Geschichte RumÀniens

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Geschichte RumÀniens

Die Geschichte RumĂ€niens ist stark vom RĂŒckgriff auf die Epoche der Römer geprĂ€gt, was sich auch im Namen RumĂ€nien oder rum. RomĂąnia (frz. Roumanie, engl. Romania) widerspiegelt. Romania war in der SpĂ€tantike eine ĂŒbliche Bezeichnung fĂŒr das Römische Reich, im Mittelalter fĂŒr das Gebiet des Byzantinischen Reichs.[1] Die auf dem Gebiet des spĂ€teren RumĂ€nien ansĂ€ssigen Daker wurden 106 n. Chr. durch Trajan in das Römische Reich eingegliedert und sprachlich sowie kulturell romanisiert. 271 wurden die römischen Truppen ans rechte Donauufer zurĂŒckgezogen. In den folgenden Jahrhunderten setzte sich seit der bulgarischen Herrschaft das orthodoxe Christentum durch. 1862 wurde das Kyrillische Alphabet zugunsten des lateinischen abgeschafft.

Siehe auch: RumÀnische Ethnogenese

Inhaltsverzeichnis

Völkerwanderung

Angesichts des Einfalls germanischer Völker zog sich die Verwaltung des römischen Reichs aus Dakien zurĂŒck. Die letzten Stellungen nördlich der Donau wurden wĂ€hrend der Regierungszeit Aurelians (270–275) aufgegeben. Es folgten mehrere Wellen von Wanderungsbewegungen, darunter zunĂ€chst die der Westgoten und der Gepiden, dann im 7. Jahrhundert die der Slawen, ĂŒberwiegend Siedler, die das Tiefland des heutigen RumĂ€niens kolonisierten. Sie kamen in Kontakt mit der dako-romanischen Bevölkerung, die noch im Hochland lebte, und wurden im Laufe eines jahrhundertelangem Zusammenlebens assimiliert. Auch viele KriegerstĂ€mme zogen durch das rumĂ€nische Territorium, so die Hunnen, die Protobulgaren, die Magyaren im 9. Jahrhundert und die Tataren im 13. Jahrhundert (siehe auch Völkerwanderung).

Es gibt keine schriftlichen Nachweise fĂŒr die Existenz von „Proto-RumĂ€nen“ in der Gegend nördlich der Donau fĂŒr das Jahrhundert nach Roms RĂŒckzug aus Dakien. Es gibt aber wohl auch keinen Beweis fĂŒr das Gegenteil. Dieser Umstand ist Grund fĂŒr eine jahrhundertelange Fehde um SiebenbĂŒrgen zwischen rumĂ€nischen und ungarischen Historikern.

Einige Historiker behaupten, die RumĂ€nen stammten tatsĂ€chlich nicht von den romanisierten Dakern ab, sondern kĂ€men von sĂŒdlich der Donau und hĂ€tten sich im heutigen Gebiet RumĂ€niens niedergelassen. (Zu dieser Debatte siehe: Dako-romanische KontinuitĂ€tstheorie).

Andere Historiker erklĂ€ren das Fehlen schriftlicher Beweismaterialien mit dem Fehlen einer organisierten lokalen Verwaltung (Legende vom "Nichtorganisierten Staat") bis zum 12. Jahrhundert und dadurch, dass die Mongolen beim PlĂŒndern des Gebiets im Jahr 1241 jegliche existierenden Aufzeichnungen vernichtet hĂ€tten.

Ungarische Migration

Im Jahr 896 ließen sich die Magyaren im zentralen Karpatenbecken nieder, nachdem sie zuvor von den Bulgaren unter Zar Simeon und den Petschenegen in Bessarabien vernichtend geschlagen worden waren.[2][3] Ein Jahrhundert spĂ€ter dehnte Stephan I. das ungarische Königreich auf SiebenbĂŒrgen aus. Die Ungarn bauten Festungen, grĂŒndeten ein römisch-katholisches Bistum und begannen die dort angesiedelte Szekler-Bevölkerung zu missionieren. Es gibt Zweifel, dass sich unter den Missionierten auch RumĂ€nen befanden, da diese bereits christlich waren und nach dem MorgenlĂ€ndischen Schisma der östlichen orthodoxen Kirche treu blieben. Stephan und seine Nachfolger warben deutsche und ungarische Siedler an, sich in der Region niederzulassen.

Die Siedler kamen teilweise von weit her, darunter Szekler und der aus PalĂ€stina zurĂŒckkehrende Deutsche Orden, der Kronstadt (rumĂ€nisch Brașov) grĂŒndete, dann aber nach einem Konflikt mit dem König 1225 in die Ostseeregion umsiedelte. Ungarns Könige förderten die LoyalitĂ€t der Kolonisten, indem sie ihnen Land, Handelsprivilegien und ein betrĂ€chtliches Maß an Autonomie gewĂ€hrten. Der Adelsstand war auf Katholiken beschrĂ€nkt, und wĂ€hrend rumĂ€nische Adlige zur römisch-katholischen Konfession konvertierten (was schließlich zu deren Magyarisierung fĂŒhrte), um ihre Privilegien zu bewahren, wurden viele orthodoxe RumĂ€nen Leibeigene, sowie auch zahlreiche Ungarn und in geringem Maße auch Sachsen, die auf dem Komitatsboden lebten bzw. von ungarischen Adligen im Rahmen von Binnenkolonisation dort angesiedelt wurden.

1241 fielen die Mongolen von Norden und Osten her ĂŒber die Karpaten in SiebenbĂŒrgen ein. Sie schlugen die Truppen BĂ©las IV. in die Flucht, brannten in SiebenbĂŒrgen und Zentralungarn die Siedlungen nieder und ermordeten einen Teil der Bevölkerung. Als die Mongolen sich 1242 schlagartig wieder zurĂŒckzogen, startete BĂ©la ein energisches Wiederaufbauprogramm. Er lud weitere Fremde ein, sich in SiebenbĂŒrgen und anderen verwĂŒsteten Regionen des Königreichs niederzulassen, gewĂ€hrte lokalen Adligen Land und ordnete an, Festungen aus Stein zu errichten. BĂ©las WiederaufbaubemĂŒhungen und das Aussterben der ÁrpĂĄden-Dynastie 1301 verschob die MachtverhĂ€ltnisse in Ungarn signifikant. Der Einfluss des Königs sank, und rivalisierende Magnaten errichteten fĂŒr sich kleinere Königreiche, enteigneten Bauernland und verschĂ€rften die feudalen Pflichten.

SiebenbĂŒrgen wurde praktisch selbstĂ€ndig. Schon 1288 beriefen die siebenbĂŒrgischen Adligen ihre eigene StĂ€ndeversammlung ein. Unter steigendem wirtschaftlichem Druck von ungehemmten Feudalherren und religiösem Druck von eifernden Katholiken emigrierten viele RumĂ€nen aus SiebenbĂŒrgen ostwĂ€rts und sĂŒdwĂ€rts ĂŒber die Karpaten und trugen entscheidend zur GrĂŒndung der FĂŒrstentĂŒmer Moldau und Walachei bei.

Mittelalterliche Staaten

FrĂŒhe rumĂ€nische Staaten bildeten sich im 10. und 11. Jahrhundert heraus und erscheinen in historischen Quellen unter den Namen Wlachen (siehe auch Walachen). Die meisten dieser Staatsgebilde waren kleine Königreiche, die gewöhnlich nach dem Tod ihrer OberhĂ€upter zerfielen.

Von 1061 bis 1171 bildete die Walachei das Kernreich der turkstĂ€mmigen Petschenegen, dann von 1171 bis 1240 gehörten die Walachei und die Moldau zum Reich der ebenfalls turkstĂ€mmigen Kumanen. Einige (auch rumĂ€nische) Historiker behaupten, dass RumĂ€nen in den niedrigen Teilen der Großen Walachei und der Moldau erst vorgedrungen sind, nachdem diese Gebiete von Petschenegen und Kumanen wieder gerĂ€umt wurden. [4] Von Ende des 10. Jahrhunderts (Swjatoslaw I.) bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts standen große Teile der Moldau wiederholt unter direkter Herrschaft bzw. indirekter Oberhoheit russischer FĂŒrsten (Kiewer Rus, Halytsch-Wolhynien).

Erst im 14. Jahrhundert entstanden die grĂ¶ĂŸeren FĂŒrstentĂŒmer Moldau und Walachei. SiebenbĂŒrgen war zu dieser Zeit ein im Wesentlichen autonomer Teil des ungarischen Königreichs, ein Ergebnis der Eroberung der vorher existierenden kleineren politischen Formationen im 11.-13. Jahrhundert.

Walachei und Moldau

Die Legende besagt, dass 1290 Negru Vodă, ein fĂŒhrender rumĂ€nischer Adliger, Fogarasch im SĂŒden SiebenbĂŒrgens zusammen einer Gruppe Adliger verließ und im Gebiet zwischen den sĂŒdlichen Karpaten und der Donau „Țara RomĂąnească“ grĂŒndete. Der Name bedeutet wörtlich „rumĂ€nisches Land“ und bezeichnet tatsĂ€chlich die Walachei. Das Wort Walachei ist von dem slawischen Wort Vlach, dieses wiederum vom germanischen Walh abgeleitet, das ursprĂŒnglich, herrĂŒhrend vom keltischen Nachbarvolk der Volcae (germanisch *Walhos), Kelte ĂŒberhaupt, dann „Fremder“ allgemein und auch „Romane“ oder „Lateinsprachiger“ bedeutete.[5]

Eine zweite Legende erzĂ€hlt, dass ein rumĂ€nischer Woiwode namens Dragoș die Karpaten ĂŒberquerte und sich mit anderen RumĂ€nen in der Ebene zwischen den Bergen und dem Schwarzen Meer niederließ. Zu ihnen stieß 1349 ein siebenbĂŒrgischer Woiwode namens Bogdan, der gegen seinen Lehnsherrn rebellierte und sich am Fluss Moldova niederließ, der der Moldau ihren Namen gibt. Bogdan erklĂ€rte ein Jahrzehnt spĂ€ter die moldauische UnabhĂ€ngigkeit von Ungarn. Die zurĂŒckgebliebenen rumĂ€nischen Adligen in SiebenbĂŒrgen nahmen schließlich die ungarische Sprache und Kultur an. Die rumĂ€nischen Leibeigenen in SiebenbĂŒrgen sprachen weiterhin RumĂ€nisch und blieben beim orthodoxen Glauben; sie waren aber machtlos, sich der ungarischen Beherrschung zu entziehen.

Von den oben genannten Legenden abgesehen, wurden die FĂŒrstentĂŒmer Walachei und Moldau zunĂ€chst als Pufferzonen bzw. Grenzmarken zum Schutz des ungarischen Königreiches vor den von nordosten und sĂŒden einfallenden Wandervölkern vom ungarischen König eingerichtet. Ihre politische UnabhĂ€ngigkeit erhielten die FĂŒrstentĂŒmer 1330 (Walachei) und 1359 (Moldau).[6]

Walachei und Moldau gewannen im Laufe des 14. Jahrhunderts, einer fĂŒr SĂŒdosteuropa friedlichen und wohlhabenden Zeit, allmĂ€hlich an Macht. FĂŒrst Basarab I. der Walachei (ca. 1330–1352) musste, obwohl ihm 1330 ein Sieg gegen den ersten ungarischen Anjou-König Karl I. ) gelang, die ungarische Oberhoheit weiterhin anerkennen. Der Patriarch der orthodoxen Kirche in Konstantinopel dagegen richtete einen kirchlichen Sitz in der Walachei ein und ernannte einen Metropoliten. Die Anerkennung durch die Kirche bestĂ€tigte den Status der Walachei als FĂŒrstentum, und die Walachei befreite sich 1380 von der ungarischen Oberhoheit.

Die FĂŒrsten von Walachei und Moldau hatten fast absolute Macht; nur der FĂŒrst hatte die Macht, Landbesitz zu verteilen und Adelstitel zu verleihen. Versammlungen der Adligen, oder Bojaren, und der höhere Klerus wĂ€hlten FĂŒrsten auf Lebenszeit, und das Fehlen eines Nachfolgegesetzes bereitete eine fruchtbare AtmosphĂ€re fĂŒr Intrigen. Vom 14. bis zum 17. Jahrhundert findet man in der Geschichte der FĂŒrstentĂŒmer reichlich StĂŒrze von FĂŒrsten durch rivalisierende Parteien, die oft von Fremden unterstĂŒtzt wurden. Die Bojaren waren von der Steuerzahlung ausgenommen, mit Ausnahme von Abgaben auf die Hauptquellen landwirtschaftlichen Vermögens. Obwohl die Bauern einen Teil ihrer ErtrĂ€ge in Naturalien an die lokalen Adligen abgeben mussten, war ihnen, abgesehen von ihrer untergeordneten Stellung, nie das Recht vorenthalten, Grund und Boden zu besitzen oder umzusiedeln.

Nach ihrer GrĂŒndung wiesen Walachei und Moldau eine Ă€hnliche politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Struktur auf. Das Staatswesen, die politische Organisation und das SelbstverstĂ€ndnis orientierten sich stark am oströmischen (byzantinischen) Modell Konstantinopels. Dennoch blieb die Entwicklung beider FĂŒrstentĂŒmer mit chronischen Hindernissen behaftet: Eine exzessive FiskalitĂ€t erwĂŒrgte die ohnehin wenig effiziente Agrarwirtschaft, die anhaltende politische InstabilitĂ€t förderte nicht die Entfaltung stabiler interner MĂ€rkte und StĂ€dte. So blieb die Entstehung eines nennenswerten kommerziellen Lebens in der Hand fremder Kaufleute. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Handel zwischen den MittelmeerlĂ€ndern und der Region am Schwarzen Meer. HĂ€ndler aus Genua und Venedig grĂŒndeten Handelszentren entlang der KĂŒste des Schwarzen Meers, wo Tataren, Deutsche, Griechen, Juden, Polen, Raguser und Armenier Waren tauschten. Die RumĂ€nen (Walachen und Moldauer) blieben jedoch im Wesentlichen ein Agrarvolk.

SiebenbĂŒrgen

In SiebenbĂŒrgen erholte sich das wirtschaftliche Leben nach der mongolischen Invasion rasch. Neue, von den deutschen Kolonisten aus Westeuropa mitgebrachte Anbaumethoden kurbelten den Ernteertrag an. Handwerker bildeten ZĂŒnfte, als das Handwerk erblĂŒhte; Gold-, Silber- und Salzabbau wurde ausgedehnt, und geldbasierte GeschĂ€ftsabschlĂŒsse ersetzten den Naturalientausch.

Wenngleich die Stadtbewohner dank königlicher Privilegien und im Einklang mit dem mittelalterlichen Stadtrecht von feudalen Pflichten ausgenommen waren, dehnte sich der Feudalismus aus, und Adlige verschĂ€rften die Verpflichtungen. Die Leibeigenen rebellierten gegen die höheren Zahlungen; einige verließen das Land, wĂ€hrend andere Gesetzlose wurden. 1437 erhoben sich rumĂ€nische und ungarische Bauern gegen ihre Feudalherren. Der Aufstand gewann Fahrt, wurde aber schließlich mit großem Aufwand von den vereinigten KrĂ€ften der ungarischen Adligen sowie der UnterstĂŒtzung durch die Sachsen und Szekler in SiebenbĂŒrgen niedergeschlagen. Daraufhin wurde die Union der drei Nationen (ungarischer Adel, NationsuniversitĂ€t der Sachsen und Szekler), die gelobte, ihre Privilegien gegen jegliche Macht außer der des ungarischen Königs zu verteidigen.

Das Dokument erklĂ€rte die Ungarn, Deutschen und Szekler zu den einzigen anerkannten Nationen in SiebenbĂŒrgen. Von da an waren alle anderen NationalitĂ€ten dort, vor allem die RumĂ€nen, nur „toleriert“. Nationen sind im mittelalterlichen Sinn wie hier jedoch als StĂ€nde und nicht als ethnische Volksgruppen zu verstehen. Der Adel bĂŒrdete seinen Leibeigenen allmĂ€hlich noch hĂ€rtere Bedingungen auf. 1437 beispielsweise musste jeder Leibeigene einen Tag im Jahr zur Erntezeit fĂŒr seinen Lehnsherrn ohne Bezahlung arbeiten; 1514 mussten Leibeigene einen Tag pro Woche fĂŒr ihren Herrn arbeiten, mit ihren eigenen Tieren und Werkzeugen.

Teil des Osmanischen Reiches

Siehe auch: Islam in RumÀnien und Islam in Moldawien

Im 14. Jahrhundert dehnte sich das Osmanische Reich von Kleinasien auf die Balkanhalbinsel aus. Die Osmanen ĂŒberquerten 1352 den Bosporus und besiegten 1389 die Serben in der Schlacht auf dem Amselfeld. Die Überlieferung besagt, dass der walachische FĂŒrst Mircea cel BătrĂąn (1386–1418) sein Heer in den Kosovo schickte, um dort an der Seite der Serben zu kĂ€mpfen. Ihm gelang es auch vorĂŒbergehend, eine gewisse Machtstellung sĂŒdlich der Donau aufzubauen. Dies nahm allerdings 1393 ein Ende, als Bayezid I. den bulgarische Tzarat von Tarnovo eroberte. Nun wurde das „RumĂ€nische Land“ Walachei direkter Nachbar des Osmanischen Reiches an der Donau. Bayezid I. setzte seine Kampagne gen Norden fort: 1394 ĂŒberquerte er die Donau, drang in die Walachei ein, doch Mircea brachte ihm am 10. Oktober 1394 in der Schlacht von Rovine eine empfindliche Niederlage bei. 1395 schloss Mircea in Brașov eine Allianz mit dem ungarischen König Sigismund von Luxemburg ab. Folglich schloss er sich 1396 mit seinem Heer einem Kreuzzug an, der vom ungarischen König Sigismund initiiert worden war. Der Feldzug endete in einer Katastrophe: Die Osmanen schlugen Sigismunds Armee 1396 in der Schlacht von Nikopolis im heutigen Bulgarien in die Flucht. BestĂ€rkt durch diesen Sieg, drangen die Osmanen im folgendem Jahr wieder in die Walachei ein, doch warf Mircea erneut die tĂŒrkische Expedition ĂŒber die Donau zurĂŒck. Ein weiterer osmanischer Versuch, die Walachei zu erobern, wurde von Mircea und seinem Heer 1400 wieder erfolgreich abgewehrt.

1402 bekam die Walachei einen Aufschub vom Druck durch das Osmanische Reich, da der mongolische FĂŒhrer Tamerlan von Osten her in Kleinasien einmarschierte, den Sultan tötete und einen BĂŒrgerkrieg verursachte. So gelang Mircea 1404 sogar, die an die TĂŒrken verlorene Provinz Dobrudscha zurĂŒckzuerobern. Als nach dem Osmanischen Interregnum wieder Ordnung im Reich einkehrte, erneuerten die Osmanen ihren Angriff auf die Walachei. Gegen das Ende seiner Herrschaft 1417 schloss Mircea mit Sultan Mehmed I. ein Abkommen, wodurch er mit einer jĂ€hrlichen Tributszahlung von 3000 GoldmĂŒnzen die SelbstĂ€ndigkeit seines Landes erkaufte. Brăila, Giurgiu und Turnu fielen bis 1829 direkt an das Osmanische Reich.

Nach Mirceas Tod 1418 erlebten die Walachei und die Moldau eine Phase des Verfalls. NachfolgekĂ€mpfe, polnische und ungarische Intrigen sowie Korruption produzierten eine Serie von elf FĂŒrsten innerhalb von nur 25 Jahren. So wie die osmanische Bedrohung zunahm, wurden die FĂŒrstentĂŒmer geschwĂ€cht. 1444 schlugen die Osmanen abermals einen europĂ€ischen Feldzug bei Warna im heutigen Bulgarien. Als Konstantinopel im Jahr 1453 erobert wurde, schnitten die Osmanen die genuesischen und venezischen Galeeren von den SchwarzmeerhĂ€fen ab. Der Handel ging zurĂŒck, und die Isolation der rumĂ€nischen FĂŒrstentĂŒmer nahm zu, obwohl sie im Gegensatz zu den weiter sĂŒdlichen liegenden LĂ€ndern des Balkan der direkten osmanischen Herrschaft entkommen konnten.

Zu dieser Zeit wurde Johann Hunyadi Reichsverweser von Ungarn. Hunyadi, ein Held aus den TĂŒrkenkriegen, mobilisierte Ungarn gegen die Osmanen und rĂŒstete eine Söldnerarmee aus, die erstmals aus einer dem ungarischen Adel auferlegten Steuer finanziert wurde. Er erzielte 1456 vor Belgrad einen durchschlagenden Sieg ĂŒber die TĂŒrken, starb aber bald nach der Schlacht an der Pest.

In einem seiner letzten Schritte brachte Hunyadi Vlad Țepeș (1456–1462) auf den Thron der Walachei. Vlad wurde dafĂŒr bekannt, Feinde auf grausame Art hinzurichten. Er hasste die TĂŒrken und forderte den Sultan heraus, indem er seine Tributzahlungen verweigerte. 1461 versuchte Hamsa Pascha, ihn in eine Falle zu locken, aber der walachische FĂŒrst entdeckte den Verrat, ließ Hamsa und seine MĂ€nner gefangennehmen und pfĂ€hlen. Sultan Mehmed II. marschierte spĂ€ter in die Walachei ein und zwang Vlad ins Exil nach Ungarn. Vlad kehrte noch einmal kurzzeitig auf den Thron zurĂŒck, starb aber wenig spĂ€ter, woraufhin sich der Widerstand der Walachei gegen die Osmanen abschwĂ€chte.

Ștefan cel Mare auf einer rumĂ€nischen Ikone

Die Moldau und ihr FĂŒrst Ștefan cel Mare (Stefan der Große, 1457–1504) waren die letzte Hoffnung des FĂŒrstentums, der Bedrohung durch das Osmanische Reich zu begegnen. Stefan stellte aus der Bauernschaft der Moldau eine 55000 Mann starke Armee auf und schlug das eindringende Herr des ungarischen Königs Matthias Corvinus in einem zurĂŒck. Stefans Heer marschierte 1471 in die Walachei ein und besiegte die zurĂŒckschlagende osmanische Armee 1473 und 1474. Nach diesen Siegen bat Stephan Papst Sixtus IV., eine christliche Allianz gegen die TĂŒrken zusammenzurufen. Der Papst antwortete, indem er Stefan als Athleta Christi wĂŒrdigte, aber er ließ dessen Forderung nach einem vereinigten Vorgehen des Christentums unbeachtet. WĂ€hrend der letzten Jahrzehnte von Stefans Regierungszeit erhöhten die Osmanen den Druck auf die Moldau. Sie nahmen 1484 wichtige SchwarzmeerhĂ€fen ein und setzten 1485 die Hauptstadt der Moldau, Suceava, in Brand. Stefan gelang im darauffolgenden Jahr noch einmal ein Sieg, beschrĂ€nkte seine BemĂŒhungen um die UnabhĂ€ngigkeit der Moldau dann aber auf das diplomatische Terrain. Auf seinem Todesbett soll er seinem Sohn angeraten haben, sich den TĂŒrken zu unterwerfen, wenn sie eine ehrenhafte Oberhoheit anbieten sollten. NachfolgekĂ€mpfe schwĂ€chten die Moldau nach seinem Tod.

1514 kam es infolge von Ausbeutung durch den Adel und einem schlecht geplanten Kreuzzug zu einer ausgedehnten Bauernrevolte in Ungarn und SiebenbĂŒrgen. Gut ausgerĂŒstete Bauern unter György DĂłzsa plĂŒnderten GĂŒter im ganzen Land. Trotz ihrer großen Zahl waren die Bauern jedoch schlecht organisiert und erlitten bei Temesvar eine entscheidende Niederlage. DĂłzsa und die anderen AnfĂŒhrer wurden gefoltert und hingerichtet. Nach dem Aufstand erließ der ungarische Adel Gesetze, die die Leibeigenen fĂŒr immer an ihre Scholle fesselten und ihre Arbeitspflichten erhöhten.

Da nun Leibeigene und Adel einander tief entfremdet waren und verschiedene Magnaten mit dem König um die Macht konkurrierten, wurde Ungarn verwundbar fĂŒr einen Angriff von außen. Die Osmanen stĂŒrmten 1521 Belgrad, schlugen 1526 eine ungarische Armee bei MohĂĄcs und eroberten 1541 Buda. Sie installierten einen Pascha fĂŒr die Regierung Zentralungarns; die Habsburger kontrollierten Teile des nördlichen und westlichen Ungarns. SiebenbĂŒrgen wurde ein autonomes FĂŒrstentum unter osmanischer Oberhoheit.

Nach dem Fall Budas erlebte SiebenbĂŒrgen, wenn auch ein Vasallenstaat der Hohen Pforte, eine Phase weitreichender Autonomie. Als Vasall zahlte SiebenbĂŒrgen einen jĂ€hrlichen Tribut an die Pforte und gab militĂ€rische UnterstĂŒtzung; im Gegenzug versprachen die Osmanen, SiebenbĂŒrgen vor Ă€ußeren Bedrohungen zu beschĂŒtzen. Einheimische FĂŒrsten regierten SiebenbĂŒrgen von 1540 bis 1690. SiebenbĂŒrgens mĂ€chtige, grĂ¶ĂŸtenteils ungarische, regierenden Familien, deren Stellung ironischerweise durch Ungarns Zerfall gestĂ€rkt wurde, wĂ€hlten gewöhnlich den FĂŒrsten, die von der Pforte bestĂ€tigt werden mussten; in einigen FĂ€llen ernannten die Osmanen jedoch von vornherein den FĂŒrsten. Die siebenbĂŒrgische StĂ€ndeversammlung wurde ein Parlament, und der Adel erneuerte die Union der drei Nationen, die immer noch die RumĂ€nen von der politischen Macht ausschloss. Die FĂŒrsten ergriffen Maßnahmen, um die siebenbĂŒrgischen RumĂ€nen von denen in der Walachei und in der Moldau zu trennen, und verboten orthodoxen Priestern, SiebenbĂŒrgen von der Walachei aus zu betreten.

Nach Ungarns Zusammenbruch verbreitete sich die protestantische Reformation rasch in SiebenbĂŒrgen, und die Region wurde eine von Europas protestantischen Hochburgen. SiebenbĂŒrgens Deutsche nahmen das Luthertum an, und viele Ungarn konvertierten zum Kalvinismus. Jedoch gelang es den Protestanten, die Katechismen in rumĂ€nischer Sprache drucken und verteilen ließen, kaum, die RumĂ€nen aus der Orthodoxie anzulocken. 1571 verabschiedene der siebenbĂŒrgische Landtag ein Gesetz, das vier Religionen in SiebenbĂŒrgen Glaubensfreiheit und gleiche Rechte zubilligte: der römisch-katholischen, der lutherischen, der kalvinistischen und der unitarischen. Das Gesetz war eines der ersten seiner Art in Europa, aber die dadurch verkĂŒndete religiöse Gleichstellung war beschrĂ€nkt: Orthodoxe RumĂ€nen waren zwar beispielsweise in ihrer ReligionsausĂŒbung frei, aber politische Gleichstellung genossen sie nicht.

Nach der Eroberung Budas durch die Osmanen wuchs der Druck des Osmanischen Reiches auf die Walachei und die Moldau. In den darauffolgenden 170 Jahren gerieten die zwei rumĂ€nischen FĂŒrstentĂŒmer graduell unter immer mehr AbhĂ€ngigkeit von der Hohen Pforte, wenn auch ihr Status der von Vasallenstaaten blieb: Gegen die Zahlung eines immer höher werdenden Tributs sicherten sich die Walachei und die Moldau eine weitreichende innere SelbstĂ€ndigkeit und bis ins 18. Jahrhundert sogar einen gewissen Spielraum in der Außenpolitik. Die Osmanen wĂ€hlten die walachischen und moldauischen FĂŒrsten unter den Söhnen von adligen Geiseln oder FlĂŒchtlingen. Wenige FĂŒrsten starben eines natĂŒrlichen Todes, aber wĂ€hrend ihrer Regierungszeit lebten sie in großem Luxus. Wie im Falle SiebenbĂŒrgens verpflichteten sich die zwei FĂŒrstentĂŒmer auch zu militĂ€rischer UnterstĂŒtzung gegenĂŒber der Hohen Pforte und bekamen im Gegenzug das Versprechen der Osmanen, vor Ă€ußeren Bedrohungen beschĂŒtzt zu werden.

Mihai Viteazul
Die FĂŒrstentĂŒmer Walachei, SiebenbĂŒrgen und Moldau wurden 1600 unter Mihai Viteazul fĂŒr vier Monate vereinigt

Der letzte ernstzunehmende walachische Widerstand kam von FĂŒrst Mihai Viteazul (Michael der Tapfere, 1593–1601). Nachdem er inthronisiert war, nahm sein Heer mehrere osmanische Festungen ein. Mihais Ziel war letztendlich die völlige SelbstĂ€ndigkeit. Zu diesem Zweck 1598 gelobte er zuerst dem römisch-deutschen Kaiser Rudolf II. die Treue. Ein Jahr spĂ€ter nahm Mihai SiebenbĂŒrgen ein, und sein Sieg reizte die siebenbĂŒrgischen Bauern zur Rebellion. Mihai war jedoch mehr daran interessiert, sich beim siebenbĂŒrgischen Adel beliebt zu machen, und weniger daran, aufsĂ€ssige Leibeigene zu unterstĂŒtzen. Er unterdrĂŒckte den Aufstand und hielt die Union der drei Nationen aufrecht. Trotz der Versprechen des FĂŒrsten misstrauten die Adligen ihm. 1600 schließlich eroberte Mihai die Moldau.

Im Jahr 1600 regierte erstmals ein rumĂ€nischer FĂŒrst ĂŒber alle RumĂ€nen in der Walachei, in der Moldau und in SiebenbĂŒrgen. Mihais Erfolg schreckte Rudolf auf. Der Kaiser stachelte den siebenbĂŒrgischen Adel zur Revolte gegen den FĂŒrsten auf, und gleichzeitig fiel Polen in die Moldau ein. Mihai konsolidierte seine KrĂ€fte in der Walachei, leistete bei Rudolf Abbitte und stimmte einem Feldzug zusammen mit Rudolfs General Giorgio Basta zu, mit dem SiebenbĂŒrgen von aufmĂŒpfigen ungarischen Adligen zurĂŒckgewonnen werden sollte. Nach ihrem Sieg ließ Basta Mihai wegen angeblichen Verrats umbringen. Mihai Viteazul (Michael der Tapfere) wurde in der Legende eindrucksvoller, als er in seinem Leben war, und seine kurzzeitige Vereinigung der rumĂ€nischen Territorien inspirierte spĂ€ter die RumĂ€nen, um ihre kulturelle und politische Einheit zu kĂ€mpfen.

In SiebenbĂŒrgen verfolgte Bastas Armee Protestanten und enteignete illegal ihren Besitz, bis Stephan Bocskay (1605–1607), ein frĂŒherer UnterstĂŒtzer der Habsburger, eine Armee einberief, die die kaiserlichen Truppen aus dem Land trieb. 1606 unterschrieb Bocskay mit den Habsburgern und den Osmanen FriedensvertrĂ€ge, die ihm seine Stellung als FĂŒrst von SiebenbĂŒrgen sicherten, religiöse Freiheit garantierten und die Autonomie SiebenbĂŒrgens erweiterten.

Nach Bocskays Tod und der Regierungszeit des tyrannischen Gabriel BĂĄthory (1607–1613) zwang die Pforte die SiebenbĂŒrgen, GĂĄbor Bethlen (1613–1629) als FĂŒrst zu akzeptieren. SiebenbĂŒrgen erlebte ein goldenes Zeitalter unter Bethlens aufgeklĂ€rtem Despotismus. Er förderte Landwirtschaft, Handel und Industrie, ließ neue Bergbauminen eröffnen, schickte Studenten zu protestantischen UniversitĂ€ten im Ausland und verbot Grundherren, den Kindern ihrer Leibeigenen eine Ausbildung zu versagen.

Nachdem Bethlen gestorben war, machte der siebenbĂŒrgische Landtag die meisten seiner Reformen rĂŒckgĂ€ngig. Bald darauf wurde György RĂĄkĂłczi I. (1630–1640) FĂŒrst. Wie Bethlen schickte RĂĄkĂłczi siebenbĂŒrgische Truppen in den DreißigjĂ€hrigen Krieg, um auf Seiten der Protestanten zu kĂ€mpfen; im WestfĂ€lischen Frieden wurde SiebenbĂŒrgen als souverĂ€ner Staat erwĂ€hnt. Das goldene Zeitalter endete, nachdem György RĂĄkĂłczi II. (1648–1660) einen unglĂŒcklichen Angriff auf Polen begonnen hatte, ohne dies vorher mit der Pforte oder mit dem Landtag abzusprechen. Eine tĂŒrkische und tatarische Armee schlug RĂĄkĂłczis Heer und besetzte SiebenbĂŒrgen. FĂŒr die ĂŒbrige Zeit seiner UnabhĂ€ngigkeit musste SiebenbĂŒrgen eine Reihe schwacher FĂŒhrer erdulden, und das ganze 17. Jahrhundert hindurch blieben seine rumĂ€nischen Bauern in Armut und Unwissenheit.

WĂ€hrend der kurzen Amtszeit Mihais und den frĂŒhen Jahren osmanischer Oberhoheit Ă€nderte sich die Landverteilung innerhalb der Walachei und der Moldau dramatisch. Über die Jahre gewĂ€hrten walachische und moldauische FĂŒrsten örtlichen Bojaren Landbesitz im Gegenzug fĂŒr militĂ€rische Dienste, so dass im 17. Jahrhundert kaum noch Land ĂŒbrig war. Auf der Suche nach Wohlstand begannen Bojaren auf Bauernland ĂŒberzugreifen, und ihre militĂ€rische LoyalitĂ€t dem FĂŒrsten gegenĂŒber ließ nach. In der Konsequenz breitete sich die Leibeigenschaft aus, erfolgreiche Bojaren wurden mehr Höflinge als Krieger, und eine dazwischen liegende Klasse von verarmten niedrigen Adligen entwickelte sich. Möchtegern-FĂŒrsten waren gezwungen, sich mit enormen Bestechungsgeldern den Weg zur Macht zu bahnen, und das Bauernleben wurde durch Steuern und Eintreibungen noch erbĂ€rmlicher. Jeder FĂŒrst, der das Leben der Bauern zu verbessern suchte, riskierte einen finanziellen RĂŒckstand, der Rivalen ermöglichen konnte, ihn bei der Pforte auszustechen und sich seines Postens zu bemĂ€chtigen.

1632 kam mit Matei Basarab (1632–1654) der letzte aus der vorherrschenden walachischen Familie auf den Thron; zwei Jahre spĂ€ter wurde Vasile Lupu (1634–1653), ein Mann albanischer Herkunft, FĂŒrst der Moldau. Die Eifersucht und der Ehrgeiz von Matei und Vasile untergruben die StĂ€rke der beiden FĂŒrstentĂŒmer zu einer Zeit, als die Macht der Pforte zu schwinden begann. Vasile zielte auf den attraktiveren walachischen Thron ab und griff Matei an, aber dessen Armee schlug die Moldauer, und eine Gruppe moldauischer Bojaren verdrĂ€ngte Vasile. Sowohl Matei als auch Vasile waren jedoch aufgeklĂ€rte Herrscher, die Religion und KĂŒnste großzĂŒgig unterstĂŒtzen, Druckerpressen einrichteten und religiöse BĂŒcher und GesetzbĂŒcher veröffentlichten.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts, nach dem Sieg gegen die Osmanen, wurden Ungarn und SiebenbĂŒrgen Teil des Habsburgerreichs.

Die rumĂ€nischen FĂŒrstentĂŒmer in der Zeitspanne 1793–1812

Die Zeit zwischen 1711 und 1821 wird in der rumĂ€nischen Historiographie als die „Phanariotenzeit“ bezeichnet, eine Zeit des Verfalls und nationalen Desasters. Die Walachei und die Moldau verloren bis auf den Ă€ußeren Anschein ihre UnabhĂ€ngigkeit, und die Pforte forderte betrĂ€chtliche Tributzahlungen ein. Zu herrschende FĂŒrsten in den FĂŒrstentĂŒmern wurden Mitglieder von bedeutenden griechischen Familien aus dem Stadtviertel Phanar in Konstantinopel ernannt – daher die Bezeichnung „Phanarioti“. Obwohl den alten StaatsvertrĂ€gen („Kapitulationen“) zwischen der Hohen Pforte und den rumĂ€nischen FĂŒrstentĂŒmern zufolge den osmanischen Untertanen verboten war, sich in den FĂŒrstentĂŒmer niederzulassen, zu heiraten, dort Land zu erwerben oder Moscheen zu bauen, erlaubten nun die FĂŒrsten griechischen und tĂŒrkischen HĂ€ndlern und Wucherern, die ReichtĂŒmer der FĂŒrstentĂŒmer auszubeuten. Indem sie ihre Privilegien eifersĂŒchtig verteidigten, hemmten die Griechen die sich entwickelnde rumĂ€nische Mittelklasse. Zu dieser Zeit verzeichneten die rumĂ€nischen FĂŒrstentĂŒmer schwere Territorialverluste. Infolge des Vertrages von Passarowitz verlor die Walachei 1718 mit der Kleinen Walachei ihren westlichen Teil an das Habsburgerreich, erhielt aber 1739 im Vertrag von Belgrad dieses „Oltenien“ wieder zurĂŒck. 1775 besetzte Österreich den nordwestlichen Teil der Moldau, die Bukowina, das „Buchenland“. 1812 besetzte Russland Bessarabien, die östliche HĂ€lfte des FĂŒrstentums, und bekam den Landesteil zwischen Pruth und Dnister im Frieden von Bukarest zugesprochen.

Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts gewann Russland zu Lasten des Osmanischen Reiches zunehmend Einfluss in den DonaufĂŒrstentĂŒmern. WĂ€hrend des Russisch-TĂŒrkischen Krieges (1828–1829) besetzten russische Truppen die Walachei und die Moldau fĂŒr einige Jahre; der Zar ließ sich sein Mitspracherecht im Frieden von Adrianopel (1829) und im Organischen Reglement – dem ersten verfassungsĂ€hnlichen Gesetzeswerk in den VorlĂ€uferstaaten RumĂ€niens – bestĂ€tigen.

RumÀnische Revolution von 1848

→ Hauptartikel: RumĂ€nische Revolution von 1848

Die rumĂ€nischen FĂŒrstentĂŒmer ab 1856 (mit Cahul, Bolgrad und Ismail als Teil Moldaus. Nach der Vereinigung von 1859, als Teil RumĂ€niens bis 1878)

WĂ€hrend der Periode österreichischer Herrschaft in SiebenbĂŒrgen und osmanischer Oberhoheit ĂŒber den Großteil des ĂŒbrigen rumĂ€nischen Gebiets mussten sich die meisten ethnischen RumĂ€nen mit einer Rolle als BĂŒrger zweiter Klasse begnĂŒgen. In den meisten siebenbĂŒrgischen StĂ€dten war den RumĂ€nen jedoch nicht einmal das Wohnen innerhalb der Stadtmauern erlaubt.

In der Romantik entwickelte sich wie unter vielen anderen Völkern in Europa auch unter den RumĂ€nen ein nationales Bewusstsein. Da sie sich im Kontrast zu den nahegelegenen Slawen, Deutschen und Ungarn sahen, schauten die nationalistischen RumĂ€nen in anderen romanischen LĂ€ndern, besonders Frankreich, nach Vorbildern fĂŒr die NationalitĂ€t .

1848 kam es wie in vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern auch in der Moldau, in der Walachei und in SiebenbĂŒrgen zu AufstĂ€nden. Die Ziele der AufstĂ€ndischen waren die völlige SelbstĂ€ndigkeit fĂŒr die Moldau und die Walachei und nationale Emanzipation fĂŒr SiebenbĂŒrgen, und obwohl sie unerfĂŒllt blieben waren aber die Basis fĂŒr folgende Entwicklungen, da sie der Bevölkerung der drei FĂŒrstentĂŒmer halfen die Einheit ihrer Sprache und Interessen zu erkennen.

Stark besteuert und schlecht verwaltet wĂ€hlte das Volk sowohl in der Moldau als auch in der Walachei dieselbe Person – Alexandru Ioan Cuza – zum FĂŒrsten. So entstand RumĂ€nien, wenn auch ein RumĂ€nien ohne SiebenbĂŒrgen, wo der rumĂ€nische Nationalismus unausweichlich mit dem ungarischen Nationalismus zusammenprallte. FĂŒr einige Zeit noch sollte Österreich-Ungarn, besonders unter der Doppelmonarchie von 1867, den Ungarn die feste Kontrolle selbst in jenen Teilen SiebenbĂŒrgens geben, wo die RumĂ€nen eine örtliche Mehrheit ausmachten.

Königreich RumÀnien

→ Hauptartikel: Königreich RumĂ€nien

RumĂ€nien 1878–1913

Die Wahl von Alexandru Ioan Cuza zum FĂŒrsten sowohl der Moldau als auch in der Walachei unter der nominalen Oberhoheit des Osmanischen Reiches vereinigte 1859 eine identifizierbare rumĂ€nische Nation unter einem gemeinsamen Herrscher. Am 8. Dezember 1861 proklamierte Alexandru Ioan Cuza die Bildung des FĂŒrstentum RumĂ€nien aus den DonaufĂŒrstentĂŒmern Moldau und Walachei. 1862 wurden die beiden FĂŒrstentĂŒmer auch formal vereinigt und bildeten RumĂ€nien mit Bukarest als Hauptstadt.

Am 23. Februar 1866 zwang die sogenannte „monströse Koalition“ aus konservativen und radikalen Liberalen Cuza abzudanken. Der deutsche Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen wurde zum FĂŒrsten von RumĂ€nien ernannt, mit dem Hintergedanken, dadurch die preußische UnterstĂŒtzung fĂŒr die Einheit und die kĂŒnftige UnabhĂ€ngigkeit sicherzustellen. Seine Nachkommen sollten als Könige von RumĂ€nien bis zum Sturz durch die Kommunisten 1947 herrschen.

Nach dem russisch-tĂŒrkischen Krieg von 1877/78, in dem RumĂ€nien an der Seite Russlands gegen die tĂŒrkische Herrschaft kĂ€mpfte, wurde RumĂ€nien durch den Vertrag von Berlin 1878 (siehe Berliner Kongress) als unabhĂ€ngig anerkannt. Als Territorium wurde ihm die Dobrudscha hinzugefĂŒgt, gleichzeitig musste es aber die drei Kreise Cahul, Bolgrad und Ismail im sĂŒdlichen Bessarabien im Bereich der DonaumĂŒndung (etwa ein Viertel der GesamtflĂ€che) an Russland abtreten. Das FĂŒrstentum proklamierte sich am 26. MĂ€rz 1881 zum Königreich RumĂ€nien, Karl wurde als Carol I. der erste König von RumĂ€nien. Der neue Staat, eingezwĂ€ngt zwischen dem Osmanischen, dem Österreich-Ungarischen und dem Russischen Reich mit slawischen Nachbarn an drei Seiten, schaute nach kulturellen und administrativen Vorbildern in Richtung Westen, insbesondere nach Frankreich. Heute wird dieser Staat auch Altreich genannt.

Deutschland und Österreich-Ungarn, die sich 1882 mit Italien zum Dreibund zusammengeschlossen hatten, versuchten RumĂ€nien an sich zu binden, um im Falle eines Konflikts zu verhindern, dass sich RumĂ€nien auf die russische Seite stellen wĂŒrde; 1883 trat RumĂ€nien dem Dreibund bei. Im Ersten Balkankrieg 1912/13 blieb RumĂ€nien noch neutral, im Zweiten Balkankrieg beteiligte sich das Land an der Koalition gegen Bulgarien, das aus dem Krieg als Verlierer hervorging und die SĂŒddobrudscha an RumĂ€nien abtreten musste. Auch im Ersten Weltkrieg blieb man vorerst neutral; da Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklĂ€rt hatte, gab es keine BĂŒndnisverpflichtung.

RumÀnisch besiedelte Gebiete vor den territorialen Erweiterung RumÀniens 1918/1920

Im Laufe des Krieges Ă€nderten sich jedoch die Konstellationen. Italien erklĂ€rte den MittelmĂ€chten den Krieg, und Bulgarien trat auf Seiten der MittelmĂ€chte in den Krieg ein. MinisterprĂ€sident Ion I. C. Brătianu versuchte vergeblich sich die NeutralitĂ€t mit Kompensationen bezĂŒglich rumĂ€nischsprachiger Gebiete in SiebenbĂŒrgen und der Bukowina abgelten zu lassen.[7] Am 17. August 1916 unterzeichnete RumĂ€nien einen BĂŒndnisvertrag mit der Entente. Darin wurde RumĂ€nien fast die ganze Bukowina (sĂŒdlich des Pruth), SiebenbĂŒrgen und das TemesvĂĄrer Banat zugesichert.[8] Am 27. August 1916 trat RumĂ€nien auf der Seite der Entente in den Krieg ein, Kriegziel RumĂ€niens waren die mehrheitlich von RumĂ€nen bewohnte Gebiete Österreich-Ungarns. Die rumĂ€nische Armee agierte aber militĂ€risch Ă€ußerst unglĂŒcklich, und innerhalb weniger Monate war die gesamte Walachei von deutschen, österreichisch-ungarischen und bulgarischen Truppen besetzt. Erst mit russischer Hilfe konnte im Sommer 1917 die rumĂ€nische Armee den feindlichen Vormarsch stoppen. Am 5. MĂ€rz 1918 kam der Vorfrieden von Buftea zustande.[9] Am 7. Mai 1918 schloss RumĂ€nien mit den MittelmĂ€chten den Frieden von Bukarest. Die RumĂ€nen SiebenbĂŒrgens sprachen sich am 1. Dezember 1918 in den „Karlsburger BeschlĂŒssen“ (Alba Iulia) fĂŒr die Vereinigung mit RumĂ€nien aus.[10] Die Deutschen SiebenbĂŒrgens unterstĂŒtzten diesen Beschluss am 15. Dezember 1918 in Mediasch, wĂ€hrend die Ungarn sich am 22. Dezember 1918 in Klausenburg dagegen aussprachen. Der neue rumĂ€nische Staat verwirklichte jedoch nur einen Teil der den Minderheiten in den Karlsburger-BeschlĂŒssen gemachten Versprechungen.

Zuvor trat RumĂ€nien im November wieder in den Krieg ein, der nach dem Ende der Kampfhandlungen mit den MittelmĂ€chten im selben Monat zum Ungarisch-RumĂ€nischen Krieg um mehrheitlich rumĂ€nisch besiedelte Gebiete wurde und im August 1919 mit der Besetzung Budapests und dem Ende der RĂ€terepublik Ungarn unter BĂ©la Kun endete. Mit dieser militĂ€rischen Position profitierte RumĂ€nien auf der Pariser Friedenskonferenz von einer gĂŒnstigen militĂ€risch-politischen Konjunktur: Weil das österreichisch-ungarische und das russische Reich verschwunden waren, konnte RumĂ€nien in den Friedensverhandlungen umfassende territoriale Forderungen erheben, nĂ€mlich jene Gebiete fordern, wo es eine absolute rumĂ€nische Bevölkerungsmehrheit gab. Jedoch wurden RumĂ€nien auch Gebiete zuerkannt, die mehrheitlich von Ungarn bewohnt waren wie das Szeklerland und zahlreiche Grenzorte im Norden und Nordwesten. Regierungsgremien, die in SiebenbĂŒrgen, Bessarabien und in der Bukowina gebildet wurden, entschieden sich fĂŒr die Vereinigung mit RumĂ€nien, was im Vertrag von Trianon 1920 bestĂ€tigt wurde.

Zwischenkriegszeit

RumĂ€nien 1918–1940

In dem neuen „GroßrumĂ€nien“ waren drei Viertel der Bevölkerung ethnische RumĂ€nen. In SiebenbĂŒrgen, im Banat, in der Bukowina, in Bessarabien und in der Dobrudscha lebten zahlreiche Minderheiten. Die wichtigsten Minderheiten waren die Ungarn (7,9%), Deutschen (4,1%), Juden (4%) und Ukrainer/Russinen (3,2%); daneben gab es Russen (2,3%), Bulgaren (2%), Roma/Zigeuner (1,5%), TĂŒrken (0,9%), Gagausen (0,6%) usw. Doch auch die Zahl der RumĂ€nen, die in den Nachbarstaaten entlang der Grenzen GroßrumĂ€niens lebten, war nicht gering: 250.000 in der Sowjetunion (darunter 172.419 in der Autonomen Moldau-Republik), 230.000 in Jugoslawien im serbischen Banat und in Zentralserbien), 60.000 in Bulgarien (darunter 42.414 in der Umgebung von Widin) und 24.000 in Ungarn.

Die meisten der Regierungen in den Zwischenkriegsjahren bewahrten zwar die Form, nicht aber die Substanz einer liberalen konstitutionellen Monarchie. Die Verfassung von 1923 gab dem König die Macht, das Parlament aufzulösen und nach GutdĂŒnken Wahlen anzusetzen; als Konsequenz gab es zwischen 1930 und 1940 ĂŒber 25 verschiedene Regierungen. Die nationale liberale Partei, die in den Jahren unmittelbar nur dem Ersten Weltkrieg dominierte, wurde immer nationalistischer und wurde 1927 durch die nationale Bauernpartei an der Macht abgelöst.

WĂ€hrend dieser Zeit war die Beziehung zwischen den nationalistischen Parteien und König Carol II. von gegenseitigem Misstrauen geprĂ€gt. Nach dem Tod seines Vaters Ferdinand 1927 wurde Carol wegen seiner bekannten jĂŒdischen MĂ€tresse Magda Lupescu an der Thronbesteigung gehindert. Nach drei Jahren im Exil, wĂ€hrend deren sein Bruder Nicolae als Regent und sein junger Sohn Mihai als König diente, gab Carol öffentlich seine MĂ€tresse auf und bestieg selber den Thron; es wurde aber rasch klar, dass sein Verzicht eine TĂ€uschung war.

In den 1930er Jahren stieg eine Zahl von ultranationalistischen Parteien auf, insbesondere die quasi-mystische faschistische Bewegung der Eisernen Garde (auch: „Legion des Erzengels Michael“), die den Nationalismus, die Furcht vor dem Kommunismus und Ressentiments gegen die angebliche auslĂ€ndische und jĂŒdische Dominanz in der Wirtschaft ausnutzte. Am 10. Dezember 1933 ließ der liberale Premierminister Ion Duca die Eiserne Garde auflösen und Tausende verhaften; 19 Tage spĂ€ter wurde er von LegionĂ€ren der Eisernen Garde auf einem Bahnsteig des Bahnhofs von Sinaia ermordet.

Am 10. Februar 1938 entließ König Carol II. die Regierung und setzte eine Königsdiktatur ein, um damit die Bildung einer Regierung zu verhindern, der Minister aus der Eisernen Garde angehört hĂ€tten. Dies geschah in direkter Konfrontation zu Adolf Hitlers ausdrĂŒcklicher UnterstĂŒtzung der Eisernen Garde.

Über die nĂ€chsten zwei Jahre entwickelte sich der bereits heftige Konflikt zwischen der Eisernen Garde und anderen politischen Gruppierungen unter mehreren kurzlebigen Regierungen nahezu zu einem BĂŒrgerkrieg. Im April 1938 ließ Carol den FĂŒhrer der Eisernen Garde Corneliu Zelea Codreanu verhaften. In der Nacht vom 29. auf den 30. November 1938, vermutlich als Revanche fĂŒr eine Reihe von Attentaten durch Kommandos der Eisernen Garde, wurden Codreanu und mehrere andere LegionĂ€re getötet, angeblich bei einem Fluchtversuch. Man nimmt allgemein an, dass solch ein Fluchtversuch nicht stattgefunden hat.

Die Diktatur durch den König war kurzlebig. Am 7. MĂ€rz 1939 wurde mit Armand Călinescu als Premierminister eine neue Regierung gebildet; am 21. September 1939, drei Wochen nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Călinescu als Rache fĂŒr Codreanu wiederum von LegionĂ€ren ermordet.

Zweiter Weltkrieg

Letzte Seite des Geheimen Zusatzprotokolls im Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges versuchte RumĂ€nien zunĂ€chst neutral zu bleiben. Am 13. April 1939 hatten sich Frankreich und Großbritannien zur Sicherung der UnabhĂ€ngigkeit RumĂ€niens verpflichtet, aber die Verhandlungen ĂŒber eine Ă€hnliche Garantie durch die Sowjetunion wurden abgebrochen, nachdem RumĂ€nien eine PrĂ€senz der Roten Armee auf seinem Territorium abgelehnt hatte. Am 23. August unterzeichneten Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow und Joachim von Ribbentrop den Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt. Acht Tage spĂ€ter marschierte Deutschland in Polen ein, und RumĂ€nien gewĂ€hrte Mitgliedern der Regierung Polens Zuflucht.

RumĂ€nien 1940–1941

Am 26. Juni 1940 setzte die Sowjetunion ein Ultimatum, mit dem RumĂ€nien aufgefordert wurde seine Truppen und Administration aus Bessarabien, der nördlichen Bukowina und dem Herza-Gebiet abzuziehen, andernfalls wĂŒrde die UdSSR mit der militĂ€rischen Invasion beginnen. Dieser Zug wurde durch das geheime Zusatzprotokoll des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts ermöglicht. Sowohl Deutschland als auch Italien waren bereits am 24. Juni ĂŒber das Ultimatum informiert worden, hatten aber weder RumĂ€nien hierĂŒber informiert noch waren sie zur Hilfestellung bereit. Auf Grund Frankreichs Kapitulation und Großbritanniens RĂŒckzug vom Festland im Westfeldzug waren auch die westlichen Alliierten RumĂ€niens nicht in der Lage einzugreifen. RumĂ€nien stimmte den Bedingungen zur Vermeidung einer bewaffneten Auseinandersetzung zu. Die sowjetische Annexion begann am 28. Juni, und wurde durch das Ausrufen der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik am 2. August abgeschlossen.[11]

Kurz darauf wurde RumĂ€nien von Deutschland und Italien durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch dazu gezwungen eine HĂ€lfte SiebenbĂŒrgens (NordsiebenbĂŒrgen) an Ungarn zurĂŒckzugeben, wobei SĂŒdsiebenbĂŒrgen rumĂ€nisch blieb. Am 7. September musste unter dem Vertrag von Craiova der sĂŒdliche Teil der Dobrudscha (im rumĂ€nischen Cadrilater genannt) an Bulgarien zurĂŒckgegeben werden. Diese territorialen Verluste erschĂŒtterten die Fundamente Carols Macht.

Die von Ion Gigurtu am 4. Juli 1940 gebildete Regierung war die erste, der ein Minister der Eisernen Garde angehörte, namentlich der Antisemit Horia Sima, der nach Codreanus Tod der nominelle FĂŒhrer der Bewegung geworden war. Er war einer der wenigen prominenten LegionĂ€re, die das Blutbad der vergangenen Jahre ĂŒberlebt hatten.

Ära Antonescu

Territorien unter rumÀnischen Verwaltung im Jahr 1942
Bombardierung der Ölraffinerien in Ploiești durch amerikanische B-24 Bomber

Im unmittelbaren Gefolge des Verlusts von NordsiebenbĂŒrgen bildeten die Eiserne Garde (gefĂŒhrt von Sima) und General (spĂ€ter Marschall) Ion Antonescu am 4. September 1940 die Regierung eines „nationallegionĂ€ren Staats“, welche die Abdankung Carols II. zugunsten seines 19-jĂ€hrigen Sohns Mihai erzwang. Carol und Lupescu gingen ins Exil, und RumĂ€nien nĂ€herte sich trotz der zuvor erzwungenen territorialen Abtretungen stark den AchsenmĂ€chten.

An der Macht verschĂ€rfte die Eiserne Garde die bereits harten antisemitischen Gesetze und nahm Rache an ihren Feinden. Mehr als 60 vormalige WĂŒrdentrĂ€ger und FunktionĂ€re wurden am 27. November im GefĂ€ngnis von Jilava hingerichtet, wĂ€hrend sie noch auf ihren Prozess warteten. Der Historiker und frĂŒhere Premierminister Nicolae Iorga und der Ökonom Virgil Madgearu, ebenfalls Minister in einer frĂŒheren Regierung, wurden gar ohne Verhaftung ermordet. Das VerhĂ€ltnis zwischen der Eisernen Garde und Antonescu galt als angespannt. Am 20. Januar 1941 versuchte die Eiserne Garde einen Staatsstreich, verbunden mit einem Pogrom gegen die Bukarester Juden, jedoch wurde der Staatsstreich innerhalb von vier Tagen von Antonescu niedergeschlagen und die Eiserne Garde aus der Regierung ausgeschlossen. Sima und viele andere LegionĂ€re nahmen in Deutschland Zuflucht, andere wurden inhaftiert.

Ende November trat RumĂ€nien dem DreimĂ€chtepakt bei und stelle sein Territorium als Aufmarschgebiet fĂŒr den geplanten deutschen Ostfeldzug zur VerfĂŒgung.[12] Die Wehrmacht ĂŒberschritt am 8. Oktober 1940 die rumĂ€nischen Grenzen und erreichte bald eine TruppenstĂ€rke von 500.000 Soldaten. Am 23. November trat RumĂ€nien an der Seite der AchsenmĂ€chte in den Krieg ein.

Am 22.Juni 1941 begann mit dem Unternehmen Barbarossa der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Im sĂŒdlichen Bereich in der Bukowina und in Bessarabien begann der Angriff erst am 2. Juli 1941. Hierbei waren die 11. deutsche Armee (100.000 Mann) und die 3. sowie 4. rumĂ€nische Armee (200.000 Mann in 14 Divisionen) beteiligt. Am 27. Juli erreichten die Truppen den Fluss Dnister und stießen auf das Gebiet des spĂ€teren Transnistria vor, dessen RĂŒckeroberung bis hin zum Fluss Bug im August 1941 abgeschlossen war. Die Schlacht um Odessa dauerte noch bis Oktober 1941 an. Zwischen RumĂ€nien und dem Deutschen Reich kam es auf militĂ€rischer Ebene Ende August 1941 zur Vereinbarung von Tighina, nach der Transnistria RumĂ€nien angeschlossen wurde.[13]

Hitler ĂŒberzeugte Antonescu weiter als bis zur Grenze von 1940 vorzurĂŒcken. General Petre Dumitrescu fĂŒhrte die 3. Armee in die Schlacht am Asowschen Meer. Bis zum 10. Oktober entfernten sich die VerbĂ€nde ĂŒber 1700 Kilometer von RumĂ€nien, schlugen vier grĂ¶ĂŸere Schlachten und bestritten 42 kleinere Gefechte. FĂŒr die Schlacht von Stalingrad befahl das Oberkommando des Heeres (OKH) große Teile von Dumitrescus Truppen in die belagerte Stadt, die dort in Folge entweder fielen oder in russische Gefangenschaft gerieten. Die Verteidigung des 138 km lange Frontabschnitt durch die verbleibenden VerbĂ€nde wurde hierdurch geschwĂ€cht, so dass eine Offensive der Roten Armee im SĂŒdwesten die rumĂ€nische Front durchbrechen und die rumĂ€nischen VerbĂ€nde im Dezember 1943 zum RĂŒckzug zwingen konnte. Auf dem Weg nach Bukarest gerieten die Truppen in einen Hinterhalt der Roten Armee. Die Sowjets machten mehr als 130.000 rumĂ€nische Kriegsgefangene, und nur Reste der VerbĂ€nde konnten Bukarest erreichten .[14]

RumĂ€nien trug unter der Regierung Antonescu mit Lieferungen von Öl, Getreide und Industrieprodukten bedeutend zur Versorgung Deutschlands und der Armeen der AchsenmĂ€chte bei, zumeist jedoch ohne finanzielle Kompensation, was eine hohe Inflation zur Folge hatte. Die Erdölfelder von Ploiești waren eine der wichtigsten Rohstoffquellen fĂŒr die Wehrmacht. Am 1. August 1943 bombardierten US-amerikanische Flugzeuge die Förderanlagen und Raffinerien in der Operation Tidal Wave.[15]

Trotz der BĂŒndnisse Ungarns und RumĂ€niens mit Deutschland stand das Antonescu-Regime in der SiebenbĂŒrgen-Frage auf diplomatischer Ebene Ungarn weiterhin feindlich gegenĂŒber. Vor der sowjetischen Gegenoffensive von Stalingrad sah die rumĂ€nische Regierung eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Ungarn in dieser Frage fĂŒr die Zeit nach dem erwarteten Sieg ĂŒber die Sowjetunion als unausweichlich an.

RumÀnien und der Holocaust

Festnahme von Juden in RumÀnien am 22. Dezember 1941, Aufnahme aus dem Bundesarchiv

Antonescu erklĂ€rte kurz nach seinem Amtsantritt 1940 die Juden RumĂ€niens fĂŒr staatenlos, soweit sie nicht bereits vor Abschluss der FriedensvertrĂ€ge BĂŒrger geworden waren. Das betraf so gut wie alle Juden, etwa 590.000. Mit dem Kriegseintritt RumĂ€niens begannen im Februar 1941 die Massaker der Eisernen Garde an den Juden. Innerhalb kĂŒrzester Zeit waren beispielsweise in Odessa ĂŒber 60.000 Juden umgebracht. Selbst nach dem Sturz der Eisernen Garde fĂŒhrte das Antonescu-Regime, verbĂŒndet mit dem Deutschen Reich, eine Politik von UnterdrĂŒckung und Massakern an Juden und Roma fort, wenn auch hauptsĂ€chlich in den östlichen Gebieten. Pogrome und Deportationen waren in Moldau, der Bukowina und Bessarabien an der Tagesordnung. Die Zahl der Opfer ist umstritten, aber die niedrigsten seriösen SchĂ€tzungen bewegen sich zwischen 100.000 und 250.000 Juden und 25.000 Roma in diesen Ostregionen, wĂ€hrend von SiebenbĂŒrgens 150.000 Juden 120.000 unter dem Zugriff der Ungarn starben. Ohne deutschen Druck waren zum Zeitpunkt der Kapitulation RumĂ€niens im August 1944 mehr als die HĂ€lfte der Juden des Landes liquidiert, und nur die neue politische Lage verhinderte die völlige Ausrottung.[16]

Königlicher Staatsstreich

→ Hauptartikel: Königlicher Staatsstreich in RumĂ€nien 1944

Die sowjetischen Gegenoffensive bei Stalingrad brachte im Februar 1943 die Wende an der Ostfront des Zweiten Weltkrieges. Um 1944 lag die rumĂ€nische Wirtschaft durch Kriegsausgaben und alliierte Bombardements am Boden, und es entwickelte sich selbst unter den KriegsbefĂŒrwortern Widerstand gegen Abschöpfung durch Deutschland.

Als die Front 1944 rumĂ€nisches Gebiet erreichte, fĂŒhrte König Mihai, ursprĂŒnglich hauptsĂ€chlich eine ReprĂ€sentationsfigur, am 23. August 1944 mit UnterstĂŒtzung oppositioneller Politiker aus dem Mitte-Links-Spektrum[17] und der Armee erfolgreich einen Staatsstreich durch, womit er die Diktatur Antonescus beendete, die Verfassung von 1923 teilweise wieder in Kraft setzte[17], und einen Seitenwechsel RumĂ€niens auf die Seite der Alliierten herbeifĂŒhrte. Die neue bĂŒrgerliche Regierung RumĂ€niens wurde von Premierminister Nicolae Rădescu gefĂŒhrt. Im Kampf gegen Deutschland erlitt RumĂ€nien weitere heftige Verluste in SiebenbĂŒrgen, Ungarn und der Tschechoslowakei.

Obwohl rumĂ€nische VerbĂ€nde nun unter sowjetischem Kommando kĂ€mpften, betrachteten die Sowjets RumĂ€nien als besetztes Territorium und stationierten Truppen im ganzen Land. Die Alliierten WestmĂ€chte erkannten diesen Status in der Konferenz von Jalta an. Die Pariser Friedenskonferenz 1946 verweigerte RumĂ€nien den Rang eines Mitalliierten. Das Territorium RumĂ€niens verkleinerte sich verglichen mit seiner Ausdehnung vor dem Zweiten Weltkrieg deutlich. Zwar wurde der Wiener Schiedsspruch revidiert und NordsiebenbĂŒrgen wieder unter rumĂ€nische Verwaltung gestellt, jedoch mussten Bessarabien und die Nordbukowina an die Sowjetunion und die SĂŒddobrudscha an Bulgarien abgetreten werden.

Sowjetische Reparationsforderungen fĂŒr KriegsschĂ€den vor dem Seitenwechsel erfĂŒllte RumĂ€nien im Januar 1945 durch eine von den russischen Besatzern forcierte Verschleppung der arbeitsfĂ€higen RumĂ€niendeutschen in sowjetische Arbeitslager.[18]

Volksrepublik und Sozialistische Republik

Aufstieg der Kommunisten

1945 wurde Petru Groza von der den Kommunisten nahe stehenden Frontul Plugarilor zum Premierminister ernannt. Obwohl seine Regierung aus Vertretern der meisten grĂ¶ĂŸeren Vorkriegsparteien bestand, waren die SchlĂŒsselministerien von den Kommunisten besetzt.

König Mihai, unzufrieden mit dem von der Regierung eingeschlagenen Kurs, verweigerte die Unterzeichnung neuer Gesetze, womit er den RĂŒcktritt Grozas erzwingen wollte. Groza entschied sich die Gesetze auch ohne Mihais Zustimmung in Kraft treten zu lassen. Am 8. November 1945 wurde eine antikommunistische Demonstration vor dem Königspalast in Bukarest mit Gewalt aufgelöst, wobei es zahlreiche Verhaftungen, Verletzte und eine unbestimmte Zahl an Toten gab.

Hinrichtung von Marschall Ion Antonescu, 1946

Die erste Regierung unter Groza beschloss im MĂ€rz 1945 eine Landreform mit weitreichenden Enteignungen von Feldbesitz, HĂ€usern, das Großvieh und landwirtschaftlichen Maschinen und GerĂ€te.[19] Auch wurde Frauen das Wahlrecht gewĂ€hrt. Gleichzeitig brachte sie aber auch den Beginn der Sowjetischen und kommunistischen Vorherrschaft in RumĂ€nien.

Am 1. Juni 1946 wurde der Generalstabschef des Heeres und diktatorisch regierende MinisterprÀsident RumÀniens Ion Antonescu im GefÀngnis Jilava nahe Bukarest hingerichtet. Bei den Wahlen nach Einheitsliste vom 9. November 1946[17] verbuchten die Kommunisten 80% der Stimmen, jedoch kam es hierbei zu weit verbreiteten und teilweise gewaltsamen Wahlmanipulationen.[20]

Im FrĂŒhjahr 1947 zerschlug die Groza-Regierung die Reste der Opposition mit Massenverhaftungen und dem Verbot der beiden großen traditionellen politischen Gruppen, der Partidul Național Țărănesc Creștin Democrat (Nationale Bauernpartei) und der Partidul Național Liberal (National-Liberale Partei). BauernfĂŒhrer Iuliu Maniu, damals 74 Jahre alt, wurde am 11. November 1947 zu "lebenslĂ€nglich" verurteilt und verstarb acht Jahre spĂ€ter in Haft. Das gleiche Schicksal erlitt der FĂŒhrer der Liberalen Ion C. Brătianu. 1946 und 1947 wurden zehntausende Angehörige des ehemals auf der Seite der AchsenmĂ€chte stehenden Regimes als Kriegsverbrecher hingerichtet, so Antonescu am 1. Juni 1946. König Mihai dankte unter Druck am 30. Dezember 1947 ab und ging ins Exil. Die „RumĂ€nische Volksrepublik“ wurde ausgerufen und am 13. April 1948 mit einer Verfassung formalisiert.[20]

Parteiinterne MachtkÀmpfe

Die frĂŒhen Jahre der kommunistischen Herrschaft in RumĂ€nien waren durch wiederholte Kurswechsel und Massenverhaftungen geprĂ€gt, und verschiedene Gruppierungen kĂ€mpften um die Vorherrschaft. 1948 wurde die frĂŒhere Agrarreform rĂŒckgĂ€ngig gemacht und durch eine Hinwendung zur Kollektivierung ersetzt. Dies fĂŒhrte zu zehntausenden von Festnahmen, ebenso wie die BemĂŒhungen, die Unierte Kirche zu eliminieren. Am 11. Juni 1948 wurden alle Banken und großen Unternehmen verstaatlicht. RumĂ€nien entwickelte ein System der Zwangsarbeit und politischen GefĂ€ngnisse Ă€hnlich wie in der Sowjetunion. Beim erfolglosen Versuch, einen Donau-Schwarzmeer-Kanal zu bauen, starben geschĂ€tzte 100.000 politische HĂ€ftlinge.

Es gab drei wichtige Gruppierungen, alle stalinistisch, die sich mehr durch ihre jeweilige persönliche Geschichte als durch tiefere politische oder philosophische Differenzen unterschieden: Die Emigranten unter Ana Pauker und Vasile Luca hatten den Krieg im Moskauer Exil verbracht. Die Einheimischen, von denen Gheorghe Gheorghiu-Dej der wichtigste war, waren wĂ€hrend des Kriegs in rumĂ€nischen GefĂ€ngnissen gewesen. Eine etwas weniger stalinistische Gruppierung, zu der Lucrețiu Pătrășcanu zĂ€hlt, hatte sich durch die Antonescu-Jahre gerettet, indem sie sich in RumĂ€nien versteckte. Sie hatte in den breiten Regierungen unmittelbar nach Mihais Staatsstreich teilgenommen.

Mit Stalins RĂŒckendeckung, und wahrscheinlich unter dem Einfluss der antisemitischen Politik des spĂ€ten Stalinismus (Pauker war JĂŒdin), gewannen Gehorghiu-Dej und die Einheimischen den Machtkampf. Pauker wurde bei den SĂ€uberungen zusammen mit 192.000 anderen Parteimitgliedern aus der Partei ausgeschlossen. Pătrășcanu wurde nach einem Schauprozess hingerichtet.

Ära Gheorghiu-Dej

Gheorghiu-Dej, ein ĂŒberzeugter Stalinist, war nicht von den Reformen in Nikita Chruschtschows Sowjetunion nach Stalins Tod 1953 angetan. Er fĂŒrchtete auch den Plan des RGW, aus RumĂ€nien den „Brotkorb“ des Ostblocks zu machen, da er ein Programm zur Entwicklung der Schwerindustrie verfolgte. Er schloss RumĂ€niens grĂ¶ĂŸte Arbeitslager, gab das Projekt Donau-Schwarzmeer-Kanal auf, stoppte Rationierungen und erhöhte die Arbeiterlöhne.

Dies, verbunden mit dem anhaltenden Ressentiment, dass mit der GrĂŒndung der Moldawischen Sowjetrepublik historisch rumĂ€nisches Land Teil der Sowjetunion geworden war, fĂŒhrte RumĂ€nien unter Gheorghiu-Dej unausweichlich auf einen verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig unabhĂ€ngigen und nationalistischen Kurs hin.

Gheorghiu-Dej identifizierte sich mit dem Stalinismus und das liberalere Sowjetregime drohte seine AutoritĂ€t zu unterwandern. Um seine Position zu festigen, versprach Gheorghiu-Dej Kooperation mit jedem Staat – unabhĂ€ngig von seinem politisch-wirtschaftlichen System –, solange er die internationale Gleichheit anerkannte und sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischte. Diese Politik fĂŒhrte zu einer Festigung von RumĂ€niens Beziehungen zu China, das ebenso nationale Selbstbestimmung befĂŒrwortete.

1954 trat Gheorghiu-Dej als GeneralsekretĂ€r der Partei zurĂŒck, blieb aber Vorsitzender. Ein kollektives Sekretariat aus vier Mitgliedern, darunter Nicolae Ceaușescu, kontrollierte die Partei fĂŒr ein Jahr, nach dem Gheorghiu-Dej wieder die ZĂŒgel in die Hand nahm. Trotz seiner neuen Politik der internationalen Kooperation trat RumĂ€nien 1955 dem Warschauer Pakt bei, was zur Unterordnung und Integration eines Teils seines MilitĂ€rs in die sowjetische MilitĂ€rmaschine fĂŒhrte. RumĂ€nien lehnte spĂ€ter Manöver des Warschauer Pakts auf seinem Gebiet ab und schrĂ€nkte seine Beteiligung an MilitĂ€rmanövern in anderen LĂ€ndern des BĂŒndnisses ein.

1956 brandmarkte der sowjetische Premier Chruschtschow Stalin in einer geheimen Rede vor dem 20. Parteitag der KPdSU. Gheorghiu-Dej und die FĂŒhrung der PMR waren gestĂ€rkt, die Entstalinisierung zu ĂŒberstehen. Gheorghiu-Dej machte Pauker, Luca und Georgescu zu den SĂŒndenböcken der Exzesse der rumĂ€nischen Kommunisten in der Vergangenheit und behauptete, dass die rumĂ€nische Partei die stalinistischen Elemente schon vor Stalins Tod gesĂ€ubert habe.

Im Oktober 1956 widersetzten sich die kommunistischen FĂŒhrer in Polen den sowjetischen militĂ€rischen Drohungen, sich in die einheimischen Angelegenheiten einzumischen und ein fĂŒgsameres PolitbĂŒro einzusetzen. Wenige Wochen spĂ€ter löste sich die kommunistische Partei in Ungarn wĂ€hrend einer Revolution praktisch auf. Der polnische Oktober und der ungarische Volksaufstand inspirierten rumĂ€nische Studenten und Arbeiter, in den UniversitĂ€ten und ArbeiterstĂ€dten fĂŒr Freiheit, bessere Lebensbedingungen und das Ende der Sowjetvorherrschaft zu demonstrieren, so beim Studentenaufstand in Timișoara 1956. Da Gheorghiu-Dej fĂŒrchtete, dass ein ungarischer Aufstand die ungarische Bevölkerung in seinem eigenen Land zur Revolte aufstacheln könnte, setzte er sich fĂŒr eine rasche Intervention durch die Sowjets ein. Die Sowjetunion verstĂ€rkte ihre MilitĂ€rpĂ€senz in RumĂ€nien, insbesondere entlang der ungarischen Grenze. Wenngleich die Unruhen in RumĂ€nien sich als bruchstĂŒckhaft und kontrollierbar erwiesen, diejenigen in Ungarn waren es nicht, und so startete Moskau im November einen blutigen Einmarsch in Ungarn.

Nach der Revolution von 1956 arbeitete Gheorghiu-Dej eng mit Ungarns neuem FĂŒhrer JĂĄnos KĂĄdĂĄr zusammen. Obwohl RumĂ€nien zunĂ€chst den exilierten frĂŒheren ungarischen Premier Imre Nagy aufnahm, lieferte es ihn an Budapest fĂŒr einen Prozess und seine Hinrichtung aus. Im Gegenzug gab KĂĄdĂĄr die ungarischen AnsprĂŒche auf SiebenbĂŒrgen auf und prangerte Ungarn, die dort die Revolution unterstĂŒtzt hatten, als Chauvinisten, Nationalisten und Irredentisten an.

RumĂ€niens Regierung ergriff Maßnahmen, die Unzufriedenheit im Lande zu lindern, indem man Investititionen in die Schwerindustrie verminderte, die Produktion von KonsumgĂŒtern verstĂ€rkte, die Wirtschaftsverwaltung dezentralisierte, Löhne erhöhte und Elemente der Arbeiterselbstverwaltung einfĂŒhrte. Die Behörden schafften die obligatorischen Lieferungen durch Privatbauern ab, beschleunigten aber das Kollektivierungsprogramm Mitte der 1950er, wenn auch weniger brutal als zuvor. Die Regierung erklĂ€rte die Kollektivierung 1962 fĂŒr vollstĂ€ndig; zu diesem Zeitpunkt hielten kollektive und Staatshöfe 77 % des bebaubaren Landes.

Trotz Gheorghiu-Dejs Behauptung, dass er die rumĂ€nische Partei von Stalinisten gesĂ€ubert habe, blieb er wegen seiner offenbaren MittĂ€terschaft in den ParteiaktivitĂ€ten zwischen 1944 und 1953 anfĂ€llig fĂŒr Angriffe. Bei einer Vollversammlung der PMR im MĂ€rz 1956 kritisierten Miron Constantinescu und Iosif Chisinevsch, beide PolitbĂŒromitglieder und stellvertretende Premiers, Gheorghiu-Dej. Constantinescu, der sich fĂŒr eine Liberalisierung im Stil Chruschtschows einsetzte, stellte eine besondere Bedrohung fĂŒr Gheorghiu-Dej dar, weil er gute Beziehungen zur Moskauer FĂŒhrung unterhielt. Die PMR entfernte Constantinescu und Chisinevsch 1957, indem sie sie als Stalinisten denunzierte und sie der MittĂ€terschaft mit Pauker bezichtigte. Danach musste Gheorghiu-Dej keine ernsthafte Herausforderung seiner FĂŒhrungsrolle befĂŒrchten. Ceaușescu ersetzte Constantinescu an der Spitze der PMR-Kader.

Gheorghiu-Dej erreichte nie eine wirklich fĂŒr beide Seiten akzeptable Einigung mit Ungarn ĂŒber SiebenbĂŒrgen. Gheorghiu-Dej ging das Problem von zwei Seiten an: indem er die FĂŒhrer der Ungarischen Volksunion festnehmen ließ und indem er 1952 im Szeklerland eine autonome ungarische Region (Regiunea Autonoma Maghiara) einrichtete.

Ära Ceaușescu

Gheorghiu-Dej starb 1965 unter unklaren UmstĂ€nden (anscheinend als er wegen einer medizinischen Behandlung in Moskau war). Nach einem unausweichlichen Machtkampf wurde der vorher unauffĂ€llige Nicolae Ceaușescu sein Nachfolger. Wo Gheorghiu-Dej einer stalinistischen Linie gefolgt war, wĂ€hrend die Sowjetunion in einer reformerischen Phase war, erschien Ceaușescu nun zunĂ€chst als Reformer, und das zu einer Zeit, wo die Sowjetunion unter Leonid Breschnew in eine neostalinistische Richtung steuerte.

In seinen frĂŒhen Regierungsjahren war Ceaușescu sowohl im Inland als auch im Ausland populĂ€r. LandwirtschaftsgĂŒter waren reichlich vorhanden, KonsumgĂŒter tauchten wieder auf, es gab ein kulturelles Tauwetter. Im Ausland nahm man zur Kenntnis, dass er sich gegen den sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968 aussprach. WĂ€hrend sein Ansehen im Inland bald verblasste, hatte er wegen seiner unabhĂ€ngigen politischen Linie weiterhin ungewöhnlich gute Beziehungen zu westlichen Regierungen und mit Institutionen wie dem Internationalen WĂ€hrungsfonds und der Weltbank. Unter Ceaușescu unterhielt RumĂ€nien diplomatische Beziehungen unter anderem mit der Bundesrepublik Deutschland, Israel, China, Albanien.

Die Phase von Freiheit und scheinbarem Wohlstand sollte allerdings nur kurz sein. In einem Versuch, die Geburtenrate zu steigern, setzte Ceaușescu ein Gesetz durch, das Abtreibung und EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung beschrĂ€nkte: beides war nur Frauen ĂŒber 40 Jahren und solchen mit wenigstens vier Kindern erlaubt; 1972 wurden diese Grenzen auf 45 Jahre bzw. fĂŒnf Kinder angehoben. In den 1980ern ging er noch weiter: Obligatorische gynĂ€kologische Untersuchungen sollten Frauen identifizieren, die ihre „patriotische Verantwortung“, zu gebĂ€ren, umgingen. Die SteuersĂ€tze wurden geĂ€ndert, um Singles und Kinderlose zu benachteiligen. Dennoch versuchten viele Frauen, besonders notleidende, ihr ungeborenes Kind mit DrĂ€hten oder Medikamenten heimlich abzutreiben. Anti-Baby-Pillen, VerhĂŒtungsmittel und sogar verfallene Abtreibungsmittel wurden auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Als Folge dieser Abtreibungsversuche (aber auch der schlechten ErnĂ€hrung) starben 11.000 Frauen[21], auch wurden massenhaft behinderte Kinder geboren und in WaisenhĂ€user abgeschoben. Im Alter von drei Jahren wurden sie von einer Ärztekommission untersucht, die ĂŒber ihr weiteres Schicksal entschied. Danach holte sich die Geheimpolizei Securitate ihren Nachwuchs aus den WaisenhĂ€usern. Die chronisch kranken Kinder, die Kinder mit EntwicklungsschĂ€den durch MangelernĂ€hrung und die ZurĂŒckgebliebenen wurden in Heime wie z. B. Cighid abgeschoben. Dort starben die meisten schon nach wenigen Wochen am Hunger und an Krankheiten, oder sie erfroren einfach[22].

WĂ€hrend Gheorghiu-Dejs Haltung gegenĂŒber der ungarischen Minderheit noch doppelzĂŒngig war, ging Ceaușescu offen repressiv vor. Schulen in ungarischer Sprache, VerlagshĂ€user und kulturelle Institutionen wurden weitgehend geschlossen. Ethnische Ungarn wurden gedrĂ€ngt, ihren Kindern traditionell rumĂ€nische Namen zu geben. Juden und Deutschen erging es verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig besser: Sie waren im VerhĂ€ltnis zu den deutschen und israelischen Regierungen nĂŒtzlich als Verhandlungsmasse. Mit dem Freikauf von RumĂ€niendeutschen durch die deutsche Bundesregierung wurde zwischen 1967 und 1989 unter dem Decknamen Geheimsache Kanal die Ausreise von 226.654 RumĂ€niendeutschen aus RumĂ€nien in die Bundesrepublik Deutschland erwirkt. Die Höhe der Zahlungen fĂŒr das sogenannte Kopfgeld wird auf ĂŒber 1 Milliarde DM geschĂ€tzt. RumĂ€nien und der junge Staat Israel schlossen bereits im Juli 1948 ein Wirtschaftsabkommen, welches unter anderem die Auswanderung von 5000 Juden monatlich vorsah, zu Kosten von 8000 Lei pro Kopf. Das Joint Distribution Committee erklĂ€rte sich bereit, diese Kosten zu tragen. Insgesamt verließen 118.000 Juden zwischen Mai 1948 und Ende 1951 das Land Richtung Israel.[23] Als weitere Kompensation wurden GeflĂŒgelfarmen und andere agrarwirtschaftliche Betriebe von Israel geliefert.[24]

Andere Verletzungen von Menschenrechten waren typisch fĂŒr ein stalinistisches Regime: Der massive Einsatz der Geheimpolizei (die Securitate), Zensur, massive Umsiedlungen, wenn auch nicht im selben Maßstab wie in den 1950ern. Ganz Bukarest war mit einem Tunnelsystem fĂŒr die Securitate unterzogen, wie sich beim Aufstand von 1989 herausstellte.

Ceaușescus RumĂ€nien fĂŒhrte Gheorgiu-Dejs Politik der Industrialisierung fort, produzierte aber immer noch wenige GĂŒter, die qualitativ auf dem Weltmarkt konkurrieren konnten. Nach einem Besuch in Nordkorea entwickelte Ceaușescus eine megalomanische Vision zum völligen Neuaufbau des Landes; dies wurde als Programm zur Systematisierung der Dörfer bekannt. Ganze StĂ€dte und schließlich ein Großteil der Hauptstadt Bukarest wurden abgerissen und entweder durch nichtssagende BetongebĂ€ude oder (wenn das Geld ausging) durch nichts ersetzt; dieses Schicksal traf u.a. Teile der historischen Altstadt von Bukarest samt dem jĂŒdischen Schtetl.

Trotz allem, und trotz der entsetzlichen Behandlung der â€žĂŒberzĂ€hligen“ oder kranken Kinder, hatte das Land weiterhin ein gutes Schulsystem und im allgemeinen ein gutes Gesundheitssystem. Beide wurden jedoch durch die zunehmend ĂŒberlebensnotwendige Korruption zerrĂŒttet: Operationen und AufnahmeprĂŒfungen an den Hochschulen mussten in Naturalien oder mit Bargeld „bezahlt“ werden, ĂŒber 60-jĂ€hrige erhielten oft gar keine medizinische Versorgung.[25] Nicht jedes Industrialisierungsprojekt scheiterte: Ceaușescu ließ RumĂ€nien ein recht effektives System der Energieerzeugung und -ĂŒbertragung zurĂŒck, das in den letzten Jahren seiner Herrschaft jedoch funktionsunfĂ€hig war. Die Heizkraftwerke, die auch Lignit und Teerschiefer verfeuern mussten, wurden teilweise mit schwarzer Erde betrieben, und die notwendige BrennwĂ€rme wurde nicht erreicht. Die Temperatur in WohnhĂ€usern lag zeitweise bei 12-14 Â°C, der Strom wurde vormittags, abends und nachts abgeschaltet.[26] Bukarest erhielt eine funktionierende U-Bahn. In vielen StĂ€dten wurden neue Wohnblocks errichtet, die alte Bausubstanz wurde manchmal auf persönlichen Befehl Elena Ceaușescus, dem Erdboden gleichgemacht.[27]

In den 1980ern wurde Ceaușescu auf Ă€hnliche Weise besessen von der Idee, westliche Schulden zurĂŒckzuzahlen, die sich soweit aufgehĂ€uft hatten, dass RumĂ€nien der Staatsbankrott drohte, und einen „Palast des Volkes“ (Palatul Poporului) in beispiellosen Ausmaßen zu bauen, zusammen mit einer gleichermaßen grandiosen Umgebung, dem Centru Civic. Es gab auch ein Wiederaufleben der BemĂŒhungen, einen Donau-Schwarzmeer-Kanal zu bauen. Dies fĂŒhrte zu einem vorher nicht dagewesenen Armutsniveau fĂŒr den durchschnittlichen RumĂ€nen. Es gab kein Fleisch zu kaufen, weil es gegen Devisen ins Ausland verkauft wurde. Es gab keinen Marmor fĂŒr Grabsteine, weil er fĂŒr den Bau des „Palast des Volkes“, der das zweitgrĂ¶ĂŸte GebĂ€ude der Welt ist, obwohl er nie vollendet wurde, und des Centru Civic benötigt wurde. In der Ära von Glasnost und Perestroika wurde dies mehr und mehr unakzeptabel sowohl fĂŒr die Sowjetunion wie fĂŒr den Westen. Ceaușescu hatte in den letzten Jahren seiner Herrschaft jegliches Augenmaß und jeglichen Bezug zu seiner Bevölkerung verloren. Warnsignale ĂŒber die wachsende Unzufriedenheit in der Arbeiterschaft wie der Aufstand von Brașov 1987 wurden von Ceaușescu ignoriert. Da die gesellschaftliche Elite in den Schulen Englisch und Französisch lernte und die Möglichkeit hatte, an Informationen aus dem Westen zu gelangen, wuchs im Untergrund die Auflehnung gegen die Diktatur.

RumÀnische Revolution 1989

→ Hauptartikel: RumĂ€nische Revolution 1989

Im Gegensatz zur Sowjetunion zur gleichen Zeit entwickelte RumĂ€nien keine umfassende, privilegierte Elite. Außerhalb Ceaușescus eigenen Verwandten wurden Regierungsbeamte hĂ€ufig von einem zum anderen Job rotiert und geographisch versetzt, um die Möglichkeit zur Entwicklung einer Machtbasis zu verhindern. Dies verhinderte das Aufkommen des Reformkommunismus der Gorbatschow-Ära, den es in Ungarn oder der Sowjetunion gab. Auch reagierte Ceaușescu – im Gegensatz zu Polen – auf Streiks mit einer gnadenlosen Strategie weiterer UnterdrĂŒckung. Diejenigen, die ihn vor solch einer Politik warnten, wurden als Kriminelle behandelt.

Flucht der Ceaușescus per Hubschrauber

Als in der Folge die Welle der Revolution von 1989 nach RumÀnien schwappte, tat sie es mit unvergleichlicher Energie. Der Sturz des rumÀnischen Regimes war beinahe einer der letzten in Osteuropa. Er war auch einer der brutalsten zu der Zeit. Obwohl die Ereignisse im Dezember 1989 sehr umstritten sind, ist die folgende Darstellung wenigstens ein angemessener Grundriss.

Proteste und AufstĂ€nde brachen am 17. Dezember in Timișoara aus. Der Auslöser war die polizeilich angeordnete Evakuierung aus dem Pfarrhaus bzw. die geplante Verhaftung des protestantischen Pfarrers und spĂ€teren Bischofs LĂĄszlĂł TƑkĂ©s, der ein ausgesprochener Gegner Ceaușescus war. Obwohl die ersten Demonstranten von der Securitate abtransportiert wurden, breiteten sich die Unruhen am nĂ€chsten Tag in der ganzen Stadt aus. Soldaten eröffneten das Feuer auf die Protestierenden und töteten rund 100 Menschen. Die Empörung ĂŒber die Erschießungen breitete sich nach Sibiu, Bukarest und anderswo aus. Soldaten außerhalb Timișoaras weigerten sich gewöhnlich, die Befehle, Demonstranten anzugreifen, auszufĂŒhren.

Nach einer zweitĂ€gigen Reise in den Iran wandte sich Ceaușescu am 21. Dezember an eine handverlesene Schar von 100.000 Leuten im Zentrum von Bukarest. Selbst hier begann die Menge ihn niederzuschreien. Die Securitate eröffnete das Feuer, aber das MilitĂ€r unter Verteidigungsminister Vasile Milea weigerte sich im allgemeinen, es ihnen gleichzutun. Ceaușescu ließ Milea erschießen; er und seine Frau Elena Ceaușescu versuchten, mit einem Hubschrauber aus der Hauptstadt zu entkommen. Mit Mileas Hinrichtung wurde aus der neutralen Position der Armee Feindschaft. Die Armee und die Securitate trugen in Bukarest offene StraßenkĂ€mpfe aus, und hunderte, vielleicht tausende wurden im Schusswechsel getötet. Die Ceaușescus wurden schließlich in TĂąrgoviște verhaftet. Ihr Leben wĂ€re vielleicht geschont worden, wenn die Securitate willens gewesen wĂ€re, ihre Waffen niederzulegen; so wurden sie aber einem zĂŒgigen und zweifelhaften Prozess unterzogen und am 25. Dezember erschossen. Mit ihrem Tod begann die Securitate, aufzugeben und löste sich bald auf, so dass die Gewalt zu einem Ende kam.

Postkommunistische Ära

1990–1992

UnabhĂ€ngig von den beschriebenen Kontroversen hat RumĂ€nien seit der Revolution große Fortschritte bei der Institutionalisierung demokratischer Prinzipien, BĂŒrgerrechte und der Achtung der Menschenrechte gemacht. Jedoch kann das Erbe von 44 Jahren kommunistischer Herrschaft nicht plötzlich beseitigt werden. Die Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei war gewöhnlich die Vorbedingung fĂŒr eine höhere Ausbildung, Auslandsreisen oder einen guten Arbeitsplatz, wĂ€hrend der umfassende interne Sicherheitsapparat normale soziale und politische Beziehungen untergrub. Den wenigen aktiven Dissidenten, die unter Ceaușescu litten, muss es so erscheinen, dass die meisten, die nach der Revolution als Politiker Karriere machten, durch die Zusammenarbeit mit dem alten Regime kompromittiert sind.

Über 200 neue politische Parteien entstanden nach 1989, die sich mehr um Persönlichkeiten als um Programme drehten. Alle grĂ¶ĂŸeren Parteien traten fĂŒr Demokratie und Marktreformen ein, aber die regierende Nationale Rettungsfront (FSN) schlug langsamere, vorsichtigere Wirtschaftsreformen und ein soziales Sicherungsnetz vor. Im Gegensatz dazu bevorzugten die Hauptoppositionsparteien – die Nationalliberale Partei PNL und die Christlich-Demokratische Bauernpartei PNȚ-CD – schnelle und radikale Reformen, unverzĂŒgliche Privatisierung, und eine SchwĂ€chung des Einflusses der exkommunistischen Elite. Es gibt zwar kein Gesetz, das kommunistische Parteien verbietet, aber die alte kommunistische Partei löste sich trotzdem auf, viele ehemalige Parteimitglieder blieben aber aktiv.

Am 20. Mai 1990 wurden PrĂ€sidenten- und Parlamentswahlen abgehalten. Gegen Vertreter der schon vor dem Krieg existierenden Nationalen Bauernpartei PNȚ-CD und Nationalliberalen Partei PNL gewann Ion Iliescu 85,07 Prozent der Stimmen. Die FSN (Front der Nationalen Rettung) erhielt 66.31 Prozent der Stimmen und erhielt so dreiviertel der Sitze im Parlament. Die stĂ€rksten Oppositionsparteien waren die Demokratische Allianz der Ungarn in RumĂ€nien (UDMR) mit 7.23% und die PNL mit 6.41%. Er berief den UniversitĂ€tsprofessor Petre Roman zum Premierminister und begann vorsichtige Wirtschaftsreformen.

Die neue Regierung tat schon frĂŒh einen entscheidenden Fehltritt. Unzufrieden mit dem anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Einfluss von Mitgliedern der Elite der Ceaușescu-Ära, trafen sich antikommunistische Demonstranten auf dem Bukarester UniversitĂ€tsplatz zu einem Dauerprotest. Zwei Monate spĂ€ter wurden Bergarbeiter aus dem Jiu-Tal nach Bukarest gebracht und trieben die ĂŒbriggebliebenden Protestierenden brutal auseinander („Mineriaden“). PrĂ€sident Iliescu drĂŒckte öffentlich seine Dankbarkeit aus, was Viele davon ĂŒberzeugte, dass die Regierung die Aktionen der Bergarbeiter initiiert habe. Die Bergarbeiter griffen auch die Hauptquartiere und HĂ€user von OppositionsfĂŒhrern an. Die Roman-Regierung stĂŒrzte Ende September 1991, als die Bergarbeiter nach Bukarest zurĂŒckkehrten, um höhere Löhne und bessere Lebensbedingungen forderten. Ein Technokrat, Theodor Stolojan, wurde zum Kopf einer Zwischenregierung ernannt, bis neue Wahlen abgehalten wurden.

Das Parlament entwarf eine neue demokratische Verfassung, die durch ein Volksreferendum im Dezember 1991 angenommen wurde. Die FSN teilte sich im MĂ€rz in zwei Gruppen auf, die von Ion Ilescu (FDSN) und Petre Roman (FSN) gefĂŒhrt wurden. Romans Partei nahm anschließend den Namen „Demokratische Partei“ (PD) an.

1992–1996

Die lokalen und nationalen Wahlen im September 1992 zeigten eine politische Kluft zwischen den großen stĂ€dtischen Zentren und dem Land. Die lĂ€ndlichen WĂ€hler, die fĂŒr die RĂŒckgabe des Großteils des Agrarlandes an die Bauern dankbar waren, aber Änderungen fĂŒrchteten, bevorzugten PrĂ€sident Ion Iliescu und die FDSN, wĂ€hrend die stĂ€dtischen WĂ€hler die CDR (ein BĂŒndnis aus mehreren Parteien, unter denen die PNȚ-CD und die PNL die stĂ€rksten waren, und BĂŒrgerorganisationen) und schnelle Reformen favorisierten. Iliescu wurde mĂŒhelos gegen fĂŒnf andere Kandidaten wiedergewĂ€hlt. Die FDSN gewann eine Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments. Die FDSN bildete im November 1992 eine Regierung unter Premierminister Nicolae Văcăroiu, einem Ökonomen, mit parlamentarischer UnterstĂŒtzung durch die nationalistischen Parteien PUNR und PRM sowie die kommunistische PSM. Aus der FDSN wurde im Juli 1993 die „Partei der Sozialen Demokratie RumĂ€niens“ (PDSR). Im Januar 1994 wurde die StabilitĂ€t der Regierungskoalition dadurch gefĂ€hrdet, dass die PUNR ihre UnterstĂŒtzung zu entziehen drohte, sollte sie nicht Posten im Kabinett bekommen. Im August 1994 bekamen zwei Mitglieder der nationalistischen PUNR Kabinettsposten in der Regierung. Im September gab der amtierende Justizminister bekannt, dass er in die PUNR eingetreten sei. PRM und PSM verließen im Oktober bzw. Dezember 1995 die Regierung.

1996–2000

Die Kommunalwahlen von 1996 ergaben eine große Verschiebung in der politischen Orientierung der rumĂ€nischen WĂ€hler. Die Oppositionsparteien setzten sich in Bukarest und in den meisten grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten in SiebenbĂŒrgen und im Banat durch.

Der Trend setzte sich in den nationalen Wahlen fort, und die Opposition dominierte die StĂ€dte und gewann stark in den lĂ€ndlichen Gegenden und den einstigen Hochburgen außerhalb SiebenbĂŒrgens, die vormals von Iliescu und der PDSR dominiert worden waren. Die Kampagne der Opposition konzentrierte sich auf die beiden Themen KorruptionsbekĂ€mpfung und Wirtschaftsreformen. Diese Botschaft fand in der WĂ€hlerschaft Widerhall, und so kamen Emil Constantinescu und die mit ihm verbĂŒndeten Parteien an die Macht.

Emil Constantinescu von der „Demokratischen Konvention RumĂ€niens“ (CDR), einem WahlbĂŒndnis, besiegte bei der nĂ€chsten Wahl PrĂ€sident Iliescu mit einem Abstand von 9% und wurde neues Staatsoberhaupt.

Die PDSR gewann die grĂ¶ĂŸte Anzahl Sitze im Parlament, aber die Parteien der CDR, die Demokratische Partei, die PNL und der „Demokratischen Verband der Ungarn RumĂ€niens“ (UDMR) bildeten zusammen eine Koalitionsregierung der Mitte, die 60% der Sitze im Parlament hinter sich hatte. Victor Ciorbea wurde Premierminister. Ciorbea blieb bis MĂ€rz 1998 im Amt und wurde erst durch Radu Vasile (PNȚ-CD) ersetzt, dann durch den Chef der Nationalbank Mugur Isărescu.

Die Koalition aus mehreren Parteien stellte sich als nicht immer einfach heraus, da Entscheidungen oftmals durch lange Verhandlungen herausgezögert wurden. Dennoch wurden mehrere entscheidende Reformen in die Wege geleitet. Der Einfluss von ehemaligen Kommunisten und Mitgliedern der „Securitate“ in der Staatsverwaltung wurde beseitigt, eine funktionierende Marktwirtschaft eingefĂŒhrt.

Die im Dezember 1996 gebildete Koalitionsregierung vollzog einen historischen Schritt, in dem sie die UDMR und ihre ungarischen UnterstĂŒtzer in die Regierung einlud.

Im Juli 2000 gab PrÀsident Emil Constantinescu bekannt, dass er nicht mehr kandidieren wird.

2000–2004

Bei den Parlamentswahlen im November 2000 scheiterte die christdemokratische PNȚ-CD an der WahlhĂŒrde, die liberale PNL und die Demokratische Partei bildeten die eigentliche Opposition in RumĂ€nien. Die PSD (Partei des Demokratischen Sozialismus) unter Ion Iliescu verzeichnete einen eindrucksvollen Sieg. Adrian Năstase wurde Premierminister der Regierung, die 2003 durch mehrere KorruptionsvorwĂŒrfe erschĂŒttert wurde. Im Oktober 2003 mussten drei Minister aufgrund dieser VorwĂŒrfe zurĂŒcktreten.[28]

Der EU-Beitrittsprozess wurde weitergefĂŒhrt. Demokratische Transparenz, Korruption und die Handhabung der Pressefreiheit waren in RumĂ€nien unter Iliescu und Năstase problematisch.

Im Jahr 2002 wurde RumĂ€nien eingeladen, 2004 der NATO beizutreten. Dieser Beitritt erfolgte im Zuge der NATO-Osterweiterung am 29. MĂ€rz 2004. Im selben Jahr bestĂ€tigte die EuropĂ€ische Union ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr RumĂ€niens Ziel, der Union 2007 beizutreten. Dazu waren jedoch in den folgenden Jahren tiefgreifende VerĂ€nderungen in der Wirtschaft notwendig.

2004–2008

Am 28. November und am 12. Dezember 2004 fanden PrĂ€sidentschaftswahlen statt. Die beiden wichtigsten Kandidaten waren der amtierende Premierminister Adrian Năstase von der PSD sowie der BĂŒrgermeister von Bukarest Traian Băsescu von der liberalen Allianz D.A. WĂ€hrend Năstase auf die KontinuitĂ€t seiner ohnehin von Korruptionsskandalen geplagten Regierung setzte, schrieb sich Băsescu eben den Antikorruptionskampf auf der Fahne.

Traian Băsescu gewann das Rennen und ernannte Călin Popescu Tăriceanu von der liberalen Allianz D.A. zum Premierminister.

Am 28. November 2004 wurde auch das Zweikammernparlament neu gewĂ€hlt. Die grĂ¶ĂŸte Fraktion bildete die D.A. aus PNL und PD, die mit PUR und UDMR eine Mitte-Rechts-Regierung bildeten, die vor allem die Korruption bekĂ€mpfen und Reformen in Landwirtschaft und Industrie durchfĂŒhren wollte.

Am 13. April 2005 stimmte das Europaparlament in Straßburg dem Beitritt RumĂ€niens zur EuropĂ€ischen Union zu. Seit dem 1. Januar 2007 ist RumĂ€nien sowie auch Bulgarien Mitglied der EU.

Das BĂŒndnis von PNL und PD zerbrach 2007; Tăriceanu regierte mit einer weitgehend handlungsunfĂ€higen Minderheitsregierung aus PNL und UDMR weiter.

Seit 2008

Nach den Parlamentswahlen 2008 bildeten die PD-L – die Nachfolgepartei der PD – und die Sozialdemokratische Partei eine Art Große Koalition unter MinisterprĂ€sident Emil Boc, die jedoch bereits Anfang Oktober 2009 auseinanderbrach. Seitdem fĂŒhrt Boc eine PD-L-Minderheitsregierung, die seit einem Misstrauensvotum am 13. November 2009 nur noch geschĂ€ftsfĂŒhrend im Amt ist.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Im romanischen Sprachraum ist diese Bezeichnung bis heute verbreitet. Vgl. Freddy Thiriet: La Romanie vĂ©nitienne au Moyen Age, Paris 1975.
  2. ↑ Warren Treadgold: A History of the Byzantine State and Society
  3. ↑ C. Jireček: Geschichte der Bulgaren
  4. ↑ Lucian Boia: Geschichte und Mythos - Über die Gegenwart des Vergangenen in der rumĂ€nischen Gesellschaft, Köln/Weimar/Wien, 2003, S. 104f.
  5. ↑ Leo Weisgerber: Walhisk: Die geschichtliche Leistung des Wortes Welsch. Rheinische VierteljahrblĂ€tter 13, 1-4 ( 1948), S. 87ff. und
    Krahe: Sprache und Vorzeit: europÀische Vorgeschichte nach dem Zeugnis der Sprache, Verlag Quelle & Meyer, Heidelberg 1954 S. 43 ISBN 3-494-00230-4,
  6. ↑ Roth, Harald (2007): Kleine Geschichte SiebenbĂŒrgens. 3., aktualisierte Auflage. Köln. 2007.
  7. ↑ Glenn E. Torrey: Rumania and the Belligerents 1914–1916. In: The Journal of Contemporary History. 1, No 3 (1966), S. 171-191, S. 183.
  8. ↑ Friedrich Stieve (Hrsg.): Iswolski im Weltkriege. Der Diplomatische Schriftwechsel Iswolskis aus den Jahren 1914-1917. Neue Dokumente aus den Geheimakten der russischen Staatsarchive. Im Auftrage des Deutschen AuswĂ€rtigen Amtes. Berlin 1925, S. 206f. (Wortlaut)
  9. ↑ Vorfrieden von Buftea, abgefragt am 5. MĂ€rz 2010
  10. ↑ Die Karlsburger BeschlĂŒsse
  11. ↑ Raoul V. Bossy, George H. Bossy, Michel-AndrĂ© Bossy: Recollections of a Romanian diplomat, 1918-1969: diaries and memoirs of Raoul V. Bossy, Volume 2. Hoover Press, 2003, ISBN 0817929517, 9780817929510, S. 534, in englischer Sprache, books.google.com.au.
  12. ↑ chroniknet.de, Das Jahr 1940 - DreimĂ€chtepakt sucht BĂŒndnispartner in Mittel- und Osteuropa und richtet sich gegen die UdSSR
  13. ↑ odessitclub.org, The World Odessit Club: Odessa from Peace to Occupation, in englischer Sprache
  14. ↑ worldwar2.ro, General Petre Dumitrescu
  15. ↑ Frederic GĂŒmmer: Die Rolle der Untertageverlagerung in der deutschen RĂŒstungsproduktion 1943-1945. GRIN Verlag, 2008. S. 47. ISBN 978-3-638-92393-4
  16. ↑ Friedrich Battenberg: Das EuropĂ€ische Zeitalter der Juden, Bd.II, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-11382-9, S.307
  17. ↑ a b c jura.uni-hamburg.de, Otto Luchterhandt: Ostrecht I, Geschichtliche und geografische Grundlagen, S. 31
  18. ↑ Weber/Weber-Schlenther/Nassehi/Sill/Kneer, "Deportation von SiebenbĂŒrger Sachsen in die Sovjetunion 1945-1949", 3 BĂ€nde, Böhlau Verlag, Köln
  19. ↑ Bodenreformgesetzt Nr. 187 vom 23. MĂ€rz 1945
  20. ↑ a b spiegel.de, Der Spiegel, Siegfried Kogelfranz: So weit die Armeen kommen ..., Ausgabe 37/1984, 10. September 1984
  21. ↑ Thomas Kunze, Nicolae Ceaușescu, Berlin 2000, ISBN 3-86153-211-5, S.326
  22. ↑ siehe ausfĂŒhrlich Gail Kligman: The Politics of Duplicity. Controlling Reproduction in Ceausescu’s Romania. Berkeley: University of California Press 1998
  23. ↑ Hildrun Glass: Minderheit zwischen zwei Diktaturen: zur Geschichte der Juden in RumĂ€nien 1944–1949, Ausgabe 112 der SĂŒdosteuropĂ€ischen Arbeiten. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2002, ISBN 3486566652, 9783486566659, S. 337, hier S. 114 und 115.
  24. ↑ Ion Mihai Pacepa: Red Horizons: The True Story of Nicolae and Elena Ceausescus’ Crimes, Lifestyle, and Corruption. Regnery Publishing, Inc., 1990, ISBN 0895267462, 978-0895267467, S. 456, in englischer Sprache.
  25. ↑ Hans Vastag, György Mandics, Manfred Engelmann, Temeswar, Symbol der Freiheit, Wien 1992, ISBN 3-85002-311-7, S. 54 f.
  26. ↑ Vastag u.a., S. 24f., 65
  27. ↑ Kunze, S. 307
  28. ↑ Olaf Leiße: RumĂ€nien und Bulgarien vor dem EU-Beitritt, Das Parlament

Literatur

  • Ion Bulei: Kurze Geschichte RumĂ€niens, Bukarest, 1998, ISBN 973-96876-2-8.
  • Thede Kahl, Michael Metzeltin, Mihai-Răzvan Ungureanu (Hrsg.): RumĂ€nien. Raum und Bevölkerung – Geschichte und Geschichtsbilder – Kultur – Gesellschaft und Politik heute – Wirtschaft – Recht – Historische Regionen, Österreichische Osthefte 48, Wien, 976 S., ISBN 3-8258-0069-5.
  • Mircea Rebreanu: Die schicksalhaften Entscheidungen in der rumĂ€nischen Geschichte, Egelsbach, Frankfurt/Main, 1997, ISBN 3-89349-932-6.
  • Ekkehard Völkl: RumĂ€nien, Regensburg, 1995, ISBN 3-7917-1463-5.
  • Richard Wagner: Sonderweg RumĂ€nien, Berlin, 1991, ISBN 3-88022-047-6.

Weblinks


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