Geschichte Kärntens

ÔĽŅ
Geschichte Kärntens

Die Wurzeln der Geschichte K√§rntens reichen bis in die Altsteinzeit zur√ľck. In der Antike war auch das Gebiet des heutigen √∂sterreichischen Bundeslandes K√§rnten Bestandteil des keltischen K√∂nigreichs Noricum, ein erstes Staatengebilde in diesen Regionen, das sp√§ter in der r√∂mischen Provinz Regnum Noricum aufging. Nachdem die Slawen die R√∂mer um das Jahr 600 vertrieben und einen eigenen Staat Karantanien gebildet hatten, gewannen nach und nach auch baierische bzw. fr√§nkische Einfl√ľsse in K√§rnten an Gewicht. Von 743 bis 907 herrschten fr√§nkische K√∂nige und Kaiser √ľber das Gebiet, anschlie√üend wurde K√§rnten ein Teil des Herzogtums Baiern. 976 begann eine Phase der Eigenst√§ndigkeit des Herzogtums K√§rnten, die bis 1335 andauerte; in diese Zeit fallen zahlreiche Klostergr√ľndungen sowie der Bau von Schl√∂ssern und Befestigungsanlagen. Anschlie√üend wurde K√§rnten von den Habsburgern regiert und mit √Ėsterreich, Steiermark und Krain vereinigt.

In der darauf folgenden Zeit bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde K√§rntens Schicksal zun√§chst von den T√ľrkenkriegen, den Bauernaufst√§nden und von den Auswirkungen der Reformation und Gegenreformation gepr√§gt. Unter Maria Theresia kam es Ende des 18. Jahrhunderts zu Reformen, die die Macht der St√§nde beschnitten und den Bauern das Recht an ihrem Besitz zusicherten; K√§rnten verlor seine administrative Selbst√§ndigkeit. Einen weiteren R√ľckschlag in der Entwicklung des Landes hatten die Koalitionskriege ab 1797 zur Folge, als 1809 ganz Oberk√§rnten an Frankreich fiel. Im Jahre 1814 kamen diese Landesteile wieder an das Kaisertum √Ėsterreich, sie wurden aber nunmehr dem habsburgischen K√∂nigreich Illyrien angegliedert.

Nach der Revolution 1848/49 erlangte K√§rnten die Selbst√§ndigkeit und Landeseinheit zur√ľck; von 1867 bis 1918 war es Kronland in √Ėsterreich-Ungarn. Nach Gebietsverlusten im S√ľden des Landes als Folge des Ersten Weltkriegs behielt K√§rnten als Bundesland der Republik √Ėsterreich seine damaligen Grenzen bis heute bei.

Kärntner Herzogseinsetzung auf dem Zollfeld. Zeitgenössische Darstellung von Leopold Stainreuter (14. Jhd.)

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte und Römerzeit

Ur- und Fr√ľhgeschichte

Die √§ltesten Besiedlungsspuren in K√§rnten sind die in der Griffener Tropfsteinh√∂hle im Burgberg von Griffen: Die dort gefundenen Steinger√§te stammen aus der Altsteinzeit (Jungpal√§olithikum) und sind 30 bis 40.000 Jahre alt. Weitere Einzelfunde stammen aus der Mittelsteinzeit (Mesolithikum), und f√ľr die Zeit ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. h√§ufen sich die arch√§ologischen Funde auf K√§rntner Boden, gr√∂√üere Siedlungen gab es wohl am Strappelkogel im Lavanttal, bei Maria Saal und bei Villach. Im Keutschacher See wurden Reste einer Pfahlbausiedlung gefunden, die aus der Zeit von ca. 2500 bis 1500 v. Chr. stammt, allerdings auch einzigartig in K√§rnten ist.

Auch aus der Bronzezeit gibt es einige Fundst√ľcke. Neben bronzenen Werkzeugen und Waffen, die m√∂glicherweise auf eine fr√ľhzeitliche Handelst√§tigkeit mit dem kupferreichen Siebenb√ľrgen schlie√üen lassen, stammt auch der √§lteste Skelettfund auf K√§rntner Boden (St. Salvator bei Friesach) aus der Zeit um 2000 v. Chr.

In der letzten pr√§historischen Epoche, der Eisenzeit, betrieb man in K√§rnten bereits w√§hrend der als Urnenfelderkultur bezeichneten Zeit intensiv Ackerbau. In der Hallstattkultur wurde reger Handel mit Salz und mediterranen Produkten betrieben, f√ľr die sp√§te Hallstattzeit gibt es Fundst√ľcke mit Schriftzeichen von der Gurina im Gailtal, wohl die √§ltesten Schriftdenkm√§ler √Ėsterreichs. Weitere Fundorte der Hallstattzeit sind das Gr√§berfeld von Fr√∂g und die Gracarca.

Der keltische Staat Noricum

Etwa um 300 v. Chr. schlossen sich mehrere keltische und illyrische St√§mme unter der F√ľhrung der Noriker zusammen und errichteten den m√§chtigen keltischen Staat Noricum mit einem befestigten Hauptort auf dem Magdalensberg als Zentrum im heutigen K√§rnten. Sie pr√§gten eigene M√ľnzen und unterhielten weitreichende Handelsbeziehungen. Die Noriker waren bekannt f√ľr den Abbau von Salz und Eisen, wertvolle Handelsg√ľter, mit denen sie schon fr√ľh mit den Etruskern Handel trieben. Es ist damit das wohl erste politische Gebilde auf dem Gebiet des heutigen √Ėsterreichs, das sich im Lauf der darauf folgenden Jahrhunderte im Norden etwa bis zur Donau erstreckte.

Mit den R√∂mern erreichte der norische K√∂nig Cincibilus ab 170 v. Chr. durch ein ‚Äěhospitium publicum‚Äú (lat. f√ľr ‚Äěstaatliche Gastfreundschaft‚Äú) ein freundschaftliches Verh√§ltnis. Im 1. Jahrhundert v. Chr. erreichte Noricum unter Voccio eine bedeutende Ausdehnung nach Osten und Norden. Die Beziehungen mit den R√∂mern weiteten sich √ľber die Handelst√§tigkeit hinaus aus, so sandte Voccio 49 v. Chr. Julius Caesar im beginnenden B√ľrgerkrieg am Rubikon zur Unterst√ľtzung 300 Reiter.

Die römische Provinz Noricum

R√∂mische Provinzen und Orte auf dem Gebiet des heutigen √Ėsterreichs
Der J√ľngling vom Magdalensberg, Zeugnis bl√ľhender r√∂mischer Kultur schon vor der Einrichtung der Provinz.

Die R√∂mer weiteten ihren Einfluss in der Region best√§ndig aus; das gesamte K√∂nigreich Noricum wurde schlie√ülich auf friedlichem Weg um 15 v. Chr. von den R√∂mern besetzt, Hauptort wurde der Magdalensberg. Etwa 45 n. Chr wurde Noricum unter Kaiser Claudius (41 -54 n. Chr.) in eine r√∂mische Provinz unter einem kaiserlichen Statthalter mit Sitz in Virunum auf dem Zollfeld umgewandelt. Neben Virunum lag auch noch die Stadt Teurnia auf heute K√§rntner Boden. Durch die starke Romanisierung entfaltete sich eine bl√ľhende provinzialr√∂mische Kultur. Im K√§rntner Zentralraum war die Besiedlung sehr dicht, besonders in Unterk√§rnten. Wichtige weitere Siedlungen waren Santicum (Villach) und Iuenna (Globasnitz). Wirtschaftlich bedeutend waren der Bergbau nach Eisen, Gold und Blei, daneben auch die Landwirtschaft. Wichtige Heiligt√ľmer au√üerhalb der Siedlungen waren etwa das Noreia-Heiligtum in Hohenstein oder der Mars-Latobius-Tempel in Burgstall-St. Margarethen bei St. Paul im Lavanttal. Unter Diokletian (284-305) wurde die Provinz entlang des Alpenhauptkamms in Noricum ripense (‚ÄěUfernoricum‚Äú) und Noricum mediterraneum (‚ÄěBinnennoricum‚Äú) aufgeteilt. Sitz Binnennoricums wurde Teurnia, das auch Bischofssitz war. Bis 395, dem Zusammenbruch des pannonischen Limes, kam es in Binnennorikum zu einer relativ ruhigen Nachbl√ľte.

Seit dem 5. Jahrhundert wurde das R√∂mische Reich von germanischen St√§mmen bedr√§ngt. In Binnennoricum zog sich die Bev√∂lkerung aus den Siedlungen im Tal in befestigte H√∂hensiedlungen und Kastelle zur√ľck, lediglich Teurnia, das ohnehin auf einer Anh√∂he lag, blieb besiedelt. H√∂hensiedlungen lagen etwa auf dem Hemmaberg, dem Ulrichsberg, Grazerkogel und dem Duel. Kennzeichnend f√ľr diese H√∂hensiedlungen sind jeweils fr√ľhchristliche Kirchen, auf dem Hemmaberg wurden sogar f√ľnf Kirchen ergraben. Nach mehreren Einf√§llen in Italien drangen die Goten im Jahr 408 unter Alarich I., von Emona (Ljubljana) √ľber die Karnischen Alpen kommend, erstmals in Noricum ein, wor√ľber damals der r√∂mische Heerf√ľhrer Stilicho das Kommando f√ľhrte. Stilicho verb√ľndete sich mit Alarich, wurde aber aufgrund dieses Paktes des Hochverrats beschuldigt und hingerichtet. Sein Nachfolger Jovius verweigerte aufgrund eines Eides, den alle r√∂mischen Beamten abzulegen hatten und der einen Frieden mit Alarich verbot, diesem die √úberlassung der Provinzen. Ab 472 kamen Ostgoten und Alemannen durch das Land, ohne es erobern zu k√∂nnen. Selbst nachdem Odoaker 476 den letzten r√∂mischen Kaiser abgesetzt hatte, blieb in den Provinzen die r√∂mische Verwaltung erhalten. Mit dem Tod des K√∂nigs Theoderich zerbrach das Reich der Goten schlie√ülich, ohne dass diese die Kontrolle √ľber das Noricum erlangt hatten. Unter Kaiser Justinian I. eroberte das Ostr√∂mische Reich zwischen 535 und 555 Italien von den Goten zur√ľck.

Der fr√§nkische K√∂nig Theudebert I. erlangte f√ľr kurze Zeit Herrschaft √ľber Noricum und setzte dort Bisch√∂fe ein. Daraufhin kamen Baiern in das Gebiet, trafen dort aber ab 591 auf Slawen, die, bedr√§ngt von den mongolischen Awaren, von Osten einfielen, so dass die Baiern genauso wenig wie die einheimische keltoromanische Bev√∂lkerung Widerstand leisten konnten. So entstand innerhalb von zwei bis drei Generationen aus der norischen Bev√∂lkerung und den slawischen Einwanderern ein neues Volk, die Karantanen.

Mittelalter

F√ľrstentum Karantanien

‚Üí Hauptartikel Karantanien

Der seit M√§rz 2006 im Wappensaal des Klagenfurter Landhauses aufgestellte F√ľrstenstein

Bedr√§ngt vom mongolischen Reitervolk der Awaren str√∂mten um das Jahr 590 vom Osten her Slawische St√§mme in das Gebiet des heutigen K√§rnten ein und zogen, da sie von der noch verbliebenen keltoromanischen Bev√∂lkerung daran nicht gehindert wurden, entlang der Drau immer weiter nach Westen, bis sie um 610 von den Bajuwaren, die zu dieser Zeit von Norden kommend bis ins Pustertal vorgedrungen waren, in einer blutigen Schlacht im Raum Lienz geschlagen wurden. Ein weiteres Vordringen nach S√ľden haben die Langobarden im Friaul verhindert.

So lie√üen sich Slawen in den T√§lern von Drau, Mur und Save nieder und gr√ľndeten um das Jahr 600 das slawische F√ľrstentum Karantanien. Mit den verbliebenen Resten der einheimischen keltoromanischen Bev√∂lkerung verband sie der Wille zum Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der benachbarten Franken und Awaren in den s√ľd√∂stlichen Alpenraum. F√ľr die Bewohner dieses F√ľrstentums wurde die Bezeichnung Karantanen gebr√§uchlich. Zentrum Karantaniens war das Zollfeld, wo die Karantanen auch den F√ľrstenstein hinterlie√üen, die umgedrehte Basis einer r√∂mischen S√§ule, die dazu diente, die in Karnburg residierenden F√ľrsten rituell einzusetzen. Dieser Brauch wurde sp√§ter von den K√§rntner Herz√∂gen √ľbernommen und in das Ritual der Herzogeinsetzung integriert.

Der alte, auf das Reich in der Eisenzeit zur√ľckgehende Landesname Karantanien ‚Äď vermutlich abgeleitet vom keltischen ‚Äěcarant‚Äú (Freund, Verwandter) ‚Äď zeigt an, dass hier Traditionen weitergegeben wurden, wohl durch die verbliebenen einheimischen Keltoromanen. Die Bezeichnung ‚ÄěCarontani‚Äú wurde nachweislich um 700 vom Geografen von Ravenna erstmals erw√§hnt und die sp√§tere Form ‚ÄěCarantanum‚Äú f√ľr das Gebiet des Volkes der Slawen ist vor dem Jahr 800 vom Geschichtsschreiber Paulus Diaconus belegt[1]. Von den deutschen Nachbarn wurden die Karantanen mit dem germanischen Sammelnamen f√ľr die slawischen V√∂lker als ‚ÄěWindische‚Äú bezeichnet. Im Zusammenhang mit der Slawenmission in Karantanien entstanden mit den slowenischsprachigen Freisinger Denkm√§lern auch die √§ltesten Zeugnisse einer slawischen Sprache in lateinischer Schrift.

Die slawischen Karantanenf√ľrsten, die sich sowohl der Angriffe der Awaren im Osten als auch der von Norden in das Gebiet dr√§ngenden Franken erwehren mussten, schlossen Karantanien wohl zun√§chst dem gro√üen Slawenreich des Samo an. Als dieses aber den Awaren gegen√ľber tributpflichtig wurde, ersuchte Borouth (slow. Borut), der erste uns namentlich bekannte Slawenf√ľrst, die Baiern vor 743 um Hilfe gegen die Awaren, die von Herzog Odilo von Bayern auch gew√§hrt wurde, allerdings unter der Voraussetzung der Anerkennung der bairischen bzw. fr√§nkischen Oberhoheit.

Herzogtum Baiern und Fränkisches Reich

Maria Saal, Ort einer der ersten Kirchen in Kärnten (Mitte 8. Jh.)
Mark Karantanien zur Zeit Karls des Großen

Die Einflussnahme der Baiern in Kärnten wurde durch erste christliche Missionen des Bistums Salzburg im 8. Jahrhundert begleitet. Bischof Virgilius ließ den Sohn und den Neffen Borouths, der selbst noch Heide war, als Geiseln nach Salzburg bringen und christlich erziehen. Nach dem Tod Borouths regierten zunächst sein Sohn Cacatius (slowenisch Gorazd) und seit 752 sein Neffe Cheitumar (slow. Hotimir) .

Cheitumar bat Virgilius um die Christianisierung des Landes. Dieser entsandte 767 Modestus als Vikar sowie weitere Kleriker nach Karantanien. Nach dem Tod von Modestus gab es zwei Aufst√§nde der heidnischen Karantanier, ein dritter Aufstand folgte nach dem Tod von Cheitumar im Jahr 770. Die Rebellen konnten die Truppen von Valhun, dem Nachfolger Cheitumars, besiegen und vertrieben die christlichen Missionare. Daraufhin zog der Herzog von Baiern Tassilo III. im Jahr 772 mit Truppen nach Karantanien, schlug den Aufstand zur√ľck und Valhun wurde wieder als Herzog eingesetzt.

Im Zuge der Christianisierung entstanden im Auftrag des Bischofs Virgilius von Salzburg vor 767 zwei Kirchen in Teurnia und Maria Saal, des Weiteren wurden die ersten Kl√∂ster, die auch der Heranholung von Siedlern aus dem Altland diente, gegr√ľndet, zu den ersten geh√∂ren Innichen (769, heute S√ľdtirol) und Kremsm√ľnster (777, heute Ober√∂sterreich).

Nachdem Karl der Gro√üe, seit 768 K√∂nig der Franken und von 800 an Kaiser, Tassilo im Jahr 788 abgesetzt hatte, bedeutete dies das Ende des baierischen Stammesherzogtums. Karantanien wurde gemeinsam mit Baiern und den anderen bis dahin mit Baiern verbundenen Gebieten dem von den Karolingern geschaffenen Fr√§nkischen Reich angegliedert und Reichsbeamten unterstellt. Karl setzte die Expansionspolitik im s√ľd√∂stlichen Raum seines Reichs fort, unterwarf die Awaren und verleibte das benachbarte westliche Pannonien ein, so dass die s√ľd√∂stlichen Grenzen seines Reichs vom Plattensee bis an die Adriak√ľste nach Istrien reichte.

Um 820 l√∂sten fr√§nkische Markgrafen die Stammesf√ľrsten slawischer Abstammung in Karantanien, die bis dahin noch eine gewisse Autonomie des Gebiets gew√§hrleistet hatten, als Landesherren ab. Die Besitzungen der Slawen wurden K√∂nigsland, und die bayerischen Bist√ľmer wurden mit Gebietsschenkungen dotiert. Die kirchlichen Grundherren holten weitere Siedler nach Ober- und Mittelk√§rnten, der geringer werdende slawische Bev√∂lkerungsanteil assimilierte sich allm√§hlich.

Der fr√§nkische K√∂nig Ludwig der Deutsche √ľbertrug 856 seinem Sohn Karlmann Baiern und Karantanien. Dieser weitete daraufhin seinen Einflussbereich auf weitere Gebiete im Ostland aus und verlegte den Mittelpunkt seiner Herrschaft nach Karantanien. Seinem unehelichen Sohn, Arnulf von K√§rnten, √ľbertrug er 876 zun√§chst die Pr√§fektur Pannoniens und die Mark Karantanien. Nach dem Tod des ostfr√§nkischen K√∂nigs Karlmann im Jahr 880 erbte er Karantanien, wurde dann 887 selbst K√∂nig des Ostfrankenreiches und schlie√ülich 896 R√∂mischer Kaiser. Eine der wichtigsten seiner Pfalzen war die Karnburg (‚ÄěCurtis Carantana‚Äú), die er zur Festung ausbauen lie√ü. Als Kaiser vereinigte er f√ľr kurze Zeit und zum letzten Mal in der Geschichte die Teile des Frankenreichs unter einer Regentschaft. Er gilt als letzter bedeutender Herrscher aus dem Haus der Karolinger; sein Sohn Ludwig das Kind trat 899 im Alter von sechs Jahren die Nachfolge an und starb 911 als letzter ostfr√§nkischer Karolingerk√∂nig.

Bereits 893 wurde Luitpold von Arnulf als Markgraf von Karantanien und Oberpannonien eingesetzt. Der Namensgeber des Geschlechts der Luitpoldinger, dessen Nachfolger noch bis 947 in Karantanien regierten, starb 907 bei der Schlacht von Pressburg, in der die Ostfranken eine der verheerendsten Niederlagen w√§hrend der Ungarneinf√§lle erlitten. Nach den Luitpoldingern herrschten die baierischen Herz√∂ge Heinrich I. (von 947 bis 955) und Heinrich II. (von 955 bis 976) √ľber Karantanien.

Ocker: Herzogtum Kärnten mit seinen Marken um das Jahr 1000

Herzogtum Kärnten

Nachdem Heinrich II. der Z√§nker, Herzog des durch die Marken im S√ľden und Osten m√§chtig angewachsenen Baiern, vergeblich versucht hatte, unter den Stammesherz√∂gen einen Aufstand gegen seinen Vetter, Kaiser Otto II., anzuzetteln, beschloss dieser, K√§rnten 976 von Baiern abzutrennen, um so die Macht des Baiernherzogs zu verringern.

K√§rnten wurde damit eigenst√§ndiges Herzogtum neben den alten Stammesherzogt√ľmern Baiern, Schwaben, Franken und Sachsen, und somit die √§lteste L√§ndereinheit auf dem Boden der heutigen Republik √Ėsterreich. An Stelle der Bezeichnung Karantanien kam im Lauf der Zeit immer h√§ufiger ‚ÄěK√§rnten‚Äú bzw. die lateinische Form ‚ÄěCarinthia‚Äú in Gebrauch.

Unter der Verwaltung des Herzogtums standen

Zudem verwaltete der Herzog von K√§rnten als Markgraf von Verona auch die Marken Verona, Friaul und Istrien. Die Herz√∂ge selbst erhielten allerdings kaum Besitzungen, so dass sie auch schnell wieder abgesetzt werden konnten und auch wurden; die Kaiser legten Wert auf die Kontrolle √ľber das Herzogtum.

Als erster Herzog wurde der Luitpoldinger Heinrich III. eingesetzt, dieser verlor das Amt bereits zwei Jahre sp√§ter. Die deutschen Kaiser wollten in K√§rnten zun√§chst ein erbliches Adelsgeschlecht verhindern. Die erste Dynastie des Herzogtums wurde zwar schon 1011 von den Eppensteinern begr√ľndet, deren erster Vertreter, Herzog Adalbero von Eppenstein, jedoch 1035 nach politischen Auseinandersetzungen mit den Saliern gest√ľrzt und verbannt wurde. Es folgten in raschem Wechsel schw√§bische und fr√§nkische Herz√∂ge, wobei K√∂nig Heinrich III. zwischen 1039 und 1047 die Herzogsw√ľrde f√ľr sich behielt.

An die Kirche hingegen wurden umfangreiche Besitzt√ľmer vergeben, das erst 1007 gegr√ľndete Bistum Bamberg wurde gro√üz√ľgig mit Hoheitsgebieten bedacht (z. B. Villach mit dem Kanaltal, Feldkirchen und Wolfsberg mit dem oberen Lavanttal), und das Erzbistum Salzburg erhielt unter anderem die Gegend um die Stadt Friesach, im Mittelalter eine der florierendsten Gegenden im s√ľd√∂stlichen Alpenraum. Das 11. Jahrhundert wurde zu einer Epoche benediktinischer Klostergr√ľndungen:

1072 wird das Bistum Gurk als erstes der Salzburger Eigenbist√ľmer gegr√ľndet, 1131 folgte die Zuteilung einer kleinen Di√∂zese (Dioecesis Gurcensis).

Mit Luitpold von Eppenstein wurde im Jahr 1077 von Heinrich IV. erstmals wieder ein Eppensteiner mit dem Herzogtum K√§rnten und der Mark Verona belehnt. Mit dem Tod seines Bruders und Nachfolgers Heinrich III. starb das Geschlecht 1122 jedoch endg√ľltig aus. Nachfolger der Eppensteiner war das rheinfr√§nkische Geschlecht der Spanheimer, die als erste die Erblichkeit des Lehens durchsetzten. Sie w√§hlten St. Veit als Residenzstadt, und unter ihrer Herrschaft setzte ein wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung in K√§rnten ein, insbesondere die Entwicklung des Markt- und St√§dtewesens unter Herzog Bernhard von Spanheim. Allerdings verlor das Herzogtum K√§rnten unter den Spanheimern, die bis 1269 regierten, an Einfluss.

Schon ab 1025 hatten einige Marken begonnen, sich vom Herzogtum zu l√∂sen, in diesem Jahr wurde das Sanntal eigenst√§ndige Markgrafschaft, 1040 folgten die Krain und Istrien diesem Beispiel. Unter der Regentschaft der Spanheimer gingen 1151 die Marken Verona und Friaul verloren. Als letzte Mark des Herzogtums spaltete sich die Karantanische Mark ab. Ottokar I., der aus der baierischen Grafenfamilie der Traungauer stammte, sowie seine Nachfolger waren ab 1056 Markgrafen der Karantanischen Mark. Barbarossa erhob diese im Jahr 1180 zum selbst√§ndigen Herzogtum, das nach der Stammburg zu Steyr auch schon zuvor Steiermark genannt wurde, und setzte Ottokar IV. als Herzog ein. Schlie√ülich ging auch der Lungau, ein Gebiet in den Zentralalpen, vom K√§rntner Kernland durch hohe Berge getrennt, dem Herzogtum 1246 verloren und in den Besitz der Salzburger Bisch√∂fe √ľber. 1252 wurden mit dem Frieden von Lieserhofen zwischen Philipp, Erw√§hltem von Salzburg, Albert III., Graf von Tirol, und Meinhard III., Graf von G√∂rz, die Einflusssph√§ren in diesem Raum geregelt.

Die sp√§tere Hauptstadt Klagenfurt wurde 1193/99 erstmals urkundlich als forum Chlagenuurt erw√§hnt. Aufgrund seiner verkehrsg√ľnstigen Lage zwischen Wien und Venedig und nicht zuletzt wegen seiner reichen Silbervorkommen im nahen Zeltschach wurde jedoch Friesach ab 1215 erste und lange Zeit wichtigste Stadt K√§rntens. Am 4. Mai 1201 ersch√ľtterte ein starkes Erdbeben Oberk√§rnten und zerst√∂rte die Burgen Rauchenkatsch und Wei√üenstein und brachte ‚Äěeinige Kirchen zu Fall‚Äú. Das Epizentrum lag im Liesertal. Das mittelalterliche K√§rnten erreichte mit Bernhard von Spanheim, der von 1202 bis 1256 regierte, aufgrund seiner kr√§ftigen F√∂rderung des dortigen St√§dtewesens seine Bl√ľtezeit. Der silberne Friesacher Pfennig war in dieser Zeit auch √ľber die Grenzen K√§rntens hinaus das wichtigste Zahlungsmittel im Ostalpenraum. Mit dem Tod seines Nachfolgers Herzog Ulrich III. von K√§rnten erlosch 1269 die letzte einheimische Herzogsdynastie, 1279 starb mit seinem Bruder Philipp von Spanheim der letzte seines Geschlechts.

Neben dem Herzogsgeschlecht waren aber auch mehrere andere Adelsfamilien (z. B. die Görzer, die Ortenburger, die Heunburger), vor allem aber der Erzbischof von Salzburg, der Bischof von Freising und der Bischof von Bamberg Besitzer bedeutender Ländereien, was die Ausbildung einer geschlossenen Landesherrschaft verhinderte.

Kärnten wird habsburgisch

In den Jahren 1269 bis 1276 fiel K√§rnten durch den Erbvertrag von Podiebrad an den b√∂hmischen K√∂nig PŇôemysl Ottokar II. Nach seinem Tod wurde das Land von 1276 bis 1286 erstmals mit anderen Gebieten des heutigen √Ėsterreich vereinigt. Anschlie√üend kam K√§rnten an die Grafen von G√∂rz-Tirol; Meinhard II. von Tirol war von 1286 bis 1295 der erste derjenigen Herz√∂ge von K√§rnten aus diesem Geschlecht, die noch bis 1335 in Besitz des Landes blieben, jedoch nicht mehr st√§ndig in K√§rnten residierten.

Mit Graf Ulrich von Heunburg wurde 1270 zum ersten Mal ein K√§rntner Landeshauptmann berufen. 1292 war Ulrich der Anf√ľhrer eines gegen Albrecht I. von Habsburg gerichteten Aufstands, in dessen Verlauf er 1292 die Burg Griffen besetzte und zum Zentrum seiner Aktivit√§ten machte. Die Aufst√§ndischen wurden jedoch 1293 durch Herzog Meinhard II. am Wallersberg und bei Griffen endg√ľltig geschlagen.

Meinhards Söhne, Heinrich, Otto und Ludwig, beerbten ihn nach seinem Tod 1295 als gleichberechtigte Erben, 1305 war jedoch nur noch Heinrich am Leben, der selbst ohne männliche Nachkommen blieb, so dass mit ihm das Geschlecht der Meinhardiner 1335 ausstarb.

1335 wurde K√§rnten von Kaiser Ludwig dem Bayern den Habsburgern √ľbertragen und mit √Ėsterreich, Steiermark und Krain vereinigt. Allerdings wurden die Landesfreiheiten, die ‚ÄěK√§rntner Landshandveste‚Äú, von Herzog Albrecht II. best√§tigt, ebenso wie die Stadtrechte von St. Veit und Klagenfurt. Als 1363 auch Tirol an den Habsburger Herzog Rudolf IV. fiel, entstand in den Ostalpen ein L√§nderkomplex, der Herrschaft zu √Ėsterreich genannt wurde.

Dieser wurde allerdings im ausgehenden 14. sowie fast das gesamte 15. Jahrhundert √ľber durch Erbteilungen mehrfach geteilt, sowie teilweise von Truppen des Ungarnk√∂nigs Matthias Corvinus besetzt. So wurde K√§rnten in den Jahren 1379/1411 bis 1457 (und sp√§ter nochmals von 1564 bis 1619) gemeinsam mit der Steiermark, der Krain und dem K√ľstenland zu Inner√∂sterreich vereint. Erst Friedrich V. gelang Ende des 15. Jahrhunderts eine Vereinigung der habsburgischen L√§nder, als er alle seine Gegner √ľberlebte und beerbte.

Jahrzehnte der Naturkatastrophen

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts waren die Bewohner K√§rntens einer Reihe von Naturkatastrophen ausgesetzt. 1338 und 1339 wurden ganze Landstriche von aus dem Osten kommenden Heuschreckenschw√§rmen heimgesucht, und der Winter 1339/40 brachte eine ungew√∂hnlich lange K√§lteperiode mit sich. Ein Erdbeben am 25. J√§nner 1348 mit Epizentrum in Friaul verursachte auch in S√ľdk√§rnten schwere Sch√§den, und zog einen Bergsturz des Dobratsch nach sich, was wiederum zu einer Aufstauung der Gail und gro√üfl√§chigen √úberschwemmungen f√ľhrte. Zahlreiche Geb√§ude, darunter auch Kirchen und Burgen wurden zerst√∂rt. Wenige Wochen sp√§ter erreichte eine von Italien ausgehende Pestepidemie, die sich in der Folge √ľber ganz Mitteleuropa ausbreitete, auch K√§rnten und forderte in den Jahren 1348 und 1349 zahlreiche Todesopfer.

Die nach den Ursachen f√ľr diese Folge von Ungl√ľcken betroffenen K√§rntner vermuteten teilweise ein Strafgericht Gottes, was zu Bu√üfertigkeit bis hin zur Selbstkasteiung wie unter anderem √∂ffentlichen Prozessionen von Flagellanten f√ľhrte; andere wiederum verd√§chtigten die Juden als Ausl√∂ser der Seuche, da ihnen Quellen- und Brunnenvergiftung angelastet wurde. Dies hatte √∂rtlich die Verfolgung von Judengemeinden zur Folge, so sind zum Beispiel von Wolfsberg schwere Ausschreitungen gegen Juden aus dem Jahr 1349 √ľberliefert.

Fr√ľhe Neuzeit

T√ľrkenkriege und Bauernaufst√§nde

Im Zeitraum von 1473 und 1483 fielen t√ľrkische Heerscharen f√ľnfmal in K√§rnten ein. Nach der Erst√ľrmung Konstantinopels im Jahre 1453 drangen die T√ľrken durch das Gebiet des heutigen Balkan weiter nach Westen vor und bedrohten im Jahre 1469 zum ersten Mal die Grenzen Krains. Als man von der neuen Gefahr erfuhr, wurden die Kirchen und Herrschaftssitze fieberhaft ausgebaut und die P√§sse an der S√ľdseite des Landes abgesichert. Um die Kosten daf√ľr aufzubringen, beschloss der St√§ndetag in V√∂lkermarkt, eine Leibsteuer einzuf√ľhren, die jede Person, unabh√§ngig von Alter und Stand zu entrichten hatte. Ende September 1473 fielen die T√ľrken √ľber den Seebergsattel kommend in das Jaunfeld ein und zogen f√ľnf Tage lang pl√ľndernd und brandschatzend bis nach Mittelk√§rnten und das Glantal. Milit√§risch konnte das Land dem Reitervolk nichts entgegensetzen, so dass sich die Ritter, Adligen und Geistlichen in ihren Burgen verschanzten, w√§hrend der gr√∂√üte Teil des Volks dem √úberfall schutzlos ausgeliefert war. Drei Jahre sp√§ter brachen die T√ľrken erneut nach K√§rnten ein, diesmal vom Savetal her, brannten Arnoldstein nieder, verw√ľsteten das Gailtal und das Gebiet um Villach. Sie lie√üen sich in der Drauschlinge bei Wernberg (die Gegend hei√üt heute noch "T√ľrkei") nieder, von wo aus sie ihre Raubz√ľge fortsetzten.

Weil die Bauern angesichts der Unt√§tigkeit ihrer Herren sich nicht weiteren Angriffen wehrlos ausgesetzt sehen wollten, organisierten sie sich in einem K√§rntner Bauernbund unter der F√ľhrung von Peter Wunderlich. Zu der Gr√ľndung dieses Bundes 1478 bei Spittal schrieb der Chronist Jakob Unrest: Do man zahlt nach Christi gepurt 1478 umb Lichtme√ü machten die Pawren pey der Traa unter Spital einen Pundt. Sie machten iren punt in kurzen Tagen grosz und ye langer, je grozer und weyter. Der Bauernbund konnte, als die T√ľrken am 25. Juni des Jahres √ľber den Predil zum dritten Mal eindrangen, auf der "Goggauer Wiese" bei Arnoldstein 3000 Bewaffnete mobilisieren [2]. Angesichts der anst√ľrmenden Reiter ergriff ein gro√üer Teil jedoch die Flucht, so dass die verbliebenen etwa 600 Mann in kurzer Zeit √ľberw√§ltigt wurden. Auch dieser √úberfall war nicht der letzte, es sollten noch zwei weitere Einf√§lle in den Jahren 1480 und 1483 folgen.

Da zudem zwischen 1480 und 1490 der Ungarnk√∂nig Matthias Corvinus im Bunde mit Salzburg Friedrich III. bekriegte und Teile K√§rntens besetzte, kam es zu einer der schlimmsten Notzeiten des Landes. Daran schloss sich 1490 eine Heuschreckenplage an. Die Unzufriedenheit der Bev√∂lkerung, insbesondere der Bauern, entlud sich ab der zweiten H√§lfte des 15. Jahrhunderts in mehreren Aufst√§nden. Einerseits erhoben die Grundherren und der Adel immer h√∂here ‚ÄěT√ľrkensteuern‚Äú, waren aber andererseits nicht in der Lage, f√ľr einen ausreichenden Schutz zu sorgen. Der "K√§rntner Bauernaufstand 1478" unter der F√ľhrung von Peter Wunderlich war sowohl gegen die Grundherren als auch gegen die T√ľrken gerichtet. Im Jahre 1515 lehnte sich die im ‚ÄěWindischen Bundschuh‚Äú organisierte Bauernschaft unter dem Motto ‚Äěza staro pravdo‚Äú (f√ľr das alte Recht) gegen neu gefasste Rechtsgrunds√§tze in der slowenischen Untersteiermark auf. Die Ausl√§ufer des Deutschen Bauernkriegs erreichten 1525 auch Oberk√§rnten und die Krain (Schlacht bei Schladming). Die Aufst√§nde wurden schlie√ülich 1526 durch vom Schw√§bischen Bund unterst√ľtzte √∂sterreichische Truppen niedergeschlagen.

1500 erlosch das Geschlecht der Grafen von G√∂rz aus dem Haus der Meinhardiner mit Leonhard von G√∂rz, der Besitz wurde zwischen K√§rnten und Tirol, das den heutigen Bezirk Lienz erhielt, aufgeteilt. Die Besitzungen des salzburgischen Bistums wurden gr√∂√ütenteils der landesf√ľrstlichen Hoheit unterworfen. 1518 schenkte Kaiser Maximilian I. den K√§rntner St√§nden die 1514 abgebrannte Stadt Klagenfurt. Sie wurde im 16. Jahrhundert als landst√§ndische Residenz neu auf- und ausgebaut und folgte Sankt Veit an der Glan, das bislang Sitz der St√§nde war, als politischer Mittelpunkt und Landeshauptstadt.

Nach der Schlacht bei Moh√°cs im Jahr 1526 lag K√§rnten nicht mehr weit von der Grenze zum Osmanischen Reich, die T√ľrkenkriege nahmen einen guten Teil der Kraft des Landes in Anspruch. Zahlreiche Wehrkirchen und vor allem die damals massiv ausgebaute Burg Hochosterwitz zeugen noch heute von der latenten Gefahr von Pl√ľnderungen, Brandschatzungen und Massakern an der Bev√∂lkerung.

Reformation und Gegenreformation

Im Lauf des 16. Jahrhunderts kam es zu einem starken Anstieg des Protestantismus, Zentrum der Bewegung in K√§rnten war ab Mitte der 1520er Jahre Villach. Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurden die Protestanten zwar anerkannt, doch erst infolge des ‚ÄěBrucker Libells‚Äú von 1578, in dem der dem Augsburger Bekenntnis zugetane Adelsstand dem Calvinismus eine Absage erteilte, wurde auf Druck des Adels hin durch Erzherzog Karl II. in Inner√∂sterreich (Steiermark, K√§rnten, Krain) Religionsfreiheit gew√§hrt. Dies hatte nicht nur die Duldung des Protestantismus zur Folge, sondern auch, dass fast ganz K√§rnten im ausgehenden 16. Jahrhundert protestantisch war. Das Land ist bis heute neben dem Burgenland eine Hochburg des Protestantismus in √Ėsterreich, der sich vor allem in entlegenen T√§lern halten konnte.

Die Stra√üburg, Sitz der Gurker F√ľrstbisch√∂fe

Erzherzog Ferdinand III., der sp√§tere Kaiser Ferdinand II., begann um 1600 mit der landesf√ľrstlichen Gegenreformation im B√ľrgertum und Bauernstand. Die Reformationskommission unter der F√ľhrung von Bischof Martin Brenner von Seckau zog durchs ganze Land und erzwang Bekehrungen. 1628 wurde auch die Religionsfreiheit des Adels aufgehoben. Die Auswirkungen der Gegenreformation waren wirtschaftlicher Niedergang, Erliegen des Edelmetallbergbaues, Abstieg der St√§ndemacht und massive Auswanderung vor allem nach S√ľddeutschland.

Der K√§rntner Besitz des Erzbistums Bamberg wurde 1649 voll der landesf√ľrstlichen Hoheit unterworfen.

Im 18. Jahrhundert verloren die Konfessionsk√§mpfe an Sch√§rfe, allerdings kam es noch 1732 zu einer neuen Protestantenverfolgung. Die Protestanten wurden nunmehr in die von den T√ľrkenkriegen verw√ľsteten Gebiete Siebenb√ľrgens und des Banats abgesiedelt.

Kärnten im 18. Jahrhundert

Unter Maria Theresia kam es zu verschiedenen Reformen in der Verwaltung (Kreiseinteilung) und Steuererhebung (Steuerrektifikation), die das Ziel hatten, die Verwaltung der Monarchie zu vereinheitlichen und die Macht der St√§nde zu beschneiden. 1772 wurde auch das gesetzliche Erbrecht der Bauern an ihrem Besitz verf√ľgt.

1759 wurden durch Kauf die in Kärnten gelegenen Besitzungen des Bistums Bamberg erworben, dadurch kamen unter anderem Villach und das Kanaltal, Feldkirchen, Griffen, Wolfsberg, Bad St. Leonhard und das obere Lavanttal in den Herrschaftsbereich der Habsburger.

Nach dem Toleranzpatent Kaiser Josephs II. 1781 bekannten sich √ľber 14.000 Geheimprotestanten und bildeten evangelische Pfarren.

1782 verlor Kärnten durch die Unterstellung unter die Regierung in Graz seine administrative Selbständigkeit (mit Unterbrechungen von 1790 bis 1804). Das innerösterreichische Appellationsgericht kam nach Klagenfurt.

Der Gurker F√ľrstbischof √ľbersiedelte 1787 nach Klagenfurt. Die Di√∂zese Gurk umfasste nun den gr√∂√üten Teil K√§rntens.

Moderne

Die Koalitionskriege und die Folgen

Auf die Franz√∂sische Revolution folgten ab 1792 die Koalitionskriege zwischen Frankreich und seinen europ√§ischen Gegnern. Zun√§chst nicht von Kampfhandlungen betroffen, wurde K√§rnten im Zuge des oberitalienischen Feldzugs 1797 Angriffsziel Napol√©on Bonapartes. Am 27. M√§rz marschierten franz√∂sische Truppen unter F√ľhrung von General Andr√© Mass√©na vor Klagenfurt auf. Die Stadt wurde den Angreifern kampflos √ľberlassen, zwei Tage sp√§ter kam Napol√©on selbst in die Stadt und best√§tigte hier eine provisorische Stadtverwaltung (‚ÄěCentralcommision‚Äú) Klagenfurter B√ľrger. Kurz darauf, am 18. April 1797, wurde der Vorfrieden von Leoben zwischen Frankreich und √Ėsterreich beschlossen und bereits am 24. Mai, nach dem Frieden von Campo Formio, verlie√üen die Franzosen Klagenfurt wieder.

Der Frieden hielt allerdings nicht lange. Im Zweiten Koalitionskrieg von 1799 bis 1802 organisierte sich in Kärnten eine Landesverteidigung, da man sich angesichts der Erfolge Napoléons in Italien auch weiterhin bedroht sah, obwohl es auch damals nicht zu militärischen Auseinandersetzungen auf Kärntner Boden kam. Im selben Jahr zog Napoléon siegreich in Wien ein, Klagenfurt wurde im November 1805 zum zweiten Mal von französischen Soldaten besetzt.

Nach dem Pressburger Frieden wurde K√§rnten ein Grenzland, da √Ėsterreich Venedig und Dalmatien an die Republik Italien abtreten musste. Die schweren Kriegskontributionen sowie die Missernten der Jahre 1804 und 1805 brachten K√§rnten an den Rand des Ruins.

Grenzstein √Ėsterreich ‚Äď Frankreich im Norden K√§rntens (1814)

In den Folgejahren begann sich Widerstand gegen die aus den Koalitionskriegen resultierende Fremdherrschaft zu formieren. Von Tirol aus, das seit dem Pressburger Frieden unter bayerischer Herrschaft stand, f√ľhrte Andreas Hofer die Aufst√§ndischen an, in K√§rnten hatte Johann Baptist T√ľrk den Oberbefehl √ľber den ‚ÄěK√§rntner Landsturm‚Äú. Am 9. April 1809 kam es erneut zum Krieg zwischen Frankreich und √Ėsterreich, in K√§rnten wurden die Stellungen Malborghet im Kanaltal und auf dem Predilpass durch die Hauptleute Johann Hermann von Hermannsdorf und Friedrich Hensel verteidigt, die allerdings beide in den Schlachten den Tod fanden.

Bis zum Frieden von Sch√∂nbrunn besetzten die Franzosen K√§rnten erneut und sprengten hierbei mehrere Befestigungsanlagen, wovon vor allem Klagenfurt betroffen war. Als weitere Folge des Kriegs wurde Oberk√§rnten mit der Stadt Villach vom Land abgetrennt und bildete als Teil von Napol√©ons ‚ÄěIllyrischen Provinzen‚Äú das D√©partement ‚ÄěCarinthie‚Äú.

Nach Napol√©ons Niederlage im Russlandfeldzug 1812 konnte Villach zwar 1813 zur√ľckerobert werden, das Gebiet wurde aber 1813/14 dem habsburgischen K√∂nigreich Illyrien mit der Hauptstadt Laibach zugeschlagen. Erst 1849 sollte K√§rnten wieder selbst√§ndige Verwaltungseinheit werden.

Nach der Revolution von 1848

Hochofen in der Heft bei H√ľttenberg

Die Revolution von 1848/49, die in √Ėsterreich am 13. M√§rz 1848 mit blutigen Ausschreitungen in Wien begann, verlief f√ľr K√§rnten relativ friedlich. Die errungenen Freiheiten √§u√üerten sich ‚Äď nach Wiener Vorbild ‚Äď in der Aufstellung einer Nationalgarde sowie der Gr√ľndung des demokratischen ‚ÄěK√§rntner Volksvereins‚Äú. Die neue politische Ordnung brachte den Bauern eine Grundentlastung von allen Abgaben an die Grundherrschaft und weitgehend gleichberechtigte B√ľrgerrechte.

Ein erster frei (allerdings nur von wenigen Männern) gewählter Kärntner Landtag trat zusammen und forderte die Wiederherstellung der Selbstständigkeit und Verwaltungseinheit des Landes. Diese Forderung wurde schließlich auch durchgesetzt, und 1849 wurde das alte Kronland Kärnten der Habsburgermonarchie wieder hergestellt, Klagenfurt wurde wieder zur Landeshauptstadt. Um nationalstaatlichen Bestrebungen entgegenzuwirken, wurden den Kärntner Slowenen Autonomierechte zugestanden.

Mit dem provisorischen Gemeindegesetz vom 17. M√§rz 1849 wurden im Lauf der Jahre 1849 und 1850 in K√§rnten die 713 im Jahr 1785 geschaffenen Steuer- und Katastralgemeinden zu 181 Ortsgemeinden zusammengefasst. Seither gab es zwar einige Korrekturen, wie z. B. die Gemeindereform 1973, und Zusammenlegungen, ein gro√üer Teil der heute 132 Gemeinden hat ihre 1850 festgelegten Gebiete bis heute beibehalten. Nach der Organisation der Gemeinden wurden diese 1849 einem der 28 neu gegr√ľndeten Bezirksgerichte zugewiesen. Aus mehreren Bezirksgerichtssprengeln wiederum wurde jeweils eine Bezirkshauptmannschaft gebildet. Die somit bereits 1850 geschaffene Bezirkseinteilung hat bis heute nur zwei √Ąnderungen erfahren (1932 wurde Villach Statutarstadt und der Bezirk Feldkirchen wurde erst 1982 gebildet).

Kärnten auf einer Landkarte von 1899

Der Kirche, in deren Tätigkeit der Josephinistische Staat weit eingegriffen hatte, wurden weitreichende Rechte im Bereich Klerus, Eherecht und Schulwesen zugestanden. Das Bistum Lavant erhielt 1859 in Marburg einen neuen Sitz, seine Kärntner Gebiete kamen an das Bistum Gurk, das auf diese Weise mit Kärnten deckungsgleich wurde.

Mit der Reichsverfassung 1861 erhielt K√§rnten wie die anderen Kronl√§nder eine Landesordnung, der zufolge ein Landtag und ein Landesausschuss als dessen Exekutivkomitee gebildet wurden.[3] Der vom Kaiser aus der Mitte der Mitglieder ernannte Vorsitzende von Landtag und Landesausschuss wurde als Landeshauptmann bezeichnet. Diesen autonomen Landesorganen stand der Statthalter als Vertreter von Kaiser und Zentralregierung gegen√ľber. In K√§rnten trug der Statthalter (wie in nur vier anderen Kronl√§ndern) den Titel Landespr√§sident, sein Amt wurde als Landesregierung bezeichnet. In der 1867 gebildeten Doppelmonarchie √Ėsterreich-Ungarn war K√§rnten Teil Cisleithaniens, der √∂sterreichischen Reichsh√§lfte. Es entsandte sp√§ter gew√§hlte Abgeordnete zum Reichsrat in Wien.

F√ľr die einheimische Industrie erwies es sich als Vorteil, dass hier schon seit Jahrhunderten Bergbau betrieben wurde. Etwa ein Viertel der Bev√∂lkerung lebte von der Eisenverarbeitung, dem Bergbau und der Holzkohleherstellung. Diese Produkte erlebten mit dem Siegeszug der Eisenbahn in der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts eine enorme Nachfrage.

Durch den Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz gewannen zwar die einheimische Industrie und der Handel zun√§chst an wirtschaftlicher St√§rke, allerdings konnten die meisten K√§rntner Betriebe langfristig mit der rasanten industriellen Entwicklung nicht Schritt halten: Viele Gruben und Werke mussten Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlossen werden, darunter zwischen 1901 und 1908 auch die Hoch√∂fen in der Heft bei H√ľttenberg.

Ein Nebeneffekt des Anschlusses an das Schienennetz war, dass in K√§rnten nach und nach der Fremdenverkehr zunahm; eine Entwicklung, die ab den 1930er Jahren zum systematischen Ausbau eines eigenen, heute f√ľr das Land sehr wichtigen Wirtschaftszweigs f√ľhrte.

Der Gebirgskrieg 1915‚Äď18

Knapp ein Jahr nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs erkl√§rte das zuvor neutrale Italien √Ėsterreich am 23. Mai 1915 den Krieg. Da K√§rntens Au√üengrenzen bis zu diesem Zeitpunkt nicht bedroht waren, k√§mpften die Truppenverb√§nde des Landes an der Ostfront. Man sah sich daher gezwungen, zun√§chst Freiwilligenverb√§nde aufzustellen, die an der 100 km langen Grenze zu Italien den Feind aufzuhalten versuchten, bis regul√§re Truppen eintrafen. In dem erbitterten Stellungskrieg in den Julischen und Karnischen Alpen verloren in den Wintermonaten auf beiden Seiten zahlreiche Soldaten ihr Leben, auch durch Lawinenabg√§nge. Die zw√∂lf Isonzoschlachten zwischen 1915 und 1917 forderten Hunderttausende von Opfern.

Abwehrkampf und Volksabstimmung

Alte Grenze √Ėsterreich ‚Äď Italien in Pontebba
→ Hauptartikel: Kärntner Abwehrkampf

Das Ende des Krieges bedeutete zugleich das Ende f√ľr das alte Herzogtum K√§rnten: Die provisorische K√§rntner Landesversammlung unter der F√ľhrung von Arthur Lemisch erkl√§rte am 11. November 1918 den Beitritt zur Republik Deutsch√∂sterreich. Am 1. Dezember 1918 wurde das SHS-K√∂nigreich (K√∂nigreich der Serben, Kroaten und Slowenen) gegr√ľndet. Dieses beanspruchte im Zuge der Abl√∂sung Sloweniens vom √∂sterreichischen Staatenverbund das gesamte S√ľdk√§rntner Gebiet, und bis Anfang Dezember hatten Truppen unter General Rudolf Maister bereits Ferlach, V√∂lkermarkt und Bleiburg besetzt. Am 5. Dezember beschloss die K√§rntner Landesversammlung, die ihrerseits die S√ľdgrenze K√§rntens entlang des Karawanken-Gebirgszug festgelegt haben wollte, den bewaffneten Widerstand. Bis zum 7. Mai 1919 wurden alle bis auf die laut Waffenstillstandsvertrag ger√§umten Gebiete entsetzt.

Aufgrund der Abkommen im Friedensvertrags von St. Germain von 1919 kam das Kanaltal an Italien, das Mie√ütal, Unterdrauburg und die Gemeinde Seeland (Kankertal) an das SHS-K√∂nigreich ‚Äď was f√ľr K√§rnten den Verlust von immerhin 8 % des Territoriums und 6 % der Bev√∂lkerung bedeutete ‚Äď; f√ľr den Verbleib S√ľdk√§rntens wurde eine Volksabstimmung festgelegt. Die Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 ergab bei einer fast 100%igen Wahlbeteiligung, dass die Mehrheit der Bev√∂lkerung (59,04 %) f√ľr einen Verbleib K√§rntens bei √Ėsterreich stimmte, darunter auch ein nicht geringer Anteil an Slowenen, die in diesem Wahlgang rund 70 % der W√§hler stellten, und denen seitens der Landesregierung kurz vor der Wahl weitgehende Minderheitsrechte zugesagt wurden.

Zwar versuchte der SHS-Staat nach der Volksabstimmung neuerlich, Kärnten zu besetzen, musste aber seine Truppen aufgrund internationaler diplomatischer Proteste bis 22. November 1920 aus dem Abstimmungsgebiet abziehen. Die 1920 festgelegten Grenzen Kärntens sind bis heute unverändert geblieben.

Zwischen 1920 und 1934

Das Ergebnis der Volksabstimmung wurde als gro√üer Erfolg gefeiert. Das Land litt jedoch an den Folgen der Kriegswirtschaft. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Kohle, an denen vor allem akuter Mangel herrschte, war aufgrund der abgeschnittenen Handelsverbindungen in die ehemaligen Gebiete der Donaumonarchie problematisch. Die Folge davon war der Anstieg der Inflation und der Arbeitslosigkeit, die zu einer wirtschaftlichen Krise in K√§rnten f√ľhrte.

Zudem polarisierte sich das politische Leben seit den fr√ľhen 1920er Jahren zusehends. Mit den konservativen ‚ÄěHeimatsch√ľtzern‚Äú und dem sozialdemokratischen ‚ÄěRepublikanischen Schutzbund‚Äú standen sich sogar zwei paramilit√§rische Verb√§nde mit gegens√§tzlicher Weltanschauung gegen√ľber. Allerdings kam es zun√§chst nicht zu ernsthaften Auseinandersetzungen.

Jahr Gäste Herkunftsland
√Ėsterreich Deutschland Sonstige
1923 11.300 78,6% 5,8% 15,6%
1926 164.900 75,3% 21,6% 3,1%
1929 276.400 67,5% 18,9% 13,6%
1934 250.160 83,3% 1,1% 13,1%
1938 341.040 35,3% 56,2% 8,3%
Entwicklung des Fremdenverkehrs 1923-38

Ab Mitte der 20er Jahre entspannte sich die Situation allm√§hlich. Im √ľberwiegend auf Agrarwirtschaft ausgerichteten K√§rnten zog der Fortschritt zun√§chst in den St√§dten ein: 1924 nahm die Radio Verkehrs AG ihren Sendebetrieb auf, 1925 wurde der Flughafen Klagenfurt er√∂ffnet. In zahlreichen St√§dten und Gemeinden begann man verst√§rkt in den Fremdenverkehr zu investieren; so wurden beispielsweise am 3. Juli 1927 die wiedererbaute Na√üfeldh√ľtte des Alpenvereins auf dem Na√üfeld im Gailtal er√∂ffnet, ab 1928 das Strandbad Klagenfurt am W√∂rthersee ausgebaut, und in Oberk√§rnten mit dem Bau der Gro√üglockner-Hochalpenstra√üe begonnen, die 1935 f√ľr den Verkehr freigegeben wurde.

Auf die Ans√§tze des wirtschaftlichen Aufschwungs und des Optimismus folgte die Weltwirtschaftskrise der beginnenden 1930er Jahre, die in K√§rnten die Schlie√üung von H√ľttenwerken, einen Verfall der Viehpreise, fallende Nachfrage nach Produkten der holzverarbeitenden Industrie sowie einen erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Angesichts dieser gesellschaftlichen Situation versch√§rfte sich auch das politische Klima wieder, Sozialdemokraten und Kommunisten auf der einen sowie die Heimwehren und die Nationalsozialisten auf der anderen Seite gerieten bei Aufm√§rschen aneinander.

Austrofaschismus

Seit Anfang der 1930er Jahre erzielten die Nationalsozialisten in Kärnten bei Landtagswahlen, vor allem aber auch bei Gemeinderatswahlen beachtliche Stimmengewinne. So stellte die NSDAP in der Landeshauptstadt Klagenfurt 1931 die zweitstärkste Gemeinderatsfraktion, im darauf folgenden Jahr gelang ihr auch in zahlreichen Gemeinden der Durchbruch zu einer politisch bedeutsamen Partei.

Der √∂sterreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfu√ü versuchte ab M√§rz 1933 ‚Äď nach der vorgeblichen ‚ÄěSelbstausschaltung des Parlaments‚Äú ‚Äď mit Notverordnungen einen Weg aus der Krise zu finden. Er bildete ein autorit√§res Regime und stand sowohl dem Nationalsozialismus (dessen Partei er per Landesverfassungsgesetz im Sommer 1933 verbot) als auch der Sozialdemokratie strikt ablehnend gegen√ľber. Doch auch w√§hrend des Verbots der NSDAP und nach der Aufhebung aller Landtags- und Gemeinderatsmandate war K√§rnten im austrofaschistischen St√§ndestaat (ab 1. Mai 1934) eine √∂sterreichische Hochburg des Nationalsozialismus, was sich in Flugbl√§ttern, Demonstrationen bis hin zu Sprengstoffanschl√§gen √§u√üerte, ein Putschversuch der Nazis am 25. Juli 1934 (Juliputsch), dem Tage der Ermordung Dollfu√ü', der auch in K√§rnten zur St√ľrmung mehrerer Orte f√ľhrte, wurde innerhalb weniger Tage von Truppen der √∂sterreichischen Armee und der Heimatverb√§nde niedergeschlagen. Der St√§ndestaat konnte sich unter Bundeskanzler Kurt Schuschnigg trotz vergleichsweise geringen R√ľckhalts in der Bev√∂lkerung bis 1938 halten. Landeshauptleute der Vaterl√§ndischen Front in K√§rnten waren Ludwig H√ľlgerth (1934‚Äď36) und Arnold Sucher (1936‚Äď38).

Zeit des Nationalsozialismus

Am Tag des R√ľcktrittes von Bundeskanzler Schuschnigg, dem 11. M√§rz 1938, kam es in den K√§rntner St√§dten Klagenfurt und Villach zu Demonstrationen der Nationalsozialisten. Im Amtsgeb√§ude der Landesregierung erzwangen der NSDAP-Gauleiter Franz Kutschera sowie Wladimir von Pawlowski von Landeshauptmann Arnold Sucher die √úbergabe des Amtes an Pawlowski. Bereits am Tag darauf befand sich die gesamte Verwaltung K√§rntens inklusive der Gemeinden in H√§nden der Nationalsozialisten, die damit als erstes Bundesland √Ėsterreichs die Macht√ľbernahme melden konnten. Bei der ‚ÄěVolksabstimmung‚Äú √ľber den Anschluss √Ėsterreichs an das Deutsche Reich stimmten am 10. April 1938 in K√§rnten 99,83 % der Stimmberechtigten mit ‚ÄěJa‚Äú. In 105 so genannten ‚ÄěF√ľhrergemeinden‚Äú gab es keine einzige Nein-Stimme. Im Vorfeld war durch die Propaganda eine Verbindung mit der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 hergestellt worden.

Ab Mai war Hubert Klausner Landeshauptmann, nach seinem Tod folgte ihm im Februar 1939 Pawlowski als gesch√§ftsf√ľhrender Landeshauptmann. Pawlowski war parallel dazu von August 1939 bis Juni 1942 Regierungspr√§sident, von M√§rz 1940 bis Dezember 1941 Gauhauptmann und ab April 1940 Vertreter des Reichsstatthalters in K√§rnten, ein Musterbeispiel f√ľr die √Ąmterverflechtung von Partei- und Staats√§mtern im Dritten Reich. Am 18. November 1941 wurde Friedrich Rainer zum NSDAP-Gauleiter und Landeshauptmann von K√§rnten ernannt.

Bereits im Oktober 1938 wurde Osttirol dem Gau Kärnten angegliedert. Dieser blieb zunächst ein Partei-Gau und wurde erst mit 1. Mai 1939 ein Reichsgau. Nach der Kapitulation Jugoslawiens am 17. April 1941 (Balkanfeldzug) wurden das Mießtal und Oberkrain an Kärnten angeschlossen.

In der Zeit des Nationalsozialismus stellte K√§rnten mit rund 6 % der Bev√∂lkerung √Ėsterreichs 15,4 % der NSDAP-Mitglieder. In K√§rnten gab es 13.333 SS-Mitglieder.

Das ‚ÄěSlowenenproblem‚Äú

Nach dem ‚ÄěAnschluss‚Äú √Ėsterreichs gab es im gemischtsprachigen Teil K√§rntens verschiedene Spekulationen: Die einen bef√ľrchteten die Abtretung des Gebietes an das mit Deutschland befreundete Jugoslawien, die Slowenen bef√ľrchteten Diskriminierung und Verfolgung. F√ľhrende Vertreter der K√§rntner Slowenen wie Franc Petek und JoŇ°ko Tischler bem√ľhten sich um ein gutes Einvernehmen mit den neuen Machthabern und empfahlen sogar ein ‚ÄěJa‚Äú bei der Abstimmung am 10. April. Bereits im M√§rz 1938 wurden jedoch etliche slowenische Priester verhaftet und Lehrer entlassen ‚Äď JoŇ°ko Tischler, selbst Lehrer, wurde in das entfernte Vorarlberg versetzt. Ab August 1938 war die Volkstumsstelle des Reichsinnenministeriums in Klagenfurt f√ľr die Slowenenfrage zust√§ndig. Leiter war Alois Maier-Kaibitsch, fr√ľherer Gesch√§ftsf√ľhrer des K√§rntner Heimatbundes. Die letzten zweisprachigen Ortstafeln verschwanden noch 1938, im Mai 1939 gab es keinen zweisprachigen Unterricht mehr. Nach dem deutsch-italienischen Abkommen √ľber die Umsiedlung der deutschsprachigen Bewohner wurden im Herbst 1939 in K√§rnten √úberlegungen angestellt, die Kanaltaler Bev√∂lkerung in S√ľdk√§rnten anzusiedeln. Nach der Eroberung Jugoslawiens plante man die Umsiedlung von 20.000 bis 50.000 K√§rntnern in den Raum Lublin. Nach Protesten wurden diese Pl√§ne aufgegeben, lediglich rund 200 als ‚Äěvolks- und staatsfeindlich‚Äú bezeichnete Familien wurden zun√§chst ins ‚ÄěAltreich‚Äú gebracht.

Nach der Eroberung Jugoslawiens 1941 wurden aus Slowenien 20.000 Slowenen ausgesiedelt. Die ‚Äěnicht Eindeutschungsf√§higen‚Äú wurden nach Serbien ausgesiedelt, die ‚Äěrassisch Wertvollen‚Äú wurden zur ‚ÄěEindeutschung‚Äú ins Altreich gebracht. Dies motivierte auch den K√§rntner Gauleiter Rainer, die Aussiedlungen wieder aufzunehmen. Entsprechend Himmlers Parole ‚ÄěMacht dieses Land deutsch!‚Äú wurden im April 1942 1.075 K√§rntner Slowenen von ihren H√∂fen vertrieben und in ein Lager in Ebenthal gebracht, 917 von ihnen wurden sp√§ter nach Norddeutschland zur Zwangsarbeit verbracht. In ihre H√∂fe zogen Kanaltaler Bauern ein.

Gegen die geplanten und zum Teil durchgef√ľhrten Aussiedlungen erhoben selbst NS-Funktion√§re Protest. Selbst das Stabshauptamt Himmlers und die Organisation Todt hegten Bedenken aufgrund der anwachsenden Unruhe in S√ľdk√§rnten, verst√§rkten die Aussiedlungen doch den Zustrom zur Partisanenbewegung. Die Aussiedlungen gingen in geringem Ausma√ü weiter, so etwa im J√§nner 1944, als im Raum Eisenkappel-Petzen 50 Slowenen verhaftet und abtransportiert wurden. Die endg√ľltige ‚Äěethnische Flurbereinigung‚Äú sollte nach dem Krieg vollendet werden.

Widerstand

Bereits im Winter 1939/40 desertierten slowenische Wehrmachtsangeh√∂rige aus K√§rnten nach Jugoslawien. Nach der Niederwerfung Jugoslawiens im April 1941 bildeten sie die ersten Partisanengruppen in den Karawanken. Zugleich wurde die Befreiungsfront (Osvobodilna Fronta, OF) gegr√ľndet, die zwar unter kommunistischer F√ľhrung stand, aber auch vom christlichen und liberalen Lager unterst√ľtzt wurde. Besonders nach den Aussiedlungen gingen viele Wehrmachtsangeh√∂rige nach einem Fronturlaub ‚Äěin den Wald‚Äú, so auch Franci Pasterk-Lenart, Kommandant des Ersten K√§rntner Partisanenbataillons.

Im November 1942 wurden 130 Partisanen und Sympathisanten verhaftet. In einem Volksgerichtshofprozess in Klagenfurt verurteilte Roland Freisler 13 Angeklagte zum Tode. Die Partisanenbewegung erholte sich rasch. Im M√§rz 1944 setzte sich eine Gruppe im Sattnitzgebiet fest, im Juni eine weitere Gruppe auf der Saualpe. Ihre gr√∂√üte Aktivit√§t entwickelten die Verb√§nde jedoch au√üerhalb des K√§rntner Gebietes, im Oktober kam es zu heftigen K√§mpfen auf der Saualpe. 1944/45 hatten die Deutschen im K√§rntner Partisanengebiet 15.000 Bewaffnete im Einsatz, die Zahl der Gendarmerieposten hatte sich von 43 auf 153 erh√∂ht. Es kam immer wieder zu √úbergriffen. Noch im April 1945 ermordeten Polizeieinheiten beim PerŇ°manhof in Koprein-Petzen eine 11-k√∂pfige Familie, von der 80-j√§hrigen Gro√ümutter bis zum acht Monate alten S√§ugling.

Bei Kampfhandlungen fielen etwa 500 Partisanen. Dies war der einzige kontinuierliche, organisierte und bewaffnete Widerstand gegen die NS-Diktatur in √Ėsterreich, und damit ein wichtiger Beitrag zur Befreiung √Ėsterreichs im Sinne der Moskauer Deklaration von 1943.

Verfolgung

Die Vertreter der Katholischen Kirche hatten zun√§chst auf eine friedliche Koexistenz mit dem NS-Regime gehofft. Jedoch wurden bereits 1938 zahlreiche Geistliche verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. F√ľrstbischof Adam Hefter, der 1938 noch pers√∂nlich mit Hitler zusammentraf, zeigte sich in seiner Silvesteransprache 1938 von der Entwicklung entt√§uscht und trat 1939 zur√ľck. Sein Nachfolger Andreas Rohracher konnte aufgrund des Einspruchs der Machthaber nicht Bischof werden und trug nur den Titel eines Kapitularvikars.

In weiterer Folge wurden katholische Schulen geschlossen, Kl√∂ster wie St. Paul im Lavanttal aufgehoben, kirchliche G√ľter eingezogen wie das Sanatorium Maria Hilf in Klagenfurt und die Druckerei Carinthia. Die Kirchenaustrittspropaganda war in K√§rnten recht wirkungsvoll, 1940 etwa traten 4.327 Katholiken und 828 Evangelische aus den Kirchen aus.

Auch in Kärnten wurden viele Kriegsgefangene und zwangsverpflichtete Fremdarbeiter als Arbeitskräfte eingesetzt. Rund 26.000 Ausländer arbeiteten in der Landwirtschaft, rund 36.000 in anderen Wirtschaftsbereichen. Auf Kärntner Gebiet gab es zwei Kriegsgefangenen-Stammlager, Wolfsberg und Spittal an der Drau. Das KZ Loibl und das KZ-Nebenlager Klagenfurt-Lendorf waren Außenlager des KZ Mauthausen.

662 behinderte K√§rntner fielen 1940/41 der ‚ÄěEuthanasie‚Äú in Schloss Hartheim in Ober√∂sterreich zum Opfer. In der ‚ÄěReichspogromnacht‚Äú am 8. November 1938 wurden alle m√§nnlichen K√§rntner Juden verhaftet und in die KZ Dachau und Buchenwald gebracht. Bis Anfang 1940 waren die j√ľdischen Betriebe zur H√§lfte ‚Äěarisiert‚Äú, zur anderen H√§lfte liquidiert. Bis Anfang 1943 waren auch s√§mtliche K√§rntner Roma und Sinti in KZ gebracht worden, nur wenige √ľberlebten. Insgesamt wurden etwa 2.400 K√§rntner Opfer der NS-Verfolgung.

Der Krieg in Kärnten

K√§rnten blieb lange von direkten Kriegsereignissen verschont. Erst seit Ende 1943 lag K√§rnten in Reichweite alliierter Flugpl√§tze in S√ľditalien (Foggia). Klagenfurt wurde erstmalig am 16. J√§nner 1944 aus der Luft angegriffen; der Angriff forderte 234 Todesopfer. Auf Klagenfurt fanden insgesamt 40, auf den wichtigen Verkehrsknotenpunkt Villach 39 gr√∂√üere Luftangriffe statt. Villach war nach Wiener Neustadt die am st√§rksten zerst√∂rte Stadt √Ėsterreichs, 451 Geb√§ude wurden total zerst√∂rt, 848 schwer besch√§digt. Alliierte Truppen erreichten K√§rnten erst nach dem Waffenstillstand, so dass K√§rnten von schweren Gefechten verschont blieb.

Kriegsende

NDH-Truppen und zivile Fl√ľchtlinge auf dem Bleiburger Feld (Loibacher Feld) 3km vor Bleiburg, Mai 1945
Lokalisationen der Massaker von Bleiburg im österreichischen Kärnten und Epizentren der Massentötungen in Slowenien

Im April 1945 befanden sich in K√§rnten die regul√§r in K√§rnten stehende 438. Division unter General Ferdinand Noeldechen sowie starke Wehrmachts- und SS-Verb√§nde, die sich aus Italien und Jugoslawien zur√ľckgezogen hatten. Gauleiter Rainer wollte den Kampf in der sogenannten ‚ÄěAlpenfestung‚Äú weiterf√ľhren. Dazu sollte es nicht mehr kommen. Am 1. Mai √ľbergab Rainer das Amt des Regierungspr√§sidenten an Gauhauptmann Meinrad Natme√ünig. Am 5. Mai traf sich Natme√ünig im Landhaus mit Vertretern der Widerstandsbewegung und der Parteien aus der Ersten Republik. Man einigte sich auf die Bildung eines vorl√§ufigen Vollzugsausschusses aus Sozialdemokraten und Christlichsozialen. Eine erste Vorsprache des Vollzugsausschusses bei Rainer blieb ergebnislos. Am 6. Mai bildeten die demokratischen Parteien eine provisorische Landesregierung, der Sozialdemokrat Hans Piesch wurde Landeshauptmann. Eine Abordnung unter Piesch begab sich noch am 6. Mai zu Rainer, der sich zu einem R√ľcktritt bereit erkl√§rte. Am 7. Mai √ľbergab er seine Gesch√§fte an Natme√ünig, der sie sogleich an die provisorische Landesregierung weitergab. Noch vor Eintreffen der alliierten Truppen waren in K√§rnten die demokratischen Kr√§fte auf ‚Äělegale‚Äú Weise an die Macht gekommen. Als letzter St√ľtzpunkt des NS-Regimes wurde die Gestapo-Zentrale in Klagenfurt von bewaffneten Widerstandsk√§mpfern angegriffen, worauf die Gestapo-Leute fl√ľchteten.

Die Britische Armee hatte nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht an der italienischen Front am Nachmittag des 7. Mai die K√§rntner Grenze erreicht und r√ľckte am Vormittag des 8. Mai in Klagenfurt ein, nur wenige Stunden vor dem Eintreffen von Verb√§nden der kommunistischen Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee, die Gebietsanspr√ľche Titos sichern sollten. Die Briten stellten sogleich klar, dass sie einen Verbleib der jugoslawischen Truppen in K√§rnten nicht dulden w√ľrden, und demonstrierten dies u. a. mit dem Aufstellen von Kanonen auf dem Neuen Platz und vor dem Landhaus in Klagenfurt. Nachdem diplomatischer Druck und milit√§rische Drohgeb√§rden erfolglos blieben, wurden die jugoslawischen Truppen am 16. Mai unter sowjetischen Befehl gestellt. Die Sowjets waren an einer Einhaltung der ausgehandelten Besatzungszonen interessiert und befahlen den R√ľckzug aus K√§rnten, der in den folgenden Tagen erfolgte.

In diesen Tagen nahmen die Jugoslawen im von ihnen besetzten Gebiet in S√ľdk√§rnten 263 Personen fest. Rund 100 wurden noch in K√§rnten freigelassen, rund 90 kamen in Jugoslawien wieder frei. 96 Personen wurden get√∂tet oder sind in Haft verstorben. Die meisten Verschleppungen fanden in Gebieten statt, in denen es davor besonders heftige Partisanenk√§mpfe gegeben hatte. Die genauen Motive konnten meist nicht eruiert werden.[4]

In Bleiburg kapitulierten kroatische (Ustascha, Domobrani), slowenische (Domobranzen) und serbische Verbände (Tschetnik), die von zahlreichen Zivilisten begleitet waren, vor den in Kärnten einmarschierten Briten. Sie wurden von diesen an die Truppen Titos, nunmehr die offizielle Armee des von ihm wieder errichteten Jugoslawien, ausgeliefert: die Kroaten zwischen 15. und 24. Mai, die Serben, Montenegriner und Slowenen zwischen 24. und 31. Mai 1945.[5] Von den Tito-Truppen wurden sie, teils noch in Kärnten, teils jenseits der Grenze, in Massen hingerichtet. Wegen der Auslieferung der Antikommunisten an ihre Todfeinde, in Kärnten auch den Soldaten der Wlassow-Armee geschehen, wird Großbritannien in der historischen Literatur Sloweniens und Kroatiens bis heute kritisiert.

Nachkriegszeit

Hans Piesch wurde am 24. Juli 1945 von der Britischen Besatzungsmacht als Landeshauptmann anerkannt und durch die Landtagswahlen am 25. November 1945 best√§tigt. Er hatte dieses Amt aber nur wenig mehr als ein Jahr inne; da ihm seine NSDAP-Mitgliedschaft im Dritten Reich zum Vorwurf gemacht wurde, trat er im April 1947 zur√ľck. Sein Nachfolger wurde Ferdinand Wedenig (SP√Ė). Nach der Unterzeichnung des √Ėsterreichischen Staatsvertrags 1955 zog die britische Besatzungsmacht bis Ende Oktober ab.

Die Umsetzung der im Artikel 7 des Staatsvertrags der slowenischen Minderheit zugesicherten Rechte sorgte in der zweiten Republik f√ľr harte politische Auseinandersetzungen, die sich am heftigsten im symbolisch stark aufgeladenen Ortstafelstreit √§u√üern. So wurden im Jahr 1972 die zur Erf√ľllung von v√∂lker- und verfassungsrechtlichen Verpflichtungen aufgestellten zweisprachigen topographischen Aufschriften von slowenenfeindlichen Bev√∂lkerungsteilen im Zuge des sogenannten Ortstafelsturms wieder entfernt. Die Topographieverordnung von 1977 legte den slowenischsprachigen Bev√∂lkerungsanteil mit 25 % fest. Dieser Prozentsatz wurde im Jahr 2001 vom √∂sterreichischem Verfassungsgerichtshof als zu hoch und damit verfassungswidrig aufgehoben. Die L√∂sung der Frage erfolgte erst 2011 im Konsens zwischen Bundesregierung, Landesregierung und den meisten Vertretungen der Minderheit. Die wichtigsten Verhandler waren Staatssekret√§r Josef Ostermayer (Bundeskanzleramt), Landeshauptmann Gerhard D√∂rfler und Valentin Inzko, Vorsitzender des Rates der K√§rntner Slowenen (und Hoher Repr√§sentant f√ľr Bosnien und Herzegowina).

In K√§rnten stellte von 1945 bis 1989 die SP√Ė den Landeshauptmann. Nachdem die SP√Ė bei den Landtagswahlen 1989 die absolute Mehrheit verloren hatte, wurde J√∂rg Haider zum Landeshauptmann gew√§hlt; er war √∂sterreichweit der erste FP√Ė-Politiker in dieser Funktion. 1991 wurde er abgew√§hlt, nachdem er im Landtag die ‚Äěordentliche Besch√§ftigungspolitik‚Äú des Dritten Reichs gelobt hatte. Statt ihm wurde Christof Zernatto (√ĖVP) Landeshauptmann, bis 1999 wieder Haider das Amt √ľbernahm. Haider und seine Partei wurden bei den Landtagswahlen 2004 best√§tigt. Haiders Partei, inzwischen das BZ√Ė, erreichte auch nach seinem Unfalltod 2008 bei der Landtagswahl 2009 Rang eins.

Siehe auch

Literatur

  • Claudia Fr√§ss-Ehrfeld: Geschichte K√§rntens. 3 Bde. Johannes Heyn, Klagenfurt 1984-2005.
  • Walther Fresacher: Heimatkundliche Beitr√§ge zur Geschichte K√§rntens. Klagenfurt 1980.
  • Stefan Karner (Hrsg.): K√§rnten und die nationale Frage. 5 Bde. Heyn, Klagenfurt 2005.
  • Hieronymus Gothart Megiser/Michael G. Christalnick: Annales Carinthiae - Chronik des l√∂blichen Erzherzogthumbs Kh√§rndten. Lamberg, Leipzig 1612, Johannes Heyn, Klagenfurt 1981 (Repr.), ISBN 3-85366-368-0 (online)
  • Gernot Piccottini: Einf√ľhrung in die Urgeschichte, R√∂merzeit und Fr√ľhgeschichte K√§rntens. In: Gernot Piccottini: Arch√§ologischer Atlas von K√§rnten. Verlag des Geschichtsvereines f√ľr K√§rnten, Klagenfurt 1989, S. 11-21, ISBN 3-85454-069-8 (Abschnitt Provinz Noricum)
  • Helmut Rumpler (Hrsg.): K√§rnten. Von der deutschen Grenzmark zum √∂sterreichischen Bundesland. Geschichte der √∂sterreichischen Bundesl√§nder seit 1945. Bd 6. B√∂hlau, Wien/K√∂ln/Weimar 1998, ISBN 3-205-98792-6
  • Beatrix Sch√∂net, G√ľnther Sch√∂net: Eine kurze Geschichte K√§rntens. Ueberreuter, Wien 2005, ISBN 3-8000-7089-8
  • Herbert Stejskal: K√§rnten. Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten. Univ.verlag Carinthia, Klagenfurt 1985, 1999, ISBN 3-85378-500-X
  • Hellwig Valentin: Der Sonderfall. K√§rntner Zeitgeschichte 1918-2004. Hermagoras/Mohorjeva, Klagenfurt/Ljubljana/Wien 2005, ISBN 3-7086-0108-4 (f√ľr Abschnitt Zeit des Nationalsozialismus)

Weblinks

 Commons: Geschichte K√§rntens ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Fr√§ss-Ehrfeld, Bd. 1, S. 51
  2. ‚ÜĎ Geschichte und Geschichten, J√§nner 2006, S. 55
  3. ‚ÜĎ Reichsverfassung 1861, RGBl. Nr. 20/1861 (= S. 69); siehe beiliegende Landesordnungen
  4. ‚ÜĎ Die hier genannten Zahlen folgen Hellwig Valentin: Der Sonderfall. K√§rntner Zeitgeschichte 1918-2004. Hermagoras/Mohorjeva, Klagenfurt/Ljubljana/Wien 2005, ISBN 3-7086-0108-4, S. 150.
  5. ‚ÜĎ Florian T. Rulitz: Die Trag√∂die von Bleiburg und Viktring. Partisanengewalt in K√§rnten am Beispiel der antikommunistischen Fl√ľchtlinge im Mai 1945. Hermagoras Verlag, Klagenfurt/Ljubljana/Wien, 2011. ISBN 978-3-7086-0616-3, S. 181f.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Geschichte der Steiermark ‚ÄĒ Wappen der Steiermark Die Geschichte der Steiermark deckt sich in vielen Epochen mit der √∂sterreichischen Geschichte. Dieser Artikel ist ein √úberblick √ľber die regionsspezifischen Eigenheiten der historischen Entwicklung bis zum heutigen… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte des Landes Salzburg ‚ÄĒ Das Salzburger Wappen Das Land Salz ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Ober√∂sterreichs ‚ÄĒ Das Ober√∂sterreichische Wappen heute Die Geschichte Ober√∂sterreichs deckt sich in vielen Epochen mit der √∂sterreichischen Geschichte. Dieser Artikel ist ein √úberblick √ľber die regionsspezifischen Eigenheiten der historischen Entwicklung bis zum… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte M√§hrens ‚ÄĒ Historische Einteilung Tschechiens: M√§hren (blau), B√∂hmen (gr√ľn) und Schlesien (ocker). Wappen von M√§hren ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Nieder√∂sterreichs ‚ÄĒ Das nieder√∂sterreichische Wappen symbolisiert die republikanische Mauerkrone und die f√ľnf habsburgischen Erblande. Die Geschichte Nieder√∂sterreichs deckt sich, da Nieder√∂sterreich das Kernland der heutigen Republik √Ėsterreich bildet, in vielen… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Wiens ‚ÄĒ Das alte Wappen Wiens von 1465 bis 1925 mit kaiserlichem Doppeladler Die Geschichte Wiens, der Hauptstadt √Ėsterreichs, beginnt vor etwa 4000 Jahren. Wegen ihrer Lage am Donaustrom zwischen den Ausl√§ufern der Voralpen (Wienerwald) und der… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte √Ėsterreichs ‚ÄĒ Das rot wei√ü rote Bindenschild, das historische Symbol von √Ėsterreich Die Geschichte √Ėsterreichs begann mit der menschlichen Besiedlung seit der Altsteinzeit. In der Keltenzeit von 800 bis 400 v. Chr. entstand auf dem Gebiet des heutigen… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Vorarlbergs ‚ÄĒ Wappen Vorarlbergs bis 1918 Die Geschichte Vorarlbergs l√§sst sich durch arch√§ologische Funde bis zur Ur und Fr√ľhgeschichte verfolgen. Vorarlberg wurde erst 1861 ein eigenst√§ndiges Land der Habsburgermonarchie bis 1918 allerdings noch in einer… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte des Burgenlandes ‚ÄĒ Landeswappen Inhaltsverzeichnis 1 Urgeschichte 1.1 Geologische Voraussetzungen ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Sloweniens ‚ÄĒ Wappen Sloweniens Slowenien ist seit 1991 ein unabh√§ngiger Staat in Mitteleuropa, der seit Mai 2004 der Europ√§ischen Union angeh√∂rt. Das Gebiet des heutigen Sloweniens wurde seit Ende des 6. Jahrhunderts √ľberwiegend von den Vorfahren der heutigen ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.