Geschichte der Britischen Inseln

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Geschichte der Britischen Inseln

Die Geschichte der Britischen Inseln war bis vor einigen hundert Jahren die Geschichte mehrerer Staaten, die verschiedene Gebiete Gro√übritanniens und Irlands beherrschten. Deshalb liegen getrennte Geschichtsartikel f√ľr die einzelnen Regionen vor:

Andererseits sind diese Gebiete zeitweise zusammengewachsen, dann auch wieder getrennt worden, so dass zusätzlich die Geschichte des unter englischer Vorherrschaft vereinigten Königreichs vorliegt.

Hadrianswall

Damit aber auch ein √úberblick √ľber Entwicklungen gewonnen werden kann, die kleinere Teilr√§ume oder auch einen gr√∂√üeren Zusammenhang betrafen, werden hier Verweise auf umfassendere Artikel und kurze Darstellungen zu √ľbergreifenden Zusammenh√§ngen angeboten:

Inhaltsverzeichnis

Fr√ľhmittelalter

Heptarchie

König Artus

Nur wenige Angehörige der Inselvölker konnten lesen oder schreiben, so dass die Jahre zwischen 400 n. Chr. und 800 n. Chr. oft als dunkles Zeitalter bezeichnet werden. Es gibt so gut wie keine schriftlichen Aufzeichnungen aus jener Zeit. Legenden und Sagen wie etwa König Arthurs Tafelrunde haben ihren Ursprung in dieser Zeit.

Trotz der fast vierhundertj√§hrigen Besatzung der Insel hinterlie√üen die R√∂mer, abgesehen von Bauten und Gegenst√§nden, wenig Kultur. Brutaler und nachhaltiger dr√ľckten zun√§chst ihre Nachfolger der Insel ihren Stempel auf. Germanische St√§mme, J√ľten, Angeln und Sachsen, fielen pl√ľndernd und mordend in das von den R√∂mern verlassene Gebiet ein und erstickten in weiten Bereichen das r√∂misch gepr√§gte Leben der Kelten. In der Folge gr√ľndeten die neuen Herren auf dem Boden des heutigen Englands und teilweise auch Schottlands sieben kleinere K√∂nigreiche, die so genannte Heptarchie:

Letzteres erstreckte sich von York die Ostk√ľste hinauf bis in das Gebiet des heutigen Edinburgh. Es wurde das gr√∂√üte K√∂nigreich auf dieser Vielv√∂lkerinsel.

W√§hrend die Briten christlich geblieben waren und die Mission √ľber den Hl. Patrick nach Irland und im 6. Jahrhundert auch Schottland erreichte, blieben die Angelsachsen zun√§chst bei ihrem germanischen Heidentum. Mit der Bekehrung der K√∂nige von Kent durch Augustinus 597 begann dann das christliche Zeitalter Englands, das mit dem Wirken Bedas um 700 einen ersten H√∂hepunkt erlebte.

Unter den sieben Königreichen zeigte sich im 7. Jahrhundert eine Dominanz Northumbrias, die im 8. Jahrhundert von der Mercias (unter Offa) abgelöst wurde, ehe im 9. Jahrhundert der Aufstieg von Wessex einsetzte.

England

Beginnend mit dem Raubzug auf das Kloster Lindisfarne im Jahr 793 folgten viele weitere Raubz√ľge der Wikinger auf England. Zuerst gab es nur Pl√ľnderungen, sp√§ter aber begannen die Wikinger auch, in England zu siedeln und Handel zu treiben. Das von den Wikingern beherrschte Gebiet wurde Danelag (engl. Danelaw) genannt und ab 884 von den anderen K√∂nigreichen anerkannt. Heute gibt es noch viele Spuren der Wikinger in England; es gibt zum Beispiel noch viele W√∂rter in der englischen Sprache. Die Gemeinsamkeiten der alten englischen Sprache und der alten nordischen Sprache f√ľhrte zu gro√üem Austausch. York war eine Wikingersiedlung, die damals Jorvik genannt wurde.

Alfred der Gro√üe trat der d√§nischen Bedrohung entgegen und konnte im Jahr 878 ein gro√ües d√§nisches Heer bei Eddington schlagen. Er einigte sich aber mit ihnen √ľber die Errichtung des Danelag (s.o.). Er nahm schlie√ülich London ein und gab dem Reich damit ein Zentrum, w√§hrend sich zum ersten Mal ein englisches Nationalbewusstsein (vgl. Entstehung Englands) bemerkbar machte. Alfreds Nachfolger schufen ein Verwaltungssystem, bei dem als Kronbeamte Sheriffs an der Spitze einer Grafschaft, eines Shire, standen, wobei mehrere Grafschaften zu einem Earldom zusammengefasst wurden, das einem Earl unterstand.

König Æthelstan konnte 936 die Cornwaller aus Exeter vertreiben und zog eine Linie am Außenrand seines Königreiches Wessex, am Fluss Tamar. Er nannte sich Rex totius Britanniae (König aller Briten), konnte Wales und Schottland aber nur unter eine lose Oberhoheit bringen. Dagegen eroberte er Northumbria dauerhaft. Nach 930 wurden seine Urkunden von einer einzigen Kanzlei in Winchester hergestellt, was auf eine Art Hauptstadt seines Königreiches schließen lässt.

K√∂nig √Üthelred f√ľhrte auf Anraten des Erzbischofs Sigeric von Canterbury als erster mittelalterlicher Herrscher eine allgemeine Steuer, das Danegeld, ein. Damit zahlte er um 991 nach der verlorenen Schlacht von Maldon in Essex 10.000 Pfund (3.732 kg) Silber Tribut an die Wikinger, um ihren Abzug zu erkaufen. 1002 heiratete er die normannische Herzogstochter Emma in Erwartung normannischer Unterst√ľtzung gegen die Wikinger. Damit legte er einen Grundstein f√ľr die sp√§tere normannische Eroberung Englands. Er floh 1013 vor Sven Gabelbart in die Normandie und starb 1016.

Wilhelm der Eroberer

Sein Nachfolger wurde der Däne Knut der Große, der England und Dänemark in Personalunion regierte. Er heiratete die Witwe Aethelreds und konvertierte zum Christentum. 1028 eroberte er Norwegen. Dessen Christianisierung begann mit angelsächsischen Priestern.

Mit Eduard dem Bekenner (1042‚Äď1066) √ľbernahm dann wieder ein Angelsachse den englischen Thron. Doch hatte er bis zu seinem 38. Lebensjahr in der Normandie gelebt und bevorzugte normannische Adlige an seinem Hof. In manchen Bereichen bereitete er die Herrschaftsorganisation vor, die die normannischen K√∂nige dann durchsetzen sollten, insbesondere die direkte k√∂nigliche Einsetzung von Klerikern auf Verwaltungsposten und Bischofsst√ľhle nach dem Vorbild des ottonischen Reichskirchensystems.

Harold Godwinson erreichte, dass Eduard ihn zu seinem Nachfolger bestimmte. Bei der Schlacht von Stamford Bridge konnte er eine norwegische Invasionsarmee unter Harald III. zur√ľckschlagen. Doch nur gerade drei Wochen sp√§ter, am 14. Oktober 1066, unterlagen die geschw√§chten britischen Truppen in der Schlacht von Hastings der Invasionsarmee unter F√ľhrung Wilhelms von der Normandie (auch Wilhelm I. von England oder Wilhelm der Eroberer genannt). Die Normannen f√ľhrten deren effektives Lehnssystem ein. Wilhelm befahl die Erstellung des Domesday-Buches, welches die Erfassung von Steuern der gesamten Bev√∂lkerung, ihrer L√§ndereien und Besitzt√ľmer regelte. Au√üerdem enteignete er die angels√§chsischen Adligen und setzte normannische an ihre Stelle.

Das englische Mittelalter war von vielen B√ľrgerkriegen, internationalen Kriegen, gelegentlichem Aufruhr und umfassenden politischen Intrigen in der Aristokratie und der k√∂niglichen Oberschicht gekennzeichnet. Heinrich I., auch bekannt als Heinrich Beauclerc, arbeitete hart f√ľr Reformen, stabilisierte das Land und gl√§ttete die Wogen zwischen der angels√§chsischen und normannischen Gesellschaftsschicht. Der Verlust seines Sohnes Wilhelm 1120 sollte seine Reformen untergraben.

Thomas Becket ‚Äď Fenster der Kathedrale in Canterbury

Der Herrschaft von Stephan I. (1135‚Äď1154) folgte ein gr√∂√üerer Wechsel des Gleichgewichts der M√§chte in Richtung der feudalen Barone und England versank in B√ľrgerkrieg und Gesetzlosigkeit. Die Zeit des Aufstands und B√ľrgerkriegs dauerte bis 1148. Stephan konnte bis zu seinem Tod 1154 ungehindert weiterregieren. 1153 traf er eine √úbereinkunft mit Heinrich von Anjou (dem sp√§teren K√∂nig Heinrich II. von England), die Frieden zwischen ihnen unter der Bedingung garantierte, dass die Krone in den Besitz von Heinrich √ľbergehen sollte. Heinrich II. aus dem Haus Plantagenet begr√ľndete das Angevinische Reich. Unter seiner Herrschaft erstarkte das K√∂nigtum wieder, auch im Verh√§ltnis zur Kirche. Die Konstitutionen von Clarendon 1164 f√ľhrten zwar zum Widerstand des Kanzlers Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, doch wurde dieser 1170 ermordet. 1171 begann die Eroberung Irlands. Richard L√∂wenherz k√§mpfte erfolgreich im 3. Kreuzzug, doch geriet er bei seiner R√ľckkehr auf dem Landweg in die Gefangenschaft des √∂sterreichischen Herzogs Leopold V. und Heinrichs VI.. Nachdem f√ľr seine Freilassung 1194 ein hohes L√∂segeld gezahlt worden und er in sein Reich zur√ľckgekehrt war, k√§mpfte er erfolgreich gegen Philipp II. August von Frankreich, doch gelang es ihm nicht, alle Gebiete zur√ľckzuerobern, die in der Zeit seiner Abwesenheit verloren gegangen waren. So begann ein Schrumpfungsprozess des Angevinischen Reiches. In den folgenden Jahren konzentrierte Richard sich auf die Auseinandersetzung mit dem aufst√§ndischen Adel in Aquitanien. Bei der Belagerung der Burg Chalus wurde er von einem Armbrustbolzen getroffen und starb am 6. April 1199. Die Herrschaft √ľbernahm sein Bruder Johann Ohneland. Als dieser in der Schlacht von Bouvines (1214) einen noch weit gr√∂√üeren Teil seiner Festlandsbesitzungen verlor, trotzte ihm der Adel eine Reihe von Zugest√§ndnissen ab, die in der Magna Carta von 1215 festgelegt sind. Auf die Regierungspraxis wirkte sich diese Carta freilich erst unter Heinrich III. st√§rker aus, weil dieser nach der Eroberung Londons durch die Franzosen entscheidende Unterst√ľtzung durch den Adel erhalten hatte und diesen daher st√§rker in seine Regierungsentscheidungen einbezog.

Wales

Wales war im Fr√ľhmittelalter in eine Vielzahl kleiner Gebiete aufgeteilt und nur selten konnte ein Herrscher das gesamte Gebiet einen, wie es Rhodri Mawr w√§hrend des 9. Jahrhunderts gelang. Rhodris Enkel Hywel Dda konnte ein gemeinsames Recht schaffen, doch nach seinem Tod wurde das Land erneut geteilt. Ein Rechtsbrauch, der aus keltischer Zeit √ľbernommen worden war, f√ľhrte zu st√§ndigen Fehden, n√§mlich das Erbrecht aller S√∂hne, auch der illegitimen.

Schottland

Lange wurde angenommen, die Pikten, als Vorfahren der modernen Schotten, seien von den eindringenden M√§chten der Skoten, Britonen, Angeln und Wikinger vernichtet worden. Inzwischen sprechen viele Anzeichen gegen diese Annahme. In nachr√∂mischer Zeit bestanden im schottischen Raum mehrere piktische K√∂nigreiche. Im 6. Jahrhundert siedelten sich dann g√§lischsprachige Iren im heutigen Argyll im Westen an und gr√ľndeten dort das K√∂nigreich Dalriada (Dal Riata). Im siebten Jahrhundert widersetzten sich die Pikten aber mehr und mehr dem Vordringen der g√§lischen Dalriadianer.

Kenneth MacAlpin, der skotische K√∂nig von Dalriada, lie√ü sich um 843 schlie√ülich auch zum K√∂nig der Pikten ernennen. Erstmals wurden damit die zwei V√∂lker vereint und √ľber den gr√∂√üten Teil des heutigen Schottlands regierte ein allein herrschender K√∂nig. Diese Region wurde zun√§chst Alba genannt, und Kenneth wie auch die nachfolgenden K√∂nige wurden in den folgenden 60 Jahren immer noch als 'K√∂nige der Pikten' bezeichnet.

Dudelsackspieler in den Highlands

In den darauf folgenden knapp zweihundert Jahren wurde Alba von einer ganzen Reihe von Königen regiert. Die Nachfolge wurde durch die Tradition der Tanistry entschieden, das heißt, ein Mitglied der königlichen Familie wurde vorab zu diesem Amt des neuen Königs bestimmt. (vgl. Designation)

Unter den Nachfolgern Kenneth MacAlpins wurden die Pikten und die Skoten langsam zu einem einheitlichen Volk. Das neue K√∂nigreich war recht uneinheitlich strukturiert. Die Lowlands waren nach dem anglo-normannischen Lehnswesen organisiert. In den Highlands hingegen hielten sich die patriarchalischen Clanstrukturen keltischen Ursprungs. Wegen der fortdauernden blutigen √úberf√§lle der Wikinger und der Auseinandersetzungen mit den Hochlandclans konnten die schottischen Herrscher nur mit M√ľhe ihre Unabh√§ngigkeit gegen√ľber den englischen Nachbarn aufrechterhalten. England gewann durch geschickt arrangierte Ehen mit dem schottischen K√∂nigshaus immer mehr Einfluss.

Irland

Das fr√ľhchristliche Irland von 450 bis etwa 800 mit einer eigenst√§ndigen keltischen Kirche war durch Bildung und Kultur in Europa f√ľhrend und entwickelte eine ausgedehnte Missionskultur. Irische Missionare waren in ganz Westeuropa t√§tig. Zu ihren bedeutendsten Klostergr√ľndungen geh√∂rt St. Gallen (ca. 750). Da Irland auf lateinisch ‚ÄěScotia Major‚Äú hie√ü, nannte man diese M√∂nche auch ‚ÄěSchotten‚Äú oder ‚ÄěIroschotten‚Äú. Zu den Klostergr√ľndungen der ‚ÄěSchotten‚Äú geh√∂rt das Schottenstift in Wien. Die Handschrift Book of Kells ist eines der bedeutendsten Kunstwerke jener Zeit, das heute noch erhalten ist.

Book of Kells

Politische Uneinigkeit sowie √úberf√§lle der Wikinger (seit 795) l√§uteten das Ende dieser Zeit ein. Die Wikinger kamen aus Norwegen, hatten schon Orkney und die Shetlandinseln besiedelt, und erreichten danach Irland. Nach der ersten Zeit der √úberf√§lle begannen sie, permanente Siedlungen zu errichten. Diese waren die ersten eigentlichen St√§dte in Irland, aus denen z. B. Dublin, Wexford und Waterford hervorgingen.

Das Endergebnis vieler Kriege war eine St√§rkung und schlie√ülich Dominanz von Tara √ľber das restliche Irland, bei dem auch die Wikinger in Irland ihre Unabh√§ngigkeit einb√ľ√üten. Das Ende des 10. Jahrhunderts sah eine R√ľckkehr zu einer geeinten irischen Regierung unter dem Hochk√∂nig Brian Boru, der im Jahr 1002 alleiniger und unumstrittener Herrscher Irlands wurde und 1014 die Wikinger bei der Schlacht von Clontarf besiegte.

Das geeinte Irland erlebte in den folgenden 150 Jahren eine Zeit relativen Friedens, und machte Fortschritte in Kunst und Kultur (Literatur, Handschriften, Bauwerke im romanischen und gotischen Stil). Diese Zeit endete mit der Invasion der Normannen unter Heinrich II. im Jahr 1169, die durch innerirische Konflikte ausgelöst und gefördert wurde.

Vom Hochmittelalter bis zur fr√ľhen Neuzeit

England

Der Anspruch Eduards III. auf den franz√∂sischen Thron war der Ausl√∂ser f√ľr den Hundertj√§hrigen Krieg, der offiziell 1453 ein Ende fand. Der Konflikt verlief in mehreren Phasen, mit bedeutenden Kampfhandlungen wie der Schlacht von Cr√©cy und der Schlacht von Agincourt. Allerdings belastete er den Staatshaushalt, w√§hrend die Beulenpest, die sich in ganz Europa ausbreitete, England 1349 erreichte und etwa ein Drittel der Bev√∂lkerung t√∂tete. Die schlie√ülich eintretenden Misserfolge im Hundertj√§hrigen Krieg waren mit ein Grund f√ľr die Rosenkriege, einen sich √ľber Jahrzehnte hinziehenden Konflikt zwischen dem Haus von Lancaster und dem Haus von York um die Krone. Dieser endete mit dem Sieg von Henry Tudor, Heinrich VII., in der Schlacht von Bosworth Field 1485.

Heinrich VIII. von England

K√∂nig Heinrich VIII. √ľberwarf sich mit der Katholischen Kirche wegen seiner Scheidung von Katharina von Arag√≥n. Obwohl seine religi√∂se Position nicht unbedingt protestantisch war, resultierte das Schisma in der endg√ľltigen Abwendung Englands von der r√∂mischen Kirche. Ein bemerkenswertes Opfer des Schismas war Heinrichs Kanzler Thomas Moore (Thomas Morus). Es folgte eine Zeit gro√üer religi√∂ser und politischer Unruhe, die zur Reformation f√ľhrte, der k√∂niglichen Zwangsenteignung von Kl√∂stern und Reicht√ľmern der Kirchen.

Heinrichs T√∂chter, Maria I. und Elisabeth I., bekannten sich zu g√§nzlich unterschiedlichen Positionen. Ihre Regentschaften (besonders die Marias) waren von religi√∂sen Verfolgungen gepr√§gt. Die katholische Maria war mit Philipp II. aus dem ebenfalls streng katholischen Spanien verheiratet. Sie wurde 1553 gekr√∂nt. Ihre entschlossenen Versuche, den Protestantismus nach ihrem Amtsantritt zu unterdr√ľcken, brachten ihr den Beinamen ‚ÄěBloody Mary‚Äú ein.

Wales und Cornwall

Unter ihrem letzten Prinzen Owen Glendower unternahmen die Waliser noch einen Versuch, die englische Herrschaft abzusch√ľtteln, doch sein Einmarsch nach England von 1405 (in die N√§he von Worcester) blieb trotz franz√∂sischer Unterst√ľtzung erfolglos, ebenso wie sein Guerillakampf, den er noch bis 1412 fortsetzte.

1497 f√ľhrte Michael An Gof Rebellen aus Cornwall in einem Marsch auf London. In einem Kampf am Fluss Ravensbourne in der Schlacht von Deptford Bridge, k√§mpften An Gof und seine M√§nner am 17. Juni 1497 f√ľr die Unabh√§ngigkeit von Cornwall, wurden aber besiegt. Dieser Kampf war die letzte gr√∂√üere Rebellion bis zum B√ľrgerkrieg.

Schottland

1157 trat Malcolm IV. ‚Äěthe Maiden‚ÄĚ (1153‚Äď1165), Northumbrien an Heinrich II. ab. Sein Bruder William I. (1165‚Äď1214) wurde gezwungen, sich der englischen Lehnsherrschaft zu unterstellen. Alexander II. (1214‚Äď1249) gelang es dann begrenzt, die k√∂nigliche Autorit√§t innen- und au√üenpolitisch wieder herzustellen, doch verlor er die reichen schottischen Besitzt√ľmer auf englischem Boden. Sein Sohn Alexander III. schlug die Wikinger in der Schlacht bei Largs im Jahr 1263 endg√ľltig. W√§hrend seiner Regierungszeit begannen die Schotten, sich als ein einheitliches Volk zu sehen.

Doch schon unter Edward I. von England kam Schottland unter englisches Recht und englische Verwaltung. Daraufhin schloss Schottland mit Frankreich die Auld Alliance zur gegenseitigen Unterst√ľtzung gegen den gemeinsamen Feind England.

Robert Bruce vor der Schlacht von Bannockburn

Dann begann der schottische Unabhängigkeitskampf. 1297 vernichtete William Wallace in der Schlacht von Stirling Bridge ein Heer Edwards I. mit etwa 10.000 Rittern, doch wurde er 1305 in London hingerichtet. So wurde er zum schottischen Märtyrer und Nationalhelden. Darauf besiegte Robert the Bruce 1314 in der Schlacht von Bannockburn mit 8.000 Mann etwa 24.000 Engländer unter Edward II.. 1328 wurde die Unabhängigkeit Schottlands durch den englischen König Edward III. im Abkommen von Edinburgh und Northampton anerkannt.

W√§hrend der Rosenkriege, die England schw√§chten, bl√ľhte Schottland vergleichsweise auf. Doch wurde es von Frankreich und Spanien in erfolglose Kriege mit England hineingezogen (siehe Schlacht von Flodden Field). Seit der Reformation gab es dann auch ein kirchliches Element in diesen internationalen Beziehungen. Weil der Papst die Scheidung von seiner Frau Katharina von Aragon nicht akzeptierte, l√∂ste sich 1534 dann auch der englische K√∂nig Heinrich VIII. von Rom. (vgl. England)

So versuchte der Papst, Schottland unter seinen Einfluss zu bringen, um einen St√ľtzpunkt f√ľr die Gegenreformation unter der F√ľhrung Spaniens oder Frankreichs zu gewinnen. Um dem zuvorzukommen, bot Heinrich VIII. deshalb dem jungen Jakob V. seine Tochter Maria (sp√§ter Mary ‚Äědie Katholische‚ÄĚ) zur Frau an. Doch dieser heiratete 1537 Madeleine, eine Tochter des franz√∂sischen K√∂nigs Franz I. und in zweiter Ehe Marie de Guise. So kam es zum Konflikt mit Heinrich VIII. und 1542, wenige Tage nach der Schlacht von Solway Moss, starb Jakob. Sein einziges legitimes Kind, die gerade mal sechs Tage alte Mary, wurde seine Nachfolgerin.

Irland

1171 erkl√§rte sich Heinrich II. zum K√∂nig von Irland und verteilte L√§ndereien als Lehen an anglo-normannische Barone. Mit der Konsolidierung der anglo-normannischen Vorherrschaft ging die erste zentrale Verwaltung Irlands (insbesondere unter K√∂nig Johann Ohneland (John Lackland) 1199‚Äď1216) und die Gr√ľndung vieler St√§dte einher. Viele der bedeutenden Kathedralen Irlands stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Nur im S√ľdwesten und Nordwesten behielten irische F√ľrsten die Kontrolle √ľber einige entlegene F√ľrstent√ľmer.

1297 wurde das erste irische Parlament eingerichtet. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts kam es in Irland mehrfach zu Erhebungen gegen die englische Oberhoheit, die vor allem in Connacht aufflammten. W√§hrend des Hundertj√§hrigen Kriegs und den darauf folgenden Rosenkriegen nahm der englische Einfluss ab. Zwar machte das 1494 unter Heinrich VII. geschaffene Poynings‚Äô Law die Beschl√ľsse des irischen Parlaments von der Zustimmung des englischen K√∂nigs abh√§ngig, doch √ľbte England faktisch nur √ľber den Pale, einen Landstreifen im Osten Irlands, eine direkte Herrschaft aus.

Unter Heinrich VIII. wurde Irland 1542 direkt der englischen Krone unterstellt. Zudem wurden s√§mtliche Kircheng√ľter auf der irischen Insel eingezogen. Sowohl die Iren als auch die meisten Siedler aus anglo-normannischer Zeit verblieben aber beim katholischen Glauben. Eduard VI. bef√ľrchtete, dass ausl√§ndische M√§chte wie Spanien das √ľberwiegend katholische Irland gegen England ausspielen k√∂nnten und begann mit der gezielten Ansiedlung von Engl√§ndern im Gebiet au√üerhalb des Pale. Deshalb kam es 1568 und 1579 zu Aufst√§nden, doch erst Hugh O'Neill gelang mit spanischer Unterst√ľtzung die Aufstellung eines Heeres. 1595 brach dann ein Aufstand in Ulster aus, der rasch auf ganz Irland √ľbergriff und erst 1603 niedergeschlagen werden konnte.

Der Weg zum Vereinigten Königreich

England

Unter Elisabeth I. (1558‚Äď1603) stieg England zur st√§rksten Seemacht auf. Das geschah notwendigerweise in Auseinandersetzung mit dem bis dahin f√ľhrenden Spanien. Doch die Unterst√ľtzung von englischer Piraterie und die Angriffe auf Kolonien und Silbertransporte mussten Spanien noch besonders reizen, zumal Elisabeth mit der Suprematsakte von 1559 den Protestantismus wieder einf√ľhrte. Die Spanier versuchten deshalb 1588 eine Invasion in England, aber die vom Ungl√ľck verfolgte Spanische Armada wurde durch eine Kombination von Seegefechten und schlechtem Wetter besiegt.

Nach Elisabeths Tod fiel die englische Krone an K√∂nig Jakob VI. von Schottland. Als Jakob I. (1603‚Äď1625) vereinte er 1603 beide L√§nder in Personalunion und bezeichnete sich seit 1604 als K√∂nig von Gro√übritannien. Diese Personalunion bedeutete das Ende der schottischen Selbst√§ndigkeit, auch wenn der Vollzug des Anschlusses noch ein Jahrhundert auf sich warten lie√ü. England war wirtschaftlich und machtpolitisch um ein Mehrfaches st√§rker als Schottland.

Karl I. von England

Zwar war Jakob Protestant und seine Thronfolge, anders als die seiner katholischen Mutter Maria Stuart, unbestritten, doch war er auch ein √ľberzeugter Anh√§nger des Absolutismus. Er musste deshalb zwangsl√§ufig in Konflikt mit dem englischen Parlament geraten, das seit etwa 300 Jahren in steigendem Umfang die politischen Entscheidungen mitbestimmt hatte. Dieser Konflikt sollte freilich erst unter seinem Nachfolger Karl I. ausgetragen werden.

Weil der irische Aufstand von 1595 von Ulster ausgegangen war, siedelte Jakob dort in großem Umfang protestantische englische und schottische Siedler an. Damit erreichte er in der Tat eine größere Loyalität dieser Region zur britischen Krone, andererseits legte er damit den langfristigen religiösen Gegensatz in der Provinz an.

Jakobs Nachfolger Karl I. (1625‚Äď1649) geriet wegen seiner katholischen Ehe und seiner Steuererhebung ohne parlamentarische Zustimmung in Konflikt mit dem Parlament. Dieses forderte 1628 in der Petition of Rights die ausdr√ľckliche Best√§tigung seiner Rechte. Weil er wegen seiner Beteiligung am Drei√üigj√§hrigen Krieg in Finanzn√∂ten war, stimmte der K√∂nig offiziell zu, doch l√∂ste er 1629 das Parlament auf und regierte von da an v√∂llig absolutistisch. Doch 1640 musste er wieder das Parlament einberufen, um die Bek√§mpfung religi√∂ser Unruhen in Schottland zu finanzieren. Das kurze und das unmittelbar folgende Lange Parlament waren von h√§ufigen Konflikten mit der Krone gepr√§gt.

Schlie√ülich brach 1642 der B√ľrgerkrieg aus; Oliver Cromwell ging daraus als F√ľhrer und Sieger hervor. Er k√§mpfte gemeinsam mit den Puritanern und den Kleinadligen (‚ÄěCommons‚Äú) gegen die Lords und den K√∂nig. Es folgte zwischen 1649, dem Jahr der Hinrichtung Karls I., und 1660 eine kurze republikanische Phase (siehe Commonwealth (Staatsform)), wobei es sich de facto um eine Milit√§rdiktatur Cromwells handelte. Dieser legte mit der Navigationsakte 1651 eine wichtige Grundlage f√ľr die Seeherrschaft Englands. Nach seinem Tod 1658 √ľbernahm kurzfristig sein Sohn Richard Cromwell die Macht, doch konnte er sich nicht halten, so dass 1660 Karl II. ins Land gerufen wurde. Karl versprach allgemeine Religionsfreiheit, musste dann aber 1673 in der Testakte eine Bevorzugung der Protestanten zugestehen. 1679 erlie√ü er auf Druck des Parlaments die Habeas-Corpus-Akte. Er war beim Volk sehr beliebt und sorgte f√ľr eine kurze Zeit des Friedens und der kulturellen Bl√ľte.

Sein Nachfolger Jakob II. (1685‚Äď1688) hob als Katholik die Testakte wieder auf und wurde daher vom Parlament abgesetzt. An seiner Stelle wurde sein evangelischer Schwiegersohn Wilhelm von Oranien (1689‚Äď1702) ins Land gerufen, der in der Bill of Rights (1689) die konstitutionelle Beschr√§nkung der Macht des K√∂nigs akzeptierte.

Schottland

Jakob I. zog nach London und kam w√§hrend seiner Regierungszeit nur einmal (1617) nach Schottland. Er versuchte zwar, neu zu vergebende √Ąmter gleichm√§√üig mit Engl√§ndern und Schotten zu besetzen und eine weitgehendere Union der beiden Staaten voranzubringen. Doch musste er das bald zugunsten einer st√§rkeren Beteiligung der Engl√§nder aufgeben.

Jakobs zweiter Sohn Karl I. wurde zwar in Schottland geboren, wuchs jedoch in England auf und war bei seiner Thronbesteigung 1625 mit den schottischen Verhältnissen nicht sehr vertraut. Die größten Probleme im Umgang mit Schottland bereiteten ihm sein vollständiges Festhalten am Gottesgnadentum der Krone sowie sein Versuch, die episkopale anglikanische Kirchenordnung im schon seit 1560 calvinistisch reformierten Schottland durchzusetzen, in dem die Church of Scotland eine bischöflichen Hierarchie zugunsten der presbyterialen Kirchenverfassung ablehnte.

1638 schlossen sich der reformierte schottische Adel und das B√ľrgertum in dem so genannten National Covenant zusammen, in der sie die Unabh√§ngigkeit der neuen, reformierten Kirche von weltlichen Einfl√ľssen und die Abschaffung der alten Hierarchien zugunsten eines Presbyteriums forderten. Die Mitglieder der Bewegung nannten sich seitdem ‚ÄěCovenanters‚Äú.

Auf √§hnliche Widerst√§nde stie√ü Karl I. auch in England. Im Laufe des B√ľrgerkriegs unterzeichnete das englische Parlament einen ‚ÄěSolemn League and Covenant‚ÄĚ, um die Unterst√ľtzung der Schotten zu erhalten. Dieser Akt verpflichtete es den Covenanters gegen√ľber, den Presbyterianismus auch in England und Irland einzuf√ľhren und dazu auch noch eine hohe Geldsumme zu zahlen. Dennoch bildete sich in Schottland unter James Graham, dem Earl of Montrose, eine Royalistenstreitmacht in den Highlands, die die Covenanters bitter bek√§mpfte, jedoch niemals die Unterst√ľtzung der Lowlands erlangte und mit der Niederlage des K√∂nig aufgel√∂st wurde.

Zun√§chst k√§mpfte die Mehrzahl der Schotten also f√ľr die Sache des englischen Parlaments, doch √ľber die Hinrichtung des K√∂nigs 1649 waren so viele emp√∂rt, dass sie seinen Sohn Karl II. in Edinburgh zum K√∂nig ausriefen und 1651 bei Scone inthronisierten. Er sollte der letzte K√∂nig sein, der dort gekr√∂nt wurde.

Die Krönung brachte Oliver Cromwell auch in Schottland auf den Plan: 1650/51 schlug er mit seinen Elitetruppen, den Ironsides, die Schotten zunächst bei Dunbar und dann später nochmals bei Worcester in England. Karl musste nach Frankreich fliehen. Schottland wurde danach von Cromwell besetzt.

Bis 1654 erstickte sein General Monk auch den letzten royalistischen Widerstand im Hochland. Doch 1660 sorgte das von Monk neu einberufene Parlament f√ľr die Restauration der Monarchie, indem es Karl II. einlud, nun auch den englischen Thron zu besteigen. Sein Nachfolger Jakob II. traf wegen seines katholischen Glaubens auf Widerstand. Nach der Einsetzung Wilhelms von Oranien kam es in den schottischen Highlands zu einer Reihe von Aufst√§nden der Jakobiten, der Anh√§nger Jakobs und der Stuartdynastie.

Irland

Unter K√∂nig Karl I. besserte sich die wirtschaftliche Lage und der 1632 zum Lord Deputy in Irland ernannte Thomas Wentworth kam den Katholiken entgegen. Als Karl I. ihn 1641 auf Druck des Parlaments hinrichten lie√ü, erhoben sich die g√§lischst√§mmigen Iren in Ulster und t√∂teten mehrere tausend englische Siedler. Im B√ľrgerkrieg ergriffen die Iren Partei f√ľr die Royalisten. G√§lische Iren, ‚ÄěAlt-Engl√§nder‚Äú und royalistische englische Siedler gr√ľndeten 1642 die Confederation of Kilkenny, die ein katholisches, k√∂nigstreues Irland anstrebte. Ihren Truppen gelang die Eroberung eines gro√üen Teils der irischen Insel, doch wurden Ulster und Dublin von parlamentstreuen Engl√§ndern gehalten. Die in Irland angesiedelten, presbyterianischen Schotten schlossen sich 1648 der Confederation of Kilkenny an. Nach dem Sieg in England unternahm Oliver Cromwell eine Strafexpedition gegen das aufst√§ndische Irland, die 1652 abgeschlossen wurde.

Zahlreiche gefangen genommene Aufst√§ndische wurden als Sklaven in die Karibik verschifft (eines der selteneren Beispiele f√ľr den Export christlicher Sklaven), w√§hrend ein erheblicher Teil der g√§lischst√§mmigen Grundbesitzer zugunsten von republikanischen Soldaten enteignet wurde. So siedelten mehrere Zehntausend parlamentarische Veteranen vor allem in Ulster. Cromwell ordnete an, dass sich die g√§lischen Iren nur noch westlich des Flusses Shannon ansiedeln durften.

Karl II. sympathisierte zwar mit dem katholischen Glauben, erlie√ü aber England bevorzugende Handelsgesetze, so dass Irland seinen Au√üenhandel weitgehend √ľber England abwickeln musste. Wilhelm von Oranien erlie√ü im Kampf gegen die Jakobiten 1695 Gesetze, die zu einer weiteren Konzentration des Grundbesitzes bei protestantischen Engl√§ndern, Schotten und katholischen ‚ÄěAlt-Engl√§ndern‚Äú f√ľhrten.

Die Union

Nach dem Tod Wilhelms von Oranien √ľbernahm dessen Schw√§gerin Anne (1702‚Äď1714) wieder die Herrschaft in Personalunion. Daraufhin wurde Schottland 1706 eine vollst√§ndige politische Union mit England angeboten. Die Angst vor schlechteren Bedingungen im Fall der Weigerung f√ľhrte zur Annahme des Angebots durch das schottische Parlament. England und Schottland wurden gem√§√ü dem Act of Union 1707 zum K√∂nigreich Gro√übritannien vereinigt. Anne wurde erste ‚Äěbritische‚Äú K√∂nigin, das Parlament Englands wurde in das Parlament Gro√übritanniens umgewandelt und um 45 schottische Abgeordnete erweitert. An der Grenze zwischen den beiden Staaten wurden keine Z√∂lle mehr erhoben. Allerdings wurde das englische Recht nicht auf Schottland √ľbertragen und einige schottische Institutionen nicht mit ihrem englischen Gegenst√ľck fusioniert; dazu z√§hlen die Bank of Scotland und die Church of Scotland.

K√∂nigreich Gro√übritannien (1707‚Äď1800)

Robert Walpole

K√∂nigin Anne (1702‚Äď1714) wurde bald in den Spanischen Erbfolgekrieg verwickelt, der nach dem Wahlsieg der Tories dann 1713 beendet wurde. Durch den Act of Settlement war 1701 die protestantische Thronfolge festgelegt worden, so dass nach Annes Tod die Krone an Georg I. aus dem Haus Hannover (Welfen) fiel. Robert Walpole, der erste leitende Premierminister, trat 1742 w√§hrend der Regierungszeit Georgs II. (1727‚Äď1760) zur√ľck. Gro√übritannien griff unter dem Premierminister William Pitt, dem √Ąlteren in den Siebenj√§hrigen Krieg (1756‚Äď1763) ein. Es gewann darin die franz√∂sischen Kolonien in Nordamerika.

Doch dies erwies sich bald als Verlust. Als Georg III. (1760‚Äď1820) die hohen Kriegskosten Steuererh√∂hungen in den √úberseekolonien auszugleichen suchte, kam es zum Aufstand der nordamerikanischen Kolonien im Amerikanischen Unabh√§ngigkeitskrieg (1775‚Äď1783). Nach dessen Ende wurde William Pitt der J√ľngere im Alter von nur 24 Jahren Premierminister.

F√ľr die Stellung Gro√übritanniens in Europa erwies sich der Verlust der amerikanischen Kolonien freilich als Vorteil. W√§hrend der Kontinent von der Franz√∂sischen Revolution in Atem gehalten wurde, ging in Gro√übritannien die Industrielle Revolution voran. In der Auseinandersetzung mit Napol√©on Bonaparte behielten die Briten in der Schlacht von Trafalgar 1805 die Oberhand. Die Kontinentalsperre ab 1806 vertrug Gro√übritannien besser als der Kontinent. Der Verlust der amerikanischen Siedlungskolonien war wegen der Einf√ľhrung des Freihandels weniger problematisch als bef√ľrchtet. Die industrielle Entwicklung brachte Exportm√∂glichkeiten, die die Verdienste aus dem Sklavenhandel bald √ľberstiegen, so dass man ihn 1807 verbieten konnte. W√§hrend Napoleon 1812 seine Kr√§fte in der Auseinandersetzung mit Russland √ľberforderte, hielt sich Gro√übritannien nach seinem Erfolg im Britisch-Amerikanischen Krieg (ebenfalls 1812) weise zur√ľck und konnte so entscheidend in die Befreiungskriege auf dem Kontinent (1813‚Äď1815) eingreifen.

Ereignisse in Irland

Beeindruckt durch den Amerikanischen Unabh√§ngigkeitskrieg forderten die Iren mehr Rechte. Mit Erfolg: Irland erhielt das Recht auf Freihandel und ein eigenes Parlament. Die Ereignisse der Franz√∂sischen Revolution radikalisierten die Iren. Die ‚ÄěGesellschaft der vereinigten Iren‚Äú (Society of the United Irishmen), die sich aus Angeh√∂rigen aller Religionsgemeinschaften zusammensetzte, forderte ein Ende der britischen Besatzung. Ihr Anf√ľhrer Theobald W. Tone forderte die Abschaffung von Gesetzen, mit denen die katholische Mehrheit offen benachteiligt wurde. 1797 kam es zu einem weiteren gro√üen Aufstand in Irland. Napoleon unterst√ľtzte die Iren durch eine Flotte, doch auch diese wurde bald geschlagen.

Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland

Königin Victoria

In der Folge beschloss die Regierung unter William Pitt dem J√ľngeren, die formelle Unabh√§ngigkeit Irlands endg√ľltig zu beenden. So wurde Irland mit dem Act of Union 1800 dem K√∂nigreich Gro√übritannien angeschlossen. Die rechtliche Einheit von Gro√übritannien und Irland wurde am 1. Januar 1801 vollzogen. Es entstand das Vereinigte K√∂nigreich von Gro√übritannien und Irland. Irland entsandte rund 100 Abgeordnete in das House of Commons und 28 Peers in das House of Lords.

Die Au√üenhandelsprobleme aufgrund der Kontinentalsperre und die mangelnde soziale Absicherung der Arbeiterschaft f√ľhrten zu Aufst√§nden der Maschinenst√ľrmer (Ludditen). Im Zuge der Auseinandersetzungen kam es 1819 zum Peterloo-Massaker.

Soziale Reformen

Doch unter Georg IV. (1820‚Äď1830) wurden 1842 Gewerkschaften (Trade Unions) wieder zugelassen, was zu einer reformorientierten Entwicklung auf Seiten der Arbeiterbewegung wie von Seiten der Regierung f√ľhrte. Unter Wilhelm IV. (1830‚Äď1837), der Reformen aufgeschlossen gegen√ľberstand, wurde 1832 eine Unterhausreform (Umverteilung von Wahlkreisen aus dem S√ľden (rotten boroughs) zu den dicht bev√∂lkerten Industriest√§dten des Nordens) und 1833 ein Fabrikgesetz zur Beschr√§nkung der Kinderarbeitszeit eingef√ľhrt. Weitere Reformgesetze folgten (u. a. Armengesetz 1834) und wurden unter K√∂nigin Victoria mit der Einf√ľhrung des 10-Stunden-Tages und der Zentralisierung des Gesundheitswesens 1848 fortgesetzt.

1838 kam es zur Abfassung der People's Charter und der Gr√ľndung der Chartisten-Bewegung, die gleiches Wahlrecht f√ľr alle M√§nner und andere politische Forderungen erhob. Zwar setzten sie ihre Forderungen nicht direkt durch, doch wurde langfristig vieles in ihrem Sinne ver√§ndert. So wurden z. B. ab 1851 √ľberregionale Berufsgenossenschaften gebildet. 1846 schaffte das Kabinett Robert Peel die Getreidez√∂lle entsprechend den W√ľnschen der Arbeiter wie der Industriellen ab und entschied sich damit f√ľr Freihandel. Daraufhin spaltete sich ein Fl√ľgel der Tory-Partei unter Benjamin Disraeli ab, der die Interessen der Gro√ügrundbesitzer vertrat.

Ab 1830 begann eine verst√§rkte Auswanderung in die Kolonien (besonders in die Kapkolonie (S√ľdafrika), Kanada, Australien und Neuseeland). Deshalb erhielten die wei√üen Siedlungskolonien 1865 Selbstverwaltungsrechte. In der Zeit von 1846 bis 1851 kam es in Irland aufgrund schlechter Kartoffelernten zur Gro√üen Hungersnot, welche durch die damals herrschende wirtschaftspolitische Orthodoxie des laissez-faire noch versch√§rft wurde.[1][2] In dieser Zeit verhungerten etwa 1 Million Menschen und etwa 2 Million wanderten aus.[1]

1865/67 kam es in Irland zu Aufst√§nden, die vom Bund der Fenier angef√ľhrt wurden. 1867 f√ľhrte Disraeli die zweite Wahlrechtsreform durch, die zwar die Zahl der W√§hler von 1,4 auf 2,5 Mill. erh√∂hte, aber den Arbeitern auf dem Lande weiterhin das Wahlrecht vorenthielt. 1869 wurde f√ľr Irland die Anglikanische Kirche als Staatskirche abgeschafft und die Irish Parliamentary Party von Charles Stewart Parnell, die f√ľr ein selbst verwaltetes Irland innerhalb des Vereinigten K√∂nigreiches (Home Rule) eintrat, erreichte im Unterhaus von den 1870er Jahren an etwa 60 Sitze.

Eintritt in die Phase des Imperialismus

Benjamin Disraeli

Der Einstieg Gro√übritanniens in dieses neue imperialistische Zeitalter l√§sst sich auf das Jahr 1875 festlegen. Damals kaufte die konservative Regierung Disraeli f√ľr 4 Mill. Pfund die Aktienanteile des √§gyptischen Herrschers Ismail an der Sueskanal-Gesellschaft auf, um diesen strategisch wichtigen Handelsweg nach Indien zu sichern. Die gemeinsame britisch-franz√∂sische Finanzkontrolle √ľber √Ągypten wurde mit der formellen Besetzung durch Gro√übritannien im Jahre 1882 beendet.

Die Angst vor der s√ľdlichen Expansion Russlands war ein weiterer Faktor der britischen Politik. 1878 wurde die Insel Zypern besetzt, als Reaktion auf eine russische Attacke auf das Osmanische Reich und den Krimkrieg von 1854 bis 1856. Auch Afghanistan wurde zeitweise besetzt, um dort den russischen Einfluss zur√ľckzudr√§ngen. Gro√übritannien f√ľhrte in Afghanistan drei blutige und erfolglose Kriege gegen Aufst√§ndische und heilige Krieger. Der erste britisch-afghanische Krieg endete mit einer der verheerendsten Niederlagen des viktorianischen Zeitalters, als die britische Armee 1842 beim Abzug aus Kabul durch paschtunische St√§mme, die mit russischen Waffen ausger√ľstet waren, fast vollst√§ndig ausgel√∂scht wurde. Der zweite britisch-afghanische Krieg f√ľhrte 1880 zu einer verheerenden Niederlage bei Maiwand, der Belagerung Kabuls durch die Afghanen und dem britischen R√ľckzug nach Indien. Im dritten britisch-afghanischen Krieg von 1919 wurden die Briten endg√ľltig vertrieben. Das Great Game um die Vorherrschaft in Zentralasien endete mit einer blutigen, erfolglosen und v√∂llig unn√∂tigen britischen Invasion in Tibet in den Jahren 1903 und 1904.

Zur selben Zeit kamen m√§chtige Interessengruppen aus Wirtschaft und Politik zur Ansicht, dass die Bildung eines ‚Äěformellen‚Äú Imperiums n√∂tig sei, um den Bedeutungsverlust in den Weltm√§rkten aufzuhalten. Vor allem Joseph Chamberlain setzte sich vehement daf√ľr ein. W√§hrend der 1890er wurde der neue Imperialismus zur Leitidee der britischen Politik. Gro√übritannien √ľbernahm bald darauf die Vorreiterrolle in der Aufteilung Afrikas. Der neue Imperialismus entstand also nicht aus einer Position der St√§rke heraus, sondern war vielmehr eine Folge der Angst vor dem wirtschaftlichen Bedeutungsverlust.

Auf dem Weg zu Labour Party, Home Rule und der Beschränkung der Rechte des Oberhauses

William Ewart Gladstone

1884 wird das dritte Wahlrechts√§nderungsgesetz beschlossen, nach dem in jedem Wahlkreis nur noch ein Parlamentssitz vergeben wurde. William Ewart Gladstone, als F√ľhrer der Liberalen Partei Disraelis Gegenspieler, setzte sich energisch f√ľr Home Rule, eine Autonomie Irlands, ein. Dar√ľber kam es 1886 zur Spaltung der Liberalen Partei, Anf√ľhrer der unionistischen Fraktion war Joseph Chamberlain. Die 1883 gebildete Fabian Society schloss sich mit der 1893 gegr√ľndeten Independant Labour Party zusammen. Das B√ľndnis nannte sich ab 1906 Labour Party.

Premierminister nach Gladstone:
Earl of Rosebery | Marquess of Salisbury | Arthur Balfour | Henry Campbell-Bannerman | Herbert Henry Asquith | David Lloyd George

1901 folgte Eduard VII. seiner Mutter Viktoria auf dem Thron. Er mischte sich nicht in die Regierungsgesch√§fte ein. 1902 gab Gro√übritannien seine B√ľndnisfreiheit, splendid isolation auf und schloss mit Japan ein Flottenb√ľndnis, 1904 dann die entente cordiale mit Frankreich.

1910 folgte Georg V. seinem Vater Eduard nach. Die Rechte des Oberhauses wurden 1911 eingeschränkt (Parliament Act). Nachdem es mehrmals den Home-Rule-Vorlagen des Unterhauses widersprochen hatte, entschied dieses, dass solch ein Widerspruch nur noch aufschiebende Wirkung haben könne. 1914, im Jahr des Eintritts in den Weltkrieg, wurde dann das Home-Rule-Gesetz beschlossen.

Erster Weltkrieg und irische Unabhängigkeit

Der Kriegseintritt fand die Zustimmung aller Parteien mit Ausnahme einer Gruppe der Labour Party um Ramsay MacDonald. So wurde 1915 eine Allparteienregierung gebildet. An ihrer Spitze stand David Lloyd George, der durch Einschluss der Konservativen eine breite Koalitionsregierung erreichen wollte. Doch die Anh√§nger Asquiths gingen in die Opposition, sodass die Liberale Partei gespalten wurde. In den Folgejahren erlangte Lloyd George eine fast diktatorische Stellung im Kabinett und verfolgte eine Kriegspolitik, die auf eine vollst√§ndige Niederlage des Deutschen Reichs abzielte. Ostern 1916 kam es zu einem Aufstand in Irland, der zwar niedergeschlagen wurde, aber einen mehrj√§hrigen Guerillakrieg zur Folge hatte. Sinn F√©in, obwohl selbst nur unwesentlich am Aufstand beteiligt, wurde zum Sammelbecken der Unabh√§ngigkeitsbewegung. Bei den Unterhauswahlen von 1918 gewann Sinn F√©in 80 % der irischen Mandate und bildete aus diesen Abgeordneten das First D√°il, das erste irische Parlament seit 1801. Eamon de Valera wurde zum Pr√§sidenten der Republik Irland gew√§hlt, und der Aufbau einer parallelen Regierungs- und Verwaltungsstruktur begann. Die britische Regierung erkl√§rte das Dail unverz√ľglich f√ľr illegal. Der folgende Anglo-Irische Krieg (1919‚Äď1921) f√ľhrte 1921 zum Anglo-Irischen Vertrag, der f√ľr 26 der 32 Irischen Counties die Unabh√§ngigkeit von Gro√übritannien garantierte. Aus den Provinzen Munster, Leinster, und Connaught, sowie drei der neun Counties von Ulster wurde der Irische Freistaat (engl. Irish Free State) gebildet. Die sechs n√∂rdlichen Counties von Ulster bilden Nordirland und blieben Teil des Vereinigten K√∂nigreichs Gro√übritannien und Nordirland.

Die verfassungsrechtlichen Bindungen Irlands zu Gro√übritannien wurden nach und nach aufgel√∂st, bis dann 1949 die Republik Irland gegr√ľndet wurde. Nordirland blieb Teil des Vereinigten K√∂nigreichs und der offizielle Name √§nderte sich in ‚ÄěVereinigtes K√∂nigreich von Gro√übritannien und Nordirland‚Äú.

Zwischenkriegszeit

1924 bildete die Labour Party unter Ramsay MacDonald mit einem Minderheitskabinett die Regierung, doch noch im selben Jahr √ľbernahmen nach Neuwahlen mit Stanley Baldwin wieder die Konservativen das Amt des Premiers. Die Liberalen wurden bei dieser Wahl so geschw√§cht, dass sie bis heute keinen Premierminister mehr gestellt haben. 1926 weitete sich der Streik der Bergarbeiter zum Generalstreik aus, doch brach er bald zusammen, was zu einer Schw√§chung der Gewerkschaften f√ľhrte.

Mit der Festlegung von Dominions wurde das Ende des British Empire eingeleitet. Die Frauen erhielten das Wahlrecht ab 21 Jahren.

1929 wurde die Labour Party erstmals st√§rkste Partei, doch musste sie bald ihre Minderheitsregierung zugunsten einer Allparteienregierung aufgeben. Der Widerstand von Parlamentariern f√ľhrte zu Parteispaltungstendenzen. Das Statut von Westminster vom 11. Dezember 1931 best√§tigte den 1926 festgelegten Dominionstatus. Ab 1933 gab es einen Konjunkturaufschwung insbesondere im Bereich der Kfz- und der Elektroindustrie, doch die Arbeitslosigkeit blieb hoch. Deshalb war die Regierung an einer Beschr√§nkung der R√ľstungskosten interessiert und lie√ü sich daher 1935 auf ein britisch-deutsches Flottenabkommen ein, bei dem das Verh√§ltnis der Flotten auf 35: 100 (D : GB) festgelegt wurde.

Das Ansehen der Monarchie wurde beeinträchtigt, als Eduard VIII. darauf bestand, eine bereits zweimal geschiedene Amerikanerin zu heiraten. 1936 wurde er zur Abdankung gezwungen.

Im Spanischen B√ľrgerkrieg 1936 bis 1939 vertrat Gro√übritannien eine strikte Politik der Nichteinmischung, die sich im Nichteinmischungsabkommen vom August 1936 manifestierte. Darin wurde die milit√§rische Unterst√ľtzung beider B√ľrgerkriegsparteien verboten. Das Abkommen wurde jedoch von Beginn an konsequent durch die faschistischen M√§chte Italien und Deutschland unterlaufen, so dass es in erster Linie den Aufst√§ndischen nutze und der Republik schadete.[3]

Um das 1935 verbesserte Verh√§ltnis zu Deutschland nicht zu gef√§hrden, billigte Gro√übritannien 1936 den deutschen Einmarsch in das entmilitarisierte Rheinland, obwohl das dem Vertrag von Versailles widersprach und akzeptierte 1938 den Anschluss √Ėsterreichs an Deutschland. Im Zuge seiner Appeasement-Politik machte sich Neville Chamberlain sogar f√ľr die Annahme des M√ľnchner Abkommens von 1938 stark, das die Tschechoslowakei zur Abtretung des Sudetenlandes an Deutschland verpflichtete. Erst als Hitler entgegen seinen Versprechungen im M√§rz 1939 in Prag einmarschierte, sagte das Vereinigte K√∂nigreich Polen, Griechenland und Rum√§nien f√ľr den Fall einer deutschen Invasion milit√§rische Unterst√ľtzung zu. Im April 1939 wurde deshalb auch die allgemeine Wehrpflicht wieder eingef√ľhrt.

Zweiter Weltkrieg

Churchill 1944

Auf den deutschen Einmarsch in Polen hin erkl√§rten folgerichtig das Vereinigte K√∂nigreich und Frankreich Deutschland den Krieg. Doch die milit√§rischen Vorbereitungen waren noch nicht weit gediehen, so dass es rasch zu milit√§rischen R√ľckschl√§gen kam (D√ľnkirchen). Auch die britischen Invasionspl√§ne in Skandinavien wurden durch den deutschen Einmarsch in D√§nemark und Norwegen durchkreuzt.

Im Mai 1940 wurde Winston Churchill, der seit 1939 Kabinettsmitglied war und schon lange vor der Appeasement-Politik gewarnt hatte, Premierminister. Doch erlitt auch er weitere R√ľckschl√§ge. Frankreich kapitulierte im Juni 1940 und das Vereinigte K√∂nigreich war damit isoliert. Doch mobilisierte Churchill alle Kr√§fte des Landes f√ľr den Krieg, so dass eine geplante deutsche Invasion in Gro√übritannien durch einen erfolgreichen Luftkrieg verhindert werden konnte. Zwar wurden bei deutschen Luftangriffen Coventry, gro√üe Teile Londons und anderer St√§dte zerst√∂rt und √ľber 32.000 Zivilisten get√∂tet, doch Hitler musste die Invasion aufgeben. Die Situation entspannte sich etwas, als Anfang 1941 die Vereinigten Staaten Gro√übritannien mit Kriegsmaterial unterst√ľtzten (Leih- und Pachtgesetz vom 11. M√§rz 1941). Ebenfalls 1941 wurde eine Dienstpflicht f√ľr Frauen von 20 bis 30 Jahren eingef√ľhrt, die 1942 bis auf 18 bis 50 Jahre ausgeweitet wurde.

Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 wurden gro√üe Teile des britischen Empire in S√ľdostasien von den Japanern besetzt, und Churchills Position geriet ins Schwanken, doch festigte sie sich wieder mit der Besserung der milit√§rischen Lage im Herbst 1942. Am 1. Dezember 1942 legte Lord William Beveridge einen Bericht zur Einf√ľhrung des Wohlfahrtsstaates vor.

Von Ende 1942 ab stellten sich milit√§rische Erfolge ein, zum einen im Nordafrikafeldzug unter F√ľhrung des Generals Bernard Montgomery, zum anderen bei der Invasion Siziliens und Italiens 1943, schlie√ülich bei der Invasion in Frankreich 1944 und der endg√ľltigen Niederwerfung Deutschlands 1945.

Nachkriegszeit (1945‚Äď1951)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Vereinigte Königreich zur Großmacht zweiter Ordnung und verlor nach und nach sein Empire und dann auch seine Vormachtstellung im Commonwealth.

Trotz des milit√§rischen Sieges wurden die Konservativen 1945 abgew√§hlt und Clement Attlee wurde Premier. Er begann einige Verstaatlichungen (Zivilluftfahrt-Gesellschaft, Bank von England, Kohlebergbau, Transportwesen, Gas- und Stromversorgung und ‚Äď besonders umstritten ‚Äď Eisen- und Stahlindustrie) und f√ľhrte 1946 eine umfassende Sozialversicherungsgesetzgebung und den staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service) ein.

1947 schied Indien aus dem Empire aus und das Vereinigte K√∂nigreich trat auf Dr√§ngen der USA dem GATT bei. Ab 1948 erhielt es dann Hilfe aus dem Marshallplan. Im selben Jahr gab es die Verwaltung des Mandatsgebietes Pal√§stina ab und gab Ceylon und Birma, heute Myanmar, die Unabh√§ngigkeit. Ebenfalls 1948 wurde das Prinzip one man one vote eingef√ľhrt und das Doppelwahlrecht f√ľr Eigent√ľmer und Akademiker abgeschafft.

Konservative Regierungen (1951‚Äď1964)

Als die Konservativen mit Winston Churchill wieder den Premier stellten, lie√üen sie die Sozialgesetzgebung unangetastet und nahmen nur die Verstaatlichung der Eisen- und Stahlindustrie zur√ľck. Es folgten Jahre wirtschaftlichen Aufschwungs mit hohen Wachstumsraten im Wohnungsbau. Die Kr√∂nungsfeierlichkeiten f√ľr Elisabeth II. 1953 standen f√ľr die √úberwindung der Einschr√§nkungen der Nachkriegszeit, die auf der Insel etwa bei der Lebensmittelrationierung l√§nger angedauert hatten als im Verliererstaat (West-)Deutschland.

Premier Anthony Eden lie√ü sich 1956 zusammen mit Frankreich wie in alten Zeiten des Empire auf das Abenteuer einer Besetzung des Sueskanalgel√§ndes ein, doch zeigte sich, dass keine Politik mehr gegen den gemeinsamen Druck von Sowjetunion und USA m√∂glich war. So kam es zu Edens R√ľcktritt. Sein Nachfolger Harold Macmillan f√ľhrte das Vereinigte K√∂nigreich 1960 in die EFTA und entlie√ü eine ganze Reihe von Kolonien in die Unabh√§ngigkeit (Ghana, Nigeria, Somalia, Tansania, Sierra Leone, Uganda, Kenia, Malaysia, Zypern und Jamaika). 1961 stellte er einen Beitrittsantrag in die EG (heute EU), der 1963 aufgrund eines Vetos Charles de Gaulles scheiterte. MacMillans Nachfolger Alec Douglas-Home unterlag bei den Unterhauswahlen 1964 knapp dem F√ľhrer der Labour Party Harold Wilson.

Von der Inflation zum Winter of Discontent (1964‚Äď1979)

Wilson konnte eine Schw√§chephase des Pfund Sterling trotz internationaler St√ľtzung durch die Nationalbanken 1967 letztlich nur durch Abwertung (14,3 %) beenden. Auch der Beitritt in die EG (heute EU) 1973 unter dem Konservativen Edward Heath befreite nicht aus dem Inflationsdruck, der durch hohe Streikneigung der Gewerkschaften, besonders der Bergarbeiter 1974, noch erh√∂ht wurde. Die auf Heath folgenden Labourregierungen von Wilson und James Callaghan konnten auch mit Preis- und Lohnkontrollen die Probleme nicht l√∂sen. Au√üerdem stieg die Arbeitslosigkeit 1977 mit 1,3 Mill. auf ihren H√∂chststand seit 1939. Der darauf folgende Streikwinter (Winter of Discontent) f√ľhrte zur Abwahl Callaghans.

Die √Ąra Thatcher (1979‚Äď1990)

Margaret Thatcher

Margaret Thatcher, der erste weibliche Premier des Vereinigten K√∂nigreiches, orientierte sich in ihrer Wirtschaftspolitik an USA-Pr√§sident Ronald Reagan mit einer sehr unternehmerfreundlichen Wirtschaftspolitik und bek√§mpfte konsequent die Macht der Gewerkschaften. Nach dem Sieg im Falklandkrieg 1982 hatte sie dann auch gen√ľgend R√ľckhalt im Parlament und in der Bev√∂lkerung, um einen einj√§hrigen Bergarbeiterstreik unter dem F√ľhrer Arthur Scargill am 3. M√§rz 1985 siegreich zu beenden und danach die Rechte der Gewerkschaften durch eine scharfe Gesetzgebung erheblich zu beschneiden. Im Jahre 1984 sorgte sie unter Verwendung des ber√ľhmten Ausspruches ‚ÄěWhat we are asking for is a very large amount of our own money back!‚Äú (deutsch: ‚ÄěWas wir fordern, ist eine sehr gro√üe Menge unseres eigenen Geldes zur√ľck!‚Äú) f√ľr die Schaffung des sogenannten Britenrabatts, welcher dem Vereinigten K√∂nigreich einen Rabatt auf Beitragszahlungen an die EU zusichert. Mit der Einf√ľhrung eines neuen Kommunalsteuersystems, der poll tax, √ľberbeanspruchte Thatcher aber auch die Loyalit√§t ihrer Parteiangeh√∂rigen und musste am 22. November 1990 zur√ľcktreten. Damit beendete sie nach elf Jahren die l√§ngste fortlaufende Regierungszeit eines Premierministers von Gro√übritannien seit den Napoleonischen Kriegen.

Ihr konservativer Nachfolger John Major blieb trotz solider Arbeit in ihrem Schatten, war zeitweise aufgrund Inflation und Arbeitslosigkeit der unbeliebteste Premier der Nachkriegszeit (14 % in Umfrageergebnissen) und erhielt aufgrund einer Reformentwicklung der Labour Party ‚Äď unter Neil Kinnock, John Smith und Tony Blair ‚Äď zu New Labour am 1. Mai 1997 eine schwere Wahlniederlage.

New Labour (1997‚Äď2010)

Tony Blair

Tony Blair f√ľhrte zwar einerseits Arbeitsbeschaffungsprogramme und Mindestl√∂hne ein, doch betrieb er daneben auch industriefreundliche Deregulierung, so auch eine gr√∂√üere Unabh√§ngigkeit der Bank of England. Popul√§r machte er sich auch durch seine rasche Reaktion auf den Tod der beliebten Prinzessin Diana, der queen of hearts, besonders da die k√∂nigliche Familie dem Volk befremdliche Zur√ľckhaltung √ľbte.

Erfolge waren auch seine Einf√ľhrung von Regionalparlamenten in Schottland und Wales 1999 und das Nordirlandabkommen vom 10. April 1998. Dass dies kein dauerhafter Erfolg war, sondern am 11. Februar 2000 wieder die direkte Herrschaft der Londoner Regierung eingef√ľhrt werden musste, tat seiner Popularit√§t allerdings weniger Abbruch als seine bedingungslose Zustimmung zum dritten Golfkrieg, der von US-Pr√§sidenten George W. Bush als Anti-Terrorkrieg ausgerufen wurde. Denn die Bev√∂lkerungsmehrheit war eindeutig gegen den Krieg eingestellt. Dennoch konnte er sich sowohl bei nationalen Wahlen wie auch gegen seine innenparteilichen Konkurrenten weiterhin durchsetzen. Bei den Unterhauswahlen 2005 erlangte Labour trotz erheblicher Verluste erneut die absolute Mehrheit und stellte damit weiterhin mit Tony Blair den Premierminister. 2007 kam es allerdings zum Wechsel an der Spitze von Labour, da Blair auf Grund des Irakkrieges au√üen- und innenpolitisch zunehmend unter Druck geriet, √ľbergab er den Parteivorsitz an den bisherigen Schatzkanzler Gordon Brown, der ihm am 27. Juni auch als Premier nachfolgte.

David Cameron

Koalitionsregierung aus Tories und Liberaldemokraten (ab 2010)

Nach den Unterhauswahlen 2010 verlor Labour die Mehrheit an die oppositionellen Tories, die allerdings keine absolute Mehrheit an Sitzen erreichen konnten, daraufhin ging der Vorsitzende der Tories David Cameron eine f√ľr britische Verh√§ltnisse ungew√∂hnliche Koalition mit den Liberaldemokraten unter Nick Clegg ein und wurde am 11. Mai 2010 schlie√ülich neuer britischer Premierminister, Clegg Vizepremier.

Neuzeitliche Staaten

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ a b BBC History: Jim Donelly; The Irish Famine
  2. ‚ÜĎ Edward J. O‚ÄôBoyle: CLASSICAL ECONOMICS AND THE GREAT IRISH FAMINE: A STUDY IN LIMITS Forum for Social Economics, Bd 35, Nr 2, 2006 (PDF).
  3. ‚ÜĎ √Āngel Vi√Īas (1987): Der internationale Kontext, In: Tu√Ī√≥n de Lara, Manuel et al (Hrsg.): Der Spanische B√ľrgerkrieg. Eine Bestandsaufnahme, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S.187-295.

Literatur

  • Davies, Norman: The Isles, Oxford University Press 1999, ISBN 0-19-513442-7
  • Simon Schama: A History of Britain: At the Edge of the World, 3500 BC‚Äď1603 AD, BBC/Miramax, 2000 ISBN 0-7868-6675-6
  • Simon Schama: A History of Britain, Volume 2: The Wars of the British 1603‚Äď1776 , BBC/Miramax, 2001 ISBN 0-7868-6675-6
  • Simon Schama: A History of Britain ‚Äď The Complete Collection on DVD, BBC 2002

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