Geschichte des Waldes in Mitteleuropa

Die Geschichte des Waldes in Mitteleuropa ist in neuerer Zeit durch eine Jahrtausende währende Nutzung des Waldes durch den Menschen gekennzeichnet. Zu unterscheiden ist zwischen einer botanischen Naturgeschichte des Waldes in vor- und zum Teil frühhistorischer Zeit – was vor allem in das Gebiet der Naturgeschichte und der Paläontologie fällt – und der spätestens mit dem Neolithikum einsetzenden Periode der sesshaften Besiedelung Mitteleuropas – und damit der Nutzung des Waldes durch den Menschen, womit sich die Geschichtswissenschaften, die Kulturwissenschaften und auch die Ökologie beschäftigen. Der Begriff Mitteleuropa ist allgemeingeographisch-ökologisch zu sehen, und beschreibt in etwa den Bereich zwischen Nordsee, Alpen, Ostsee und Schwarzem Meer.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Der Mensch hatte und hat tief greifende Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Bäume und den Waldbestand. Historisch betrachtet haben die Wälder weltweit, insbesondere aber im dichtbesiedelten Mitteleuropa, einen starken Wandel bezüglich ihrer Nutzung und Ausprägung erlebt.

Bedingt durch feudale Strukturen waren die Macht und Besitzverhältnisse auch auf die Wälder bezogen über viele Jahrhunderte völlig unklar, was in einem gewaltigen Raubbau ausartete. Deswegen befand sich der Wald im Zeitraum zwischen 1750 und 1850 im schlechtesten Zustand, was zu einem schweren Holzmangel führte. Zeitgenössische Darstellungen sprachen teilweise von wüstenähnlichen Landschaften zur damaligen Zeit.

Im Laufe des späten 19. und 20. Jahrhunderts waren daher gewaltige Aufforstungen durch Menschenhand notwendig.

Was heute an „Wald“ als Landschaftselement in Mitteleuropa vorhanden ist, ist kein Urwald, sondern eine in Jahrtausenden geschaffene Kulturlandschaft, die fast ausschließlich auf Ersatzgesellschaften beruht. Der Grad der Hemerobie (Beeinflussung durch den Menschen) und der ursprünglich natürliche Zustand sind schwer abzuschätzen: In der „natürlichen“ Anpassung des Waldes seit der letzten Eiszeit (grob etwa 10–15000 Jahre) nimmt die Menschheitsgeschichte schon einen bedeutenden Teil ein. Die Eiszeiten hatten Mitteleuropa weitgehend entwaldet. Mit der Rückwanderung der Bäume nach dem Ende der Eiszeiten setzte auch die intensive Besiedelung der Region durch den Menschen ein.

Die Konstellationen der heutigen Waldgesellschaften Mitteleuropas sind tief geprägt vom Nutzwert der einzelnen Baumarten. Abgesehen von einigen wenigen Resten naturnahen Walds ist der überwiegende Teil der heutigen mitteleuropäischen Wälder entweder durch künstlich angelegte Forste oder durch mehr oder minder starke menschliche Eingriffe in seiner jetzigen Zusammensetzung entstanden. Weitaus dominierend sind die Wirtschaftsbäume Buche und Eiche, Fichte und Kiefer. Einen mitteleuropäischen Urwald im eigentlichen Sinne, einen Zustand, bevor dieser jeglicher menschlicher Aktivität ausgesetzt war, gibt es heute nicht mehr. „Neo-Urwald“, forstwirtschaftlich oder touristisch nicht (mehr) genutzter, sich selbst überlassener Wald ist natürlich kein Urwald im Ökologischen Sinne, auch wenn er einen noch so naturnahen Eindruck vermittelt; es bleibt sogar fraglich, ob die Rückverwilderung eines Waldökosystems sich noch jemals in dieselbe Richtung entwickeln kann wie eine theoretische ahemerobe Pflanzen- (und Tier-)gesellschaft am Standort Mitteleuropa.

Über die Dichte von Megaherbivoren in prähistorischen Zeiten gibt es fast keine Daten, lediglich Vermutungen. Nach Meinung vieler Forstwissenschaftler und einiger Jäger sind forstwirtschaftlich wie ökologisch vorteilhafte, dauerwaldartige Strukturen ohne scharfe Bejagung der heutigen Pflanzenfresser Rot- und Rehwild und eine entsprechend geringe Wilddichte nicht zu etablieren. Zu hohe Wildbestände würde dem Wald nicht nur als Wirtschaftsgut schaden, sondern auch die natürliche Verjüngung des Waldes durch den selektiven Verbiss des Wildes, und damit eine naturnahe Entwicklung, behindern. Die Megaherbivorentheorie argumentiert, größere Wilddichten sollten deshalb zugelassen werden, weil sie eine halboffene und artenreiche Landschaft schaffen würden. Außer Reh- und Rotwild gibt es aber heute keine großen Pflanzenfresserherden und auch deren Raubtiere fehlen. In der heutigen Kulturlandschaft wird der Dauerwald als wirtschaftliches und ökologisches Ziel definiert, so dass großräumig umherstreifende Pflanzenfresser wirtschaftlichen Schaden anrichten und daher bejagt werden. Die Beweidung mit freilebenden Megaherbivoren ist daher als Landschaftspflegemaßnahme auf Großschutzgebiete begrenzt, in denen eine artenreiche und halboffene Landschaft erhalten bleiben soll und wirtschaftliche Ziele geringer bewertet werden.

Waldnutzungsformen

  • Heute überwiegt bei weitem die forstwirtschaftliche Bewirtschaftung.
  • Jagd ist wohl die ursprünglichste Form der Waldnutzung. Zu den wichtigsten jagdbaren Tierarten gehören Reh, verschiedene Hirscharten, das Wildschwein, der Rotfuchs und einige kleinere Säuger. Es zählen auch die großen Beutegreifer Luchs, Braunbär, und Wolf zu dieser Gruppe; aufgrund der sehr kleinen Populationen im deutschsprachigen Raum, die sich zudem auf einen sehr geringen Teil des Gebiets beschränken, sind diese Tiere derzeit geschützt. Wälder blieben teils als Wildgehege als Wildbannforst nur den herrschaftlichen Jagden vorbehalten, und haben sich dort wohl mehr in einem relativ urtümlichen Zustand erhalten.
  • Waldweide ist eine frühe historische landwirtschaftliche Form der Waldnutzung, bei der das Vieh zur Weide in den Wald getrieben wurde. Je nach Nutzungsintensität lichtet sich der Wald auf oder stirbt. Gehölze, die nicht gerne gefressen werden, wie Wacholder, breiten sich aus. So konnten an vielen Stellen aufgelichtete, parkartige Landschaften und Wacholderheiden im Mittelalter und in der Neuzeit entstehen. Diese Wuchsgemeinschaften gingen durch Wiederaufforstung oder Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung im Bestand zurück.
  • Daneben gewinnt seit dem 20. Jahrhundert zunehmend der Wald als Erholungsraum einer Freizeitgesellschaft Bedeutung. Die soziale Funktion der europäischen Wälder wird zunehmend als bedeutsam erachtet, und tritt in Konkurrenz mit den klassischen Nutzformen.

Schutzwald sind Wälder, in denen die wirtschaftliche Nutzung in den Hintergrund tritt. Der Schutz bezieht sich auf den Standort (etwa instabile Böden), auf Objekte (Lawinenschutz von Siedlungen), auf Biotopschutz und andere ökologische Bedeutung, oder den Wald als sozialen Raum. Nutzung des Waldes in seiner Schutzfunktion wird heute als dritte große Komponente neben Forst- und Jagdnutzung und deren Schutz.

Geschichtliche Übersicht

  • Auswirkung der Eiszeiten
  • Auswirkungen der Neolithisierung
  • Römisch-Germanische Siedlungsperiode
    • Wald im freien Germanien
    • Wald im römisch besetzten Germanien
    • Wald während der Phase der Völkerwanderung
  • Waldentwicklung im Mittelalter – Vorindustrielle Nutzungen, Waldzerstörung, erste geregelte Nutzungen
    • königliche Sonderrechte der Waldnutzung durch Wildbanne
    • gemeinsame Nutzung der Wälder durch umliegende Orte als Markwald
    • Nürnberger Reichswald (gerade noch Mittelalter, Ende des 15. Jahrhunderts geregelte Kiefernwirtschaft?), schon früher geregelte Plenternutzung in Südwestdeutschland und vor allem der Schweiz?
    • Wirkungen vorindustrieller Waldnutzungen (Salinen, Köhlerei, Flottenbau, …)
    • Historische landwirtschaftliche Nutzungsformen (Streunutzung, Waldweide – lange über das Mittelalter hinausgehend, wenn auch flächenmäßig nicht mehr relevant bis in das 20. Jahrhundert)
  • Waldentwicklung nach dem 30-jährigen Krieg bis heute

Auswirkungen der Eiszeiten

Im Pliozän begannen vor vier Millionen Jahren extreme Klimaschwankungen. Im Pleistozän fanden diese Schwankungen ihren Höhepunkt in mehreren ausgedehnten Eiszeiten, die vor ca. 12.000 Jahren in Mitteleuropa endeten. (Für Details siehe auch unter Klimageschichte)

Im Verlauf der Kaltzeiten sank die Durchschnittstemperatur in Mitteleuropa um bis zu 12 °C. Die Schneegrenze sank in den Alpen um 1200 bis 1400 m. Zwischen den Alpengletschern und dem Inlandeis aus Skandinavien mit einer Mächtigkeit von bis zu 3000 m verblieb ein nur relativ schmaler, eisfreier Gürtel.

Mitteleuropa war zu dieser Zeit waldfrei, bis auf lokale Waldsteppen und -tundren aus frostharten Birken und Kiefern. Nach ihrer Leitart, der Silberwurz (Dryas octopetala), wird von sogenannten Dryas-Floren gesprochen.

Aussterbewellen

Im Gegensatz zum nordamerikanischen Kontinent mit Gebirgszügen in Nord-Süd-Richtung versperrten in Europa die in Ost-West-Richtung verlaufenden Gebirgszüge die Rückzugsbewegung der vor den Eismassen weichenden Waldgesellschaften. Diese Barriere führte in Europa zum Aussterben etlicher Arten. In den frühen Eiszeiten verschwanden Rosskastanie (Aesculum hippocastanum) und Amberbaum (Liquidambar). Die nächsten Eiszeiten führten zum Erlöschen von Mammutbaum (Sequoia), Schirmtanne (Cryptomeria), Lebensbaum (Thuja), Tulpenbaum (Liriodendron) und Douglasien (Pseudotsuga). Hemlock (Tsuga) und Hickory (Carya), starben während der letzten Eiszeiten in Mitteleuropa aus.

Auch von den zahlreichen Eichenarten konnten in Deutschland und Mitteleuropa nur drei wieder aus den Refugienräumen zurückkehren, nämlich Stiel- (Quercus robur), Trauben- (Q. petraea) und Flaumeiche (Q. pubescens). Zum Vergleich: in Nordamerika existieren über 80 Eichenarten. Andere Arten büßten während ihrer Rückwanderung erheblich in ihrer innerartlichen genetischen Diversität ein wie z. B. die Weißtanne (Abies alba).

Refugien

Die Waldflora wurde durch den klimatischen Wechsel langsam zurückgedrängt. Die Refugien der letzten Eiszeit lagen aber vermutlich nicht ausschließlich nur im Süden Europas. Auch an der heutigen Atlantikküste zwischen England und Frankreich könnten einige wenige Baumarten in Waldsteppen die Kälteperiode überdauert haben. Eine weitere Rückzugsmöglichkeit ergab sich in den Osten und Südosten Europas. Im Gegensatz zu Skandinavien blieben weite Teile Russlands und der Karpaten eisfrei. So konnten auch hier einige Arten überdauern. Klassisches Rückzugsgebiet blieb jedoch der Mittelmeerraum, wo das Mittelmeer für ein ausgeglicheneres Klima sorgte und die stark zerklüfteten Bergzüge verschiedene Restpopulationen abschotteten.

Rückwanderung

In den Interglazialen erfolgte eine Wiederbesiedlung durch die jeweils nicht ausgestorbenen Baumarten. Diese Rückwanderungen vollzogen sich baumartenindividuell. Bestimmend für die Geschwindigkeit, mit der die Baumarten das freigewordene Areal erschlossen, waren z. B. Samenverbreitungsart, Blühalter, Frosthärte und Fähigkeit zur Nährstoffaufnahme. Das Bild dieser Wanderbewegungen lässt sich mit Hilfe der Pollenanalyse rekonstruieren. Zunächst breiteten sich dabei immer schnell wandernde Pioniergehölzarten wie z. B. Birke und Kiefer aus. Ihnen folgten dann die wärmeliebenden Arten wie z. B. Eiche und Ulmen. Dann folgten die langsamer wandernden Gehölzarten, die sich bis zu einer Klimaxgesellschaft entwickeln können (siehe Mosaik-Zyklus-Konzept). Mit dem Ende der Warmzeit und der erneuten Abkühlung zogen sich die Arten dann wieder in ihre Refugialgebiete zurück oder starben aus.

Die jüngste Nacheiszeit – Rückwanderung der Baumarten

Im jüngsten Abschnitt des Quartärs, dem Holozän oder auch Postglazial, begann vor ca. 12.000 Jahren die Rückwanderung der Wälder in die baumlosen, postglazialen Steppen. Wie diese Rückwanderung ablief, wurde mittels der Pollenanalyse weitgehend geklärt. Für Mitteleuropa werden dabei in der Regel 10 Phasen ausgewiesen (nach Firbas), die als Pollenzonen bezeichnet werden und in der Blytt-Sernander-Sequenz römisch durchnummeriert werden. In neueren Arbeiten werden zunehmend häufiger eigene Pollenzonen angegeben, um besser auf lokale Gegebenheiten eingehen zu können. Der Ablauf der Wiederbewaldung ist im Großen und Ganzen recht einheitlich, es gibt aber natürlich aufgrund lokaler Gegebenheiten doch einige regionale Unterschiede, auf die hier im Einzelnen nicht eingegangen wird. Aufgrund der Wanderungsgeschwindigkeit (bei der Buche ca. 260 Meter/Jahr) kommt es von Süd nach Nord zu einer zeitlichen Verschiebung der Phasen.

Späte arktische Periode, Alleröd und Jüngeres Dryas

Diese umfasst die Pollenzonen I bis III (ca. 12.400 bis 9.500 v. Chr.) und entspricht in etwa dem Zeitraum der Altsteinzeit. Pionierart der frühen Nacheiszeit sind verschiedene Weidenarten (Salix), aber auch Birken- (Betula) und Kiefernarten (Pinus) fassen wieder in Mitteleuropa Fuß. Kurzfristige Temperaturschwankungen am Ende dieser Phase stoppen ein weiteres Vordringen des Waldes.

Vorwärmezeit (Präboreal) und Frühe Wärmezeit (Boreal)

In der Vorwärmezeit, entsprechend dem Beginn der Mittelsteinzeit sind Birken und Kiefern dominierende Arten. Ab dieser Zeit treten keine Kälterückschläge mehr auf. Die Hasel (Corylus) verbreitet sich rasant und findet unter den lichten Kiefernbeständen günstige Wuchsbedingungen.

Mittlere Wärmezeit (Atlantikum)

Zum Ende der Mittleren Steinzeit steigen die Durchschnittstemperaturen merklich an. Vegetationskundlich beginnt das Atlantikum. Vor allem Eichen (Quercus) und Ulmen (Ulmus) verdrängen die bisherigen Baumarten. Diese sind meist anspruchsvoller betreffend der Nährstoffversorgung und wärmeliebend. Insbesondere die wenig schattenresistente Kiefer wird auf ärmere Sandstandorte und Moore abgedrängt. Die Eiche bildet nun mit Ulme und Linde die vorherrschenden Bestände in Mitteleuropa, den Eichenmischwald.

In diese Zeit fällt der Übergang des Menschen zur sesshaften Lebensweise des Neolithikums. Bereits die großen Häuser der Bandkeramik zeigen einen hohen Holzbedarf der noch kleinen und wenigen lokalen Gesellschaften. Spätestens im Jungneolithikum wurde im Voralpenland der Wald zielgerichtet auf die Produktion von Stangenholz ausgerichtet[1].

Während der Jungsteinzeit wandern weitere wärmeliebende Laubgehölze aus ihren Refugien in Südeuropa zurück nach Mitteleuropa. Ahorne (Acer) und Eschen (Fraxinus) bereichern die vorhandenen Bestände. Die Durchschnittstemperaturen liegen nun 2–3 °C höher als heute. Die Flaumeiche (Quercus pubescens) erreicht wieder Deutschland. Erlenbrüche (Alnus glutinosa) entstehen in den sumpfigen Niederungen und Fichten (Picea abies) erreichen den Harz.

Späte Wärmezeit (Subboreal)

In der späten Wärmezeit kommt es zu einer Abkühlung und das Klima wird humider. Zum ersten Mal seit der letzten Eiszeit sind nun Rotbuche (Fagus sylvatica), Hainbuche (Carpinus betulus) und Weißtanne (Abies alba) wieder nachweisbar.

Während der Bronzezeit sinkt die Durchschnittstemperatur weiter. Buchen dringen in die bisher eichendominierten Bestände ein. In der Eisenzeit ab 1000 v. Chr. verdrängt die Buche die Eiche auf fast allen Standorten. Begünstigt durch das humide, ozeanische Klima in Mitteleuropa und der Fähigkeit auch noch im hohen Alter entsprechende Lebensraum einzunehmen wird die Buche (hohe Plastizität der Krone) zur dominierenden Baumart. Auf den trockeneren Standorten (Niederschlag < 500 mm/a) im Osten übernimmt die Hainbuche diese Rolle.

In den Mittelgebirgen entwickelt sich der Bergmischwald durch das Eindringen der Buche. Der äußerst schattentoleranten Tanne gelingt es ebenfalls in diesen Wäldern Fuß zu fassen und sich auf einigen Standorten gegenüber Fichten und Buchen durchzusetzen. Möglicherweise stellt sich zu diesem Zeitpunkt eine potentiell natürliche Vegetation ein, jedoch war der Mensch zu dieser Zeit schon in Mitteleuropa ausgebreitet und Großherbivorenherden streiften umher.

Nachwärmezeit (Subatlantikum)

Durch die abnehmende Durchschnittstemperatur kommt es zur Disjunktion einiger Verbreitungsareale, z. B. der Flaumeiche. Nun macht sich zunehmend der Einfluss sesshafter menschlicher Besiedlungsformen bemerkbar.

Die Wälder in historischer Zeit von Beginn der Eisenzeit bis römisch-germanische Zeit

Erste intensivere Waldnutzung ist in keltischer Zeit mit der Ausbreitung der Landwirtschaft und der Metallverhüttung zu verzeichnen. Dies nahm in der römisch-germanischen Periode vor allem in den dichter besiedelten südwestlichen Teilen weiter zu.

Wald im freien Germanien

Publius Cornelius Tacitus beschrieb das freie Germanien (Germania magna) im 1. Jahrhundert als „terra aut silvis horrida aut paludibis foeda“ – ein Land, bedeckt von schrecklichen Wäldern oder abscheulichen Sümpfen. Tacitus mediterrane Heimat war zu diesem Zeitpunkt bereits Jahrhunderte Kulturlandschaft, der Wald für Felder, Obstanlagen und Städte gerodet, zu Schweigen vom Holzbedarf für Hausbrand und Flottenbau. Ein Land, dessen Fläche zu vermutlich 70 % mit Wald bedeckt und klimatisch abweisend war, beeindruckte römische Beobachter offensichtlich. In der Namensgebung kommt dies zum Ausdruck. Gebirgszüge wie der Schwarzwald hießen Silva Abnoba, nicht Mons Abnoba. Es kann davon ausgegangen werden, dass in dieser Zeit unwegsame Mittelgebirgszüge von menschlicher Einflussnahme noch weitgehend verschont waren. Aber auch in den Ebenen gab es noch große, zusammenhängende Waldgebiete. Diese fanden sich vor allem zwischen den Siedlungsgebieten der germanischen Stämme und wurden zur gegenseitigen Abgrenzung respektiert. Als Siedlungsräume kamen flussferne Auengebiete und Wälder auf reichen Böden in Frage. Eingriffe fanden zuerst natürlich durch den direkten Siedlungsbau statt; es erfolgte dann die Rodung für Ackerbau und Weideland. Holzentnahme für Feuerung führten infolge um die Siedlungsbereiche zu weiterer Ausdünnung der natürlichen Bestände. Verschiedene Nutzungsformen wie Waldweide begünstigten masttragende Baumarten wie Eiche (Quercus) und Buche (Fagus). In der Nähe von Erzabbaugebieten wurden vermutlich im großen Umfang Buchenbestände gefällt, da Feuer aus Buchenholzkohle zur Bearbeitung des Metalls notwendig war.

Feste Städte und Dörfer waren im freien Germanien jedoch eher eine Seltenheit. Siedlungen wurden nach einiger Zeit durchaus aufgegeben und fielen der Sukzession anheim. Hier konnte sich eine naturähnliche, nicht natürliche, Vegetation wieder entwickeln.

Wald im römisch besetzten Germanien

Der Wald im römisch besetzten Germanien (Provinzen Germania Superior und Inferior) wurde weit intensiver genutzt als im unbesetzten Teil. Schon für den Städtebau (z. B. Mainz, Trier, Köln, Xanten) wurden entsprechende Holzmengen benötigt. Für den Hausbrand und den Betrieb der Bäder mit ihren aufwendigen Bodenheizungen und Warmwasserbecken mussten stetig große Holzmengen bereitgestellt werden. Nachdem die Eroberung Germaniens fehlgeschlagen war (Niederlage des Varus) verlegten sich die Römer auf eine Defensivstrategie. Wieder wurden große Mengen Holz benötigt. Mit dem Bau des über 500 km langen Limes, der überwiegend ein Holz- denn ein Steinwall war, wurde eine breite Schneise in die Wälder geschlagen, Holz für Palisaden- und Turmbau benötigt. Die römischen Konstrukteure achteten darauf, so gut wie möglich der Geländeform zu folgen und mit dem Limes fruchtbare Böden einzuschließen. So lag die Mainz gegenüberliegende, fruchtbare Wetterau innerhalb des Limes, die armen mit Kiefern bestockten Keuperböden südlich des Odenwaldes jedoch außerhalb. Die auf den nährstoffreichen Böden stockenden Buchen- und Eichengesellschaften mussten meist dem Feldbau und der Weidewirtschaft weichen. Auf einigen Standorten entstanden Gras- und Zwergstrauchheiden, die sich bis in unsere Zeit erhalten haben. Von den Ebenen mit ihren unberechenbaren Flüssen hielten sie sich ebenfalls fern. Die flussfernen Erlenbrücher (Alnus glutinosa) wurden jedoch oft in Weideland umgewandelt.

Die Römer mieden auch geschlossene Nadelwälder für ihre Siedlungen, allenfalls Mischwaldgebiete waren für sie noch attraktiv. Sie schätzten jedoch Nadelholz, besonders das der Weißtanne (Abies alba), für Konstruktion und Schiffbau. Tannenholz wurde in allen erreichbaren Lagen geschlagen und auch weite Wege transportiert (Trift). Dadurch wurde der natürliche Bergwald in Teilen der Alpen, des Schwarzwaldes und der Vogesen entmischt.

Die Römer brachten aber auch aus dem Mittelmeerraum vertraute Baumarten mit nach Germanien, so Esskastanie (Castanea sativa), Rosskastanie (Aesculum hippocastanum) und Nuss (Juglans regia). Diese Arten waren während der Eiszeit in Nordeuropa ausgestorben. Die Bäume wurden wegen ihrer Früchte geschätzt. Daneben nutzte man das robuste Holz der Esskastanie im Rebbau.

Phase der Völkerwanderung

Dem ständig wachsenden Druck der germanischen Stämme gaben die Römer schrittweise nach. Zuerst wurden die rechtsrheinischen Siedlungen nach der Niederlage des Varus aufgegeben. Seit dem 2. Jahrhundert durchstießen einige Völker bereits die Grenze (Markomannen, Langobarden). Im 4. und 5. Jahrhundert überwanden die germanischen Völker auch die letzten Reste des Limes. Pollenanalysen aus dieser Zeit belegen, dass der Ackerbau in weiten Teilen zum Erliegen kam. Aufgegebene römische Kastelle und Gutshöfe wurden wieder Waldland. Die Siedlungsweise im ehemals besetzten Teil veränderte sich. Dauerhafte Siedlungen wurden zugunsten der halbsesshaften Besiedlungsform aufgegeben. War der Wald und Boden um eine Siedlung erschöpft, zogen die Bewohner weiter. Mit der abnehmenden Siedlungsdichte begann auf vielen Flächen wieder eine Sukzession von Waldgesellschaften, die durch das Wirtschaften der römischen Siedler stark beeinflusst worden ist. Die Pollenanalysen aus dieser Zeit zeigen auch, dass die Buche (Fagus sylvatica) sich wieder stark ausbreitete. Zum einen in den von Römern verlassenen Gebieten zum anderen entlang der pommerschen Ostseeküste und nach Südschweden.

Die römische Kolonisierung war ein erster, sehr einschneidender Eingriff in die Waldgesellschaften Mitteleuropas. Es blieben waldfreie Zonen, die sich von der Beweidung nicht mehr erholten, das Artengefüge in vielen Waldgesellschaften war durch die selektive Nutzung gestört und eingeführte Arten wurden Bestandteil der Vegetation.

Völkerwanderung und Mittelalter

Wacholder in der Lüneburger Heide

Der Ausbreitung des Waldes durch die Wüstungen der Völkerwanderungen folgt eine Rodungsperiode im frühen und hohen Mittelalter, einhergehend mit einer größtenteils unkontrollierten Holznutzung durch Rodungen im Rahmen der Landnahme sowie der Nutzung des Waldes als Reservoir für Bau- und Brennholz. Diese Periode hat die Landschaften großer Teile Mitteleuropas bis auf den heutigen Tag geprägt und die uns vertrauten Kulturlandschaften geschaffen.

Die Kälteperiode, die so genannte Kleine Eiszeit im Spätmittelalter, die mit katastrophalen Ernteausfällen und Seuchen einher ging, führte zur Entsiedlung großer Landstriche in denen sich in der Folge Sekundärwälder ausbreiteten. Die Zerstörungen während und nach dem 30-jährigen Krieg – in weiten Teilen Deutschlands wurden die Bevölkerungszahlen von 1600 erst gegen oder nach 1800 wieder erreicht – führten ebenfalls zu einer starken Verwaldung vormals landwirtschaftlich genutzter Landstriche.

Waldentwicklung im Mittelalter

Waldflächenanteil

Mit den Wirrnissen der Völkerwanderungszeit breitete sich der Wald in Mitteleuropa wieder aus. Auf den Kulturflächen der römischen Kolonisation konnte der Wald oft wieder Fuß fassen. Erst am Ende der Völkerwanderungszeit nahm die Besiedlungsfläche wieder zu, vor allem auf ackerbaulich geeigneten Böden entstanden bald gefestigte Strukturen. Zwei intensive Rodungsperioden lassen sich unterscheiden. Die erste dauerte von etwa 500 bis etwa 800 und die zweite von etwa 1100 bis etwa 1300, dem Beginn der Krise des 14. Jahrhunderts. Vor allem in der ersten Rodungsperiode zur Zeit der Karolinger wurden die bereits von den Römern erschlossenen Gebiete wieder besiedelt. Danach wurden vor allem gut erreichbare und nährstoffreichere Böden besiedelt. Die hohen Mittelgebirgszüge blieben in dieser frühen Phase menschenleer. Erste dauerhafte Siedlungen lassen sich im Schwarzwald z. B. erst ab etwa 1000 nachweisen, auch der Harz war zu dieser Zeit nur von schwer begehbaren Pfaden durchzogen. Aber auch stromnahe Auwälder (z. B. am Rhein) blieben aufgrund der Unberechenbarkeit der Flüsse noch erhalten. Die flussfernen Teile der Aue wurden hingegen genutzt. Nach dem Jahr 800 stockte die Besiedlung und Rodung der Wälder in Mitteleuropa. Bedingt durch Seuchenzüge und dem Einfall fremder Völker (im Norden Normannen, im Süden Magyaren) stieg die Bevölkerungszahl nicht wesentlich an.

Ab 1100 setzte die letzte große Rodungsperiode ein. Menschliche Besiedlungen drangen nun auch in entlegenere Täler der Mittelgebirge vor. Waldflächen wurden bis 1300 gerodet bzw. landwirtschaftlich so intensiv genutzt, dass sie ihren Waldcharakter verloren. Mit Ende des 14. Jahrhunderts hatte sich ein Verhältnis zwischen Kultur- und Waldfläche gebildet wie es ungefähr auch dem heutigen entspricht.

Waldnutzung im Mittelalter

Großviehweide

Neben Schweinen wurde auch regelmäßig Großvieh (Rind, Pferd) in den (Hute-)Wald eingetrieben, mit deutlich negativen Folgen für die Waldgesellschaften. Anders als bei der Schweinemast, bei der der Waldcharakter erhalten blieb, wurde Wald durch den Verbiss und Tritt der großen Haustierarten zerstört. „Überweidete“ Wälder verwandelten sich schnell in Gestrüpp.

Waldweide

Besonders verhängnisvoll wirkte sich der Eintrieb von Schafen und Ziegen aus. Vor allem letztere können durch ihre Kletterfähigkeiten auch ältere Bäume zerstören. Ihr Eintrieb war deshalb auch schon in frühen Forstordnungen verboten. Über das Verbot setzte man sich oft hinweg, da Ziegen und Schafe als Haustiere der ärmeren Bevölkerungsschichten einen nicht unerheblichen Anteil zu deren Lebenssicherung beitrugen.

Zeidelweide

Die Bienenzucht stellte im Mittelalter eine herausragende Waldnutzung dar, war Honig bis ins 19. Jahrhundert doch der einzige Süßstoff für Speisen. Dementsprechend hoch wurden die Rechte zur Bienenzucht gehandelt. Erwähnt wird diese Nutzung z. B. im Nürnberger Reichswald. Die Existenz von Zeidlerbetrieben stellte den Schutz des Waldes sicher. Insbesondere Baumarten wie Linde, Salweide, Tanne, aber auch Kiefer wurden durch diese Wirtschaftsform begünstigt.

Waldfeldbau

Regional verschieden ist der Waldfeldbau ab dem 11. Jahrhundert entstanden. Diese Wirtschaftsform wurde etabliert, nachdem die besseren Böden für die Landwirtschaft bereits erschlossen waren. Für diese Art der landwirtschaftlichen Zwischennutzung prägten sich eine Vielzahl Varianten aus, die sich auch in der Namensgebung niederschlägt. Hackwald, Hauberge, Reutberge, Birkenberge und Schiffelland sind die geläufigsten Bezeichnungen. Die Bedeutung dieser Wirtschaftsform nahm in der vorindustriellen Zeit noch zu. Sie wurde stetig verfeinert und bildete ein ausgeklügeltetes System aus forstlichen Nebennutzungen (Lohrinde), Brennholz und Ackerbau. Dabei wurde der Bestand zuerst durch Brandrodung oder Schlag gelichtet. Nach der Bearbeitung des Bodens mit Hacke oder Pflug folgte ein Einsähen von Roggen, Buchweizen oder Weizen. Meist gaben die Böden schon nach einem Jahr nichts mehr her. Man ging dann zur Weidenutzung über, bis aus Stockausschlägen oder Samen stammende Bäume erneut in die Höhe wuchsen. Diese Wirtschaftsform hatte erhebliche Auswirkungen auf die Baumartenzuammensetzung.

Harznutzung

Diese Nutzungsform ist eines der ältesten Waldgewerbe. Geeignet sind Nadelbäume, wobei Fichte und Kiefer bevorzugt wurden. Auch diese Form der Waldnutzung ging mit erheblichen Zerstörungen einher. Zuwachsverluste und Schwächung der Vitalität ganzer Bestände waren die Folge. Daher war Harzgewinnung schon früh nur in den Beständen erlaubt, die nicht gut schlagbar, also flussfern lagen. Da Harz jedoch ein beliebter Grundstoff war, setzte man sich allerorten über das Verbot hinweg.

Brennholz

Holz ist auch heute noch einer der wichtigsten Energieträger des Menschen. In Mitteleuropa wurde er im Laufe des 19. Jahrhunderts durch Kohle ersetzt. In der mittelalterlichen Brennholznutzung lassen sich zwei Arten unterscheiden – siedlungsnah und siedlungsfern. Siedlungsnah hatte nur eine Nutzung uneingeschränkte Priorität, nämlich Feuerholz für den Hausbrand. Eine Reihe vorindustrieller Produktionen benötigten Holzfeuer als Energiequelle oder Rohstoff, nämlich Köhlerei, Glashütten, Salinen und Bergwerke nebst den angeschlossen Hammerwerken.

Köhlerei

Die Köhlerei wurde in allen Waldungen betrieben, wobei man in siedlungsnäheren Wäldern stärker auf Brandschutz achtete und auch nur minderwertiges Holz verwendete. In siedlungsfernen Wäldern entfielen diese Beschränkungen jedoch. Meist folgte die Köhlerei kleinen Flüssen und Bächen, die zum Transport der Kohle genutzt wurden. Im Mittelalter wurden ausschließlich Erdmeiler zur Produktion verwendet

Glashütten

Glas wurde im Mittelalter sehr geschätzt und war entsprechend wertvoll. An Glashütten waren oft kleine Siedlungen gebunden, in denen die Familien der Glasbläser wohnten. Glashütten zeichneten sich durch einen besonders großen Holzverbrauch aus und werden in zeitgenössischen Berichten oft als „holzfressendes Gewerbe“ bezeichnet. Glashütten folgten Köhlereien und Aschenbrenner, die wichtige Grundstoffe für die Glasherstellung lieferten. Dabei wurden 90 % des verbrauchten Holzes für Pottasche, den wichtigsten Grundstoff der Glasherstellung benötigt, die übrigen 10 % für die eigentliche Glasschmelze.

Salinen

Im späten Mittelalter gingen die meisten Salzvorkommen in den Besitz der Landesfürsten über. Damit begann ein hemmungsloser Abbau dieses wichtigen Wirtschaftsgutes. Für diesen Abbau waren große Holzmengen vonnöten, sowohl für den Stollenbau als auch für die Sudpfannen. Letztere verbrauchten den größeren Holzanteil. Wie verheerend sich die Salzgewinnung für einige Landschaften auswirkte, zeigt das Beispiel der Stadt Lüneburg. Vor dem Salzfund von dichten Wäldern umschlossen, wurden im Verlaufe der Salzgewinnung sämtliche Waldungen gerodet. Zurück blieb eine Landschaft, die durch weitere Bodennutzung (Plaggenwirtschaft) auf das Äußerste zerstört wurde.

Bergwerke

Der Bergbau setzte drei natürliche Gegebenheiten voraus; zum ersten natürlich das Vorkommen von Erzen, zum zweiten große Waldungen, aus denen Grubenholz und Holz zur Kohleproduktion gewonnen werden konnte, und zum dritten musste Wasserkraft in Form von Bächen und Flüssen vorhanden sein. Die Verhüttung erfolgte in der Nähe der Schürforte. Für den Harz wird Bergbau bereits im 10. Jahrhundert erwähnt. Da der Bergbau große Holzmengen erforderte, machte man sich frühzeitig Gedanken über eine geregelte Nutzung. Schon zum Ausgang des Mittelalters fanden erste Taxationen von Wäldern für die bergbauliche Nutzung statt. Wälder in Bergbaugebieten genossen einen besonderen Status. Ihre vorrangige Verwendung für die Erzgewinnung wurde früh festgelegt.

Nutzholz und Flößerei

Bau- und Konstruktionsholz wurde schon früh aus verschiedenen Teilen Europas importiert. Beliebte Hölzer wie Eiche und Nadelhölzer wurden beurkundet seit dem 13. Jahrhundert über Flüsse und Ostsee geflößt. Eine besondere Stellung hatte die Eibe, die wegen ihrer hervorragenden Eigenschaften (Biegefestigkeit) bei den Waffenherstellern sehr beliebt war. Zur Herstellung von Bögen (englischer Langbogen) wurden in Österreich ganze Eibenbestände gerodet. Die Baumart war bei den Fuhrleuten verhasst, da ihre Zugtiere durch den Genuss der Früchte starben. Entlang der Transportwege wurde die Eibe von ihnen systematisch bekämpft. Übernutzung und systematische Bekämpfung haben zur Folge, dass Eiben heute nur noch in buschförmigen Phänotypen vorkommen.

Zusammenfassung

Zusammengefasst lassen sich die Folgen der mittelalterlichen Waldnutzung so beschreiben: Vor allem durch die Brennholznutzung wurden in beträchtlichem Maße viele geschlossene Waldgesellschaften zerstört. Auch entlegenste Waldgebiete wurden genutzt. Zurück blieb eine Landschaft, deren Störungen noch heute erkennbar sind, so an kahlen Bergrücken, Heidelandschaften und an der Baumartenverteilung in den mitteleuropäischen Wäldern.

Holznot

Eine Holznot, ein bevorstehender oder bereits akut anzutreffender Mangel am Rohstoff Holz wurde seit dem 16. Jahrhundert als gesellschaftliches Problem wahrgenommen.

Heute

  • Jagd: Jagdpächter bezahlen Gebühren an die Landbesitzer, in deren Wald sie jagen. Diese Abgaben werden unter anderem auch durch die Nutzung des Fleisches oder des Pelzes der erlegten Tiere finanziert. Die Bejagung insbesondere von Rehen ist aufgrund des Nichtvorhandenseins dieser großen Beutegreifer notwendig, da ohne den menschlichen Eingriff eine Entmischung von Arten durch die selektive Nahrungsaufnahme stattfindet, die auch heute bereits einige Krautarten stark bedroht. Aus demselben Grund wird auch das Ziel des ökologischen Waldumbaus weg von Monokulturen hin zu stabilen Mischwäldern durch hohe Rehwildbestände in Frage gestellt. Oft hat selbst die im Vergleich zu manchen anderen Baumarten weniger verbissene Fichte, die auf den meisten Standorten, auf denen sie heute nach künstlicher Ansiedelung wächst, Probleme sich zu verjüngen.

Typische Waldformen des europäischen Ertragswaldes

Heutige Ertragswälder lassen sich in verschieden Formen der Bewirtschaftung einteilen, obwohl, aufgrund der Forstwirtschaft der Neuzeit, die meisten Menschen nur noch Hochwälder vor Augen haben:

  • Hochwald aus Kernwuchs
  • Niederwald aus Stockausschlag
    • wie der Hauwald, eine frühere Waldnutzungsform. Laubbäume wurden in 15- bis 30-jährigen Zyklen bis auf den „Stock“, also 30 bis 50 cm über dem Boden abgeschlagen. Das Holz wurde meistens als Brennholz oder zur Holzkohlegewinnung genutzt. Diese Laubbäume (Linden und Haselnuss) treiben aus dem Stock wieder aus und können dann nach 15 oder mehr Jahren wieder abgeholzt werden. Durch den so genannten Stockaustrieb entstehen dann Gehölze die von Boden aus mit vielen Trieben, also buschförmig, wachsen. Zu sehen ist zurzeit noch ein Hauwald zum Beispiel im Lindholz im Havelländischen Luch.
    • vergleiche auch Hauberg.
  • Mittelwald als Übergangsformen zwischen Hoch- und Niederwaldwirtschaft
  • Hutewald oder Hudewald, Weidewälder, ist eine alte Nutzungsform, sowie Waldäcker bzw. Waldfelder, als kombinierte land- und forstwirtschaftliche Nutzung
  • Weiter gibt es eine Vielfalt ausgestorbener spezieller Nutzungen, wie z. B. Lohwald, die z. T. nur kleinflächig auftraten oder regional begrenzt waren.

Entwicklung der Besitzverhältnisse

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Nils Bleicher: Altes Holz in neuem Licht. Archäologische und dendrochronologische Untersuchungen an spätneolithischen Feuchtbodensiedlungen in Oberschwaben. Diss. Joh. Gutenberg-Universität Mainz 2007. Materialhefte zur Archäologie in Baden Württemberg. Stuttgart 2010

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