Geschichte des Kosovo

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Geschichte des Kosovo

Die Geschichte des Kosovo bezieht sich auf die historische Entwicklung der Region des heutigen Kosovo und die (in der Forschung teils kontrovers diskutierte) Abstammung der dort lebenden Ethnien.

Die Schlacht auf dem Amselfeld (1389) (Malerei von Adam Stefanović, 1870)

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte und Antike

Verschiedene StÀmme der Illyrer bewohnten um 1000 v. Chr. die westliche HÀlfte der Balkanhalbinsel vom Norden des heutigen Griechenlands bis nach Pannonien. Die Dardaner, die von manchen Forschern den Illyrern zugerechnet werden, von anderen den Thrakern, siedelten im Gebiet des heutigen Kosovo.

Vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 1. Jahrhundert wurden die illyrischen Siedlungsgebiete durch das Römische Reich erobert. Seit der Kaiserzeit gehörte das heutige Kosovo zur Provinz Moesia superior. Kaiser Diocletian teilte Ende des 3. Jahrhunderts die Provinzen neu ein. Kosovo und Teile des heutigen Mazedonien bildeten nun die Provinz Dardania in der Diözese Moesia. Die wichtigste römische Ansiedlung auf dem Gebiet des Kosovo war das zur Zeit Kaiser Trajans gegrĂŒndete Municipium Ulpiana. Seine Ruinen liegen nahe der Stadt Lipjan. Ansonsten war das Gebiet des heutigen Kosovo zu römischer Zeit eine stĂ€dtearme Landschaft. ArchĂ€ologisch nachgewiesen sind vor allem spĂ€tantike Siedlungen.

Verschiedene Slawen- und AwarenstĂ€mme ĂŒberfielen im 6./7. Jahrhundert viele antike StĂ€dte in SĂŒdosteuropa (Landnahme der Slawen auf dem Balkan). Die PlĂŒnderungen und Zerstörungen brachten das Verschwinden der Römischen Kultur mit sich. SpĂ€ter siedelten sich vermehrt slawische StĂ€mme an und grĂŒndeten einige StĂ€dte. Die eingewanderten Slawen mischten sich grĂ¶ĂŸtenteils mit der eingeborenen Bevölkerung. Als die slawischen StĂ€mme eingewandert waren, waren viele Landstriche bereits christianisiert; es standen viele Basiliken und Klöster, welche entweder zerstört wurden oder seltener von den Serben (Slawen) ĂŒbernommen wurden. Der Großteil der Slawen nahm die neue Religion an und eine neue Generation von Christen auf dem Balkan fing an, die Christianisierung voranzutreiben und zu verbreiten.

Mittelalter

Nach der Völkerwanderung und der Landnahme der Slawen auf den Balkan konnte sich das Byzantinische Reich im 7. Jahrhundert wieder stabilisieren. Obwohl die Balkanhalbinsel nun zum großen Teil von Slawen bewohnt war, herrschten die griechischen Kaiser bis Anfang des 9. Jahrhunderts ĂŒber das Gebiet des heutigen Kosovo. 814 wurde die Region vom bulgarischen Zarenreich erobert. Nordwestlich des Kosovo begann im 10. Jahrhundert die Entstehung der Ă€ltesten serbischen FĂŒrstentĂŒmer (Raszien). Im 11. Jahrhundert folgt eine letzte Periode der byzantinischen Herrschaft ĂŒber Kosovo. In diesem Jahrhundert erwĂ€hnt auch ein byzantinischer Autor erstmals die Albaner als siedelndes Volk im heutigen Albanien.

Serbische ReichsgrĂŒndung

Siehe auch: Geschichte Serbiens

Um 1200 begrĂŒnden die Serben unter der Dynastie der Nemanjiden einen mittelalterlichen Staat mit einem serbischen König und einer serbisch-orthodoxen Nationalkirche. Zwischen dem Ende des 12. Jahrhunderts (Eroberung des östlichen Kosovo) und den ersten zwei Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts (spĂ€testens 1216 wurde die Stadt Prizren erobert) wird das Kosovo Teil des serbischen Königreiches der Nemanjiden. Das serbische Reich wird im 13. und 14. Jahrhundert aufgrund der SchwĂ€che des Byzantinischen Reiches zur Hegemonialmacht auf dem Balkan.

Der erste König Stefan Nemanjić, auch Stephan II. genannt (1196–1227), wird 1217 gekrönt, sein Bruder, der Mönch Sava von Serbien (1169–1236) begrĂŒndet als erster serbischer Erzbischof (1219–1233) die selbstĂ€ndige (autokephale) Serbisch-orthodoxe Kirche. 1345 lĂ€sst sich der serbische König Stefan UroĆĄ IV. DuĆĄan (1331–1355) zum „Zaren der Serben und RhomĂ€er“ krönen und erhebt so den Anspruch, als Nachfolger des Oströmischen (Byzantinischen) Reiches zu gelten. 1346 wird der serbische Erzbischof zum Patriarchen erhoben. Er nimmt seinen Amtssitz im Dreifaltigkeitskloster in Peć ein. Prizren in der Region Metochien (serb. Metohija, heute albanisch auch als Rrafsh i Dukagjinit bezeichnet) wird in dieser Zeit als Handelsstadt eines der Zentren des mittelalterlichen serbischen Staates. Das Kosovo ist auch die wirtschaftliche Basis dieses Reiches: es ist Kornkammer, Weinanbaugebiet und Weideland; dort werden Eisenerz, Blei, Silber und Gold gefördert.

Im serbischen Mittelalter lebten bereits Albaner als Minderheit im Kosovo. In vielen serbischen schriftlichen Quellen aus dieser Zeit werden sie als Hirten bezeichnet. Andererseits gab es ebenso eine serbische Minderheit in Nordalbanien, so etwa in der Umgebung von Shkodra.

Die serbischen AnsprĂŒche werden primĂ€r vor dem Hintergrund des Serbischen Reichs des Mittelalters geltend gemacht:

Kosovo ist im serbischen SelbstverstĂ€ndnis die GeburtsstĂ€tte der nationalen Kultur. Das Kloster von Peć war – von 1346 bis 1463 und von 1557 bis zur Aufhebung des Patriarchats durch die Osmanen im Jahre 1766 – Sitz des serbischen Patriarchen. Auch heute noch trĂ€gt der Patriarch der Serbischen-Orthodoxen Kirche – obwohl er seit 1920 in Belgrad residiert – den Titel des Erzbischofs von Peć. Charakteristisch ist die enge Verflechtung zwischen serbischer Nationalbewegung und eigener Nationalkirche: Die Kirche selbst versteht sich als TrĂ€ger nationaler Kultur und Staatlichkeit.

Eroberung durch die Osmanen

Nach seiner grĂ¶ĂŸten Machtentfaltung unter Stefan UroĆĄ IV. DuĆĄan zerfiel das serbische Reich schnell in eine Reihe mehr oder weniger miteinander rivalisierender TeilfĂŒrstentĂŒmer, diese teilten auch das Kosovo. Diese Entwicklung, verbunden mit der RivalitĂ€t benachbarter christlicher Staaten, begĂŒnstigte die Niederlage der Reste des orthodoxen serbischen Reiches und die Expansion des muslimischen Osmanischen Reiches.

Nach dem Einfall der Osmanen (1385) kommt es 1389 zur Schlacht auf dem Amselfeld. Die Bedeutung dieser Schlacht fĂŒr die Realgeschichte ist eher gering (sie endete vermutlich unentschieden), fĂŒr die serbische Geistesgeschichte jedoch sehr groß: Die Berichte ĂŒber die Schlacht begrĂŒnden den im 19. Jahrhundert geprĂ€gten serbischen politischen Mythos vom Opfertod bei der Verteidigung der Christenheit und prĂ€gen die serbische nationale IdentitĂ€t bis heute. Nach der Schlacht wurden die serbischen FĂŒrsten, die das Kosovo beherrschten, zu osmanischen Vasallen. Mit der Einnahme von Konstantinopel 1453 gingen die Osmanen dazu ĂŒber, das Kosovo direkt zu regieren. Ab 1455 stand das Kosovo ganz unter osmanischer Herrschaft.

In der Folge kehren sich die Siedlungsbewegungen der Serben um: WĂ€hrend der Expansion des Serbischen Reiches hatten sie sich von Norden nach SĂŒden ausgebreitet, nun wanderten – bedingt durch die Ausbreitung des Osmanischen Reiches – die Zentren der serbischen Siedlung aus dem Kosovo Richtung Norden.

Osmanische Ära

Prizren um 1860

WĂ€hrend eines Großteils der Osmanenherrschaft, einige Jahrhunderte lang, existierte Serbien als politische Einheit nicht.[1] Gleichzeitig begannen albanische StĂ€mme (alb. fise) sich immer stĂ€rker auf die Ebenen nordöstlich und östlich Nordalbaniens auszubreiten. BegĂŒnstigt wurde dieser Prozess in den nĂ€chsten Jahrhunderten durch mehrere Faktoren:

  • Die Übernahme des Islam durch die Albaner machte diese zu privilegierten BĂŒrgern im Osmanischen Reich.
  • Aus den vergleichsweise kargen Gegenden des heutigen Nordalbanien wanderten die Albaner aus wirtschaftlichen GrĂŒnden in die weitaus fruchtbareren - und durch die serbische Auswanderung menschenleeren - Gebiete des Kosovo aus, was von den tĂŒrkischen Behörden teilweise gefördert wird.
  • Ein Teil der Serben nahm ebenfalls islamischen Glauben an und wurde grĂ¶ĂŸtenteils albanisiert; eine Ă€hnliche Tendenz ließ sich bei den Bosniaken bzw. bei den kaukasischen Tscherkessen, die im 19. Jahrhundert in das Kosovo einwanderten, beobachten.

Gleichzeitig kam es zu massiven Auswanderungen der Serben nach Norden, vorrangig in das von den Habsburgern beherrschte Königreich Ungarn, wobei die FlĂŒchtlinge nicht nur aus dem Kosovo, sondern aus ganz Serbien stammten. 1686 eroberten die Habsburger Budapest von den TĂŒrken, 1689 Belgrad. In einem nachfolgenden Feldzug drangen habsburgische Truppen bis in das Kosovo und sogar nach Mazedonien vor. Die Osmanen konnten sie jedoch wieder aus dieser Region vertreiben. Die Christen des Kosovos, welche die habsburgischen Truppen als Befreier begrĂŒĂŸten und bei deren EinrĂŒcken einen Aufstand unter FĂŒhrung des katholischen Erzbischofs der Region aus Skopje PjetĂ«r Bogdani probten, flohen 1690 vor der Rache der Osmanen.[2] Etwa 40.000 Christen, meist Serben, zogen mit dem Patriarchen von Peć in die habsburgisch beherrschte Vojvodina. Neuste Forschungen besagen jedoch, dass der Patriarch von Peć schon in Belgrad weilte, als die FlĂŒchtlinge in Belgrad ankamen.[2] Dies war ein erheblicher Anteil der damaligen Bevölkerung: die grĂ¶ĂŸte Stadt des Kosovo, Prizren, hatte in der Mitte des 17. Jahrhunderts erst etwa 13.000 Einwohner.[2]

Zerfall des Osmanischen Reiches und Balkankriege

Im Jahre 1877 wurde das Vilayet Kosovo als eigenstĂ€ndige Verwaltungseinheit des Osmanischen Reiches gegrĂŒndet. Durch dessen Verfall und die nachfolgende Bildung der unabhĂ€ngigen Nationalstaaten Serbien, Bulgarien, Griechenland und RumĂ€nien entstanden neue territoriale AnsprĂŒche. Zudem verfolgten alle europĂ€ischen GroßmĂ€chte, insbesondere Österreich-Ungarn und Russland ihre eigenen Interessen in SĂŒdosteuropa.

An die GrĂŒndung eines albanischen Staates dachten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wenige Albaner. Mehrheitlich muslimischen Glaubens sahen sie ihre Zukunft weiterhin unter der Herrschaft des Sultans, die wenigen Gegner des Osmanischen Systems hatten meist wenige Truppen zu VerfĂŒgung, um irgendeinen Machtbereich ausdehnen zu können. Die islamischen Albaner forderten Reformen im Osmanischen Reich, das albanische Sprachgebiet sollte in einem Vilayet vereinigt und Albanisch sollte als Unterrichtssprache in den wenigen Schulen eingefĂŒhrt werden. In dieser Zeit begann zugleich die albanische Nationalbewegung Rilindja. Die genannten Forderungen vertrat die Liga von Prizren, die sich 1878 gebildet hatte, und spĂ€ter auch die Liga von Peja (1899), um die Abtretung albanisch besiedelter Gebiete des Osmanischen Reiches an die slawischen Nachbarstaaten zu verhindern. Obwohl die Liga einige StĂ€dte in Montenegro, Albanien und auch im Kosovo militĂ€risch verteidigen konnte, wurde sie schon drei Jahre spĂ€ter durch osmanische Offiziere gewaltsam aufgelöst, die osmanische Regierung verschlechterte sogar die rechtliche Lage der albanischen Bevölkerung und verbot jegliche albanische Organisation. Die Albaner versuchten sich in der Diaspora, vor allem in Bukarest, Boston und New York, neu zu organisieren, doch diese Gruppen konnten meist nicht viel gegen die aufmarschierenden Truppen der NachbarlĂ€nder tun.

Ab den 1860er Jahren begannen die Osmanen ihre europĂ€ischen Provinzen verkehrstechnisch zu erschließen. EuropĂ€ische Gesellschaften wurden mit dem Eisenbahnbau beauftragt. Eine wichtige Strecke sollte von Thessaloniki ĂŒber Skopje und das Kosovo nach Sarajevo fĂŒhren. Die Planung folgte der traditionellen Hauptroute des Balkanhandels, die ĂŒber das „Amselfeld“ verlief. Bis zum Ausbruch des Serbisch-TĂŒrkischen Krieges (1876) war nur die Strecke bis nach Kosovska Mitrovica fertiggestellt. Nach dem Verlust Bosniens 1878 wurde nicht mehr weitergebaut. SpĂ€ter (1885) wurde die Strecke von ÜskĂŒp/Skopje ĂŒber die gerade Serbien einverleibte Stadt Vranya/Vranje mit der serbischen Eisenbahn verbunden. Die wichtigste Nord-SĂŒd-Verbindung auf dem Balkan verlief nun von Thessaloniki ĂŒber das Vardar- und das Moravatal nach NiĆĄ und Belgrad. Kosovo war damit von der zentralen Verkehrsader abgeschnitten und wurde zu einer Randprovinz. Dies sollte sich spĂ€ter auch unter der serbischen Herrschaft nicht mehr Ă€ndern.

Die durch den Berliner Kongress beschlossene Okkupation Bosnien-Herzegowinas durch die Donaumonarchie im Jahr 1878 verĂ€rgerte Serbien, da man dieses Land als von Serben bewohntes Territorium fĂŒr sich (Großserbien) oder einen sĂŒdslawischen Gesamtstaat beanspruchte. Seit dieser Zeit wuchsen die GegensĂ€tze zwischen Österreich-Ungarn und Serbien. Serbien bekam auf dem Berliner Kongress nur das Gebiet zwischen NiĆĄ und Vranje zugesprochen. Die in der Gegend von Vranje lebenden Albaner wurden in das noch unter osmanischer Herrschaft stehende Kosovo vertrieben, womit dort der albanische Bevölkerungsanteil deutlich anwuchs und das Gebiet von Vranje „entalbanisiert“ wurde.

Die serbische Regierung bemĂŒhte sich in den folgenden Jahrzehnten, ihr Territorium auf Kosten des Osmanischen Reiches, der albanischen und auch bulgarischen (= mazedonischen) Bevölkerung nach SĂŒden auszudehnen. Im Ergebnis des ersten Balkankriegs 1912 verlor das Osmanische Reich, abgesehen von Ostthrakien, seine restlichen europĂ€ischen Besitzungen. Kosovo (das damals bereits eine nicht-serbische Bevölkerungsmehrheit aufwies)[3] und der nordwestliche Teil Makedoniens fielen an das Königreich Serbien.

Österreich-Ungarn versuchte seinerseits die Ausdehnung Serbiens zu begrenzen und erreichte, dass den Serben von der Botschafterkonferenz der GroßmĂ€chte ein Zugang zur Adria in der NĂ€he der nordalbanischen Stadt Shkodra verwehrt wurde. Gleichzeitig unterstĂŒtzte man die Bildung eines albanischen Staates.

Eine kleine politische Elite der Albaner hatte sich erst seit etwa 1900 mit der Frage befasst, was aus den Albanern werden soll, wenn die osmanische Herrschaft vom Balkan verschwindet. Als die Sieger des ersten Balkankriegs begannen, die eroberten Gebiete aufzuteilen, entschlossen sich die albanischen FĂŒhrer am 28. November 1912 zur Ausrufung des unabhĂ€ngigen Staates Albanien. An der Deklaration in der Hafenstadt Vlora waren auch Kosovo-Albaner, unter anderem Isa Boletini, beteiligt. Die kĂŒnftigen Grenzen waren völlig unklar und die provisorische Regierung Albaniens hatte keinerlei Macht, erstrebte aber trotzdem die Vereinigung aller albanischen Siedlungsgebiete im albanischen Staat. Kosovo und das nordwestliche Makedonien fielen jedoch an Serbien und die Handelsstadt Ioannina und dessen Umgebung an Griechenland. Obwohl die albanischen FĂŒhrer nur die Vereinigung der albanisch bewohnten Gebiete forderte, sahen die NachbarlĂ€nder hier eine Bestrebung zur Eroberung ihrer Regionen, die sie beansprucht hatten. Nationalistische Ideologien von einem „großen“ Nationalstaat warf man daher auch den Albanern vor (vgl. auch Großalbanien).

Damit verlief seit 1912 die Geschichte der Albaner in Albanien und im Kosovo in sehr unterschiedlichen Bahnen: Schon die bei der Eroberung des Kosovos von der serbischen Armee verĂŒbten Grausamkeiten - etwa 10.000 Zivilisten waren dabei umgekommen - haben das VerhĂ€ltnis der Albaner zu den neuen Machthabern von Anfang an schwer belastet. Die serbische Regierung hatte geplant, die neu gewonnenen Gebiete möglichst schnell dem restlichen Staatsgebiet anzugleichen. Dazu gehörte auch, dass ĂŒberall die serbische Staatssprache und das serbische Schulwesen durchgesetzt wurde. Nicht nur bei den Albanern, sondern auch bei den Mazedoniern und anderen betroffenen Minderheiten waren diese Maßnahmen nicht sehr populĂ€r. Schon in den ersten Jahren der serbischen Herrschaft hatte die Auswanderung von TĂŒrken, Albanern und slawischen Muslimen in die TĂŒrkei (als wesentlichstes verbliebenes Gebiet des Osmanischen Reichs) eingesetzt, weil diese Muslime nicht unter christlicher Herrschaft leben wollten und teilweise auch schon unter Repressionen der neuen Herren zu leiden hatten. Diese Abwanderung setzte sich auch in der Zwischenkriegszeit in mehr oder weniger starken SchĂŒben fort.

Erster Weltkrieg

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914) und die Besetzung Serbiens (1915) verhinderte jedoch, dass die PlĂ€ne zur Serbisierung des Kosovos schnell in die Tat umgesetzt werden konnten. Als die Österreicher den Krieg gegen Serbien begannen, kam es im Kosovo zu AufstĂ€nden gegen die serbische Herrschaft. Die österreichisch-ungarische Armee besetzte 1915 die nördlichen und westlichen Teile des Kosovo um Mitrovica und Peć. Sie wurden von der albanischen Bevölkerung als Befreier begrĂŒĂŸt. Die Besatzungsmacht ĂŒbergab die lokale Verwaltung in die HĂ€nde der Einheimischen und investierte in die Infrastruktur. Neben kriegswichtigen Straßen haben die Österreicher auch zahlreiche Grundschulen eingerichtet, in denen erstmals Unterricht in albanischer Sprache erteilt wurde. Nach dem Abzug der Österreicher im Herbst 1918 kam es zu Racheakten der zurĂŒckkehrenden serbischen Truppen an der kosovarischen Bevölkerung, weil diese mit dem Feind kollaboriert hatte.

Der sĂŒdliche und östliche Teil des Kosovo mit den StĂ€dten PriĆĄtina und Prizren wurde von Bulgarien besetzt und dem MilitĂ€r-Inspektions-Gebiet Makedonien unterstellt.[4]

Bei Kriegsende formierte sich um Hasan Bej Prishtina und Bajram Curri eine Widerstandsbewegung der albanischen Kosovaren, die gegen die wieder ins Kosovo einrĂŒckenden Serben kĂ€mpften und einen Anschluss der Provinz an Albanien erreichen wollten. Im Oktober 1919 ging Hasan Prishtina mit einer kosovarischen Delegation nach Paris, um bei der Friedenskonferenz fĂŒr den Anschluss des Kosovos an Albanien zu sprechen. Die kosovarische Delegation durfte aber an keiner offiziellen Sitzung teilnehmen und ihr Anliegen wurde ignoriert.

Noch bis Anfang der zwanziger Jahre wurde die Provinz von AufstĂ€nden der Albaner erschĂŒttert, die sich der serbischen Herrschaft nicht unterwerfen wollten. Zehntausende flohen zwischen 1918 und 1920 vor den AufstĂ€nden nach Albanien, wo die Versorgung der FlĂŒchtlinge lange Zeit nicht gewĂ€hrleistet werden konnte.

Zwischenkriegszeit

1919 verzichtete das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel zu Gunsten der Serbisch-Orthodoxen Kirche auf die Kirchenhoheit ĂŒber die Eparchien in Kosovo und Mazedonien.

Schon 1921 sprach eine Delegation der Kosovo-Albaner beim Völkerbund in Genf vor, um sich ĂŒber die Missachtung ihrer Menschen- und Minderheitenrechte und ĂŒber die von serbischen Truppen verĂŒbten Massaker zu beklagen. Ihre Beschwerde wurde dort aber ignoriert.

Nach dem Ersten Weltkrieg begann die serbisch dominierte Regierung des Königreichs Jugoslawien mit der Serbisierung des Kosovo. Ideologisches Leitmotiv war dabei, dass die ethnische Struktur wiederhergestellt werden mĂŒsse, die im Kosovo vor der tĂŒrkischen Eroberung im 15. Jahrhundert bestanden haben soll. Die gesamte Verwaltung wurde mit serbischen Beamten besetzt, Serbisch war die einzige Amtssprache und auch in allen staatlichen Schulen wurde nur in dieser Sprache unterrichtet. Mit der Vergabe von Land an ZuzĂŒgler aus Serbien und Montenegro versuchte die Regierung in den zwanziger Jahren den slawischen Bevölkerungsanteil zu erhöhen. DafĂŒr wurde der Grundbesitz ausgewanderter TĂŒrken und Albaner beschlagnahmt, darĂŒber hinaus enteignete man einige muslimische Großgrundbesitzer. Das ganze Programm war wenig erfolgreich. Kurzfristig stieg zwar der serbische Bevölkerungsanteil, aber schon zu Beginn der dreißiger Jahre wanderten mehr Slawen aus, als neu ins Kosovo kamen. Mancher serbische Neubauer verkaufte das von der Regierung erhaltene Land sogar an Albaner, was das besondere Missfallen der Regierung erregte. Grund fĂŒr die serbische Auswanderung war die katastrophale wirtschaftliche Lage des Kosovo. Im Gegensatz zu den Albanern hatten die Angehörigen der Staatsnation bessere Chancen in den nördlichen Regionen Jugoslawiens Arbeit zu finden.

Die Regierung Jugoslawiens hatte vor dem Zweiten Weltkrieg weder ein schlĂŒssiges Konzept noch die finanziellen Mittel die Wirtschaft der armen sĂŒdlichen Gebiete zu entwickeln. Sie blieben AuswanderungslĂ€nder.

1937: Die Vertreibung der Albaner als Planspiel eines Nationalisten

Die EnttĂ€uschung ĂŒber die fehlgeschlagene Serbisierung des Kosovo spiegelt sich auch in der 1937 von dem serbischen Nationalisten Vasa Čubrilović verfassten Denkschrift, die sich mit dem weiteren Vorgehen im Kosovo auseinandersetzt. In Die Aussiedlung der Albaner vertrat der Historiker die Überzeugung, dass das "Albanerproblem" nur mit Gewalt zur Zufriedenheit der Serben gelöst werden könne. Er plĂ€dierte fĂŒr eine vollstĂ€ndige Vertreibung der muslimischen Albaner in die TĂŒrkei und nach Albanien. Die albanische Regierung wollte Čubrilović durch Finanzhilfen und durch Bestechung einzelner Politiker fĂŒr den Plan gewinnen. Außenpolitische Probleme, so meinte Čubrilović, wĂŒrden die „Aussiedlung“ nicht auslösen:

„Wenn Deutschland Zehntausende von Juden vertreibt und Russland Millionen von Menschen von einem Teil des Kontinents zum anderen verlegen konnte, so wird die Vertreibung von einigen Hunderttausend Albanern schon nicht zum Ausbruch eines Weltkrieges fĂŒhren.“

Im Gegensatz zu den vorherigen wenig erfolgreichen Kolonisationsprojekten wĂŒrde die nachfolgende Wiederbesiedelung erfolgreich sein, weil man den Kolonisten nun die HĂ€user und den beweglichen Besitz, den die Albaner auch zurĂŒcklassen mĂŒssten, zur VerfĂŒgung stellen könne. ZusĂ€tzlich plĂ€dierte Čubrilović fĂŒr die Etablierung eines Zwangsdienstes jugoslawischer Jugendlicher zur UnterstĂŒtzung der Neusiedler. AusdrĂŒcklich nannte er den Reichsarbeitsdienst Hitlers als Vorbild.

Čubrilovićs Schrift blieb der Öffentlichkeit ĂŒber Jahrzehnte verborgen. Sie war vom Verfasser auch nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen, sondern sollte die Politik der jugoslawischen Regierung beeinflussen. Dazu ist es aufgrund des deutschen Überfalls auf Jugoslawien im Jahr 1941 nicht mehr gekommen. DuĆĄan Bataković, ein serbischer Historiker, berichtet, dass die Denkschrift erst im Januar 1988 durch die Veröffentlichung in einer Artikelserie der jugoslawischen Zeitung „Borba“ einem breiteren Personenkreis bekannt wurde.

Zweiter Weltkrieg

Der deutsche Überfall auf Jugoslawien im April 1941 fĂŒhrte schnell zur Niederlage und zum Zusammenbruch des jugoslawischen Staates. Wie die Kroaten beteiligten sich auch die Albaner kaum an der Verteidigung des ungeliebten Staates. An der Aufteilung des eroberten Landes nahmen auch Deutschlands VerbĂŒndete Italien und Bulgarien teil. Kosovo und Teile Mazedoniens wurden mit dem bereits unter der Herrschaft des faschistischen Italien stehenden Albanien vereinigt. Die Zivilverwaltung lag in der Hand der Albaner, die nun ihrerseits als Rache die serbische Minderheit unterdrĂŒckten.

Die AchsenmĂ€chte nutzten die Feindschaft zwischen den Balkanvölkern geschickt, um ihre Herrschaft in SĂŒdosteuropa zu stabilisieren. Die meisten Opfer hatten dabei die Serben zu beklagen, die der Rache ihrer albanischen, kroatischen und bulgarischen Nachbarn ausgeliefert waren. Nach dem Ausscheiden Italiens aus dem Krieg im Sommer 1943 besetzten die Deutschen das Kosovo. Elastisch modifizierten die Nazis ihre Rassenideologie, indem sie die Albaner zur höherwertigen Rasse im Vergleich zu den Slawen erklĂ€rten. Auf diese Weise gewannen sie einen großen Teil der Albaner fĂŒr den Kampf gegen die jugoslawischen Partisanen.

Seit 1943 war Kosovo zunehmend zum Aktionsgebiet jugoslawischer PartisanenverbĂ€nde geworden. Ihre Angriffe auf die deutschen Truppen und die albanische Polizei wurden mehrfach durch die Ermordung serbischer Zivilisten vergolten. Personen, die im Verdacht standen, die Partisanen zu unterstĂŒtzen, wurden auch in das kroatische KZ Jasenovac verschleppt. 1944 wurde die kosovo-albanische SS-Division Skanderbeg aufgestellt. Ihr Standort war Prizren, ihr hauptsĂ€chliches Operationsgebiet das Kosovo. In ihrem brutalen Vorgehen unterschied sie sich nicht von den deutschen VerbĂ€nden. So tötete sie am 28. Juli 1944 im Dorf Veliko 380 OrtsansĂ€ssige (darunter 120 Kinder) und steckte 300 HĂ€user in Brand. Im April 1944 deportierte sie 300 Juden.

In Titos PartisanenverbĂ€nden kĂ€mpften auch Albaner und es gab schon wĂ€hrend des Krieges eine eigene kommunistische Parteiorganisation im Kosovo. In deren FĂŒhrungsgremium waren die Albaner bis 1945 in der Mehrheit. Tito hatte den albanischen Kommunisten das Recht auf nationale Selbstbestimmung zugesagt, nur mĂŒsste Jugoslawien erst von den Faschisten befreit sein. Allerdings ist nie genau definiert worden, was mit dem Recht auf Selbstbestimmung gemeint war, und ob auch die Lostrennung des Kosovo von Jugoslawien darunter fallen wĂŒrde. Unter den albanischen Kommunisten war diese Hoffnung jedenfalls weit verbreitet.

Neben den Partisanen Titos operierten im Kosovo auch albanische PartisanenverbĂ€nde, die der Befehlsgewalt der albanischen KP Enver Hoxhas unterstanden. Es kam zum Streit zwischen den kommunistischen Parteien beider LĂ€nder, denn man war sich nicht einig, wem das Kosovo nach dem Krieg zufallen sollte. Vor die Wahl gestellt, alleine das Kosovo Jugoslawien zu ĂŒberlassen oder es zusammen mit Albanien dem jugoslawischen Staat anzugliedern, verzichtete die KP Albaniens im FrĂŒhjahr 1944 auf jegliche AnsprĂŒche im Kosovo. Tito und Hoxha kamen ĂŒberein, dass die Vorkriegsgrenzen zwischen Albanien und Jugoslawien wiederhergestellt werden sollen.

Ende 1944 zogen sich die AchsenmĂ€chte aus dem Kosovo zurĂŒck und die kommunistischen Partisanen ĂŒbernahmen die Kontrolle.

In Titos kommunistischem Jugoslawien

Die autonomen Provinzen Serbiens von 1974

1945–1966

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kosovo in das föderal organisierte Jugoslawien Josip Broz Titos integriert. Der Akt der Annektierung fand im April 1945 unter Kriegsrecht durch eine nicht gewĂ€hlte „Regionale Volksversammlung von Kosovo und Metohija“ statt. Die Zustimmung fand damals durch Akklamation, ohne Abstimmung und vorherige Debatte statt. Die Volksversammlung war nicht reprĂ€sentativ: Unter 142 Abgeordneten fanden sich lediglich 33 Kosovo-Albaner. Das Gebiet wurde in der Folge der Teilrepublik Serbien zugesprochen. Von Selbstbestimmungsrecht fĂŒr die Albaner war keine Rede mehr. In der regionalen KP-FĂŒhrung wurde auf bĂŒrokratischem Weg die albanische Mehrheit gekippt. Man verkleinerte das FĂŒhrungsgremium mittels einer Weisung aus Belgrad und ab 1945 waren nur mehr sechs Serben und fĂŒnf Albaner darin vertreten, was in etwa dem damaligen Bevölkerungsanteil der beiden Ethnien entsprach.

1945 kam es zu unorganisierten AufstĂ€nden verschiedener albanischer Gruppen gegen die neuerliche slawische Dominanz im Kosovo. Sie konnten von jugoslawischen Armee- und PolizeiverbĂ€nden ohne Schwierigkeiten niedergeschlagen werden. Die kommunistische Diktatur Albaniens hielt sich aus diesen inneren Auseinandersetzungen beim damaligen BĂŒndnispartner komplett heraus.

Ende der vierziger Jahre kehrten die jugoslawische und die serbische Regierung vollends zu den Vorkriegstraditionen der Kosovo-Politik zurĂŒck. Minderheitenrechte fĂŒr die Albaner gab es im sozialistischen Staat der SĂŒdslawen vorerst nicht. Die gewĂ€hrte man 1950 nur der kleinen tĂŒrkischen Minderheit. Über 30.000 muslimische Albaner bekannten sich daher bei der VolkszĂ€hlung von 1951 zur tĂŒrkischen NationalitĂ€t, denn damit war die Möglichkeit zur Ausreise in die TĂŒrkei verbunden. Albanien weigerte sich, FlĂŒchtlinge aus dem Kosovo aufzunehmen, zudem bot das Wenige, was man im Kosovo ĂŒber die Terrorherrschaft Enver Hoxhas in Albanien wusste, kaum einen Anreiz dorthin auszuwandern. Zwischen 1950 und 1966 wanderten mehr als 200.000 Albaner in die TĂŒrkei aus, was das demographische GefĂŒge im Kosovo weiter verĂ€nderte.

Wie vor dem Krieg bekamen serbische Neusiedler im Kosovo staatliche UnterstĂŒtzungen. Entscheidend fĂŒr den Zuzug in den Kosovo war aber, dass man hier leicht verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gut dotierte Stellen in der staatlichen Verwaltung bekommen konnte, die bis in die sechziger Jahre zum grĂ¶ĂŸten Teil mit Serben besetzt wurden. Den meisten Albanern fehlten dafĂŒr die notwendigen Qualifikationen und sie konnten diese auch nur unter Schwierigkeiten erwerben, weil es ihnen an Kenntnissen in der Staatssprache Serbokroatisch mangelte. Dies Ă€nderte sich erst in den fĂŒnfziger und sechziger Jahren, als eine Generation von Albanern heranwuchs, die serbische Schulen absolviert hatte. Auch der MilitĂ€rdienst in anderen Teilen Jugoslawiens trug zur Verbreitung des Serbokroatischen unter den Albanern bei.

Kurzer Wirtschaftlicher Aufschwung

Anders als in der Zwischenkriegszeit bemĂŒhte sich die jugoslawische Regierung nach 1945 viel intensiver um die wirtschaftliche Entwicklung des Kosovo. Es wurde viel in die Infrastruktur, in den Bergbau und in die Schwerindustrie investiert. Bezahlt wurde das mit Transferleistungen, die aus den nördlichen Teilrepubliken in die Kasse des Bundes flossen. Zu keiner Zeit jedoch konnte die kommunistische Wirtschaftspolitik im Kosovo eine selbsttragende Ökonomie und genĂŒgend ArbeitsplĂ€tze fĂŒr die stark wachsende Bevölkerung schaffen. Viele Jugoslawen bekamen den Eindruck, dass ihr Geld in der albanischen Provinz sinnlos verschwendet wurde, wĂ€hrend viele Albaner meinten, dass die Zentralregierung nicht genug fĂŒr den Kosovo tun wĂŒrde.

1966–1974

Zu einer Wende in der jugoslawischen Kosovo-Politik kam es durch machtpolitische Auseinandersetzungen im PolitbĂŒro des Bundes der Kommunisten. WĂ€hrend Tito allgemeine Reformen einleiten wollte, der die föderalen Elemente in den politischen Strukturen Jugoslawiens stĂ€rken sollte, opponierte Innenminister Aleksandar Ranković gegen jede derartige VerĂ€nderung. Dieser war als Befehlshaber der politischen Polizei UDBA maßgeblich fĂŒr staatliche Gewaltmaßnahmen gegen die albanische Bevölkerung verantwortlich. Ranković wurde 1966 mit dem Vorwurf, die UDBA zu einem Staat im Staate ausgebaut zu haben, aus dem PolitbĂŒro entfernt und musste seinen Ministerposten abgeben. Tito verbesserte nun schrittweise die Lage der Albaner und gestand ihnen mehr Autonomie zu. In der neuen jugoslawischen Bundesverfassung von 1974 wurde das Kosovo (wie auch die Vojvodina) als autonome Provinz und Föderationssubjekt etabliert. In der Regierung und im Parteiapparat der Provinz dominierten fortan die Albaner. Albanisch wurde zweite Amts- und Unterrichtssprache, albanische Kultur wurde gefördert und es kam zur Einrichtung der UniversitĂ€t PriĆĄtina. Aus ihr ging in den folgenden 15 Jahren eine große Zahl albanischer Akademiker hervor.

Verfassungsrechtlicher Status 1974

Zur Autonomieregelung, die 1974 festgelegt wurde, ist auf die genaue Definition einer „NationalitĂ€t“ hinzuweisen. GemĂ€ĂŸ sowjetisch-kommunistischer Rechtsdoktrin war eine Nation (bosn./kroat./serb. narod) eine potentiell staatsbildende Einheit, zumindest durfte die Arbeiterschaft diesen darstellen. Nationen behielten daher ein ultimatives Recht auf Abspaltung, wenn diese eine Republik innerhalb einer Föderation bildeten. Eine NationalitĂ€t (bosn./kroat./serb. narodnost) hingegen war ein verschobener Teil einer Nation, dessen grĂ¶ĂŸerer Teil in einer anderen Gegend beheimatet war: NationalitĂ€ten konnten nicht zu einer konstitutiven Nation innerhalb einer Föderation erklĂ€rt werden und ebenfalls nicht eine eigene föderale Einheit erhalten.[5]

Das Problem der nicht-slawischen Bevölkerung innerhalb eines jugoslawischen („sĂŒdslawischen“) Staates wurde bereits beim Treffen der kommunistischen FĂŒhrung 1943 in Jajce (Bosnien) erörtert. Insbesondere der Status der bevölkerungsreichsten Minderheiten, der Kosovo-Albaner und der Magyaren (Ungarn) war zunĂ€chst unklar. Es wurde gemĂ€ĂŸ sowjetischer Doktrin festgelegt, dass Republiken EntitĂ€ten von Nationen darstellen sollten, im Gegensatz zu „NationalitĂ€ten“. Die Kosovo-Albaner stellten im ehemaligen Jugoslawien eine „NationalitĂ€t“ dar, da die „Nation“ der Albaner einen eigenen Staat Albanien besaß; dasselbe galt fĂŒr die Magyaren (Ungarn) in der Vojvodina. Die Autonome Provinz Kosovo, ebenso wie die Autonome Provinz Vojvodina, wurden daher auch in der jugoslawischen Verfassung von 1974 nicht als „Sozialistische Republiken“ betrachtet, obwohl diese Einheiten nach verfassungsrechtlichen Kriterien seitdem weitestgehend Bundeseinheiten entsprachen (Sie besaßen eigene Parlamente, jeweils einen Sitz im föderalen PrĂ€sidentschaftsrat mit Vetorecht, usw.).[5] Tito gelang es durch diesen Kunstgriff, zwei weitere Stimmen im PrĂ€sidentschaftsrat zu schaffen und so seinen Einfluss zu festigen.

1974–1989

In den 1970er Jahren kam es zu einer Albanisierung des öffentlichen Lebens im Kosovo. SpĂ€testens nach Titos Tod (1980) begannen die Serben im Kosovo und auch andernorts ihren Unmut darĂŒber zu Ă€ußern. Zur selben Zeit wanderte eine große Anzahl Serben aus dem Kosovo aus (ca. 50.000 bis 1981). Ein Grund dafĂŒr mag das GefĂŒhl gewesen sein, dass man sich nun fremd im eigenen Land fĂŒhlte, wozu nationalistische Propaganda beider Seiten beitrug. Eine wichtige Ursache – so haben serbische Demographen 1991 herausgefunden – war aber die nach wie vor schlechte wirtschaftliche Lage. Hinzu kam, dass die Serben ihre Privilegien aus der Zeit von vor 1966 verloren hatten und nun mit den Albanern um die ArbeitsplĂ€tze im Verwaltungsapparat konkurrieren mussten. Dadurch hatte sich die wirtschaftliche Situation der serbischen Bevölkerung, die inzwischen nur noch eine Minderheit darstellte, in kurzer Zeit deutlich verschlechtert.

Die albanische FĂŒhrung der Provinz konnte die wirtschaftlichen Probleme ebenso wenig lösen wie die serbische zuvor. Misswirtschaft, Arbeitslosigkeit und Korruption kennzeichneten die Situation zu Beginn der 1980er Jahre. Die Schuld schob man der Regierung in Belgrad zu. Damit wurde der mĂŒhsam zwischen den Volksgruppen hergestellte Frieden gefĂ€hrdet. Soziale Unruhen unter den Albanern hatten daher in den achtziger Jahren oft ein nationales, antiserbisches Merkmal. Dadurch wuchs unter den Kosovo-Serben das GefĂŒhl der Bedrohung durch die Mehrheit.

Im MĂ€rz und April 1981[6] kam es zu gewalttĂ€tigen Demonstrationen der albanischen Studenten in PriĆĄtina, die gegen die schlechten Lebensbedingungen und die Perspektivlosigkeit – den meisten erwartete nach dem Abschluss die Arbeitslosigkeit – aufbegehrten. Auch wurden Forderungen nach der Anerkennung als eigenstĂ€ndige Republik innerhalb Jugoslawiens laut. Forscher haben mindestens fĂŒnf Untergrundgruppen gezĂ€hlt, die 1981 tĂ€tig waren: Die Bewegung fĂŒr die Nationale Befreiung des Kosovo, die Gruppe der Marxisten-Leninisten des Kosovo und die Rote Front setzten sich fĂŒr die Vereinung des Kosovo mit der Sozialistischen Volksrepublik Albanien ein. Die Kommunistische Partei der Marxisten-Leninisten Jugoslawiens und die Bewegung fĂŒr eine Albanische Republik in Jugoslawien (LĂ«vizja e RepublikĂ«s shqiptare nĂ« Jugosllavi) forderten den Republikstatus fĂŒr die Provinz[7]. Die serbische Regierung beschuldigte Tirana der UnterstĂŒtzung des Separatismus in Kosovo, allerdings gab es unter den Demonstranten nur wenige, die in erster Linie UnterstĂŒtzer von Enver Hoxhas Regime waren. Als es so aussah, als ob die Kosovo-Regierung des Aufstandes nicht Herr werden könnte, wurde der Ausnahmezustand ausgerufen und Polizisten aus Zentralserbien rĂŒckten in PriĆĄtina ein und knĂŒppelten den Aufstand brutal nieder. Die FĂŒhrung des Kosovo wurde auf Befehl Belgrads ausgewechselt. Seitdem nahmen die Spannungen zwischen Albanern und Serben stetig zu, und die Regierungsorgane auf Bundes- wie auch auf Provinzebene waren nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Vielmehr heizten sie den NationalitĂ€tenkonflikt durch gegenseitige Schuldzuweisungen weiter an. WĂ€hrend der nĂ€chsten acht Jahre wurden insgesamt 584.373 Albanier verhaftet, verhört oder verwiesen.

Nach den Unruhen im Kosovo bildete sich ein „Komitee der Serben und Montenegriner“, das mit Petitionen und Protestversammlungen versuchte, auf die von ihnen als schlecht empfundene Lage ihrer Volksgruppe im Kosovo aufmerksam zu machen. Seine Mitglieder waren neben ansĂ€ssigen Serben auch pensionierte MilitĂ€rs, entlassene Polizisten und Geheimdienstler aus der Ranković-Ära sowie Kriminelle. FĂŒr seine erste Petition sammelte es zwar nur 76 Unterschriften, nach vier Jahren war die Zahl der UnterstĂŒtzer jedoch auf 50.000 angewachsen. Slobodan MiloĆĄević, damals Chef des BdK Serbiens, besuchte am 24. April 1987 das Kulturhaus in Kosovo Polje, nachdem er sich vier Tage zuvor mit den AnfĂŒhrern dieses Komitees abgesprochen haben soll und eine landesweite FernsehĂŒbertragung sichergestellt hatte. WĂ€hrend seiner Rede inszenierten Mitglieder des Komitees vor dem Kulturhaus eine SchlĂ€gerei mit der mehrheitlich albanischen Polizei. Vor laufenden Kameras beschwerten sich Serben bei MiloĆĄević, dass sie von der albanischen Polizei geschlagen wĂŒrden, worauf MiloĆĄević vor die Menge trat und rief: „Niemand darf euch schlagen!“ Dieser Auftritt wurde in den folgenden Wochen stĂ€ndig im Fernsehen wiederholt und begrĂŒndete MiloĆĄevićs weiteren politischen Aufstieg.

Der Zerfall Jugoslawiens

Karte des Kosovo

Mit dem Tod Titos war die föderale Verfassungskonstruktion von 1974 in eine Krise geraten. Zuerst zeigte sich dies im Kosovo. Mit dem Argument, sie seien nach den Serben und den Kroaten die drittgrĂ¶ĂŸte Nation in Jugoslawien verlangten einige Albaner den Status eines Staatsvolks und die Loslösung Kosovos von Serbien. Die Provinz sollte gleichberechtigte Republik innerhalb der jugoslawischen Föderation werden. Die ĂŒbrigen Teilrepubliken sowie die jugoslawische Bundesregierung verweigerten dies und Serbien setzte die kosovarische Provinzregierung ab. Das Zusammenleben zwischen Serben und Albanern verschlechterte sich zusehends. 1987 wurde Slobodan MiloĆĄević PrĂ€sident der SR Serbien. Zwei Jahre spĂ€ter, am 28. Juni 1989, hielt er im Kosovo die bekannte Amselfeld-Rede, die gerne als Vorbote des Krieges im ehemaligen Jugoslawien dargestellt wird.

Serbische Machtausdehnung im Kosovo

Am 23. MĂ€rz 1989 stimmte das kosovarische Parlament einer zuvor vom serbischen Republiksparlament verabschiedeten VerfassungsĂ€nderung zu, welche die Autonomie der Provinz deutlich einschrĂ€nkte. Bei den darauffolgenden Demonstrationen im Kosovo wurden nach offiziellen Angaben 29 Demonstranten und zwei Polizisten getötet. Über das Kosovo wurde der Ausnahmezustand verhĂ€ngt, wozu auch willkĂŒrliche Verhaftungen ohne juristische Basis oder Beistand gehörten.

In Serbien gab es jedoch auch Kritik an der staatlichen Kosovo-Politik. Der serbische Soziologe und Oppositionspolitiker Zoran Đinđić schrieb 1988:

„Es wĂ€re falsch, zu glauben, das Konstitutionsproblem Serbiens (werde) durch eine RĂŒckkehr des Kosovo unter seine (Serbiens) staatliche politische Obhut gelöst. Dann... (wird) der Kosovo in jedem kĂŒnftigen serbischen Staat eine permanente Quelle der Repression sein. Serbien kann sich als politische Gemeinschaft nur konstituieren, wenn seine Grenzen durch den Willen seiner (faktischen und potentiellen) Einwohner festgelegt sind.“

Gewaltfreier Widerstand und Schattenstaat der Albaner

Nach der VerfassungsĂ€nderung wurde die Autonomie des Kosovo durch mehrere serbische Gesetzgebungsakte faktisch beseitigt. Gesetzgebung und Rechtsprechung im Kosovo wurden serbischen Behörden ĂŒbertragen; die Polizei wurde dem serbischen Innenministerium unterstellt. Mit einem weiteren Ausnahmegesetz wurde im Juni 1990 den serbischen Behörden der direkte Eingriff in die Verwaltung des Kosovo erlaubt. Die albanischen Abgeordneten des Kosovo-Parlaments reagierten zunĂ€chst mit der Ausrufung ihrer Provinz zur siebten Republik im jugoslawischen Staatsverband, daraufhin löste Serbien das Parlament am 5. Juli 1990 auf. Anschließend wurden sĂ€mtliche albanische FĂŒhrungskrĂ€fte entlassen. Im September 1990 rief das kosovarische Parlament mit der „Kaçanik-Verfassung“, in der großzĂŒgige Minderheitenrechte gewĂ€hrt wurden, die „Republik Kosova“ aus und wĂ€hlte Ibrahim Rugova zu ihrem ersten „PrĂ€sidenten“. Im September 1991 stimmten ĂŒber 90% der Kosovo-Albaner bei einem Referendum fĂŒr die völlige UnabhĂ€ngigkeit ihrer Provinz, diese wurde jedoch nur von Albanien mit EinschrĂ€nkungen anerkannt. Im Mai 1992 wurden PrĂ€sidentschafts- und Parlamentswahlen abgehalten, aus denen Rugova und die Lidhja Demokratike e KosovĂ«s (LDK) als Sieger hervorgingen.

In der Folgezeit begann unter der FĂŒhrung von Rugovas LDK, der inzwischen die meisten albanischen frĂŒheren BdKJ-Mitglieder beigetreten waren, der Aufbau eines Parallelstaats (Polykratie). Weil serbische Institutionen boykottiert wurden, organisierte der Schattenstaat albanische Schulen, medizinische Versorgung, öffentlichen Nahverkehr und Hilfe fĂŒr BedĂŒrftige. Finanziert wurde er u.a. durch Abgaben der kosovo-albanischen Diaspora. Die etwa 500.000 kosovo-albanischen Arbeitsmigranten in West- und Mitteleuropa fĂŒhrten mindestens 3% ihres Einkommens an die LDK ab. Im Jahr 1997 wurden 28 Mio. DM offiziell als Einnahmen verbucht.

Insbesondere slowenische Politiker wie der im Jahr 1989 amtierende jugoslawische Staatschef Janez DrnovĆĄek sahen in der serbischen Kosovo-Politik ein zunehmendes Hindernis fĂŒr die von ihnen gewĂŒnschte Integration Jugoslawiens in europĂ€ische Organisationen. Dadurch wurde der Zerfall Jugoslawiens beschleunigt.

Die serbische Polizei schikanierte zwar einzelne Albaner, im Übrigen tolerierten die serbischen Behörden jedoch den Schattenstaat, auch die unter den Polizisten weit verbreitete Korruption schwĂ€chte die Staatsorgane. Die serbische Opposition stimmte zwar in der Kosovo-Frage weitgehend mit der Regierungspolitik ĂŒberein, die Möglichkeit einer Zusammenarbeit wurde von Rugova und der LDK aber auch niemals ausgelotet. Kosovo-albanische Kritiker der LDK wie Veton Surroi und Adem Demaçi warfen Rugova zunehmend eine passive, starre und erfolglose Politik vor.

Vom Dayton-Vertrag zum Kosovo-Krieg

An der Den Haager Jugoslawien-Konferenz waren keine Vertreter des Kosovo beteiligt. Nachdem mit dem Dayton-Vertrag die serbischen und kroatischen Eroberungen in Bosnien faktisch anerkannt wurden, wuchs bei den Albanern die Unzufriedenheit mit der gewaltfreien Politik Rugovas. ZunĂ€chst kam es im Winter 1996 und 1997 zu Studentendemonstrationen in PriĆĄtina, die ohne der Einwilligung Rugovas stattfanden. Die Studenten verlangten die RĂŒckgabe der UniversitĂ€tsgebĂ€ude. 1996 verĂŒbte eine Splittergruppe, die LĂ«vizja KombĂ«tare pĂ«r Çlirimin e KosovĂ«s (LKÇK), mehrere BombenanschlĂ€ge auf Lager fĂŒr serbische FlĂŒchtlinge aus Bosnien. Auch die UÇK trat mit Bekennerschreiben zu BombenanschlĂ€gen zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Die UrsprĂŒnge der militanten Gruppen liegen im Dunkeln, wahrscheinlich gehen sie auf albanische Widerstandszellen der frĂŒhen 80er Jahre zurĂŒck, die ideologisch an Enver Hoxhas albanischem Marxismus-Leninismus orientiert waren und formierten sich zu Beginn der 90er Jahre. Mit dem Zusammenbruch der StaatsautoritĂ€t in Albanien 1997 („Lotterieaufstand“) erhielten sie die Chance, sich zu bewaffnen und im Norden Albaniens, an der Grenze zum Kosovo, Trainingslager und RĂŒckzugsrĂ€ume einzurichten. Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen serbischen Staatsorganen und den zunĂ€chst schlecht organisierten und bewaffneten albanischen Guerilleros nahmen daraufhin zu. Am 28. November 1997, dem albanischen Nationalfeiertag, trat die UÇK auf dem BegrĂ€bnis eines im Polizeigewahrsam gestorbenen albanischen Lehrers zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auf. Im Februar 1998 griff die serbische Sonderpolizei MUP mehrere Dörfer in der Region Drenica mit dem Ziel an, Adem Jashari, einen UÇK-FĂŒhrer, zu töten. Bei den Angriffen auf die Dörfer Donji Prekaz und Qirez wurden 87 Albaner, darunter 29 Frauen, Kinder und Alte, getötet. Nach diesem sogenannten „Massaker von Drenica“ schalteten sich internationale Organisationen in den Konflikt ein.

Die Balkan-Kontaktgruppe und die OSZE verurteilten die Gewaltanwendung und riefen beide Seiten zum Dialog auf. Das serbische politische Spektrum war den Albanern gegenĂŒber zu dieser Zeit grundsĂ€tzlich feindlich gestimmt (bis auf die kleine Partei der zivilen Allianz). Ein typisches Beispiel fĂŒr die öffentliche Stimmungsmache war etwa ein Kommentar zur Kosovo-Debatte von Aleksa Djilas (der im Westen sogar als liberaler Intellektueller bezeichnet wurde). Dessen Kommentar in der Aprilausgabe des nationalistischen belgrader Magazins Argument trug den Titel:

„Was auch immer Israel den PalĂ€stinensern antun kann, dĂŒrfen auch die Serben gegenĂŒber den Albanern“

Ein im April 1998 abgehaltenes Referendum ĂŒber die Frage, ob auslĂ€ndische Vertreter im Kosovokonflikt vermitteln dĂŒrften, sprach sich die Mehrheit, wie bereits abzusehen war, dagegen aus.[8] Die im darauffolgenden Monat stattgefundenen GesprĂ€che zwischen Rugova und MiloĆĄević in Belgrad wurden demzufolge bald abgebrochen.

Die Kampfhandlungen im Kosovo gingen weiter, bereits Ende August gab es nach Angaben von UNHCR und IKRK 160.000 BinnenflĂŒchtlinge. Im September 1998 forderte der UNO-Sicherheitsrat den RĂŒckzug der serbischen Einheiten (Resolution 1199), gleichzeitig drohte die NATO Serbien erstmals mit LuftschlĂ€gen (ACTWARN-Erlass). Im Oktober wurde das „Holbrooke-MiloĆĄević-Abkommen“ unterzeichnet, in dem die Entsendung einer OSZE-Beobachtermission vereinbart wurde, es trat aber keine Entspannung der Situation ein. Nachdem am 15. Januar 1999 bei dem Dorf Račak 45 albanische Leichen mit Schusswunden, die von serbischer Armeemunition stammten, gefunden wurden, warf der Leiter der OSZE-Mission, der US-Amerikaner William Walker, den serbischen Truppen vor, ein Massaker an Zivilisten begangen zu haben. Zweifel an der These eines Massakers kamen auf, weil die Toten eindeutig nicht aus Nahdistanz erschossen wurden. Eine Untersuchung durch das ICTY ließ Belgrad nicht zu. Der Druck auf die Konfliktparteien wurde verstĂ€rkt, am 6. Februar 1999 wurde die Konferenz von Rambouillet als letzte Chance fĂŒr eine friedliche Lösung einberufen. Das dort am 23. Februar vorgelegte Friedensabkommen sah eine weitgehende Selbstverwaltung des Kosovo bei Verbleib im serbisch-jugoslawischen Staatsverband vor. Nach drei Jahren sollte eine internationale Konferenz endgĂŒltig ĂŒber seinen Status entscheiden. Die Einhaltung des Abkommens sollte, wie im Dayton-Vertrag, durch NATO-Truppen ĂŒberwacht werden. Die kosovo-albanische Delegation unterzeichnete das Abkommen am 18. MĂ€rz 1999, obwohl ihrer Forderung nach einer Volksabstimmung ĂŒber die staatliche Zukunft Kosovos nicht stattgegeben wurde. Die serbische Seite verweigerte die Unterschrift, da der Vertrag nach ihrer Ansicht die fĂŒr sie nicht akzeptable Besetzung des Landes durch NATO-Truppen bedeutet hĂ€tte. Am 24. MĂ€rz begannen daraufhin die Luftangriffe der NATO auf Serbien.

Der Kosovo-Krieg

→ Hauptartikel: Kosovokrieg
Karte der UNMIK-StĂŒtzpunkte

Die NATO-Luftangriffe zwangen Slobodan MiloĆĄević schließlich zum Einlenken. Da bei den NATO-Luftangriffen nicht nur serbische militĂ€rische Ziele angegriffen wurden, sondern auch serbische Kraftwerke, Fabriken, BrĂŒcken, BĂŒrogebĂ€ude sowie durch FehlabwĂŒrfe auch WohnhĂ€user und FlĂŒchtlingskonvois, kamen dadurch nach einer Untersuchung des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag etwa 500 Serben und Albaner ums Leben.

Der RĂŒckzug der serbischen Armee beendete vorerst die blutigen Auseinandersetzungen im Kosovo. Am 10. Juni 1999 beschloss der UN-Sicherheitsrat in seiner Resolution 1244 die Einsetzung einer zivilen Übergangsverwaltung (UNMIK) und die Entsendung einer NATO-gefĂŒhrten Friedenstruppe (KFOR), zu deren Aufgaben die GewĂ€hrleistung der RĂŒckkehr der FlĂŒchtlinge, die Entwaffnung der Konfliktparteien und der Aufbau von Institutionen zur Selbstverwaltung des Kosovo gehörten. Das Kosovo wurde somit vorlĂ€ufig eine Art Protektorat der Vereinten Nationen.

Laut Informationen des FlĂŒchtlingshilfswerks UNHCR sind nach dem Abzug der jugoslawischen Truppen rund 250.000 Menschen aus dem Kosovo vertrieben worden, wohingegen die SchĂ€tzungen des jugoslawischen Außenministeriums sogar eine Zahl von ca. 350.000 nennen. Die Mehrzahl der Vertriebenen bestand aus Serben sowie Roma, Juden, TĂŒrken und anderen Minderheitengruppen.[9] FĂŒr Massenmorde und Vergewaltigungen durch serbische Truppen und systematisch betriebenen Vertreibung von Kosovo-Albanern wurden im Februar 2009 fĂŒnf serbische hochrangige Beamte zu langjĂ€hrigen Strafen durch den Internationalen Gerichtshof in Den Haag verurteilt.[10][11]

Der Vorsitzende der JĂŒdischen Gemeinde in Prishtina, Čedomir Prlinčević, wurde ebenfalls 1999 von der UÇK vertrieben. Mit der Vertreibung des Vorsitzenden sowie der ĂŒbrigen Juden erlosch das alte jĂŒdische Leben in dieser Region.[12]

SchĂ€tzungen ĂŒber die Zahl der wĂ€hrend des Konfliktes 1998/1999 Getöteten schwanken zwischen 9.000 und bis zu 15.000. Das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag befasst sich zurzeit mit den Geschehnissen.

MĂ€rz-Unruhen 2004

Am 17. und 18. MĂ€rz 2004 kam es im Kosovo zu einem erneuten Ausbruch ethnischer Gewalt. Nachdem drei Jungen in einem Fluss nahe der ethnisch geteilten Stadt Mitrovica ertranken, heizten – einem Bericht der OSZE[13] zufolge – albanische Medien mit Sensationsberichten die Stimmung an. Sie suggerierten, dass ein von Serben begangenes ethnisch motiviertes Verbrechen vorlag. Diese Behauptungen waren – beispielsweise nach EinschĂ€tzungen der Nichtregierungsorganisation International Crisis Group (ICG) – haltlos. In der Folge kam es zu landesweiten AufstĂ€nden der Albaner, die sich im Wesentlichen gegen die noch im Kosovo verbliebenen Serben richteten. Es gab 19 Tote (11 Kosovo-Albaner und 8 Serben) und mehr als 1000 Verletzte. Über 4.000 Menschen wurden vertrieben[14], 82 % davon waren Kosovo-Serben, die ĂŒbrigen Roma, Ashkali, Kosovo-Ägypter und Albaner. 700 HĂ€user von Serben, Aschkali und Roma, zehn VerwaltungsgebĂ€ude sowie rund 30 serbische Kirchen und zwei Klöster wurden beschĂ€digt oder zerstört. Etwa 50.000 Personen [15] nahmen an diesen GewalttĂ€tigkeiten teil, bei denen die Drahtzieher in radikalen und mafiösen Kreisen zu suchen sind[16].

Am 19. MÀrz 2004 gab der damalige deutsche Verteidigungsminister Peter Struck bekannt, dass die Bundeswehr 600 zusÀtzliche Soldaten in die Region entsenden werde. Damit erhöhte sich das deutsche Kontingent im Kosovo auf etwa 3.800 Soldaten. Die NATO entsandte weitere 1.100 Soldaten zur Sicherung der Ordnung.

Zweite Parlamentswahlen 2004

Die zweiten Parlamentswahlen im Kosovo konnte am 23. Oktober 2004 wiederum die LDK unter PrĂ€sident Rugova gewinnen. Sie kam bei einer Wahlbeteiligung von nur 53 % auf einen Stimmenanteil von ĂŒber 45 %. SĂ€mtliche ins Parlament eingezogenen albanischen Parteien sprachen sich fĂŒr die baldige UnabhĂ€ngigkeit des Kosovos aus. Die Mehrheit der Serben boykottierte die Wahlen.

Im Dezember 2004 wĂ€hlte das Parlament den ehemaligen UÇK-FĂŒhrer Ramush Haradinaj von der Allianz fĂŒr die Zukunft Kosovos (albanisch Aleanca pĂ«r ArdhmĂ«rinĂ« e KosovĂ«s, kurz auch AAK) zum MinisterprĂ€sidenten. Im MĂ€rz 2005 musste er zurĂŒcktreten, da der Internationale Strafgerichtshof fĂŒr das ehemalige Jugoslawien (ICTY) gegen ihn Anklage erhob. Haradinaj soll vor und wĂ€hrend des Kosovo-Krieges schwere Verbrechen ĂŒberwiegend an serbischen, aber auch an albanischen Zivilisten verĂŒbt haben. Er wurde 2008 freigesprochen, da die benannten Zeugen alle bis auf einen durch Ă€ußere Einwirkung ums Leben kamen und der einzige ĂŒberlebende Zeuge seine Aussage zurĂŒckgezogen hatte. Zu seinem Nachfolger wurde Bajram Kosumi (ebenfalls AAK) gewĂ€hlt. Dessen Koalitionsregierung gehörten außer zwei neuen Ministern alle aus dem alten Haradinaj-Kabinett an.

Mit dem Tod des kosovo-albanischen PrĂ€sidenten Ibrahim Rugova am 21. Januar 2006, kurz vor dem Beginn der Verhandlungen ĂŒber den kĂŒnftigen völkerrechtlichen Status des Kosovos, starb der einzige weltweit bekannte und anerkannte Politiker des Kosovos.

Zum neuen PrÀsidenten wurde am 10. Februar 2006 der als moderat geltende Politiker Fatmir Sejdiu, ein langjÀhriger Vertrauter des verstorbenen AmtsvorgÀngers gewÀhlt von der LDK. Sejdiu war Jura-Professor an der UniversitÀt von Priƥtina. Er leitete seit Anfang der 90er Jahre die Partei Rugovas LDK.

Am 1. MĂ€rz 2006 erklĂ€rte MinisterprĂ€sident Bajram Kosumi seinen RĂŒcktritt. Kosumis RĂŒcktritt wird von örtlichen Beobachtern damit erklĂ€rt, dass er in seiner Partei AAK unter Druck geriet. An seiner Stelle wurde am 10. MĂ€rz der frĂŒhere Chef des Kosovo-Schutzkorps (TMK) Agim Çeku zum MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Das TMK wurde als Auffangorganisation fĂŒr die UÇK geschaffen. Çeku war seit 1999 Generalstabschef der Befreiungsarmee UÇK. Die AAK gilt als eine der ParteigrĂŒndungen ehemaliger UÇK-Aktivisten.

Statusverhandlungen

Der Bericht von Kai Eide

Britische und US-Diplomaten machten deutlich, dass die Statusverhandlungen zur UnabhĂ€ngigkeit des Kosovos fĂŒhren sollten. Selbst Albert Rohan gestand in einem Interview ein, dass die Staatengemeinschaft eine Tendenz in Richtung eines souverĂ€nen Kosovos erkennen lĂ€sst. Nach Anton Bebler wirkte sich die Schaffung neuer Staatsgrenzen in Mittel- und Osteuropa auf die allgemeine Sicherheitslage in Europa positiv aus. Selbiges könnte man auch im Kosovo erwarten, sobald die Beziehungen zu Serbien sich normalisieren wĂŒrden.[17] Bei einem Besuch der deutschen KFOR-Soldaten im Feldlager Prizren am 15. Juli 2005 erteilte die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel dagegen einer Loslösung des Kosovos von Serbien eine klare Absage: Bei den Statusverhandlungen mĂŒssten in jedem Fall die Interessen Belgrads BerĂŒcksichtigung finden.

Bis Oktober 2005 verfolgte die UNMIK eine Politik des „standards before status“. Dadurch sollten bestimmte Mindestanforderungen in Politik, Verwaltung und insbesondere bei der Behandlung ethnischer Fragen gesichert werden, bevor eine Entscheidung ĂŒber den kĂŒnftigen Status des Kosovos fĂ€llt.

Ende September 2005 stellte der norwegische Diplomat Kai Eide im Auftrag von UN-GeneralsekretĂ€r Kofi Annan einen Bericht ĂŒber die Entwicklung des Protektorats fertig. Ausschlaggebendes Kriterium fĂŒr die besonders von der albanischen Mehrheit geforderten Verhandlungen ĂŒber den kĂŒnftigen Status der Provinz sind die seitens UNMIK und der provisorischen Selbstverwaltungsorgane definierten und vom UN-Sicherheitsrat Ende 2003 verabschiedeten Standards zu Menschenrechten, Sicherheit, Gesetz und Demokratie im Kosovo.

Trotz erheblicher MĂ€ngel empfahl Kai Eide in seinem Bericht „den nĂ€chsten Schritt in der politischen Entwicklung des Kosovos zu nehmen“. Am 24. Oktober 2005 beschloss der UN-Sicherheitsrat, dass Verhandlungen ĂŒber die Statusfrage des Kosovos aufgenommen werden können.

Die Kosovo-Troika

Am 20. Februar 2006 begannen unter Vermittlung der sogenannten Kosovo-Troika aus EU, Russland und den Vereinigten Staaten die Status-Verhandlungen in Wien. VerhandlungsfĂŒhrer war von Seiten der Kosovo-Albaner der PrĂ€sident des Kosovos, Fatmir Sejdiu. Zweiter VerhandlungsfĂŒhrer der albanischen Bevölkerung war Hashim Thaçi, OppositionsfĂŒhrer und ehemaliger UÇK-FĂŒhrer. Der ehemalige finnische StaatsprĂ€sident Martti Ahtisaari leitete die Verhandlungen. WĂ€hrend die Kosovo-Albaner die volle staatliche UnabhĂ€ngigkeit der Provinz forderten, lehnte Belgrad dies ab und wollte lediglich eine weitreichende Autonomie zugestehen.

Bei den GesprĂ€chen ĂŒber die Dezentralisierung und GrĂŒndung neuer Gemeinden, in denen die nicht albanische Bevölkerung einen Autonomiestatus erhalten soll, gab es keine Einigungen. Belgrad wollte 17 neue Gemeinden mit serbischer Mehrheit bilden, die Albaner wollten maximal fĂŒnf anerkennen. Außerdem schlugen die Kosovo-Albaner die Bildung einer ethnisch neutralen Kommunalregierung vor. Die Serben verlangten dagegen, dass sie ihre Gemeinden selbststĂ€ndig verwalten und besondere Beziehungen zu Belgrad unterhalten dĂŒrfen. Außerdem forderten sie Sicherheitsgarantien, Bewegungsfreiheit und ein RĂŒckkehrrecht fĂŒr serbische FlĂŒchtlinge. Weiterer Streitpunkt blieb die Zukunft der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica. Die Serben wollten die Teilung besiegeln, die Albaner lehnten dies ab.

Der serbische Regierungschef Vojislav KoĆĄtunica betonte, dass Serbien nie auf den Kosovo verzichten werde; in einem Interview sagte er:

„Nicht mal wegen eines schnelleren Weges in die EuropĂ€ische Union wĂŒrde Serbien dies tun. Keinem Staat sei der Verzicht auf einen Teil seines Staatsgebietes als Bedingung fĂŒr eine EU-Mitgliedschaft gestellt worden. Dies könne auch mit Serbien nicht der Fall sein.“

Weiters bot er der abtrĂŒnnigen Provinz erneut eine weitgehende Autonomie an. Dies lehnt die albanische Seite ab und forderte die völlige UnabhĂ€ngigkeit.

Der Ahtisaari-Plan

Am 2. Februar 2007 stellte Martti Ahtisaari in PriĆĄtina und Belgrad die VorschlĂ€ge vor.[18] Nach diesen sollte dem Kosovo erlaubt werden, eigene nationale Symbole zu fĂŒhren und auch eigenstĂ€ndiges Mitglied in internationalen Organisationen zu werden. Es sollte sich um eine international ĂŒberwachte UnabhĂ€ngigkeit handeln, wobei der Begriff UnabhĂ€ngigkeit im Vorschlag nicht explizit verwendet wurde. WĂ€hrend es von Seiten der USA und der Mehrheit der EU-LĂ€nder Zustimmung zum Ahtisaari-Plan gab, Ă€ußerten einige Staaten Vorbehalte – darunter Russland, China, Spanien, Griechenland, Italien, die Slowakei, Zypern, RumĂ€nien und Österreich. Im April 2007 Ă€ußerte der US-AußenstaatssekretĂ€r Nicholas Burns im Kongress-Ausschuss fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten, dass die USA in jedem Fall die UnabhĂ€ngigkeit des Kosovos anerkennen werden, auch wenn es nicht zu einer entsprechenden Resolution des UN-Sicherheitsrates kommen sollte.[19]

WĂ€hrend von Seiten der Regierung des Kosovos Zustimmung zum Plan gab, gab es sowohl von serbischer als auch von kosovo-albanischer Seite Proteste mit jeweils entgegengesetzter Zielrichtung. So demonstrierten am 9. Februar Serben, die gegen wie auch immer geartete UnabhĂ€ngigkeit des Kosovos waren, in Mitrovica gegen die VorschlĂ€ge von Martti Ahtisaari. Einen Tag spĂ€ter, am 10. Februar, versammelten sich rund 3.000 Albaner in der Hauptstadt zu einer Demonstration, zu der die politische Organisation VetĂ«vendosje! ("Selbstbestimmung!", kurz auch VV) aufgerufen hatte. Diese verlief teilweise gewalttĂ€tig. Die Auseinandersetzungen mit der Polizei forderten zwei tote Demonstranten der VV und ĂŒber 70 Verletzte. Der VetĂ«vendosje-FĂŒhrer Albin Kurti wurde noch wĂ€hrend der Proteste verhaftet. Zwei rumĂ€nische KFOR-Polizisten, die mit Hartgummi-Geschossen auf die Menge geschossen hatten, wurden nicht angeklagt. Als Reaktion auf diese Auseinandersetzungen gab der Innenminister Fatmir Rexhepi am 13. Februar seinen RĂŒcktritt bekannt.

Bei den von den Serben boykottierten Parlamentswahlen vom 17. November 2007 wurde die Demokratische Partei des Kosovos (PDK) des OppositionsfĂŒhreres Hashim Thaçi stĂ€rkste Partei. Eine Woche spĂ€ter begann die letzte Verhandlungsrunde zwischen Serben und Kosovo-Albanern in Baden bei Wien. Diese endete am 28. November 2007 ohne eine Einigung[20], woraufhin PrĂ€sident Sejdiu eine Fortsetzung der Verhandlungen mit Serbien ausschloss und stattdessen eine sehr baldige UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des Kosovos ankĂŒndigte.[21]

Nach der Stichwahl der serbischen PrĂ€sidentschaftswahlen anfangs Februar 2008, bei der der Nationalist Nikolić Amtsinhaber Tadić unterlag, rĂŒckte ein Termin fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des Kosovo immer nĂ€her.

UnabhÀngigkeit

EnthĂŒllung des Denkmals NEWBORN' wĂ€hrend der Feier zur UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung am 17. Februar 2008 in PriĆĄtina
Anerkennung der Republik Kosovo
    erkennen Republik Kosovo an
    erkennen Republik Kosovo nicht an

Am 17. Februar 2008 beschloss das kosovarische Parlament die Ausrufung der Republik Kosovo als unabhĂ€ngigen Staat. Zuvor hatte die EuropĂ€ische Union den Beginn der EULEX-Mission gebilligt, bei der 1800 Polizisten und Juristen die Aufgaben der bisherigen UN-Verwaltung des Kosovo ĂŒbernehmen sollen.[22] Umgehend erklĂ€rte Serbien mit Verweis auf die gĂŒltige Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates, die UnabhĂ€ngigkeit nicht zu akzeptieren. Mit dieser Resolution aus dem Jahr 1999 war die UN-Verwaltung des Gebiets festgelegt, gleichzeitig aber die Zugehörigkeit des Kosovo zur Bundesrepublik Jugoslawien bestĂ€tigt worden. Eine mögliche neue Resolution als Völkerrechtsgrundlage fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit scheiterte bisher an der AnkĂŒndigung eines Vetos durch Russland.

Noch am Tag der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung erkannte Costa Rica als erster Staat die UnabhĂ€ngigkeit an. In den nĂ€chsten Tagen folgten andere Staaten, darunter Albanien, die USA, Großbritannien, Frankreich, die Schweiz und Deutschland.[23] Andere EU-Staaten wie Spanien und RumĂ€nien,aber auch GroßmĂ€chte wie Russland und China haben dagegen erklĂ€rt, die UnabhĂ€ngigkeit Kosovos nicht anerkennen zu wollen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Überlegung, dass die Anerkennung des Kosovo einen PrĂ€zedenzfall fĂŒr weitere Sezessionsbestrebungen darstellen könnte.

Am 28. Juni 2008 wurde durch die am 11. Mai 2008 bei den Kommunalwahlen Serbiens gewĂ€hlten politischen Vertreter der im Kosovo ansĂ€ssigen serbischen StaatsbĂŒrger das Parlament der Gemeinschaft der Gemeinden der Autonomen Provinz Kosovo und Metochien gegrĂŒndet.

Am 8. Oktober 2008 nahm die UN-Vollversammlung den serbischen Antrag an, die RechtmĂ€ĂŸigkeit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des Kosovo durch den Internationalen Gerichtshof (IGH) prĂŒfen zu lassen. Dieser gelangte am 22. Juli 2010 in einem rechtlich nicht bindenden Gutachten zum Schluss, die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung verstoße nicht gegen das Völkerrecht, jedoch distanzierte sich dieser gleichzeitig ĂŒber die RechtmĂ€ĂŸigkeit der UnabhĂ€ngigkeit zu urteilen.[24][25]

Einzelnachweise

  1. ↑ Malcolm, Noel (1998). Kosovo. A Short History. Introduction xlix.
  2. ↑ a b c Oliver Jens Schmitt: Kosovo. Kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft. Böhlau UTB, Wien 2008, S. 146/147.
  3. ↑ Noel Malcolm: Kosovo. A Short History. 1998, S. 356.
  4. ↑ Björn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss - Befreiung oder UnterdrĂŒckung? Eine komparative Untersuchung ĂŒber die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915-1918 und 1941-1944, MĂŒnster 2004 (= Studien zur Geschichte, Kultur und Gesellschaft SĂŒdosteuropas 3), S. 153 ff.
  5. ↑ a b Malcolm, Noel (1998). Kosovo. A Short History. S. 327–8.
  6. ↑ http://www.bits.de/public/articles/osteuropa9-05.htm
  7. ↑ [1]
  8. ↑ Malcolm, Noel (1998). Kosovo. A Short History. Preface xxxi
  9. ↑ Abuses against Serbs and Roma in Kosovo In: Human Rights Watch Report, August 1999
  10. ↑ Ehemaliger Serben-PrĂ€sident in Den Haag freigesprochen Focus Online, 26. Februar 2009
  11. ↑ Kosovo trial clears Serbia leader, BBC News, 27. Februar 2009
  12. ↑ Bericht ĂŒber Antisemitismus in Albanien und Kosovo
  13. ↑ The Role of the Media in the March 2004 Events in Kosovo – Bericht des OSZE-Beauftragten fĂŒr Medienfreiheit
  14. ↑ http://www.unhcr.ch/laenderinformationen/einzelansicht/browse/3/article/8/unhcr-position-zur-schutzbeduerftigkeit-von-personen-aus-dem-kosovo-im-lichte-der-juengsten-ethnisch.html?fsize=3
  15. ↑ http://www.hrw.org/en/news/2006/05/29/kosovo-das-strafrechtssystem-l-sst-die-opfer-im-stich
  16. ↑ http://www.bpb.de/popup/popup_druckversion.html?guid=FP4DAK
  17. ↑ Anton Bebler, "The Western Balkans and the International Community"
  18. ↑ Arthisaari-VorschlĂ€ge zum zukĂŒnftigen Status des Kosovos (englisch)
  19. ↑ USA werden UnabhĂ€ngigkeit des Kosovos anerkennen auf www.tirol.com vom 18. April 2007
  20. ↑ Kurier: Kein Kompromiss bei Kosovo-Konferenz vom 28. November 2007
  21. ↑ Der Tagesspiegel: Kosovo-Verhandlungen gescheitert vom 28. November 2007
  22. ↑ Die Welt: EU-Polizisten schĂŒtzen serbische Minderheit vom 16. Februar 2008.
  23. ↑ USA erkennen Kosovo an - Meiste EU-Staaten vor Zustimmung, Reuters Deutschland, 18. Februar 2008
  24. ↑ UnabhĂ€ngigkeit des Kosovo ist rechtens, SĂŒddeutsche Zeitung vom 22. Juli 2010.
  25. ↑ Gutachten des Internationalen Gerichtshofs

Literatur

  • Bernhard Chiari, Agilolf Keßelring (Hrsg.), Wegweiser zur Geschichte Kosovo, 3. durchgesehene und erweiterte Auflage, Ferdinand Schöningh, Paderborn u.a. 2008, PDF-Download 9 MB [2]
  • Wolfgang Petritsch, Robert Pichler, Karl Kaser: Kosovo/Kosova. Mythen, Daten, Fakten. Klagenfurt/Celovec 1999, ISBN 3-85129-304-5 (mit Darstellung der Verhandlungen in Rambouillet)
  • Jens Reuter/Konrad Clewing (Hrsg.): Der Kosovo Konflikt – Ursachen, Verlauf, Perspektiven. Bayerische Landeszentrale fĂŒr politische Bildungsarbeit. Klagenfurt 2000, ISBN 3-85129-329-0
  • Jens Reuter: Die Albaner in Jugoslawien. Oldenbourg, MĂŒnchen 1982. ISBN 3-486-51281-1
  • Noel Malcolm: Kosovo. A short History. London 1998 ISBN 0-333-66612-7
  • Tim Judah: Kosovo. War and Revenge. New Heaven/London 2000 ISBN 0-300-08313-0
  • Miranda Vickers: Between Serb and Albanian. A History of Kosovo. London 1998 ISBN 1-85065-278-3
  • John Julius Norwich: Byzanz. Band 1 bis 3 BechtermĂŒnz-Verlag 2000. ISBN 3-8289-0374-6
  • Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0
  • Bartl, Peter: Albanien. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Regensburg 1995 ISBN 3-7917-1451-1
  • Hösch, Edgar: Geschichte der BalkanlĂ€nder. Von der FrĂŒhzeit bis zur Gegenwart. (4. erw. Aufl. MĂŒnchen 2002) ISBN 3-406-49019-0
  • StadtmĂŒller, Georg: Forschungen zur albanischen FrĂŒhgeschichte. (= Albanische Forschungen.2) Wiesbaden 1966 (2. Aufl.)
  • Michael Weithmann (Hrsg.): Der ruhelose Balkan. MĂŒnchen 1993, 2. Aufl. 1994 ISBN 3-423-04612-0
  • Tucović, Dimitrij: Srbija i Arbanija. Jedan prilog kritiće zavojevacke politike srpske burzoazije. Beograd 1914. (dt.: Serbien und Albanien. Ein kritischer Beitrag zur UnterdrĂŒckungspolitik der serbischen Bourgeoisie. Wien 1999 ISBN 3-901831-11-8). Eine etwas holprige Übersetzung im Netz findet man hier.
  • Gjon Bisaku, ShtjefĂ«n Kurti u. Luigj Gashi: La Situation de la minoritĂ© albanaise en Yougoslavie. (Albanisches Memorandum an den Völkerbund, Genf 1930) engl. Übersetzung, Webarchiv.
  • Dusan T. Batakovic: The Kosovo Chronicles. Plato, Belgrad 1992. ISBN 86-447-0006-5
  • Alex N. Dragnich, Slavko Todorovich: The Saga of Kosovo. Columbia University Press, New York 1984. ISBN 0-88033-062-7
  • Howard Clark: Civil Resistance in Kosovo Pluto Press 2000 ISBN 0-7453-1569-0 Publikation des Albert-Einstein-Instituts ĂŒber den zivilen Widerstand im Kosovo in den 90er Jahren, soll auch auf Deutsch erhĂ€ltlich sein
  • Rafael Biermann: Lehrjahre im Kosovo. Das Scheitern der internationalen PrĂ€vention vor Kriegsausbruch. (Mit ausfĂŒhrlicher Darstellung der Konfliktgeschichte). Paderborn 2006. ISBN 3-506-71356-6
  • Helmut Kramer, Vedran DĆŸihić: Die Kosovo-Bilanz. Scheitert die internationale Staatengemeinschaft?. LIT, Wien 2006 (2. aktualisierte Auflage). ISBN 3-8258-8646-8
  • Oliver Jens Schmitt: Kosovo. Kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft. Böhlau-Verlag (UTB). Wien-Köln-Weimar 2008. ISBN 978-3-205-77836-3 (struktur- und sozialgeschichtlich orientierte Darstellung der Region vom frĂŒheren Mittelalter bis zur UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung)

Weblinks


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