte das F√∂derationsparlament 1983 nur wenigen Vorschl√§gen der Krajgher-Kommission zu und verlieh ihnen Gesetzeskraft. Der gr√∂√üte Teil des Reformprogramms erfuhr dagegen keine praktische Umsetzung. Bis 1989 wurde von der Regierung nichts Entscheidendes mehr zur Behebung der wirtschaftlichen Krise unternommen.

Die wichtigsten Devisenquellen Jugoslawiens waren in den 80er Jahren der Tourismus an der Adria und die √úberweisungen der Gastarbeiter. Letztere wurden im Laufe des Jahrzehnts aber immer weniger, weil die Arbeitslosigkeit in den Gastl√§ndern zunahm, wovon auch viele Jugoslawen betroffen waren. Auch im Inland stieg die Arbeitslosigkeit an, obwohl unrentable Betriebe wegen der Arbeiterselbstverwaltung nicht geschlossen werden konnten. Um Geh√§lter der Staatsangestellten, Renten und die hohen Ausgaben f√ľr die Armee weiter bestreiten zu k√∂nnen, heizten die Regierungen ńźuranovińá, Planinc und Mikulińá die Inflation weiter an, die Mitte der 80er Jahre Rekordwerte von √ľber 200% j√§hrlich erreichte. Die Verarmung gro√üer Teile der Bev√∂lkerung war die Folge, ohne dass darum der Staat seine Finanzen sanieren konnte. 1988 wies Jugoslawien die h√∂chste Pro-Kopf-Verschuldung aller europ√§ischen Staaten auf; insgesamt beliefen sich die Verbindlichkeiten im Ausland auf √ľber 20 Mrd. Dollar. Im Mai 1988 schloss die Regierung ein Abkommen mit dem IWF, das neue Kredite und mit deren Hilfe eine Umschuldung erm√∂glichte. Jugoslawien verpflichtete sich zur Begrenzung der Geldmenge, um der starken Inflation entgegenzusteuern.

Von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise waren die einzelnen Republiken unterschiedlich stark betroffen. So lag die Arbeitslosenrate in Slowenien bei unter 4 Prozent, w√§hrend sie im Kosovo und Mazedonien etwa 50 Prozent betrug. In Slowenien und in den kroatischen Tourismuszentren waren die L√∂hne um ein Drittel h√∂her als im Landesdurchschnitt, die L√∂hne in Serbien und in der Vojvodina erreichten etwa diesen Durchschnittswert, w√§hrend sie in den √ľbrigen Landesteilen viel niedriger waren. Deshalb kam es w√§hrend der 80er Jahre vor allem in den s√ľdlichen Landesteilen zu zahlreichen Streiks und Protestaktionen der Arbeiterschaft. Abgesehen von Slowenien sanken w√§hrend der 80er Jahre in allen Teilrepubliken das Bruttoinlandsprodukt und die Realeinkommen.

Politische Krise

Der wirtschaftliche Niedergang war eine der wichtigsten Ursachen f√ľr die Staatskrise, die zu Beginn der 80er Jahre ihren Anfang nahm. Daneben traten lange unterdr√ľckte Konflikte zwischen den Nationen wieder deutlich hervor und beherrschten bald den politischen Diskurs. Schlie√ülich offenbarten sich die strukturellen Schw√§chen der 1974 verordneten Verfassung. Die konkurrierenden Kompetenzen von Republiken und Gesamtstaat in fast allen Bereichen beg√ľnstigten einerseits gegenseitige Blockaden und das Festhalten am status quo, verhinderten andererseits Mehrheitsentscheidungen und notwendige Reformen.

Nach dem Tod Titos griff im kollektiven Staatspr√§sidium das in der Verfassung von 1974 festgelegte Rotationsprinzip. Jeweils f√ľr ein Jahr stellte eine der Republiken bzw. autonomen Provinzen den Vorsitzenden. Keiner von diesen war landesweit popul√§r; gleiches galt f√ľr die in den 80er Jahren regierenden Ministerpr√§sidenten. Die Inhaber der h√∂chsten Positionen im Staat waren zu jener Zeit ausschlie√ülich konservative Funktion√§re, denn fast alle reformorientierten Politiker im Bund der Kommunisten hatten ihre einflussreichen Staats- und Partei√§mter w√§hrend mehrerer S√§uberungswellen noch zu Lebzeiten Titos verloren. Wegen Korruption und Vetternwirtschaft waren die meisten staatlichen Institutionen und nicht zuletzt auch die kommunistische Partei bei der Bev√∂lkerung schon weitgehend diskreditiert. In vielen Teilen des Landes artikulierte sich aus unterschiedlichen Richtungen wieder Opposition, die jetzt die mit Titos Namen verbundene Form des Sozialismus auch grunds√§tzlich in Frage stellte. Nicht zuletzt das 1980 in Belgrad abgehaltene KSZE-Folgetreffen ermutigte Dissidenten, Pressefreiheit, Parteienpluralismus, eine unabh√§ngige Justiz und freie Wahlen zu fordern. Die F√ľhrungen von Partei und Staat sowie der einzelnen Republiken reagierten darauf mit scharfen Repressionen, Verhaftungen und Gef√§ngnisstrafen. So fand zum Beispiel 1983 ein Schauprozess gegen muslimische Intellektuelle, darunter Alija Izetbegovińá, in Sarajevo statt. Sie wurden wegen angeblicher Pl√§ne zur Zerst√∂rung Jugoslawiens zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Besonders hart griffen die Beh√∂rden im Kosovo durch, wo 1981 vornehmlich aus sozialen Gr√ľnden Unruhen unter albanischen Studenten und Jugendlichen ausgebrochen waren. Die Kosovo-Albaner stellten bald auch nationale Forderungen, darunter die Erhebung des Kosovo zur gleichberechtigten Teilrepublik. Die Polizei schlug die Proteste gewaltsam nieder und die serbische Regierung verh√§ngte den Ausnahmezustand √ľber die Provinz. Hunderte Demonstranten wurden verhaftet und ins Gef√§ngnis gesteckt. In den 80er Jahren waren mehr als die H√§lfte alle politischen H√§ftlinge in Jugoslawien Albaner. In Kroatien, vor allem aber in Slowenien, gab es Proteste gegen das harte Vorgehen der serbischen Beh√∂rden im Kosovo. Auch die dortigen Parteif√ľhrungen √§u√üerten sich ablehnend. So vertiefte sich der Dissens zwischen den Republiken. Waren bis dahin vor allem wirtschafts- und finanzpolitische Fragen strittig gewesen, kamen nun Innen- und Nationalit√§tenpolitik hinzu. In Slowenien und Kroatien wuchs ‚ÄĒ begr√ľndet oder nicht ‚ÄĒ die Furcht vor gewaltsamen Ver√§nderungen des gesamtstaatlichen Machtgef√ľges durch die Serben. Diese wiederum vermissten bei ihrem Konflikt mit den Kosovo-Albanern die Solidarit√§t der anderen slawischen Nationen

Bei den Olympischen Winterspielen in Sarajewo 1984 pr√§sentierte sich Jugoslawien der Welt√∂ffentlichkeit noch einmal als funktionierender Staat. Diesem √§u√üeren Anschein standen eine massive Ausweitung der Staatsverschuldung zur Finanzierung der Spiele und ein versch√§rftes Vorgehen der Polizei gegen Oppositionelle gegen√ľber.

Der 1986 ins Amt gekommene Ministerpr√§sident Branko Mikulińá versuchte mit einer Reihe von halbherzigen und unkoordinierten Wirtschaftsreformen die Staatsverschuldung und die Inflation in den Griff zu bekommen. Die F√ľhrungen der einzelnen Republiken lehnten diese Politik aber ab und √ľbten sich in Obstruktion. Weil Mikulińá tief in den Korruptionsskandal um das Handelsunternehmen Agrokomerc verstrickt war, musste er im Dezember 1987 zur√ľcktreten. Dieser bis dahin im sozialistischen Jugoslawien einmalige Vorgang destabilisierte das Staatsgef√ľge weiter, weil man mehr als ein Jahr brauchte, ehe man sich auf einen neuen Ministerpr√§sidenten einigen konnte, der auch bereit war, das Amt zu √ľbernehmen. Im M√§rz 1989 wurde schlie√ülich Ante Markovińá letzter Regierungschef der F√∂deration.

Zerfall Jugoslawiens

Die Bevölkerungsgruppen Jugoslawiens 1991
Der politische Zerfall Jugoslawiens

Hauptartikel: Jugoslawienkriege

Nach Titos Tod zerfiel Jugoslawien in Folge der vielerorts offen artikulierten Autonomiebestrebungen, die sich schlie√ülich zu K√§mpfen und zu den Jugoslawienkriegen entwickelten. Die Teilrepubliken strebten, auch unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der V√∂lker, ihre Unabh√§ngigkeit an und errangen nach insgesamt rund 10 Jahren teils √§u√üerst brutal gef√ľhrter K√§mpfe die internationale Anerkennung als souver√§ne Staaten (Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Mazedonien). In anderen Regionen, vor allem dem Kosovo, wird die Auseinandersetzung um staatliche Unabh√§ngigkeit bis heute weitergef√ľhrt.

  • 1991 (Mai) Die turnusgem√§√üe √úbernahme des Vorsitzes des Staatspr√§sidiums durch den Kroaten Stjepan Mesińá scheiterte zun√§chst am Widerstand der serbischen Vertreter.
  • 1991 (25. Juni): Kroatien und Slowenien erkl√§rten ihren Austritt aus dem jugoslawischen Staatsverband und werden unabh√§ngig (definitiv am 8. Oktober 1991). Die Jugoslawische Volksarmee sowie - in Kroatien - die serbische Bev√∂lkerung reagierten mit Pr√§senz und Bewaffnung gegen die Sezession. In Kroatien begannen bewaffnete kroatische Verb√§nde, Kasernen und Polizeistationen der Bundesverwaltung zu belagern und zu erobern. In Slowenien dauerten die gewaltt√§tigen Auseinandersetzungen nur kurz. In Kroatien entbrannte ein lang anhaltender Krieg zwischen kroatischen Freisch√§rlerverb√§nden, den meist auch daraus neu gegr√ľndeten Regierungstruppen, den serbischen Einwohnern Kroatiens und serbischen Freisch√§rlern, die mit Unterst√ľtzung der Bundesarmee eine von Kroatien getrennte Republik Serbische Krajina auf den seit Jahrhunderten von Serben besiedelten Gebieten des neuen Kroatien errichteten (etwa 30% des neu gegr√ľndeten, kroatischen Staatsgebietes).
  • 1991 (15. September): Auch Mazedonien proklamierte seine Unabh√§ngigkeit (internationale Anerkennung am 8. April 1993 von der UNO als Former Yugoslav Republic of Macedonia / FYROM bzw. Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien / EJRM ).
  • 1991 (15. Oktober): Bosnien-Herzegowina l√∂ste sich ebenfalls von Jugoslawien und erkl√§rte seine Unabh√§ngigkeit.
  • 1993 verlagerte sich der Krieg aus Kroatien dann immer mehr nach Bosnien-Herzegowina.
  • 1995 mit dem Vertrag von Dayton und der Unabh√§ngigkeit Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas endeten der Kroatienkrieg und der Bosnienkrieg.
  • 1998 starteten die Jugoslawische Armee und die Truppen der Sonderpolizei eine Gro√üoffensive gegen die U√áK im Kosovo.
  • 1999 Schaltete sich die NATO ein. Luftangriffe auf die Industrie in ganz Serbien und Montenegro wurden geflogen um die serbische Offensive aufzuhalten und die Regierung zum Einlenken zu zwingen.
  • 2006 erkl√§rte Montenegro nach einem positiven Referendum seine Unabh√§ngigkeit von der Staatenunion Serbien und Montenegro.
  • 17. Februar 2008: Der Kosovo erkl√§rte einseitig seine Unabh√§ngigkeit.

Literatur

Allgemeines

  • Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert. C.H.Beck, M√ľnchen 2010, ISBN 978-3-406-60646-5.
  • Holm Sundhaussen: Experiment Jugoslawien. Von der Staatsgr√ľndung bis zum Staatszerfall. Mannheim 1993, ISBN 3-411-10241-1
  • Wolf Dietrich Behschnitt: Nationalismus bei Serben und Kroaten. M√ľnchen 1980. ISBN 3-486-49831-2
  • Jill A. Irvine: The Croat question. Boulder, CO 1993. ISBN 0-8133-8542-3
  • Peter Rehder (Hrsg.): Das neue Osteuropa, von A-Z. Artikel Jugoslawien, S. 270-298. M√ľnchen ¬≤1993
  • Svein M√łnnesland: Land ohne Wiederkehr. Ex-Jugoslawien: Die Wurzeln des Krieges. Klagenfurt 1997, ISBN 3851290712

Einzelne Zeitabschnitte

Königreich Jugoslawien

  • Dimitrije Djordjevic (Hrsg.): The Creation of Yugoslavia. 1914-1918. Santa Barbara 1980.
  • Alex N. Dragnich: The first Yugoslavia. Stanford, CA 1983. ISBN 0-8179-7841-0
  • Alex N. Dragnich: Serbia, Nikola PaŇ°ińá, and Yugoslavia. New Brunswick, N.J. 1974. ISBN 0-8135-0773-1
  • J.B. Hoptner: Yugoslavia in Crisis 1934-1941. New York 1963.
  • G√ľnter Reichert: Das Scheitern der Kleinen Entente. M√ľnchen 1971

Zweiter Weltkrieg

  • Klaus Schmider: Partisanenkrieg in Jugoslawien 1941-1944. Hamburg 2002. ISBN 3-8132-0794-3
  • Hans Knoll: Jugoslawien in Strategie und Politik der Alliierten 1940 - 1943. M√ľnchen 1986. ISBN 3-486-52891-2
  • Walter R. Roberts: Tito, Mihailovic, and the Allies. 1941-1945. New Brunswick 1973.
  • Milovan Djilas: Der Krieg der Partisanen. Wien u. a. 1978.
  • Walter Manoschek: ‚ÄěSerbien ist judenfrei‚Äú. Milit√§rische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42. M√ľnchen 1993.
  • Phyllis Auty & Richard Clogg (Hrsg.): Britisch Policy towards Wartime Resistance in Yugoslavia an Greece. London u. a. 1975
  • Holm Sundhaussen: Okkupation, Kollaboration und Widerstand in den L√§ndern Jugoslawiens 1941-1945. In: Werner R√∂hr (Hrsg.): Europa unterm Hakenkreuz. Okkupation und Kollaboration (1938-1945). Berlin & Heidelberg 1994. S. 349-365.
  • Donauschw√§bische Kulturstiftung (Hg.): Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948. M√ľnchen 1998. ISBN 3-926276-32-0

Sozialistisches Jugoslawien

  • Verfassung der Sozialistischen F√∂derativen Republik Jugoslawien. Herausgegeben vom Sekretariat f√ľr den Informationsdienst der Bundesversammlung. Beograd 1974 (im serbokroatischen Original: Ustav Socijalistińćke Federativne Republike Jugoslavije)
  • Ivo Banac: The national question in Yugoslavia. Ithaca 1984. ISBN 0-8014-1675-2
  • Klaus Buchenau: Orthodoxie und Katholizismus in Jugoslawien 1945-1991. Ein serbisch-kroatischer Vergleich. (= Balkanologische Ver√∂ffentlichungen. 40). Wiesbaden 2004. ISBN 3-447-04847-6
  • Vladimir Dedijer: Stalins verlorene Schlacht. Erinnerungen 1948-1953. Wien u. a. 1970.
  • Klaus-Detlev Grothusen (Hrg.): Jugoslawien am Ende der √Ąra Tito. 2 B√§nde: 1. Au√üenpolitik; 2. Innenpolitik. M√ľnchen 1983/1986. ISBN 0-253-20703-7, 0-253-34794-7
  • Othmar Nikola Haberl: Die Emanzipation der KP Jugoslawiens von der Kontrolle der Komintern/KPdSU. M√ľnchen 1974. ISBN 3-486-47861-3
  • Hannelore Hamel (Hrsg.): Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien. M√ľnchen 1974. ISBN 3-406-04913-3
  • Herbert Prokle: Der Weg der deutschen Minderheit Jugoslawiens nach Aufl√∂sung der Lager 1948. M√ľnchen 2008. ISBN 3-926276-77-0
  • Sabrina P. Ramet: Nationalism and federalism in Yugoslavia. 1962 - 1991. Bloomington u. a. 1992.
  • Duncan Wilson: Tito's Yugoslavia. Cambridge 1979. ISBN 0-521-22655-4
  • Statistińćki godiŇ°njak Jugoslavije. Beograd 1990.
  • Wolfgang Libal: Das Ende Jugoslawiens. Wien u. a. 1993. ISBN 3-203-51204-1
  • Diana Johnstone: Fools' Crusade. Yugoslavia, NATO and Western Delusions. New York 2002. ISBN 1-58367-084-X.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Monnesland, Land ohne Wiederkehr, Seite 215
  2. ‚ÜĎ a b Klaus Schmider: Der jugoslawische Kriegsschauplatz in: Karl-Heinz Frieser, Klaus Schmider, Klaus Sch√∂nherr, Gerhard Schreiber, Kriszti√°n Ungv√°ry, Bernd Wegner: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 8, Die Ostfront 1943/44 - Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten, im Auftrag des MGFA hrsg. von Karl-Heinz Frieser, Deutsche Verlags-Anstalt, M√ľnchen 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 1011
  3. ‚ÜĎ Igor Graovac, Menschenverluste durch Kriegseinwirkung; in: Melńćińá, Dunja (Hrg.): Der Jugoslawien-Krieg. Handbuch zu Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen, 2. Aufl.,Wiesbaden 2007, ISBN 978-3531-33219-2; S.185-191
  4. ‚ÜĎ Tabelle nach Graovac in: Melńćińá 2007,ISBN 978-3531-33219-2, S. 187
  5. ‚ÜĎ Vgl. Wolfgang Libal: Titos Saat. Im friedlichen Jugoslawien des kommunistischen Marschalls wuchs heran, was sich jetzt blutig entl√§dt. In: Die Zeit, Nr.17/1999
  6. ‚ÜĎ Michael W. Weithmann sch√§tzt, dass bis 1980 etwa 100 Mrd. Dollar als direkte Hilfen und Kredite nach Jugoslawien geflossen sind. Vgl. dazu M. W. Weithmann: Balkan-Chronik. Regensburg ¬≤1997. S. 447.
  7. ‚ÜĎ Milovan Djilas: Nova klasa. Kritika savremenog komunizma. Deutsch u.d. Titel: Die neue Klasse. Eine Analyse des kommunistischen Systems. M√ľnchen 1958.
  8. ‚ÜĎ Milovan Djilas: Tito. Eine kritische Biographie. Fritz Molden, Wien 1980. ISBN 3-217-01158-9, Ders.: Jahre der Macht. Kr√§ftespiel hinter dem Eisernen Vorhang. Memoiren 1945-1966. M√ľnchen 1983.
  9. ‚ÜĎ Slobodan Stankovińá: Final Results of Yugoslavia's 1971 Census, 1973 bei Radio Free Europe, auf der Grundlage eines Artikels in der jugoslawischen Parteizeitung Politika.
  10. ‚ÜĎ Tschechen, Slowaken, Ruthenen, Bulgaren, Rum√§nen u. a.
  11. ‚ÜĎ √úber 3 Prozent der Staatsb√ľrger (656.000 Menschen) machten keine Angaben zur nationalen Zugeh√∂rigkeit oder bezeichneten sich als Jugoslawen.
  12. ‚ÜĎ Peter Rehder (Hrsg.): Das neue Osteuropa von A-Z. Artikel Jugoslawien. M√ľnchen 1993, S. 289.
    Conditions, problems and policy of education in Yugoslavia, hrsg. v. Organisation for Economic Cooperation and Development, Directorate for Social Affairs, Manpower and Education. Paris 1981.
    NikҰa Nikola ҆oljan (Hrsg.): Higher education in Yugoslavia. Zagreb 1989 ISBN 86-7273-007-0.
  13. ‚ÜĎ So hatte Montenegro das gleiche Stimmengewicht, wie das 10 Mal volkreichere Serbien.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Geschichte Bosnien-Herzegowinas ‚ÄĒ Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer √úberarbeitung. N√§heres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschlie√üend diese Markierung. Inhaltsverzeichnis 1 Antike 1.1 Die Illyr ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Bosniens und der Herzegowina ‚ÄĒ Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer √úberarbeitung. N√§heres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschlie√üend diese Markierung. Inhaltsverzeichnis 1 Antike 1.1 Die Illyr ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte von Bosnien und Herzegowina ‚ÄĒ Inhaltsverzeichnis 1 Antike 1.1 Die Illyrer 1.2 Die R√∂mer 1.3 V√∂lkerwanderungszeit 2 Mittelalter ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Kroatiens ‚ÄĒ Die kroatischen L√§nder befinden sich seit Jahrhunderten im Spannungsfeld und Grenzbereich zwischen mehreren Kulturkreisen. Zur Zeit der Einwanderung der Kroaten im 7. Jahrhundert verlief die Ostgrenze der kroatischen L√§nder etwa an der Grenze… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Serbiens im 19. Jahrhundert ‚ÄĒ Der Artikel Geschichte Serbiens besch√§ftigt sich mit den historischen Ereignissen auf dem Gebiet der heutigen Republik Serbien sowie, soweit sich dies aus historischen Entwicklungen ergibt, auch auf angrenzenden Gebieten. Dabei wird vor allem der ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Serbiens im 20. Jahrhundert ‚ÄĒ Der Artikel Geschichte Serbiens besch√§ftigt sich mit den historischen Ereignissen auf dem Gebiet der heutigen Republik Serbien sowie, soweit sich dies aus historischen Entwicklungen ergibt, auch auf angrenzenden Gebieten. Dabei wird vor allem der ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte des Staates Albanien ‚ÄĒ Tempelruine in Apollonia, nahe der Stadt Fier in Mittelalbanien Inhaltsverzeichnis 1 Vorgeschichte 2 Antike 3 ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Sloweniens ‚ÄĒ Wappen Sloweniens Slowenien ist seit 1991 ein unabh√§ngiger Staat in Mitteleuropa, der seit Mai 2004 der Europ√§ischen Union angeh√∂rt. Das Gebiet des heutigen Sloweniens wurde seit Ende des 6. Jahrhunderts √ľberwiegend von den Vorfahren der heutigen ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Montenegros ‚ÄĒ Inhaltsverzeichnis 1 Antike und byzantinische Herrschaft 2 Mittelalter 3 16. bis 19. Jahrhundert 4 20. Jahrhundert ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Europas ‚ÄĒ Europa als Reichsk√∂nigin (Heinrich B√ľnting: Itinerarium Sacrae Scripturae, 1588) Die Geschichte Europas ist die Geschichte der Menschen auf dem europ√§ischen Kontinent, von dessen erster Besiedlung, die zwischen 45.000 und 25.000 v. Chr. stattfand ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.