Geschichte der Slowakei

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Geschichte der Slowakei
Wappen der Slowakei

Die Geschichte der Slowakei beginnt mit der Besiedlung Germanischer und keltischer V√∂lker. Zu Beginn unserer Zeitrechnung drangen R√∂mische Garnisonen vor√ľbergehend auch in Gebiete n√∂rdlich der Donau ein und errichteten befestigte Lager und Siedlungen auf heutigem slowakischen Gebiet. Die Hunnen bedrohten im 5. Jahrhundert den S√ľden und Westen Europas, w√§hrend die Slawen w√§hrend der Germanischen Westwanderung in das Gebiet der Slowakei einfielen. Sp√§ter kamen hier noch die Awaren hinzu. Aus einem Aufstand der Westslawen gegen die Awaren ging das erste schriftlich belegte slawische Staatsgebilde, das Reich Samos, hervor. Um 800 entstand ein christliches F√ľrstentum um das heutige Nitra, das um 830 dann im Gro√üm√§hrischen Reich aufging. Der Einflussbereich Gro√üm√§hrens reichte bis nach Krakau, Mei√üen und in das sp√§tere Ungarn. 906 jedoch fiel es den einfallenden Ungarn zum Opfer. Nach dem Niedergang des Gro√üm√§hrischen Reiches eroberten die Magyaren schrittweise die heutige Slowakei. Nach einer kurzen Eroberung durch Polen (1001-1030) kehrte das gesamte Gebiet unter ungarischer Herrschaft zur√ľck. Ein hoher Bev√∂lkerungsverlust kam nach dem Einfall von Mongolen im Jahr 1241 zustande, die auch die Landschaft verw√ľsteten. Darauf wurden seit dem 13. Jahrhundert in gr√∂√üeren Zahlen Deutsche, im 14. Jahrhundert auch Juden angesiedelt.

Nach der Niederlage des ungarischen Heers bei Moh√°c gegen die Osmanen 1526 fiel die Slowakei durch Erbschaft an die Habsburger. W√§hrend der Zeit der t√ľrkischen Expansion blieb die Slowakei als Teil des K√∂niglichen Ungarns lange Zeit der einzige nicht t√ľrkische Teil Ungarns und gewann so an milit√§rischer Bedeutung. Pressburg, das heutige Bratislava, wurde 1536 zur Haupt- und zur Kr√∂nungsstadt und konnte diesen Status bis 1848 wahren. Im Jahr 1787 versucht Anton Bernolak, mit der Kodifizierung der slowakischen Schriftsprache zum ersten Mal eine einheitliche slowakische Sprache zu schaffen. In der Slowakei machte sich besonders der Gegensatz zu der ungarischen Oberschicht und die Unzufriedenheit √ľber die Durchsetzung von Ungarisch als Amts- und Schulsprache bemerkbar. 1848 stellte die Nationalbewegung ein politisches und staatsrechtliches Programm vor, das auch die Abspaltung von Habsburg beinhaltete. Dieses gipfelte im erfolglosen slowakischen Septemberaufstand. Erst der Erste Weltkrieg bot den Slowaken die Chance auf eine Autonomie.

Am 30. Juni 1918 verst√§ndigten sich in den USA lebende Exilgruppen der Tschechen und Slowaken im Vertrag von Pittsburgh √ľber die Zusammenarbeit beim Aufbau eines zuk√ľnftigen gemeinsamen Staats. Am 28. Oktober 1918 wurde die Tschechoslowakei gegr√ľndet. Die internationale Anerkennung des neuen Staates erfolgte im Vertrag von Saint-Germain (Aufl√∂sung des √∂sterreichischen Vielv√∂lkerstaates) und dem Frieden von Trianon (Abspaltung der Slowakei von Ungarn). Allerdings lebten in dem soeben gegr√ľndeten Staat auch 23% Deutsche und 5% Ungarn sowie einige Minderheiten. Die deutsche Bev√∂lkerung die bis dahin zu der herrschenden Nationalit√§t geh√∂rt hatte, wurde jetzt unterdr√ľckt. In der Slowakei wuchs die Unzufriedenheit √ľber die zugesicherte aber nicht gew√§hrte Autonomie. So entstand mit der Slowakischen Volkspartei eine slowakische Autonomiebewegung. Auf Druck Deutschlands wurde 1939 die Slowakei als Erste Slowakische Republik f√ľr unabh√§ngig erkl√§rt und erhielt eine autonome Regierung unter dem F√ľhrer der Autonomisten, Jozef Tiso. Die Slowakei besa√ü nur geringf√ľgige politische Souver√§nit√§t. Die Gegner von Staatspr√§sident Tiso initiierten 1944 den Slowakischen Nationalaufstand der jedoch niedergeschlagen wurde. Die Slowakei wurde 1945 von sowjetischen Truppen besetzt und die Tschechoslowakische Republik wieder hergestellt, mit Ausnahme der an die Sowjetunion abgetretene Karpato-Ukraine. Die deutsche Bev√∂lkerung, darunter gro√üe Teile der Karpatendeutschen und der Zipser Sachsen, wurde ausgewiesen. 1948 √ľbernahm die Kommunistische Partei die Macht. Der den Slowaken verfassungsm√§√üig zugesicherte F√∂deralismus war damit endg√ľltig verloren. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems erfolgte im Fr√ľhjahr 1990 die Umwandlung in eine f√∂derative Republik innerhalb der CSFR. Die CSFR hatte wegen der Autonomiebestrebungen der Slowaken nur f√ľr kurze Zeit Bestand. Der slowakische Ministerpr√§sident Vladim√≠r Meńćiar forcierte die Autonomiebestrebung der Slowakei. Verhandlungen mit dem tschechischen Ministerpr√§sidenten V√°clav Klaus zur Bildung einer Konf√∂deration schlugen fehl.

Am 17. Juli 1992 proklamiert das slowakische Parlament die Unabh√§ngigkeit von Tschechien. Am 1. Januar 1993 wird die Slowakei ein souver√§ner Staat. Am 15. Februar 2000 beginnen die Beitrittsverhandlungen mit der EU. Unter der Regierung Dzurinda kommt das Land auf Konsolidierungskurs. Die Slowakei tritt am 29. M√§rz 2004 der NATO bei. Am 1. Mai 2004 wird sie Mitgliedsstaat der Europ√§ischen Union. Weitere Meilensteine der Slowakei auf dem Weg in die europ√§ische Integration sind der Beitritt zum Schengener Abkommen, der am 21. Dezember 2007 wirksam wurde sowie die Einf√ľhrung des EURO ab dem 1. Januar 2009.

Inhaltsverzeichnis

Zeit der V√∂lkerwanderung (380‚Äď568) und der ersten Slawen (etwa 471‚Äď658)

Ungefähres Siedlungsgebiet der Langobarden um 526

In der Nordslowakei existierte etwa zwischen 360 und 440 die Nordkarpatische Gruppe der Kultur von Przeworsk, die wahrscheinlich in der Mittelslowakei mit den Vandalen und im Osten mit den Sarmaten identisch war.

In der S√ľdslowakei wurde 375 der letzte der zahlreichen R√∂misch-Quadischen Kriege, die sich seit Jahrhunderten auf dem Gebiet der Slowakei abspielten, durch eine r√∂mische Invasion und einen anschlie√üenden Friedensschluss beendet. Nach diesem Jahr betraten r√∂mische Legionen nie wieder slowakischen Boden. Die meisten der in der S√ľdslowakei lebenden Quaden verlie√üen nach etwa 400 Jahren zusammen mit den (seit 165 in der Ostslowakei und seit 360 in der Nordslowakei ans√§ssigen) Vandalen dieses Gebiet. In der s√ľdlichen Ostslowakei lebten die Jazygen (1. Jahrhundert bis 380). Zwischen 380 und 455 lebten die Hunnen im heutigen Westungarn und in der S√ľdslowakei. Die Skiren waren nachweislich auch in der Slowakei ans√§ssig, auch bestimmte Gruppen der Goten, ihre genaue Zuordnung ist jedoch nicht m√∂glich. Die Gepiden lebten in der s√ľdlichen Ostslowakei zwischen 455 und 567. Die Heruler waren in der Westslowakei und in S√ľdm√§hren 471‚Äď526 ans√§ssig. Die Langobarden lebten etwa 500 bis 540 an der March (bis einschlie√ülich Bratislava).

Nach 471 kam vom Norden auch die erste Hauptwelle der Slawen in die Nordslowakei ‚Äď die Vorfahren des heutigen Staatsvolkes der Slowakei. Die Slawen verbreiteten sich in der ersten H√§lfte des 6. Jahrhunderts in der gesamten Slowakei vom Norden und vom S√ľden und leben hier bis heute.

Die Awaren siedelten sich im heutigen Ungarn nach 568 an. Nach 595 begannen sie, die benachbarten Slawen in der S√ľdslowakei zu unterwerfen, was 623 zur Entstehung des Reiches von Samo f√ľhrte.

658 bis 833

Das Gro√üm√§hrische Reich; Neutraer F√ľrstentum: Nummer 2

Die Siedlungen aus der Zeit des Reiches des Samo nach dessen Tod im Jahre 658 sind zum Teil mit jenen aus der Zeit des sp√§teren Neutraer F√ľrstentums und M√§hrischen F√ľrstentums (siehe dort) identisch. Die von Samo verjagten Awaren kehrten in die S√ľdslowakei zur√ľck und lebten dort offenbar in Symbiose mit den Slawen.

In der zweiten H√§lfte des 8. Jahrhunderts erreichten die gesamte Slowakei und das benachbarte M√§hren einen zivilisatorischen Wendepunkt. Es entstanden dort zahlreiche Burgst√§tten und zwei F√ľrstent√ľmer: das M√§hrische F√ľrstentum (urspr√ľnglich im heutigen s√ľd√∂stlichen M√§hren und in den angrenzenden slowakischen Gebieten) sowie das Neutraer F√ľrstentum (urspr√ľnglich in der West- und Mittelslowakei und Teilen Nordungarns). Ersteres wird 822 zum ersten Mal erw√§hnt, sein Zentrum hie√ü ‚ÄěMorava‚Äú (dt. M√§hren, vielleicht das heutige Mikulńćice), als F√ľrst herrschte seit etwa 830 Mojm√≠r I.. Das Zentrum des zweiten hie√ü Nitrava (sp√§ter Nitra, dt. Neutra), es wird zum ersten Mal 828 erw√§hnt, als F√ľrst herrschte seit etwa 825 Pribina (Privina). Die beiden F√ľrstent√ľmer entstanden im Zusammenhang mit dem Kampf der Slawen und des Fr√§nkischen Reiches gegen die im heutigen Ungarn und den angrenzenden Gebieten immer noch siedelnden Awaren. Die Awaren wurden in diesem Krieg vernichtend geschlagen und verschwanden anfangs des 9. Jahrhunderts. Auf dem Gebiet der heutigen Slowakei lebten die letzten Awaren in der Umgebung des heutigen Kom√°rno.

Anfangs des 9. Jahrhunderts expandierte das Neutraer F√ľrstentum, so dass es wohl auch die heutige westliche Karpatenukraine umfasste. Die gr√∂√üten Zentren waren Nitra, Bratislava (einschlie√ülich der heutigen Stadtteile Dev√≠n, Dev√≠nska Nov√° Ves), Pobedim, Brekov, Zempl√≠n sowie FeldebrŇĎ im heutigen Ungarn. Gleichzeitig erm√∂glichte der Sieg √ľber die Awaren eine neue Christianisierungswelle in der Slowakei und in M√§hren. 828 wurde in Nitra, dem Sitz des F√ľrsten Pribina, die erste bekannte christliche Kirche der West- und Ostslawen geweiht. Ein Jahr sp√§ter teilte Ludwig der Deutsche das Gebiet der heutigen Slowakei und des heutigen M√§hrens dem Bistum von Passau als Christianisierungsgebiet zu. Diese Gebiete waren jedoch zum Teil bereits vorher christianisiert.

Gro√üm√§hren (833‚Äď907)

‚Üí Hauptartikel: Gro√üm√§hren, Plattensee-F√ľrstentum

833 vertrieb der im M√§hrischen F√ľrstentum herrschende F√ľrst Mojmir I. seinen Nachbarn Pribina aus dem Neutraer F√ľrstentum und vereinigte beide F√ľrstent√ľmer. Damit entstand Gro√üm√§hren. Pribina wurde zum F√ľrsten des Plattensee-F√ľrstentums im S√ľdwesten des heutigen Ungarn. Das Neutraer F√ľrstentum wurde zu einem Lehnf√ľrstentum innerhalb Gro√üm√§hrens, in dem die Thronanw√§rter des herrschenden Mojmiriden-Geschlechts als F√ľrsten regierten. F√ľr die slawische (und slowakische) Literatur und Kultur war die gro√üm√§hrische Mission der Slawenapostel Kyrill und Method wichtig. Angriffe der damals noch nomadischen Ungarn zerst√∂rten dann 907 nach den drei Schlachten von Pressburg die Zentralmacht Gro√üm√§hrens.

Die damaligen slawischen Quellen bezeichnen die Bewohner Gro√üm√§hrens als slovńõne (Slawen; damals etwa slow√§ne (sehr offenes e) oder slowene (mittleres e) ausgesprochen). Dies war h√∂chstwahrscheinlich die urspr√ľngliche Eigenbezeichnung aller slawischen St√§mme ‚Äď der Name ist unter anderem auch aus dem Gebiet des heutigen Ungarn, Slowenien, Slawonien, Russland (in der Umgebung von Nowgorod) und Pommern (vergleiche die um 1900 ausgestorbenen Slowinzen) bekannt. Von ihm abgeleitet sind die Eigenbezeichnungen der Slowaken und der Slowenen.

Zwischen Ungarn, Polen und B√∂hmen (907‚Äď1030)

In den 20er Jahren des 10. Jahrhunderts machte L√©l (Lehel), einer der ungarischen Stammesf√ľhrer (die Ungarn bestanden damals noch aus zahlreichen St√§mmen), Nitra und die s√ľdwestliche Slowakei (das hei√üt das Tiefland) zu seinem Sitz. Der Rest der Slowakei zerfiel f√ľr Jahrhunderte ‚Äď bis er sukzessive vom 11. bis zum Anfang des 14. Jahrhundert von den Ungarn erobert wurde ‚Äď in kleine, um bestimmte Burgst√§tten situierte slawisch/slowakische F√ľrstent√ľmer. Der Kern der heutigen Slowakei (die Gebiete bis zu den Fl√ľssen Waag und Horn√°d) wurde aber bereits um 1100 von den Ungarn erobert. Bis 1108 wurde die Slowakei (das Neutraer F√ľrstentum) als spezielles Gebiet innerhalb des K√∂nigreichs Ungarn betrachtet. So deckte sich auch das Gebiet des um 1000 errichteten ungarischen Erzbistums von Esztergom (slow. Ostrihom, dt. Gran) mit dem Gebiet des Neutraer F√ľrstentums.

Die gesamte Funktionsweise Gro√üm√§hrens, die Einteilung in Komitate, kirchliche Struktur, Milit√§rwesen usw., wurde mangels eigener Vorbilder von den Ungarn, √§hnlich wie von den Staaten B√∂hmen und Polen, √ľbernommen. Die Ungarn √ľbernahmen zudem mangels eigener Begriffe der ungarischen Akademie der Wissenschaften zufolge etwa 1200 W√∂rter aus dem Slowakischen und 1000 andere W√∂rter slawischer Herkunft. Die slowakischen Adligen aus der Zeit Gro√üm√§hrens (vor allem die Poznans und Hunts) spielten in der Fr√ľhgeschichte Ungarns eine wichtige Rolle. Der wichtigste ungarische Herrscher von Neutra war Michael (971‚Äď995), der so m√§chtig wurde, dass ihn der damalige ungarische Gro√üf√ľrst G√©za ermorden lie√ü. Auch G√©za und sein Sohn Stephan (Vajk) waren beide zuerst F√ľrsten des Neutraer F√ľrstentums, bevor sie anschlie√üend zu Herrschern ganz Ungarns wurden. (Weitere Details siehe unter Neutraer F√ľrstentum.)

Es ist auch wahrscheinlich, dass der Norden (oder m√∂glicherweise der Nordwesten) der heutigen Slowakei am Anfang des 10. Jahrhunderts unter dem Einfluss der sogenannten Wei√üen Kroaten stand. Dann herrschte im 11. Jahrhundert polnischer Einfluss in den nordslowakischen Landschaften Arwa (Orava) und Zips vor, zumal die Zips im 11. Jahrhundert dem Krakauer Bischof unterstand und die gesamte Slowakei bis zur Donau 1000‚Äď1030 vor√ľbergehend von Polen annektiert wurde. Es gibt auch umstrittene Hinweise darauf, dass die Ostslowakei irgendwann in der Mitte des 11. Jahrhunderts zur Kiewer Rus geh√∂rte (siehe auch Geschichte der Karpatenukraine) und dass die Westslowakei etwa 955‚Äď975/999 unter b√∂hmischer Oberhoheit stand.

Die im 8. Jahrhundert begonnene slowakische Ethnogenese war nach 955 abgeschlossen, als die Ungarn auf dem Lechfeld geschlagen wurden und beschlossen, definitiv im heutigen Ungarn sesshaft zu werden, wodurch die slawische Bevölkerung dieses Gebietes in die heutigen Slowaken, Slowenen, Kroaten usw. aufgespalten wurde.

Teil des Königreichs Ungarn

Hoch- und Sp√§tmittelalter (1030‚Äď1526)

→ Hauptartikel: Slowakei im Hoch- und Spätmittelalter

Der seit dem 11. Jahrhundert intensiv betriebene Bergbau und die vor allem seit dem 13. Jahrhundert (nach dem gro√üen Mongoleneinfall von 1241/1242) angekommenen deutschen Siedler machten aus der Slowakei im Mittelalter, aber auch noch bis ins 18. Jahrhundert, das wohlhabendste Gebiet des K√∂nigreichs Ungarn. Um 1400 erreichte die Gold- beziehungsweise Silbergewinnung in der Slowakei 40 % beziehungsweise 30 % der gesamten damaligen Weltproduktion. Auch die ersten mittelalterlichen St√§dte des K√∂nigreichs entstanden ab dem 13. Jahrhundert √ľberwiegend auf dem Gebiet der heutigen Slowakei.

Das 11. und 12. Jahrhundert waren eine Zeit von Auseinandersetzungen zwischen Ungarn einerseits und Deutschland und/oder B√∂hmen andererseits, die sich oft in der Slowakei abspielten. Politisch entstand auf dem Gebiet der heutigen Slowakei 1048 das Neutraer Grenzf√ľrstentum (Ducatus) (1048‚Äď1108). Es wurde von ungarischen Thronanw√§rtern regiert. Mit seiner Aufl√∂sung 1108 kam es zu einer vollst√§ndigen Eingliederung des Gebiets in das ungarische K√∂nigreich, die bis 1918 andauerte. (Details siehe unter Neutraer F√ľrstentum.)

Um das Jahr 1300 wurde die Slowakei de facto von den Adeligen Matt√§us Cs√°k III. von Trentschin (ńĆ√°k, Chak, Chaak, Czak) in der West- und Mittelslowakei und Omodej (Amadeus, Amad√©, Amadej, Omode) von Aba in der Ostslowakei regiert.

1412 verpf√§ndete Sigismund von Luxemburg einige St√§dte der Zips an Polen-Litauen. Die St√§dte verblieben unter polnisch-ungarischer Verwaltung bis 1772. 1419‚Äď1437 musste Sigismund von Luxemburg auch in der Slowakei gegen die tschechischen Hussiten k√§mpfen. 1440‚Äď1453 besetzte der tschechische Adlige Johann Giskra (J√°n Jiskra) die Slowakei im Zuge der Thronk√§mpfe im K√∂nigreich Ungarn f√ľr die Habsburger. 1445‚Äď1467 folgten K√§mpfe der Herrscher Ungarns gegen die post-hussitischen rebellischen Bratr√≠ci in der Slowakei. 1467 entstand in Pressburg die erste Universit√§t auf dem Gebiet der Slowakei und damals die einzige Universit√§t im K√∂nigreich Ungarn.

Die Regierung der aus Polen stammenden Jagiellonen-K√∂nige (1490‚Äď1526) war durch Anarchie im gesamten K√∂nigreich gekennzeichnet, die dann letzten Endes zur Katastrophe von Moh√°cs im Jahre 1526 f√ľhrte.

Anti-habsburgische Aufst√§nde und Kriege gegen die Osmanen (1526‚Äď1711)

‚Üí Hauptartikel: Slowakei in der fr√ľhen Neuzeit

Nach der Schlacht bei Moh√°cs (1526), die mit einem Sieg der Osmanen endete, und einem anschlie√üenden B√ľrgerkrieg (1526‚Äď1538) zerfiel das K√∂nigreich Ungarn in drei Teile:

  • Das habsburgische ‚ÄěK√∂nigliche Ungarn‚Äú (faktisch eine habsburgische Provinz): die heutige Slowakei (bis auf t√ľrkische Gebiete im √§u√üersten S√ľden der Mittelslowakei) und ein kleiner Teil im Nordosten des heutigen Ungarns mit dem Burgenland sowie West-Kroatien. Dabei handelte es sich allesamt um Gebiete, die fast ausschlie√ülich von Nicht-Magyaren, Deutschen und Slawen, bewohnt wurden.
  • Siebenb√ľrgen im heutigen Rum√§nien diesseits des Karpatenbogens (in der Folge zeitweise bis zur Ostslowakei ausgeweitet), das ein t√ľrkischer Vasall und sp√§ter die Ausgangsbasis f√ľr die anti-habsburgischen Aufst√§nde in der Slowakei war.
  • Die t√ľrkische Provinz im Zentrum und S√ľden des K√∂nigreichs Ungarn, die ein direkter Bestandteil des Osmanischen Reiches war.

Obwohl die Slowakei formal Bestandteil von Ungarn blieb, gingen am Anfang des 16. Jahrhunderts mit der t√ľrkischen Eroberung des heutigen Ungarns mehr als 400 Jahre magyarisch gepr√§gter Politik zu Ende, und es setzte sich eine vom Haus Habsburg bestimmte Politik durch. Pressburg wurde zur Haupt- und Kr√∂nungsstadt Ungarns (1536) und Trnava (dt. Tyrnau, ungar. Nagyszombat) zum Sitz des Erzbischofs (1541).

Außerdem setzte sich nach 1521 in der Slowakei die Reformation durch. Im 17. Jahrhundert begann jedoch eine sehr erfolgreiche Gegenreformation, die aus der weitgehend protestantischen Slowakei langsam wieder ein weitgehend katholisches Land machte.

Parallel zum fast ununterbrochenen Kampf gegen die Osmanen (1520‚Äď1686), die auch Teile der s√ľdlichen Mittelslowakei eroberten und in der restlichen Slowakei pl√ľnderten, folgten 1604 bis 1711 mehrere anti-habsburgische Aufst√§nde, n√§mlich der Aufstand von Stephan Bocskay (1604‚Äď1606), der Aufstand von Gabriel Bethlen (1619‚Äď1626), der Aufstand von Georg I. R√°k√≥czi (1644‚Äď1645), die Verschw√∂rung Wessel√©nyis (1664‚Äď1671), der erste Kuruzenfeldzug (1672), der Kuruzen-Partisanenkrieg (1672‚Äď1678), der Aufstand von Emmerich Th√∂k√∂ly (1678‚Äď1687/1688) und der Aufstand von Franz II. R√°k√≥czi (der ‚ÄěKuruzenkrieg‚Äú, 1703‚Äď1711). Gemeinsame Charakteristika der Aufst√§nde waren, dass sie gegen die Habsburger, gegen die Gegenreformation und gegen den Wiener Zentralismus gerichtet waren und in der Regel von den Osmanen unterst√ľtzt wurden. Jeder von ihnen hatte aber dar√ľber hinaus auch ganz spezifische Ursachen. Bis auf den Kuruzenkrieg und die Verschw√∂rung Wessel√©nyis spielten sie sich fast ausschlie√ülich auf dem Gebiet der heutigen Slowakei ab und begannen in Siebenb√ľrgen. Ihre Anf√ľhrer waren oft zugleich F√ľrsten von Siebenb√ľrgen.

Aufkl√§rung (1711‚Äď1848)

Allgemeine Entwicklungen

Nach fast 200 Jahren antit√ľrkischer K√§mpfe (1520‚Äď1686) und anti-habsburgischer Aufst√§nde (1604‚Äď1711) in der Slowakei bedeutete der Frieden von Sathmar/Satu Mare (1711) den Beginn einer langen Friedensperiode. Diese erm√∂glichte eine deutliche wirtschaftliche, soziale und kulturelle Konsolidierung. Etwa 92 % der Last des Wiederaufbaus des K√∂nigreichs Ungarn mussten die St√§dte und die H√∂rigen in der Slowakei tragen. Die Slowaken bev√∂lkerten die entv√∂lkerten Gebiete im S√ľden (seit 1690). In der Slowakei lebten 50 % der Gesamtbev√∂lkerung des K√∂nigreichs Ungarn, das slowakische Wirtschaftspotential war um 1400 % h√∂her als das des von den T√ľrken zur√ľckeroberten Restungarns, und 70 % der Handwerker und Kaufleute Ungarns waren in der Slowakei ans√§ssig.

Bratislava mit dem Martinsdom, der Krönungskirche der ungarischen Könige

Gerade als am Ende des 18. Jahrhunderts Pressburg die größte Stadt im Königreich Ungarn geworden war, verlegte Kaiser Joseph II. 1784 die ungarischen Zentralbehörden nach Buda (slow. Budín, dt. Ofen). Allerdings fanden in Pressburg noch bis 1830 Krönungen und bis 1848 Sitzungen des ungarischen Landtags statt. Die Bedeutung der Slowakei nahm in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich ab.

Die 1789 ausgebrochene Franz√∂sische Revolution hatte auch Auswirkungen in der Slowakei und im restlichen Ungarn. 1794 entstand unter ihrem Einfluss die sogenannte Bewegung der Jakobiner des K√∂nigreichs Ungarn, die so genannte Verschw√∂rung von Ignjat Martinovińá (slow. Ign√°c J. Martinovińć, ung. I. Martinovics). Es waren etwa 200 Personen im ganzen Land beteiligt, darunter auch sehr viele Slowaken. Ihr Ziel war die Schaffung einer demokratischen Republik nach franz√∂sischem Vorbild, die Abschaffung der Monarchie und die Umwandlung Ungarns in eine F√∂deration bestehend aus den Provinzen Ungarn, Slowakei, Illyrien und Walachei. Die Verschw√∂rung wurde aber verraten.

Auch die Napoleonischen Kriege ber√ľhrten die Slowakei: Durchzug russischer Truppen (1789‚Äď1800), Besetzung von Pressburg durch napoleonische Truppen im November 1805 und Dezember 1805 mit Unterzeichnung des (vierten) Friedens von Pressburg nach der Schlacht von Austerlitz; 1809 mit Unterzeichnung eines Waffenstillstands durch Napoleon und Sprengung der Burg Dev√≠n/dt. Theben. Das K√∂nigreich Ungarn verlor in den Napoleonischen Kriegen insgesamt 120.000 Soldaten, von denen ein gro√üer Teil auch aus der Slowakei stammte. Der Kaiser rief 1812‚Äď1825 den Landtag von Pressburg nicht ein, da dieser seine finanziellen Forderungen nach dem Staatsbankrott der √∂sterreichischen Monarchie (1811) nicht erf√ľllen wollte. 1815 fanden viele Verhandlungen im Rahmen des Wiener Kongresses auch im benachbarten Pressburg statt.

Im Mai 1831 breitete sich in der Ostslowakei von Galizien her die Pest aus. Die anschließenden Hygienemaßnahmen der Behörden haben bei der ungebildeten und hungernden Bevölkerung im Sommer den Ostslowakischen Bauernaufstand (auch Choleraaufstand genannt) ausgelöst, an dem 40.000 Aufständische beteiligt waren.

W√§hrend am Anfang des 17. Jahrhunderts etwa 90 % der Bev√∂lkerung der Slowakei protestantisch waren, wendete sich im 18. Jahrhundert (nach 1711) das Blatt, und die Protestanten wurden (bis heute) langsam zu einer Minderheit. Im katholischen Bereich nahm Kaiser Joseph II. den Bisch√∂fen das Recht, Priester zu erziehen, und richtete stattdessen staatliche Generalseminare ein. Eines davon wurde 1783 in Pressburg errichtet und spielte eine wichtige Rolle bei der nationalen Bewegung der Slowaken.

Wirtschaft

Die zwanziger Jahre des 18. Jahrhunderts brachten eine wichtige Neuerung ‚Äď die Manufakturen (seit 1722, gr√∂√üere Verbreitung erst 1784). Die Anf√§nge der industriellen Revolution (Industrialisierung) und damit auch die ersten Fabriken in der Slowakei reichen zwar bis in die 1820er und 1830er Jahre zur√ľck, die meisten Fabriken entstanden aber erst am Ende des 19. Jahrhunderts. Das 18. Jahrhundert wird auch als das Goldene Zeitalter des slowakischen Bergbaus bezeichnet. Im 19. Jahrhundert wurde der jahrhundertelange Abbau von Edelmetallen, deren Menge nach mehreren Jahrhunderten Ausbeutung langsam aufgebraucht wurde, durch den Abbau von Eisenerz ersetzt. Das Slowakische Erzgebirge wurde zum Hauptgebiet der Eisenerzf√∂rderung im K√∂nigreich. 1831 wurden in der Slowakei 78 % der Roheisen- und 64 % der Gusseisenproduktion des K√∂nigreichs Ungarns produziert.

Die wichtigsten Industriezentren der Slowakei waren Pressburg und KoŇ°ice (dt. Kaschau). Nachdem die Zentralbeh√∂rden 1784 von Pressburg nach Buda verlegt worden waren, wurde Pressburg im Laufe der ersten H√§lfte des 19. Jahrhunderts durch Buda in seiner Rolle als wichtigstes Wirtschafts- und Industriezentrum des K√∂nigreichs Ungarn abgel√∂st.

Erst 1840 wurde zwischen Pressburg und dem Vorort Sv√§t√Ĺ Jur die erste (Pferde)Eisenbahnlinie im K√∂nigreich Ungarn er√∂ffnet. 1848 folgte die Verbindung Pressburg‚ÄďWien (zugleich die erste Dampfeisenbahnlinie auf dem Gebiet der heutigen Slowakei) und 1850 Pressburg‚ÄďPest (Stadt).

Kultur und Sprache

Im Bereich von Kultur und Sprache wurde 1714 der gr√∂√üte slowakische Gelehrte des 18. Jahrhunderts, Matej Bel (B√©l M√°ty√°s, Matthias B√©l), Rektor des 1607 gegr√ľndeten Evangelischen Lyzeums in Pressburg. 1735 entstand in Bansk√° ҆tiavnica (dt. Schemnitz) eine Bergbauschule, aus der 1762 die ber√ľhmte erste Bergbauhochschule der Welt entstand. 1819 wurde der Slowake Kardinal Alexander Rudnay Erzbischof von Esztergom. Er f√∂rderte unter anderem die slowakische religi√∂se Literatur und kr√∂nte 1830 den letzten ungarischen K√∂nig, der in Pressburg gekr√∂nt wurde.

Anfänge der Magyarisierung

1784 wurde im Rahmen der Zentralismusbestrebungen Josephs II. Deutsch (statt Latein) als Amtssprache und Unterrichtssprache im K√∂nigreich Ungarn eingef√ľhrt (1790 aufgehoben). Die Folge war ein zunehmender magyarischer Nationalismus. 1790 und 1792 wurden vom Landtag die ersten Gesetze zur F√∂rderung der ungarischen Sprache auf Kosten der anderen im K√∂nigreich verwendeten Sprachen verabschiedet. Damit begann die Magyarisierung der nichtmagyarischen Bev√∂lkerung des K√∂nigreichs, die dann im 19. Jahrhundert sukzessive zunahm. Die Magyaren (= ethnische Ungarn), vor allem deren Adel, fingen an, sich als das einzige Staatsvolk im K√∂nigreich Ungarn zu betrachten, in dem sie jedoch nur eine Minderheit der Bev√∂lkerung ausmachten. Seit den 1820er Jahren gab es aber bereits eindeutige und offene Bestrebungen, das K√∂nigreich in einen Staat mit Ungarisch als einziger Sprache umzuwandeln. Es gab Adlige, die eine allm√§hliche Assimilierung der Nichtmagyaren Ungarns erreichen wollten (mittlerer Adel unter der F√ľhrung von Istv√°n Sz√©chenyi), aber auch solche, die radikal einen magyarischen Nationalstaat schaffen wollten (niederer Adel unter der F√ľhrung von Lajos Kossuth). In den 1830er Jahren setzte sich die radikale Gruppierung durch. In den 1840er Jahren wandte sich diese vor allem gegen die Slowaken. In den 1830er und 1840er, vor allem 1844, wurde Latein, das etwa 1000 Jahre als Amtssprache im K√∂nigreich verwendet worden war, sukzessive durch die ungarische Sprache ersetzt, was auf heftigen Widerstand der Nichtmagyaren stie√ü.

Nationale Wiedergeburt der Slowaken

‚Üí Hauptartikel: Nationale Wiedergeburt der Slowaken

Bei den Slowaken nahm im 18. Jahrhundert das Nationalbewusstsein deutlich zu und ‚Äď √§hnlich wie bei den Magyaren und anderen Nationen dieser Region ‚Äď begann unter Joseph II. (1780‚Äď1790) unter dem Einfluss der Aufkl√§rung der Prozess der Formierung der modernen slowakischen Nation (auch Nationale Wiedergeburt genannt). Dieser Prozess (1780‚Äď1848/1867) wird √ľblicherweise in drei Phasen (Generationen, 1780‚Äď1820, 1820‚Äď1835, 1835‚Äď1848) eingeteilt. Er m√ľndete 1843 in der Kodifizierung der heutigen Form der slowakischen Schriftsprache durch ńĹudov√≠t ҆t√ļr und in der Beteiligung der Slowaken an der Revolution 1848/49 zusammen mit Wien gegen die Magyaren. Im Rahmen der Revolution von 1848 k√§mpften die Slowaken zusammen mit den kaiserlichen Truppen gegen die Magyaren (‚Üí Slowakischer Aufstand).

Vor dem Ersten Weltkrieg (1850‚Äď1914)

In der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts folgte in der Slowakei eine l√§ngere Friedensperiode. Bis 1867 zum √Ėsterreichisch-Ungarischen Ausgleich hatten die deutschen √Ėsterreicher die Vorherrschaft im K√∂nigreich Ungarn, einschlie√ülich der Slowakei, seit 1867 hingegen die Magyaren als das nunmehr zweite ‚ÄěHerrschervolk‚Äú.

Die Amtssprache in der Slowakei war 1849‚Äď1868 Deutsch (Gerichtssprache √ľberwiegend Ungarisch), wobei im Kontakt mit der einfachen slowakischen Bev√∂lkerung auch Slowakisch toleriert wurde. 1860‚Äď1868 waren Deutsch und Ungarisch die Amtssprachen. Seit 1868 war Ungarisch die fast ausschlie√üliche Amtssprache.

1850‚Äď1867 (√Ąra Bach und Zeit des Provisoriums)

In der Slowakei und den anderen Teilen der Habsburgermonarchie konnte man sich w√§hrend der neoabsolutistischen √Ąra Bach (1851‚Äď1859) nationalen Aktivit√§ten kaum widmen. Die Anf√ľhrer der Slowaken ńĹudov√≠t ҆t√ļr sowie sein Kollege Jozef Miloslav Hurban waren beispielsweise als ‚Äěverd√§chtige Personen‚Äú unter st√§ndiger polizeilicher Aufsicht. Die Aktivit√§ten wurden erst nach 1861 verst√§rkt wieder aufgenommen.

Hinsichtlich der slowakischen Schriftsprache nahm diese 1851 bei einem Treffen slowakischer Pers√∂nlichkeiten im Prinzip endg√ľltig ihre heutige Form an. Im gleichen Jahr f√ľhrte die Regierung in Wien in der Slowakei vor√ľbergehend das ‚ÄěAltslowakische‚Äú als Amtssprache ein (siehe auch J√°n Koll√°r).

Am 6. und 7. Juni 1861 wurde an einer Versammlung von 6000 slowakischen Pers√∂nlichkeiten in der Stadt Martin das Memorandum der slowakischen Nation verabschiedet, das unter anderem die Schaffung einer selbst√§ndigen Gebietseinheit auf dem Gebiet der Slowakei (der ‚ÄěSlowakischen Gegend‚Äú), die Anwendung des Slowakischen in den slowakischen Komitaten, der Schaffung eines Lehrstuhls f√ľr die slowakische Sprachen an der Universit√§t von Pest, der M√∂glichkeit der Gr√ľndung von slowakischen Kultur- und Literaturvereinen u. √§. verlangte. Im Dezember legten die Slowaken dann dem Kaiser das modifizierte sog. Wiener Memorandum vor, in dem sie bereits einen eigenen Landtag und ein eigenes Kronland verlangten. Der Kaiser erlaubte daraufhin den Slowaken zumindest aus eigenen Mitteln drei einzig slowakischsprachige Gymnasien (1862 Veńĺk√° Rev√ļca, 1867 Martin, 1869 Kl√°Ň°tor pod Znievom) sowie vor allem 1863 die Slowakische Matica (Matica slovensk√° (matica bedeutet auf Serbisch ‚ÄěQuelle/Bienenk√∂nigin‚Äú) die Benennung geht auf die 1826 gegr√ľndete serbische Matica zur√ľck), eine Gesellschaft zur Pflege der slowakischen Sprache, Kultur und Wissenschaft, zu gr√ľnden. Der erste Vorsitzende der Matica war ҆tefan Moyzes, ihr Sitz war Martin. Mangels anderer slowakischer Institutionen avancierte die Matica zu einer Repr√§sentantin der Slowaken und kn√ľpfte Kontakte mit anderen Kultur- und wissenschaftlichen Institutionen Europas.

Politisch gab es in der Slowakei in den 1860er und 1870er Jahren zwei Gruppierungen. Dabei handelte es sich zum einen um die Alte slowakische Schule (Star√° Ň°kola slovensk√°), die f√ľr die traditionelle Zusammenarbeit der Slowaken mit Wien gegen die Magyaren war. Die wichtigsten Vertreter waren Jozef Miloslav Hurban, ҆tefan Marko Daxner und Janko Francisci. Aus dieser Gruppierung entstand 1871 die Slowakische Nationalpartei. Die zweite, kleinere Gruppierung war die Neue slowakische Schule (Nov√° Ň°kola slovensk√°), die sich f√ľr eine Verst√§ndigung mit den Magyaren einsetzte und bis 1875 bestand.

1867‚Äď1914

Nach dem Ausgleich des Kaisertums √Ėsterreich mit dem K√∂nigreich Ungarn von 1867 zerfiel die √∂sterreichische Monarchie in zwei nur lose verbundene Teile, die inoffiziell als Cisleithanien und Transleithanien bezeichnet wurden. W√§hrend in den folgenden Jahren in Cisleithanien (√Ėsterreich) das Leben zunehmend demokratischer und liberaler wurde, wurde in Transleithanien (Ungarn) mehr oder weniger das feudale System aufrechterhalten. Die Unterdr√ľckung nicht-magyarischer Nationen nahm deutlich zu und das wirtschaftliche Niveau war deutlich niedriger als in Cisleithanien.

1869 wurde Jozef Miloslav Hurban, eine der f√ľhrenden Pers√∂nlichkeiten der Slowaken, von den ungarischen Beh√∂rden ins Gef√§ngnis gesteckt, er wurde aber nach Kritiken in Wiener Zeitungen aufgrund einer Anordnung des √∂sterreichischen Kaisers 1870 wieder entlassen. 1874‚Äď1875 lie√üen die ungarischen Beh√∂rden die einzigen slowakischen Mittelschulen (Gymnasien) schlie√üen. W√§hrend der Regierung von K√°lm√°n Tisza (1875‚Äď1890) folgte 1875 die Schlie√üung der Matica slovensk√°, deren durch Schenkungen der Slowaken und des Kaisers entstandenes Verm√∂gen beschlagnahmt wurde und die dadurch bis heute zum nationalen Symbol der Slowaken avancierte. Unter diesem Premierminister, der 1875 sagte, dass er keine slowakische Nation kenne, wurden die Slowaken nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich unterdr√ľckt. Zahlreiche Gewerbebetriebe der Slowaken wurden als ‚Äěpanslawistische Unternehmen‚Äú bezeichnet und deshalb geschlossen.

Nach den Landtagswahlen von 1865 gelangte kein Slowake (1869: 4, 1872: 3, 1875/1881/1896: 0, 1901: 4, 1905: 2, 1906: 7, 1910: 3) in den 415-k√∂pfigen ungarischen Landtag, obwohl den Slowaken nach den Volksz√§hlungen etwa 40‚Äď50 Sitze zugestanden h√§tten. An den Wahlen von 1878 und 1884‚Äď1901 nahm die Slowakische Nationalpartei aus Protest gegen die Wahlmanipulationen nicht teil. Nur die reichsten oder adeligen Staatsb√ľrger (5 % der Bev√∂lkerung) waren wahlberechtigt, Korruption, Gewaltakte bei der Wahl, Verhaftungen nichtmagyarischer Kandidaten, Streichungen slowakischer Pers√∂nlichkeiten von der Wahlliste waren √ľblich.

Die slowakischen Politiker wurden erst in der zweiten H√§lfte der 1890er Jahre wieder aktiv. Die Slowakische Nationalpartei zerfiel zu dieser Zeit in mehrere Str√∂mungen: Die katholische Str√∂mung unter der F√ľhrung des Priesters Andrej Hlinka gr√ľndete 1906 beziehungsweise 1913 die Slowakische Volkspartei, die sp√§ter im 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielte. Eine andere Str√∂mung stellten die sogenannten Hlasisten dar ‚Äď dies waren slowakische Studenten in Prag, Wien und Budapest. Sie stand unter starkem Einfluss des Prager Professors Tom√°Ň° Garrigue Masaryk. Diese Str√∂mung wurde 1909 durch die ebenfalls liberalen und pro-tschechoslowakisch ausgerichteten Pr√ļdisten ersetzt. Die Hlasisten und die Pr√ļdisten engagierten sich f√ľr die Entstehung der Tschechoslowakei. Die letzte Str√∂mung stellte die Bauernbewegung unter der F√ľhrung von Milan HodŇĺa dar, die vor dem Ersten Weltkrieg eine Zusammenarbeit mit dem Thronfolger Franz Ferdinand anstrebte, der sich f√ľr eine F√∂deralisierung √Ėsterreich-Ungarns einsetzte. Zus√§tzlich zur Slowakischen Nationalpartei entstand unter dem Einfluss tschechischer Sozialdemokraten 1905 die Slowakische Sozialdemokratische Partei (seit 1906 autonome Fraktion der Ungarischen Sozialdemokratischen Partei). Sie verlangte neben sozialdemokratischen Errungenschaften auch die v√∂llige Gleichbehandlung der Slowaken.

1907 wurde der Priester Andrej Hlinka aufgrund konstruierter Anschuldigungen von ungarischen Beh√∂rden ins Gef√§ngnis gesteckt. 1909 wurde er vom Heiligen Stuhl f√ľr unschuldig erkl√§rt. 1907 ereignete sich auch der Zwischenfall von ńĆernov√°, der die Aufmerksamkeit der Welt auf die Verh√§ltnisse in Ungarn lenkte: Ungarische Gendarme erschossen in diesem Dorf 15 Bewohner (einschlie√ülich schwangerer Frauen und Kinder), verletzten 12 schwer und steckten 40 weitere Dorfbewohner ins Gef√§ngnis, weil diese verhindern wollten, dass ihre neue von ihnen erbaute Kirche von einem ungarischen Priester statt von dem dort geborenen Andrej Hlinka geweiht wurde. Diese Tat wurde neben der ausl√§ndischen Presse unter anderem auch vom Vorsitzenden des √∂sterreichischen Parlaments und vor allem von den tschechischen Abgeordneten dieses Parlaments kritisiert.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Tschechen und Slowaken. Neben den Aktivitäten slowakischer Studenten in Prag (siehe oben Hlasisten) hatten praktisch alle slowakischen politischen Strömungen Kontakte zu den Tschechen. Einige Jahre vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs entstand auch eine intensive Zusammenarbeit der tschechischen und slowakischen Auswanderer in den USA. Es gab aber auch viele Slowaken, die mit den ebenfalls im Königreich Ungarn lebenden Kroaten, Serben, Ruthenen und Rumänen sowie mit den Russen intensive Kontakte pflegten.

Auch die amerikanischen Slowaken waren sehr aktiv. Um 1900 bestanden in den USA bereits 12 wichtige slowakische Vereine, die unter anderem mehr Zeitungen und Zeitschriften herausgaben, als es in der Slowakei selbst der Fall war. 1893 wurde in Chicago die Slowakische Matica in Amerika gegr√ľndet, die die T√§tigkeit der 1875 verbotenen Matica fortsetzte. 1907 wurde in Cleveland (Ohio) die Slovak League of America gegr√ľndet, die die finanzielle und politische Unterst√ľtzung der Slowakei zum Ziel hatte.

Magyarisierung

Verteilung der Umgangssprachen in √Ėsterreich-Ungarn[1]

Nach dem √Ėsterreichisch-Ungarischen Ausgleich erreichte die Magyarisierung, die in den Jahren nach der Revolution (das hei√üt 1849‚Äď1860) vor√ľbergehend eher durch eine Germanisierung ersetzt worden war, ihren H√∂hepunkt. Sie wurde zur offiziellen Staatsideologie erkl√§rt. 1868 wurden alle B√ľrger Ungarns per Gesetz zu Mitgliedern ‚Äěeiner einzigen untrennbaren ungarischen [d. h. auf Ungarisch = magyarischen] Nation‚Äú, obwohl noch 1850 weniger als 50 % der Bev√∂lkerung des K√∂nigreichs Ungarn Magyaren waren. Das Ungarische wurde zudem zur einzigen Staatssprache erkl√§rt. Die drei einzigen slowakischen Gymnasien in der Slowakei (die von den Slowaken selbst gegr√ľndet worden waren) wurden 1874‚Äď1875 wegen ‚ÄěPanslawismus‚Äú geschlossen. Seither gab es bis 1918 in der Slowakei keine einzige slowakische Mittelschule mehr. 1875 wurde die Slowakische Matica geschlossen. 1879‚Äď1893 wurde durch mehrere Gesetze die ungarische Sprache in den Kinderg√§rten (1891) und Volksschulen (1879) als einzige Sprache vorgeschrieben.

In mehreren Etappen, zun√§chst noch z√∂gerlich, wurde unter Ministerpr√§sident K√°lm√°n Tisza, jede nationale √Ąu√üerung zusehends unm√∂glich gemacht. Die Situation war mit der Leugnung der Existenz der slowakischen Nation durch Tisza verh√§rtet.[2] Zwischen 1872 und 1900 sank die Anzahl der slowakischsprachigen Volksschulen im gesamten K√∂nigreich von 1822 auf 528 (‚ąí71 %) und jene der deutschen von 1232 auf 383 (‚ąí69 %), w√§hrend die Anzahl der ungarischsprachigen Volksschulen von 5.819 auf 10.325 anstieg (+77 %). Entsprechend dem offiziellen Anteil der slowakischen beziehungsweise deutschen Sch√ľler h√§tten damals dabei die Slowaken und Deutschen ungef√§hr viermal so viele Schulen ben√∂tigt. Slowakischen Studenten, die an magyarischen Schulen studierten (was praktisch immer der Fall war), war es verboten, sich in oder au√üerhalb der Schule auf Slowakisch zu unterhalten und slowakische B√ľcher oder Zeitungen zu besitzen, sonst mussten sie die Schule verlassen. In den 1890ern wurden zahlreiche slowakischsprachige Theatervorstellungen sowie diverse Vereine (zum Beispiel 1896 der Literaturverein von Myjava) verboten. 1898 trat ein Gesetz in Kraft, nach dem s√§mtliche Gemeinden im K√∂nigreich unabh√§ngig von ihrer Bev√∂lkerung nur ungarische Namen tragen durften. Geplante Protestversammlungen der Slowaken, Serben oder Rum√§nen gegen diese und andere Magyarisierungsgesetze wurden verboten und Autoren von Protestartikeln in Zeitungen verhaftet.

1907 folgte dann mit den Apponyischen Schulgesetzen (benannt nach dem damaligen Schulminister Albert Apponyi) der H√∂hepunkt der Magyarisierung: Aufgrund dieses Gesetzes durften Slowakisch und Deutsch nur noch 1 Stunde pro Woche als Fremdsprache unterrichtet werden. √Ąu√üerst negative Folgen hatten die Gesetze an der weltber√ľhmten Bergbauakademie in Bansk√° ҆tiavnica, an der die zahlreichen ausl√§ndischen Studenten, vor allem Deutsche, den Vorlesungen nicht mehr folgen konnten und umziehen mussten (meist nach Vordernberg oder Leoben).

Im kirchlichen Bereich wurden Priester, die nicht auf Ungarisch arbeiten wollten, in die √§rmsten D√∂rfer in den Bergen geschickt. F√ľr Priester(schulen) galt, dass sie f√ľr den blo√üen Besitz slowakischsprachiger B√ľcher genauso wie f√ľr die Anwendung der slowakischen Sprache, diverse Strafen hinnehmen mussten.

1883 beziehungsweise 1885 wurden von den Beh√∂rden die Vereine FMKE (FelsŇĎmagyarorsz√°gi Magyar K√∂zmŇĪvelŇĎd√©si Egyes√ľlet / Ungarischer Bildungsverein f√ľr Oberungarn) beziehungsweise der MTK (Magyarorsz√°gi T√≥t K√∂zmŇĪvelŇĎd√©si Egyes√ľlet / Bildungsverein f√ľr ungarl√§ndische Slowaken) gegr√ľndet, die speziell die Magyarisierung der slowakischen Bev√∂lkerung zur Aufgabe hatten. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden (nach manchen Quellen bis zu 60.000) slowakische Kinder aufgrund beh√∂rdlicher Anordnungen unter der Schirmherrschaft des FMKE zum Arbeitsdienst in ungarischsprachige Teile des K√∂nigreichs geschickt (vor allem in den Jahren 1887 und 1892).

Die rigorose Magyarisierungspolitik, die vor allem unter der slowakischen und deutschsprachigen Bev√∂lkerung Transleithaniens Erfolge verzeichnete, lie√ü den Bev√∂lkerungsanteil der Magyaren auf knapp √ľber die H√§lfte anwachsen. Zwischen 1880 und 1910 stieg der Prozentsatz der sich als Magyaren bekennenden B√ľrger Ungarns (ohne Kroatien) von 44,9 auf 54,6 Prozent. 1913 waren nur 7,7 % der Gesamtbev√∂lkerung wahlberechtigt oder durften √∂ffentliche √Ąmter bekleiden. Nach einer √Ąnderung des Wahlrechts kurz vor Kriegsende stieg dieser Prozentsatz auf ganze 13 %.[3]

Wirtschaft, Auswanderung, Slowaken im Ausland

Das K√∂nigreich Ungarn wurde im Zeitraum von 1850 bis 1918 von Modernisierung und Verst√§dterung erfasst. Die Slowakei z√§hlte zu den industriereichsten Gebieten des K√∂nigreichs Ungarn, wobei jedoch Ungarn als solches industriell noch sehr r√ľckst√§ndig war. Au√üerhalb der wichtigsten Industriegebiete der Slowakei, Bratislava/Pressburg und der Zips, gab es jedoch zahlreiche Gebiete, vor allem in der Ost- und Nordslowakei, in denen die Bev√∂lkerung hungerte. Diese Entwicklung wurde auch durch den langsamen Niedergang des einst so wichtigen slowakischen Bergbaus sowie durch die Tatsache best√§rkt, dass im Sinne der Magyarisierungspolitik die Slowaken beispielsweise nicht bei der Bahn oder in der √∂ffentlichen Verwaltung arbeiten durften.

Eine Folge der Armut, der Pestepidemie von 1872‚Äď1873 (bei der 2,3 % der Slowaken starben) und zum Teil auch der repressiven Magyarisierung war die massenweise Auswanderung von Slowaken, Deutschen und Ruthenen, die in einem gr√∂√üeren Ausma√ü am Ende der 1870er begann und am Anfang des 20. Jahrhunderts ihren H√∂hepunkt erreichte. Ungef√§hr 40‚Äď50 % der Auswanderer aus dem K√∂nigreich Ungarn stammten aus den Komitaten in der Slowakei, vor allem aus der Ostslowakei. 1871‚Äď1914 wanderten etwa 650.000 Menschen, meist Slowaken, aus der Slowakei aus, davon 500.000 in die USA (vor allem an die Ostk√ľste) und 150.000 in andere Teile des K√∂nigreichs Ungarn (Budapest, Transdanubien, Siebenb√ľrgen) und nach Europa (vor allem nach Wien). Dabei hatte die Slowakei im Jahre 1890 lediglich 2,6 Millionen Einwohner.

Die amerikanischen Slowaken trugen deutlich zur Aufrechterhaltung des slowakischen Nationalbewusstseins sowie zu der sp√§teren Entstehung des Staates Tschechoslowakei bei. Die 500.000 amerikanischen Slowaken machten knapp vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs zahlenm√§√üig etwa ein Viertel aller Slowaken aus. Bereits 1860 und in den folgenden Jahren k√§mpften die ersten slowakischen Auswanderer im Rahmen der von dem Slowaken Gejza Mihal√≥ci (nach dem das Fort Mihalotzy in Tennessee benannt wurde) gegr√ľndeten slawischen Milit√§reinheit Slavonian Lincoln Rifle Company im US-amerikanischen B√ľrgerkrieg auf der Seite der Nordstaaten.

Obwohl 1900 die gr√∂√üte Stadt auf dem Gebiet der Slowakei Pressburg mit 60.000 Einwohnern war, wurde die Stadt Pittsburgh (knapp vor dem Ersten Weltkrieg) in den USA zur Stadt mit den meisten Slowaken. Au√üerdem lebten viele Slowaken in der ungarischen Hauptstadt Budapest (1900 waren etwa 110.000, 1910 etwa 150.000 Einwohner Budapests auf dem Gebiet der heutigen Slowakei geboren). Seit 1690 waren Slowaken in s√ľdliche Teile des K√∂nigreichs Ungarn ausgewandert, so dass um 1900 bereits etwa 500.000 Slowaken im heutigen Ungarn, Serbien, Rum√§nien und Kroatien lebten.

Erste tschechoslowakische Republik

‚Üí Hauptartikel: Geschichte der Tschechoslowakei

ńĆSR in der Zwischenkriegszeit
Ethnographische Gliederung der ńĆSR um 1930

1918 schloss sich die Slowakei mit den vorher von √Ėsterreich beherrschten tschechischen L√§ndern B√∂hmen und M√§hren zur Tschechoslowakei zusammen. Kurz nach dem Inkrafttreten des auf deutschen Druck am 30. September 1938 zustandegekommenen M√ľnchner Abkommens erhielt die Slowakei die Autonomie und verlor aufgrund des Ersten Wiener Schiedsspruchs vom 2. November 1938 ihre s√ľdlichen Gebiete an Ungarn.

Erste Slowakische Republik

Unter dem Druck Adolf Hitlers, der mit einer Aufteilung des Landes zwischen Polen und Ungarn drohte, und tschechischer Truppen, die auf slowakisches Gebiet vorger√ľckt waren, erkl√§rte das slowakische Parlament die Slowakei am 14. M√§rz 1939 als Slowakische Republik, sp√§ter erste Slowakische Republik genannt, f√ľr unabh√§ngig. Der Staat stand unter starkem Einfluss Deutschlands, mit dem es kurz nach der Unabh√§ngigkeitserkl√§rung am 23. M√§rz einen sogenannten Schutzvertrag schloss. Damit wurden dem Deutschen Reich weitreichende Einflussm√∂glichkeiten in die slowakische Wirtschaft und Au√üenpolitik einger√§umt. Au√üerdem wurde dem Deutschen Reich erlaubt, einen Streifen entlang der Grenze zu M√§hren (dem Verlauf der Ostr√§nder der Kleinen und Wei√üen Karpaten sowie des Javorn√≠k-Gebirges folgend) als ‚ÄěSchutzzone‚Äú milit√§risch zu besetzen. Die deutsche Erkl√§rung, die Integrit√§t des slowakischen Territoriums zu sch√ľtzen, erwies sich schon bald als unwirksam, als Ungarn von Osten angriff und Teile der Ostslowakei besetzte (siehe Slowakisch-ungarischer Krieg). 1939 griffen deutsche Truppen auch von der Slowakei aus und unter Beteiligung slowakischer Verb√§nde Polen an. Sp√§testens 1944 wurde der nationalsozialistische Genozid in Folge des Slowakischen Nationalaufstandes systematisch auf die Slowakei ausgedehnt.

Territoriale Verluste durch den Wiener Schiedsspruch

Verschleppungen der Slowaken oder der Roma fanden nicht statt. Die Juden wurden aber nach st√§ndigem Druck Deutschlands polizeilich erfasst und in KZ im Ausland verschleppt (die geplanten Arbeitslager f√ľr Juden wurden dann nicht errichtet). Bis Oktober 1942 wurden mindestens 57.000 Juden aus der Slowakei deportiert. Nachdem jedoch publik wurde, um was f√ľr ‚ÄěArbeitslager‚Äú im Ausland es sich in Wirklichkeit handelte, wurden die Transporte gestoppt. Die Deportationen wurden Ende 1944 nochmals aufgenommen. Ursache hierf√ľr war die milit√§rische Besetzung der gesamten Slowakei durch die deutsche Wehrmacht nach dem Slowakischen Nationalaufstand (und dem Zugriff der SS und des SD in deren Folge). Viele Slowaken waren im August 1944 an diesem milit√§risch dann gescheiterten aber f√ľr die Nachkriegszeit wichtigen Aufstand gegen Hitler beteiligt.

Siehe auch: Judenverfolgung in der Slowakei

Sozialistische Volksrepublik Tschechoslowakei

Dritte Tschechoslowakische Republik

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Slowakei ihre kurzlebige Unabh√§ngigkeit und wurde erneut Teil der ab 1948 kommunistischen Tschechoslowakei. Die Karpatoukraine wurde von der Sowjetunion besetzt und geh√∂rt heute zur Ukraine, au√üerdem wurden die Grenzen des nunmehrigen Teilstaates geringf√ľgig korrigiert, so im S√ľden Bratislavas, dem sogenannten Bratislavaer Br√ľckenkopf und ein gr√∂√üerer Gebietstausch an der √∂stlichen Grenze zur damaligen UdSSR. Dabei kamen eine Stadt und einige Gemeinden im Gebiet s√ľdlich von Uschhorod bis nach Tschop zur Ukrainischen SSR:

Slowakisch Ukrainisch Transkription Transliteration Ungarisch²
Galońć –ď–į–Ľ–ĺ—á Halotsch Halońć G√°locs
Palov –ü–į–Ľ–Ľ–ĺ Pallo Pallo Pall√≥
Batva –Ď–į—ā—Ą–į Batfa Batfa B√°tfa
PalańŹ + Komarovce –ü–į–Ľ–į–ī—Ć-–ö–ĺ–ľ–į—Ä—Ė–≤—Ü—Ė Palad-Komariwzi Palad‚Äô-Komarivci Pal√°gykomor√≥c
Surty –°—é—Ä—ā–Ķ Sjurte Sjurte Sz√ľrte
Mal√© R√°tovce –úa–Ľi –†–į—ā—Ė–≤—Ü—Ė 1 Mali Ratiwzi Mali Rativci Kisr√°t
Veńĺk√© R√°tovce –íe–Ľ–ł–ļi –†–į—ā—Ė–≤—Ü—Ė 1 Welyki Ratiwzi Velyki Rativci Nagyr√°t
Mal√© Slemence –úa–Ľi Ce–Ľ–ľe–Ĺ—Ü—Ė Mali Selmenzi Mali Selmenci Kisszelmenc
҆alam√ļnov√° Co–Ľo–ľo–Ĺo–≤o Solomonowo Solomonovo Tiszasalamon
T√©gl√°s T–ł–Ļ–≥–Ľa—ą Tyhlasch TyhlaŇ° Kist√©gl√°s
ńĆop –ß–ĺ–Ņ Tschop ńĆop Csap

1 Ortsteil von –†a—ā—Ė–≤—Üi‚Äö (Ratiwzi, Rativci)
¬≤ Offiziell bis 1918 und 1939‚Äď1945

Im Gegenzug kam der Ort Lek√°rovce zur Tschechoslowakei.

Grenzveränderungen der Slowakei nach 1945
  • 1 ‚Äď Bratislavaer Br√ľckenkopf, am 15. Oktober 1947 von Ungarn √ľbergeben
  • 2 ‚Äď JabŇāonka-Gebiet, geh√∂rte vom 12. M√§rz 1924 bis zum 21. November 1939 und seit dem 20. Mai 1945 zu Polen
  • 3 ‚Äď Nowa BiaŇāa-Gebiet (slowakisch Nov√° Bela, deutsch Neubela), geh√∂rte vom 12. M√§rz 1924 bis zum 21. November 1939 und seit dem 20. Mai 1945 zu Polen
  • 4 ‚Äď Landstreifen mit und n√∂rdlich der Stadt Tschop, kam 1945 im Zuge der Abtretung der Karpatoukraine zur Sowjetunion
  • 5 ‚Äď Lek√°rovce mit unmittelbarer Umgebung kam 1946 im Zuge der Grenzberichtigung zur Karpatoukraine zur Tschechoslowakei


Die deutsche Bev√∂lkerung wurde vor dem Kriegsende gr√∂√ütenteils vor der heranr√ľckenden Roten Armee evakuiert, zum Teil wurde sie auch vertrieben (siehe Karpatendeutsche). Bei der ungarischen Bev√∂lkerung kam es zu einem teilweisen ‚ÄěBev√∂lkerungsaustausch‚Äú.

Zweite slowakische Republik

Regierung Meńćiar

Die heutige Slowakei entstand am 1. Januar 1993 durch eine auf friedlichem Wege erfolgte staatliche Trennung von den tschechischen Landesteilen. Viele empfanden den Regierungsstil von Vladim√≠r Meńćiar als eigensinnig und chauvinistisch (insbesondere gegen√ľber der ungarischen Minderheit).

Bis 1998 weigerte sich Meńćiar, mit russischer Unterst√ľtzung, den Energiesektor des Landes zu privatisieren, und wurde deshalb von der Europ√§ischen Union als ‚ÄěDiktator‚Äú bek√§mpft. Es wurden Handelssperren mit vormals wichtigen Handelspartnern wie Jugoslawien, Syrien und Libyen verh√§ngt.

1998 erhielt Meńćiars Partei mit 27 % die meisten Stimmen, konnte jedoch keine Koalition zusammenstellen, so dass Mikul√°Ň° Dzurinda Premierminister wurde.

Annäherung an den Westen

In der Amtszeit Mikul√°Ň° Dzurindas und des Pr√§sidenten Rudolf Schuster stabilisierte sich das Land politisch und wurde st√§rker f√ľr ausl√§ndische Investoren ge√∂ffnet. Die Wirtschaft verzeichnet seit 1994 ein ununterbrochenes, meist starkes Wachstum. Die Arbeitslosenquote lag Ende 2001 bei 19,8 %, seitdem ist ein leichter R√ľckgang zu verzeichnen.

Bei den Wahlen 2002 zeigten die EU und die USA offen ihre Antipathie gegen√ľber Meńćiars Partei, indem sie die anderen Parteien finanziell unterst√ľtzen. Au√üerdem drohte man, bei einem Sieg Meńćiars h√§tte die Slowakei keine Chance auf einen EU-Beitritt.

Bei den Pr√§sidentschaftswahlen 2004 erreichte Meńćiar im ersten Wahlgang die meisten Stimmen, verlor aber die Stichwahl gegen seinen ehemaligen Parteifreund Ivan GaŇ°parovińć.

Seit dem 29. März 2004 ist die Slowakei Mitglied der NATO und wurde am 1. Mai 2004 in die Europäische Union aufgenommen.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Distribution of Races in Austria-Hungary. In: William R. Shepherd: Historical Atlas. New York 1911
  2. ‚ÜĎ Manfred Alexander (Hrsg.): Kleine V√∂lker in der Geschichte Osteuropas. Festschrift f√ľr G√ľnther St√∂kl zum 75. Geburtstag. Verlag Steiner, Stuttgart 1991, ISBN 3-515-05473-1, S. 80f.
  3. ‚ÜĎ Wolfdieter Bihl: Der Weg zum Zusammenbruch. √Ėsterreich-Ungarn unter Karl I.(IV.). In: Erika Weinzierl, Kurt Skalnik (Hrsg.): √Ėsterreich 1918‚Äď1938: Geschichte der Ersten Republik. Bd. 1, Graz / Wien / K√∂ln 1983, S. 27‚Äď54, hier S. 44.

Literatur

  • Stanislav J. Kirschbaum: A history of Slovakia ‚Äď the struggle for survival, New York 2005
  • Roland Sch√∂nfeld: Slowakei ‚Äď vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Regensburg 2000
  • J.Bartl, V. ńĆińćaj, M. Koh√ļtov√°, R. Letz, V. Letz, D. ҆kvarna: Lexikon der Slowakischen Geschichte, Bratislava 2002, ISBN 80-08-02035-0
  • J√∂rg K. Hoensch: Studia Slovaca: Studien zur Geschichte der Slowaken und der Slowakei, Collegium Carolinum M√ľnchen 2002, ISBN 3-486-56521-4
  • Elena Mannov√° (Hrsg.): A Concise History of Slovakia, Bratislava 2000.

Weblinks


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