Gleitschirmakrobatik

ÔĽŅ
Gleitschirmakrobatik

Als Gleitschirmakrobatik wird das Fliegen akrobatischer Flugfiguren mit einem Gleitschirm bezeichnet (Kunstflug). Dabei werden Flugfiguren ausgef√ľhrt, die ein Normal-Gleitschirmpilot nicht beherrschen muss.

Zur Durchf√ľhrung sind ein spezielles Training, sowie eine gute K√∂rper- und Flugger√§tebeherrschung unbedingt notwendig. Viele Flugfiguren erfordern ein exaktes Timing bei der Ausf√ľhrung und somit eine gute mentale Verfassung des Piloten. Training und Vorf√ľhrung dieser Flugfiguren finden zumeist aus Sicherheitsgr√ľnden √ľber einem See mit Schwimmweste statt, das Mitf√ľhren eines Rettungsfallschirms ist obligatorisch - viele Piloten f√ľhren zus√§tzlich noch einen zweiten mit.

Von Versuchen, die unten beschriebenen Figuren ohne Vorkenntnisse und Erfahrungsaustausch mit erfahrenen Piloten nachzuahmen, ist aufgrund dieser erhöhten Anforderungen an Pilot und Fluggerät absolut abzuraten.

Inhaltsverzeichnis

Ger√§te/Ausr√ľstung

Die ersten Kunstflugversuche wurden mit normalen Gleitschirmen gemacht. Um ein dynamischeres Verhalten der Schirme zu erreichen, wurden sie meist (weit) √ľber der empfohlenen Gewichtsgrenze geflogen. Mit der Verbreitung der Sportart haben auch die Hersteller begonnen, spezielle Akrobatik-Schirme zu entwickeln. Sie sind wesentlich kleiner (< 20 m¬≤ projizierte Fl√§che) und haben eine bewusst stark reduzierte Pendelstabilit√§t, wodurch Man√∂ver wie Infinity-Tumbling erst m√∂glich werden. Die meisten Akrobatik-Man√∂ver k√∂nnen jedoch auch mit gew√∂hnlichen Gleitschirmen durchgef√ľhrt werden.

Die verwendeten Gurtzeuge verf√ľgen meist √ľber einen zweiten Rettungsschirm-Container. Der Brustgurt kann in der Regel weiter ge√∂ffnet werden als bei gew√∂hnlichen Gurtzeugen, was eine extremere Gewichtsverlagerung erm√∂glicht.

Wettbewerbe

2006 wurde vom Weltluftsportverband die erste offizielle Weltmeisterschaft in dieser noch jungen Sportart ausgerichtet. Zuvor hatte das Red Bull Vertigo in Villeneuve am Genfersee (Schweiz) den Status einer inoffiziellen Weltmeisterschaft. Die Bewerbe der Weltmeisterschaft und weitere regelm√§√üige Akro-Veranstaltungen finden in Villeneuve, Zell am See (√Ėsterreich), Omegna, am Gardasee, am Ortasee (alle drei Italien), in Voss (Norwegen), √Ėl√ľdeniz (T√ľrkei), Chamb√©ry, Annecy (beide Frankreich) und in Salta (Argentinien) statt.

Die f√ľr das Publikum sehr spektakul√§ren Wettk√§mpfe werden von den Piloten einzeln oder in Zweierteams im Synchronflug vorgef√ľhrt. Durch die Schwierigkeit, die Man√∂ver synchron mit einem Partner durchzuf√ľhren, wird dieses Fliegen im Team von vielen Piloten als die K√∂nigsdisziplin der Gleitschirmakrobatik angesehen. Daneben treten gr√∂√üere Gruppen als Showvorf√ľhrung auf.

Eine weitere Form der Gleitschirmakrobatik stellt das bodennahe Freistilfliegen dar, auch Wagga Style genannt. Dabei werden bei laminarem Wind verschiedene Man√∂ver, bei denen Pilot oder Schirmkappe Bodenkontakt haben, durchgef√ľhrt. Dazu z√§hlen Vrillen-Landung, Todesspirale und kreatives Bodenhandling. Seit 2003 findet j√§hrlich an der Dune du Pyla (Frankreich) ein Wettbewerb in dieser Disziplin statt.

Figuren

Shrimp/Horseshoe

Diese Flugfigur f√ľhrt den Gleitschirm in eine Hufeisenform. Erreicht wird dies, indem die innersten A-Leinen soweit heruntergezogen werden, bis die Kappe in der Mitte einknickt und beide Fl√ľgelenden nach vorne wandern. Der Schirm hat dabei noch Vorw√§rtsfahrt und erh√∂htes Sinken. Zum Ausleiten l√§sst man die A-Leinen wieder los und bremst gegebenenfalls leicht an.

Wingover

Eigentlich ein extremer Kurvenwechsel w√§hrend des Fluges mit seitlichem Auspendeln des Piloten. Je nach Ausf√ľhrung kann die Figur von einem leichten Pendeln des Piloten unter dem Schirm bis hin zu einem massiven √úbersteigen des Schirmes ausgef√ľhrt werden. Bei hohen Wingovern wirken auf den Piloten w√§hrend kurzer Momente starke Beschleunigungskr√§fte.

In gem√§√üigter Form ist es ein gutes Man√∂ver, um die eigene Steuerungskoordination besser kennenzulernen und zu trainieren. Die leichte Ausf√ľhrung der Wingover wird meistens schon in der Grundschulung ge√ľbt.

Gleichf√∂rmige, in einer Linie geflogene und hohe Wingover z√§hlen zur hohen Kunst des Akrofliegens und verlangen vom Piloten Fingerspitzengef√ľhl, ein gutes Timing und Pr√§zision, sowie viel, viel √úbung. Fehlerhafte Ausf√ľhrung der Flugfigur kann zum Einklappen des Gleitschirms f√ľhren. Mit einem ausreichend dynamischen Schirm kann der Wingover bis zum Looping gesteigert werden.

Steilspirale

Die klassische Steilspirale ist eine technisch relativ einfache, jedoch körperlich anspruchsvolle Flugfigur. Der Pilot dreht sich dabei in einer Spiralbewegung um den Gleitschirm, der eine enge Kreisbahn fliegt. In einer vollen Spirale neigt sich die Eintrittskante des Gleitschirms in Richtung Boden.

Die Spirale wird von Piloten als Schnellabstiegsman√∂ver genutzt, um effizient H√∂he abzubauen. Die Sinkgeschwindigkeit liegt zwischen 10 und ca. 25 m/s,

Bei zunehmender Sinkgeschwindigkeit treten immer gr√∂√üere Fliehkr√§fte auf. Bei einem Sinken von 15-18 m/s k√∂nnen Belastungen von ca. 3,8 g auftreten, bei gro√üem Sinken sind bis 5 g m√∂glich. Bei Steigerung der Sinkgeschwindigkeit k√∂nnen diese Kr√§fte zu einem stabilen Flugzustand f√ľhren, der vom Piloten nur aktiv auszuleiten ist.

Eine Weiterentwicklung der Steilspirale und des Wingovers ist die Asymmetrische Spirale. Dabei wird die Achse der Spirale immer mehr in Richtung Horizontale gedreht. Bei perfekter Ausf√ľhrung kann sie so geflogen werden, dass der Pilot weit √ľber Schirmh√∂he steigt.

Die Belastung f√ľr den K√∂rper ist √§hnlich hoch wie bei der Steilspirale, tritt jedoch in kurzen und heftigen Impulsen auf.

Fullstall

Ein kompletter Str√∂mungsabriss √ľber die gesamte Schirmbreite. Dies wird erreicht, indem der Gleitschirm bis unter die Mindestfluggeschwindigkeit abgebremst wird. W√§hrend die Vorw√§rtsgeschwindigkeit gegen Null tendiert ‚Äď teilweise wird sogar r√ľckw√§rts geflogen ‚Äď betr√§gt das Sinken ca. 9 m/s. Dabei bildet der Schirm meistens die Form eines Hufeisens oder einer Rosette.

Der wichtigste Punkt bei dieser Figur ist das saubere Ausleiten, wenn durch nachlassenden Bremsleinenzug der Schirm wieder Vorw√§rtsfahrt aufnimmt. Befindet sich das Pendelsystem Schirmkappe-Pilot in diesem Zeitpunkt in einer ung√ľnstigen Konstellation, kann es zu einem schnellen ‚ÄěVorschie√üen‚Äú des Schirms kommen und der Piloten in die Gleitschirmkappe hineinfallen und sich dort verh√§ngen. Auch ein unsymmetrisches Ausleiten kann zu einem unkontrollierten Flugzustand f√ľhren.

Wird der Fullstall nicht aus dem normalen Flug heraus ausgef√ľhrt, sondern aus voller Fahrt, aus einer asymmetrischen Spirale oder einem Wingover, wird von einem Dynamic Fullstall gesprochen, da der Pilot dabei zum Zeitpunkt des Str√∂mungsabrisses wesentlich weiter nach vor pendelt. In extremer Ausf√ľhrung kann der Pilot sogar bis auf gleiche H√∂he mit der Schirmkappe hinaufpendeln.

Tailslide

Beim Tailslide (oder auch Backfly genannt) fliegt das gesamte Flugger√§t r√ľckw√§rts. Dies wird erreicht, indem nach einem Fullstall die Schirmkappe wieder leicht gef√ľllt wird damit sie fliegbar ist. Weil in diesem Zustand die hintere Schirmkante tiefer liegt als der vordere Teil des Schirmes, beginnt er r√ľckw√§rts zu fliegen. √úber Gewichtsverlagerung l√§sst sich der Schirm sogar ein wenig steuern.

Vrille/Helikopter

Eine Vrille ist ein einseitiger Str√∂mungsabriss. Dieser wird durch Anbremsen der einen Fl√ľgelh√§lfte bis unter die Mindestfluggeschwindigkeit erreicht. In der Figur dreht sich der Gleitschirm flach um die eigene, senkrechte Achse. Dabei bewegt sich das eine Fl√ľgelende in der √ľblichen Flugrichtung (vorw√§rts), das andere Ende entgegen seiner normalen Flugrichtung (r√ľckw√§rts). Eine Vrille √ľber mehrere Umdrehungen geflogen, mit komplett ge√∂ffnetem Segel und dem Pilot sauber in der Drehachse zentriert, wird Helikopter genannt.

Ein Helikopter wird meist aus dem Sackflug heraus geflogen und verlangt vom Piloten viel Feingef√ľhl. Das Sinken w√§hrend dieser Figur betr√§gt ca. 4-5 m/s. Eine √úberleitung aus einem Helikopter in einen in die Gegenrichtung drehenden Helikopter wird auch als Twister bezeichnet.

Gegendreher/Looping

F√ľr dieses Man√∂ver wird meistens √ľber die asymmetrische Spirale Schwung geholt. Durch rechtzeitige Gewichtsverlagerung auf die Gegenseite und angepassten Bremseinsatz wird der Pilot durch den aufgebauten Schwung √ľber den Schirm geschleudert.

Wird diese Figur so geflogen, dass der Pilot senkrecht √ľber seinen Schirm fliegt, spricht man auch von einem Looping.

Der Looping und seine Vorbereitung ist eine der spektakul√§rsten, aber auch gef√§hrlichsten Akrofiguren. Die Schwierigkeit besteht in der langsamen Trimmgeschwindigkeit des Flugger√§tes. Der n√∂tige Schwung kann nur durch spezielle Flugman√∂ver aufgebaut werden. Reicht dieser nicht aus, st√ľrzt der Pilot in die Kappe.

SAT

Der SAT wurde √ľber Nacht zum Zauberwort der Akroszene. Der Name stammt vom Erfinderteam der Figur (Safety Acro Team), das diese Figur durch Zufall entdeckte. Die Figur wurde zur Grundlage f√ľr eine ganze Generation von neuen Akroflugfiguren, wie z. B. das Tumbling.

Dabei wird eine Art Steilspirale geflogen, bei der sich aber der Drehpunkt der Flugbahn zwischen Pilot und Gleitschirm befindet. Der Schirm fliegt weiter vorw√§rts, w√§hrend sich der Pilot r√ľckw√§rts im Kreis bewegt. Bei der Einleitung k√∂nnen Extremwerte von 3,5 g Zentrifugalbeschleunigung entstehen; die Sinkgeschwindigkeit in diesem Man√∂ver kann auf etwa 4 m/s reduziert werden.

Dieses Flugmanöver wurde weiterentwickelt zum Asymmetrischen SAT. Diese Flugfigur weist durch ein geeignetes Timing des Piloten keine senkrechte Drehachse auf, sondern wird in Richtung Waagrechte verlegt. Dies erreicht der Pilot, indem er das Manöver Beispielsweise aus der asymmetrischen Spirale heraus einleitet. Da die Drehachse irgendwo zwischen der Senkrechten und der Waagrechten liegt, ist diese Flugfigur eine gute Übung, um sich an den Tumbling heranzutasten.

Eine weitere Abwandlung des SAT ist der Rhythmische SAT. Dabei wird der Schirm von einem normalen SAT ausgehend immer mehr aufgeschaukelt bis er den Asymmetrischen SAT erreicht hat. Man kann sich die Bewegung des Gleitschirms bei diesem Man√∂ver als eine immer st√§rker werdende Sinusschwingung vorstellen. Erreicht wird dies, indem w√§hrend des SAT's die angebremste Seite rhythmisch immer ein wenig st√§rker gebremst und dann wieder ein wenig freigegeben wird. Profis k√∂nnen das Man√∂ver bis zum Infinity Tumbling weiterf√ľhren.

Tumbling

Beim Tumbling fliegt der Pilot nicht wie beim klassischen Looping √ľber den Schirm hinweg, sondern der Schirm wird sozusagen unter dem Piloten ‚Äěhindurchgeschleudert‚Äú. Dabei liegt die Drehachse wie beim SAT zwischen dem Piloten und dem Schirm. Die daf√ľr notwendige Energie wird meist aufgebaut √ľber einen Gegendreher, hohe Wingover oder √ľber die asymmetrische Spirale. Dieser Schwung reicht meistens f√ľr zwei bis drei Umdrehungen.

Dieses reinrassige Akroman√∂ver verzeiht keine Fehler an Mensch und Material. Messungen w√§hrend dieser Figur haben Belastungen von bis zu 7.5 g ergeben.

Eine Weiterentwicklung ist das Infinity Tumbling. Durch geeignete Technik holt der Pilot, respektive der Schirm, bei jeder Umdrehung neuen Schwung, womit die Figur scheinbar endlos (engl. infinite) wiederholt werden kann. Entdecker dieses Manövers ist Raul Rodriguez, der während der Free Flight 2006 in Garmisch-Partenkirchen (Deutschland) insgesamt 82 Umdrehungen vollbrachte.

Der aktuelle Weltrekordhalter heißt Horacio Llorens, er schaffte am 4. Dezember 2009 im Himalaja nach einem Hubschrauberabsprung aus 5200m in 6 Minuten 281 Umdrehungen.

Mac Twist

Der Mac Twist (manchmal auch Ass Chopper genannt) wurde von Mathias Roten erfunden und ist salopp ausgedr√ľckt eine Vrille, bei der die Drehachse der Flugbahn in die Horizontale gedreht wurde.

Dabei wird der Schirm √ľber eine normale oder eine asymmetrische Spirale auf die gleiche H√∂he gebracht wie der Pilot. Dann wird durch einen starken Bremsimpuls der Schirm in die Vrille gedr√§ngt. Gute Piloten schaffen bis zu vier Umdrehungen.

Die gr√∂√üte Gefahr in diesem Man√∂ver liegt darin, dass der Pilot aufgrund der Massentr√§gheit der Rotation der Gleitschirmkappe nicht schnell genug folgt und es dadurch zu einem Eindrehen der Fangleinen, dem sogenannten ‚ÄěEintwisten‚Äú kommt. Bereits ab einer vollen Umdrehung ist die Reibung der Leinen so hoch, dass die Bremsleinen nicht mehr wirkungsvoll bet√§tigt werden k√∂nnen. Ab zwei Umdrehungen ist das Flugger√§t nicht mehr steuerbar, es bleibt nur noch der Wurf des Rettungsfallschirms.

Misty Flip

Der Misty Flip ist eine Weiterentwicklung des Mac Twists. Anders als beim Mac Twist ist jedoch bei einem sauber geflogenen Misty Flip der Gleitschirm komplett offen, beim Mac Twist sind meist die √§u√üeren Fl√ľgelenden eingeklappt. Der Gleitschirm wird nicht in der Rotation gehalten, sondern gekonnt nach einer ca. 360¬į Drehung gestoppt und ausgeleitet. Dabei befindet sich die Kappe weit hinter dem Piloten und schie√üt mit hoher Dynamik nach vorne. Der Pilot muss im richtigen Moment den Schirm anbremsen um wieder in den Normalflugzustand √ľberzugehen. Da (wie bei den meisten Akrofiguren) ein gutes Timing notwendig ist, besteht bei unsauberer Ausf√ľhrung ein hohes Risiko in die Kappe geschleudert zu werden.

Kombinationen

Viele dieser Figuren können auch kombiniert werden. Hier sind einige aufgezählt:

SAT to Helico: Es wird ein SAT geflogen, und dabei wird die angebremste Seite so lange nachgezogen, bis die Strömung abreißt und der Gleitschirm in eine Vrille gelangt.
Helico to SAT: Es wird ein Helicopter geflogen (in diesem Fall nach rechts). Im nächsten Moment bremst man die Rotation ein wenig, bis der Schirm links ein wenig versetzt hinter dem Piloten steht. Die Bremsen werden freigegeben, und man lässt die Kappe leicht asymmetrisch nach rechts unten schießen. Während dieses Vorganges wird sofort die rechte Bremse wieder nachgezogen, und man fliegt einen SAT nach rechts.
Twister (Helico to Helico): Es wird die Rotation des Helicopters gestoppt und in die Gegenrichtung gelenkt.
Misty to Infinity: In dem Moment bei der Ausleitung des Misty Flips, wo die Kappe nach vorschießen will, wird diese nicht angebremst. Wenn diese genug Dynamik hat, ist man im nächsten Moment in einem Tumble. Dieses Manöver ist nur mit Acro-Schirmen mit extremster Dynamik möglich.
Misty to Helico: Der Misty Flip wird beim Ausleiten wieder einseitig abgerissen, und man befindet sich in einem Helicopter

Rechtliche Situation

In Deutschland ist Kunstflug mit dem Gleitschirm, der im deutschen Recht unter dem Begriff Luftsportger√§t subsumiert wird, verboten. [1] Unter Kunstflug versteht man Flugzust√§nde mit einer Neigung von mehr als 135 Grad um die Quer- oder L√§ngsachse.[2] Der DHV hat im Januar 2009 eine Arbeitsgruppe zum Thema Drachenflug- und Gleitschirm-Kunstflug gebildet, die kl√§ren soll, ob das Drachenfliegen und Gleitschirmfliegen vom generellen Kunstflugverbot f√ľr Luftsportger√§te befreit werden sollte.[3]

In √Ėsterreich ist der Kunstflug f√ľr H√§nge- und Paragleiter nicht speziell geregelt. Die allgemeinen Regeln f√ľr Kunstflug verbieten diesen unter 500 Meter √ľber Grund, √ľber Menschenansammlungen bzw. √ľber dicht besiedeltem Gebiet, sofern keine Ausnahmegenehmigung vorliegt [4]. Da die verwendeten Gleitschirme jedoch meist √ľber keine Zulassung f√ľr den Betrieb in √Ėsterreich verf√ľgen, ist Gleitschirmakrobatik praktisch nicht zul√§ssig.

In der Schweiz ist Kunstflug f√ľr H√§nge- und Paragleiter ebenfalls nicht geregelt. F√ľr die Ger√§te besteht lediglich eine Kennzeichnungs- aber keine Zulassungspflicht, somit ist Gleitschirmakrobatik zul√§ssig.

Sinngebungen

Das extreme Gleitschirmfliegen findet in der √Ėffentlichkeit einerseits als spektakul√§res Ereignis eine erhebliche Aufmerksamkeit, andererseits aber oft wenig Verst√§ndnis. Man unterstellt eine oberfl√§chliche Sucht nach dem Kick und bei Vorf√ľhrungen ein Gesch√§ft mit der Gefahr, das sich lukrativ vermarkten l√§sst.

Dem gegen√ľber betont der Wagnisforscher S. A. Warwitz[5], dass die Sinngebungen wagnishaltigen Handelns immer aus dem pers√∂nlichen Werterleben des Einzelnen erwachsen und nicht von Au√üenstehenden zugemessen oder verweigert werden k√∂nnen: Wagnisse sind ethisch legitim, wenn sie von Kompetenz und Verantwortungsf√§higkeit getragen werden, Werte schaffen und sich nicht im exzessiven Sch√§digungsbereich (‚ÄěSpiel mit dem Tod‚Äú) bewegen. Der Gl√ľcksforscher M. Csikszentmihalyi[6] konstatiert, dass bei der Egalisierung von h√∂chsten Anforderungen und einem entsprechenden K√∂nnen in dem auf diese Weise bewirkten Flow-Erleben intensive und nachhaltige Gl√ľcksgef√ľhle entstehen. Diese aber sind jedem Menschen zuzubilligen.

Im Einzelnen werden Extremsportarten wie der Gleitschirmakrobatik von der Forschung etwa folgende Sinngebungen zugeordnet [7][8] [9][10] :

- wirtschaftlich: Akroflieger können als risikobereite, erfahrene Testpiloten wesentliche Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des attraktiven Sportgeräts Gleitschirm beitragen.

- sicherheitstechnisch: Die Erkundung der Leistungsgrenzen der Schirme und extremen Schirmverhaltens schafft auch dem Normalflieger größere Sicherheitsspielräume. Sie dient also der gesamten Sportart.

- sportlich: Es muss dem ambitionierten Piloten ebenso wie Menschen in anderen Lebensbereichen gestattet sein, seine persönlichen fliegerischen Fähigkeiten auszuschöpfen und lernend bis an die individuellen Grenzen zu perfektionieren.

- psychologisch: Der Mensch hat ein Recht auf Gl√ľck. Dieses Gl√ľcksstreben darf sich auch im gekonnten Ausleben von Flugtr√§umen realisieren. Es steht anders orientierten Menschen nicht zu, ihre eigenen Wertvorstellungen auf andere zu projizieren.

- gesellschaftspolitisch: Das nat√ľrliche Wagnisstreben des dynamischen, speziell am Flugsport interessierten und zu ihm talentierten Menschen findet in dem intensiven Freiheitserleben des Akrofliegens ein positiv zu bewertendes Bet√§tigungsfeld. Hierbei z√§hlt auch, dass die Unfallquote im Sportartenvergleich relativ gering ist und in keinem Verh√§ltnis zu dem physischen und psychischen gesundheitlichen Gewinn steht.

Literatur

  • F. Bitz: Abenteuer und Risiko. Zur Psychologie inszenierter Gefahr. L√ľneburg 2005
  • M. Csikszentmihalyi / S. Jacksons: Flow im Sport. Der Schl√ľssel zur optimalen Erfahrung und Leistung. M√ľnchen 1999
  • M. K√ľng, A. Meschuh, M. Nesler, G. √Ėchsl: Acrobatics: das erste Lehrbuch zur Gleitschirm-Akrobatik, Verlag Professional Flying Team GmbH, 2008 ISBN 978-3-940988-00-3
  • M. Scholz: Erlebnis-Wagnis-Abenteuer. Sinnorientierungen im Sport. Schorndorf 2005 ISBN 3-7780-0151-5
  • S.A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erkl√§rungsmodelle f√ľr grenz√ľberschreitendes Verhalten. Baltmannsweiler 2001 ISBN 3-89676-358-X
  • S.A. Warwitz: Vom Sinn des Wagens. Warum Menschen sich gef√§hrlichen Herausforderungen stellen. In: DAV (Hrsg.): Berg 2006. M√ľnchen-Innsbruck-Bozen 2006. S. 96-111 ISBN 3-937530-10-X

Quellen

  1. ‚ÜĎ http://bundesrecht.juris.de/luftvo/__8.html LuftVO ¬ß8 Abs. 1
  2. ‚ÜĎ http://www.dhv.de/typo/fileadmin/user_upload/aktuell_zu_halten/service/downloads/gelaende/flugbetriebsordnung.pdf FBO Abschnitt I, Punkt 6
  3. ‚ÜĎ http://www.dhv.de/typo/News_Details.5448.0.html?&cHash=a1d0fa19df&tx_ttnews[arc]=1&tx_ttnews[backPid]=123&tx_ttnews[pL]=2678399&tx_ttnews[pS]=1230764400&tx_ttnews[tt_news]=2506
  4. ‚ÜĎ http://www.ris2.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?QueryID=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10011391
  5. ‚ÜĎ S.A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erkl√§rungsmodelle f√ľr grenz√ľberschreitendes Verhalten. Baltmannsweiler 2001 S. 298
  6. ‚ÜĎ M. Csikszentmihalyi / S. Jacksons: Flow im Sport. Der Schl√ľssel zur optimalen Erfahrung und Leistung. M√ľnchen 1999
  7. ‚ÜĎ S.A. Warwitz: Vom Sinn des Wagens. Warum Menschen sich gef√§hrlichen Herausforderungen stellen. In: DAV (Hrsg.): Berg 2006. M√ľnchen-Innsbruck-Bozen 2006. S. 96-111
  8. ‚ÜĎ M. Scholz: Erlebnis-Wagnis-Abenteuer. Sinnorientierungen im Sport. Schorndorf 2005
  9. ‚ÜĎ F. Bitz: Abenteuer und Risiko. Zur Psychologie inszenierter Gefahr. L√ľneburg 2005
  10. ‚ÜĎ M. Csikszentmihalyi / S. Jacksons: Flow im Sport. Der Schl√ľssel zur optimalen Erfahrung und Leistung. M√ľnchen 1999

Siehe auch

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Gleitschirm-Akro ‚ÄĒ Als Gleitschirmakrobatik wird das Fliegen akrobatischer Flugfiguren mit einem Gleitschirm bezeichnet (Kunstflug). Dabei werden Flugfiguren ausgef√ľhrt, die ein Normal Gleitschirmpilot nicht beherrschen muss. Zur Durchf√ľhrung sind ein spezielles… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Gleitschirm-Akrobatik ‚ÄĒ Als Gleitschirmakrobatik wird das Fliegen akrobatischer Flugfiguren mit einem Gleitschirm bezeichnet (Kunstflug). Dabei werden Flugfiguren ausgef√ľhrt, die ein Normal Gleitschirmpilot nicht beherrschen muss. Zur Durchf√ľhrung sind ein spezielles… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Mac Twist ‚ÄĒ Als Gleitschirmakrobatik wird das Fliegen akrobatischer Flugfiguren mit einem Gleitschirm bezeichnet (Kunstflug). Dabei werden Flugfiguren ausgef√ľhrt, die ein Normal Gleitschirmpilot nicht beherrschen muss. Zur Durchf√ľhrung sind ein spezielles… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Steilspirale ‚ÄĒ Als Gleitschirmakrobatik wird das Fliegen akrobatischer Flugfiguren mit einem Gleitschirm bezeichnet (Kunstflug). Dabei werden Flugfiguren ausgef√ľhrt, die ein Normal Gleitschirmpilot nicht beherrschen muss. Zur Durchf√ľhrung sind ein spezielles… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Wingover ‚ÄĒ Als Gleitschirmakrobatik wird das Fliegen akrobatischer Flugfiguren mit einem Gleitschirm bezeichnet (Kunstflug). Dabei werden Flugfiguren ausgef√ľhrt, die ein Normal Gleitschirmpilot nicht beherrschen muss. Zur Durchf√ľhrung sind ein spezielles… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Flugzust√§nde (Gleitschirm) ‚ÄĒ Mit einem Gleitschirm k√∂nnen verschiedene Flugman√∂ver und Flugzust√§nde durch den Einsatz der Steuerleinen (Bremsen), Gewichtsverlagerung und des Beschleunigers erflogen werden. Im Normalflug wird ein Gleitschirm leicht angebremst geflogen, damit… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Gleitschirmpiloten ‚ÄĒ Eine Auswahl bekannter Gleitschirmpiloten, welche sich durch vorderste Pl√§tze bei nationalen oder internationalen Wettk√§mpfen auszeichnen oder auszeichneten. Siehe auch: Gleitschirmfliegen, Gleitschirmakrobatik A Wibke Apholt (CH) B Toni Bender… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Sportarten ‚ÄĒ Sportart olympisch Typ Teamgr√∂√üe Ort der Aus√ľbung Herkunft/Verbreitung 4 Cross nein Radsport 2 8 7er Rugby nein Torspiel 7 Rasen Schottland Aerobic, Sportaerobic ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Mathias Roten ‚ÄĒ (* 10. Februar 1979 in Thun; ‚Ć 7. M√§rz 2008 am Hockenhorngrat im L√∂tschental) war ein Schweizer Gleitschirmpilot aus H√ľnibach. Mathias Roten begann 1995 Gleitschirm zu fliegen, seine ersten Wettk√§mpfe bestritt er im Jahr 2000. Nach einigen… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Deep Stall ‚ÄĒ Oben: Normalflug; Unten: Deep Stall H√∂henleitwerk im Windschatten Deep Stall (deutsch: tiefer Abriss) ist der kritische Flugzustand eines Flugzeugs, bei dem bei gleichzeitigem Str√∂mungsabriss (engl. stall) an den Tragfl√§chen das H√∂henruder nicht… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.