Geschichte Perus

ÔĽŅ
Geschichte Perus

Inhaltsverzeichnis

Ur- und Fr√ľhgeschichte

M√∂glicherweise bereits um 40.000 v. Chr. wanderten √ľber die damals trockene Beringstra√üe Menschen vom asiatischen Kontinent ein und besiedelten den amerikanischen Kontinent. Die Einwanderung in S√ľdamerika erfolgte demnach etwa 20.000 bis 10.000 v. Chr. Jedenfalls stammen aus diesem Zeitraum die H√∂hlenmalereien in der Gegend um die Stadt Ayacucho und den Lauricocha-H√∂hlen an der Quelle des Rio Mara√Ī√≥n, die 1957 gefunden wurden.

Die √§ltesten bisher bekannten Monumentalbauten stammen aus der Zeit um 3200 v. Chr.[1] Stufenf√∂rmige Pyramiden, Prozessionsstra√üen und riesige eingefasste H√∂fe fanden sich in Sech√≠n Bajo im Casmatal, 370 Kilometer n√∂rdlich der Hauptstadt Lima. Die 1992 entdeckte Fundst√§tte wird seit 2003 von deutschen Arch√§ologen ausgegraben. Als gesichert gilt, dass die Kultur Mais, Erdn√ľsse, Maniok und K√ľrbisse anpflanzte und k√ľnstliche Bew√§sserung kannte.

In Grabungsschichten aus der Zeit um 1700 v. Chr. fanden sich zudem zahlreiche Ritzzeichnungen, die ein Mischwesen aus Kaiman und Mensch darstellen. Da franz√∂sische Arch√§ologen im Osten Ecuadors Relikte einer Kultur fanden, die gleichfalls den Kaiman darstellte, und die auf 2450 v. Chr. datiert wurden, k√∂nnten kulturelle Einfl√ľsse aus dem Dschungelgebiet die Kultur von Sechin inspiriert haben. In den Anden konnten jedenfalls keine Kaimane leben, daher liegt der Verdacht nahe, dass diese Kultur aus den Niederungen am Ostrand der Anden stammte.

Um 4000 v. Chr. begann die Z√ľchtung von Lamas.

Die Stadt Caral wurde 1996 entdeckt und ist die √§lteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent. Die dortige Stufenpyramide wurde 2001 auf das Jahr 2627 v. Chr. datiert. Gefunden wurden H√§user f√ľr zumindest 3000 Menschen, Amphitheater und Tempelanlagen. Weitere Funde beweisen, dass die Bev√∂lkerung Handel mit den K√ľsten- und Amazonasgebieten trieb.

Bis zu diesen Funden galt die Kultur von Chavín de Huántar, die etwa 800 v. Chr. bis 300 v. Chr. existierte, als die älteste. Die in der Huántar-Kunst verwendeten Motive Raubkatze, Vogel und Schlange, legen eine Verbindung zur Olmeken-Kultur nahe. In denselben Zeitrahmen fällt die durch ihre Mumien bekannte Paracas-Kultur in der Gegend um die Hauptstadt. Es ist allerdings unklar, ob in dieser Gegend wirklich eine eigene Kultur existierte oder die Toten wegen der trockenen, konservierenden Luft von weit her herangeschafft wurden.

Machu Picchu

Um den Titicacasee bestand von etwa 1500 v. Chr. bis 1200 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur. Ob es tatsächlich ein Tiahuanaco-Reich gegeben hat ist nicht geklärt. Spuren dieser Kultur finden sich zudem in Bolivien und im Norden Chiles.

Im engen Zusammenhang d√ľrfte die Wari-Kultur stehen, die viel sp√§ter um die Stadt Ayacucho existiert hat.

Um 200 v. Chr. bis 600 n. Chr. finden sich Spuren der so genannten Nazca-Kultur, die nach dem Ort Nazca, etwa 500 km s√ľdlich von Lima benannt wurde. Auf sie gehen die vieldeutigen Nazca-Linien zur√ľck. Auch diese Kultur basierte auf k√ľnstlicher Bew√§sserung, worauf zahlreiche Bew√§sserungskan√§le hinweisen.

Zwischen dem 1. und dem 8. Jahrhundert existierte im Norden die Mochica-Kultur, die im W√ľstenstreifen an der Pazifikk√ľste Landbau mit ausgekl√ľgelten Bew√§sserungssystemen betrieb. Sowohl die Keramik als auch die Metallverarbeitung waren hoch entwickelt. Neben Gold und Silber wurde Kupfer verarbeitet. Es bestanden mehrere F√ľrstent√ľmer, die m√∂glicherweise infolge eines El Ni√Īo-Ereignisses untergingen.

In der Zeit von 1250 bis 1470 dominierten die Chimus mit der riesigen Hauptstadt Chan Chan in der Gegend um Trujillo den Andenraum. Ihre Fähigkeiten im Kunsthandwerk waren weniger ausgeprägt. Sie legten mehr Wert auf die Serienproduktion von Nutzgegenständen. Es gelang ihnen, die steigende Einwohnerzahl mittels gewaltiger Bewässerungssysteme zu versorgen.

Am Ostrand der Anden lebten von 800 bis 1600 die Chachapoyas. Von ihnen ist nur sehr wenig bekannt. Ber√ľhmt sind die Felsengr√§ber, die sie an hohen Steilklippen hinterlassen haben. Im 16. Jahrhundert verschwanden die Chachapoyas spurlos.

Die bekannteste Kultur (ca. 1200‚Äď1532) ist die der Inka, deren milit√§rische und organisatorische F√§higkeiten ein riesiges Reich geschaffen hatten. Dieses Reich war bei der Ankunft der Spanier allerdings zutiefst gespalten ‚Äď es herrschte B√ľrgerkrieg zwischen den Br√ľdern Atahualpa (Sitz in Quito) und Hu√°scar. Francisco Pizarro eroberte das Reich f√ľr Spanien.

Die nachfolgende Tabelle f√ľhrt die peruanischen Kulturepochen auf, wie sie von einer Reihe von Arch√§ologen nach derzeitigem Kenntnisstand gesehen werden.

Epoche Zeitraum Kulturen
Keramikzeit
Sp√§ter Horizont 1476‚Äď1534 n. Chr. Cajamarca, Chancay, Chachapoya, Chincha, Chimor/Chiribaya, Chucuito, Huaman Huilca, Inka, Ilo, Qotu Qotu, Pacacocha, Palli Marca, Piura, Tajaraca
Sp√§te Zwischenzeit 1000‚Äď1476 n. Chr. Wari, Chim√ļ, Chincha, Cajamarca, Gorbanzai, Piura
Mittlerer Horizont 600‚Äď1000 n. Chr. Moche, Nazca, Wari, Tiwanaku, Piura, Gorbanzai
Fr√ľhe Zwischenzeit 200‚Äď600 n. Chr. Moche, Nazca, Tiwanaku, Pichiche, Sechura, Gorbanzai
Fr√ľher Horizont 900 v.Cr.-200 n. Chr. Chav√≠n, Cupisnique, Sp√§t-Chiripa, Paracas, Pichiche, Sechura
Ausgangszeit 1800/1500‚Äď900 v. Chr. Fr√ľh-Chiripa, Kotosh, Tor√≠l, Cumbe Mayo
Archaische Zeit
Epoche VI 2500‚Äď1500/1800 v. Chr. Casavilca, Culebras, Viscachani, Huaca Prieta
Epoche V 4200‚Äď2500 v. Chr. Honda, Lauricocha III, Viscachani
Epoche IV 6000‚Äď4200 v. Chr. Ambo, Canario, Siches, Lauricocha II, Luz, Toquepala II
Epoche III 8000‚Äď6000 v. Chr. Arenal, Chivateros II, Lauricocha I, Playa Chira, Puyenca, Toquepala I
Epoche II 9500‚Äď8000 v. Chr. Chivateros I, Lauricocha I
Epoche I ???‚Äď9500 v. Chr. Oquendo, Rote Zone (Zentralk√ľste)

Kolonialzeit

‚ÄěThe Conquest of Peru, 1531‚Äď1533‚Äú (1923)"

Hauptartikel: Vizekönigreich Peru; siehe auch Spanische Eroberung Perus

Im April 1532 landete Francisco Pizarro an der peruanischen K√ľste, nahm den Inka-Herrscher Atahualpa gefangen (Schlacht von Cajamarca) und lie√ü ihn am 29. August 1533 hinrichten. Am 15. November 1533 erreichte Pizarro die Hauptstadt Cuzco, die ihm ohne nennenswerten Widerstand √ľbergeben wurde. Er setzte den j√ľngeren Bruder Hu√°scars, Manco C√°pac II. als Inka ein, der 1536 einen knapp gescheiterten Aufstand wagte. Pizarro hatte f√ľr die spanische Krone damit das Inkareich erobert und K√∂nig Karl I., auch bekannt als deutsch-r√∂mischer Kaiser Karl V. konnte von sich behaupten: ‚ÄěIn meinem Reich geht die Sonne niemals unter.‚Äú Pizarro gr√ľndete am 18. Januar 1535 die heutige Hauptstadt Lima. Nach Zwistigkeiten mit seinem Kampfgef√§hrten Almagro, den er 1538 hinrichten lie√ü, wurde er am 26. Juni 1541 in seinem Palast in Lima ermordet.

Die Spanier gr√ľndeten 1542 das Vizek√∂nigreich Peru mit Lima als Hauptstadt, das Neu-Granada, die heutigen L√§nder Ecuador, Kolumbien und Venezuela, sowie Bolivien, Chile, Argentinien und Paraguay umfasste. Wegen des Reichtums an Edelmetallen (vor allem die Silberminen von Potosi) war das Vizek√∂nigreich f√ľr die spanische Krone von gro√üer Bedeutung. Im Jahr 1570 wurde die Inquisition eingef√ľhrt. Wegen eines angeblichen Indioaufstandes lie√ü der Vizek√∂nig den eingesetzten Inka T√ļpac Amaru I., der Sohn von Manco C√°pac II., am 24. September 1572 hinrichten.

Das folgende Jahrhundert war gekennzeichnet durch den totalen Niedergang der Indianer. Ihre Anzahl sank durch Infektionskrankheiten und Frondienste von gesch√§tzten 10 bis 15 Millionen auf etwa 800.000. Mit den Eroberern kamen auch andere V√∂lker in das neue Vizek√∂nigreich. Portugiesen und Italiener versuchten f√ľr ihre L√§nder einen Handel aufzubauen. Sie waren dabei so erfolgreich, dass der Vizek√∂nig um seinen Reichtum f√ľrchtete und die Inquisition auf den Plan rief, der sie bis 1635 zum Opfer fielen. Damit war der Handel wieder in spanischer Hand.

Lima wurde von den Spaniern zur Prachtstadt ausgebaut und als Stadt der K√∂nige bezeichnet. Im ganzen Land wurden 50.000 Kirchen und 400 Kl√∂ster errichtet, die durch die Mitwirkung indianischer Steinmetze und K√ľnstler einen eigenen Stil erhielten. Durch den enormen Bedarf an Kunstwerken mussten auch die Indianer in die Geheimnisse von Pinsel und Palette eingeweiht werden.

Das Gebiet der heutigen L√§nder Ecuador, Kolumbien, Panama und Venezuela wurde 1718 vom Vizek√∂nigreich Peru herausgel√∂st und als Vizek√∂nigreich Neugranada konstituiert. Ebenso verfuhr man mit dem Gebiet des heutigen Bolivien, Chile, Argentinien und Paraguay 1776 und schuf das neue Vizek√∂nigreich des R√≠o de la Plata. Die Autorit√§t des spanischen Vizek√∂nigs verfiel mehr und mehr. 1780 erhob sich der Indianer Jos√© Gabriel Condorcanqui gegen die fremde Herrschaft und ernannte sich unter dem Namen Tupac Amaru II. selbst zum Inkakaiser. In Alto Peru, dem heutigen Bolivien, brach gleichzeitig ein Aufstand unter T√ļpac Katari los. Neun Monate lang wurde La Paz (heute Bolivien) belagert, bevor der Aufstand niedergeschlagen wurde. Ein weiterer Aufstand erfolgte im Jahr 1814 und wurde ebenfalls blutig beendet. √úberall im Land g√§rte und brodelte es gegen die Spanier, bis Hilfe von den benachbarten L√§ndern eintraf.

Unabhängigkeitszeit

W√§hrend sich in den meisten L√§ndern S√ľdamerikas ab 1809 Unabh√§ngigkeitsbewegungen bildeten, blieb die Lage in Peru relativ stabil. Dies lag vor allem am Regierungsstil des Vizek√∂nigs, dem Herzog von la Concordia, Jos√© Fernando Abascal y Sousa, der bereit war, Zugest√§ndnisse im Hinblick auf eine von der Franz√∂sischen Revolution inspirierte Politik und eine weniger strikte Anbindung an Spanien zu machen. Er f√ľhrte die spanische Verfassung von C√°diz aus dem Jahre 1812 in Peru ein, griff allerdings bei den wenigen Aufst√§nden, die es trotzdem gab, rigoros durch. Weil der bis 1816 regierende Abascal in seinem Vizek√∂nigreich die Aufstandstendenzen gering halten konnte, hatte er Gelegenheit, die K√∂nigstreuen in Ecuador und Oberperu zu unterst√ľtzen.

Sein Nachfolger Joaqu√≠n de la Pezuela, der ab Mitte 1816 regierte, war durch seine Erfolge in Oberperu gegen die argentinischen Hilfsexpeditionen ins Amt bef√∂rdert worden und auch w√§hrend seiner Regentschaft war die Bereitschaft zum Aufstand vergleichsweise gering. Eine Ausnahme ist der Aufstand von Cuzco den der ehemalige indianische Interimspr√§sident des K√∂niglichen Gerichtshofs in Lima Mateo Pumacahua zusammen mit den Angulo-Br√ľdern in Cusco anzettelte. Die drei daraus resultierenden Feldz√ľge scheiterten letztlich und die R√§delsf√ľhrer wurden hingerichtet. De la Pezuela konnte so 1817 eine Expedition zur R√ľckeroberung von Chile starten, dem jedoch wegen des Widerstands der dortigen Republikaner kein Erfolg beschieden war.

Die Chilenen und Argentinier planten nun ihrerseits die Befreiung Perus. Nach der Vorarbeit von Thomas Alexander Lord Cochrane ab 1819 f√ľhrte Jos√© de San Mart√≠n auf den Schiffen des Schotten 1820 ein Expeditionsheer an die peruanische K√ľste. Die Expedition von San Mart√≠n f√ľhrte zur Befreiung des Nordens von Peru und dem zentralen K√ľstenstreifen mit Lima. Das zentrale Hochland und der S√ľden blieben unter spanischer Kontrolle. Die anf√§nglichen Erfolge f√ľhrten zu einem Putsch gegen de la Pezuela und Jos√© de la Serna y Hinojosa wurde der letzte spanische Vizek√∂nig in Peru. Weil San Mart√≠n zwar hervorragend plante, aber die daraus entstandenen Vorteile nicht konsequent ausnutzte, um die Spanier endg√ľltig zu besiegen, war er gezwungen, Sim√≥n Bol√≠var um Unterst√ľtzung zu bitten.

Dieser jedoch verweigerte bei einem Treffen im ecuadorianischen Guayaquil 1822 seine Mithilfe und San Martín ging nach Europa ins Exil. Anfang 1823 schickte Bolívar auf Bitten des peruanischen Kongresses Antonio José de Sucre mit Truppen und begab sich selbst 1823 nach Peru. Er löste die internen Streitigkeiten der Patrioten von Peru und begann als Diktatorpräsident mit umfassenden Vollmachten Mitte 1824 seinen Feldzug, der mit der Schlacht von Junín und der Zerschlagung der Norddivision des königlichen Heeres im August begann, und mit der Schlacht von Ayacucho im Dezember mit der gesamtspanischen Kapitulation endete.

Das neunzehnte Jahrhundert

In der nachfolgenden Zeit wurden Pr√§sidenten willk√ľrlich ein- und abgesetzt. Rebellionen und B√ľrgerkriege verhinderten die Entwicklung eines modernen Staates. Nach au√üen hin gab es st√§ndig Differenzen und Kriege mit den Nachbarstaaten. Der bolivianische Diktator Andr√©s Santa Cruz marschierte im Peruanisch-Bolivianischen Konf√∂derationskrieg 1836 in Lima ein und vereinigte die beiden L√§nder zur Peruanisch-Bolivianischen Konf√∂deration. Diese Vereinigung zerbrach beim Sturz von Santa Cruz 1839 bei einem Konflikt mit Chile. Mit Spanien geriet Peru 1866 in kriegerische Auseinandersetzungen. Im Salpeterkrieg (1879 bis 1884) verb√ľndete sich das Land mit Bolivien gegen Chile. Nach der Niederlage verlor Bolivien seinen Meerzugang und die salpeterreiche Atacamaw√ľste und Peru die s√ľdlichen Provinzen (Vertrag von Anc√≥n).

20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen sich drei Gruppen gegen√ľber: Die Milit√§rs, die Oligarchie und die 1924 gegr√ľndete Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA). Die APRA war eine Massenbewegung, die die Interessen der sozialen Unterschicht (vorwiegend Indios) vertrat und gegen√ľber der herrschenden Oberschicht durchzusetzen versuchte. Sie organisierte ihre Anh√§nger auch au√üerhalb des politischen Bereichs in Berufsverb√§nden und Abendschulen und schuf mit ihren ‚ÄěVolksh√§usern‚Äú soziale Einrichtungen, womit es ihr gelang, ihre Organisation im ganzen Land zu verankern. Sie wollte Lateinamerikas Abh√§ngigkeit von den USA durch Sozialreformen und Schaffung einer eigenen Mittelklasse √ľberwinden. Vom Milit√§r wurde sie zun√§chst bek√§mpft, 1932 lie√ü Pr√§sident Cerro in der N√§he der Stadt Trujillo 1000 Anh√§nger der APRA erschie√üen. Dennoch versuchte diese, Anh√§nger unter den Soldaten zu finden.

Im Peruanisch-Ecuadorianischer Krieg 1941 bis 1942 eroberte Peru Teile des Amazonasgebietes. Im Zweiten Weltkrieg verb√ľndete sich Peru de facto mit den Vereinigten Staaten, auch wenn es die diplomatischen Beziehungen zu den Achsenm√§chten aufrechterhielt. Peru belieferte w√§hrend des Krieges die USA mit Rohstoffen, vor allem Salpeter und Kupfer und erhielt im Gegenzug milit√§rische und medizinische Hilfe. Die USA gr√ľndeten noch vor der Kriegserkl√§rung Perus an die Achsenm√§chte (13. Februar 1945) in Peru die Milit√§rbasis Salinas.

Nach 1945 war neben der inneren Konsolidierung zur Demokratie die wirtschaftliche Abh√§ngigkeit von den USA das Hauptproblem. Die verschiedenen Koalitionen und ihre Politik verw√§sserten notwendige Reformen um der Opposition keinen Anlass zu geben. Der Versuch der Regierung Fernando Bela√ļnde Terrys (1963-1968), die amerikanische Standard Oil zu verstaatlichen, brachte die Regierung in Opposition zu den USA. Nach Ans√§tzen einer Landreform strichen die Vereinigten Staaten die Entwicklungshilfe. Au√üerdem verkaufte Washington keine Waffen mehr an Peru. Das konnte Lima vorerst durch K√§ufe im Frankreich von Charles de Gaulle kompensieren.[2] Als die USA die Wirtschaftshilfe einstellte und ein Bestechungsskandal zugunsten der Erd√∂lgesellschaft IPC (geh√∂rte zum Exxon-Konzern) aufgedeckt wurde, putschte das Milit√§r gegen Pr√§sident Bela√ļnde Terry am 3. Oktober 1968 und √ľbernahm die Macht. Die Milit√§rjunta unter Juan Velasco Alvarado versuchte, ein gemischtwirtschaftliches System zu etablieren und wollte die ‚Äěnationale Souver√§nit√§t und W√ľrde‚Äú retten. Die beiden bedeutendsten Gesetze der Milit√§rregierung waren:

  • das Agrargesetz von 1969, das eine Verstaatlichung von Gro√ügrundbesitz √ľber 150 Hektar in der K√ľstenregion und 55 Hektar in der Andenregion bedeutete. Die bisherigen Landeigent√ľmer wurden entsch√§digt, zum Teil in bar, aber zu einem gr√∂√üeren Teil durch Staatspapiere mit einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren. Genossenschaftliche Organisation, technische Hilfe und abgestufte Kredite sollten einen R√ľckgang der Produktion in der √úbergangsphase verhindern.
  • das Industriegesetz von 1970, das eine eigenst√§ndige industrielle Entwicklung Perus vorrangig stellte. Danach gab es drei Bereiche, die staatliche, die private und der genossenschaftliche industrielle Sektor. Industrieunternehmen, die vollst√§ndig mit ausl√§ndischem Kapital gegr√ľndet worden sind, sollten nach einiger Zeit mindestens zu 66 Prozent in peruanischen Besitz √ľbergehen. Bei anderen Gesellschaften mit ausl√§ndischem Kapital betrug der Wert 51 Prozent. Zudem musste jedes Industrieunternehmen von seinem j√§hrlichen Nettoeinkommen rund 10 Prozent der Summe abziehen und diese an die Belegschaft im Verh√§ltnis zu den pers√∂nlichen Grundl√∂hnen verteilen. [3]

Zur Nationalisierung der Erd√∂lvorkommen wurde die noch heute existierende Gesellschaft Petroper√ļ gegr√ľndet, ausl√§ndische Unternehmen wurden auch hier teilweise enteignet, aber finanziell entsch√§digt und bei Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den staatlichen Institutionen sogar zu Investitionen ermutigt. Der Aufbau einer Grundstoffindustrie wurde vom Staat vorrangig in die Hand genommen. Der Arbeitsschutz wurde verbessert, mit einer Landreform die Eigentumsverh√§ltnisse auf dem Land radikal ver√§ndert. Der rund 6,7 Millionen Hektar enteignete Gro√ügrundbesitz nach dem Agrargesetz wurde in genossenschaftliches Eigentum √ľberf√ľhrt. Weil der Gro√ügrundbesitz im Hochland aber oft den Dorfgemeinschaften geraubt worden war, wurden die Genossenschaften dort nicht akzeptiert, sondern als Fortsetzung des Landraubs aufgefasst. Ziel der Milit√§rs war ein ‚ÄěDritter Weg‚Äú zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Das Schulwesen wurde ausgebaut, das indigene Erbe Perus wurde popularisiert. Ziel war die Entwicklung eines am Mestizentum orientierten gesellschaftlichen Bewusstseins. Au√üenpolitisch engagierte sich Peru in der Bewegung der Blockfreien, was zu Spannungen mit den USA f√ľhrte. 1975 wurde Velasco aufgrund der wirtschaftlichen Probleme (sinkende Fischmehlproduktion f√ľr den Export und fallende Preise beim Kupfer und dadurch steigende Auslandsverschuldung) abgesetzt. Sein Nachfolger wurde General Francisco Morales Berm√ļdez, der einen konservativeren politischen Kurs einschlug.

1979 lie√üen die Milit√§rs eine neue Verfassung ausarbeiten und am 18. Mai 1980 fanden die ersten freien Wahlen statt. Bela√ļnde Terry wurde am 28. Juli 1980 wieder als Pr√§sident der Republik Peru f√ľr 5 Jahre in das Amt eingef√ľhrt. Die verstaatlichten Unternehmen, Banken, Zeitungen und Fischereibetriebe wurden in Privatbesitz √ľbergeben.

Ab 1982 begann die linksgerichtete Guerilla-Gruppe Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) mit wachsender Aktivität einen blutigen Krieg gegen die Staatsgewalt. Über die Provinz Ayacucho wurde der Ausnahmezustand verhängt. Die Gruppe brachte ein Viertel des Landes unter ihre Kontrolle. In abgelegenen Regionen des Berglandes kam es zu zahlreichen Massakern an der Landbevölkerung. Sowohl die Guerillabewegung als auch das Militär bestraften damit die Zusammenarbeit der Dorfbewohner mit dem jeweils anderen Gegner.

Zwischen 1985 und 1990 versuchte Pr√§sident Alan Garc√≠a zun√§chst eine Abkehr von der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die sein Vorg√§nger verfolgte. Der gesetzliche Mindestlohn wurde angehoben, der Import von Fertigwaren beschr√§nkt, von Investitionsg√ľtern hingegen erleichtert. Nachdem Garc√≠a die Begrenzung des Schuldendienstes auf 10 % der Exporterl√∂se ank√ľndigte, erkl√§rten IWF und Weltbank Peru f√ľr nicht mehr kreditw√ľrdig. Die Inflation nahm dramatische Ausma√üe an und brachte gerade √§rmere Menschen um ihre Ersparnisse. Hinzu kam eine durch Beg√ľnstigung von APRA-Mitgliedern hervorgerufene extreme Korruption. Der Sendero Luminoso intensivierte seine Aktionen, Garc√≠a scheiterte schlie√ülich mit seiner Politik. Betroffen √ľber die Korruption, die zunehmende Bedrohung durch den Sendero Luminoso und die wirtschaftlichen Verh√§ltnisse des Landes w√§hlte die Bev√∂lkerung den unbekannten Alberto Fujimori 1990 zum Pr√§sidenten. Ihm gelang es die Inflation innerhalb von zwei Jahren von 7500 % auf 140 % zu senken und zahlreiche wirtschaftliche Reformen durchzusetzen. Staatsbetriebe wurden wieder privatisiert und g√ľnstige Bedingungen f√ľr ausl√§ndische Investoren geschaffen.

Am 5. April 1992 l√∂ste Fujimori nach einem vom Milit√§r gebilligten Staatsstreich das Parlament auf und setzte die Verfassung au√üer Kraft. Er lie√ü eine neue, auf ihn zugeschnittene Verfassung ausarbeiten, die am 29. Dezember 1993 in Kraft trat. Am 9. April 1995 wurde Fujimori neuerlich zum Pr√§sidenten gew√§hlt. Sein Gegenkandidat war der fr√ľhere UNO-Generalsekret√§r Javier P√©rez de Cu√©llar. Am 17. Dezember 1996 √ľberfielen linksgerichtete Rebellen der Movimiento Revolucionario T√ļpac Amaru die Residenz des japanischen Botschafters in Lima und nahmen 483 Personen als Geiseln, von denen etwa 200 am gleichen Tag wieder freigelassen wurden. Eliteeinheiten der Armee st√ľrmten am 22. April 1997 die Residenz und befreiten 71 der 72 √ľbrigen Geiseln.

Die Wiederwahl Fujimoris zum Pr√§sidenten im Jahr 2000 f√ľhrte zu heftigen Protesten im ganzen Land, weil sie auf Wahlmanipulation basierte. Hinzu kam ein Bestechungsskandal um Fujimoris Sicherheitsberater Vladimiro Montesinos. Fujimori und Montesinos fl√ľchteten aus dem Land. Fujimori setzte sich nach Japan ab. Als √úbergangspr√§sident wurde Valent√≠n Paniagua vereidigt, der eine Wahrheitskommission ins Leben rief, um die von 1980 bis 2000 begangenen Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen. Eine Untersuchungskommission des peruanischen Parlaments stellte in einem √ľber 12.000 Seiten langen Bericht fest, dass Fujimori und Montesinos Peru mit einem Netz korruptiver und krimineller Praktiken √ľberzogen hatten und erhoben gegen beide au√üerdem wegen ihres Vorgehens bei der Guerilla- bzw. Terrorismusbek√§mpfung den Vorwurf von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

21. Jahrhundert

Im Jahr 2001 wurde Montesinos in Venezuela aufgesp√ľrt und nach anf√§nglichem Z√∂gern nach Peru ausgeliefert, wo er mit Haftbefehl gesucht wurde. Im Jahr 2003 wurde er zu 15 Jahren Gef√§ngnis verurteilt.

Alejandro Toledo gewann am 8. April 2001 die Wahlen zur Pr√§sidentschaft und wurde am 28. Juli der erste Pr√§sident indianischer Herkunft. Toledo versuchte, die vergangenen Gesetzesverletzungen aufzurollen und unabh√§ngige Gerichte einzusetzen. Seine Popularit√§t nahm w√§hrend der zweiten H√§lfte seiner Amtszeit konstant ab, nicht zuletzt wegen zahlreicher Skandale und Korruptionsf√§lle. Im Mai 2003 streikten Bauern und Lehrer und errichteten landesweit Stra√üenblockaden. Toledo rief den Ausnahmezustand aus und beauftragte die Armee, die Ordnung in den 12 Regionen des Landes wiederherzustellen. Im Anschluss daran wuchs die Unzufriedenheit der Bev√∂lkerung gegen√ľber dem Pr√§sidenten. Im Jahr 2002 besuchte mit George W. Bush zum ersten Mal ein US-Pr√§sident Peru. 2003 wurde nach einer Streikwelle Beatriz Merino erste Ministerpr√§sidentin Perus.

Im November 2005 wurde der fr√ľhere Ministerpr√§sident Fujimori in Chile auf Bitten Per√ļs festgenommen.

Am 1. Januar 2005 √ľberfiel der ehemalige Major Antauro Humala mit einer Gefolgschaft von etwa 100 Mann in der Stadt Andahuaylas in der Region Apur√≠mac eine Polizeistation und nahm 10 Polizisten als Geiseln. Dabei wurden 4 Personen get√∂tet. Die nationalistische Gruppe Etnocaceristas unter der F√ľhrung von Antauro Humala sowie dessen Bruder Ollanta Humala forderte Verurteilung und Tod des Staatspr√§sidenten. Die Etnocaceristas beziehen sich mit ihrem Namen auf den ehemaligen Pr√§sidenten Andres Caceres, der trotz Niederlage im Salpeterkrieg gegen Chile den chilenischen Soldaten heftigen Widerstand leistete. Die Regierung entsandte Milit√§reinheiten in das betroffene Gebiet. Am 4. Januar legten die Aufst√§ndischen die Waffen nieder und ergaben sich dem Milit√§r. In der Folge trat der Innenminister Javier Re√°tegui zur√ľck.

Literatur

  • Doris Kurella: Kulturen und Bauwerke des Alten Peru. Kr√∂ner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-520-50501-9.
  • Iris Gareis: Die Geschichte der Anderen. Zur Ethnohistorie am Beispiel Perus (1532‚Äď1700). Reimer, Berlin 2002, ISBN 3-496-02742-8.
  • Goedeking, Ulrich; von Oertzen, Eleonore: Peru. Beck'sche Reihe L√§nder, 3. Aufl., M√ľnchen 2004, ISBN 3406-5045-74
  • Christine Hunefeldt, A Brief History of Peru, Checkmark Books 2004, ISBN 081605794X
  • Klar√©n, Peter Flindell, Peru ‚Äď Society and Nationhood in the Andes, Oxford: Oxford University Press 2000. ISBN 0-19-506927-7 Rezension
  • Mariategui, Jose Carlos, Revolution und peruanische Wirklichkeit. Ausgew√§hlte politische Schriften, Frankfurt a.M., isp, 1986, ISBN 3-88332-104-4,
  • Mason, J. Alden: Das alte Peru. Eine indianische Hochkultur. Z√ľrich 1965
  • Catherine Julien: Die Inka. Geschichte, Kultur, Religion. 4. Aufl., M√ľnchen: C.H.Beck, 2007. ISBN 978-3-406-41875-4
  • Helaine Silverman: Andean Archaeology. Blackwell Publishers, 2004.
  • Koch, Mario: Kampf um die Inkastadt Cuzco. Aufzeichnungen eines anonymen Zeitzeugen 1535‚Äď1539. Trafo Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-89626-321-8.
  • Riese, Berthold: Machu Picchu: die geheimnisvolle Stadt der Inka. M√ľnchen: C.H.Beck 2004. ISBN 3-406-52117-7
  • Shining and Other Paths, hg. von Steve J. Stern, Duke University Press 1998, ISBN 082232217X

Anmerkungen

  1. ‚ÜĎ Dies und das Folgende nach Von Berthold Seewald: Deutsche Forscher finden riesige Pyramide in Peru, in: Die Welt, 19. Oktober 2006 und Peru:√Ąltestes Geb√§ude S√ľdamerikas freigelegt.
  2. ‚ÜĎ David Noack: Allende war Teil einer gr√∂√üeren Bewegung. In: amerika21. 25. Januar 2011, abgerufen am 26. Januar 2011.
  3. ‚ÜĎ H. Schanze, Die Revolutionierung Lateinamerikas, Frankfurt am Main, 1972, Seite 133f., Diesterweg Verlag

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Geschichte Brasiliens 1822 bis 1880 ‚ÄĒ Lage Brasiliens in S√ľdamerika Inhaltsverzeichnis 1 Das vorkoloniale Brasilien 2 Die Zeit der Entdeckungen 3 Bes ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Brasiliens 1822 bis 1889 ‚ÄĒ Lage Brasiliens in S√ľdamerika Inhaltsverzeichnis 1 Das vorkoloniale Brasilien 2 Die Zeit der Entdeckungen 3 Bes ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Brasiliens bis 1822 ‚ÄĒ Lage Brasiliens in S√ľdamerika Inhaltsverzeichnis 1 Das vorkoloniale Brasilien 2 Die Zeit der Entdeckungen 3 Bes ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Franz√∂sisch-Guyanas ‚ÄĒ Pr√§kolumbische Steinzeichnungen in Kourou Inhaltsverzeichnis 1 Pr√§kolumbische Zeit 2 Entdeckung und Besiedlung durch Europ√§er ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Surinams ‚ÄĒ ÔĽŅ In diesem Artikel oder Abschnitt¬†fehlen folgende wichtige Informationen: u.a. Deutsche √úbersetzung noch unzureichend und die Fehler die der englische Artikel aufweist wurden gleich mit √ľbernommen. Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte S√ľdgeorgiens ‚ÄĒ S√ľdgeorgien und die S√ľdlichen Sandwichinseln Dieser Artikel liefert einen √úberblick √ľber die Geschichte des britischen Territoriums S√ľdgeorgien und die S√ľdlichen Sandwichinseln im S√ľdlichen Ozean. Vor der Entdeckung durch europ√§ische Seefahrer… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte S√ľdamerikas ‚ÄĒ Inhaltsverzeichnis 1 Vor und Fr√ľhgeschichte S√ľdamerikas 2 Pr√§kolumbische Zeit 3 Kolonialzeit 3.1 Eroberung ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Boliviens ‚ÄĒ Inhaltsverzeichnis 1 Fr√ľhgeschichte 2 Spanische Kolonialzeit 2.1 Fr√ľhe Neuzeit 3 Unabh√§ngigkeit ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der Menschheit ‚ÄĒ Die Menschheitsgeschichte umfasst die Entwicklung der gesamten Menschheit. In diesem Artikel geht es um die historische Entwicklung in den einzelnen Weltregionen, die zwar schon fr√ľh stark von Interdependenzen bestimmt, aber erst seit Ende des 19 ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Ecuadors ‚ÄĒ Die wechselreiche Geschichte Ecuadors l√§sst sich in acht Perioden einteilen. Die Region wurde bis ins 15. Jahrhundert von mehreren unabh√§ngigen V√∂lkern bewohnt. F√ľr etwa ein Jahrhundert herrschten die Inkas √ľber das Gebiet. Zwischen den 1530er… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.