Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (1945‚Äď1990)

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Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (1945‚Äď1990)

Ausgangssituation 1945

Köln 1945
Besetzte Gebiete der späteren Bundesrepublik Deutschland und der späteren DDR 1945

Bei der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 standen US-amerikanische und britische Truppen auf dem Gebiet Westdeutschlands und hatten zudem noch Th√ľringen und Teile Sachsens, des sp√§teren Sachsen-Anhalts und Mecklenburgs besetzt. Aufgrund von vorher getroffenen Absprachen zogen sich die Westalliierten am 1. Juli auf das vertraglich festgelegte Gebiet zur√ľck.

Auf der Potsdamer Konferenz im August 1945 teilten die Drei Mächte USA, Sowjetunion und das Vereinigte Königreich das Deutsche Reich in Besatzungszonen auf.

Dabei erhielt die Sowjetunion das Gebiet der sp√§teren DDR und die deutschen Ostgebiete, die sie mit der Ausnahme von Nord-Ostpreu√üen (heute Oblast Kaliningrad) unter polnische Verwaltung stellen lie√ü. Das Vereinigte K√∂nigreich beanspruchte das Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die US-amerikanische Besatzungszone erstreckte sich √ľber Bayern, Hessen, Teile von W√ľrttemberg und Baden sowie Bremen und Bremerhaven. Frankreich erhielt das sp√§tere Rheinland-Pfalz und Teile von W√ľrttemberg und Baden. Das Saarland wurde unter franz√∂sische Verwaltung gestellt. Die Siegerm√§chte teilten die ehemalige Reichshauptstadt Berlin in vier Sektoren auf.

F√ľr ganz Deutschland wurde der Alliierte Kontrollrat mit Sitz in Berlin als Verwaltungsgremium geschaffen.

In den Ostgebieten, der Tschechoslowakei und anderen Teilen Osteuropas begann in der Folgezeit die systematische Vertreibung der deutschen Bev√∂lkerung. Etwa 14 bis 16 Millionen Menschen wurden in die westlichen- und in die Sowjetische Besatzungszone vertrieben oder mussten fl√ľchten und belasteten die ohnehin schwierige Lage zus√§tzlich, bald bestand in einigen Gebieten der Gro√üteil der Bev√∂lkerung aus Vertriebenen.

In Deutschland selbst war das Leben in den teils zerbombten St√§dten mangels Wohnraum sowie wegen Nahrungsmittelknappheit, zerst√∂rter Infrastruktur, fehlender Stromversorgung und auch daraus folgender Brennstoffknappheit sehr schwierig. Weil viele M√§nner in Kriegsgefangenschaft waren, beseitigten Tr√ľmmerfrauen die Tr√ľmmer in den St√§dten. Stadtbewohner fuhren massenhaft bei so genannten Hamsterfahrten aufs Land, um gegen Sachg√ľter Lebensmittel einzutauschen. Es gab keine offizielle W√§hrung, der Schwarzmarkt und der Handel mit Sachg√ľtern bl√ľhte, US-amerikanische Zigaretten wurden zu einer Ersatzw√§hrung. Wegen des Brennstoffmangels wurden zahlreiche B√§ume abgeholzt oder Kohlenz√ľge gepl√ľndert. Lebensmittel waren nur √ľber Lebensmittelmarken oder aus eigenem Anbau zu haben.

Die Besatzungsm√§chte ordneten die Entnazifizierung an, verboten die NSDAP und ihre Unterorganisationen und lie√üen alle faschistischen Symbole entfernen. Die Deutschen in den westlichen Besatzungszonen wurden anhand von Frageb√∂gen systematisch auf ihre nationalsozialistische Vergangenheit untersucht. Allerdings gab es zahlreiche M√∂glichkeiten, sich auf dem Schwarzmarkt einen ‚ÄěPersilschein‚Äú zu besorgen. Zahlreiche √Ąmter wurden neu besetzt, auch zahlreiche Neulehrer wurden in wenigen Monaten zum Dienst ausgebildet. Am 14. November 1945 begann in N√ľrnberg der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, bei dem am 1. Oktober 1946 12 der 21 Angeklagten zum Tode verurteilt wurden. Daran anschlie√üend gab es Folgeprozesse gegen andere Kriegsverbrecher.

Siehe auch: Rechtslage des Deutschen Reiches nach 1945

Besatzungszeit

‚Üí Hauptartikel: Deutschland 1945‚Äď1949, Besatzungszone

In den Jahren 1946/1947 entstanden die meisten heutigen westdeutschen Bundesl√§nder ‚Ästteilweise durch Zusammenschluss vorher eigenst√§ndiger L√§nder und ehemaliger preu√üischer Provinzen¬†‚Äď und die ersten freien Kommunal- und Landtagswahlen konnten abgehalten werden. Im Februar 1946 wurde in der Britischen Besatzungszone ein Zonenbeirat aus Vertretern von Parteien, Gewerkschaften und der Verwaltung zur Beratung der Milit√§rregierung gebildet. Am 1. Dezember 1946 gab sich Hessen als erstes Land eine Nachkriegsverfassung. Allerdings wurde der Artikel 41 der Verfassung, der die √úberf√ľhrung der Betriebe der Schl√ľsselindustrien in Volkseigentum vorsah, nie verwirklicht.[1] Mit Konrad Adenauer als Vorsitzendem der CDU in der britischen Zone und Kurt Schumacher als Vorsitzendem der SPD traten im Fr√ľhjahr 1946 zwei wegweisende Personen auf den Plan. Im April 1946 nahmen die deutschen Gerichte wieder die Arbeit auf. Ebenfalls im August dieses Jahres begannen US-amerikanische Wohlfahrtsverb√§nde mit der Lieferung von CARE-Paketen nach Deutschland, um die Hungersnot zu lindern; im September 1946 gr√ľndete sich der RIAS in Berlin. Der US-Au√üenminister James F. Byrnes betonte in seiner Stuttgarter Rede vom 6. September 1946 seine positive Einstellung in der Deutschlandpolitik und k√ľndigte einen Wandel in den deutsch-amerikanischen Beziehungen an. Er deutete auch eine fortdauernde Pr√§senz der Westalliierten in Deutschland an.

Am 1. Januar 1947 entstand mit der Vereinigung von US-amerikanischer und britischer Besatzungszone die Bizone. Ebenfalls in diesem Monat erschien erstmals das Magazin Der Spiegel. Der Alliierte Kontrollrat l√∂ste im Februar 1947 das Land Preu√üen auf, um so eine R√ľckwendung der Deutschen zu ihren milit√§rischen Traditionen zu verhindern. Am 5. Juni 1947 lief der Marshallplan an und im Juli wurde in der Bizone ein Wirtschaftsrat gebildet, um das Wirtschaftsleben wieder in Gang zu bringen. Bei den Treffen der Gruppe 47 konnten die ersten Werke der Nachkriegsliteratur vorgestellt werden.

Gr√ľndung der Bundesrepublik Deutschland 1949

Nach dem Scheitern der Londoner Au√üenministerkonferenz im Dezember 1947 wurde der Graben zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion un√ľberwindlich. In den Monaten Februar und M√§rz 1948 fand die Londoner Sechsm√§chtekonferenz mit den USA, Gro√übritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg statt, die √ľber die Bildung eines westdeutschen Staates und den Br√ľsseler Pakt, ein B√ľndnis zur Wahrung westlicher Interessen gegen das Machtstreben der Sowjetunion, diskutierte. Aus Protest gegen die Beschl√ľsse verlie√ü der sowjetische Gesandte am 20. M√§rz den Alliierten Kontrollrat, welcher damit gescheitert war. Ebenfalls im M√§rz 1948 begann Ludwig Erhard als Chef der Wirtschaftsverwaltung der Bizone seine Karriere in der sp√§teren Bundesrepublik; zur gleichen Zeit wurde die Bank deutscher L√§nder, Vorg√§ngerin der Bundesbank, gegr√ľndet.

Luftbr√ľckendenkmal Berlin-Tempelhof, im Volksmund Hungerharke genannt

Mit der W√§hrungsreform vom 20. Juni 1948, an der auch West-Berlin teilnahm, zeichnete sich das Wirtschaftswunder ab, das parallel zur Einf√ľhrung der D-Mark den Schwarzmarkt allm√§hlich austrocknete. Daraufhin verh√§ngte die Sowjetunion am 24. Juni 1948 die Berlin-Blockade, worauf die Westalliierten ab dem 26. Juni 1948 mit der Luftbr√ľcke nach Berlin reagierten.

Am 1. Juli 1948 √ľbergaben die Milit√§rgouverneure Frankreichs, des Vereinigten K√∂nigreiches und der USA den westdeutschen Ministerpr√§sidenten die Frankfurter Dokumente, Papiere, in denen sie ihre Vorstellungen zur Bildung eines deutschen Staates mitteilten. Daraufhin berieten sich die L√§nderchefs und fassten vom 8. bis 10. Juli 1948 die Koblenzer Beschl√ľsse, womit sie verdeutlichten, dass es keiner Staatsgr√ľndung, sondern lediglich einer Neuorganisierung Deutschlands bedarf. Die Mitglieder einer verfassunggebenden Versammlung sollten von den Landtagen und nicht direkt gew√§hlt werden. Vom 10. bis 23. August 1948 traf sich der Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee zur Vorbereitung dieser Versammlung.

Am 1. September 1948 trat der 65-köpfige Parlamentarische Rat unter Vorsitz von Konrad Adenauer in Bonn zusammen und arbeitete in den folgenden Monaten das Grundgesetz aus. Im April 1949 beschlossen die drei Westmächte, die Militärregierungen in den Westzonen durch die Alliierte Hohe Kommission abzulösen und das Besatzungsstatut festzuschreiben. Westdeutschland wurde zur Trizone vereinigt. Am 8. Mai 1949 legten die Mitglieder des Parlamentarischen Rats das Grundgesetz vor. Am 10. Mai wurde die Hauptstadtfrage erörtert und letztendlich zu Gunsten von Bonn geklärt. Die anderen Bewerber waren Kassel, Frankfurt am Main und Stuttgart. Am 12. Mai 1949 genehmigten die drei westlichen Militärgouverneure das Grundgesetz, vorbehaltlich der Bestimmungen des Besatzungsstatuts. Am 12. Mai beendete die Sowjetunion die Berlinblockade.

Das Grundgesetz wurde von den Landtagen angenommen, es gab keine Volksabstimmung. Nur Bayern verweigerte sich, weil es den Mangel an F√∂deralismus kritisierte, trotzdem akzeptierte der Freistaat die G√ľltigkeit des Grundgesetzes auch f√ľr sich. So trat das Grundgesetz nach Verk√ľndung am 23. Mai 1949 mit Anbruch des 24. Mai 1949 in Kraft: Die Bundesrepublik Deutschland war entstanden.

Konstituierung der Verfassungsorgane

Am 14. August 1949 fand die erste Wahl zum Deutschen Bundestag statt. Die CDU/CSU wurde st√§rkste Kraft, die SPD folgte aber dicht dahinter. Insgesamt zogen elf Parteien in den Bundestag ein. Die konstituierenden Sitzungen von Bundestag und Bundesrat fanden am 7. September 1949 in Bonn statt. Alterspr√§sident Paul L√∂be er√∂ffnete die Bundestagssitzung und √ľbergab die Leitung sp√§ter an den gew√§hlten Bundestagspr√§sidenten Erich K√∂hler. Der Bundesrat w√§hlte den nordrhein-westf√§lischen Ministerpr√§sidenten Karl Arnold zum Vorsitzenden und damit zum Stellvertreter des Bundespr√§sidenten. Am 12. September 1949 w√§hlte die Bundesversammlung Theodor Heuss im zweiten Wahlgang zum Bundespr√§sidenten, sein st√§rkster Gegenkandidat war Kurt Schumacher. Am 15. September 1949 w√§hlte der Bundestag mit exakt der ben√∂tigten Mehrheit Konrad Adenauer zum Bundeskanzler. Dieser bildete eine Regierungskoalition aus CDU/CSU, FDP und Deutscher Partei.

√Ąra Adenauer

Konrad Adenauer betrieb in seiner Politik eine Westintegration der Bundesrepublik, was schon mit dem Petersberger Abkommen deutlich wurde, das er mit der Alliierten Hohen Kommission schloss. Vor allem seitens der SPD mit ihren Vorsitzenden Kurt Schumacher und sp√§ter Erich Ollenhauer gab es heftige Kritik an dieser Richtungsentscheidung, weil eine Zementierung der Deutschen Teilung bef√ľrchtet wurde. Innerhalb der Regierungskoalition blieb die Politik ebenfalls nicht widerspruchslos. Im Oktober 1950 trat Bundesinnenminister Gustav Heinemann aus Protest gegen die geplante Wiederbewaffnung und den F√ľhrungsstil Adenauers zur√ľck. Bereits am 30. November 1949 erwog Adenauer die politische Durchsetzbarkeit eines deutschen Kontingentes f√ľr eine europ√§ische Armee. Am 23. April 1949 in der Schlusserkl√§rung der Londoner Deutschland-Konferenz verzichtet die Bundesrepublik Deutschland auf einige Grenzgebiete zu den Niederlanden (Elten-, Selfkantgebiet), im Gegenzug verzichten die Niederlande auf die Umsetzung des Bakker-Schut-Plans.

Das Vertriebenenministerium musste ab 1949 die Bereitstellung von Wohnraum und den finanziellen Lastenausgleich organisieren. Etwas √ľber 14 Millionen Deutsche waren zwischen 1944/1945 und 1950 von Flucht und Vertreibung betroffen, etliche davon kamen in die Bundesrepublik.

Am 2. April 1950 ver√∂ffentlichte der Bundestagsausschu√ü f√ľr Besatzungsangelegenheiten einen Bericht, wonach die Bundesrepublik im Jahr 1949 rund 4,5 Milliarden DM an die alliierten Besatzungsm√§chte gezahlt hat, was fast 50 Prozent der gesamten Bundeseinnahmen entsprach. F√ľr jeden Bundesb√ľrger bedeutete dies einen Anteil von 95,46 DM, was fast einem durchschnittlichen Monatslohn gleichkam.

Am 24. Mai 1950 ernannte Bundeskanzler Adenauer General a.D. Gerhard Graf von Schwerin zu seinem ständigen Berater in militärischen und Sicherheitsfragen.

Am 26. Oktober 1950 folgte die Ernennung von Theodor Blank (CDU) zum ‚ÄěBeauftragten des Bundeskanzlers f√ľr die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenh√§ngenden Fragen‚Äú. Blank berief hierzu die ehemaligen Gener√§le der Wehrmacht Adolf Heusinger und Hans Speidel als milit√§rische Berater. Das ‚ÄěAmt Blank‚Äú wurde zur Keimzelle des sp√§teren Verteidigungsministeriums.

1952 machte Josef Stalin den Vorschlag, Deutschland als ein neutrales Land wieder zu vereinigen. Die Stalin-Noten sorgten f√ľr Irritationen, wurden aber seitens der Westm√§chte abgelehnt, weil man eine Vereinnahmung von ganz Deutschland durch die Sowjetunion bef√ľrchtete. 1954 folgte eine ergebnislose Au√üenministerkonferenz der Vier M√§chte in Berlin √ľber die Wiedervereinigung (der Brite Anthony Eden, der Amerikaner John Foster Dulles, der Franzose Georges Bidault und Wjatscheslaw Molotow f√ľr die Sowjetunion; 25. Januar bis 18. Februar 1954).[2] Es kam nicht zu freien Wahlen in ganz Deutschland. Es folgten die Pariser Vertr√§ge, inklusive westlichem Deutschlandvertrag, und die staatliche Souver√§nit√§t der DDR. Am 25. Januar 1955 erkl√§rt die Sowjetunion einseitig den Kriegszustand mit Deutschland f√ľr beendet. Knapp ein halbes Jahr sp√§ter verk√ľndete der Generalsekret√§r der KPdSU, Nikita Chruschtschow, am 26. Juli auf einer Kundgebung in Ost-Berlin die sowjetische Zwei-Staaten-Theorie, die von zwei deutschen Staaten ausgeht, deren Sache die Wiedervereinigung selbst sei (siehe auch Molotow-Plan).

Ein wichtiges politisches Thema der Folgezeit war der Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik f√ľr Deutschland in den Grenzen von 1937. Die Hallstein-Doktrin besagte, dass die Bundesrepublik Deutschland mit jedem Staat, der die DDR diplomatisch anerkannte, die diplomatischen Beziehungen beenden sollte. Die Doktrin wurde erstmals 1957 in Bezug auf Jugoslawien angewendet. Sie hinderte Adenauer aber nicht daran, im September 1955 nach Moskau zu reisen, um mit der Sowjetunion, der Schutzmacht der DDR, diplomatische Beziehungen aufzunehmen und die R√ľckkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus sowjetischen Lagern zu erwirken. Die Doktrin verlor Ende der 1960er Jahre ihre Bedeutung.

1951 wurde das Ausw√§rtige Amt wieder errichtet und der Bundesgrenzschutz gegr√ľndet; die Bundesrepublik wurde Mitglied im Europarat. 1952 einigten sich Konrad Adenauer und Theodor Heuss in einem Briefwechsel auf das Haydn-Hoffmann-Lied als deutsche Nationalhymne. Heuss lie√ü sich zun√§chst Zeit mit der pr√§sidialen Entscheidung, teilte dann aber im Bulletin der Bundesregierung im Mai 1952 mit, dass bei staatlichen Anl√§ssen die dritte, ‚Äědemokratische Strophe‚Äú des Deutschlandliedes gesungen werden solle. Im April 1952 entstand das Bundesland Baden-W√ľrttemberg.

Die Westbindung schritt voran. 1952 entstand der Deutschlandvertrag, und der EVG-Vertrag wurde unterzeichnet, scheiterte aber 1954. In diesem Jahr gr√ľndete sich gleichfalls die Montanunion; mit ihr endete die internationale Kontrolle √ľber das Ruhrgebiet.

Im September 1952 wurde mit Israel das Luxemburger Abkommen zur Entsch√§digung von NS-Opfern unterzeichnet. Im Oktober 1952 verbot das Bundesverfassungsgericht die rechtsradikale Sozialistische Reichspartei (SRP), im August 1956 die KPD. Dies blieben die einzigen Parteiverbote in der Bundesrepublik. Bei der Bundestagswahl im September 1953 konnte die CDU dazugewinnen und Theodor Heuss 1954 als Bundespr√§sident wiedergew√§hlt werden. Ab 1954 wurde in der Bundesrepublik der 17. Juni als ‚ÄěTag der deutschen Einheit‚Äú begangen; Anlass war der 17. Juni 1953, der Tag des Volksaufstandes in der DDR.

Nach dem Scheitern der Europ√§ischen Verteidigungsgemeinschaft wurde die Bundesrepublik im Mai 1955 Mitglied der NATO und der WEU. Gegen die Wiederbewaffnung gab es massive Widerst√§nde und Bedenken quer durch alle Gesellschaftsschichten. Bei der Gr√ľndung der Bundeswehr wurde gleichzeitig die M√∂glichkeit er√∂ffnet, den Wehrdienst zu verweigern und stattdessen Zivildienst zu leisten. Aufgrund ihrer Erfahrung wurden viele fr√ľhere NS-Milit√§rs in der neu geschaffenen Armee besch√§ftigt. Das Verschweigen der NS-Vergangenheit von Mitgliedern der Bundeswehr, aber auch von anderen Funktion√§ren und die Verdr√§ngung der Vergangenheit, sollte sp√§ter eine gro√üe Belastung f√ľr die bundesrepublikanische Gesellschaft werden. Erster Verteidigungsminister wurde Theodor Blank, der sp√§ter von Franz-Josef Strau√ü, dem fr√ľheren Minister f√ľr Atomfragen, abgel√∂st wurde. Zeitweise wurde eine atomare Bewaffnung der Bundesrepublik erwogen. Im April 1956 ging aus der fr√ľheren Organisation Gehlen der Bundesnachrichtendienst hervor.

Bundesrepublik (blau), DDR (rot) und West-Berlin (gelb), wie sie von 1957‚Äď1990 existierten

Der nach einer Volksabstimmung im Saargebiet mit Frankreich geschlossene Vertrag von Luxemburg erm√∂glichte den zum Jahresbeginn 1957 wirksamen Beitritt des Saarland zur Bundesrepublik. Mit den R√∂mischen Vertr√§gen wurde am 25. M√§rz 1957 die EWG, Vorg√§ngerorganisation von EG und EU, ins Leben gerufen, die Bundesrepublik war Gr√ľndungsmitglied. Am 13. M√§rz 1957 gab das US-amerikanische Hauptquartier in der Bundesrepublik die Ausr√ľstung der US-Streitkr√§fte mit Nuklearwaffen bekannt.

Bei der Bundestagswahl 1957 erhielt die CDU die absolute Mehrheit. Konrad Adenauer zog 1959 eine Kandidatur als Bundespr√§sident in Betracht, die er dann aber verwarf. Im Juli 1959 wurde schlie√ülich der fr√ľhere CDU-Landwirtschaftsminister Heinrich L√ľbke zum Bundespr√§sidenten gew√§hlt. Im November 1959 streifte die SPD im Godesberger Programm ihr Selbstbildnis einer Arbeiterpartei ab und wandelte sich zu einer Volkspartei.

Nach mehreren ‚ÄěBerlinkrisen‚Äú und um den Fl√ľchtlingsstrom aus der DDR in die Bundesrepublik zu stoppen, riegelte die DDR-Regierung am 13. August 1961 die Grenze zu West-Berlin ab und begann mit dem Bau der Berliner Mauer. Die Westm√§chte protestierten lediglich verhalten, auch aus Furcht, eine schwere Krise heraufzubeschw√∂ren. US-Pr√§sident John F. Kennedy sagte bei seiner Berliner Rede im Juni 1963 den ber√ľhmten Satz ‚ÄěIch bin ein Berliner‚Äú.

Bei den Bundestagswahlen im September 1961 verlor die CDU ihre absolute Mehrheit, bildete aber weiterhin die Regierung. Im Oktober 1962 st√ľrzte Verteidigungsminister Strau√ü √ľber die Spiegel-Aff√§re. Im Januar 1963 erreichte mit dem √Člys√©e-Vertrag die Auss√∂hnung der bisherigen ‚ÄěErbfeinde‚Äú Deutschland und Frankreich ihren H√∂hepunkt. Frankreich ist seither wichtigster Partner der deutschen Au√üenpolitik.

Schon 1961 hatte Adenauer angek√ľndigt, nicht mehr f√ľr eine volle Legislaturperiode im Amt bleiben zu wollen. Trotz Querelen zwischen Adenauer und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard bestimmte die CDU diesen im April 1963 zum Nachfolger als Bundeskanzler. Konrad Adenauer trat am 15. Oktober 1963 von seinem Amt zur√ľck.

Wirtschaftswundergesellschaft

Nach der W√§hrungsreform 1948 entwickelte sich in der Bundesrepublik das Wirtschaftswunder. Die Arbeitslosigkeit der Nachkriegszeit verschwand allm√§hlich, bis schlie√ülich 1962 die Vollbesch√§ftigung erreicht war. Der steigende Bedarf an Arbeitskr√§ften wurde anfangs durch den Fl√ľchtlingsstrom aus der DDR gedeckt; als dieser abbrach, warb man Gastarbeiter im Ausland an.

Zuerst wurde der Bedarf nach Grundnahrungsmitteln gedeckt, die Lebensmittelkarten wurden 1950 abgeschafft, danach der Bedarf nach Feinkostartikeln befriedigt. Anschlie√üend wurde die Nachfrage nach Bekleidung gestillt (‚ÄěFresswelle‚Äú, ‚ÄěEdelfresswelle‚Äú und ‚ÄěBekleidungswelle‚Äú). Damit ging auch die Verdr√§ngung der ‚ÄěTante-Emma-L√§den‚Äú durch Superm√§rkte mit breitem Sortiment einher. Durch den steigenden Wohlstand vollzogen sich der √úbergang vom Verk√§ufermarkt zum K√§ufermarkt und die Bedeutung der Werbung nahm stark zu. Der Tourismus entwickelte sich, auch durch die steigende Zahl von Urlaubstagen und Verk√ľrzung der Arbeitszeit. Waren anfangs nur innerdeutsche Urlaubsziele gefragt, so stieg bei steigendem Wohlstand auch die Beliebtheit fernerer Ziele wie Italien.

D-Schild

Anfang der 1950er fuhren die meisten Bundesb√ľrger noch mit Fahrrad, Bus und Bahn. Zunehmend wurden Motorr√§der popul√§r und in den 1960er stiegen die Verkaufszahlen der nun massenhaft produzierten Automobile stark an. Der VW K√§fer wurde so zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders. In der Landwirtschaft verdr√§ngten gro√üe Agrarbetriebe mit ihrer modernen Technik kleine Landwirtschaftsbetriebe. Diese Entwicklung wurde auch durch die Flurbereinigung und die Agrarpolitik in der EWG beg√ľnstigt.

Die Frauen wurden rechtlich besser gestellt, trotzdem war ihre Haupttätigkeit weiterhin die der Hausfrau und Mutter.

Aus Protest gegen den ‚ÄěWohlstandsmief‚Äú der Erwachsenen entwickelte die Jugend eine eigene Kultur, die sich vor allem im Rock ‚Äôn‚Äô Roll ausdr√ľckte. Idole der Zeit waren James Dean, Marlon Brando und Elvis Presley.

Da nach wie vor der Wohlstand sehr ungleich verteilt war und es eine hohe Anzahl von Sozialhilfeempf√§ngern gab, versuchte die Bundesregierung, soziale Missst√§nde abzubauen; dementsprechend stieg der Anteil der Sozialausgaben am Bundeshaushalt enorm an. Dennoch waren vor allem kinderreiche Familien und Rentner benachteiligt, und so f√ľhrte man 1957 die dynamische Rente ein, um die Einkommen der Rentner der Einkommensentwicklung der √ľbrigen Bev√∂lkerung anzupassen. Ebenso dienten Ma√ünahmen wie das Mutterschaftsschutzgesetz und die Einf√ľhrung des Kindergeldes diesem Zweck. Der Wohnungsbau spielte in der Nachkriegszeit eine bedeutende Rolle. Durch schnell steigende L√∂hne kam auch zunehmend die breite Masse der Arbeiter in den Genuss der wirtschaftlichen Entwicklung.

1950 wurde die Arbeitsgemeinschaft der √∂ffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) gegr√ľndet. Am 25. Dezember 1952 erschien das erste Fernsehtestprogramm. Verschiedene Spielfilme waren in der Anfangszeit des Fernsehens wahre Stra√üenfeger. 1963 nahm durch den Rundfunkstaatsvertrag das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) seinen Betrieb auf. 1967 wurde das Farbfernsehen in der Bundesrepublik eingef√ľhrt.

Das Kino war eine beliebte Freizeitbesch√§ftigung. Man wollte die Vergangenheit vergessen und das Leben unbeschwert genie√üen, und so erhielt der Heimatfilm gro√üen Zuspruch beim Publikum. Eine pr√§gende Figur in Film und Fernsehen war Heinz Erhardt. Der 1951 gedrehte Film Die S√ľnderin wurde wegen einer kurzen Nacktszene mit Hildegard Knef zum Skandal. 1957 wurde die Prostituierte Rosemarie Nitribitt ermordet. Der 1958 √ľber diesen Mord gedrehte Film verstand sich auch als Gesellschaftskritik. Rowohlts Rotations Romane (rororo) erschienen 1950 als Taschenb√ľcher und revolutionierten wegen ihres g√ľnstigen Preises den B√ľchermarkt.

Der WM-Titel der deutschen Elf bei der Fu√üballweltmeisterschaft 1954 in der Schweiz hob das deutsche Selbstwertgef√ľhl und begr√ľndete die Fu√üballbegeisterung¬†‚Äď das ‚ÄěWunder von Bern‚Äú ging in die Geschichte ein. Von 1952 an gab es in der Bundesrepublik eine neunj√§hrige Schulpflicht. Der Glaube an den ungebremsten Fortschritt und die Wissenschaft war noch ungebrochen. Die friedliche Nutzung der Kernenergie wurde als L√∂sung f√ľr das Energieproblem angesehen, ab 1957 baute man den ersten deutschen Kernreaktor, der 1966 ans Netz ging. Bei der Sturmflut von Hamburg im August 1962 bew√§hrte sich der Innensenator und sp√§tere Bundeskanzler Helmut Schmidt als Krisenmanager. Am 7. November 1963 wurden nach einem Bergwerksungl√ľck elf nach einem Wassereinbruch eingeschlossene Bergarbeiter in Lengede lebend geborgen.

Ludwig Erhard, Große Koalition und 68er-Bewegung

Der neue Bundeskanzler Ludwig Erhard wurde von der Bev√∂lkerung mit dem Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft in Verbindung gebracht. Allerdings waren die Ideen des Ordoliberalismus nicht die des heutigen Sozialstaates. So war Erhard ein erkl√§rter Gegner des von Adenauer 1957 durchgesetzten Umlage-Systems der Rentenversicherung. Bei der Wahl des deutschen Bundespr√§sidenten 1964 wurde Heinrich L√ľbke auch mit den Stimmen der SPD wieder gew√§hlt, die keinen eigenen Kandidaten aufstellte. Dies gilt als ein Schritt hin zur Gro√üen Koalition. Die Bundestagswahl 1965 wurde von der CDU/CSU gewonnen, die Kanzlerschaft war bereits 1963 an Ludwig Erhard gegangen, der jedoch recht schnell an Ansehen verlor. Es wurde deutlich, dass die guten Jahre des Wirtschaftswunders vorbei waren. 1966/1967 geriet die Bundesrepublik in eine Rezession mit erh√∂hter Arbeitslosigkeit. Dazu kam der Umstand, dass die Kohle aus dem Ruhrgebiet durch das billigere Erd√∂l ihre Bedeutung als wichtiger Energielieferant verlor. Es kam zu einem Zechensterben und einem langsamen Strukturwandel im Ruhrgebiet in den sp√§ten 1960ern und den 1970ern. Erhard weigerte sich, eine aktive Konjunkturpolitik zu betreiben, weil dies seinem Konzept der Sozialen Marktwirtschaft widersprach. Auch die Starfighter-Aff√§re, verschiedene Abst√ľrze der technisch noch unausgereiften Jagdflugzeuge und die Verwicklungen bei seinem Kauf, belastete die Regierung. Die FDP entfernte sich allm√§hlich programmatisch von der CDU. Schlie√ülich erkl√§rte Ludwig Erhard am 30. November 1966 seinen R√ľcktritt als Bundeskanzler. Vorausgegangen waren das Scheitern von neuen Koalitionsverhandlungen mit der FDP und das Zusammengehen mit der SPD zur Gro√üen Koalition.

Die Verj√§hrungsdebatte besch√§ftigte Mitte der 1960er die Gem√ľter. Nach damaligem Strafrecht verj√§hrten die Naziverbrechen 1965, 20 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation. Um dies zu verhindern versuchte man 1964 verst√§rkt Belastungsmaterial, vor allem aus Osteuropa, zu beschaffen. Da abzusehen war, dass die Zeit nicht einzuhalten war, einigte man sich nach langen Debatten, die Verj√§hrung auf 1969 festzulegen, 20 Jahre nach Gr√ľndung der Bundesrepublik. 1969 wurde dann vom Bundestag eine Verj√§hrungsfrist f√ľr V√∂lkermord aufgehoben, 1979 dann generell f√ľr Mord. Der Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem und die Prozesse gegen Aufseher des KZ Auschwitz erregten die √Ėffentlichkeit. Insgesamt ist festzustellen, dass die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit erst jetzt in nennenswertem Umfang thematisiert wurde. Auch sorgten die Wahlerfolge der rechtsradikalen NPD in verschiedenen L√§nderparlamenten international f√ľr Bef√ľrchtungen eines erneuten Abgleitens Deutschlands in den Nationalismus.

Ein weiteres Thema der Zeit war der Bildungsnotstand. √úberf√ľllte H√∂rs√§le und Kritik an dem bestehenden Schulsystem f√ľhrten 1965 zu einer Gro√üdemonstration der Sch√ľler und Studenten ‚ÄěGegen den Bildungsnotstand‚Äú in etwa 30 St√§dten mit √ľber 200.000 Teilnehmern und danach zur Bildung eines nationalen Bildungsrates. Aber erst die sozialliberale Regierung sollte eine Bildungsreform anstreben. 1967 wurde erneut gegen den Bildungsnotstand in Deutschland demonstriert, nun aber weiteten sich die Themen des Protestes gegen Notstandsgesetze und Vietnamkrieg aus.

Im Juni 1966 wurde der Kinderm√∂rder J√ľrgen Bartsch verhaftet, in der Folgezeit entflammte die Debatte um eine Wiedereinf√ľhrung der Todesstrafe.

Der Gro√üen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger gelang es mit einer energischen Wirtschaftspolitik, die Rezession zu stoppen. Ma√ünahmen dazu waren das Stabilit√§ts- und Wachstumsgesetz, das die wirtschaftspolitischen Ziele vorgab und auch als Magisches Viereck galt, und die konzertierte Aktion, eine Politik des Konsenses zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. Die Einf√ľhrung des Mehrheitswahlrechts im Angesicht der NPD-Erfolge scheiterte vor allem am Widerstand der SPD.

Die Notstandsgesetze, die schon fr√ľher erwogen worden waren, wurden nun durchgesetzt. Diese Gesetze, als ‚ÄěNotverfassung‚Äú konzipiert, sollten in Ausnahmesituationen wie Katastrophenf√§llen und Staatsbedrohungen die Machtbefugnisse und Zust√§ndigkeiten des Bundes regeln. Damit einher gingen Einschr√§nkungen der Grundrechte. Durch die Gro√üe Koalition war die n√∂tige Zwei-Drittel-Mehrheit zur Grundgesetz√§nderung erreichbar. Gegen die Notstandsgesetze und auch die Gro√üe Koalition bildete sich in der Bev√∂lkerung ein breiter Widerstand, da keine wirksame Opposition im Parlament mehr vorhanden war. Es entstand eine Au√üerparlamentarische Opposition (APO) mit Massenkundgebungen und Protestm√§rschen.

Der Krieg der USA in Vietnam, der Bildungsnotstand, das Schweigen zur NS-Vergangenheit und eine Scheinmoral in der Gesellschaft f√ľhrten, haupts√§chlich in der Studentenschaft, zu einer Bewegung, die die Gesellschaft ver√§ndern wollte. Ein Ausl√∂ser war der Besuch des persischen Schahs in Berlin Anfang Juni 1967. Bei einer Demonstration gegen den Besuch wurde der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. In der Folgezeit zog die Protestbewegung immer weitere Kreise und erlebte mit dem Attentat auf Rudi Dutschke im April 1968 ihren H√∂hepunkt. In der Folge kam es zu massiven Ausschreitungen, besonders vor dem Geb√§ude des Axel Springer Verlages in Westberlin, da dessen Zeitungen die Studenten in polemischer Weise kritisiert hatten.

Durch innerparteiliche Querelen verlor Kiesinger an Ansehen, wohingegen Vizekanzler und Au√üenminister Willy Brandt durch seine Politik und sein Auftreten an Profil gewann. Bei der Bundespr√§sidentenwahl im M√§rz 1969 gewann der gemeinsame Kandidat der SPD und FDP, Gustav Heinemann. Dieser Schritt war ein Vorgriff auf eine m√∂gliche Regierungsverantwortung der beiden Parteien. Aus der Bundestagswahl im September 1969 ging die CDU als st√§rkste Fraktion hervor, aber SPD und FDP hatten zusammen die ‚ÄěKanzlermehrheit‚Äú und bildeten die Regierung. Die CDU ging zum ersten Mal in die Opposition. Willy Brandt wurde neuer Bundeskanzler, der FDP-Politiker Walter Scheel Au√üenminister und Vizekanzler.

Sozialliberale Koalition

Willy Brandt und Richard Nixon

In der Innenpolitik wurden zahlreiche Reformvorhaben unter dem Motto ‚ÄěMehr Demokratie wagen‚Äú umgesetzt: Das Ehe- und Familienrecht wurde im Sinne der Gleichberechtigung reformiert, das Strafrecht im Hinblick auf die m√∂gliche Resozialisierung von Straft√§tern ver√§ndert und √ľberholte Moralvorstellungen gestrichen. Neu hinzu kamen Delikte der Umwelt- und Wirtschaftskriminalit√§t. Das Pornographieverbot wurde gelockert und die Strafbarkeit von Gottesl√§sterung, Ehebruch und Homosexualit√§t aufgehoben. Allgemein war die Tendenz hin zur Liberalisierung des Strafrechts. Nach heftigen Debatten wurde der ¬ß 218 des StGB zu einer weitreichenden Indikationsregelung bei der Abtreibung modifiziert. Das Vollj√§hrigkeitsalter wurde von 21 auf 18 Jahre heruntergesetzt.

Die Bildungsausgaben der √∂ffentlichen Haushalte wurden enorm ausgeweitet. Mit Hilfe des 1971 eingef√ľhrten ‚ÄěBaf√∂g‚Äú sollten finanziell Schwache bei Ausbildung und Studium unterst√ľtzt werden. Eine umfassende Bildungsreform scheiterte aber am Widerstand der CDU gegen die Gesamtschule und an der Kulturhoheit der L√§nder. Lediglich die gymnasiale Oberstufe wurde reformiert, indem Grund- und Leistungskurse angeboten wurden und mit Punkten zwischen 0 und 15 statt wie bisher mit Zensuren benotet wurde. Auch die Lehrpl√§ne wurden auf neue Inhalte umgestellt. Zahlreiche neue Fachhochschulen und die Berufsakademien als akademische Ausbildungstypen entstanden. Seit 1972 wird in einigen Studienf√§chern ein Numerus Clausus vorausgesetzt, um die Studentenanzahl zu begrenzen.

Die neue Regierung hatte allerdings Schwierigkeiten, ihre Vorhaben durchzusetzen. Einerseits behinderte sie der Bundesrat, wo die CDU in den Länderparlamenten die Mehrheit hatte, andererseits mussten aufgrund der konservativen Haltung des Bundesverfassungsgerichts mehrere Reformen nachgebessert werden.

Zu den Ostblockstaaten schlug Brandt Wege der Ann√§herung und Vers√∂hnung ein und versuchte durch die sogenannten ‚ÄěOstvertr√§ge‚Äú, unter dem Motto ‚ÄěWandel durch Ann√§herung‚Äú eine Normalisierung der Beziehungen zu erreichen. Bei einer Kranzniederlegung am Denkmal f√ľr die Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto kniete Willy Brandt nieder, um der Toten zu gedenken. Das Bild des ‚ÄěKniefalls von Warschau‚Äú ging um die Welt. Die Hallstein-Doktrin wurde schon ab Ende der 1960er schrittweise aufgegeben, und es kam zu einer Ann√§herung der beiden deutschen Staaten. Im M√§rz 1970 trafen sich Bundeskanzler Brandt und der Ministerpr√§sident der DDR, Willi Stoph, zum ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffen in Erfurt und anschlie√üend im Mai in Kassel. In der Folgezeit unterzeichneten die Bundesrepublik, die DDR und die Siegerm√§chte Vertr√§ge, um die Beziehungen der beiden deutschen Staaten zu normalisieren. Am 18. September 1973 wurden Bundesrepublik und DDR in die UNO aufgenommen. Die neue Ostpolitik rief aber heftige Widerst√§nde seitens der Opposition hervor, die von einem Ausverkauf deutscher Interessen sprach. Nur mit M√ľhe wurden die Ostvertr√§ge im Bundestag ratifiziert.

Im Oktober 1973 traf die √Ėlkrise die Bundesrepublik hart. Als Reaktion auf den verlorenen Jom-Kippur-Krieg mit Israel drosselte die OPEC die Erd√∂lf√∂rderung drastisch. Es kam zu Engp√§ssen und Fahrverboten. Mit der √Ėlkrise begann eine langanhaltende Rezession in der Bundesrepublik. Bei der Fu√üball-Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land wurde Deutschland Weltmeister.

Im April 1972 scheiterte ein Misstrauensvotum des CDU-Vorsitzenden Rainer Barzel im Bundestag. Wegen der Kritik auch in der FDP an der Ostpolitik hatte er auf einen Regierungswechsel gehofft. Um den Weg f√ľr Neuwahlen frei zu machen, lie√ü die SPD/FDP-Koalition eine Vertrauensfrage der Bundesregierung scheitern. Bei den Bundestagswahlen im November 1972 wurde die SPD erstmals st√§rkste Fraktion und die Koalition gest√§rkt. Im Juni 1973 gab der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Julius Steiner an, beim Misstrauensvotum bestochen worden zu sein. Der Bundestag richtete einen Untersuchungsausschuss zur Steiner-Wienand-Aff√§re ein, dieser blieb aber ergebnislos. Im April 1974 wurde der Bundeskanzleramtsmitarbeiter G√ľnter Guillaume als DDR-Spion enttarnt. Willy Brandt trat daraufhin am 6. Mai wegen angeblicher Erpressbarkeit durch die Guillaume-Aff√§re zur√ľck. Verteidigungsminister Helmut Schmidt wurde sein Nachfolger als Bundeskanzler. Der bisherige Bundesau√üenminister Walter Scheel wurde zum Nachfolger von Gustav Heinemann, der nicht wieder antrat, zum Bundespr√§sidenten gew√§hlt.

Helmut Schmidt setze auch angesichts der sich wieder verh√§rtenden Fronten im Kalten Krieg durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan und die Unruhen in Polen die deutsch-deutschen Ann√§herungsbem√ľhungen fort. Im Dezember 1981 kam er zu einen Besuch in die DDR. W√§hrend der Gespr√§che im mecklenburgischen G√ľstrow bei Teterow war die Stadt von der NVA abgeriegelt, um Sympathiekundgebungen gegen√ľber dem Bundeskanzler wie beim Besuch in Erfurt von Willy Brandt 1970 zu verhindern. Am 1. August 1975 wurde in Helsinki die Schlussakte der Konferenz f√ľr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) unterzeichnet. Damit unterstrichen die europ√§ischen Staaten ihre verst√§rkten Verst√§ndigungsbem√ľhungen.

Zwischen dem 26. August und dem 11. September 1972 fanden die XX. Olympischen Sommerspiele in M√ľnchen statt, die von der t√∂dlich verlaufenen Geiselnahme pal√§stinensischer Terroristen der Organisation Schwarzer September auf das Olympische Dorf √ľberschattet wurden. Israelische Sportler wurden als Geiseln genommen, bei deren versuchter Befreiung insgesamt 17 Personen starben. Als Folge der Ereignisse wurde die ‚ÄěGSG 9‚Äú als besondere Eingreiftruppe des Bundesgrenzschutzes gegr√ľndet.

Im Zuge der Au√üerparlamentarischen Opposition (‚ÄěAPO‚Äú) entstanden auch zwei linksextremistische terroristische Gruppen: die Bewegung 2. Juni und die Rote Armee Fraktion (‚ÄěRAF‚Äú). Prim√§r begr√ľndet mit der Bek√§mpfung der RAF erging im Januar 1972 der umstrittene Radikalenerlass, ein Berufsverbot f√ľr Beamte mit extremistischen Denkweisen im Staatsdienst, das jedoch vielfach missbr√§uchlich verwendet wurde indem bereits Mitgliedschaft in Organisationen als ausreichender Beleg gewertet wurde. Die Terrorwelle der RAF erreichte 1977 im sogenannten ‚ÄěDeutschen Herbst‚Äú ihren H√∂hepunkt. Nach Ermordung von Siegfried Buback und J√ľrgen Ponto entf√ľhrten Mitglieder der RAF am 5. September den Arbeitgeberpr√§sidenten Hanns Martin Schleyer. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, kaperten verb√ľndete pal√§stinensische Terroristen am 14. Oktober die Lufthansamaschine ‚ÄěLandshut‚Äú. Die Bundesregierung ging jedoch nicht auf die Erpressung ein, sondern lie√ü die ‚ÄěLandshut‚Äú von GSG9-Beamten auf dem Flughafen Mogadischus st√ľrmen, wobei s√§mtliche Passagiere befreit wurden. Kurz darauf wurde Schleyer von der RAF ermordet und die inhaftierten RAF-Terroristen nahmen sich im Gef√§ngnis Stammheim das Leben.

Die Bundestagswahlen 1976 gewann Helmut Schmidt gegen Helmut Kohl, 1980 gegen Franz-Josef Strauß. 1979 wurde der CDU-Kandidat Karl Carstens zum Bundespräsidenten gewählt.

Nach dem NATO-Doppelbeschluss im Dezember 1979 √ľber atomare Mittelstreckenraketen in Europa kam es zu einem Anwachsen der Friedensbewegung. Zunehmend wurde der Doppelbeschluss in der SPD abgelehnt, Helmut Schmidt hielt aber daran fest. Diese widerspr√ľchlichen Positionen und die wachsende Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung f√ľhrten zu einer Entfremdung der Koalitionspartner. Am 17. September 1982 zerbrach die Koalition und die SPD stellte ein eigenes Kabinett auf. Am 1. Oktober st√ľrzte Helmut Kohl mit einem konstruktiven Misstrauensvotum Helmut Schmidt. CDU und FDP bildeten eine neue Regierung.

Regierung Kohl

Helmut Kohl wollte seine Regierung durch Neuwahl legitimieren. Deshalb versagte ihm der Bundestag nach Absprache in verfassungsrechtlich umstrittener Weise das Vertrauen; es wurden Neuwahlen ausgeschrieben. Die Bundestagswahlen im M√§rz 1983 gewann die CDU, erstmals zogen auch die Gr√ľnen als politische Kraft ins Parlament ein. 1984 ersch√ľtterte der Flick-Parteispendenskandal die Politik. Ebenfalls in diesem Jahr wurde Richard von Weizs√§cker zum Bundespr√§sidenten gew√§hlt. 1989 wieder gew√§hlt, genoss er hohes Ansehen, auch durch seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes. Der bayerische Ministerpr√§sident Franz-Josef Strau√ü gew√§hrte der DDR, mit Unterst√ľtzung der Bundesregierung 1983/1984 Milliardenkredite, die ihren Verfall verz√∂gerten. Der Reaktorunfall in Tschernobyl im April 1986 ersch√ľtterte auch die Bundesrepublik und f√ľhrte zur Errichtung des Bundesministerium f√ľr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Die Bundestagswahl 1987 gewann erneut Helmut Kohl, in diesem Jahr kam mit Erich Honecker das erste DDR-Staatsoberhaupt zu einem Staatsbesuch in die Bundesrepublik. Die Bespitzelung des SPD-Kandidaten Bj√∂rn Engholm bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein durch den CDU-Ministerpr√§sidenten Uwe Barschel sorgte bundesweit f√ľr Aufsehen. Wenige Wochen sp√§ter starb Barschel, seine Todesumst√§nde sind bis heute ungekl√§rt. Die Bundesregierung erneuerte ihre engen politischen Beziehungen mit dem franz√∂sischen Staatspr√§sidenten Fran√ßois Mitterrand, durch die Gr√ľndung des Eurokorps, dem Schengener Abkommen 1985 und den langj√§hrigen Vorarbeiten zur Gr√ľndung des Fernsehsenders ARTE.

Die zweite Hälfte der 1980er Jahre war von einer Entspannungspolitik der Supermächte gekennzeichnet, die in erster Linie eine Folge der Perestroika-Politik (Umgestaltungspolitik) des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow war, der die Bundesrepublik im Juni 1989 besuchte.

Gesellschaft der 1970er- und 1980er-Jahre

Mit der 68er-Bewegung ging ein neuer Lebensstil einher. In den Medien war besonders die Sexuelle Revolution, erm√∂glicht durch die Antibabypille, von nachhaltiger Wirkung. Die sich anbahnende Frauenbewegung stie√ü allerdings nicht auf uneingeschr√§nkte Zustimmung bei den Wortf√ľhrern der 68-Bewegung. Bekanntestes Beispiel f√ľr den Versuch den neuen Lebensstil nicht nur theoretisch zu meistern war die Kommune I. Der damals ebenfalls propagierte Marsch durch die Institutionen f√ľhrte Jahrzehnte sp√§ter zu einer Generation, die Schl√ľsselpositionen in der deutschen Politik, in der Presse und im Beamtenapparat errungen hatte.

Bus im Flower-Power-Stil

Die Beatles l√∂sten eine Hysterie unter den Jugendlichen aus. Aber auch andere Bands wie The Rolling Stones, The Doors und Janis Joplin feierten Erfolge. Es war die Zeit der Hippies, Flower-Power-M√§dchen, des Drogenkonsums und der freien Liebe. Als in den 1980ern die Immunschw√§che AIDS erstmals auftauchte, l√∂ste sie landesweit und √ľber die vermeintlichen Zielgruppen hinweg gro√üe Besorgnis aus.

Die Auseinandersetzung mit dem Terrorismus der RAF f√ľhrte zum Radikalenerlass. Ende der siebziger Jahre wurde st√§ndig zu seiner Versch√§rfung und zur Verfolgung der ‚ÄěSympathisanten‚Äú aufgerufen. In dem Kurzroman Die verlorene Ehre der Katharina Blum klagte Heinrich B√∂ll die Regenbogenpresse, vor allem aber die Bild-Zeitung, wegen Rufmord und Verletzung der Menschenrechte an. B√∂lls Buch wurde sogleich von Volker Schl√∂ndorff und Margarethe von Trotta verfilmt. Die mehrteilige Fernsehserie ‚ÄěHolocaust ‚Äď Die Geschichte der Familie Wei√ü‚Äú, die im Januar 1979 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, entfachte eine erneute Debatte √ľber die NS-Vergangenheit. Ein Gesetzesantrag im Bundestag hatte die Begrenzung der Strafbarkeit von Verbrechen w√§hrend der Zeit des Nationalsozialismus zum Ziel. Mit Karl Carstens stand die Wahl eines Erzkonservativen und ehemaligen NSDAP-Mitglieds zum Bundespr√§sidenten bevor. Seine NSDAP-Mitgliedschaft wurde von Claus Peymann, dem Direktor des Stuttgarter Staatstheaters, durch die Auff√ľhrung von Thomas Bernhards St√ľck Vor dem Ruhestand thematisiert. Der baden-w√ľrttembergische Ministerpr√§sident Hans Filbinger erzwang Peymanns Entlassung, musste aber selbst noch vor Peymann sein Amt verlassen. Rolf Hochhuth hatte ein neues St√ľck angek√ľndigt, in dem die Todesurteile thematisiert wurden, die Filbinger als Marinerichter noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs gegen deutsche Soldaten verh√§ngt hatte.

Vor allem der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan, die SolidarnoŇõńá in Polen und der NATO-Doppelbeschluss lie√üen eine noch nie da gewesene Friedensbewegung mit zahlreichen Massendemonstrationen entstehen. Auch die Sorge um die Umwelt wurde immer mehr zu einem Thema. Neben der Friedensbewegung entwickelte sich eine Umweltbewegung, die die Umweltpolitik st√§rker zur Geltung bringen wollte. Aus dieser Bewegung entstand die Partei Die Gr√ľnen, die 1983 erstmals in den Bundestag einzog und sich seitdem im politischen System etablieren konnte. Auch die Kernenergie wurde nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 in Teilen der Bev√∂lkerung negativ gesehen und alternative Energiequellen werden seitdem gefordert und gef√∂rdert. Gegen atomare Wiederaufarbeitungsanlagen und Endlager regte sich Widerstand: Das Zwischenlager Gorleben geriet immer wieder bei Atomm√ľlltransporten in die Schlagzeilen. 1986 erzwangen die Gewerkschaften die Einf√ľhrung der 38,5-Stunden-Woche als Kompromiss zu ihrer Forderung der 35-Stunden-Woche. In den letzten Jahren der alten Bundesrepublik wurde deutlich, dass zahlreiche Bereiche reformiert werden mussten, aber wenig getan wurde. Der Reformstau wurde von der Opposition zum Markenzeichen der Regierung stilisiert und die Arbeitslosigkeit wurde f√ľr viele zum Menetekel.

Die schwedische Popband ABBA war ab Mitte der 1970er sehr bekannt. Bis Anfang der 1980er, konnten mit der Neuen Deutschen Welle deutschsprachige Lieder der Punk- und New Wavemusik Erfolge bei den Teens feiern. Nachdem die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen waren, gingen am 1. und 2. Januar 1984 die ersten Privatfernsehkanäle auf Sendung. RTL und PKS, Vorläufer von Sat.1, entstanden. Im Mai 1987 entstand Eureka TV, Vorläufer von ProSieben.

Deutsche Einheit

‚Üí Hauptartikel: Deutsche Einheit

Nachdem Michail Gorbatschow Generalsekret√§r der KPdSU wurde, entspannte sich das Verh√§ltnis der Superm√§chte zueinander. Mit seinen Reformprogrammen Perestroika (Umstrukturierung der Wirtschaft) und Glasnost (Transparenz der Wirtschaft) ab 1985 trug er wesentlich zur ‚ÄěWiedervereinigung‚Äú zwischen der Bundesrepublik und der DDR bei. Die DDR-B√ľrger forderten vehement eine Angleichung des politischen Kurses auf den der UdSSR, welches schon vorher als ‚ÄěMutterland‚Äú des Kommunismus eine Vorreiterrolle innehatte. Doch die ‚Äěalten M√§nner‚Äú wie z.¬†B. Honecker weigerten sich diesen Kurs zu fahren. Gorbatschow machte auch deutlich, dass die UdSSR nicht mehr in andere Staaten eingreifen werde, wie noch im Jahre 1953, als die Rote Armee einen Volksaufstand in der DDR blutig niederschlug. Dies war ein weiterer Grund f√ľr die DDR-B√ľrger auf die Stra√üe zu gehen um in Massendemonstrationen f√ľr die Wiedervereinigung zu demonstrieren. Bei einem Besuch Gorbatschows sagte er der DDR-F√ľhrung den ber√ľhmten Satz ‚ÄěWer zu sp√§t kommt, den bestraft das Leben.‚Äú Seit 1988 zeigten sich im Ostblock Aufl√∂sungserscheinungen der bisher mit Gewalt zusammengehaltenen V√∂lker. Nachdem die Volksrepublik Ungarn die Grenze zu √Ėsterreich √∂ffnete, flohen viele DDR-B√ľrgern in den Westen. Bei dem Paneurop√§ischen Picknick am 19. August 1989 kam es zur ersten gro√üen Massenflucht. Dann wurde die bundesdeutsche Botschaft in Budapest von DDR-B√ľrgern besetzt, um eine Ausreise in die Bundesrepublik zu erzwingen. Die DDR-Regierung gab am 23. August nach. √Ąhnliche Ereignisse spielten sich in den folgenden Wochen in den Botschaften der Bundesrepublik in Warschau, Prag und der St√§ndigen Vertretung in Ostberlin ab. Nachdem die Tschechoslowakei im September ihre Grenzen √∂ffnete, kam es zu einem regelrechten Fl√ľchtlingsstrom in die Bundesrepublik. Das Politb√ľro reagierte am 9. November 1989 mit der √Ėffnung der Berliner Mauer und der √Ėffnung der innerdeutschen Grenze.

Anfang 1990 gab es Gespr√§che zwischen der Bundesregierung und der DDR-Regierung √ľber die deutsche Einheit. Im Februar folgten Gespr√§che zwischen Helmut Kohl und Michail Gorbatschow im Kaukasus. Am 18. Mai wurde die Wirtschafts- und W√§hrungsunion unterzeichnet, die am 1. Juli in Kraft trat. Beide deutsche Parlamente beschlossen am 23. August das Datum der Wiedervereinigung. Die Siegerm√§chte stimmten im September mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag der Einheit zu und entlie√üen Deutschland in die volle Souver√§nit√§t. Am 3. Oktober 1990 wurden die beiden deutschen Staaten wiedervereinigt.

Begrifflichkeiten ‚ÄěBonner Republik‚Äú und ‚Äědie zweite Republik‚Äú

Die Bezeichnung des westdeutschen Teilstaates von 1949 bis 1990 als ‚ÄěBonner Republik‚Äú als den daf√ľr gel√§ufigen Begriff etablierte sich mit dem Begriff von der folgenden geschichtlichen Phase, der so genannten Berliner Republik [3]. Vor der Wende war ‚Äědie zweite Republik‚Äú die bekanntere Bezeichnung f√ľr diese Zeit [4]. Mit der ‚Äěersten Republik‚Äú war die ‚ÄěWeimarer Republik‚Äú gemeint. Zunehmend wird auch von der ‚Äěalten Bundesrepublik‚Äú in Abgrenzung zur ‚ÄěBerliner Republik‚Äú ab 1990 gesprochen.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Artikel 41 der Verfassung des Landes Hessen
  2. ‚ÜĎ Annette Wilmes (Deutschlandradio): Zwei Staaten auf deutschem Boden. Die Deutschlandpolitik der Siegerm√§chte
  3. ‚ÜĎ Joannah Caborn (2006): Schleichende Wende. Diskurse von Nation und Erinnerung bei der Konstituierung der Berliner Republik. S. 12
  4. ‚ÜĎ L√∂wenthal/Schwarz (1974): Die zweite Republik. 24 Jahre Bundesrepublik Deutschland ‚Äď eine Bilanz.

Literatur

  • Peter Br√ľckner: Versuch, uns und anderen die Bundesrepublik zu erkl√§ren. Wagenbach Verlag, Berlin 1978.
  • Theo Pirker: Die verordnete Demokratie. Grundlagen und Erscheinungen der ‚ÄěRestauration‚Äú, Verlag Olle & Wolter, Berlin 1977, ISBN 3-921241-35-9.
  • Marie-Luise Recker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Beck, M√ľnchen 2002, ISBN 3-406-43315-4.
  • Manfred G√∂rtemaker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: von der Gr√ľndung bis zur Gegenwart. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-16043-X.
  • Wolfgang Benz: Die Gr√ľndung der Bundesrepublik: von der Bizone zum souver√§nen Staat. Dt. Taschenbuch-Verlag, (5., √ľberarbeitete und erweiterte Auflage) M√ľnchen 1999, ISBN 3-423-04523-X.
  • Kurt Sontheimer: Die Adenauer-√Ąra: Grundlegung der Bundesrepublik. Dt. Taschenbuch-Verlag, M√ľnchen 2003, ISBN 3-423-34024-X
  • Reinhard Spree (Hrsg.): Geschichte der deutschen Wirtschaft im 20. Jahrhundert. Beck, (3., aktualisierte Neuauflage) M√ľnchen 2001, ISBN 3-406-47569-8.
  • Dietrich Thr√§nhardt: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1999. ISBN 3-518-11267-8.
  • Andreas Wirsching: Abschied vom Provisorium 1982‚Äď1990. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 6; Deutsche Verlags-Anstalt, M√ľnchen 2006, ISBN 3-421-06737-6; 848 Seiten.
  • Edgar Wolfrum: Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 23, Die Bundesrepublik Deutschland. 1949‚Äď1990, Stuttgart 2005.

Weblinks


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