Geschwurbel

Geschwurbel ist ähnlich wie Geschwafel ein abwertender Begriff der Umgangssprache für vermeintlich oder tatsächlich unverständliche, realitätsferne oder inhaltsleere Aussagen. Geschwurbel findet sich vorwiegend in Bereichen, in denen sprachliche Ausdrucksformen wichtig sind, z. B. in Politik, Werbung oder den Geisteswissenschaften. In der Literaturkritik wird der Begriff verwendet, um schlechten Stil zu tadeln.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und Verbreitung

Das Wort Geschwurbel[1] leitet sich etymologisch als Verbalsubstantiv von dem Verb schwurbeln, schwürbeln, schwirbeln (mittelhochdeutsch swerben, schwindlig werden, taumeln, sich im Kreise drehen, sich wirbelnd bewegen, wirbelnd sich bewegen, in verwirrter Menge sich bewegen)[2] her und steht neben den Substantiven Schwurbel und Schwirbel[3] mit ähnlicher Bedeutung, hebt aber im Unterschied zu diesen weniger auf den einzeln gefassten Vorgang ab als auf dessen Wiederholung. Im Grimmschen Deutschen Wörterbuch wird es als Lemma aufgeführt und mit ‚Verworrene Menge, Schwarm, Confuser Lärm, Taumel‘ wiedergegeben,[1] als Belegstelle dient Johann Andreas Schmellers Bayerisches Wörterbuch.[4]

Das Wort ist im deutschen Sprachgebiet nicht allerorts etabliert und wird eher selten gebraucht: Laut Textkorpus der Universität Leipzig gehört es zur Häufigkeitsklasse 19.[5] Im Duden (Ausgabe 2006) ist es nicht enthalten. Synonym werden oft Gelaber, Geschwätz oder Geschwafel im Sinne von seichtem oder törichtem Gerede verwendet. Schwafeln[6] ist über eine mutmaßliche Form schwâweln mit schwabbeln, schwappen verwandt (u/f/b-Verwandtschaft), aus einem Wortstamm mit dem Bedeutungsfeld „beben, zittern, schwanken, wackeln“, und verweist so wie ‚schwurbeln‘ auf eine Bewegung, deren Richtung nicht fest liegt.

Anwendung

Politik

In der Politik wird der Begriff im Zusammenhang mit ideologisch motivierten rhetorischen Aussagen verwendet. Beispiel:
Dies geht freilich einher mit der nebulösen Rhetorik der autonomen Szene – ein Geschwurbel von »strukturellen Unterdrückungsverhältnissen« und deren Überwindung »im Hier und Jetzt«, das wohl mehr der Selbststilisierung als der politischen Auseinandersetzung dient.[7]

Außerdem werden zu bestimmten Anlässen (Interviews, Gesprächsrunden) immer wieder vorgetragene Gemeinplätze als Geschwurbel bezeichnet.[8]

Literatur

In Rezensionen wird beispielsweise die wortreiche Schilderung von Gedanken, Empfindungen und Gefühlen unter Vernachlässigung der Handlung,[9] der übermäßige Gebrauch von Metaphern[10] oder eine verworrene Erzählweise als Geschwurbel bezeichnet. Beispiel:
Dass so ein erzreaktionäres Geschwurbel überhaupt ins Deutsche übersetzt wird, kann nur daran liegen, dass die weitschweifige Inbrunst eines überbordenden Erzählens mit der Tiefe der russischen Seele verwechselt wurde. (Jörg Magenau über den Roman „Ein Kranz für das Grab des Windes“ von Alan Tschertschessow in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 17. November 2003, S. 32)

Sonstiges

Der Begriff wird auch in Bezug auf Werke der bildenden Kunst (abstraktes Geschwurbel in Öl[11]) und Philosophie (gelehrtes Geschwurbel über Gott und die Welt[12]) verwendet, gelegentlich mit besonderem Bezug auf die Postmoderne (Das klingt nach postmodernem Geschwurbel[13]).

Eine unter anderem von Eckhard Henscheid verwendete Variante des Begriffs ist Hirnschwurbel.[14]

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Geschwurbel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen

  1. a b GESCHWURBEL, n.. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854ff (dbw.uni-trier.de)
  2. SCHWURBELN,SCHWÜRBELN, verb. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch.
  3. SCHWIRBEL, m.. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch.
  4. Johann Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch. 2. Aufl., Band 2, 1877, S. 647.
  5. Wortschatz-Portal
  6. SCHWAFELN, verb. schwatzen. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch.
  7. Die Zeit, 37/2004, 2. September 2004, S. 6 Online-Version
  8. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21/2005, S. 39
  9. Die Zeit, 21/2005, S. 61, Online-Version
  10. Die Zeit, 47/2000, S. 15, Online-Version
  11. Süddeutsche Zeitung, 28. Juni 1996, S. 37
  12. Süddeutsche Zeitung, 15. Dezember 1995, S. 13
  13. Süddeutsche Zeitung, 12. August 1996, S. 11
  14. in seiner Trilogie des laufenden Schwachsinns

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