Geschichte Maltas

ÔĽŅ
Geschichte Maltas

Die Geschichte Maltas begann mit der menschlichen Besiedlung Anfang der Jungsteinzeit. Eine erste kulturelle Bl√ľtezeit fand zwischen 3.800 und 2.500 v. Chr. statt, anschlie√üend blieb die Inselgruppe l√§ngere Zeit unbewohnt. In den vergangenen zweieinhalb Jahrtausenden war die Insel Teil verschiedener Reiche. Nach der Herrschaft der Punier, R√∂mer und Araber stand Malta unter dem Einfluss europ√§ischer Adelsh√§user, bevor sich im Jahre 1530 der Malteserorden dort niederlie√ü. Seine, vom Kampf gegen das Osmanische Reich gepr√§gte Regentschaft beeinflusst das Inselleben bis heute. Im Jahre 1798 wurden die Inseln von Frankreich besetzt, das aber zwei Jahre sp√§ter von Gro√übritannien vertrieben wurde. Nach 164 Jahren britischer Kolonialherrschaft wurde Malta 1964 in die Unabh√§ngigkeit entlassen und ist seit 1974 eine parlamentarische Republik. Malta trat 2004 der Europ√§ischen Union bei und f√ľhrte 2008 den Euro ein.

Malta, Filfla, Comino und Cominotto auf einer Karte des 17. Jahrhunderts. Aus dem um 1650 von Gabriel Bucelinus in Ulm verlegten Buch Historiae universalis cum sacrae, tum profanae nucleus…

Inhaltsverzeichnis

Fr√ľhzeit

Die ber√ľhmte Sleeping Lady aus dem Hypog√§um von ń¶al-Saflieni

Wann die ersten Menschen nach Malta gelangten, ist umstritten. Es geschah jedoch zwischen 11000 und 6000 v. Chr. Trifft Ersteres zu, best√ľnde die M√∂glichkeit, dass eine Besiedlung durch bisher nicht nachzuweisende J√§ger und Sammler √ľber eine Landbr√ľcke zwischen dem Eiland und Sizilien erfolgte, da der Meeresspiegel zu jener Zeit in Folge der Weichseleiszeit stark abgesunken (etwa 100 m) war. War diese Landverbindung jedoch unterbrochen, d√ľrfte es sich bei den ersten Siedlern um Angeh√∂rige der Stentinello-Kultur (eine Gruppe der Cardial- oder Impressokulturen) gehandelt haben, deren Spuren belegt sind. Sie waren bereits Ackerbauern und brachten Haustiere, T√∂pferware, Steinwerkzeuge und Samen mit. Malta war zu jener Zeit bewaldet und besa√ü fruchtbare B√∂den. Es gab jedoch keinen Feuerstein, der f√ľr die Anfertigung von Werkzeugen als notwendig angesehen wird.

Ein Ausschnitt der Tempelanlage von Tarxien

Ab etwa 3800 v. Chr. begannen die Menschen der sogenannten maltesischen Tempelkultur, Felsen auszuh√∂hlen und aus gro√üen Steinbl√∂cken Kultpl√§tze zu errichten. Letztere waren √ľberdacht, verputzt und hell in Ockerfarben get√ľncht. Sie besa√üen √§hnliche Grundrisse: Durch ein Trilithtor f√ľhrte zumeist ein Korridor durch zwei oder vier nierenf√∂rmigen Raumbuchten zur Kopfnische. Die Geb√§ude besa√üen einen √§u√üeren, √∂ffentlich zug√§nglichen Bereich mit einer gro√üen Exedra, sowie den inneren, dessen Zutritt ggf. nur der Priesterschaft gestattet war. Geweiht waren manche Tempel, wie Statuen belegen scheinen, der Gro√üen Mutter der Fruchtbarkeit. Die Malteser bauten mehr als zwanzig Tempel, von denen noch 23 zumindest in Resten erhalten sind. Sie besitzen allerdings kein Dach mehr. Es ist r√§tselhaft, wozu die Anh√§ufung gedient hat, da man davon ausgeht, dass nicht mehr als 16.000 Menschen auf den Inseln lebten. Die Insel war w√§hrend der Tempelphase isoliert. Das geht daraus hervor, das bis zu seiner Aufgabe 2500 v. chr. keine kupferzeitlichen Einfl√ľsse den Archipel erreichten. Noch ist nicht gekl√§rt, was zu diesem pl√∂tzlichen Einbruch f√ľhrte, weswegen nur Hypothesen aufgestellt werden k√∂nnen. Diese ziehen D√ľrren, Epidemien und Flutwellen ebenso in Betracht wie Missernten, die zum Verlassen des Eilandes zwangen. Als gesichert kann jedoch gelten, dass es zu keinen kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen ist, da man von dieser Kultur keinerlei Waffen gefunden hat.

Zeitliche Einteilung

Periode Phase Jahre v. Chr. Fundst√ľcke
Bronze- und Eisenzeit Bańßrija 900‚Äď700
Borń° in-Nadur 1500‚Äď700 Bronzezeitliches Dorf
Nekropole von Tarxien 2500‚Äď1500
Die Tempelperiode Tarxien 3300/3000‚Äď2500 Tempel von Tarxien, ń¶ań°ar Qim
Saflieni 3300‚Äď3000 Hypog√§um von ń¶al-Saflieni
ń†gantija 3600‚Äď3300/3000 ń†gantija, Mnajdra
Mń°arr 3800‚Äď3600
ŇĽebbuń° 4100‚Äď3800 Brochtorff Circle
Neolithikum Rote Skorba 4400‚Äď4100
Graue Skorba 4500‚Äď4400
Gńßar Dalam 5000‚Äď4500

Die fr√ľhzeitliche Entwicklung der maltesischen Besiedlung wird in Perioden und Phasen angegeben, deren exakte zeitliche Abgrenzung jedoch bis heute nicht eindeutig festgelegt ist. Es sind zum Teil sehr unterschiedliche Angaben zu finden.[1] Die Einteilung wird f√ľr die zeitliche Bestimmung der gefundenen Keramiken und Skulpturen verwendet.[2]

Die einzelnen Phasen tragen dabei oftmals die Bezeichnung eines bekannten Tempels oder ähnlichem aus dem entsprechenden Zeitabschnitt:

  • Die Gńßar-Dalam-Phase beginnt mit den ersten nachweisbaren Spuren der menschlichen Besiedlung und dauert bis etwa 4500 v. Chr. Sie ist nach Gńßar Dalam, einer gut 200 Meter langen Karsth√∂hle im S√ľdosten der Insel benannt. Dort wurden neben Spuren der menschlichen Besiedlung auch tausende Tierknochen gefunden, unter anderen von Zwergelefanten und Flusspferden. Aus dieser Zeit gibt es nur H√∂hlenfunde, und die Artefakte sind deutlich durch die Stentinello-Kultur beeinflusst.
Der Tempel von Mnajdra
  • Die Skorba-Phase ist nach einem Fundort in der kleinen Stadt ŇĽebbiegńß benannt. Dort wurden √úberresten eines Megalithtempels gefunden. Bei den Ausgrabungen von 1960 bis 1963 durch den englischen Arch√§ologen David H. Trump entdeckte man Besiedlungsspuren von 5200 v. Chr. bis ins 3. Jahrtausend v. Chr.. Die Skorba-Phase wird in eine fr√ľhe Phase mit √ľberwiegend grauer Keramik und in eine sp√§te Phase mit roter Keramik unterteilt. Am Beginn der Phase wurden noch Hausbestattungen durchgef√ľhrt, am Ende der Phase kam es zur Trennung von Wohnanlage und Begr√§bnisst√§tte. Danach begannen die Menschen unterirdische Grabkammern anzulegen um ihre Toten zu bestatten.
  • Die ŇĽebbuń°-Phase ist nach dem Ort ŇĽebbuń° benannt, bei dem primitive Grabkammern gefunden wurden, aber auch erste einzellige Tempel. M√∂glicherweise fand am Beginn der Phase eine Neubesiedlung √ľber Sardinien statt.
  • Die Mń°arr-Phase oder ń†gantija-Phase ist nach den Gr√§bern in Mń°arr benannt, weitere wurden in H√∂hlen bei der K√ľstenstadt Xemxija gefunden. Diese Gr√§ber waren deutlich weiterentwickelt als jene der ŇĽebbuń°-Phase. Einige hatten nierenf√∂rmige Ausbuchtungen, die unregelm√§√üig den Gegebenheiten der H√∂hle folgten. Diese Raumform wurde dann in fr√ľhen Tempeln, zum Beispiel in der Tempelanlage von Ta' ń¶ań°rat, umgesetzt. Sp√§tere Tempel dieser Phase zeigten die typischen nierenf√∂rmigen Apsiden in kleeblattf√∂rmiger Dreiecksformation. Neben den Tempeln von ń†gantija und Ta' ń¶ań°rat werden auch Anlagen bei Skorba, Mnajdra und Tarxien dieser Phase zugeordnet. Mit ihr beginnt die eigentliche 1.100 Jahre w√§hrende Megalithphase auf Malta.
  • Die Saflieni-Phase ist nach dem Hypog√§um von ń¶al-Saflieni benannt, das in dieser Epoche begonnen wurde. Es erschienen erste doppelnierenf√∂mige, f√ľnfapsige Tempel, beispielsweise bei Skorba, Ta' ń¶ań°rat und Tarxien. Dar√ľber hinaus wurde die Tempelanlage von ń¶ań°ar Qim errichtet. Als Stilelemente kamen Spiralverzierungen und Trilith-Alt√§re auf.
  • In dieser Tarxien-Phase, benannt nach den Tempeln von Tarxien, entwickelten sich vier- und sechsapsige Baumuster der Tempel. Der Zentraltempel von Tarxien wurde errichtet, die Anlage von ń†gantija vollendet, die Tempel von ń¶ań°ar Qim und Mnajdra fertiggestellt und das Hypog√§um um die unteren Stockwerke erweitert. Am Ende der Tarxien-Phase bricht der Tempelbau abrupt ab.

Bronzezeit

Die Bronzezeit auf Malta wird mit einer Neubesiedlung der Insel verbunden, bei der sich etwa 2500 v. Chr. eine Bevölkerung mit einer völlig anderen Kultur und unbekannter Herkunft auf der zu dieser Zeit scheinbar menschenleeren Insel niederließ.

Die neue Bev√∂lkerung brachte die auf der Insel zuvor unbekannte Bronze mit und verbrannte die Toten. Die √§lteste Phase der maltesischen Bronzezeit wird durch den Friedhof von Tarxien markiert. Das einzige bisher bekannte Urnengr√§berfeld wurde inmitten der Tempelruinen angelegt. In einer mit Asche vermengten Erdschicht wurden Reihen offener Urnen mit Leichenbrand gefunden. Die Urnen enthielten oft kleinere Gef√§√üe sowie verkohlte Samen und Pflanzenteile. Klumpen von Textilien d√ľrften Bekleidungsreste sein. Kleine, flache Perlen, die die Verstorbenen begleiteten, wurden in Mengen gefunden, ebenso wie bronzene √Ąxte und flache Dolchklingen. In der gleichen Schicht fand Themistocles ŇĽammit eine Anzahl stark stilisierter anthropomorpher zumeist sitzend dargestellter Terrakottafigurinen. Zwei von ihnen sind als weibliche erkennbar, w√§hrend die anderen eine flache, mit geometrischen Ritzmustern bedeckte Scheibe als K√∂rper haben. Es gibt keinen Hinweis auf die Wohnungen der in der ‚ÄěTarxien Cemetery-Phase‚Äú lebenden Bev√∂lkerung. Die einzigen Bauten, die mit ihnen in Zusammenhang gebracht werden k√∂nnen, sind Dolmen, in verschiedenen Gr√∂√üen. Auf maltesisch werden sie als l-imsaqqfa (mit einem Dach versehen) bezeichnet. Die Dolmen bestehen aus einem roh behauenen Deckstein, der auf drei Seiten von Tragsteinen gest√ľtzt wird, die zumeist auf einer ihrer langen Schmalseiten stehen. Die Dolmen scheinen als Begr√§bnisst√§tte gedient zu haben. Die n√§chsten Parallelen finden sich in der Gegend von Otranto (Apulien), in S√ľditalien.

Unsicherheit und Gefahr deutet sich offenbar, 1000 Jahre sp√§ter, in der so genannten Borg in-Nadur-Phase (ca.1500-700 v. Chr.), die ihren Namen nach einem umwallten Platz in der N√§he von Marsaxlokk erhielt. Er bestand aus einer Gruppe ovaler H√ľtten, die auf einem dreieckigen Felsvorsprung lagen. Zwei Steilh√§nge bildeten den nat√ľrlichen Schutz, die dritte Seite wurde mittels einer massiven Mauer in Zyklopen-Technik gesichert. Andere Orte der Borg in-Nadur-Phase lagen auf abgeflachten H√ľgeln (Fawwara und Wardija ta' San Gorg auf Malta und In-Nuffara auf Gozo). Typisch f√ľr die Phase sind seichte, flaschenf√∂rmige Gruben mit senkrechten W√§nden, deren Zweck unklar ist. Gruppen solcher Gruben wurden in Wardija ta' San Gorg, auf dem Felsvorsprung von Mtarfa, In-Nuffara und in Borg in-Nadur gefunden. In Ortsn√§he findet sich eine Grubengruppe direkt an der K√ľste. Einige liegen sogar unter Wasser, was auf ein Absinken dieses Teiles der Insel in den letzten Jahrtausenden deutet.

Typisch f√ľr die Keramik dieser Zeit ist ein roter √úberzug, der zum Abbl√§ttern neigt. Die Dekoration besteht aus tief eingeschnittenen Zickzacklinien, die oft mit einer wei√üen Masse inkrustriert sind. Charakteristische Formen sind ein zweihenkeliger Kelch auf hohem konischen Fu√ü und eine Sch√ľssel mit axtf√∂rmigem Griff. In Borg in-Nadur fanden sich Hinweise darauf, dass Metall nicht nur ben√ľtzt, sondern auch bearbeitet wurde.

Der letzte Abschnitt der maltesischen Bronzezeit, die Bahrija-Phase (ca. 900-700 v. Chr.), umfasst wenig mehr als ein Jahrhundert. Sie brachte eine kleine Gruppe neuer Siedler, die wahrscheinlich aus S√ľditalien kam und den von Natur aus gesch√ľtzten Felsvorsprung von Qlejgha bei Bahrija besetze. Obwohl dies bisher die einzige bekannte Siedlung der Leute ist, wurde ihre Keramik auch an anderen Pl√§tzen gefunden, (Ghar Dalam, Borg in-Nadur, Tas-Silg). Die Gef√§√ükeramik ist dunkelgrau bis schwarz mit schwarzem √úberzug. Die Dekoration aus geometrischen Mustern, wie Dreiecken, Zickzacklinien und M√§andern, besteht aus Kerben, die einen rechteckigen Querschnitt aufweisen, und meist mit einer wei√üen Masse inkrustriert wurden. Einige bemalte Tonscherben zeigen eine Verwandtschaft zur Schachtgr√§berkultur Kalabriens.

Antike

Ph√∂nizier und Karthager (800 v. Chr. ‚Äď 217 v. Chr.)

Etwa um 800 v. Chr. (anderen Quellen zufolge bereits um 1100 v. Chr.) richteten die aus der Levante stammenden Ph√∂nizier auf dem Archipel einen Handelsst√ľtzpunkt ein. Sie nannten die gr√∂√üere Insel M-L-T (Malet), was so viel wie Zuflucht bedeutet und die kleinere Insel G-L (Gol) nach der Breite ihrer Handelsschiffe. Die Schreibweisen ergeben sich aus der Tatsache, dass die Ph√∂nizische Schrift in ihren fr√ľhen Formen eine reine Konsonantenschrift mit unterschiedlichen Lautwerten war. Innerhalb von Jahrzehnten kam es durch Heiraten zur ethnischen Vermischung mit der einheimischen Bev√∂lkerung, die auch die ph√∂nizischen Sitten und Gebr√§uche √ľbernahm. Dies wird daran ersichtlich, dass auf der Hauptinsel zwei Tempel f√ľr ph√∂nizische Gottheiten errichtet wurden: √úber dem Grand Harbour vermutlich auf dem Gebiet des heutigen Fort St. Angelo in Vittoriosa entstand eine Weihest√§tte f√ľr Melkart und an der Bucht von Marsaxlokk nahe Tas-Silg eine f√ľr Astarte. In jener Epoche war Malta wie alle ph√∂nizischen St√ľtzpunkte autark. Obwohl zu dieser Zeit die schriftliche Aufzeichnung von Ereignissen auf den Inseln begann, sind keine Berichte erhalten, die angeben, mit welchen G√ľtern auf Malet und Gol gehandelt wurde. Es ist jedoch anzunehmen, dass Oliven√∂l ein wichtiges Produkt darstellte. Zudem intensivierten die Ph√∂nizier wahrscheinlich das Webehandwerk und fingen an, T√∂pferwaren zu produzieren.

Der karthagische Machtbereich um 264 v. Chr.

Nach Ende des Einflusses Ph√∂niziens begannen die Karthager aus Nordafrika, ihren Einfluss auf den Inseln geltend zu machen. Es kam zur √úbernahme neuer G√∂tter. In einer von artifiziellen H√∂hle an der Dwerja Bay auf Gozo findet sich das Symbol der karthagischen Fruchbarkeitsg√∂ttin Tanit. Obwohl Malta von Karthago abh√§ngig war, unterhielt es intensive Beziehungen mit den griechischen St√§dten in Sizilien und S√ľditalien. S√ľditalienische, schwarz glasierte und rotfigurige T√∂pferei ist w√§hrend dieser Zeit allgemein verbreitet und die Ausstattung der Gr√§ber im 4. und 5. Jahrhundert v. Chr. entspricht fast jener in der Nekropole von Leptis. Unter der losen Kontrolle, die Karthago auf Malta aus√ľbte, kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Es wurde zu einem Knotenpunkt im karthagischen Handelssystem, auf dem feine Leinenstoffe, Oliven√∂l und Honig umgeschlagen wurden. Als gesicherter Handelspartner gilt das Alte √Ągypten, da man in einem Grab in Ghar Barka einen athropomorphen Terrakottasarg und anderswo Skarab√§enamulette fand, die aus jener Zeit datieren. Gleichzeitig dienten mehrere Werften dem Bau und der Reparatur karthagischer Schiffe. Die in einem gr√∂√üeren Umkreis bekannten Tempel lockten Pilger aus entfernteren Regionen an. Die Punier versuchten, den St√ľtzpunkt Malta zur Abwehr der hellenischen Kolonisation Siziliens zu nutzen. Trotz der Feindschaft ist durch Funde von alt-griechischen M√ľnzen, Inschriften und Keramiken nachgewiesen, dass parallel zu den Karthagern auch Hellenen auf dem Archipel lebten. Im Jahre 392 v. Chr. gelang es den Einwohnern, eine Okkupation der Insel durch den griechischen Tyrannen Dionysios abzuwenden. Obwohl die Karthager zu den √ľberlegensten Seefahrern ihrer Zeit z√§hlten, kam es auf Malta doch immer wieder zu √úberf√§llen von Seer√§ubern, die oftmals Einwohner verschleppten und versklavten. Mit dem Aufstieg der R√∂mischen Republik in Italien, die einen Karthago milit√§risch ebenb√ľrtigen Kontrahenten darstellte, verlagerte sich auch die Aufgabe Maltas. Die Inseln dienten nun nicht mehr vorrangig zur Abwehr der Griechen, sondern als St√ľtzpunkt gegen die R√∂mer. Im Ersten Punischen Krieg, der 264 v. Chr. begann, war die Inselgruppe eine wichtige Basis f√ľr die karthagischen Galeeren, und am Ende des Konfliktes im Jahre 241 v. Chr. verblieb sie, anders als Sizilien, im Einflussbereich des nordafrikanischen Reiches. Nur 24 Jahre sp√§ter, im Jahre 217 v. Chr., fiel Malta gleich zu Beginn des Zweiten Punischen Krieges dem r√∂mischen Einflussbereich zu, und die Karthager vermochten nicht, es zur√ľckzuerobern.

R√∂misches Reich (217 v. Chr. ‚Äď 395)

Die R√∂mer behandelten Malta zun√§chst wie alle eroberten L√§ndereien und setzten einen f√ľr zivile und milit√§rische Angelegenheiten zust√§ndigen Prokurator ein. Sie √§nderten die Namen der Inseln. Aus Malet wurde Melita und aus Gol Gaulus. Es ist davon auszugehen, dass sich Melita von Mel, dem lateinischen Wort f√ľr Honig, herleitet, welcher damals in gro√üen Mengen auf der Hauptinsel gewonnen wurde. Dar√ľber hinaus ordneten die R√∂mer neben dem Bau der Stadt Melita (das heutige Mdina) √ľber einer √§lteren punischen Siedlung auch die Errichtung von Victoria auf Gozo an. Nach mehreren Jahrzehnten √§nderte sich das Verh√§ltnis zur R√∂mischen Republik positiv dahingehend, dass diese Malta nun eher als Verb√ľndeten denn als Besiegten ansah und der Bev√∂lkerung zahlreiche Zugest√§ndnisse machte. Diese Wandlung der Beziehungen d√ľrfte ihren Grund darin gehabt haben, dass die R√∂mer Maltas strategisch g√ľnstige Lage im Kampf gegen die Karthager erkannten. Den Einwohnern wurde erlaubt, ihre Sprache sowie ihre eigenen G√∂tter beizubehalten. Nach dem Ende des Dritten Punischen Krieges im Jahre 146 v. Chr war Malta von r√∂mischen Provinzen umgeben, was eine langw√§hrende milit√§rische Sicherheit brachte. Auch die vormals h√§ufigen Pl√ľnderungen durch Seer√§uber blieben nun aus.

Die R√∂mer f√ľhrten ein Bew√§sserungssystem ein und erm√∂glichten so einen gro√üfl√§chigeren Anbau. Die wichtigsten landwirtschaftlichen G√ľter jener Zeit waren auf dem Archipel Flachs, Wachs, Weizen, Oliven√∂l und der erw√§hnte Honig. Weitere Einnahmequellen waren die Reparatur und die Versorgung der r√∂mischen Schiffe. Um der steigenden Nachfrage nach diesen Dienstleistungen nachkommen zu k√∂nnen, wurden die bestehenden Hafenanlagen ausgebaut und in Burmarrd und San Pawl il-Bańßar auf Malta und Xlendi und Marsalforn auf Gozo neue H√§fen angelegt. In Folge des steigenden Wohlstandes auf den Inseln bildete sich im Laufe der Jahre eine Oberschicht heraus, die sich in Villen auf Comino niederlie√ü. 45 v. Chr. √ľbergab Gaius Iulius Caesar die Insel seinen Veteranen und leitete so die langsame Romanisierung ein. Dadurch kam es schlie√ülich zur Verdr√§ngung der alten ph√∂nizischen und karthagischen G√∂tter aus dem maltesischen Alltag. Der Astarte geweihte Tempel an der Bucht von Marsaxlokk wurde f√ľr Juno √ľbernommen und jener des Melkart f√ľr Herakles. Die R√∂mer f√ľhrten allerdings auch neue G√∂tter ein. So errichtete man Apollon einen Tempel in Melita und Proserpina einen in Mtarfa.

Im Jahre 59 ereignete sich, der Legende nach, vor Malta der ber√ľhmte Schiffbruch des Paulus von Tarsus, der als Gefangener von Kreta nach Rom eskortiert wurde (siehe auch St. Paul's Bay und St. Paul's Island. Er wurde in Melita in einer unterirdischen Grotte untergebracht, hatte aber so gro√üe Bewegungsfreiheit, dass er die M√∂glichkeit besa√ü, die ersten Malteser zum Christentum zu bekehren und den ersten Bischof einzusetzen. Nach drei Monaten reiste er weiter. Im 2. Jahrhundert wurde die Insel unter Kaiser Hadrian zum Municipium mit innerer Selbstverwaltung ernannt und eine Rom verpflichtete Regierung eingesetzt. Es ist heutzutage nicht mehr eindeutig zu kl√§ren, ob Gozo ein eigenes Municipium darstellte oder dem Maltas angegliedert war. Das Christentum breitete sich auf Malta stetig weiter aus, doch seine Anh√§nger waren anfangs gezwungen, ihre Religion im Verborgenen zu praktizieren, um Verfolgungen zu entgehen. Aus diesem Grunde entstanden die weitl√§ufigen Katakomben auf Malta, die sowohl als Begr√§bnisst√§tten als auch als Gebetsr√§ume dienten. In den Jahren 305 bis 311 flohen w√§hrend der letzten gro√üen Christenverfolgung zahlreiche sizilianische Christen nach Malta. Zwei Jahre sp√§ter leitete Konstantin der Gro√üe die Konstantinische Wende ein, ab welcher die Christen anerkannt wurden und ihren Glauben frei ausleben konnten.

Bei der Reichsteilung von 395, als das Römische Imperium nach dem Tod des Kaisers Theodosius I. zwischen dessen Söhnen aufgeteilt wurde, fiel Malta in den politischen Einflussbereich des Weströmischen Reiches, gehörte aber kirchlich zum Oströmischen Reich, dem späteren Byzantinischen Reich.

Germanen und Byzantiner (395‚Äď870)

Das Westr√∂mische Reich war √§u√üerst instabil und zerfiel im Zuge der V√∂lkerwanderung binnen weniger Jahrzehnte. Generell sind aus der folgenden Epoche, die etwa 385 Jahre w√§hrte, nur wenige Malta betreffende Zeugnisse bekannt. 439 begann das Volk der Vandalen unter seinem K√∂nig Geiserich seine Angriffe gegen das zur√ľckweichende Reich, speziell gegen Italien und Sizilien. Es ist anzunehmen, dass auch Malta von diesen Vorst√∂√üen betroffen war, doch erst nach der Pl√ľnderung Roms im Jahre 455 tats√§chlich zum Reich der Vandalen z√§hlte. 494 eroberten die Ostgoten unter Theoderich den Archipel. Anfang der 530er Jahre begann Belisar, ein ostr√∂mischer Feldherr und General, die fr√ľheren r√∂mischen Besitzt√ľmer in Nordafrika zur√ľckzuerobern. Er landete im Jahre 533 auf Malta und nahm die Inseln umgehend f√ľr den ostr√∂mischen Kaiser Justinian I. in Besitz.

Von der milit√§rischen Umstrukturierung des Byzantinischen Reiches in so genannte Themen war auch die maltesische Inselgruppe betroffen, und in den Aufzeichnungen finden sich zwischen dem Ende des 7. Jahrhunderts und dem Anfang des 8. Jahrhunderts die Namen der Offiziere Nicetas, Drungarios und Arcontes. Zwar waren Malta und Gozo m√∂glicherweise ein strategisch relevanter St√ľtzpunkt f√ľr Kriegsschiffe, doch bedingt durch die Tatsache, dass sie am Rand der byzantinischen Einflusssph√§re lagen, ging ihre Bedeutung als Handelsknotenpunkt best√§ndig zur√ľck und versiegte bald ganz. Dies f√ľhrte zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen, und gegen Ende der byzantinischen Herrschaft √ľber den Archipel waren die ehemals prunkvollen Geb√§ude in ihrer Mehrzahl verfallen und die Malteser lebten √ľberwiegend wieder unter √§rmlichen Verh√§ltnissen auf dem Land.

Mittelalter

Araber (870‚Äď1090)

Die Byzantiner auf Melita sahen sich Anfang des 9. Jahrhunderts mit den nordafrikanischen Muslimen konfrontiert, die bestrebt waren, ihren Einflussbereich auszudehnen. Ihre milit√§rischen √úberf√§lle auf die kleinen Mittelmeerinseln begannen um 836, konnten jedoch zun√§chst von der christlichen Bev√∂lkerung abgewehrt werden. Im Jahre 870 gelang es den Aghlabiden aus dem heutigen Tunesien im Zuge ihrer Eroberung Siziliens, die Malteser zu besiegen und das Land zu pl√ľndern. Nahezu alle noch nicht geflohenen byzantinischen Einwohner wurden ermordet. Dennoch verlie√üen die Muslime die Insel vorerst wieder. 904 schlie√ülich nahmen die Araber Melita endg√ľltig ein und vertrieben die restlichen Byzantiner.

Die Araber f√ľhrten auf Malta unter anderem den wirtschaftlich wichtigen Baumwollanbau ein

Als eine der ersten Ma√ünahmen wurde der Islam als Staatsreligion eingef√ľhrt und die Namen der Hauptinseln von Melita in Malta und von Gaulus in G—õawdex abge√§ndert. Auch die beiden kleinen vorgelagerten Inseln wurden umbenannt. Die eine erhielt auf Grund des dort vorherrschenden K√ľmmelanbaus die Bezeichnung Kemmuna (das heutige Comino) und die andere wegen des dortigen Pfefferanbaus den Namen Filfla.

Die Malteser wurden verpflichtet, zum Islam √ľberzutreten. Weigerten sie sich, mussten sie einen Tribut (Harag) bzw. eine Sondersteuer (Dschiziya) bezahlen und wurden nur mit eingeschr√§nktem Rechtsstatus geduldet. Diese Personen bezeichnet man als Dhimmi. Dennoch kam es, soweit bekannt, auf Malta zu keiner Zeit zu religi√∂s bedingten Verfolgungen. Die meisten Menschen nahmen den muslimischen Glauben an um der Dschiziya-Steuer und anderen diskriminierenden Sharia Regeln z.b. im Eigentumsrecht, im Familienrecht und dem Erbrecht zu entgehen. Laut einer im Jahre 991 durchgef√ľhrten Volksz√§hlung lebten zu jener Zeit 6.339 christliche und 14.972 muslimische Familien auf den Inseln. Es ist also davon auszugehen, dass das Christentum weiter praktiziert wurde, m√∂glicherweise im Verborgenen, wie etwa in den Katakomben. Es gab jedoch durchaus auch christliche Malteser, die mit muslimischen zusammenlebten. Diese nannte man Rum, was die √ľbliche arabische Bezeichnung sowohl f√ľr das Byzantinische Reich als auch f√ľr dessen Bewohner war, die die T√ľrken mit den Christen gleichsetzten. Noch heute existieren auf Malta einige Ortsnamen, die auf diesen Umstand hindeuten, wie etwa das Wied ir-Rum (Tal der Christen).

Zwar galten die maltesischen Inseln aus kultureller Sicht als eher r√ľckst√§ndig ‚Äď das Zentrum der islamischen Kunst und Kultur im westlichen Mittelmeerraum lag auf Sizilien ‚Äď, doch f√ľhrten die arabischen Machthaber einige Neuerungen ein, m√∂glicherweise auch, um das Ansehen Maltas zu steigern. So installierten sie auf dem Archipel zahlreiche von Tieren getriebene Wasserr√§der, sogenannte Sienjas, deren Konstruktion heutzutage nicht mehr verbreitet ist. Sie dienten zum effektiveren Wassersch√∂pfen und zum Bew√§ssern der Felder. Auf diesen lie√üen sie Baumwolle anpflanzen, deren Verkauf f√ľr die folgenden Jahrhunderte Maltas wichtigsten Wirtschaftszweig darstellte.

Um ihre Macht zu sichern errichteten die Muslime am Ort des fr√ľheren Heraklestempels eine Festung, unter deren Mauern und Schutz mehrere Kriegsschiffe ankerten. Viele Malteser waren verpflichtet, auf den Schiffen zu arbeiten. Gleichzeitig legten die Araber im Landesinneren stark befestigte Trutzburgen an. So trennten sie einen Teil der Stadt Melita ab, umgaben ihn mit einem weiten Graben und hohen Mauern und nannten ihn Medina (das heutige Mdina). Die restlichen unbefestigten Teile der Stadt erhielten den Namen Rabat (Vorort). Auf √§hnliche Weise entstand auch die Zitadelle der gozitanischen Hauptstadt Victoria, die ebenfalls Rabat getauft wurde. Diese Zweiteilungen der St√§dte waren zur damaligen Zeit im Mittelmeerraum nichts Ungew√∂hnliches und wurden von den Arabern vor allem in Nordafrika in vielen Siedlungen durchgef√ľhrt. Der mit Mauern umgebene Bereich erhielt ‚Äď wie auf Malta ‚Äď in der Regel den Namen Medina, was Stadt bedeutet. Diese befestigten Gebiete mit ihren engen Gassen stellen heutzutage oftmals die Altstadt der Orte dar und finden sich beispielsweise noch in F√®s, Tunis, Hammamet und Tripolis.

Die Byzantiner unternahmen einige erfolglose Versuche, die Inseln zur√ľckzuerobern. Einer dieser Angriffe f√ľhrte im Jahre 1048 dazu, dass die Araber Hilfe aus Sizilien anfordern mussten. Zus√§tzlich hob der Emir eine Regelung auf, die es der maltesischen Bev√∂lkerung verbot, Waffen zu tragen. Laut dem arabischen Historiker Kawzuni forderte er sie auf:

‚ÄěGreift an unserer Seite zu den Waffen, wenn wir gewinnen, sollt ihr frei sein wie wir und unseren Besitztum mit uns teilen; wenn ihr nicht k√§mpft, werden wir get√∂tet so wie ihr.‚Äú

Die Malteser entschieden sich mitzuk√§mpfen, und gemeinsam gelang es, die Byzantiner zur√ľckzudr√§ngen und die Offensive abzuwehren. Wie versprochen gew√§hrte der Emir den Einwohnern daraufhin mehr Rechte. 42 Jahre sp√§ter, 1090, wurden die Inseln von den Normannen erobert. Roger I. vertrieb die Muslime, nachdem er zuvor bereits in einer 29 Jahre w√§hrenden Auseinandersetzung Sizilien eingenommen hatte.

Noch heute existieren im maltesischen Landschaftsbild zahlreiche arabische Begriffe. Dies ist speziell bei Ortsnamen auff√§llig. So liegt im √§u√üersten Westen von Gozo der Ort Gńßarb, was sich vom arabischen Wort f√ľr Sonnenuntergang, im Sinne von ‚Äěwestlich‚Äú ableitet. Das Dorf Bańßrija auf der Hauptinsel tr√§gt die arabische Bezeichnung f√ľr Oase. (Anderen Angaben zufolge jene f√ľr Motte.)

Normannen, Deutsche, Franzosen und Spanier (1090‚Äď1525)

Roger I. besetzte Malta, um eine s√ľdliche Front gegen die Angriffe der Araber aufzubauen. Er machte die Muslime zu Vasallen und verlangte Tribut von deren Statthaltern. Die christlichen Zwangsarbeiter wurden befreit, die Mehrzahl der von den Arabern eingerichteten Institutionen blieb jedoch bestehen. Die christliche Konsolidierung erfolgte dennoch erst sp√§ter. 1156 wurde das Bistum Malta dem Erzbistum Palermo als Suffragan unterstellt. Im Jahre 1168 ist der erste Bischof zu Malta namentlich bekannt. Der Notar Friedrichs I., der Stra√üburger Vitztum Burchard,[3] schreibt nach 1175 im Bericht √ľber seine diplomatische Mission nach Alexandrien, die Insel Malta sei von Sarazenen bewohnt und stehe unter der Herrschaft des K√∂nigs von Sizilien.[4] Ob er sich auf Malta aufgehalten hat, ist unsicher. Margaritos von Brindisi ist von 1192 bis 1194 als erster Graf von Malta bezeugt. Diesen k√∂nigstreuen Dienern wurden Feudalrechte und Lehen auf den Inseln gew√§hrt. Die meisten von ihnen sahen in den Inseln in der Regel aber lediglich eine Steuerquelle.

Der letzte normannische K√∂nig hatte keine Nachkommen, so dass Sizilien und somit auch Malta 1194 an das Geschlecht der Staufer unter Heinrich VI. fielen. Dessen Nachfolger Friedrich II. lie√ü 1249 auf Sizilien einen Araberaufstand niederschlagen und in der Folge s√§mtliche Einwohner muslimischen Glaubens von Malta verbannen. Viele Muslime traten unter Zwang zum Christentum √ľber. Etwa zur gleichen Zeit erlebte Malta eine starke Einwanderungswelle von der Nachbarinsel.

Im Jahre 1268 gelang es Karl I. von Neapel, dem j√ľngeren Bruder des franz√∂sischen K√∂nigs Ludwig IX., Sizilien zu erobern, womit er auch die Herrschaftsgewalt √ľber Malta gewann. Damit stand die Insel unter angevinischer Kontrolle. Nach nur vierzehn Jahren wurde diese im Zuge des Aufstandes der Sizilianischen Vesper bereits wieder beendet, in deren Verlauf sich Peter III. von Arag√≥n durchzusetzen vermochte. Malta wurde zum Streitobjekt zwischen Karl I. und Peter III..

Der Konflikt entschied sich erst zwei Jahre darauf 1284 in einer Seeschlacht vor Malta, aus der die Aragon siegreich hervorging. Die Franzosen wurden zum Abzug aus Malta gezwungen. Die Malteser wollten die Insel in die k√∂nigliche Dom√§ne eingliedern und direkt der Herrschaft des Souver√§ns unterstellen, anstatt von einem seiner Stellvertreter verwaltet zu werden. Nach mehreren entsprechenden Antr√§gen wurde ihrer Bitte stattgegeben, doch keine dieser Eingliederungen war von Dauer. Ab etwa 1350 konnten jedoch auch Mitglieder der maltesischen Bev√∂lkerung in den Adelsstand erhoben werden. Die Folge war wenig sp√§ter die Einberufung eines Rates mit Verwaltungsstruktur, der sogenannten Universit√°, deren Mitglieder einen Gouverneur (Hakem) aus ihren Reihen w√§hlten. Auch auf Gozo etablierte sich ein Rat. Beide Institutionen wurden vorbehaltlos vom K√∂nig anerkannt. Noch im ausgehenden 14. Jahrhundert war die Piraterie ein f√ľr Malta wichtiger Wirtschaftszweig, doch nicht selten kam es zu Vergeltungsma√ünahmen. So √ľberfielen 1371 zehn Schiffe der Republik Genua die Inseln und pl√ľnderten sie, nachdem zuvor ein genuesisches Handelsschiff von Maltesern gekapert worden war. In den Folgejahren intensivierten die Einwohner daher die Beziehungen zu Sizilien, da man √ľber die Versorgung mit Getreide und Vieh von diesem abh√§ngig war. Der letzte Feudalherr Maltas, Don Gonsalvo Monroy, wurde nach einem Aufruhr vom Archipel verbannt. Er forderte am Hof von Arag√≥n harte Strafen gegen die Malteser und die R√ľckzahlung von 30.000 Gulden, die er f√ľr das Lehen hatte aufwenden m√ľssen. Die Malteser boten an, die Summe zu begleichen und baten gleichzeitig am Hof erneut darum, in die k√∂nigliche Dom√§ne eingegliedert zu werden. Der damalige K√∂nig Alfons V. zeigte sich beeindruckt ob dieser Loyalit√§t und bezeichnete Malta als den ‚Äěehrw√ľrdigsten Stein in seiner Krone‚Äú. Aus diesem Grund gab er der Hauptstadt Mdina den Namen Notabile, der jedoch von den Maltesern kaum verwendet wurde. Man einigte sich auf eine R√ľckzahlung der Gulden binnen vier Monaten, doch als der Vizek√∂nig Nicola Speciali die Inseln besuchte und auf die schlechte Baumwollernte und die bescheidenen Lebensbedingungen aufmerksam wurde, setzte er sich daf√ľr ein, die Frist zu verl√§ngern. Schlie√ülich zahlten die Malteser bis 1429 20.000 Gulden ab, als ihnen Monroy auf dem Sterbebett den Rest erlie√ü. Mittlerweile hatte sich, nachdem die kulturellen Auswirkungen der 220-j√§hrigen arabischen Epoche noch lange bemerkbar gewesen waren, das Christentum endg√ľltig durchgesetzt. Dies zeigte sich auch an der Tatsache, dass die wichtigsten christlichen Orden Au√üenstellen in Form von Kl√∂stern auf Malta einrichteten. Die Franziskaner waren bereits 1370 eingetroffen, die Karmeliten und die Benediktinerinnen folgten 1418, die Augustiner-Eremiten 1450 und die Dominikaner 1466. Die Benediktinerinnen waren es, die die erste Volksschule und das erste Hospital des Archipels gr√ľndeten. F√ľr die Verteidigung ihrer Inseln waren die Malteser selber verantwortlich. Die m√§nnliche Bev√∂lkerung zwischen 16 und 70 Jahren war verpflichtet, in den Milizkompanien (den Dejmas) zu dienen. Die milit√§risch gr√∂√üte Herausforderung war im Jahre 1429 ein Angriff der Mauren, die die Inseln einnehmen und als Ausgangspunkt f√ľr weitere Eroberungen nutzen wollten, auch um der Reconquista Einhalt zu gebieten. √úber die Schlacht liegen nur wenige historisch gesicherte Daten vor. So wei√ü man beispielsweise, dass das etwa 18.000 Mann starke Heer der Mauren unter dem Kommando von Kaid Ridavan stand, w√§hrend die gesamte Bev√∂lkerung Maltas zu jener Zeit gerade einmal rund 17.000 Einwohner z√§hlte, von denen knapp 4.000 Soldaten waren. Die Legende sagt, dass die Mauren zum Zeichen daf√ľr, dass sie die Malteser nicht aushungern, sondern mit Waffengewalt bek√§mpfen wollten, einen mit Brotlaiben beladenen Karren zu ihren Feinden geschickt h√§tten. Diesen schickten die Malteser zur√ľck, wobei sie auf jeden Laib einen Gbejna, ein typisches maltesisches K√§segeb√§ck, legten. Die √úberlieferungen sprechen von Paulus von Tarsus, der den Inselbewohnern erschienen sei und die Muslime zur√ľckgedr√§ngt habe. Der tats√§chliche Hintergrund f√ľr den unerwarteten Sieg Maltas d√ľrfte rechtzeitig eingetroffene milit√§rische Unterst√ľtzung gewesen sein.

Nach der Zusammenlegung der Krone Aragons mit dem K√∂nigreich Kastilien im Jahre 1516 geh√∂rte Malta noch f√ľr einige Jahre zum neuen K√∂nigreich Spanien unter dem neuen europ√§ischen Hegemonialkaiser Karl V.. Dieser bot das Eiland, zusammen mit Tripolis, 1525 dem aus Rhodos vertriebenen Johanniterorden als Lehen an. Es bedurfte allerdings noch einer p√§pstlichen Bulle, ehe sich die Ritter am 26. Oktober 1530 auf Malta niederlie√üen. Der Orden bestimmte die Geschichte der Insel f√ľr die folgenden 268 Jahre.

Neuzeit

Ordensstaat (1530‚Äď1798)

Anfänge

Der Gro√ümeister des Johanniter-Ordens, Philippe de Villiers de l‚ÄôIsle-Adam, versprach bei seinem Einzug in Mdina, dass er beabsichtige, die Rechte und Privilegien des maltesischen Volkes sch√ľtzen und wahren zu wollen. Nur ein Jahr nach der Ankunft der Ordensritter f√ľhrten die Osmanen einen kleinen Angriff gegen die Inseln, der die Malteser dazu bewog, die Festungen auszubauen. Sie legten auf der Halbinsel zwischen dem Grand Harbour und dem Marsamxett Harbour das Fort St. Elmo an und errichteten √ľber dem alten Castel √† Mare in Birgu das Fort St. Angelo. 1532 entschied der Gro√ümeister, den Ordenssitz aus dem im Landesinneren liegenden Mdina nach Birgu zu verlagern, welches durch diese Ma√ünahme eine schnelle Wandlung von einem Fischerdorf zur wichtigsten Stadt Maltas erlebte.

Der osmanische Sultan S√ľleyman I. hatte mittlerweile seine Taktik ge√§ndert und lie√ü nicht mehr mit gro√üen Heeren angreifen, sondern verteilte Kaperbriefe an Seeleute, die als Vorhut seiner geplanten Reichsexpansion operieren sollten. Einer dieser Seeleute war der von der Insel Lesbos stammende Khair ad-Din Barbarossa. Er wurde 1533 als Vertreter der Hohen Pforte im Maghreb anerkannt und verw√ľstete bis zu seinem Tod im Jahre 1546 wiederholt die K√ľsten Siziliens und Maltas. Sein Nachfolger wurde Turgut Reis, der bis 1561 sechsmal den maltesischen Archipel √ľberfiel. So pl√ľnderte er beispielsweise 1547 auf Gozo und 1548 an der S√ľdk√ľste der Hauptinsel. 1550 verschleppten seine Anh√§nger auf Gozo mehr als 1.000 Einheimische in die Sklaverei, was einer Entv√∂lkerung der Insel gleichkam. Im darauffolgenden Jahr, 1551, startete er gemeinsam mit einigen osmanischen Einheiten eine Invasion auf Malta. Dabei verheerte er das Land und hielt sich lediglich von den befestigten St√§dten Mdina und Birgu fern. Vorr√§te wurden geraubt und D√∂rfer niedergebrannt. Infolge dieses Angriffs brach eine Hungersnot auf den Inseln aus, die die Einwohnerzahl auf den niedrigsten Stand dieses Jahrhunderts sinken lie√ü.

Die Belagerung von 1565 auf einem Gemälde von Matteo Perez d'Aleccio im Großmeisterpalast von Valletta. Gut zu erkennen ist die stark befestigte alte Inselhauptstadt Mdina.

Diese H√§ufung der √úbergriffe veranlasste die Malteser, den Bau von Festungen zu intensivieren. Dieser wurde insbesondere durch den 1557 eingesetzten Gro√ümeister Jean de la Valette vorangetrieben. Unter seiner F√ľhrung gelang es den Insulanern und Ordensrittern mit Unterst√ľtzung aus Spanien und Sizilien im Jahre 1565 w√§hrend der Ersten gro√üen maltesischen Belagerung, die zahlenm√§√üig weit √ľberlegenen Heere der Osmanen nach mehr als drei Monaten zu vertreiben und ihnen schwere Verluste zuzuf√ľgen. Diese Niederlage bedeutete einen herben Schlag f√ľr die osmanischen Expanisionsbestrebungen und gilt bis heute als gr√∂√üter milit√§rischer Erfolg Maltas. Infolgedessen erfuhr der Orden, der mittlerweile meistens als Malteserorden bezeichnet wurde, gro√üe finanzielle Zuwendungen vom europ√§ischen Adel, der die strategisch wichtige Lage im Kampf gegen die Osmanen erkannt hatte und sich dankbar f√ľr die vorerst abgewendete Gefahr erwies.

Auf der Grundlage der nun steten finanziellen Unterst√ľtzung legte de la Valette am 28. M√§rz 1566, also nur wenige Monate nach dem Ende der Belagerung, unterhalb des Forts St. Elmo den Grundstein f√ľr ein von ihm lange verfolgtes Projekt: eine neue Hauptstadt. Sie entstand unter der Leitung des italienischen Architekten Francesco Laparelli und dessen maltesischem Assistenten Gerolamo Cassar. Hinter f√ľr damalige Verh√§ltnisse au√üergew√∂hnlich dicken Mauern legte man ein schachbrettartiges Stra√üennetz an und errichtete die wichtigsten Geb√§ude der Ordens, unter anderem den Gro√ümeisterpalast. Aus Furcht vor einem erneuten Angriff der Osmanen verwarf man Pl√§ne, das gesamte Gebiet einzuebnen, so dass die Stadt bereits 1571 ‚Äď und damit wesentlich schneller als urspr√ľnglich vorgesehen ‚Äď fertiggestellt werden konnte. Sie erhielt nach dem 1568 verstorbenen Jean de la Valette den Namen Valletta und l√∂ste nach nur 39 Jahren Birgu, das seit dem Sieg √ľber die t√ľrkischen Belagerer den Ehrennamen Vittoriosa erhalten hatte, als Inselhauptstadt ab.

Bl√ľtezeit

Galeere der Johanniter

Im selben Jahr der Einweihung Vallettas nahm der Orden als Koalitionsmacht an der Seeschlacht von Lepanto teil und war somit in der Lage, dem Osmanischen Reich eine weitere empfindliche Niederlage zuzuf√ľgen. Dieses Eingreifen steigerte die Achtung der Europ√§er gegen√ľber den Maltesern und den Ordensrittern abermals und lie√ü den Wohlstand wachsen, womit eine Bl√ľtezeit Maltas eingeleitet wurde.

Der Malteserorden vermochte in dieser Zeit seinen Reichtum stark zu mehren. Daf√ľr waren vor allem zwei Gr√ľnde ma√ügeblich: Zum ersten ging der gesamte, oftmals nicht unerhebliche Besitz eines Ritters nach dessen Tod in den Besitz des Ordens √ľber und zum zweiten lag ein Hauptzweig der maltesischen Wirtschaft mit Billigung durch die europ√§ischen Adelsh√§user auf gegen die Osmanen gerichteten Kaperfahrten. Hatten die Malteser vor der Gro√üen Belagerung die osmanischen Kaperer gef√ľrchtet, betrieben sie nun ihrerseits diese Form der legalisierten Piraterie, die dem Archipel gro√üe Gewinne bescherte.

Ein Teil des Wignacourt-Aqädukts

Die Ritter entwickelten ein Programm zur Anhebung des Lebensstandards der Bev√∂lkerung, zu dessen Punkten auch die Einrichtung einer Universit√§t in Valletta im Jahre 1592 z√§hlte. Die Diener der Ordensoberen ‚Äď zum Beispiel die K√∂che, Schneider und G√§rtner ‚Äď stammten zumeist aus den Herkunftsl√§ndern ihrer Herren. Es war ihnen gestattet, einheimische Frauen zu heiraten, wodurch sie die M√∂glichkeit bekamen, ihre F√§higkeiten weiterzureichen. So fanden im Laufe der Jahre auch viele Einheimische beim Orden Arbeit als Soldaten, Seefahrer, Handwerker oder Angestellte. Gleichzeitig wurden zahlreiche begabte Malteser auf Empfehlung des Ordens auf das europ√§ische Festland geschickt und dort zu anerkannten Musikern, Philosophen, Malern, Bildhauern und Architekten ausgebildet. Viele von ihnen kehrten in ihr Heimatland zur√ľck und kooperierten mit ausl√§ndischen K√ľnstlern, die aufgefordert wurden, auf der Insel zu arbeiten. Gemeinsam gestalteten sie zahlreiche Kirchen und Pal√§ste, die der Malteserorden in jener Zeit des √úberflusses in Auftrag gab.

Die √úberf√§lle der Osmanen auf die Inseln hielten allerdings noch bis Anfang des 17. Jahrhunderts an, wie etwa die Pl√ľnderung ŇĽejtuns im Jahre 1614 beweist. Der Ausbau der Verteidigungsanlagen schritt jedoch voran und etwa zur Mitte des Jahrhunderts hatten die Malteser ihr Festungs- und Schutzsystem nahezu fertiggestellt, sodass sie auf den Inseln sicher leben konnten. Die wichtigsten St√§dte waren von m√§chtigen Mauern umgeben, Bastionen standen an den Buchten und markanten Landpunkten und an den K√ľsten erhoben sich die sogenannten Redin-Towers, benannt nach dem Gro√ümeister Martin de Redin. Diese eckigen, zweist√∂ckigen T√ľrme standen (und stehen teilweise noch heute) in regelm√§√üigen Abst√§nden in Sichtweite auf dem zumeist steilen Ufer. Im Alarmfall wurde bei Tag eine Kanone abgefeuert und in der Nacht ein Leuchtfeuer entz√ľndet. Die T√ľrme zur Rechten wie zur Linken wiederholten die Signale und binnen kurzer Zeit stand die gesamte K√ľste der Insel unter Alarmbereitschaft.

Bereits im Jahr des √úberfalls auf ŇĽejtun wurde unter der √Ągide des Gro√ümeisters Alof de Wignacourt mit dem Bau eines weitl√§ufigen von Mdina ausgehenden Aqu√§dukts auf der Hauptinsel begonnen, welches 1615 fertiggestellt werden konnte. Es transportierte Wasser aus dem Landesinneren nach Valletta und sicherte somit die Versorgung der Hauptstadt mit dem raren Rohstoff. Die Ordensritter ‚Äď die die ersten Herren √ľber Malta waren, die auch auf der Insel lebten ‚Äď f√ľhrten in den milit√§risch ruhigen Jahren des Wohlstandes und der florierenden Wirtschaft zahlreiche Dorf- und Volksfeste ein, die mehrheitlich christlich motivierten Ursprungs waren. Zu diesen Feierlichkeiten z√§hlten etwa der Karneval und die mehr als 100 Kirchweihfeste, von denen der Tag ‚ÄěUnserer Lieben Frau des Sieges‚Äú der wichtigste war.

Im Jahre 1676 forderte eine Pestepidemie auf dem maltesischen Archipel √ľber 10.000 Tote und leitete das Ende der Bl√ľtezeit des Ordens auf Malta ein, obschon der Wohlstand noch f√ľr mehrere Jahrzehnte andauern sollte. Die Bev√∂lkerung war jedoch geschw√§cht und entwickelte sich unter der Ordensherrschaft nie wieder zu ihrer urspr√ľnglichen Gemeinschaft.

Niedergang

Zur Mitte des 18. Jahrhunderts nahm die milit√§rische Gefahr, die vom Osmanischen Reich ausging, stark ab und in der Folge lagen viele Schiffe des Ordens unt√§tig im Grand Harbour vor Anker. Die finanzielle Situation der Ordensritter war zu jener Zeit sehr prek√§r. Dies beruhte zum einen darauf, dass der europ√§ische Adel die Meinung vertrat, Malta ben√∂tige nicht l√§nger Zuwendungen, und zum anderen darauf, dass der Malteserorden sich mit immer gr√∂√üerem Prunk umgeben hatte und dabei die Finanzkalkulationen vernachl√§ssigt hatte. Die oftmals von den Maltesern herbeigesehnte milit√§rische Unt√§tigkeit f√ľhrte nun zu hohen Arbeitslosenzahlen und Armut, was Unmut in der Bev√∂lkerung ausl√∂ste. Als der Orden versuchte, seine wachsenden Ausgaben durch h√∂here Steuern zu bezahlen, kam es 1775 zu einem √∂ffentlichen Aufruhr. Der von einigen Priestern angef√ľhrte Aufstand wurde jedoch blutig niedergeschlagen und die Mehrzahl seiner Initiatoren hingerichtet. Als w√§hrend der Franz√∂sischen Revolution alle in Frankreich liegenden Besitzt√ľmer des Ordens von der Ersten Franz√∂sischen Republik beschlagnahmt wurden, flohen mehrere hundert Franzosen nach Malta. Diese Fl√ľchtlingswelle f√ľhrte zu einer weiteren finanziellen Belastung f√ľr die maltesische Gesellschaft. 1798 schlie√ülich gelang es dem aufstrebenden General Napol√©on Bonaparte, die Inseln ohne Widerstand einzunehmen und somit die Ordensherrschaft zu beenden.

Franz√∂sische Besetzung (1798‚Äď1800)

Die franz√∂sischen Truppen unter dem Kommando von Napol√©on Bonaparte gelangten im Vorfeld der √Ągyptischen Expedition im Jahre 1798 auch auf den maltesischen Archipel. Es ist anzunehmen, dass bereits Anfang des Jahres Pl√§ne zur Einnahme der Inseln vorlagen. Am 9. Juni traf die Flotte vor den Inseln ein.

Napoléon Bonaparte ließ die maltesischen Inseln okkupieren

Am folgenden Tag entsandte Bonaparte einige Soldaten nach Valletta, um darum bitten zu lassen, die Schiffe mit frischem Trinkwasser versorgen zu d√ľrfen. Der kurz zuvor ins Amt gew√§hlte Gro√ümeister Ferdinand von Hompesch zu Bolheim erteilte den Franzosen die entsprechende Erlaubnis, allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich nur jeweils vier Kriegsschiffe gleichzeitig im Grand Harbour aufhalten d√ľrften. Bonaparte war offenbar auf diese Forderung vorbereitet, denn sobald die ersten Soldaten angelandet hatten, trat eine franz√∂sischsprachige F√ľnfte Kolonne der Ordensritter freiwillig unter seine F√ľhrung. Da die Regularien dem Malteserorden Kampfhandlungen gegen andere Christen untersagten, gelang es den Franzosen noch am selben Tag, innerhalb weniger Stunden die meisten Siedlungen der Insel unter ihre Kontrolle zu bringen. Bei dieser Okkupation fiel angeblich nicht ein einziger Schuss. Am 11. Juni wurde an Bord der ‚ÄěL'Orient‚Äú das Kapitulationspapier unterzeichnet und am 14. Juni verlie√ü die √§gyptische Flotte Malta, nachdem man zuvor einige Dutzend Soldaten dort stationiert hatte, denen sp√§ter noch weitere folgten. Von Hompesch zu Bolheim, der letzte auf Malta regierende Gro√ümeister, verlie√ü Malta in den folgenden Tagen in Begleitung einiger weniger Ritter.

In den ersten zwei Wochen nach der Besetzung f√ľhrten die Franzosen zahlreiche Reformen ein. So wurde die Sklaverei verboten und die ohnehin nur noch wenigen Sklaven befreit. Dar√ľber hinaus etablierte man ein staatlich finanziertes Grundschulsystem und verbot den Adel, dessen Wappen aus der maltesischen √Ėffentlichkeit entfernt oder, falls dies unm√∂glich war, zumindest unkenntlich gemacht wurden. Letztere Ma√ünahme stand in direktem Zusammenhang mit den Forderungen der Franz√∂sischen Revolution. Die Franzosen unterstellten Malta indirekt einem Bischof und sicherten diesem zu, dass die Rechte der Kirche weiterhin gew√§hrleistet w√ľrden. Der Pr√§lat verschickte daraufhin einen Hirtenbrief an die Malteser, in welchem er sie ermahnte, sich der Lehren des heiligen Paulus zu erinnern, den Obrigkeiten zu gehorchen. Jene maltesischen M√§nner, die im Heer oder in der Marine des Ordens gedient hatte, wurden in die Streitkr√§fte der Ersten Franz√∂sischen Republik eingezogen.

Die auf den Inseln stationierten franz√∂sischen Soldaten pl√ľnderten im Sommer 1798 die √ľberwiegende Mehrzahl der Herrenh√§user und Pal√§ste, so auch den Gro√ümeisterpalast in Valletta und anschlie√üend die Kirchen, womit das Versprechen an den Bischof gebrochen wurde. Die entwendeten Kunstgegenst√§nde aus Gold und Silber wurden zu Barren eingeschmolzen. W√§hrend die Franzosen so finanziell profitierten, strichen sie gleichzeitig ehemaligen Ordensangestellten die Rente. Da die Mehrzahl der Einwohner Maltas direkt oder indirekt f√ľr den Orden gearbeitet hatte, waren sehr viele Familien betroffen.

Aufstand

Durch die Besetzung der Inseln kam deren Wirtschaft nahezu zum Erliegen. Die Ausfuhr von Baumwolle, dem damals wichtigsten Exportprodukt, wurde durch die Franzosen unterbunden, da der Hauptabnehmer das K√∂nigreich Gro√übritannien war, mit dem sich Frankreich seit 1793 im Kriegszustand befand. Der versiegende Handel wirkte sich negativ auf die Lebenssituation der maltesischen Bauern aus und l√§hmte in einer Kettenreaktion das Land. Aus Unmut √ľber die franz√∂sische Unt√§tigkeit begann im September 1798 ein Aufstand gegen die Besetzung. Am 2. September sollten in Mdina die Wertgegenst√§nde der dortigen Karmeliterkirche versteigert werden, wozu sich mehrere Schaulustige versammelt hatten. Ein franz√∂sischer Kommandant und ein Feldwebel versuchten, die Menge zu zerstreuen. Laut einer maltesischen √úberlieferung warf ein etwa zw√∂lfj√§hriger Junge in jenem Moment einen Stein nach dem Kommandanten. Die Malteser hatten das √úberraschungsmoment auf ihrer Seite, √ľberfielen die Franzosen und lynchten sie.[5]

Das 1810 im Gedenken an Sir Alexander Ball errichtete Denkmal mit dorischen Säulen in den Lower Barrakka Gardens in Valletta

W√§hrend die Besatzer die Stadttore von Mdina schlie√üen lie√üen, l√§uteten die Malteser zum Alarm und drangen mit Verst√§rkung aus den Nachbard√∂rfern durch einen noch in der Ordenszeit angelegten versteckten Durchgang in die Stadt ein, wo es ihnen schnell gelang, die Truppen zu √ľberw√§ltigen. In der Folge eroberten sich die Einwohner innerhalb eines Tages alle St√§dte mit Ausnahme der Festungen am Hafen zur√ľck und gewannen so auch mehrere Kanonen. Am Abend des 2. September wurde eine provisorische Nationalversammlung ausgerufen (sp√§ter in Kongress umbenannt).

Trotz der Kanonen war die Bewaffnung der Aufst√§ndischen mit Lanzen, Kn√ľppeln, Schwertern und Flinten eher schlecht, so dass sie Hilfegesuche an das K√∂nigreich Sizilien unter Ferdinand I. und dessen Verb√ľndeten, den britischen K√∂nig Georg III. richteten. W√§hrend Ferdinand I. mehrere dutzend Flinten mit Munition sowie geringe Geldsummen zur Verf√ľgung stellte, blockierten die Briten unter dem Kommando von Horatio Nelson, der zuvor die napol√©onischen Franzosen in der Seeschlacht bei Abukir vernichtend geschlagen hatte, die H√§fen der Inseln, so dass die Franzosen von Nachschublieferungen abgeschnitten waren. Die Belagerung f√ľhrte im Oktober zur Kapitulation der in der Zitadelle von Victoria auf Gozo festgesetzten Besatzer, was die Ausrufung der kurzlebigen Republik Gozo zur Folge hatte. Die Briten und Malteser erhielten im November Unterst√ľtzung vom K√∂nigreich Sardinien ‚Äď dennoch besa√üen sie nicht die Schlagkraft, die erforderlich gewesen w√§re, die Bastionen zu st√ľrmen. Im Jahre 1799 ernannte man Sir Alexander Ball, den Kapit√§n eines der Belagerungsschiffe, zum Pr√§sidenten des maltesischen Kongresses. Er einte die oft zerstrittenen Insulaner und erzwang dar√ľber hinaus Getreidelieferungen aus Sizilien. Diese beendeten die permanente Lebensmittelknappheit, die dadurch hervorgerufen wurde, dass die meisten Malteser Soldaten waren und die ohnehin kargen Felder oft brach lagen. Mit dieser Ma√ünahme steigerte Ball das Ansehen der Briten bei den Maltesern sehr.

Im Jahre 1800 waren die Franzosen so weit geschw√§cht, dass sie bereit waren, zu kapitulieren, allerdings ohne sich den Maltesern unterwerfen zu wollen, da diese in ihren Augen Rebellen waren. Die Briten verfolgten das Ziel, ihre Schiffe so schnell wie m√∂glich an andere Schaupl√§tze des Zweiten Koalitionskrieges zu verlegen. Bei den Verhandlungen waren die Malteser ausgeschlossen. Schlie√ülich wurde den Franzosen ein freier Abzug gew√§hrt und der maltesische Kongress aufgel√∂st. Die Briten zogen sich zur√ľck, stationierten jedoch ein Regiment auf den Inseln. Dieses hisste am 5. September 1800, also gut zwei Jahre nach dem Beginn des Aufstandes, den Union Jack in Valletta und begr√ľndete so die folgende Kolonialherrschaft.

Kolonialzeit (1800‚Äď1964)

19. Jahrhundert

Die Briten zeigten zun√§chst kein sonderliches Interesse daran, Malta und Gozo unter ihrer Kontrolle zu behalten. Im Gegenteil wurde 1802 im Frieden von Amiens, der den Zweiten Koalitionskrieg beendete, sogar eine R√ľckgabe an den reformierten Johanniterorden festgehalten. Diese sollte unter dem Schutz des K√∂nigreiches Sizilien erfolgen und die Neutralit√§t Maltas von allen Gro√üm√§chten anerkannt werden. Die Mehrheit der maltesischen Bev√∂lkerung lehnte diese Regelung ab, da man, wenn die Briten die Souver√§nit√§t √ľber die Inseln verweigerten, selbst entscheiden wollte. Die √úbergabe scheiterte letztendlich jedoch an vertraglichen Unstimmigkeiten mit dem Orden, sodass die Inseln ein De-facto-Protektorat Gro√übritanniens blieben.

Erst in der Folge weiterer milit√§rischer Auseinandersetzungen mit Frankreich lernten die Briten langsam, wie die Franzosen vor ihnen, die strategisch g√ľnstige Lage Maltas zu sch√§tzen und versuchten nun, es zu halten. Bei der Besetzung der vakanten Verwaltungspositionen verzichteten sie auf die Einsetzung von Ausl√§ndern, sondern bef√∂rderten stattdessen Malteser, wodurch ihr R√ľckhalt in der Bev√∂lkerung wuchs. Ab 1806 mussten unter dem britischen Seekommando alle Handelsschiffe in den Grand Harbour einlaufen, um dort im Zoll der britischen Marine abgefertigt zu werden. Auf Grund dieser Bestimmung entwickelte sich Malta schnell zu einem wichtigen Handelszentrum im Mittelmeer. Erst 1814, im nach dem Sturz Napol√©on Bonapartes im Jahre 1814 geschlossenen Ersten Pariser Frieden, wurde der Archipel den Briten offiziell ‚Äě[‚Ķ] durch die Stimme Europas und die Liebe der Malteser‚Äú[6] als Kronkolonie zugestanden. Diese unterstand einem Gouverneur, der seinen Amtssitz im Gro√ümeisterpalast bezog.

Die Vorrangstellung Maltas als Beherrscherin des westlichen Mittelmeeres, ging nach der endg√ľltigen Niederlage Frankreichs in der Schlacht bei Waterloo 1815 und dem damit einhergehenden Wegfall des britischen Erzfeindes deutlich zur√ľck. Zudem breitete sich im Jahre 1816 eine Pestepidemie auf der Insel aus, die die Wirtschaft entscheidend schw√§chte. Die Malteser hofften in jener Zeit, dass es ihnen auf Grund ihrer nachlassenden Pr√§senz im Britischen Empire erlaubt werden w√ľrde, ihre alte Nationalversammlung wiederzubeleben. Dies war jedoch nicht der Fall. Stattdessen schafften die Briten 1819 sogar die Universit√† ab. Zu dieser hatten bis zuletzt Wahlen stattgefunden, doch besa√ü sie nur noch die repr√§sentative Aufgabe, die Versorgung der Bev√∂lkerung zu organisieren. Etwa zur gleichen Zeit begann die Kolonialmacht, das Inselleben strenger als zuvor zu kontrollieren. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Abbruch der maltesischen Handelsbeziehungen zu Sizilien. Aus diesem Grunde wurde ab etwa 1821 das f√ľr den Archipel bestimmte Getreide nicht mehr von der nahen Insel eingef√ľhrt, sondern aus dem Schwarzmeerraum, sodass die Malteser gezwungen waren, mit den Briten Handel zu treiben. In die Intention, den Kontakt anderer Staaten mit Malta begrenzt zu halten und den eigenen Einfluss zu erh√∂hen, spielt auch die Tatsache, dass der Machtbereich des Bischofs von Malta vom Metropolbistum Palermo getrennt wurde.

1827 w√§hlte die Royal Navy Malta als einen ihrer Hauptst√ľtzpunkte aus und nahm dort wenig sp√§ter das erste Trockendock in Betrieb, dem noch viele weitere Werften folgen sollten. Zehn Jahre darauf erlaubte die Kolonialregierung die Einrichtung eines Regierungsrates mit sieben Mitgliedern. Dieser besa√ü jedoch keine entscheidenden Machtbefugnisse und diente vornehmlich dazu, die W√ľnsche der Malteser nach einer st√§rkeren nationalen Selbstbestimmung dem Anschein nach zu erf√ľllen. Zwei Jahre sp√§ter begannen nordwestlich von Kerńčem auf Gozo die Konstruktionsarbeiten an einem Aqu√§dukt, dessen √úberreste noch heute gut erhalten sind. Es diente dazu, Quellwasser vom Ghar-Ilma-Hill zum Reservoir nach Victoria zu leiten. ‚ÄěGhar Ilma‚Äú hei√üt soviel wie ‚ÄěH√∂hle des Wassers‚Äú und ist noch heute als Frischwasserquelle bekannt. Der Bau konnte 1843 fertiggestellt werden und sicherte die Wasserversorgung der gozitanischen Hauptstadt nachhaltig.

Die von den Briten angelegten Victoria Lines

Nachdem zur Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend Dampfschiffe die reinen Segelschiffe auf den Seewegen der Handelsrouten verdr√§ngten, entwickelte sich Malta zu einer wichtigen Zwischenstation zum Nachladen der Kohlevorr√§te, insbesondere nach der Er√∂ffnung des Sueskanals im Jahre 1869 auf dem Seeweg nach Indien. Bereits zuvor, w√§hrend des Krimkrieges Anfang in den 1850er Jahren, hatte Malta als Ausgangspunkt f√ľr die milit√§rischen Operationen der Briten sowie als Aufnahmeort f√ľr Verletzte gedient. Die Inseln erlebten einen zuvor nicht gekannten wirtschaftlichen Aufschwung, der die restlichen drei√üig Jahre des Jahrhunderts andauerte. Es herrschte nahezu Vollbesch√§ftigung, da die zahlreichen Werften so viele Arbeitspl√§tze besa√üen, dass das Angebot teilweise sogar die Nachfrage √ľberstieg und Arbeiter aus Sizilien nach Malta geholt wurden. Damit die Kolonie ihren Eigenbedarf an Alimenten selber decken konnte, wurde die Landwirtschaft gef√∂rdert und der Anbau der Kartoffel ‚Äď heute ein bedeutender landwirtschaftlicher Exportartikel ‚Äď eingef√ľhrt. Durch den Wohlstand wuchs die Bev√∂lkerung rasch an (um 1855 √ľberschritt Malta die Grenze von 120.000 Einwohnern) und um die Wirtschaft zu entlasten, unterst√ľtzten die Briten die Auswanderung, beispielsweise nach Nordafrika. Auf diesen Wohlstand trafen Ende der 1850er Jahre Fl√ľchtlinge aus Italien. Es waren Anh√§nger einer nationalstaatlichen Idee, des Risorgimento, die in ihrer Heimat verfolgt wurden. Auf Malta dagegen fanden sie offene Ohren und riefen mit ihrem Gedankengut einen neuerlichen Nationalismus der Insulaner hervor, der w√§hrend des wirtschaftlichen Aufschwunges in den Hintergrund ger√ľckt war. Im Jahre 1883 verkehrte zwischen Valletta und Mdina die erste Eisenbahnlinie des Archipels. 1897 vollendeten die Kolonialherren mit den Victoria Lines eine zentrale Befestigungsanlage im Herzen der Hauptinsel Malta, die sich jedoch auf Grund der ohnehin vorhandenen Marine√ľberlegenheit der Briten in diesem Seegebiet niemals profilieren konnte. Sechs Jahre sp√§ter begannen die schwierigen Bauma√ünahmen an einem 390 Meter langen Wellenbrecher an der Einfahrt zum Grand Harbour, durch die zahllose Malteser Arbeit fanden.

20. Jahrhundert

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts unternahmen die Briten mehrere Versuche, die Malteser zu anglisieren. Mit ihren Methoden hatten sie zwar in der Arbeiterklasse gro√üen Erfolg, doch die Oberschicht wendete sich ab und zog sich in ihre alte, lateinische Kultur zur√ľck. Dieser Umstand f√ľhrte dazu, dass die Verwaltungsbeamten, die in der Mehrzahl der Oberschicht angeh√∂rten, gegen Proteg√©s ausgetauscht wurden. Hierbei handelte es sich um junge Malteser, die in Gro√übritannien studiert hatten und als linientreu gegen√ľber den Briten galten. In der Folge kam es zu einem Sprachenkonflikt, da die Oberschicht den Italienischunterricht an Schulen wieder einf√ľhren wollte, wohingegen sich die Proteg√©s f√ľr eine Fortf√ľhrung des seit langem praktizierten Englischunterrichts aussprachen. Letztlich einigte man sich darauf, bilingual zu unterrichten. Wenig sp√§ter schafften die Beamten die italienische Sprache aus dem maltesischen Alltag ab, sodass nur noch Englisch gesprochen wurde. Zeitgleich erlebte auch die alte maltesische Sprache einen Aufschwung.

Im Ersten Weltkrieg stellte Malta, wie auch schon zuvor im Krimkrieg, seine H√§fen und Werften den Alliierten als milit√§rische Basen zur Verf√ľgung und diente erneut als Lazarettstation. Bezug nehmend auf diesen Umstand wird Malta heutzutage manchmal noch scherzhaft als ‚ÄěKrankenpfleger des Mittelmeeres‚Äú bezeichnet. Von der Insel aus wurden √ľberwiegend Operationen gegen deutsche U-Boote eingeleitet.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges waren zahlreiche Werften √ľberbesetzt, sodass Mitarbeiter entlassen wurden. Die Arbeitslosigkeit stieg rapide an; ebenso stiegen die Preise f√ľr Lebensmittel. Die Unzufriedenheit der Oberschicht erhielt Zuspruch von den Arbeitern, und es wurden abermals Forderungen nach mehr Selbstbestimmung laut. Im Jahre 1919 wurde mit Zustimmung der Briten eine Nationalversammlung gew√§hlt, die Vorschl√§ge f√ľr eine neue Verfassung vorlegen sollte. Auf einer der √∂ffentlichen Zusammenk√ľnfte kam es am 7. Juni zu einem gewaltsamen Aufeinandertreffen (Sette Giugno-Aufstand) zwischen B√ľrgern und Milit√§r, wobei vier Malteser erschossen wurden. Der Gouverneur war um eine Schlichtung der Situation bem√ľht und beschleunigte den Verfassungsfindungsprozess. Die neue Verfassung, die schlie√ülich 1921 in Kraft trat, gew√§hrte Malta eine beschr√§nkte innere Selbstverwaltung. Die Briten behielten jedoch weiterhin die Kontrolle √ľber die Ministerien f√ľr Verteidigung, Au√üenpolitik und Einwanderungsangelegenheiten.

Zu jener Zeit etablierten sich auf Malta drei Parteien, die zuvor im politischen System nahezu bedeutungslos gewesen waren:

  • die probritische Gruppe (Verfassungspartei) favorisierte die Verbreitung der britischen Kultur und Sprache aber auch der maltesischen Sprache
  • die proitalienische Gruppe setzte sich f√ľr einen Gebrauch sowohl der englischen als auch der italienischen Sprache ein und wollte die italienische Kultur f√∂rdern
  • die Malta Labour forderte die Etablierung der englischen und der maltesischen Sprache sowie die Festlegung einer allgemeinen Schulpflicht und einer Verbesserung der Arbeits- und Sozialbedingungen

Die Nationalversammlung war jedoch eigentlich handlungsunf√§hig, da sich Parteien gegenseitig blockierten. Beschloss beispielsweise die Nationalist Party Reformen, wurden diese von der Kirche abgelehnt. Aufgrund dieser Schwierigkeiten annullierten die Briten die Wahlen von 1930 und setzten die Verfassung f√ľr zwei Jahre aus. Bei den Wahlen 1932 gewann die proitalienische Gruppe. Als diese jedoch versuchte, ihre Interessen durchzusetzen, kam es erneut zu Unruhen, die zur Folge hatten, dass die Verfassung von 1933 bis 1936 abermals au√üer Kraft gesetzt wurde und Malta 1934 in den Kolonialstatus der vollst√§ndigen politischen Unm√ľndigkeit zur√ľckkehren musste. Die Kolonialherren legten Englisch und Maltesisch als offizielle Amtssprachen fest und schafften das Italienische ab. Diese Regelung gilt noch heute.

1942 verlieh der britische K√∂nig der Kolonie Malta das Georgs-Kreuz f√ľr Tapferkeit.

W√§hrend des Zweiten Weltkrieges diente Malta den Alliierten aufgrund seiner strategisch g√ľnstigen Lage abermals als St√ľtzpunkt. Die Insel wurde in der Folge von √ľber 2.000 deutschen und italienischen Luftangriffen (siehe Zweite gro√üe Belagerung Maltas) getroffen, denen mehr als 1.500 Malteser zum Opfer fielen. Auf die Insel fielen, auf die Fl√§che bezogen, die meisten Bomben im Zweiten Weltkrieg und Winston Churchill nannte Malta den ‚Äěunversenkbaren Flugzeugtr√§ger‚Äú. In Anerkennung des Mutes und der Tapferkeit w√§hrend der Angriffe verlieh der damalige britische K√∂nig Georg VI. der maltesischen Bev√∂lkerung am 15. April 1942 das Georgs-Kreuz, welches seitdem die maltesische Flagge ziert.

Wie zuvor vereinbart, lie√üen die Briten nach dem Ende des 2. Weltkrieges Malta zur beschr√§nkten Selbstverwaltung zur√ľckkehren. Zus√§tzlich stellten sie 30 Millionen Pfund Sterling als Aufbauhilfe bereit. Das erste schwerwiegende Problem war, wie nach dem Ersten Weltkrieg, die steigende Arbeitslosenzahl, da die Arbeiter nicht mehr in den Munitionsfabriken und Werften ben√∂tigt wurden. Als ein Mittel zur Behebung der Krise wurde die Auswanderung, speziell nach Australien, angesehen, was von den politischen Parteien unterst√ľtzt wurde. Um mehr Mitbestimmung zu erhalten, pl√§dierten die Parteien f√ľr eine Vertretung Maltas im britischen Parlament, was von der Kolonialmacht abgelehnt wurde, woraufhin die maltesische Regierung die vollst√§ndige Unabh√§ngigkeit von der britischen Krone forderte.

Anfang 1964 fand in London ein Kongress aller maltesischen Parteien statt, auf dem die M√∂glichkeit einer Unabh√§ngigkeit er√∂rtert werden sollte. Bereits am 5. Mai waren die Formalit√§ten gekl√§rt und die Malteser stimmten in einem Referendum f√ľr eine neue, von George Borń° Olivier zum Vorschlag gebrachte Verfassung, die eine konstitutionelle Monarchie unter der britischen Krone im Commonwealth of Nations vorsah, sowie die Katholische Kirche zur Staatskirche erkl√§rte. Am 21. September 1964 l√∂ste sich Malta nach 164 Jahre w√§hrender Kolonialherrschaft aus dem britischen Verantwortungsbereich und wurde in die vollst√§ndige Unabh√§ngigkeit entlassen. Der 21. September wird unter der Bezeichnung Independence Day bis heute als Nationalfeiertag zelebriert.

Unabhängigkeit

Als Mitglied im Commonwealth of Nations hatte Malta die britische K√∂nigin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt, die auf dem kleinen Archipel durch einen einheimischen Gouverneur vertreten wurde. Aus den ersten Parlamentswahlen ging der bereits seit 1962 als Regierungschef amtierende George Borń° Olivier der Nationalist Party als Sieger hervor, der somit zum Premierminister ernannt wurde. Gegen √úberlassung von Marinest√ľtzpunkten erhielt der junge Staat von Gro√übritannien umfangreiche Finanzhilfen. Die britische Marine blieb durch diese Regelung weiterhin auf den Inseln stationiert, wenn auch unter dem Oberbefehl der NATO.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich auf Malta trotz der Existenz von etwa einem halben dutzend politischer Parteien nahezu ein Zweiparteiensystem. Die politisch oftmals tief gespaltene Bev√∂lkerung votiert regelm√§√üig zu fast gleich gro√üen Teilen f√ľr die die sozialdemokratisch ausgerichtete Malta Labour Party (MLP) oder die christlich-konservative Nationalist Party (NP), sodass Wahlsiege nur sehr knapp ausfallen.

In den 1970er Jahren bestimmte die MLP unter dem Premierminister Dom Mintoff die maltesische Politik. Als eine seiner ersten Amtshandlungen handelte er nach seinem Wahlsieg 1971 zum 26. M√§rz 1972 einen neuen Truppenstationierungsvertrag mit Gro√übritannien aus. Dieser sah neben britischen und NATO-Finanzhilfen auch EG-Mittel f√ľr Industrialisierungsprojekte vor. Als Gegenleistung gew√§hrte man den britischen NATO-Truppen milit√§rische Pr√§senz auf Malta bis 1979 und verpflichtete sich gleichzeitig, keinem Mitgliedsstaat des Warschauer Paktes milit√§risch nutzbare Anlagen zur Verf√ľgung zu stellen. Am 13. Dezember 1974 wurde eine neue Verfassung eingef√ľhrt und Mintoff proklamierte die parlamentarische Republik (dieser Tag wird noch heute als Republic Day gefeiert), womit er das Amt des Staatspr√§sidenten schuf, der die Queen abl√∂ste. Gleichzeitig koppelte er die Maltesische Lira vom britischen Pfund Sterling ab und k√ľndigte das Truppenstationierungsabkommen mit der NATO auf. Wie vereinbart zogen die letzten britischen Milit√§reinheiten am 31. M√§rz 1979 aus Malta ab (Freedom Day). Mintoff wurde speziell in Westeuropa f√ľr seine sowjetfreundliche Politik ger√ľgt. W√§hrend seiner Amtszeit unterhielt Malta enge au√üenpolitische Beziehungen zur damaligen Sowjetunion und anderen Mitgliedern des Warschauer Paktes, zur Volksrepublik China, zu Nordkorea und im Rahmen der von ihm propagierten ‚Äěgemeinsamen Mittelmeer-Identit√§t‚Äú auch zu Libyen. Am 11. M√§rz 1980 unterzeichnete er ein Verteidigungsabkommen mit dem nordafrikanischen Staat und weniger als ein Jahr sp√§ter, am 26. Januar 1981, genehmigte Malta der Sowjetunion die Nutzung seiner H√§fen. Im selben Jahr nahm man bei Ghar Lapsi an der S√ľdwestk√ľste in der N√§he der Tempelanlagen von Mnajdra die erste Meerwasserentsalzungsanlage des Landes in Betrieb und verminderte so den chronischen Wassermangel. Auf Grund des Erfolges der Einrichtung folgten bald weitere, so etwa an der Nordk√ľste Gozos am Reqqe Point. In einem am 11. M√§rz 1983 ratifizierten Vertrag sicherte Italien Malta Neutralit√§t zu und am 29. Juni desselben Jahren enteignete die Regierung Mintoff s√§mtliche Kircheng√ľter auf den Inseln.

Nach dem R√ľcktritt von Dom Mintoff am 21. Dezember 1984 besserte sich das politische Verh√§ltnis zu Westeuropa wieder und 1987 wurden Neutralit√§t und Blockfreiheit der Republik Malta in der Verfassung verankert. Ebenfalls 1987 gewann die Nationalist Party die Parlamentswahlen, nachdem sie f√ľr eine Beendigung des Streits mit der Kirche eingetreten war und im Mai 1990 wurde dieser durch einen Besuch des Papstes Johannes Paul II. endg√ľltig beigelegt.

Im Juli 1990 richtete die Republik Malta unter ihrem Ministerpr√§sidenten Edward Fenech Adami einen ersten formellen Aufnahmeantrag an die Europ√§ische Gemeinschaft, welcher 1993 von dieser unter der Voraussetzung einiger wirtschaftlicher Reformen bef√ľrwortet wurde. Der nach dem Wahlsieg der Malta Labour Party bei den Parlamentswahlen vom 25. Oktober 1996 neu eingesetzte Ministerpr√§sident Alfred Sant zog den Aufnahmeantrag jedoch bereits wenige Tage nach der Wahl zur√ľck und erkl√§rte auch den Austritt des Landes aus dem NATO-Programm ‚ÄěPartnerschaft f√ľr den Frieden‚Äú. Als Gr√ľnde f√ľhrte er an, die Neutralit√§t und den nationalen Charakter der Insel wahren zu wollen. Aufgrund parteiinterner Probleme war Sant bereits 1998 gezwungen, Neuwahlen abzuhalten. Dieser gewann die Nationalist Party, so dass es zur Wiedereinsetzung Fenech Adamis kam, der seinen europafreundlichen Kurs erneut aufnahm und noch im selben Jahr den Antrag auf Aufnahme in die Europ√§ische Union erneuerte. Am 15. Februar 2000 begannen zwischen der Staatenorganisation und der Mittelmeerinsel die offiziellen Beitrittsverhandlungen ‚Äď zeitgleich mit jenen Bulgariens, Lettlands, Litauens, Rum√§niens und der Slowakei. Etwas mehr als vier Jahre sp√§ter, am 1. Mai 2004, wurde Malta schlie√ülich im Zuge der EU-Erweiterung 2004 gemeinsam mit neun anderen Staaten in die Europ√§ische Union eingegliedert und stellt seitdem deren kleinstes Mitglied dar. Zeitgleich trat der Mittelmeerstaat auch dem Schengener Abkommen bei und am 21. Dezember 2007 fielen die Grenzkontrollen weg. Nachdem Malta bereits seit dem 29. April 2005 Mitglied des Wechselkursmechanismus II war, stand ihm die M√∂glichkeit der Einf√ľhrung des Euro als W√§hrung offen, f√ľr welche am 27. Februar 2007 der Antrag gestellt wurde. Am 16. Mai gaben die Europ√§ische Kommission und die Europ√§ische Zentralbank bekannt, dass das Land die gemeinschaftliche W√§hrung der Europ√§ische Wirtschafts- und W√§hrungsunion zum 1. Januar 2008 einf√ľhren k√∂nne. Diese Entscheidung wurde am 21. Juni auf einem EU-Gipfel in Br√ľssel von den Staats- und Regierungschefs der Europ√§ischen Union offiziell best√§tigt. Am 1. Januar 2008 f√ľhrte Malta somit den Euro mit eigenen M√ľnzen ein.

Literatur

  • Aldo E. Azzopardi: Malta und seine Inseln. Centro Stampa Editoriale, Sesto Fiorentino; Seiten 4 bis 21
  • Anthony Bonanno: Malta ‚Äď Ein Arch√§ologisches Paradies
  • J. von Freeden: Malta und die Baukunst seiner Tempel. Darmstadt 1993
  • Thomas Freller: Die Geschichte Maltas. Eine Insel zwischen Orient und Okzident. Thorbecke Verlag, Ostfildern 2008. ISBN 978-3-7995-0801-8. (deutschsprachige Gesamtdarstellung)
  • Pascal Firges: Grossbritannien und das Osmanische Reich Ende des 18. Jahrhunderts. Europ√§ische Gleichgewichtspolitik und geopolitische Strategien. Sonnenberg, Annweiler 2009 ISBN 3-933264-56-1
  • Wolfgang Korn: Megalithkulturen. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1553-7
  • Hans E. Latzke: Malta mit Gozo und Comino. Dumont Reise-Taschenb√ľcher, 3. Auflage 1994, ISBN 3-7701-2417-0
  • Richard Marti: Tarxien und andere maltesische Wunder. Karl M√ľller Verlag
  • Karl Mayrhofer: Die pr√§historischen Tempel von Malta und Gozo
  • Karl Mayrhofer: Das R√§tsel von Hagar Qim
  • David H. Trump: Malta ‚Äď Pr√§historische Zeit und Tempel
  • Themistocles Zammit: Pr√§historisches Malta ‚Äď Die Tarxien-Tempel und das Saflieni-Hypog√§um

Siehe auch

 Portal:Malta ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Malta  Portal:Malteserorden ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Malteserorden

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ F√ľr eine Auswahl der Quellen siehe zum Beispiel: dmoz.org
  2. ‚ÜĎ Malta Before Common Era
  3. ‚ÜĎ Harry Bresslau, Handbuch der Urkundenlehre I, 499, 510
  4. ‚ÜĎ J. C. M. Laurent, Burchard von Strassburg, in: Serapeum 19, 1858, Heft 10, S. 149
  5. ‚ÜĎ Vgl. Azzopardi, Seite 17.
  6. ‚ÜĎ Azzopardi, Seite 18

Weblinks

 Commons: Malta ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Olympische Geschichte Maltas ‚ÄĒ MLT Malta gr√ľndete 1928 das Maltese Olympic Committee (MOC). Es wurde noch im selben Jahr vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anerkannt ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der Benelux-Staaten ‚ÄĒ Fr√§nkisches Reich ‚Čą800‚Äď843 Mittelreich (Lotharii Regnum) 843‚Äď855 Lotharingien 855‚Äď977 v ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Russland ‚ÄĒ Tausend Jahre Russland (1862). Monument vor der Sophienkathedrale in Nowgorod Die Geschichte Russlands bietet einen √úberblick √ľber die Vorgeschichte, Entstehung und den zeitlichen Verlauf des russischen Staates. Ausgehend von der fr√ľhesten… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Ru√ülands ‚ÄĒ Tausend Jahre Russland (1862). Monument vor der Sophienkathedrale in Nowgorod Die Geschichte Russlands bietet einen √úberblick √ľber die Vorgeschichte, Entstehung und den zeitlichen Verlauf des russischen Staates. Ausgehend von der fr√ľhesten… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der T√ľrkei ‚ÄĒ Die Geschichte der Republik T√ľrkei begann am 29. Oktober 1923 mit deren Ausrufung durch Mustafa Kemal Pascha und der Verlegung der Hauptstadt von ńįstanbul nach Ankara. Vorausgegangen waren der faktische Zusammenbruch des Osmanischen Reiches im… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Bosnien-Herzegowinas ‚ÄĒ Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer √úberarbeitung. N√§heres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschlie√üend diese Markierung. Inhaltsverzeichnis 1 Antike 1.1 Die Illyr ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Bosniens und der Herzegowina ‚ÄĒ Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer √úberarbeitung. N√§heres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschlie√üend diese Markierung. Inhaltsverzeichnis 1 Antike 1.1 Die Illyr ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Bulgarien ‚ÄĒ Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher m√∂glicherweise demn√§chst gel√∂scht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Europa ‚ÄĒ Europa als Reichsk√∂nigin (Heinrich B√ľnting: Itinerarium Sacrae Scripturae, 1588) Die Geschichte Europas wird h√§ufig als ein st√§ndiger Prozess verstanden, der sich aus vielen kleinen Einheiten gr√∂√üere politische, kulturelle und geografische… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Mazedonien ‚ÄĒ Die Region Makedoniens oder auch Mazedoniens, die sich auf der Balkanhalbinsel befindet, ist ein geographischer Raum ohne klare Abgrenzung. Die Region war etwa ab Mitte des 14. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts Bestandteil des… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.