Geschichte des Iran

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Geschichte des Iran

Der Name Iran kommt aus den westiranischen Dialekten der großen iranischen Sprachfamilie (siehe Iranische Sprachen) und bedeutet Land der Arier. Das ostiranische Äquivalent ist Aryana. Der Begriff Iran bezieht sich im eigentlichen Sinne auf eine viel grĂ¶ĂŸere Region, die die Gebiete der modernen Staaten Afghanistan, Tadschikistan, Irak, Aserbaidschan, Usbekistan, Turkmenistan und Teile Pakistans und der TĂŒrkei mit einschließt (siehe Hochland von Iran). Somit beinhaltet dieser Artikel zu einem großen Teil auch die Geschichte jener Staaten und Regionen. Die Geschichte des modernen Staates Iran beginnt genau genommen mit der GrĂŒndung Afghanistans im Osten Irans und dem Aufstieg der Zand-Dynastie im Westen. Die Bezeichnung Iran wird seit dem 21. MĂ€rz 1935 auch im Abendland fĂŒr das alte Persien benutzt, wĂ€hrend sie zuvor sowohl im Land selbst als auch außerhalb des europĂ€isch-amerikanischen Sprachraumes stets das Land bezeichnete.

Inhaltsverzeichnis

FrĂŒhe Hochkulturen (ca. 4.000 v. Chr. bis 550 v. Chr.)

Ganj Nameh: Inschrift aus der achÀmenidischen Zeit

Bereits in der Jungsteinzeit (Neolithikum) wurde das Land, das als Iran bezeichnet wird, besiedelt, bzw. es sind Siedlungsspuren nachweisbar. Im 4. Jahrtausend v. Chr. gab es eine erste Wanderbewegung von Indogermanen, die zusammen mit den Indern die Bezeichnung Arier (ariyānām) haben. Die Herkunft dieser Arier ist umstritten, man ist sich aber darĂŒber einig, dass sie aus dem Norden stammen. Bereits gegen Ende des 4. Jahrtausend v. Chr. kann von einer stĂ€dtischen Zivilisation gesprochen werden, die sich aus der Ackerbau betreibenden, sesshaften Bevölkerung entwickelte.

Reich Elam (2.800 v. Chr. bis 569 v. Chr.)

Das erste Reich auf iranischem Boden ist das Reich Elam, das heutige Gebiet um Chusistan (Khuzestan), das – abseits der großen Weltgeschichte – vom ersten Auftauchen um 2800 v. Chr. bis zur Niederlage gegen das assyrische Reich um 569 v. Chr. Bestand hatte. Die Könige nannten sich „von Anshan und Susa“.

Die zweite Wanderbewegung (die eigentlichen Indoiranier), um 1250 v. Chr., von indogermanischen Reiternomaden aus den Steppen SĂŒdrusslands, lĂ€sst sich geschichtlich genauer fassen. Das Auftreten der Meder (Madai) um 900 v. Chr., in deren Folge die mit den Medern verwandten Perser (Pārsa), aus dem Gebiet des Urmia-Sees stammend, nachzogen, verĂ€nderte die einheimische Bevölkerungsstruktur.

Meder-Reich (728 v. Chr. bis 550 v. Chr.)

Das Meder-Reich war das erste große iranische Reich. Die Bewohner waren die Meder. Ihre Sprache, Kultur und Abstammung war iranisch. 835 v. Chr. erwĂ€hnte der assyrische König zum ersten Mal die medischen StĂ€mme. Bald nach ihrem Auftreten konnten sie große Bereiche des assyrischen Reiches unterwerfen. Im Jahre 715 v. Chr. fĂŒhrte der HĂ€uptlingsfĂŒhrer Deiokes die medischen StĂ€mme ohne Erfolg gegen das assyrische Reich. Ein Nachfolger, Phraortes, konnte die ĂŒbrigen iranischen StĂ€mme vereinen und das assyrische Königreich vernichten. Er grĂŒndete die medische Hauptstadt Ekbatana (das heutige Hamadan). Astyages, der letzte medische König, fĂŒhrte das Reich bis 550 v. Chr.

Die Antike (550 v. Chr. bis 642 n. Chr.)

→ Siehe auch: Perserreich

Die AchÀmeniden

Dariush (Dareios) I. (549 - 486 v. Chr.
Perserreich um 500 v. Chr.

Die Herrschaft der AchĂ€meniden dauerte von ca. 559 v. Chr.–330 v. Chr. Kyros der Große grĂŒndete als persischer König (Schah) das erste Weltreich der Geschichte, das altpersische Großreich. 539 v. Chr. wurde Babylon eingenommen und das neubabylonische Reich der ChaldĂ€er besiegt. Ägypten wurde dem AchĂ€menidenreich 525 v. Chr. eingegliedert. Von 521 v. Chr. bis 486 v. Chr. regiert Dareios der Große, der sich durch sein enormes militĂ€risches Können auszeichnete. Er siegte im ersten Jahr seiner Herrschaft in 19 Schlachten in einem Gebiet, welches so groß wie ganz Westeuropa war. Weiterhin schuf er sich durch seine weise Politik und Toleranz einen Namen.

Um 500 v. Chr. erhoben sich die Griechen gegen die persische Herrschaft, womit die Perserkriege eingeleitet wurden. Der Aufstand wurde 494 v. Chr. mit der Zerstörung Milets niedergeschlagen. Hier standen sich zwei Ideologien gegenĂŒber: Die Iraner vertraten die Reichsidee unter Wahrung der nationalen IdentitĂ€ten wĂ€hrend die Griechen die Stadtstaaten-Idee (Polis) unter völliger UnabhĂ€ngigkeit bevorzugten. Von 486 v. Chr. bis 465 v. Chr. regierte Xerxes I.. 450 v. Chr.–404 v. Chr. erfolgten AufstĂ€nde gegen die AchĂ€meniden in Ägypten, Syrien und im Kernland des Reiches. Von 359 v. Chr. bis 338 v. Chr. stand das Reich unter der Herrschaft von Artaxerxes III.

Der Alexanderfeldzug

Im Jahr 335 v. Chr. wurde Darius III. Großkönig, aber er wurde schon 331 v. Chr. von Alexander dem Großen in der Schlacht von Gaugamela wĂ€hrend des Alexanderfeldzuges geschlagen und wenig spĂ€ter auf der Flucht vom Satrapen Baktriens, Bessos, ermordet. Mit Alexanders Sieg endete die Herrschaft der AchĂ€meniden. Das Reich ging im Alexanderreich auf.

Die Seleukiden

Das Jahr 312 v. Chr. begann mit dem Aufstieg der Diadochen-Dynastie von Seleukos I. Nikator, einem Feldherrn Alexanders, die Seleukidenherrschaft. Zwischen 280 und 200 v. Chr. erstreckte sich das Reich der Seleukiden ĂŒber große Gebiete Vorderasiens bis zum Indusgebiet. Nach dem Zerfall gelangten die westlichen Reichsgebiete an das Römische Reich.

Die Arsakiden

Das Partherreich unter der Herrschaft der Arsakiden entfaltete sich von 250 v. Chr. bis 224 n. Chr. Die Parther nahmen Elemente der hellenistischen Kultur auf und konnten sich, trotz mehrerer Niederlagen (besonders im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr.) gegen das römische Reich behaupten. 224 n. Chr. kam es jedoch zum Sturz der Arsakiden durch die Sassaniden.

Die Sassaniden

Das Sassanidenreich, gegrĂŒndet von der letzten altpersischen Dynastie, existierte zwischen 224/26 n. Chr. und 651 n. Chr. Es erwies sich in der SpĂ€tantike als ein bedeutender Rivale Roms (siehe auch Römisch-Persische Kriege), wobei es jedoch auch durchaus zu einer (zeitweiligen) friedlichen Koexistenz kam. Unter Chosrau I. erlebte das sassanidische Persien eine kulturelle BlĂŒte. Nachdem aber der letzte bedeutende Sassanidenkönig Chosrau II. 628 ermordet worden war, versank das Reich im Chaos, was es den islamischen Arabern erlaubte, ab Mitte der 30er Jahre des 7. Jahrhunderts, Persien zu erobern. Sie besiegten die sassanidischen Heere, der letzte Sassanidenkönig Yazdegerd III. starb 651. Es kam schließlich, wenn auch eher langsam, zu einer Bekehrung der Bevölkerung zum Islam; noch in den 50er Jahren des 7. Jahrhundert kam es zu mehreren AufstĂ€nden der Perser gegen die Fremdherrschaft, die aber niedergeschlagen wurden. Das sassanidische Persien, mit seinem Hofleben und Verwaltung, war auch ein wichtiges Vorbild fĂŒr das Kalifenreich, besonders unter den Abbasiden.

→ Siehe auch: Islamische Expansion

Einbruch des Islams, ab 642

Die Umayyaden (661 bis 749)

Nach der entscheidenden Niederlage von Nehawend gegen die muslimischen Araber im Jahr 642 n. Chr. brach das Reich der Sassaniden in Persien auseinander und ging mit der Ermordung von Yazdegerd III. endgĂŒltig unter. Dennoch zog sich die arabische Unterwerfung des Iran hin, da die Muslime durch interne MachtkĂ€mpfe in Folge der Machtergreifung der Umayyaden zeitweise geschwĂ€cht waren.

Erst gegen Ende des 7. Jahrhunderts konnte Khorasan von den Arabern endgĂŒltig erobert werden. Auch die Unterwerfung von Transoxanien dauerte bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts, als der Statthalter von Khorasan Nasr ibn Saiyar (737−748) die TĂŒrken endgĂŒltig besiegen konnte. Nach seinem Tod begann unter Abu Muslim 748 ein Aufstand im östlichen Iran, der zum Sturz der Umayyaden und zur BegrĂŒndung der Dynastie der Abbasiden beitrug.

→ Siehe auch: Liste der Herrscher der Umayyaden

Die Abbasiden (749 bis 857)

Nachdem die Dynastie der Umayyaden unter Mitwirkung des Aufstandes von Abu Muslim in Khorasan gestĂŒrzt worden war, erlangten die Perser unter den nun an die Macht gekommenen Abbasiden erheblichen Einfluss in der Reichsverwaltung und im Heer des Kalifats. Auch der persische Kultureinfluss wurde verstĂ€rkt, besonders nachdem die Hauptstadt des Kalifats nach Bagdad im Irak verlegt worden war. Nachdem unter Harun ar-Raschid ein Aufstand der Charidschiten in Sistan 809 niedergeschlagen worden war, teilte dieser vor seinem Tod die Herrschaft im Reich unter seinen Söhnen, wobei al-Amin Kalif in Bagdad werden und al-Mamun in Khorasan regieren sollte.

Schon 810 brach aber der BĂŒrgerkrieg aus, bei dem al-Amin von al-Mamun mit Hilfe des Generals Tahir geschlagen und gestĂŒrzt wurde. Zur Belohnung wurde Tahir 821 zum Statthalter in Khorasan und Transoxanien ernannt, womit die Abbasiden faktisch die Kontrolle ĂŒber den östlichen Iran verloren.

Zwar wurde noch der westliche Iran von den Abbasiden kontrolliert, doch gewannen seit der Mitte des 9. Jahrhunderts auch dort lokale Dynastien an Macht oder wurde der Einfluss des Kalifen durch AufstĂ€nde eingeschrĂ€nkt. Ein solcher Aufstand war z.B. die Revolte von Bābak in Aserbaidschan und dem Westiran von 816 bis 837. Außerdem gewannen die Schiiten zunehmend Verbreitung im Iran. Nach einer langen Phase des Niedergangs des Kalifats der Abbasiden, wurde deren politische Macht durch die schiitischen Buyiden 945 endgĂŒltig beseitigt. Damit ging auch der letzte unmittelbare Einfluss der Abbasiden ĂŒber den Iran verloren.

Lokaldynastien: (681 bis 1191)

Die Tahiriden

Der persische General Tahir wurde 821 vom Kalifen Al-MaÊŸmĆ«n zum Statthalter Khorasans und Ostirans gemacht, zeigte umgehend UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen und wurde vergiftet. Seine Familie, die Tahiriden hatten bis zu ihrem Sturz durch Yaqub ibn Laith 873 eine MachtfĂŒlle inne, die der des Kalifen gleichkam, stellten dessen AutoritĂ€t aber nicht mehr in Frage.

→ Siehe auch: Tahiriden, Abdullah bin Tahir

Die Saffariden

Im SĂŒdosten des damaligen Iran, in Sistan vereinigte der Kupferschmied Yaqub ibn Laith (alias as-Saffar) ab 861 die unzufriedene Bevölkerung und beseitigte verschiedene lokale Machthaber. Nach der Eroberung von Khorasan, Kerman und Fars erfolgte 876 sogar ein gescheiterter Angriff auf Bagdad. Sein Bruder und Nachfolger Amr ibn Laith wurde 900 von den Samaniden besiegt, woraufhin die Saffaridenherrschaft zusammenbrach und wieder auf Sistan beschrĂ€nkt wurde.

→ Siehe auch: Saffariden

Die Samaniden

Bereits unter den Tahiriden waren die Samaniden aus Khorasan um 864 zu Gouverneuren von Westturkestan und dem Gebiet des heutigen Afghanistan aufgestiegen, die bis zur DynastiegrĂŒndung und Krönung reichte, sich jedoch um 1005 den aufkommenden Gaznawiden beugen musste. Die Samaniden gelten als Anfang der tadschikischen Nation. Die Dichter Rudaki (859–941), Daqiqi, Baba Taher (ca. 944–1019) und der Arzt, Philosoph und Wissenschaftler Avicenna (980–1037) stammen aus dieser Zeit.

Firdausi sagte ĂŒber die Samaniden: „Wo sind hin all die großen Sassaniden?“ [Antwort:] „Von den Bahramiden (Bahram V.) zu den Samaniden.“

→ Siehe: Samaniden

Die Sijariden (927 bis 1035)

→ Hauptartikel: Sijariden

Die Bujiden (934 bis 1055)

→ Hauptartikel: Bujiden

Die Buyiden/Bujiden waren eine schiitische Dynastie in Persien, die aus Dailam (930 – 1062) im Norden des heutigen Iran stammt. Die Dynastie wurde von Abu Shudja Buyahn († 932) begrĂŒndet, der seinen Aufstieg als MilitĂ€rfĂŒhrer unter den Samaniden und Ziyariden begann. Ali Imad ad-Daula (932 – 949) eroberte 932 die zentralpersische Provinz Fars und begrĂŒndete die Buyiden-Linie von Fars, die bis 1055 regierte. Hasan Rukn ad-Daula (932 – 949) setzte seine Herrschaft in anderen Teilen Persiens (Ray, Hamadan und Isfahan) durch. Die von ihm begrĂŒndete Linie regierte bis 1023. Die von Ahmad Muizz ad-Daula (932 – 967) begrĂŒndete Linie im heutigen Irak, Kerman und Chusistan bestand bis 1012 und errang die grĂ¶ĂŸte Bedeutung.

Aufstieg der zentralasiatischen Nomaden

Mahmud (von Ghazni) (997 -1030) und Ayaz; rechts: Schah Abbas I. (1588–1629), Teheran, Museum Zeitgenössischer Kunst

Die Gaznawiden (auch Gasnawiden; 977 bis 1191)

→ Hauptartikel: Gaznawiden

Die Seldschuken (1038 bis 1186)

→ Hauptartikel: Seldschuken

Die Choresm-Schahs

→ Hauptartikel: Choresm-Schahs (1077–1231)

Die Mongolen

Die Mongolen eroberten und verwĂŒsteten den Iran ab 1221, nahmen das Land aber nur teilweise in Besitz. Ihr Khan ChĂŒlegĂŒ begrĂŒndete um 1256 eine eigene Dynastie, deren Herrscher unter der Bezeichnung Ilchane noch bis 1335 fĂŒr politische StabilitĂ€t sorgten. Parallel dazu bestanden mehrere Lokaldynastien als Vasallen der Ilchane weiter. Die Herrschaft der Ilchane war in ökonomischer Hinsicht eher schwach und auch zeitweise instabil, aber in kultureller Hinsicht nicht unbedeutend. So z.B. wurde unter dem Ilchan Öljeitu um 1310 erstmals der schiitische Islam zur Staatsreligion.

→ Hauptartikel: Ilchane (1256–1335)

Die Timuriden (1370 bis 1507)

Der turkomongolische Eroberer Timur Lenk beseitigte in den 80er und 90er Jahren des 14. Jh. die verschiedenen Lokaldynastien (Muzaffariden, Sarbadaren u.a.), die nach dem Zerfall des Ilchanats die Macht im Iran ĂŒbernommen hatten. Sein Nachfolger Schah-Rukh machte Herat zur politischen und kulturellen Hauptstadt Persiens, in der die Timuriden noch bis 1507 regierten. WĂ€hrend unter ihrer Regierung besonders der Osten Irans eine BlĂŒtezeit erfĂ€hrt, setzten sich in den westlichen Landesteilen die Turkmenen (Qara Qoyunlu, Aq Qoyunlu) durch. Diese herrschten bis zu ihrer Ablösung durch die Safawiden 1501 in TĂ€briz.

→ Hauptartikel: Timuriden

Die Schia

Nadir Schah (1736–1746), hier: um 1750

Safawiden (1501 bis 1722)

→ Hauptartikel: Safawiden

Um 1501 stĂŒrzte der schiitische Safi-Orden ("Safawiyya"), der sich von dem Scheich Safi ad-Din Ardabili herleitete, die Turkmenen-Dynastie der Aq Qoyunlu und ĂŒbernahm die Herrschaft im Iran. Der schiitische Islam wird infolgedessen zur Staatsreligion. Die Safawiden-Schahs stĂŒtzten sich auf Turkmenen und Perser gleichermaßen, und erreichten (trotz anfĂ€nglicher religiöser Unduldsamkeit) politische StabilitĂ€t und eine große kulturelle und auch wirtschaftliche BlĂŒtezeit.

Anfang des 18. Jahrhunderts befand sich die Dynastie in ihrem Niedergang. Dies nutzten die afghanischen Ghilzai 1709 zu einem ersten Aufstand gegen die persische Oberhoheit. Sie nahmen Kandahar ein und errichteten einen eigenen Staat. Ein Versuch der Safawiden die Stadt durch eine Belagerung 1711 zurĂŒck zu erobern scheiterte. Daraufhin schlossen sich 1717 auch die AbdālÄ« um die Stadt Herat dem Aufstand an. Im Jahr 1719 scheiterte der Vorstoß einer 30.000 Mann starken persischen Armee gegen Herat. Nunmehr gingen die AufstĂ€ndischen ihrerseits in die Offensive. Der Ghilzai formierten 1721 eine Armee, eroberten Kerman und Schiraz und marschierten auf die persische Hauptstadt Isfahan zu. Im folgenden Jahr kam es nach dem afghanischen Sieg in der Schlacht bei Gulnabad (8. MĂ€rz 1722) zur sechsmonatigen Belagerung von Isfahan, die im Oktober 1722 mit der Kapitulation der Perser endete.[1] Schah Sultan Hosein war gezwungen am 23. Oktober 1722 zugunsten des Ghilzai-AnfĂŒhrers Mir Mahmud Hotaki auf den Thron zu verzichten. Damit endete die Dynastie der Safawiden.

Die Afghanen (1722 bis 1736)

→ Hauptartikel: Hotaki-Dynastie

Die neue Herrschaft stand vor dem Problem, dass das ganze Land durch die AuftstĂ€nde destabilisiert worden war. So musste Mahmud zunĂ€chst gegen die AbdālÄ« ziehen und schon im November 1722 ernannte sich der Sohn des alten Herrschers Tahmasp II. zum neuen Schah und versuchte die Regierung seines Vaters zu erneuern. Bereits im Januar 1723 erlitt Mahmud eine erste Niederlage im Kampf um die Stadt Qazvin. Gleichzeitig weckte die SchwĂ€che des Persischen Reiches die Begehrlichkeiten seiner Nachbarn. So marschierte 1722/23 eine russische Armee (→ Russisch-Persischer Krieg (1722–1723)) entlang der KĂŒste des Kaspischen Meeres ein, eroberte Derbent und Baku und schloss mit Tahmasp II. den Frieden von Sankt Petersburg. In diesem trat Tahmasp II. am 12. September 1723 die Provinzen Schirwan, Gilan, Mazandaran und Gorgan an Russland ab. Gleichzeitig versuchte das Osmanische Reich einen zu großen Machtgewinn Russlands zu konterkarieren und zudem Gebietsverluste in Europa (→ Friede von Passarowitz) zu kompensieren. Sie besetzten 1723/24 große Teile Georgiens und Aserbaidschans bis zur Stadt Hamadan. In dem Vertrag von Konstantinopel (12. Juni 1724) wurde unter englischer Vermittlung zwischen dem Osmanischen Reich und Russland die InteressensphĂ€re abgegrenzt. Die Osmanen bestĂ€tigten die russischen Gebietsgewinne und erhielten dafĂŒr die Zusage zur Erwerbung von Georgien, Armenien mit Erivan und großer Teile Aserbaidschans.[2]

Unter dem Druck der zerfallenden Macht setzte Mahmud auf brutale Methoden, wie dem Mord an persischen Ministern, Adligen und Mitgliedern der ehemaligen safawidischen Herrscherfamilie. Damit verĂ€rgerte er auch eigene AnhĂ€nger. In einem Putsch gelangte 1725 Aschraf Khan an die Macht. Diesem gelang es die Osmanen 1726 in der Schlacht bei Kermānschāh zu schlagen und im September 1727 mit ihnen einen Friedensvertrag abzuschließen. Auch im Lande gewann die Opposition an Boden. Unter Nādir Qoli Beg aus dem Stamm der Afschariden, dem Gouverneur der Provinz Chorāsān, fand Thamasp II. einen fĂ€higen militĂ€rischen FĂŒhrer. Diesem gelang es, die Afghanen 1729 in der Schlacht bei Damghan zu besiegen und Thamasp II. offiziell zum neuen riegierenden Schah auszurufen. Aschraf Khan wurde nach seinem RĂŒckzug nach Osten von einem Cousin ermordet.

Die Afschariden (1736 bis 1752)

WÀhrend der Herrschaft der Afschariden, vor allem nach dem Tod Nadir Schahs, wurden die Ostgebiete Persiens von den Afghanen erobert, deren Königreich der Wegbereiter des heutigen Staates Afghanistan wurde. Zur Geschichte dieser Region nach der Eroberung durch die Paschtunen (Afghanen), siehe den Hauptartikel Geschichte Afghanistans.

→ Siehe auch: Mogulreich

Die Neuzeit

Die Neuzeit markiert den Beginn der Geschichte des modernen Iran.

Die Zand-Prinzen

Zum ersten Mal nach 850 Jahren mongolischer und tĂŒrkischer Herrschaft war wieder nachweislich ein iranischstĂ€mmiger Herrscher auf dem Thron. Allerdings trug er nicht den Titel des Schahs, sondern nur den eines Reichverwalters (Wesir) bzw. Vizekönigs (Wakil). Vielen Quellen zufolge war der GrĂŒnder dieser kurzen Dynastie (1750–1794) Karim Khan Zand ein Lure gewesen.

Siehe auch: Zand-Prinzen

Kadscharen

Nasreddin Schah (Nasir ad-Din Schah) (1848–1896), Aufnahme Nadar
Reza Schah Pahlavi (1926–1941)

Von 1794 bis 1925 hatte die Dynastie der Kadscharen Bestand. Die Niederlagen gegen Russland in den vier Russisch-Persischen Kriegen fĂŒhren zum Verlust Georgiens (1801), Armeniens und Aserbaidschans. 1849 und 1850 unter der Regentschaft von Naser al-Din Schah kam es zu religiösen AufstĂ€nde der AnhĂ€nger des Babismus. Ihr FĂŒhrer, Sayyid Ali Muhammad al-Bab (Der Bab) wurde öffentlich exekutiert. 1856/57 kam es zum Britisch-Persischen Krieg wegen eines Angriffs auf Herat, der mit dem Frieden von Paris 1857 endete. Herat ging 1863 endgĂŒltig an Afghanistan verloren. Bis 1896/1897 gab es einen Kampf um Reformen zwischen Nasir ad-Din Schah und Dschamal ad-Din al-Afghani. Zwischen 1905 und 1911 kam es zur Konstitutionellen Revolution, dem Kampf des Parlaments (Majlis) gegen Mohammed Ali Schah und den Britisch-Russischen Teilungsvertrag von 1907. In den Jahren 1915 bis 1921 wurde der Iran von britischen und russischen Truppen im Rahmen der Anglo-Russischen Invasion besetzt und in den Ersten Weltkrieg gegen das Osmanische Reich (pro-osmanische Gegenregierung in Qom) und die Interventionskriege (gegen Sowjetrussland) verwickelt. Es kam auch zu separatistischen Bewegungen im Iran und zur GrĂŒndung der (Iranische Sowjetrepublik in Gilan). Reza Khan, der spĂ€tere Reza Schah Pahlavi, wurde zwischen 1921 und 1925 Kriegs- und Finanz-, schließlich Premierminister.

Die Pahlavis

Am 29. Oktober 1925 trat das iranische Parlament zusammen und beschloss am 31. Oktober 1925 die Absetzung der Kadscharendynastie. Am 12. Dezember 1925 beschloss das Parlament, Reza Pahlavi zum Schah zu erheben. Drei Tage danach legte er den Amtseid ab und wurde neuer Herrscher im Iran. Die Krönungszeremonie fand am 25. April 1926 statt. Er regierte bis 1941. Ihm folgte sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi am 17. September 1941, der am 16. Januar 1979 den Iran verließ.

Reza Schah

→ Hauptartikel: Reza Schah Pahlavi

Am 12. Dezember 1925 wurde Reza Khan durch das Parlament zum Schah (Reza Schah Pahlavi) ernannt. In den Jahren 1925 bis 1928 wurde das Wirtschafts-, Straf- und Zivilrecht nach europĂ€ischen (französischen) Vorbildern unter Wahrung islamischer Elemente umgestaltet. Am 25. April 1926[3] wurde Reza Khan zum Schah gekrönt, gleich darauf setzt er die allgemeine Wehrpflicht und eine einheitliche Grundsteuer ein. Zwischen 1927 und 1938 wurde die Transiranische Eisenbahn erbaut, Die Nord-SĂŒd-Linie wurde 1929 von der deutschen Firma Berger begonnen. Im Jahr 1927 wurde eine Zentralbank gegrĂŒndet, die von der britischen Imperial Bank of Persia das Privileg der Notenemission und andere Vorrechte ĂŒbernahm. Von 1928 bis 1938 entdeckte man im Land große Ölfelder, 1928 wurden neue Zollhandelsabkommen mit vielen LĂ€ndern geschlossen. Ein Jahr darauf wurde westliche Kleidung bei MĂ€nnern vorgeschrieben. 1931 fĂŒhrte der persische Staat ein Außenhandelsmonopol ein. Im Jahr 1932 widerrief Reza Schah die 1901 an William Knox D’Arcy erteilte Konzession.

Am 21. MĂ€rz 1935 wurde die Landesbezeichnung „Persien“ auch in Europa und Amerika durch die im Land selbst gebrĂ€uchliche und offizielle Landesbezeichnung „Iran“ ersetzt. Im selben Jahr wurden die Anglo-Iranian Oil Company sowie die UniversitĂ€t in Teheran gegrĂŒndet. Am 7. Januar 1936 wurde der Schleier (Tschador) bei den Frauen verboten. Etwas mehr als ein Jahr darauf, am 8. Juli 1937, wurde ein auf fĂŒnf Jahre befristeter Grenzvertrag zwischen der TĂŒrkei, Irak und Afghanistan abgeschlossen.

Zweiter Weltkrieg

Am 24. August 1941 rĂŒckten britische und sowjetische Truppen im Rahmen der anglo-sowjetischen Invasion von Norden und SĂŒden in den neutralen Iran ein. Am 10. September wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Die neue Regierung akzeptierte die Forderungen Großbritanniens und der Sowjetunion, darunter die Freistellung von Eisenbahn- und Straßenanlagen fĂŒr den Transport von Kriegsmaterial an die Sowjetunion. Sechs Tage spĂ€ter, am 16. September, musste Reza Schah Pahlavi auf Druck der Alliierten zu Gunsten seines Sohnes Mohammad Reza Pahlavi (1919-1980) abdanken. Sein erstes Exil war Mauritius, danach SĂŒdafrika, LĂ€nder die unter britischer Verwaltung standen. Am 29. Januar 1942 wurde ein Abkommen zwischen Großbritannien, der Sowjetunion und dem Iran geschlossen. Unter Artikel 5 wurde festgelegt, dass alle alliierten Truppen spĂ€testens sechs Monate nach Kriegsende den Iran verlassen mĂŒssen. Etwas mehr als ein Jahr spĂ€ter, am 8. April 1943, schloss der Iran mit den Vereinigten Staaten ein Handelsabkommen, das den US-amerikanischen Zoll auf persische Teppiche und andere iranische Produkte gegen Konzessionen herabsetzte. Am 9. September 1943 erklĂ€rte der Iran den AchsenmĂ€chten den Krieg.

Der ehemalige Schah, Reza Schah Pahlavi, starb am 26. Juli 1944 in Johannesburg.

Mohammad Reza Pahlavi

Schah Mohammad Reza Pahlavi
→ Hauptartikel: Mohammad Reza Pahlavi

Als Mohammad Reza Pahlavi 1941 den Thron von seinem Vater Reza Pahlavi ĂŒbernommen hatte, war der Iran von britischen, amerikanischen und sowjetischen Truppen besetzt. Die britischen und amerikanischen Besatzungstruppen verließen nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Land. Nicht so die sowjetischen Truppen. Am 22. Januar 1946 wurde die von der Sowjetunion unterstĂŒtzte Republik Kurdistan in Mahabad im Westen des Landes von Qazi Mohammed auf dem Car-Cira-Platz ausgerufen. Er war dadurch PrĂ€sident des einzigen kurdischen Staates der Neuzeit. Am 1. MĂ€rz 1946 verließen die britischen Truppen den Iran. Am 6. Mai 1946 verließen auch die sowjetischen Truppen das Land, nachdem die US-Regierung massiven Druck ausĂŒbte. Am 16. Dezember 1946 eroberten iranische Truppen die Republik Mahabad zurĂŒck, der Staat bestand nicht einmal ein Jahr.

Der wirtschaftliche Wiederaufbau des Landes ging nur schleppend voran. Die von Reza Schah eingeleitete Industrialisierung war durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen worden. Der Staat verfĂŒgte ĂŒber keine nennenswerten Einnahmen, um mit einem Investitionsprogramm die Entwicklung des Landes voranzutreiben. Die einzige Möglichkeit, die Einnahmen des Staates zu verbessern, bestanden in besseren Konditionen durch den Verkauf von Erdöl. Eine breit angelegte politische Diskussion ĂŒber die mögliche Verstaatlichung der in britischer Hand liegenden iranischen Ölindustrie begann. Da wurde am 4. Februar 1949 ein Attentat auf den Schah verĂŒbt, das allerdings misslang. Die kommunistische Tudeh-Partei, deren AnhĂ€ngern das Attentat zur Last gelegt wurde, wurde daraufhin verboten.

Das nĂ€chste Attentat traf Premierminister Haj Ali Razmara. Mitglieder der islamistischen Fedajin-e Islam erschossen den Premierminister beim Besuch einer Moschee. Sein am 29. April 1951 gewĂ€hlter Nachfolger Mohammad Mossadegh hatte die Verstaatlichung der Ölindustrie zu seinem politischen Hauptziel erklĂ€rt. Auf sein Betreiben hat dann auch das iranische Parlament die in britischer Hand befindliche Anglo-Iranian-Oil Co. verstaatlicht. Großbritannien blockierte daraufhin den Verkauf iranischen Öls, was international zu einer politischen Krise, der Abadan-Krise, und im Iran wegen der ausbleibenden Öleinnahmen zu einer Wirtschaftskrise fĂŒhrte. Am 16. Juli 1952 trat Mossadegh aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise zurĂŒck. Der Schah sah sich durch landesweite Proteste allerdings gezwungen, ihn wieder einzusetzen. Am 16. August 1953 floh der Schah ins Ausland. Drei Tage darauf wurde Mossadegh durch die Armee gestĂŒrzt – mit Hilfe der CIA („Operation Ajax“). General Zahedi ĂŒbernahm die Regierung und am 28. Oktober 1954 wurde ein neuer Vertrag mit einem Konsortium aus 17 Ölkonzernen geschlossen, die Iran die HĂ€lfte des Gewinnanteils aus der Ölförderung zugestanden.

Am 14. September 1960 erfolgte die GrĂŒndung der OPEC mit den Mitgliedsstaaten Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela. Anlass der GrĂŒndung waren die Preisdiktate der Mineralölkonzerne. Im Jahr 1962 wurde das Frauenwahlrecht eingefĂŒhrt, es fand eine Landreform statt – die KrongĂŒter wurden unter landlosen Bauern aufgeteilt. Ein Jahr spĂ€ter leitete Mohammad Reza Pahlavi die Weiße Revolution zur Modernisierung des Landes ein, unter anderem mit einer Bodenreform sowie dem Frauenwahlrecht.

Im Jahr 1964 wurde Chomeini nach von seinen AnhĂ€ngern organisierten gewalttĂ€tigen Ausschreitungen gegen das Reformprogramm der „Weißen Revolution“ ins Exil in die TĂŒrkei verbannt. 1967 wurde das Gesetz zum Schutz der Familie eingefĂŒhrt. Dieses Gesetz erschwerte die Scheidung fĂŒr MĂ€nner und erleichterte sie fĂŒr Frauen, und es gab Frauen die Möglichkeit, nach der Scheidung vom Familiengericht das Sorgerecht fĂŒr ihre Kinder zugesprochen zu bekommen.

Am 26. Oktober 1967, seinem 48. Geburtstag, fand die Krönungszeremonie von Schah Mohammad Reza Pahlavi und seiner Ehefrau Schahbanu Farah Pahlavi statt.

Das Schayad-Monument (heute Azadi-Monument) in Teheran, errichtet 1971 zur 2500–Jahresfeier der Iranischen Monarchie
Schah Mohammad Reza Pahlavi (1941–1951; 1953–1979) mit Kaiserin Farah Pahlavi im November 1977

Der Iran verfolgte eine hegemoniale Politik. Die AufrĂŒstung Irans zur grĂ¶ĂŸten MilitĂ€rmacht der Region geschah zunĂ€chst mit US-Krediten, spĂ€ter waren bis zu 41.000 militĂ€rische und 20.000 zivile US-Berater im Iran. 1969 kam es zum Konflikt mit dem Irak um die Grenze und Schifffahrt am Schatt al-Arab. Der Iran kĂŒndigte den Vertrag von 1973. Ein Jahr darauf versuchte die Guerillabewegung „Modschahedin-e Chalgh“ den amerikanischen Botschafter zu entfĂŒhren. Die TĂ€ter wurden im Juni 1973 von einem MilitĂ€rgericht zum Tode verurteilt. Im Jahr 1971 fand die 2500-Jahresfeier der Iranischen Monarchie mit Festlichkeiten in Persepolis und Teheran statt.

Es wurde ein 5-Jahres-Plan zur Modernisierung der iranischen StreitkrĂ€fte verabschiedet und ein Abkommen mit den USA ĂŒber WaffenkĂ€ufe im Wert von 2 bis 3 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Die Britischen Truppen zogen endgĂŒltig vom Persischen Golf ab.

Die Tunb-Inseln wurden militĂ€risch besetzt und die arabische Bevölkerung vertrieben. MarinestĂŒtzpunkte zur Sicherung der Öltransporte durch die Straße von Hormus wurden errichtet. Im Oktober 1972 wurde ein Abkommen ĂŒber wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit mit der Sowjetunion anlĂ€sslich eines Staatsbesuchs des Schahs in Moskau vom 10. bis 21. Oktober 1972 unterzeichnet. Am 31. Juli 1973 wurde ein neues Abkommen mit dem internationalen Erdölkonsortium, bestehend aus Firmen aus den USA, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden, geschlossen. Die National Iranian Oil Company (NIOC) ĂŒbernahm alle Anlagen der Erdölwirtschaft in Staatsbesitz, da nach Meinung der iranischen FĂŒhrung das Konsortium die nationalen Interessen Irans, wie in dem Abkommen von 1954 festgelegt, nicht eingehalten hatte. Im Jahr 1975 wurde ein Einparteiensystem eingefĂŒhrt und ein Abkommen mit Irak zur Regelung offener Grenzfragen abgeschlossen.

1977 rutschte das Land in eine Versorgungskrise. Die von Intellektuellen getragene Nationale Front forderte das Ende der „Diktatur des Schahs“. Am 7. und 8. Januar 1978 kam es zu Demonstrationen fĂŒr Ayatollah Chomeini. Am 8. August versprach der Schah politische Freiheiten, freie Wahlen und die Pressefreiheit, konnte aber schwere Unruhen damit nicht verhindern. FĂŒnf Tage darauf wurde das Kriegsrecht in mehreren StĂ€dten ausgerufen. Als Konzession an die Schiitenpartei wurde die RĂŒckkehr zum islamischen Kalender und die Schließung der Spielkasinos beschlossen sowie politische Parteien wieder zugelassen. Am 7. September kam es zu einem Generalstreik, die Streikwelle legte die Ölproduktion still. Das Kriegsrecht wurde daraufhin auf alle StĂ€dte ausgedehnt. Neun Tage spĂ€ter forderte das zweitschwerste Erdbeben der iranischen Geschichte mindestens 25.000 Tote. Am 5. November bildeten Chomeini und die Nationale Front in Paris die Iranisch-Islamische Nationalbewegung. Einen Tag spĂ€ter wurde eine MilitĂ€rregierung eingesetzt. Nach der Konferenz von Guadeloupe im Januar 1979, auf der der französische PrĂ€sident ValĂ©ry Giscard d’Estaing, PrĂ€sident Jimmy Carter aus den USA, Premierminister James Callaghan aus Großbritannien und Bundeskanzler Helmut Schmidt beschlossen hatten, den Schah nicht mehr zu unterstĂŒtzen und das GesprĂ€ch mit Ayatollah Ruhollah Chomeini zu suchen, verließ Mohammad Reza Pahlavi am 16. Januar 1979 den Iran nach Ägypten. Am 4. November 1979 besetzten iranische Studenten der Gruppierung Daneshjuyane Khate Emam die US-amerikanische Botschaft in Teheran. Die Mitarbeiter der Botschaft wurden zu Gefangenen erklĂ€rt um die Auslieferung des Schahs, der sich zur Behandlung seiner Krebserkrankung in die USA begeben hatte, zu erzwingen. Dies wurde von PrĂ€sident Carter abgelehnt. Im April 1980 starteten die USA die "Operation Eagle Claw" zur militĂ€rischen Befreiung der Geiseln, die aber infolge technischer Probleme der eingesetzten Hubschrauber und diverser operativer Fehler, in einem Desaster endete. Mohammad Reza Pahlavi starb am 27. Juli 1980 in Ägypten.[4] Die oberste AutoritĂ€t des Iran wurde der SchiitenfĂŒhrer Ruhollah Chomeini (1902–1989), der am 1. Februar in den Iran zurĂŒckgekehrt war.

JĂŒrgen Martschukat schrieb 2003 in der Zeit: „Die Amerikaner hatten im Laufe der Irankrise im Nahen Osten das Heft in die Hand genommen – mehr als drei Jahre vor dem Konflikt um die Besetzung des Suezkanals in Ägypten. Im Iran errichteten sie das Paradebeispiel eines korrupten und brutalen Marionettenregimes. GefĂŒttert mit hoher MilitĂ€r- und Wirtschaftshilfe sowie gestĂŒtzt durch einen rĂŒcksichtslosen Geheimdienst SAVAK, machten sie den Schah fĂŒr die nĂ€chsten fĂŒnfundzwanzig Jahre zur starken Figur im Land – und zu einem der verhasstesten Diktatoren der islamischen Welt“.[5]

Die Islamische Republik

Chomeinis Ankunft am 1. Februar 1979

Ruhollah Chomeini grĂŒndete die am 1. April 1979 proklamierte Islamische Republik Iran. Islamische RevolutionĂ€re besetzten 1979 die Botschaft der USA in Teheran. Die Gefangenen kamen erst im Januar 1981 frei (siehe Geiselnahme von Teheran und Operation Eagle Claw). Das Nachbarland Irak griff 1980 den Iran im Ersten Golfkrieg an. Ein Waffenstillstand wurde im August 1988 getroffen.

Zu Beginn der Revolution wurde Mehdi Basargan MinisterprĂ€sident der provisorischen Regierung. Am 25. Januar 1980 wurde AbĆ« l-Hasan BanÄ«sadr PrĂ€sident, er musste jedoch aufgrund unĂŒberbrĂŒckbarer WiderstĂ€nde im Hinblick auf die zukĂŒnftige Politik am 10. Juni 1981 den Iran verlassen. Er floh nach Paris. Durch den Wahlsieg der religiösen Islamisch Republikanische Partei (IRP) im Jahr 1981 löste sich der Revolutionsrat am 9. Mai auf. Ein verheerender Bombenanschlag am 29. August auf die Parteiversammlung der IRP brachte, mit Hilfe der CIA, das GefĂŒge der Revolution völlig durcheinander. ParteifĂŒhrer Ayatollah Mohammed Hussein Beheschti (* 1929) und ĂŒber 70 weitere Abgeordnete wurden getötet. Auch der neue PrĂ€sident Mohammad AlÄ« Radschāʟī und der neue MinisterprĂ€sident Mohammad Javad Bahonar waren unter den Opfern. Am 2. Oktober wurde Hojatoleslam Seyyed AlÄ« Chāmene'Ä« PrĂ€sident - Mir Hossein Moussavi nahm den Posten des MinisterprĂ€sidenten ein.

1982 trat das Strafgesetz der Islamischen Republik Iran vom 25. August in Kraft. Bei den Parlamentswahlen am 15. April 1984 verlor die IRP die absolute Mehrheit, Moussavi blieb jedoch MinisterprĂ€sident. Am 16. August 1985 wurde AlÄ« Chāmene'Ä« als PrĂ€sident wiedergewĂ€hlt. Im Jahr 1986 wurden geheime Waffenlieferungen der USA an den Iran in der Iran-Contra-AffĂ€re aufgedeckt, welche die GlaubwĂŒrdigkeit der iranischen wie auch der amerikanischen Seite erschĂŒtterte. Die Auflösung der IRP am 2. Juni 1987 bestĂ€tigte nur das völlige Abweichen des ursprĂŒnglichen Revolutionsgedankens. Am 2. Juni 1988 ernannte Chomeini (der Iran stand im Krieg gegen den Irak am Rande einer Niederlage) den ParlamentsprĂ€sident AlÄ« Akbar HāschemÄ« RafsandschānÄ« zum amtierenden Oberkommandierenden. Chomeinis Fatwa gegen Salman Rushdie vom 14. Februar 1989 isolierte den Iran außenpolitisch völlig. Mit dem Tod von Ayatollah Chomeini am 3. Juni begann der Kampf um die Nachfolge. Der bisherige StaatsprĂ€sident AlÄ« Chāmene'Ä« wurde am 4. Juni vom WĂ€chterrat zum neuen religiösen FĂŒhrer bestimmt. Den Kampf um die Macht gewann aber ParlamentsprĂ€sident RafsandschānÄ«. Er wurde zum StaatsprĂ€sidenten gewĂ€hlt und erhielt durch eine VerfassungsĂ€nderung grĂ¶ĂŸere exekutive Befugnisse durch den Wegfall des MinisterprĂ€sidentenamtes.

Ali Chamenei, Oberster FĂŒhrer der Islamischen Republik Iran, 1989 -

Bei den Parlamentswahlen am 10. April 1992 gewannen die AnhĂ€nger RafsandschānÄ«s rund 70 Prozent aller Sitze. RafsandschānÄ« wurde 1993 fĂŒr weitere vier Jahre im Amt des StaatsprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen am 23. Mai 1997 siegte der ehemalige Kulturminister Mohammad ChātemÄ«. Ein beschrĂ€nkter Liberalisierungsprozess begann mit ihm, dessen Grenze stets vom WĂ€chterrat (Chāmene'Ä«) eingeschrĂ€nkt wurde. Die bestĂ€ndigen Konflikte zwischen liberalen Reformern und streng religiösen Konservativen gipfelten in den 1990er Jahren in einer bis heute nicht vollstĂ€ndig aufgeklĂ€rten staatlichen Mordserie an Oppositionellen.

Im Oktober 2003 wurde Schirin Ebadi mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Am 26. Dezember 2003 um 1:56 UTC kam es zu einem der verheerendsten Erdbeben in der Neuzeit des Iran, das mehrere tausend Menschen (es wird von mehr als 30.000 Opfern ausgegangen) das Leben kostete. Das Epizentrum des Bebens lag in der NĂ€he der sĂŒdiranischen Stadt Bam, die zum Großteil zerstört wurde. Nachdem bei den Wahlen vom 20. Februar 2004 tausende von liberalen Kandidaten ausgeschlossen waren und andere reformorientierte Politiker ihre Kandidatur zurĂŒckgezogen hatten, war die Wahlbeteiligung nach offiziellen Angaben des Innenministeriums mit nur 50,57 % die niedrigste seit Bestehen der Islamischen Republik. Im Anschluss an die Wahlen kam es zu Straßenschlachten mit den SicherheitskrĂ€ften in mehreren StĂ€dten, bei denen acht Personen getötet wurden. Im November des Jahres gab der Iran bekannt, dass das Land keine Atomwaffen entwickeln wolle; die USA, aber auch europĂ€ische Regierungen betrachteten dieses Versprechen weiter mit einem gewissen Misstrauen. Im Konflikt um das Atomprogramm des Iran kam es 2005 unter dem Druck der USA und Großbritanniens zu Verhandlungen zwischen Iran und den EU-3, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Im selben Jahr wurde Mahmud Ahmadinedschad zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Durch die Wahl des erzkonservativen Ahmadinedschad und seine konfrontative Außen- sowie repressive Innenpolitik nahm die internationale Isolation des Iran erneut zu. Insbesondere seine Wiederwahl im Jahr 2009, die von zahlreichen ManipulationsvorwĂŒrfen begleitet wurde, fĂŒhrte zu massiven Protesten, die trotz gewaltsamer Niederschlagung auch friedlicher Demonstrationen vor allem gegen Ende 2009 weiter zunahmen.[6][7]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ George C. Kohn: Dictionary of Wars, New York 1986, S.4f
  2. ↑ Heinz Duchhardt: Balance of Power und Pentarchie - Internationale Beziehungen 1700–1785, Paderborn/MĂŒnchen 1997, S.397f
  3. ↑ The Iranian History 1926: Reza Khan Becomes Reza Shah, (englisch), abgefragt am 25. April 2009
  4. ↑ http://unvergessliche-80er.de/archives/1536
  5. ↑ Quelle: Zeit 34/2003
  6. ↑ http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4941501,00.html
  7. ↑ http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article6969094.ece

Literatur

  • Burchard Brentjes: Die iranische Welt vor Mohammed. Koehler & Amelang. Leipzig 1967.
  • Pierre Briant: From Cyrus to Alexander. A History of the Persian Empire, Winona Lake, 2002; ĂŒbersetzt von Peter T. Daniels Besprechung.
  • George G. Cameron: History of Early Iran, Greenwood Press, New York City, New York 1968 ISBN 0-8371-0338-X
  • Arthur Christensen: Die Iranier. Kulturgeschichte des Alten Orients. C.H.Beck, MĂŒnchen 1933.
  • Wilhelm Eilers: Festgabe deutscher Iranisten zur 2500 Jahrfeier Irans. Bonn 1971
  • Richard Frye: Persien. Kindler Verlag, ZĂŒrich 1962.
  • Ulrich Gehrke: Iran. Natur, Bevölkerung, Geschichte, Kultur, Staat, Wirtschaft. 2. Auflage. Erdmann Verlag, TĂŒbingen 1976, ISBN 3-7711-0180-8
  • Monika Gronke: Geschichte Irans - von der Islamisierung bis zur Gegenwart. MĂŒnchen 2003.
  • Alfred von Gutschmid: Geschichte Irans und seiner NachbarlĂ€nder von Alexander dem Großen bis zum Untergang der Arsaciden. Graz 1973, ISBN 3-201-00863-X
  • Walther Hinz: Das Reich Elam, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1964
  • Heidemarie Koch: Es kĂŒndet Dareios der König. Philipp von Zabern, Mainz 1992, ISBN 3-8053-1347-0
  • Mahmoud Rashad: Iran. DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 3-7701-3385-4
  • Hans Henning von der Osten: Die Perser. Emil Vollmer Verlag, 1966
  • Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr. Artemis und Winkler, DĂŒsseldorf 1994, ISBN 3-7608-1205-8.
  • Josef Wiesehöfer: Das frĂŒhe Persien. Geschichte eines antiken Weltreichs (Beck'sche Reihe Wissen), 5. Auflage, C. H. Beck, MĂŒnchen 2009.
  • Roemer, Hans Robert: Persien auf dem Weg in die Neuzeit. Iranische Geschichte von 1350-1750, Darmstadt 1989

Weblinks


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