Globalisierung


Globalisierung

Die Globalisierung ist der Vorgang der zunehmenden weltweiten Verflechtung in allen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation etc.). Diese Verdichtung der globalen Beziehungen geschieht auf der Ebene von Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten. Als wesentliche Ursachen der Globalisierung gelten der technische Fortschritt (siehe auch: Digitale Revolution[1]), insbesondere in den Kommunikations- und Transporttechnologien, sowie die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels.

Inhaltsverzeichnis

Begriff und Bedeutungen

Der Begriff der Globalisierung wurde zunächst in den Sozialwissenschaften geprägt. Manchen Quellen zufolge wurde er 1944 zum ersten Mal verwendet.[2] 1961 taucht Globalization erstmals in einem englischsprachigen Lexikon auf.

Den Begriff "Globalisierung" machte der US-amerikanische Trendforscher John Naisbitt populär. In seinem Buch Megatrends (1982) beschrieb er am Beispiel der Autoindustrie die Funktionsweise der Globalisierung. Naisbitt gilt als Erfinder des Begriffs[3]. Den Begriff "Globalisierung" prägte in der Wissenschaft 1983 Theodore Levitt (1925–2006), ein deutscher Emigrant [4] und ehemaliger Professor an der Harvard Business School 1983 mit dem Artikel „The Globalization of Markets“ [5] in der Harvard Business Review.[2] Innerhalb des deutschsprachigen Raumes verbreitete sich diese Bedeutung des Terminus nach 1990 in der öffentlichen Debatte.

Eine andere, weniger gebräuchliche Bezeichnung ist Mondialisierung (nach dem im Französischen bevorzugten Begriff Mondialisation: „Le monde“ heißt „die Welt“). Einige bezeichnen den beschriebenen Prozess nicht als Globalisierung, sondern als Entnationalisierung oder Denationalisierung, um den Macht- und Bedeutungsverlust des Nationalstaates im Zuge der Globalisierung zu beschreiben.

Die Globalisierung entwickelte sich rudimentär bereits im ausgehenden Mittelalter. So war im Wirken des Augsburger Kaufmanns Jakob Fugger, der ein über die Grenzen tätiges Handels- und Finanzimperium aufbaute, erste Ansätze der Globalisierung zu erkennen.[6]

Die Globalisierung wurde schon lange bevor es diesen Begriff gab diskutiert. So benutzte Karl Jaspers in seiner Kulturkritik Die geistige Situation der Zeit (1932) den Begriff Planetarisch: „Als technische und wirtschaftliche scheinen alle Probleme planetarisch zu werden“. Mit der Vereinheitlichung des Planeten habe ein „Prozess der Nivellierung“ begonnen, „den man mit Grauen erblickt“. Jaspers erkennt ein Merkmal, hinsichtlich dessen sich die Globalisierung seiner Zeit von anderen unterscheidet: Die Erde sei nicht nur zu einer Verflechtung seiner Wirtschaftsbeziehungen geworden, sondern der Weltkrieg sei der erste Krieg gewesen, in dem die gesamte Menschheit engagiert war. Die Kulturen verteilten sich über die Welt, aber schon schlüge der erste „Rausch der Raumerweiterung“ in ein „Gefühl der Weltenge“ um.[7]

Indikatoren der wirtschaftlichen Globalisierung

Es gibt verschiedene grundlegende statistische Daten, die als Indikatoren der wirtschaftlichen Globalisierung aufgefasst werden können:

Indikatorproblem

Indikatoren sind Messgrößen oder Anzeiger für bestimmte Sachverhalte, die in der Regel mit idealtypischen Begrifflichkeiten gekennzeichnet werden können. Das Problem der Deutung und Messung von Indikatoren ist ein sehr weitläufiges. Beispielsweise kann man zwar grob, aber nicht genau definieren, wann eine Nation „demokratisch“ ist oder nicht. Auch wenn es Anzeichen (Indikatoren) für eine Demokratie gibt, ist es schwer den Anfang dieser Demokratie festzulegen. Annäherungen sind aber möglich. Darum ist die Anwendung von Indikatoren sinnvoll, wenn das mit Vorsicht und Besonnenheit geschieht.[8]

Bei der Deutung der Indikatoren der wirtschaftlichen Globalisierung ergibt sich eine doppelte Problematik: Zum Einen kann man nicht genau differenzieren, welche der Indikatoren tatsächlich zur Erfassung der Globalisierung geeignet wären, zum anderen ist es nicht klar definierbar, welche quantitative Ausprägung bestimmte Indikatoren aufweisen müssten, um Rückschlüsse bezüglich des Fortgangs der Globalisierung erlauben zu können. Eine genaue Differenzierung ist aber nicht die Aufgabe und eine klare Definition nicht die Voraussetzung für den Einsatz von Indikatoren, sondern das Verständnis für die Grenzen von Indikatoren hilft, sie als Grundlage für die Erhebung detaillierterer Daten zu verwenden. Dann ist das Indikatorproblem kein Hindernis für den Einsatz von Indikatoren.

Ursache für die Kritik an Indikatoren ist neben ihrer fehlerhaften und missbräuchlichen Anwendung und ihrer möglichen interpretativen Überdehnung gelegentlich der Unwille überhaupt, aus Indikatoren abgeleitete Aussagen anzuerkennen. Dem kann mit einer guten Dokumentation der Bedingungen, unter denen Indikatoren ermittelt wurden, begegnet werden. Weiterhin liefert die mehrwertige Logik besonders geeignete Instrumente für die Lösung des Indikatorenproblems.

Dimensionen der Globalisierung

Globalisierung der Wirtschaft

Kapital- und Warenverkehr

Der weltweite statistisch nachweisbare Warenhandel stieg zwischen 1950 und 2007 auf über das 29-fache, während die statistisch dokumentierte Produktion von Gütern sich nur auf das 8,6-fache vergrößerte [9]. Die Zahl der direkten Auslandsinvestitionen stieg zwischen 1970 und 2007 von 13 auf mehr als 1.800 Milliarden US-Dollar. Weitere Höchstwerte von jeweils rund 1.400 Mrd. US-Dollar erreichten die laufenden ausländischen Direktinvestitionen in den Jahren 2000 und 2006 [10]. Von 1980 bis 2007 stieg das Welthandelsvolumen von 2,4 auf 17,0 Billionen US-Dollar [11]. Im Jahr 2007 wurden weltweit Waren im Wert von etwa 13.600 Mrd. US-Dollar und Dienstleistungen in der Höhe von etwa 3.300 Mrd. US-Dollar exportiert.[12]

  • Einfluss der Industriestaaten: Moderne Industriezweige benötigen heute für ihre spezialisierten und qualitativ hochwertigen Waren Märkte, die die Nachfrage ihrer heimischen Volkswirtschaft übertreffen. Diese Märkte finden sie zu einem Großteil in anderen Industrieländern, zum Teil – insbesondere in den Konsumgüterindustrien – auch in Entwicklungsländern. Handelspolitisch treten Industriestaaten daher in der Regel für die Öffnung von Märkten gerade für hochwertige Industrieerzeugnisse ein. Die staatliche Handlungsfähigkeit in diesen Ländern wird aber z. B. dadurch eingeschränkt, dass Standorte für Firmensitze und Produktionsstätten auch nach der international verglichenen Steuer- und Abgabenbelastung gewählt werden. Dabei sind jedoch die Staaten auf Steuereinnahmen angewiesen, die von Beschäftigten bezahlt werden – sei es aus Unternehmenssteuern oder aus direkten und indirekten Steuern. Dies kann zu politischen Impulsen für unliebsame Veränderungen (z. B. Rückbau des Sozialstaates) beitragen.
  • Einfluss der Schwellenländer: Schwellenländer haben durch relativ niedrige Löhne bei relativ niedrigen Lebenskosten die Möglichkeit, Anschluss an die Weltwirtschaft, Wirtschaftswachstum und verhältnismäßigen Wohlstand zu erreichen. Andererseits führt Marktöffnung und Ausrichtung für Weltmärkte oft zu drastischem Strukturwandel, dessen Schattenseite der Niedergang nicht international wettbewerbsfähiger Branchen in bedeutendem Umfang sein kann.
  • Einfluss der Entwicklungsländer: Entwicklungsländer, die von politischer Instabilität, mangelhafter Rechtssicherheit und unzureichender Infrastruktur geprägt sind, können in der Regel selbst bei niedrigsten Löhnen kaum produktive Auslandsinvestitionen anziehen. Auf diese Weise sind Entwicklungsländer häufig vom Globalisierungsprozess ausgeschlossen, was ihre Rückständigkeit noch verstärkt. Viele dieser Länder haben zum Schutz ihrer fragilen Wirtschaftsstrukturen und zur Einnahmeerzielung relativ hohe Zölle. Andererseits werden vor allem den wettbewerbsfähigen landwirtschaftlichen Produkten aus Entwicklungsländern in den Industrieländern durch hohe dortige Importzölle oder Importkontingentierung nur limitierte Marktzutrittschancen gewährt. Zudem sind viele Entwicklungsländer vom Export nur eines Rohstoffes abhängig, so dass sich Schwankungen der Weltmarktpreise katastrophal auf deren Wirtschaft auswirken können.
  • Rolle von produzierenden Unternehmen: Viele Unternehmen produzieren mittlerweile weltweit (Global Players) und haben so die Möglichkeit, die unterschiedlichen Arbeitskosten-, Investitions-, Steuer- und sonstige Bedingungen in den unterschiedlichen Ländern zu ihren Gunsten innerhalb des Unternehmens zu nutzen. National operierende kleinere Unternehmen, die diese Möglichkeiten zunächst nicht haben, sind durch die Konkurrenz international operierender Unternehmen vielfach in ihrer Existenz bedroht. Viele sehen sich gezwungen, ihrerseits z. B. Arbeitsplätze in „Billiglohnländer“ zu verlegen, was wiederum negative Rückwirkungen auf Arbeitsmärkte und heimische Nachfrage in „Hochlohnländern“ haben kann, wenn dort keine entsprechend entlohnten neuen Arbeitsplätze entstehen. Nach Schätzungen sind multinationale Unternehmen an ca. 2/3 des Welthandels beteiligt und ca. 1/3 des Welthandels findet direkt zwischen Mutter- und Tochterunternehmen von Konzernen, also „intra-firm“ statt [13].
  • Einfluss von Banken und Finanzwesen: Finanzintermediäre gelten als die Hauptbeschleuniger der Globalisierung, denn mittels moderner EDV lassen sich Milliardenbeträge innerhalb von Sekunden über den Globus verschieben. Die Finanzunternehmen stehen dabei als Folge der Globalisierung selbst in einem intensiven globalen Wettbewerb um möglichst rentable Anlagemöglichkeiten. Dies führt dazu, dass sie ihrerseits Geldanlagen mit dem Ziel hoher Profite tätigen und so soziale Aspekte in den Hintergrund treten und andererseits selbst zu Kosteneffizienz gezwungen sind (vgl. Private-Equity-Gesellschaften/„Heuschreckendebatte“). Durch die schnellen Bewegungen auf dem Devisenmarkt entstehen Risiken der Instabilität für die einzelnen Währungen (vgl. Debatte um Tobin-Steuer).
  • Regionalisierung: Globalisierung verstärkt den Druck auf einzelne Länder, sich zu regionalen Wirtschaftsräumen zusammenzuschließen. So entstandene Freihandelszonen sind u. a.: die Europäische Union (EU), das NAFTA in Nordamerika, die APEC im pazifischen Raum, die ASEAN in Südostasien, der Mercosur in Südamerika, die CARICOM im karibischen Raum sowie der GCC einiger Golfstaaten. Die Afrikanische Union ist als Zusammenschluss der afrikanischen Staaten ebenfalls zu nennen, befindet sich jedoch noch im Aufbau.

Mobilität von Personen

Siehe auch: Arbeitsmigration, Brain-Drain/Brain-Gain

Eine Zunahme der Migrationsbewegungen seit dem zweiten Weltkrieg erscheint vielen als eine der Triebfedern zunehmender Globalisierung. Aufgrund nationalstaatlicher Immigrations-Anreize (bspw. „Greencard“) für qualifizierte Arbeitskräfte sowie der wachsenden Bedeutung multinationaler Konzerne, vermuten Globalisierungstheoretiker eine verstärkte Mobilität des Personals – insbesondere der Hochqualifizierten. In der Politik und den Massenmedien, aber auch in Wissenschaft und Wirtschaft wird seit langem über Chancen und Gefahren eines vermeintlichen Fachkräftemangels und eines damit einher gehenden Wettbewerbs um die „besten Köpfe“ diskutiert (engl. „war of talents“).[14] Während solche Migrationsmuster teils zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen beobachtet wurden, belegen jüngere empirische Studien, dass Vorstellungen eines eindeutigen und gravierenden „Brain-Drains“ für OECD-Staaten übertrieben sind.[15] Stattdessen folgen Migrationsbewegungen von Hochqualifizierten viel mehr dem Muster der „Brain-Circulation“. Damit ist gemeint, dass kurzfristige Auslandsaufenthalte zwar durchaus zunehmen, dies jedoch als „Entsendedynamik“ begriffen werden kann, die mit der Rückkehr in die Heimat einhergeht. Eine Erklärung für dieses Muster beinhaltet kulturspezifische, lokale Rekrutierungsbedingungen für Führungskräfte, die mit nationalen Karrieresystemen sowie mit der Dominanz von Hauskarrieren in bestimmten (Groß-)Unternehmen verbunden sind.[16]

Transport und Personenverkehr

Die Zahl der Personen-Kilometer im internationalen Flugverkehr und die Transportmenge der Luftfracht haben sich seit 1950 mehr als verhundertfacht. 2008 wurden weltweit täglich über 6,7 Mio. Passagiere auf In- und Auslandsflügen befördert. Und die grenzüberschreitend beförderte Luftfrachtmenge lag im Jahr 2008 bei über 25 Millionen Tonnen. Da die Fracht im Durchschnitt 5.200 Kilometer transportiert wurde, belief sich das Luftfrachtaufkommen auf etwa 131 Milliarden Tonnen-Kilometer auf internationaler Ebene.[17]

Auch der Umfang der zu See transportierten Güter ist seit 1920 stark gestiegen. 2007 wurden über 8 Milliarden Tonnen über 4100 Seemeilen transportiert. Das Seefrachtaufkommen hat sich allein in den vergangenen vier Jahrzehnten von weniger als 6.000 Milliarden Tonnen-Meilen auf über 32.930 Milliarden Tonnen-Meilen (Stand: 2007) erhöht.[18] Mit der Ausweitung des Zug-, Automobil- und Luftverkehrs weiten sich der grenzüberschreitende Personenverkehr und der Tourismus aus.

Kommunikation und Internet

Die Zahl der Telefonanschlüsse am weltweiten Telefonnetz hat sich seit 1960 verzehnfacht. Neben dem Telefon entwickeln sich mit dem Mobiltelefon, der VoIP-Telefonie, der Videokonferenz über IP, dem Fax und dem Internet neue Kommunikationstechnologien. Internetbasierende Telefonie ermöglicht eine global vernetzte Zusammenarbeit durch eine praktisch kostenlose permanente Kommunikationsverbindung in hoher Qualität. Vor allem über das Internet haben sich die grenzüberschreitenden Kommunikationsprozesse vervielfacht und die Zahl der Internetanschlüsse steigt weiter exponentiell, allerdings über den Globus sehr ungleich verteilt und in totalitär regierten Ländern streng überwacht. Während zu Beginn der 90er Jahre gerade einmal ein paar Tausend Rechner miteinander verbunden waren, sind es heute alleine in Deutschland schon weit über 30 Millionen. Weltweit stieg die Anzahl der PCs von 120 Millionen im Jahr 1990 auf 650 Millionen im Jahr 2003.[19]

Globalisierung der Politik

Die Globalisierung der Politik ergibt sich aus den Folgen der wirtschaftlichen und kulturellen Globalisierung. Es entstehen neue Probleme, die aufgrund der begrenzten nationalen Möglichkeiten nicht ohne eine globale Kooperation gelöst werden können. Dazu zählen u.a. folgende Problemfelder:

  • Problemfeld Wirtschaft: Durch die expandierende Weltwirtschaft geraten die Nationalstaaten verstärkt in wirtschaftliche Konkurrenz zueinander, denn es entsteht ein Standortwettbewerb. Diese Situation kann zu Spannungen zwischen Staaten führen, daher wird zunehmend eine höhere, multilaterale Instanz gefordert, die die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Wirtschaftssubjekten regelt.
  • Problemfeld Natur: Eine Steigerung der globalen Produktion führt zu einer vermehrten Umweltbelastung. Ein Beispiel ist das Ozonproblem. Ein Staat kann Umweltprobleme nicht alleine lösen, entsteht allmählich aus den Verhandlungen der Staaten eine globalpolitische Struktur, die die Staatengemeinschaft zu einer Verbesserung der Umweltsituation verpflichtet.
  • Globale Sicherheitspolitik: Die globalisierte Welt bringt globale sicherheitspolitische Probleme mit sich, denn Verbrecher stammen meist aus verschiedenen Teilen der Welt und können nicht ohne weiteres nationalstaatlich klassifiziert werden. Ohne eine polizeiliche Zusammenarbeit mit anderen Staaten ist es nahezu unmöglich geworden, Verbrecher effizient zu fassen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Es werden zwei mögliche Lösungsansätze diskutiert: Zum einen kann man versuchen, die Globalisierung zurückdrehen, um diesen Problemen aus dem Weg zu gehen. Zum Anderen kann man versuchen, globalpolitische Strukturen und Regelwerke zu installieren, um künftige Probleme und Problemfelder lösen zu können. Solange die globale Verflechtung zunimmt, wird auch der Druck wachsen, globalpolitische Regelungen zu finden. Eine häufige Forderung ist dabei, vom Unilateralismus abzukommen und multilaterale Prinzipien zu etablieren. So versucht z. B. das Global Governance-Konzept auf die Weltprobleme und Globalisierungstendenzen auf multilateraler Ebene eine Antwort zu finden (Synonyme für Global Governance: Weltinnenpolitik, Weltordnungspolitik, Globale Ordnungs- und Strukturpolitik).

Ebenen der Globalisierung der Politik

Die Globalisierung der Politik vollzieht sich auf drei Ebenen:

  • Zunahme von internationalen Vereinbarungen bzw. Verträgen (auch: Regimes = Vereinbarungs-Bündel) (je nach Zählweise mit Stand 2004 26.000 internationale Verträge);[20]
  • Zunahme von internationalen Organisationen (staatliche und nichtstaatliche) (je nach Zählweise mit Stand 2004: 5.200 oder 252 Regierungsorganisationen, 15.000 oder 6.076 Nichtregierungsorganisationen);
  • Zunahme einer internationalen Öffentlichkeit bzw. einer auf globale Ereignisse gerichteten medialen Berichterstattung.
Internationaler Rechtsverkehr

Ein Aspekt der politischen Globalisierung ist der internationale Rechtsverkehr. Neben einer Vielzahl von völkerrechtlichen Verträgen ist die im Jahre 1961 beschlossene Haager Konvention Nummer 12 zur Befreiung ausländischer öffentlicher Urkunden von der Beglaubigung bzw. Legalisation die wichtigste Rechtsnorm. Die darin vorgesehene Entbürokratisierung und Vereinfachung des Rechtsverkehrs zwischen den Staaten hat eine Globalisierung, wie sie sich heute darstellt, erst ermöglicht. Sie ermöglicht wegen des hohen Mitgliederstandes einen beinahe weltumspannenden Rechtsverkehr, ohne dass die diplomatischen Dienste in Anspruch genommen werden müssen (siehe auch Apostille und Legalisation).

Internationale Organisationen

Die Zunahme der Verflechtungen zwischen den Gesellschaften stellt neue Ansprüche an die Zusammenarbeit zwischen Staaten. Verschiedene internationale Organisationen sind Ausdruck der Globalisierung und prägen ihre Gestalt. Es gibt darunter Organisationen mit einer großen Bandbreite von Aufgaben ebenso wie sehr spezialisierte Organisationen. Ihre Ziele können sich widersprechen, auch sind sie sehr unterschiedlich mit Macht zur Durchsetzung ihrer Standards ausgestattet. Zu nennen sind vor allem:

UNO: Die wichtigsten Aufgaben der Vereinten Nationen sind die Sicherung des Weltfriedens, die Einhaltung des Völkerrechts, der Schutz der Menschenrechte und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit.[21]

IAO: Die Internationale Arbeitsorganisation ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Die 178 Mitgliedsstaaten sind durch Repräsentanten von Regierungen sowie von Arbeitnehmern und Arbeitgebern vertreten. Schwerpunkte der Arbeit der IAO sind die Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialnormen, die soziale und faire Gestaltung der Globalisierung sowie die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit als einer zentralen Voraussetzung für die Armutsbekämpfung.

FAO: Die Food and Agriculture Organization ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Rom. Im deutschen Sprachraum ist die FAO auch unter den Bezeichnungen Welternährungsorganisation oder Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen bekannt.

UNEP: Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen wurde 1972 ins Leben gerufen und hat seinen Hauptsitz in Nairobi, Kenia. Trotz seines Namensbestandteils „Programm“ kann es als Sonderorganisation der Vereinten Nationen betrachtet werden, in gewisser Weise analog zum deutschen Umweltbundesamt. Nach seinem Selbstverständnis ist UNEP die „Stimme der Umwelt“ bei der UNO, es wirkt als Auslöser, Anwalt, Lehrer und Vermittler für den schonenden Umgang mit der Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung. Es arbeitet dafür mit verschiedenen Partnern zusammen, darunter anderen UN-Organisationen und anderen internationalen Organisationen, Regierungen, nichtstaatlichen Organisationen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft.

Weltbank: Die in Washington D. C. (USA) angesiedelte Weltbankgruppe hatte ursprünglich den Zweck, den Wiederaufbau der vom Zweiten Weltkrieg verwüsteten Staaten zu finanzieren. Heute hat sie die Aufgabe, die wirtschaftliche Entwicklung von weniger entwickelten Mitgliedsländern durch finanzielle Hilfen, durch Beratung und technische Hilfe zu fördern.[22]

IWF: Der Internationale Währungsfonds spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der Weltfinanzen und beim Management der internationalen Schuldenkrise. Ziele sind vor allem: die Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik, Stabilisierung von Wechselkursen, Überwachung der Geldpolitik.[23]

WTO: Ziel der Welthandelsorganisation ist die Liberalisierung des internationalen Handels wie auch die Stabilisierung der Weltwirtschaft.[24]

OECD: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist eine Organisation der westlichen Industrieländer und hat das Ziel, deren internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit und deren Entwicklungshilfe zu fördern. Sie ist hauptsächlich in den Bereichen Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik, Energie (Internationale Energieagentur), Bildung und Forschung sowie in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig.

Internationale Nichtregierungsorganisationen

Neben den staatlichen spielen auch die internationalen Nichtregierungsorganisationen eine zunehmende Rolle. Ihre Zahl steigt kontinuierlich;[25] sie sind häufig stark auf die Bearbeitung einzelner Themen spezialisiert. Beispiele sind im Umweltbereich Greenpeace oder der WWF, allgemein auf die Globalisierung bezogen attac. Ihr Verhältnis zu den staatlichen Organisationen ist uneinheitlich und im Wandel begriffen; es kann je nach den beteiligten Akteuren die Form von Protesten, Lobbypolitik oder auch Zusammenarbeit annehmen.

Globalisierung der Kultur

Die mit der Globalisierung einhergehende Diffusion von kulturellen Praktiken, Formen des Ausdrucks und Ideen führt nach Byung-Chul Han zu einer von ihm sogenannten Hyperkulturalität.[26] Im Zuge der Globalisierung lösen sich die kulturellen Ausdrucksformen (Bilder, Klänge, Vorstellungen, Symbole, Rituale etc.) von ihrem ursprünglichen Ort und zirkulieren im „globalen Hyperraum“. Die Kulturen werden entgrenzt zu einer Hyperkultur. Nicht Grenzen, sondern Vernetzungen und Vermischungen organisieren den Hyperraum dieser Kultur. Dabei charakterisiere das Nebeneinander und die Gleichzeitigkeit des Verschiedenen die Hyperkultur. Im Vergleich zu Kulturen der Innerlichkeit stellt die Hyperkultur, so Han, eine offene und somit ent-innerlichte Kultur dar.

Befürworter einer Globalisierung der Kultur sehen darin eine Entwicklung zur weltweiten Verfügbarkeit von Elementen aller Kulturen (beispielsweise Restaurants deutscher Tradition in Afrika, afrikanische Musik in Deutschland, das in Indien erfundene Chicken Tikka in England, die Inbesitznahme der englischen Sprache durch ehemalige Kolonien etc.). Die Verdrängung der einheimischen Kulturen spiele sich häufig nur auf einer oberflächlichen Ebene ab. Einflüsse würden lokal modifiziert und in die eigenen kulturellen Wertvorstellungen eingebunden. Außerdem verbessere sich die Situation von vielen Menschen bzw. Menschengruppen durch den Kontakt mit der westlichen Kultur (zum Beispiel durch eine erhöhte Gleichberechtigung der Frau). Das Konzept der Hyperkulturalität verweist auf die kulturelle Dynamik der Globalisierung, die über die Inter-, Multi- oder Transkulturalität hinausgeht. Des Weiteren bilde sich eine „universale“ Kultur heraus, es entstünden aber auch hybride Formen aus verschiedenen Traditionen und der Moderne (Postmoderne) – und danach der Postpostmoderne usw.

Tyler Cowen glaubt, dass kulturelle Homogenisierung und Heterogenisierung keine Alternativen seien. Vielmehr tendierten sie dazu, gleichzeitig aufzutreten. Ein verstärkter kultureller Austausch könne die zwischengesellschaftliche Vielfalt vermindern und gleichzeitig die innergesellschaftliche Vielfalt und die individuellen Wahlmöglichkeiten erhöhen. Zwar ändere und beschädige der interkulturelle Austausch jede Gesellschaft, die er berührt, aber letztlich fördere er die Innovation sowie die Kreativität des Menschen.

Unter Globalisierung der Kultur verstehen vor allem die Kritiker (z. B. aus dem Islamismus) einer aus ihrer Sicht bestehenden „westlichen“ Dominanz die Ausbreitung „westlicher“ Wertvorstellungen und Lebensstile. Eine massive Verbreitung westlicher Werte findet vor allem über das Fernsehen[27], das Internet[28] und das Kino statt, aber auch Musik[29] und Mode[30] (wie zum Beispiel die Krawatte) würden weltweit vom Westen beeinflusst.[31] Der Massentourismus in die exotischen Urlaubsländer allerdings führe – so die Kritiker – dort immer häufiger zum deutlichen Rückgang der kulturellen Traditionen, weil im Zuge einer wachsenden Abhängigkeit fast nur noch für die Touristen gelebt und gearbeitet werde.[32]

Globalisierung führt aber nicht nur zu einer Verbreitung der „westlichen“ Kultur, sondern auch der globale Einfluss „östlicher“ Kulturen wird deutlicher. „Westliche“ Unternehmer und Politiker führen öfter die für sie im „östlichen“ Ausland besseren Umgebungsbedingungen an und stellen damit das, was für „westlich“ gehalten wird, teilweise in Frage. Das Verhalten eines Teils der asiatischen Arbeitnehmer beispielsweise wird im „Westen“ nicht selten als positives Beispiel für die Wirkung „asiatischer Werte“ gesehen, die als Dynamik verstanden wird, von denen man lernen könne.

So stößt nicht nur die Ausbreitung westlicher Wertvorstellungen und Lebensstile auf Kritik, sondern andererseits sehen sich auch konservativere Vertreter einer Kultur, die sie als „christlich-abendländische“ Kultur charakterisieren, von Globalisierungseffekten bedrängt. Die Auswirkungen dieser Ängste zeigen sich dann beispielsweise in der Diskussion um Quotenregelungen beim Rundfunk für deutsche und nichtdeutsche Musik oder z. B. in Deutschland in der Debatte um „Leitkultur“ oder über den „Kopftuchstreit“.

Im Zusammenhang mit dem Konfliktpotenzial der Globalisierung auf kultureller Ebene wird oft das SchlagwortKampf der Kulturen“ ins Spiel gebracht. Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington hat in seinem Buch „Clash of Civilizations“ eine Prognose aufgestellt, nach der sich die Menschen in Zukunft nur durch den „Kampf der Kulturen“ behaupten können.[33] Kritiker bezweifeln diese Prognose und warnen davor, den „Kampf der Kulturen“ als unabwendbares Schicksal anzusehen, das im Zuge einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung reale Ausmaße bekommen könne. Dieses Schlagwort solle kritisch hinterfragt werden, da es latente Konflikte unterstreiche und Möglichkeiten einer friedlichen Lösung utopisch erscheinen lasse, unabhängig von der Toleranz unterschiedlicher Kulturen untereinander sowie interkultureller Kompetenz der Verhandlungspartner.

Andere Ansichten stellen, teils unter dem Schlagwort „Glokalisierung“, dem Faktor Globalisierung die Lokalisierung gegenüber. Globalisierung bedeute nicht unbedingt und nicht nur das Verschmelzen von Kulturen, sondern auch eine Stärkung von lokalen und traditionellen Aspekten. Beispielsweise wurde in China in neuester Zeit trotz vielfältiger Adaptionen im technischen und wirtschaftlichen Bereich mit aufwendigen Mitteln das alte Kaisergrab des ersten Kaisers von China restauriert. Die aus dem Ausland einströmenden Ideen führten zu der Suche nach Werten, die der chinesischen Nation eigen und unverwechselbar sind. Auf kultureller Ebene bildeten gerade Unterschiedlichkeit und Vielfalt Teilergebnisse der Globalisierung. Diese kulturelle Diversifikation werde auch von Konzernen mit globalem Absatzmarkt unterstützt, da sie in der Konkurrenz mit anderen Anbietern gezwungen sind, den Geschmack lokaler Kunden zu treffen.

Globalisierung der Sprache

Weltweit dominiert die Wirtschaftssprache Englisch, deren Gebrauch sich stetig weiter ausbreitet.[34] Englisch erhält entsprechend einen immer höheren Rang als Zweitsprache in vielen Staaten und deren Schulsystemen (erste Fremdsprache). Damit einher geht aber auch ein häufiger Gebrauch englischer Begriffe für neu erfundene Gerätschaften, Sportarten, Moden. Parallel entwickeln sich in vielen Sprachen auch Mischwörter, die in ihrer Gesamtheit im Deutschen zum Beispiel als Denglisch bezeichnet werden. International ist auch das Verschwinden von Exonymen zu beobachten. Diversifizierungstendenzen zeichnen sich auch hier ab, wenn beispielsweise US-amerikanische Oberschichtseltern ihre Kinder von eigens eingeflogenen chinesischen Kindermädchen erziehen lassen, damit sie die Sprache einer immer wichtigeren Weltmacht von klein auf lernen.

Globalisierung der Umweltprobleme

Die zwei zentralen Dimensionen der Umweltthematik sind der Ressourcenverbrauch (Input) und die Umweltbelastung (Output).

Globaler Ressourcenverbrauch

Der absolute Ressourcenverbrauch ist durch den technischen Fortschritt und das Bevölkerungswachstum gestiegen; das kann nur sehr bedingt der zunehmenden Verflechtung zugeschrieben werden.

Beim relativen Ressourcenverbrauch lassen sich Unterschiede zwischen Industrieländern, Schwellenländern und Entwicklungsländern feststellen. Der relative Ressourcenverbrauch der Industrieländer übersteigt den der Entwicklungsländer deutlich. 20 % der Weltbevölkerung (die Industrieländer) nehmen 80 % des Ressourcenverbrauchs für sich in Anspruch. Im Zuge des Industrialisierungsprozesses steigt der relative Energieverbrauch der Schwellenländer an. In Entwicklungsländern ist der relative Ressourcenverbrauch aufgrund fehlender Industrie, Maschinen, Fahrzeuge etc. niedriger.

Globale Umweltbelastung

Die absolute Umweltbelastung nimmt aus den gleichen Gründen zu wie der absolute Ressourcenverbrauch: technischer Fortschritt und Bevölkerungswachstum. Die Effekte nehmen in vielen Bereichen (z. B. Klimawandel) bedrohliche Ausmaße an. Daher wird oft von der Entstehung einer Weltrisikogesellschaft gesprochen (Ulrich Beck), da externe Effekte der Umweltverschmutzung nun grenzübergreifender und globaler Natur sind.

Bezüglich der relativen Umweltbelastung ist die Leitfrage: Wer produziert welchen Anteil an Umweltschäden, und wen treffen die Wirkungen am stärksten?

Auch bei der Verursachung von Umweltschäden sprechen viele Untersuchungen immer noch für die oben genannte 80:20-Regel, obwohl sich das Verhältnis immer stärker zu den Entwicklungsländern neigt. Dies ist jedoch vom Schadenstyp abhängig. Wenn es um klimaschädliche Emissionen aus dem Energieverbrauch geht, so lässt sich dieser überwiegend auf die Industrieländer zurückführen. Dies gilt auch für die Produkte und Emissionen der chemisch-synthetischen Industrie. Anders verhält es sich z. B. bei Schäden, die mit der Bodenbewirtschaftung zusammenhängen. Hierbei gibt es einerseits den problematischen Einfluss der agrotechnischen Branche der Industrieländer, andererseits können nicht alle „einheimischen“ Wirtschaftsformen der Entwicklungsländer als per se nachhaltig bezeichnet werden.

Bezüglich der Belastung durch ökologische Schäden ist zu fragen: Wer wird von den Schäden am meisten oder als erstes betroffen? Auch hier muss differenziert werden. Manche Schäden treten nur lokal auf, andere wie beispielsweise das Wüstenwachstum (Desertifikation) oder das Ozonloch treten zunächst nur in bestimmten Weltregionen auf (was sich aber in Zukunft drastisch ändern kann). Wieder andere sind davon gekennzeichnet, dass Schadstoffe nicht an Staatsgrenzen Halt machen. Deshalb treffen beispielsweise die Folgen der globalen Erwärmung bereits jetzt alle Gesellschaften auf dem Planeten, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.

Ein typisches Beispiel für eine Umweltbelastung, die nicht vor Staatsgrenzen Halt macht ist das Kernkraftwerk Tschernobyl in dem es 1986 zu einem Super-GAU kam. Da der in den 80er Jahren eilig erstellte Sarkophag bereits nach weniger als 20 Jahren brüchig geworden ist und Löcher aufweist, steht die Ukraine, aber auch alle Anrainerstaaten erneut vor dem Problem, dass atomare Partikel über den Luftweg verbreitet werden können. Obwohl das AKW selbst primär ein lokales Umweltproblem darstellt, besteht die Gefahr, dass es sich zu einer internationalen Umweltbelastung entwickelt. Aus diesem Grunde wurde 2011 eine Geberkonferenz veranstaltet, um die Gesamtkosten eines neuen Stahlsarkophags in Höhe von ca. 700 Millionen Euro gemeinsam aufzubringen. Die EU bekräftigte diese Einschätzung dadurch, dass sie den Großteil der anfallenden Kosten trägt.[35]

Globale Reaktionen auf globale Umweltprobleme

Die Globalisierung hat die Wahrnehmung der global auftretenden Schäden verbessert. Das betrifft v.a. die verbesserte Kommunikation, die in manchen sozialen Milieus bzw. bei manchen Funktionsträgern ein „planetares Bewusstsein“ begünstigt. Die Umweltstandards in Industrieländern sind höher als in Schwellenländern und Entwicklungsländern. Im Zuge der Globalisierung werden die höheren Umweltstandards der Industrieländer zunehmend auf die Schwellenländer und Entwicklungsländer übertragen. So müssen beispielsweise Länder, die der Europäischen Union beitreten wollen, die strengeren Umweltgesetze der EU übernehmen. Effizientere Produktionsweisen führen zu Ressourceneinsparungen und Kostenvorteilen für die Unternehmen, so dass auch in den Schwellenländern langfristig eine Anpassung der Produktionsweisen stattfindet. In der Folge werden die globalen Umweltprobleme zunehmend von Regierungen und lokal, regional und international agierenden nichtstaatlichen Organisationen aufgrund eines erhöhten globalen Bewusstseins zum Thema gemacht.

Das internationale politische System reagiert darauf mit neuen Spezialorganisationen (zum Beispiel UNEP, die Umweltbehörde der UNO) und Umweltregelungen und -verträgen, die, allerdings nach Meinung von Kritikern viel zu langsam, auch die Vorgehensweise der traditionellen internationalen Institutionen beeinflussen.

Gegenläufige Tendenzen

Im Bereich Personenverkehr zählen dazu Visumspflicht bzw. -nichtgewährung, Erfordernis von Arbeitserlaubnissen etc. Im Bereich Warenverkehr fallen hierunter protektionistische Maßnahmen in Form von Handelshemmnissen wie Zölle und Importbeschränkungen für ausländische Produkte einerseits und Exportsubventionen für inländische Anbieter andererseits. Auch Subventionen für inländische Produktion sind Einschränkungen der Globalisierung, wenn dadurch der Marktzugang ausländischer Produzenten erschwert wird. Insbesondere im Agrarbereich ist ein deutlicher Protektionismus der industrialisierten G8-Mitgliedsstaaten gegenüber Entwicklungsländern spürbar.

Zu den Lebensbereichen, in denen eine Globalisierung bis heute nur in geringem Maße zu beobachten ist, zählt, wie u.a. Alexandra Kertz-Welzel dargestellt hat, die Pädagogik. Über die Schulsysteme und den Unterricht in verschiedenen Ländern sei wenig bekannt und eine gegenseitige Anregung finde kaum statt.[36]

Geschichte der Globalisierung

Die Frage, ab welchem Zeitpunkt man von Globalisierung sprechen kann, ist umstritten. Es gibt grundsätzlich drei Antworten darauf:

  • Globalisierung sei ein ganz neues Phänomen, das in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sei.
  • Globalisierung habe im 15. Jahrhundert mit der europäischen Expansion über die ganze Welt begonnen.
  • Globalisierung sei ein uralter Trend, dieser Integrationsprozess sei so alt wie die Menschheit.

Insbesondere Historiker kritisieren die Gegenwartszentriertheit der wissenschaftlichen und erst recht der öffentlichen Diskussion über Globalisierung. Diese trage zu einem falschen Bild des Phänomens bei und damit zu fragwürdigen Prognosen. Mit der Ergänzung durch die Perspektive der Historiker lasse sich ein viel genaueres Bild der Globalisierung und ihrer Ursachen zeichnen und damit auch plausiblere prognostische Schlüsse ziehen.

So will etwa der Wirtschaftshistoriker Knut Borchardt „das aktuelle Geschehen seiner prinzipiellen Einmaligkeit entkleide(n)“,[37] also der Frage nachgehen, was wirklich neu an dem ist, was heute Globalisierung genannt wird. Er schlägt ein Modell vor, das mehrere Globalisierungswellen vorsieht, also historische Phasen der Zunahme der internationalen Verflechtung, die immer gefolgt waren von Phasen der Verflechtungsabnahme. Die letzte Globalisierungswelle sieht er in der Zeit von den 1840er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg. In dieser Zeit seien die Handelsverflechtung, die kommunikationstechnische Verflechtung, der Kapitalverkehr und die Migration enorm angestiegen und haben relative Zahlen erreicht, die meist erst in den 1990er Jahren wieder erreicht wurden, im Bereich Migration bis heute nicht. Mit dem Ersten Weltkrieg hörte das Wachstum der Verflechtung auf, und mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 nahm die Verflechtung wieder ab. Als Ursachen der Verflechtungszunahme sieht Borchardt

  • bedeutende technische Innovationen (Produktionstechnik, Verkehrstechnik, Kommunikationstechnik),
  • die seit Jahrhunderten vor sich gehende Expansion Europas, sie „erschloss“ riesige Gebiete mit ihren Lagerstätten und fruchtbaren Böden für die europäischen Zentren und schuf große Räume mit sehr unterschiedlichen Produktionskosten,
  • wichtige außenhandelspolitische Entscheidungen der Nationalstaaten: Seit den 1840er Jahren ist der Trend in Richtung Liberalisierung zu beobachten. Diesem folgte ab den Wirtschaftskrisen der 1870er Jahre ein Trend in Richtung gemäßigter Protektionismus; dieser war ein wichtiger Teil eines politischen Pakets sozialer Kompromisse, die eine Aufrechterhaltung der internationalen Verflechtung erlaubten; damit machten die Globalisierungsgewinner den Globalisierungsverlierern Zugeständnisse. Durch den gemäßigten Protektionismus wurde die Verflechtungszunahme nicht behindert, Borchardt stellt sogar die Hypothese auf, der gemäßigte Protektionismus habe die Globalisierung durch die Abfederung sozialer Härten und die Milderung sozialer Konflikte gefördert. Als empirischer Beleg dient ihm die Tatsache, dass mit dem gemäßigten Protektionismus die internationale Verflechtung weiterhin stark zunahm.

Diese wachsende Verflechtung war den Zeitgenossen durchaus bewusst, sie wurde intensiv öffentlich diskutiert. Schon zur Mitte des 19. Jahrhunderts findet man im ersten Kapitel des Kommunistischen Manifests treffliche Kennzeichnungen des grenzenlosen Ausdehnungsstrebens des Weltmarktes im Zuge des Konkurrenz-Mechanismus des Kapitalismus.

„Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien [...] werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden. [...] An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut [...] und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.“

Karl Marx, Friedrich Engels: Kommunistisches Manifest, 1848, MEW 4: 466.

Die Anfang des 20. Jahrhunderts im Deutschen Reich meistgelesene Zeitschrift Die Woche widmete den global verknüpften Finanzmärkten immer wieder große Aufmerksamkeit, vor allem in der Rubrik „Die Börsenwoche“:

„Der intime Zusammenhang der wirtschaftlichen Verhältnissen in den einzelnen Kulturstaaten tritt gegenwärtig bei den großen Schwierigkeiten, von denen die Vereinigten Staaten heimgesucht werden, wieder einmal so recht deutlich in die Erscheinung. Große Schwankungen auf einem oder dem anderen Teil des Weltmarkts prägen sich in mehr oder minder scharfen Kurven prompt auf den übrigens Märkten aus. Die amerikanische Ueberspekulation und Ueberfinanzierung hat auch in den letzten Tagen wieder ihren Wellenschlag nach den europäischen Gestaden getrieben. Allein, dies sei vorweg bemerkt, unsere heimischen Märkte haben bisher durch die amerikanischen Vorgänge keine tieferen Erschütterungen erfahren; denn ihre Verfassung ist verhältnismäßig gesund. [...] Die großen amerikanischen Ansprüche, die an die europäischen Geldreservoire gerichtet werden, haben naturgemäß ein Anziehen der Diskontschraube im Gefolge gehabt, und der Bank von England ist inzwischen die Deutsche Reichsbank mit einer einprozentingen Erhöhung ihres Diskontsatzes gefolgt. [...] Die geschäftliche Thätigkeit unseres Marktes ist jedoch vorerst durch die Unsicherheit der amerikanischen Verhältnisse ziemlich lahmgelegt.“

– Die Woche, Nummer 41 vom 11. Oktober 1902, S.1889f

Auch vor der Globalisierungswelle des 19. Jahrhunderts sind verschiedene Phasen der Zu- und Abnahme der Verflechtung zu beobachten, worauf die wirtschaftshistorische und die generell historische Forschung seit mindestens den 1930er Jahren hinweisen. Diskutiert werden z. B. die Verflechtung Europas im Mittelalter, die ganz Eurasien umfassenden Fernhandelsverbindungen in der Antike oder auch die Handelsverbindungen der Hochkulturen Ägyptens, Chinas, Mesopotamiens, und der Induskultur.

Diskussion

Die Auswirkungen der Globalisierung werden sehr kontrovers diskutiert. Ergänzend ist zu ihren bereits genannten Vor- und Nachteilen folgendes zu nennen:

Vorteile

Vor allem aus ökonomischer Perspektive wird die Globalisierung häufig begrüßt. Besonders wird erwartet, dass durch mehr Handel und eine verstärkte Arbeitsteilung die Armut bekämpft werden kann. Die Politik der Importsubstitution, mit der in den 60ern und 70ern vor allem in Ländern Lateinamerikas und Afrikas aber auch beispielsweise in Indien versucht wurde, durch hohe Zölle auf Importe der eigenen Industrie den heimischen Markt zu sichern und so Wirtschaftswachstum auszulösen, wird als gescheitert betrachtet. Erst durch eine verstärkte Außenorientierung der Handelspolitik seien Länder wie China, Indien und die asiatischen Tigerstaaten in die Lage gekommen, ihre Wirtschaftsleistung zu vergrößern und Armut zu bekämpfen.[38]

Eine Verstärkung der Ungleichheit, die in Industrieländern in der Vergangenheit in Form von sinkenden Löhnen für weite Bevölkerungsschichten zu beobachten war, wird als nur in geringem Ausmaß durch die Globalisierung sondern vor allem durch technischen Wandel induziert betrachtet [39].

Die häufig vorgebrachte Kritik, die Globalisierung untergrabe die politische Gestaltungsfähigkeit, wird zurückgewiesen. Unternehmen suchten sich ihre Standorte selten nach politischen Vorgaben aus, die Gestaltungsfähigkeit der Politik sei deutlich größer, als dies, häufig auch von den Politikern selber in einer Art vorauseilendem Gehorsam, wahrgenommen werde [40]. Teilweise seien politische Veränderungen auch eindeutig positiv: die Zahl bewaffneter Konflikte ist zwischen 1992 und 2005 um etwa 40 % zurückgegangen [41].

Einer empirischen Untersuchung zufolge hat die wirtschaftliche Globalisierung einen robusten positiven Effekt auf die Lebenserwartung (auch in armen Ländern), die politische und soziale nicht.[42]

Nachteile

Hauptartikel: Globalisierungskritik

Eine grundlegende Ursache für Konflikte, die sich aus Globalisierungsprozessen prinzipiell ergeben, ist die Unterschiedlichkeit der Geschwindigkeit und der Intensität dieser Prozesse in den unterschiedlichen Kategorien, die für die Lebensbedingungen der Menschen relevant sind.

Die Argumentation der Globalisierungskritiker

Die Globalisierungskritik ist nur in seltenen Fällen gegen das Phänomen der Globalisierung an sich gerichtet („Globalisierungsgegner“). Weit überwiegend richten sich Globalisierungskritiker (u. a. vom Weltsozialforum, von Peoples Global Action, attac, WEED und BUKO) gegen die als neoliberal bezeichnete Ausprägung der Globalisierung sowie in einigen Fällen den Kapitalismus oder die Marktwirtschaft an sich.

Gemeint ist vor allem die Öffnung der Märkte und die Schaffung von Freihandelszonen. Nicht alle Waren und Dienstleistungen, einschließlich der Bildungseinrichtungen, des öffentlichen Verkehrswesens und der Güter der Grundversorgung sollen den Forderungen zufolge überall verkauft und gekauft werden dürfen. Kritisiert wird, dass sich die Globalisierung auf Märkte und Geschäftsbeziehungen konzentriert, die Globalisierung von Menschenrechten, Arbeitnehmerrechten, ökologischen Standards oder Demokratie aber unberücksichtigt bleiben würde. Der Bürger habe, im Gegensatz zu Lobbygruppen der Wirtschaft, schwindenden Einfluss. Vielfach wird die Einführung weltweiter sozialer und ökologischer Mindeststandards gefordert. Die Kritiker bemängeln weiterhin eine mangelnde Transparenz und demokratische Legitimation von internationalen Gremien wie der WTO, des IWF oder der Weltbank.

Die moderne Globalisierung hat nach Meinung von Kritikern die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt. Das von liberalen Wirtschaftswissenschaftlern erwartete beschleunigte Wirtschaftswachstum sei bisher nicht eingetreten. In den letzten beiden Jahrzehnten (1980–2000) hätte sich die weltweite wirtschaftliche und soziale Entwicklung von Ländern in sämtlichen Entwicklungsstadien im Vergleich zu den vorangegangenen beiden Jahrzehnten vielmehr verlangsamt.[43]

Globalisierungskritiker behaupten ferner, dass es durch die liberale Globalisierung zu einer Zunahme der weltweiten sozialen Ungleichheit sowohl zwischen als auch innerhalb einzelner Länder (vgl.: Stolper-Samuelson-Theorem) komme.

Vor allem Einkommen und die relative große Einkommensausgeglichenheit in Industrieländern geraten nach dieser Lesart unter Druck. Beispielsweise stieg das Bruttoinlandsprodukt der USA zwischen 1973 und 1995 um 39 %. Dieser Zugewinn entfiel jedoch beinahe ausschließlich auf Spitzenverdiener. Die Einkommen von Beschäftigten ohne Führungsfunktion (etwa 80 % der Arbeitnehmer) sanken in dem Zeitraum dagegen um real 14 % [44]. In den meisten Industrieländern, vor allem in den USA, den EU-15-Staaten und Japan, ist außerdem seit 1980 der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen stetig gesunken.[45] Zwischen 1980 und 2000 nahm die Ungleichheit weltweit in 48 Ländern zu und ging in 9 Ländern zurück [46].

Der Gini-Koeffizient, mit dem das Maß der Ungleichverteilung zwischen verschiedenen Ländern wiedergegeben werden kann, stieg von etwa 0,43 im Jahr 1950 auf etwa 0,45 im Jahr 1978, um von da an deutlich auf knapp 0,54 im Jahr 1998 anzusteigen. Begründet liegt dies vor allem in der schlechten Entwicklung Lateinamerikas und Afrikas, die nicht mit dem schnellen Wirtschaftswachstum der Industrieländer mithalten konnten. Allerdings relativiert sich diese Entwicklung, wenn man die Länder nach ihrer Bevölkerungsgröße gewichtet. Dann sinkt der Gini-Koeffizient seit Mitte der 50er Jahre, was wiederum vor allem auf die positive Entwicklung in China und Indien zurückzuführen ist, während vor allem afrikanische und lateinamerikanische Länder zurückfallen [47]

Dem UNDP zufolge stieg jedoch die weltweite Ungleichverteilung der Einkommen stark an: Im Jahr 1960 erzielten die unteren 20 % 2,3 % der Einkommen, während die oberen 20 % 70,2 % der Einkommen erzielten (Gini-Koeffizient ≥ 54 %). Im Jahr 1989 erzielten die unteren 20 % einen Einkommensanteil von 1,4 %, die oberen 20 % hatten einen Anteil von 82,7 % (Gini-Koeffizient ≥ 65 %)[48]. Im Jahr 1997 verdienten die unteren 20 % nur noch 1,2 % der Einkommen während die oberen 20 % einen Anteil von 89 % erreichten (Gini-Koeffizient ≥ 70 %)[49]. In Langzeituntersuchungen wird ein leichter Anstieg der Einkommens-Ungleichverteilung bereits im Jahr 1000 verzeichnet, der aber erst im Industriezeitalter kräftig zunimmt[50].

Eine andere Variante der Globalisierungskritik richtet sich nicht gegen eine „liberale Globalisierung“, sondern hat gerade ihre Grundlage im politischen Liberalismus: Ralf Dahrendorf beschrieb das Entstehen einer neuen „globalen Klasse“ und das Aufkommen eines neuen Autoritarismus als eine Wirkung der Globalisierung, die die Freiheit der Menschen gefährde, wenn dieser Entwicklung keine ausreichend starke politisch Gegenkraft gegenüber stehe.[51] Darüber hinaus warnte er eindringlich vor dem Wiederauferstehen autoritärer, faschistoider Systeme zur Erhaltung von Recht und Ordnung. Allein der demokratische Nationalstaat mit seinen Grenzen sei eine funktionierende Form für demokratische Verhältnisse. Darüber hinausgehende Kräfte würden sich der demokratischen Kontrolle entziehen. [52]

Grundsätzliche Globalisierungsgegner

Eine grundsätzliche Kritik an Globalisierung wird von verschiedenen Seiten formuliert.

Nationalistische, rechtsextreme Gruppierungen wie etwa in Deutschland die NPD wenden sich gegen die zunehmende Vereinheitlichung der Kulturen und gegen die abnehmende Bedeutung der Nationalstaaten (und somit des Nationalismus). Rechtsextreme wenden sich dabei insbesondere gegen die im Zuge der Globalisierung erfolgende Zuwanderung, die die von ihnen behauptete rassische Reinheit der Völker gefährde. Häufig vermischt sich diese Ablehnung der Globalisierung auch mit antiamerikanistischen Haltungen. Gelegentlich wird auch die Meinung vertreten, „Globalisierung“ würde nichts anderes als die „Globalisierung der Amerikaner“ bedeuten.

Von verschiedenen ökologischen Gruppen wird die zunehmende Umweltzerstörung kritisiert, da die Abgase, beispielsweise von Flugzeugen, Autos und Fabriken, immer mehr zunehmen. Auch verbreiten sich durch den zunehmenden Tourismus Tropenkrankheiten in gemäßigten Breiten, weil man sich zum Beispiel im Flugzeug anstecken kann oder im Flugzeug Krankheitserreger schnell um den Globus transportiert werden können. Aus Erwägungen der Systemtheorie stammt der Begriff der globalen Beschleunigungskrise, der von dem Physiker Peter Kafka geprägt wurde. Danach führe ein sehr schneller und global vereinheitlichter Strukturwandel zwangsläufig in eine instabile Gesamtlage der menschlichen Zivilisation und der menschenfreundlichen Biosphäre. Siehe auch: Turbokapitalismus und Entschleunigung

Infragestellung des Phänomens als solches

Man kann die Globalisierung als solche kritisieren (und sie dabei als Erscheinung anerkennen), man kann aber auch in Frage stellen, ob es Globalisierung überhaupt gibt. So weisen Kritiker darauf hin, dass ein großer Teil der Weltproduktion immer noch auf sehr wenige Länder, insbesondere auf die Triade, konzentriert ist. Die Triadeländer USA, Japan und Deutschland vereinigen mit gerade mal 8 % der Weltbevölkerung 49 % des Welt-Bruttonationaleinkommens auf sich. Vor zehn Jahren waren es noch 9 % der Weltbevölkerung und 53 % des Welt-BNEs.

Die neue Weltwirtschaftsordnung (NWWO), die im Jahre 1974 von der UNO verabschiedet wurde, soll helfen, das Gleichgewicht zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern herzustellen. Dies soll mit Hilfe des Integriertem Rohstoffprogramms (IRP), welches feste Rohstoffpreise vorschreibt, gelingen.

Handelsströme fließen in erster Linie zwischen Industrieländern und umfassen nur einzelne Inseln der Entwicklungsländer, wobei derzeit die Volksrepublik China einen besonderen Wachstumspol darstellt. Direktinvestitionen finden überwiegend zwischen den Industrieländern statt. Krisen treffen aufgrund mangelnder Stabilität in erster Linie die Entwicklungsländer, nicht die Industrieländer.

Globalisierung und die Geschlechter

Ein weiterer Punkt in der Analyse und Diskussion von Globalisierung ist deren Verschränkung mit und Auswirkung auf Geschlechterverhältnisse. Dabei wird Globalisierung in der geschlechtersensiblen Forschung ambivalent beschrieben: Einerseits hat sie eindeutig negative Folgen für Frauen, indem sie die geschlechtliche Arbeitsteilung im globalen Maßstab umwälzt und Frauen als neue flexible „Reservearmee“ verschleißt, was besonders deutlich z. B. in der Textilverarbeitungsindustrie Lateinamerikas und Südostasiens wird. Gleichzeitig werden flexible und prekäre Arbeitsverhältnisse, die früher weiblich besetzt waren, in alle Gesellschaften und alle Schichten ausgedehnt (siehe: Hausfrauisierung). Hier wird auch von einer 'Feminisierung des Arbeitsmarktes' gesprochen.

Andererseits eröffnet die Globalisierung Frauen auch neue Möglichkeiten zur internationalen Kooperation und Vernetzung aufgrund neuer Medien der Kommunikation und der Bedeutungszunahme internationaler Organisationen.

Öffentliche Meinung

Die öffentliche Meinung bezüglich ökonomischer und kultureller Globalisierung wurde in mehreren Studien untersucht.[53]

Scheve und Slaughter (2006) fassen die wichtigsten Erkenntnisse aus der öffentlichen Meinungsforschung zur Globalisierung in vielen Industrie- und Entwicklungsländern in folgenden Punkten zusammen:[54]

  • In vielen, aber nicht allen Ländern glaubt eine Mehrheit, dass Globalisierung für ihr Land gut ist.
  • Der Nutzen wird hauptsächlich bei Verbraucher und Unternehmen gesehen, nicht bei Arbeitern.
  • Es gibt vereinzelte Hinweise, dass die öffentliche Unterstützung für die Globalisierung in einzelnen Ländern rückläufig ist.
  • In den meisten Ländern bevorzugt eine Mehrheit Protektionismus vor Freihandel.
  • Freihandelsfeindliche Meinungen gründen sich vor allem auf Gefährungen von Arbeitsplätzen und hohen Löhnen.
  • In den meisten Ländern ist eine Mehrheit für eine Begrenzung der Einwanderung, nicht für eine Ausweitung.
  • Einwanderungsfeindliche Meinungen sind häufig mit Arbeitsmarktsorgen motiviert.

Wirtschaftliche Globalisierung

Eine verbreitete Herangehensweise an die Analyse der öffentlichen Meinung leitet sich aus Standardmodellen der Handelstheorie ab. Scheve und Slaughter (2001) nutzen das Heckscher-Ohlin-Theorem, um Hypothesen in den Vereinigten Staaten zu testen. Das Theorem impliziert, dass Arbeitnehmer in Industriezweigen mit Nutzung von nicht-knappen Produktionsfaktoren vom Freihandel profitieren und diesen daher unterstützen würden (Sektorenhypothese). Hochqualifizierte können zudem stärker von der wirtschaftlichen Integration profitieren als Niedrigqualifizierte und seien daher auch Einwanderung gegenüber aufgeschlossener (Qualifikationsshypothese). Scheve und Slaughter fanden empirische Belege gegen die Sektorenhypothese und für die Qualifizikationsshypothese. Mayda und Rodrik (2005) fanden anhand eines Querschnitts von 23 Ländern hingegen Unterstützung für beide Hypothesen.[53]

Eine weitere untersuchte Variable ist politische Parteilichkeit. Garrett (1998) fand keinen Hinweis, dass politische Linke und Wohlfahrtsstaat nicht mit einer globalisierten Wirtschaft einhergehen kann. Scheve und Slaughter (2001) stellten anhand von 1996 durchgeführten Umfragen fest, dass Konservative stärker zu Protektionismus neigen. Rankin (2001) zeigte, dass Anhänger der Demokraten NAFTA eher unterstützten. Scheve und Slaughter (2001) fanden hingegen keine Verbindung zwischen Parteilichkeit und Protektionismus auf Basis von 1992 erhobenen Umfragedaten. Auch Mayda und Rodrik fanden keinen Zusammenhang.[53]

Studien zu den Auswirkungen der öffentlichen Meinung auf ökonomische Reformen aus den Vereinigten Staaten und Europa zeigen, dass die Auswirkungen der Reformen auf das persönliche Einkommen weniger bedeutend sind als die Auswirkungen der Reformen auf die wirtschaftliche Gesamtlage.[53]

Werte sind ebenfalls ein Faktor der öffentlichen Meinung. Rankin (2001) fand heraus, dass Befragte mit starken patriotischen Wertvorstellungen NAFTA konsistent ablehnten. Mayda und Rodrik (2005) sowie O'Rourke und Sinnott (2001) fanden in einer internationalen Querschnittsstudie, dass Nationalismus eher zu Protektionismus führt.[53]

Kulturelle Globalisierung

Wirtschaftliche Globalisierung geht mit kulturellem Austausch einher. Die Reaktionen reichen von Bedenken zum Inhalt von Filmen hin zu Internetsperren. Beim Abbau von Handelsschranken haben Staaten kulturelle Sektoren teilweise ausgelassen. In der Öffentlichkeit sind ebenfalls Bedenken um die Auswirkungen der kulturellen Integration zu finden. Auf die Frage, ob der Zugang zu Filmen, Fernsehen und Musik aus anderen Teilen der Welt schlecht bewertet wird, schwankten die Antworten zwischen 7% in Großbritannien und Frankreich und 40% in Bolivien. Insgesamt scheinen Entwicklungsländer stärker über die kulturelle Globalisierung besorgt als Industrieländer. In jedem der 17 untersuchten Länder empfand jedoch die Mehrheit der Befragten den Kulturaustausch als tendenziell positiv, nicht negativ.[53]

Wie im Fall der wirtschaftlichen Globalisierung stellt sich auch hier wieder die empirische Frage, welche Variablen die Variation in den Meinungen erklären können. Edwards (2006) fand in einer Untersuchung von 2002 erhobenen Umfragedaten aus 17 Entwicklungs- und Industrieländern, dass Werte eine große Aussagekraft besitzen. Vorstellungen bezüglich dem freien Markt, Konsumismus und dem modernen Leben hatten einen größeren Erklärungsgehalt als Einschätzungen hinsichtlich Wirtschaft oder politische Präferenzen. Qualifikationen hatten einen ähnlich großen Erklärungsgehalt wie Werte.[53]

Literatur

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Globalisierung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Globalisierung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Vgl. hierzu auch Karl H. Metz: Ursprünge der Zukunft. Die Geschichte der Technik in der westlichen Zivilisation. Inhaltsverzeichnis (PDF-Datei)
  2. a b Barnaby J. Feder: „Theodore Levitt, 81, Who Coined the Term 'Globalization', Is Dead“, New York Times, 6. Juli 2006
  3. http://stockpress.de/2011/09/09/wer-erfand-die-globalisierung/
  4. Louis Lavelle: „Theodore Levitt Dead at 81 “, BusinessWeek, 29. Juni 2006
  5. Levitt, Theodore: „The globalization of markets“, in: Harvard Business Review, 61. Jg., 1983, Nr. 3, S. 92
  6. www.hoelzel.at/cms1/fileadmin/documents/.../Fugger_Globalisierung.ppt
  7. Karl Jaspers: Die geistige Situation der Zeit, S.67 (Ausg. 1932), Hervorhebung von „planetarisch“ durch den Autor, 1932, z. B. ISBN 3-11-016400-0
  8. Ein Beispiel für den Einsatz von Indikatoren für politische Verhältnisse gibt Robert Alan Dahl in On Political Equality, Yale University Press, 2006, ISBN 978-0-300-12687-7, Themen des im Jahr 1915 geborenen Autors sind die Grundlagen der Demokratie, die Bedeutung politischer Teilhabe für die Demokratie, eine Skala für den Grad der „Polyarchie“ und zwei Zukunftsszenarien. Übersetzung: Gabriele Gockel, Barbara Steckham, Thomas Wollermann: Politische Gleichheit – ein Ideal? Hamburg, 2006, ISBN 978-3-936096-72-9.
  9. Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  10. Ausländische Direktinvestitionen (ADI) pro Jahr, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  11. Handel und Investitionen, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und http://www.zeit.de/2006/47/Grafik-1
  12. Handel und Investitionen, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  13. (UNCTAD, World Investment Report 2002, S. 153)
  14. Siehe dazu Petrus Han: Soziologie der Migration. Erklärungsmodelle, Fakten, politische Konsequenzen, Perspektiven. 2. erw. und üb. Auflage. Lucius & Lucius, Stuttgart 2005.
  15. Vgl. dazu Michael Hartmann: Eliten und Macht in Europa. Ein internationaler Vergleich. Campus, Frankfurt am Main 2007.; Markus Pohlmann: Globale ökonomische Eliten? Eine Globalisierungsthese auf dem Prüfstand der Empirie. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 61, Nr. 4, 2009, S. 513–534.
  16. Siehe Michael Hartmann: Soziale Selektion, Hauskarrieren und geringe Internationalisierung. In: Personalführung. 40, Nr. 1, 2007, S. 54–62.; Markus Pohlmann: Globale ökonomische Eliten? Eine Globalisierungsthese auf dem Prüfstand der Empirie. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 61, Nr. 4, 2009, S. 513ff.
  17. Grafik: Luftfracht, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  18. Grafik: Seefracht, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  19. Informations- und Kommunikationstechnologie, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  20. Varwick, Johannes (2004): Globalisierung. In: Woyke, Wichard (Hg.): Handwörterbuch Internationale Politik. 9. völlig überarbeitete Auflage. (= Schriftenreihe, Band 404). Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. S. 166.
  21. Entwicklung der Mitgliedschaft der Vereinten Nationen 1945 bis 2006, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  22. Informationen und Stimmenverteilung 2009, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  23. Informationen und Stimmenverteilung 2009, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  24. Informationen und Mitgliedstaaten 2009, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  25. Anzahl der NGOs, 1909 bis 2007, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  26. Byung-Chul Han: Hyperkulturalität. Kultur und Globalisierung, Berlin 2005, ISBN 3-88396-212-0
  27. Grafik: Weltweite Verbreitung des Sendeformats „Wer wird Millionär“, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  28. Grafik: Aktive Nutzer des Netzwerks „Facebook“, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  29. Grafik: Weltweit gegebene und geplante Konzerte der Band Metallica, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  30. Grafik: Weltweite Verbreitung des Modeunternehmens H&M, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  31. Weiterführende Grafiken zum Thema: Kulturelle Globalisierung, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  32. Grafik: Weltweiter Tourismusverkehr, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  33. Vergleiche beispielsweise: Markus Breuer (Dissertation), Die kulturelle Einbettung der wirtschaftlichen Globalisierung. Wie kann dem Globalisierungsbegriff Kontur gegeben werden?, Universität St. Gallen, Hochschule für Wirtschafts-, Rechts und Sozialwissenschaften 2005. (Onlinetext; PDF, 207 Seiten)
  34. Grafik: Verbreitung der englischen Sprache, aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  35. Globalisierung-Fakten.de: Geberkonferenz für Tschernobyl (HTML). Abgerufen am 30. April 2011.
  36. Alexandra Kertz-Welzel: Every Child For Music: Musikpädagogik und Musikunterricht in den USA, Essen: Blaue Eule, 2006, ISBN 3-89924-169-X
  37. Borchardt, Knut (2001): Globalisierung in historischer Perspektive. (= Sitzungsberichte Jahrgang 2001, Heft 2). Verlag der bayerischen Akademie der Wissenschaften, München S. 34.
  38. Bhagwati, Jagdish (2004) In Defense of Globalization. Oxford University Press, S. 51ff
  39. Bhagwati, Jagdish (2004) In Defense of Globalization. Oxford University Press, S.122ff
  40. Bhagwati, Jagdish (2004) In Defense of Globalization. Oxford University Press, S.92ff
  41. Human Security Report (2005) Press Release
  42. Bergh, A. & Nilsson, T. (2010): Good for Living? On the Relationship between Globalization and Life Expectancy. World Development Vol. 38, Nr. 9, S. 1191–1203.
  43. Weisbrot u.a. (2001) The Scorecard on Globalization 1980–2000; 20 Years of Diminished Progress
  44. Heilbroner, Thurow: Wirtschaft – Das sollte man wissen. Campus, Frankfurt am Main 2002, S. 249f
  45. DGB-Bildungswerk Info-Grafik „Globalisierung: Arbeitnehmer profitieren kaum“, gute-arbeit-weltweit.de, Abruf 26. Februar 2009
  46. Cornia, Court (2001) Inequality, Growth and Poverty in the era of liberalization and globalization. World Institute for Development Economics Research. Policy Brief No.4
  47. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Hrsg.): Fair Future. Beck, München 2005, S. 20ff
  48. UNDP: Human Development Report, 1996
  49. John McMurtry, Wayne Ellwood: The No-Nonsense Guide to Globalization, Ausgabe 2001
  50. Károly Henrich: Globale Einkommensdisparitäten und -polaritäten, 2004
  51. Ralf Dahrendorf: Die globale Klasse und die neue Ungleichheit, Merkur 11/2000
  52. Ralf Dahrendorf: http://www.zeit.de/1997/47/thema.txt.19971114.xml An der Schwelle zum autoritären Jahrhundert, Die ZEIT 1997
  53. a b c d e f g Martin S. Edwards (2006): Public opinion regarding economic and cultural globalization: evidence from a cross-national survey. Review of International Political Economy 13(4): 587–608.
  54. Kenneth Scheve & Matthew Slaughter (2006): Public Opinion, International Economic Integration, and the Welfare State. In Pranab Bardhan, Samuel Bowles, Michael Wallerstein (Hrsg.): Globalization and Egalitarian Redistribution. Princeton University Press, 2006. ISBN 0691125198. S. 499-522.

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