Geschichte Mosambiks

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Geschichte Mosambiks

Die Geschichte Mosambiks ist im engeren Sinn die Geschichte der gut drei Jahrzehnte alten Republik Mosambik im s√ľdlichen Afrika mit vorangegangenem Befreiungskampf und nachfolgendem B√ľrgerkrieg sowie die Geschichte von mehr als 400 Jahren portugiesischer Einflussnahme und schlie√ülich Kolonialisierung des Landes als Portugiesisch-Ostafrika. Die vorkoloniale Geschichte Mosambiks umfasst zudem 1500 Jahre unterschiedlicher Kulturen und Regionen mit jeweils eigener Entwicklung. Das Staatsgebiet von Mosambik hat eine Nord-S√ľd-Ausdehnung von etwa 2000 Kilometern und eine West-Ost-Ausdehnung zwischen 50 und 600 Kilometern. Diese Grenzen sind wie in den meisten afrikanischen Staaten als Ergebnis kolonialer Aufteilung ohne R√ľcksicht auf vorhandene nat√ľrliche Grenzen oder Kulturen entstanden. Neben verschiedenen fr√ľhen eisenzeitlichen Kulturen haben sich insbesondere K√ľstenregion und Inland recht verschieden entwickelt und waren unterschiedlichen Einfl√ľssen ausgesetzt. Die K√ľstenregion war weitgehend in die arabisch-afrikanische Swahili-Kultur und ihr ausgedehntes Handelsgeflecht einbezogen, w√§hrend weite Teile des Inlandes von der Zugeh√∂rigkeit zu gr√∂√üeren afrikanischen Reichen, insbesondere dem Reich von Munhumatapa, gepr√§gt waren.

Karte von Mosambik

Inhaltsverzeichnis

Fr√ľhe Geschichte

Eisenzeitliche Kulturen in Mosambik

Die urspr√ľnglichen Bewohner Mosambiks waren die J√§ger und Sammler der San (‚ÄěBuschleute‚Äú), die aber von einwandernden Bantuv√∂lkern in mehreren Wellen vom 1. nachchristlichen Jahrhundert an verdr√§ngt wurden. Diese Bantu waren Bauern, mit denen hier die Eisenzeit begann. In Mosambik sind an unterschiedlichen Orten √ľber das Land verteilt eisenzeitliche Funde gemacht und wissenschaftlich untersucht worden.

Diese Funde datieren zwischen 200 und 1000. Die s√ľdlichste Fundstelle liegt in Matola nahe der S√ľdgrenze zu S√ľdafrika, unweit der eisenzeitliche Handelsstadt Chibuene in der Provinz Inhambane; als Nampula-Tradition wird eine eisenzeitliche Keramik-Kultur in der gleichnamigen Provinz Nampula im Norden des Landes bezeichnet. Die Nkope-Kultur hingegen befand sich im Landesinneren, nahe dem Malawisee. Selbst hier, hunderte Kilometer von der K√ľste entfernt, weisen Funde von Glasperlen und anderem auf Handelsbeziehungen mit der K√ľste, also Orten wie zum Beispiel Chibuene, hin. Innerhalb des 1. Jahrtausends begannen an der K√ľste auch die Beziehungen zur ostafrikanischen Suahelikultur. Die fr√ľheste Erw√§hnung von Handelsbeziehungen zwischen dem Roten Meer und dem √∂stlichen Afrika findet sich jedoch im sogenannten Periplus Maris Erythraei, einem Werk aus dem 1. Jahrhundert nach Christus, dass einzelne Handelsrouten wie auch H√§fen zwischen Rotem Meer und der ostafrikanischen K√ľste beschreibt.

Die K√ľste Mosambiks als s√ľdlichster Ausl√§ufer der Swahilikultur

Swahili-Städte in Ostafrika

Als Swahili bezeichnet man eine islamische, st√§dtisch gepr√§gte arabisch-afrikanische Mischkultur, deren Handelsaktivit√§ten die gesamte K√ľste Ostafrikas jahrhundertelang pr√§gten. Ostafrika war √ľber sie in ein Handelsnetz einbezogen, √ľber das Waren und Ideen zwischen Indien, dem Persischen Golf und den Gro√üreichen des Inneren Ostafrikas, wie etwa dem goldreichen Munhumutapareich ausgetauscht wurden. Selbst chinesisches Porzellan hat man bei Ausgrabungen in Swahili-K√ľstenst√§dten gefunden. Etliche K√ľstenst√§dte Mosambiks sind Swahili-Gr√ľndungen (zum Beispiel Quelimane und Sofala). Die K√ľste Mosambiks bezeichnet damit den s√ľdlichsten Ausl√§ufer dieses Handelsnetzes. Sofala im zentralen Mosambik war der s√ľdlichste afrikanische Hafen, der regelm√§√üig von arabischen Kaufleuten aus Oman angefahren wurde, das erw√§hnte Chibuene dagegen war der s√ľdlichste K√ľstenort, der √ľberhaupt von diesem System erreicht wurde. Zeitweise geriet der Norden Mosambiks unter die Herrschaft der m√§chtigen Stadt Kilwa im heutigen Tansania und war damit auch politisch in ein Swahili-Sultanat eingebunden.

Das Landesinnere vor Ankunft der Portugiesen

Das Landesinnere dagegen stand in weiten Teilen unter dem Einfluss der Kultur von Simbabwe, also des Reiches von Munhumatapa. Das Zentrum dieses Reiches lag im heutigen Simbabwe, seine westlichen Provinzen umfassten aber die zentralen Teile des heutigen Mosambiks und reichten wohl nahezu bis an die K√ľste des Indischen Ozeans. Der Goldreichtum dieses Landes war der Hauptgrund f√ľr die Handelsaktivit√§ten arabischer und persischer H√§ndler an der S√ľdspitze Afrikas und f√ľr Stadtgr√ľndungen der Swahili in Mosambik.

Mosambik zwischen dem 15. Jahrhundert und der Abhängigkeit von den Niederlanden

Portugiesische und niederländische Machtausdehnung bis 1800

K√ľnstlerische Darstellung des Schiffes von Vasco da Gama
Alte portugiesische Kirche auf der Ilha de Mozambique

Als 1498 der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama die K√ľste Mosambiks erreichte, traf er dort zu seiner √úberraschung erstmals auf seinem Weg um Afrika auf eine islamisch gepr√§gte, st√§dtische Kultur mit Geldwirtschaft - und auf arabische und einheimische Konkurrenz. Er traf au√üerdem auf Seeleute, die Erfahrung mit Handelsreisen zu seinem Ziel Indien hatten. Mosambiks K√ľste war politisch in etliche K√∂nigreiche und Sultanate wie etwa das Sultanat von Angoche aufgeteilt. Auf einer kleinen Insel im Norden traf da Gama auf den dortigen Scheich Moussa Ben Mbiki, der f√ľr die Portugiesen zum Namensgeber der Insel wurde - Ilha de Mo√ßambique - von der sich wiederum der Name des heutigen Mosambik ableitet.

1500 kehrte Vasco da Gama zur√ľck nach Ostafrika und begann die arabische Konkurrenz von Mosambik bis zum heutigen Kenia mit milit√§rischen Mitteln zu vertreiben. Die Portugiesen erschienen mit kanonenbewehrten Schiffen in den H√§fen der Handelsst√§dte von Sofala bis Mombasa und verlangten von den jeweiligen Machthabern, dass sie sich zum Untertan der portugiesischen Krone erkl√§rten. Wurde diese Forderung nicht erf√ľllt, dann wurde die Stadt gepl√ľndert. Die Portugiesen rechtfertigten ihren Handelskrieg als einen Kreuzzug gegen die Ungl√§ubigen und schreckten vor Grausamkeiten nicht zur√ľck.[1] In der ersten H√§lfte des 16. Jahrhunderts errichteten sie etliche befestigte St√ľtzpunkte an der K√ľste Mosambiks. Auf der Insel von Mosambik etwa lie√ü Afonso de Albuquerque 1508 unter gro√üem Aufwand eine Festung (Fort San Sebastian) bauen, deren Steine einzeln nummeriert aus Portugal nach Ostafrika transportiert worden waren. Albuquerque war 1506 von K√∂nig Emanuel I. zum zweiten Gouverneur aller portugiesischen Besitzungen in Asien, also Portugiesisch-Indiens ernannt worden. Von dort aus, genauer vom indischen Goa aus, wurden die portugiesischen Besitzungen in Mosambik und dem restlichen Ostafrika verwaltet. Die Reicht√ľmer Indiens waren das Hauptziel der portugiesischen Eroberer, die Besitzungen in Mosambik im Wesentlichen Zwischenstationen nach Indien.

Hinzu kam hier allerdings das Gold von Monomotapa als Ziel verschiedener portugiesischer Unternehmungen. Sie erhofften sich dort unermessliche Goldquellen, vergleichbar den Reicht√ľmern, die die Spanier gleichzeitig aus ihren amerikanischen Besitzungen raubten. Sie begannen daher, sich auch im Landesinneren, n√§her am sagenhaften Goldreich festzusetzen, etwa 1537 mit der Eroberung von Tete am Sambesi. Eine gro√üfl√§chige Herrschaft √ľbten die portugiesischen H√§ndler und S√∂ldner bis ins 19. Jahrhundert nicht aus. In der zweiten H√§lfte des 16. Jahrhunderts unternahmen sie zwei gro√üe Expeditionen mit bis zu 1.000 Freiwilligen (S√∂ldnern), um die Goldquellen Munhumatapas und die Silberminen von Chicoa zu erobern. Sie scheiterten jedoch beide an dem f√ľr Europ√§er m√∂rderischen Klima, bewaffnetem Widerstand und teilweise auch der innerportugiesischen Konkurrenz zwischen Expeditionsf√ľhrer und dem ‚ÄěKapit√§n‚Äú von Mosambik.[2] Sie mussten au√üerdem einsehen, dass Munhumutapa kein zweites El Dorado war. Die Goldminen wurden hier bereits seit Jahrhunderten ausgebeutet und die Produktion lie√ü sich ohne erheblichen technischen Aufwand kaum steigern. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ersch√ľtterten Angriffe von au√üen wie innere Konflikte das Munhumutapareich, das sich daraufhin in st√§rkere Abh√§ngigkeit zu den Portugiesen begab, eine dauerhafte Herrschaft √ľbten diese dort jedoch nicht aus. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts vernachl√§ssigten die Portugiesen ihre afrikanischen Besitzungen zunehmend. Ab 1650 brachen die Herrscher des Sultanates von Oman die portugiesische Vorherrschaft n√∂rdlich von Mosambik, das nach der Eroberung von Mombasa durch die Omanis 1689 als letzter Teil ihres ostafrikanischen Herrschaftsgebietes √ľbrigblieb. Der Nordteil des heutigen Mosambik bleibt dabei von portugiesischer Kontrolle unber√ľhrt. Als europ√§ische Konkurrenten treten bis 1800 die Niederl√§nder auf, die 1721 in der Delagoa Bay beim heutigen Maputo eine Festung, das Fort Lydsaamheid errichten aber bereits 1730 wieder aufgeben.

Innere Organisation der portugiesischen Besitzungen: Kapitäne und prazos da corona

Kathedrale des portugiesischen Goa in Indien

Die von den Portugiesen tats√§chlich beherrschten Orte wie Sofala, Sena oder Quelimane wurden ab 1505 jeweils einem ‚ÄěKapit√§n‚Äú unterstellt, der seine Herrschaft vor Ort recht selbstst√§ndig aus√ľben und aus diesem auf eine gewisse Zeit vergebenem Amt erhebliche Reicht√ľmer ziehen konnte. Es kam h√§ufig zu Konflikten zwischen einzelnen ‚ÄěKapit√§nen‚Äú oder zwischen der Krone und einem einzelnen Kapit√§n. Die Unterstellung dieser Kapit√§nate unter den Vizek√∂nig im indischen Goa f√ľhrte dazu, dass erhebliche Reicht√ľmer aus Mosambik nach Goa flossen statt in die portugiesische Hauptstadt Lissabon.[3] Ein weiterer Teil floss in die Taschen lokaler portugiesischer H√§ndler, Abenteurer und Kriegsherren. Erst 1752 wurde die Verwaltung von Mosambik unter einem eigenen Generalkapit√§n f√ľr Mosambik unabh√§ngig von Goa.

Kennzeichnend f√ľr die innere Organisation der portugiesischen Besitzungen in Mosambik war das System der prazos da coron (Rechte der Krone). Diese ‚Äěprazos‚Äú waren eine Art Lehen, also ein St√ľck Land, das die portugiesische Krone an portugiesische Siedler oder auch an verdiente Einheimische vergab. Einheimische, die dieses Lehen vererben wollten, mussten allerdings eine Portugiesin / einen Portuigiesen heiraten.[4] Im prazo-System mischten sich feudale europ√§ische Strukturen und afrikanische Herrschaftsformen. Die prazeiros lebten von der Arbeit ihrer Bauern und Sklaven oder von dem Ertrag ihrer Minen, die Rechtstitel wurden √ľber die weibliche Linie vererbt. Hatten sie ihr prazo-Recht einmal erhalten, waren sie weitgehend unabh√§ngig von der portugiesischen Krone wie von einheimischen Herrschern. Die prazeiros bildeten bald eine multiethnische Oberschicht aus Portugiesen, Afrikanern, Indern, Chinesen und Afro-Indo-Portugiesen. Hier mischten sich die Kulturen und Sozialsysteme von Afrika, Asien und Europa. [5] Die prazeiros erhoben auch Steuern f√ľr den jeweiligen Distrikt und Abgaben f√ľr sich selbst. Einige Quellen definieren ‚Äěprazo‚Äú auch als ‚ÄěKleinstaaten im portugiesischen Mosambik‚Äú. Ab 1850 unternehmen die Portugiesen mehrere Milit√§rexpeditionen, um afro-portugiesische prazeiros, die sich als Herrscher ihrer Gebiete betrachten milit√§risch zu unterwerfen. Das System hatte bis in die 1930er Jahre hinein Bestand.

Sklavenhandel

Seit dem fr√ľhen Mittelalter dominierte der arabische Sklavenhandel die Ostk√ľste Afrikas. Die von meist einheimischen Sklavenf√§ngern an die K√ľste gebrachten Sklaven wurden meist √ľber See nordw√§rts in den Orient bis hin nach Indien verkauft. Sp√§ter drangen vermehrt die Europ√§er in die Stra√üe von Mosambik ein und machten den arabischen H√§ndlern Konkurrenz. So ist bis zum 19. Jahrhundert der Sklavenhandel ein gewinnbringendes Gesch√§ft in der Region. Neben den traditionellen orientalischen Abnehmern f√ľhren die Zuckerrohrplantagen auf den franz√∂sischen Besitzungen im Indischen Ozean wie R√©union zu verst√§rkter Nachfrage, ab 1800 richtet sich der Menschenhandel vor allem auf das portugiesische Brasilien, aber auch auf Kuba und die Vereinigten Staaten aus. 1869 wird der Sklavenhandel in den portugiesischen Gebieten offiziell verboten, der Schmuggel geht aber noch bis in die 1890er Jahre weiter. Verl√§ssliche Zahlen √ľber das Ausma√ü des Menschenhandels gibt es nicht. Sch√§tzungen sprechen von einer Million als Sklaven im 19. Jahrhundert aus Mosambik verschleppter Menschen. Erhebliche innere Konflikte gab es, da einige St√§mme Opfer der Sklavenjagden waren, w√§hrend andere sich an diesen Jagden beteiligten.

‚ÄěNguni-Unruhen‚Äú Anfang des 19. Jahrhunderts und territoriale Konsolidierung

Zulukrieger auf einer Postkarte aus dem 19. Jh.

Die milit√§rische Expansion des Zulu-Reiches unter Shaka Zulu f√ľhrt zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Mfecane, einer V√∂lkerwanderung, die das gesamte s√ľdliche Afrika erfasst. Die unter dem Sammelbegriff Nguni zusammengefassten vertriebenen Bantuv√∂lker fallen ab 1820 in Mosambik ein und erobern unter Nxaba nahezu das gesamte Gebiet zwischen den Fl√ľssen Limpopo und Sambesi, also das Herzst√ľck der portugiesischen Kolonie. Als 1836 dieses Reich wieder zerf√§llt, entsteht unter Soshangane am Limpopo das K√∂nigreich Gaza, das bis in die 1890er Jahre bestehen bleibt. Portugal √ľbte bis Ende des 19. Jahrhunderts kaum effektive Kontrolle √ľber seine ‚ÄěKolonie‚Äú aus. Die ‚ÄěNguni-Unruhen‚Äú und die Milit√§rexpeditionen gegen unbotm√§√üige Lehnsherren im 19. Jahrhundert machten dies noch einmal offensichtlich. Erst in den 1870er Jahre begann der Versuch des portugiesischen Staates, direkte koloniale Herrschaft √ľber Mosambik zu erlangen, verbunden mit dem Versuch Portugals, seine Kolonien Angola und Mosambik quer √ľber S√ľdafrika kolonial zu verbinden. Der Versuch scheiterte am britischen Widerstand. In den 1880er und 1890er Jahren schloss Portugal verschiedene Abkommen mit den Briten und Buren, die in etwa die Grenzen des heutigen Mosambiks absicherten.

Die Kompanien ab 1890

Lourenço Marques 1905, Postkarte mit englischer und portugiesischer Straßenbezeichnung

Portugal musste trotz der Wiedererlangung der Herrschaft √ľber die Ngunigebiete einsehen, dass es wirtschaftlich nicht in der Lage war, die koloniale Ausbeutung Mosambiks effektiv zu organisieren und vergab ab 1891 fast ein Drittel des Landes an zwei britisch dominierte Firmen. Die Mozambique Company √ľbernahm die Provinzen Manica und Sofala, die Niassa Company erhielt die Provinzen Niassa und Cabo Delgado. In diesen Gebieten √ľberlie√ü die Kolonialverwaltung den Kompanien f√ľr 50 Jahre gewisse Souver√§nit√§tsrechte. Zum Beispiel gab die Mozambique Company eigene Briefmarken heraus und lie√ü Eisenbahnlinien bauen. Hinzu kam im Gebiet Sena die Sena Sugar Estate, eine britische Zuckerrohrplantage. Grundlage der wirtschaftlichen Aktivit√§ten dieser Kompanien war die Zwangsarbeit.[6] Die Portugiesische Kolonie Mosambik war Ende des 19. Jahrhunderts damit weitgehend von britischem und s√ľdafrikanischem Kapital beherrscht, das britische Pfund war verbreiteter als der portugiesische Escudo und in den gr√∂√üten St√§dten, in Laurenco Marques und Beira erschienen britische Zeitungen.[7] Bezeichnend f√ľr die Lage der portugiesischen Kolonialmacht und das Kr√§fteverh√§ltnis zwischen der alten Kolonialmacht Portugal und den neuen M√§chten Gro√übritannien und Deutschland war der sogenannte Angola-Vertrag, in dem Deutschland und Gro√übritannien f√ľr den Fall einer erwarteten Zahlungsunf√§higkeit Portugals schon einmal Angola und Mosambik per Vertrag s√§uberlich untereinander aufteilten.

Wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie

Ansicht der Stadt Beira 1905

Mosambik blieb auch im 20.Jahrhundert Rohstofflieferant im Interesse des ‚ÄěMutterlandes‚Äú. Lieferte es urspr√ľnglich Gold, Elfenbein und Sklaven, war es nun im Norden von einheimischen Bauern produzierte Baumwolle, im Zentrum des Landes auf Plantagen produzierter Zucker und Sisal. Der S√ľden lieferte vor allem Arbeitskr√§fte f√ľr die Bergwerke im britischen S√ľdafrika und im ebenfalls britischen Kupferg√ľrtel (also dem heutigen Sambia). Mosambikanische Arbeiter wurden in diese Gebiete und auch in das portugiesische Sao Tome regelrecht verkauft. Mehrere hunderttausend Wanderarbeiter in S√ľdafrika und Rhodesien erhielten dort nur 40% ihres Lohnes ausgezahlt, der Rest ging √ľber die Kolonialverwaltung nach Mosambik. Die S√ľdafrikaner zahlten ab 1940 in Gold, die Kolonialverwaltung zahlte in Escudos aus und strich erhebliche Gewinne ein. Auch innerhalb der Kolonie waren Zwangsarbeit und Strafarbeit Grundlage der √Ėkonomie.[8] Die H√§fen von Laurenco Marques und 1898 auch Beira wurden Endpunkte von Eisenbahnlinien aus den britischen Minengebieten. Das Land war ansonsten ein abgeschotteter Absatzmarkt f√ľr portugiesische Textil- und Agrarprodukte (Wein), die in Europa nicht konkurrenzf√§hig waren. Die Wirtschaft des Landes war damit komplett auf die Bed√ľrfnisse der britischen Nachbarkolonien oder der portugiesischen Wirtschaft ausgerichtet. Einwanderer aus Portugal kamen ins Land und besetzten die mittleren Posten in Wirtschaft und Verwaltung, ein geringerer Teil ging in die Landwirtschaft. Chancen auf eine akzeptable Schulbildung hatten Einheimische nur √ľber die katholischen Missionsschulen. Die wenigen Afrikaner, die eine bessere Position innerhalb des Systems erlangten, mussten daf√ľr Kultur und Sprache der Kolonialherren annehmen. Aber auch die Zahl dieser Assimilados war gering.

Politische Entwicklung der Kolonie bis 1960

Wappen von Portugiesisch- Ostafrika von 1935

Mit der Unterwerfung des letzten auf mosambikanischen Boden verbliebenen unabh√§ngigen Nguni-K√∂nigreichs Gaza 1895 und den oben erw√§hnten Grenzabkommen mit Briten und Buren hatte Portugal formal die Kontrolle √ľber das Gebiet des heutigen Mosambik: aufgeteilt in ein unter Milit√§rherrschaft stehendes Gaza-Gebiet und weiten Regionen unter Kontrolle britischer Kompagnien. Der Sturz der Monarchie in Portugal 1910 und die Ausrufung der Republik ver√§nderte das politische Klima und brachte eine vergr√∂√üerte Autonomie der Kolonien mit sich. Hatte sich kritischer Geist in Portugiesisch-Ostafrika unter Afrikanern und Afro-Portugiesen in literarischer Form, in Zeitschriften und Zeitungen ge√§u√üert, entstanden nun mehrere politische Gruppen. Darunter 1910 die Liga Africana und 1921 der Partido Nacional Africano.[9] Der Eintritt Portugals in den Ersten Weltkrieg auf Seiten der Alliierten (der ‚ÄěEntente‚Äú) 1916 bedeutete allerdings versch√§rfte Zwangsrekrutierungen f√ľr Arbeits- und Milit√§rdienste. Ab 1917 wurde Mosambik zu einem der Schlachtfelder des 1. Weltkriegs. Die deutschen Kolonialtruppen unter General Paul von Lettow-Vorbeck zogen sich aus dem damaligen, benachbarten Deutsch-Ostafrika in den Norden Mosambiks zur√ľck und richteten dort erhebliche Verw√ľstungen an. Als Ausgleich f√ľr diese Zerst√∂rungen erhielt Portugal durch das Versailler Abkommen das Kionga-Dreieck als Teil seiner Kolonie Portugiesisch Ostafrika zugesprochen.

1926 wurde auch die Republik in einem Umsturz beseitigt und der diktatorische Estado Novo setzte eindeutige Priorit√§ten in der Kolonialpolitik. Die Kolonien sollten als Rohstofflieferanten und als Absatzm√§rkte die Wirtschaft des Mutterlandes unterst√ľtzen. Politische Gruppen, die Streiks oder Demonstrationen organisierten, wurden brutal unterdr√ľckt. Es kam dennoch zu solchen politischen Aktionen, bei einer Demonstration in Mueda etwa wurden 1960 500 Demonstranten von Soldaten erschossen. In den 50er Jahren erhielten die portugiesischen Kolonien das Recht auf eine Vertretung im Parlament von Lissabon und in den 60er und 70er Jahren kam es unter internationalem Druck zu gewissen Liberalisierungen. 1970 durften erstmals alle Mosambikaner, die Portugiesisch in Wort und Schrift beherrschten zur Wahl gehen. Von den 1 Million Menschen, die diese Voraussetzungen erf√ľllten, lie√üen sich allerdings nur 111.000 in die W√§hlerlisten einschreiben. An eine Entkolonialisierung, wie sie gleichzeitig √ľberall im √ľbrigen Afrika stattfand, dachten die herrschenden Diktatoren in Portugal jedoch nicht.

Gr√ľndung der FRELIMO und Befreiungskampf

Portugiesische Soldaten im Kolonialkrieg
Portugiesisches Propagandaplakat: Frelimo l√ľgt - und ihr leidet

In dieser Situation, in der keine Hoffnung bestand, dass der portugiesische Staat seine Kolonien freiwillig in die Unabh√§ngigkeit entlassen w√ľrde, gr√ľndete sich 1962 die marxistisch-leninistische Befreiungsfront Frente da Libertacao de Mocambique, abgek√ľrzt FRELIMO. Ihr erster Pr√§sident wurde Eduardo Mondlane, der ehemalige Gr√ľnder einer Studentenorganisation namens NESAM, die als eine der Vorl√§uferorganisationen von FRELIMO angesehen werden kann.

1964 begann FRELIMO mit dem bewaffneten Kampf und konnte bald einige milit√§rische Erfolge erzielen, die zu massiven Gegenschl√§gen der portugiesischen Armee f√ľhrten. Von Beginn an hatte es innerhalb von FRELIMO interne Konflikte gegeben, die nach ersten milit√§rischen Erfolgen der Kolonialarmee eskalierten und 1968 zur Ermordung f√ľhrender Mitglieder der Organisation durch eigene Leute f√ľhrten. 1969 wurde Mondlane durch einen Briefbombenanschlag der portugiesischen Geheimpolizei PIDE get√∂tet. Dennoch konnte FRELIMO sogenannte ‚ÄěBefreite Zonen‚Äú errichten. Besonders umk√§mpft war die Cabora-Bassa-Talsperre, die schlie√ülich von bis zu 20.000 Mann auf Seiten der Portugiesen gegen FRELIMO-Sto√ütrupps verteidigt wurde. Die koloniale Kriegsf√ľhrung wurde zunehmend brutaler und die europ√§ische √Ėffentlichkeit und auch Teile der katholischen Kirche gingen auf Distanz zur Kolonialmacht. Zum Symbol dieser Brutalit√§t wurde das Massaker der Kolonialtruppen an den Bewohnern des Dorfes Wiriyamu. In den 70er Jahren standen 65.000 bis 70.000 Tausend Mann auf portugiesischer Seite im Kriegseinsatz gegen eine Guerilla von etwa 8.000 bis 10.000 Mann.[10]

Erst der Sturz des portugiesischen Diktators Caetano (die sogenannte Nelkenrevolution) brachte die Entscheidung. Die neue demokratische Regierung beschloss die baldmögliche Unabhängigkeit sämtlicher portugiesischer Kolonien. Das Abkommen von Lusaka am 7. September 1974 beendete den Kolonialkrieg in Mosambik durch einen sofortigen Waffenstillstand. Am 25. Juni 1975 wurde die Unabhängigkeit der Volksrepublik Mosambik ausgerufen.

Mosambik seit der Unabhängigkeit

Samora Machel wurde der erste Staatspr√§sident, jedoch nicht durch allgemeine Wahlen. 1986 starb der FRELIMO-Pr√§sident bei einem Flugzeugabsturz. In den FRELIMO setzten sich die marxistischen Kr√§fte durch. Da sie den Staat unter Kontrolle hatten, waren auch alle wichtigen Posten durch ihre M√§nner besetzt. Sie verstaatlichten die Industrie und gr√ľndeten landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften. Doch die Abwanderung europ√§ischer Fachkr√§fte schw√§chte die Wirtschaft des Landes empfindlich. Mitte der siebziger Jahre entstand eine neue Widerstandsbewegung, die durch S√ľdafrika und Rhodesien unterst√ľtzt wurde- die RENAMO. Im Gegensatz z. B. zur angolanischen UNITA hatte die erst nach der Unabh√§ngigkeit entstandene RENAMO niemals gegen die portugiesische Kolonialmacht gek√§mpft und daher wenig moralischen R√ľckhalt in der mosambikanischen Opposition.

Das Land verfiel 1976 dennoch in einen 16-j√§hrigen B√ľrgerkrieg zwischen FRELIMO und RENAMO, der zu einem v√∂lligen wirtschaftlichen Zusammenbruch f√ľhrte. Mosambik erhielt Unterst√ľtzung z. B. nach 1980 von Simbabwe (ehemals Rhodesien), das 10.000 Soldaten zur Sicherung des Beira-Korridors entsandte. Im Land befanden sich 1983 au√üerdem 750 Milit√§rberater und Ausbilder aus Kuba, 600 aus der Sowjetunion und 100 aus der DDR. Die Friedensverhandlungen f√ľr Mosambik fanden vom Juli 1990 bis Oktober 1992 unter Leitung der katholischen Gemeinschaft Sant‚ÄôEgidio in Rom statt[11][12]. Aus der Volksrepublik Mosambik wurde Dezember 1990 die Republik Mosambik. Nach Beendigung des B√ľrgerkriegs mit √ľber 900.000 Toten und 1,7 Millionen gefl√ľchteten Menschen, konnte das Land mit Hilfe von UN-Friedenstruppen stabilisiert, und die erste Oppositionspartei gegr√ľndet werden.

Die erste Flagge des unabhängigen Mosambik

Seit 1995 ist Mosambik neben Kamerun das einzige Mitglied des Commonwealth of Nations, welches nicht ehemals britische Kolonie gewesen ist. Die Auswanderung der Wei√üen in gro√üem Ausma√ü, die wirtschaftliche Abh√§ngigkeit von S√ľdafrika, eine anhaltende D√ľrre und der langgezogene B√ľrgerkrieg behinderte die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Seit der Abkehr vom Marxismus-Leninismus und der Einparteienherrschaft der FRELIMO hat sich die Renamo als politische Partei etabliert und stellt seit 1994 die parlamentarische Opposition im Lande. Die ersten demokratischen Wahlen wurden unter der Aufsicht von ONUMOZ im Oktober 1994 gehalten. Aus ihr ging die Festigung der alten Regierung hervor und RENAMO akzeptierte, nachdem Druck von Anrainer-Staaten ausge√ľbt wurde, die Sitze im Parlament, womit sie die Opposition formte. Im Februar des Jahres 2000 f√ľhren schwere Regenf√§lle zu einer Flutkatastrophe, die zahlreiche Menschenleben fordert, ein R√ľckschlag f√ľr das aufstrebende Land.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Ki-Zerbo: Die Geschichte SchwarzafrikasS. 319.
  2. ‚ÜĎ Ki-Zerbo: Die Geschichte SchwarzafrikasS. 325
  3. ‚ÜĎ Ki-Zerbo: Die Geschichte Schwarzafrikas S. 325
  4. ‚ÜĎ Ki-Zerbo: Die Geschichte Schwarzafrikas S. 327
  5. ‚ÜĎ Newitt: A History of Mozambique. nach Schicho: Handbuch Afrika. In drei B√§nden. Band 1: S. 78.
  6. ‚ÜĎ Schicho: Handbuch Afrika. In drei B√§nden. Band 1: S. 79.
  7. ‚ÜĎ Schicho: Handbuch Afrika. In drei B√§nden. Band 1: S. 79.
  8. ‚ÜĎ Schicho: Handbuch Afrika. In drei B√§nden. Band 1: S. 80.
  9. ‚ÜĎ Schicho: Handbuch Afrika. In drei B√§nden. Band 1: S. 80.
  10. ‚ÜĎ Schicho: Handbuch Afrika. In drei B√§nden. Band 1: S. 82.
  11. ‚ÜĎ http://www.usip.org/files/file/resources/collections/peace_agreements/mozambique_1991-92.pdf
  12. ‚ÜĎ http://www.usip.org/files/file/resources/collections/peace_agreements/mozambique_08071992.pdf

Literatur

  • Joseph Ki-Zerbo: Die Geschichte Schwarzafrikas, Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-26417-0.
  • Walter Schicho: Handbuch Afrika. In drei B√§nden. Band 1: Zentralafrika, S√ľdliches Afrika und die Staaten im Indischen Ozean, Brandes & Appel, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-86099-120-5.
  • Malyn Newitt: A History of Mozambique. Indiana University Press, Bloomington 1995, ISBN 0253340071.
  • Cameron Hume: Ending Mozambiques war. The Role of Mediation and Good Offices. United States Institute of Peace Press, 1994. ISBN 1-878379-38-0.
  • David Hedges (Hrsg.): Hist√≤ria de Mo√ßambique, Volume 2 Maputo, Mo√ßambique 1993. 2a Edi√ß√£o 1999. Departamento de Hist√≥ria - Faculdade de Letras/Livraria Universit√°ria UEM. No de Registo: 017171/INLD/99.
  • Roberto Morozzo della Rocca: Mosambik. Frieden schaffen in Afrika. Echter, W√ľrzburg 2003, ISBN 978-3429025823.

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