Gie├čen

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Gie├čen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gie├čen
Gie├čen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gie├čen hervorgehoben
50.5872222222228.6697222222222159
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gie├čen
Landkreis: Gie├čen
H├Âhe: 159 m ├╝. NN
Fl├Ąche: 72,56 km┬▓
Einwohner:

77.366 (31. Dez. 2010)[1]

Bev├Âlkerungsdichte: 1066 Einwohner je km┬▓
Postleitzahlen: 35390ÔÇô35398
Vorwahlen: 0641, 06403, 06406
Kfz-Kennzeichen: GI (1977ÔÇô1979: L)
Gemeindeschl├╝ssel: 06 5 31 005
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Berliner Platz 1
35390 Gie├čen
Webpr├Ąsenz: www.giessen.de
Oberb├╝rgermeisterin: Dietlind Grabe-Bolz (SPD)
Lage der Stadt Gie├čen im Landkreis Gie├čen
Niederdorfelden Biebertal Wettenberg Lollar Staufenberg (Hessen) Allendorf (Lumda) Rabenau (Hessen) Heuchelheim (Hessen) Gie├čen Buseck Gr├╝nberg (Hessen) Fernwald Linden (Hessen) Langg├Âns Pohlheim Reiskirchen Lich Hungen Laubach Wetteraukreis Vogelsbergkreis Landkreis Limburg-Weilburg Landkreis Limburg-Weilburg Landkreis Marburg-Biedenkopf Lahn-Dill-KreisKarte
├ťber dieses Bild

Gie├čen ist mit rund 77.000 Einwohnern die achtgr├Â├čte Stadt Hessens. Im erweiterten Ballungsgebiet Gie├čen-Wetzlar leben ca. 320.000 Menschen. Das Ballungsgebiet z├Ąhlt damit zu den gr├Â├čeren Agglomerationsr├Ąumen Hessens. In der Universit├Ątsstadt befinden sich die Justus-Liebig-Universit├Ąt Gie├čen mit rund 24.000 Studierenden [2] und die Technische Hochschule Mittelhessen mit 7.100 Studierenden (von insgesamt 12.000) [3]. Des Weiteren befinden sich dort eine Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie und die Freie Theologische Hochschule Gie├čen. Gie├čen ist das administrative Zentrum Mittelhessens, ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt und eines der Oberzentren der Region. Der Regierungsbezirk Gie├čen und der Landkreis Gie├čen haben hier ihren Verwaltungssitz.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Panorama Gie├čens und Teil des naturwissenschaftlichen Campus der JLU
Die Lahn
Luftaufnahme: Gie├čens Innenstadt und die Lahn

Gie├čen liegt an der Lahn, genau dort, wo diese ihren Lauf von s├╝dlicher in westliche Flie├črichtung ├Ąndert, in einer der seltenen Aufweitungen des Lahntals. Aus n├Ârdlicher Richtung flie├čt die Lahn von Marburg kommend durch das Lahntal auf die Stadt zu. Den Nordwesten nehmen die Ausl├Ąufer des Gladenbacher Berglands ein. Diesem vorgelagert ist das Gleiberger Land mit den Burgen Gleiberg und Vetzberg und dem D├╝nsberg, der mit 498 m h├Âchsten Erhebung in der weiteren Gie├čener Umgebung. Im Westen ├Âffnet sich das Lahntal bis nach Lahnau. Hier liegen Kiesvorkommen, die ausgebaggert werden sollten, anschlie├čend war ein Wassersportzentrum geplant, welches inzwischen verworfen wurde (Stand 2008). Im S├╝dwesten der Stadt beginnt der Hintertaunus, die nord├Âstlichste naturr├Ąumliche Einheit des Taunus, an den im S├╝den die Wetterau und das Rhein-Main-Tiefland anschlie├čt (siehe Liste der naturr├Ąumlichen Einheiten in Hessen). Im Osten geht das Gie├čener Land in das Mittelgebirgsland des Vogelsbergs ├╝ber.

Nachbarst├Ądte Gie├čens sind Wetzlar (12 km westlich) und Marburg (30 km n├Ârdlich), die beide ebenfalls an der Lahn liegen, sowie Fulda (80 km ├Âstlich), Friedberg (30 km s├╝dlich) sowie Frankfurt am Main (70 km s├╝dlich).

Nachbargemeinden

Die Stadtgrenzen Gie├čens sind sehr eng gezogen, die Stadt leidet unter der Abwanderung sowohl der Wohnbev├Âlkerung als auch von Gewerbebetrieben in die Vorortgemeinden. Diese sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen):

Stadtgliederung

Gie├čen und seine f├╝nf Stadtteile

Neben der alten Kernstadt Gie├čens geh├Âren gem├Ą├č Hauptsatzung[4] noch f├╝nf weitere Stadtteile als formale Ortsbezirke mit Ortsbeirat zum Stadtgebiet. Die Stadtteile Wieseck im Nordosten und Kleinlinden im S├╝dwesten wurden 1939 eingemeindet, die Stadtteile Allendorf an der Lahn im S├╝dwesten und R├Âdgen im Osten 1971. 1979 folgte L├╝tzellinden im S├╝dwesten.

Bestehende Siedlungen und neue Gewergebiete, die nur teilweise mit der Kernstadt verflochten sind, werden nur von der Bev├Âlkerung benannt und sind offiziell Teil der Kernstadt. Dies betrifft das Gewerbegebiet ÔÇ×An der AutomeileÔÇť mit der ehemaligen Rivers-Kaserne, die Anner├Âder Siedlung, die Dulles-Siedlung, die Eulenkopf-Siedlung, das Europaviertel, die Gummi-Insel in der Weststadt, die Marshall-Siedlung, den Philosophenwald, das Neubaugebiete Sandfeld und Schlangenzahl, den Unteren und Oberen Hardthof sowie das Gewerbegebiet Ursulum. Auch die Siedlung Petersweiher, im S├╝dosten, am Fu├če des Schiffenbergs gelegen, geh├Ârt zu Kernstadt. Sie wurde 1973 erbaut, als die damals unbewohnte Gemarkung Schiffenberg in den Besitz der Stadt ├╝berging. Diese war zwar seit 1939 an die Stadt angegliedert, befand sich aber im Besitz des Landes. Die Siedlung In der Hunsbach, die sich um die Badenburg befindet, z├Ąhlt trotz der relativ gro├čen Entfernung zur Stadt offiziell zu Wieseck ÔÇô genau wie die Ruine der Badenburg.

Die Statistischen Bezirke Gie├čens

Zu statistischen Zwecken ist Gie├čen weiterhin in elf Statistische Bezirke aufgeteilt:

  • 01 Innenstadt
  • 02 Nord
  • 03 Ost
  • 04 S├╝d
  • 05 West
  • 06 Wieseck
  • 07 R├Âdgen
  • 08 Schiffenberg
  • 09 Kleinlinden
  • 10 Allendorf
  • 11 L├╝tzellinden

Klima

Klimadiagramm von Gie├čen[5]

Das Klima in Gie├čen geh├Ârt zu den feucht-gem├Ą├čigten Deutschlands. Der k├Ąlteste Monat ist der Januar mit Ôłĺ0,1 ┬░C, der w├Ąrmste der Juli mit 18,2 ┬░C. Im Vorfr├╝hling ist es im allgemeinen trocken. Der regen├Ąrmste Monat ist also der M├Ąrz mit 31 mm. Im Vergleich mit anderen hessischen Stationen ist es in Gie├čen im M├Ąrz am trockensten (Frankfurt/Main: 51 mm, Fulda: 48 mm, Kassel: 51 mm, Marburg/Lahn: 56 mm, Darmstadt: 49 mm). Der regenreichste Monat ist der Juni mit 66 mm, was im Vergleich zu anderen hessischen Stationen auch wieder im hinteren Bereich liegt (Frankfurt/Main: 70 mm, Fulda: 73 mm, Kassel: 79 mm, Marburg/Lahn: 66 mm, Darmstadt: 74 mm). Auch der Jahresniederschlag ist vergleichsweise gering. (Quelle: DWD Klimatabellen)

Geschichte

Blick auf Gie├čen
Ôćĺ Hauptartikel: Geschichte der Stadt Gie├čen

Erste Siedlung

Wilhelm von Gleiberg gr├╝ndete 1152 die Wasserburg Gie├čen und verlegte seinen Sitz von der Burg Gleiberg dorthin; damit war der Grundstein f├╝r die sp├Ątere Stadt gelegt. Die Burg Gleiberg (im Bild rechts im Hintergrund, etwa 8 km nordwestlich der heutigen Stadt) wurde etwa im 10. Jahrhundert von den Konradinern errichtet und ging Ende des 10. Jahrhunderts an die Luxemburger, die damit die Grafschaft Gleiberg an der mittleren Lahn begr├╝ndeten.

Auf dem Weg zur Stadt

Die erste urkundliche Erw├Ąhnung der Siedlung stammt dagegen aus dem Jahr 1197. 1248 wurde Gie├čen erstmals als Stadt bezeugt. 1264 kam Gie├čen durch Verkauf von der Pfalzgrafschaft T├╝bingen, an die es durch Erbschaft gefallen war, an die Landgrafschaft Hessen, die um 1300 das heutige Alte Schloss anlegen lie├č. Um 1325 wurde die Neustadt gegr├╝ndet. Ab etwa 1370 gab es B├╝rgermeister in Gie├čen, die den landesherrlichen Burgmannen gleichgestellt waren, sowie einen Rat als Vertretung der B├╝rgerschaft.

Das (1944 zerst├Ârte) Alte Rathaus am Marktplatz als Symbol b├╝rgerlicher Macht entstand um 1450, die Stadtkirche bis 1484. 1442 erhielt Gie├čen das Marktprivileg. Der heutige ÔÇ×MarktplatzÔÇť diente damals noch als Marktplatz, w├Ąhrend der Wochenmarkt heute am Lindenplatz, in den Marktlauben (Alte Marktlauben 1894, Neue Marktlauben um 1910) und am Brandplatz gehalten wird.

Gr├╝ndung der Universit├Ąt

Gegen 1535 lie├č Landgraf Philipp der Gro├čm├╝tige die Stadt befestigen. Im selben Jahrzehnt entstanden der Alte Friedhof und das Neue Schloss. Am 27. Mai 1560 vernichtete ein Gro├čbrand den n├Ârdlichen Teil der Stadt um das Walltor. Bei der Teilung der Landgrafschaft 1567 kam Gie├čen zu Hessen-Marburg, 1604 zu Hessen-Darmstadt. 1605 wurde in Gie├čen das Gymnasium Ludovicianum durch Landgraf Ludwig V. als Lateinschule gegr├╝ndet. Am 19. Mai 1607 erm├Âglichte ein Privileg Kaiser Rudolfs II. die Gr├╝ndung der Universit├Ąt, als Gegenst├╝ck zu der in Marburg. Zwei Jahre sp├Ąter er├Âffnete der Botanische Garten, einer der ├Ąltesten in Deutschland. 1634/35 dezimierte eine schwere Pestepidemie die Bev├Âlkerung der Stadt. Im 18. Jahrhundert wurde die Region mehrfach durch Kriege heimgesucht und die Stadt von fremden Truppen besetzt.

19. Jahrhundert

Blick auf Gie├čen Anfang des 19. Jahrhundert
Gr├╝newald: Gie├čener Marktplatz um 1840

1803 wurde Gie├čen Hauptstadt der neuen Provinz Oberhessen im Gro├čherzogtum Hessen. In den folgenden Jahren wurde die Stadtbefestigung geschleift, und an ihrer Stelle wurden die Wallanlagen angelegt. 1824 bis 1852 lehrte Justus Liebig an der Universit├Ąt Gie├čen. Im Revolutionsjahr 1848 kam es auch in Gie├čen zu Unruhen, ein Student wurde get├Âtet. August Becker gab in Gie├čen die radikaldemokratische Tageszeitung ÔÇ×J├╝ngster TagÔÇť heraus. Ein Jahr sp├Ąter wurde die Stadt mit Er├Âffnung der Main-Weser-Bahn (Frankfurt-Kassel) an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. 1862 folgte die Eisenbahnstrecke nach K├Âln, 1864 der Anschluss an die Lahntalbahn von Wetzlar nach Koblenz. Ab etwa 1860, vor allem in der Amtszeit des ersten Berufsb├╝rgermeisters August Bramm (1875ÔÇô1889), wuchs die Stadt ├╝ber die Wallanlagen hinaus.

1855 wurde die Werkfeuerwehr Gail gegr├╝ndet, im gleichen Jahr auch die St├Ądtische Freiwillige Feuerwehr Gie├čen.

Ab 1867 war Gie├čen als Garnisonsstadt ein wichtiger Milit├Ąrstandort (Inf.-Reg. 116). 1870 er├Âffnete die Vogelsbergbahn nach Fulda, 1872 die Lahn-Kinzig-Bahn nach Gelnhausen. 1879 bis 1888 lehrte Wilhelm Conrad R├Ântgen an der Universit├Ąt Gie├čen. 1893 wurde die heute gr├Â├čte Kirche der Stadt, die evangelische Johanneskirche an der S├╝danlage, eingeweiht. 1907 er├Âffnete das Stadttheater. Ab 1894 gab es in Gie├čen ├Âffentlichen Nahverkehr, zun├Ąchst mit Pferdeomnibussen, seit 1909 mit einer elektrischen Stra├čenbahn.

20. Jahrhundert

Luftschutzturm der Bauart Winkel
Gedenkstein f├╝r die 1938 zerst├Ârte Synagoge

Im Jahre 1903 wurde der Neue Friedhof als ├╝berkonfessioneller st├Ądtischer Friedhof in Betrieb genommen.

Im Jahre 1904 wurde die fortschrittliche Gie├čener Kanalisation eingeweiht.

Im Jahre 1914 wurde die Berufsfeuerwehr Gie├čen gegr├╝ndet.

Im Jahr 1925 er├Âffneten die Volkshalle an der heutigen Gr├╝nberger Stra├če und der Gie├čener Flughafen, das sp├Ątere US-Depot.

Mit Wirkung zum 1. November 1938 verf├╝gte der NS-Reichsstatthalter in Hessen in seiner Funktion als F├╝hrer der Landesregierung nicht nur die Ausgliederung der St├Ądte Darmstadt, Mainz, Offenbach und Worms, sondern auch der Stadt Gie├čen aus ihrem bisherigen Kreis. Gie├čen wurde damit kreisfreie Stadt. Durch Eingemeindung von Wieseck, Klein-Linden und Schiffenberg stieg die Einwohnerzahl 1939 auf 42.000.

Die ├╝ber 1000 Gie├čener Juden wurden aus dem Zwischenlager Goetheschule bis Ende 1942 in die Vernichtungslager der Nazis deportiert.

Wehrmacht

Gie├čen war nach dem Ersten Weltkrieg und den Bestimmungen des Versailler Vertrages als Milit├Ąrstandort interessant, weil es knapp au├čerhalb der entmilitarisierten Zone lag. In den 1930er und 1940er Jahren wurden rund 467 Hektar st├Ądtisches Gel├Ąnde an die Wehrmacht und Luftwaffe gegen einen geringen Preis abgegeben. Es entstanden weitere Kasernen: Artilleriekaserne (Bleidorn-Kaserne, Pendleton Barracks) und Waldkaserne (Verdun-Kaserne, River Barracks). Ein Truppen├╝bungsplatz wurde zwischen der ehemaligen Steubenkaserne Gie├čen und der Hohe Warte eingerichtet.[6] Zu den weiteren Kasernen z├Ąhlten Zeughauskaserne und Neue Kaserne (Berg-Kaserne).[7]

Auf dem heutigen Gel├Ąnde der Rivers Automeile unterhielt die Wehrmacht den Nachrichtenbunker Gisela der unter anderem zur Koordination der Angriffe auf Frankreich genutzt wurde. Noch heute sind weite Teile der Anlage vorhanden.

Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg

Durch zwei Luftangriffe der britischen Luftwaffe am 2. und (vor allem) 6. Dezember 1944 im Rahmen der Area Bombing Directive wurde nahezu der gesamte historische Stadtkern Gie├čens durch einen Feuersturm vernichtet, hunderte Zivilisten fanden den Tod. Die Bahnanlagen und die zahlreichen Milit├Ąreinrichtungen blieben dagegen weitgehend intakt. In den folgenden Monaten starben viele weitere Menschen durch Tieffliegerangriffe. Am 28. M├Ąrz 1945 beendete der Einzug der US-amerikanischen Armee den Krieg f├╝r die zerst├Ârte Stadt. Die Stadt war zu 67 % zerst├Ârt, die Innenstadt zu 90 %. Trotz dieser hohen Zerst├Ârungsrate h├Ątte es f├╝r Gie├čen noch schlimmer kommen k├Ânnen. Ein nicht unerheblicher Teil der Bombenlast des zweiten Luftangriffes wurde versehentlich ├╝ber dem Bergwerkswald abgeworfen, wo die Folgen noch heute deutlich zu sehen sind.

Notaufnahmelager nach 1946

Die Milit├Ąrregierung der USA informierte Ende Oktober 1945 die Landesregierung Gro├čhessens, dass das Land 1946 rund 600.000 Vertriebene und Fl├╝chtlinge aufnehmen m├╝sse. Anfang Februar 1946 erreichten die ersten 1.200 Menschen die Stadt mit G├╝terwagen. Das, vorerst provisorische, Fl├╝chtlings-Durchgangslager befand sich unweit des Bahnhofs. Da Gie├čen ein wichtiger Schienenknotenpunkt war, wurde es am 7. Mai 1947 vom Staatskommissar f├╝r das Fl├╝chtlingswesen zum Regierungsdurchgangslager f├╝r alle Fl├╝chtlinge nach Gro├čhessen. Der Oberb├╝rgermeister Otto-Heinz Engler ersuchte 1948 das Regierungspr├Ąsidium in Darmstadt um Verlegung des Lagers aufgrund der hohen Belastung des Sozialetats der Stadt durch die Fl├╝chtlinge. Sp├Ąter erreichte der B├╝rgermeister Hugo Lotz einen finanziellen Ausgleich f├╝r die Stadt durch das Land.

Am 1. September 1950 wurde das Lager in Notaufnahmelager Gie├čen umbenannt und erhielt bundesweite Kompetenz. Der Anteil der Heimatvertriebenen betrug zu dieser Zeit bereits 20 % der Gesamtbev├Âlkerung Gie├čens. Das Gie├čener Notaufnahmelager war auch Durchgangslager f├╝r Fl├╝chtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone, die in der amerikanischen Zone bleiben wollten. Seit den 1960er Jahren war es die erste Station f├╝r zahlreiche ausgereiste DDR-B├╝rger und erlebte 1989 zun├Ąchst den Ansturm der ├╝ber Ungarn gefl├╝chteten Ostdeutschen und im Herbst den der legal ├╝ber die nun offene Grenze gekommenen. 1986 wurde es in Bundesaufnahmestelle umbenannt und ist heute die Zentrale Aufnahmestelle des Landes Hessen.

Wiederaufbau

Architektur der 1950er Jahre und verbliebene Gr├╝nderzeitbauten pr├Ągen das Stadtbild

Der Wiederaufbau orientierte sich an den Lehren des Modernen St├Ądtebaus: Altstadtgrundst├╝cke wurden zu gro├čen Einheiten zusammengefasst, Stra├čen- und Platzr├Ąume ausgeweitet, und der ├Âffentliche Raum weitgehend den Interessen des Autoverkehrs angepasst. 1953 wurde die letzte (zuvor aufwendig wiederaufgebaute) Linie der Gie├čener Stra├čenbahn stillgelegt, stattdessen fuhren Oberleitungsbusse (bis 1968).

Die wenigen von den Bombenangriffen verschont gebliebenen Stra├čenz├╝ge des Stadtkerns wurden niedergerissen, ebenso teilweise erhalten gebliebene Ruinen wie die durchaus wiederaufbauf├Ąhige Ruine des 500 Jahre alten Rathauses. Neubauten im Stil der 1950er Jahre entstanden, unter anderem das (bereits wieder abgerissene) Beh├Ârdenhochhaus am Berliner Platz oder die Kongresshalle, sowie das Stadthaus (gebaut 1961, abgerissen 2006).

Die letzte Kriegsruine der Innenstadt war ein Hinterhaus in der Goethestra├če; es wurde 2004 abgetragen. Die Ausfallstra├čen, die Wallanlagen und die wichtigsten Achsen der Innenstadt wurden zu mehrspurigen Verkehrsstra├čen ausgebaut. Bis 1975 entstanden rund um Gie├čen zahlreiche Autobahnteilst├╝cke, darunter der Gie├čener Ring (teilweise Schnellstra├če).

US-Army

Gie├čen wurde in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Standort f├╝r Truppen der US-Army. Ihr unterstand unter anderem die Steubenkaserne. Das US-Depot Gie├čen hatte eine wichtige Versorgungsfunktion f├╝r die US-Army in Europa.

Zu den betreuten Liegenschaften z├Ąhlte im Kalten Krieg das Sondermunitionslager Gie├čen und das Sondermunitionslager Alten-Buseck mit Nuklearsprengk├Âpfen und die Patriot-Stellung Hohe Warte. Auf der Hohen Warte haben die Amerikaner heute noch einen Truppen├╝bungsplatz. Die Genehmigung wurde 2000 erteilt, obwohl es sich mittlerweile um ein Naturschutzgebiet handelt.

Der Abzug der US-Amerikaner in Gie├čen bringt einen hohen Verlust an Arbeitspl├Ątzen mit sich.[8]

Die Episode ÔÇ×Stadt LahnÔÇť

Ôćĺ Hauptartikel: Stadt Lahn

Am 1. Januar 1977 entstand aus Gie├čen, Wetzlar und 14 Umlandgemeinden die Stadt Lahn als Oberzentrum Mittelhessens. Nach nur 31 Monaten Existenz wurde die Lahnstadt am 1. August 1979 wieder aufgel├Âst. Gie├čen erhielt in diesem Zuge den Stadtteil L├╝tzellinden hinzu.

21. Jahrhundert

2005 wurde nach einer zweij├Ąhrigen Bauzeit die Galerie Neust├Ądter Tor er├Âffnet. Sie vereint mehrere Gesch├Ąfte in einen Geb├Ąudekomplex. Es besteht eine direkte Bus- und Bahnanbindung durch die beiden Haltestellen am Oswaldsgarten. Ein integriertes Parkhaus verf├╝gt ├╝ber 1.100 Stellpl├Ątze.

2006 begann der Bau des neuen Stadthauses am Berliner Platz. Es wurde am 16. Mai 2009 feierlich er├Âffnet und hat fast alle Beh├Ârden der Stadt Gie├čen wieder r├Ąumlich zusammengef├╝hrt. Des Weiteren wurden in j├╝ngster Zeit neue medizinische Zentren wie etwa die Tagesklinik in der Nordanlage, der Martinshof und das Pflegezentrum in der Gr├╝nberger Stra├če errichtet. Der Neubau der Universit├Ątsklinik Gie├čen soll bis zum Jahre 2009/10 fertiggestellt werden und etwa 160 Millionen Euro kosten.

Einwohnerentwicklung

Einwohnerentwicklung als Diagramm

Gie├čen hatte im Mittelalter nur einige Hundert und der fr├╝hen Neuzeit nur wenige tausend Einwohner. Die Bev├Âlkerung wuchs nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersn├Âte immer wieder zur├╝ck. So starben 1634/35 durch eine schwere Pestepidemie zahlreiche Bewohner. Erst mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert beschleunigte sich das Bev├Âlkerungswachstum. Lebten 1800 erst 4.800 Menschen in der Stadt, so waren es 1900 bereits 25.000. Deutlich sichtbar sind die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges. Bis Kriegsende wurden durch die alliierten Luftangriffe 65 Prozent der Geb├Ąude teilweise oder total zerst├Ârt. Sch├Ątzungen zufolge fanden etwa 1.000 Menschen den Tod. Die Bev├Âlkerungszahl sank von 47.000 im Jahre 1939 auf 25.000 im M├Ąrz 1945.

Im Jahre 1971 stieg die Einwohnerzahl durch die Eingemeindung von Allendorf und R├Âdgen auf 78.109 ÔÇô historischer H├Âchststand. Am 1. Januar 1977 entstand aus Gie├čen, Wetzlar und 14 Umlandgemeinden die Gro├čstadt Lahn mit 155.247 Einwohnern. Die Stadt wurde aber schon am 1. August 1979 wieder aufgel├Âst. Am 30. Juni 2005 betrug die Amtliche Einwohnerzahl nach Fortschreibung des Hessischen Statistischen Landesamtes 73.358 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landes├Ąmtern). Seit 1963 liegt die Bev├Âlkerungszahl der Stadt ÔÇô au├čer 1987 ÔÇô ├╝ber der Grenze von 70.000.

Die folgende ├ťbersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1828 handelt es sich meist um Sch├Ątzungen, danach um Volksz├Ąhlungsergebnisse (┬╣) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die ÔÇ×Ortsanwesende Bev├ÂlkerungÔÇť, ab 1925 auf die ÔÇ×Wohnbev├ÂlkerungÔÇť und seit 1987 auf die ÔÇ×Bev├Âlkerung am Ort der HauptwohnungÔÇť. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
1495 1.200
1577 3.000
1675 4.450
1782 4.600
1800 4.800
1805 5.174
1828 7.251
1. Dezember 1834 ┬╣ 7.878
3. Dezember 1846 ┬╣ 8.696
3. Dezember 1855 ┬╣ 9.000
3. Dezember 1861 ┬╣ 9.210
3. Dezember 1864 ┬╣ 9.600
3. Dezember 1867 ┬╣ 10.200
1. Dezember 1871 ┬╣ 12.245
1. Dezember 1875 ┬╣ 13.900
Jahr Einwohner
1. Dezember 1880 ┬╣ 17.003
1. Dezember 1885 ┬╣ 19.001
1. Dezember 1890 ┬╣ 20.416
2. Dezember 1895 ┬╣ 22.702
1. Dezember 1900 ┬╣ 25.491
1. Dezember 1905 ┬╣ 28.769
1. Dezember 1910 ┬╣ 31.153
1. Dezember 1916 ┬╣ 26.591
5. Dezember 1917 ┬╣ 26.806
8. Oktober 1919 ┬╣ 33.402
16. Juni 1925 ┬╣ 33.600
16. Juni 1933 ┬╣ 35.913
17. Mai 1939 ┬╣ 46.560
31. Dezember 1945 34.907
29. Oktober 1946 ┬╣ 39.709
Jahr Einwohner
13. September 1950 ┬╣ 46.712
25. September 1956 ┬╣ 58.178
6. Juni 1961 ┬╣ 66.291
31. Dezember 1965 72.395
27. Mai 1970 ┬╣ 75.555
31. Dezember 1975 75.481
31. Dezember 1980 76.374
31. Dezember 1985 71.104
25. Mai 1987 ┬╣ 69.824
31. Dezember 1990 74.497
31. Dezember 1995 73.889
31. Dezember 2000 73.138
30. Juni 2005 73.358
31. Dezember 2006 73.958
30. Juni 2007 74.123
Jahr Einwohner
31. Dezember 2008 75.140
31. Dezember 2009 76.090

┬╣ Volksz├Ąhlungsergebnis

Religionen

Christentum

Das Innere der ev. Pauluskirche

Die evangelischen Kirchengemeinden in Gie├čen geh├Âren zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Gie├čen ist Sitz des Dekanats Gie├čen. Eine Ausnahme bildet der Stadtteil L├╝tzellinden, der zur Evangelische Kirchen im Rheinland geh├Ârt.

Gr├Â├čte evangelische Kirche ist die Johanneskirche an der S├╝danlage.

In der katholischen Kirche geh├Ârt Gie├čen zum Bistum Mainz. Sankt Thomas Morus, Sankt Bonifatius und St. Albertus sind die drei Gie├čener katholischen Kirchengemeinden.

Daneben gibt es einige Gemeinden, die zu den Freikirchen geh├Âren, darunter eine Bekennende Evangelisch-Reformierte Gemeinde, zwei Br├╝dergemeinden, eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), eine Freie Christengemeinde und eine Freie evangelische Gemeinde.

In der Region Mittelhessen gilt Gie├čen mit als eine Hochburg theologisch konservativer Protestanten in Landes- und Freikirchen (Evangelikale). In der Stadt gibt es eine christliche Privatschule (August-Hermann-Francke-Schule) und eine private theologische Hochschule (Freie Theologische Hochschule Gie├čen) mit evangelikaler Ausrichtung. Gie├čen ist auch Sitz zahlreicher Organisationen und Unternehmen aus dem christlichen Bereich (etwa Campus f├╝r Christus, Brunnen Verlag).

Zudem gibt es in Gie├čen drei, bis um die Jahrtausendwende sogar f├╝nf, neuapostolische Gemeinden. Gie├čen ist auch ein Zentrum verschiedener kleiner Gemeinden, die sich seit 1989 aus der neuapostolischen Kirche bzw. einer Abspaltung, der Apostolischen Gemeinde Wiesbaden, entwickelt haben.

Weitere Religionsgemeinschaften

  • Die Zeugen Jehovas (K├Ânigreichssaal in der Margarethenh├╝tte) und zahlreiche weitere Kirchengruppen sind in Gie├čen vertreten.
  • Zudem gibt es in Gie├čen Moscheen,eine davon ist die k├╝zlich neu erbaute Buhara MoscheeIslam. Gemeinsch. in Gie├čen e.V.
  • Im 19. Jahrhundert wirkte in Gie├čen der Rabbiner Dr. Benedikt Levi. Er trat nach 68 Berufsjahren in den Ruhestand. Eine Synagoge befindet sich in einer Hintergasse des Stadtkernes (nahe dem Kirchplatz und dem HR-Zentrum). Bis zur NS-Zeit waren es sogar zwei.
  • Durch seinen relativ hohen Anteil an Asiatisch-St├Ąmmigen oder Asiaten hat sich eine Kultur des Buddhismus aufgebaut. Gie├čen hat einen von wenigen buddhistische Tempeln (Wat Pah Puritattaram im Sandfeld) Deutschlands.
  • Seit 2008 gibt es eine jesidische Gemeinde.
  • Es gibt es auch eine aram├Ąische Gemeinde mit dem syrisch-orthodoxen Glauben. Mittlerweile sind 5 Gemeinden in Gie├čen und Umgebung vertreten.[9]

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Kommunalwahl am 27. M├Ąrz 2011 lieferte folgendes vol├Ąufiges Ergebnis[10]:

Kommunalwahl 2011 in Gie├čen
 %
40
30
20
10
0
33,6%
26,5%
20,7%
5,1%
4,6%
4,0%
3,6%
1,9%
Sonst.
BLG Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/K├╝rzel
Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+0,4%
-9,5%
+7,9%
+5,0%
+0,8%
-1,9%
-2,1%
-0,5%
Sonst.
BLG Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/K├╝rzel
Parteien und W├Ąhlergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 33,6 20 33,2 20
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,5 16 36,0 21
GR├ťNE B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen 20,7 12 12,8 8
FW Freie W├Ąhler 4,6 3 3,8 2
Die Linke Linkspartei.PDS 4,0 2 5,9 4
FDP Freie Demokratische Partei 3,6 2 5,7 3
PIRATEN Piratenpartei Deutschland 2,8 2 ÔÇô ÔÇô
Linkes B├╝ndnis Linkes B├╝ndnis 2,3 1 ÔÇô ÔÇô
BLG B├╝rgerliste Gie├čen 1,9 1 2,4 1
ABG Akademie & B├╝rger Gie├čen ÔÇô ÔÇô 0,1 0
Gesamt 100 59 100 59
Wahlbeteiligung in Prozent 42,3 37,9

Die seit 2001 regierende Koalition aus CDU, FDP und Freien W├Ąhlern konnte aufgrund des Wahlergebnisses nicht fortgef├╝hrt werden. Gie├čen wird seitdem von einer sogenannten Jamaika-Koalition aus CDU, B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen und FDP regiert.

Die Jamaika-Koalition hatte sich dabei im Vorfeld der Kommunalwahlen bereits angedeutet, da der st├Ądtische Haushalt erst in einer zweiten Sitzung im Februar 2006 mit Hilfe einiger Stimmen aus den Reihen der damals noch oppositionellen Gr├╝nen verabschiedet worden war. In der Sitzung vom 8. Dezember 2005 hatte der Haushaltsplan des Magistrats die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung zun├Ąchst nicht erhalten, da der Stadtverordnete der Freien W├Ąhler Bernhard Hasenkrug kurz zuvor zur B├╝rgerliste Gie├čen (BLG) gewechselt war und wodurch die damals amtierende b├╝rgerliche Koalition aus CDU, FDP und FW ihre Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung verloren hatte.

Die in Gie├čen erfolgreich bei der Kommunalwahl 2006 angetretene Liste der Linkspartei.PDS stellt de facto eine W├Ąhlergemeinschaft von Linkspartei.PDS, WASG, DKP, linksorientierten Parteilosen und Mitgliedern der Hochschulfraktion Demokratische Linke (DL) an der Justus-Liebig-Universit├Ąt Gie├čen dar. Zum ersten Mal seit 1956 sitzt mit Michael Beltz (DKP) wieder ein Mitglied einer kommunistischen Partei in der Gie├čener Stadtverordnetenversammlung. Bis zu ihrem Verbot im Jahre 1956 war die KPD im Parlament vertreten.

Oberb├╝rgermeisterin

In der Direktwahl am 7. Juni 2009 wurde Dietlind Grabe-Bolz (SPD) zur neuen Oberb├╝rgermeisterin gew├Ąhlt; sie erhielt 55,5 % der Stimmen, der Amtsinhaber Heinz-Peter Haumann 44,5 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 43,4 %.[11] Die Amtszeit begann im November 2009.

Wappen

Blasonierung: In Silber ein schwarz gefl├╝gelter, blaubewehrter und blaugezungter roter L├Âwe.

Es wurde der Stadt am 29. April 1916 von Gro├čherzog Ernst Ludwig verliehen.

St├Ądtepartnerschaften

Gie├čen ist mit folgenden St├Ądten verpartnert: Winchester (Vereinigtes K├Ânigreich), G├Âd├Âll┼Ĺ (Ungarn), Netanja (Israel), Ferrara (Italien), Hradec Kr├ílov├ę (Tschechische Republik), San Juan del Sur (Nicaragua), Waterloo (Iowa, USA), Kerkrade (Niederlande), Wenzhou (VR China, Provinz Zhejiang). Bis 1985 bestand zudem eine St├Ądtepartnerschaft mit Versailles (Frankreich).

Mit der Stadt und dem Kreis Mohrungen besteht seit 1954 eine Patenschaft.

Seit 2001 tr├Ągt zudem ein Airbus A340-300 der Lufthansa mit der Kennzeichnung D-AIFD den Namen ÔÇ×Gie├čenÔÇť.[12] Au├čerdem tr├Ągt der ICE 1-Zug mit der Nummer 401 101 den Namen ÔÇ×Gie├čenÔÇť.

Kultur und Sehensw├╝rdigkeiten

Theater

Das Stadttheater Gie├čen wurde 1906ÔÇô1907 erbaut, seine Architektur ist stark vom Jugendstil beeinflusst. Das Theater wurde vom B├╝ro Fellner & Helmer grundrissgleich mit jenen in Klagenfurt und Gablonz erbaut. Es bietet als Drei-Sparten-Haus mit eigenem Ensemble und Gastspielen 600 Zuschauern/-h├Ârern Platz bei Theater, Oper, Operette, Musical, Tanz und Konzert. Die Nebenspielst├Ątte des Stadttheaters, das Theater im L├Âbershof (TiL) wird vor allem f├╝r kammertheatralische Arbeiten sowie Kinder- und Jugendtheater genutzt.

Gie├čener Konzertverein

Der Gie├čener Konzertverein geh├Ârt zu den traditionsreichsten Vereinen Gie├čens. Er geht auf die bereits 1792 gegr├╝ndete Musikalische Gesellschaft zur├╝ck. Damit ist er einer der ├Ąltesten b├╝rgerlichen Konzertvereine in Deutschland ├╝berhaupt (der ├Ąlteste, die Sing-Akademie zu Berlin, wurde 1791 gegr├╝ndet). Bedeutende Komponisten wie Carl Maria von Weber und ber├╝hmte Solisten gaben ihre Konzerte in Gie├čen in Zusammenarbeit mit der Musikalischen Gesellschaft, die 1863 den bis heute geltenden Namen Gie├čener Konzertverein erhielt. 1935 wurde die enge Zusammenarbeit zwischen dem Stadttheater Gie├čen und dem Konzertverein etabliert, die bis heute als erfolgreiche Partnerschaft Bestand hat. J├Ąhrlich werden gemeinsam zwei gro├če Oratorienkonzerte im Stadttheater aufgef├╝hrt. Chorleiter des Konzertvereins ist der jeweilige Chordirektor des Stadttheaters.

Museen

Schriftzug des Liebig-Museums

Das Mathematikum im ehemaligen Hauptzollamt, erstes und bislang einziges Museum dieser Art in Deutschland, bietet dem Besucher die M├Âglichkeit, sich spielerisch mit der Mathematik zu besch├Ąftigen. Direkt neben dem Mathematikum ist das Liebig-Museum gelegen, das als Original-Wirkungsst├Ątte Justus Liebigs dem Wirken des gro├čen Chemikers gewidmet ist.

Als weiteres Museum gibt es in der Innenstadt das Oberhessische Museum mit den drei Abteilungen im Alten Schlo├č, dem WallenfelsÔÇÖschen Haus und dem LeibÔÇÖschen Haus. Das WallenfelsÔÇÖsche Haus und das LeibÔÇÖsche Haus sind die beiden ├Ąltesten noch erhaltenen H├Ąuser in Gie├čen und befinden sich direkt am Kirchplatz. Hier findet man eine umfassende Sammlung der Vor- und Fr├╝hgeschichte, Arch├Ąologie und V├Âlkerkunst im Gie├čener Raum sowie eine gro├če Ausstellung zur Stadtgeschichte. Im Alten Schlo├č am Brandplatz befindet sich eine Sammlung von Kunstwerken heimischer K├╝nstler aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Der zeitgen├Âssischen Kunst widmet sich seit 1998 ein Neuer Kunstverein Gie├čen, der seit 2003 in einem ehemaligen Kiosk an der Licher Gabel sein Domizil gefunden hat.

Bauwerke

Kirchenplatz mit dem erhaltenen Turm der ehemaligen Stadtkirche

Aufgrund der verheerenden Zerst├Ârungen durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs und die Stadtplanung der Nachkriegszeit gibt es im eigentlichen Zentrum kaum noch Bauwerke der vorindustriellen Epoche. In den Stadtvierteln au├čerhalb der Wallanlagen finden sich jedoch zahlreiche, teilweise recht sehenswerte architektonische Zeugnisse aus den beiden gro├čen Wachstumsphasen der Stadt, der Gr├╝nderzeit und den 1950er Jahren, sowie auch einige Viertel, die im Stil der sp├Ąten 1920er Jahre errichtet wurden (Wartwegviertel, hinterer Asterweg).

Altes Schlo├č
Neues Schlo├č

Zu den Sehensw├╝rdigkeiten in Gie├čen geh├Âren einige wieder aufgebaute Fachwerkh├Ąuser, so das Gasthaus ÔÇ×Zum L├ÂwenÔÇť im Neuenweg, in dem Goethe einmal ├╝bernachtete und ├Âfter dinierte, das Alte Schloss und das Neue Schloss der Landgrafen von Hessen (am Brandplatz) sowie das Burgmannenhaus am Kirchplatz.

Fassade des Zeughauses

Das Hauptgeb├Ąude der Justus-Liebig-Universit├Ąt in Gie├čen geh├Ârt auch zu den Sehensw├╝rdigkeiten. Zudem liegt es im Stadtkern und an der Gie├čener ÔÇ×FeiermeileÔÇť, der Ludwigstra├če. In diesem Zusammenhang ist auch das Zeughaus zu nennen, welches von der Universit├Ąt genutzt wird.

Die klassizistische Stadtkirche wurde bei den Luftangriffen 1944 zerst├Ârt, nur der gotische Westturm wurde restauriert und dient als Mahnmal gegen den Krieg. Aus den Tr├╝mmern der zerst├Ârten Stadtkirche entstand auf der gegen├╝berliegenden Seite der Georg-Schlosser-Stra├če die Pankratiuskapelle.

Nicht weit entfernt vom Stadttheater steht die Johanneskirche, welche als gr├Â├čte evangelische Kirche Gie├čens in den Jahren 1891 bis 1893 nach Pl├Ąnen des Berliner Architekten Hans Grisebach errichtet wurde. Der Turm der neo-romanischen Kirche ├╝berragt die umliegenden Geb├Ąude mit einer H├Âhe von 75 Metern.

Studenten-Doppelgrabstein auf dem Alten Friedhof

Der Alte Friedhof befindet sich am Nahrungsberg. Er wurde 1530 w├Ąhrend der Erweiterung der Stadt au├čerhalb des Festungswalls angelegt. Auf dem Friedhof befindet sich eine Kapelle, welche 1623ÔÇô1625 unter Aufsicht von Johann Ebel zum Hirsch errichtet wurde. 1860 wurde sie durch Hugo von Ritgen restauriert. Auf dem Friedhof befindet sich unter anderem das Grab von Wilhelm Conrad R├Ântgen, welcher hier auf seinen Wunsch hin beerdigt wurde. Sehenswert sind hier auch die Friedhofskapelle, welche zwischen 1623 und 1625 erbaut wurde, und die Grabsteine mit lateinischen Inschriften, welche um die Kapelle herum versammelt sind und ebenfalls aus der Zeit um 1530 (oder fr├╝her) stammen.

Die Synagoge der j├╝dischen Gemeinde ist ein Fachwerkgeb├Ąude mit wechselnder Geschichte. Urspr├╝nglich stand das 1835 erbaute Geb├Ąude in Wohra und diente als Wirtschaftsgeb├Ąude. Von 1867ÔÇô1940 diente es als Synagoge in Wohra. Im Jahr 1940 musste die dortige j├╝dische Gemeinde das Geb├Ąude zwangsverkaufen. Im Jahr 1990 erwarb die j├╝dische Gemeinde Gie├čen das Geb├Ąude und versetzte es 1992 in den Mittelpunkt des neuen j├╝dischen Gemeindezentrums. Die Synagoge fasst 35 M├Ąnner und 25 Frauen.[13]

Das sog. Elefantenklo

Als ├╝berregional bekanntes Monument fragw├╝rdiger Stadtplanung gilt die wuchtige Fu├čg├Ąnger├╝berf├╝hrung am Selterstor, an der Kreuzung der Fu├čg├Ąngerzone Seltersweg mit dem vierspurigen Anlagenring. Eine gro├če Betonplatte ├╝berspannt seit 1968 den gesamten Kreuzungsbereich, an den Zug├Ąngen f├╝hren Rolltreppen auf die Plattform. Aufgrund der drei gro├čen, achteckigen ├ľffnungen in der Betonplatte erhielt das Bauwerk im Volksmund den Namen Elefantenklo oder kurz ÔÇ×E-KloÔÇť.[14]

Die 1884 bis 1885 erbaute Villa Leutert befindet sich in der Ostanlage und ist heute unter anderem Sitz des Standesamtes.

Das Empfangsgeb├Ąude des Bahnhofs, s├╝dlich der Innenstadt, wurde 1904 bis 1906 von Ludwig Hofmann in der Tradition des Darmst├Ądter Jugendstils errichtet; dabei wurden Teile des Vorg├Ąngerbaus der Main-Weser-Bahn von 1854 beibehalten.

Im Nordwesten der Stadt, in der N├Ąhe des evangelischen Krankenhauses, befindet sich ein Bismarckturm.

Eine neuere Sehensw├╝rdigkeit ist das Dachcafe mit Skybar, von wo man die ganze Stadt ├╝berblicken kann.

Schiffenberg

Ein beliebtes Ausflugsziel ist der rund f├╝nf Kilometer entfernte Gie├čener ÔÇ×HausbergÔÇť Schiffenberg (281 m). Er wurde 1972 vom Land Hessen k├Ąuflich erworben und der Stadt einverleibt. In den Geb├Ąuden einer ehemaligen Klosteranlage (Augustiner-Chorherrenstift) wird heute ein Ausflugslokal bewirtschaftet. Die romanische Substanz der doppelch├Ârigen Pfeilerbasilika mit Querhaus und achtseitigem Vierungsturm r├╝hrt zum Teil noch aus dem 2. Viertel des 12. Jahrhunderts her. Die westliche mit Lisenen gegliederte Apsis und zwei begleitende Rundt├╝rme (fast komplett zerst├Ârt) wurden im Verlauf des 12. Jahrhunderts angebaut. Das s├╝dliche Seitenschiff ist verloren. Der Bau verzichtet fast g├Ąnzlich auf Bauschmuck. 1323 wurde die Anlage vom Deutschen Orden ├╝bernommen; der Deutsche Orden errichtete unter anderem an der S├╝dseite die ehemalige Komturei und an der Westseite das Geb├Ąude der ehemaligen Propstei. 1809 wurde der Orden aufgehoben. Von der Ausstattung ist unter anderem ein fr├╝hgotischer Taufstein (13. Jahrhundert) aus Basalt im Chorraum erhalten.

Im Rahmen der seit 1975 auf dem Schiffenberg stattfindenden Veranstaltungsreihe ÔÇ×Musikalischer SommerÔÇť finden in den Sommermonaten zahlreiche Konzerte unter freiem Himmel statt. Von Volksmusik und Bands, die in regionaler Mundart spielen, ├╝ber Jazz, Pop, Schlager bis hin zu Chorkonzerten und Theaterauff├╝hrungen finden Kulturfreunde hier ein breit gef├Ąchertes Angebot. Auch jenseits der Stadtgrenzen bekannte K├╝nstler gaben hier schon Gastspiele, so zum Beispiel im Jahr 2002 die K├Âlner Band BAP, Rose Nabinger, im Jahr 2003 G├Âtz Alsmann, sowie im Jahr 2007 Juli.

Luftschutzt├╝rme

In Gie├čen und Umgebung sind insgesamt acht Luftschutzt├╝rme der Bauart von Winkel erhalten, die nach ihrem Erscheinungsbild auch als Betonzigarre oder Zuckerhut bezeichnet werden. Damit hat Gie├čen die h├Âchste Dichte von Luftschutzt├╝rmen dieser Bauart. Zwei der Luftschutzt├╝rme befinden sich in der Dulles-Siedlung und der(Hannah-Arendt-Stra├če) ÔÇô einer ehemaligen Kaserne der US-Army, die zurzeit (Stand 2010) in ein Wohngebiet umgewandelt wird. Standortangaben der andern Luftschutzt├╝rme finden sich im Artikel Leo Winkel.

Badenburg

Badenburg

Die Ruine der Badenburg im Nord-Westen des Stadtgebiets liegt in der Siedlung ÔÇ×In der HunsbachÔÇť und nahe der Nachbarstadt Lollar. Sie wurde 1358 nach einem Lehen des hessischen Landgrafen Heinrich II. von der Vasallenfamilie von Weitolshausen erbaut und diente als Wohnst├Ątte, bis sie im Drei├čigj├Ąhrigen Krieg zerst├Ârt wurde. Auch Georg B├╝chner weilte auf der Badenburg und verfasste dort seinen Hessischen Landboten. Mittlerweile befindet sich in ihren Ruinen eine beliebte Gastst├Ątte, welche nicht nur von Studenten als Geheimtipp angesehen wird. Die au├čergew├Âhnliche Speisekarte mit ihren skurrilen Spezialit├Ąten (zum Beispiel die ÔÇ×Schippe DreckÔÇť oder der ÔÇ×KnochenÔÇť) fallen sofort ins Auge.

Parks

Fu├čg├Ąngerbr├╝cke ├╝ber den Schwanenteich
Blick auf den Schwanenteich

Der Botanische Garten von 1609 ist der ├Ąlteste universit├Ąre Pflanzengarten in Deutschland, der sich noch am urspr├╝nglichen Ort befindet. Zwei Jahre nach der Universit├Ątsgr├╝ndung wurde er von dem Botaniker und Mediziner Ludwig Jungermann (1572ÔÇô1653) als ÔÇ×Hortus medicusÔÇť angelegt.

Au├čerdem sind die Parkanlagen der Ostanlage und ganz besonders der Theaterpark zwischen S├╝danlage und Johannesstra├če zu nennen. Im Theaterpark des Stadttheater Gie├čen befinden sich Skulpturen des 1. Gie├čener Bildhauer Symposiums und das R├Ântgendenkmal. Im Theaterpark finden auch Veranstaltungen statt.

Weitere Parks in Gie├čen sind der Park an der Ostanlage mit kleinem Teich und Font├Ąne, welcher gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand und von einem Graben begrenzt war, der Kunstweg Gie├čen, der durch die Universit├Ątsabschnitte des Philosophikums I und II verl├Ąuft und neben den Skulpturen auch viel Gr├╝n bietet, sowie der park├Ąhnliche Alte Friedhof mitsamt dem Gr├╝nstreifen in Richtung Licher Stra├če.

Auch das teilweise noch sumpfige Naherholungsgebiet zwischen Wieseck und dem Philosophenwald, der Schwanenteich, ist eine Erw├Ąhnung wert. Er besteht aus mehreren Abschnitten und ist ringsum von Gehwegen, einer Laubbaumallee und der gr├╝nen Natur umgeben. Er ist ein beliebter Platz zum Sonnen und ist mit seiner direkten N├Ąhe zum Schwimmbad Ringallee ein h├Ąufig genutztes Freizeitziel Gie├čens. Des Weiteren befinden sich am Schwanenteich Fu├čballpl├Ątze und eine kleine Skate-Anlage.

Gie├čen will 2014 die Landesgartenschau unter dem Motto ÔÇ×Auf zu neuen UfernÔÇť ausrichten.[15]

Sport

Gie├čen verf├╝gt ├╝ber eine Reihe bekannter Sportvereine. Hier ist die dienst├Ąlteste Mannschaft der Herren-Basketball-Bundesliga (fr├╝her MTV 1846 Gie├čen, jetzt LTi Gie├čen 46ers) zu Hause, die bislang sowohl f├╝nf deutsche Meisterschaften (1965, 1967, 1968, 1975, 1978) als auch drei Pokalsiege (1969, 1973, 1979) verzeichnen konnte. Zudem geh├Ârt der MTV 1846 Gie├čen zu den ├Ąltesten noch existierenden Sportvereinen Deutschlands.

In der Vergangenheit gelangten die Bundesliga-Volleyballer des USC Gie├čen (Deutscher Meister 1982, 1983, 1984; Deutscher Pokalsieger 1984), die Handballfrauen des TV L├╝tzellinden oder auch die Tischtennis-Spieler und -Spielerinnen des Gie├čener SV (GSV) zu ├╝berregionalen Titelehren. Die Handballerinnen des TV L├╝tzellinden, eine der erfolgreichsten deutschen Mannschaften der 90er Jahre, erhielten 2004 keine Lizenz mehr f├╝r die 1. Bundesliga und wurden 2005 endg├╝ltig vom Spielbetrieb abgemeldet.

Im Tischtennis spielte in den 1970er Jahren die Damenmannschaft des Gie├čener SV in der Bundesliga. Bekannte Spielerinnen waren Christa Federhardt-R├╝hl, Britta Heilmann, Heidrun R├Âhmig-Flick, B├Ąrbel Zips, Gerlinde Glatzer, Gertrud Potocnik. Gisela Jakob, Karen Senior, Ulla Licher, Heike Kohl, Miriam Jupa, Angelika Schreiber und Evelin Ogroske. 1982 l├Âste sich diese Mannschaft auf.[16]

Der Rudersport ist mit drei Vereinen (WSV Hellas Gie├čen, RC Hassia Gie├čen, Gie├čener Rudergesellschaft) vertreten. Der erfolgreichste und zugleich ├Ąlteste unter ihnen ist die Gie├čener Rudergesellschaft 1877 e. V., die schon Weltmeister und Juniorenweltmeister(innen) in den letzten Jahren hervorgebracht hat. 1954 gr├╝ndeten die drei Vereine den Regatta-Verein Gie├čen e. V., welcher als Ausrichter bzw. Veranstalter der mittlerweile gr├Â├čten Ruderregatta Deutschlands fungiert, der Internationalen Gie├čener Pfingstregatta. Auf der Regattastrecke an der Lahn gingen in den letzten Jahren jeweils mehr als 2.000 Ruderinnen und Ruderer aus ganz Deutschland und dem europ├Ąischen Ausland an den Start. Die Gie├čener Pfingstregatta ist zudem eine der der ├Ąltesten Regatten in Deutschland ÔÇô die erste Ruderregatta fand bereits 1882 in Gie├čen statt.

Au├čerdem gibt es in Gie├čen Deutschlands ├Ąlteste Tanzschule, die Tanzschule B├Ąulke ÔÇô gegr├╝ndet 1787. Sie wird derzeit in der sechsten Generation fortgef├╝hrt. Des Weiteren gibt es in Gie├čen einen Sch├╝tzenverein mit der gr├Â├čten Bogenabteilung Hessens. Mit der Damenmannschaft der TSG Wieseck hatte Gie├čen bis einschlie├člich 2009 auch eine Leichtathletik-Bundesliga-Mannschaft. Neben den genannten Vereinen hat Gie├čen noch eine Vielzahl von Fu├čballvereinen, etwa den VfB Gie├čen, TSG Wieseck und die Fu├čballabteilung des MTV 1846 Gie├čen, sowie des TSV R├Âdgen.

Ortsneckname

Bild des Denkmals

Der oft ver├Ąchtlich benutzte Begriff Schlammbeiser, auch Schlammp-Eiser, ist der Ortsneckname der Gie├čener Bev├Âlkerung. Der Begriff geht zur├╝ck auf das ÔÇ×Schlamp-EisenÔÇť, ein Werkzeug eines Kanalreinigers (ÔÇ×Schlamp-EissersÔÇť), der ÔÇô bevor es geschlossene Kanalisationen gab ÔÇô den M├╝ll und Schmutz der H├Ąuser (ÔÇ×SchlammpÔÇť) mit einer langen Eisenstange (ÔÇ×EisenÔÇť) holte und mit Holzkarren au├čerhalb des Ortes entsorgte. Zwischen den H├Ąusern gab es oft kleine Gassen, in denen K├╝bel standen. In dem Freiraum ├╝ber diesen Gassen hingen die Aborte der H├Ąuser. Die Schlammbeiser zogen mit ihren langen Stangen die K├╝bel aus den kleinen Gassen heraus und leerten sie.

Im November 2005 wurde auf dem Gie├čener Kirchenplatz ein durch Spendengelder finanziertes Denkmal f├╝r den historischen Gie├čener Schlammbeiser eingeweiht. Die Statue scheint ├ähnlichkeit mit dem Initiator der Spendenkampagne zur Errichtung des Denkmals, Axel Pfeffer, zu haben. Der Schlossermeister vertritt als regional bekannte Fassnachtsfigur Schlammbeiser die Gie├čener Bev├Âlkerung ÔÇ×in der B├╝ttÔÇť. Tats├Ąchlich war jedoch Wilhelm Westbrock Vorbild f├╝r die Gestaltung, Inhaber der Kanalreinigungsfirma Willi Westbrock GmbH.

Der Name wird au├čerdem verwendet:

  1. f├╝r die Schlammbeiser Kirmes am Messeplatz, Schlammbeisers Kr├Ąmermarkt
  2. f├╝r das von der Stadt und den Lahnanliegern organisierte Fest ÔÇ×Schlammbeisers LahnlustÔÇť
  3. als Namensgeber f├╝r Gie├čener Vereine, Schiffsname beim Gie├čener Marineverein
  4. f├╝r das Schlammbeiser-Science-Camp der Gie├čener Stadtwerke f├╝r Grundschulkinder

1991 wurde Charly Weller f├╝r seinen Spielfilm ÔÇ×SchlambeisserÔÇť mit dem Max-Oph├╝ls-F├Ârderpreis ausgezeichnet.

Manische Sprache

Eine weitere Besonderheit in Gie├čen ist die heute nur mehr in Relikten vorhandene Manische Sprache. Es handelt sich dabei um einen sehr stark vom Romanes und auch vom Jenischen gepr├Ągten Sonderwortschatz der Angeh├Ârigen der sozialen Randgruppe der Jenischen.[17] Der hohe Romanesanteil ist ein Hinweis auf den Zuzug von Sintifamilien in der zweiten H├Ąlfte des 19. Jahrhunderts, der Jenisch-Anteil ein Hinweis auf den Zuzug von in der Mehrheitsbev├Âlkerung als ÔÇ×M├ĄckeserÔÇť bezeichneten Jenischen. Gesprochen wurde Manisch in Gie├čen auf der ÔÇ×GummiinselÔÇť, einer kleinen Backsteinhaussiedlung (ehemalige Arbeitersiedlung einer Gummifabrik, daher der Name) in der Weststadt Gie├čens, welche um die Jahrhundertwende angelegt und gebaut wurde und in anderen randst├Ąndigen Wohnquartieren wie dem Eulenkopf, dem Heyerweg und der Magarethenh├╝tte, aber auch im benachbarten Wetzlarer ÔÇ×FinsterlohÔÇť oder im wittgensteinischen Berleburg.[18]

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Gie├čen ist ein Verkehrsknotenpunkt Mittelhessens und Hessens und verbindet zum Beispiel Fulda, Kassel, Frankfurt am Main und Siegen miteinander. Das Lahntal b├╝ndelt die Verkehrsstr├Âme aus Norden (Marburg, Kassel) und Westen (Wetzlar, Limburg, Koblenz), die Wetterau schafft die Verbindung nach S├╝den (Frankfurt).

Stra├čenverkehr

Gie├čen ist umgeben von einem Teil-Autobahn-Netz, dem Gie├čener Ring.

Neben den ├╝berregional und international bedeutenden Autobahnen A 5 (FrankfurtÔÇôKassel) und A 45 (Dortmund-Aschaffenburg) bestehen die regionalen Strecken A 480 (von Wettenberg zum Reiskirchener Dreieck) und die autobahn├Ąhnlich ausgebaute B 49 (Trier-Wetzlar-Alsfeld) in Ost-West-Richtung und die A 485 (Ostumgehung) und B 429 (Westtangente) in Nord-S├╝d-Richtung. Die A485 ersetzt im Gie├čener Raum die Bundesstra├če 3, die fr├╝her mitten durch Gie├čen verlief. In s├╝d├Âstliche Richtung (Lich, Hungen) verl├Ąuft au├čerdem die Bundesstra├če 457.

Das Stadtgebiet wurde nach den schweren Kriegszerst├Ârungen autogerecht wiederaufgebaut, breite Einfallstra├čen f├╝hren zu einer Ringstra├če im Verlauf der ehemaligen Wallanlagen. Der Stadtkern innerhalb der ehemaligen Wallanlagen ist seit den 80er Jahren f├╝r den Autoverkehr weitgehend gesperrt. Zudem verf├╝gt Gie├čen seit 2005 ├╝ber ein Parkleitsystem, welches die Stadt in vier Parkzonen (Nord, S├╝d, Ost und West) einteilt und in den jeweiligen Bereichen die Anzahl an freien Parkpl├Ątzen auflistet.

Im Gie├čener Stadtgebiet gibt es zwei Lahn├╝berquerungen: Die Sachsenh├Ąuser Br├╝cke verbindet die Gie├čener Weststadt direkt mit der Innenstadt und 300m weiter s├╝dlich gelegene Konrad-Adenauer-Br├╝cke nimmt den Verkehr in Richtung Heuchelheim auf. Zudem ist zur Landesgartenschau 2014 eine Rad- und Fu├čwegebr├╝cke in Planung, welche die Nordstadt mit Gie├čen-West verbinden soll.[19]

Schienenverkehr

Bahnhof mit Vorplatz
Zugstation am Oswaldsgarten

Der Bahnhof Gie├čen ist bis heute ein bedeutender Knotenpunkt im Bahnverkehr. Der Bau der ICE-Schnellfahrstrecke W├╝rzburg/FrankfurtÔÇôHannover in den 80er Jahren, die den Fernverkehr zwischen Frankfurt und Kassel heute statt ├╝ber Gie├čen ├╝ber Fulda leitet, verschob die Bedeutung im Bahnnetz allerdings zugunsten der osthessischen Stadt.

Die wichtigste Bahnstrecke in Gie├čen ist die in Nord-S├╝d-Richtung verlaufende Main-Weser-Bahn von Frankfurt nach Kassel. Die K├Âln-Gie├čener Eisenbahn ├╝ber Wetzlar und Siegen verbindet Mittelhessen mit dem Rheinland und dem Ruhrgebiet. Die Lahntalbahn folgt dem Fluss ├╝ber Wetzlar und Limburg bis Koblenz. Die Vogelsbergbahn nach Alsfeld und Fulda umgeht das Gebirge, wie auch die Autobahn A5, an seiner Nordseite. Die Lahn-Kinzig-Bahn f├╝hrt von Gie├čen an den s├╝dlichen Ausl├Ąufern des Vogelsberges vorbei, weiter durch die ├Âstliche Wetterau ins Kinzigtal. Hierbei f├╝hrt sie durch die St├Ądte Pohlheim, Lich (Oberhessen), Hungen, Nidda und B├╝dingen nach Gelnhausen.

Gie├čen besitzt einen Bahnhof und folgende Haltepunkte:

  • Licher Stra├če (Haltepunkt an der Vogelsbergbahn)
  • Erdkauter Weg (Haltepunkt an der Lahn-Kinzig-Bahn)
  • Watzenborn-Steinberg/Petersweiher (an der Lahn-Kinzig-Bahn), der offizielle Name lautet jedoch POHLHEIM-Watzenborn-Steinberg. Petersweiher liegt direkt auf der anderen Seite des Bahnhofs, der fr├╝her neben Petersweiher auch Schiffenberg hie├č
  • Oswaldsgarten (Haltepunkt an der Main-Weser-Bahn f├╝r Regionalz├╝ge von und nach Marburg; Er├Âffnung 2004)

Hinzu kommen der G├╝terbahnhof sowie der im Stadtteil Klein-Linden gelegene Abzweigbahnhof Gie├čen-Bergwerkswald, der eine direkte Verbindung der Strecken von/nach Frankfurt bzw. Wetzlar unter Umgehung des Bahnhofs Gie├čen erm├Âglicht. Bis 2003 gab es in Gie├čen ein Bahnbetriebswerk.

Busverkehr

Den Nahverkehr in Gie├čen bestreiten heute unter anderem die Stadtwerke Gie├čen mit 15 Omnibuslinien. Gie├čen besa├č von 1909 bis 1953 eine Stra├čenbahn und von 1941 bis 1968 Oberleitungsbusse. Seit Oktober 2008 werden im Auftrag der Stadt am Wochenende zwei st├╝ndlich verkehrende Nachtbuslinien im Verkehrsversuch betrieben, deren Nutzung kostenfrei ist.[20]

Flugverkehr

Gie├čen verf├╝gt s├╝dwestlich ├╝ber einen Sportflugplatz bei L├╝tzellinden mit asphaltierter Landebahn und einen Segelflugplatz in der Wieseckaue. Der ehemalige Verkehrsflughafen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen, hier entstand das US-Depot Gie├čen.

Der Flughafen Frankfurt am Main ist etwa 70 Kilometer entfernt.

Medien

Gie├čen ist eine der wenigen deutschen St├Ądte mit unter 80.000 Einwohnern, welche ├╝ber zwei unabh├Ąngig voneinander erscheinende Tageszeitungen verf├╝gt. Sowohl der Gie├čener Anzeiger, eine der ├Ąltesten noch erscheinenden Tageszeitungen Deutschlands (ab 1750 als ÔÇ×Gie├čener WochenblattÔÇť), als auch die Gie├čener Allgemeine (von 1946ÔÇô1966 erschienen als ÔÇ×Gie├čener Freie PresseÔÇť) versorgen die Bev├Âlkerung mit Neuigkeiten. Beide Zeitungen verf├╝gen ├╝ber eigene Druck- und Verlagsh├Ąuser. Au├čerdem werden in Gie├čen die Gie├čener Zeitung, welche zweimal w├Âchentlich kostenlos alle rund 38.000 Haushalte der Stadt mit Informationen von Hobbyreportern versorgt, sowie die Mittelhessische Anzeigenzeitung und das Sonntag Morgenmagazin, die mittwochs bzw. sonntags kostenlos herausgegeben werden, verteilt. Donnerstags liegt in Gesch├Ąften, Kneipen und anderen Einrichtungen kostenlos der Express ÔÇô ein Magazin f├╝r Marburg und Gie├čen ÔÇô aus, der neben redaktionellen Beitr├Ągen vor allem Kleinanzeigen, TV-Programm und einen recht umfangreichen Veranstaltungskalender enth├Ąlt.

Der Hessische Rundfunk unterh├Ąlt sein Studio f├╝r die Region Mittelhessen in der Stadt, und auch der hessische Privatsender Hitradio FFH sowie die RTL Hessen GmbH sind mit Regionalstudios vertreten. Des Weiteren berichtet der lokale Radiosender MAIN FM (105,2 Mhz) von allem Wichtigen ├╝ber und aus der Universit├Ątsstadt. Zudem gibt es noch einen B├╝rgerfernsehsender, den Offenen Kanal Gie├čen, der seinen Sitz im Unteren Hardthof nahe dem Evangelischen Krankenhaus hat.

Bildung

Justus-Liebig-Universit├Ąt
Fassade der Technischen Hochschule Mittelhessen (2003)

Die wichtigste und bekannteste Bildungseinrichtung der Stadt ist die Justus-Liebig-Universit├Ąt (JLU). Sie wurde bereits 1607 von Landgraf Ludwig V. gegr├╝ndet und hie├č nach ihm bis 1945 Ludwigsuniversit├Ąt oder Ludoviciana. Dem Landgrafen ist die Universit├Ąt dennoch bis heute verbunden: das Hauptgeb├Ąude der JLU steht in der Ludwigstra├če in der s├╝dlichen Innenstadt. 2005 waren 21.177 Studenten an der JLU immatrikuliert, 2009 bereits 24.000. Der Schwerpunkt der Lehre liegt auf den naturwissenschaftlichen und medizinischen F├Ąchern. Die JLU bietet als eine der wenigen Universit├Ąten in Deutschland auch Veterin├Ąrmedizin und Agrarwissenschaften an.

Neben den Geb├Ąuden an der Ludwigstra├če sind die Institute der Universit├Ąt in zwei gro├čen Bereichen konzentriert, dem Philosophikum I und II im Osten der Stadt sowie den medizinischen und naturwissenschaftlichen Instituten im S├╝den von Gie├čen, wo sich auch das Universit├Ątsklinikum befindet.

Die zweite Hochschule in Gie├čen ist die 1971 gegr├╝ndete Technische Hochschule Mittelhessen, ehemals Fachhochschule Gie├čen-Friedberg, mit gesamt 11.800 Studenten, davon etwa 7100 im Bereich Gie├čen, wovon wiederum rund 656 Studenten bei StudiumPlus in Wetzlar studieren.

Als dritte, jedoch private, Hochschule hat die Freie Theologische Hochschule Gie├čen als erste evangelikale Hochschule in Deutschland im Oktober 2008 ihren Betrieb aufgenommen. Sie ist aus der ehemaligen Freien Theologischen Akademie hervorgegangen.

Gie├čen hat mit etwa 40 % die h├Âchste Studentendichte in Deutschland. Auf etwa 75.000 Einwohner kommen insgesamt rund 30.000 Studenten.

Das Katholische Bildungswerk Oberhessen[21] ist Tr├Ąger der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Mainz in den Kreisen Vogelsberg, Gie├čen und der Wetterau.

Zwei Jahre vor der Gr├╝ndung der Universit├Ąt wurde das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium als Lateinschule gegr├╝ndet.

  • Grundschulen
    • Br├╝der-Grimm-Schule
    • Georg-B├╝chner-Schule
    • Goetheschule
    • Grundschule Gie├čen-West
    • Grundschule L├╝tzellinden
    • Grundschule R├Âdgen
    • Kleebachschule Allendorf
    • Korczak-Schule
    • K├Ąthe-Kollwitz-Schule
    • Ludwig-Uhland-Schule
    • Pestalozzischule
    • Sandfeldschule
    • Wei├če Schule Wieseck
  • Haupt- und Realschulen
    • Alexander-von-Humboldt-Schule
    • Pestalozzischule
  • Gesamtschulen
    • Br├╝der-Grimm-Schule
    • Friedrich-Ebert-Schule
  • F├Ârderschulen
    • Albert-Schweitzer-Schule
    • Helmut-von-Bracken-Schule
    • Agnes-Neuhaus-Schule im Sprachheilzentrum Gie├čen
    • Martin-Buber-Schule
  • Berufliche Schulen
Amtsgericht

Justiz

Verwaltungsgericht

Im Bereich Ostanlage/Gutfleischstra├če/Marburger Stra├če befindet sich das Gie├čener Justizzentrum. Hier sind das Landgericht Gie├čen, das Amtsgericht Gie├čen, das Verwaltungsgericht Gie├čen, das Sozialgericht Gie├čen, die Gie├čener Staatsanwaltschaft, sowie die Justizvollzugsanstalt zu finden. Auch die JVA Rockenberg unterh├Ąlt hier eine Au├čenstelle f├╝r Offenen Vollzug. Das Arbeitsgericht Gie├čen befindet sich nicht in diesem Bereich, sondern in der Friedrich-List-Stra├če. Das Ortsgericht Gie├čen I ist in der Villa Leutert nahe der Technischen Hochschule Mittelhessen untergebracht.

Landgericht Gie├čen

Ans├Ąssige Unternehmen

In Gie├čen sind folgende industrielle Unternehmen ans├Ąssig:

  • Heyligenstaedt: Werkzeugmaschinen (Firmensitz)
  • Gail: Architektur-Keramik (Firmensitz)
  • Gie├čener Brauhaus: Bier und Biermixgetr├Ąnke
  • ROTH-Gruppe: Mineral├Âl- und Fl├╝ssiggasprodukte (Firmensitz)
  • Lilly: Pharmazieprodukte
  • Mettler-Toledo: Pr├Ązisionsmessger├Ąte (Sitz Deutschland)
  • Canon: Kopierer
  • Messe Gie├čen: Veranstaltungen (Firmensitz)
  • Lakewood Guitars: Gitarren
  • ORDAT: Softwarel├Âsungen (ERP-Systeme)
  • Poppe & Co.: Gummiwaren, zum Beispiel Dichtungen und Textilien (Firmensitz)
  • ZAUG (Zentrum Arbeit und Umwelt Gie├čen)
  • Ludwig Schneider GmbH & Co. KG: Baugewerbe (Firmensitz Gie├čen/Heuchelheim)
  • Pascoe: Naturmedizin

Gail galt fr├╝her als renommiertes Keramik- und Tonunternehmen und stellte unter anderem Produkte f├╝r den Elbtunnel, Stadien, Olympiahallen und -schwimmb├Ądern und Spaceshuttles her. Mittlerweile sind einige Teile des Unternehmens abgespalten, die Basis besteht jedoch immer noch. Auch die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking wurden unter anderem von Gail ausgestattet.

Das Gie├čener Brauhaus ist nebst der Licher Brauerei in einer Kleinstadt im Landkreis Gie├čen die einzige noch existente Privatbrauerei der Region. Kleinstbrauereien wie das ÔÇ×Alt-Gie├čenÔÇť, die ihre Produkte nicht au├čerhalb ihrer Brauerei verkaufen, werden dabei nicht ber├╝cksichtigt.

In Gie├čen befand sich auch das einzige europ├Ąische Drucker-/Kopiererwerk von Canon, bis die Produktion 2008 eingestellt wurde. Seither beschr├Ąnkt sich der Standort Gie├čen auf Service, Organisation und Planung. Das Werk Gie├čen war zudem das erste Werk, das Canon au├čerhalb des Heimatlandes Japan er├Âffnete. Es wurde 1972 gegr├╝ndet.

Pers├Ânlichkeiten

Ber├╝hmte Pers├Ânlichkeiten der Stadt sind unter anderem Justus Liebig, der Erfinder des Kunstd├╝ngers, des Liebigkolbens und des Liebigextraktes sowie erster Beschreiber des Kohlenstoffkreislaufes - um ein paar Beispiele zu nennen -, nach dem die Gie├čener Universit├Ąt benannt wurde, Wilhelm Conrad R├Ântgen, der erste Nobelpreistr├Ąger f├╝r Physik (1901), der hier lehrte und begraben ist und Wilhelm Liebknecht, der in Gie├čen geborene Mitbegr├╝nder der SPD.

Georg B├╝chner studierte in Gie├čen, gr├╝ndete 1834 die ÔÇ×Gesellschaft f├╝r MenschenrechteÔÇť und ver├Âffentlichte den ÔÇ×Hessischen LandbotenÔÇť, welchen er auf der Badenburg verfasste.

Johann Wolfgang von Goethe, der sich als Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar (etwa 15 km westlich von Gie├čen) aufhielt, war seinerzeit auch mehrfach in Gie├čen und u.a. im Gasthaus ÔÇ×Zum L├ÂwenÔÇť (Neuenweg) anzutreffen.

Der Psychoanalytiker und Aktivist der Friedensbewegung Horst-Eberhard Richter war von 1962 bis 1991 Professor in Gie├čen. Er ist Mitbegr├╝nder der Internationalen Vereinigung der ├ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Einen Vorschlag, Richter zum Ehrenb├╝rger Gie├čens zu ernennen, lehnte das Stadtparlament 2003 zun├Ąchst ab, was vor Ort und bundesweit heftige Auseinandersetzungen ausl├Âste[22] Im Dezember 2007 wurde er dann doch zum Ehrenb├╝rger Gie├čens ernannt.

Charly Weller, Filmregisseur, besuchte unter anderem die Schillerschule (heute Georg-B├╝chner) in Gie├čen, war zu dieser Zeit Steuermann beim R. C. Hassia, studierte in Berlin Jura und Publizistik, war Regieassistent unter Peter Fleischmann, wurde f├╝r die TV-Dokumentation 4 Wochen ohne Fernsehen mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet; sein Kurzfilm The Only Forgotten Take of Casablanca erhielt bei den Filmfestspielen in Cannes den Prix-du-Jury; er drehte die Spielfilme Schlammbeisser, Wetzlar ist nicht Washington und andere, wurde mit dem Max-Oph├╝ls-F├Ârderpreis ausgezeichnet, war Autor und Regisseur zahlreicher Fernsehspiele und Serienfolgen f├╝r Ein Fall f├╝r Zwei, Die Kommissarin, Auf Achse und andere.

Fritz Roth, Schauspieler, studierte in Gie├čen zuerst Landwirtschaft, dann Deutsch und Philosophie. Dort kam er mit dem Theater erstmals als Kulissenschieber in Kontakt. Der Wechsel vor die Kulissen erfolgte 1989 auf der Burg M├╝nzenberg in Dantons Tod. Man sah ihn in dem Kinofilm Good Bye, Lenin! in einer kleinen Rolle, f├╝r seine Darstellung von MuxÔÇÖ Gehilfen Gerd in dem Film Muxm├Ąuschenstill wurde er in der Kategorie Bester Nebendarsteller f├╝r den Deutschen Filmpreis 2004 nominiert.

Hans-Jochen Vogel, ehemaliger Bundesminister f├╝r Raumordnung, Bauwesen und St├Ądtebau, nachfolgend Bundesminister f├╝r Justiz und B├╝rgermeister Berlins sowie sein Bruder Bernhard Vogel, ehemaliger Ministerpr├Ąsident Th├╝ringens und Rheinland-PfalzÔÇÖ, absolvierten einen Teil ihrer Kindheit in Gie├čen und besuchten unter anderem das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium. Hans-Jochen schloss dort auch sein Abitur ab.

Kevin Nash, US-Amerikanischer Wrestler und Schauspieler spielte. Vor und w├Ąhrend seiner Armyzeit in der Gie├čener Kaserne spielte Nash Basketball beim damaligen MTV 1846 Gie├čen.

Frank-Walter Steinmeier (ehemaliger Au├čenminister und Vizekanzler, SPD) studierte Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universit├Ąt Gie├čen, wo er danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete und schlie├člich promovierte. Seine Zeit an der Gie├čener Universit├Ąt lag etwa gleichauf mit der seiner Mitstudentin und sp├Ąteren Regierungskollegin, der Bundesministerin f├╝r Justiz Brigitte Zypries.

Til Schweiger (eig. Tilman Valentin Schweiger), Schauspieler, Regisseur und Produzent; verbrachte seine Jugend in Heuchelheim (Kreis Gie├čen) und absolvierte das Abitur an der Gie├čener Herderschule. Schweiger wurde durch den Film Der bewegte Mann in Deutschland ber├╝hmt und ist mittlerweile auch international bekannt. Nach mehreren Hollywoodengagements (Lara Croft: Tomb Raider ÔÇô Die Wiege des Lebens, King Arthur) widmete er sich wieder ├╝berwiegend deutschen Filmproduktionen, bei denen er teilweise als Regisseur, Produzent und Schauspieler mitarbeitete (Barfu├č, Keinohrhasen).

Ciara (Ciara Princess Harris) ist eine US-amerikanische RÔÇÖnÔÇÖB-S├Ąngerin, die ihre Jugend In Gie├čen verbracht hat. Nachdem sie in die Vereinigten Staaten umgezogen ist, hat sie mehrere Hits rausgebracht (1,2 Step, Like A Boy).

Aus Gie├čen stammen folgende ├╝berregional bekannte Bands: Die Punkbands Boxhamsters (gegr├╝ndet 1987) und Pestpocken (gegr├╝ndet 1997) und die Pop/Rock-Band Juli (gegr├╝ndet 2001). Letztere wurde in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends mit den Liedern ÔÇ×Perfekte WelleÔÇť und ÔÇ×Geile ZeitÔÇť bekannt.

Stefan Bellof (* 20. November 1957 in Gie├čen), war deutscher Rennfahrer und wurde 1984 Langstrecken-Weltmeister. Er starb 1985 in Spa-Francorchamps/Belgien bei einem Unfall.

Siehe auch

 Portal:Mittelhessen ÔÇô ├ťbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Mittelhessen

Literatur

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkm├Ąler Hessen. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1999, ISBN 3-422-00380-0.
  • Erwin Knau├č: Zwischen Kirche und Pforte. 1200 Jahre Wieseck. Gie├čen-Wieseck 1975. (Hrsg.: Stadt Gie├čen)
  • Karlheinz Lang: Universit├Ątsstadt Gie├čen. Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 1993, ISBN 3-528-06246-0. (Hrsg.: Landesamt f├╝r Denkmalpflege Hessen) (Reihe: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkm├Ąler in Hessen)
  • Thomas Michael Martin u. a. (Hrsg.): Festschrift f├╝r Erwin Knau├č zu seinem 70. Geburtstag. In: Mitteilungen des oberhessischen Geschichtsvereins Gie├čen. NF Bd. 77. Gie├čen 1992.
  • Otto Stumpf: Einwohnerlisten des Amtes Gie├čen vom 15. bis zum 17. Jahrhundert (1470ÔÇô1669). Gie├čen 1983.
  • Thomas Weyrauch: St├Ądtische Amts- und Gewerbeordnungen der fr├╝hen Neuzeit im mittleren Hessen. In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gie├čen. Neue Folge, Band 72/1987, ISSN 0342-1198.
  • Thomas Weyrauch: Gie├čener Rechtsquellen f├╝r ├ämter und Gewerbe 1528ÔÇô1737. In: Ver├Âffentlichungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gie├čen e. V. ISSN 0342-1198, Gie├čen 1989.
  • Thea Altaras: St├Ątten der Juden in Gie├čen von den Anf├Ąngen bis heute. Die Blauen B├╝cher K├Ânigstein i. Ts. 1998, ISBN 3-7845-7793-8.

Weblinks

 Commons: Gie├čen ÔÇô Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Gie├čen ÔÇô Zitate

Einzelnachweise

  1. ÔćĹ Bev├Âlkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2010 (Hilfe dazu)
  2. ÔćĹ Die JLU auf den Punkt gebracht ÔÇô Zahlen und Fakten rund um Studium, Lehre und Forschung. auf der Webseite der Justus-Liebig-Universit├Ąt Gie├čen
  3. ÔćĹ FH Gie├čen-Friedberg, Statistik vom 29. September 2009.
  4. ÔćĹ Hauptsatzung der Stadt Gie├čen, abgerufen am 30. M├Ąrz 2011
  5. ÔćĹ Geoklima 2.1
  6. ÔćĹ Ludwig Brake: Gie├čen ÔÇô eine Standortbestimmung. (online)
  7. ÔćĹ Konversion Berg-Kaserne (online)
  8. ÔćĹ Bebauungsplan Steubenkaserne
  9. ÔćĹ Zusammenhalt und Verst├Ąndnis f├╝r den jeweils anderen als Ziel. Gr├╝ndungsveranstaltung des Aram├Ąischen Jugendvereins Gie├čen 2009. In: Gie├čener Anzeiger. 25. Mai 2010.
  10. ÔćĹ Stadt Gie├čen: Gemeindewahl 2011 ÔÇô Vorl├Ąufiges Endergebnis.
  11. ÔćĹ Wahlleiter der Universit├Ątsstadt Gie├čen: Wahl der Oberb├╝rgermeisterin / des Oberb├╝rgermeisters der Universit├Ątsstadt Gie├čen 2009 ÔÇô Vorl├Ąufiges Wahlergebnis, abgerufen am 8. Juni 2009
  12. ÔćĹ Fotos des Lufthansa Airbus A340-313X Giessen D-AIFD
  13. ÔćĹ Randolf F├╝gen: Highlights in Mittelhessen, S. 102
  14. ÔćĹ Freda Wagner: Gie├čens fragw├╝rdiges Wahrzeichen: Das Elefantenklo; abgerufen am 16. Juli 2010
  15. ÔćĹ Landesgartenschau 2014 in Gie├čen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. M├Ąrz 2008
  16. ÔćĹ Siggi Richter: Vom Abschied einer Mannschaft und vom Ende einer Epoche: TISCHTENNIS: Hochzeit und Fall der Bundesliga-Damen des Gie├čener SV. In: Gie├čener Allgemeinen Zeitung. 1. April 1982.
  17. ÔćĹ Hans-G├╝nter Lerch: Das Manische in Gie├čen: die Geheimsprache einer gesellschaftlichen Randgruppe, ihre Geschichte und ihre soziologischen Hintergr├╝nde. Anabas Verlag, Gie├čen 1976, ISBN 3-87038-048-9 (├╝berarbeitete Fassung einer Gie├čener Dissertation von 1973, mit W├Ârterbuch); 2. Aufl. 1981, ISBN 3-87038-079-9; 3. Aufl. 1986, ISBN 3-87038-079-9; Sonderauflage zum 175-j├Ąhrigen Jubil├Ąum der Ferber'schen Universit├Ąts-Buchhandlung, Ferber, Gie├čen 1997, ISBN 3-927835-91-9.
  18. ÔćĹ Fritz Neusch├Ąfer: Die Geschichte der ÔÇ×JenischenÔÇť und ÔÇ×ManischenÔÇť in Gie├čen. In: Manfred H. Kl├Âs (Bearb.): Ein St├╝ck Gie├čener Geschichte. Gie├čen 1988, S. 51ÔÇô55.
  19. ÔćĹ Stadt nimmt die dritte Lahnbr├╝cke in Angriff in: Gie├čener Allgemeine am 21. August 2008.
  20. ÔćĹ Nachtbuslinien ÔÇ×VenusÔÇť und ÔÇ×SaturnÔÇť
  21. ÔćĹ Webseite des Katholischen Bildungswerks Oberhessen
  22. ÔćĹ Horst-Eberhard Richter in: Hessischer Rundfunk: Autoren in Hessen. 20. Februar 2004.

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