Ginkgo

Ginkgo
Älterer Ginkgobaum (Ginkgo biloba)

Älterer Ginkgobaum (Ginkgo biloba)

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Ginkgopflanzen (Ginkgoopsida)
Ordnung: Ginkgoartige (Ginkgoales)
Familie: Ginkgogewächse
Gattung: Ginkgo
Art: Ginkgo
Wissenschaftlicher Name der Familie
Ginkgoaceae
Engl.
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Ginkgo
L.
Wissenschaftlicher Name der Art
Ginkgo biloba
L.
Ginkgo biloba im Winter

Der Ginkgo oder Ginko[1] (Ginkgo biloba) ist eine in China heimische, heute weltweit angepflanzte Baumart. Er ist der einzige lebende Vertreter der Ginkgoales, einer ansonsten ausgestorbenen Gruppe von Samenpflanzen, und wird daher auch als „Lebendes Fossil“ bezeichnet. Natürliche Populationen sind nur aus den Provinzen Chongqing und Guizhou im Südwesten Chinas bekannt.

In Ostasien wird der Baum wegen seiner essbaren Samen oder als Tempelbaum kultiviert. Er wurde von holländischen Seefahrern aus Japan nach Europa gebracht und wird hier seit etwa 1730 als Zierbaum gepflanzt.

Zum Jahrtausendwechsel erklärte das deutsche „Kuratorium Baum des JahresGinkgo biloba zum Mahnmal für Umweltschutz und Frieden und zum Baum des Jahrtausends.[2]

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Habitus

Der Ginkgo ist ein sommergrüner Baum, das heißt, er wirft im Herbst seine Blätter ab. Er kann 1000 Jahre und älter werden und Wuchshöhen von bis zu 40 Metern[3] und einen Brusthöhendurchmesser (BHD) von 1 bis 4 Meter erreichen. Ein Exemplar aus Korea besitzt eine Höhe von 64 Meter und einen BHD von 4,45 Metern.[3] Der junge Baum wächst meistens schlank und auffallend gerade in die Höhe. Sein Umriss ist pyramidenförmig und er ist nur spärlich beastet. Dies ändert sich zunehmend beim älteren Baum ab 25 Jahren, dessen Äste sich immer mehr in die Waagerechte bewegen und so eine ausladende, mächtige Baumkrone bilden können. Meistens besitzt der Ginkgo zwei Haupttriebe, von denen einer schwächer ausgebildet ist. Bäume, die unter Stress stehen, können in Bodennähe oder darunter Sekundärstämme bilden, die aus wurzelartig wachsenden Trieben entstehen.

Holz

Das harzfreie, weiche und leichte Holz des Ginkgos weist eine feine Textur auf und ähnelt dem der entwicklungsgeschichtlich jüngeren Koniferen. Das hellbraune Kernholz lässt sich nur schwer vom hellgelben Splintholz unterscheiden. An Stammkrümmungen oder Ästen entsteht häufig Druckholz, das unabhängig von der Kontrolle des Hauptsprosses wächst. Der Zellulose-Gehalt liegt zwischen 40 und 42 Prozent und der Lignin-Gehalt bei 30 bis 34 Prozent. Die Rohdichte liegt je nach Herkunftsort zwischen 0,32 und 0,403 g/cm³. Im Gegensatz zu Nadelhölzern sind bei dieser Art Tracheiden in verschiedenen Größen vorzufinden. Bei den Radialwänden der Tracheiden können 1 bis 2, manchmal auch 3 Reihen von Hoftüpfeln festgestellt werden. Darüber hinaus lagern sich in den Tracheiden viele Calciumoxalat-Kristalle an. Das Holz eignet sich gut für Schnitzerarbeiten und findet als Paneel Verwendung. Es werden kaum Bestände zur reinen Holzgewinnung angebaut.[3]

Rinde und Borke

Die Borke von ausgewachsenen Bäumen ist dunkelgrau, rau, tief gefurcht und schwer entflammbar; dies macht die Bäume mäßig feuerresistent. Bei jüngeren Stämmen ist sie graubraun und weist hellbraune Risse auf. Die Rinde einjähriger Zweige ist hellgrau und geht bei zweijährigen Zweigen ins Hellbraune über.[3]

Knospen, Blätter und Triebe

Ginkgoblätter in der Nahaufnahme

Sehr auffällig sind die Terminalknospen. Sie sind lohfarbig (hellbraun), haben einen Durchmesser von 2 bis 5 mm und sind von kleinen Blättern ohne Achselknospen umgeben, wobei sich die Tegmente schuppenartig anordnen.

Eine Besonderheit in der Pflanzenwelt stellen die sehr charakteristischen fächerförmigen, breiten Laubblätter dar. Sie sind in der Mitte mehr oder weniger stark eingekerbt und die Blattform variiert je nach der Stellung am Trieb und der Wuchskraft des Baumes, weshalb kaum ein Ginkgo-Blatt dem anderen gleicht. Blätter von jungen Bäumen sind deutlich anders geformt als die von alten Bäumen (Altersdimorphismus). An Kurztrieben und an der Basis von Langtrieben erreichen die Blätter eine Breite von 4 bis 8 Zentimeter und sind entweder ungeteilt oder durch Einschnitt zweilappig. Die Blätter an den Spitzen von Langtrieben besitzen deutlich tiefere Ausbuchtungen, die die Blätter in zwei oder mehr Lappen teilt, und werden zwischen 6 und 10 Zentimeter breit. Der Blattstiel wird zwischen 4 und 10 Zentimeter lang. Alle Blätter sind gabelnervig (dichotom), evolutionär betrachtet ein sehr ursprüngliches Merkmal. Sie sind zu Beginn ihres Wachstums im Frühjahr hellgrün und dunkeln über den Sommer nach, im Herbst färben sie sich auffallend hellgelb bis goldgelb und fallen schließlich etwa Anfang November ab.[3]

Die Äste bilden Langtriebe und Kurztriebe aus. Die Langtriebe können je nach Bedingungen zwischen 20 und 100 Zentimeter im Jahr wachsen. Aus den Langtrieben wachsen versetzte (wechselständige) Blätter, aus deren Blattstielansätzen wiederum achselständige Knospen wachsen. Kurztriebe sind sehr langlebig – sie werden bis 60 Jahre alt und wachsen häufig nur ein paar Millimeter im Jahr, weshalb sie kaum eine Länge von 20 Zentimeter erreichen. Kurztriebe können sich ganz unerwartet zu Langtrieben entwickeln.[3]

Wurzeln

Ginkgobaum mit Aereal Chichi an den Ästen und Basal Chichi am Boden

Während bei Altbäumen die Seitenwurzeln dominieren, bilden Jungbäume eine bis zu 1 Meter lange Pfahlwurzel aus. Anders als in vielen Literaturberichten dargestellt bildet der Ginkgo keine Wurzelbrut aus.[3] Der Baum hat relativ dicke Feinwurzeln von über 0,5 Millimeter, die von sehr vielen Wurzelhaaren bedeckt sind.[3]

Ginkgo besitzt die Fähigkeit, bei schlechten Umweltbedingungen über dem Boden „aereal chichi“ und unter dem Boden „basal chichi“ zu bilden. „Aereal chichi“ sind einem Tropfstein ähnelnde (stalaktitenartige) verholzte, über 1 Meter lange Anschwellungen, die bei sehr alten Ginkgobäumen an den Ästen oder am Stamm in Asthöhe aus überwallten Sprossknospen entstehen. Berühren diese verholzten Anschwellungen den Boden, entstehen unter günstigen Bedingungen zahlreiche vegetative Sprosse, die sich zu einer eigenständigen Pflanze entwickeln können. „Basal chichi“ sind verholzte, rhizomähnliche Anschwellungen, aus denen meist Sekundärstämme und Adventivwurzeln hervorgehen. Die Entwicklung der „basal chichi“ ist meistens auf wurzelartige, zur Schwerkraft (positiv geotrop) wachsende Triebe (auch Lignotuber genannt) zurückzuführen. Stimuliert durch traumatische Reize, treibt aus den Knospen in den Achseln der beiden Kotyledonen eine dieser Knospen aus, und die entsprechenden Triebe wachsen vom Spross in Richtung Schwerkraft. Auch hier kann eine eigenständige Pflanze entstehen, die aber meist mit der Mutterpflanze verbunden bleibt.[3]

Blüten und Samen

Männliche Blütenstände des Ginkgo
Weibliche Blütenstände des Ginkgo
Samen des Ginkgo mit Sarcotesta
Sezierter Ginkgosamen ohne Sarcotesta

Der Ginkgo ist ein Windbestäuber und blüht im März, er ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es existieren also männliche und weibliche Pflanzen. Gelegentlich treten einhäusig-getrenntgeschlechtige (monözische) Bäume auf.[3] Die Bäume unterschiedlichen Geschlechts sind bis zur Geschlechtsreife, die erst im Alter zwischen 20 und 35 Jahren erfolgt, äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden.

Weibliche und männliche Blüten wachsen mit Laub- und Niederblättern aus mehrjährigen Kurztrieben. Männliche Blüten bestehen aus 2 bis 3 cm langen Kätzchen. Es wachsen fast immer zwei Pollensäcke an einem Stiel (Träger). Sie treiben vor den eigentlichen Blättern aus und fallen nach dem Bestäuben je nach Temperatur von Anfang April bis Ende Mai wieder ab.

Die 2 bis 3 mm großen weiblichen Blüten[3] bestehen aus einem äußeren Integument mit einer als Mikropyle bezeichneten Öffnung im oberen Bereich. Im Inneren der Samenanlagen befindet sich das vom Integument umhüllte Megasporangium (Nucellus) in dessen Inneren sich wiederum die funktionsfähige Megaspore befindet.[4]

Der nach der Befruchtung aus den weiblichen Blüten entstehende Ginkgosamen ähnelt äußerlich den Mirabellen und hat einen essbaren Kern von 20 bis 30 × 16 bis 24 mm. Er besteht aus einem Embryo, eingebettet in das Nährgewebe (primäres Endosperm) des weiblichen Gametophyten und ist umgeben von drei Schichten: der dünnhäutigen Innenschicht (Endotesta), einer harten verholzten Mittelschicht (Sklerotesta) und einer dicken Samenschale (Sarcotesta), die früher einmal das Integument war und bei der Reifung einen unangenehmen Geruch nach Buttersäure entwickelt. Die sich entwickelnde Samenschale ist bis zur Reife im Herbst grün, bei Kälteeinbruch wird sie gelb, bis der Samen schließlich abfällt. Das Tausendkorngewicht beträgt rund 1500 Gramm.[3]

Fortpflanzung

Der Befruchtungszeitpunkt liegt je nach Zeitpunkt der Bestäubung zwischen Ende August und Ende September.[3] Im noch immer existenten Generationswechsel entspricht der Ginkgobaum dem Sporophyt der Farne und Moose. Allerdings werden die Sporen der weiblichen Pflanzen nicht mehr in die Luft freigesetzt, sie sind vielmehr gleichsam im Sporangium sesshaft geworden und relativ groß (genannt Megasporen; Megasporen gibt es auch bei diversen Algen). Überdies erhalten die Megasporen von den Ginkgopflanzen, die sie bilden, so viel Nahrung zugeteilt, dass sie später ohne selbständige Ernährung Geschlechtszellen entwickeln können. Die Sporen der männlichen Pflanzen (genannt Mikrosporen oder Pollen) erfahren noch im „Mikrosporangium“ (der Anthere) ihre ersten mitotischen Teilungen und werden so zum Mikrogametophyten und als solche über den Wind verbreitet.

Die Befruchtung erfolgt über große, sich selbstständig bewegende Spermatozoiden, also Zellen mit Geißeln. Die weiblichen Blüten (Samenanlagen) sondern an der Spitze (Mikropyle) eine für die Fortbewegung der männlichen Geschlechtszellen nötige schleimige Flüssigkeit (Pollinations-Tröpfchen) ab. Nach dem Einfangen der Pollenkörner durch die Pollinations-Tröpfchen gelangt der Pollen durch das Eintrocknen der Flüssigkeit in die Pollenkammer. Durch das Eintrocknen wird auch die Mikropyle verschlossen. Im männlichen Gametophyten setzt dann eine vier Monate anhaltende Differenzierungsperiode ein, bei der das Pollenkorn in der Pollenkammer auskeimt, einen Pollenschlauch bildet, der an seiner Spitze eine stark verzweigte haustoriale Struktur entwickelt, die das weibliche Gewebe (Nucellus) über mehrere Monate durchdringt, als eine Art Haftorgan (Haustorium) dient und Nährstoffe aufnimmt. Der Pollenschlauch ist nichts anderes als das Rudiment eines einstmals selbständig wachsenden Gametophyten. Die Geschlechtsgeneration (der Gametophyt) ist bei Ginkgo (und bei allen anderen Samenpflanzen) also extrem reduziert. Der Pollenschlauch hat ein interzellulares Wachstum im Nucellus. Zum Ende seiner Entwicklung schwillt das basale Ende des Pollenschlauches so weit an, bis es ein sackartiges Gebilde annimmt, das in unmittelbarer Nähe des Archegoniums zerplatzt und zwei vielgeißelige, schwimmfähige Geschlechtszellen (Spermatozoiden) entlässt. Die beiden Spermatozoiden schwimmen dann zu den weiblichen Gametophyten, von denen eines den Gametophyt durchdringt und mit der Eizelle verschmilzt.[4]

Phylogenetisch formuliert kann man also sagen: Im Inneren der Megaspore (=Embryosackmutterzelle) entwickelt sich ein extrem stark reduzierter Megagametophyt (=befruchtungsfähiger Embryosack), der über sein Megagametangium (Synergiden) einen Megagameten (Eizelle) erzeugt. Die Mikrospore wird als stark reduzierter Mikrogametophyt (mehrzelliges Pollenkorn) vom Wind zum Megagametophyten geweht, wo sie auskeimen, Mikrogameten (Spermatozoide) entlässt und damit den Megagameten befruchten. Für Pflanzen eine recht ungewöhnliche Entwicklung, die ebenfalls ein ursprüngliches Merkmal darstellt.[5] Meistens erfolgt die eigentliche Verschmelzung der Spermatozoiden mit der Eizelle erst Wochen nach dem Abfallen der Samenanlagen.[4]

Verbreitung und Standort

Ginkgosämling

Als ursprüngliches Verbreitungsgebiet werden die mesophytischen Mischwälder, die einst das Hügelland entlang des Jangtsekiang bedeckten, genannt. In Dokumenten aus dem 11. Jahrhundert wird als Ursprungsgebiet eine Region südlich des Jangtsekiang genannt, die dem heutigen Ningguo-Distrikt in der Provinz Anhui entspricht.[3] Natürliche Populationen sind nur aus dem Südwesten Chinas bekannt. Die Populationen an den Südhängen des Jinfo-Gebirges in der Provinzen Chongqing weisen im Vergleich mit anderen Populationen in China eine ausgeprägte genetische Diversität auf und gelten daher als natürlich. In den angrenzenden Gebieten der Provinz Guizhou sind zahlreiche kleine Populationen vorhanden, die ebenfalls als natürliche Vorkommen des Ginkgos angesehen werden.[6] Die lange Zeit als natürliches Vorkommen geltende Population auf dem Westgipfel des Tianmu Shan im Nordwesten der Provinz Zhejiang ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf Anpflanzungen durch buddhistische Mönche zurückzuführen.[7]

Wie die meisten Bäume geht auch der Ginkgo eine Symbiose mit verschiedenen Mykorrhiza-Pilzen ein, unter anderem mit Glomus epigaeum.[8] Er ist sehr unempfindlich gegenüber Luftschadstoffen und eignet sich deshalb sehr gut als Straßen- und Parkbaum. Des Weiteren ist er weitgehend resistent gegen Insektenfraß sowie von Pilzen, Bakterien und Viren ausgelöste Krankheiten, erträgt Temperaturen von bis zu −30 °C und wächst sowohl auf sauren wie alkalischen Böden, wobei bei ersteren meist ein schlechteres Wachstum zu erkennen ist. Sehr nasse, aber auch übermäßig trockene Böden dagegen werden nicht toleriert.

In den USA zeigten angepflanzte Ginkgobäume ein gutes Wachstum bei reichhaltigen, über das ganze Jahr verteilten Niederschlägen. Bei kalten Winden, subtropischen und sehr hohen Temperaturen während der Vegetationsperiode war dagegen schlechtes Wachstum zu erkennen.[3]

Botanische Geschichte

Zweig und Frucht des Ginkgo in Engelbert Kaempfers Amoenitatum Exoticarum (1712). Die Zeichnung hatte Kaempfer in Japan angefertigt, das Schriftzeichen stammt aus dem Bildwörterbuch Kinmōzui.

Der Name Ginkgo leitet sich vom chinesischen Yín Xìng (chinesisch 銀杏) her, dessen sinojapanische Aussprache Ginkyō (jap. phonographisch ギンキョウ) ist. Es handelt sich um eine Kombination der Schriftzeichen „gin = Silber“ und „kyō = Aprikose“, ein Hinweis auf die silbrig schimmernden Samenanlagen. Der Name ist für das Jahr 1578 erstmals bezeugt. Nach Europa gelangte er durch den deutschen Arzt und Japanforscher Engelbert Kaempfer, der angeregt durch Andreas Cleyer und andere Gelehrte in Batavia während seines zweijährigen Aufenthalts in Japan (1690 bis 1691) umfangreiche Untersuchungen zur Pflanzenwelt des Archipels durchführte. Einen großen Teil seiner Forschungsergebnisse publizierte er unter dem Titel „Flora Japonica“ in seinem Werk Amoenitatum Exoticarum (Lemgo, 1712). Nahezu alle Pflanzen hatte er in Japan zeichnerisch festgehalten. Da er Wert auf die Wiedergabe der einheimischen Namen legte, ließ er sich diese von Japanern im bebilderten Wörterbuch Kinmōzui (訓蒙図彙) anzeigen. Die chinesischen Schriftzeichen wurden für den Druck aus diesem Buch kopiert, bei der Wiedergabe der Lesung Ginkyō in lateinischer Schrift jedoch unterlief Kaempfer ein Schreibfehler. Gewöhnlich notierte er die heute als „kyo“ transliterierte Silbe in der Form „kjo“, doch hier schrieb er aus ungeklärten Gründen in völlig atypischer Weise „kgo“.[9] Diese Form wurde 1771 von Carl von Linné bei der Erstveröffentlichung der Gattung übernommen und ist damit unveränderbarer Bestandteil der Nomenklatur.[10] Das von ihm für die Art gewählte Artepitheton biloba weist auf die Zweilappigkeit des Blattes hin.

Ein Synonym von Ginkgo biloba L. ist Salisburia adiantifolia Sm.. Der englische Botaniker James Edward Smith schlug 1797 den Gattungsnamen Salisburia vor und wollte damit den Botaniker Richard A. Salisbury ehren. 1824 kam noch der Name Salisburia biloba Hoffmanns hinzu. Der Name konnte sich aber nicht gegen den international anerkannten Namen Ginkgo biloba durchsetzen, so dass Salisburia ein Synonym blieb. Weitere Synonyme sind: Pterophyllus gingko K.Koch und Pterophyllus salisburiensis (L.) J.Nelson.[11]

In der heutigen japanischen Sprache nennt man den Baum gewöhnlich Ichō. Wegen der chaotischen Verhältnisse bei der Übernahme chinesischer Bezeichnungen vor und während der Edo-Periode notieren botanische Texte in Japan den Namen meist nur phonographisch イチョウ geschrieben. Hier und dort findet man die Lesung jedoch auch für die Schriftzeichen 銀杏. Dies ist linguistisch eigentlich falsch, denn Ichō stammt von dem alternativen chinesischen Namen Yājiǎo (鴨脚 ‚Entenfuß‘), der auf die Form der Blätter anspielt. In chinesischen Texten findet man auch die Bezeichnungen Bái Guǒ (白果 ‚weiße Frucht‘) und „Großvater-Enkel-Baum“ (Gōngsūnshù, 公孫樹 / 公孙树). Letztere bezieht sich auf die lange Zeit, die verstreicht, bis ein neu gesetzter Baum die ersten Samen trägt.[9] Weitere ins Deutsch übersetzte Namen waren, Elefantenohrbaum, Entenfußbaum, Mädchenhaarbaum, Fächerblattbaum eine Anspielung auf die Blätter, Chinesischer Tempelbaum, wegen der häufigen Pflanzungen in Buddhistischen Tempeln[12] und Beseeltes Ei, Mandelfrucht, Weißnuss, Nuss-Aprikose, was auf das Aussehen oder die Form der Früchte zurückgeht.[13] Die Samen werden in Japan noch heute Ginnan genannt.

Heiliger Ginkgobaum in Takayama neben dem Shinto-Schrein

Der Ginkgo fand ab etwa 1000 n. Chr. in ganz Ostasien als Tempelbaum Verbreitung und gelangte dabei auf die Koreanische Halbinsel sowie nach Japan.

Von Japan aus gelangten die ersten Ginkgo-Pflanzen um 1730 nach Europa und wurden im botanischen Garten der Universität Utrecht in den Niederlanden aufgezogen. 1754 gelangten Exemplare von Utrecht nach Kew Gardens in England. In die Vereinigten Staaten (Philadelphia) wurden die ersten Exemplare 1784 gebracht. Heute stellt der Ginkgo in den meisten gemäßigten Zonen eine wichtige und gute Alternative zu anderen Straßen- und Parkbäumen da und wird auch sehr gern angepflanzt.[14]

Der möglicherweise älteste Ginkgo-Baum Deutschlands wurde angeblich um das Jahr 1750 gepflanzt und steht im Frankfurter Stadtteil Rödelheim. Der Schlosspark Harbke (Sachsen-Anhalt) hat in seinem umfangreichen Baumbestand ebenfalls einen der ältesten deutschen Ginkgos, der angeblich um das Jahr 1758 gepflanzt wurde. Im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel befinden sich weitere alte Ginkgos, die angeblich um das Jahr 1780 gepflanzt wurden. Auch in Mannheim und Dresden gibt es sehr alte Ginkgos ohne weitere Jahresdaten. Im Botanischen Garten Jena wächst am Fürstengraben neben dem Alten Inspektorenhaus ein angeblich Ende des 18. Jahrhunderts angepflanzter Ginkgo, dessen Pflanzung angeblich auf Johann Wolfgang von Goethe zurückgeht. Innerhalb des Gartens steht am sogenannten „Mittelberg“ neben einem männlichen Ginkgo ein weibliches Exemplar. In Leipzig steht ein ohne weitere Jahresdaten von Willmar Schwabe gepflanzter weiblicher Baum.

Nutzung

Nutzung als Zierbaum

Älterer Ginkgobaum mit Herbstfärbung

Aufgrund seiner Resistenz gegen Schädlingsbefall und seiner Anspruchslosigkeit wird der Ginkgo inzwischen weltweit als Stadtbaum angepflanzt. In Berlin hat langjährige Kultur als Straßenbaum gezeigt, dass er resistent gegen Autoabgase und Streusalz ist, in jungen Jahren allerdings auch empfindlich gegen Frost.

Der unangenehme Geruch der Samen nach Buttersäure führt dazu, dass in Europa vornehmlich männliche Ginkgobäume aus Stecklingen angepflanzt werden, während man in China und Japan – genau umgekehrt – vorwiegend weibliche Bäume (siehe Nutzung als Nahrungsmittel) als Allee- und Straßenbäume pflanzt und dabei, um eine Befruchtung zu erleichtern, männliche und weibliche Bäume nebeneinander setzt.

Die Vermehrung des Ginkgo erfordert von einem Gärtner viel Geduld: Ginkgosamen keimen zwar ohne Probleme selbst auf einer Fensterbank, bis zu ihrer Keimung aber können mehr als zwei Jahre vergehen, und auch nur etwa 30 Prozent aller Stecklinge gehen, nach ebenfalls sehr langer Zeit, an, wobei sie außerdem meist schwachwüchsiger sind als Sämlingspflanzen. Hinzu kommt, dass der Ginkgo empfindlich auf Verpflanzungen reagiert.

Für die Aussaat bestimmte Samen sammelt man im Spätherbst unter weiblichen Bäumen, die, um die Befruchtung der Samen zu gewährleisten, in weniger als 100 Metern Entfernung von einem männlichen Baum stehen. Anschließend muss zunächst die äußere, fleischige Samenhülle (Sarkotesta) sorgfältig entfernt werden, wobei der Saft der Sarkotesta zu Hautreizungen und Allergien führen kann.[15] Die so gereinigten Samen werden anschließend ggf. noch einmal durch Stratifikation für die darauffolgende Aussaat vorbereitet.

Nutzung von Zuchtsorten

Damit der Ginkgo den Anforderungen als Samenlieferant, der Verwendung in der Medizin und den immer stärker steigenden Anforderungen als Straßen- und Zierbaum gerecht werden kann, werden immer mehr Zuchtsorten (Cultivare) selektiert. In China selektierte man allein 28 Sorten wegen ihrer überlegenen Samengröße, Samenform sowie des überlegenen Samenertrags. Eine weit verbreitete Vermehrungsart der Zuchtsorten stellt die Pfropfung dar, bei der die Pflanzen bereits mit 5 Jahren Früchte tragen (Fruktifizieren). Ein häufig verwendeter Cultivar ist 'Dafushon', der bereits mit 15 Jahren Jahreserträge von 5 bis 10 kg und mit 50 Jahren zwischen 50 und 100 kg erzielt. Eine Weiteres oft benutztes Cultivar ist 'King of Dongling' mit einem Tausendkorngewicht von etwa 2800 g.[3]

Nach den fast nur in Asien angebauten Frucht-Cultivaren werden seit 1980 in den USA und Frankreich im großen Umfang Cultivare zur reinen Blätter-Gewinnung angebaut. Verwendet werden dabei Inhaltsstoffe wie Ginkgolide und Bilobalide, die aus den Blättern gewonnen werden und in der Humanmedizin Verwendung finden (siehe Medizinische Nutzung). Die entsprechenden Bäume werden direkt nach dem Ernten der Blätter kurz über dem Boden zurück geschnitten, um eine Höhe von über 3 m zu vermeiden. Im Normalfall erreichen die Bäume dann bis zum nächsten Jahr wieder eine Höhe von 1 m, die so von Jahr zu Jahr konstant gehalten werden kann.

Da der Bedarf an Ginkgoholz relativ gering ist und nur selten Ginkgos zur reinen Holzgewinnung angebaut werden, wurden noch keine Cultivare zur reinen Holzgewinnung selektiert.

Neben der Selektierung von neuen Ginkgo-Sorten für medizinische Zwecke und zu reinen Samen-Gewinnung wurden die meisten Cultivare für die Nutzung als Zier- und Straßenbaum selektiert.[3]

Nutzung als Nahrungsmittel

Reife Ginkgo-Samen
Ginkgo-Samen ohne Sarkotesta

In Asien wurden mehrere Zuchtreihen des Ginkgobaumes mit verschiedenen Qualitäten als Nahrungspflanze gezüchtet. Genutzt wird der Kern des Samens, dieser muss jedoch gegart werden. In Japan dienen die geschälten (daher von Sarcotesta und Sklerotesta befreiten) Ginkgosamen (in kleinen Mengen) als Beilage zu verschiedenen Gerichten. Sie werden teilweise im Reis mitgekocht, als Einlage in einem Eierstich-Gericht verwendet, oder geröstet und gesalzen als Knabberei verzehrt. Dazu werden die Samen von ihrer harten Schale befreit, und nur der gelbe Innenkern verwendet. In Europa sind Ginkgosamen meist nur als Konserven erhältlich. Geröstete und gehackte Kerne dienen als Gewürz in der asiatischen Küche. Die Samen enthalten 37,8 % Kohlenhydrate, 4,3 % Proteine und 1,7 % Fett. Ein Übermaß an Ginkgosamen kann zu Vergiftungserscheinungen führen, da diese den Vitamin-B6-Antagonisten 4-Methoxypyridoxin enthalten.[16] Im 11. Jahrhundert n. Chr. sollen diese „Nüsse“ so geschätzt worden sein, dass der Kaiser von China die Samen als Tributzahlung von den südöstlichen Provinzen forderte.

Medizinische Nutzung

Verwendung finden Spezialextrakte aus den Ginkgoblättern. Diese sind an den erwünschten Wirkstoffen (Ginkgolide, Terpenlactone) angereichert, an den unerwünschten Stoffen (besonders Ginkgolsäuren) abgereichert. Die Kommission E kennzeichnet den Trockenextrakt aus Ginkgo-Blättern mit einem Droge-Extrakt-Verhältnis von 35:1 bis 67:1; einem Gehalt von 22 bis 27 % Flavonglykosiden und 5 bis 7 % Terpenlactonen; und unter 5 ppm Ginkgolsäuren. Die Definition von Ginkgotrockenextrakt (Ginkgo extractum siccum raffinatum et quantificatum) nach dem Europäischen Arzneibuch ist sehr ähnlich. Für die Behandlung von Demenz sind in Deutschland nur derartige Extrakte verkehrsfähig. Die meisten pharmakologischen Untersuchungen wurden mit den Extrakten EGb 761 und LI 1370 durchgeführt.[17]Bei Ginkgo-Produkten aus dem Supermarkt oder aus Drogerien, also so genannten Nahrungsergänzungsmitteln, deren Qualität oft fragwürdig sein soll,[18]ist, da wissenschaftliche Studien fehlen, unklar, ob sie die gewünschten Wirkungen haben.

Inhaltsstoffe

Grundstruktur der Ginkgolide

Die Blätter, die als einzige Teile der Pflanze pharmazeutisch genutzt werden, enthalten rund 0,5 bis 1,8 Prozent Flavonoide: es sind dies Flavon- und Flavonolglykoside, acylierte Flavonolglykoside, Biflavonoide, Flavan-3-ole und Proanthocyanidine. Bei den beiden erstgenannten Gruppen treten als Aglykone vor allem Kaempferol, Quercetin und Isorhamnetin auf, in geringerem Ausmaß Apigenin und Luteolin.[19]

Terpene sind zu 0,03 bis 0,25 Prozent vorhanden, vor allem als Terpenlactone. An Diterpenen sind die Ginkgolide A, B, C, J und M zu nennen. Das Sesquiterpen Bilobalid ist ein Abbauprodukt der Ginkgolide. Weitere Terpene sind Polyprenole und Steroide.[19]

Weiters kommen langkettige Kohlenwasserstoffe und deren Derivate vor: Alkohole, Aldehyde, Ketone und Säuren.[19]

Weitere Inhaltsstoffe sind alicyclische Säuren (Shikimisäure, Chinasäure, Ascorbinsäure, Ginkgolsäuren und Hydroxyginkgolsäure), Cyclite = cyclische Polyole (Pinit, Sequoyit), sowie Saccharose.[19]

Anwendungsgebiete

Ginkgospezialextrakte werden nach der ATC-Klassifikation der WHO zu den Antidementiva gezählt. Nach der Kommission E und der European Scientific Cooperation of Phytotherapy (ESCOP) werden Ginkgospezialextrakte bei folgenden Indikationen angewendet:[17]

  • zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen. Wichtigste Symptome sind Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Ohrensausen und Kopfschmerzen. Zielgruppe sind besonders Personen mit primärer degenerativer Demenz, mit vaskulärer Demenz oder Mischformen aus beiden.
  • zur symptomatischen Behandlung von arteriellen Durchblutungsstörungen.
  • bei Schwindel (Vertigo) und Ohrgeräuschen (Tinnitus).

Der Schwerpunkt liegt heute bei der Behandlung der Demenz. Ginkgo-Arzneimittel können ähnlich wie Acteylcholinesterase-Hemmer bzw. Cholinesterasehemmer, die eine Zunahme der Konzentration von Acetylcholin bewirken, für einen gewissen Zeitraum kognitive Parameter verbessern, also die geistige Leistungsfähigkeit steigern und das Zurechtkommen im Alltag erleichtern, wodurch auch die Belastung der Angehörigen reduziert wird. CHE-Hemmer sind von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft als Mittel erster Wahl definiert. In der aktuellsten internationalen Leitlinie der "World Federation of Societas of Biological Diseases" werden Ginkgo-Arzneimittel als gleichwertig effektiv zu CHE-Hemmern und Memantine und verträglicher beurteilt.[20]Insgesamt gilt die medikamentöse Therapie von Demenz-Kranken heute noch als sehr bescheiden.[17]

Eine weitere Indikation sind leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI, mild cognitive impairment), die überwiegend auf normalen Alterungsprozessen beruhen und bei einem Teil der Patienten (10 bis 20 Prozent) zu einer Demenz voranschreiten. [17]

Insgesamt gibt es über 40 klinische Studien zu Ginkgopräparaten, wobei nur wenige die strengen Richtlinien für hochwertige klinische Prüfungen erfüllen. Einige dieser Studien fanden signifikante Vorteile der Ginkgo-Therapie, andere keinen.[17]Eine Metaanalyse von 2010 etwa ergab, dass ein Ginkgo-Arzneimittel zwar wirksamer sei als ein Schein-Medikament, der Effekt jedoch wie bei allen anderen Demenz-Präparaten moderat ausfalle und die klinische Bedeutung dieses Effektes wie generell bei Antidementiva schwer zu bestimmen sei.[21]

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen untersuchte 2008 im Rahmen einer Arzneimittelbewertung[22] Studien und Unterlagen zum Präparat EGb 761. Auf Grundlage der sieben bewerteten Studien kam sie zum Schluss, dass es bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit einen Beleg für einen Nutzen beim Therapieziel „Aktivitäten des täglichen Lebens“ gebe, sofern 240 mg Extrakt täglich eingenommen werden. Für die Therapieziele „kognitive Fähigkeiten“ und „allgemeine psychopathologische Symptome“ sowie für das angehörigenrelevante Therapieziel „Lebensqualität der (betreuenden) Angehörigen“ (gemessen am emotionalen Stress der Angehörigen) gebe es bei der selben Dosierung dagegen nur einen Hinweis auf einen Nutzen.[17]

Wirkungen

Ginkgospezialextrakte haben folgende Hauptwirkungen:[17]

  • Neuroprotektion
  • Sie verbessern Gedächtnisleistung und Lernvermögen.
  • Sie fördern die zerebrale Neurotransmission und mindern derart altersbedingte Neurotransmissionsdefekte.
  • Sie fördern die Durchblutung und verbessern die Fließeigenschaften des Bluts.

Neue Arbeiten untersuchen vorwiegend die Wirkung von Ginkgoextrakten auf das Zentralnervensystem. Ältere Arbeiten untersuchten eher die durchblutungsfördernde Wirkung.

Wirkmechanismen

Die Ginkgoextrakte haben zum einen Radikalfängereigenschaften, diese Wirkung gegen Reaktive Sauerstoffspezies wird vor allem durch die Flavonoide vermittelt; zum anderen hemmen sie den plättchenaktivierenden Faktor (PAF) im Blut, der eine Rolle etwa bei Entzündungen spielt. Mit diesen zwei Mechanismen können jedoch viele der beobachteten Wirkungen nicht erklärt werden. Zudem besitzt die Reinsubstanz mit der stärksten neuroprotektiven Wirkung, das Bilobalid, keine dieser beiden Eigenschaften.[17]

Eine wesentliche Rolle dürften daher auch die Effekte der Inhaltsstoffe auf die Genexpression haben. Der Extrakt EGb 761 verändert die Expression von mindestens 155 Genen in Microarray-Studien. Darunter befinden sich Transkriptionsfaktoren, Gene für antioxidative Enzyme, Mitochondrienproteine und Proteine der DNA-Synthese und -Reparatur. Als weiterer Mechanismus wird ein Einfluss der Terpenlactone auf verschiedene Rezeptoren diskutiert.[17]

Unerwünschte Wirkungen

An unerwünschten Wirkungen werden als sehr selten auftretend Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und allergische Hautreaktionen beschrieben. Einzelne Blutungen bei Langzeitbehandlungen konnten nicht in ursächlichen Zusammenhang mit Ginkgoextrakten gebracht werden.[17]Ginkgo-Extrakt selbst hat keinen Einfluss auf die Blutgerinnung. [23]

Allerdings besteht laut Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, ausgehend von mehreren Fallberichten ihrer Datenbank, bei Kombination mit Gerinnungshemmern (wie orale Antikoagulanzien oder Thrombozytenfunktionshemmer) eine erhöhte Blutungsgefahr, ebenso bei einer vererbten oder erworbenen Gerinnungsstörung.[24]Die einzelnen Berichte über Blutungen belegen jedoch nicht zweifelsfrei, dass es hier einen kausalen Zusammenhang gab, da meist andere, gerinnungshemmende Medikamente eingenommen wurden.[25]

Traditionelle medizinische Nutzung

Im Gegensatz zur wissenschaftlich-pharmakologischen Nutzung werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin nicht nur die Blätter, sondern auch die Samen und Wurzeln des Baumes genutzt.[26]

Anwendungsgebiete, Wirkungen und Dosierung der Samen

Die Samen werden bei Husten, Blaseninfektionen, Asthma, Tuberkulose, Alkoholvergiftungen, Gonorrhöe sowie bei häufigem und schmerzhaften Wasserlassen angewendet.

Die Inhaltsstoffe der Samen sollen die Verdauung und die ererbte Energie anregen, als Gegengift bei Alkoholvergiftungen dienen, das Nieren-Yin nähren, den Husten lindern, das Herz stärken, die Lungenenergie wärmen. Sie helfen bei Blähungen und stärken den Magen, wirken anregend und zusammenziehend.[26]

Eingenommen wird hierbei eine Abkochung mit 10 bis 15 g der von Sarcotesta und Sklerotesta befreiten Ginkgo Samen, die nach dem Kochen ohne Samen eingenommen wird.[26] Gegen starke asthmoide Atemnot, Schleimbildung und Husten können die Samen in gerösteter oder gekochter Form auch pur angewendet werten, wobei bei regelmäßiger Einnahme aufgrund von geringen Anteilen des Vitamin-B6-Antagonisten 4-Methoxypyridoxin,[16] 6-10 g/Tag nicht überschritten werden sollten.[27]

Anwendungsgebiete, Wirkungen und Dosierung der Wurzeln

Die Wurzeln werden bei nächtlichen Samenergüssen und Menstruationsstörungen angewendet. Sie helfen bei Blähungen und stärken den Magen, wirken anregend und zusammenziehend.[26]

Eingenommen wird hierbei eine Abkochung, mit 10 bis 15 g, die nach dem kochen ohne Wurzeln, vor dem Essen eingenommen wird. Eine Überdosierung der Wurzel wie bei den Samen ist nicht möglich[26]

Systematik und Genetik

Ginkgo-Fossil aus dem Jura, Blätter aus der Cloughton Formation, Fundort: Scarborough, Yorkshire, England

Die Ginkgogewächse gehören weder zu den Nadel- noch zu den Laubbäumen, sondern bilden eine eigene Gruppe. Obwohl der Ginkgo auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit Laubbäumen (Bedecktsamer) hat, ist er mit den Nadelbäumen näher verwandt und wird deshalb wie sie zu den Nacktsamern gezählt. Der Ginkgo wird in eine eigene Klasse eingeordnet, in die Klasse Ginkgoopsida (oder Ginkgophyta). Von der Klasse Coniferopsida unterscheidet er sich durch die abweichenden Strukturen der generativen Organe, insbesondere der begeißelten Spermatozoiden. Von der Klasse der Palmfarne (Cycadopsida) unterscheiden sie sich vor allem durch die Anatomie der vegetativen Organe. Die Ginkgoopsida enthalten wiederum eine einzige Ordnung, die Ginkgoartige (Ginkgoales), deren einzige Familie die Ginkgogewächse (Ginkgoaceae) mit nur einer Lebenden Gattung der Ginkgo sind.

Genetik

Der Ginkgo hat eine Chromosomenzahl von 2n = 24. Weibliche und männliche Bäume weisen in der Art ihrer Chromosomen erkennbare Unterschiede auf. Diese Unterschiede können mikroskopisch durch Wurzelspitzenpräparate nachgewiesen werden. Das kann sehr hilfreich sein, um recht junge Pflanzen meist neuer Zuchtsorten dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen zu können. Weibliche Exemplare weisen ein heteromorphes (grch. verschieden geformtes) Chromosomenpaar mit nur einem kleinen Satelliten auf, männliche Bäume dagegen haben nur automorphe Chromosomen.[3]

Rezeption

In der Literatur

Reinschrift des Goethe-Gedichts

Zum Bekanntheitsgrad und zur Verbreitung des Ginkgos in Deutschland hat das Gedicht mit dem Titel Gingo biloba wesentlich beigetragen, das der 66 Jahre alte Goethe im September 1815 schrieb und 1819 in seiner Sammlung West-östlicher Diwan veröffentlichte. Das Gedicht ist Goethes später Liebe, Marianne von Willemer, gewidmet und stellt das Ginkgoblatt aufgrund seiner Form als Sinnbild der Freundschaft dar. Der Brief mit dem Gedicht, dem Goethe zwei Ginkgo-Blätter beilegte, ist heute im Goethe-Museum Düsseldorf zu sehen.

Mythenbildung

Der Grund für die bis heute große Bedeutung des Ginkgo für Kunst, Kultur und Heilkunde liegt vor allem in der Chinesischen Philosophie und der ansprechenden Morphologie des Baumes und seiner Blätter. Der Ginkgo wird seit langem als kraftspendend und lebensverlängernd verehrt. Die Chinesen und Japaner verehren den Ginkgo seit Jahrhunderten wegen seiner Lebenskraft und Wunderverheißungen als heilig und erbeten unter ihm ihre Wünsche. Frauen erbitten unter ihm Milch zum Stillen ihrer Kinder und Bauern erflehen Regen für eine reichhaltige Ernte, Ginkgos sind auf diese und andere Art und Weise in Mythen, Volkserzählungen und Geschichten wieder zu finden. Der Ginkgo steht in Japan unter Naturschutz. So mancher Baumriese überragt ganze Ortschaften und gilt als Wahrzeichen für seine Anwohner. Aus dem 18 Jahrhundert gibt es in dem Kloster Tanzhe-si eine weit verbreitete Legende. Demzufolge gab es dort ein Ehrentor das zu einem Ginkgobaum führte. Dieser Baum wurde durch ein kaiserliches Etikett geschützt. Der dortige Glaube der Chinesen besagte, dass bei jedem Thronwechsel innerhalb der Mandschu-Dynastie der Hauptstamm ein neues Reis in den Baum einsetzte, das sich dann zu einem prächtigen Ast entwickeln sollte.[13] Bäume mit einem Alter von 1000 bis 2000 Jahre sind keine Seltenheit. Man findet sie in Tempeln in der Nachtbarschaft auf Anhöhen und auch in Friedhöfen neben Gräbern. In Japan werden die geschälten (von Sarcotesta und Sklerotesta befreiten) Ginkgosamen beim Hochzeitsmahl als Glückssymbol verzehrt. Ein 3000 Jahre alter und 26 Meter hoher Ginkgo in der Provinz Shandong hat bei günstiger Witterung Früchte von insgesamt einer Tonne geliefert.[13] In vielen Geschichten und Erzählungen wird der Baum als Wohnort von Geistern beschrieben und deshalb hoch geschätzt und gleichermaßen gefürchtet.[12]

Zudem wurde das in der Pflanzenwelt einzigartige zweigeteilte Blatt und seine Zweihäusigkeit schon früh mit dem Symbol des Yin-Yang, eng in Verbindung gebracht.[12] Zur modernen Mythenbildung hat auch wesentlich die Geschichte des Tempelbaumes in Hiroshima beigetragen, der bei der Atombombenexplosion 1945 in Flammen aufging, aber im selben Jahr wieder austrieb und weiterlebte.[28]

Quellen

Literatur

  • Rudolf Hänsel, Otto Sticher (Hrsg.): Pharmakognosie. Phytopharmazie. 9. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-00962-4, S. 1133–1142.
  • L. Shen, X.-Y. Chen, X. Zhang, Y.-Y. Li, C.-X. Fu, Y.-X. Qiu: Genetic variation of Ginkgo biloba L. (Ginkgoaceae) based on cpDNA PCR-RFLPs: inference of glacial refugia. In: Heredity. Band 94, 2005, S. 396–401, doi:10.1038/sj.hdy.6800616
  • Peter Del Tredici: Ginkgo biloba. In: Peter Schütt u. a. (Hrsg.): Lexikon der Nadelbäume. Nikol-Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-933203-80-9, S. 187–196.
  • Peter Del Tredici: Wake up and smell the Ginkgos. In: Arnoldia. Band 66, Nummer 2, 2008, S. 11–21, PDF.
  • Dana L. Royer, Leo J. Hickey, Scott L. Wing: 'Ecological conservatism in the 'living fossil' Ginkgo. In: Paleobiology. Band 29 (2003), S. 84-104, doi:10.1666/0094-8373(2003)029<0084:ECITLF>2.0.CO;2

Einzelnachweise

  1. Dudenredaktion (Hrsg.): Die deutsche Rechtschreibung. 22. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2000, ISBN 3-411-04012-2 (Duden. Band 1).
  2. Baum des Jahrtausends auf www.baum-des-jahres.de.
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Schütt u.a.: Lexikon der Nadelbäume. S. 187–196.
  4. a b c Peter H. Raven, Ray F. Evert, Susan E. Eichhorn: Biologie der Pflanzen: 4. 4. Auflage. Gruyter, 2006, ISBN 3-11-018531-8, S. 429-471.
  5. P. Sitte, H. Ziegler, F. Ehrendorfer: Strasburger. Lehrbuch der Botanik. 33. Auflage. Fischer, Stuttgart 1991, ISBN 3-437-20447-5.
  6. Peter Del Tredici: Wake up and smell the Ginkgos. 2008, S. 12.
  7. L. Shen et al.: Genetic variation of Ginkgo biloba L. (Ginkgoaceae) based on cpDNA PCR-RFLPs: inference of glacial refugia. 2005, S. 400.
  8. Anna Fontana: Vesicular-Arbuscular Mycorrhizas of Ginkgo biloba L. in Natural and Controlled Conditions. In: New Phytologist. 99, 1985, S. 441–447 (Zusammenfassung).
  9. a b Wolfgang Michel: On Engelbert Kaempfer’s „Ginkgo“. Abgerufen am 12. März 2010 (englisch, Scan von Kaempfers Handschrift in Collectanea Japonica und der Druckfassung in Amoenitates Exoticae).
  10. Mantissa Plantarum Altera. Stockholm 1771, S. 313, Online.
  11. Eintrag bei Tropicos.
  12. a b c Dr. Hellmuth Karasek Dr. Ulf Merbold: BILD-Wissensbibliothek 5. Pflanzen und Umwelt. Das große Volks-Lexikon.. Bertelsmann Lexikon Verlag, 2006, ISBN 3-577-07555-4, S. 20-57.
  13. a b c Josef Guter: Lexikon der Götter und Symbole der alten Chinesen. 1 Auflage. Marixverlag, 2004, ISBN 3-937715-04-5, S. 111-112.
  14. Schütt u.a.: Lexikon der Nadelbäume. S. 189.
  15. Roland R. Tomb, Jean Foussereau, Yves Sell: Mini-epidemic of contact dermatitis from ginkgo tree fruit (Ginkgo biloba L.). In: Contact Dermatitis. 19, Nr. 4, 1988, S. 281–283, doi:10.1111/j.1600-0536.1988.tb02928.x.
  16. a b Yo Kajiyama, Kenichi Fujii, Hajime Takeuchi, Yutaka Manabe: Ginkgo Seed Poisoning. In: Pediatrics. 109, Nr. 2, 2002, S. 325–327, doi:10.1542/peds.109.2.325
  17. a b c d e f g h i j Rudolf Hänsel, Otto Sticher (Hrsg.): Pharmakognosie. Phytopharmazie. 9. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-00962-4, S. 1133–1142.
  18. Pharmazeutische Zeitung. 2010, Mai, Jahrgang 155, S. 62 - 67
  19. a b c d Rudolf Hänsel, Otto Sticher (Hrsg.): Pharmakognosie. Phytopharmazie. 9. Auflage. Springer, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-642-00962-4, S. 1133.
  20. World Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP) Guidelines for the Biological Treatment of Alzheimer's disease and other dementias. Ralf Ihl, Lutz Frölich, Bengt Winblad, Lon Schneider, Alistair Burns, Hans-Jürgen Möller: WFSBP Task Force on Treatment Guidelines for Alzheimer's Disease and other Dementias. In: World Journal of Biological Psychiatry. Feb 2011, Vol. 12, No. 1, S. 2–32.
  21. Stefan Weinmann et. al: Effects of Ginkgo biloba in dementia: systematic review and meta-analysis. In: BMC Geriatrics 2010, 10:14
  22. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Abschlussbericht „Ginkgohaltige Präparate bei Alzheimer Demenz“. Veröffentlichung am 21. November 2008. (pdf)
  23. Kellermann, A.J. und Kloft, C.: Is There a Risk of Bleeding Associated with Standardized Ginkgo biloba Extrakt Therapy? A Systematik Review and Metaanalysis. Pharmacotherapy 2011; 31: 490 - 502
  24. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Aus der UAW-Datenbank: Blutungen unter der Gabe von Ginkgo-biloba-Extrakten. Cave Kombination mit Gerinnungshemmern! Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 99, Heft 33, 16. August 2002, S. A2214. (pdf)
  25. Kellermann, A.J. und Kloft, C.: Is There a Risk of Bleeding Associated with Standardized Ginkgo biloba Extrakt Therapy? A Systematik Review and Metaanalysis. Pharmacotherapy 2011; 31: 490 - 502
  26. a b c d e Lexikon der Traditionellen Chinesischen Medizin. 1. Auflage. Komet, 2006, ISBN 3-89836-531-X, S. 127-129.
  27. Lexikon der Traditionellen Chinesischen Medizin. 1. Auflage. Komet, 2006, ISBN 3-89836-531-X, S. 235.
  28. Ginkgo biloba. In: The Ginkgo Pages. (englisch).

Weiterführende Literatur

  • Werner Bockholt, Bernadette Kircher: Dieses Baumes Blatt. Ginkgo, Goethe, Gartentraum. Schnell, Warendorf 2000, ISBN 3-87716-816-7.
  • Francis V. DeFeudis: Ginkgo biloba extract (EGb 761): from chemistry to the clinic. Ullstein, Wiesbaden 1998, ISBN 3-86126-173-1.
  • Walter E. Müller, Ernst Pöppel: Ginkgo, der Baum des Lebens. Ein Lesebuch. Insel, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-458-34695-3
  • Hans D. Reuter: Spektrum Ginkgo biloba. Aesopus, Basel 1993, ISBN 3-905031-57-4.
  • Maria Schmid (Hrsg.): Ginkgo. Ur-Baum und Arzneipflanze. 2. Auflage. Hirzel, Stuttgart 2001, ISBN 3-7776-1065-8.
  • Siegfried Unseld: Goethe und der Ginkgo. Ein Baum und ein Gedicht. Insel, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-458-34175-7.
  • Vanbeek A. Vanbeek, Teris A. Van Beek (Hrsg.): Ginkgo Biloba (Medicinal and Aromatic Plants: Industrial Profiles). CRC Press Verlag, Harwood Academic 2000, ISBN 9057024888.

Weblinks

 Commons: Ginkgo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • ginkgo — s.m. (bot.) Arbore străvechi originar din China, cu frunzele în evantai, cultivat ca plantă ornamentală. [< fr. ginkgo < cuv. chinez]. Trimis de LauraGellner, 16.04.2005. Sursa: DN  GÍNKGO s. m. arbore ornamental, falnic, din familia… …   Dicționar Român

  • Ginkgo — Gink go, n.; pl. {Ginkgoes}. [Chin., silver fruit.] (Bot.) A large ornamental tree ({Ginkgo biloba}) from China and Japan, belonging to the Yew suborder of {Conifer[ae]}. Its leaves are so like those of some maidenhair ferns, that it is also… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • ginkgo — [giŋ′kō; ] also [ giŋk′gō΄] n. pl. ginkgoes [Jpn ginkyo < Sino Jpn gin, silver + kyō, apricot] an Asiatic tree (Ginkgo biloba) with fan shaped leaves and fleshy, yellow, foul smelling seeds enclosing a silvery, edible inner kernel: the only… …   English World dictionary

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  • ginkgo — /ging koh, jing /, n., pl. ginkgoes. a large shade tree, Ginkgo biloba, native to China, having fan shaped leaves and fleshy seeds with edible kernels: the sole surviving species of the gymnosperm family Ginkgoaceae, which thrived in the Jurassic …   Universalium

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